Ausgabe vom 03.02.2009

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Unten links

Eine schreiende Ungerechtigkeit, diese Abwrackprämie! Nicht nur wegen der Gefahr für viele gut erhaltene Oldtimer, die nun in die Schrottpresse gelockt werden. Das Glück eines abwrackprämienfähigen Autos ist ungleich verteilt. Autohändler legen zur Prämie wenigstens Nachlässe für Neuwagen drauf, 20 Prozent sind so möglich, aber die Bundesregierung reagiert nicht. Dabei ist der Neunjahreswagen rein...

Vorwürfe in Genf gegen Deutschland

Genf/Berlin (Agenturen/ND). Vor dem UNO-Menschenrechtsrat haben am Montag mehrere Staaten Rassismus und ausländerfeindliche Gewalt in Deutschland kritisiert. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), sagte, die Bundesregierung nehme die Vorwürfe sehr ernst. »Auch in Deutschland gibt es Schwierigkeiten«, erklärte er. Menschenrechtsorganisationen und die Oppositionsparteien warfen d...

Jürgen Amendt

Bad Party

Unter einer »Bad Bank«, schreibt das Internetlexikon Wikipedia, müsse man sich eine Bank vorstellen, auf die in Zeiten von Bankenkrisen »notleidende Kredite« überführt würden. Unter Aufsicht des Staates könnten aus diesen Krediten sogar wieder »gute Schulden« werden. Eine solche »schlechte Bank« lehnt Angela Merkel ab. Dem Steuerzahler dürften nicht die Kosten für schlechte Produkte aufgebürdet we...

Hans-Gerd Öfinger

Merkel sauer auf Mehdorn

Wegen der Affäre um die Bespitzelung von 173 000 Mitarbeitern der Deutschen Bahn AG gerät Konzernchef Hartmut Mehdorn nun auch verstärkt in die Kritik der Bundesregierung.

Wahlkampf per Umweltgesetzbuch

Das Scheitern des Umweltgesetzbuches hat Gräben in der Großen Koalition aufgerissen und wirft ein Schlaglicht auf den beginnenden Bundestagswahlkampf.

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WSF-Forderungen

Maßnahmen zur »Umverteilung des globalen Reichtums«Zum Abschluss des Weltsozialforums wurden dringende Maßnahmen gegen die Folgen der Finanzkrise gefordert. »Das Finanzsystem muss auf völlig neue Füße gestellt und der globale Reichtum umverteilt werden«, sagte Alexis Passadakis von Attac Deutschland. Unter UNO-Regie müssten die Gründung einer internationalen Steuerbehörde, die Stabilisierung von W...

ndPlusGerhard Dilger, Belém

»Zivilisatorischer Großversuch« der Globalisierungskritiker

Das Weltsozialforum in Belém (Brasilien) ist mit Beschlüssen zu einer »Agenda sozialer Kämpfe« zu Ende gegangen. Zum Abschluss kündigten Vertreter sozialer Bewegungen am Sonntag (Ortszeit) eine »Aktionswoche gegen Kapitalismus und Krieg« vom 28. März bis 4. April an. An dem Treffen nahmen etwa 130 000 Globalisierungskritikern aus rund 140 Ländern teil.

Der Raum des Forums ist da, um geöffnet zu werden

Der Raum des Forums ist da, um geöffnet zu werden

Francisco »Chico« Whitaker Ferreira (77) gehört zu den Gründern des Weltsozialforums (WSF) und ist Mitglied in dessen brasilianischem Organisationskomitee sowie im Internationalen Rat des Weltsozialforums. Whitaker begann sein soziales Engagement in den 50er Jahren als Architekturstudent und Mitglied der katholischen Studentenbewegung. Während der Zeit der Militärdiktatur in Brasilien in den späten 60er Jahren ging er ins Exil nach Frankreich. In Belém sprach Gerhard Dilger mit ihm.

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ndPlusIngolf Bossenz

Vatikan präsentiert: Der Mann ohne Makel

Mit der Sonderausstellung, die zurzeit im Schloss Charlottenburg gezeigt wird, hat ein Streit, der vor fast 46 Jahren in Berlin seinen Ausgang nahm, die Stadt wieder erreicht.

