Ausgabe vom 24.03.2009

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Unten links

Seit gestern ist Deutschland wieder gespalten. Seit gestern werden nämlich bei Aldi Werke des Sachsen Karl May zum Kampfpreis von 5,99 Euro verkauft – jedoch nur bei Aldi Nord. Aldi Süd indes enthält seinen Kunden »Winnetou«, »Old Surehand«, den »Schatz im Silbersee« und andere Kleinode vor. Nicht einmal den erst kürzlich im May-Nachlass entdeckten Kolportageroman »Der Sohn des Schnäppchenjä...

Institute sehen schwarz

Berlin (ND). Deutschland erlebt derzeit die mit Abstand tiefste Rezession der Nachkriegszeit. Dies spiegelt sich auch in immer pessimistischeren Konjunkturprognosen wider. So geht das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in seiner am Montag in Düsseldorf vorgestellten davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um fünf Prozent sinken wird. Im Janua...

Olaf Standke

Rezept gegen Kernwaffen

Die Diagnose der »Ärzte gegen den Atomkrieg« ist eindeutig: Es gibt auf dieser Welt viel zu viele Kernwaffen – rund 25 000, schätzen Experten. Die Arsenale sind so vollgestopft, als hätte der Kalte Krieg nicht vor zwei Jahrzehnten geendet. Der Löwenanteil dieser Massenvernichtungswaffen befindet in den Händen der USA und Russlands. Hunderte von ihnen könnten innerhalb weniger Minuten abgesch...

Olaf Standke

Ärzte-Appell für eine atomwaffenfreie Welt

Über 300 international renommierte Gesundheitsexperten aus 38 Ländern, darunter 50 deutsche Spitzenmediziner, haben den russischen Präsidenten Dmitri Medwedjew und seinen US-amerikanischen Amtskollegen Barack Obama in einem IPPNW-Appell aufgefordert, »das atomare Zeitalter endgültig zu beenden«.

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NATO – fundamental gewandelt
ndPlusUli Cremer

NATO – fundamental gewandelt

Am 24. März 1999 begann die Neue NATO ihren ersten Angriffskrieg – gegen das damalige Jugoslawien. Sie löste Kosovo aus dessen Staatsverband und verwirklichte die Vorstellungen der NATO-Staaten von einer Neuordnung Südosteuropas. Seitdem gelten Kriege ohne UN-Mandat in der NATO als selbstverständlich und sind in der Strategie verankert. Inzwischen ist der De-facto-Staat Kosovo von über 50 St...

Alles wurde ins Gegenteil verkehrt
Eckart Spoo

Alles wurde ins Gegenteil verkehrt

Kanzler Gerhard Schröder posierte am 24. März 1999, als die ersten NATO-Bomben auf Jugoslawien fielen, vor vielen alten Büchern, die er bestimmt nie zur Hand genommen hatte, und versah sich so mit dem Anschein von Seriosität, um dem Fernsehpublikum vorzulügen: »Wir führen keinen Krieg.« Krieg, und zwar einen erbarmungslosen, führe der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic. Mit diesen Lügen wu...

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Deutschland fehlte Fingerspitzengefühl
ndPlusIvan Ivanji, Belgrad

Deutschland fehlte Fingerspitzengefühl

Gerhard Schröder wandte sich am 24. März vor zehn Jahren an seine »lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger«, um ihnen mitzuteilen, dass die NATO mit Luftschlägen gegen militärische Ziele in Jugoslawien begonnen habe. Schröder erklärte: »Wir führen keinen Krieg. Aber wir sind aufgerufen, eine friedliche Lösung im Kosovo auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen.« Bombenangriffe auf Großstädte sind a...

Hannes Hofbauer

Gezähmtes Serbien

Der letzte schwere Schnee dieses Winters schmilzt auf den Dächern Belgrads zu dicken Eisplatten, die ebenso wie bedrohlich lange Eiszapfen tagsüber auf die Gehsteige krachen. Mit ihnen fallen Dachziegel und Verputz von Häusern, die jahrzehntelang nicht renoviert worden sind. Die Sonnenstrahlen offenbaren den katastrophalen Zustand der baulichen Substanz in Serbiens Hauptstadt. Daneben klaffen auch...

