Ausgabe vom 18.07.2009

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Unten links

Mit der Vollstreckung der neuesten Befehle vom Eisenbahn-Bundesamt ist offenkundig, dass im Bereich der Berliner S-Bahn kein planloses Chaos herrscht, sondern um ein gigantisches verkehrspolitisches Projekt gerungen wird. Während andere europäische Großstädte wie London oder Rom nach altmodischer Manier versuchen, den Individualverkehr in den Innenstädten zu reduzieren, beschreitet die deutsche Ha...

Nazi-Gewalt darf nicht relativiert werden
Evrim Baba

Nazi-Gewalt darf nicht relativiert werden

Es ist wieder soweit: In ihrer vermeintlichen Neutralität vergleicht die Polizei in Berlin Äpfel mit Birnen. Der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch spricht gegenüber dem »Tagesspiegel« von einer deutlichen Zunahme linker Übergriffe gegen Rechtsextreme. Die Polizei habe einen Anstieg von 8 auf 21 Taten registriert, gleichzeitig sei die Zahl der Angriffe von Rechten auf Linke von 9 auf 4 zurü...

Berliner S-Bahn kappt Ost-West-Verbindung
Bernd Kammer

Berliner S-Bahn kappt Ost-West-Verbindung

Dem Berliner Nahverkehr droht der Kollaps: Ab Montag geht bei der S-Bahn fast gar nichts mehr. Zwischen Ostbahnhof und Zoo wird der Betrieb gänzlich eingestellt, auf anderen Strecken besteht nur noch ein Notangebot. Dafür sollen mehr U- und Straßenbahnen fahren.

Seite 2
Ina Beyer

Kein gewerkschaftlicher Lösungsansatz

Der DGB setzt im Vergleich zu den französischen Kollegen auf Verhandlungslösungen, wenn es um betriebliche Konflikte geht. Und erst im Ernstfall auf Streiks.

ndPlusBernard Schmid, Paris

Manager im Dschungelcamp

Während in Deutschland der Arbeitskampf als »letztes Mittel« nach gescheiterten Gesprächen der Tarifpartner gilt, wird er in Frankreich genutzt, um zunächst einmal eine gewisse Chancengleichheit herzustellen.

Seite 3
ndPlusTorge Löding, Managua

»Wir berührten den Himmel«

Die sandinistische Revolution vor 30 Jahren begeisterte weit über das kleine mittelamerikanische Land hinaus Menschen in Ost und West. Inzwischen ist mit Daniel Ortega einer der Revolutionshelden an die Macht zurückgekehrt, so dass am 19. Juli in Managua offiziell groß gefeiert wird.

Seite 4
Wolfgang Hübner

Spannende Wahl

Die Große Koalition in Schleswig-Holstein ist am Ende. Nun werde, seufzte ein Fernsehkommentator in der Annahme, der Kieler Landtag werde gleichzeitig mit dem Bundestag neu bestimmt, der Wahlkampf vielleicht doch noch ein wenig spannend. Das ist genau die Perspektive, aus der viele – nicht nur öffentlich-rechtliche – Korrespondenten und Leitartikler die Politik beobachten: Bringt das H...

Olaf Standke

Unbeugsam

Es war ruhiger geworden in den vergangenen Wochen, nach dem Verbot öffentlicher Proteste auf den Straßen Irans. Aber es war nur die Ruhe vor einem neuen Sturm. Wenn das Mullah-Regime gehofft haben sollte, dass man die Machtkrise aussitzen könne, der gestrige Tag dürfte Präsident Mahmud Ahmadinedschad und den hinter ihm stehenden obersten geistlichen Führer des islamischen Gottesstaates, Ayatollah ...

ndPlusRené Heilig

Jeder ist verdächtig

Jetzt reicht's! Eine zugegeben sehr sehr kleine Gruppe von deutschen Staatsbürgern zieht vor das Bundesverfassungsgericht. Die Kläger nehmen die im Grundgesetz verankerte Gleichheit aller zum Anlass und fordern, bespitzelt und ausgehorcht zu werden. Der Anlass, der ihren Unmut so angeheizt hat, war ein eher geringer. Die Kläger hatten in einer Anfrage der FDP gelesen, dass Finanzämter, Staatsanwal...

ndPlusUwe Kalbe

Starrsinn

Er ist ein Seebär wie aus dem Bilderbuch. Kräftig, grauer Vollbart, kurz angebunden, ein nach außen verschlossener Kerl mit einem großen Herz. Ganz dem alten Gesetz gehorchend, dass der Kapitän das Schiff zuletzt verlässt, ist Stefan Schmidt fünf Jahre nach dem Drama quasi immer noch an Bord – auch wenn nun ein anderer sein Schiff, die »Cap Anamur«, befehligt. Er steht wegen dieses Ereigniss...

