Ausgabe vom 13.08.2009

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Unten links

Der Sport setzt Zeichen. Auf seinem Berliner Kongress beschloss der Leichtathletik-Weltverband eine neue Fehlstart-Regel. Demnach führt jeder vorzeitige Start zu sofortiger Disqualifikation. Politiker befürchten nun eine Ausweitung dieser Regel auf ihr Metier, jedoch in umgekehrter Form: durch Einführung einer Disqualifikationsklausel für Spätstarter. Vor allem in der SPD geht die Angst um, sie kö...

Rettung von Wadan-Werft rückt näher

Schwerin/Berlin (dpa/ND). Eine Rettung der insolventen Wadan-Werften ist nach den Worten von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) in greifbare Nähe gerückt. »Es zeichnet sich eine Lösung ab, dass wir eine hohe Anzahl von Arbeitsplätzen erhalten können«, sagte Sellering am Mittwoch nach einem Treffen mit dem russischen Investor Igor Jussufow und der Wadan-Insolvenzverwalt...

Grit Gernhardt

Lohnfraß

In den vergangenen Jahren sind die Reallöhne in Deutschland nicht nur nicht gestiegen, hier und da schmale Erhöhungen wurden sogar von Inflation und Sozialabgaben langsam, aber beständig aufgefressen. Soll heißen: Die Überweisungen, die frühere Lohntüten ersetzt haben, haben real nicht den Wert, der auf dem Kontoauszug ausgewiesen ist. Selbst in den in einlullender Wiederholung als große Regierung...

Löhne blieben ohne Aufschwung
ndPlusGrit Gernhardt

Löhne blieben ohne Aufschwung

Auch im vergangenen Aufschwung sind die Reallöhne in Deutschland gesunken. Das bestätigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Im Gegensatz dazu stiegen Einkommen aus selbstständiger Arbeit und Kapitalvermögen stark an. DGB und LINKE kritisierten die Arbeitsmarktpolitik der jeweiligen Bundesregierungen als Ursache für die Entwicklung.

Reiner Oschmann

Erster Frontalangriff auf Barack Obama

US-Präsident Barack Obama hat den Gegnern seiner Gesundheitsreform gezielte Irreführung und Angstmacherei vorgeworfen. Er reagierte damit auf den wachsenden Widerstand gegen seinen Plan.

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Energiegesetz für RWE

Mitten in der schönsten Diskussion um neue Kohlekraftwerke präsentierten das Bundeswirtschafts- und das Bundesumweltministerium im Frühjahr eine Wundertechnologie, die emissionsfreie Kohlekraftwerke verspricht. Bei dem Verfahren würde das bei der Verbrennung anfallende CO2 abgeschieden und unterirdisch eingelagert werden. Weil das so toll klang, sollte das sogenannte CCS-Gesetz unbedingt noch in d...

Der Bock als Gärtner

Linklaters ist nicht die erste große Wirtschaftskanzlei, die brisante Gesetzesvorhaben begleitete. Was viele Bürger nicht wissen: Das fragwürdige »Finanzmarktstabilisierungsgesetz« der Großen Koalition wurde von der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer LLP formuliert. Das im Oktober 2008 in aller Eile beschlossene Gesetz regelte staatliche Garantien und Zuschüsse für Finanzinstitute, die am Rand...

Münteferings Wahlkampfwelt
ndPlusWolfgang Hübner

Münteferings Wahlkampfwelt

»Jetzt geht's lohos« – den alten SPD-Schlachtruf, mit dem schon Rudolf Scharping ins vergebliche Gefecht gezogen war, können die Genossen jetzt wieder anstimmen. Die Aufholjagd heraus aus den Umfrage-Niederungen soll nun endgültig beginnen, der heiße Wahlkampf ist eröffnet.

Fabian Lambeck

Privatisierte Gesetzgebung

Bundeswirtschaftsminister Guttenberg (CSU) ließ einen Gesetzentwurf zur Bankenpleite von der Wirtschaftskanzlei Linklaters schreiben. Der Vorfall zeigt, wie groß der Einfluss externen Berater auf die deutsche Gesetzgebung bereits ist.