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»Rückkehr ist unmöglich«
ndPlusBoris Kanzleiter, Belgrad

»Rückkehr ist unmöglich«

Es war eine der größten Massenvertreibungen während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien. Mit dem Ende des Kosovo-Kriegs im Juni 1999 begann für über 200 000 Serben und Roma die Flucht. Während sich die jugoslawische Armee aus der Provinz zurückziehen musste, setzten albanische Nationalisten Häuser von Serben und Roma in Brand. Die Flüchtlinge leben heute in Serbien oder Staaten der Europäischen Union.

Hans-Dieter Schütt

Schuldsprüche einer »Endzeit-Horde«

Einer der großen Dichter der Zeit, Peter Handke, ist seit Jahren gleichsam in intensivstationärer Behandlung. Dichter unterm Messer. Als sei er ein siamesischer Zwilling. Der eine Handke schreibt wunderbare Bücher, die den Mann sogar ins Nobelpreis-Geraune brachten. Der andere Handke äußerte sich regelmäßig, aber der Regel so gar nicht gemäß, zu Jugoslawien, zu dem, was es war und was draus wurde....

Seite 5
Sellering, Seidel – und Tillich
Velten Schäfer

Sellering, Seidel – und Tillich

Wäre die DDR der schiere »Unrechtsstaat« gewesen, wäre – wie das Wort nahelegt – also alles, was diesen Staat ausgemacht und was er getan hat, »Unrecht« gewesen, wären alle schuldig, die ihn verkörpert haben. Zum Beispiel Jürgen Seidel, der lange Jahre als Funktionär des Rates des Kreises Waren an der Müritz für Umwelt und Tourismus zuständig war. Heute ist Seidel, CDU-Mitglied seit 19...

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Sumpf nicht ausgeschlossen

CDU-Kanzleramtsminister Thomas de Maizière hielt als sächsischer Innenminister Warnungen des Geheimdienstes vor »Sumpf«-Netzwerken für plausibel. Das widerspricht der Regierungsthese von der »heißen Luft«.

Seite 6

Studie: Rückgang bei Vollzeit dramatisch

Duisburg (epd/ND). Der Anteil vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer ist in Deutschland in den Jahren 2001 bis 2006 einer Studie zufolge kontinuierlich gesunken. Zugleich sei auch die absolute Zahl von Vollzeitstellen »dramatisch« zurückgegangen, erklärten Wissenschaftler des IAQ-Instituts der Universität Duisburg-Essen am Montag. Trotz einer insgesamt positiven Beschäftigungsbilanz in Deutschland sei...

EU-Punktesystem für Migration angeregt

Frankfurt am Main (epd/ND). Ausländerverbände und der DGB haben zum Wahljahr 2009 ein neues Zuwanderungskonzept gefordert. Als Antwort auf den Fachkräftemangel solle der generelle Anwerbestopp von ausländischen Arbeitnehmern aufgehoben werden, erklärten der Interkulturelle Rat in Deutschland, »Pro Asyl« und der DGB am Montag in Frankfurt am Main. In dem Positionspapier »Prioritäten für die deutsch...

ndPlusMarian Krüger

Gewerkschaften kontra Schuldenbremse

Die Gewerkschaften GEW und ver.di trommeln gegenwärtig unter den Abgeordneten des Bundestages und der Länderparlamente dafür, der Annahme der im Rahmen der Föderalismusreform II vorgesehenen Schuldenbremse nicht zuzustimmen.

Seite 7

Mazedonien vor Präsidentenstichwahl

Skopje (AFP/ND). Über die Präsidentschaft in Mazedonien wird in einer Stichwahl entschieden. Am 5. April stehen sich der Kandidat der konservativen Regierungspartei VMRO-DPMNE, George Ivanov, und der Bewerber der oppositionellen Sozialdemokraten, Ljubomir Frckoski, gegenüber, wie die Wahlkommission am Montag mitteilte. Nach Auszählung fast aller Stimmen erreichte Ivanov, der als Favorit ins Rennen...

