Ausgabe vom 14.02.2009

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Unten links

Ein Richterspruch dieser Tage: Wer seine Frau umbringt, verliert den Anspruch auf Hinterbliebenenrente. Man muss halt warten können ... Jetzt bitte keine Aufregung über vermeintlichen Zynismus! Moral ist keine juristische Kategorie. Die Tötung der Ehefrau, so die Richter vielmehr, verletze grob das Solidarprinzip der gesetzlichen Rentenversicherung. Wegen Behinderung von Beitragszahlungen also kei...

Hamas und Israel vor Waffenruhe

Knapp einen Monat nach der israelischen Invasion im Gaza-Streifen haben sich Israel und Hamas im Grundsatz auf eine Waffenruhe geeinigt.

Protektorat Kosovo
Eckart Spoo

Protektorat Kosovo

Dieser Tage hörte ich aus dem spitzen Mund der ZDF-Moderatorin Marietta Slomka – sie sprach vom Gegeneinander kleiner Gewerkschaften bei der Deutschen Bahn AG – das Wort »Balkanisierung«. Ob wohl auch andere Zuschauer darüber erschraken wie ich? Es ist ein altes Wort gehässiger Propagandasprache. Herrenmenschen-Deutsch – was nicht jedem, der es benutzt, bewusst sein muss. Es unte...

ndPlusUwe Kalbe

Lafontaine: Koalition fahrlässig

Auch wenn sich die amtierende Präsidentin über das Abstimmungsergebnis zunächst nicht sicher war: Der Bundestag hat das Konjunkturpaket II am Freitag beschlossen.

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Harald Neuber

Fünf Artikel für die Revolution

Einige Wochen erst liegen die Regional- und Kommunalwahlen zurück, da steht Venezuela schon wieder vor einer Abstimmung. 17 Millionen Wahlberechtigte sind an diesem Sonntag an die Urnen gerufen.

ndPlusEva Golinger

Ein Neuanfang mit Obama?

Vergessen wir angesichts der Begeisterung für den neuen USA-Präsidenten für einen Moment alles, was während der zwei Amtszeiten seines Vorgängers George W. Bush über Venezuela gesagt wurde. Vergessen wir auch die Äußerungen Barack Obamas und seiner Außenministerin Hillary Clinton während der Wahlkampagne. Schauen wir nur darauf, was Obama und einige seiner Regierungsmitglieder erklärt haben, seit er in das mächtigste politische Amt der Welt gewählt wurde.

Seite 3
Traumatisierte Kinder von Gaza

Traumatisierte Kinder von Gaza

Dr. Ralf Syring (62) ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und für die deutsche medizinische Hilfsorganisation medico international tätig. In dieser Woche kehrte er aus dem Gaza-Streifen zurück. Mit ihm sprach unser Mitarbeiter Roland Etzel.

Seite 4
René Heilig

Die Krise – der Schurke

Zu vieles hat uns die Ära Bush zugemutet. Doch auch allzuviel vorenthalten. Unter anderem die Fähigkeit von US-Geheimdiensten, Realitäten wahrzunehmen und zutreffend zu analysieren. Bislang mussten allerlei Terroristen und mit ihnen verbundene Schurkenstaaten herhalten, um uns zu elektrisieren für Gefahren, die da lauern. Nun – unter Obama – scheint Realitätssinn heimzukehren in die ve...

Kurt Stenger

Kritiker der Elche

Der neue Bundeswirtschaftsminister macht genau den Job, den ihm die Kanzlerin zugedacht hat: Karl-Theodor von und zu Guttenberg (CSU) verkauft die Krisenreaktionsmaßnahmen der Bundesregierung offensiv und ohne Zwischentöne, wie seine erste Rede vor dem Bundestag am Freitag belegte. Dies soll die Lust- und Tatenlosigkeit seines Amtsvorgängers Michael Glos im Wahljahr vergessen machen. Logische Schl...

ndPlusDetlef D. Pries

Waffenruhe – fantastisch

Am Freitagmorgen schlugen drei selbst gebaute »Raketen« auf israelischem Boden ein, richteten aber keinen Schaden an. Wenig später wurde bei einem israelischen Luftangriff auf den Gaza-Streifen ein Mensch getötet, drei wurden verletzt. Nichts spricht dafür, dass solcher »Schlagabtausch« in absehbarer Zeit endet, auch die Nachricht nicht, dass sich Israel und die Hamas »im Grundsatz« auf eine 18-mo...

