Ausgabe vom 11.04.2009

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Obama braucht mehr Kriegsgeld

Washington (Agenturen/ND). US-Präsident Barack Obama braucht zusätzliche 83,4 Milliarden Dollar für die Kriege in Irak und Afghanistan. Das Geld sei nötig, »um die neue Afghanistan-Strategie und den Prozess in Irak zu finanzieren, der zum Abzug all unserer Kampftruppen dort führen wird«, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. Nach US-Medienberichten sind 75 Milliarden für Militäropera...

Unten links

Das bevorstehende Osterfest macht nicht nur Menschen unternehmungslustiger, sondern auch Tiere. In Falkensee (Havelland) büxten zwei Kamele aus einem Zirkus aus und spazierten gelassen über die Straße. In Sidney schwang sich ein Gorilla an einem Palmenwedel, der in sein Gehege ragte, in die Freiheit. Vor der nordamerikanischen Küste schwamm ein sechs Meter langer Buckelwal neugierig ins Hafenbecke...

»Europameister des Waffenexports«

»Europameister des Waffenexports«

Während die deutsche Friedensbewegung auf ihren traditionellen Ostermärschen gegen NATO, Krieg und Atomwaffen demonstriert, kritisierte der evangelische Bischof von Berlin, Wolfgang Huber, die Zunahme deutscher Waffenexporte in Krisenregionen. SPD-Außenminister Steinmeier sprach sich derweil gegen die Inbetriebnahme des Bombodroms und für eine atomwaffenfreie Welt aus.

Zurück zur alten Zeit?
ndPlusAxel Troost

Zurück zur alten Zeit?

Tun die Regierungen das Richtige zur Begrenzung und Überwindung der Krise? Nimmt man die Ergebnisse des jüngsten G20-Gipfels als Beispiel, so gehen die Meinungen weit auseinander. Dass sich die G20-Regierungschefs für ihre historische Leistung selber loben, ist noch am wenigsten überraschend. Doch auch viele Pressestimmen, von der britischen Financial Times über Die Zeit bis hin zur taz sehen viel...

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ndPlusReimar Paul

Dem Krieg den Marsch blasen

Nach dem NATO-Gipfel in Baden-Baden, Kehl und Straßburg steht mit dem Ostermarsch ein weiterer Pflichttermin der Friedensbewegung vor der Tür.

Dieter Junker

Acker im Hunsrück als Friedenssymbol

Vor 25 Jahren machten Friedensaktivisten im Hunsrück mit einer spektakulären Aktion auf sich aufmerksam: Gegen die Stationierung von Atomraketen in der Region errichten sie 96 Holzkreuze – für jede Rakete eins.

»Ein Kaleidoskop unterschiedlicher Kräfte«

ND: Herr Buro, Sie waren 1960 Mitinitiator des ersten Ostermarsches. Wie war damals die Haltung der Bevölkerung zum außenpolitischen Kurs Konrad Adenauers, in dessen Regierungszeit die Bundeswehr gegründet wurde? Buro: Der Anfang zur Hochzeit des Kalten Krieges war schwer. Wir sind in kleinen Gruppen von Braunschweig – etwa 24 Leute – drei Tage bis nach Bergen-Hohne marschiert. Die Kam...

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Der Knast der alten Männer
Rudolf Stumberger

Der Knast der alten Männer

Fährt man in Singen die Erzbergerstraße stadtauswärts, dann erscheint diese ebenso unspektakulär wie die ganze Industriestadt 30 Kilometer nordwestlich von Konstanz: Läden, Imbissbuden, Bürgerhäuser. Dann erscheint rechter Hand die Hausnummer 32 und man merkt an dem Stacheldraht auf der Mauer und an den Fenstergittern, dass es sich um ein Gefängnis handelt. »Justizvollzugsanstalt Konstanz, Außenst...

