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Ausgabe vom 24.07.2009

Seite 1

Unten links

Vom versprochenen Chaos in Berlin wegen mangelhafter S-Bahn-Achsen ist bisher leider nicht viel zu sehen, auch wenn »Unten links« sich seit Tagen darum bemüht. Einwohner und Besucher ertragen die Schikanen gefasst. Der Plan, den Tränenpalast als Beschwerdestelle wieder zu eröffnen, musste mangels Kundenwut zurückgestellt werden. Deshalb beginnt die nächste Eskalationsstufe. An einem Regionalzug wu...

Uwe Kalbe

Recht folgenlos

Der Untersuchungsausschuss sollte eigentlich das Unrecht klären, das Menschen auf Regierungsanweisung hin oder unter Duldung der Regierung angetan wurde. Menschen, die ohne Verschulden in den Sog der Terrorismusbekämpfung nach dem 11. September 2001 geraten sind. Er sollte klären, welchen Anteil Deutschland am Krieg gegen Irak hatte, während die Schröder-Fischer-Regierung sich für die Kritik an de...

Gabriele Oertel

Schleswig-Holsteiner haben vorzeitig die Wahl

Der schleswig-holsteinische CDU-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen hat sich durchgesetzt und am Donnerstag die Vertrauensabstimmung im Landtag verloren. Damit ist die Große Koalition endgültig gescheitert und der Weg für Neuwahlen frei. Sie sollen mit der Bundestagswahl am 27. September stattfinden.

ndPlusUwe Kalbe

Karlsruhe: Regierung brach Verfassung

Ein später Erfolg der Opposition im Bundestag: Die Beschränkungen der Arbeit des sogenannten BND-Untersuchungsausschusses waren grundgesetzwidrig. Das hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt.

Seite 2

Der Neue

Michael Macht wird neuer Porsche-Chef. Er ist ein Ziehsohn des bisherigen Vorstandschefs Wendelin Wiedeking und war bislang Produktionsvorstand beim Sportwagenbauer. Der 48-jährige Schwabe stand seit 1992 an Wiedekings Seite. Nicht zuletzt der von ihm initiierten schlanken Produktion verdankt Porsche seinen Aufstieg.Macht studierte Maschinenbau in Stuttgart, war dann beim dortigen Fraunhofer-Insti...

ndPlusHenning Otte, dpa

Wulff zieht Oettinger Porsche aus der Tasche

Die Übernahme von Porsche durch den VW-Konzern lässt den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) blass aussehen. Er hätte sich im Kampf um Porsche nicht genug engagiert und so die Beschäftigten im Stich gelassen, so die Vorwürfe.

Sturz von King Wiedeking
ndPlusUlrich Glauber, Frankfurt am Main

Sturz von King Wiedeking

Die Spatzen pfiffen es seit Wochen von den Dächern: Wendelin Wiedeking – der wohl erfolgreichste deutsche Automanager der letzten fünf Jahrzehnte – musste am Donnerstagmorgen seinen Posten an der Spitze des Porsche-Vorstands räumen.

Seite 3
»Wir haben schon gewählt«
Claudia Emmerling

»Wir haben schon gewählt«

So viel Aufregung hatte Schönberg seit Jahren nicht mehr: volle Säle im Stadtparlament, Demos auf dem Marktplatz, Presserummel, ein offener Brief. Und das alles wegen eines einzigen Mannes: Michael Heinze, 53, Mitglied der LINKEN und ehrenamtlicher Bürgermeister der 4422-Einwohner-Stadt in Nordwest-Mecklenburg.

Die Abwanderung Ost scheint nicht umkehrbar

Die Abwanderung Ost scheint nicht umkehrbar

Extrem strukturschwache Regionen in Deutschland sollten von der öffentlichen Versorgung abgekoppelt werden und nur noch eine Basisversorgung erhalten; der Abwanderungstrend im Osten werde langfristige Auswirkungen haben – das ist das Ergebnis einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Im Interview spricht Institutsdirektor Reiner Klingholz über die Entsiedelung des Ostens, mehr Autonomie für die Kommunen und verbrannte Subventionen. Das Gespräch führte Klaas Tigchelaar.