Oliver Händler

Schlechter Stil

Der Job des US-Handelsministers kann nicht besonders toll sein. Anders ist nicht zu erklären, dass nach Bill Richardson nun schon der zweite Kandidat Barack Obamas den Posten abgelehnt hat, nachdem er zunächst Interesse daran gezeigt hatte. Der republikanische Senator Judd Gregg, der pikanterweise 1995 für die Abschaffung des Handelsministeriums gestimmt hatte, war nie ein Anhänger der Finanzpolit...

Eingriff ins Fernmeldegeheimnis?

Eingriff ins Fernmeldegeheimnis?

ND: Die Bundesfamilienministerin will verstärkt gegen Kinderpornografie im Internet vorgehen. Datenschützer fürchten Eingriffe ins Fernmeldegeheimnis. Weshalb? Remmert-Fontes: Die Bundesregierung ist sich nicht einmal sicher, wie sie das Vorhaben überhaupt umsetzen will. Ob sie nun eine Sperrliste erarbeitet oder ob tatsächlich Inhalte von Datentransfers analysieren werden, ist noch nicht entschie...

Seite 5

SPD entdeckt ihr Herz für neue Länder

Ostdeutsche Themen sollen sich im SPD-Programm zur Bundestagswahl klar und deutlich wiederfinden. Das forderten die SPD-Fraktionschefs der ostdeutschen Länder am Freitag zum Abschluss einer Konferenz in Wernigerode.

ndPlusSusann Witt-Stahl, Hamburg

»Ihr Unglück war, dass sie eine Frau war«

Die Große Strafkammer 21 des Schwurgerichts Hamburg hat entschieden: Ahmad-Sobair O. ist kein Totschläger – er ist ein Vollstrecker eines archaischen Ehrenkodexes. Während der Urteilsverkündung kam es am Freitag im Gerichtssaal zu Tumulten.

Seite 6

Zurückweisung von Nazi-Propaganda

Mit einer Kranzniederlegung haben am Freitag die Gedenkfeiern zum 64. Jahrestag der alliierten Luftangriffe auf Dresden begonnen. Proteste gab es gegen die Vereinnahmung des Gedenktages durch Neonazis.

Gerichtsurteil zu Ramelow steht noch aus

Münster/Berlin (ND/AFP). Das juristische Tauziehen um die Beobachtung des LINKEN-Politikers Bodo Ramelow durch den Verfassungsschutz ist in die zweite Runde gegangen. In einer mehrstündigen mündlichen Verhandlung befasste sich das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster am Freitag mit der Berufung des Bundesamtes für Verfassungsschutz gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichts Köln vom Januar 2008. Die...

ndPlusAnke Engelmann, Erfurt

Amtsstube frisst Seele auf

Im Thüringer Landtag berieten gestern Experten über das Gesetz zu mehr Demokratie in Thüringer Kommunen, das ein Volksbegehren im vergangenen Jahr bestätigt hat. Doch eigentlich ging es um die Rechtsunsicherheit, die durch eine Gesetzesänderung der CDU während des laufenden Plebiszits entstanden ist.

Marian Krüger

Die Partie ist nicht beendet

Als am Donnerstagabend ein sichtlich entspannter Peter Struck und ein für seine Verhältnisse sehr lockerer Günther Oettinger vor die Presse traten, konnten die beiden Chefs der Föderalismuskommission breite Zustimmung verkünden. Machtpolitisch hat sich die Große Koalition durchgesetzt. Mit bitteren Folgen für die künftigen finanziellen Spielräume der Länder.

Seite 7
Polens Justizminister schuldet Rücktritt
ndPlusJulian Bartosz, Wroclaw

Polens Justizminister schuldet Rücktritt

Der erst seit vier Wochen im Amt befindliche polnische Justizminister Andrzej Czuma soll nach Medienberichten während seines 20-jährigen USA-Aufenthalts von dortigen Gerichten auf Antrag vieler seiner Gläubiger als Schuldner verurteilt worden sein.

Neue Strategie am Hindukusch

Die NATO und die USA-geführten Truppen haben eine neue Strategie für den Anti-Terror-Kampf in Afghanistan vereinbart, mit der die Zahl der zivilen Opfer verringert werden soll.

