Ausgabe vom 27.09.2008

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Unten links

Fieberhaft sucht das Weiße Haus seit Tagen nach einem Dreh, wie Osama Bin Laden und die Taliban, zumindest Russland, China oder Iran für das jüngste Desaster des US-Imperiums verantwortlich gemacht werden können. Bislang ohne Ergebnis. Es gibt keinen Schuldigen jenseits der eigenen Grenzen. So bleibt die zweite »Koalition der Willigen«, um die Bush international zur Verteidigung US-amerikanischer ...

»Globaler Armutsnotstand«

Die Vereinten Nationen haben rund 16 Milliarden Dollar zusätzlich für den Kampf gegen Hunger und Armut eingeworben. Trotzdem geht der Kampf für eine Halbierung der Zahl der Hungernden in der Welt bis zum Jahr 2015 nur schleppend voran.

Domino Day für nächste US-Bank

Inmitten des politischen Tauziehens um das staatliche Milliarden- Rettungspaket für die Bankenbranche hat die Finanzkrise einen neuen dramatischen Höhepunkt erreicht.

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Detlef D. Pries

Lukaschenko probt Schaukelpolitik

Seine Außenpolitik sei von Anfang an »multivektoral« angelegt gewesen, ließ Präsident Alexander Lukaschenko kurz vor den Parlamentswahlen am Sonntag westliche Journalisten wissen. Belarus' Lage im Zentrum Europas lasse gar nichts anderes zu, als nach freundschaftlichen Beziehungen auch zu Westeuropa zu streben. Allerdings war Lukaschenkos Streben bisher nicht auf Gegenliebe gestoßen.

Hannes Hofbauer, Wien

Kopf-an-Kopf-Rennen in Wien

Die Ergebnisse eines offenen parlamentarischen Schlagabtausches beherrschten die letzte Runde des Wahlkampfes, der am Sonntag zehn österreichweit antretende Parteien um Wählerstimmen buhlen lässt.

ndPlusJulian Bartosz, Wroclaw

Polen betätigt sich als Eisbrecher

In Wiskuli, im östlichen Teil der Bialowieza-Wälder gelegen, kam es jüngst zu einem Treffen zwischen Polens Außenminister Radoslaw Sikorski und seinem belarussischen Kollegen Sergej Martynow. Solches schien vor Monaten noch undenkbar.

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Steffen Twardowski

Mehrheitsfähig

War die Abstimmung im Bundestag zur Wiedereinführung der vollen Pendlerpauschale vom vergangenen Donnerstag nur ein wahltaktisches Manöver? Nun, die Frage müssen wohl vor allem jene beantworten, die sich öffentlich für die Wiederherstellung der früheren Regelung eingesetzt haben und dann im Parlament entgegengesetzt votierten. Ob der Hinweis auf die noch ausstehende Entscheidung des Bundesverfassu...

ndPlusMarkus Drescher, München

»Es ist alles gesagt – aber noch nicht von allen ...«

Zeit wird’s, dass Bayern wählt. »Es ist schon alles gesagt – aber nur noch nicht von allen«, meinte einst der Münchner Komiker Karl Valentin. Ob er damit explizit Politiker und Journalisten gemeint hat, die sich im gleichen Maße und besonders in Wahlkampfzeiten alle darum bemühen, zu allem etwas zu sagen? Am Sonntag jedenfalls haben Wahlkampfreden und Spekulationen ein Ende und die Wäh...

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ndPlusRené Heilig

BKA-TV live

Manchmal kommt's dicke. Da liest man gerade die jüngst erschienene »Abrechnung« des Ex-BKA-Hauptkommissars von Wedel und plötzlich präsentiert einem das ZDF eine BKA-Fahnung live. Ein PR-Gag des Verlages? Die wollen all die im Buch – gewiss sehr lückenhaft – beschriebenen Pannen und Peinlichkeiten des Bundeskriminalamt aktualisieren. Fehlanzeige! Die TV-Fahndung nach dem Saarländer Eri...

ndPlusMartin Ling

Der Notstand bleibt

Erfolg ist etwas anderes: 16 Milliarden Dollar wurden von Regierungen, Stiftungen und internationalen Institutionen zugesagt, um die internationale Gemeinschaft wieder auf Kurs zur Erreichung der Millenniumsziele bis 2015 zu bringen. Mehr als nichts und dennoch viel zu wenig. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte vor dem Notstandsgipfel noch darauf aufmerksam gemacht, dass allein in Afrika 72 Mill...