Das Schweigen brechen
ndPlusNorman Paech

Das Schweigen brechen

Eine der »moralischsten Armeen der Welt« taucht langsam aus dem Sumpf ihrer Kriegsverbrechen an die Öffentlichkeit, um dem alten Satz von Tucholsky »Soldaten sind Mörder« neue Nahrung zu liefern. Denn was die Soldaten der israelischen Armee in ihrem Bericht »Das Schweigen brechen« über den Feldzug gegen Gaza berichten, ist bei nüchterner Betrachtung nichts anderes als die Enthüllung einer Armee al...

Seite 5
Fabian Lambeck

Wahlausschuss versteht keinen Spaß

Der Bundeswahlausschuss versagte am Freitag insgesamt 28 Parteien und Vereinigungen die Teilnahme an der Bundestagswahl im September.

Seite 6

»Keinerlei Sensibilität« bei Vattenfall

Kiel (dpa/ND). Schleswig-Holsteins Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) hat dem Betreiber des Kernkraftwerks Krümmel die Verharmlosung der jüngsten Probleme vorgeworfen.Vattenfall habe nach der Schnellabschaltung des Reaktors keinerlei Sensibilität für die Situation gezeigt, sagte die für die Atomaufsicht zuständige Ministerin am Freitag in einer Sitzung des Sozialausschusses des Landtags in K...

Velten Schäfer, Schwerin

Der Staat als Werftenkunde

Bei Werften, denen in der Krise die Kunden abspringen, soll sich, so die IG-Metall-Bezirksleiterin Jutta Blankau, der Staat engagieren. Dieses Modell könnte auch für Wadan gelten.

Seehofer kündigt Merkel-Wahlkampf an

CSU-Chef Horst Seehofer hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach den Querelen der vergangenen Tage die vorbehaltlose Unterstützung seiner Partei im beginnenden Bundestagswahlkampf zugesagt.

Seite 7

EU will die Rechte der Bürger stärken

Stockholm (dpa/ND). Die EU will die Rechte der Bürger und den Datenschutz stärken. Das sieht der neue Fünfjahresplan zur europäischen Innen- und Sicherheitspolitik (»Stockholmer Programm«) vor, den die EU-Minister zum Abschluss eines zweitägigen Treffens am Freitag in Stockholm berieten.»Wir haben im vergangenen Jahr viele Eingriffe gemacht – jetzt müssen wir dem Bürger zeigen, dass Europa a...

Blutiger Juli für Afghanistan-Truppen

Angesichts beispielloser Verluste im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan wächst bei den internationalen Truppen die Sorge, am Hindukusch ins Hintertreffen zu geraten.

Daniel Kestenholz, Bangkok

Hotelanschläge als Rache für Bali?

Bei koordinierten Terroranschlägen gegen zwei Luxushotels in Jakarta sind am Freitag mindestens neun Menschen ums Leben gekommen, darunter vier Ausländer. Über 40 Menschen wurden verletzt, unter ihnen über ein Dutzend Ausländer.

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Suche nach Tätern auf Hochtouren

Tschetscheniens Präsident Ramzan Kadyrow hat den Mord an der Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa nicht in Auftrag gegeben. Mit eben diesen Worten meldete sich ein Mann, der sich als Kadyrow vorstellte, Freitagfrüh bei »Memorial«, der Menschenrechtsorganisation, für die Estemirowa gearbeitet hatte.

