Ausgabe vom 31.07.2009

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Unten links

Die Matrjoschka-Puppe soll nicht länger zum Angebot der Souvenir-Läden in der Sankt-Petersburger Eremitage gehören. Auch will deren Direktor dafür kämpfen, sie künftig keinem ausländischen Politiker mehr als »typisch russisches« Geschenk zu überreichen. Denn sie ist nicht typisch russisch. Matrjoschka sei als Holzpuppe eine »Zugereiste mit japanischem Migrationshintergrund« und erst 1890 eingeführ...

Kurzarbeit verzögert die Jobkrise

Nürnberg (dpa/ND). Der hunderttausendfache Einsatz von Kurzarbeit in deutschen Unternehmen verhindert weiterhin Massenentlassungen und zögert die drohende Jobkrise hinaus. Im Juli stieg die Zahl der Arbeitslosen offiziell lediglich um 52 000 auf 3 462 000. Dennoch lag die Juli-Zunahme damit doppelt so hoch wie im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. Noch vor einem Jahr waren 252 000 weniger Mä...

ndPlusInes Wallrodt

Mehr Arbeit

Nein, ganz so einfach darf es sich die Bundesregierung nicht machen. Die Karlsruher Richter haben der Machtarroganz der Exekutive einen Dämpfer versetzt: Es reicht nicht, auf eine fürs Staatswohl »notwendige Geheimhaltung« zu verweisen, um die Frage von Abgeordneten abzuschmettern, ob sie Objekt geheimdienstlicher Überwachung sind. Ob Volksvertreter im Visier sind, sollte grundsätzlich schon zu er...

Auskunft zu Bespitzelung Pflicht

Abgeordnete dürfen von der Bundesregierung grundsätzlich Auskunft über eine mögliche Bespitzelung durch die Geheimdienste verlangen. Das hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden.

Ab Montag stehen die Wadan-Kräne

Am Montag beginnt auf den Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde das Insolvenzverfahren. Die Arbeit auf den Werften ruht. Die 2400 Beschäftigten gehen in eine Auffanggesellschaft, die für fünf Monate 70 Prozent des Lohns garantiert.

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Schwert, Dolch oder doch nur Käsemesser?

Eigentlich, so wird in Demokratie-Vorlesungen gelehrt, sind Untersuchungsausschüsse das schärfste Schwert eines Parlaments. Es soll dazu dienen, dass die Volksvertretung ihrer Kontrollpflicht nachkommen kann. In der Geschichte der Bundesrepublik gab es schon so manchen Untersuchungsausschuss: Fibag-Affäre (1962), Flick-Affäre (1984), U-Boot-Export (1986), Transnuklear/Uranskandal (1988), CDU-Spend...

ndPlusRudolf Stumberger

Arbeitszwang als Abschreckung

Arbeitszwang als Drohung für Erwerbslose? Das planen die Zukunftskommissionen Bayerns und Nordrhein-Westfalens. Nun liegen die Ideen beim Wirtschaftsministerium – Vorläuferprojekte gibt es bereits.

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»Wir dachten: ein, zwei Jahre«

Als Verteidigungsminister Jung am 9. Juli den Verzicht der Bundeswehr auf den Bombenabwurfplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide verkündete, war die Mission von Benedikt Schirge (rechts) erfüllt. Seit 17 Jahren ist der Pfarrer aus Zühlen bei Rheinsberg Sprecher der Bürgerinitiative Freie Heide, schob Aktionen an, gab der Bewegung Stimme und Gesicht. Mit ihm sprach Wolfgang Hübner.

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Urteil: Kündigung wegen Kinderbett unwirksam

Mannheim (dpa/ND). Die Kündigung eines Müllmanns, der ein ausrangiertes Kinderbett mitgenommen hatte, ist unwirksam. Das Verhalten des Mitarbeiters einer Entsorgungsfirma sei zwar nicht korrekt gewesen, betonte das Arbeitsgericht Mannheim am Donnerstag. Die fristlose Kündigung sei aber unverhältnismäßig.Nach dem Urteil darf der 29-Jährige weiter bei der Entsorgungsfirma arbeiten. Ihm war im Dezemb...