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Hans-Dieter Schütt

Ins Aus per TV

Nicht auf alle kommt es an, sondern auf – dich! Das ist die Moralbewegung des Aufbaus; sie belastet den Einzelnen mit der Schönheit einer Verantwortung, die Sinn zu haben scheint. Denn die Welt soll ja verändert werden. Nicht alle werden arbeitslos – du bist dran! Das dagegen ist die unmoralische Dynamik des Abbaus; sie belastet den Einzelnen mit der Schuld eines Versagens, das keinen ...

Detlef D. Pries

Tbilissi und Chisinau

Die Georgier haben ihre »bunte Revolution« hinter sich – und sind offenbar bitter enttäuscht. Die Rosen der Revolution des Jahres 2003 sind verwelkt, südlich des Kaukasus-Kamms blühen nicht Demokratie und Wohlstand, sondern Autoritarismus und Vetternwirtschaft wie zuvor, nur unter neuen Herren. Dem Revolutionshelden Saakaschwili, der Georgien sogar in einen verlorenen Krieg geführt hat, scha...

ndPlusSilvia Ottow

Luftnummer

Endlich ist die Freiheit auch bei Tütensuppe, Schokolade und Mehl angekommen, die sich bisher in zwangsnormierten Packungsgrößen im Supermarkt darbieten mussten. Ab morgen ist Schluss mit den strengen Verpackungsvorschriften. Die Verbraucher dürfen sich auf die 231-Gramm-Packung bei Mehl oder Zucker freuen und unter der guten alten Tafel Schokolade wird sich in einigen Jahren jedes Kind etwas ande...

Detlef D. Pries

Zahlenakrobat

Seine Welt sind die Zahlen. Fast sein ganzes bisheriges Berufsleben verbrachte Jan Fischer im Statistischen Amt in Prag, und dorthin will er auch wieder zurückkehren, wenn die Bürger der Tschechischen Republik am 9. und 10. Oktober dieses Jahres ein neues Parlament gewählt haben. Vorher, am 9. Mai, wird Fischer jedoch das Amt des tschechischen Regierungschefs übernehmen. Die Ernennungsurkunde hat ...

»Ich empfinde moralische Schuld«

ND: Was hat Sie als Kugelstoß-Bundestrainer und Ihre vier anderen Trainerkollegen Klaus Baarck (Neubrandenburg), Gerhard Böttcher, Maria Ritschel (beide Halle) und Rainer Pottel (Berlin) bewogen, sich in einer von allen fünf unterschriebenen Erklärung zur Dopingvergangenheit in der DDR, was zwanzig und mehr Jahre zurückliegt, öffentlich zu bekennen? Schneider: Auslöser war die ganze Misere, die mi...

Seite 5

Opel-Werk in Eisenach sollte dichtmachen

Die Schließung des Opel-Werks in Eisenach mit seinen 1800 Mitarbeitern war nach Informationen der »Wirtschaftswoche« bereits beschlossene Sache. Erst im letzten Moment, nach dem Führungswechsel bei General Motors, sei der Plan revidiert worden, berichtet das Magazin in seiner neuen Ausgabe.

»Spiegel«: Steinbrück doch für Bad Banks

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) will nach Darstellung des »Spiegel« angeschlagene Banken nun doch mit Hilfe von Staatsgeld von ihren faulen Wertpapieren befreien.

Michael Schulze von Glaßer

Autonome Neonazis verurteilt

»Sie treten die Rechte anderer Menschen buchstäblich mit Füßen«, sagte der Richter am Amtsgericht Ahlen am Donnerstag zum angeklagten Neonazi Daniel B. Drei Jahre muss der 21-Jährige nun ins Gefängnis: für mehrere brutale Überfälle auf Ausländer, Linke und Polizisten, zahlreiche Sachbeschädigungen, Aufforderung zu Straftaten, Verbreitung von NS-Symbolen, Volksverhetzung sowie Verstößen gegen das W...

Datenschützer belastet Bahn

Datenschützer belastet Bahn

Die Bahn ist in der Datenaffäre weiter unter Druck. Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix wirft dem Konzern nach Medienberichten Rechtsverstöße vor.