Seite 8
Donald Tusk steht nackt im Regen
ndPlusJulian Bartosz, Wroclaw

Donald Tusk steht nackt im Regen

Polens Finanzminister Jacek Rostowski gestand in dieser Woche endlich, dass die Krise eine Korrektur des Staatshaushalts 2009 notwendig mache. In den Bänken der Opposition erregte dieses Geständnis Heiterkeit.

Leo Burghardt, Havanna

Der Putsch trifft nicht nur Honduras

Am heutigen Sonnabend soll es in Costa Rica eine zweite Runde von Vermittlungsgesprächen in Sachen Honduras geben. Er werde versuchen, eine Regierung der nationalen Einheit für Honduras oder eine Amnestie anzustoßen, sagte Costa Ricas Präsident Oscar Arias.

Argentiniens offene Wunde

Argentiniens offene Wunde

In Argentinien wird am Sonnabend des Anschlags auf das jüdische Hilfswerk AMIA am 18. Juli 1994 gedacht. Der Tod von 85 Menschen löste seinerzeit die größte Ermittlungsaktion in der argentinischen Rechtsgeschichte aus, die Akten umfassen mittlerweile 120 000 Seiten. Doch bis heute ist noch niemand für den Anschlag verurteilt worden. ND sprach mit Aldo Donzis, Präsident der DAIA (Delegación de Asociaciones Israelitas Argentinas), die rund 150 jüdische Organisationen, Schulen und Synagogen vereint. Das Interview führte Jürgen Vogt in Buenos Aires.

Seite 9

AUA-Kauf hängt weiter in der Luft

Brüssel (AFP/ND). Auch nach einem neuen Angebot der Lufthansa für die Übernahme der Austrian Airlines (AUA) hat die Europäische Kommission weitere Informationen gefordert. Die EU-Wettbewerbshüter benötigten Klarstellungen von der deutschen Fluggesellschaft, sagte ein Sprecher der Kommission am Freitag. Lufthansa hatte das neue Angebot am Donnerstag vorgelegt. Die Lufthansa will mit der Übernahme d...

Opel: Bald Entscheidung

Berlin (AFP/ND). Im Ringen um die Übernahme von Opel rückt eine Entscheidung näher. Die beiden Interessenten Magna und RHJI wollen in den kommenden Tagen unterschriftsreife Verträge vorlegen, wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitag bestätigte. An der Präferenz der Bundesregierung für Magna habe sich »nichts geändert«, sagte er.Der Bieterprozess für Opel sei in einer wichtigen Phase, so Wi...

Zittern um Investor

Essen (dpa/ND). Knapp sechs Wochen nach dem Start des Arcandor-Insolvenzverfahrens wird die Suche nach einem Investor immer mehr zur Zitterpartie. Der Arcandor-Sanierungsexperte Horst Piepenburg hatte am Donnerstag dem Großaktionär Sal. Oppenheim mangelnde Unterstützung vorgeworfen, was das Geldinstitut am Freitag zurückwies. Die Privatbank will ein mögliches Engagement von der Vorlage eines Sanie...

Der Fahrgast als Versuchskaninchen
Erich Preuß

Der Fahrgast als Versuchskaninchen

Beim gegenwärtigen S-Bahn-Chaos in Berlin entsteht der Eindruck, wohl vom Management der Deutschen Bahn (DB) beabsichtigt, die Ursache für die Fahrzeugausfälle sei höhere Gewalt. Es gibt aber Stimmen, die die Achsprobleme, derentwegen die S-Bahn-Züge nach kurzer Laufweite in die Werkstatt müssen, als Folge von Unterbemessung bezeichnen.

Hermannus Pfeiffer

Altersvorsorge im »grünen Mäntelchen«

Vier Billionen Euro fließen deutschlandweit in die betriebliche Altersvorsorge – und könnten ganz nebenbei die Umwelt verbessern. Doch noch hinkt die Finanzbranche in Sachen Umweltschutz hinterher.

Seite 10
Das Prestige der Tour de France muss gewahrt bleiben

Das Prestige der Tour de France muss gewahrt bleiben

Die französische Sportministerin ROSELYNE BACHELOT ist zu ihrer geliebten Tour de France gekommen. Bachelot hatte vor der Rundfahrt Aufmerksamkeit mit ihrer Ankündigung erregt, Lance Armstrong werde besonders unter die Lupe genommen. Gegenüber TOM MUSTROPH will sie sich zum Amerikaner nicht mehr äußern. Und das Fehlen von Dopingfällen führt sie alten Erklärungsmustern folgend auf die gute Arbeit der Kontrolleure zurück.

