Ausgabe vom 18.09.2008

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Unten links

Wenn das keine Drohung ist: Oskar Lafontaine, teilte sein Kollege Gregor Gysi mit, wolle so lange in der Politik aktiv bleiben, bis die SPD jemanden findet, der sie wieder sozialdemokratisch macht. Offenbar besitzt er die ewige Fitness. Falls das keine indirekte Bewerbung Lafontaines bei seiner ehemaligen Partei sein soll. Denn ansonsten ist es nach Lage der Dinge eine Art Arbeitsplatzgarantie in ...

Notenbank rettet Versicherer

New York (dpa/ND). Die US-Notenbank hat mit einer außergewöhnlichen Rettungsaktion eine Pleite des Versicherungsriesen American International Group (AIG) in letzter Minute verhindert. Die Notenbank Federal Reserve gewährt AIG zu strengen Konditionen einen dringend benötigten Kredit von 85 Milliarden Dollar. Im Gegenzug erhält die US-Regierung einen Aktien-Anteil von 79,9 Prozent an dem größten ame...

ndPlusJürgen Elsässer

Lenin hat Recht

Der größte US-Versicherungskonzern American International Group (AIG) konnte nur noch durch den Staat gerettet werden. Die US-Notenbank schoss dem taumelnden Riesen am Mittwoch 85 Milliarden Dollar zu und übernahm 80 Prozent seiner Anteile. Zuvor hatte die US-Regierung bereits die Immobiliengiganten Fannie Mae und Freddie Mac, die durch Außenstände in Höhe von über fünf Billionen US-Dollar belaste...

Moskau: Abkommen mit Abtrünnigen

Der russische Präsident Dmitri Medwedjew hat am Mittwoch umfangreiche Kooperationsabkommen mit Südossetien und Abchasien geschlossen.

Schulterschluss auf Zeit

Die Große Koalition hat am Mittwoch im Bundestag den Schulterschluss demonstriert – ein paar kleine Spitzen, kein Streit. Union und SPD wollen handlungsfähig bleiben.

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»Bonbons« für Steinmeier?

Angekündigt ist die heutige 95. Sitzung des Untersuchungsausschusses als eine öffentliche. Doch das klingt wie ein Hohn. Es wird nur Minuten dauern, dann sind Journalisten und andere an der Wahrheit Interessierte ausgeschlossen. Doch auch die, die als Abgeordnete drinnen ihr Fragerecht wahrnehmen können, werden nicht viel Neues erfahren. Das deutete sich schon bei der Herausgabe der Akten aus dem ...

»BK und AA muss befasst werden.«

Die Bundesregierung hat am 20. Februar 2006 dem Parlamentarischen Kontrollgremium des Deutschen Bundestages den abschließenden Bericht zu Vorgängen im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg und der Bekämpfung des internationalen Terrorismus vorgelegt. Allzu viele Verdachtsmomente blieben. Also setzte man den »BND-Untersuchungsausschuss« ein.Der Name war bislang irreführend. Denn nur ganz am Rande spielte...

Klare Abmachung mit den US-Partnern

Klare Abmachung mit den US-Partnern

Als »Dali« war Wilhelm Dietl (geb. 1955) für den BND der wohl wichtigste Mann im Nahen und Mittleren Osten. Als es zu »Unstimmigkeiten« kam, verbrannte man den eigenen Agenten bei seinen Focus-»Kollegen«. Seither ist Dietl (www.wilhelm- dietl.de) ein umso genauerer Beobachter der deutschen Geheimdienstszene.

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Aktham Suliman

Kaukasische Kreidekreise sind selten rund

Viele Medien zeichnen ein klares Bild: Im Kaukasus kämpft der russische Iwan gegen den demokratisch- georgischen Mischa. Alles in allem ist das ein neuer Kalter Krieg. Doch aus der Nähe sieht vieles anders aus.

Seite 4

Zuschuss für die Bahn

Berlin (dpa/ND). Die Deutsche Bahn bekommt für den Erhalt ihres Schienennetzes auch als teilprivatisiertes Unternehmen die geplanten 2,5 Milliarden Euro weiterhin voll als Baukostenzuschuss des Bundes. Das haben die Haushalts- und Verkehrspolitiker von Union und SPD vereinbart, wie am Mittwoch aus Koalitionskreisen zu erfahren war. Mit dieser Vereinbarung vom Vorabend sei die Forderung von Bundesf...