Seite 6
ndPlusGünter Frech

Betriebsrat im Bundestag: LINKE kein Vorreiter

Die Mitarbeiter der linken Bundestagsabgeordneten bleiben ohne Interessenvertretung. Die Fraktion beruft sich auf eine unklare Rechtslage, ein juristisches Gutachten hält eine Wahl dagegen für unproblematisch.

Schikaniert und beschimpft im Internat
Holger Reile

Schikaniert und beschimpft im Internat

Über zehn Jahre ist es her, da lief der damalige Singener Oberbürgermeister Andreas Renner (CDU) Sturm gegen das Internat im Schloss Bohlingen. Er vermutete hinter den Betreibern Mitglieder der mittlerweile aufgelösten Sekte VPM. Nun ist das Internat wiederum in die Schlagzeilen geraten.

Seite 7
ndPlusHilmar König, Delhi

»Frohe Ostern« in Fidschi

Seit Karfreitag hat die Inselrepublik Fidschi im Südpazifik eine »neue Ordnung«. Präsident Ratu Josefa Iloilo setzte die Verfassung außer Kraft und übernahm alle Exekutivgewalt.

Irina Wolkowa, Moskau

Saakaschwili will nicht weichen

Er und seine Regierung trügen sich mit »weitreichenden Plänen für die Zukunft«, sagte Michail Saakaschwili am Freitagmorgen bei der Unterzeichnung von Abkommen für den Bau eines Wasserkraftwerkes. Damit machte Georgiens Staatschef bereits Stunden vor Ablauf des Ultimatums klar, dass er nicht gesonnen ist, den Forderungen der Opposition nachzugeben.

Seite 8
ndPlusLeo Burghardt, Havanna

Kuba arbeitet am Wiederaufbau

Während das politische Kuba nach dem Besuch der Kongressdelegation über die Möglichkeiten der Normalisierung der Beziehungen zu den USA diskutiert, sehnt die Bevölkerung die Normalität vor den letzten Hurrikans herbei.

Karin Leukefeld

Bestellter Jubel und inszenierte Feiern

Der Sturz der Bagdader Saddam-Statue im April 2003 war eine Propagandashow der Besatzer. Iraks Regierung hat davon offensichtlich viel gelernt.

»Es gibt keinen Grund zum Optimismus«

»Es gibt keinen Grund zum Optimismus«

Der Europaabgeordnete der LINKEN André Brie ist Afghanistan-Berichterstatter des Europäischen Parlaments und hat das Land am Hindukusch wiederholt besucht. In der vergangenen Woche nahm er als Vertreter des EU-Parlaments an der internationalen Afghanistan-Konferenz in Den Haag teil. Über die Situation im Land und den Kurs des neuen US-Präsidenten Barack Obama sprach mit ihm in Brüssel Uwe Sattler.

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Bauern fordern Milchgipfel

Berlin (AFP/ND). Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, hat angesichts der dramatisch sinkenden Milchpreise ein Spitzentreffen von Politik und Wirtschaft gefordert. In einem Brief an Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (beide CSU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte Sonnleitner am Donnerstag die Bundesregi...

Neue Runde im Bankenpoker

Die Bundesregierung hat erstmals in ihrer Geschichte die Verstaatlichung einer Bank eingeleitet. Der staatliche Bankenrettungsfonds machte am Donnerstag den Aktionären der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) ein Angebot für den Kauf ihrer Aktien.

ndPlusKnut Henkel

Krisenwährung behauptet sich

Die wichtigen Indizes im Rohwarenbereich haben in den letzten drei Monaten wieder den Stand vom Jahrsbeginn erreicht. Leichte Zuwächse sind auch beim Gold zu verzeichnen, das seinem Ruf als Krisenwährung voll und ganz gerecht wird.

Mogelpackung im Anmarsch
Julia Gaschik, AFP

Mogelpackung im Anmarsch

Die einen befürchten, dass Supermarktkunden reihenweise auf Mogelpackungen reinfallen. Andere bejubeln ein Stück mehr Freiheit für den Verbraucher. Am 11. April fallen europaweit die strengen Verpackungsvorschriften, die bislang Einheitsgrößen für dutzende Artikel des täglichen Bedarfs vorschrieben.

