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Ausgabe vom 11.02.2009

Seite 1

Unten links

Die Glühbirne hat es schwer. Erst soll sie abgeschafft werden – und nun, auf seiner heutigen Sitzung, will der Umweltausschuss des EU-Parlaments in Brüssel dieses Verbot plötzlich wieder in Frage stellen. Offenbar zieht hinter den Kulissen eine starke Herstellerlobby ihre energiefressenden Leuchtfäden. Vielleicht ist das Ganze aber auch ein spätes intrigantes Zeichen von Helmut Kohl, Urbild ...

René Heilig

Die Sache mit dem Eisberg

Irgendwie mag man das Gleichnis mit dem Eisberg und seinen zwei Dritteln, die zwar unsichtbar, doch kreuzgefährlich sind, nicht mehr hören. Auch und gerade nicht, wenn es um Korruption geht. Doch eines ist klar: Kein Eisberg kann schwimmen ohne Meer. Manches ist gefüllt mit Unehrlichkeit, Gier und Verlogenheit. Die Sucht nach dem eigenen Vorteil ist Gesellschaftsprinzip. Gesetze hin, Moral her. Um...

Signale aus Teheran und Washington

Bei den Feiern zum 30. Jahrestag der Islamischen Revolution in Iran hat sich Präsident Mahmud Ahmadinedschad zu Gesprächen mit den USA bereit erklärt. US-Präsident Barack Obama sprach in Washington von möglichen Beziehungen des »gegenseitigen Respekts und der Chance«.

Aufklärung auf dem Abstellgleis

Der Bahnvorstand hat gestern die eingeforderten Antworten zu den Spitzelaktionen abgeliefert. Nicht einmal Verkehrsminister Tiefensee war zufrieden, denn der Bericht »wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet«.

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Mediziner verweigert Schwangerschaftsabbruch

Aufgrund einer medizinisch-sozialen Indikation sollte die Schwangerschaft einer Frau abgebrochen werden. Nach einer weiteren Untersuchung in der Klinik erklärte der behandelnde Arzt, eine psychotische Störung mit Krankheitswert könne er nicht erkennen. Er lehnte deshalb den Abbruch ab. Auch ein Telefonat mit dem Gynäkologen, der den Klinikarzt auf die Suizidgefahr hinwies – sie wolle lieber ...

Vollmachten: Für die Selbstbestimmung im Alter rechtzeitig vorsorgen

Immer mehr Menschen sind aufgrund von Altersverwirrtheit, Krankheit, Unfällen oder Behinderung nicht mehr in der Lage, über die eigenen persönlichen und finanziellen Belange zu entscheiden. Derzeit werden über eine Million Bürger von einem vom Gericht bestellten Fürsorger betreut. Wer sich auch für den Betreuungsfall seine Selbstbestimmung erhalten will, sollte bereits in gesunden Tagen vorsorgen....

Riester-Rente: Rechtzeitige Vorsorge ist besonders für Frauen wichtig

Die Rentenansprüche von Frauen sind deutlich geringer als die von Männern. Das hat mehrere Ursachen: Da Frauen in vielen Berufen noch weniger verdienen als Männer, fällt ihre Rente dadurch im Schnitt geringer aus. Oft sind sie auch weniger lange erwerbstätig, weil sie Auszeiten für Kinder und Familie nehmen. Gleichzeitig leben Frauen jedoch länger als Männer und haben eine längere Rentenzeit zu be...

ndPlusAndreas Fritsche

Klimawandel interessierte kaum

14 Prozent der Brandenburger sind einer emnid-Umfrage zufolge für einen sofortigen Ausstieg aus der Verstromung der Braunkohle. Das wären 250 000 Menschen, doch nur 25 168 unterschrieben ein Volksbegehren gegen neue Tagebaue in der Lausitz. Am Montagabend endete die Eintragungsfrist. 80 000 Unterschriften wären notwendig gewesen, um den Weg für einen Volksentscheid frei zu machen.