Seite 4

Immer mehr Deutsche wandern aus

Wiesbaden (epd/dpa). Der Trend zur Abwanderung aus Deutschland hält an. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, zogen im vergangenen Jahr 738 000 Menschen fort. Das waren rund 100 000 mehr als im Jahr zuvor. Sollten sich die noch vorläufigen Ergebnisse bestätigen, hätten 2008 erstmals seit der Wiedervereinigung mehr Menschen Deutschland den Rücken gekehrt als zugezogen sind.2008 si...

Mutter, Mutter, Kind

In Deutschland wachsen immer mehr Kinder in homosexuellen Partnerschaften auf. Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) fordert deshalb das volle Adoptionsrecht für Paare gleichen Geschlechts.

ndPlusHendrik Lasch, Colbitz

Noch ein langer Ritt in der »stilleren« Heide

In der Wittstock-Ruppiner Heide wird es nach Bürgerprotesten kein Bombodrom geben. Anhaltenden Widerstand gegen das Militär leistet auch eine Initiative in der Altmark – bislang indes mit weniger Erfolg. Jetzt besuchten Friedensreiter die stillere Heide.

Seite 5

Post gegen Gen-Futter für Milchkühe

München (AFP/ND). Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat am Donnerstag vor der Molkerei Weihenstephan gegen Gen-Milch protestiert. Etwa 25 Aktivisten von Greenpeace betonierten einen zweieinhalb Meter großen Briefkasten mit 10 000 Protestbriefen vor der Molkerei in Freising bei München ein. Die Verbraucher sprechen sich darin gegen die Verfütterung von Gen-Pflanzen an Milchkühe aus. Jedem der...

Ver.di macht Druck im Kita-Streit

Frankfurt am Main (dpa/ND). Im Tarifpoker bei den kommunalen Kindergärten und Sozialeinrichtungen hat die Gewerkschaft ver.di zum Auftakt der achten Verhandlungsrunde den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. »Es kann durchaus sein, dass wir am Ende dieser Woche vor einer Eskalation der Auseinandersetzung stehen, die wir nicht wollen«, sagte ver.di-Chef Frank Bsirske am Donnerstag in Frankfurt am Main...

Schmidt fordert Ende der Ärzteproteste

Berlin (dpa/ND). Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat die niedergelassenen Ärzte wegen überraschender Mehreinnahmen zum Proteststopp aufgefordert. Für viele Mediziner habe es deutliche Honorarzuwächse gegeben, sagte Schmidt der »Frankfurter Rundschau«. Sie erwarte, »dass nun keine Aktionen mehr zulasten der Patienten unternommen werden und Politgetöse aus Praxen verschwindet«.In Baye...

Begeisterung für Reichensteuer

Der Vorstoß des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) für eine stärkere Umverteilung von oben nach unten findet Unterstützung bei SPD, Grünen und Gewerkschaften. Die Union signalisierte Ablehnung. Die LINKE will Vermögende ohnehin stärker zur Kasse bitten.

Velten Schäfer, Schwerin

Wadan: Ernstfall wird vorbereitet

Über den Stand der Verhandlungen mit dem letzten Großkunden der insolventen Wadan-Werften schweigt Insolvenzverwalter Marc Odebrecht bisher. Derweil beginnen die Vorbereitungen für eine Schließung des drittgrößten deutschen Schiffbauers.

Seite 6

Kaukasus-Politik hinter verschlossenen Türen

Tbilissi/Moskau (dpa/ND). US-Vizepräsident Joe Biden ist zum Abschluss seiner Reise durch westlich orientierte Ex-Sowjetrepubliken in Georgien mit Präsident Michail Saakaschwili zusammengetroffen. Die Begegnung fand am Donnerstag in der Präsidentenresidenz hinter verschlossenen Türen statt, berichteten georgische Medien. Im Anschluss wollte Biden mit führenden Oppositionspolitikern treffen. Nach d...

