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Ausgabe vom 10.01.2009

Seite 1

Unten links

In Deutschland zeigen sich erste Anzeichen des Frühlings: Die Temperaturen in Berlin kletterten in der Nacht zu Freitag bereits auf minus 11 Grad. 1991 kam nach der Eisschmelze Ötzi zum Vorschein – wer weiß, was es diesmal sein wird. Irgendetwas, das vor 20 Jahren oder schon davor verloren ging? Bundeskanzlerin Merkel hatte jüngst den Verlust von »Maß und Mitte« beklagt. Sobald es taut, müss...

Beilage: Rosa und Karl

Beilage: Rosa und Karl

»Was ich von Karl Liebknecht halte? Daß er ein großes glühendes Herz war, von flammender Liebe zum Volk, von flammendem Schmerz über das menschliche Elend, von flammender Empörung gegen die Unterdrücker, von Hingabe und Opferbereitschaft beseelt.... Für alle Zeiten werden Ebert, Scheidemann und Noske in der Geschichte das Makel dieses niederträchtigen Mordes tragen. Das Blut Liebknechts und Rosa L...

Krisenkonzerne auf Kurzarbeitskurs

Krisenkonzerne auf Kurzarbeitskurs

Während die DAX-Unternehmen am Freitag gegenüber der Bundesregierung beteuerten, in diesem Jahr trotz der Krise auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu wollen, erklärte diese, die gerade erworbenen Commerzbank-Aktien bei Gelegenheit wieder zu verkaufen.

Freiheit für Gaza
Norman Paech

Freiheit für Gaza

Gaza: killing fields, größtes Gefängnis der Welt oder Guernica. Welche Metapher wir auch lesen, die die letzten vierzehn Tage in Gaza zu beschreiben versucht, es bleibt alles nur Assoziation. Am präzisesten hat es der Sonderbeauftragte des UN-Menschenrechtsausschusses für die besetzten Gebiete, Richard Falk, formuliert. Er bezeichnet die Situation als Kriegsverbrechen. Dieser Begriff nimmt das, wa...

Seite 2
ndPlusRené Heilig

Kidnapping und Folter in Lohnarbeit

So grauenhaft die Verhältnisse im Camp Guantanamo auch sind, die rechtlosen Gefangenen haben Leidensgenossen anderswo etwas voraus: Die Welt weiß von ihrer Existenz.

Hermannus Pfeiffer

Riskante Teilverstaatlichung

Die Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank gestaltet sich angesichts der Finanzkrise schwierig. Nach einem schlechten vierten Quartal 2008 müssen beide Kreditinstitute weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe vornehmen. Darüber hinaus belaufen sich die gefährdeten Geschäfte auf rund 100 Milliarden bei der Dresdner Bank und auf über 200 Milliarden bei der Commerzbank.

Der Doppelmord
Klaus Gietinger

Der Doppelmord

Wenn über den folgenschwersten Doppelmord der deutschen Geschichte in den Medien berichtet wird, heißt es meist kurz und knapp: Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wären von Freikorpssoldaten ermordet worden. Bei solcher Darstellung schwingt mit, es seien Marodeure gewesen. Es handelte sich aber um reguläre Regierungstruppen. Und die Regierung war zu dem Zeitpunkt rein mehrheitssozialdemokratisch. ...

Olaf Standke

Obamas Versprechen

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hat den designierten USA-Präsidenten Barack Obama am siebenten Jahrestag der Lagereröffnung zur zügigen Schließung des berüchtigten Gefangenenkomplexes Guantanamo aufgefordert.

Seite 3
Köstlicher Saft statt stinkendem Abfall
Nora Matassassa, Mutare

Köstlicher Saft statt stinkendem Abfall

Überfluss ist in Simbabwe selten. Doch in der Erntezeit fällt in den Anbauregionen mehr Obst an, als unmittelbar verwendet werden kann. Das Konservierungsprojekt von E-Africa stieß deshalb auf offene Ohren.

Unabgegoltenes bei Rosa Luxemburg
ndPlusEvelin Wittich

Unabgegoltenes bei Rosa Luxemburg

90 Jahre nach ihrem grausamen Tod ist das Vermächtnis Rosa Luxemburgs in seiner Gesamtheit für die politische Linke eine besonders wichtige historische Quelle, um zukunftsfähige Politik zu entwickeln. Die politische Linke hat es in der Vergangenheit und bis heute selten verstanden, ihre abstrakten Ideen von Gerechtigkeit und Solidarität, von Freiheit und Emanzipation mit der eigenen Anhängerschaft...

ndPlusSimone Schmollack

»Das ist doch nicht mein Kind«

Nicht zum Jugendamt, dachte sie, da gehe ich auf keinen Fall hin. Das war das einzige, was Sabine Friedrich* damals genau wusste. Ansonsten war sie vollkommen ratlos und überfordert von der Situation: Eines Tages stand auch ihr zweiter Sohn mit Springerstiefeln vor ihr. In diesem Moment war der Berlinerin bewusst, dass sie Hilfe braucht. Professionelle Hilfe. Aber wer unterstützt eine Mutter, die ...

Seite 4
ndPlusRené Heilig

Kein Wunder um Vesna?