Kurt Stenger

Augen zu und durch

Das Unternehmen Schott Solar hat vor wenigen Tagen seinen Börsengang auf unbestimmte Zeit verschoben. Grund: Aufgrund der Turbulenzen an den Finanzmärkten ist ein Kapitalerlös in gewünschter Größe nicht realisierbar. Nur ein Konzern macht die Ausnahme: die Deutsche Bahn AG. Ihr Chef Hartmut Mehdorn kümmert sich nicht um die internationale Großwetterlage. Mehdorn ist berüchtigt dafür, dass er seine...

Jürgen Holz

Vaters Erbe

Seit 2004 Race-Director des Berlin-Marathons, eines der größten Rennen der Welt.

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Bundestag will Kinder fördern

Der Bundestag hat am Freitag den bislang umfangreichsten Ausbau der Betreuung von Kleinkindern auf den Weg gebracht. Für jedes dritte Kind unter drei Jahren soll bis 2013 ein Platz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter zur Verfügung stehen.

Beckstein und Maget mit Siegeswillen

Vor der bayerischen Landtagswahl am Sonntag haben Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) und sein SPD-Herausforderer Franz Maget ihr Ziel bekräftigt, die künftige Landesregierung zu führen.

Velten Schäfer, Schwerin

Landesparteitag unter Vorbehalt

Heute kommt Schleswig-Holsteins LINKE in Neumünster zusammen, um einen neuen Vorstand zu wählen und sich für die Landtagswahl 2010 aufzustellen. Doch ob die Beschlüsse gelten, wird wohl nachträglich von der Bundesschiedskommission zu prüfen sein. In Lübeck und Kiel gab es Einsprüche gegen die Delegiertenwahl.

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ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Der Griff auf die Herdplatte

Die sächsische CDU soll nicht mehr mit der LINKEN zusammenarbeiten. Das empfiehlt der Dresdner Fraktionschef Steffen Flath. Widerspruch kommt aus anderen Ländern – und von der eigenen Basis.

Claus Dümde

Kein »Feindstrafrecht«, aber …

Gefährdungen durch organisierte Kriminalität und international operierenden Terrorismus rechtfertigen keine Abkehr von rechtsstaatlichen Grundsätzen. Das hat die Abteilung Strafrecht des 67. Deutschen Juristentags in Erfurt einstimmig beschlossen, der gestern mit einer Podiumsdebatte über Europarecht zu Ende ging.

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Direkte Gespräche Iran – USA gefordert

Wien/Tokio (dpa/ND). Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed el Baradei, hat die USA zu direkten Verhandlungen mit Iran aufgefordert, um den jahrelangen Atomstreit zu lösen. »Wenn die USA mit Nordkorea verhandelten, dann verstehe ich nicht, warum sie nicht mit Iran verhandeln können«, sagte Baradei der »Süddeutschen Zeitung« (München) vom Freitag. Eine Lösung se...

Französisches Nein zu AWACS

Der von der NATO geplante Einsatz von fünf AWACS-Aufklärungsflugzeugen in Afghanistan wird von Frankreich weiterhin aus Kostengründen blockiert. Dies erklärten Diplomaten am Freitag in Brüssel.

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Hilmar König, Delhi

Wahlversuch in Bangladesch

Bangladeschs »Chefberater« Fakhruddin Ahmed, der seit Januar 2007 mit den Befugnissen eines Premiers regiert, hat jetzt Parlamentswahlen für den 18. Dezember angekündigt. Die politischen Parteien begrüßen das, bestehen zugleich aber auf einem sofortigen Ende des Ausnahmezustands.

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Bahn will in vier Wochen an die Börse

Berlin (dpa/ND). Die Deutsche Bahn will trotz der internationalen Finanzmarktkrise in vier Wochen an die Börse gehen. Am 27. Oktober ist der erste Handelstag der Aktie geplant, wie der bundeseigene Konzern am Freitag in Berlin erstmals offiziell bestätigte. Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte: »Trotz der angespannten Situation an den internationalen Finanzmärkten gehen wir zuversichtlich in die heiße P...

Arcandor-Aktie im freien Fall

Bonn/Essen (dpa/ND). Der Handels- und Tourismuskonzern Arcandor (früher KarstadtQuelle) ist wegen seiner Informationspolitik ins Visier der Finanzaufsicht geraten. »Wir schauen uns das an, sowohl unter Ad-hoc-Gesichtspunkten, als auch den Handelsverlauf der vergangenen Tage«, sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Freitag in Bonn. Derzeit sei jedoch no...

