Ausgabe vom 20.03.2009

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Unten links

Die Reden des Brian. Sie haben es in sich. Irlands Premier Brian C. referierte im Weißen Haus. Es dauerte, ehe der Ire stutzig wurde und zu seinem Gastgeber Barack O. verdutzt meinte: »Das ist Ihre Rede!« Erste Lehre daraus: Reden von Politikern ähneln sich nationenübergreifend. Zweitens: Teleprompter können Politiker peinlich machen. Die Welt lachte. Erfreulich, denn es gibt wenig zu lachen heute...

ndPlusRoland Etzel

Kollaterale Schäden

Jetzt zeigen sie sich schockiert, die aufgeklärten Israelis. »Unsere Soldaten« sollen so etwas gemacht haben? Ja, das haben sie, und wer wollte, konnte das auch schon eher wissen. Sowohl dort als auch bei den bedingungslosen Unterstützern der israelischen Kriegslogik hierzulande, die Kanzlerin und ihr Außenminister eingeschlossen. Dabei ist passiert, was immer passiert in Kriegen und um sie herum....

Auf der Straße gegen Sarkozys Krisenpolitik

Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen haben die französischen Gewerkschaften am Donnerstag Millionen von Menschen gegen Stellenabbau und Verarmung mobilisiert. Und die Bewegung scheint noch anzuschwellen.

Israelische Soldaten klagen an

Beim jüngsten Krieg im Gaza-Streifen haben israelische Soldaten nach Angaben von Kameraden wehrlose Zivilisten getötet. Das geht aus Augenzeugenberichten von Soldaten der Militärakademie Jitzhak Rabin hervor, die israelische Medien am Donnerstag veröffentlichten.

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Olaf Standke

Irakischer Lackmustest für Obama

Nach dem Überfall auf Irak drohten die USA in einer Woge des Patriotismus zu ertrinken. 73 Prozent der Bevölkerung unterstützten damals den Waffengang von Bush. Sechs Jahre, zig tausend Tote und hunderte Milliarden verpulverte Dollar später werden die Truppen vom neuen Präsidenten Obama endlich nach Hause geholt – ohne Siegesfeiern und mit vielen Fragezeichen. Fast zwei Drittel der US-Amerikaner sagen heute, dieser Krieg sei ein Desaster.

ndPlusKarin Leukefeld

Die Kriegsfolgen sind überall zu spüren

Die irakischen Massenvernichtungswaffen gab es nicht, die angebliche Verbindung zwischen Saddam Hussein und Al Qaida war eine Geheimdiensterfindung und »Demokratie und Wohlstand« für die Iraker, wie sie USA-Präsident George W. Bush 2003 versprochen hatte, blieben ein Hohn. Wie viele Menschen tatsächlich seit Beginn des Krieges 2003 getötet wurden, ist nicht bekannt. Die Zahlen variieren zwischen 100 000 und einer Million.

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Anna Maldini, Rom

Berlusconis Brückenschlag nach Sizilien

Die Brücke nach Sizilien. Mal wieder. Zum gefühlten 37. Mal tritt Silvio Berlusconi freudestrahlend vor die Presse und gibt bekannt: »Die Brücke über die Meerenge von Messina wird gebaut. Das Geld ist da. Nächstes Jahr werden wir den Grundstein legen.«

Ungesühnter Tod im Hausflur
ndPlusHendrik Lasch

Ungesühnter Tod im Hausflur

Rechte Straftaten müssen konsequent bestraft werden, fordert die Politik. Die Realität sieht oft anders aus. An den Fehlurteilen verzweifeln nicht zuletzt die Hinterbliebenen der Opfer.

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Alte AKW bleiben trotz Pannen am Netz

Berlin (dpa/AFP/ND). Alte Atomkraftwerke wie Biblis in Hessen oder Krümmel in Schleswig-Holstein dürfen trotz wiederholter technischer Pannen weiter am Netz bleiben. Der Bundestag stimmte am Donnerstag mit der Mehrheit der Großen Koalition und der FDP gegen einen von der Linksfraktion unterstützten Antrag der Grünen, solche Kernkraftwerke jetzt vom Netz zu nehmen. Darin fordern die Grünen, die »An...