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Sechs Ostereier im Nest

Das rettende Ufer rückt für den Fußball-Zweitligisten FC Hansa Rostock immer näher. Dank des ersten Auswärtssieges der Saison beim 1:0 gegen die SpVgg Greuther Fürth ist Hansa den Abstiegs-Relegationsplatz der 2. Liga geklettert. Seit vier Spielen sind die Mecklenburger nun unter dem neuen Trainer Andreas Zachhuber ungeschlagen, zuletzt gab es zwei Siege. »Wenn sechs Ostereier im Nest liegen, kann...

Bremen und Hamburg träumen vom Halbfinale

Früher Schock für den Hamburger SV, später Dämpfer für Werder Bremen – das erste deutsche Europapokal-Halbfinale seit 20 Jahren ist dennoch zum Greifen nah. Die Dauerrivalen aus dem Norden haben sich mit 3:1-Siegen im Gleichschritt vielversprechende Ausgangspositionen für die Rückspiele im UEFA-Pokal-Viertelfinale geschaffen. »Das können wir uns nicht mehr nehmen lassen«, meinte Joris Mathij...

ndPlusAlexander Ludewig

Der Geist vom Scharmützelsee

Bojan Prasnikar musste in der Lausitz eine ganz neue Erfahrung machen. »Weder als Spieler noch als Coach habe ich jemals fünf Niederlagen in Folge erleben müssen«, so der Trainer von Energie Cottbus. Vielleicht griff der Slowene auch deshalb vor dem heutigen Heimspiel gegen Arminia Bielefeld zu einer besonderen Maßnahme. Er zog seine Spieler zu einem zweitägigen Kurztrainingslager in Bad Saarow zu...

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ND-Team sucht Mitfahrer für Velothon

ND-Team sucht Mitfahrer für Velothon

Am 21. Juni findet der 2. Berliner Velothon statt. Noch sind nicht alle der 30 für ND-Leser reservierten Plätze beim Jedermann-Radrennen durch die Hauptstadt besetzt. Wer sich zutraut, 60 oder 120 Kilometer mit einem Schnitt von 23 (25) km/h zu fahren, der sollte sich seinen Platz im Team von Neues Deutschland sichern. Anmeldungen sind unter Angabe der gewünschten Renndis-tanz (60 km: 52,90 Euro o...

Korruption besser als Doping
Thomas Wieczorek

Korruption besser als Doping

Der Kauf und Verkauf von Dienstleistungen ist das Wesen unserer Marktwirtschaft, und insofern ist der Ankauf einer Schiedsrichtergefälligkeit doch geradezu vorbildlich. Warum also zieren sich die Verantwortlichen in der Handballszene, die tagtäglich eingehenden Meldungen über gekaufte Spiele des deutschen Rekordmeisters THW Kiel in der Champions League einfach zu bestätigen und das Enthüllungsfest...

Die Favoriten ließen nichts anbrennen

Die Favoriten haben sich in den Play-offs der Volleyball-Bundesliga der Männer durchgesetzt und sind ins Halbfinale eingezogen. Sowohl Serienmeister VfB Friedrichshafen als auch Pokalsieger Generali Haching und Vizemeister SCC Berlin gewannen ihre Viertelfinalserien nach Siegen mit 2:0. Zuvor war bereits Netzhoppers Wusterhausen in die Runde der letzten Vier vorgestoßen.Friedrichshafen siegte in d...

Magdeburg trotz Führungskrise mit Sieg

Die Handballer des SC Magdeburg haben auf den in öffentliche Schuldzuweisungen gegipfelten Machtkampf in der Vereinsführung eine sportliche Antwort gegeben. Die Mannschaft von Trainer Michael Biegler, der in der vergangenen Woche seinen Weggang zum 30. Juni 2010 angekündigt hatte, setzte sich zu Hause gegen die HSG Nordhorn mit 35:29 (14:14) durch und bleibt weiter im Rennen um einen international...

ndPlusJürgen Holz

Eisbären müssen noch mächtig zulegen

Der Titelverteidiger Eisbären Berlin hat einen ersten Schritt in Richtung des vierten Meistertitels nach 2005, 2006 und 2008 getan. Nicht mehr und nicht weniger. Denn nach dem ebenso knappen wie glücklichen 3:2-Heimsieg in der mit 14 200 Zuschauern ausverkauften O2 World gegen die Düsseldorfer EG klangen die Töne bei den Eisbären alles andere als euphorisch. Überhaupt war die Gefühlslage nach dies...