Vier Stromkonzerne – ein Netz

Berlin (Agenturen/ND). Die Chancen für den Aufbau einer einheitlichen Netz AG für das Stromnetz steigen. In Regierungskreisen wurden am Freitag Medienberichte bestätigt, es solle ein Moderator eingesetzt werden, der die vier großen Stromkonzerne an einen Tisch bringen soll. Sie sollen ihre Leitungen in eine neue, unabhängige Netz AG einbringen. Nicht alle Stromkonzerne wollen das. Für den Moderato...

Knut Henkel

Aufstieg der Schwellenländer schwächelt

2007 war ein gutes Jahr für die Entwicklungsländer. Es wurde kräftig investiert, wie der soeben erschienene »World Investment Report« vermeldet. Doch der Gipfel ist mittlerweile überschritten.Die gute Nachricht der Experten der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) ist, dass das Volumen der Direktinvestitionen 2007 alle Rekorde in den Schatten gestellt hat. Auf 1833 Milliarden US-Dollar...

Dieter Janke

Der Phoenix der US-Bankenbranche?

Mit der Pleite von Washington Mutual, der zweitgrößten US-Geschäftsbank, hat die Finanzkrise einen neuerlichen Höhepunkt erreicht.

Seite 10
ndPlusThomas Wolfer

»Der Druck liegt bei Jena«

Jena hofft auf den neuen Coach, Union auf den wieder genesenen Torjäger: Erstmals seit einem halben Jahr zählt Stürmer Dustin Heun nach seinem Kreuzbandriss wieder zum Aufgebot des Drittligisten 1. FC Union Berlin, der am Sonntag mit breiter Brust zum Ost-Duell beim FC Carl Zeiss reist. »Ich freue mich auf das Derby. Historisch betrachtet ist Jena der Gegner, der dem Verein vor 40 Jahren mit dem F...

Christian Heinig

Derby der Kopfbereiten

Dimitar Rangelow hatte einen Tag Bedenkzeit bekommen. Nicht zur Strafe, vielmehr unfreiwillig. Am Mittwoch, dem Tag nach den Elfemeterquerelen im Pokalspiel gegen Mönchengladbach um ihn und Ervin Skela, saß Rangelow einsam und allein auf dem Fahrrad. Die Mannschaft des FC Energie Cottbus trainierte, Rangelow strampelte – wegen einer Fußprellung. Die hat sich inzwischen als derart problematis...

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ndPlusThomas Wieczorek

Bachsche Zufälle

Zufälle gibt's. Da spricht IOC-Vizepräsident Thomas Bach mit seinem langjährigen Freund und IOC-Kollege Scheich Ahmed al-Sabah, und plötzlich stellen beide verblüfft fest, dass Bach Siemens-Berater für 400 000 Euro jährlich ist und für den Konzern Kuweit als Großinvestor gewinnen soll und dass der IOC-Scheich zufällig Kuweits Energieminister ist. Nun könnte man ja glatt das Korrupteste denken, abe...

»Ich wollte nicht ewig darauf warten«

»Ich wollte nicht ewig darauf warten«

Seit den neuesten Dopingskandalen im Profiradsport müssen immer mehr Traditionsrennen in Deutschland ihr Ende bekannt geben. Das Mitglied der ND-Radmannschaft, Heinz Schulz (Foto: Archiv), stellt sich jedoch erfolgreich diesem Trend entgegen. An der Ziegelei Benzin bei Lübz in Mecklenburg-Vorpommern hat er ein Jedermann-Radrennen ins Leben gerufen, das sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Mit dem 61-Jährigen sprach ND vor der zweiten Auflage des Rennens am Sonntag.

Jürgen Holz

Fällt wieder ein Weltrekord?

»Ich will am Sonntag wieder Weltrekord laufen«, sagt Haile Gebrselassie, Äthiopiens Wunderläufer, der immer große Ziele hat, wenn er beim Berlin-Marathon antritt. Der 35-Jährige, der in den vergangenen 14 Jahren die Mittel- und Langstrecke beherrschte wie kein anderer, stellte in seiner Karriere schon 25 Weltrekorde auf. »Ich bin überzeugt, dass ich meinen eigenen Weltrekord beim Berlin-Marathon b...

ndPlusTom Mustroph, Varese

Kampf um die Regenbogentrikots

Die Geschichte kitzelt den WM-Ort Varese (Italien). Bereits 1939 hatten hier Straßenradsport-Weltmeisterschaften stattfinden sollen. Sie mussten wegen des Kriegsbeginns ausfallen. Als sich nun vor ein paar Tagen die italienische Männermannschaft auf der Strecke von 1939 die Form für die WM 2008 holen wollte, bekam sie plötzlich Besuch von einem Mann, der eigentlich im Zentrum der Wettkämpfe in die...