Seite 8
Leo Burghardt, Havanna

Chile erinnert sich alter Freunde

Von Dienstag bis Freitag weilte die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet in Kuba, begleitet von mehr als 100 Parlamentariern, Kulturschaffenden, Unternehmern und Ministern.

ndPlusHans-Ulrich Dillmann

»Baby Doc« Duvalier ohne Portokasse

Der frühere haitianische Diktator Jean-Claude Duvalier verliert umgerechnet 4,7 Millionen Euro. Das Geld gehört zu einer Summe von mehreren Hundert Millionen US-Dollar, die Duvalier 1986 bei seiner Flucht nach einem Volksaufstand aus der Staatskasse geklaut hatte. Das in der Schweiz heimlich deponierte Geld soll an Haiti zurückgegeben werden.

Sardisches Duell sorgt für Furore
ndPlusTom Mustroph

Sardisches Duell sorgt für Furore

Auf Sardinien wird Italiens Zukunft ausgefochten. Am Sonntag und Montag bestimmt die rund eine Million wahlberechtigter Sarden ihren Regionalpräsidenten.

Seite 9

Scania-Aktien an Porsche

Stuttgart (dpa/ND). Porsche wird rund acht Prozent des Aktienkapitals an dem schwedischen Nutzfahrzeugherstellers Scania übernehmen und muss dafür 395 Millionen Euro bezahlen. Die Scania- Aktien sollen aber so schnell wie möglich weiterverkauft werden, teilte der Sportwagenbauer am Freitag mit. Es wird damit gerechnet, dass das Porsche-Management die Aktien an seine Tochter VW weitergibt. Damit wü...

ndPlusAnna Maldini, Rom

Protest gegen die Wirtschaftspolitik

Fast eine Millionen Menschen haben am Freitag in Rom gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung protestiert. Ein Streik von Metallarbeitern und Staatsangestellten sowie die Demonstration waren von der größten italienischen Gewerkschaft, der CGIL, einberufen worden. Die Arbeitnehmer fordern angemessene Maßnahmen gegen eine Krise, die in Italien dramatische Ausmaße angenommen hat.

Ralf Streck

Intervention gegen Abwertung

Die russische Zentralbank hat die Leitzinsen erhöht, um den schwachen Rubel zu stärken, der die Preise für die Bürger explodieren lässt.

ndPlusAnna van Ommen, London

Düstere Zeiten für britische Jobs

In Großbritannien steigt die Zahl der Arbeitslosen schneller als sonstwo in der EU. Vor allem die Mittelschicht ist stark betroffen. In der verarbeitenden Industrie entflammen erneut Proteste gegen ausländische Arbeiter.

Seite 10
Florian Gafert

Es geht um mehr als nur drei Punkte

»Es ist ein ganz normales Drittligaspiel«, behauptet Katrin Sander, Sprecherin der Bundespolizei, die 103. Auflage des mit viel Spannung erwarteten Thüringen-Derbys FC Carl-Zeiss Jena gegen Rot-Weiß Erfurt heute im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld. Ein Derby im Osten der Republik: ein »ganz normales« Fußballspiel? Für die meisten Betrachter nicht. Immerhin krachte es schon zum Hinspiel im Erfurter Stei...

ndPlusAlexander Ludewig

Mit viel Qualität gegen die Bayern

Heftig wehen die Eckfahnen auf dem Trainingsplatz von Hertha BSC im eisigen Wind. Die Mützen tief ins Gesicht gezogen, absolvieren die Spieler des Berliner Bundesligisten am Donnerstagnachmittag ihre vorletzte Trainingseinheit vor dem heutigen Heimspiel gegen den FC Bayern München. »Qualität, Qualität«, schreit Co-Trainer Harald Gämperle immer wieder laut über den Platz und fordert Konzentration. ...

ndPlusJürgen Holz

Die Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

Nun hat der Biathlon-Weltverband IBU endlich die Katze aus dem Sack gelassen und die drei Doper genannt, über deren Namen schon seit zehn Tagen in der Öffentlichkeit spekuliert worden war. Einen Tag vor dem heutigen Beginn der 51. Weltmeisterschaften im südkoreanischen Pyeongchang räumte IBU-Präsident Anders Besseberg (Norwegen) »systematisches Doping« ein und stellte besorgt die Frage: »War das a...