Es war der 26. Januar 1972. Vesna Vulovic, Stewardess bei der jugoslawischen JAT, fiel vom Himmel. Aus 10 160 Metern. Das geschah tschechischen Srbská Kamenice. Kroatische Ustascha-Gangster hatten wohl eine Bombe im Frachtraum der DC 9 gezündet. Was der einzigen Überlebenden, eben jener 22-jährigen Vesna Vulovic passierte, war so unglaublich, dass man das Wunder einfach glauben und ins Guinness-Bu...

ndPlusKurt Stenger

Die Olaf-Scholz-Show

Im Nachmittagsprogramm strahlen viele Privatsender Talk-Shows aus, in denen Leute über ihre Verfehlungen im Alltag berichten und, wenn es für den Moderator gut läuft, Besserung geloben. An diese schlechten Inszenierungen fühlte man sich beim Treffen von Arbeitsminister Olaf Scholz mit den Personalvorständen der DAX-Konzerne erinnert. Diese gaben die windelweiche Versprechung ab, in der Wirtschafts...

Detlef D. Pries

Gasrechnung bezahlt?

Zuletzt stritt man offenbar darum, welche Beobachter an welchem Ort den Strom russischen Erdgases durch die Ukraine kontrollieren dürfen. Sollte auch dies geklärt worden sein, können frierende Südosteuropäer demnächst wieder auf eine warme Wohnung hoffen – sofern sie in der Lage sind, ihre Heizkostenrechnung zu bezahlen. Der ukrainisch-russische Konflikt, der die Unterbrechung des Gastransit...

Andreas Fritsche

Kaltgestellt

Als die brandenburgische Linksfraktionschefin Kerstin Kaiser kürzlich mit mäßigen 76 Prozent zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im September gekürt wurde, sprach der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Sven Petke von einem Desaster. Wie soll man es nennen, wenn CDU-Fraktionschef Thomas Luna-cek überhaupt keinen Listenplatz erhält? Der Landesvorstand wollte ihn am Donnerstag für Platz 24...

Was läuft gegen den NATO-Gipfel?

Was läuft gegen den NATO-Gipfel?

ND: Seit Wochen laufen die Vorbereitungen für die Proteste gegen den kommenden NATO-Gipfel auf Hochtouren. Sie kümmern sich um die Organisierung von Camps. Gibt es schon ein Gelände? Rundzelt: Das Problem ist, dass wahrscheinlich die Grenzen dicht sein werden. Deshalb wird es zwei Camps geben: in Straßburg und Kehl. Sie sollen jeweils groß genug sein für 5000 Personen. Am Dienstag finden Verhandlu...

Januar 1919
Ingo Materna

Januar 1919

90 Jahre sind seit dem Januar 1919 vergangen. Wenn davon in Medien und Publikationen berichtet wird, ist immer noch vom »Spartakus-Aufstand« die Rede, obgleich von der seriösen Historiografie spätestens seit Mitte der 80er Jahre diese Bezeichnung eindeutig als falsch zurückgewiesen wird. Trotzdem: Berlin erlebte in den ersten Januarwochen 1919 eine Massenbewegung, im Kern einen Arbeiteraufstand, d...

Seite 5

Kein Thor-Steinar-Laden im Hundertwasserhaus

Magdeburg (dpa/ND). Im Magdeburger Hundertwasserhaus wird seit Freitag keine Bekleidung der bei Rechtsextremen beliebten Marke Thor Steinar mehr verkauft. Das Geschäft sei aufgrund einer Entscheidung des Oberlandesgerichtes Naumburg (OLG) geräumt worden, teilte der Vermieter, die Gero AG, mit. Das OLG hatte im Oktober entschieden, dass das Geschäft ausziehen muss, weil der Mieter den Vermieter vor...

ndPlusReimar Paul

Bald nicht mehr immun

Die Staatsanwaltschaft will dem Göttinger Landtagsabgeordneten der LINKEN, Patrick Humke-Focks, wegen angeblicher Beleidigung eines Polizisten ans Leder.

Hans-Gerd Öfinger

Hessen: Aufrufe für und wider die LINKE

In der heißen Phase vor der hessischen Landtagswahl buhlen unterschiedliche Parteien um die Stimmen von Gewerkschaftsmitgliedern. Während am Freitag eine Initiative mit namhaften Gewerkschaftern zur Wahl der LINKEN aufruft, warnt eine andere ausdrücklich vor dem Wiedereinzug der LINKEN in Wiesbadens Landtag.

Seite 6
Fabian Lambeck

Jobcenter vergaß Rentenbeitrag

»Für sie wurden seit dem Januar 2007 keine Rentenbeiträge mehr eingezahlt«. Petra H.* fiel aus allen Wolken, als ihr die Sachbearbeiterin der Deutschen Rentenversicherung vor zwei Wochen beiläufig erklärte, dass derzeit niemand für ihre spätere Rente aufkomme. Das dafür zuständige Rhein-Main-Jobcenter in Frankfurt hatte die Beträge nicht an den Rententräger überwiesen.

ndPlusHendrik Lasch, Magdeburg

Startversuch am Lausehügel

Jahrelang siechte der für 60 Millionen Euro ausgebaute Flughafen in Coch-stedt (Sachsen-Anhalt) vor sich hin. Ende 2008 sollte das Licht ausgeknipst werden. Nun hat sich womöglich doch noch ein Käufer gefunden.

ndPlusKarl Liebknecht

Militarismus und Antimilitarismus

An und für sich ist der Antimilitarismus nichts Proletarisch-Revolutionäres, sowenig wie der Militarismus etwas spezifisch Bürgerlich-Kapitalistisches ist. Es braucht aus der Vergangenheit nur zum Beispiel an die russischen Dekabristen und an den bürgerlich-nationalistischen Soldatenkatechismus Ernst Moritz Arndts aus dem September 1812 erinnert zu werden, der die Soldaten offen zum Aufruhr gegen ...