»Die Linke verteidigt die europäische Integration«

»Die Linke verteidigt die europäische Integration«

Ende Februar werden Parteitag und Vertreterversammlung der LINKEN in Essen über das Programm zur Europawahl und über die Kandidatenliste entscheiden. Der vom Bundesausschuss unterbreitete Vorschlag möglicher Bewerber hatte in den vergangenen Wochen zu heftigen Diskussionen über den Kurs der LINKEN gegenüber der EU geführt. Mit dem Vorsitzenden der LINKEN und der Europäischen Linkspartei, Lothar Bisky, sprach für ND Uwe Sattler.

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Vertragsbeziehungen

Der Grunsstückseigentümer ist auch dann Partner des Versorgungsvertrags mit einem Versorgungsunternehmen für Gas, Wasser oder Fernwärme, wenn Mietwohnungen im Gebäudegrundstück mit Gasetagenheizungen ausgestattet wurden und deren Mieter selbst Kunden des Versorgungsunternehemens sind. BGH-Urteil vom 15. Januar 2008, Az. VIII ZR 351/06...

Keller nicht zu belüften

Wir bezogen 2004 eine Wohnung, zu der ein nur sehr kleiner Keller gehört, der als einziger im Haus nicht über ein Fenster zu belüften ist. Dadurch verdirbt uns dort eingelagertes Obst und Gemüse. Ein gegenüberliegender Fahrradraum hat ein Fenster, das bei geringer Öffnung Abhilfe schaffen würde, aber andere Mieter lassen das nicht zu. Dabei werden wir in der Hausordnung sogar aufgefordert, alle Rä...

Bäume wurden gefällt

An unserem Wohnblock wurden einige Bäume gefällt, weil sie sehr stark auf die Frontseite des Wohnblocks hin wuchsen. Dadurch wurden Wohnungen verdunkelt und es bestand auch Gefahr für Fußgänger. Wir Mieter sollen die Fällung als Betriebskosten bezahlen. Wie ist die Rechtslage? Paul N., Leipzig Betriebskosten, zu denen auch die Grünpflege gehört, können nur auf Mieter umgelegt werden, wenn sie lauf...

Beteiligung der Mieter Verhandlungssache

In fast allen Mietverträgen sind Klauseln für die Kostenübernahme durch den Mieter bei so genannten Kleinreparaturen enthalten, obwohl die laufende Instandhaltung der Wohnung nach § 535 BGB Sache des Vermieters ist.

ndPlusCarsten Hübner

Die Stellvertreter Gottes

Die reaktionäre Heilslehre der Priesterbruderschaft Pius X. widerspricht elementaren Verfassungsgrundsätzen. Dennoch kann die katholische Vereinigung im Westen Deutschlands mehrere allgemeinbildende Schulen betreiben. Das Geld kommt vom Staat.

Anna Maldini, Rom

»Mit Illegalen muss man böse sein«

Die Apenninhalbinsel ist zu einer Hochburg des Rassismus geworden – in der Bevölkerung, in der Gesetzgebung, in den Institutionen.

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Internet-Adressen

Gewerkschaften dürfen Werbe- und Informationsmails auch an die dienstlichen Adressen von Arbeitnehmern senden. Das entschied das Bundesarbeitsgericht kürzlich in Erfurt (Az. 1 AZR 515/08). Damit hatte die Revision der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Erfolg. Gewerkschaftsmails an betriebliche Postfächer seien auch ohne die Zustimmung des Arbeitgebers zulässig. Das gelte ebenfalls dann, wenn den ...

Blaumacher muss für Detektiv zahlen

Ein Mitarbeiter, der mit Hilfe eines Detektivs beim »Blaumachen« erwischt wird, muss die Kosten für den Privatermittler tragen. Das entschied das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in Mainz. Nach Meinung des Gerichts hat der Arbeitnehmer seine vertraglichen Pflichten verletzt. Er müsse dem Arbeitgeber daher jeden Schaden ersetzen, der mit dieser Pflichtverletzung zusammenhängt. (Az.: 7 Sa 197/08...

