Ausgabe vom 10.07.2009

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Unten links

Josef Ackermann ist vom Bankenmagazin »euromoney« für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Er sei ein »vorausschauender Wortführer« des globalen Bankgewerbes. In seiner Dankesrede wiederholte der Vorstandschef der Deutschen Bank, was er seit einem dreiviertel Jahr gern öffentlich sagt: Die Banken müssten sich »ehrlich zu den Fehlern bekennen, die gemacht wurden«. Worin diese liegen, ist der Rede ...

ndPlusRené Heilig

Feiern für mehr

Lasst uns feiern! Hoch soll sie leben, die Demokratie, die den Erfolg der vielen Heide-Davids gegen den Bundes-Goliath möglich gemacht hat. So wird die nun bald militärfreie Kyritz-Ruppiner Heide immer ein Symbol sein für das, was viele erst in Wendezeiten gelernt haben – und was dann nur allzu schnell untergepflügt wurde. Wir sind das Volk! Es liegt nun an den Siegern, was aus dem Gebiet wi...

René Heilig

17 Jahre Kampf – die Heide ist frei!

Das Ruppiner Land ist überhaupt eins von den stillen in unsrer Provinz ... Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg »Das ist ein wunderschöner Tag!« Benedikt Schirge und seine Getreuen in der Bürgerinitiative FREIe HEIDe freuen sich über die so lang und schwer erkämpfte Einsicht der Bundesregierung. Deren Verteidigungsminister hatte am Donnerstagmittag verlauten lassen: Die Bundeswe...

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ndPlusMax Böhnel, New York

Anstandsbesuch mit Hintergedanken

In der Afrikapolitik der USA zeichnen sich unter dem neuen USA-Präsidenten Barack Obama bis dato nicht mehr als Akzentverschiebungen ab. Im Zentrum stehen nach wie vor Sicherheits- und Rohstoffinteressen. Die Ghana-Stippvisite kaschiert das nur unwesentlich.

Marc Engelhardt, Accra

Vorfreude auf Obama

Heute wird Barack Obama in Ghana erwartet: Es ist sein erster Besuch als US-Präsident südlich der Sahara. Das Land, von Obama als afrikanische Vorzeigedemokratie gefeiert, ist aus dem Häuschen – trotz wirtschaftlicher Probleme.

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ndPlusRoland Etzel, Shanghai

»Wir wollen nichts als Frieden«

Die Unruhen in der nordwestchinesischen Region Xinjiang sind auch dem Besucher im weit entfernten Shanghai nicht verborgen geblieben. Man erfuhr, was passiert war – sofern man sich dafür interessierte. Große Emotionen, wie vor einem Jahr bei den Unruhen in Tibet, scheinen die Ereignisse jedoch in der Bevölkerung nicht ausgelöst zu haben.

»2010 wird es kritisch«

Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Wirtschafts- und Finanzkrise voll auf den Arbeitsmarkt durchschlägt. Auf die Bundesagentur für Arbeit (BA) kommen damit weitere Milliardenlasten zu. Heinrich Alt, Mitglied im Vorstand der BA, hofft auf die Hilfe der Bundesregierung. Mit dem 59-Jährigen, der seit über 30 Jahren in der Arbeitsmarktpolitik tätig ist, sprach Grit Gernhardt.

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Andreas Fritsche

Der Pfarrer, der Sprecher, der Glückliche

Als der Theologe Benedikt Schirge 1990 mit seiner Familie von Ostberlin ins Pfarrhaus von Zühlen zog, ahnte er nicht, was ihn dort erwartete: Fast zwei Jahrzehnte Kampf um die friedliche Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide im Norden Brandenburgs. Zunächst wusste der evangelische Pfarrer nicht einmal, dass es in der Gegend einen riesigen Truppenübungsplatz gab, der zu dieser Zeit noch von den sowjeti...

»Fell erst verteilen, wenn der Bär erlegt ist«

ND: Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verzichtet auf den Ausbau der Kyritz-Ruppiner Heide zum größten Luft-Boden-Schießplatz der Bundeswehr. Haben Sie das erwartet oder mit weiterem Drängen der Bundeswehr gerechnet? Tackmann: Erwartet habe ich das nicht unbedingt. Ich habe es aber gehofft und empfand den Verzicht als längst überfällig. 17 Jahre Widerstand gegen das Militärprojekt ...

