Ausgabe vom 09.07.2009

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Unten links

Man gebe die Worte »Verräter« und »Partei« bei Google ein, und es erscheint das Portal der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Der Schabernack eines Witzboldes? Oder hat die Parteilinke den Link geknüpft, um derart interne Kritik publik zu machen. Zweifellos hat die SPD die Robe des sozialen Anwaltes längst abgestreift, agiert nicht mehr als Beschützer der Armen, Schwachen, Entrechteten und ...

ndPlusMarion Pietrzok

Werkstattblick ins Berliner Schloss

Das Berliner Schloss, wiederaufzubauen nach dem Entwurf von Franco Stella – wie der Bundestag es vor acht Monaten beschloss –, ist ein Zankapfel allererster Güte. Um der Diskussion weiteres Futter zu geben, stellen jetzt die drei vorgesehenen Nutzer des Schlosses – Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Humboldt-Universität sowie Zentral- und Landesbibliothek Berlin – ihre Idee...

Kurt Stenger

Zahlenspiele

Es gehört zum kleinen Einmaleins der Klimapolitik: Die von der Industrialisierung verursachte Erderwärmung muss auf höchstens zwei Grad Celsius begrenzt werden, sollen die Folgen noch einigermaßen beherrschbar sein. Der Weltklimarat der UNO hat dies schon vor Jahren konstatiert.

G8 wollen weniger einheizen

Europäische Union und USA steckten beim Klimaschutz zusammen mit ihren Partnern der G8-Gruppe einen groben Rahmen ab, um weltweit die gefährlichen Treibhausgase zu vermindern.L'Aquila (Agenturen/ND). Im Entwurf der Abschlusserklärung des G8-Gipfels im italienischen L'Aquila stimmten die USA erstmals zu, die Erderwärmung im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begre...

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Nicht alle sind Separatisten

Berlin (dpa/ND). Die Uiguren in der chinesischen Unruheprovinz Xinjiang sind nach Expertenmeinung längst nicht alle Separatisten. Wie viele Menschen tatsächlich die Unabhängigkeit wollten, wisse wohl niemand, sagte Gudrun Wacker von der Berliner Stiftung Politik und Wissenschaft in einem Rundfunkinterview. Zwar habe es in den vergangenen Jahren immer wieder Proteste gegeben, meist aber aus sehr ko...

Umstrittene »Mutter der Uiguren«

Sie nennt sich »Tochter des uigurischen Volkes« und wird von vielen Landsleuten als »Mutter der Uiguren« zutiefst verehrt. Für die chinesische Führung ist die zierliche Frau mit den Zöpfen unter der Samtkappe eine »Separatistin« und »Terroristin«, ohne Mandat, für die Minderheit in der abgelegenen Region Xinjiang zu sprechen: Rebiya Kadeer, seit November Präsidentin des 2006 neu gegründeten Uiguri...

ndPlusWolfram Adolphi

Ein explosives Bündel von Problemen

Von Peking nach Ürümqi, der Hauptstadt des nordwestchinesischen Autonomen Gebietes Xinjiang-Uigur, ist es etwa so weit wie von Berlin nach Bagdad, der Hauptstadt Iraks – knapp 3800 Kilometer. Hier wie da geht es um einen Konflikt mit dem Islam. Der Unterschied: Berlin und Bagdad liegen in unterschiedlichen Staaten, Peking und Ürümqi hingegen nicht. In Irak haben die USA mit Unterstützung ein...

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»Der Krieg änderte mein Leben«
Karin Leukefeld, Damaskus

»Der Krieg änderte mein Leben«

Rund 1,2 Millionen irakische Flüchtlinge leben in Syrien. Der Bäckereibesitzer Sajid Arabaiye ist einer von ihnen. Im Gegensatz zu den meisten Flüchtlingen hat er aber Glück. Er bekam von den syrischen Behörden eine Arbeitserlaubnis – sein Geschäft läuft gut.

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Velten Schäfer, Schwerin

Nächster Anlauf für die ewige Reform

Nach bald zwölf Jahren Diskussion hat das Kabinett in Schwerin eine zweite Kreis- und Verwaltungsreform beschlossen. Die Frage ist nicht, ob der Landtag zustimmt, sondern ob das Gesetz vors Verfassungsgericht kommt – und wie dieses entscheidet.