Oliver Händler

Der neue Liebling

Es flog sich schön unter dem Radar des Massenpublikums, doch wer zu den 20 besten der Welt gehört, wird irgendwann entdeckt. So geschieht es derweil dem deutschen Golfprofi Martin Kaymer. Nach zwei Turniersiegen in Serie hat ihn ein medialer Windstoß erwischt, der sich durch den dritten Sieg zum Tornado entwickeln könnte. Denn der käme bei den British Open, dem wichtigsten Turnier der Golfwelt. Na...

Mark Wolter

Störfaktor in der Vorbereitung

Der Ausrichter spricht vom ersten Titel der Saison, der übertragende Fernsehsender vom ultimativen Härtetest – für die teilnehmenden Bundesligateams von Schalke, Bayern, Stuttgart und Hamburg ist der T-Home Cup aber eher ein Störfaktor in der Vorbereitung auf die kommende Bundesligasaison. »Eigentlich sind mir zu diesem Zeitpunkt Bundesligisten als Gegner gar nicht recht«, sagte Schalkes neu...

Seite 11
Vertrag ist Vertrag, oder?
ndPlusThomas Wieczorek

Vertrag ist Vertrag, oder?

Täuscht Bayerns französischer Superstar Franck Ribéry seine Verletzungen nur vor, um einen Wechsel zu Real Madrid zu erzwingen, obwohl sein Vertrag noch bis 2011 läuft? Bayern tut so, dabei hat der Klub ja durchaus Erfahrung im Pochen auf Verträge, wie jüngst das Beispiel Lukas Podolski zeigt, den man zeitweilig lieber auf der Tribüne sitzen ließ, anstatt ihn vorzeitig freizugeben. Abgesehen von d...

Endspurt im zweiten Zuhause
Jürgen Holz

Endspurt im zweiten Zuhause

»Kienbaum ist längst zu meinem zweiten Zuhause geworden«, sagt Speerwurf-Europameisterin Steffi Nerius, die nicht gezählt hat, wie oft sie sich hier den Feinschliff für den Saisonhöhepunkt geholt hat. »In Kienbaum habe ich alles, was ich benötige, um in Form zu kommen: hervorragende Trainingsstätten, gute Unterkunft und gutes Essen«, schwärmt sie, während sie beim diesjährigen Sommerfest im Bundes...

ndPlusNissrine Messaoudi, Opotiki

Am Horizont schon der nächste große Brecher

Der Wecker klingelt an diesem Samstag um sechs Uhr früh. Kim, Loubna und Jesse können es dennoch kaum erwarten, loszufahren. Eilig klappen die jungen Frauen den Laptop auf und suchen im Internet nach dem besten »Surf Spot«: Wo ist der beste Wind, wo gibt es heute die richtigen Wellen? Die Surfbretter werden auf Kims Van geschnallt, noch einen Kaffee für unterwegs und schon geht es los nach Opotiki...

Seite 13
PLATTENBAU
Peter Nowak

PLATTENBAU

Eins haben wir gemeinsam, das ist die Menschlichkeit, und keiner stirbt einsam«, diese Liedzeile eines Songs auf der CD »Per la Vita« könnte auch das Motto sein, unter dem die ungewöhnliche Zusammenarbeit zwischen den Bands Microphone Mafia und Coincidence steht. Die in Köln aufgewachsenen jungen HipHopper Rosario Panini und Kultu Yurtseven und die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano sowie ihre ...

ndPlusMarion Pietrzok

Geheimnisvolle Unterwelt

Sirenen – Relikte nur der Sagenwelt? Haben sie damals nicht, auf einem heißtrockenen Berg wohnend, Passanten verwirrt und verführt? Dabei ist es ein ganz gewöhnlicher Sommertag des Jahres 2009. Wir sind durch einen beinahe übersehenen Eingang in die vor Jahrhunderten in den Zechstein geschlagene Unterwelt der Geraer Altstadt mühsam herabgestiegen. Hinunter ging's über holperige Stufen, über ...