Marsch nach Honduras

Nach dem Scheitern eines weiteren Vorstoßes zur Lösung der Staatskrise in Honduras will der von Putschisten gestürzte Präsident des Landes einen Marsch nach Honduras beginnen.

Irak bittet um US-Hilfe

Bei ihrem ersten Treffen im Weißen Haus haben die USA und Irak eine Vertiefung der zivilen Zusammenarbeit ihrer Länder angekündigt.

US-Druck auf Nordkorea

Phuket (AFP/ND). US-Außenministerin Hillary Clinton hat die asiatischen Länder zu schärferen Sanktionen gegen die Koreanische DVR (Nordkorea) gedrängt. »Die USA werden auch künftig alle Kanäle nutzen, um Nordkorea zu überzeugen, sein Nuklearprogramm aufzugeben und die Beziehungen mit der Welt zu normalisieren», sagte Clinton am Donnerstag beim Sicherheitstreffen der südostasiatischen Staatengruppe...

Kundus »unter Kontrolle«

Die Bundeswehr setzte ihre Angriffe auf afghanische Aufständische auch am Donnerstag fort. CDU/CSU und SPD verteidigten das Vorgehen und weigern sich weiterhin, es als Krieg zu bezeichnen.

Seite 7
Grausame Sachen
Ingolf Bossenz

Grausame Sachen

Er ließ 1300 Gänsen mit Maschinen die Federn ausreißen – bei lebendigem Leib. Deshalb darf einer der Eigentümer eines Mastbetriebs in Wistedt bei Hamburg mit sofortiger Wirkung keine Tiere mehr halten. Denn in der Europäischen Union ist nur das Rupfen toter Gänse mittels Maschinen erlaubt. »Was da passiert ist«, so ein Sprecher des Veterinäramtes im Kreis Harburg, »ist eine grausame Sache.« ...

Kay Wagner, Brüssel

Machtspiele um Verbraucherschutz

Der erste Gesetzesvorschlag für eine europäische Sammelklage ist nicht wie geplant in der vergangenen Woche auf den Tisch gekommen. Die EU-Kommission machte auf Druck bürgerlicher Parlamentarier einen Rückzug. Nicht alle Verbraucherschützer finden das schlecht.

Italiens Linke formen eine neue Föderation

Italiens Linke formen eine neue Föderation

Am vergangenen Wochenende haben italienische Linke in Rom mit einem Zusammenschluss verschiedener Kräfte einen Neuanfang gewagt. Ziel ist, die Zersplitterung zu überwinden, ohne dabei – wie im Fall der gescheiterten Regenbogenlinken 2007 / 2008 – Identitäten und Differenzen zu ignorieren. Bereits bei den Europawahlen im Juni waren die jetzt verknüpften Parteien Rifondazione Comunista (PRC), die Partei der Italienischen Kommunisten (PdCI) und die linkssozialdemokratische Gruppe »Socialismo 2000« gemeinsam angetreten. Mit PRC-Sekretär Paolo Ferrero sprach für ND Raoul Rigault über das neue Projekt.

Seite 8
ndPlusGabriele Oertel

Tasso in Kiel

SPD-Fraktionschef Ralf Stegner blieb sich treu. Nicht nur, dass er seine nicht ganz freiwillige Wandlung vom Koalitionspartner zum Oppositionsführer umgehend in Rede-Reihenfolge wie -Zeit ummünzte. Auch in Stil wie Inhalt zeigte er wenig von seinem angeblichen Harmoniebedürfnis, das der Sozialdemokrat unlängst über sich selbst zu Protokoll gegeben hat. Dass dem Kieler CDU-Ministerpräsidenten Peter...

Detlef D. Pries

Kapitän in Haft

Nicht in Israel, den USA oder Indien (wo man ihn wähnte), sondern im Dörfchen Molotschki im nordukrainischen Gebiet Shitomir wurde am Dienstag der ehemalige Generalleutnant Olexi Pukatsch festgenommen. Pukatsch soll im Jahre 2000 den Journalisten Grigori Gongadse ermordet haben. Geradeso wie der Fall Gongadse die ukrainische Politik bewegte, wird auch die Festnahme des einstigen Chefs der Abteilun...