Seite 7

»Karawane der Freiheit« in Havanna

Havanna (AFP/ND). In Kuba ist der 50. Jahrestag der Einnahme der Hauptstadt Havanna durch die Revolutionstruppen gefeiert worden. Zu Beginn der Feierlichkeiten paradierte eine »Karawane der Freiheit« durch die Straßen Havannas, um an den Einzug der Guerilleros um Fidel Castro am 8. Januar 1959 zu erinnern. Der Zug von Studenten und Arbeitern wurde vom ältesten Sohn des späteren langjährigen Staats...

Piraten gaben »Sirius Star« frei

Nach knapp zwei Monaten haben somalische Piraten den im Indischen Ozean entführten saudi-arabischen Supertanker »Sirius Star« wieder freigegeben.

Narihiko Ito

Freiheit und Demokratie

1892 gab die junge, aus Polen exilierte Rosa Luxemburg in Paris eine Broschüre heraus, in der sie bereits ihr Konzept von Sozialismus entwickelte. Sie erklärte, dass die polnischen Arbeiter zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen um Freiheit und Demokratie kämpfen müssten. Menschenrechte und parlamentarische Demokratie sah sie als unentbehrliche Voraussetzung an, um zu einer sozialistischen Gesel...

Seite 8
Hilmar König, Delhi

Der alte Traum vom »Goldenen Bengalen«

Bangladesch, das seit Mitte der Woche wieder eine gewählte Regierung unter Premierministerin Sheikh Hasina Wajed hat, wird am 25. Januar einen neuen Staatspräsidenten, einen Parlamentspräsidenten und dessen Stellvertreter küren.

ndPlusRalf Streck, San Sebastián

Wahlkampf im Gerichtssaal

Im spanischen Baskenland stehen wenige Wochen vor der Regionalwahl die beiden Hauptkonkurrenten um einen Wahlsieg gemeinsam vor Gericht: der baskische Regierungschef Juan José Ibarretxe und der Chef der baskischen Sozialisten, Patxi López. Der Vorwurf: Gespräche mit der verbotenen Partei Batasuna.

Rosa und Karl
ndPlusAnnelies Laschitza

Rosa und Karl

Wer wie ich mit Biografien zu Lesungen und Vorträgen unterwegs ist, erlebt hautnah, wie viele Menschen sich für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht interessieren. Die Achtung vor ihnen ist groß und ungebrochen, weil sie konsequent und furchtlos für eine friedliche, demokratische und gerechte Gesellschaft kämpften. Als aufrichtige Humanisten und Marxisten fochten sie für einen Sozialismus, dem jeder...

Seite 9
ndPlusSusanne Götze

Planübererfüllung beim Bodenverkauf

Die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) erzielte 2008 einen Überschuss aus dem Verkauf ehemals volkseigener Flächen. Auch 2009 werden Pacht- und Verkaufspreise noch einmal kräftig steigen.

Reiner Oschmann

Obama sieht überall rot

In den USA wächst die Arbeitslosigkeit rasant. Der designierte Präsident Barack Obama denkt über eine Stärkung des Sozialstaates nach.

Seite 10

Misstrauen wächst

Die Nachricht der Internationalen Biathlon-Union (IBU) war knapp formuliert: Der Russe Iwan Tscheresow werde wegen eines zu hohen Hämoglobinwertes mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt. Beim Oberhofer Staffelrenen am Donnesrtagabend fehlte er. Es handele sich aber nicht um einen Dopingfall, betonte Dr. James Carrabre (Kanada), Vorsitzender der Medizinischen Kommission der IBU. Eine Dopingprobe...

Jürgen Holz, Oberhof

Den Sprung gewagt und gemeistert

Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich war ganz gelöst, obwohl er angesichts seiner Personalsituation alles andere als einen zufriedenen Blick hätte machen können. »Jeder muss mal den Sprung ins kalte Wasser tun«, meinte er und spielte damit auf die beiden Staffeldebütanten Toni Lang (26) aus dem bayerischen Hauzenberg und Arnd Peiffer (21) aus der Harzstadt Clausthal-Zellerfeld an. Beide ersetzten ...

Erik Eggers

Sorge um den Olympiastatus

Droht dem Handball der Ausschluss aus dem olympischen Programm? Reiner Witte hält dieses Szenario für möglich. »Wenn sich nichts ändert, steht der olympische Status des Handballs in Kopenhagen auf dem Spiel«, sorgt sich der Präsident der Deutschen Handball-Bundesliga (HBL). Anfang Oktober 2009 trifft sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) in der dänischen Metropole, um auch über die Zuku...