Andreas Fritsche

Konsequent gegen Kohle

Erst kletterten die Energiepreise noch. Dann kamen die Finanzkrise und die ersten Meldungen über Kurzarbeit und Entlassungen. Daneben stand die Angst darum, ob die Erdöl- und Gaslieferungen aus Russland auch wirklich immer in Deutschland ankommen. Keine günstigen Zeiten für ein Volksbegehren gegen neue Braunkohletagebaue in der Lausitz. Hätte die märkische Linkspartei das riechen müssen? Hätte sie...

Kurt Stenger

Obamas Dilemma

Kaum ein anderes westliches Industrieland ist derart tief in die wirtschaftliche Rezession gestürzt wie die USA. Ein Konjunkturprogramm in gigantischer Größenordnung muss darum her – und zwar möglichst rasch. Die gut 800 Milliarden Dollar effektiv zu investieren, ist kein großes Problem. Die öffentliche Infrastruktur liegt nach den Jahren der Regentschaft des zügellosen Marktes in vielen Ber...

ndPlusRoland Etzel

Gruß ins Reich des Bösen

Ein Glückwunschschreiben hat er nicht geschickt. Aber dass Barack Obama ausgerechnet am Vorabend der Feiern zum 30 Jahrestag der Islamischen Revolution sein Dialogangebot gegenüber Iran erneuerte, besitzt fast diesen Wert. Bei der Vorgängeradministration um Cheney, Rice und Rumsfeld dürfte dies zu Wutausbrüchen geführt haben. Waren sie schon mit ihren wahnwitzigen Angriffsplänen nicht zum Zuge gek...

Bundesgericht: Beamte sind »amtsangemessen« zu beschäftigen

Das Land Berlin ist erneut vor einem obersten Gericht bei einer Klage um die Versetzung eines Mitarbeiters in den umstrittenen Stellenpool unterlegen. Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt urteilte, eine Erzieherin dürfe nicht nur wegen ihres Alters von mehr als 40 Jahren in den Stellenpool versetzt werden. Das sei eine unzulässige Diskriminierung. (Az: 8 AZR 906/07) Durch die Altersregelung zu Unrec...

Susann Witt-Stahl

Sektentante

Als hartnäckige Aufklärerin über die Machenschaften der Scientology Organisation hat sich Ursula Caberta über die Grenzen Hamburgs einen Namen gemacht. Nun wurde bekannt, dass die 58-jährige Leiterin der 1992 gegründeten »Arbeitsgruppe Scientology« (AGS) und der Obersten Landesjugendbehörde für den Jugendschutz bezüglich neureligiöser, ideologischer Gemeinschaften und Psychogruppen in der Hamburge...

Antisemitismus in Venezuela?

ND: Herr Botschafter, am 31. Januar wurde in Caracas die Synagoge »Tiferet Israel« überfallen, ihre Wände wurden mit antisemitischen Parolen besprüht. Nimmt der Antisemitismus in Venezuela zu? Rincón: Nein, ein solches Problem gibt es in Venezuela nicht. Es existiert bei uns Religionsfreiheit, und alle Gruppen werden gleich behandelt. Mehr noch: Präsident Hugo Chávez, Außenminister Nicolás Maduro ...

Bundessozialgericht: Kürzung der Regelleistung für Kinder verstößt gegen Grundgesetz

Die Kürzung der Hartz-IV-Gelder für Kinder auf 60 Prozent der Regelleistung verstößt laut Bundessozialgericht gegen das Grundgesetz. Die Kinder würden sowohl gegenüber ihren Eltern als auch gegenüber den Kindern von Sozialhilfeempfängern benachteiligt, heißt es in dem Beschluss. Die Beschränkung auf einen Satz von derzeit 211 Euro verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz, sei dabei vom Gesetzgeber ...