Seite 11
Schneller als ein Moped

Schneller als ein Moped

Herr Jaster, Sie starteten bei der Premiere des Velothons 2008 in Berlin für das ND und wollen das jetzt wieder tun. Was hat Ihnen denn besonders gefallen? Jaster: Die Leute im ND-Team waren alle ganz locker drauf und die Organisation war auch toll. Ich konnte damals erst am Vorabend aus Rostock anreisen, aber das ND hatte mir meine Startunterlagen und ein Trikot schon ins Hotel geliefert. Sie sin...

Sonderbare Neuregelungen
Thomas Wieczorek

Sonderbare Neuregelungen

Die Spitze im Frauentischtennis wird immer dichter. So standen beim Tischtennis-Europe-Top-12 kürzlich in Düsseldorf Österreich, Polen und Luxemburg ebenso im Viertelfinal-Einzel wie Italien, die Niederlande und Deutschland. Grund für das Aufholen der »Kleinen« sind aber weniger neuartige Trainingsmethoden als vielmehr die Einbürgerungspolitik: Sieben der acht Spielerinnen stammen aus China &ndash...

Christian Heinig

15 000 Radler werden erwartet

Bis zu 15 000 Radler erwarten die Veranstalter zur zweiten Auflage des Berliner Velothons am 21. Juni in der Hauptstadt – mittendrin auch diesmal wieder eine Mannschaft von Neues Deutschland. Bereits bei der Premiere des Straßenradrennens für Jedermann im vergangenen Jahr war ein ND-Team am Start, damals mit 21 radsportbegeisterten Leserinnen und Lesern.

Topalow und Kamsky blasen zur Jagd auf den König
Michael Müller, Sofia

Topalow und Kamsky blasen zur Jagd auf den König

Der König hatte spektakulär zugeschlagen und sich hernach zum Ausruhen in heimatliche indische Gefilde zurückgezogen. Zumindest war vom neuen Schachweltmeister Viswanathan Anand (39) seit seiner Titelverteidigung gegen den Russen Wladimir Kramnik im Herbst vergangenen Jahres sportlich bislang nichts mehr zu hören.Inzwischen schärfen andere gegen den »Tiger von Madras« die Krallen. Der Bulgare Wese...

»Ich bin jetzt einfach heiß drauf«

ND: Wie fühlen Sie sich so kurz vor dem Match, Herr Topalow? Topalow: Ich bin echt froh, dass es nun endlich losgeht nach dem vielen Hin und Her über Ort und Zeit. Ja, ich bin jetzt einfach heiß drauf. Sehen Sie für sich psychologisch eher Vor- oder Nachteile, da das Duell nun in Ihrem Heimatland, also inmitten Ihrer vielen Fans stattfindet? Ich spiele ja gewöhnlich im Ausland, also in einer, zumi...

Seite 13
ndPlusCaroline M. Buck

Höhenflüge unter weißen Segeln

Während die Berlinale auf die digitale Zukunft setzt und eigene Server anschafft, um immer mehr Filme nicht von der Filmrolle, sondern der Festplatte abzuspielen, führte die Retrospektive in der Nacht zu Donnerstag bildmächtig vor, wie Kino eigentlich aussehen sollte: »Flying Clipper – Traumreise unter weißen Segeln« (BRD, 1961/62) ist Reisetagebuch und Kulturfilm, Travelogue und Technologie...

Totenklage
Margit Voss

Totenklage

Nur selten ist das Wasser des Flusses so verführerisch. An sonnigen Sommertagen vermag es zu funkeln – wie ein lebendiger Teppich. Wer untertaucht, erlebt ein flirrendes Wogen, in dem grüne Schilfblätter schweben. Der polnische Kameramann Pawel Edelman hat diese Aufnahmen als Einstieg für Andrzej Wajdas neuen Film »Kalmus« gemacht und damit für seinen Kollegen Edward Klosinski, der vor einem...

Monotonisierung
ndPlusGunnar Decker

Monotonisierung

Dreißig Jahre nach »Deutschland im Herbst« nun wieder ein filmischer Report zur Lage der Nation. Damals lag der Schatten der RAF auf dem Westteil des Landes – und heute? Wir sind wieder im Antiterrorkampf, Sicherheit statt Freiheit ist die Devise der Innenpolitik seit 2001. Das hat Folgen für den Alltag. 13 Regisseure zeigen in sehr persönlichen Kurzfilmen ihre Sicht auf dieses Land. Gut zeh...