Wie Hühner in der Käfighaltung
ndPlusHendrik Lasch, Wittenberg

Wie Hühner in der Käfighaltung

Der ungeklärte Tod eines Asylbewerbers hat zu Aufmerksamkeit für die schlechten Lebensbedingungen im Flüchtlingsheim Möhlau geführt. Bei einer Demonstration in Wittenberg wurde nun die Schließung gefordert.

ndPlusIsabel Fannrich-Lautenschläger

Wandern gegen den Strom

Gleich nach der Wende, im Jahr 1990, ging Jens Ahäuser aus Hessen als Gewerkschaftssekretär für die Gewerkschaft ÖTV ins thüringische Suhl. »In den wilden Osten«, wie er scherzhaft sagt. Er hatte Politik studiert und war froh, eine Stelle zu finden. »Ich habe mir gar nicht so viele Gedanken gemacht.« Seine Verwandten und Freunde ließ er in Hessen zurück, zwei Jahre nach ihm kam seine Lebensgefährt...

Seite 5

FDP entdeckt Herz für Bedürftige

Berlin (AFP/ND). FDP-Chef Guido Westerwelle hat ein höheres Schonvermögen für Hartz-IV-Empfänger gefordert. »Wir wollen das Schonvermögen für private oder betriebliche Altersvorsorge einschließlich der Riester- und Rürup-Renten auf 750 Euro je Lebensjahr verdreifachen«, sagte Westerwelle der »Berliner Zeitung«. »Das ist das Mindeste, was man tun muss.« Das derzeitige Schonvermögen sei zu niedrig. ...

Corinna missbraucht und ermordet

Leipzig (AFP/ND). Die neunjährige Corinna aus Eilenburg in Sachsen ist einem Sexualverbrechen zum Opfer gefallen. Das habe die Obduktion ergeben, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Strobl am Donnerstag in Leipzig. Eine heiße Spur hatte die nach dem Fund der Leiche gebildete Sonderkommission aus 80 Beamten nach Polizeiangaben vom Donnerstagmittag zunächst nicht.Das Mädchen war tot an einem Wa...

Kanzlerkandidat hat nun Kompetenz
Gabriele Oertel

Kanzlerkandidat hat nun Kompetenz

Gemeinsam mit zehn Genossinnen und acht Genossen zieht SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier in den Wahlkampf. Bei der Vorstellung seines Kompetenzteams am Donnerstag in Potsdam versprach der Bundesaußenminister kein »Weiter so« – sondern einen »Aufbruch zum Besseren«.

Fabian Lambeck

Recherche im Auftrag der Wirtschaftslobby

Mit offensichtlich irreführenden Versprechungen wollte eine neoliberale Denkfabrik junge Journalisten ködern. Der Fall zeigt, wie weit die unheilvolle Allianz zwischen Journalismus und bezahlter PR bereits gediehen ist.

Seite 6
ndPlusFabian Lambeck

Sozialliberal?

Lange Zeit stieß die Idee von einem »sozialen Liberalismus« auf wenig Gegenliebe in der FDP. Mit dem Auseinandergehen der SPD/FDP-Koalition im Jahre 1982 zerbrach auch der sozialliberale Flügel der FDP. Nur Gerhard Baum verharrte bei den Liberalen. Der ehemalige Bundesinnenminister betätigte sich in den letzten Jahren immer wieder als Rufer in der Wüste, ab und an sekundiert von Sabine Leutheusser...

ndPlusVelten Schäfer

Spott und Schaden

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Auf einmal weiß jeder Journalist, dass die Wadan-Werften in Wahrheit keine Opfer der Wirtschaftskrise sind, die vom Finanzmarkt ausgegangen ist. Nein, man habe »schlecht gewirtschaftet«. Statt einfacher Containerschiffe, heißt es, hätte man Spezialschiffe konstruieren müssen, etwa für den Bau von Offshore-Windanlagen. Tatsächlich zeigen a...

Detlef D. Pries

Zeitenwende in Moldova?

Die Demokratie hat gewonnen«, jubilierte ein liberaler Politiker nach Bekanntwerden erster Ergebnisse der Parlamentswahlen in Moldova. Getreu dem Motto: Demokratie ist, wenn der Gegner verliert, zumal wenn es sich auch nur dem Namen nach um Kommunisten handelt. Der da jubelt und von »Zeitenwende« spricht, sollte sich daran erinnern, dass nicht die Kommunisten regierten, als in den ersten zehn Jahr...