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Überladener Kran stürzt auf Gebäude

Von der Stadt hatte Bauunternehmer B den Auftrag erhalten, eine Brücke zu sanieren. Für dieses Bauvorhaben benötigte man einen Turmdrehkran. B heuerte zwei zuverlässige Fachunternehmen an, um ihn aufzustellen und die Arbeiten durchzuführen. Ein geprüfter Kranführer wurde eingesetzt. Als er mit dem Kran 3250 kg schwere Schalungselemente transportierte, fiel der Kran (bei einer Ausladung von ca. 20 ...

ndPlusHaidy Damm

Ärzte in Rehakliniken kündigen Streik an

Der Marburger Bund (MB) kündigte gestern in Berlin bundesweite unbefristete Streiks der Ärzte in der Rentenversicherung (DRV) und den Reha-Kliniken an. Erstmals wollen die rund 2000 Ärzte ab dem 26. Februar in den Ausstand treten.

Wenn die BSR Aufgaben schlecht erfüllt

Nach § 4 Abs. 1 S. 1 Berliner Straßenreinigungsgesetz obliegt die Schnee- und Eisbekämpfung auf den Straßen der Straßenreinigungsverzeichnisse A und B dem Land Berlin und damit der Berliner Straßenreinigung. Diese Leistung ist aber nicht umsonst.

Landkreise groß wie Bundesländer

Künftig soll es im Nordosten nur noch sechs Kreise und zwei freie Städte geben. Doch der Landkreistag weist die Einsparprognose der Regierung zurück, Klagen vor dem Verfassungsgericht sind bereits angekündigt.

Kontroverse über EU-Reform

Mit komplett gegensätzlichen Positionen haben EU-Kritiker – darunter der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler und die Fraktion der LINKEN im Bundestag – und Bundesregierung am Dienstag vor dem Bundesverfassungsgericht über den EU-Reformvertrag von Lissabon gestritten.

Handwerkerlöhne steuerlich absetzbar

Seit Jahresbeginn können Hausbesitzer mit Hilfe von Handwerkerrechnungen Steuern sparen, erläutert Thomas Penningh vom Verband Privater Bauherren (VPB). Steuerlich geltend machen können Hausbesitzer die Lohnkosten, die ihnen durch Reparaturen oder Modernisierungen am eigenen Haus entstehen. Wichtig dabei: Die Regelung für handwerkliche Dienstleistungen gilt nur für die reinen Lohn- und Arbeitskost...

Seite 6

LINKE plant Ausschuss zu Bankenkrise

Der Bundestag soll sich in einem Untersuchungsausschuss mit Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Bankenkrise beschäftigen. Die LINKE erwäge einen entsprechenden Vorstoß nach der Bundestagswahl im September, teilte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion, Dagmar Enkelmann, am Dienstag in Berlin mit.

Städte verpflichten sich zu mehr Klimaschutz

Brüssel (dpa/ND). Im Kampf gegen den Klimawandel streben 21 deutsche Städte eine Vorreiterrolle an. Bei einem großen Bürgermeister-Treffen in Brüssel verpflichteten sich am Dienstag mehr als 400 europäische Kommunen, den Ausstoß gefährlicher Abgase wie Kohlendioxid bis zum Jahr 2020 um mehr als 20 Prozent zu senken. Aus Deutschland nehmen Aachen, Altötting, Bremen, Dortmund, Frankfurt am Main, Fre...

Obama-Paket nahm Hürde

Washington (dpa/ND). Für die US-Wirtschaft war am Dienstag das milliardenschwere Konjunkturpaket von Präsident Barack Obama zum Greifen nahe. Nach dem Ja in einer »Testabstimmung« war die Verabschiedung des Pakets im Wert von 827 Milliarden Dollar im Senat praktisch beschlossene Sache. Obama hatte seit seinem Amtsantritt am 20. Januar massiv politischen Druck aufgebaut, damit das Maßnahmenpaket au...

»Riester« auch für Studenten?