Seite 3
Dieter Wolf

»... ein Gespenst geht um, und das sind wir«

Die Berliner Mauer war kein bevorzugtes Sujet in DEFA-Spielfilmen. Gleichwohl gab es einen künstlerischen Reflex auf deren Bau. Bereits unmittelbar nach dem 13. August 1961 montierten Autor Paul Wiens und Regisseur Frank Vogel dokumentarische Grenzszenen in eine bereits früher konzipierte Dreiecksgeschichte: »... und deine Liebe auch«. Ebenso schnell schrieb sich Manfred Krug mit Horst Bastian die...

Seite 4

Neuer Streit um Impfkosten

Die Vertagung einer Entscheidung zur Impfverordnung im Bundeskabinett hat den Streit um die Finanzierung des Schweinegrippenschutzes neu entfacht.

Gabriele Oertel

CDU verlangt von FDP Verzichtserklärung

Statt mit dem politischen Gegner streiten sich die künftigen Möchtegerne-Verbündeten Union und FDP mit wachsender Begeisterung. Kein Tag, an dem nicht gestichelt wird.

ndPlusReimar Paul

Plutonium-Transporte zum AKW Grohnde

Es waren die heftigsten Auseinandersetzungen im Widerstand gegen Atomanlagen. Am 19. März 1977 berannten mehr als 20 000 Demonstranten den Bauplatz des AKW Grohnde an der Weser, Reiterstaffeln der Polizei trieben die Protestierenden nach stundenlangen Kämpfen zurück. Hunderte Verletzte und Verhaftete waren die Bilanz dieses Tages.

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Weiter schwunghafter Handel mit Daten

Berlin (dpa/ND). Nach Beobachtung des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar gibt es weiterhin einen schwunghaften Handel mit persönlichen Daten. Daten seien einfach zu kopieren. Viele seien verkauft worden, außer Kontrolle geraten und befänden sich irgendwo auf der Welt. »Das wird man auch nicht wieder ohne Weiteres einfangen können«, sagte Schaar am Mittwoch dem dpa-Audiodienst. Wer aus dem ...

Projekt für Mondflug vorgestellt

Berlin (dpa/ND). Die Bundesregierung hat eine 1,5 Milliarden Euro teure Forschungsmission zum Mond vorgestellt. Nachdem ein ähnliches Projekt erst im vergangenen Sommer auf Eis gelegt worden war, warb der Luft- und Raumfahrtkoordinator Peter Hintze (CDU) am Mittwoch für eine neue, unbemannte Mission zum Mond etwa im Jahr 2015. Ein Satellit soll den Mond umkreisen und eine Sonde ein Landefahrzeug m...

Visionen auf einem Quadratmeter Deutschland
Reinhard Schwarz

Visionen auf einem Quadratmeter Deutschland

»Utopia« oder »Schöne Neue Welt«? Ein außergewöhnliches Angebot erhielten die fünf im Bundestag vertretenen Parteien vor einigen Monaten vom Miniatur Wunderland in Hamburg. Sie könnten ihre politischen Ziele problemlos verwirklichen – allerdings auf einem Quadratmeter – und im Größenverhältnis 1:87.

Hendrik Lasch, Dresden

Das Ende der Ära Besenstiel

Die Direktwahlkreise galten in Sachsen lange als sichere Burg für die CDU. 2004 verloren jedoch schon fünf ihrer Bewerber. Ein radikaler Generationswechsel lässt andere Parteien nun auf noch mehr Breschen hoffen.

Seite 6

Drohung aus Teheran

Irans Parlamentspräsident dementierte Berichte über Vergewaltigungen. Die Ermittlungen gegen eine Mitarbeiterin der französischen Botschaft sollen fortgesetzt werden.

Suu Kyi geht in Berufung

Während in Myanmar Oppositionsführerin Suu Kyi ankündigen ließ, gegen ihre Verurteilung in Berufung zu gehen, vertagte der UN-Sicherheitsrat eine Dringlichkeitssitzung.