Frauen in finsteren Zeiten
Tanja Storløkken

Frauen in finsteren Zeiten

Rosa Luxemburg und die deutsch-jüdische politische Theoretikerin Hannah Arendt (1906 – 1975) lebten beide in Bertolt Brechts finsteren Zeiten, die zu dem Titel der Essaysammlung von Hannah Arendt »Menschen in finsteren Zeiten« von 1968 anregten. Sowohl Luxemburg als auch Arendt haben Licht in ihre finsteren Zeiten gebracht. Sie ermutigen auch heute noch den Einzelnen, gegen totalitäre, barba...

Seite 11
Halbweltdomäne
ndPlusThomas Wieczorek

Halbweltdomäne

Nachdem sich die Öffentlich-Rechtlichen schweren Herzens dem öffentlichen Druck gebeugt und die Übertragung der Dopingtour de Trance gestrichen haben, muss natürlich ein anderer ebenso zwielichtiger wie quotenträchtiger »Sport« her: Die Kirmesschlägerei, auch Berufsboxen genannt. Zur Begründung meint WDR-Intendantin Monika Piel, die Hälfte der Zuschauer wolle Sport sehen, »offenbar egal welchen un...

Axel Reiserer, London

Die Luxusparty ist vorbei

Im 17. Jahr ihres Bestehens ist die englische Premier League alles andere als zum Feiern gestimmt.

ndPlusTom Mustroph, Rom

»Bedroht aber niemanden!«

Einen Gaunernamen hat er schon. Insider nennen Luciano Moggi »den Arm«. Den Arm, der durchgreift, wenn es um Besetzungen von Posten im italienischen Fußballverband und in den Vereinen, das Lancieren von Spieler- und Trainerkarrieren, ja selbst den Ausgang von Meisterschaften geht. Jetzt ist er auch gerichtsnotorisch ein Gauner. Die zehnte Kammer des römischen Strafgerichts hat den 71-Jährigen wege...

Revolutionäre Realpolitik
ndPlusFrigga Haug

Revolutionäre Realpolitik

Was hat uns Rosa Luxemburg hinterlassen? Da ist unübersehbar die Weise, wie sie Marx liest, ihn aktualisiert, ihn lebendig bleiben lässt in jeder Zeile. Das bestimmt ihre unbedingte Haltung, von der zu lernen ist, wie auch die Weise ihrer Politik. Rosa Luxemburg übernimmt als Auftrag das »sozialistische Ziel«, also eine Perspektive. Das ändert die reformerische Flickarbeit ebenso, wie überhaupt di...

Seite 12
»Mein 1989 – Geschichten, die bewegten«
ndPlusHeidi Diehl

»Mein 1989 – Geschichten, die bewegten«

Brigitte Seifert aus Werder, Klaus Stenzel aus Speyer und Gabriele und Lothar Stanzel aus Falkensee waren die Ersten, die uns ihre Erinnerungen an das Jahr 1989 schickten. Herzlichen Dank dafür! 1989 war ein besonderes Jahr. Wo auch immer wir zu Hause waren – ob im Osten oder Westen Deutschlands, – es veränderte unser Leben grundsätzlich. An die Nacht, als die Mauer fiel, wird sich si...

Gegen den Zaun des Kapitals
ndPlusIsabel Loureiro

Gegen den Zaun des Kapitals

In »Die Akkumulation des Kapitals« analysiert Rosa Luxemburg die kapitalistische Modernisierung und zeigt auf, dass das Kapital für seine Expansion die gesamte nicht-kapitalistische soziale Struktur vernichten und sie dem Kapitalismus angliedern muss. Sowohl die primitiven Gesellschaften als auch die kleinen Landarbeiter sind zum Verschwinden verurteilt. Zum einen bedauert Rosa Luxemburg die Gewal...

Seite 13

Praktikum abgesagt

Christian Klar wird die ihm 2004 angebotene Möglichkeit, nach seiner Haftentlassung als unbezahlter Praktikant am Berliner Ensemble zu arbeiten, nicht wahrnehmen. Dies teilte das Theater am Donnerstag mit. Nach den Erfahrungen der letzten Wochen befürchte er, dass durch die sensationslüsterne Berichterstattung in einem Teil der Medien und die anhaltende Belagerung des BE durch Paparazzi das Theate...

Gegen Krieg und Hass

Gegen Krieg und Hass

ANNA-SOPHIE BRÜNING (Foto: privat) engagiert sich in der israelisch-arabischen Konfliktregion seit 2003 für ein außergewöhnliches Musikprojekt: ein palästinensisches Jugendorchester als Antwort gegen Krieg und Hass. Als Träger fungiert die von dem Dirigenten Daniel Barenboim und dem verstorbenen Literaturwissenschaftler Edward Said aufgebaute gleichnamige Stiftung (Sevilla). Für das ND unterhielt sich DIETER HANISCH mit ihr.

ndPlusJacob Rösler

PLATTENBAU

Wenn die Sonne scheint, kann auch Hoyerswerda schön sein. Im Winter hingegen sieht sogar Paris oll und grau aus. Warum sollte es in Berlin anders sein? Oder besser, was tun wenn auch nach dem Fensterputzen alles Grau draußen grau bleibt? Mit »Dickes B« hatte das dröhnende Reggae-Einsatzkommando Seeed die Hymne für die Stadt zusammen geschüttelt. Pierre Baigorry, als Enuff die charakteristischste S...

