Ausgabe vom 11.07.2009

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Unten links

Eine Kuhherde marschierte dieser Tage eigenmächtig durch Schönefeld im Kreis Teltow-Fläming. Die von einer Anwohnerin alarmierte Polizei trieb die 40 Tiere zurück auf eine Koppel. Wohin die Herde unterwegs war, blieb unklar. Vermutlich wollte sie aber nach Frankreich. Dort nämlich gibt es ein neues Geschäftsmodell: Makler bieten Kühe als sichere Anlageform mit guten Renditen an. Welches deutsche R...

G8 hat ausgedient

Mit Hilfszusagen für die Bekämpfung des Hungers in der Welt ist am Freitag der G8-Gipfel in L'Aquila zu Ende gegangen. Künftig soll der Kreis über acht Länder hinaus erweitert werden. Begleitet von einem starken Aufgebot an Sicherheitskräften demonstrierten Tausende gegen den Gipfel.

Eintopf und Ehrenkreuz
Otto Köhler

Eintopf und Ehrenkreuz

Süß und ehrenvoll ist es, wenn die Heimat für die Bundeswehr stirbt. Zynisch? Rudolf Augstein sagte schon vor sechzehn Jahren: »Kein Zyniker zu sein, ist in heutiger Zeit nahezu lebensgefährlich.« Nahezu war gestern. Heute wird die Freiheit der Bundeswehr am Hindukusch verteidigt. Und wir in der Heimat, ob Mann, ob Frau, ob Kind, sind Geiseln, damit sich die deutsche Wehr-Macht im globalen Einsatz...

Wachsende Hoffnung auf Modell Freie Heide
René Heilig

Wachsende Hoffnung auf Modell Freie Heide

Während man rings um die Kyritz-Ruppiner-Heide den Sieg über die Bombodrom-Pläne der Bundesregierung feiert, wächst an den beiden verbleibenden Luft-Boden-Übungsplätze in Nordhorn und Siegenburg das Verlangen, dem »Freie-Heide-Modell« zu folgen.

Seite 2
ndPlusSteffen Twardowski

Bürger beharren auf Atomausstieg

Mit der Diskussion über die Störungen im Atomkraftwerk Krümmel rücken energiepolitische Alternativen auf der Tagesordnung weiter nach vorn. Wie eine Umfrage von TNS Emnid aus dieser Woche zeigt, fällt die Zustimmung zur Forderung, am Atomausstieg bis zum Jahr 2020 festzuhalten, etwas deutlicher als vor einem Jahr aus. Nun schließen sich 58 Prozent diesem Plan an, 2008 waren es 53 Prozent. Ost und ...

Andreas Fritsche

Strahlende Zukunft ohne Reaktor

Es sei möglich, Atomkraftwerke abzureißen, ohne die Gesundheit der Menschen und die Umwelt zu gefährden, versichert Dieter Rittscher, Geschäftsführer der Energiewerke Nord. Als Beweis legte seine Firma jetzt ein Buch zur Demontage des Kernkraftwerkes Rheinsberg vor.

Trügerische Beschaulichkeit am Meiler
Dieter Hanisch, Geesthacht

Trügerische Beschaulichkeit am Meiler

Krümmel ist in aller Munde. Das neuerliche Abschalten nach nur einigen Tagen Betrieb hat den Meiler zum Zankapfel der Großen Koalition werden lassen. Doch auch in der nächsten Umgebung des Meilers sind die Meinungen geteilt.

Seite 3
Diese Nähe zum Tod
Velten Schäfer

Diese Nähe zum Tod

Der G8-Gipfel in Italien ist zu Ende – während Opfer der Polizeigewalt vom Gipfel 2001 in Genua noch immer nicht mit dem Erlebten abschließen können. Nicht nur, weil zugesagte Entschädigungen ausbleiben.

ndPlusRainer Funke

Die »Psychobullen«

In der Hauptstadt hat es am diesjährigen 1. Mai wieder Gewalt gegeben, mehr als in den Jahren zuvor. Haben die viel gerühmten Anti-Konflikt-Teams versagt? Seit 1969 in der Berliner Polizei ein Diskussionskommando (Diskkdo) alias »Gruppe 47« gebildet wurde, das mit der Macht des Wortes Gewalt bei Demos eindämmen sollte, ist viel Wasser die Spree hinunter geflossen. Wer redet, wirft keine Steine, hieß es damals. Dieses Thema war am Donnerstagabend Gegenstand einer Debatte in Räumen der Polizeihistorischen Sammlung an Berlins Platz der Luftbrücke.