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Grüne wollen wieder an die Macht

Berlin (dpa/ND). Mit einer Kampfansage an Union und FDP und der Aussicht auf eine Million neuer Jobs wollen die Grünen die Regierungsmacht zurückerobern. »Wir melden einen Gestaltungs- und Machtanspruch an«, sagte Spitzenkandidatin Renate Künast am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung der Kampagne für die Bundestagswahl. Der Störfall im Atomkraftwerk Krümmel trage dazu bei, den Wählern die Notwe...

Sozialverband und DGB: Rentenpolitik gescheitert

Hannover (epd/ND). Der Sozialverband Deutschland und der DGB fordern einen Umbau der Sozialsysteme. »Die Rentenpolitik der vergangenen Jahre ist gescheitert«, sagte der Präsident des Sozialverbandes, Adolf Bauer, am Mittwoch in Hannover. Zudem werde aufgrund der Wirtschaftskrise die Arbeitslosigkeit steigen: »Es gibt einen dringenden Handlungsbedarf, Sicherungslücken zu schließen.«Sozialverband un...

»Sauerland-Terroristen« packten jetzt aus

Düsseldorf (dpa/ND). Mit umfangreichen Geständnissen haben die sogenannten Sauerland-Terroristen die Justiz überrascht. Die Aussagen seien »sicher umfassender, als man zu Beginn dieser Vernehmungsprozedur erwarten konnte – deutlich mehr«, sagte der Vorsitzende Richter am Düsseldorfer Oberlandesgericht, Ottmar Breidling, am Mittwoch. Die vier Angeklagten sollen Bombenanschläge vorbereitet hab...

Günter Frech

Auch die FDP macht mit

Selbst die FDP ist im unlängst gegründeten Mitarbeiterbeirat des Bundestages vertreten. Das Gremium setzt sich fraktionsübergreifend zusammen und will für die Belange der 4600 persönlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der 612 Bundestagsabgeordneten streiten. Grundlage der neuen Mitarbeitervertretung ist die Kooperationsvereinbarung »Gemeinsam für Mitbestimmung im Bundestag«, die von Mitarbeite...

Atomenergie »nicht beherrschbar«

Die Panne im Atomkraftwerk Krümmel hat eine Debatte über die Sicherheit der deutschen Atommeiler ausgelöst. »Die prinzipiellen Risiken der Atomenergie sind nicht beherrschbar«, heißt es in einem Dossier des Bundesumweltministeriums im Internet.

Seite 6

Yudhoyono siegte in Indonesien

Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono (59) hat bei den Wahlen am Mittwoch einen deutlichen Sieg errungen. 

Seite 7
Julian Bartosz, Wroclaw

Suche nach der »dritten Kraft«

In Warschaus politischen Schwatzbuden wird derzeit ein Thema diskutiert, das längst überfällig war: Es geht um die sogenannte dritte Kraft.

Seite 8
ndPlusHans-Dieter Schütt

Kleist? Nein, nur K-Frage

Frank Plasberg wird das TV-Duell zwischen Merkel und Steinmeier moderieren. Damit ist die wichtigste Personalfrage des Wahlkampfes geklärt. Duell: Kanzler siegen inzwischen auf diese Weise. Es tut Not, sich zu erinnern. Ein Duell, das diesem Namen gerecht werden wollte, fand im Morgengrauen statt, nicht zu abendlichen Hauptsendezeiten. Und blieb ohne Auswertungsgeplapper, da es nur zwei klare Alte...

ndPlusUwe Sattler

Giftige Köder

Nun ist es offiziell: Am 2. Oktober wird in Irland ein zweites Mal über den Lissaboner Vertrag abgestimmt. Nach dem Nein vor einem Jahr erwartet Dublins Regierungschef Cowen nun »massive Zustimmung« – schließlich setzen die von der Krise besonders hart getroffenen Iren wieder auf die EU. Massiv allerdings war auch der Druck auf den Premier, sein Volk zur Räson zu bringen. Was praktisch eine ...