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»Israel liebt dich, Paul«

Erst ließ Sir Paul seine Fans fast eine halbe Stunde lang warten, und dann zeigte er mit Hingabe, was sie in mehr als vier Jahrzehnten seit dem Auftrittsverbot der Beatles verpasst haben. Paul McCartney rockte in Israel. Und wie bei einer langen Karaoke-Nacht sangen die über 45 000 im Jarkon Park von Tel Aviv bei Beatles-Klassikern wie »Hey Jude« und »Let It Be« oder den Wings-Hits »Jet« oder »Mrs...

Verschollen in der Wüste

Über das Schicksal der vor einer Woche in Ägypten verschleppten Urlauber gibt es seit ihrer Weiterreise nach Libyen keine Informationen mehr. Der letzte Kontakt zu der Gruppe, der fünf Deutsche, fünf Italiener, acht Ägypter und eine Rumänin angehören, soll am Donnerstagmorgen per Satellitentelefon zustande gekommen sein. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte am Freitag, der Krisenstab arbeit...

Onkel Emma kommt in Hamburg an

Onkel Emma kommt in Hamburg an

Gemeinsam für gesunde und erschwingliche Produkte: Zwei Frauen und drei Männer haben in Hamburg die »Warenwirtschaft« eröffnet, einen kollektiv geführten Bioladen. Über das Modell, das sich an Vorbildern in Berlin und Marburg orientiert, spricht ND-Autor ART KOHR mit MICHAEL REULECKE (35) vom Leitungskollektiv.

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Kunstrausch auf dem Brenner
ndPlusTom Mustroph

Kunstrausch auf dem Brenner

Kunst muss groß sein, Kunst muss diskursiv angelegt sein. Und ihre Betrachtung muss das einzelne Individuum an die Grenzen seiner Aufnahmekapazität bringen. Diesen sich durch den gegenwärtigen Ausstellungsbetrieb durchziehenden Forderungen folgt auch das Kuratorenteam der europäischen Kunstbiennale Manifesta. In seiner siebten Ausgabe – die sechste musste aufgrund organisatorischer Probleme ...

Seite 14
ndPlusF.-B. Habel

Was anderes

Längst haben sie den seligen Gustl Bayrhammer alias Hauptkommissar Veigl und alle seine Nachfolger überrundet. Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl verkörpern als die Kommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr das moderne München. Seit sie 1991 auf den Plan traten, lösen sie jetzt den 50. Fall auf dem Bildschirm. Wieder präsentiert sich München als weltoffene Metropole, in der Heterosexuelle, Homosexuel...

ndPlusAntje Rößler

MuSix

Berlin-Friedrichshain, 1997. Sechs musisch begabte Schüler formieren sich zu einem Gesangssextett. Wenig später nennen sie sich MuSix und bringen ein abendfüllendes Programm auf die Bühne. Bald stellen die aufstrebenden jungen Gesangstalente fest, dass man einen knackigen Groove auch ohne Instrumente hinbekommt. Voice Percussion heißt das Zauberwort, diese unbeschreibliche Fähigkeit, ein Wummern, ...

Christoph Funke

Leben mit allen Sinnen

Am Anfang, nach dem Abitur, stand eine Tischlerlehre. Solide, verlässliche Arbeit wollte Ursula Werner leisten, und diesem Grundsatz ist die 1943 in Berlin Geborene treu geblieben, wenn auch nicht dem Beruf des Tischlers. Der Drang zur Bühne war stärker, und so folgte von 1965 bis 1968 die Ausbildung an der Schauspielschule Berlin.Zu ihrem 65. Geburtstag am Sonntag wäre also auf mehr als vier Jahr...

Etwas für jeden Geschmack
Volkmar Draeger

Etwas für jeden Geschmack

Über den roten Teppich konnte in die Lindenoper schreiten, wer sich dazu berufen fühlte: Promis aller Couleurs wie auch der gemeine Zuschauer, der für sein Billett um die 100 Euro hatte hinblättern müssen. Auch bei der diesjährigen Eröffnungsgala des Staatsballetts flossen davon jeweils 10 Euro einem guten Zweck zu, heuer der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung, die Menschen mit Schädigung des Zentralen...