Andreas Fritsche

Zu Wasser und zu Land gegen Tiefflüge

Bereits die erste Demonstration in Schweinrich im August 1992 zählte 4500 Teilnehmer. Klein war die Bewegung für eine friedliche Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide nie, doch sie wurde im Laufe der Jahre immer breiter. Nun, da Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) den Verzicht verkündete, sind die Bombodrom-Gegner am Ziel.

ndPlusRené Heilig

Skandal? Stasis als Merkel-»Kugelfang«

Rund 17 000 ehemalige Mitarbeiter des vor 20 Jahren beseitigten DDR-Ministeriums für Staatssicherheit sind im öffentlichen Dienst geblieben. Sogar beim Bund sind einige in Lohn und Brot. Der alljährliche »Sommerskandal« macht wieder Schlagzeilen.

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Nach Flucht in London verhaftet

Berlin (dpa/ND). Nach Jahren der Flucht ist der mutmaßliche Treuhand-Betrüger Michael Rottmann in London festgesetzt worden. Der 66-Jährige sollte nach Berlin geflogen werden, wo ihn sein Strafprozess erwartet. Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte einen entsprechenden Bericht des »Berliner Kuriers«.Der frühere Manager der Deutschen Babcock AG soll Anfang der 90er Jahre das Ost-Berliner Unter...

Fabian Lambeck

Kein Gremium, kein Aktionsplan

Vertreter von sieben zivilgesellschaftlichen Organisationen kritisierten am Donnerstag die zögerliche Umsetzung der Antisemitismus-Resolution durch die Bundesregierung.

ndPlusMichael Scheuermann, Freiburg

»Brücken bauen« im Vergnügungspark

In einem Jugendcamp nahe Freiburg machen derzeit 32 junge Menschen aus dem Westjordanland, Israel, Serbien, Kosovo und Georgien eine seltene Art von Ferien. Abseits der Konfliktherde, in denen sie leben, treffen sie auf andere, die jeweils der »Gegenseite« angehören.

ndPlusMarian Krüger

Freie Fahrt für Finanz-Restmüll

Im Bundesrat steht heute das Bad-Bank-Gesetz zur Abstimmung. Banken sollen die Möglichkeit erhalten, Schrottpapiere aus den Bilanzen auszulagern.

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Obama plant Atom-Gipfel für 2010

L'Aquila (dpa/ND). US-Präsident Barack Obama will im März 2010 auf einem Atom-Gipfel in Washington Maßnahmen gegen die Weiterverbreitung von nuklearen Waffen vorantreiben. Vor allem der Nuklear-Terrorismus ist nach Überzeugung Obamas gegenwärtig »die unmittelbarste und extremste Bedrohung der globalen Sicherheit«, sagte der Stabschef des US-Sicherheitsrates, Mark Lippert, in L'Aquila am Rande des ...

Bundeswehr in Feuergefecht verwickelt

Im Nordosten Afghanistans ist ein deutscher Konvoi in ein Feuergefecht verwickelt worden. Bei dem blutigsten Anschlag in Afghanistan seit Jahresbeginn sind am Donnerstag südlich der Hauptstadt Kabul mindestens 25 Menschen getötet worden.

Karin Leukefeld, Damaskus

»Westen respektiert uns nicht«

Der Mord an der Ägypterin Marwa Sherbini (31) in Dresden am 1. Juli hat in Ägypten und in den arabischen Medien zu scharfen Reaktionen gegen Deutschland geführt.

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Hannes Hofbauer, Wien

Kein Licht am Ende des Tunnels

Anlässlich ihrer halbjährlichen Pressekonferenz haben die Forscher des »Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche« (WIIW) davor gewarnt, den steilen Abschwung in Osteuropa als demnächst überwunden zu betrachten.