Seite 14
ndPlusOliver Händler

Ab und zu für die Masse

Früher konnte er mit dem Fahrrad zu seinen Auftritten innerhalb von Leuven fahren, sagt Milow. So unbekannt war er. Heute fährt den Belgier ein Tourbus durch Europa – in Deutschland nach Köln, Hamburg und am Donnerstagabend nach Berlin. Hier war er ursprünglich als Vorband, als Aufwärmer für James Morrison eingeplant. Nach seinem Erfolg über Nacht hieß es nur noch »James Morrison & Milow...

Seite 15
ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Sonderstellung

Schülerinnen und Schüler an französischen Lycées lernen neuerdings mit Blick nach Berlin Deutschland kennen. »Projekt Deutsch neu« ist der Titel eines Deutschlernbuches aus dem Lyoner Nathan-Verlag. Beispielhaft für ein modernes Deutschland wird die Berliner Einbürgerungskampagne »Der deutsche Pass hat viele Gesichter« in Wort und Bild vorgestellt. Integrationsbeauftragter Günter Piening wunderte ...

Bernd Kammer

Statt S-Bahn: Umsteigen auf die BVG

Ab Montag müssen sich die Berliner neue Wege durch die Stadt suchen. Da die S-Bahn nur noch auf Rumpfstrecken fährt, bietet sich die BVG als Alternative an. U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse sollen häufiger fahren als ursprünglich im Ferienfahrplan vorgesehen. Das ist das Ergebnis eines Krisentreffens von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) mit Spitzenvertretern des öffentlichen Nahverkeh...

Rainer Funke

Gelöbnix-Demo bleibt verboten

Weil es offenbar so schön war im vorigen Jahr, hat die Bundeswehr-Generalität auch für 2009 beantragt, mit gut 1000 Soldaten inklusive Marschmusikanten und Militärpolizisten namens Feldjäger sowie rund 2100 Gästen den Rasen vor dem Reichstag für ein Gelöbnis zu besetzen. Man sucht die symbolkräftige Nähe zur Regierung und zu den Abgeordneten des höchsten deutschen Parlamentes, die ja verantwortlic...

ndPlusStephan Brünjes

Wenn Ronaldinho mit dem Teufel wetteifert

»Papa, ist der das in echt«, fragt Jonas (8) seinen Vater hoffnungsvoll und zeigt auf den Kicker im rot-blauen Barca-Trainingsanzug. Glupschaugen, Zopf und Hasenzähne – Ronaldinho als Ballzauberer für Touristen in der Fußgängerzone von Barcelona? »Nein, leider nicht«, antwortet Papa mit Kennerblick. »Ronaldinho spielt inzwischen in Mailand, aber sein Doppelgänger hier kann's fast genauso gut...

Seite 16
Marina Mai

Vietnamesen schwer verletzt

Am Donnerstag kam es um die Mittagszeit zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Messern und Knüppeln unter Vietnamesen, bei denen drei Männer schwer verletzt wurden. Einer von ihnen schwebte mehrere Stunden lang in Lebensgefahr.Etwa 20 Landsleute waren im Innenhof eines Wohnhauses an der Stendaler Straße in Streit geraten und gingen mit Messer und Knüppeln aufeinander los. Anwohner hatten die Po...

ndPlusJörg Meyer

Jeton bei Rechten recht beliebt

»Naziladen« oder nicht: Das Jeton an der Frankfurter Allee in Friedrichshain steht weiter in der Kritik, nachdem Donnerstagabend im Internet Fotos von in der Diskothek feiernden Brandenburger Neonazis aufgetaucht waren. Einige der Bilder zeigen zwei der vier Neonazis, die am vorigen Wochenende einen 22-jährigen Neuköllner zwischen U- und S-Bahn Frankfurter Allee fast totgetreten haben. Der mutmaßl...

Viel Mythos, viel Muße
Michael Müller

Viel Mythos, viel Muße

»Und glauben Sie mir, meine Großmutter ist gut damit gefahren, meine Mutter hat sich dran gehalten und ich natürlich auch«, wechselt Cecile Liberatore-Ruggiere zum nächsten Kapitel korsischer Mythen, hebt erneut beschwörend die Hände, blitzt mit den Augen und beschwört vor allem die jungen Frauen in der Besucherrunde: »Heiraten Sie nie im September! September, das bedeutet, sie bleiben arm und wer...