Verdacht von Kriegsverbrechen

Israel hat nach Einschätzung des UNO-Sonderberichterstatters für die besetzten Palästinensergebiete im Gaza-Krieg möglicherweise schwere Kriegsverbrechen begangen.

Seite 8
ndPlusHans-Dieter Schütt

Schon 30 000!

Wir haben es schon geahnt. Es musste so kommen. Doch wir haben leider kein Mittel, etwas dagegen zu tun. Wir können höchstens einige unsinnig kindische Wünsche aussprechen: Jetzt sofort das Lesen verlernen! Jetzt möglichst hurtig zum rettenden Analphabetismus übertreten, so, wie man eine Religion wechselt! Jetzt unverzüglich und überall den Wäldern die Wurzeln ausgraben, dass sie schleunigst wegla...

ndPlusKurt Stenger

Abu Daimler

Noch vor wenigen Monaten hätte es wohl eine ziemlich aufgeregte Debatte über den Einstieg des Emirats Abu Dhabi bei der deutschen Edelkarossenschmiede Daimler gegeben. CDU-Populist Roland Koch hatte seinerzeit ein Gesetz initiiert, das den Einstieg von Staatsfonds in wichtigen Sektoren begrenzen sollte. Die Wirtschaftskrise sorgt aber auch hier für neue Sichtweisen: Selbst die Bundesregierung ist ...

Roland Etzel

Irakisches Recht

Die Nachrichtenagentur AP bezeichnete den Vorgang als ungewöhnlich: Richard Ruffcorn, ein hoher US-Militär in Bagdad, hat die irakische Justiz demnach aufgefordert, »nach irakischem Recht« endlich Anklage gegen zwölf Iraker zu erheben. Sie sollen im Mai 2007 sieben US-Soldaten getötet haben. Das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Da möchten die US-Besatzer gerne zwölf »Aufständische« drankr...

ndPlusJürgen Holz

Verdächtigt

Der 51-jährige gebürtige Trusetaler, der Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde ist und mit seiner zweiten Frau und seinen zwei erwachsenen Töchtern in Suhl wohnt, ist einer der erfolgreichsten Biathlontrainer der Welt. Doch nunmehr, fast zwei Jahrzehnte nach dem Untergang des DDR-Sports, steht Frank Ullrich am Pranger. Ihm werden Dopingpraktiken zu Zeiten des DDR-Sports vorgeworfen. Das zumindest beha...

Auf den Sozialstaat ist Verlass
ndPlusErnst Röhl

Auf den Sozialstaat ist Verlass

Klaus Zumwinkel, wegen Steuerhinterziehung vom deutschen Rechtsstaat erbarmungslos abgestraft, hat seine Residenz in eine Fluchtburg am Gardasee verlegt und sich auch gleich die Pension auszahlen lassen. Viel war’s nicht – mit Mühe und Not 20 Millionen Peanuts. Dennoch lehnt der Ex-Postchef es ab zu jammern und zu lamentieren wie die anderen Kukidents, denen kriminelle Bankberater jede...

Seite 9
ndPlusRoberto Becker

Von der Kunst des Lebens

Er hat schon immer vor allem »Ich« gesagt. Als Künstler, der mit vielen Stimmen spricht. In seinen Filmen, auf der Bühne, als Einmischer ins Leben, auch als Mittelpunkt einer Künstlerfamilie, die aus Laien besteht und aus Stars. Hatte Christoph Schlingensief einst als ein Enfant terrible des Kulturbetriebs angefangen, so bezwang er längst auch die Gralsburgen des Theaters und der Oper. Große Namen...