Europas Pflicht
André Brie

Europas Pflicht

Es war eine Premiere in Berlin: Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wurde am Montag an deutsche Soldaten eine »Tapferkeitsmedaille« verliehen. Symbolisch ausgezeichnet wurden mit dem Ehrenzeichen, das entsetzlich an das Eiserne Kreuz erinnert, vier in Afghanistan eingesetzte Soldaten. Sie hatten im vergangenen Herbst nach einem Anschlag bei Kundus versucht, Menschen zu retten. Natürlich verdient e...

ndPlusKay Wagner, Brüssel

Gute Absichten – aber falsche Maßnahmen?

Die EU möchte europaweit die Stellung von Frauen im Berufsleben verbessern. Ihre Pläne stoßen in Deutschland jedoch auf breite Kritik, sogar bei den betroffenen Frauen selbst.

Seite 8
Dieter Janke

Zurück auf Los!

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, pflegen Pessimisten zu erklären, wenn nach Zeiten der Hiobsbotschaften erste Silberstreifen am Horizont erkennbar sind. Aber sie kündigt ihn an!, halten Berufsoptimisten dagegen. Zu Letzteren zählen zweifellos die hiesigen Konjunkturforscher, die mehrheitlich von der Wirtschaftskrise völlig überrascht wurden. Nunmehr nehmen sie erste Zeichen, die auf die erh...

Wolfgang Hübner

Ein bisschen Grusel

Das große Sommertheater dieser Tage läuft unter dem Titel »Die Stasi ist unter uns«. Kein Wunder: Wir haben ein Supergedenkjahr plus Bundestagswahl, und da braucht man auch ein bisschen Supergrusel. Dafür ist das MfS immer noch gut; auf Genauigkeit kommt es nicht so sehr an. Hauptsache Gänsehaut. Über 17 000 einstige MfS-Mitarbeiter sollen im öffentlichen Dienst der neuen Bundesländer tätig sein, ...

ndPlusOlaf Standke

Gipfel-Rezepte

Das politische Menü beim Abendessen auf dem G 8-Gipfel in L'Aquila wurde vom Thema Iran beherrscht. Und USA-Präsident Barack Obama präsentierte den anwesenden Staats- und Regierungschefs auch ein weiteres Rezept gegen die vermeintlichen Atomwaffenpläne Teherans: Ein Sondergipfel zur globalen nuklearen Sicherheit im Frühjahr nächsten Jahres in Washington, mit den politische Spitzen aus bis zu 30 St...

ndPlusH.-D. Schütt

Querfeldein

Er ist nicht festlegbar. Links und Rechts gelten ihm als Standorte einer geistigen Absicherung, die Denken kanonisiert, zweckdienlich einschränkt – und Sprache also nur adressiert, statt sie laufen zu lassen ins Offene. Er sagt von sich, viele Meinungen hätten in ihm Platz – es ist kein Makel, heute den Urteilen von gestern zu widersprechen. Man muss sich nur erlauben, den eigenen Über...

Managergehälter kaum gebändigt
ndPlusRudolf Hickel

Managergehälter kaum gebändigt

Die Empörung über die Super-Managergehälter ist nicht nur in der jüngsten Krise, in der Lohn- und Jobverluste an der Tagesordnung sind, groß. Die krampfhafte Rechtfertigung mit dem Prinzip leistungsorientierter Entlohnung löst nur noch Spott und Hohn aus. Wie soll schließlich erklärt werden, dass einige Spitzenmanager in DAX-Unternehmen das 40fache des durchschnittlichen Arbeitseinkommens eines Vo...

Seite 9

»Unser Irrtum«

Martin Walser hat einen Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben, die Hamburger »Zeit« druckt ihn in ihrer dieswöchigen Ausgabe. Als »mitfühlender Zeitgenosse« kann er nicht mehr mit ansehen, wie mehr und mehr deutsche Soldaten in Afghanistan »Kriegführung« betreiben müssen; die Zeile von der Verteidigung unserer Sicherheit am Hindukusch gehöre ins »Pop-Fach«. Er bittet um eine »...

Matthias Kröner

Auf keinen Fall Unterhaltung

Im Nachwort zum »Jahrbuch der Lyrik 2008« (S. Fischer Verlag) beschwert sich der ewige Herausgeber Christoph Buchwald über einen Journalistent, der unter anderem behauptete, dass immer die gleichen Autoren gedruckt würden. Eine Erbsenzählerei hat ergeben: Knapp 43 Prozent der »alten« Autoren sind auch in der 2009er-Ausgabe. Der FAZ-Journalist lag also so falsch nicht. Was aber heißt das? Sind die ...