Seite 17
Hansdieter Grünfeld

Popdeurope im arena-Areal

Zu noch vier weiteren abendfüllenden musikalischen Begegnungen, die neugierig machen, lädt bis einschließlich 21. August Popdeurope. Doch für das Afrolatino Arts Festival, das als informativer und geglückter Farbtupfer aus dem reinen Musikprogramm verdienterweise hervorleuchtet, öffnet das arena-Areal an diesem Samstag schon ab 14 Uhr. Bei der Präsentation des diesjährigen Schwerpunktes Kolumbien ...

Interreligiöse Erweckungsrituale
ndPlusVolkmar Draeger

Interreligiöse Erweckungsrituale

Wozu man geladen ist, bleibt unklar, und darin besteht Nir De Volffs Prinzip: die Zuschauer durch Verunsicherung zum Lachen und zum Nachdenken zu bringen. »Action« heißt sein jüngster Husarenstreich an ungewöhnlichem Spielort. Und gleich im Prolog nimmt er darauf Bezug. Der findet im Hof der Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße statt. Dicker Filz verwandelt die vier Akteure in barocke Helden...

Kinder, die wie Schwämme sind
Jürgen Amendt

Kinder, die wie Schwämme sind

Die zehnjährige Zehra ist etwas nervös. Sie und die anderen Kinder der Berliner Carl-Kraemer-Grundschule haben auf den Reporter von der Zeitung warten müssen. Der hat sich verspätet und in dem großen verwinkelten Bau aus dem 19. Jahrhundert den richtigen Weg nicht gleich gefunden. Enttäuscht wären die Kinder gewesen, wenn der Mann von der Zeitung nicht gekommen wäre; es kommt nicht oft vor, dass s...

Seite 18
ndPlusWilfried Neiße

Studienkolleg soll schließen

Am Potsdamer Studienkolleg sollen künftig Ausländer nicht mehr die Hochschulreife erwerben können. Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) beharrt auf der Schließung der Einrichtungen, will jedoch neue Wege bei der Ausländerförderung suchen.Die vorhandenen Mittel sind laut Wanka im bisherigen Studienkolleg »nicht sinnvoll eingesetzt« worden. An der Einrichtung des Landes können bisher ausländi...

Die Rückkehr der Helden
Reinhard Kruska

Die Rückkehr der Helden

Schon ein Blick in die Auslagen der Buchhandlungen und das Angebot der größeren Verlage zeigt, dass eine literarische Gattung einen scheinbar unaufhaltsamen Vormarsch angetreten hat. Diese Gattung ist eine gar nicht mehr so junge Spielart der phantastischen Literatur und nennt sich Fantasy. Dies liegt aber nicht an der ebenso unaufhaltsamen Unsitte, alles Neue englisch zu benamsen, sondern an ihre...

Seite 19
Menschsein in Mühe und Muße
ndPlusMartin Hatzius

Menschsein in Mühe und Muße

Michael Hatzius ist Diplom-Puppenspieler. Ja, das kann man studieren. Ja, man kann von diesem Beruf leben. Nein, Puppenspiel wendet sich nicht nur an Kinder im Vorschulalter. Es sind immer dieselben Fragen, auf die mein Bruder antworten muss, wenn er von seiner Arbeit spricht. Arbeit und Tritratrallala – das passt in unseren Köpfen nicht zusammen. Erst, wenn Micha von der intensiven künstler...

Seite 20

WochenChronik

15. Juli 1974: Griechische Offizieren stürzen mit Hilfe der Athener Militärregierung den seit 1960 auf Zypern amtierenden Präsidenten Erzbischof Makarios. Am 20. Juli landen türkische Truppen auf der Insel und besetzen 40 Prozent des Territoriums. 17. Juli 1974: Iran übernimmt 25,04 Prozent des Grundkapitals der Bochumer Krupp-Hüttenwerke AG. 17. Juli 1979: In Nikaragua endet mit dem Sieg der Fren...

ndPlusWladislaw Hedeler

Partei-Archäologie

Von Anfang an ist das seit 1993 erscheinende »Jahrbuch für Kommunismusforschung« ein viel beachtetes und viel gefragtes Forum der internationalen Geschichtsdiskussion. Es hat sich unter der Ägide des Mannheimer Geschichtsprofessors Hermann Weber weiter profiliert. 25 Autoren aus acht Ländern steuerten Artikel für den diesjährigen Band bei. Sieben Beiträge sind dem Umbruch- und Epochejahr 1989 gewi...