Sybille Oetliker, Jerusalem

Barguti der heimliche Star

Der Parteitag der palästinensischen Fatah-Organisation muss wegen anhaltender Probleme bei der Feststellung einiger Wahlergebnisse um weitere drei Tage verlängert werden. So gibt es wegen knapper Wahlausgänge zum Spitzengremium, dem Zentralkomitee, Einsprüche. Das teilte die Wahlkommission am Mittwoch in Bethlehem mit. Danach hat die Auszählung für die 80 Sitze im 120 Mitglieder umfassenden Revolutionsrat erst am Mittwoch begonnen. Sie soll den Angaben zufolge bis mindestens Samstag dauern.

Seite 7
ndPlusCarsten Hübner

Neonazi-Marsch in Budapest geplant

Die NS-Front Hungaria und die neonazistische Pax-Hungarica-Bewegung planen für den 15. August einen Rudolf-Heß-Gedenkmarsch in Budapest. Entsprechende Aufrufe kursieren in Ungarisch, Deutsch und Englisch im Internet. Unklar sind noch Treffpunkt und Route des Aufmarschs. Eine erste Anmeldung wurde von der Polizei bereits verboten, weil sie den Verkehrsfluss in der ungarischen Hauptstadt beeinträchtigt sieht.

Julian Bartosz, Wroclaw

Demokratiekreuzzug oder Eroberung?

Polens Verteidigungsministerium unter dem Zivilisten Bogdan Klich (Bürgerplattform PO) unternimmt einen Werbefeldzug, um der Bevölkerung das »wahre Bild« der polnischen Beteiligung am Krieg in Afghanistan zu vermitteln.

Honduras-Putsch vereitelte neuen Sozialpakt

Xiomara Castro de Zelaya ist die Ehefrau des gewählten Präsidenten von Honduras, Manuel Zelaya. »Mel« Zelaya wurde am 28. Juni von einem Kommando des Militärs außer Landes gebracht und weilt derzeit im Exil in Nicaragua. Von dort kämpft er für seine Rückkehr. Im ND-Interview äußert sich seine Frau zu Hintergründen und Vorgeschichte des Putsches. Das Gespräch in Tegucigalpa führte Harald Neuber.

Seite 8
Steffen Schmidt

Irdische Mondprobleme

Unsere Probleme sind nicht auf dem Mond zu lösen, sondern nur auf der Erde. Diese These ist so alt wie die Raumfahrt. Sie ist wahr, doch die ganze Wahrheit ist sie dennoch nicht. Denn die Raumfahrt hat uns wesentliche Werkzeuge in die Hand gegeben, irdische Probleme zu lösen, ja überhaupt erst mal zu erkennen. Angefangen von der Möglichkeit, sekundenschnell Bilder und Nachrichten vom anderen Ende ...

Detlef D. Pries

Der Finger auf Moskau

Am Mittwoch wurde Inguschetiens Bauminister Ruslan Amerchanow an seinem Schreibtisch von Unbekannten erschossen. Der Präsident der Republik, Junus-Bek Jewkurow, war am 22. Juni selbst Opfer eines Anschlags geworden, überlebte jedoch schwer verletzt. Kurz zuvor war Dagestans Innenminister Adilgerei Magomedtagirow ermordet worden. Erschossen wurde auch die Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa am 15...

ndPlusChristian Klemm

Nette Verpackung

Die Union scheint die Bundestagswahl Ende September wenig nervös zu machen. Sie ist – auch wegen der sensationell schlechten Umfragewerte der Konkurrenz – siegessicher. Ob Fortsetzung der Großen Koalition, Schwarz-Gelb oder Schwarz-Grün – sie sieht sich auf alle Fälle auch in den kommenden vier Jahren wieder im Kanzleramt. Anders lassen sich die Äußerungen von Niedersachsens Mini...