Marion Pietrzok

Hart im Raume stoßen sich die Sachen

Es ist keine Schande, sich im Hochgebirge zu versteigen, und so müsste auch das derzeit bedeutendste kulturelle Bauvorhaben der Bundesrepublik, das Berliner Schloss, dessen Wiedererrichtung per Bundestagsbeschluss avisiert ist, durchaus noch einmal grundsätzlich zur Debatte stehen dürfen. Es geht schließlich ums Zentrum der Nation – als nichts Geringeres wird Berlins mittigste Mitte, der Sch...

Seite 10

Bildungssplitter

Berlin (ND-Nowak). Am zu Beginn dieser Woche veranstalteten Runden Tisch zu den Problemen bei der Umsetzung der Bologna-Reform hat sich teils heftige studentische Kritik entzündet. Auf Einladung von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatten sich neben Vertretern der Hochschulen, der Kultusministerkonferenz sowie des Deutschen Studentenwerks und der Parteien Studierendenvertreter beteil...

Mehr als Nadelstiche gegen Zöllner
ndPlusJürgen Amendt

Mehr als Nadelstiche gegen Zöllner

Eigentlich wollte Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) sein Meisterwerk schon vor wenigen Tagen in trockenen Tüchern haben. Doch seine Schulreform muss noch ein wenig durch die Koalitionsmühle gedreht werden. Überraschend wurde die Abstimmung im rot-roten Senat über den Gesetzentwurf Zöllners, der u. a. die Einführung eines zweigliedrigen Schulsystems aus Sekundarschule und Gymnasium ab de...

ndPlusMarianne Walz

»Peter Petersen war Antisemit«

Der Jenaer Pädagoge Peter Petersen gilt als einer der prominentesten Vertreter der Reformpädagogik in Deutschland. Ein neues Buch wirft jedoch ein anderes Licht auf den 1952 verstorbenen Pädagogen, nach dem heute zahlreiche Schulen benannt sind. Petersen soll sich offen für die NS-Ideologie eingesetzt und antisemitisch-rassistische Positionen vertreten haben. Anfang der Woche präsentierte der Autor Benjamin Ortmeyer sein Buch in Frankfurt am Main.

Harald Neuber

Missionare auf Staatskosten

Nach dem Mord an zwei Bibelschülerinnen im Nordjemen ist die Trauer groß. Rita Stumpp (26) und Anita Grünwald (24) waren Mitte Juni von Unbekannten in der nordjemenitischen Provinz Sa´ada erschossen worden. Ermordet wurde auch eine südkoreanische Missionarin. Durch den Mord wurde bekannt, dass in Deutschland mehrere der umstrittenen Missionarsschulen mit Steuergeldern gefördert und die Ausbildung durch das BAföG finanziert wird.

Seite 11

Ölkonzerne weiter an der Spitze

Washington (AFP/ND). Chinesische Konzerne mischen einer Studie zufolge zunehmend an der Spitze der Weltwirtschaft mit. Zu den 500 umsatzstärksten Unternehmen gehörten im vergangenen Jahr 37 Konzerne aus der Volksrepublik und damit so viele wie nie zuvor, wie das US-Wirtschaftsmagazin »Fortune« am Mittwoch berichtete. Laut der Rangliste »Fortune 500« schrumpfte der Anteil der US-Firmen angesichts d...

Pipeline mit Kalilauge bis zur Nordsee?

Kassel/Unterbreizbach (dpa/ND). Nach mehr als drei Jahren scheint der heftige Streit um die Einleitung von Salz aus der Kaliförderung in die Werra beigelegt. »Ich gehe fest davon aus, dass die Nordseepipeline kommt. Der Disput wäre dann beigelegt«, sagte der Vorsitzende des Runden Tisches zur Reinhaltung von Werra und Weser, Hans Brinckmann, am Donnerstag. Die Pipeline zur Nordsee oder zur Unterwe...

ndPlusSusann Witt-Stahl, Hamburg

Quittung für Investitionspolitik

Vattenfall klagt gegen Umweltauflagen für den Betrieb des Kohlekraftwerks Hamburg-Moorburg. Sollte der Energiekonzern gewinnen, drohen fatale Folgen für die Klimaschutzpolitik.