Mark Wolter

Ehrenrunde

Kaum war die Ankündigung raus, dass Michael Schumacher den verletzten Brasilianer Felipe Massa im Ferrari-Cockpit ersetzt, überschlugen sich Nachrichtenagenturen mit Meldungen und Sportprominente mit Superlativen. Ob nun sportliche Bereicherung oder nicht, der krisengeschüttelten Rennserie kommt die Ehrenrunde des Rekordweltmeisters gerade recht – überstrahlt sie doch unpopuläre Diskussionen...

Der Dollar-Thron wackelt
Christa Luft

Der Dollar-Thron wackelt

Noch vor Ende des Zweiten Weltkrieges schrieben 44 Staaten im Abkommen von Bretton Woods den US-Dollar als Leitwährung fest. Er wurde in ein System fester Wechselkurse eingebunden, und die USA verpflichteten sich, auf ihn lautende Forderungen jederzeit in Gold einzutauschen. 1971 kündigte Präsident Nixon dieses Abkommen. Die USA befanden sich im Vietnamkrieg, druckten für dessen Finanzierung Dolla...

Seite 7
Stefan Tolza

Handwerker wittern neue Gefahr

Umweltschutz, verordnet von der EU, könnte das Aus für viele Handwerksbetriebe bedeuten. Das zumindest fürchtet der Zentralverband des Deutschen Handwerks.

ndPlusGregor Putensen

Die Hürden werden noch errichtet

Island ist auf seinem Weg in die Europäische Union einen Schritt vorangekommen: Die EU-Außenminister erteilten der Europäischen Kommission am Montag in Brüssel den Auftrag, die Beitrittstauglichkeit der Atlantikinsel zu prüfen. Das isländische Parlament hatte Mitte Juli für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen gestimmt.

Erfassungswahn
ndPlusUlla Jelpke

Erfassungswahn

Datenschützer wissen: Jede Datenbank, egal für welchen Zweck sie einerichtet wurde, wird irgendwann die Begehrlichkeiten der Sicherheitsbehörden wecken. Sicherheitspolitiker der »bürgerlichen Mitte« sind redlich bemüht, immer wieder den Wahrheitsgehalt dieses Leitsatzes zu unterstreichen. Erinnert sei nur an die Öffnung der Lkw-Mautdatenbanken für die Polizei. Dieses Spiel hat auch in Brüssel Freu...

Die »Fünfte Gewalt« zieht die Fäden
Kay Wagner, Brüssel

Die »Fünfte Gewalt« zieht die Fäden

Entscheidungen in der EU werden zwar von Politikern und Beamten getroffen, aber von sogenannten Lobbyisten beeinflusst. Zahlreich sind sie in Brüssel vertreten. Wer genau sie sind und was sie konkret machen, ist oft nicht bekannt. Häufig werden sie als »Fünfte Gewalt« bezeichnet.

Seite 8

Massaker in Nigeria

Maiduguri (AFP/ND). Bei schweren Kämpfen im Norden Nigerias hat die Armee in der Nacht zum Donnerstag rund 300 islamistische Aufständische getötet. 200 Aufständische, die von den Behörden als »Taliban« bezeichnet werden, seien am Stadtrand ihrer Hochburg Maiduguri »auf der Flucht erschossen« worden, teilte ein Vertreter der Polizei mit. Ein nigerianischer Journalist, der sich in Maiduguri aufhielt...

China will weniger Abtreibungen

Peking (AFP/ND). In China sorgen sich die Behörden um die hohe Zahl von Abtreibungen: Mindestens 13 Millionen Frauen nehmen in dem Land jährlich einen Schwangerschaftsabbruch vor, wie die Zeitung »China Daily« am Donnerstag unter Berufung auf Schätzungen berichtete. Angesichts der Unwissenheit vieler Chinesen in Bezug auf Sexualität und Verhütung forderten Experten eine konsequentere Aufklärung vo...