Seite 4
Uwe Kalbe

FDP unter Terrorverdacht

Wenn es einen Sieger gibt nach den gestrigen Entscheidungen des Bundesrates gegen den Terrorismus, dann ist es der Terrorismus. Die Destabilisierung des Systems habe er im Sinn, heißt es seit Jahren, die Erschütterung des Rechtsstaats. Da hätte sich Osama Bin Laden noch so anstrengen können – erfolgreicher als der deutsche Gesetzgeber hätte er auch nicht sägen können an den Grundfesten der D...

Oliver Händler

Das Gesicht

Wer schön ist, wird gern benutzt. Katarina Witt ist ohne Frage schön. Sie wurde zum Aushängeschild der DDR erkoren, zum »schönsten Gesicht des Sozialismus«. Das galt vor allem im Osten, und wurde ihr im Westen vorgeworfen. Nun soll ihr Gesicht dem Süden helfen, genauer gesagt den Münchnern. Als Aushängeschild der dortigen Olympiabewerbung soll Witt die Winterspiele 2018 in die bayerische Metropole...

ndPlusMartin Ling

Die Zeichen der Zeit

Nur auf den ersten Blick haben die G8-Staaten die Zeichen der Zeit erkannt. Selbst die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, die noch 2007 in Heiligendamm mit dem Verweis auf eine ominöse Wertegemeinschaft einer Ausdehnung des exklusiven Staatenklubs eine Absage erteilte, spricht nun davon, dass kein Weg mehr an den G20 vorbeiführt

Atomtransporte durch Hamburg?

ND: Bereits in der Vergangenheit gab es Vermutungen, dass die Stadt Hamburg ein Umschlagplatz für Atomtransporte sein könnte. Eine große Anfrage der Bürgerschaftsfraktion DIE LINKE an den Hamburger Senat bestätigte dies jetzt. Was genau wird transportiert? Storim: Hamburg ist eine Drehscheibe zur Ver- und Entsorgung der Atomkraftwerke im internationalen Atomgeschäft: Uranoxide, das extrem giftige ...

Seite 5
Hamburger Haar in der Suppe
Volker Stahl

Hamburger Haar in der Suppe

Es gärt im Hamburger Schanzenviertel. Der einst alternative Schmuddelstadtteil ist in den vergangenen Jahren zu einem angesagten Szeneviertel mutiert. Alteingesessene beschweren sich über steigende Mieten und Preise, den Partytourismus und die Wandlung des bunten Kiezes zur »öden Fressmeile«. Vor einer Woche ist geschehen, was früher in der alternativen Hochburg undenkbar war: Der Fastfood-Gigant ...

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Arbeiter bilden Coca-Opel-Widerstandsfront

Mit einer 24-stündigen Solidaritätskundgebung, die am Freitagabend am Werkstor begann, hat die Belegschaft der Coca Cola-Abfüllanlage in Kaiserslautern ihre Widerstandsaktionen gegen die drohende Schließung des Betriebs fortgesetzt.

Streit um Garantie für Renten

Berlin (AFP/ND). Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat die vom Bundestag beschlossene und vom Bundesrat am Freitag gebilligte Rentengarantie kritisiert und ist damit auf Widerstand in der eigegen Partei gestoßen. »Ich habe große Zweifel, ob das für nachfolgende Generationen das richtige Signal ist«, sagte Steinbrück der »Frankfurter Rundschau«. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) verteidigte dage...

Jochen Bülow

Totalschaden am Nürburgring

Das Freizeitzentrum Nürburgring sollte das regionale Prestige-Entwicklungsprojekt der rheinland-pfälzischen Landesregierung werden. Jetzt ist die vom Finanzminister geplante Finanzierung geplatzt, Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) angeschlagen.

Seite 6

Gesetze im Minutentakt

Mit der Billigung von Dutzenden von Gesetzen hat sich der Bundesrat am Freitag in die Sommerpause verabschiedet. Eine Auswahl wichtiger Entscheidungen:

Fabian Lambeck

Eine Spur zu gelassen

Ortstermin in Berlin-Dahlem: Der SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier las am Mittwochabend aus seinem neuen Buch und versuchte dabei den Eindruck zu vermeiden, er wolle ernsthaft Bundeskanzler werden.