Grit Gernhardt

Energie für Milliarden

Sie hatten sich – zumindest vertraglich – die Welt so schön aufgeteilt: Die Energieriesen E.on und GDF bauten Mitte der 1970er gemeinsam eine Gas-Pipeline und vereinbarten dazu einen Kuhhandel. Der deutsche Konzern E.on, damals noch Ruhrgas AG, durfte kein durch die gemeinsame Leitung geflossenes Erdgas in Frankreich verkaufen, die französische Gaz de France verpflichtete sich zu ebens...

ndPlusMartin Ling

Mediator

Die wichtigste Voraussetzung für einen Vermittlungserfolg ist gegeben: Oscar Arias hat das Plazet aller relevanten Streitparteien. Sowohl der Putschpräsident Roberto Micheletti als auch der etatmäßige Präsident von Honduras, Manuel Zelaya, haben Arias fernmündlich ihre Zustimmung zu seinem Schlichtungsauftrag versichert. Geboren wurde diese Idee im Washingtoner State Department rund um Außenminist...

Die Grünen wählen – warum?

ND: Warum sollte man die Grünen wählen, wenn man beispielweise arbeitslos ist, Kriegsgegner oder die Deregulierung der Finanzmärkte falsch findet? Lemke: Wir stehen vor drei globalen Krisen – Klimakrise, Wirtschaftskrise und Hungerkrise. Die Grünen sind die einzige Partei, die diese im Zusammenhang sehen und lösen wollen. Ökologie und Ökonomie müssen ausgesöhnt werden, und eine friedliche Zu...

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Renate Parschau

Die Trauer und der Sanftmut

Nur diese neumodische Erziehung ist an der schlechten Laune unserer Kinder schuld«, klagt Mutter Olimpia, als Tochter Elmire schmollend, übellaunig und in sich gekehrt herumsitzt. Sie nörgelt an allem und jedem, verzweifelt aber vor allem an sich selbst. Gerade hat sie – nicht imstande, ihre wahren Gefühle zu zeigen – Erwin verprellt. Ihn, den einzigen aussichtsreichen Bewerber um ihre...

»Fernsehen hat seine eigenen Regeln«

Nach dem großen Theater um Marcel Reich-Ranicki und Elke Heidenreich soll beim ZDF in Sachen Literatur endlich Ruhe einkehren. Am 10. Juli, 22.30 Uhr, startet eine neue Sendung über aktuelle Bücher. Titel: »Die Vorleser«. Moderatoren sind Amelie Fried (50) und Ijoma Mangold (37). Mit Amelie Fried sprach Olaf Neumann.

Seite 10
ndPlusVolker Trauth

Spielspaß

Als Vorläufer vom absurden Theater Becketts und Ionescos sehen die Literaturwissenschaftler Oscar Wildes 1895 uraufgeführtes Stück »Bunbury oder Ernst sein ist wichtig«. Tatsächlich taucht im Text mehrfach das Wort »absurd« auf und seine Helden Jack und Alvergon erinnern an Becketts Vladimir und Estragon. Absurd kommt manche Unternehmung der Figuren daher: Beide Junggesellen haben sich eine zweite...

Hans-Dieter Schütt

ND im Club: Fühmann

Bei jeder Lesung, lächelt Gunnar Decker, stehe jemand auf und merke an, etwas im Buch zu vermissen. Themen, Fußnoten, Register, Wissenschaftlichkeit gar. Das Lächeln ist nicht Arroganz, sondern Bekenntnis zur Konsequenz. Die Biografie »Franz Fühmann. Die Kunst des Scheiterns« ( Hinstorff Verlag Rostock) ist erzählende Collage, ist Essay im besten Sinne. Am Mittwoch stellte der Autor das Buch im Ge...

Fruchtige Perspektiven
Volkmar Draeger

Fruchtige Perspektiven

Ungern arbeiten Choreografen der freien Szene nach vorgegebener Musik. Formale Kongruenz von Bewegung und Ton ist nicht ihr Fall. Doch diese Idee hat ihren Reiz: Drei Choreografien laufen zur selben Musik, am selben Platz, zur selben Zeit ... Einmal im Jahr suchen Gundula Peuthert ihre Görlitzer TanzTheaterCompany nach ungewöhnlichen Spielorten – so für das deutsch-polnische Projekt »Interfa...

Mittendrin und außen vor
ndPlusStefanie Stadel

Mittendrin und außen vor

Kein Thema, kein Drumherum, noch nicht einmal ein Stückchen Stoff, das sich über heikle Körperpartien legen könnte. Auf der Leinwand macht sich ausschließlich unverhüllte Schönheit breit – ganz selbstverständlich. Von rechts nach links: Schenkel, Scham, superschmale Taille, runde Brüste. 1917, als Amedeo Modigliani diese nackten Tatsachen in einer Pariser Galerie darbot, waren sie noch gut f...