MassenStreik
Ottokar Luban

MassenStreik

Seit 1905 setzte sich Rosa Luxemburg für die Anwendung des Massenstreiks zur Erreichung von mehr Demokratie ein. 1907 wirkte sie auf dem Kongress der Sozialistischen Internationale in Stuttgart zusammen mit Lenin am berühmten Beschluss mit, der die sozialistischen Parteien im Falle eines Krieges verpflichtete, »für dessen rasche Beendigung einzutreten und … die durch den Krieg herbeigeführt...

Michael Sollorz

Das Schweigen der Väter

Zweihundert Menschen auf einem viel zu engen Boot; heimlich hat es abgelegt in Vietnam. Zwei Wochen auf See, Hitze und Durst. Unter Deck erstickst du, oben in der Glut schwillt deine Haut und platzt. Die Mutter hat das Mädchen Mai auf diese Flucht ins Ungewisse geschickt, raus aufs Meer. Das Kind erlebt die um sich greifende Apathie, das Schwinden des Mitleids, wenn wieder einer stirbt und über Bo...

Seite 14
Von Schweinen und Menschen
F.-B. Habel

Von Schweinen und Menschen

Der Geophysiker Prof. Taschowski war ein Mann mit Vergangenheit. Schon in der DDR hatte sich der Hochschuldozent mit ökologischen Fragen auseinandergesetzt und sich in den letzten Jahren mit Tierschützern solidarisiert, die gegen eine industrielle Schweinemastanlage mobil machten. Nun ist er einen mysteriösen Tod gestorben. Die Kommissare Hinrichs und Tellheim vermuten einen Bezug zu dem Gutachten...

Hans-Dieter Schütt

Habseligkeit

E s ist kalt. Wie schicklich tun sich da Berichte von obdachlosen Menschen. Plötzlich taucht ein Wort auf, das man auf Wirtschaftsseiten nie fände, der Begriff ist ein krasser Gegensatz zum Wortschatz, den die Inflation des Krisen-Journalismus uns derzeit vors Hirns schüttet.Habseligkeiten.Von diesem Wort bleibt man gebannt, wie Parzifal von den drei Blutstropfen im Schnee. Das Wort sinkt ins Gemü...

ndPlusStefanie Stadel

Von der Wand befreit

Menschen, Musik, Rhythmus, Bewegung: Sonia und Robert Delaunay waren Mitte zwanzig und sie liebten dieses Lokal auf dem Montparnasse. Immer wieder kam das Künstlerpaar ins Bal Bullier, denn hier tanzte die Szene. Tango und Foxtrott heizten ein. Er ging gern aufs Parkett, sie blieb lieber sitzen – und beobachtete den Fluss der tanzenden Farben und Formen im Licht elektrischer Lampen. Was Soni...

Eine Tafel in Paris
Christina Matte

Eine Tafel in Paris

Der Vorgang dürfte einmalig sein: 1993, vier Jahre nach dem Ende der DDR, wählt ein Gymnasium in den neuen Ländern, das Gymnasium in Berlin-Pankow, den Namen »Rosa Luxemburg«. Die Schulkonferenz trifft die Entscheidung. Das Gremium, bestehend aus Schülern, Eltern, Lehrern und dem Schulleiter, spricht sich mehrheitlich dafür aus, die Schule solle künftighin Rosa-Luxemburg-Gymnasium heißen. Versetzt...

Seite 15
Es blieb eine Tafel
ndPlusHans-Rüdiger Merten

Es blieb eine Tafel

Neben den Räumen der geschlossenen Karl-Marx-Buchhandlung in der Karl-Marx-Allee 78-84 unweit des Cafés Sybille ist eine Berliner Gedenktafel angebracht. Sie erinnert an das Rose-Theater, das hier in der ehemaligen Großen Frankfurter Allee 132 bis zu seiner Zerstörung im April 1945 stand. Bernhard Rose aus Lohme in der Ostpriegnitz, gelernter Schriftsetzer und Buchdrucker mit einem unbändigen Dran...

CDU-Spitze will Landowsky nicht schassen

(dpa). Die Spitze der CDU hält nichts von einem Parteiausschluss des früheren Fraktionsvorsitzenden Klaus-Rüdiger Landowsky. »Die Debatte über einen Parteiausschluss von Landowsky ist völlig verfehlt«, sagte der Landes- und Fraktionsvorsitzende Frank Henkel am Freitag. »Sie ist nicht zeitgemäß und hilft auch niemandem«, sagte Henkel. Ebenso äußerte sich CDU-Generalsekretär Bernd Krömer: »Ich appel...

Jörg Meyer

Rasende Regentin

Bei der Vorstellung seiner Pläne für 2009 kündigte Lichtenbergs Stadtrat für Stadtentwicklung und Bauen die Erweiterung des Radwegenetzes durch den Bezirk an. Die Notwendigkeit dieses radlerfreundlichen und sicherheitsrelevanten Vorhabens untermauerte er mit den Worten: »Wir haben jetzt schon in der Treskowallee eine Tempo 30-Zone, an die sich niemand hält.« Bezirksbürgermeisterin Christina Emmric...

ndPlusAndreas Heinz

Langläufer müssen spuren

Knackige Kälte, verschneite Wiesen und Wälder. Da freut sich gerade der hiesige Ski- und Schlittenfahrer, der mit für Wintersport geeigneten Schneehöhen nicht gerade verwöhnt wird. »Weihnachten 2005 gab es das letzte Mal solche Superbedingungen«, erinnert sich der Präsident des Berliner Skiverbandes, Matthias Mikolajski-Kusche. Das waren noch Zeiten, als als ein Skilift auf den Teufelsberg fuhr un...

ndPlusSonja Schön

Magische Augenblicke in und um Zakopane

Rot-weiße Fahnen und brennende Fackeln schwingen in der Luft, heiße Anfeuerungsrufe erschallen, und da erscheint er auf dem Balken, korrigiert den Sitz der Brille, schaut nach hinten, um die Bindungen zu überprüfen, dann noch die Reißverschlüsse am Skianzug, grünes Licht und – er saust die Schanze hinunter und fliegt durch die Luft. »Das sind die magischen Augenblicke von Zakopane, wenn sich...