Erfurt: Inszenierung statt Information

Erfurt (ND-Liebers). Die Informationspolitik der Thüringer Landesregierung hat unter den Journalisten des Freistaates für Verärgerung gesorgt. In einem Schreiben der Landespressekonferenz an Regierungssprecher Fried Dahmen wird betont: »Die Art und Weise, wie Informationen über Gesundheitszustand und Zukunft des Menschen und Ministerpräsidenten Dieter Althaus gleichzeitig verweigert und gezielt ge...

Velten Schäfer, Schwerin

Kommt der Meyer-Werft-Kanal?

Um die Kreuzfahrtschiffe der Papenburger Meyer-Werft überführen zu können, könnte ein Milliarden kostender Kanal parallel zur Ems gebaut werden. Eine Machbarkeitsstudie wird vorbereitet. Und der Fluss einstweilen weiter ausgebaggert.

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Wie Tintenfische beim Warten auf Beute

Während 1000 Mitarbeiter des Chipherstellers Qimonda vor dem Dresdner Landtag demonstrierten, stritten die Abgeordneten über einen Einstieg des Landes bei dem Unternehmen.

Seite 5

Die ersten irakischen Flüchtlinge

Hannover (dpa/ND). Die ersten der in Deutschland erwarteten 2500 Irak-Flüchtlinge sind am Donnerstag in Hannover gelandet. Die 122 Iraker kamen mit einer Sondermaschine aus der syrischen Hauptstadt Damaskus. Sie sollen bis auf eine erkrankte Familie zunächst in das Aufnahmelager Friedland bei Göttingen gebracht werden. Von dort werden sie später auf die Bundesländer verteilt. Die EU hatte im Septe...

ndPlusRené Heilig

Total vorbei geschossen

Ob es zutreffe, dass der Bundesminister des Innern, also Wolfgang Schäuble, den Zugang zu Waffen in der Vergangenheit erleichtern wollte, wollte die Linksfraktionsvizechefin Gesine Lötzsch von der Bundesregierung wissen. Sie verband diese Frage mit der Hoffnung, dass die Bundesregierung jetzt – nach dem erschreckenden Amoklauf in Baden-Württemberg – den Zugang zu Waffen endlich erschwe...

Gabriele Oertel

Kanzlerin im Kreuzfeuer

Nach wochenlangem Dauerfeuer auf die Kanzlerin vom Koalitionspartner wie aus eigenen Reihen schien zu Wochenbeginn zumindest in der Union der Friede eingezogen. Aber die zeitweilige Ruhe ist längst wieder vorbei. Die Sozialdemokraten motzen wegen Krisenmissmanagements im Kanzleramt, die CDU-Ministerpräsidenten wegen der Pleite mit den Jobcentern.

Claus Dümde

Gespenstergeschichten zum Wahlkampf

»Honeckers Erben« heißt das jüngste Buch, das Hubertus Knabe, Direktor der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, geschrieben hat. So tituliert der Politologe die Linkspartei. Um Angst vor ihr zu schüren: »Zwanzig Jahre nach dem Ende des Kommunismus drängen die Erben der SED erneut an die Macht.«

Seite 6
Fabian Lambeck

Menschenunwürdig

Das Urteil des Oberlandesgerichts Hamm wirft ein bezeichnendes Licht auf die Zustände in deutschen Gefängnissen. Die Richter sprachen jetzt einem Ex-Häftling Schadenersatz zu, weil sich der junge Mann eine neun Quadratmeter große Zelle mit einem Mitgefangenen teilen musste – und das über mehrere Monate. Somit standen dem Häftling nicht einmal fünf Quadratmeter zur Verfügung. Zum Vergleich: E...

Silvia Ottow

Gedöns

Die Familien ministerin hatte die sensationelle Idee, den deutschen Firmen eine Software zur Verfügung zu stellen, mit deren Hilfe sie herausfinden können, ob Männer und Frauen in ihrem Betrieb unterschiedlich bezahlt werden. Das ist ungefähr so, als böte man dem Chirurgen, der über mangelnde Operationsinstrumente klagt, eine Brille an, damit er die zu operierende Stelle am Körper besser sehen kan...

ndPlusDieter Janke

Lizenz zum Gelddrucken?