Martin Stolzenau

Paul Schneider

Dietrich Bonhoeffer nannte ihn den ersten evangelischen Märtyrer der Nazizeit. Später würdigte ihn derart auch der katholische Papst Johannes Paul II. Straßen und Gemeindeeinrichtungen in Deutschland tragen seinen Namen. Allein in Weimar gibt es eine Paul-Schneider-Gesellschaft, ein evangelisches Gemeindezentrum »Paul Schneider« und eine Paul-Schneider-Straße. Die Wiege des mutigen Mannes stand in...

Günter Benser

Die doppelte Staatsgründung

Das »JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung« hat die doppelte deutsche Staatsgründung 1949 zum Anlass genommen, sein neuestes Heft zeitgeschichtlichen Themen der deutschen Nachkriegsgeschichte zu widmen, darunter auch solchen, die von anderen Medien weitgehend gemieden werden. Dass die deutsche Teilung nicht alternativlos und auch ein anderes Deutschland als die heute real ex...

Ein mutiger symbolischer Akt
ndPlusSiegfried Gebser

Ein mutiger symbolischer Akt

Vor 65 Jahren, am 20. Juli 1944, explodierte gegen 12.50 Uhr ein im Führerhauptquartier »Wolfsschanze« in der Lagebaracke deponierter Sprengsatz. Noch am selben Tag wurde klar, wer die Sprengladung dort abgelegt und gezündet hatte: Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Stabschef beim Befehlshaber des Ersatzheeres. Hitler, den diese Sprengladung töten sollte, überlebte. Ein Wunder, wie der Diktator sogleich behauptete. Oder Absicht?

Seite 21

Mehr Platz für Stammzellen

Münster (dpa/ND). Lässt man speziellen Hoden-Zellen »viel Platz in der Kulturschale und genügend Zeit«, dann versetzen sich einige von ihnen von selbst zurück in einen embryonalen Zustand. Das berichteten Wissenschaftler um Hans Schöler vom Max-Planck-Institut (MPI) für molekulare Biomedizin in Münster. Für diese Rückprogrammierung in sogenannte pluripotente Stammzellen mussten zuletzt wenigstens ...

Profilkarte der Erde

Die US-Weltraumbehörde NASA hat die bislang umfangreichste digitale Karte der Erdoberfläche veröffentlicht. Sie besteht aus 1,3 Millionen einzelnen Bildern, die von einem japanischen Spezialinstrument an Bord des »Terra«-Satelliten aufgenommen wurden, wie die NASA mitteilte. Die Karte, die jedermann im Internet einsehen kann, decke 99 Prozent der Erdoberfläche ab. Die bislang umfangreichste topogr...

Andreas Knudsen, Kopenhagen

Frostschutzmittel in grün

Kälte ist in vielen Bereichen der Technik und Medizin ein Problem. Denn die Bildung von Eiskristallen kann menschliche Zellen ebenso zerstören, wie sie an Tragflächen von Flugzeugen oder den Rotorblättern von Windkraftanlagen stört. Auch die Erdöl- und Erdgasindustrie im hohen Norden kämpft mit diesem Problem, da sich bei hohem Druck und tiefen Temperaturen aus Restwasser und Erdgas Gashydrate in ...

ndPlusGrit Büttner

Elektronische Nase

Ein Kratzen im Hals oder Kopfschmerz müssen nicht unbedingt Anzeichen einer beginnenden Grippe sein. »Früher wussten wir oft nicht, woher solche Symptome rührten«, sagt Holger Riemann, verantwortlich für Arbeitssicherheit im Hauptzollamt des Hamburger Hafens. Dann ergab eine Studie 2006, dass etwa jeder vierte ankommende Seecontainer mit Begasungsmitteln oder toxischen Stoffen bis hin zur Lebensge...