Seite 7

Neuanfang für General Motors

New York (dpa/ND). Neustart für den einst weltgrößten Autoproduzenten General Motors (GM): Die ums Überleben kämpfende bisherige Opel-Mutter ist nach 40 Tagen wieder aus der Insolvenz gefahren. Der deutlich kleinere neue GM-Konzern hat sich von vielen Altlasten befreit und ist vorerst mehrheitlich in Staatsbesitz. Für Opel soll nun unter Hochdruck bis nächste Woche ein verbindlicher Vorvertrag mit...

EU auf Sparkurs

Die Regierungen der 27 EU-Staaten wollen im kommenden Jahr im Haushalt der Europäischen Union weniger Geld ausgeben als die EU-Kommission vorgeschlagen hat.

Tödliche Luftangriffe

Bei Luftangriffen und Gefechten in Pakistan sind knapp 40 Menschen getötet worden, die meisten davon Taliban-Kämpfer.

Seite 8
Torge Löding, San José

Versuchte Vermittlung

In Costa Rica haben am Donnerstag (Ortszeit) unter Leitung des Präsidenten Oscar Arias Vermittlungsgespräche zwischen der Putschregierung von Honduras und dem gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya begonnen. Zu dem erwarteten direkten Treffen der beiden kam es nicht.

ndPlusAnna Guhl, Peking

Herr Xu und der Groll der Minderheit

Trotz des offiziellen Verbots waren in Ürümqi, der Hauptstadt des chinesischen Autonomen Gebiet Xinjiang-Uigur, am Freitag mehrere Moscheen geöffnet. Diese sollten aus Sicherheitsgründen ursprünglich geschlossen bleiben. Seit einer Woche war es wiederholt zu Zusammenstößen zwischen der muslimischen Minderheit der Uiguren und Chinesen gekommen.

Seite 9
Peter Nowak

Ver.di sucht den Datenfrevler

Die Datenschutzskandale bei Unternehmen häuften sich in letzter Zeit. Auch die Gewerkschaften beschäftigen sich nun vermehrt mit dem Thema – allen voran ver.di.

John Dyer, Boston

Obama dämmt Spekulation ein

Die US-Administration will auch die Warentermingeschäfte einer strengeren Regulierung unterziehen.

ndPlusRosi Blaschke

Acker und Wiese krisenfest

Am gestrigen Tag trat das Flächenerwerbsänderungsgesetz in Kraft. Es lockert die Auflagen für den begünstigten Erwerb von Äcker und Wiesen in Ostdeutschland und beeinflusst auch die Privatisierungspraxis der Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG).

Seite 10
Der Letzte fährt die VIPs spazieren

Der Letzte fährt die VIPs spazieren

Drei Mal war Wim Vansevenant Letzter der Tour de France. Nach der vergangenen Saison war Schluss mit der Plackerei für den Belgier. Doch der Virus Tour de France lässt den König der roten Laterne einfach nicht los. Den Monat Juli über hat er sich selbst von seinem Bauernhof frei gestellt, um Promi-Gäste seines alten Rennstalls Silence Lotto über die Tourstrecken zu chauffieren. »Anfangs habe ich g...

ndPlusTom Mustroph, Andorra

Berge, Loyalitäten und Rivalitäten

Eine Tour de France wird nicht nur mit den Beinen, sondern auch mit Hirn und Herz entschieden. In diesem Jahr gilt dies besonders. Vor allem die Pyrenäen könnten Schauplatz einer Auseinandersetzung mit bizarren Konstellationen werden. Innerhalb des Teams Astana droht permanent die Aufforderung: »Sag mir, wo du stehst!« gestellt zu werden. Die Spitzenfahrer Alberto Contador und Lance Armstrong pola...

Seite 11
Jürgen Holz

Rennkanuten auf Titeljagd

Knapp zwei Wochen nach den ebenso begeisternden wie erfolgreichen Europameisterschaften lassen über 1000 deutsche Rennkanuten ihre Boote auf dem Brandenburger Beetzsee ins Wasser. Dabei geht es bei den 88. deutschen Meisterschaften um die Titel auf den Strecken über 200 m, 500 m und 1000 m. Am Start sind aber nicht nur die Männer und Frauen der Leistungsklasse, darunter das nahezu komplette DKV-Na...