Für alle, die auf eine relativ rasche Wiederbelebung der globalen Wirtschaft gehofft hatten, bedeutet die Entscheidung der US-Notenbank Fed, nochmals eine Billion Dollar in die Finanzmärkte zu pumpen, einen herben Schlag. Mit einem Zinsniveau von null Prozent ist ihr klassisches geldpolitisches Instrumentarium damit faktisch ausgereizt. Die bisherigen Dollarpakete, mit denen das Kreditgeschäft wie...

ndPlusFabian Lambeck

Der Sanierer

Offensichtlich hat die Politik keine Lehren aus der momentanen Finanzkrise gezogen. Jüngstes und eindringlichstes Beispiel: Roland Berger, der bisherige »Chefberater der Republik«, soll nun im Auftrag der Regierung die Verhandlungen zur Opel-Rettung koordinieren. Außerdem wird die von ihm 1967 gegründete Unternehmensberatung »Roland Berger« das Sanierungskonzept des angeschlagenen Autobauers übera...

Auch Arbeitsmärkte reregulieren
ndPlusRudolf Hickel

Auch Arbeitsmärkte reregulieren

Die katastrophalen Schäden der entfesselten Finanzmärkte führen zu spektakulären Rettungsversuchen. Um die mit »vergifteten« Krediten ausgestatteten Banken wieder zum Laufen zu bringen, werden staatliche Giftmülldeponien geplant. Selbst von der – allerdings zeitlich befristeten – Verstaatlichung der Banken schrecken die Gralshüter des Neoliberalismus nicht zurück. Darüber hinaus konzen...

Seite 7

Einheitliches Motto für EU-Wahlkampf

Brüssel (dpa/ND). Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments gehen erstmals mit einem gemeinsamen Motto für alle 27 Mitgliedsstaaten in den Wahlkampf. Mit dem Slogan »Europawahl 2009 – Deine Entscheidung« wolle man eine bessere Beteiligung der Bürger als 2004 erreichen, sagte die Vizepräsidentin des Parlaments, Mechtild Rothe (SPD), bei der Vorstellung der Kampagne am Dienstag in Brüssel.I...

Im Streit um Rezepte gegen Krise

Brüssel (dpa/ND). Auf der Suche nach Rezepten gegen die schwere Wirtschaftskrise ist die Europäische Union zerstritten. Vor dem EU-Gipfel, der am Donnerstagnachmittag in Brüssel begann, blockierten nationale Interessen mögliche Lösungen. Auf massiven Widerstand vor allem der Bundesregierung stieß ein EU-Konjunkturprogramm im Wert von fünf Milliarden Euro. Deutschland – größter EU-Beitragszah...

Kay Wagner, Brüssel

Von der Schiene aufs Wasser

Die EU will künftig die Binnenschifffahrt in Europa stärker fördern. Gütertransporte auf dem Wasser seien viel umweltschonender als auf der Schiene, der Straße oder in der Luft. Doch oberstes Ziel ist die bessere Vernetzung aller Transportmöglichkeiten.

Schutz den Fischen
ndPlusIris Menn

Schutz den Fischen

Die Fakten lassen keinen Zweifel: Die Gemeinsame Fischereipolitik der Europäischen Union ist gescheitert, und das in großem Stil. 80 Prozent der unter EU-Kontrolle gemanagten Bestände sind überfischt, 30 Prozent sogar über ihre biologischen Grenzen hinaus, das heißt ihre Nachkommenschaft ist nicht gesichert. Die Anlandungen sind im letzten Jahrzehnt dramatisch gesunken, und zwar in allen EU Gewäss...

ndPlusCarsten Hübner

Konservative Euroskeptiker rücken in Brüssel die Stühle

Die britischen Konservativen wollen noch vor der Europawahl am 7. Juni 2009 die Fraktion Europäische Volkspartei und Demokraten (EVP-ED) verlassen. Das teilte ihre Delegationsführung in der vergangenen Woche in Brüssel mit. Der Fraktionsvorstand sei bereits offiziell von dieser Entscheidung unterrichtet, hieß es weiter.

Seite 8

Botschaften des Papstes für Afrika

Yaoundé (dpa/ND). Papst Bene-dikt XVI. hat Afrikas Jugend Mut in schwieriger Lebenslage zugesprochen und sie dabei vor »künstlichen Paradiesen« gewarnt. Mit Gottvertrauen könne Afrika »der Kontinent der Hoffnung« werden, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Donnerstag in einer Open-Air-Messe im Sportstadion der Kameruner Hauptstadt Yaoundé. Seine Botschaft gelte den »Kindern, die keinen Vater...