Für die Altersvorsorge gilt: Je früher, desto besser. Junge Leute haben jedoch oft nur wenig Geld übrig, um es für die Zeit nach dem Berufsleben zurücklegen zu können. Deshalb ist es gut, dass es dafür die staatliche Förderung gibt – mit Riesterzulage und Steuervorteilen kann man als Frühstarter einiges für die Zusatzrente im Alter tun. Jeder, der einer sozialversicherungspflichtigen Tätigke...

ndPlusUwe Kalbe

Patt im Streit um Datenhalden

Die Gegner der Vorratsdatenspeicherung geben sich unbeeindruckt. Dennoch ist die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs ein Rückschlag: Der hat die Speicherung am Dienstag formal bestätigt.

Bundesverfassungsgericht: Staat muss auch in Kindergeldfragen Beratungshilfe gewähren

u Eine Mutter erhielt einen Bescheid der Familienkasse: Sie habe zu viel Kindergeld erhalten, das müsse zurückgezahlt werden. Die mittellose Frau hielt den Bescheid für unberechtigt, kannte sich in Rechtsfragen aber nicht gut aus. Deshalb beantragte sie beim Amtsgericht Beratungshilfe.Der Amtsrichter verwies auf das Beratungshilfegesetz (§ 2): Beratungshilfe gewähre der Staat Bedürftigen nur in An...

Seite 7

Frankreich will in Irak investieren

Bagdad (AFP/ND). Frankreich will künftig massiv in Irak investieren: Bei einem Überraschungsbesuch in Bagdad kündigte Präsident Nicolas Sarkozy am Dienstag Investitionen französischer Unternehmen sowie eine intensive Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung an. Sarkozy ist der erste europäische Staatschef, der seit dem Sturz Saddam Husseins 2003 nach Irak reiste und der erste französische Präsi...

Stellenweise Glätte?

Eine Gemeinde haftet für einen Fußgänger, der auf der Straße gestürzt ist, nicht wegen Verletzung ihrer Verkehrssicherungspflicht, wenn lediglich einzelne Stellen der Fahrbahn durch überfrierende Nässe glatt waren. Das hat das OLG Rostock entschieden. Ein Fußgänger war auf einer nicht abgestreuten Fahrbahn gestürzt und hatte sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen. Auf der Straße waren einzelne...

ndPlusKarin Leukefeld

Friedensaktivist in Ägypten verschleppt

Nach der Teilnahme am Solidaritätsmarsch einer kleinen Gruppe von Friedens- und Menschenrechtsaktivisten in Kairo wurde der 26-jährige deutsch-ägyptische Student Philip Rizk am vergangenen Freitag festgenommen. Seither ist er verschwunden.

Rechtsstreit um Schlips und Kragen

Hängt die Würde eines deutschen Gerichts buchstäblich an einem simplen Schlips? Rechtsanwalt Christoph Saeftel hatte da zumindest seine Zweifel, als ihn ein und derselbe Richter des Mannheimer Amtsgerichts im vergangenen Jahr gleich zweimal aus der Verhandlung warf, weil er keine Krawatte trug. »Das ist hanebüchen«, ärgert sich Saeftel noch heute. Der Jurist reichte Beschwerde ein und hatte Erfolg...

Julian Bartosz, Wroclaw

Streichkonzert unter Tusks Stabführung

Polens derzeit wichtigstes politisches Problem ist die sich verschlechternde Lage der Staatsfinanzen. Doch in der Öffentlichkeit wird das Thema unterdrückt.

Eluanas Ende – Beginn des italienischen Leidenswegs?
Anna Maldini, Rom

Eluanas Ende – Beginn des italienischen Leidenswegs?

Eluana Englaro ist nach 17-jährigem Koma tot. In Italien herrscht jedoch nicht etwa ein Moment der christlichen Pietät oder des Mitgefühls mit der Familie. Die Regierungsverantwortlichen gießen stattdessen weiter Öl ins Feuer und heizen das Klima im Lande an.