Bleiberechtsregelung greift nicht

Berlin (epd/ND). Die Bleiberechtsregelung für geduldete Ausländer droht nach Ansicht der Bundesarbeitsgemeinschaft »Asyl in der Kirche« zu scheitern. Bis März hätten weniger als ein Viertel der knapp 180 000 Betroffenen eine Aufenthaltsgenehmigung auf Probe bis Ende 2009 erhalten, erklärte die stellvertretende Geschäftsführerin Anne-Barbara Müller am Mittwoch in Berlin.Nach der Regelung erhalten g...

Anke Engelmann, Erfurt

Thüringer Grüne liebäugeln mit der SPD

In reichlich einer Woche wählt die Landesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen Thüringen in Eisenach die Kandidaten für Landtags- und Bundestagswahl 2009. Landessprecher Astrid Rothe-Beinlich und Frank Augsten sprachen gestern in Erfurt über Inhalte, Personen und mögliche Koalitionen.

ndPlusVelten Schäfer, Schwerin

E-Mail-Fach von Ministerin kopiert

Politaffäre oder Wichtigtuerei? Auch Tage nach der Durchsuchung des Schweriner Finanzministeriums durch die Rostocker Staatsanwaltschaft gibt es Unruhe im Nordosten.

Seite 5

IG Metall fordert Mindestlohn für Leiharbeiter

Frankfurt am Main (dpa/ND). Die IG Metall hat allgemein gültige Mindestlöhne für die Leiharbeitsbranche gefordert. Die Leiharbeit müsse in das Entsendegesetz aufgenommen werden, um Tarifdumping zu vermeiden, erklärte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Detlef Wetzel am Mittwoch. In keiner anderen Branche seien Armutslöhne so verbreitet. Er wies darauf hin, dass nach Zahlen der Bundesarbeitsag...

Markus Drescher, München

Promille und Prozente

Die CSU klettert wieder auf 50 Prozent, doch Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein torkelt weiter von Fettnapf zu Fettnapf.

Hendrik Lasch, Magdeburg

Ramadan am Flughafen

Für 60 Millionen Euro wurde in Sachsen-Anhalt ein schöner Flughafen gebaut. Genutzt wird er kaum. Während der Wirtschaftsminister weiter auf Investoren hofft, reißt nun dem Finanzminister der Geduldsfaden.

Seite 6
Daniel Kestenholz, Bangkok

Schwager in unmöglicher Mission

Eine Woche nach dem kuriosen Rauswurf von Thailands umstrittenem Premier Samak Sundaravej wegen eines unerlaubten Nebenjobs als Fernsehkoch hat das thailändische Parlament am Mittwoch den Juristen Somchai Wongsawat mit deutlicher Mehrheit zum neuen Premier gewählt.

Seite 7
Karin Leukefeld

Versuch der Versöhnung

In der libanesischen Hauptstadt Beirut hat eine Versöhnungskonferenz der verschiedenen politischen Parteien des Landes begonnen.

Olaf Standke

Tag für Tag Tausend Tote durch Kleinwaffen

Durch Handfeuerwaffen sterben nach Angaben von Amnesty International (AI) jeden Tag 1000 Menschen. Vor allem in Krisengebieten werde die Gewaltspirale durch den unkontrollierten Gebrauch von Kleinwaffen unnötig angeheizt, heißt es in einem am Mittwoch vorgelegten Report der Menschenrechtsorganisation.

Seite 8
ndPlusKlaus Weise

The best ever

The best ever! – seine Standardformel hätte Ex-IOC-Chef Samaranch für Peking garantiert benutzt. Zu Recht: Das Behinderten-Olympia war rasant, bewegend, hochklassig. Daran ist nicht zu rütteln, auch, wenn gelernte Kritikaster dahinter nur eine Propagandainszenierung der Gastgeber vermuteten. Wie nie zuvor sind die Paralympier vom Rand in die Mitte der Gesellschaft gerückt. »Kein mitleidiges ...

ndPlusUwe Kalbe

Realitätsverlust

Die Koalition hat ein Problem, ein Selbstdarstellungsproblem. So jedenfalls sieht es SPD-Fraktionschef Peter Struck. Alles prima, und die Leute merken es nicht? Die Wahrheit ist wohl eher: Die Leute haben ein Problem, jedenfalls eine wachsende Zahl, und die Koalition merkt es nicht. Jedenfalls schließen Union und SPD, wie auch gestern während der Generaldebatte im Bundestag, regelmäßig von ihrem e...