Lebenslänglich für Fritzl

Der Inzesttäter Fritzl muss lebenslang ins Gefängnis. Das hat am Donnerstag das Schwurgericht in St Pölten (Niederösterreich) entschieden.

Noch eine Billion Dollar

Die USA schicken nochmals über eine Billion Dollar in die Finanzmärkte, um die lahmende Wirtschaft in Gang zu bringen. Den Leitzins beließ die US-Notenbank Fed auf dem bisherigen Stand.

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Medwedjew sorgt sich um Moldova

Zum ersten Mal seit acht Jahren brachte Russlands Präsident Dmitri Medwedjew die Präsidenten Moldovas und der abtrünnigen Dnjestr-Republik am Mittwoch wieder an einen Tisch.

Seite 9

Globale Wirtschaft schrumpft

Washington (dpa/ND). Neue Hiobsbotschaft für die globale Konjunktur: Nach der jüngsten Einschätzung des Internationalen Währungsfonds IWF wird die Weltwirtschaft in diesem Jahr zum ersten Mal seit 60 Jahren schrumpfen. Es sei mit einem Minus zwischen 0,5 und einem Prozent zu rechnen, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Fonds.Für die Eurozone erwartet der Fonds einen Einbruch...

Oliver Händler

Opel-Händler spielen mit

Der erste Teil der von der Opel-Führung gewollten Abtrennung des Autobauers von General Motors (GM) ist erreicht. Die deutschen Opel-Händler haben beschlossen, bis zu 500 Millionen Euro in einen Rettungsfonds einzuzahlen. An das Geld sind jedoch Bedingungen geknüpft.

ndPlusHaidy Damm

Billiger, weil weiblich

Die Zahlen sind deutlich: Frauen verdienen in Deutschland rund 23 Prozent weniger als Männer. Das ist sogar ein Prozent mehr als im Vorjahr. Um diese Ungleichheit zu beenden, fordern Gewerkschaften im Rahmen des heutigen Equal Pay Day höhere Löhne für Frauen.

ndPlusSilvia Ottow

Melissengeist statt Moral

Auf ihrer Jahresversammlung am Mittwoch in Berlin thematisierten die unbestechlichen Ärztinnen und Ärzte von MEZIS die Methoden der Pharmaindustrie, Mediziner zur Verordnung bestimmter Arzneien zu veranlassen, Studien zu manipulieren und Berichte in die Medien zu lancieren.

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Frauen: Seltener nach Tarif bezahlt

Laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) liegt der monatliche Bruttoverdienst von Frauen im Schnitt rund 20 Prozent unter dem der Männer. Das entspricht in etwa dem von der EU-Kommission aus anderen Datenquellen ermittelten Rückstand. Zudem zeigt sich: Auch bei Sonderzahlungen haben weibliche Beschäftigte tendenziell das Nachsehen. Sie bekommen im...

ndPlusThomas Trüten, IG Metall Esslingen

Auf zum NATO-Gipfel

Einige GewerkschafterInnen haben sich vor einigen Tagen entschieden, mit einem Aufruf Kolleginnen und Kollegen zur aktiven Teilnahme an den Protestaktionen rund um den Anfang April in Straßburg stattfindenden NATO-Gipfel aufzurufen. Warum? Im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise werden in allen NATO-Staaten soziale Errungenschaften zerschlagen und demokratische Rechte beschnitten. Auf der and...

Haidy Damm

Schläge und Einschüchterung statt Festanstellung

Der Konzern Unilever hat in der Lipton Brooke Bond Teefabrik im pakistanischen Khanewal rund 750 Beschäftigte. Nur 22 der Arbeitnehmer sind fest angestellt, die übrigen 723 werden von sechs Leiharbeitsagenturen gestellt. Viele von ihnen arbeiten hier seit mehr als zehn Jahren. Mit einer Kampagne wollen sie Verhandlungen über feste Verträge erreichen.