Seite 12
ndPlusMartin Koch

Bewegliches Fest

Um festzustellen, wann Ostern ist, muss man wohl oder übel auf den Kalender schauen. Denn der Termin wechselt von Jahr zu Jahr. 2008 war Ostern am 23. März, heuer fällt es auf den 12. April. Einer solchen Verschiebung sind andere Feiertage nicht unterworfen. Heilig Abend zum Beispiel ist immer am 24. Dezember und Reformationstag am 31. Oktober. Warum also liegen die Verhältnisse beim Osterfest so ...

Seite 13

Brav!

Angela Merkel ist weg, Ersatz kommt aus Marzahn: Rentner Dwierowski wird von CDU-Blondine (Dorina Pascu: Typ zwischen Inka Bause und Dagmar Berghoff) sowie jungem SPD-Eiferer (Timo Doleys: bei dem's diesmal zum Typ nicht mal reicht) zum Kanzler gestylt. Grundidee fürs Nummernfließband um Krise und Wahlkampf: »Jenseits von Angela«, Regie: Martin Maier-Bode.Zu Beginn ein Couplet auf die »Distel« sel...

Der alte Ritter
Hans-Dieter Schütt

Der alte Ritter

Er ist der zerbrechlich Scheinende, der psychisch Ungeschützte, der seelisch Angreifbare – der Gott sucht und fortwährend nur auf Menschen trifft. Max von Sydow: das wiederkehrende Bild des melancholisch Duldenden, und das Erdulden ist jene Sonde, mit der seine Gestalten tiefer in den Weltkreis lauschen. Ingmar Bergman, der ihn vielfach zu seinem Hauptdarsteller erkor, nannte ihn beglückt ei...

Strahlenkranz
Irene Constantin

Strahlenkranz

Dreizehn Opern. Schon das wäre eine Bilanz, mit der ein Komponist getrost seinen 75. Geburtstag feiern könnte. Unzählige Chor- und Orchesterwerke hat Siegfried Matthus aber auch komponiert und viele davon sind – eine Rarität für das Werk eines lebenden Komponisten – Repertoirestücke großer Orchester geworden: »Responso«, das Paukenkonzert »Der Wald«, das »Manhattan Concerto«.Die Auffüh...

Seite 14
H.-D. Schütt

Die halben Wahrheiten

Der SPD-Politiker Wolfgang Thierse mahnte in einem Interview mit der »Berliner Zeitung« eine faire Bewertung des Lebens in der DDR an. Die andauernde Vermarktung einer »Skandalgeschichte von Feigheit und Verrat«, die in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit stattfand, habe ungerechterweise den Unterschied verwischt zwischen diktatorischem System und einem Alltag der Menschen, in dem »doch g...

ndPlusTom Mustroph, Palermo

Vater? Mörder

Heute vor drei Jahren wurde in Corleone der Mafia-Boss Bernardo Provenzano gefasst. 43 Jahre einer durch Informanten und Gönner gut abgesicherten Flucht in Palästen, auf Yachten und in einer französischen Klinik waren in einer kleinen Schäferei am Rande von Provenzanos Geburtsort beendet worden. Die Polizei hatte einen großen Erfolg gefeiert, die Medien einen Sieg über die Mafia konstatiert. Die E...