Seite 14
»Im Holz fand ich den Widerstand«
Martina Jammers

»Im Holz fand ich den Widerstand«

Gegenwärtig fegt er über deutsche Briefkuverts: der sich elastisch weit nach hinten beugende Feuervogel mit seinem karmin- und zinnoberroten Gefieder, der soeben als Jubiläumsbriefmarke herauskam. Ersonnen hat ihn der Holzschneider, Typograf, Drucker und Maler HAP Grieshaber, der 1961 für Strawinskys gleichnamiges Ballett an der Städtischen Bühne Heidelberg Kostüme und Bühnenbild gestaltete. Paral...

Seite 15

Als Gastgeber gern in die Datei

Die Berliner sind künftig zu mehr Gastfreundschaft aufgerufen: Wer in zwei Jahren fünf Menschen aus Nicht-EU-Staaten eine Einladung für ein Einreisevisum gibt, könnte mit der Aufnahme in eine ganz besondere Datei gewürdigt werden – das soll nach dem Willen von Außenminister Steinmeier (SPD) die zentrale »Visa-Einlader- und Warndatei« sein . Giyasettin Sayan, flüchtlingspolitischer Sprecher d...

»Es gibt eine Neigung, Panik zu verbreiten«

»Es gibt eine Neigung, Panik zu verbreiten«

ND: Am Dienstag sprachen Sie auf dem Polizeikongress über die Herausforderungen der Inneren Sicherheit für europäische Hauptstädte. Welche Rolle spielt die Bedrohung durch islamistische Terroristen dabei? Körting: Wir müssen immer zwischen Islamisten und Terroristen unterscheiden. Ich sehe das völlig anders als andere Bundesländer, die immer alle in einen Topf werfen. Es ist doch so, dass beispiel...

»Kerl wach uff – Hinne hoch«
Günter Schenk

»Kerl wach uff – Hinne hoch«

Große Tafeln verhängen die Ziffern der Turmuhr. In Buchen, einer kleinen Stadt im Odenwald, schlägt den Narren keine Stunde. Rund um die Uhr feiern sie so »Faschenacht«, wie die Tage vor Aschermittwoch im badischen Frankenland heißen. Närrischer Held ist der »Huddelbätz«, der an den tollen Tagen zu Hunderten durch Buchen springt. In der Hand eine Rute, die traditionell in der Nacht zu Dreikönig au...

Seite 16
Meerjungfrauen hinterm Wasserfall

Meerjungfrauen hinterm Wasserfall

(ND). In »Wasserwelten« können die Schüler der Galilei- und Liebmann-Schule für Sprachbehinderung eintauchen, nachdem ihr gemeinsames Schulgebäude in Kreuzberg modernisiert wurde. Gestern wurde das Haus in der Friedrichstraße 13 eröffnet.Der Wunsch nach höherer Aufenthaltsqualität der Flure, um sie auch als Lernorte nutzen zu können, war ein wesentliches Motiv für den Umbau. Vor allem die schlecht...

ndPlusSteffi Bey

Friedrichshagener Speicherstadt

In Friedrichshagen, zwischen Müggelseedamm und Fürstenwalder Damm, entsteht in den nächsten Jahren eine Speicherstadt. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz lässt Depots und Werkstätten der Staatlichen Museen bauen. Außerdem wird ein zentrales Magazingebäude der Staatsbibliothek errichtet. Dort sollen auch das Magazin des Ibero-Amerikanischen Instituts sowie der Bildagentur der Preußen-Stiftung ei...

In der »Heimat der Gesegneten«
ndPlusAlexander Richter

In der »Heimat der Gesegneten«

Sie sind so richtig stolz auf ihre 33 Inseln, die glücklichen Leute von St. Vincent & the Grenadines (SVG) in der südlichen Karibik. Schon am kleinen Flughafen der Hauptstadt Kingstown sind einheimische Gefühlsausbrüche wie »Yes, I'm home, that's my beautful homeland« keine Seltenheit. Noch hat der Massentourismus diese Landkleckse der Kleinen Antillen nicht entdeckt. Auch die US-FastFood-Kett...