Berufen oder auserwählt
ndPlusThomas Wieczorek

Berufen oder auserwählt

Dass der neue Bayern-Trainer angekündigt hat, die Discobesuche seiner Spieler zu überprüfen, erinnert an ein gern verdrängtes Thema: Hochleistungssportler und ihre Jugend. Würde eine 16-Jährige zum Beispiel jede freie Minute mit Briefmarkensammeln verbringen, weder zum Tanzen noch zu Partys gehen und stattdessen selbst bei herrlichem Wetter vor ihren Alben hocken, so holte man vermutlich einen Psy...

ndPlusJirka Grahl

Trainieren und Schweigen

Vieles liegt im Dunkeln in der Doping-Causa Claudia Pechstein, eines jedoch kann ihr ehemaliger Trainer Joachim Franke mit Sicherheit berichtigen: Jene gestrige Meldung des Sportinformationsdientes SID aus Neuss, nach der Franke die Betreuung der 37-jährigen Eisschnellläuferin übernommen hat: »Wer sagt denn so etwas?«, staunt der 69-jährige Coach gestern, als ND sich nach den Motiven für seine Rüc...

Wir müssen gemeinsam an einem Strang ziehen – das fehlt!

Wir müssen gemeinsam an einem Strang ziehen – das fehlt!

Der 61-Jährige Ulrich Hobeck ist seit 2001 Präsident der Vereinigung der Geman Meetings in der Leichtathletik und seit 20 Jahren Chef des Lausitz-Meetings. Er war einst 3000-m-Hindernisläufer, 13 Mal DDR-Meister und Mitbegründer der 1974 aus der Taufe gehobenen BSG Tiefbau Cottbus.

Seite 13
Jan Freitag

Das Letzte. Hoffentlich

Was machen eitle Männer mit Medienmacht? Sie veröffentlichen ihr Ego. Also hat »Springer«-Chef Matthias Döpfner eine Dokumentation drehen lassen – und sich dennoch als Autor genannt. Sie heißt »Mein Freund George Weidenfeld« und bringt dem Holocaust-Überlebenden, Publizisten, Diplomaten aus Österreich nur scheinbar ein filmisches Geburtstagständchen zum 90. – am Ende besingt sich vor a...

PLATTENBAU
ndPlusJörg Staude

PLATTENBAU

Anfang 2009 verbreitete sich die Nachricht, Prince würde ein Dreifachalbum herausbringen. Die Spannung war groß. Das letzte Dreifachwerk des 51-jährigen Popmusikers, »Emancipation«, erschien 1996. Damals hieß er nicht Prince, sondern beklebte die Alben mit einem Symbol. Für das Foto auf dem Booklet ließ er sich das Wort »Slave« auf die rechte Wange schreiben und bezeichnete damit das Arbeitsverhäl...

ndPlusStefan Bollinger

Aus der Utopie in den Westen

Dem Versprechen, dass der Theologe, Bürgerrechtler und akribische Aufarbeiter allen ostdeutschen Widerstandes nun eine erste Gesamtdarstellung der »friedlichen Revolution« von 1989/90 vorgelegt habe, mag der Rezensent – ob eigener und anderer Arbeiten zum Thema – keinen Glauben schenken. Immerhin hatten schon in den 1990er Jahren Charles S. Maier mit seinem »Verschwinden der DDR« und K...

Seite 14
Lessings Vorbild
Lilian-Astrid Geese

Lessings Vorbild

Dem Enkel, Felix Mendelssohn-Bartholdy, sind in diesem Jahr, anlässlich seines 200. Geburtstags, zahlreiche Veranstaltungen gewidmet. Sein Großvater war Philosoph, einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Aufklärung. 1729 in Dessau geboren, 1786 gestorben in Berlin. Moses Mendelssohn lebte in einer bewegten Epoche. Der Zeitgenosse Kants und Freund Schillers war überzeugter Anhänger der Theo...

ndPlusTobias Riegel

Putsch der Bilder

Gerade wegen seiner bemerkenswerten Bilderarmut im Medienecho ist der Umsturz in Honduras ein Putsch der Bilder – innerer Bilder einer düsteren Vergangenheit, die nun mit Macht an die Oberfläche des kollektiven Bewusstseins drängen. Der erste (bislang) erfolgreiche lateinamerikanische Coup seit über zehn Jahren hat – auch wenn Hintergründe noch schwer zu beurteilen sind – eine Tü...

Seite 15

Spitzentreffen zur S-Bahn

(dpa/ND). Vor dem Hintergrund chaotischer Zustände bei der S-Bahn trifft sich Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) an diesem Montag mit dem neuen Bahnchef Rüdiger Grube. Die Spitzen von Senat und Deutscher Bahn wollten die bahnspezifischen Themen der Hauptstadt erörtern. Wichtigstes Thema dürften die massiven Probleme der S-Bahn werden, die noch bis in den Herbst hinein keinen no...