Rechtsprechung: Ein Tag weniger Urlaub kein Grund für Stornierung der Urlaubsreise

Wer bei einer zweiwöchigen Pauschalreise einen Tag wegen eines verspäteten Fluges verliert, kann deshalb nicht den gesamten Urlaub stornieren und die Kosten zurückverlangen. Eine Reise könne nur bei einer »erheblichen Beeinträchtigung« gekündigt werden, heißt es in einem kürzlich vom Amtsgericht München veröffentlichten Urteil. (Az: 275 C 10632/07) Der Verlust eines von 14 Tagen beeinträchtige den...

Seite 8

Kaupthing-Kunden bangen noch

Reykjavik/Berlin (dpa/ND). Islands Regierung hat am Dienstag ihre Absicht bekräftigt, Auslandsschulden nach dem Zusammenbruch der drei größten Banken zu begleichen. Sie reagierte damit auf ein Interview von Staatspräsident Ólafur Grímsson, in dem dieser die Befriedigung von Ansprüchen deutscher Bankkunden mit dem Geld isländischer Steuerzahler als »nicht vermittelbar« bezeichnet hatte.In der Erklä...

ndPlusKurt Stenger

UBS händigt dem Staat Risiken aus

Trendwende oder doch nur Zweckoptimismus? UBS-Konzernchef Marcel Rohner jedenfalls gibt sich überzeugt, dass der Schweizer Bankenprimus in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben wird – nach einem Rekordverlust von 19,7 Milliarden Franken (13,1 Milliarden Euro) 2008, der am Dienstag vorgelegt wurde.

ndPlusRené Heilig

Airbus-Militärtransporter kommt nicht hoch

Am 27. Mai 2003 wurde der Vertrag über 180 A400M-Militärtransporter unterzeichnet. Volumen: 20 Milliarden Euro. Inzwischen ist nicht einmal mehr klar, ob weitere Milliardenspritzen den Vogel zum Fliegen bringen.

Ralf Streck

Boni für Milliardenverluste

In Großbritannien kocht der Volkszorn hoch. »Bankster« oder »Bonus Bandits« werden die Bankmanager genannt, denn auch in diesem Jahr soll trotz Milliardenverlusten ein Geldregen auf sie niedergehen. Ein Fall erregt ganz besonders die Gemüter: Die Royal Bank of Scotland (RBS) will Medienberichten zufolge insgesamt gut eine Milliarde Pfund (1,1 Milliarden Euro) Bonuszahlungen an die Mitarbeiter leisten.

Mieteinbußen: Fallen Einnahmen geringer aus, gibt es Grundsteuer zurück

Gut zehn Milliarden Euro Grundsteuer zahlen Hauseigentümer und Mieter jährlich, doch es gibt die Möglichkeit zur Gegenwehr. Haben Hausbesitzer geringe oder ausbleibende Mieten zu beklagen, lässt sich die Grundsteuer im Nachhinein deutlich reduzieren. Bei verminderten Grundstückserträgen gibt es nämlich – vielfach unbekannt – einen Anspruch auf Erlass. Das können Hausbesitzer nutzen, di...

Versicherung: Karneval – nur echte Narren fahren betrunken Auto

Die Narretei kennt mancherorts keine Grenzen: Wenn Deutschland die Pappnase aufsetzt, geht es hoch her. Doch der Katzenjammer kommt oft schon vor dem Aschermittwoch. Bevor die Jecken die Narrenkappe aufsetzen, sollten sie einen Blick in den persönlichen Policenordner tun. Viel Freud, viel Leid: Auch im Karneval kann die Privathaftpflichtversicherung vor größerem Schaden bewahren. Schnell ist mal e...

Seite 9
Brüder, irgendwie
ndPlusAngelika Kettelhack

Brüder, irgendwie

Als Algerier ist der französischen Regisseur Rachid Bouchareb nach dem 11. September 2001 in Paris plötzlich auch schräg angeguckt worden. In seinem Film »London River« geht es um den 7. Juli 2005, als am Kings Cross in London vier Bomben explodierten, 56 Menschen starben und weitere 700 verletzt wurden. Eine Mutter und ein Vater machen sich auf, um ihre Kinder zu suchen ...Elisabeth (Brenda Bleth...