Ingolf Bossenz

Krieg ist keine Kunst

Die jetzt in Afghanistan rollenden und schießenden deutschen Panzer rufen an der Heimatfront Abwiegler wie Scharfmacher auf den Plan – und damit Zeitgenossen, die gleichermaßen unappetitlich sind. Während Franz Josef Jung in autistischer Halsstarrigkeit auf einem »Stabilisierungseinsatz« beharrt, bringt »Bild« ein Fossil in Stellung, das immerhin so populär war, es regelmäßig auf die Liste d...

Zunehmende Segregation
ndPlusHarry Nick

Zunehmende Segregation

Das Wort ist eine treffende Bezeichnung eines an Bedeutung gewinnenden gesellschaftlichen Vorgangs – im Wortschatz der Medien und Politiker dennoch kaum zu finden. Aus demselben Grunde wohl, aus welchem das bekannte Wort »Klasse«, sofern nicht von Fußball oder Eisenbahn die Rede ist, dort auch nicht vorkommt. Segregation bedeutet Trennung, Absonderung, Entmischung. Im heute vorherrschenden V...

Seite 9
ndPlusManfred Weißbecker

Ein couragierter Blick

Innerhalb von nicht mal einem Jahr hat er drei Bücher auf den Markt gebracht: Nach »Autobahn zum Mutterkreuz«, eine Auseinandersetzung mit Legenden über den NS-Staat, ließ Wolfgang Wippermann von der Freien Universität Berlin im Frühjahr dieses Jahres die Streitschrift »Dämonisierung durch Vergleich: DDR und Drittes Reich« folgen. Am Mittwochabend stellte er diese Polemik gegen die Verharmlosung der Verbrechen der Hitler-Diktatur durch Verteufelung der DDR im ND-Club vor. Dieser Tage nun erschien aus seiner Feder zudem eine Publikation, in der er Wesen und Strukturen faschistischer Regimes, Parteien und Organisationen entlarvt.

Die Statik des Widerständigen
Harald Kretzschmar

Die Statik des Widerständigen

PROLOG. Als Volker Brauns so vieles in Frage stellende Stück »Die Übergangsgesellschaft« schließlich doch auf die Bretter des Maxim-Gorki-Theaters kam und der Intendant, das ZK-Mitglied Albert Hetterle, eine der Hauptrollen eines Scheiternden spielte, da waren wir bis ins Innerste berührt. Und kamen selbst aus dem Infragestellen und Antwortsuchen nicht mehr heraus. So vieles war in Bewegung in ein...

Seite 10

Quergelesen

In den 1960er Jahren war das Gesicht der Bildungsverlierer in der alten Bundesrepublik weiblich, die Konfession katholisch, die Herkunft ländlich. Die Bildungsreformen der folgenden Jahre haben das katholische Mädchen vom Lande gefördert, auf der Strecke blieben, so die These des Journalisten und Medienwissenschaftlers Arne Hoffmann, die Jungen. Sie sind heute zum Problemfall im Bildungssystem gew...

Bildungssplitter

Bremen (dpa/ND). Bei der 50. Internationalen Mathematik-Olympiade (IMO) in Bremen haben die deutschen Teilnehmer am Dienstag Gold-, Silber- und Bronzemedaillen gewonnen. Das jüngste Teammitglied, die 16-jährige Lisa Sauermann aus Dresden, erzielte das drittbeste Einzelergebnis der 565 Schüler und Schülerinnen aus aller Welt. Die Nationenwertung der 104 Länder gewann China vor Japan und Russland. D...

McBildung aus Osteuropa?
Peter Nowak

McBildung aus Osteuropa?

Sollen Lehrer aus Osteuropa künftig zur Aufrechterhaltung des Bildungsbetriebs in Deutschland eingesetzt werden? Diese Frage wurde in den letzten Tagen heftig diskutiert. Handelt es sich dabei nur um das berühmte Sommerlochthema, wie eine Pressemitteilung des Sekretariats der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder suggeriert? Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinge...