Seite 16

Bürgerhaushalt 2009

(ND-Meyer). Neben anderen Bezirken will auch Friedrichshain-Kreuzberg den Bürgerhaushalt fortsetzen. Das teilte das Bezirksamt mit. Ab sofort können Vorschläge für den Haushalt 2010 eingereicht werden. Für den Haushalt 2009 sind durch die 2008 durchgeführten Veranstaltungen in den Bezirksregionen schon 362 Vorschläge eingereicht und in einem Ideenkatalog zusammengetragen worden. Darunter befinden ...

ndPlusWolfgang Weiß

»Jeder Anruf führt zu einem Fall«

Die Zahl der gemeldeten Fälle von Kindesgefährdung steigt in Treptow-Köpenick kontinuierlich an. 2007 gingen bei Jugendamt, Polizei und anderen Dienststellen 872 Gefahrenmeldungen ein, nachdem es ein Jahr zuvor noch 632 waren. Obwohl für 2008 noch keine endgültigen Zahlen vorliegen, geht Jugendstadtrat Dirk Retzlaff (SPD) von einem weiteren deutlichen Anstieg aus. »Jeder Anruf führt zu einem Fall«...

Harry, reich doch mal die Affenbürste
Heidi Diehl

Harry, reich doch mal die Affenbürste

»Das Grrrlgurlgrrri, ist das der Stirnvogel?«, fragt Lilo mit gurgelder Stimme. »Meinst Du das Pühftpühft, das sich anhört, wie eine quietschende Tür?«, fragt Harry putzmunter zurück. Es ist 6 Uhr morgens. Seit einer Stunde sind wir schon auf den Beinen, besser gesagt in einem Kanu unterwegs auf dem Rio Aguarico im Regenwald der ecuadorianischen Provinz Oriente. Denn, so Harry: Wer erleben will, w...

Seite 17
Antje Rößler

Fado ohne Weltschmerz

Mariza ist nicht nur Portugals erfolgreichster Kulturexport, sondern wohl auch der attraktivste. Ihre kraftvolle Stimme beeindruckt ebenso wie die expressive Ausdruckskraft und Bühnenpräsenz. Die 34-Jährige wurde bereits dreimal von der BBC zum »Best European Artist« im Bereich Weltmusik gekürt und gilt als legitime Erbin der portugiesischen Traditionsmusik. Gleichzeitig bringt die Sängerin Glamou...

Blick über die Mauer in die Welt
ndPlusTobias Riegel

Blick über die Mauer in die Welt

Als 1989 die Mauer fiel, hielt sich der heutige Intendant des Hauses der Kulturen der Welt, Bernd Scherer, gerade im pakistanischen Karatschi auf. »Dort konnte man schon damals erkennen, dass das im Westen verkündete ›Ende der Geschichte‹ ein verhängnisvoller Trugschluss war«, so Scherer am Donnerstagabend, als er das Jahresprogramm der »Schwangeren Auster« im Tiergarten vorstellte. Ge...

ndPlusMonika Marschall

Taschen für die Stewardessen

Denkbar ist, dass sie seit letztem Frühjahr Besuchern der Erfurter Krämerbrücke mit ihren dort ausgestellten Emailarbeiten in Erinnerung geblieben ist. Das dortige Sparkassen-Unternehmen hat sich jedenfalls für den Erwerb von drei großflächigen Gestaltungen der im benachbarten Weimar tätigen Kunsthandwerkerin Petra Hermann entschieden. In der Goethe-Stadt an der Ilm jedoch ist sie vor allem durch ...

Seite 18
Hilfspaket
ndPlusBernd Zeller

Hilfspaket

Die Kaiser Wilhelm II. zugeschriebene Erwartung, er halte das Auto nur für eine vorübergehende Erscheinung und setze langfristig weiterhin auf das Pferd, gilt als Beispiel für misslungene Vorhersagen. Doch womöglich war es für diese Bewertung bisher einfach zu früh. Die Situation der Autobranche und die Entwicklung der Energiekosten könnten dafür sorgen, dass doch noch das Pferd das Rennen macht. ...

ndPlusWilfried Neiße

»Der Welt größter Geheimdienst«

Das Wundern über die DDR-Staatssicherheit will und will nicht enden. Am Donnerstag wurde im Potsdamer Rathaus die Wanderausstellung »Feind ist, wer anders denkt« eröffnet. Die Leiterin der Stasi-Unterlagenbehörde Marianne Birthler war aus Berlin angereist. Die Ausstellung zeigt laut Begleitheft »Struktur, Tätigkeit und Wirkungsweise« des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Dabei erwarten den ...