Seite 15

Linkes Bündnis kritisiert Al Quds-Demo

(ND-Kröger). Angesichts der alljährlichen Al Quds-Demo islamistischer Gruppierungen ruft ein linkes Bündnis zum Gegenprotest auf. »Die VeranstalterInnen beziehen sich auf den Aufruf des damaligen iranischen Revolutionsführers Ajatollah Khomeini, der seine Anhänger zur ›Befreiung‹ Jerusalems und zur Vernichtung Israels aufforderte«, erklärte Evrim Baba (LINKE). Das sei ein Angriff auf d...

Martin Kröger

In den Kulissen

Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Peinlich überrascht reagierten die Parlamentarier des Abgeordnetenhauses am Donnerstag, als die CDU-Fraktion ihre Große Anfrage zum Thema »An-alphabetismus in Berlin« stellte. Doch nicht das ernste Problem an sich sorgte für Aufsehen, sondern die Illustration auf der Anzeigentafel im Plenarsaal: Dort werden zeitgleich die Tagesordnungspunkte aufgeführt. »An...

ndPlusJörg Meyer

»Ja« heißt dagegen, »Nein« dafür

Zum ersten Mal können am Wochenende die Bürgerinnen und Bürger von Mitte ihre Meinung bei einem Bürgerentscheid kundtun. Am Sonntag wird über die Beibehaltung der zum 1. April eingerichteten Parkzonen 34, 35 und 38 abgestimmt. Das Gebiet erstreckt sich ungefähr vom Hauptbahnhof bis zur Pankower Bezirksgrenze.Die im November 2007 gegründete »Initiative gegen die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftu...

Karin Nölte

Das Personal verlangt einen neuen Chef

Vor sieben Jahren 133 000, heute 115 000, in Zukunft 100 000 oder 93 500? Die Zahl der Vollzeitstellen im öffentlichen Dienst Berlins in den nächsten Jahren ist umstritten. Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) bestätigte gestern, dass der Senat das Ziel »100 000« bis zum Jahr 2011 beschlossen hat. »Aber die Welt ist da nicht zu Ende.« Bis 2015 – bei einem jährlichen Abbau von 3000 und einem Ei...

Gottfried Walsch

Empfohlen vom Herrn Geheimrat Goethe

Der ideale Ort für ein Glas Wein an einem warmen Tag: die fünfeckige Bastion unterhalb des Rokokoschlosses in Dornburg. Fast hundert Meter tiefer windet sich die Saale. Hinter uns ragt das Schloss empor, das aus dieser Perspektive gewaltig aussieht, von der Straße her aber eher wie ein Lustpavillon. Das weiße Gemäuer, das südlich zwischen den hohen Bäumen des Parks zu sehen ist, gehört zum Renaiss...

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Berlin läuft, Berlin steht still

(dpa/ND). Der 35. Berlin-Marathon wird auch in diesem Jahr wieder für Verkehrsbehinderungen sorgen. Neben der Strecke selber sind auch viele Straßen im Umfeld von Sonnabend bis Sonntagabend gesperrt. Die Polizei wies besonders darauf hin, dass der Grunertunnel in Mitte nicht für die Querung der Laufstrecke zur Verfügung steht. Der Tiergartentunnel ist jedoch offen. Man solle lieber das Auto stehen...

Kerstin Ewald

»Oma-Service«, Kleiderbörsen und Beratung

»Es gäbe tausende Ideen, die wir umsetzen könnten, aber wichtig ist ja, was wollen die Eltern, und wie wird ein Angebot angenommen.« Projektleiterin Mirja Sauer erläutert die Konzeption des Ende Juni eröffneten Familienzentrums. Um die Projekte möglichst optimal dem Marzahner Sozialraum anzupassen, wurden Eltern und Anlieger in einer Bedarfsraumanalyse um Angaben um ihren konkreten Wünsche gebeten...

ndPlusHeidi Diehl

Schwere Winzerarbeit und leichter Genuss

Ob Kaiser Otto III. (980-1002) ein Weinliebhaber war, ist unbekannt und eigentlich auch völlig egal. Vermutlich hat er auch nie von dem Rebensaft probiert, der aus den Trauben entstand, die auf den Flächen heranwuchsen, die Otto 998 dem Kloster Memleben an der Unstrut schenkte. Denn der »undeutsche Kaiser«, wie er auch genannt wurde, trieb sich zeitlebens mehr in Italien als in Deutschland herum.D...