Folgen des Neoliberalismus
Caroline M. Buck

Folgen des Neoliberalismus

Je schlechter die Zeiten, desto wichtiger wird der Dokumentarfilm. Weil er aufklärt über Winkel unserer globalisierten Welt, von denen in den Fernsehnachrichten nicht täglich die Rede ist, und Bilder liefert zu den Hintergrundinformationen, mit denen man sich per Zeitungslektüre versorgt. Die Zeiten sind schlecht, also sind der Dokumentarfilme viele im Programm der Berlinale. Nicht alle haben form...

Aktuell zum Nachdenken
Heinz Kersten

Aktuell zum Nachdenken

Das Chaos ist vorüber. Es war die schönste Zeit«. Das konnte man als Graffiti kurz nach der »Wende« in der Kleinen Alexanderstraße, Berlin Mitte, lesen. Gerade recht zum Jubiläum des Mauerfalls kommen Erinnerungen, wie sie unter dem Titel »Material« zum ersten Mal im Forum auf der Leinwand zu sehen sind: Reste von Filmen, die Thomas Heise zwischen 1989 und 2008 gedreht, jedoch nie veröffentlicht h...

Seite 10
Uli Gellermann

Bis zum nächsten Wodka

Deutsche und Polen: ein altes Trauerspiel. Rot-Blau-Polacksfrau, so sang ein Schmäh-Vers meiner Kindheit von den Nachbarn. Die »polnische Wirtschaft« ist die sprichwörtliche deutsche Abfälligkeit. Dass uns die Nachbarn nicht positiv sehen, versteht sich aus der Geschichte: So viel deutsche Untat haben nur noch die Russen kennen gelernt. Deshalb ist ein Roman eines in Masuren geborenen Menschen, de...

Die Arbeit als Paradies
ndPlusWolf H. Wagner

Die Arbeit als Paradies

Eine leere Fabrikhalle. Schrott. Quadratische Zellen, in den Boden gebracht, vielleicht drei mal drei Meter, etliche Meter tief. Das war die große Ofenhalle von Siemens-Plania – zu DDR-Zeiten VEB Elektrokohle Berlin. Hier wurden bei 1000 Grad die großen Kohlebürsten gebrannt, aus einem Grafitgemisch in Schamotteröhren. Eine ewige Hitze, ewiger Staub in der Luft, ewiger Grafitschmier auf der ...

Seite 11

Die Mühen der Ebenen

Lange Zeit schien es so, als ob Jürgen Zöllner die Schulpolitik aussitzen wollte in der Annahme, die Probleme würden sich irgendwie von alleine lösen. Vielleicht scheute er auch die Konfrontation mit der Schulbürokratie und den Statusgruppen im Bildungsbereich. Dass man sich an denen als Politiker die Zähne ausbeißen kann, musste schon Zöllners Vorgänger Klaus Böger registrieren. Der hatte 2004 ei...

ndPlusSarah Liebigt

Arme Berlinale: Wenig oder kein Lohn

Die Berlinale ist jährlich der feierliche und glamouröse Höhepunkt der internationalen Filmszene. Für den reibungslosen Ablauf sorgen Praktikanten, Freie Mitarbeiter und Selbstständige der Filmwirtschaft. Auch sie erleben in diesen Tagen ihren ganz besonderen Höhepunkt: den eines maßlos gesteigerten Arbeitspensums. Ob Süßigkeiten verteilende Engel, Kabelträger oder Kartenabreißer: Das Filmfestival...

Senator klingelte zur Sekundarschule
ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Senator klingelte zur Sekundarschule

Als »guten Tag für die Berliner Schule« lobte gestern Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) die soeben von Rot-Rot im Senat verabschiedete Weiterentwicklung der Berliner Schulstruktur. Verkündet wurde von ihm nichts weniger denn ein »Qualitätssprung« des Bildungsangebotes, wobei er vor allem für die Einführung der Sekundarschulen klingelte.Diese sollen Haupt-, Real- und Gesamtschulen ersetzen und v...