Seite 11
STARporträt

STARporträt

Die französische Schauspielerin (Foto: dpa), geboren am 27. Mai 1964 in Saint-Maur-des-Fossés, gab ihr Schauspieldebüt bereits 1977 im Fernsehen und ein Jahr später im Kino (»Das Strandhotel«). Seitdem hat sie rund 80 Rollen gespielt und ist jetzt zum vierten Mal in einem Chabrol-Film zu sehen – als charmante und von ihrem Mann, »Kommissar Bellamy« (Gérard Depardieu), innig geliebte Frau. Na...

ndPlusAlexandra Exter

Über Grenzen

Von seiner Mutter Rosario blieben Carlitos nur ein Foto und die Erinnerung an glücklichere Tage. An seinen Vater hat Carlitos gar keine Erinnerungen. Doch Carlitos ist keine Waise. Nicht ein Unglücksfall trennt Carlitos von seinen Eltern, sondern ein Grenzzaun. Denn Carlitos lebt bei seiner Großmutter in Mexiko. Seine Eltern emigrierten illegal in die USA, auf der Suche nach dem besseren Leben. Ca...

Erste Leinwandstars
Caroline M. Buck

Erste Leinwandstars

Berlin, Cannes und Venedig mögen die bekanntesten Filmfeste der Welt sein, ihre Bären, Palmen und Löwen gleich nach den Oscars die begehrtesten Trophäen der Filmbranche. Die Idee des Filmfestes samt Preisverleihung ist aber sehr viel älter. Bereits vor rund 100 Jahren, im Oktober 1909, fand in Mailand das allererste Branchentreffen der Welt statt, ausgelobt von einer führenden italienischen Radio-...

ndPlusCaroline M. Buck

Stranguliert vom guten Ruf

Dies ist Stefan Pauls dritter Film über Ton Steine Scherben und ihren Frontmann Rio Reiser. Über die Deutschrock-Band, die in den Siebzigern und Achtzigern der linksalternativen Hausbesetzerszene zu sprachbildenden Hymnen mit Titeln wie »Keine Macht für niemand« oder »Macht kaputt, was Euch kaputt macht« verhalf. Im Gespräch mit Bandmitgliedern (u.a. R.P.S. Lanrue), Ex-Managern (Grünen-Politikerin...

Seite 12
Sabine Neubert

Land der Kiwis

Ingo Petz ist ein Weltvermesser. Aber nicht einer, der am Schreibtisch sitzt und in der Weltgeschichte stochert, und auch nicht einer, der sich bei »organisierten exklusiven Touri-Trips« die Wohlstandslangeweile vertreibt. Dazu ist er zu intelligent, zu arm und zu neugierig. Ingo Petz ist ein echter Globetrotter mit Rucksack und Wanderschuhen, mit Sprach- und allerlei Menschenkenntnissen, einer mä...

ndPlusWerner Jung

Sehen, staunen, schwärmen

Von einem anderen begnadeten Reiseschriftsteller, dem Saarländer Ludwig Harig, der einen ganzen Sack voller Geschichten über seine Reisen rund um den Globus mit nach Hause gebracht hat, stammt der Satz, dass nur der wirklich Boden- und Heimatstämmige in der Lage sei zu reisen, weil nur der wieder nach Hause kommen könne. Darin steckt der wahre Kern, dass jeder Reisende ein – mindestens perip...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Wundermeer

Hätten Sie Lust, auf dem Eis zu übernachten? Oder im Schneeregen einen steilen Hang emporzukraxeln? Ja? Dann wird Ihnen dieses Buch noch mehr Appetit auf solcherlei Abenteuer machen. Nein? Dann mag es Ihnen die Strapazen ersetzen. Slawnoje morje, swjaschtschennyj Bajkal – die ganze Zeit tönt nun schon das Lied in meinem Kopf, in dem ein Mann (ein flüchtiger Sträfling, stelle ich mir vor) das...