Jochen Reinert

Alles dreht sich um die »Frucht der Sünde«

Wer den Österleden an der Ostküste Skånes entlang wandert, kann das Stenshuvud nicht übersehen. Der 97 Meter hohe barhäuptige Ausläufer des skandinavischen Urbergs schiebt sich nördlich des Städtchens Simrishamn dicht ans Meer, verleiht dem Touristenpfad einen zusätzlichen Anziehungspunkt. Der Berg bildet den Kern eines besonders artenreichen Nationalparks. Viele Wanderer informieren sich, bevor s...

Seite 17
ndPlusPeter Kirschey

Verfahrensmanager

Friedrich-Karl Föhring war in Berliner Justizkreisen ein hochgeschätzter Mann. Der Strafrichter des Landgerichts Berlin, der zuletzt als Vorsitzender der Schwurgerichtskammer große und spektakuläre Fälle auf dem Tisch hatte, starb im vergangenen Jahr im Alter von 69 Jahren. Ein Jahr später nun erschien sein Vermächtnis an alle zukünftigen Richtergenerationen: ein »Kleines Strafrichter-Brevier«. Vo...

Der spontan kalkulierende Künstler
Volkmar Draeger

Der spontan kalkulierende Künstler

In seiner Kurzschrift »Was ist Surrealismus?« fordert der Maler Max Ernst, »das Märchen vom Schöpfertum des Künstlers« als »letzter Aberglaube« aufzugeben. Vielmehr betonte er »die rein passive Rolle des ›Autors‹ im Mechanismus der poetischen Inspiration«. Und sein französischer Dichterkollege Paul Éluard sieht in der Kunstproduktion lediglich eine »Verkettung aller subjektiven Eleme...

Seite 18
Schlaflose Kampagne und politikmüde Kunden
ndPlusAndreas Fritsche

Schlaflose Kampagne und politikmüde Kunden

In Geschäften sollte der Kunde gewöhnlich König sein, doch im A 10-Center ist eine Kundin am Freitag Kaiser: Kerstin Kaiser. Die Linksfraktionschefin im Landtag absolviert vor der Kommunalwahl am Sonntag eine Tour. Das Einkaufszentrum in der Gemeinde Wildau (Dahme-Spreewald) gehört zu den Stationen. Der Geschäftsleitung schmeckt das eigentlich nicht. Das A 10-Center soll politisch neutral sein. De...

ndPlusHorst Matthies

Ein Jakobsweg in Richtung Ost

Horst Matthies, geboren 1939 in Radebeul, ist seit 1970 freiberuflicher Schriftsteller und lebt in Hohen Viecheln am Schweriner See. Er schrieb Hörspiele, Kinderbücher, ein Theaterstück, Erzählungen und jüngst die Romane »Ohne Hoffnung ist kein Leben« sowie »Peter Schwarzer – ein Lebensbericht«.

Seite 19

Wo sind sie?

Wieder einmal konnte man erleben, dass existenzielle oder gar essenzielle Fragen nach dem Woher, Wozu und Wohin philosophischen Denkens und Debattierens nicht mehr gestellt werden. Eine unausgesprochene postmoderne Beliebigkeit hat sich der Inhalte des philosophischen »Alltagsgeschäft« bemächtigt. Im Leitthema des 21. Kongresses der »Deutschen Gesellschaft für Philosophie« in Essen kam das Wort Ph...

Schreibmaschine gegen Katastrophe
ndPlusMatthias Biskupek

Schreibmaschine gegen Katastrophe

Wenn 1585 Seiten auf einen heruntergedonnert kommen, dann darf man wohl zunächst eine Weile verdutzt schweigen.« Dieser Satz stand im November 1927 in der »Weltbühne« über »Ulysses« von James Joyce. Autor: Peter Panter. Von dem wissen wir, dass er Kurt Tucholsky hieß. Da kommen nun wahlweise über 4000 Seiten oder auch bloß 3800 auf einen heruntergedonnert. Je nachdem ob man »Gesammelte Werke« von ...

Von Pythagoras bis Poincaré
Günter Kröber

Von Pythagoras bis Poincaré

Gewiss, Mathematik ist ein hoch abstraktes Gedankengebäude; doch auch sie wird von Menschen gemacht, ist ein Produkt menschlicher Tätigkeit; sie bedarf für ihr Fortschreiten der Kommunikation zwischen ihren Vertretern, die ihrerseits in größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen agieren. Da gibt es Sternstunden, wie die Entdeckung der irrationalen Zahlen durch die Pythagoreer im 6. Jahrhundert v. ...