Martin Ling

Bewegung in Bolivien

Das 21. Jahrhundert sieht uns vereint oder beherrscht«, lautet eine These von Hugo Chávez. Dass diese These des venezolanischen Präsidenten Substanz hat, zeigt sich gerade am Fall Bolivien. Mit seiner eindeutigen Rückendeckung für Evo Morales hat der erst im Mai gegründete südamerikanische Staatenbund Unasur der bolivianischen Opposition die Grenzen der Machbarkeit aufgezeigt – eine Verletzu...

ndPlusVelten Schäfer

Böser Abschied

Nie hat Sigrid Keler so angefasst gewirkt wie in den vergangenen Tagen. In drei Wochen wird die langjährige Finanzministerin Mecklenburg-Vorpommerns in den Ruhestand gehen, und nun droht, was in der langen Karriere der SPD-Politikerin bisher nicht vorkam: wenn nicht ein wirklicher Skandal, dann doch allemal eine ausgewachsene Schlammschlacht. Seit der bislang letzte CDU-Ministerpräsident Berndt Se...

Ist Chancengleichheit möglich?

Ist Chancengleichheit möglich?

ND: Am Samstag ist der Weltkindertag. Wie geht es den Kindern in Deutschland? Krüger: Das kann man nicht pauschal beantworten. Fakt ist aber, dass ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen unter Armut leidet. Statistiken belegen, dass drei Millionen Kinder in Deutschland von Armut betroffen sind. Sie müssen mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens leben. Man kann sagen, dass die Ar...

Seite 9
Gunnar Decker

Schwer erträgliche Kolportage

Wie das so ist, wenn man einen Ort verlässt – irgendwie lässt man doch nichts zurück. Es ist wie mit dem Hasen und dem Igel. Das, wovon man davonläuft, ist immer schon da. So auch bei Familie Striesow, die 1961 aus dem Osten in den Westen geflüchtet war – und eigentlich sollten nun friedliche Zeiten im Wirtschaftswunderland beginnen.Doch Irene (unbestimmt elegisch: Katharina Schubert) ...

ndPlusTom Mustroph

Die Avantgarde geht ins Grüne

Wer hätte vermutet, dass Schrebergartenbesitzer einmal die Lieblinge der Architekturavantgarde sein würden? Sehr wahrscheinlich hätte man im modernen 20. Jahrhundert eine Person mit einem solchen Vorschlag kräftig ausgelacht. Im 21. Jahrhundert dreht sich der Wind. Der Weg ins Grüne wird auf der am vergangenen Samstag eröffneten 11. Architekturbiennale in Venedig gewaltig angepriesen. Weitere Paro...

Seite 10
ndPlusGünter Benser

Vergängliches, Bleibendes

W ährend in der Bundesrepublik eine engbegrenzte und nicht selten engstirnige Rückschau auf 1968 vorherrscht, thematisierte die diesjährige Linzer Tagung der ITH (International Conference of Labour and Social History) dieses Schlüsseljahr in einem breitgefächerten Zusammenhang. Weltweit zeigte sich, dass die sozialen und politischen Protestbewegungen fast überall deutlich vor 1968 einsetzten und e...

Sinfonie des Verführens
Laura Naumburg

Sinfonie des Verführens

Theben ist Schauplatz der Tragödie »Die Bakchen« des Euripides. Hans Werner Hen-zes Oper »Die Bassariden« (1966) basiert darauf. Sie wurde ein Endspiel der Klangkunst und ein Gesellschaftsspiegel gegenüber einem Deutschland, das Henze immer mehr hasste und letztlich verließ.In Hannover sind die spätathenisch-nachkriegsbundesdeutschen Vorgänge in das Präsidium eines Parlamentssaales verlegt. Kadmos...

ndPlusVolker Trauth

Welthaltig, regional

Ein Blick auf die Spielpläne des Schauspiels für die Spielzeit 2008/2009 verrät, dass der Berufsstand der Dramaturgen einen deutlich höheren Stellenwert gewonnen hat. In fast allen Jahresspielplänen gibt es so etwas wie einen Leitfaden, einen Titel oder einen Leitsatz, dem sich alle einzelnen Stücke zuordnen. Ein Geflecht von inneren Korrespondenzen zwischen den unterschiedlichen Projekten wird de...