»Nationalismus hat bei uns nichts zu suchen«

»Nationalismus hat bei uns nichts zu suchen«

Uwe Wötzel ist Referatsleiter Politik und Planung bei der ver.di-Bundesverwaltung. Er organisiert die Konferenz »Vereint gegen Rassismus, Rechtspopulismus und Neofaschismus«. Mit ihm sprach ND-Mitarbeiter Hans-Gerd Öfinger.

Seite 11
»Im Herzen der Bestie«

»Im Herzen der Bestie«

Der italienische Künstler Paolo Negri (Foto: Gärtner) ist ehemaliger politischer Gefangener, insgesamt verbrachte er sieben Jahre in Haft. Derzeit stellt er seine Mosaiken von im Gefängnis ums Leben gekommenen RAF-Gefangenen in der Galerie Hertz in Bremen aus.

Der sakrale Charakter in jedem Wesen
Martina Jammers

Der sakrale Charakter in jedem Wesen

Man könnte sagen, dass das fotografische Porträt genügt«, resümierte Henri Matisse in seinem Todesjahr 1954. Doch der Maler Matisse mag die Einschätzung nicht teilen und gesteht diese Position allenfalls der Anthropometrie zu. Denn »für den Künstler, der den wahren Charakter eines Gesichts sucht, steht es anders: Das Festhalten der Züge eines Modells offenbart sehr oft die unbekannten Gefühle des ...

Seite 12

Bildungsnetze

Antisemitismus ist beileibe keine Erscheinung, die nur am rechten Rand der Gesellschaft anzutreffen ist. Gerade Lehrer werden im Unterricht mit den vielfältigsten Formen judenfeindlicher Klischees konfrontiert. Viele sind damit überfordert, wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Die Unterrichtssoftware »Gegen Antisemitismus« bietet Informationen und Hilfestellung für Pädagogen. Das mit dem deutsc...

Bildungssplitter

Berlin (ND-Nowak). Eigentlich wollte Klaus Roth im Sommersemester 2009 vier Lehrveranstaltungen im Bereich Politische Ideengeschichte am Otto Suhr Institut (OSI) der FU Berlin anbieten. Doch am 18. Februar erfuhr der seit Sommer 2006 als Gastprofessor am OSI beschäftigte Wissenschaftler, dass seine Kurse aus dem Vorlesungsverzeichnis gestrichen worden sind. Erst da wurde Roth mitgeteilt, dass sein...

Zu unpolitisch für die Wirtschaft
ndPlusPeter Nowak

Zu unpolitisch für die Wirtschaft

»Der letzte linke Student« lautet der Titel eines satirischen Buches des Berliner Autors Jörg Sundermeier. Wenn man die von der »AG Hochschulforschung« der Konstanzer Sozialwissenschaften kürzlich veröffentlichte Studie mit dem Titel »Wandel politischer Orientierung und gesellschaftlicher Werte der Studierenden« liest, hat die Realität die Satire schon überholt. Nicht nur an gesellschaftlichen Uto...

ndPlusThomas Berger

Unis im Ausnahmezustand

Ein Teil der höheren Bildungseinrichtungen von Bangladesch ist auf unbestimmte Zeit geschlossen. Mit dieser Maßnahme haben deren Leitungsgremien auf die jüngste Eskalation im Streit zwischen den politischen Parteien nahestehenden Studentengruppen reagiert. Neben Rajshahi ist auch die Hauptstadt Dhaka betroffen.

Thomas Klatt

Lernen, den Mund aufzumachen

Amoklauf, Killerspiele am heimischen PC, Mobbing auf dem Schulhof, rechtsradikale Einstellungen – Schüler tauchen derzeit in den Medien fast ausschließlich mit negativen Schlagzeilen auf. Zeit, sich auf Positives zu besinnen. Deutschlands Jugend kann auch anders, wie ein Medienprojekt in Potsdam zeigt.

Seite 13
ndPlusTim Zülch

Demo, Kongress, Blockaden

Das Konzept für die Proteste gegen die NATO-Jubiläumstagung Anfang April ist zur Verwirrung angetan. Sowohl in Straßburg direkt als auch in Kehl auf der anderen Seite der deutsch-französischen Grenze sowie in Baden-Baden wird es NATO-Veranstaltungen geben – und damit auch Gegenaktionen. Man muss daher genau planen, wann man wo sein will, um an der einen oder anderen Aktion teilzunehmen. Über...