Martin Koch

Und sie bewegt sich doch

Es gibt mindestens zwei gute Gründe, das Leben und Werk des deutschen Astronomen Friedrich Wilhelm Bessel zu würdigen. Erstens leistete dieser maßgebliche Beiträge zur wissenschaftlichen Erforschung des Himmels. Und zweitens erbrachte er jenen zwingenden Nachweis für die copernicanische Theorie vom Umlauf der Planeten um die Sonne, den im Prinzip schon Galileo Galilei gesucht, aber nicht gefunden ...

Seite 22
ndPlusRobert Hagen

Im Nest der Zerstrittenheit

Italiens Linke hat sich nach den Niederlagen der vergangenen Monate noch längst nicht erholt. Dabei ist sie heute mehr denn je gefordert. Wenn sie sich weiter einigelt, könnte sie jedoch gänzlich in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Seite 23

»Im Zweifelsfall lieber schießen!«

Ein halbes Jahr nach Ende des jüngsten Gaza-Kriegs haben israelische Soldaten schwere Vorwürfe gegen ihre eigene Militärführung erhoben, die zu einem brutalen Vorgehen gegen palästinensische Zivilisten ermutigt habe. Die vor fünf Jahren gegründete israelische Organisation »Breaking the Silence« veröffentlichte am Mittwoch einen Bericht mit 54 anonymen Aussagen von Soldaten, die zur Jahreswende an der dreiwöchigen Militäroffensive »Gegossenes Blei« teilnahmen. Bei dem Einsatz, der am 18. Januar endete, waren mehr als 1400 Palästinenser getötet und 5000 weitere verletzt worden. ND veröffentlicht Auszüge aus dem Report:

Seite 24
Testspiel

Testspiel

Wer sagte es? Frauen, die lange ein Auge zudrücken, tun es am Ende nur noch, um zu zielen. Wer war es? Wer wurde am 18. Juli 1837 im bulgarischen Karlowo geboren? Was war es? Welche Bauten wurden am 19. Juli 1950 in Berlin, präziser: in der Hauptstadt der DDR, übergeben? Wo war es? In welcher deutschen Hauptstadt fand am 20. Juli 1932 ein Staatsstreich statt? Wie alt sind sie? Klaus, Bernd und Ern...

Kirschenstreit

Die Deutschen Meisterschaften im Kirschsteinspucken sollten zum Höhepunkt der Kirschernte-Saison im hessischen Witzenhausen werden. Doch jetzt hat der Wettstreit vom vergangenen Wochenende seinen Skandal. Stein des Anstoßes: manipulierte Kirschkerne. Der Betroffene heißt Thomas Brübach. Der 41-Jährige hatte mit 24,76 Metern einen neuen deutschen Rekord erzielt. Doch den Meistertitel ist er seit Mo...

Zum neunten Mal
Carlos García Hernández, Schachlehrer

Zum neunten Mal

Wladimir Kramnik (Russland, 34) fühlt sich in Dortmund wie zu Hause. Der Russe hat zum neunten Mal das wichtigste Turnier Deutschlands gewonnen. Auch diesmal war er schlicht unbesiegbar. Von 10 möglichen Punkten erreichte er 6,5. Er verlor keine Partie. Das Turnier war aber trotzdem spannend. Vor der letzten Runde gab es vier Spieler mit Siegmöglichkeiten und Kramnik führte nur mit einem halben Pu...

Italien probt den »deutschen Stil«

Wollen Schauspieler Karriere machen, streben sie nach Hollywood. Träumen Spieleerfinder vom Durchbruch, denken sie an Deutschland – ausgerechnet! Der italienische Telekommunikationsexperte CARLO A. ROSSI (40) aus Carpi in der Emilia Romagna ist sogar stolz darauf, in seinem Zweitjob mittlerweile als führender Vertreter eines »deutschen« Spieldesigns zu gelten. »Zoowaboo«, das jüngste Produkt des 40-Jährigen, ist vor wenigen Wochen für die Endausscheidung um das Kinderspiel des Jahres 2009 nominiert worden. Mit ihm spricht ND-Autor RENÉ GRALLA.