Seite 11
STARporträt

STARporträt

Der sympathische, Gutmütigkeit ausstrahlende Schauspieler verteidigt in seinen bekannteren Rollen meist das Recht. Er kann aber auch anders, wie jetzt in »Unschuld« zu sehen – da wird er als Zuhälter äußerst brutal zu seinen Prostituierten. Michael Kind (*23.7.1953 Halle/Saale) absolvierte die Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin und machte Karriere vor allem am Theater und...

www.einestages.de

Nicht weniger als dem »Aufbau eines kollektiven Gedächtnisses unserer Geschichte« verschreibt sich die Redaktion von einestages.de, dem Zeitgeschichte(n)-Portal von Spiegel-Online. Tatsächlich bietet die Seite vor allem eines: Ein Potpourrie teils informativer, teils skurriler Themenfelder – und ist damit weit entfernt vom allzu hehren Anspruch, den Nutzern ein »kollektives Gedächtnis« zu li...

ndPlusKarin Leukefeld

Zielscheibe Journalist

Etwa 390 km nördlich von Bagdad haben bewaffnete Männer vier Mitarbeiter des irakischen Fernsehsenders Sharqia in Mossul entführt und dann erschossen. Die Polizei hat fünf Männer verhaftet, die der Tat verdächtigt werden«, so die Mitteilung am 13. September 2008 der Nachrichtenagentur Reuters, die über die »Sicherheitsentwicklung in Irak« berichtet. Der Anschlag auf die vier Medienarbeiter war nur...

ndPlusGunnar Decker

Schlag den Therapeuten!

Was ist eigentlich eine Therapie? Eine Art Menschen-Design, das jede Auffälligkeit, jede Abweichung von der Norm erbarmungslos korrigiert? Sterben die sonderbaren Käuze nun aus? Sind wir denn alle so krank, dass wir einen ganzen expandierenden Berufszweig ernähren sollen?So krank ist er nun doch nicht, um bei so was mitzuspielen, befindet Geirr (kompromisslos renitent: Fridtjov Saheim), der nach e...

Seite 12
ndPlusIrmtraud Gutschke

Nur ein Schritt

Wenn man dieses Buch zuschlägt, hat man eine interessante Zeit in Spannung verbracht. – Und wird die Lektüre noch einmal von vorn beginnen wollen. Was ist nun wirklich mit diesem Literaturwissenschaftler namens Wieland geschehen? Hat er das Universitätsgebäude angezündet und sich in ein halb kriminelles Milieu begeben? Davon hat Andreas Höfele doch so detailgenau und suggestiv erzählt, dass ...

ndPlusJan Eik

Im Sumpf des www

Dass Fünfzehnjährige lieber blindlings in Seifenopern oder im Internet versacken, statt sich den Pisa-Anforderungen der Mathematik zu stellen, überrascht nicht. Häufig genug verlieren sich auch »Erwachsene« im Dschungel der Online-Sucht. Ein solcher Süchtiger, der im Sumpf des www, des »world wide web« untergeht, steht im Mittelpunkt des Romans. Herbert Genzmer, 56, erfolgreicher Suhrkamp-Autor, p...

Werner Jung

Hotel Abgrund

Darauf muss man auch erst mal kommen: Unter der Bedingung, dass sie ein Hospiz für Lebensüberdrüssige gründen, vermacht der einst lebenslustige Onkel testamentarisch einem Neffen und seinen beiden Nichten ein formidables Anwesen im Süden Münchens. Da es sich lohnt, gibt die Älteste, Clarissa, ihre Stelle an der renommierten London School of Economics auf. Und auch die beiden anderen, Monika und Ul...

Michael Sollorz

Gehirn-Geheimnis

Bei Sonnenuntergang steuert der vierzigjährige Antiquitätenhändler Paul Cremer seinen Daimler auf einen Berg am Rande des Schwarzwalds und schießt sich in den Kopf. Starker Anfang. Nach mehreren Operationen erwacht er in einer neuropsychologischen Klinik, darin die üblichen Verdächtigen, und einer davon, der todgeweihte Levin, verkündet philosophisch das Programm: »So wenig wie ein einziges Gehirn...