Bewegungsmelder

Jugendschutz mit dem Rammbock (ND-Kietzmann). Jugendschutz wird in Wuppertal groß geschrieben. Anders lässt es sich wohl kaum erklären, dass 140 Polizisten, 30 Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes sowie 30 Zollfahnder vergangenes Wochenende ein antifaschistisches Konzert im Autonomen Zentrum stürmten, um eine Jugendschutzkontrolle durchzuführen. Augenzeugen berichten, dass die Bereitschaftspo...

Vergessen mit der Perestroika

Vergessen mit der Perestroika

Raschid Alimow (29) war lange Jahre Anti-Nuclear Campaigner der Umweltorganisation »Bellona« in St. Petersburg. Heute ist er Co-Vorsitzender von »Öko-Perestroika«, einer Umweltgruppe in St. Petersburg. Mit dem Friedens- und Umweltaktivisten sprach Bernhard Clasen.

Seite 14

Thema: Die LINKE und die Krise

»Linke Auswege aus der Krise – ökonomische und soziale Perspektiven« heißt eine Konferenz heute und morgen in Berlin, veranstaltet von der Bundestags-Linksfraktion und der Rosa-Luxemburg-Stiftung. ND veröffentlicht Beiträge zur linken Krisendebatte. Es debattieren: Ulla Lötzer, Axel Troost, Joachim Bischoff und Katja Kipping....

Das System steht in Frage
Ulla Lötzer und Axel Troost

Das System steht in Frage

Mit dem Treffen der G20-Staaten am 2. April in London maßen sich die Industriestaaten einmal mehr die Regelungskompetenz in allen Fragen der Weltwirtschaft an. Gegen diese undemokratischen Showveranstaltungen und dürftige Beschlüsse regt sich Widerstand. Mit der Konferenz »Linke Auswege aus der Krise ökonomische und soziale Perspektiven« wollen die Bundestagsfraktion DIE LINKE und die Rosa-Luxembu...

Sagen, was ist
Katja Kipping

Sagen, was ist

Was jetzt gefragt ist, ist gründliches Nachdenken über die Aufgaben der LINKEN in Zeiten der Krise. Dafür fünf Vorschläge. 1. Krise des real existierenden Kapitalismus Immer noch lautet das dominante Deutungsmuster, die Krise habe ihre Ursache in der Maßlosigkeit einiger Weniger. Dem müssen wir unsere eigene Erzählung entgegensetzen und sagen, was ist. Es handelt sich nicht einfach um eine Finanzk...

Vernichtung von Vermögenstiteln
ndPlusJoachim Bischoff

Vernichtung von Vermögenstiteln

Der Nobelpreisträger Krugman trifft den Nagel auf den Kopf: »Von einer Depression ist die Weltwirtschaft derzeit gewiss noch ein gutes Stück entfernt … Doch Depressionssymptome – Probleme jenes Typs, wie sie in den dreißiger Jahren einen Großteil der Weltwirtschaft prägten, seitdem aber nie mehr auftauchten – sind in beängstigender Weise wieder Aktualität.« Wo liegen die Gründe?...

Seite 15

Schweinerei

Nach Gutsherrenart regiert die Messerschmitt-Stiftung jedenfalls nicht. Gutsherren wissen, dass es im Dorf zuweilen schlecht riecht. Auch Hermann Graf von Wartensleben, der Schloss Meseberg einst erbauen ließ, wusste das vermutlich. Doch in Meseberg weht nun ein anderer Wind. Die Stiftung – der das Schloss heute gehört und die es der Bundesregierung als Gästehaus überlassen hat – ist m...

ndPlusHeidi Diehl

Leselust bei der Jury

Sie haben sich selbst übertroffen, liebe Leserinnen und Leser. 191 Geschichten mit Erinnerungen an das Jahr 1989 erreichten die Redaktion zum 7. ND-Lesergeschichten-Wettbewerb. Noch bei keinem ND-Schreibwettbewerb waren es so viele. Sie kamen aus ganz Deutschland, aus Österreich und der Schweiz. Ganz herzlichen Dank dafür! Nun beginnt für die Jury eine gute und schwere Zeit: Sie darf all Ihre Erin...