»Wir brauchen eine völlig neue Rente«

Klaus Wiesehügel ist seit 1995 Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Wie verheerend sich die wirtschaftliche Krise auf die Situation am Bau auswirken wird, entscheidet sich nach Ansicht des 55-Jährigen auch daran, wie schnell die Bundesregierung ihr Konjunkturpaket umsetzt. Mit dem gebürtigen Mühlheimer sprach für ND Ina Beyer.

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ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Ladenschluss auf dem Basar

In sieben Monaten wird in Sachsen gewählt. Schon jetzt herrscht in der Landespolitik Lethargie: Die Koalitionäre von CDU und SPD können kaum noch etwas miteinander anfangen.

Seite 5

Zwangsheirat: Immer mehr Fälle bekannt

Berlin (epd/ND). Vier Jahre nach dem Mord an der Kurdin Hatun Sürücü hat die Berliner Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (LINKE) der Bundesregierung mangelnde Glaubwürdigkeit im Kampf gegen Zwangsheirat vorgeworden. Sie habe bisher nichts getan, um Opfern zwangsweiser Heirat die Rückkehr nach Deutschland zu erleichtern, sagte die Senatorin am Montag in Berlin. Für die Opfer sei ein eigener Aufenth...

Mario Fehling

»Deutsche Heeres-Logistik« im Visier

Mit einer »offensiven Kampagne« wollen Kriegsgegner Druck auf die Deutsche Post aufbauen und so das »militärische Engagement« der hundertprozentigen Post-Tochterfirma DHL thematisieren.

Rechtsextremisten sind gefährlich, aber nützlich

Rechtsextremisten sind gefährlich, aber nützlich

Franz Josef Müller gehört zu den wenigen Überlebenden der Widerstandsgruppe Weiße Rose. Als Mitglied der »Ulmer Abiturientengruppe« beteiligte er sich an der Verteilung von Flugblättern gegen das NS-Regime. 1943 wurde der verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Der 84-Jährige spricht noch heute als Zeitzeuge vor Schulklassen. Thomas Mitsch sprach mit dem Juristen, der heute Ehrenvorsitzender der Weißen-Rose-Stiftung in München ist.

Seite 6

Simbabwe: 12 Nullen gestrichen

Harare (epd/ND). Simbabwes Zentralbank hat am Montag mit der Streichung von zwölf Nullen bei der Landeswährung erneut versucht, die verheerenden Auswirkungen der Hyperinflation unter Kontrolle zu bringen. Der Wert eines US-Dollars war in den vergangenen Tagen auf dem Schwarzmarkt auf 250 Billionen Simbabwe-Dollar gestiegen.Die Maßnahme der Zentralbank dürfte nur kurzfristig Wirkung zeigen. Bereits...

Geiselfreilassung soll weitergehen

Der konservative kolumbianische Präsident Alvaro Uribe hat am Montag im letzten Augenblick doch noch den Weg für weitere Freilassungen von FARC-Geiseln frei gemacht. Die Realisierung war indes zunächst unklar.

Israel: »Hart und unverhältnismäßig«

Nach dem Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen hat die israelische Luftwaffe am Montag bei einem Angriff in Rafah einen Palästinenser getötet und vier weitere verletzt.

Seite 7
Julian Bartosz, Wroclaw

Kaczynskis PiS will wieder an die Macht

Am Wochenende tagte in der Markthalle von Nowa Huta ein außerordentlicher Kongress der Partei »Recht und Gerechtigkeit« (PiS), am Sonntag fand in Warschau die Gründungsversammlung einer »Verständigung für die Zukunft« genannten Mitte-Links-Formation statt. Und am selben Tag scharte der irische Geschäftsmann Declan Ganley einige versprengte Politiker aus antieuropäischen Gruppierungen zusammen, um die Partei »Libertas« in Polen zu organisieren.

Olaf Standke

Genfer Examen zu Menschenrechten

Die gestrige Deutschland-Anhörung war der Auftakt zum diesjährigen Länderprüfverfahren des Menschenrechtsrats in Genf. Bis zum 13. Februar unterzieht das Gremium UN-Mitgliedstaaten einer kritischen Prüfung – und gerät selbst immer wieder in die Kritik.