Martin Koch

Überfluss macht krank

Unter Umweltschützern kursiert ein böser Witz. Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Fragt der eine: »Hallo, wie geht's?« »Gar nicht gut«, antwortet der andere. »Was ist los?« »Ich habe Homo sapiens.« Darauf der erste: »Mach dir nichts draus, das hatte ich auch mal. Das geht vorüber.« Es fällt gewiss schwer, über so viel Sarkasmus überhaupt zu schmunzeln, auch wenn nichts darauf hindeutet, dass d...

Seite 19

... Zukunft

Peter Sloterdijk gehört zu den erzählenden, fantasievoll fabulierenden Philosophen fern jeder fest gestanzten Weltanschauungs-Festung. Er denkt vibrierend ungesichert, also lebensnah. In der »Süddeutschen Zeitung« sprach er jetzt über die Zukunft.Er konstatiert eine »gefährliche Rechenart«, die wir erfanden: Profit stehe in keinem Verhältnis mehr zur Leistung, »Zahllose wollen aus einer Wirklichke...

ndPlusWalter Draeger

Das Geld und das Chaos

Häufig trifft man in offiziellen Darstellungen und Medien auf die Gleichsetzung von Marktwirtschaft und Kapitalismus. Aber die Entwicklung des Geldes liefert den Nachweis, dass Tausch- oder Marktwirtschaft viel länger existieren als kapitalistisches Wirtschaften. Die Anfänge von Geldwirtschaft lassen sich über sechs Jahrtausende zurückverfolgen. Die kapitalistische Art zu wirtschaften existiert ka...

Erik Neutsch

Das Schichtbuch des Hans Aehre

Nach mehr als einem halben Jahrhundert nun wieder dieses Buch! Obendrein noch zu einer Zeit, dem Hier und Heute, da erdballweit, global, das Grauen herrscht, die Welt aus den Fugen zu geraten scheint und die apokalyptische Bedrohung der Menschheit, begleitet von Kriegsabenteuern und Finanz- und Wirtschaftskrisen, um Deutschland keinen Bogen macht. Da ist ein jeder froh, wenn er noch ein wärmendes ...

Seite 20

WochenChronik

11. Januar 1949: Bertolt Brecht präsentiert im Deutschen Theater in Berlin das Berliner Ensemble. 11. Januar 1919: Die Bolschewiki beschließen die Einführung des 7-Stunden-Arbeitstages und der 6-Tage-Woche in Sowjetrussland. 13. Januar 1924: Der US-amerikanische Maler Lyonel Feininger gründet mit Wassily Kandinsky, Paul Klee und Alexej Jawlensky die Gruppe der Blauen Vier....

Piecks Brief

Das Jahr 1989 war noch keine zwei Wochen alt, da überraschte »Neues Deutschland« seine Leser mit einem Dreispalter auf Seite 3, der einer Sensation gleichkam. Am Donnerstag, dem 12. Januar, veröffentlichte das »Organ« einen Brief von Wilhelm Pieck (1876-1960; Foto: ND-Archiv) an den Komintern-Funktionär Dimitri S. Manuiliski, datiert vom 28. Mai 1939: »Ich hatte am 5. April, im Einverständnis mit ...

Hans Canjé

»Ein wenig Platz wird sein …«

Irgendwann Ende letzten Jahres, die genaueren Umstände sind nicht bekannt, stieß man im rheinischen Alsdorf (s. Wappen), nahe Aachen, auf die Tatsache, dass im Stadtteil Schaufenberg ein Mann gelebt hat, »den aber nur wenige kannten, der aber sein Leben als Widerstandskämpfer lassen musste«. Die örtliche Zeitung kommentierte die späte Entdeckung: »Nicht alle Deutschen waren Nazis.«Johann Hubert Kl...

Rolf Richter

Der Widerspruch in den Dingen

Die neue linke Geschichtswissenschaft in Deutschland meldet sich nachdrücklich zu Wort: Nunmehr liegen alle vier Bände zur Geschichte der KPD 1918/19 bis 1946 vor. Keine Beschlüsse einer Parteiführung orientieren sie. Die Autoren werden geleitet vom Leipziger Historiker Klaus Kinner. Sie haben in der DDR ihre Ausbildung und ihre Sozialisation erhalten. Sie wurden nach 1989 von Lehrstühlen und aus ...

Seite 21

Selbstverdrehende Nano-Strippen

Die einstigen Verheißungen der Nanotechnologen, dass sich winzigste Maschinchen quasi durch Selbstorganisation herstellen würden, sind bislang nicht eingetroffen. Doch auf dem Weg dahin gibt es hin und wieder kleine Schritte. So, als es vor zwei Jahren einem Team um Peter Fratzl vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung und Joanna Aizenberg von den Bell Laboratories des Alcate...

ndPlusMartin Koch

Die vierte Dimension

»Von Stund an sollen Raum für sich und Zeit für sich völlig zu Schatten herabsinken und nur noch eine Art Union der beiden soll Selbständigkeit bewahren.« So sprach 1908 der deutsche Mathematiker Hermann Minkowski, dem es zuvor gelungen war, die spezielle Relativitätstheorie in einem vierdimensionalen Raum-Zeit-Kontinuum mathematisch elegant zu formulieren.Anders als in der klassischen Physik, in ...