ndPlusJörg Meyer

Jeder will's gewesen sein

Die Aktuelle Stunde zu »Neuer Energie für Berlin« im Abgeordnetenhaus drohte gleich zu Beginn ins Peinliche abzugleiten. Die Oppositions- und Koalitionsfraktionen stritten wortreich darum, wer sich denn nun den Erfolg für Vattenfalls Rückzug in Sachen Steinkohlekraftwerk in Rummelsburg ans Revers heften kann. Von neuer Energie geschweige denn Konzepten für eine solche war kaum die Rede.Der SPD-Abg...

ndPlusIhr Matthias Zwirner, DK-6300 Gråsten

Freiheit für einen wandernden Eskapisten

1989? Irgendetwas war da. Ja, natürlich, ein einschneidendes Datum in meinem Lebenslauf: Ich habe meine Arbeitsstelle als mittelhoher Charge im Öffentlichen Dienst einer mittleren Stadt in Deutschland (West) gekündigt, und zwar fristlos! Irgendetwas kam mir störend daran vor, kleine lokalpolitische Ferkeleien mit dem samtenen Mäntelchen des Schweigens zu bedecken. »Machen Sie das nicht!«, warnte m...

Monika Lohse, 07546 Gera

Mit zehn Mark nach Hamburg zur Internorga

»Fahrt ruhig. Hauptsache, es kostet nichts und die Arbeit in der Redaktionsabteilung läuft voll weiter!« So lautete damals Ende 1989, Anfang 1990 die Devise der Chefredaktion unserer Zeitung. Es kamen die unglaublichsten Einladungen von »drüben« ins Haus. Wie die zu einem einstündigen Vortrag über die Vorteile eines Hundes bei der Erziehung von Kindern zur Verantwortung – gesponsert von eine...

Im traurigen Monat November war's ...
Dietrich Scholz, 99817 Eisenach

Im traurigen Monat November war's ...

Ein leises stetiges Brummen weckte und uns am Morgen des 10. November 1989. Verwundert blickten wir auf einen unendlichen Strom von Autos auf der Straße. Unser sonst geräumiger Hof war mit Trabbis und Wartburgs mit Dresdner und Cottbusser Kennzeichen zugeparkt. Sie alle hatten sich zu nächtlicher Stunde gen Berlin aufgemacht, der so überraschend »offenen« Stadt. Ein Teil hatte klugerweise sein Aut...

ndPlusKevin Dürr

Gekommen, um zu bleiben

»Es ist ein Pilotprojekt für die Zukunft.« Dauerhaft, schnell und menschenwürdig will der Integrationsbeauftragte des Senats, Günter Piening, den kommenden Empfang von 125 irakischen Flüchtlingen in Berlin gestalten. Berlin will Vorreiter und Vorbild bei der Aufnahme sein, betonte Piening.Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern schaffe man hier gute Bedingungen für eine würdige Aufnahme der F...

Seite 16
Jens Mende

Berliner im Eiltempo zum Sieg

Zwei Spieltage vor dem Play-off-Start der besten acht sagt Herausforderer SCC Berlin den Titelkonkurrenten wieder den Kampf an. »Die Form kommt zurück. Wir waren überraschend gut in allen Bereichen«, erklärte SCC-Trainer Michael Warm nach dem 3:0 (25:20, 25:8, 25:13)-Durchmarsch im Eiltempo nach nur 65 Minuten gegen die Netzhoppers Königs Wusterhausen. Für den SCC war es der sechste Sieg im sechst...

Greis mit toller Schlussrunde

Greis mit toller Schlussrunde

Mit einer phänomenalen Schlussrunde krönte Michael Greis (Nesselwang) sein perfektes 10-km-Sprintrennen beim Biathlon-Weltcup in Trondheim (Norwegen), das ihm den zweiten Saisonsieg einbrachte. Mit fehlerfreiem Schießen und der zweitschnellsten Laufzeit aller 105 Starter behauptete sich der 32-jährige dreifache Olympiasieger mit 18,3 s Vorsprung vor dem neuen Weltcup-Spitzenreiter Ole Einar Björnd...