Martin Kröger

Ohne Angst und Hochschullehrer

Ältere Damen und Herren haben es nicht leicht auf dem Bahnhof Ahrensfelde: Wer aus der Privatbahn steigen will, muss einen sehr großen Schritt nach oben machen, so hoch liegen die alten Bahnsteige. Gegen diesen Missstand will die Deutsche Bahn, die für den noch auf Berliner Grund und Boden liegenden Bahnhof zuständig ist, vorgehen. Zum Beginn der Bauarbeiten war gestern von den Territorialherren j...

Feuerwehr mit Zettelwirtschaft
ndPlusSarah Liebigt

Feuerwehr mit Zettelwirtschaft

Man stelle sich vor: Nach einem Notruf über die 112 dauert es stets volle 15 Minuten, ehe ein Notarztwagen eintrifft, immer dienstags verdoppeln sich die Wartezeiten. Derartig drastisch könnte man die nahe Zukunft der Berliner Feuerwehr ausmalen, wenn sich das Land Berlin nicht bemüht, endlich zu handeln: Rund 50 Prozent der Mitarbeiter sind älter als 45 Jahre. Die Zahl der Rettungseinsätze der Fe...

Erholung mit Familienanschluss
ndPlusJirka Grahl

Erholung mit Familienanschluss

Was ist das Beste am Bauernhofurlaub? Die Herzlichkeit und die Wärme vielleicht: Wenn die Berliner nach zehn Stunden Autofahrt in Bad Kleinkirchheim aussteigen und beim Armerecken und Beinelockern vor der Tür schon ein Kerzengesteck brennen sehen. Sind die nur für uns aufgestellt? So spät? Die Kinder rennen schnell vorbei, sie beziehen schon das schönste Zimmer in der holzgetäfelten Ferienwohnung,...

Seite 16
Mehr Stellen für die Jugendämter
Jörg Meyer

Mehr Stellen für die Jugendämter

Schlank, regionalisiert, noch dichter am Bürger und mit ausreichend Personal ausgestattet – so sieht das »Musterjugendamt« aus, das gestern im Roten Rathaus vorgestellt wurde. Die Untersuchung »Personalausstattung eines sozialräumlich organisierten Berliner Jugendamtes« gab der Bildungssenat im Mai 2008 in Auftrag. Fünf Jugendämter – Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg...

Auf den Schmied soll man hören!
Michael Müller

Auf den Schmied soll man hören!

Natürlich ist die kroatische Adria nach wie vor der touristische Renner dieses Balkanlandes. Mit ihrer Küstenlinie von rund 1800 Kilometern, die sich von der Halbinsel Istrien im Norden, nahe Sloweniens, über die Primorje mit Rijeka, Senj bis nach Dalmatien mit Split, Dubrovnik und noch weiter südlich bis an die Grenze Montenegros erstreckt. Mit ihren feinen Stränden, alten Städten und 1250 Inseln...

Seite 17
ndPlusManuela Lintl

Hyperaktiv im Flackerlicht

Flickernde Lichtimpulse ordnen die meisten wohl nicht der wissenschaftlichen, insbesondere neurologischen Forschung zu, sondern vielmehr dem letzten Diskothekbesuch. Kaltes, in kurzen Frequenzen aufblitzendes Licht wird dort gerne als zusätzliche Stimulanz zu lauter Musik für die Tanzenden eingesetzt. Dass derart starke Lichtreize mit bestimmten Epilepsieformen in Verbindung gebracht werden, ist n...

André de Vos

Pole Position

Schon zum zweiten Mal seit der Veröffentlichung des neuen Albums »Die Wahrheit übers Lügen« von 2008 geht Farin Urlaub mit seinem »Racing Team« an den Start einer größeren Tournee. An diesem Samstag wird dazu das »Farin Urlaub Racing Team« in der Wuhlheide aufspielen. Farin Urlaub ist ein Phänomen, weil er einerseits seit einem Vierteljahrhundert eine Karriere auf hohem Niveau als Gitarrist und Sä...

Eine Stadt will leben
Christina Matte

Eine Stadt will leben

In der Kneipe »Zur alten Tanke« hat die Wirtin Pfannen auf den Herd gestellt, um Bauernfrühstück zuzubereiten. Wofür einem in Berlin und Umland schnell mal acht Euro abgeknöpft werden, soll bei ihr nur Dreifünfzig kosten – mehr kann sie, soll die Kneipe voll sein, nicht nehmen. Wir sind in Wittenberge. Eine sterbende Stadt, sagen manche. Andere sind der Zeit schon voraus und behaupten: »Hier...