Sabine Sölbeck

Nur bedingt praxistauglich

Für Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) war der Protest der Studierenden gegen die Bologna-Reform vor einem Monat nur eine ärgerliche Randerscheinung. Sie und andere taten die Kritik als »gestrig« ab. Doch der Bologna-Prozesses wird auch von Wissenschaftlern an den Universitäten kritisiert. Und diese Kritik ist fundamental.

ndPlusJens Thomas

Krisenfest durch Doktorhut?

Wer zum Doktor möchte, muss heute nicht mehr unbedingt einen Arzt aufsuchen. Seit Jahrzehnten nehmen die Zahlen an Promovierenden in Deutschland zu. Das »Dr.« auf dem Briefkopf oder Klingelschild ist keine Seltenheit mehr. In einer mobilen und flexiblen Arbeitsgesellschaft zählen Qualifizierung und Bildungserwerb. Zwar steht Deutschland einer OECD-Studie aus dem vergangenen Jahr zufolge in puncto ...

Seite 11
ndPlusSteffen Schmidt

Windkraft widersteht der Krise

Anders als die meisten anderen Wirtschaftszweige kann die Windkraftbranche auch 2009 wieder mit einem Wachstum rechnen. Das jedenfalls ist nach einem guten ersten Halbjahr die Prognose des Bundesverbandes WindEnergie und des Maschinenbauverbandes VDMA Power Systems, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

ndPlusElfi Schramm

Medizinischer Fortschritt für alle?

2008 haben Gesetzliche Krankenkassen 29,2 Milliarden Euro für Fertigarzneimittel und Impfstoffe ausgegeben. Gegenüber 2007 sind das 1,5 Milliarden Euro mehr. Regional gibt es jedoch Unterschiede im Arzneimittelverbrauch. Dies sind die wesentlichen Ergebnisse des Arzneimittel-Atlas, der am Donnerstag im Auftrag der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) in Berlin vorgestellt wurde.

Lichtblick für Aktionäre

München (dpa/ND). Aktionäre des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) können in bestimmten Fällen auf Schadenersatz für Kursverluste ihrer Anteile hoffen. Für Aktienkäufe zwischen Ende November 2007 und dem 15. Januar 2008 gebe es gewisse Erfolgschancen, sagte der Vorsitzende Richter der 22. Zivilkammer am Landgericht München, Matthias Ruderisch, am Donnerstag im bislang größten Prozess um...

Zweikampf um Opel

Zürich/Frankfurt am Main/Wien (dpa/ND). Das Bieterwettrennen um die Opel-Übernahme ist nur noch ein Zweikampf. Der chinesische Hersteller BAIC ist praktisch ausgeschieden. »Wir haben gemeinsam vereinbart, weitere Detailgespräche mit Magna und RHJI zu führen, um die Zukunft von Opel zu sichern«, sagte der Verhandlungsführer des US-Konzerns General Motors (GM), John Smith, am Donnerstag. Am Vortag hatten GM und Vertreter von Bund und Ländern über die drei Entwürfe zum Einstieg bei Opel debattiert.

Seite 12

Private: Kosten steigen schneller

Die für Versicherte mit hohem Einkommen, Selbstständige und Beamte bestehende Möglichkeit, aus der gesetzlichen (GKV) in die private Versicherung (PKV) zu wechseln, führt nach Angaben einer Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung zu einer »negativen Auslese«. Insbesondere gesunde junge Singles mit hohen Einkommen entzögen sich dem gesetzlichen Solidarsystem. Personen mit mittleren oder unteren...

ndPlusPeter Nowak

Wer sich organisiert, fliegt raus

Das im Jahr 2006 gegründete Start Up-Unternehmen Flyeralarm gilt bundesweit als wichtige Adresse für schnelle und preisgünstige Druckaufträge. Doch jetzt steht das schnell expandierende Würzburger Unternehmen mit Niederlassungen in Dresden, Düsseldorf und München in der Kritik der zuständigen Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Eine Betriebsratsgründung bei Flyeralarm sei »mit all den Gefahren ver...

ndPlusIna Beyer

Gebildeter aus der Krise

Der DGB kritisiert, dass die in der Wirtschaftskrise länger geförderte Kurzarbeit bisher viel zu wenig für die Weiterbildung genutzt wird. »Es wird viel zu wenig qualifiziert, obwohl die Förderbedingungen so lukrativ sind wie nie«, meint dazu der Bereichsleiter für den Arbeitsmarkt, Wilhelm Adamy. Die Bundesagentur für Arbeit stellt für 2009 rund 570 Millionen Euro für Qualifizierungen in Kurzarbe...