Seite 13

Leseprobe

Nach Schätzungen sind von Januar bis Anfang Mai 1945 zwischen 250 000 und 370 000 Menschen im System der Konzentrationslager, also in den Lagern selbst oder auf den Todesmärschen, zugrunde gegangen. Das sind mehr Opfer, als in den Lagern in der Zeit von Kriegsbeginn bis zum Ende des Jahres 1944 ums Leben kamen, wenn man von den Opfern der Massenvernichtungen absieht. Schätzungen gehen davon aus, d...

René Heilig

Randerscheinung

Herr General, mit Verlaub, Sie sind ... tja, abermals gezwungen, einen weiteren »Eselstritt« (so nennen Sie es doch) von einem Redakteur des »Neuen Deutschland« auszuhalten. Doch der ist ja, wie Sie in Ihrem Buch bemerken, nur eine »Randerscheinung« innerhalb der Kampagne gegen Ihren heißgeliebten Oberst Mölder, an dem sich – und da stimme ich Ihnen fleißig zu – die Geister scheiden. F...

Hans Canjé

»Es ging wie am Schnürchen ...«

Der deutsche Faschismus, sein unvermeidliches Ende vor Augen – auch wenn viele seiner Anhänger es noch nicht wahrhaben wollten – verhielt sich wie ein tödlich verwundetes Raubtier, das vor seinem Ende noch einmal mit voller Wucht um sich schlägt«, konstatiert der Dortmunder Journalist Ulrich Sander im Vorwort dieser Nachzeichnung der Blutspur, die das Regime in den letzten Tagen des Kr...

ndPlusKurt Finker

Ritterliche Helden?

Nach fast zwanzigjähriger Forschungsarbeit im In- und Ausland legt Hermann Frank Meyer, ein in Brüssel lebender Unternehmer und zugleich Historiker, ein Buch vor, das mehr ist als die Darstellung des kriegerischen Weges einer Division der faschistischen deutschen Wehrmacht. Schon ein Blick auf die Überschriften bezeugt die blutige Spur der Edelweiß-Gebirgsjäger, die eine bis in die Gegenwart reich...

Seite 14

Peinliche Überweisung

Berlin (dpa/ND). Die KfW-Bankengruppe gerät in der Finanzmarktkrise erneut massiv unter Druck: Das Bund und Ländern gehörende Institut hatte der maroden US-Bank Lehman Brothers noch kurz vor deren Zusammenbruch 300 Millionen Euro überwiesen. Die KfW sprach von einer technischen Panne, deren Umstände geprüft würden. Bundesregierung und Opposition reagierten fassungslos und forderten am Mittwoch umg...

Stromlücke oder Überschuss?
ndPlusSteffen Schmidt

Stromlücke oder Überschuss?

Seit März des Jahres geistert eine angeblich drohende Stromlücke durch die deutsche Politik. Damals legte die Deutsche Energie Agentur (dena) eine Studie vor, wonach ab 2012 in Deutschland mehr Elektroenergie verbraucht als erzeugt werde. Eine am Mittwoch in Berlin von Greenpeace vorgestellte Untersuchung kommt zum gegenteiligen Ergebnis.

ndPlusDaniel Kestenholz

Japanifizierung der Wall Street

Während die Wall Street immer neue schlechte Nachrichten zu verkraften versucht, hat man in Japan derzeit eher ein Déjà-vu-Erlebnis.

»Wir brauchen eine Schufa für Banken«

»Wir brauchen eine Schufa für Banken«

Dringend nötig ist eine striktere Finanzmarktregulierung auch in Deutschland, meint Dierk Hirschel, Referatsleiter für Makropolitik und Konjunkturanalyse beim DGB-Bundesvorstand. Er sieht die Finanzpoli-tik aber auch gefordert, den Einbruch der Konjunktur durch ein 25-Milliarden-Euro-Programm aufzufangen. Mit dem Volkswirt (geb. 1970) sprach Kurt Stenger.