Seite 18
ndPlusWilfried Neiße

Die LINKE im Takt des Berufsverkehrs

Wenn der politikmüde Bürger nicht zur Politik geht, dann muss die Politik zum Bürger. Gestern eröffnete die brandenburgische Linkspartei ihr Wahlquartier in den Passagen des Potsdamer Hauptbahnhofs. Es befindet sich schräg gegenüber vom Kino.»Mit der Wahlkampfzentrale im Herzen der Landeshauptstadt knüpfen wir an die guten Erfahrungen des Wahlkampfes im Jahr 2004 an«, sagte der Landesvorsitzende T...

Bernd Zeller

G8

Der Gegenveranstaltung zu den G8-Protesten muss man zugutehalten, dass sie vergleichsweise friedlich verläuft und von weniger Randalierern beherrscht wird. Damit wäre auch schon die Sinnhaftigkeit dieser Veranstaltung erfasst. Dennoch ist der psychologische Effekt nicht zu unterschätzen. Die Teilnehmer sind Regierungschefs, das bedeutet, bei sich zu Hause haben sie keine Kollegen, mit denen sie Um...

Kein großer Schritt am Bahnhof Ahrensfelde
ndPlusAndreas Fritsche

Kein großer Schritt am Bahnhof Ahrensfelde

Am Bahnhof Ahrensfelde steigen Fahrgäste bequem in die Berliner S-Bahn ein. Selbst Rollstuhlfahrer können problemlos hineinrollen. Die Bahnsteige befinden sich genau auf der erforderlichen Höhe der S-Bahn-Waggons. Doch was hier von Vorteil ist, gerät gleich nebenan zu einem erheblichen Nachteil. Die Einstiege der Regionalzüge liegen nämlich 40 Zentimeter niedriger.Was das bedeutet, lässt sich alle...

Marina Mai

Kraftfahrer ohne gültigen Führerschein

Gerade männliche Spätaussiedler sind in Brandenburg oft arbeitslos, obwohl sie qualifiziert sind und arbeiten möchten. Das Problem: Ihre in Russland und Kasachstan erworbenen Abschlüsse werden hier nicht anerkannt. Und das nicht nur bei Akademikern, sondern selbst bei Berufskraftfahrern. Während bei russischen Speditionen angestellte Kraftfahrer problemlos durch Deutschland fahren dürfen, ohne hie...

ndPlusMartin Koch

Würfelspiele des Schicksals

Fliegen ist sicherer als Bahnfahren. Sagt die Statistik. Denn das Risiko, bei einer Bahnfahrt ums Leben zu kommen, ist pro Reisekilometer dreimal so hoch wie beim Fliegen. Trotzdem haben viele Menschen panische Flugangst, aber kaum Probleme, einen ICE zu besteigen. Sie gehen nämlich intuitiv davon aus, Statistik hin, Statistik her, dass die individuellen Überlebenschancen bei einem Zugunglück deut...

Seite 19
Mit Unerhörtem gespickt
ndPlusEberhard Reimann

Mit Unerhörtem gespickt

Der Leiter meiner Bibliothek, selbst Schriftsteller, empfahl mir kurz vor dem Abitur ein Buch, von dem er meinte, dass es mir gefallen würde: Kurzgeschichten, im Hier und Heute angesiedelt: »Ein bisschen Südsee«. Wo ist das? Meine erlebbare Welt lag im grünen Herzen Deutschlands. So hieß das damals noch. Nach wenigen Seiten ahnte ich, weshalb er mir das Buch angeraten hatte. Das waren Short Storie...

Jürgen Schuster

Kalter Krieg gegen das Gedächtnis

In Medien und Literatur gehört es inzwischen zur Regel, scheinbar ganz unverfänglich und wie selbstverständlich, von den beiden Diktaturen in Deutschland zu reden. Doch was auf den ersten Blick fast harmlos und unverdächtig klingt, ist die Gleichsetzung des gescheiterten deutschen Staates DDR mit einem verbrecherischen politischen System, wie es einmalig in der deutschen Geschichte war. Eine solch...

Seite 20

WochenChronik

10. Juli 1559: Mit dem Tod von König Heinrich II. bei einem Ritterturnier werden Zweikämpfe der Ritter in Frankreich verboten. 11. Juli 1644: Der Florentiner Physiker und Mathematiker Evangelista Torricelli teilt einem Freund brieflich mit, er habe ein Gerät derfunden, mit dem der Luftdruck gemessen werden könne – das erste Barometer. 12. Juli 1679: Der englische König Karl II. billigt die v...