Opposition siegte

Chisinau (AFP/ND). Bei der Parlamentswahl in Moldova hat das prowestliche Oppositionslager die regierenden Kommunisten geschlagen. Wie die Wahlkommission am Donnerstag nach Auszählung fast aller Stimmen bekanntgab, errangen die vier größten Oppositionsparteien mit voraussichtlich 53 Sitzen die Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Nach Oppositionsangaben haben bereits Gespräche über die Bildung einer Koal...

ndPlusFalk Diederich und Sonja Lüddecke, Las Manos

Zelaya baut Volksarmee auf

Der ins Exil getriebene honduranische Präsident Manuel Zelaya lässt nicht locker: Für eine baldige Rückkehr in seine Heimat will Zelaya eine »friedliche Volksarmee« aufstellen.

Seite 9

Ölbedarf sinkt – Shell entlässt

Den Haag (dpa/ND). Der größte europäische Ölkonzern Shell reagiert mit Stellenkürzungen im Management und weiteren Reduzierungen der Kosten auf einen erneuten scharfen Rückgang seiner Profite. Vor allem wegen des Einbruchs der Öl- und Gaspreise sanken Shells Gewinne im zweiten Quartal um 70 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar (1,63 Milliarden Euro). Bei der Bekanntgabe der Zahlen warnte der neue Vor...

Peter Nowak

Fair Play auch für die Arbeiter

In Südafrika wird unter Hochdruck gearbeitet, um die Infrastruktur für die Fußball-Weltmeisterschaft (WM) im nächsten Jahr fertigzustellen. Der Druck auf die Arbeiter wächst – genau wie die Gewinne der Baufirmen durch das sportliche Großevent.

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Im Würgegriff der Krise

Weltweit haben Autohersteller und ihre Zulieferer momentan mit heftigen Problemen zu kämpfen. Besonders dramatisch stellt sich die Lage in Russland dar: Hier drohen schon bald Millionen von neuen Arbeitslosen.

Seite 10

Gelder aus öffentlicher Hand

Staatliche Subventionen für Unternehmen in der Bundesrepublik sind in der Regel an die Zusage von neuen Stellen geknüpft. Obwohl die Versprechungen oft nicht eingehalten werden, ziehe der Staat seine Förderung fast nie zurück, heißt es in einer aktuellen Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung. »Wie die Förderpraxis zeigt, wird nicht selten die Zahl der zugesagten Arbeitsplätze nach unten korr...

DGB für mehr Kreativität

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat davor gewarnt, den relativ leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit als Entwarnungssignal zu deuten. Für den Herbst ist nach Einschätzung von DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach »eine deutliche Verschlechterung der Arbeitsmarkt-Situation« zu befürchten. Zudem bilde die Statistik »nicht das ganze Ausmaß« der Arbeitslosigkeit ab, da seit Mai die von private...

IG BAU will nicht weiter verhandeln

Auch die sechste Tarifrunde für die rund 850 000 Gebäudereiniger in Deutschland hat keinen Durchbruch gebracht. Arbeitgeber und Gewerkschaft brachen am Mittwochabend die Gespräche in Frankfurt am Main nach zehnstündigen Verhandlungen ergebnislos ab, wie beide Seiten am Donnerstag mitteilten. Die Tarifkommission der Gewerkschaft IG BAU berät am 6. August, ob sie das Scheitern der Verhandlungen erkl...

Henning Stephan Foerster

Tarifvertrag im Call-Center

Die Call-Centerbranche zählt nicht zu den Dienstleistungsbereichen mit dem besten Ruf, wenn über Arbeitsbedingungen und Entgelt gesprochen wird. Ursachen sind hohe Flexibiltätsanforderungen, Arbeit auf Abruf, ständige Überwachung und oft unterdurchschnittliche Bezahlung. Ausnahmen stellten bislang nur die Call-Center großer Unternehmen wie Bahn oder Telekom mit Betriebsräten und traditioneller gew...

ndPlusReiner Tosstorff

Gefährliche Parallelen

Die politischen Diskussionen um Eindämmung der durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 entstandenen Massenarbeitslosigkeit weisen erstaunliche Parallelelen zur aktuellen Situation in der Bundesrepublik auf.