Seite 15

Geldspritze rettet Nordhorn

Der finanziell angeschlagene Handball-Bundesligist HSG Nordhorn kann die Saison zu Ende spielen. Die Städte Nordhorn und Lingen sowie emsländische Sponsoren haben kurzfristig Geld zur Verfügung gestellt, um den Spielbetrieb zu sichern. Der EHF-Pokalsieger aus Niedersachsen wird zukünftig unter dem Namen HSG Nordhorn-Lingen antreten. Die Mannschaft um Weltmeister Holger Glandorf soll komplett zusam...

ndPlusKlaus Weise

Unterwegs in neue Dimensionen

War es nur eine Auszeit von der realen Welt voller ungelöster Probleme, Kriege, Hunger, Intoleranz und Kälte? Die Sommer-Paralympics in Peking, die am Mittwoch mit einer bewegenden Abschlusszeremonie so mitreißend und perfekt zu Ende gingen, wie sie zwölf Tage zuvor begonnen hatten, werden das sein, was man heute gerne mit einem neudeutschen Begriff versieht: nachhaltig.Vielleicht ist dies das Wic...

Eisenbahnerklub aus Cluj schlägt AS Rom

Rumäniens Champions-League-Neuling CFR Cluj hat gleich im ersten Angriff das mächtige Rom erobert und Fußball-Europa mit dem sensationellen Premierensieg in Staunen versetzt. Die bunte Legionärstruppe aus Siebenbürgen überraschte die leichtsinnige Diva des AS Rom am Dienstagabend mit 2:1 (1:1) und bescherte dem früheren Eisenbahnerklub den größten Erfolg seiner 101-jährigen Geschichte. Roma verspi...

Seite 16
Schach in der Königsresidenz

Schach in der Königsresidenz

Er ist der Beweger von Baden-Baden. WOLFGANG GRENKE (57), Vorstandschef der GrenkeLeasing AG, die Computer, Kopierer und Telefonanlagen vermietet, fördert soziale Projekte und betätigt sich als Stadtentwickler, wie ND-Autor ART KOHR erfährt. Außerdem ebnete er der Ooser Schachgesellschaft (OSG) Baden-Baden den Weg an die Spitze der Schachbundesliga, dank Verpflichtungen von Superstars wie dem amtierenden Weltmeister Viswanathan Anand. Der Inder tritt im Oktober in Bonn zum WM-Duell gegen den Russen Wladimir Kramnik an.

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Studie über Antisemitismus in Jugendclubs

(ND-Kröger). Eine Gruppe Jugendlicher, die in der U-Bahn »Tod den Juden« skandiert. Schimpfwörter, Hasstiraden und Provokationen, die dazu führen, dass sich Menschen jüdischen Glaubens in Kreuzberg nicht trauen, auf der Straße mit Kippa herumzulaufen. Über antisemitische Einstellungen bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund wird kontrovers diskutiert. Doch welches Ausmaß das Phänomen hat, dazu ...

Geheimdienstler in Werbegewand

Der Mann soll Thomas Keller geheißen und seinem Kunden einen Ausweis des Verfassungsschutzes unter die Nase gehalten haben. Er wolle sich mit dem jungen Mann, Mitglied der Linkspartei aus Hellersdorf, über Polizeigewalt unterhalten. Wie man auf ihn gekommen sei? Man habe ihn auf einer Liste von Festgenommenen nach einer Demo gefunden. Im Verfassungsschutzausschuss wollte gestern niemand bestätigen...

Rainer Funke

Nazi-Hauskauf – bisher private Aktion

Alle Informationen besagen, »dass es sich bisher um ein privates Rechtsgeschäft handelt«, sagte gestern Innensenator Ehrhart Körting (SPD) im Verfassungsschutzausschuss. Er widersprach damit Gerüchten, dass der schwedische Millionär und Rechtsextremist Patrik Brinkmann über seine Frau in Steglitz-Zehlendorf ein Haus gekauft hätte, um der »Stiftung Kontinent Europa« eine Koordinierungszentrale und ...

ndPlusStefan Otto

Gefühltes Übergewicht

Mobbing und Leistungsdruck in der Schule fordern offenbar Tribut: Mittlerweile jeder vierte Schüler leidet unter psychosomatischen Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen oder Einschlafstörungen. Vor allem Mädchen greifen zur Abhilfe häufiger zu Medikamenten. Fast ein Drittel der Schüler schätzt seine gesundheitsbezogene Lebensqualität gering ein. Das hat eine Studie der Weltgesundheitsorganisati...