Kerstin Decker

Mangelreichtum Sehnsucht

Ein kleiner Ort, irgendwo in der Slowakei, als vor dem eigenen Landesnamen noch ein ungeliebtes »Tschecho-» stand. Tschechoslowakei. Und vor dem Fluss, der so schnell am Dorf vorbeifließt, als wolle er sagen: »Bloß weg hier!«, erhebt sich ein himmelhoher Stacheldraht-Zaun. Kein Internierungslager, nur die österreichische Grenze. Martin lebt in einer Welt aus Grenzen, die eigene Schwiegermutter, in...

Seite 10
ndPlusWerner Wolf

Musikgenie

Im tschechischen Tschoschl 1925 geboren, wurde Robert Hanell (Foto: Wallmüller) das böhmische Musikantentum in die Wiege gelegt. Obwohl er eigentlich Lehrer für alte Sprachen werden wollte, führte ihn sein in Teplitz privat genommener Musikunterricht zum Theater. In Teplitz begann er auch, gerade 18 Jahre alt, als Korrepetitor und Chordirektor. Bereits ein Jahr später wurde er 1944 in Meiningen Mu...

»Herreißend die Zukunft«
ndPlusUlrike Gramann

»Herreißend die Zukunft«

Das Jahr 2009 verspricht ein HAP-Grieshaber-Jahr zu werden: Mindestens 30 Ausstellungen präsentieren anlässlich seines 100. Geburtstags das Werk. Das Spendhaus Reutlingen zeigt die Ausstellung »Grieshaber und die Moderne«. Der Holzschneider lebte und arbeitete viele Jahre auf der Achalm, dem Reutlinger Hausberg. Hier, im Südwesten Deutschlands, ist sein Werk auch im öffentlichen Raum von ungebroch...

Klaus Bellin

Verspielter, weltkluger Ton

Er ist vierzehn, ein aufgewecktes, selbstbewusstes Bürgersöhnchen, und er schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Orthografie? Nichts als stures, hinderliches Regelwerk. In die »Arkadische Gesellschaft zu Phylandria« will er, eine Mischung aus literarischer Vereinigung und geheimem Tugendbund, denn er fühlt schon, dass er zum Dichten geboren ist. Am 23. Mai 1764 schickt er dem 15-jährigen Lu...

Seite 11

Mit einer Billion gegen den Giftmüll

US-Finanzminister Timothy Geithner will das Finanzsystem der Vereinigten Staaten mit einem Hilfsprogramm von bis zu einer Billion Dollar stabilisieren. Ziel sei es, Banken und andere Finanzkonzerne von faulen Krediten und anderen Risiko-Wertpapieren zu befreien, schrieb Geithner im »Wall Street Journal«.

Emirat wird Daimler-Großaktionär

Stuttgart (dpa/ND). Der Staatsfonds des Emirats Abu Dhabi wird sich mit 9,1 Prozent am deutschen Autobauer Daimler beteiligen. Der Einstieg geschieht durch die Ausgabe neuer Aktien, durch deren Kauf 1,95 Milliarden Euro in Daimlers Kasse fließen. Aabar zahlt 20,27 Euro pro Daimler-Aktie. Der neue Großaktionär schließt eine spätere Aufstockung seiner Beteiligung nicht aus. Einen Sitz im Aufsichtsra...

ndPlusSalil Panchal, Mumbai

Große Erwartungen an einen Zwerg

Mit einer feierlichen Zeremonie in der Finanzmetropole Mumbai (früher Bombay) hat der indische Tata-Konzern den Kleinwagen Nano, das günstigste Auto der Welt, auf dem Heimatmarkt eingeführt. Doch die neue Fabrik ist noch lange nicht fertig.

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ndPlusAndreas Knudsen, Kopenhagen

Frischer Wind für Dänemark

Der dänische Energieproduzent Dong und Siemens Windpower unterzeichneten kürzlich einen Vertrag über die Lieferung von 500 Windrädern für verschiedene Offshore-Projekte.

Erich Preuß

Güterzüge ab jetzt mit Vorrang?