Seite 13
Andreas Herbst

Jennys Nachschlag

Dem vor acht Jahren erschienenen ersten Band ihrer Erinnerungen lässt Gerda Zorn, Jahrgang 1920, nun den zweiten folgen. Hatte sie zunächst von ihrem Leben in der Weimarer Republik, Nazi-Zeit und in der frühen DDR bis Mitte der 50er Jahre erzählt, so berichtet sie nun über ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Bundesrepublik Deutschland. Mit ihrem Freund Eule, der ihr einen Heiratsantrag machte, ...

Gerd Kaiser

Eine Zumutung

Die Aufzeichnungen Kazimierz Moczarskis wurden keineswegs im Mokotow-Gefängnis verfasst, wie es im Untertitel der Neuauflage heißt, sondern zwei Jahrzehnte später. Aus dem Gedächtnis hatte er 1971 seine Gespräche mit dem Henker Jürgen Stroop niedergeschreiben – ein einzigartiges Dokument. Moczarski teilte als zum Tode verurteilter politischer Häftling der polnischen Staatssicherheit über 255...

ndPlusFred Bruder

Von Moskau nach Albacete

Seit einem Monat gibt es auf dem Guernicaplatz an der Spanischen Allee in Berlin-Zehlendorf einen Aufsteller, der an den Krieg in Spanien vor sieben Jahrzehnten erinnert. Zugleich soll er einen korrigierenden Beitrag leisten, kontroverse Sichten auf die Schlachten 1936 bis 1939 auf der Iberischen Halbinsel gegenüberstellen. Die Erinnerung unterstützt auch eine kürzlich erschienene Schrift der Rosa...

ndPlusReiner Tosstorff

Die Entgrenzung von Gewalt

Der Begriff »europäischer Bürgerkrieg« für den Zeitraum vom Beginn des Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ist mit seiner Verwendung durch Ernst Nolte im bundesdeutschen Historikerstreit Ende der 80er Jahre etwas in Verruf gekommen. Mit apologetischem Beiklang wollte er damit die »asiatische Herausforderung« des bürgerlichen Europas in Gestalt der bolschewistischen Oktoberrevolution ausdrü...

Seite 14

Industrie rappelt sich langsam hoch

Berlin (dpa/ND). Das Produzierenden Gewerbe in Deutschland hat im Mai überraschend stark zugelegt. Im Vergleich zum Vormonat sei die Gesamtproduktion preis- und saisonbereinigt um 3,7 Prozent gestiegen, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch in Berlin mit. Im April hatte es noch einen Rückgang um 2,6 Prozent gegeben. Im Vergleich zum Vorjahresmonat nahm die Produktion im Mai allerding...

Staatsbank KfW verteuert Kredite

Berlin (AFP/ND). Die staatliche Förderbank KfW hat trotz Wirtschaftskrise die Kreditzinsen zuletzt teils erhöht. Ende Juni seien die Zinsen für verschiedene Förderkredite angehoben worden, sagte eine KfW-Sprecherin am Mittwoch. Dabei handle es sich um Unternehmensdarlehen mit langjähriger Laufzeit, die um 0,2 Prozent teurer wurden. Die Kreditzinsen für energieeffizientes Bauen seien je nach Laufze...

ndPlusVolker Stahl, Hamburg

Schnuckelig, leise und emissionsarm

Werden Flugzeuge irgendwann von Brennstoffzellen angetrieben? Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt arbeitet mit den Projektpartnern Lange Aviation, BASF Fuel Cells und Serenergy (Dänemark) sowie in enger Kooperation mit Airbus daran.

Zu wenig Geld im Gesundheitsfonds

Zu wenig Geld im Gesundheitsfonds

Einmal heißt es, die gesetzlichen Krankenkassen müssen bald Zusatzbeiträge erheben, ein anderes Mal werden den Mitgliedern Rückzahlungen versprochen. Weshalb das so ist, erklärte der Vorstandsvorsitzende der gemeinsamen Vertretung der Innungskrankenkassen (IKK e.V.), Hans-Jürgen Müller, ND-Mitarbeiterin Silvia Ottow. Der 53-jährige Gesellschaftswissenschaftler ist Verwaltungsratsvorsitzender der IKK gesund plus mit 325 000 Versicherten in Sachsen-Anhalt und Bremen. Die Kasse ist eine von 13 IKK, acht von ihnen gehören dem Verein an, der 2008 gegründet wurde.