Verharren in der Talsohle

Gewerkschaftsnahe Ökonomen sehen wegen der langfristig drohenden Konjunkturschwäche die Politik gefordert.

Simone Schmollack

»Männer sind einfach blöd«

In der Veranstaltungsreihe »Gender is Happening« der Heinrich-Böll-Stiftung kamen auch Herren zu Wort.

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Herkunft zählt bei Studienentscheidung

Forscher beobachten einen rückläufigen Trend bei den Studierquoten in Deutschland. Bei den Akademikerkindern mit Hochschulreife sei die Quote zwischen 2002 und 2006 von 82 auf 75 Prozent zurückgangen, bei den Studienberechtigten aus Nicht-Akademiker-Haushalten von 67 auf 59 Prozent, heißt es in einem Gutachten im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung. Die Studierneigung werde von vielen Ursachen beein...

Ringo Bischoff, Bundesjugendsekretär ver.di

Eigentum verpflichtet

Die Grüne Priska Hinz fordert, mehr Ausbildungsplätze nach dem dualen Prinzip zu schaffen. Dazu will ihre Partei überbetriebliche Ausbildungsstätten »als dritten Lernort neben Berufsschule und Betrieb« einrichten In vielem stimmen wir als ver.di-Jugend mit Priska Hinz überein. Und es gibt Unterschiede. Unsere Forderung leitet sich aus dem Grundgesetz ab: »Eigentum verpflichtet.« Wir fordern die Um...

ndPlusPeter Nowak

Schwierige Solidarität

Warum soll man heute ein Buch lesen, das über einen Streik in Mexiko handelt, der schon 2005 zu Ende ging? Die Antwort fällt so schwer wie leicht: Eine andere Gewerkschaftspolitik, so wird darin aufgezeigt, ist möglich.

Weitere Kita-Streiks nach den Sommerferien?

Weitere Kita-Streiks nach den Sommerferien?

Achim Meerkamp ist Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und Verhandlungsführer der Gewerkschaft im Kita-Streit. Die nächste Tarifrunde mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) ist für den 16. und 17. Juli in Frankfurt am Main angesetzt. Mit ihm sprach Ina Beyer.

Seite 13

Bewegungsmelder

Proteste gegen G8 in Italien (ND). Nach Angaben der Webseite gipfelsoli.org haben im Rahmen der Proteste gegen den G8-Gipfel in L'Aquila gestern Aktivisten symbolisch eine Palazzina in Pettina (L'Aquila) besetzt. Sie forderten ein Recht auf Wohnraum für alle, das einschließt, unvermietete Häuser zu beschlagnahmen. Am Mittwoch besetzten Studenten ein leerstehendes Gebäude in Rom, um daraus ein Stud...

Peter Nowak

»Kritische Öffentlichkeit ist dringend nötig«

Seit über einem Jahr läuft vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart-Stammheim ein Strafverfahren nach dem neuen Paragraphen 129b gegen fünf mutmaßliche Mitglieder der verbotenen türkischen Untergrundorganisation DHKP-C. Beobachter eines Prozesstages schilderten in Stuttgart ihre Beobachtungen

ndPlusTim Zülch

Aneinander vorbei

Manchmal hat man das Gefühl, als wiederhole sich die Geschichte. Eine rosarote Broschüre liegt auf meinem Tisch. »Den Faden weiterspinnen« ist der Titel. Darin: »Erfahrungen des Internationalen Frauenplenums W.-Berlin 1988 bis 1991«. Eine Aufarbeitung der Diskussionsprozesse einer Gruppe Frauen aus verschiedenen Ländern. Beim Lesen wird klar: Fallstricke, Missverständnisse, unterschiedliche Ausgan...

Seite 14

Streitfrage: Welche Zukunft hat Afghanistan – nach dem Abzug der NATO-Truppen?