Heller Wahnsinn sei es, sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn zum Verlangen der Europäischen Union, den grenzüberschreitenden Güterzügen auf bestimmten Korridoren Vorrang zu geben. »Sollten diese Pläne in die Tat umgesetzt werden, verlören alle Fahrpläne ihre Gültigkeit«, wird er zitiert.

Barbara Munker

20 Jahre nach der Katastrophe

Vor 20 Jahren lief in Alaska der Öltanker Exxon Valdez auf ein Riff auf, 40 000 Liter Rohöl verseuchten die Strände. Die Folgen sind bis heute nicht überwunden.

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Nord-Süd - Tipps

PANAMA – »Der Panamakanal: Vorgeschichte und gegenwärtiger Stand der Kanalerweiterung, soziale, ökologische und finanzielle Chancen und Risiken«, Vortrag des Botschafters der Republik, Panama, S. E. Dario E. Chiru Ochoa, mit anschließender Diskussion. 25. März, 18.30 Uhr, Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin . VENEZUELA – »Venezuela auf dem Wege zum Sozialismus des 21. Jahrhunderts.« Info...

Bittere Pillen für den Süden
ndPlusMartin Ling

Bittere Pillen für den Süden

Das Europäische Parlament (EP) ist am Zug: Am heutigen Dienstag steht die Ratifizierung der sogenannten Wirtschaftspartnerschaftsabkom-men (EPA) mit der Karibik und Côte d'Ivoire auf der Tagesordnung. Stimmt das Europäische Parlament zu, ist ein weiterer Schritt getan, die »Partnerländer« sehenden Auges in verschärfte wirtschaftliche Schwierigkeiten zu bringen. Denn von Partnerschaft kann bei den ...

ndPlusJoyce Mulama Nairobi

Viehwirtschaft in Afrika braucht Hilfe

In Afrika leben 250 Millionen Menschen von der Viehwirtschaft. Das entspricht einem knappen Viertel der kontinentalen Bevölkerung. Experten zufolge wird es höchste Zeit, den Sektor umfangreich zu fördern. »Die Entwicklung der Viehzucht ist extrem wichtig. Sie verbessert das Leben der Armen stärker als der Ackerbau und ist wie dieser bedeutend für das Wirtschaftswachstum und die Ernährungssicherhei...

Gerhard Dilger, Porto Alegre

Teilsieg für Brasiliens Indígenas

In einem über 30 Jahre dauernden Kampf haben indianische Ureinwohner im brasilianischen Amazonas-Gebiet einen wichtigen juristischen Sieg errungen. Brasiliens Oberstes Gericht sprach ihnen ein Naturschutzgebiet zu. Eine klare Regelung für künftige Landkonflikte steht aber noch aus. Am letzten Donnerstag war es endlich so weit: In einer vielfach als historisch bezeichneten Entscheidung wies der Obe...

»Friede ist ein Prozess«
Gisela Dürselen

»Friede ist ein Prozess«

1999 wurden die ersten Projekte des Zivilen Friedensdienstes genehmigt: entwickelt von der Zivilgesellschaft, finanziert vom Staat – ein Spannungsverhältnis. Die erste Bilanz: Am erfolgreichsten funktioniert Prävention und Nachsorge.

Seite 14
Walter Willems

Diabetiker werden oft schlecht versorgt

Patienten mit Diabetes Typ 2 werden in Deutschland mangelhaft versorgt. Nur wenige erreichen die geforderten Therapieziele. Das zeigen die Ergebnisse einer bundesweiten Studie.

Koloskopie kann Darmkrebs verhindern

Nach der Aufnahme der Darmspiegelung in das Krebsfrüherkennungsprogramm der gesetzlichen Krankenversicherung 2002 zeigt eine erste Auswertung des Deutschen Krebsforschungszentrums: Darmkrebs kann so verhindert werden.