Seite 20
ndPlusMartin Stolzenau

Langhans

Er war kein gelernter Architekt, sondern Autodidakt: Carl Gotthard Langhans. Und doch wurde er einer der bedeutendsten preußischen Baumeister, bis er im Schatten von Karl Friedrich Schinkel verschwand. Er vertrat keinen eigenen Stil, übernahm für seine Entwürfe Vorlagen früherer Bauten und verwendete oft verschiedene Stilrichtungen nebeneinander. So orientierte er sich beim Bau des Palais für den ...

Minimum und Maximum

Minimum und Maximum

Am 30. September wird Bundespräsident Horst Köhler den 47. Deutschen Historikertag eröffnen, der diesmal an der TU Dresden sattfindet. Europas größter geisteswissenschaftlicher Kongress will sich in diesem Jahr mit dem Thema »Ungleichheiten« auseinandersetzen. Aus diesem Anlass sprach HARALD LOCH für ND mit dem Bielefelder Historiker HANS-ULRICH WEHLER (Jg. 1931), der in diesen Tagen den fünften Band seiner »Deutschen Gesellschaftsgeschichte« präsentiert, der sich mit der Bundesrepublik Deutschland und der DDR befasst.

Gregor Schirmer

Ex tunc – und nicht ex nunc!

Vom Münchener Abkommen zwischen Hitler, Chamberlain, Daladier und Mussolini vom 29. September 1938 und dem Überfall auf Polen lag gerade noch ein knappes Jahr. Die Logik faschistischer Aggressivität nach außen war spätestens mit München für jeden, der sehen wollte, in Bewegung gesetzt. Der Tiefpunkt der selbstmörderischen Beschwichtigungspolitik Großbritanniens zuförderst und dann auch Frankreichs...

Seite 21

Neandertaler aßen Fisch

Gibraltar/Washington (dpa/ND). Die Neandertaler auf Gibraltar aßen anders als der Namenspatron aus dem Rheinland auch gerne Fisch und anderes Meeresgetier. Das haben Wissenschaftler bei Grabungen in zwei Höhlen im Osten der Halbinsel herausgefunden. Im Sediment der Grotten entdeckten sie Fischreste, Muscheln sowie Knochen von Robben und Delfinen, die den Urmenschen dort als Nahrung dienten. Das be...

Stammzellersatz virenfrei

Washington (dpa/ND). Ausgereifte Körperzellen lassen sich künftig womöglich auch ohne die Hilfe potenziell gefährlicher Viren zu den begehrten Stammzellen umprogrammieren. Dies berichten US-Forscher im Fachjournal »Science« (online, DOI: 10.1126/science. 1162494). Zur Umwandlung von Körperzellen in Stammzellen schleusen Forscher bislang bestimmte Gene mit Hilfe von Viren in die Zellen ein. Die Vir...

Chinesischer Aussteiger im All
Jacqueline Myrrhe

Chinesischer Aussteiger im All

Der ursprünglich erst für Ende Oktober geplante dritte bemannte Flug eines chinesischen Raumschiffs startete bereits am Donnerstag in die Erdumlaufbahn. Das Raumschiff »Shenzhou VII« hob von der Startrampe des Jiuquan Raumfahrtbahnhofs in der Provinz Gansu zu seiner dreitägigen Expedition ab. Die Vorverlegung des Starttermins, die auch die beteiligten Wissenschaftler überraschte, lässt politische ...

ndPlusMartin Koch

Umwelt formt das Verhalten

Eingangs des 20. Jahrhunderts dominierte in der Psychologie die Selbstbeobachtung. Das heißt: Versuchspersonen berichteten in psychologischen Experimenten hauptsächlich über ihre Sinneseindrücke und Gefühlsregungen, die anderen Menschen nicht zugänglich waren. Um dieses »methodische Defizit« zu beheben, legte der Amerikaner John Broadus Watson 1913 den Grundstein zu einer neuen psychologischen The...