Es debattieren: Dr. Matin Baraki, Jahrgang 1947, in Afghanistan geboren, lehrt internationale Politik am Institut für Politische Wissenschaften, am Zentrum Naher und Mittlerer Osten und am Zentrum für Konfliktforschung an der Philipps-Universität Marburg und Thomas Gebauer, Jahrgang 1955, Diplom-Psychologe und seit 1996 Geschäftsführer der sozialmedizinischen Hilfs- und Menschenrechtsorganisation ...

Höchste Zeit zur Umkehr
ndPlusThomas Gebauer

Höchste Zeit zur Umkehr

Acht Jahre nach Beginn des Militäreinsatzes ist der Frieden in Afghanistan in weite Ferne gerückt. In allen Landesteilen eskaliert der Krieg. Seine Leidtragenden sind diejenigen, in deren Namen die Intervention 2001 öffentlich begründet wurde. Auf alarmierende Weise ist die Zahl der zivilen Opfer bereits angestiegen. Mit jeder Bombe, die heute fällt, stirbt auch die Hoffnung auf Wiederaufbau und E...

Wer A sagt, der muss nicht B sagen
Matin Baraki

Wer A sagt, der muss nicht B sagen

Es ist nicht neu, dass die Besatzer und ihre Apologeten für ihre militärische Präsenz am Hindukusch und ihren Krieg eine Legitimation suchen. Schon die Kolonialmächte wollten angeblich die »unterentwickelten« Völker kultivieren, später sollten die christlichen Missionare geschützt werden und dann die europäischen Händler. So versteckten sie ihre wahren Absichten. In Afghanistan sollten die zuv...

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Potsdamerin vorneweg

Die viermalige Kanurennsport-Olympiasiegerin Katrin Wagner-Augustin ist mit einem Sieg in die deutschen Meisterschaften auf dem Brandenburger Beetzsee gestartet. Die Potsdamerin, die an gleicher Stelle unlängst zweifache Europameisterin geworden war, gewann ihren Vorlauf im nichtolympischen Einerkajak über 1000 m vor Frederike Leue (Magdeburg) und qualifizierte sich direkt für das Finale. In den a...

»Lance ist absolut transparent«

WJATSCHESLAW JEKIMOW ist zweifacher Rad-Olympiasieger. Lance Armstrong begleitete der Russe zu fünf Siegen bei der Tour der France. Jetzt ist er sportlicher Leiter bei dessen Team Astana. Er gab TOM MUSTROPH Auskunft über die jetzige Situation im Team.

ndPlusMark Wolter

Fußballfest als Dankeschön

Shergo Biran sorgte für den passenden Schlusspunkt. Mit dem Abpfiff erzielte der Stürmer des 1. FC Union Berlin das viel umjubelte dritte Tor gegen den Stadtrivalen Hertha BSC. Zum Sieg reichte das für die Köpenicker am Mittwochabend beim 3:5 gegen die Bundesligagäste zwar nicht, gefeiert aber wurde trotzdem – die Rückkehr in die neue Alte Försterei. »Das war ein tolles Fußballfest«, freute ...

Seite 17

Lieber Radwege

Der Verkehrssicherheitsbericht 2009 zieht »ernüchternde« Bilanz, und Senatorin Ingeborg Junge-Reyer wirbt ein weiteres Mal für die umstrittene Verlängerung der A 100: Der Lkw- und Pkw-Verkehr verschwände dann aus den Wohngebieten im Südosten und die Unfallzahlen sänken. Abgesehen davon, dass man mit dem Bau neuer Straßen nicht weniger, sondern mehr Verkehr produziert, ist dem stetig wachsenden Hee...