Die Rezension - Tatort Krankenhaus
ndPlusElfi Schramm

Die Rezension - Tatort Krankenhaus

Zwei Journalisten beschreiben den Teufelskreis aus Effizienzdenken, Kostendruck und Zeitmangel, der den hohen gesundheitlichen Standard und die erstklassige Medizin in Deutschland gefährdet. Beide weisen auf die Fehlerquellen hin und zeigen, wie man sie vermeiden kann. Vor allem für Patienten ist es wichtig, sich vor einem Klinikaufenthalt über die Einrichtung zu informieren. »Jedes Krankenhaus mu...

Martin Koch

Pille gegen die Angst

In Deutschland leiden über zwei Millionen Menschen an Angststörungen, die bisweilen so heftig sind, dass für die Betroffenen kein normales Leben mehr möglich ist. Um Erkrankungen dieser Art zu behandeln, könnten sich neben einer Psychotherapie bald auch neue Medikamente als hilfreich erweisen.

Seite 15

Gestörte WM-Vorbereitungen

Das deutsche Eiskunstlauf-Nationalteam ist geschockt, die Vorwürfe gegen den Sportdirektor werden immer dubioser, und das Krisenmanagement der Deutschen Eislauf-Union (DEU) lässt zu wünschen übrig. Vor Beginn der Weltmeisterschaften heute in Los Angeles (USA) ist das Fehlen von Udo Dönsdorf und dessen angebliche Belästigung eines Eistänzers das beherrschende Thema. »Mich hat der Schlag getroffen, ...

Christian Heinig

Schrödersche Stilfragen

Schummelei? Bernd Schröder muss lachen. »Es ist richtig«, sagt er, »das Foto ist bereits ein paar Tage älter, und auch die Tinte unter den beiden Verträgen ist schon dreimal getrocknet«. Am Montagmorgen, um Punkt 8.29 Uhr, war auf der Internetseite der Bundesliga-Fußballerinnen von Turbine Potsdam die neueste Meldung zu lesen, mit dem hoffnungsfrohen Titel: »Top-Neuzugänge«. Die Rede ist von Fatmi...

Jürgen Holz

Ist Frank Ullrich der nächste, der gefeuert wird?

Die Befürchtungen, die 20 namhafte Leichtathleten in ihrem Offenen Brief im Januar 2009 an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) geäußert haben, sind prompt eingetreten. Sie hatten nach der Kündigung des Kugelstoß-Bundestrainers Werner Goldmann (Berlin) die besorgte Frage aufgeworfen: »Wer aus der ›alten Riege‹ wird der nächste sein?« Goldmann war von der unabhängigen Antidoping...

Seite 17

Pro Hinsehen

Erst war Bundestagsvize Petra Pau (LINKE) dran, dann SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller. Die Politiker aus Berlin hatten sich in streitbarer Auseinandersetzung mit Pro Reli nicht mit Präzision an gewisse Formulierungen gehalten und wurden dafür jeweils von Kölner Richtern prompt mit Strafandrohungen belegt. »Bemerkenswerter Stil einer Kampagne«, hieß es nicht nur bei Müllers Genossen. Be...

Taubenfallen und Bürokratie
ndPlusPeter Kirschey

Taubenfallen und Bürokratie

Der eine liebt sie abgöttisch und fühlt sich täglich nach Venedig versetzt. Der andere empfindet sie als bösartige, Dreck und Krankheiten verursachende Stadtkatastrophe – die Columba, besser als Taube bekannt. Doch geliebt oder gehasst – sie gehört zu Berlin wie der Döner zum Berliner.Rund 40 000 dieser Exemplare bevölkern die Stadt, mit einer Jahresproduktion von etwa 10 Kilo Kot pro ...

Konsum Berlin investiert wieder
Bernd Kammer

Konsum Berlin investiert wieder

Neues Lebenszeichen der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend: Zwei Jahre nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens wird das Immobilienunternehmen wieder als Investor aktiv. Fünf Supermärkte in Hellersdorf, Marzahn und Lichtenberg, deren bauliche Hüllen noch aus DDR-Zeiten stammen, sollen bis Ende nächsten Jahres abgerissen und neu gebaut werden. Die Genossenschaft bewirtschaftet noch insgesamt 43...