Seite 17
Heiter geplünderter Zitatenschatz
Volkmar Draeger

Heiter geplünderter Zitatenschatz

So nah kommt man Goethes Faust selten. Bereits vor Beginn der Aufführung spricht er sich im Flur ein, zählt dann missmutig die Häupter im Schlossplatztheater. Dort, so erklärt er von der Bühne herunter, will das Dramenterzett jenem Schauspiel gültige Form geben. Doch Autor Albert Frank hat dem Klassiker eine heitere Form verpasst, der ihn zum Theater im Theater macht und ihn so in Kontrast zum Rah...

Die Fadengaukler
ndPlusMonika Marschall

Die Fadengaukler

Der König ist relativ teuer, das haben höhere Herrschaften schließlich so an sich«, begründet Klaus Vogt aus Oberammergau den Preis, den er für den einstigen bayerischen Würdenträger verlangt. Immerhin besteht Hoheit aus elf verschiedenen Einzelteilen, ganz zu schweigen vom prächtigen Faltenwurf seines purpurfarbenen Gewandes, das selbstverständlich aus Stoff gefertigt wurde und durch das Tränken ...

Seite 18
Mäßige Regierung mit beliebtem Chef
ndPlusAndreas Fritsche

Mäßige Regierung mit beliebtem Chef

Arbeit soll es geben, für die ein Lohn gezahlt wird, von dem der Beschäftigte auch leben kann – das interessiert die Brandenburger. 77 Prozent halten das für ein wichtiges Thema bei der kommenden Landtagswahl am 27. September. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid hervor. Zwischen dem 21. Januar und dem 6. Februar befragte Emnid 1000 Bürger. ...

Reinhard Stöckel: Der Lavagänger

Henri Helder öffnete den Brief und sah, das war noch nicht das Ende. Nicht um eine Scheidung ging es, sondern um eine Erbschaftsangelegenheit. Es ging um ein Testament seines Großvaters, mütterlicherseits. Das war er. Der Lavagänger. Wie hatte er den vergessen können. Jetzt hatte er auch einen Namen: Hans Kaspar Brügg. Der unbekannte Großvater. Der in ferne Feuerberge verbannte Zauberer seiner Kin...

Seite 19
»Ich traue den Finanz-Eliten nicht über den Weg«

»Ich traue den Finanz-Eliten nicht über den Weg«

Die Weltfinanzkrise, deren Folgen noch nicht abzusehen sind, hat den Mythos von der »Richtigkeit« neoliberaler Wirtschaftspolitik mit einem Schlag zerstört. Dennoch gibt es noch immer genügend Wirtschaftsführer und Politiker, die die Welt weiter im Fahrwasser eines maroden Kapitalismus halten wollen, obwohl es darauf ankäme, radikale Lösungen zu finden. »Radikal sein ist: die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst« (Karl Marx). Diese Radikalität im Sinne eines ethischen Umdenkens und einer grundlegenden Umstrukturierung der Wirtschaft fordert der 1937 geborene Priester Friedhelm Hengsbach SJ (Societas Jesu). Von 1985 bis zu seiner Emeritierung 2005 lehrte er (Foto: privat) als Professor für Christliche Sozialwissenschaft bzw. Wirtschafts- und Gesellschaftsethik am Oswald-von-Nell-Breuning-Institut der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main.

Seite 20

WochenChronik

12. Februar 1884: Der New Yorker Versicherungskaufmann Lewis Waterman lässt sich den ersten brauchbaren Füllhalter patentieren. 13. Februar 1919: Friedrich Ebert beruft die erste parlamentarische Regierung der deutschen Geschichte. Regierungschef wird Philipp Scheidemann (SPD). 14. Februar 1964: Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Wirtschaftsentwicklung der Bundesrepublik Deutschland trit...

Martin Stolzenau

Mauersberger

Die Textilindustrie in Sachsen hatte eine lange Tradition, an die auch zu DDR-Zeiten ange- knüpft wurde. Aber nach der Wiedervereinigung kam in den 90er Jahren für fast alle sächsischen Standorte das Aus. Zu den verdienstvollen Persönlichkeiten, die in der DDR für einen Aufschwung der Textilindustrie sorgten, gehörte Heinrich Mauersberger (Foto: Archiv). Der Vater der Malimo-Produktion avancierte ...