Seite 22
Das schlechte Gewissen der Bundesrepublik
ndPlusEdelbert Richter

Das schlechte Gewissen der Bundesrepublik

Seit Ende August liegt dem Bundestag ein von der Bundesregierung eingebrachter Gesetzentwurf vor, in dem es um erweiterte Möglichkeiten geht, Mitarbeiter am Unternehmenskapital zu beteiligen. Den Arbeitnehmern stehe »ein fairer Anteil am Erfolg der Unternehmen zu, für die sie ihre Arbeitskraft einsetzen«, heißt es in dem Entwurfstext. Um eine gerechte Verteilung von Vermögen und Eigentum dreht sich die politische Debatte in der Bundesrepublik seit rund 60 Jahren – eine Auseinandersetzung, in der viele Forderungen und Ankündigungen wenigen praktischen Konsequenzen gegenüberstehen.

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Handwerk und zeitlose Kunst
ndPlusAndreas Fels

Handwerk und zeitlose Kunst

Der Berufsstand der Steinmetze ist einer der ältesten in der Welt. Tausende Bauwerke wurden von ihnen geschaffen. Ob in Ägypten oder in Griechenland, ob im römischen Reich oder in Preußen, ihre baulichen Hinterlassenschaften sind überall zu finden. Die Steinmetzkunst entsteht aber nicht von allein. Sie braucht Lehrer, die ihr Wissen weitergeben, und Schüler, die dieses Wissen anwenden und forttrag...

Hilmar König

»Pitti«, der Inder von der Elbe

Aus einem Wattebausch dreht Parveen Kumar einen Docht, steckt ihn in ein Töpfchen mit Butterfett und zündet ihn an. Jetzt hebt er die aneinandergelegten Hände vors Gesicht, schließt die Augen und richtet ein stilles Gebt an seine Hindu-Götter. Er bittet sie um einen erfolgreichen Tag und um Gesundheit für sich und seine Kunden. Dann streicht er mit den Fingern über die »heilige Flamme« und berührt...

Seite 24

Testspiel

Wer schrieb es? Der Selbstbetrug ist der häufigste Betrug und auch der schlimmste. Wozu wurde aufgerufen? Wozu rief die Moskauer Zeitung »Iswestija« am 27. September 1960 auf? Wie lange schon? Vor einigen Jahren ist Herr Kurz Krachmann in eine neue Wohnung gezogen. Anfangs fuhr jede dritte Minute ein Lkw an seiner Haustür vorbei. Der Lkw-Verkehr nahm Jahr für Jahr um 10 Prozent zu. Mitterweile fah...

Udo Bartsch

Zum Weinen schön

Rosas beste Freundin ist ihre Mutter. Sie mit irgendwem zu teilen, wäre undenkbar. Umso unverständlicher ist Rosa, warum ihre Mutter mit dem Plan herausrückt, ein zweites Kind zu adoptieren. Ein Mädchen aus Tansania. Dort lebt Abela mit ihrer Mutter und zwischen den beiden besteht ein ähnlich enges Band. Doch die Lebensumstände in ihrem afrikanischen Dorf könnten schwieriger nicht sein. Das Aidsvi...

Mit unlauteren Mitteln
ndPlusHeiko Frings

Mit unlauteren Mitteln

Dies ist das »Cuba« der fünfziger Jahre, das »Cuba« des Fulgencio Batista. Dennoch spielt der kubanische Diktator in diesem strategischen Handels- und Entwicklungsspiel für Erwachsene keine Rolle. Allein die grassierende Korruption zeugt vom herrschenden vorrevolutionären System, und als geschäftstüchtige Insulaner müssen wir sie ohne Skrupel zu unserem Vorteil nutzen. Zwar treiben wir ehrlichen H...

WM-Wunderremis

WM-Wunderremis

Nach dem K.o.-System wurde früher der Weltmeister gekürt, heute dagegen nur noch die Weltmeisterin: 64 Kandidatinnen spielten zwischen 28. August und 18. September 2008 in der russischen Stadt Naltschik um den Titel. Finalistinnen waren Alexandra Kostenjuk (Russland, 24) und Hou Yifan (China, 14). Die erste Partie gewann Kostenjuk, danach folgten drei Remis. Die spannendste Partie war die zweite, ...

Hans-Ulrich Keller

Zahlreiche Sternschnuppen

In der nun immer früher einsetzenden Abenddämmerung leuchtet tief im Südwesten als erstes Gestirn die helle Venus auf, landläufig gerne als Abendstern bezeichnet. Wegen ihrer südlichen Position ist Venus allerdings nicht besonders auffällig. Zu Monatsbeginn geht sie kurz vor 20 Uhr unter, Ende Oktober eine halbe Stunde früher. Venus verlässt am 18. das Sternbild Waage und wechselt in das Sternbild...