Freiheit?

»Seid Ihr von Sinnen? Das kann doch nicht Euer Ernst sein! Jetzt wollt ihr einen Artikel über die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte der Franzosen drucken? Wo uns die Menschen abhauen.« Es war eine deftige Standpauke. Politische Instinktlosigkeit wurde den Redakteuren der Wissenschaftsabteilung des ND vorgeworfen. Dabei hatten sie es doch nur gut gemeint, wollten nach dem Vorbild des SED-Gen...

Um die Katastophe zu verhindern
ndPlusIrina Wolkowa

Um die Katastophe zu verhindern

Es war drei Uhr in Moskau, als die Wehrmacht am Morgen des 22. Juni 1941 das Feuer auf sowjetische Grenzposten eröffnete und erste deutsche Panzer über Bug und Beresina nach Osten rollten. Nicht nur den Tag, sogar die genaue Stunde des Angriffs hatte der Berliner KGB-Residentur nur drei Tage zuvor ein Deutscher mitgeteilt: Willi Lehmann. Dessen mehrbändige Akte gab der russische Auslandsgeheimdien...

Bei Philippi sehen wir uns wieder
Gerd Fesser

Bei Philippi sehen wir uns wieder

In den letzten Monaten sind in Deutschland die Staatsausgaben geradezu explodiert. Woher das zusätzlich benötigte Geld nehmen? Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer würde in erster Linie die unteren Einkommensschichten treffen – und das vor den Wahlen. Kanzlerin Merkel hat Steuererhöhungen strikt ausgeschlossen, gar Steuersenkungen in Aussicht gestellt. In der »FAZ« war deshalb am 29. Juni zu les...

Im Schatten des Kalten Krieges
Andreas Knudsen

Im Schatten des Kalten Krieges

Kein dänischer Bürger darf allein wegen seiner Mitgliedschaft in einer legalen politischen Bewegung observiert werden, hatte 1968 die damalige Mitte-Rechts-Regierung Dänemarks erklärt, als bekannt geworden war, dass der Geheimdienst des Landes, PET, umfassende Personenarchive angelegt hatte. Ein Abonnement der kommunistischen Zeitung »Land und Volk« oder eine Touristenreise nach Osteuropa waren Gr...

Seite 21

Erdgroßes Gamma-Teleskop

Das Foto zeigt die vier 12-Meter-»Schüsseln« des VERITAS-Observatoriums, das sich auf einem Berg nahe der Stadt Tucson im US-Bundesstaat Arizona befindet. Zusammen mit den beiden 17-Meter-Anlagen MAGIC I und II auf La Palma und dem HESS-Teleskop in Namibia und zehn weltweit verteilten Radioteleskopen durchsuchten sie die nächstgelegene sogenannte aktive Galaxie (M87 im Sternbild Jungfrau) nach der...

ndPlusMartin Koch

Schaukel der Moral

Menschen sind leicht geneigt, anderen feststehende Eigenschaften zuzuschreiben. So halten wir jemanden, der sich uns gegenüber freundlich verhält, überhaupt für nett und sympathisch. Wer uns dagegen beleidigt oder verletzt, dem unterstellen wir rasch, er habe einen schlechten Charakter.Zum Glück stimmt dieses Bild nur selten mit der Wirklichkeit überein. Denn Menschen sind lern- und wandlungsfähig...

Reinhard Renneberg, Hongkong

Mein DNA-Stammbaum (1)

Vorsicht! Ahnenforschung macht süchtig. Ich habe es selber probiert. Zuerst mit dem Genographic-Projekt der US-Zeitschrift National Geographic. Zur Analyse werden nur Speichelproben aus der Mundschleimhaut benötigt. Die Entnahme der Speichelproben mit einem Stäbchen mit Wattebausch ist einfach und völlig schmerzlos. Über die Ergebnisse wurde hier schon berichtet, die vollständige Geschichte finden...

ndPlusJacqueline Myrrhe

Der Navigationswettlauf

Alle reden vom neu entbrannten Wettlauf zum Mond. Doch im Hintergrund, kaum bemerkt von der Öffentlichkeit, findet ein anderer strategischer Raumfahrtwettlauf statt: das Rennen um das global dominierende Satellitennavigationssystem.Wieder hat Europa große Pläne, will sich emanzipieren, will sich selbst davor bewahren, wie es einst der französische Präsident Jacques Chirac formulierte, ein »technol...