»Neue Behörde fürs neue Gesetz«
Andreas Heinz

»Neue Behörde fürs neue Gesetz«

Wie weiter mit dem 2006 vom rot-roten Senat beschlossenen Straßenausbaubeitragsgesetz? Kippen oder beibehalten? Zur Klärung dieser Frage trafen sich gestern Nachmittag Bauausschuss und Sachverständige zu einer öffentlichen Anhörung im Abgeordnetenhaus. Die CDU-Fraktion hatte in einem Antrag gefordert, das Gesetz wegen finanzieller Belastung der Bürger aufzuheben. Die beiden anderen Oppositionsfrak...

Seite 18
ndPlusJörg Meyer

Verkehrsplanung mit Hindernissen

Bei der Parkraumbewirtschaftung gehe es nicht darum, Geld zu verdienen, betonte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) am Mittwoch. Zusammen mit Prof. Klaus Beckmann vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) stellte sie das Projekt »ParkenBerlin« vor. Der Versuch, zwischen umwelt- und verkehrspolitischen Anforderungen einen »Einklang« herzustellen, erfordere »gezielte Gestaltung ...

Steffi Bey

Hautnah Umwelt erleben

Exoten wird man hier vergeblich suchen: In der Naturschutzstation Malchow haben vor allem einheimische Tierarten ein Zuhause. Demnächst sollen es noch mehr werden. Der Verein plant gerade ein großes Projekt. »Wir wollen in der Scheune eine Fluss- und Seenlandschaft herrichten«, kündigt Geschäftsführerin Beate Kitzmann an. Das Besondere: Ausschließlich heimische Arten werden in dem neu gestalteten ...

Seite 23
Geschichte neu erzählt

Geschichte neu erzählt

(ND). Schlaglichter auf die Kulturszene Südafrikas wirft das Festival »Performing South Afrika« im Hebbel am Ufer (HAU). Kuratiert von Stefanie Wenner präsentiert das HAU hier ausgewählte Theater-, Tanz und Videokünstler – ohne allerdings in die Fallstricke des sogenannten »Ethnologischen Showbusiness« zu geraten, wie Wenner betont. (Abb: Performance »Europa«, Foto: Tony Meintjes) Viele der ...

ndPlusLucía Tirado

Hamlet am Fenster

Das Bühnenbild von Jürgen Ruoff mit drei Spielfenstern erlaubt Überraschungen, das Spiel ohnehin. Die Gruppe Puppet Holding bricht mit ihrer »Hamlet«-Produktion für Erwachsene Shakespeares Werk auf originelle Weise und ermöglicht in ihrer Aufführung im Acud-Theater unterschiedliche Annäherungen. (Foto-Montage: Acud-Theater) Kennt man das Original, lassen sich die Wege zur Adaption nachvollziehen. ...

Tom Mustroph

Panzer, Dissidenten und Dada

Ohne Sinn für Geschichte ist die Berliner Gegenwart keineswegs. Es wimmelt geradezu von Veranstaltungen zu 1968. Während die Akademie der Künste aber vor allem die westdeutsche Studentenrevolte in den Blick nimmt und bezogen auf die ostdeutschen Verhältnisse auf 1989 ausweicht, beschäftigt sich die Brotfabrik in Weißensee vor allem mit den Ereignissen in Prag. Angenehmerweise werden dabei nicht nu...

Seite 24
ndPlusWilfried Neiße

Blechen soll der Bürger doch

Werden die Altanschließer im Nachhinein für Investitionen für Trink- und Abwasser zur Kasse gebeten oder nicht? Während die Linksfraktion gestern im Landtag einen Verzicht auf Nachforderungen durchsetzen wollte, lässt der von der SPD/CDU-Koalition vorgelegte und gestern angenommene Antrag zumindest Hintertüren weit offen. Dem Antrag zufolge soll im Kommunalabgabengesetz »klar gestellt« werden, das...

Bernd Baumann

180 Gemeinden haben ein Defizit

Elf Tage vor der Kommunalwahl zog der Landtag Bilanz über die Situation der Landkreise, Städte und Gemeinden. Während die Regierungsfraktionen SPD und CDU die Entwicklung in den letzten Jahren als »Erfolgsgeschichte« lobten, verwies die oppositionelle Linksfraktion vor allem auf leere Kassen.Für die Debatte in der Aktuellen Stunde hatte die SPD das Motto ausgegeben: »Die Städte und Gemeinden sind ...