Christoph Nitz, Sprockhövel

Nichts gutes – außer man tut es

Mehr als 320 Aktive von IG Metall, ver.di und IG BAU machten sich beim »Union Summer« vom 9. bis 12. Juli auf die Suche nach neuen Wegen, um als Gewerkschaften in den kommenden gesellschaftlichen Debatten durchsetzungsfähig zu bleiben.

Emmely bald wieder vor Gericht?
Joel Vogel

Emmely bald wieder vor Gericht?

Die Geschichte der als Emmely bekannt gewordenen Berliner Kassiererin ist zum Symbol für soziale Ungerechtigkeit geworden. Ein zynischer Fachartikel des wirtschaftsnahen Rechtsprofessors Volker Rieble könnte ein Ermittlungsverfahrens gegen Emmely nach sich ziehen.

Seite 13
Mit Musik gegen Rassismus

Mit Musik gegen Rassismus

Der Kameruner Asylbewerber Vickson ist Musiker und hat gerade eine CD mit dem Titel »The Most Wanted and Vickson: Nur Freiheit« herausgebracht. Die acht Songs handeln von der Residenzpflicht, von Kindern, die in Flüchtlingsheimen geboren wurden, rassistischen Übergriffen und Fragen der Integration. Die CD ist zu bestellen beim Flüchtlingsrat Brandenburg. Vickson ist momentan gezwungen, in Brandenburg in einem Heim zu leben. Seit vier Jahren ist er in der Flüchtlingsinitiative Berlin/Brandenburg (FIB) aktiv. Mit dem Musiker sprach Tim Zülch.

Birgit v. Criegern

Feuertod gibt weiter Rätsel auf

Die Gedenkinitiative für den in einer Dessauer Polizeizelle ums Leben gekommenen Oury Jalloh arbeitet an einer internationalen Untersuchungskommission.

Bewegungsmelder

Erste Urteile gegen die Feldbefreier von Kitzingen (ND) Am 20. Juli begann vor dem Amtsgericht Kitzingen die Prozess-Serie gegen die Feldbefreierinnen und Feldbefreier des Sommers 2008. Den Auftakt machten Erasmus Müller und Cécile Lecomte, die im letzten Jahr an der Feldbefreiung im bayerischen Kitzingen beteiligt waren. Am ersten Prozesstag wurde die Verhandlung nach etwa 4 Stunden auf den 22. J...

Niels Seibert

Das Ende der Militanz

Durch ein kontinuierliches Auftreten und regelmäßige Textbeiträge hat sie sich einen Namen gemacht und die Ermittlungsbehörden auf den Plan gerufen. Acht Jahre nach ihrer ersten Aktion löst sich die »militante gruppe« (mg) nun auf.

Seite 14
Streitfrage: Strom aus der Wüste – Fata Morgana oder Energiewende?

Streitfrage: Strom aus der Wüste – Fata Morgana oder Energiewende?

Es debattieren: Dr. Hermann Scheer, Jahrgang 1944, seit 1993 Mitglied des SPD-Parteivorstandes, seit 1980 Bundestagsmitglied und Andree Böhling, Jahrgang 1972, von 2001 bis 2006 Referent bei der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, seit drei Jahren Klima- und Energieexperte der Umweltorganisation Greenpeace....

Konzerne stärker in die Pflicht nehmen
ndPlusAndree Böhling

Konzerne stärker in die Pflicht nehmen

Die Produktion und der Import von Solarstrom aus den sonnenreichen Wüstengebieten Nordafrikas und den Ländern des Nahen Ostens ist eine reale Alternative zur derzeitigen europäischen Energieversorgung. Sie ist viel realistischer als die Nutzung der Kernfusionsenergie, die Abspaltung und Speicherung von CO2 aus Kohlekraftwerken oder auch der Bau vieler neuer Atomkraftwerke. Und sie ist natürlich vi...