Seite 8
ndPlusMartin Kröger

Unglaubwürdig

Die Ermordung der jungen Kurdin Hatun Sürücü vor vier Jahren war ein Fanal. Schlagartig wurde das Leid der zwangsverheirateten Migrantinnen in Deutschland zum Politikum. Das breite Entsetzen über den Mord an der 22-Jährigen führte zu einer gesellschaftlichen Debatte über so genannte Ehrenmorde und Zwangsehen. Doch damals wurden nicht nur Phrasen über Werte und Selbstbestimmung gedroschen, sondern ...

ndPlusHaidy Damm

Mäßiger Auftakt

GDL-Chef Claus Weselsky war nach Abschluss der Tarifverhandlungen besonders stolz darauf, «nach dem allseits bekannten Tarifkonflikt des letzten Jahres diese Tarifrunde ohne Arbeitskampf abschließen zu können.« Ist David kleinlaut geworden? Oder hat die GDL nach ihrem lautstarken Start jetzt der Sinn für realistische Forderungen eingeholt? Einige hätten von der kleinen Lokführergewerkschaft lauter...

Oliver Händler

Durchs Raster gefallen

Wenn Wirtschaft und Politik etwas Gutes fabrizieren, muss das auch mal gelobt werden. Die jüngsten Zahlen des Ausbildungspaktes belegen, dass sich die gegenseitige Verpflichtungserklärung gelohnt hat, auch wenn immer noch nicht jeder Jugendliche eine Lehrstelle hat. Die Zahl der Ausbildungsverträge stieg seit Beginn im Jahr 2003 um zehn Prozent; und auch 2008 waren am Start des Ausbildungsjahres w...

Olaf Standke

Katastrophal

Der erzkonservative Geistliche soll Linzer Weihbischof werden.

Holt mehr aus den Betrieben raus!
Mathias Wedel

Holt mehr aus den Betrieben raus!

»Aufregung unter Eisenbahnern«, hieß es am Sonnabend. Die kann man verstehen! 25 Prozent von denen, so hat der Führungsoffizier für Mitarbeiterbespitzelung bei der Bahn geschätzt, seien »bereit, die eigene Firma zu hintergehen«, also zu klauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Nur ein Viertel sei »ehrlich, komme was da wolle«. Ist eben nicht »die eigene Firma«. Bis es soweit ist, müssen noch all...

Seite 9
Unpolitischer Nachwuchs
Heinz Kersten

Unpolitischer Nachwuchs

Es begann ganz bescheiden mit zehn Wettbewerbsfilmen und 708 Besuchern. Zum 30. Jubiläum kamen rund 30 000 Interessenten und konnten aus einem Gesamtangebot von 143 Produktionen auswählen. Eine Erfolgsstory. Bei der Überfülle des Programms sehnte man sich manchmal nach den überschaubaren Anfängen in familiärer Atmosphäre zurück. Gigantomanie ist eine allgemeine Festivalkrankheit, von der auch Saar...

Kommt Zeit, kommt Fall
ndPlusGunnar Decker

Kommt Zeit, kommt Fall

Dieses Stück ist eine Angstvision. Eine Parabel auch über die Unmöglichkeit, bereits zu Lebzeiten sein Erbe zu regeln. Mehr noch: den Schrecken der Selbstenteignung vor Augen geführt zu bekommen als eine Verkehrung der eigenen Absichten in ihr Gegenteil. Erben werden immer die anderen und erst dann, wenn man selber tot ist. Was bleibt, ist ihre Beute, die nichts mehr mit einem selbst zu tun hat. K...

Seite 10
ndPlusThomas Grossman

Flugzeugunglück

Der 3. Februar 1959 war noch blutjung – zwischen 0 und 1 Uhr – und es herrschte ein starker Schneesturm. An Bord der viersitzigen »Beechcraft Bonanza« waren neben dem Piloten der Rock'n'Roll-Star Buddy Holly (22) sowie die Sänger J.P. »The Big Bopper« Richardson (28) sowie Ritchie Valens (17), die beide gerade ihren ersten Hit gelandet hatten. 15 Kilometer nach dem Start in Mason City ...