Seite 15
Klaus Joachim Herrmann

Antworten

Für Polizisten in Berlin gelten Mindestgrößen: 1,60 Meter für Frauen und 1,65 Meter für Männer. Damit rangiere die Stadt bundesweit im Mittelfeld, informierte Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Die Voraussetzungen gelten für alle, Ausnahmen werden »nicht zugelassen«, zeigte er sich unerbittlich. Der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner hatte gefragt, ob deshalb »Migranten in der Berliner Polizei zu kurz«...

ndPlusCarsten Hübner

Republikaner hetzen gegen Dok-Zentrum

Der Ortsverband der Republikaner (REP) in Treptow-Köpenick fordert die Schließung des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide. Das geht aus einer Erklärung hervor, die auf der Internetseite der Partei veröffentlicht wurde. Darin heißt es in neonazistischer Diktion, die Einrichtung diene »Kommunisten und Holocaust-Industrie« allein dazu, dem deutschen Volk eine »Schuldknechtsch...

Peter Nowak

Kein Raum für Anarchie

Schon ein Blick in das Programmheft des von Karfreitag bis Ostermontag geplanten bundesweiten Anarchiekongresses hätte all jene beruhigen können, die Anarchie mit Chaos gleichsetzen. Es sollte über Themen wie eine anarchistisch inspirierte Vereinsgründung oder den Stellenwert von Anarchismus in der Postmoderne debattiert werden. Trotzdem hat die Leitung der Technischen Universität (TU), wo der Kon...

Wo die Gräber im Meer versinken ...
Gabi Kotlenko

Wo die Gräber im Meer versinken ...

»Wenn du dem Gedränge der Welt entfliehen willst; wenn du dich vergewissern willst, dass es auf der Erde einen Frühling und blühende Bäume gibt; wenn du dich den Sternen nähern willst ... gehe hin zur Insel der Ruhe!« So beschrieb der katalanische Gelehrte Santiago Rusinol (1861-1931) einst Mallorca – eine Insel, auf der Römer, Mauren und Christen ihre Spuren hinterlassen haben. Aber Jahrzeh...

Winterflut und Sommerdürre
ndPlusKevin Dürr

Winterflut und Sommerdürre

Steppe in Marienfelde, Dauerhitze im Sommer und faulig stinkende Badeseen könnten die Attraktionen der Hauptstadt im Jahre 2055 sein. Solche Bilder malt eine Studie, die das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zum Klimawandel in Berlin vorstellte. In den nächsten 46 Jahren soll die Temperatur in Berlin um durchschnittlich 2,5 Grad steigen. Tropische Sommer mit Dürreperioden stehen der ...

Seite 16
ND-Leser auf der schönsten Terrasse
ndPlusAndreas Fritsche

ND-Leser auf der schönsten Terrasse

Aus dem Lautsprecher dringt gedämpfte italienische Schlagermusik. Auf den Tischen stehen weiße Kerzen und Blumen, auf der Speisekarte Spaghetti Amaretto nach Art des Hauses mit Fleischspitzen und Champignons in Sahnesauce. Ein Kellner deckt ein. Es ist noch früh am Tag. Die ersten Gäste kommen aber schon bald. Draußen gehen Leute an der Wuhle spazieren oder führen ihre Hunde Gassi. Der Blick auf d...

»Wolln's noch oan Schluck?«
ndPlusHeidi Diehl

»Wolln's noch oan Schluck?«

Es gibt da in Wien einen Mann, dem bin ich total verfallen. Mit Wiener Charme und einer essigbesprühten Holland-Tomate hat er's geschafft. Mitten im Winter schmeckte die, wie eine Tomate eigentlich schmecken sollte. Dank des Essigs. Den hat er selbst gemacht, aus dem Saft sonnengereifter Tomaten. Auf gleiche Weise veredelte er mit Gurkenessig eine wässrige Salatgurke in einen Leckerbissen. Seitdem...

Seite 17
Die Lust an der Verschwendung
Tobias Riegel

Die Lust an der Verschwendung

Allein der riesige spartanische Raum ist eine Herausforderung. Grandios zu scheitern, ist hier immer eine lauernde Option. Muss man das überdimensionierte Quadrat, genannt Temporäre Kunsthalle, doch erst einmal sowohl konzeptionell als auch physisch füllen. Katharina Grosse, deren neue Ausstellung »Shadowbox« jetzt im »White Cube« am Schloßplatz eröffnet wurde, gelingt das auf beeindruckende Weise...