Ein rückwärtsgewandtes Energiekonzept
Hermann Scheer

Ein rückwärtsgewandtes Energiekonzept

Europa braucht keinen Wüstenstrom. Am Beispiel Deutschland ist schon zigfach nachgerechnet worden, dass wir bis zum Jahr 2040 unseren Strombedarf zu 100 Prozent aus heimischen erneuerbaren Energiequellen decken können. Es ist deshalb überhaupt nicht begründbar, warum wir uns bei erneuerbaren Energien zukünftig, so wie jetzt beim Öl, von Importen aus zum Teil politisch instabilen Staaten abhängig m...

Seite 16

Erfolglose Springer

Für die Wasserspringer gab es bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Rom auch gestern wieder nur eine Nullnummer. Patrick Hausding enttäuschte bei der drittletzten Sprungentscheidung und blieb ohne die erhoffte erste Medaille für die deutschen Starter. Beim Sieg des Chinesen He Chong, der 505,20 Punkte vom Drei-Meter-Brett ersprang, ging der Berliner volles Risiko, doch der erstmals bei einem groß...

Tom Mustroph, Annecy

Contador vor Gesamtsieg

Die Tour um den malerischen See Lac d’Annecy hat Alberto Contador gewonnen. Auf dem 40,5 km langen Kurs erwies sich der bislang dominierende Rennfahrer dieser Tour erneut als der beste. Weder der am Ende einsetzende Regen noch eine technisch anspruchsvolle Abfahrt kurz vor dem Ziel konnten den Spanier bremsen. Seine Kontrahenten sowieso nicht. Vom Start weg baute Contador seinen Vorsprung au...

Japans bester Mann

Japans bester Mann

Beppu Fumiyuki ist ein harter Junge. Eine große Narbe ziert die linke Wange des Japaners. Er hat sie sich aber nicht in einem Straßenkampf mit Yakuza zugezogen, sondern bei der Ausübung seines Berufs. »Es war 2004. Ich bin nach einer wirklich guten Leistung beim Nachwuchsrennen von Paris – Roubaix nach Hause gekommen. Ich war so euphorisiert, dass ich beim Training nicht auf den Verkehr geac...

Seite 17

Lob der Weitsicht

Wie wurde die U 55 verspottet, Kanzler-U-Bahn war da noch eine eher harmlose Bezeichnung für den Wurmfortsatz vom Hauptbahnhof. Jetzt ist klar, wie Unrecht den Planern getan wurde. Jetzt haben wir das S-Bahn-Desaster, und alle sind froh über irgendeinen rollenden Untersatz, mit dem sich das Chaos umfahren lässt. Welch eine Weitsicht, als das Projekt vor 14 Jahren gestartet wurde. Die schlappen 322...

U-Bahn kommt angeschwebt
ndPlusBernd Kammer

U-Bahn kommt angeschwebt

Kanzler-U-Bahn, Stummel- oder Spielzeugbahn – die U 55 hatte schon mehr oder weniger nette Bezeichnungen weg, als an eine Fahrt noch gar nicht zu denken war. Jetzt ist es fast so weit: Am 8. August, 11.05 Uhr, soll sich der erste Zug vom Hauptbahnhof Richtung Brandenburger Tor in Bewegung setzen.Doch erstmal wurde die U 55 gestern zur Schwebebahn. Ein Spezialkran hievte die ersten, jeweils 2...

Impulsgeber der Integration
ndPlusMartin Kröger

Impulsgeber der Integration

Die Rundtour beginnt mit einem Schock. Haarscharf rast ein jugendlicher Radfahrer auf dem Bürgersteig an Integrationssenatorin Heidi Knake-Werner (LINKE) vorbei, als sie gerade ihren Amtssitz in der Oranienstraße verlässt, um die Journalisten zu begrüßen, die mit ihr gemeinsam drei Projekte des Öffentlichen Beschäftigungssektors (ÖBS) besuchen wollen. Danach gestaltet sich der Tag allerdings umso ...