Die Restbestände der Komintern
ndPlusAxel Berger

Die Restbestände der Komintern

Wenn von einer linkssozialistischen Opposition in der Ära Adenauer die Rede ist, so fallen zunächst die am Rande oder innerhalb der SPD wirkenden Kräfte ins Auge. Deren Aktivitäten entsprangen zumeist weniger Illusionen in die Sozialdemokratie, als vielmehr der Hoffnung auf Arbeitsfähigkeit in einem größeren Rahmen, den die dezimierten, politisch und regional voneinander isolierten Personen und Kl...

Jürgen Meier

Des Generals partiale Schlacht

In der Manier eines Generals der »privatwirtschaftlichen Organisation des Wirtschaftslebens«, das von ihm auch locker Kapitalismus oder »freie Marktwirtschaft« genannt wird, tingelt Hans-Ulrich Wehler als milde lächelnder Freund und Vertreter der ideologischen Einheitsfront der C4- und C3-Offiziere durch die Talkshows der Fernsehanstalten. Als ausgewiesener Positivist weiß er, wer seine ideologisc...

Seite 21
25-Meter-Riese

25-Meter-Riese

Im Jahre 2019 soll es voraussichtlich die ersten Bilder ferner Galaxien liefern: das Giant Magellan Telescope (GMT) mit seinem aus sieben 8,4-Meter-Spiegeln bestehenden Hauptreflektor auf dem chilenischen Gipfel Las Campanas. Kürzlich haben neun astronomische Forschungseinrichtungen aus den USA, Australien und Südkorea die Gründungsvereinbarung für das in den Anden geplante Teleskop unterzeichnet....

Schrottlawine wächst

Moskau/Washington (dpa/ND). Beim ersten großen kosmischen »Verkehrsunfall« sind in dieser Woche zwei Satelliten der Weltraummächte Russland und USA kollidiert. Knapp 800 Kilometer über Sibirien prallte ein US-Satellit des Iridium-Telefonnetzes auf einen ausgedienten russischen Militär-Sputnik. »Es ist das erste Mal, dass zwei Satelliten kollidiert sind«, sagte Felix Huber, Direktor des Satellitenk...

Knochen-Orakel

Leipzig (AFP/ND). Als im August 1856 Steinbrucharbeiter in einer Grotte bei Mettmann Knochenteile des Neandertalers fanden, warf dies Fragen auf, die bis heute nicht beantwortet sind. Zwar haben die Forschungen gezeigt, dass die Neandertaler nur ausgestorbene, nahe Verwandte des heutigen Menschen waren und nicht – wie lange angenommen – unsere direkten Vorfahren. Doch welche Rolle hat ...

Der Spaziergänger von Down
Martin Koch

Der Spaziergänger von Down

Eigentlich könnte man annehmen, dass jemand, der als einer der größten Erneuerer der Wissenschaften gilt, im persönlichen Umgang autoritär, extrovertiert und starrköpfig war. Doch Charles Darwin, von dem hier die Rede ist und dessen 200. Geburtstag wir in dieser Woche feiern, war alles andere als das. Namentlich in seinen späteren Jahren lebte der Begründer der modernen Evolutionstheorie zurückgez...

Seite 22
Prof. Dr. Gerhard Grote

Die Zivilisationskrise

Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Bundesrepublik Deutschland seit dem zweiten Quartal 2008 schrumpft und für 2009 ein weiterer Rückgang erwartet wird, sollen die beiden Konjunkturpakete der Bundesregierung der Wirtschaftskrise entgegenwirken. Ist das möglich? Und zu welchem Preis?

Seite 23
ndPlusThomas Marxhausen, 06110 Halle

Nicht nur in Aden war der Teufel los

Wir saßen in einer tropisch-heißen Sternennacht im Garten der DDR-Botschaft in Aden, damals Hauptstadt der Volksdemokratischen Republik Jemen – Diplomaten und Angestellte der Handelsvertretung, Landwirtschaftsexperten, Dozenten an der Universität und der Parteihochschule, Ratgeber im Volksbildungsministerium, Mitarbeiter des Deutschlektorats, Sicherheitsberater und Polizisten. An die hundert...