Studis dürfen weiter Druck machen
Björn Kietzmann

Studis dürfen weiter Druck machen

Aufatmen an der Freien Universität. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) kann wahrscheinlich seine Druckerei behalten. Das Universitätspräsidium hatte Ansprüche auf die Druckerei-Räumlichkeiten in Dahlem geltend gemacht. Bei Verhandlungen zwischen der Universitätsleitung und dem Studierendenausschuss gibt es nun Annäherungen.Anfang des Jahres wurde der AStA FU ziemlich unter Druck gesetzt. ...

ndPlusFlorian Gafert

In den Fußstapfen der großen Brüder

Der FC Bayern München beherrscht in Deutschland die Fußballszene. Luca Toni und Co. eilen von Titel zu Titel, das Team ist gespickt mit Nationalspielern, und die Medien kommen nicht einen Tag ohne Gerüchte und Skandale rund um den deutschen Rekordmeister aus. Dass die Frauenabteilung der Bayern sich zu einer Talentschmiede für zukünftige Nationalspielerinnen entwickelt hat, bleibt dabei beinahe un...

Es sind Wunden, die niemals heilen

Es sind Wunden, die niemals heilen

Doreen nennt ihn »ihren Erzeuger«, das Wort »Vater« kommt ihr nicht über die Lippen. Auch während der Verhandlung würdigt sie ihn keines Blickes. Der Rentner Klaus S., heute 66 Jahre, sitzt da, schüttelt den Kopf und schweigt. Er kann es offenbar nicht fassen, dass er nach so vielen Jahren als Angeklagter vor dem Richter steht. S. wird von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, seine Tochter ab dem f...

Kino entlässt Gewerkschafter

(ND-Meyer). Im Kino Babylon in Mitte wurde ein Mitarbeiter gekündigt – nach Angaben des Betriebsrates, weil er in den Augen der Geschäftsführung der Arbeit in dem Kino »körperlich nicht gewachsen sei«. Zudem hätten bei der Kündigung von Benoit Robin »sprachliche Probleme« eine Rolle gespielt. »Wir haben der Kündigung nicht nur nicht zugestimmt, sondern schriftlich widersprochen«, sagt der Be...

Seite 17
ndPlusAnouk Meyer

Paul und Paula – ohne Paul

Eine Liebesgeschichte als Ein-Personen-Stück, kann das funktionieren? Erst recht, wenn es nicht um irgendein uraltes Beziehungsdrama geht, sondern um »Die Legende von Paul und Paula« und damit um das berühmteste Liebespaar des deutschen Ostens? Es kann. Mit Gitarre, Fotos und ein paar Puppen sang beziehungsweise plapperte sich Rike Schubert in der Rolle der alleinerziehenden Verkäuferin Paula auf ...

Stefan Otto

Die tingelnde Togotruppe

»Weil ich auf der Bühne die Wilde spiele, versuche ich im rechtlichen Leben so zivilisiert wie möglich zu sein«, sagte Josephine Baker, die wie keine andere Künstlerin die entfesselten 20er Jahre verkörperte. Mit einer solchen spannungsvollen Gefühlslage war die farbige Tänzerin allerdings nicht alleine. Schon vor der Jahrhundertwende gab es afrikanische Bühnenkünstler, die in Berlin als Eingebore...

Seite 18
Andreas Fritsche

Wahlkampf mit Zahlen

Ab 2013 werden jährlich mindestens 500 junge Lehrer eingestellt, Sitzenbleiben und Kopfnoten gibt es nicht mehr, dafür Schulen, in denen bis zur 10. Klasse alle gemeinsam lernen. Sechs Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst sind Auszubildende, nicht nur 1,25 Prozent. Kurzfristig wird das BAföG aufgestockt, mittelfristig gibt es Stipendien, die unabhängig vom Einkommen der Eltern überwies...

Am Anfang stand Ribbecks Birne
ndPlusWilfried Neiße

Am Anfang stand Ribbecks Birne

Ribbeck schmeckt süßlich im Mund. Weich und saftig. Das beschauliche Dorf liegt an der Bundesstraße 5, irgendwo in den Wiesen und Wäldern zwischen Berlin und Hamburg. Und es will aus seinem bekannten Namen klingende Münzen schlagen.Denn ein Gedicht Theodor Fontanes machte Ribbeck berühmt: das Gedicht von der Birne, die der freundliche Gutsherr von Ribbeck dem Bauernmädchen von nebenan schenkte. Di...