Roberto Becker

Gegen die Wand

Es blieb einer der besten Inszenierungen von Peter Konwitschny (in Hamburg) vorbehalten, eine sozusagen enzyklopädische Zusammenfassung von Verdis jahrelangem work in progress am »Don Carlo« zu ziehen. Bei ihm war alles drin. Inklusive Vorgeschichte in Frankreich und ausführlicher Balletteinlage. Wer sich sonst zwischen dem mehr als halbem Dutzend überlieferter Versionen in Französisch oder Italie...

ndPlusWerner Wolf

Ein universeller Künstler

Er wurde zu Lebzeiten gefeiert und gewürdigt wie wenige Komponisten seiner Zeit: Felix Mendelssohn Bartholdy, ein Enkel Moses Mendelssohns, vor 200 Jahren in Hamburg geboren. In England war seine Musik besonders beliebt. Die um zehn Jahre jüngere englische Königin Victoria empfing ihn wie einen Gleichrangigen, schwärmte von seinen Liedern, sang ihm – zu seiner Überraschung – zuerst ein...

Seite 11

»Barbie« schwächelt

El Segundo (dpa/ND). Der weltgrößte Spielwarenhersteller Mattel leidet unter dem schwindendem Erfolg seines Puppenklassikers »Barbie« und einem zuletzt schwachen internationalen Geschäft. Der Gewinn brach im wegen der Weihnachtserlöse wichtigen Schlussquartal 2008 um 46 Prozent auf 176 Millionen Dollar ein. Der Umsatz fiel um elf Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro), wie Mattel ...

Allianz von BMW und Peugeot?

Paris (AFP/ND). Der Münchener Autobauer BMW und der französische Hersteller PSA Peugeot Citroën prüfen nach einem Pressebericht eine vertiefte Allianz. Eine Delegation von BMW habe am 21. Januar Gespräche mit Vertretern von Präsident Nicolas Sarkozy und der Regierung geführt, berichtet die Zeitung »La Tribune« am Montag. »Die Regierung denkt über neue Kooperationen für die französischen Hersteller...

Kauflaune ungetrübt

Die Kauflaune der Deutschen bleibt in diesem Jahr trotz der Wirtschaftskrise nach Einschätzung von Marktforschern weitgehend ungetrübt. Die allmählich wachsende Angst vor der Arbeitslosigkeit werde sich voraussichtlich »erst Ende des Jahres« in einer steigenden Kaufzurückhaltung äußern, teilte das Marktforschungsinstitut GfK am Montag in Nürnberg mit.

Sichtbares Zeichen gegen Atomlobby
ndPlusPeter Nowak

Sichtbares Zeichen gegen Atomlobby

Alljährlich Anfang Februar trifft sich das »Deutsche Atomforum«, eine Lobbyorganisation der Energiewirtschaft, zu seiner Wintertagung in Berlin. In diesem Jahr wird das Meeting am 4. und 5. Februar stattfinden. Alljährlich haben auch Anti-AKW-Gruppen gegen das Atomforum Proteste organisiert. So auch in diesem Jahr.

ndPlusDetlef Kolze, Bremerhaven

Eklat im Pflegeheim

Ein bundesweit bekanntes Problem sorgt in diesen Tagen in Bremerhaven für eine Welle der Empörung – die Vernachlässigung alter Menschen in einem Pflegeheim. Ausgelöst wurde die lebhafte Diskussion durch den Betreuungsverein, der Missstände in einem Pflegezentrum der Oldenburger Hansa-Gruppe anprangerte.

Haidy Damm

Streik diesmal nicht nötig

Ein Tarifabschluss, den alle Seiten zufrieden kommentieren, ohne überschwänglich zu sein. Das ist das erste Resümee nach dem Abschluss der Verhandlungen der Bahngewerkschaften mit der Deutschen Bahn. Die Abstimmung in den Tarifkommissionen Mitte der Woche scheint reine Formsache.

Seite 12
ndPlusPeter Hossli, New York

An Asphalt fehlt es

Der zentrale Baustoff für den Straßen- und den Hochbau ist in den USA knapp geworden. 2008 verbaute die USA täglich 20 000 Fass mehr Asphalt, als sie herstellte.

Weiter Diskussion um HRE

Berlin (dpa/ND). Die Bundesregierung will das Gesetz zur möglichen Verstaatlichung von Banken und den Einstieg bei der HRE nicht übers Knie brechen. Es gebe keinen akuten Zeitdruck, derzeit würden alle Optionen geprüft. »Es ist nicht davon auszugehen, dass unmittelbar in den nächsten Tagen Beschlüsse und Festlegungen erfolgen«, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. In der Union und im Justizm...

ndPlusAnna Guhl, Peking

Ein trauriges Frühlingsfest

In China wird es auch für gut ausgebildete junge Menschen immer schwieriger, eine Arbeitsstelle und damit ein Einkommen zu erhalten.