Am Morgen waren alle wieder da
Uwe Höntzsch, 16321 Bernau

Am Morgen waren alle wieder da

1989 war ich Lagerbereichsleiter im »Kombinat Waren täglicher Bedarf« in der Leninallee in Berlin. Wir belieferten die Kaufhallen in Berlin und Wandlitz mit Waschmitteln und Spirituosen. Meine Aufgabe bestand darin, für die Auslieferung zu sorgen. An jenem 9. November fuhren sechs Lastzüge pünktlich 18 Uhr voll beladen vom Hof. Wenigstens bei uns schien die Welt noch in Ordnung. Gegen 23 Uhr kling...

Heidi Diehl

Haben die Menschen im Westen nichts erlebt?

Nach der Halbzeit des 7. ND-Lesergeschichten-Wettbewerbs stapeln sich auf dem Schreibtisch die Erinnerungen. Bis gestern erreichten uns 62 E-Mails, Briefe und Faxe von Leserinnen und Lesern, die aufgeschrieben haben, was sie im Wendejahr 1989 erlebten. Dennoch scheint es ein bisschen so, als ob dieses Jahr an den Menschen im Westen Deutschlands ohne jede Wirkung vorbeigegangen ist. Zumindest was d...

Bärbel Gericke, 16548 Glienicke

Gysi holte Leute von der Straße

In meinem Bücherschrank stehen zwei Bücher, die mich im Besonderen an die Ereignisse des Wendejahres erinnern. Das eine beinhaltet autografische Notizen, von Gregor Gysi, das andere Gespräche Gysis mit bekannten Zeitgenossen über Gott und die Welt. Beide Exemplare sind handsigniert mit Angaben zum Ort und Tag der Signatur – Glienicke, 14.1.2000. Die zum neuen Bürgersaal rekonstruierte alte T...

Heute frage ich mich oft, weshalb wir gingen

Im August 1989 befand ich mich in der BRD, genauer gesagt in Gießen, dem Auffanglager für ausgereiste beziehungsweise der DDR entflohene Bürger. Ich hatte mit Frau und Kind den Urlaub in Ungarn verbracht, und wir sind von dort über die Grenze nach Jugoslawien gegangen. Weshalb? Das fragte ich mich kurz darauf auch, und heute mehr denn je. Im Lager Gießen jedenfalls tobte erst einmal der Papierkrie...

Seite 24
Testspiel

Testspiel

Wer sagte es? Aus der Krise kommt unsere Welt erst wieder, wenn sie sich beibringen lässt, dass ihr Heil nicht in Maßnahmen, sondern in neuen Gesinnungen besteht. Was war es? Was hatte am 15. Februar 1936 auf der Internationalen Automobilausstellung in Berlin Weltpremiere? Wo war es? Wo wurde Goethes »Torquato Tasso« am 16. Februar 1807 uraufgeführt? Welche war es? Welche Strafvollzugshandlung wur...

Junge Garde
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Junge Garde

Das erste große Turnier des Jahres, das »Corus Schach 2009«, hatte einen Überflieger: den 18-jährigen Ukrainer Sergej Karjakin. Wie immer entsprach die Veranstaltung in der niederländischen Stadt Wijk aan Zee höchsten Ansprüchen. Doch noch nie gab es so viele jugendliche Sieger! In der Gruppe A der Super-Großmeister landete Karjakin vorn. Gruppe B wurde vom 16-jährigen Italiener Fabio Caruana gewo...

Gisela Mackensen

Geniales Spielprinzip

Als der Schweizer Heinrich Hurter in den 50er Jahren für seine Enkelkinder in London ein Spiel aus quadratischen Kartontäfelchen bastelte, konnte er nicht ahnen, dass er damit die Grundlage für einen Welterfolg gelegt hatte. Sein Sohn William, seinerzeit Militärattaché in der britischen Hauptstadt, bot die mit Ausschnitten aus Illustrierten beklebten Kartenpaare dem Ravensburger Spieleverlag ̵...

Kaiserin setzte ein Korps matt
René Gralla

Kaiserin setzte ein Korps matt

Gegen die Invasoren, die Ende des 19. Jahrhunderts das letzte freie Volk ihres Kontinents unterdrücken wollen, führt sie persönlich 3000 todesmutige Soldaten in die Schlacht. An der Seite ihres Mannes, des Negus Negest Menelik II., vernichtet Kaiserin Taytu Betul tatsächlich ein italienisches Expeditionskorps, das Äthiopien unter das koloniale Joch zwingen soll. Der Tag von Adwa am 1. März 1896 wi...