Seite 15
Bolt wie der Blitz

Bolt wie der Blitz

Als sich das Feuerwerk im Nachthimmel krachend in tausend bunten Sternen entlud, fehlte eigentlich nur der Superstar. Doch der Jamaikaner Usain Bolt (Foto: dpa) war schon weg. Der dreifache Olympiasieger hatte seinen Job erledigt – und wie: 19,59 s über 200 m sind die viertschnellste jemals gelaufene Zeit. Der 22-Jährige rannte sie beim Super-Grand-Prix in Lausanne unter extremen Bedingungen...

Ausreißer gewinnt

Lance Armstrong legte bei seinem Angriff auf den Tour-Thron eine Pause ein, stattdessen sorgte Thomas Voeckler für den ersten französischen Sieg bei der 96. Tour de France. Der 30-Jährige vom Team Bouygues Telecom rettete nach 196,5 km von Le Cap d'Agde nach Perpignan einen Vorsprung von sieben Sekunden vor dem heranstürmenden Feld ins Ziel. Zweiter wurde der Russe Michail Ignatijew vor dem britis...

Magnus Carlsen macht ernst
Dagobert Kohlmeyer, Dortmund

Magnus Carlsen macht ernst

Magnus Carlsen machte von Beginn an klar, dass der Sieg in Dortmund nur über ihn führt. Zur Halbzeit des Schachturniers der Weltelite führte der 18-jährige Norweger mit einem halben Punkt vor den Favoriten Wladimir Kramnik (Russland) und Peter Leko (Ungarn). Carlsen hatte mit einem Sieg gegen den Russen Dmitri Jakowenko begonnen, dann dreimal Remis gespielt und zuletzt Lokalmatador Arkadij Naidits...

Wo Lance Armstrong einst zuhause war
ndPlusTom Mustroph, Girona

Wo Lance Armstrong einst zuhause war

Die Tour de France kommt zu Lance Armstrong nach Hause. Sie muss dabei nicht den großen Teich überqueren. Ein Abstecher nach Spanien reicht völlig. Die heutige sechste Etappe der Tour beginnt im nordspanischen Girona, nur wenige hundert Meter von Armstrongs einstigem Wohnsitz in der Calle Forca entfernt. Um die Verneigung vor dem alten und neuen Tour-Patron perfekt zu machen, fällt der offizielle ...

Mark Wolter

Kleckern, nicht klotzen

Vier Wochen sind es noch bis zum Start der neuen Bundesligasaison. Vier Wochen bleiben den Trainern, konditionelle und taktische Grundlagen zu legen und Spielzüge üben zu lassen – wenig Zeit für manchen Coach. Meistertrainer Felix Magath schimpfte erst am Wochenende nach einem Spiel gegen eine Freizeitauswahl über seinen neuen Kader bei Schalke 04 und seinen Vorgänger. Zu langsam seien die S...

Seite 17

Kreativer Aufruhr

Alle Welt redet von der Krise – nur aus dem Berliner Nachtleben hört man bis jetzt kaum Jammertöne aufgrund der wirtschaftlichen Not. Elektronische Musik in all ihren Spielarten boomt offenbar weiter und lockt die ausgeh- und feierhungrige Jugend aus London, Dublin oder Riga mit den Billigfliegern in die Stadt. Jedes Wochenende kommen so Zehntausende, um sich in das glamouröse Nachtleben zu ...

Das Konzept Vattenfall
Stefan Otto

Das Konzept Vattenfall

Während das störanfällige Atomkraftwerk Krümmel für Schlagzeilen sorgt und der Atomausstieg ein Wahlkampfthema ist, wird in Berlin das Energiekonzept von Vattenfall für die Hauptstadt diskutiert. Ausgerechnet Vattenfall. Der schwedische Konzern ist nicht nur der Betreiber des Pannenreaktors im schleswig-holsteinischen Geesthacht, sondern hat auch eine Monopolstellung für die Energieerzeugung in Be...

Klaus Joachim Herrmann

Abschwung bremst Aufschwung

In »gute Nachricht, schlechte Nachricht« teilte Wirtschaftssenator Harald Wolf gestern gemeinsam mit Arbeitssenatorin Heidi Knake-Werner (beide LINKE) die Vorstellung des Wirtschafts- und Arbeitsmarktberichtes 2008/2009. Ein »ausgesprochen erfreuliches Jahr« sei 2008 gewesen, verwies Wolf auf eine Steigerung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,6 Prozent. Damit sei das bundesweite Wachstum übertroffen worden.