Morgens Sevilla, abends Groß Breesen
ndPlusChristina Matte

Morgens Sevilla, abends Groß Breesen

Herr Uhlmann ist in einem kleinen Hotel am Rande Reykjaviks abgestiegen. Der Empfangsraum macht einen leicht schäbigen Eindruck, wie auch das Zimmer, das man ihm zuwies – nur ein altes Bett, ein Sessel, ein Schrank und eine Schirmlampe stehen darin. Etwas mehr Gediegenheit hatte Herr Uhlmann sich ausgemalt, wenn auch keinen Luxus. Doch er, ein Ingenieur aus Leipzig, ist eine sparsame Natur, ...

Seite 18
ndPlusMarina Mai

Asylbewerber leben in Angst

Ein Mitbewohner versetzt die Asylbewerber im Heim An den Seefichten in Frankfurt (Oder) in Angst und Schrecken. Der Iraker ist dem Vernehmen nach psychisch krank und schon mehrfach gewalttätig geworden.Anfang März hatte er einen Kameruner und den Wachmann des Heims mit einem Messer bedroht und sich mit den beiden über Stunden in seinem Zimmer verbarrikadiert, so der Ausländerbeauftragte der Stadt ...

Peter Nowak

Ein Pionier der Videokunst

Im Zentrum der Stadt Bernau, nur wenige Minuten vom historischen Pulverturm entfernt, hat ein Museum der besonderen Art sein Domizil. Der Besucher wird mit ungewöhnlicher Kunst konfrontiert. An einer langen Wand sieht es so aus, als wäre gerade eine Ausstellung abgebaut worden. Aber der Eindruck täuscht. Es handelt sich um eine Installation, die den Staub zeigt, der sich an Rückseiten von Bildern ...

Seite 19
ndPlusIngolf Bossenz

Gottes Lamm an dürren Stätten

Was alle wissen, wird von allen vergessen; und gäbe es keine Nacht, wer wüsste noch, was Licht wäre! Friedrich Nietzsche Krise hin, Krise her, zu Ostern wird in Deutschland gebraten, geschmort und gegrillt, was Röhre und Rost hergeben. Das Ende der Fastenzeit spielt dabei in unserer säkularisierten Zeit eine eher untergeordnete Rolle. Nichtsdestotrotz sind die Essgewohnheiten an den christlichen F...

Seite 20

WochenChronik

8. April 1949: Die Unterzeichnung des Bersatzungsstatuts, mit dem sich die drei Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich noch Einspruchsrechte und Kontrollfunktionen vorbehalten, ebnet den Weg für die Gründung der Bundesrepublik Deutschland. 10. April 1889: Wider dem preußischen Zensurgesetz schreiben die Gründungsmitglieder der Freien Bühne in Berlin die Aufführung moderner, meist naturalist...

Martin Stolzenau

Petershagen

Es war Ritterkreuzträger Rudolf Petershagen zu danken, dass zu Ende des Krieges tausendfacher sinnloser Opfertod den ihm unterstellten Truppen sowie der Zivilbevölkerung in der geschichtsträchtigen Hanse- sowie Universitätsstadt Greifswald erspart blieb. Er war der Retter in der Not. Das trug ihm über seinen Tod vor 40 Jahren, am 13. April 1969, hinaus den Dank der Stadt und hohe Anerkennung in de...

ndPlusHermann Klenner

Da wurden Weiber zu Hyänen – meinte die schillernde Klassik

Das hat sich bisher noch niemand getraut: in einer vergleichenden Sozialgeschichte die intellektuelle wie die handgreifliche Beteiligung von Frauen an den neuzeitlichen Revolutionen zu beleuchten und sodann die unterschiedlichen Auswirkung dieser Umwälzungen auf die jeweilige Rechtsstellung des weiblichen Geschlechts zu bewerten. Mit solch einem Doppelvorhaben hat sich Diemut Majer, die zu Beginn ...