Seite 18
Passionierte Finger an filigranem Besteck
Anja Sokolow

Passionierte Finger an filigranem Besteck

Ausgerechnet ihnen passiert es: Auch an diesem Sonnabend wollen sich die Mitglieder des Vereins »Sportsfreunde der Sperrtechnik« in ihrem Stammcafé treffen. Doch diesmal stehen sie vor verschlossenen Türen. »Das Schloss wäre in wenigen Minuten zu öffnen«, schätzt Torsten Quast. Der 39-Jährige würde am liebsten sein Werkzeug zücken. Wären da nicht Sportordnung und Strafgesetzbuch, die das verbieten...

Der älteste Hausbesetzer der Stadt
ndPlusStefan Otto

Der älteste Hausbesetzer der Stadt

Normalerweise braucht kein Mensch drei Dutzend Kugelschreiber, aber Alfred Kulhanek hat sie gesammelt, und nun liegen sie neben einem Stapel mit Unterlagen. Als Jens Herrmann zu Besuch kommt, bringt er ihm eine Zigarrenschachtel für die Stifte mit, und der 81-Jährige bringt sofort seinen Schreibtisch in Ordnung. Der Tscheche ist der älteste Bewohner in der Brunnenstraße 183, und wahrscheinlich ein...

Seite 19
Stromfresser aufspüren und abschalten
ndPlusSteffi Bey

Stromfresser aufspüren und abschalten

Wenn ein moderner Herd und eine alte Kochplatte nebeneinander stehen, wenn noch dazu zwei Kühlkombinationen in einer Küche zu finden sind und jede Menge elektrische Kleingeräte auf den Schränken liegen, dann hat das einen besonderen Grund: In Europas größtem Niedrigenergiehaus an der Berliner Lichtenberger Schulze-Boysen-Straße, wurde jetzt die erste Energiespar-Muster-Wohnung Berlins – eing...

Ruheloser Geist mit Leib und Seele
Kevin Dürr

Ruheloser Geist mit Leib und Seele

Haben Sie schon mal etwas vom Pittiplatsch- oder Schnatterinchenweg gehört? Oder sind Sie mal den Rübezahlweg entlang gegangen? Albert Katzor hat dort sogar einen Garten. Wenn er durch seine Pankower Kleingartenanlage »Märchenland« mit ihren kleinen Häuschen und alten verwachsenen Obstbäumen spaziert, meint man fast, es wäre wirklich das Märchenland.Der 74-jährige Katzor ist Vorstandsmitglied in d...

Seite 20

Grundstein für neues Schiffshebewerk gelegt

Niederfinow (dpa). Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) legten am Montag den Grundstein für das neue Schiffshebewerk in Niederfinow. In den Bau investiert der Bund rund 285 Millionen Euro. Der neue Schiffsfahrstuhl an der Oder-Havel-Wasserstraße soll das aus dem Jahr 1934 stammende Schiffshebewerk ersetzen, das als Nadelöhr auf dem Wasserweg...

ndPlusMarina Mai

Gewalt unter Zigarettenhändlern

In Pritzwalk wurde am Wochenende ein 28-jähriger Vietnamese bei einer Messerstecherei schwer verletzt und in ein Krankenhaus eingeliefert. Grund war ein Streit unter Landsleuten vor einem Supermarkt und damit an einer Stelle, an der unverzollte Zigaretten verkauft werden. Seit etwa einem halben Jahr gibt es in verschiedenen Brandenburger Kleinstädten immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen un...

ndPlusAndreas Fritsche

Papst Johannes Pauls Lehrer im KZ

Den Zweiten Weltkrieg führten die Faschisten nicht allein als Eroberungsfeldzug. Von Beginn an gab es rassistische Motive, meint Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. 70 Jahre ist der Überfall auf Polen im September her. Die Stiftung nimmt das zum Anlass, an die geplante Vernichtung der polnischen und tschechischen Eliten zu erinnern. Die Nazis stuften 95 Prozent der...