Seite 18
Peter Kirschey

Steuergelder zu Drucksachen

Was wir schon immer wussten, aber nie auszusprechen wagten, muss nun endlich einmal gesagt werden: Unsere Volksvertreter rackern 48 Stunden am Tag, mit Witz, Ideenreichtum und Engagement, nur das Wohl des Bürgers im Blick.Einer von ihnen ist der CDU-Abgeordnete Heiko Melzer, der mit zwölf Kleinen Anfragen den Senat zwingen will, die ganze Wahrheit auf den Tisch zu legen. Unter dem Titel »Wie viele...

ndPlusMartin Kröger

Revolte der großen Allianz

Das Problem liegt direkt vor dem Fenster. Wenn Susanne Ohm den Blick von ihrem Balkon über den Osthafen schweifen lässt, kann die Mitbetreiberin des »Salon zur Wilden Renate«, der an der Elsenbrücke in Friedrichshain liegt, all die gläsernen Neubauten des Projekts »Mediaspree« einsehen. Dass die Hochhäuser den Blick verstellen, ist dabei jedoch das geringste Problem. Denn für Ohm stehen die Bauten...

Seite 23
In den Häfen zu Hause
ndPlusHansdieter Grünfeld

In den Häfen zu Hause

Die diesjährige Freiluft-Veranstaltungsreihe Wassermusik legt vom 9. bis 25. Juli an 3 Wochenenden den Schwerpunkt auf Musik aus den Hafenstädten der Karibik. Wie von selbst kommt da das 1829 erfundene Balgeninstrument Accordeon – eingedeutscht Akkordeon – mit ins Spiel. Denn Seeleute und Auswanderer wollten die geliebte Ziehharmonika bei Wind und Wetter, unter Palmen oder auf dem Weg ...

Lucía Tirado

Verwirrende Liebschaften

An vielen Orten in der Stadt wird Theater vor die Tür gesetzt. Im besten Sinne geschieht das nun auch in der Veteranenstraße in Mitte. Beim Acud-Theater kommt ab dem 9. Juli alles raus. Zum einen gibt es an allen Juliwochenenden Open-Air-Theater auf dem Hof des Kunsthauses. Zum anderen hält eine Komödie mit Gesang reichlich Überraschungen bereit. Das Theater Plan 7, ein seit dem Jahr 2000 bestehen...

Seite 24
Andreas Fritsche

Der mutige Nazi-Aussteiger

Er hat schon Angst beim Protest gegen Rechtsrock-Konzerte in Finowfurt, wenn die Gegendemonstration fotografiert wird. Schließlich ist der 24-Jährige ein Aussteiger aus der rechten Szene. Mit 14 hörte er mit Kumpels beim Schrauben am Moped selbst derartige Musik. Mit 19 stand er kurz davor, der NPD-Jugend beizutreten. Doch als er spürte, welchen Schreck er einem alten Freund mit aggressiv vorgetra...

ndPlusWilfried Neiße

»Antagonistisch komplementär«

Das Verhältnis zur Linkspartei nannte SPD-Landtagsfraktionschef Günter Baaske kürzlich »antagonistisch komplementär«. Dosierte Offerten in diese Richtung sind für ihn offenbar gleichzeitig ein wirkungsvolles Mittel, die CDU zu zügeln und gefügig zu halten.»Wenn Brandenburg in den vergangenen fünf Jahren nicht sozial gerechter geworden ist, dann hat das nicht an uns gelegen«, sagte Linksfraktionsch...

Ein Schweinestall als Festspielhaus
ndPlusAnselmus Schreck

Ein Schweinestall als Festspielhaus

Der Zug hat Verspätung. Seit sechs Stunden steckt Monostatos am Berliner Hauptbahnhof fest. »In dieser Zeit kommt man bis Amerika, nicht aber nach Klein Leppin«, ruft Christina Tast, nachdem sie am Telefon gerade erfahren hat, dass ein »Personenschaden« der Grund für die Verspätung sei. Wahrscheinlich hat sich mal wieder einer vor den Zug geworfen. Das kommt häufiger vor in der strukturschwachen P...