Seite 11
Thomas Grossman

Wiedersehen in Rhode Islands

Etwa 10 000 Fans der amerikanischen Folkmusik werden von heute bis Sonntag in dem kleinen, einst so eleganten und exklusiven Badeort Newport (US-Bundesstaat Rhode Island) zusammenkommen. Im »Fort Adams State Park« der Stadt findet wieder ein »Newport Folk Festival« statt – 50 Jahre nach dem ersten. Drei Künstler sind dabei, die schon damals mit von der Partie waren: die Queen of Folk Music, ...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Die Zartheit und der Zirkus

Jetzt geht das alte Jahrhundert wirklich unaufhaltsam zu Ende. Es entlässt die letzten Großen ins Gedächtnis der Welt – damit sie bleiben können. Vielleicht war Peter Zadek, so wenig man Kunstausüber auf einen Nenner bringen kann, in seiner Sparte wirklich der Größte. Man hat Lust auf diesen Superlativ. Die Erlebnisse, die mit seinem Theater verbunden sind, ermuntern dazu.Dieser Regisseur is...

Seite 12

Bildungssplitter

Berlin (ND-Nowak). »Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass jeder Bachelorabsolvent einen Masterstudienplatz erhält, unabhängig von Note, Herkunft und sozialem Stand.« So lautet der Inhalt einer Onlinepetition an den Deutschen Bundestag, für die seit dem 14. Juni Unterzeichner gesucht werden. Bisher haben ca. 36 000 Menschen die Petition unterstützt. Damit der Bundestag über die Forderung be...

Ruhe an der Berliner Schulfront?
ndPlusLena Tietgen

Ruhe an der Berliner Schulfront?

Das erste Jahr der Pilotphase Gemeinschaftsschule in Berlin ist vorüber. Zunehmendes Interesse seitens der Eltern und lobende Töne der Akteure sind zu vernehmen. Während die Schulen 2008 mit viel Engagement und Pioniergeist starteten, hielten sich deren Befürworter in der Politik zurück, als Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) die geplante flächendeckende Einführung einer Schule für Alle ...

ndPlusSabine Sölbeck

Mohamed Husen und der NS-Staat

Bislang hat sich die Schulpädagogik bei der Vermittlung der NS-Geschichte weitgehend an den Lebenswelten deutscher Schüler orientiert, Schüler mit Migrationshintergrund wurden hierdurch nur selten angesprochen. Ein Projekt in Berlin will das ändern. Der Dokumentenkoffer »GeschichteNteilen« soll diesen Schülern die Historie des Nationalsozialismus auf neue Weise näher bringen.

Konservieren, Vermitteln, Aufklären

Konservieren, Vermitteln, Aufklären

Hendrik M. Kosche ist Mitarbeiter der Jüdischen Gemeinde Berlin. Er ist einer der ersten fünf Absolventen des in dieser Form weltweit einmaligen Studiengangs »Master of Arts in Holocaust Communication and Tolerance«, der vom privaten Touro College Berlin angeboten wird. Studienvoraussetzung ist ein erster Abschluss wie z.B. ein Bachelor. Mit dem 44-Jährigen sprach ND-Mitarbeiter Markus Drescher.

Seite 13
ndPlusInes Wallrodt

Später Prozess gegen Rechte

Fast anderthalb Jahre nach einem Angriff auf einen Punk hat am Mittwoch in Gera der Prozess gegen zwei junge Männer begonnen, die vermutlich zur rechten Szene gehören. Die Staatsanwaltschaft wirft den heute 19-jährigen Oliver L. und Marius M. schwere Körperverletzung vor. Sie sollen im Februar 2008 in der thüringischen Kleinstadt Berga einen 19-jährigen Punk angegriffen und schwer verletzt haben. ...

Rosen für die Bundeswehr
Birgit Gärtner

Rosen für die Bundeswehr

Zum zweiten Mal errichteten die »Atomwaffeninspekteure« der Friedensbewegung vor zwei Wochen ihr kleines Zeltdorf in Büchel, am Atomwaffen-Stützpunkt der NATO in der Südeifel. Mit dem Sommercamp will die Gewaltfreie Aktion Atomwaffen Abschaffen (GAAA) noch bis zum 9. August der Forderung nach Abzug der Atomwaffen Nachdruck verleihen. Die selbsternannten »UN-Mitarbeiter« berufen sich auf ein Urteil...

Bewegungsmelder

Nato-Gegner saß vier Monate unschuldig in Haft (ND). Ein 24-Jähriger NATO-Gegner wurde nach vier Monaten aus der Haft entlassen. Aufgrund mangelnder Beweise hob das Gericht in Collmar ein Urteil aus erster Instanz am Mittwoch auf. Der Antikriegsaktivist hatte an den Protesten gegen den NATO-Gipfel am 3. und 4. April in Strasbourg teilgenommen und war in einem Schnellverfahren am 6. April zu sechs ...