Mord an den Milites Christi
Gerhard Armanski

Mord an den Milites Christi

Gegen Ende des ersten Jahrzehnts des 14. Jahrhunderts wurde den Tempelrittern, den Kämpfern Christi, der Garaus gemacht. Die hatten zusammen mit dem Johanniter- und dem Deutschen Orden zu den Stoßtruppen der Christenheit im Kampf gegen die Muslime um das heilige Jerusalem gehört. Zu den Gelübden der Mönchsritter gehörte neben Keuschheit und Gehorsam gegen die Ordensoberen das beständige Streiten g...

Seite 21

Urtierchen mit Dauer-Ei?

Die Anfänge des Lebens auf der Erde liegen noch im Dunklen. Denn Fossilienfunde sind zumeist erst seit dem Cambrium, das vor 542 Millionen Jahren begann, vorhanden. Da es sich bei den Tier- und Pflanzenarten aus dem Cambrium bereits um relativ komplexe Lebewesen handelt, müsste es eigentlich primitive Vorfahren geben. Und tatsächlich finden sich bereits in den älteren Ablagerungen aus dem Ediacari...

Ausschwärmende Teilchen

Weinheim (ND). Ein Schwarm winziger Maschinen, die zielgerichtet durch die Blutbahn sausen und ein Organ reparieren oder einen Wirkstoff an seinem Zielort abliefern, Mikroroboter, die gemeinsam ein nanotechnologisches Bauteil zusammensetzen – mit solchen Science-Fiction-Visionen wurde die Nanotechnologie schon vor Jahren angepriesen. Bislang war davon wenig zu sehen. Forscher um Ayusman Sen ...

Sex für Fleisch
Walter Willems

Sex für Fleisch

Wenn Schimpansenmännchen nach der Jagd einen Teil ihrer Beute an Weibchen abtreten, verdoppeln sie ihren Paarungserfolg. Denn freilebende Schimpansinnen kopulieren wesentlich häufiger mit großzügigen als mit geizigen Jägern, wie die Primatenforscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie im Tai-Nationalpark an der Elfenbeinküste beobachteten. Offenbar wägen Schimpansen &...

Martin Koch

Angriff auf die Naturgesetze

Zu den spektakulärsten Entdeckungen des letzten Jahrhunderts gehört zweifellos die Suprafluidität. Darunter versteht man die exotische Eigenschaft einiger Flüssigkeiten, selbst bei extrem niedrigen Temperaturen nicht zu erstarren. Erstmals beobachtet und genauer untersucht hat dieses Phänomen 1937 der sowjetische Physiker Pjotr Kapitza. Als dieser Helium auf minus 270, 98 Grad Celsius (2,18 Kelvin...

Seite 22
Gute Arbeit – immer!

Gute Arbeit – immer!

Der Vorstand der Linkspartei hat den Entwurf für das Programm der Partei zur Bundestagswahl im Herbst zur Diskussion gestellt. Unter dem Titel »Konsequent sozial. Demokratisch. Friedlich.« werden darin die Grundzüge linker, sozialistischer Politik für die kommenden vier Jahre skizziert. Breiten Raum nimmt die Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise ein. ND dokumentiert auf dieser Seite gekürzt den Abschnitt zum Thema Gute Arbeit.

Seite 23
ndPlusSybille Oetliker, Tel Aviv

Modern, aufgeklärt und schmuddelig

Tel Aviv, einst Hochburg der zionistischen Staatsgründer, wird 100 Jahre alt. Heute ist es das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Israels. Uri Avnery (85), Zionist und Friedensaktivist, lebt seit mehr als 70 Jahren in der Stadt.

Die Zerlegung einer Atomruine
Harald Lachmann

Die Zerlegung einer Atomruine

Ein Außerirdischer? Der erste Blick in die abgeschirmte Wasserstrahlkabine lässt einen an diverse Science-Fiction-Filme denken. Doch der Mann im braunen Ove-rall, der über die Kapuze noch eine große Klarsichthaube gestülpt hat, leistet harte Arbeit. So hart wie der Wasserstrahl aus einer Spritzdüse, der mit 2000 bar auf ein Gussteil prallt. Akribisch reinigt er die Oberfläche des Metallstücks. Es ...