Nobelpreis für die Biolumne?
Reinhard Renneberg, Hongkong

Nobelpreis für die Biolumne?

Nobelpreisträger Kary Mullis ist überzeugt: »Die PCR auf dem Küchentisch, das wäre der nächste Nobelpreis!« Biolumne-Leser erinnern sich vielleicht: Mullis (Jahrgang 1944) hatte 1985 bei einer nächtlichen Autofahrt die Idee, wie man aus einem einzigen DNA-Bruchstück Millionen völlig identische DNA-Kopien machen kann. Er erfand damit die »Polymerase-Kettenreaktion« (englisch: Polymerase Chain React...

ndPlusWalter Schmidt

Verwirrte Ärzte und Patienten

Die Bayer-Aktie schoss am Morgen des 8. Dezember 2008 in die Höhe. Wesentlicher Grund war die Zuversicht der Börsianer, dass der Gerinnungshemmer Xarelto sich für das Pharma-Unternehmen auszahlen wird. Laut Bayer hatten Studien in Kanada ergeben, dass der neue Gerinnungshemmer nach Hüft- oder Kniegelenks-Operationen etwa doppelt so wirksam wie das gängige Mittel Enoxaparin des Konkurrenten Sanofi-...

Seite 22
Gregor Schirmer

Lissabonner Vertrag: Der aufhaltsame Ratifikationsprozess

Der Vertrag von Lissabon, der am 13. Dezember 2007 nach erbitterten, zuweilen ins Absurde reichenden Kämpfen der Mitgliedstaaten unterzeichnet wurde, ist kein neuer Vertrag, sondern »bloß« ein Vertrag zur Änderung der zwei bestehenden primärrechtlichen Grundlagen der EU – nämlich des Vertrags über die Europäische Union und des Vertrags über die Gründung der Europäischen Gemeinschaft. Mit diesem Trick wurden alle wesentlichen »Neuerungen« des gescheiterten Verfassungsvertrags den alten Verträgen einverleibt. Das geschah, wie zu Zeiten Metternichs, auf dem Wege der Geheimdiplomatie zwischen den Regierungen und ihren Ministerialbürokratien, wobei die deutsche Regierung eine führende Rolle hatte. Die Bürgerinnen und Bürger, ihre Organisationen und Bewegungen, selbst die Parlamente hatten keinerlei Kenntnis von dem, was da ausgekocht wurde, geschweige denn Einfluss darauf.

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»Verbindung von Geist und Ort«
Harald Lachmann, Leipzig

»Verbindung von Geist und Ort«

Die Gruppe junger Musiker, die sich ab 1833 regelmäßig in der Leipziger Gastwirtschaft »Zum Arabischen Coffe Baum« zum Stammtisch trifft, gibt sich geheimbündlerisch. Anstelle ihrer bürgerlichen Namen benutzen sie untereinander Fantasienamen, Florestan etwa oder Eusebius. Einer der Wortführer nennt sich Julius. Für einen anderen in der Runde hat er gleich auch einen Tarnnamen gewählt: Serpentin &n...

Im täglichen Einsatz, seit mehr als 40 Jahren
ndPlusBernd Bieberich

Im täglichen Einsatz, seit mehr als 40 Jahren

Conchita Brando steht in der Bodega, dem staatlichen Laden an der Straßenecke, und lässt sich einen halben Liter Speiseöl in eine Plastikflasche abfüllen. Lächelnd nimmt sie die halbvolle Flasche mit dem leuchtend gelben Sonnenblumenöl entgegen und reicht ein Heftchen über den Tresen, die Libreta. Darin ist alles aufgeführt, worauf sie und ihr Mann Anspruch haben: das Stück Brot, das sie bei der B...

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Winterkinder
ndPlusBrigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin

Winterkinder

»Ich hielt mich so lange auf dem Weg zur Natur, bis sie mir den Weg zum Glück zeigte. Es hat sich erwiesen, dass er ein und derselbe war.« Ist er nicht schön, dieser Gedanke von Rousseau? Damit lässt es sich gut ins neue Jahr starten; ins Gartenjahr sowieso. Alpen-, Schnee-, Christ- oder Lenzrose, Nieswurz und Helleborus: Alles Namen für ein Florakind, das in vielen Arten und mit noch mehr Hybride...

WM-System in der Krise
Carlos García Hernández, Schachlehrer

WM-System in der Krise

Eklat im Weltschach: Der Verfahren, mit dem der nächsten WM-Kandidat gefunden werden soll, wurde in der laufenden Qualifikation noch einmal geändert: Eigentlich sollten Weltcup-Gewinner und Gesamtsieger des Grand-Prix-Wettbewerbs in einem Duell den Herausforderer von Weltmeister Viswanathan Anand (Indien) ermitteln. Nun aber werden diese beiden nur noch zwei von acht Teilnehmern eines Kandidatentu...

ndPlusMarkus Drescher

Silvesterrätsel: Auflösungen und Gewinner

Einfach waren sie nicht, die Rätsel in der Silvesterausgabe, die wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, aufgaben. Sollten sie aber auch nicht sein, denn wir wollten Ihnen schließlich einen anspruchsvollen Zeitvertreib zum Jahreswechsel bieten – was uns hoffentlich gelungen ist. Bei der »Verspielten Zukunftsmusik« mussten wie bei einer Schnitzeljagd von Text zu Text sieben falsche Begriffe ge...