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Action

HEUTE IN BERLIN – »Inwiefern ist Europa an einer Entwicklung Afrikas interessiert?«, Unter der Moderation von Dr. Regina Franken-Wendelstorf (Freie Universität Berlin, Otto-Suhr-Institut) werden Prof. Dr. Peter Molt (Universität Trier), Prof. Dr. Helmut Asche (Universität Leipzig), Dr. Salua Nour (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, Sierra Leone) und Stephan K. Ohme (Beauftragter für...

Globalem Fonds fehlen Milliarden

Von Mirela Xanthaki, New YorkDem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria fehlen im Budget für 2009 bis 2010 fünf der vorgesehenen acht Milliarden US-Dollar. Die Summe könnte zwei Millionen Menschenleben retten. In dieser Situation fordern Unterstützer des Fonds von den Industriestaaten eine Erhöhung ihrer Finanzierungszusagen. Der Appell richtet sich vor allem an die USA. »...

Schlechte Konjunktur für die Armen
ndPlusMartin Ling

Schlechte Konjunktur für die Armen

Die Bekämpfung der globalen Armut ist für Heidemarie Wieczorek-Zeul sicher ein Herzensanliegen. Das zeigte erst vergangene Woche der Einsatz der deutschen Entwicklungsministerin im Bundestag für die Aufstockung des deutschen 50-Milliarden-Euro-Konjunkturpaketes um 100 Millionen Euro für Entwicklungsländer und ihr Plädoyer für ein globales Konjunkturprogramm für die Ärmsten.

Mittelamerika am Tropf der Migranten
ndPlusTorge Löding, San José

Mittelamerika am Tropf der Migranten

Erstmals seit den Neunzigern schrumpft die Summe der Geldüberweisungen, welche Migranten aus den USA, Europa und anderen Ländern den daheim gebliebenen Familienmitgliedern in Zentralamerika senden. Kritische Wirtschaftswissenschaftler fordern, endlich eine Alternative zu der Dollarabhängigkeit der Volkswirtschaften der Region zu installieren.

Andreas Behn, Rio de Janeiro

Stahl für den Export, Müll vor Ort

Der Bau eines gigantischen Stahlwerks durch ThyssenKrupp in Brasilien bringt Umweltschützer und Menschenrechtler auf die Barrikaden. Brasiliens Regierung finanziert das Megaprojekt mit.

Seite 14
Genesung & Liebe
Elfi Schramm

Genesung & Liebe

Die renommierte amerikanische Hirnforscherin Dr. Jill B. Taylor erleidet mit 37 Jahren einen Schlaganfall, der ihre linke, rationale Hirnhälfte blockiert. Sie verliert jegliches Gefühl für Raum und Zeit. »Am 10. Dezember 1996 nahm die Lebendigkeit meiner Zellen ab, und mein Verstand verweigerte das Kommando über die Bewegungen meines Körpers. Wie in einem Kokon eingehüllt, mit stummem Verstand und...

ndPlusMartin Koch

Hygiene contra Umweltschutz

Manche trocknen damit ihre Tränen. Andere verwenden es, um Flecken zu beseitigen. Die meisten Menschen allerdings putzen sich damit die Nase. Die Rede ist vom Papiertaschentuch, das vor wenigen Tagen 80 Jahre alt wurde.

Claus Dümde

»Zeit ist Gehirn«

Rund 200 000 Menschen erleiden in Deutschland pro Jahr einen Schlaganfall. Tendenz steigend. Eine neue europaweite Studie macht Hoffnung auf eine bessere Therapie: Weit mehr Betroffene als bisher könnten und sollten eine Thrombolyse zur Auflösung von Blutgerinnseln im Gehirn erhalten, betonen Schlaganfallexperten. Sie kann lebensrettend sein und dazu beitragen, bleibende Behinderungen zu verhindern oder zu minimieren.