Felix Werdermann

Die ältesten zuerst oder alle zugleich?

Ein Störfall nach dem anderen: Die Atomindustrie steht unter Druck. Sollte die Umweltbewegung nun das Abschalten der ältesten Reaktoren fordern? Oder gleich die Stilllegung aller Anlagen? Die Frage nach der richtigen Taktik sorgt für heftige Diskussionen.

Seite 14

Streitfrage: Ist die Wehrpflicht noch zeitgemäß?

Es debattieren: Dr. Peter Strutynski, Jahrgang 1945, Politikwissenschaftler an der Universität Kassel, Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag und Jürgen Rose, Jahrgang 1958, Oberstleutnant der Bundeswehr und Diplom-Pädagoge, seit Ende 2006 Mitglied im Vorstand des Arbeitskreises Darmstädter Signal, in dem ehemalige und aktive Soldaten sich kritisch zur Bundeswehr äußern....

Kanonenfutter für den Hindukusch
ndPlusJürgen Rose

Kanonenfutter für den Hindukusch

»Kein Staat, keine nationale Telegrafenagentur hat das Recht, über das Leben derer zu verfügen, die sich nicht freiwillig darbieten«, so brandmarkte Deutschlands scharfzüngigster Militärkritiker Kurt Tucholsky dereinst den regierungsamtlich verordneten Waffendienst. Unerschütterlich und inbrünstig indes legt die Große Koalition wehrpolitischer Betonköpfe in diesem Lande ein ums andere Mal ihr quas...

Die Bundeswehr ist das eigentliche Problem
Peter Strutynski

Die Bundeswehr ist das eigentliche Problem

Vor wenigen Tagen berichteten die »Fürther Nachrichten« in ihrem Lokalteil über einen besonders grotesken Fall von »Wehrungerechtigkeit«. Danach soll ein Abiturient seinen Grundwehrdienst antreten, obwohl er einen Ausbildungsplatz angeboten bekommen hat. Einen Antrag des jungen Mannes auf Zurückstellung lehnte das zuständige Kreiswehrersatzamt ab – obwohl solche Anträge üblicherweise positiv...

Seite 15

Erkundung im Sonnenschein

Ich klicke das kleine gelbe Männchen an und lasse es neben den Berliner Dom plumpsen. Schon schaltet der statische Stadtplanmodus auf die 360-Grad-Ansicht um. In Zukunft werden die öffentlichen Straßen der Stadt so zu betrachten sein. Strahlender Sonnenschein über ganz Berlin, egal ob man tags oder nachts durch die Straßen geht. So, als stünde man direkt vor Ort, kann man sich Wohnhäuser und Cafés...

ndPlusSarah Liebigt

Beim Flanieren fotografiert und ins Netz gestellt

Man stelle sich vor: Man steht in der Schönhauser Allee, betrachtet Fahrradfahrer und Fußgänger, schaut hoch zur U-Bahn oder guckt sich ein Café näher an. Dann spaziert man durch die Kopenhagener Straße und betrachtet die Armbanduhren und Sonnenbrillen der Restaurantgäste. Die Rede ist jedoch nicht von den Schnappschüssen eines Touristen. Solche Bilder sollen für jedermann frei zugänglich im Inter...

Warten bis das Geld ausgeht
ndPlusAnne Britt Arps

Warten bis das Geld ausgeht

In Berlins Wohnungsämtern türmen sich die Wohngeldanträge. Zehntausende liegen dort noch unbearbeitet auf den Schreibtischen. Monatelang müssen die Antragsteller in einigen Bezirken auf eine Entscheidung warten und damit auf Leistungen, die ihnen rechtmäßig zustehen. »Ich rechne fast schon gar nicht mehr damit, dass sich das Wohnungsamt nochmal bei mir meldet«, sagt Anja Betke, die Anfang April ih...