Seite 18

Hackesches Richtfest

(ND-Bodtke). Das Hackesche Quartier zwischen Hackeschem Markt und Museumsinsel feierte am Donnerstag Richtfest. Nachdem das Gelände in Mitte 20 Jahre lang eher einer Brache als einem nutzbaren Gelände glich, wurde es nach und nach von der IVG Immobilien AG aufgekauft. Jens-Peter Heuer, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Wirtschaft, wertete das »ehrgeizige Projekt« als ein gutes Zeichen für di...

Lichtenberger in Auschwitz

(ND). Auf Initiative des Gewerbetreibenden-Stammtisches des Weitlingkiezes in Lichtenberg unternehmen Gewerbetreibende und Mitglieder des Forums Weitlingkiez vom 31. Juli bis zum 2. August eine Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz. Initiator der Fahrt ist Sito Kranke, Sprecher des Stammtisches. Das Begreifen einer furchtbaren Vergangenheit mit eindeutigen Opfern und Tätern mache Engagement für das fr...

Anne Britt Arps

Gelbe Karte für Kulturstadtrat

Der Pankower Kulturstadtrat, Michail Nelken (LINKE), ist nochmal mit einem blauen Auge davongekommen. Der Missbilligungsantrag, den die Fraktionen der CDU und der Grünen gegen ihn gestellt hatten, ist in der gestrigen Sondersitzung der Bezirksverordnetenversammlung nicht beschlossen worden. Mit 13 Ja-Stimmen aus den Reihen von CDU, Grünen und FDP erreichte der Antrag nicht die erforderliche absolu...

Seite 19
SMS des 19. Jahrhunderts
Elke Vogel, dpa

SMS des 19. Jahrhunderts

Schon lange vor Twitter und SMS waren die Deutschen im Mitteilungsrausch. Bis zu zehnmal am Tag wurde um das Jahr 1900 zum Beispiel in Berlin die Post ausgetragen. Jeden Morgen und jeden Abend schrieb etwa der Opa von Wilfried Matanovic in jungen Jahren eine Postkarte an seine Angebetete. »Aus lauter Liebe«, erzählt der Enkel des leidenschaftlichen Liebhabers. Straßenhändler, die damals in Restaur...

Befreiung vom Jugendstil
ndPlusVolkmar Draeger

Befreiung vom Jugendstil

Munchs Lithografie von 1906 zeigt ihn durchgeistigt leidend; zerfurcht sieht ihn ein Holzschnitt von Kirchner aus dem Jahr 1917; schmalgesichtiger, hagerer Denker ist er 1913 in Kolbes Gipsmodell für eine Bronze. So viele Gesichter Henry van de Velde (1863-1957) hat, so vielseitig war sein künstlerisches Oeuvre. Nachdem der Belgier van Goghs Gemälde gesehen hatte, wandte er sich von der Malerei hi...

Seite 20
ndPlusAndreas Fritsche

Politiker unter Beobachtung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) antworte nicht, aber Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD), der sich ja nun in Brandenburg um ein Bundestagsmandat bemühe, sei voll eingestiegen, erzählt Gregor Hackmack. Er ist einer der beiden Gründer von abgeordnetenwatch.de. Die von einem Verein getragene Initiative ermöglicht es, dass Bürger fragen, Politiker antworten und jeder das verfolgen kann ...

Andreas Fritsche

Die »Ziegenhals« und die »Charlotte«

»Wo soll ich anfangen?«, fragt der Regionalforscher Fred Bruder. Die Geschichte des Bootes »Charlotte« hört sich interessant an – und dabei ist sie nur ein Mosaiksteinchen zu den Ereignissen am 7. Februar 1933 im Sporthaus Ziegenhals. Dort tagte die berühmte illegale KPD-Funktionärskonferenz. Der Parteivorsitzende Ernst Thälmann redete.Gestern sollte die »Charlotte« aus einer Werft in ihr ne...