Seite 15
Gabi Kotlenko

SCC siegt vor Rekordkulisse

Ein Volleyballfest der Sonderklasse erlebte Berlin am Sonntag. Der amtierende Meister VfB Friedrichshafen brannte darauf, sich nach den Erfolgen in der Champions League auch in der Tabelle wieder etwas Luft zu verschaffen. Doch der SCC Berlin durchkreuzte den Plan des Serienmeisters vom Bodensee – 3:1 (25:20, 20:25, 25:20, 25:19) hieß es am Ende dann deutlich für die Berliner.Ganz aufgeregt ...

ndPlusMartin Kloth

Franzosen in Champagnerlaune

Nur fünf Monate nach dem Olympiasieg haben Frankreichs Handballer mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Kroatien ihre Fans entzückt, ihre Landsleute in der Heimat stolz gemacht und sich selbst in Champagnerlaune versetzt. Mit dem Titelgewinn habe die Mannschaft »eine völlig außergewöhnliche Siegesserie fortgesetzt und dem Olympiasieg von Peking einen dritten WM-Titel hinzugefügt«, schrieb Staats...

ndPlusThomas Häberlein

Maria Riesch in einsamer Mission

Für den Sportdirektor ist sie »der alpine Lebensnerv Nummer eins in Deutschland«, sie selbst sieht sich als Anwärterin auf mindestens eine Medaille, »etwas anderes zu behaupten wäre Blödsinn«. Kurzum: Wenn heute Mittag im französischen Val d'Isere die 40. alpinen Ski-Weltmeisterschaften mit dem Super-G der Frauen beginnen, soll die Partenkirchnerin Maria Riesch die Alpinen des Deutschen Skiverband...

Seite 16

Es kam alles noch schlimmer ...

»Es bleibt alles wie immer, nur schlimmer«, hatte »Bernd das Brot«, Star des Kinderkanals (Ki.Ka), in einer Neujahrsansprache gesagt. Dass es ausgerechnet für ihn selbst schlimmer kam, hat er da wohl nicht im Entferntesten geahnt. Bernd wurde gekidnappt. Nun aber ist er seit Sonntagabend nach elftägiger Entführung wieder frei. Er wurde in einem dunklen Kellergewölbe bei Weimar gefunden. »Kriminali...

Winterchaos quer durch Europa

Schneemassen in London, Norditaliens Autobahnen vereist, Málaga von Tornado heimgesucht – der Winter sorgt in weiten Teilen Europas für Chaos. In Norditalien bedeckten Eis und Schnee 800 Kilometer des Autobahnnetzes, in Belgien staute sich der Verkehr nach Rekordschneefällen auf über 400 Kilometern. Auch im Norden Frankreichs sorgten Eis und Schnee für chaotische Verhältnisse. Im südspanisch...

Seite 17

Bombenfund in Prenzlauer Berg

(dpa). In einem Haus in Prenzlauer Berg sind am Montag bei Sanierungsarbeiten 15 selbst gebaute Sprengsätze mit Zünder gefunden worden. Ob sie tatsächlich detonierfähig seien, werde noch geprüft, sagte eine Polizeisprecherin. Es handele sich um Dosen mit Kabeln, die mit Klebeband umwickelt seien. Nach ersten Erkenntnissen dürfte es sich um selbst gebaute Feuerwerkskörper handeln, hieß es am Nachmi...

»Viele Leute kennen ihre Rechte nicht«
Jana Findeisen

»Viele Leute kennen ihre Rechte nicht«

Der Beratungsbus der Wohlfahrtsverbände fährt im Februar wieder durch die Bezirke von Mitte bis Marzahn. Mitarbeiter verschiedener Beratungsstellen informieren zu Themen wie Hartz IV, Schulden oder drohender Wohnungslosigkeit. Dieser Tage steht der Bus gegenüber dem Jobcenter Neukölln an der Silbersteinstraße. Vor dem Eingang haben die Mitarbeiter der gemeinnützigen Gesellschaft zur Betreuung Wohn...

ndPlusMartin Kröger

Wider die moderne Sklaverei

Manchmal ist ein Bruch mit der Familie nicht zu vermeiden. So wie bei Leila*, die sich als 16-Jährige zu schminken beginnt und immer öfter die Schule schwänzt. Als sie dann noch ab und zu mal einen Joint raucht, wie so viele Mädchen in ihrem Alter, wollen die Eltern die 16-Jährige, die ursprünglich aus dem Libanon nach Berlin gekommen war, zwangsverheiraten. Was die Eltern nicht wissen: Leila hatt...