Seite 22
Die Nation nicht in zwei Klassen teilen – warnte Robespierre
ndPlusHelmut Bock

Die Nation nicht in zwei Klassen teilen – warnte Robespierre

Geld und nochmals Geld – war schon in vorindustriellen Epochen der »Motor« des Staatsdenkens, der politischen Haupt- und Staatsaktionen. Auch Ludwig XVI., König von Frankreich und »Gottes Gnaden«, sorgte sich 1789 um standesgemäße Hofhaltung und die Staatsfinanzierung. Weil die Monarchie bankrott war, hatte er die seit 1614 nie mehr beanspruchten »Generalstände« des Königreiches nach Versail...

Seite 23
Lernen für das Leben
ndPlusGuido Sprügel

Lernen für das Leben

Sie heißen Risikoschüler, Problemschüler, Schüler mit Absentismusproblemen. Die Liste ließe sich problemlos verlängern. Eines eint diese Schülergruppen mehr oder weniger alle – die bestehenden Angebote der allgemeinbildenden Schule oder Sonderschulen erreichen sie schon lange nicht mehr. Eine alternative Maßnahme bietet die Jugendhilfeeinrichtung »Waisenstift« im kleinen niedersächsischen Or...

Der Ort, wo es keine Kokosnüsse mehr gibt
Gerhard Dilger

Der Ort, wo es keine Kokosnüsse mehr gibt

Elf Monate nach dem Amtsantritt von Präsident Fernando Lugo warten Paraguays Indígenas immer noch auf den versprochenen Wandel. Ein deutscher Großgrundbesitzer verweigert die Rückgabe von Indianerland im Chaco und beruft sich dabei auf ein Investitionsschutzabkommen.

Seite 24

Testspiel

Wer schrieb es? Alle Welt klagt über den bösen Geist des Journalismus, und jedermann möchte ihn benutzen. Warum geschah es? Weshalb wurde der geniale britische Mathematiker und Philosoph Bertrand Russel am 11. Juli 1916 als Professor der Universität Cambridge entlassen? Welcher war es? Welcher bis heute gültige staatspolitische Beschluss wurde am 14. Juli 1795 in Paris gefasst? Was war es? Was pas...

Charismatischer Komponist
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Charismatischer Komponist

Heute stellen wir zwei brillante Schachaufgaben von Willy Popp vor. Er zählt zu den wahrlich charismatischen deutschen Schachkomponisten. Popp wurde am 28. Januar 1902 in Würzburg geboren und starb dort am 19. April 1978. Seine Karriere begann 1932, als er den Kompositionsteil der »Fränkischen Arbeiter-Schachzeitung« übernahm und bereits 1935 zum 1. Vorsitzender der Problemfreunde von Unterfranken...

Denkfit à la Halma?
ndPlusHeiko Frings

Denkfit à la Halma?

Als der Ravensburger Verlag vor rund zehn Jahren die »Think«-Spieleserie startete, sollte sie durch »Training für den Kopf« Käuferschichten auch jenseits der Familie erschließen. Unter anderem war an Manager gedacht. Wohin das führte, lässt sich täglich in den Medien verfolge. »Think Wort-Schatz« heißt ein neues Assoziationsspiel um Bilder und Worte, das alleine oder in der Gruppe die Konzentratio...

Rote Kirschen ess' ich gern ...
Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin

Rote Kirschen ess' ich gern ...

Der Juli kann uns im Garten ganz schön in Trab halten, und nicht nur dort. Denn wer üppig Obst erntet, wird auch in der Küche rotieren. Fruchtaufstriche aus unterschiedlichsten Beeren, solo oder kombiniert, lassen sich in unzähligen Variationen zubereiten: klassisch als Marmelade, Konfitüre, Gelee oder auf die etwas andere Art als Chutney: süßsauer mit diversen Gewürzen, scharf oder lieblich, und ...

Einstein gegen Oppenheimer

Einstein gegen Oppenheimer

Das Schachmonopol im Internet beginnt zu wanken. Die bisher konkurrenzlose Partiendatenbank ChessBase wird neuerdings ernsthaft herausgefordert: vom stetig wachsenden Portal www.chessgames.com, hinter dem der Webmaster DANIEL FREEMAN (42) steht. Mit dem Programmierer aus Pompano Beach in Florida (USA) spricht ND-Autor RENÉ GRALLA.