Seite 16

Jena verpasst Spitzenplatz

Der FC Rot-Weiß Erfurt hat am Mittwochabend in der 3. Fußballliga gegen Kickers Offenbach mit 0:2 verloren. Vor 6577 Zuschauern im Steigerwaldstadion gelang den Gästen früh die Führung durch Maik Schutzbach. In der Schlussphase sorgte der stark spielende Zinnow nach einem Konter für die Entscheidung. Danach kontrollierten die vor allem in der Abwehr abgeklärter wirkenden Kickers das Spiel, ohne je...

ndPlusMarina Mai

Aus die Maus für Deutschlandpakt

Die extrem rechte NPD könnte in Lichtenberg bald ihren Fraktionsstatus verlieren. Der Bezirksverordnete Torsten Meyer erwägt seinen Austritt aus der Fraktion oder die Niederlegung seines Mandates. »Ich habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen«, sagt er. »Hintergrund für meine Überlegung ist der gescheiterte Deutschlandpakt.«Meyer ist DVU-Landesvorsitzender und kandidierte im Rahmen des so...

Tom Mustroph, Rom

Retrotrend zu unrentabel

Welch Theater um die Schwimmanzüge. Italiens Idol Federica Pellegrini schwamm im Mizuno-Produkt ihren Vorlauf über 200 m Freistil. Für die Weltrekorde in Halbfinale und Finale stieg sie aber auf Jaked um – mit abgeklebtem Sponsorenlogo. »Mizuno ist mein persönlicher Sponsor. Ich wollte zeigen, dass ich zu ihm stehe. Mit Jaked schwimme ich momentan aber schneller«, sagt Pellegrini. Der Doppel...

Senat und Unis einigen sich

(dpa/ND). Nach monatelangen harten Verhandlungen ist das Ringen um die neuen Berliner Hochschulverträge von 2010 bis 2013 beendet. Vier Wochen nach dem finanziellen Rahmen einigten sich der Senat und die Hochschulen am Donnerstag auf die Inhalte, teilten beide Seiten mit. Danach verpflichten sich die Hochschulen unter anderem, bis zum Jahr 2012 schrittweise bis zu 6000 Studienanfänger zusätzlich u...

Babelsberger wollen wieder Große ärgern

Attraktiver geht es kaum: Bei Fußball-Regionalligist SV Babelsberg ist die Vorfreude auf den DFB-Pokal-Hit gegen Bayer Leverkusen groß. »Das wird ein schönes Ding«, sagt Trainer Dietmar Demuth vor der Partie gegen den Finalisten der vorigen Saison am heutigen Abend (20.30 Uhr). Demuth lobt die Spielstärke der Werks-Elf, die erstmals in einem Pflichtspiel von Trainer-Routinier Jupp Heynckes betreut...

Seite 17
Lucía Tirado

Minidramen und ungewollte Babys

Die Musiker Peter Heimerl und Sjan sehen sich an. Nein, noch nicht, bedeutet einer dem anderen. Aufmerksam verfolgen sie das Spiel der Komödianten und wollen einen guten Moment für ihre Livemusik wählen, denn dann müssen die Mimen singend weiterspielen. Gerade wird ein »Mini-Tatort« gegeben. Es ist schließlich Sonntagabend. Da kommt das Improvisationstheater »Turbine William wie die Birne« auch ni...

Seite 18
Hollywood-Tarantino schießt DEFA-Regisseur ab
Andreas Fritsche

Hollywood-Tarantino schießt DEFA-Regisseur ab

Während Quentin Tarantino seinen neuen Film »Inglourious Basterds« drehte, hatte er dort sein Büro. Eine Straße auf dem Gelände von Studio Babelsberg trägt seit Montag den Namen des Hollywood-Regisseurs, dessen Werke sich durch eine ganz spezielle Mischung aus Gewalt und Komik auszeichnen. Das Dumme dabei: Die Straße trug vorher den Namen des DEFA-Regisseurs Heiner Carow – wenngleich ein Sch...

ndPlusAndreas Fritsche

Schnell ein schnelles Internet

Statt Datenautobahn nur eine holperige Landstraße. Der Blick auf den Computerbildschirm quält. Es vergeht Minute um Minute, ehe sich eine Internetseite aufbaut, oder es klappt überhaupt nicht. Die Hälfte der brandenburgischen Haushalte ist betroffen.Zu den Ortschaften, die von einem schnellen Internet ausgeschlossen sind, zählt Göhlsdorf bei Kloster Lehnin in Potsdam-Mittelmark. Dort wohnt der Lan...