Seite 18
ndPlusMaria Köhler

Ohne Schweiß kein Preis

Schweiß auf der Stirn und ein Lächeln im Gesicht: Für 30 Seniorinnen des TSV Berlin-Wittenau gibt es ein Gläschen Sekt. Grund ist die Ehrung durch Bundespräsident Horst Köhler, der Ende Januar die Arbeit des »Senioren-Stützpunkts Bewegung« mit dem »Großen Stern des Sports« würdigte. Platz zwei im Bundeswettbewerb und 7500 Euro Preisgeld waren Lohn für die Anstrengungen des Vereins, der sich in den...

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Literaturpreis und Professur für Dea Loher

(dpa). Die Dramatikerin Dea Loher hat am Montag den mit 30 000 Euro dotierten Berliner Literaturpreis 2009 der Stiftung Preußische Seehandlung erhalten. Gleichzeitig wird sie von der Freien Universität auf die Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik zum Sommersemester 2009 berufen.Mit ihren frühen Stücken präge die 44-Jährige seit fast 20 Jahren die Gegenwartsdramatik, hieß es zur ...

Gute Laune
Nissrine Messaoudi

Gute Laune

Es wurde gehüpft, getanzt und gesungen, als Reel Big Fish am Sonntag den Magnet Club in Prenzlauer Berg rockten. Mit ihrem neuen Album »Fame, Fortune and Fornikation« ist die Ska-Punk-Band aus Kalifornien auf Tour. Musikalisch wurden sie von der Vorband Suburban Legends tatkräftig unterstützt. Überfüllt war es nicht gerade, aber dennoch sorgte das sehr junge Publikum für eine großartige Stimmung. ...

Maximale Schmerzerzeugung
ndPlusManuela Lintl

Maximale Schmerzerzeugung

Natürlich ist es voreilig, schon zu Beginn des Jahres zu behaupten, die Akademie der Künste habe mit ihrer diesjährigen Eröffnungsausstellung »Embedded Art: Kunst im Namen der Sicherheit« die wichtigste Ausstellung des Jahres ausgerichtet. Wahrscheinlich wird dieses ambitionierte Kunstprojekt jedoch ein Einzelfall bleiben im ansonsten eher gefälligen Berliner Ausstellungsdschungel. Zumal »Embedded...

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Dänen legen Ferienhaus-Bau auf Eis

Zehdenick (dpa/ND). Das Millionen-Projekt zum Bau von rund 600 Ferienhäusern in Zehdenick (Oberhavel) ist vorläufig auf Eis gelegt worden. Das dänische Konsortium, die ESKE Group, habe ihm dies am Montagmorgen schriftlich mitgeteilt, sagte Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU). Die beiden anderen ESKE-Projekte, rund 400 Ferienhäuser in der Lausitzer Seenlandschaft sowie das Ferienhausdorf um ...

21 Firmen dürfen ans Hilfspaket

Potsdam (dpa/ND). In Brandenburg haben sich bisher mehr als 60 Unternehmen an dem Hilfspaket der Landesregierung zur Absicherung von Investitionen und Arbeitsplätzen interessiert gezeigt. »Davon sind es 21 konkrete Fälle, in denen wir Hilfe organisieren«, sagte Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) am Montag.Mit der Landeshilfe sollen die Unternehmen die aktuelle Finanzkrise überstehen. Die B...

Theresa Münch

Die künstliche Zunge

Es könnte die Antwort auf das Cola-Light-Problem sein: Dass einige Menschen keinen Unterschied schmecken zwischen Diät- und gewöhnlicher Cola, »liegt wahrscheinlich an den Genen«, sagt Wolfgang Meyerhof vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke. Er leitet die Abteilung Molekulare Genetik, forscht unter anderem am menschlichen Geschmack. Künstliche Süßstoffe wie in Cola-Li...

Wohnen im eigenen Haus verboten
ndPlusVeiko Kunkis

Wohnen im eigenen Haus verboten

Mit viel Schweiß erfüllten sich Margitta und Karl-Heinz Diescher aus Oderberg einst ihren Traum vom eigenen Haus. Doch seit fast vier Monaten dürfen sie darin nicht mehr wohnen. Der Berg dahinter ist ins Rutschen gekommen. Lebensgefahr, urteilte die Bauaufsicht. Nun wird darum gerungen, wer die Sicherung des Berges, die Millionen kosten wird, bezahlt. Unglücklicherweise wohnen die Dieschers auch n...