Test kommt den Gästen ungelegen

Die Zeiten, in denen Fußball-Deutschland händeringend nach guten Stürmern suchte, sind noch gar nicht so lange her. Derzeit kann Joachim Löw sich aber über mangelnde Alternativen nicht beklagen. Obwohl Lukas Podolski noch Trainingsrückstand hat und zum Länderspielauftakt 2009 fehlt, hat Löw die Qual der Wahl. Heute Abend in Düsseldorf gegen Norwegen ist neben dem gesetzten Münchner Miroslav Klose,...

»Es wäre optimal, mir den Meistertraum zu erfüllen«

Dirk Nowitzki und seine Dallas Mavericks spielten nur eine durchwachsene erste Saisonhälfte in der nordamerikanischen Basketballliga NBA. Vor dem All-Star-Game am Sonntag in Phoenix (2 Uhr in der Nacht zum Montag, live im ZDF) spricht der 30-jährige Würzburger über Wechselgerüchte, die Finanzkrise und die Hoffnung, endlich den ersten großen Titel zu gewinnen.

ndPlusJürgen Holz

Hooker dem Himmel wieder ein Stück näher

Er ist kein Unbekannter in der internationalen Stabhochsprungszene. Immerhin war der Australier Steve Hooker Sieger der Commonwealth Games 2006 mit 5,80 m, und im letzten Sommer wurde er in Peking Olympiasieger mit neuem olympischen Rekord von 5,96 m. Im Vorfeld Olympias holte er sich in Valencia den Hallen-WM-Titel mit 5,80 m.Nun sorgte der 26-Jährige aus Melbourne beim Hallenmeeting in Boston (U...

Seite 12
Nachbarschatz am Helmholtzplatz
Jana Findeisen

Nachbarschatz am Helmholtzplatz

Prenzlauer Berg, im Herbst 1989: Karin Ehrlich hat gerade ihre Arbeit beim Amt für industrielle Formgestaltung verloren. Mit ihrer Freundin sitzt sie auf dem Balkon am Helmholtzplatz gegenüber dem verlassenen Wahllokal der Nationalen Front und überlegt, wie es weitergehen soll. Karin Ehrlich haderte nicht lange. Mit ihrer Freundin besetzt sie noch am selben Tag die Büroräume. Dort gründet sie spät...

Seite 13
ndPlusKira Taszman

Einmarsch der Gladiatoren

Berlinale-Pressekonferenzen sind Stilübungen, die fast immer nach dem gleichen Muster ablaufen. Es erfolgt der Einmarsch der Gladiatoren, sprich der Filmschaffenden. Diese werden, je nach ihrem Bekanntheitsgrad oder der Zufriedenheit, die ihr Film bei der versammelten Journalistenschar ausgelöst hat, mehr oder weniger beklatscht. Einige stehen mehr im Kreuzfeuer der Fragen als andere, und um das ...

Trüffel oder Tränen
Volkmar Draeger

Trüffel oder Tränen

Aberwitziger könnte die Konstellation nicht sein. Denn Robert Schumanns Liederkranz »Frauenliebe und -leben«, 1840 als op. 42 nach Adalbert von Chamissos Gedichtzyklus komponiert, scheint so gar nicht zu den beiden historischen Gestalten zu passen, mit denen Regisseur Johannes Müller ihn im Ballhaus Ost konfrontiert. Gesche Gottfried ist eine bis heute rätselvolle Serienmörderin, die bei ihrer Ent...

Seite 14
ndPlusWilfried Neiße

Nur ein Waffenstillstand

Keine Minute zu früh hat sich die Landesregierung besonnen. Das Einlenken im Streit um die Verteilung der Gelder aus dem Konjunkturpaket II musste nach Ansicht der Linkspartei kommen. Doch auch nach dem vorgestern verkündeten Kompromiss sind Brandenburgs Kommunen schlechter gestellt als andere.Die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Landesregierung und den kommunalen Spitzenverbänden waren zunä...