S-Bahn setzt Signal auf Entschädigung

S-Bahn setzt Signal auf Entschädigung

(dpa/ND). Die S-Bahn will ihre Stammkunden für die noch bis in den Herbst dauernden Ausfälle und Verspätungen entschädigen. Abonnenten und Besitzer von Jahreskarten sollen im Dezember einen Monat lang umsonst fahren, kündigte Ulrich Homburg, bei der Bahn als Vorstandsmitglied für den Personenverkehr zuständig, am Donnerstag an. Die genaue Form des Ausgleichs soll noch geregelt werden. Homburg bezi...

ndPlusMartin Kröger

Praktischer Klimaschutz für alle

Das Vorbild kommt aus Barcelona. Ein grüner Stadtrat entwickelte dort im Jahr 2000 ein Modell, mit dem er quasi im Alleingang die solare Wende in der katalonischen Metropole durchsetzte. Getreu diesem Paradebeispiel machten sich auch die Berliner Grüne-Fraktionsvorsitzende Franziska Eichstädt-Bohlig und die Landesvorsitzende Irmgard Franke-Dressler vor einiger Zeit auf den Weg, um Bündnispartner f...

Seite 18

Unfallbilanz ernüchternd

(ND-Meyer). Rentner über 74 Jahre und Kinder werden im Berliner Straßenverkehr am häufigsten verletzt. Das geht aus dem Verkehrssicherheitsbericht 2009 des Verkehrsforums hervor, dessen endgültige Fassung gestern vorgestellt wurde. 2008 wurden danach 55 Menschen im Straßenverkehr getötet, gegenüber 56 Personen 2007 und 74 im Jahr 2006. Die Zahl der verunglückten Autofahrer sank zwischen 2006 und 2...

Lottchens Museum aufgemöbelt
ndPlusSteffi Bey

Lottchens Museum aufgemöbelt

Das Muffige ist verschwunden: Dieser feuchte Geruch, der immer allgegenwärtig war. Jeder Besucher spürte das und auch die vielen Ausstellungsstücke mussten die schlechte Raumluft ertragen. Aber jetzt ist davon nichts mehr zu bemerken. Denn das Gutshaus Mahlsdorf, das Europas größte Gründerzeitsammlung beherbergt, ist vollständig saniert. Dank großzügiger Spenden der Lottostiftung (600 000 Euro) un...

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Rasanter Rollentausch
ndPlusAnouk Meyer

Rasanter Rollentausch

Erst mal sieht der Zuschauer rot. In Hellrot, Dunkelrot, hie und da ein wenig Schwarz sind die Kostüme gehalten. Rot dominiert auch das schlichte Bühnenbild, das im wesentlichen aus drei Stellwänden und ein paar Stühlen besteht. Mehr braucht die Shakespeare Company Berlin auch nicht: Mit viel Spielfreude und jeder Menge Stimm- und Körpereinsatz zeigt die Truppe den Klassiker »Die Zähmung der Wider...

Klangnetz und Geschichtslektion
Volkmar Draeger

Klangnetz und Geschichtslektion

Feine Ohren braucht man und leise auftretende Mitbesucher, will man erfahren, was die Singuhr-Hörgalerie in der diesjährigen, zweiten Ausstellungssaison im Wasserspeicher in Prenzlauer Berg installiert hat. Besonders trifft das auf den großen Wasserspeicher in der Belforter Straße zu. Dort sucht der amerikanische Künstler Terry Fox einen Bezug zwischen der Gewölbearchitektur mit ihren konzentrisch...

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ndPlusPeter Jähnel, dpa

Abkommen für die Sorben ist kein Fest

Der Brandenburger Sorbenrat hat die fehlende Beteiligung der Minderheit am unterschriftsreifen Finanzierungsabkommen für die Stiftung für das sorbische Volk bemängelt. »Dieses Abkommen wurde nur vom Bund und den Ländern Sachsen und Brandenburg verhandelt«, sagte Harald Konzack, Vorsitzender des Rates für sorbische/wendische Angelegenheiten beim Potsdamer Landtag. »Deshalb sind dort einige unserer ...

Das Ei des Cottbusverkehrs
Klaus Muche

Das Ei des Cottbusverkehrs

Als die Stadtverordneten ihren Beschluss gefasst hatten, als sie mit einem Federstrich die Cottbuser Straßenbahn um drei Kilometer verkürzt und um sieben Haltestellen erleichtert hatten, rief von der Besuchertribüne ein Mann empört: »Wir sind das Volk.« Und ein Ei schlug dicht neben Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) aufs Parkett. Niemand wurde verletzt, ein Bekennerschreiben gibt es nicht. V...