Mark Wolter

Ballpionierin

Früher, in den 80er Jahren, nannte man die blonde Spielgestalterin der Nationalmannschaft mit der feinen Technik gerne den Franz Beckenbauer des Frauenfußballs. Heute, nach ihrer Ernennung zur Teammanagerin der DFB-Frauenauswahl, wird Doris Fitschen als das weibliche Pendant zum Männervermarkter Oliver Bierhoff vorgestellt. Namhafte Vergleiche, die Fitschen eigentlich nicht gefallen. Denn das erkl...

Warum wurde erst jetzt gestreikt?

Warum wurde erst jetzt gestreikt?

ND: Am Dienstag sind die Piloten der Air Berlin-Tochter LTU in einen zehnstündigen Streik getreten. Noch einmal zum Verständnis: Was war dem vorausgegangen? Ritter: Wir haben seit Beginn des Jahres mit der Arbeitgeberseite über ein großes Paket mit verschiedenen Inhalten verhandelt. Diese alle aufzuschlüsseln, würde zu weit führen. Darin spielte auch das Thema Vergütung natürlich eine Rolle. Wir h...

Seite 9
Wahlplakate machen Po-litik. Fehlt nur noch: In'n Sack hauen
Hans-Dieter Schütt

Wahlplakate machen Po-litik. Fehlt nur noch: In'n Sack hauen

Keiner wusste bis gestern, wo Kaarst liegt. Hätte man auf x-beliebiger Straße danach gefragt, wäre als Antwort gekommen: am Arsch der Welt. Was absolut richtig ist: in Nordrhein-Westfalen. Womit wir dem Thema, um das es hier geht, schon mal voll an die Backen gegangen sind. »Bündnis 90/Die Grünen« werben im fernen NRW-Kommunalwahlkampf mit nebenstehendem Plakat. Die »Initiative Schwarze Menschen i...

Hell ist die Nacht über Sankt Petersburg
ndPlusRoberto Becker

Hell ist die Nacht über Sankt Petersburg

Über so manchen sowjetischen Exportschlager ist die Geschichte mittlerweile hinweggegangen. Aber die russische Kultur und vor allem russische Künstler stehen nach wie vor hoch im Kurs. Anna Netrebko ist der heiß begehrte russische Superstar der Opernwelt und ihr tatsächlicher Entdecker in Sankt Petersburg, der Dirigent und Chef des Marinski-Theaters, Valery Gergejew, ist es auch. Der hat sich, sei...

Seite 10

200 Jahre Schultüten

Die Tradition der Schultüten, die Kinder am Tag ihrer Einschulung bekommen und die heute oftmals fast genau so groß sind wie die ABC-Schützen selbst, ist nach Erkenntnis von Volkskundlern fast 200 Jahre alt. Ein erster Beleg für eine Zuckertüte sei bereits aus dem Jahr 1817 überliefert, teilte der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) am Mittwoch mit. Ein Schüler aus Jena habe in jenem Jahr ein...

Alles ist möglich
Sebastian Hennig

Alles ist möglich

Wenn Kunstschaffende, die an einem Flecken geborenen wurden, zusammen vorgestellt werden, baut sich vor den Augen des Betrachters meist die übliche Pyramide auf. Vom Fundament zur Spitze gelangt man, bei abnehmenden Umfang, von den Kunsthandwerkern, Zeitgeistartisten, den Epigonen über die Lokalmatadoren und soliden Kleinmeister zu den wenigen Künstlern im eigentlichen Sinn. Originale Geister sind...

Seite 11
STARporträt

STARporträt

Seit drei Wochen läuft »Salami Aleikum« im Kino, die erste Komödie des iranischen Schauspielers (Foto: dpa). Er spielt einen sensiblen Metzgerssohn aus Köln, der kein Blut sehen kann. Bisher war er auf dramatische Rollen abonniert – wie jetzt in der österreichisch-französischen Koproduktion »Ein Augenblick Freiheit« (2008) zu sehen, in der er sein Leben riskiert, um seine Nichte und seinen N...

ndPlusCaroline M. Buck

Festung Europa

Der Regisseur stammt aus einer Flüchtlingsfamilie, und die meisten seiner Darsteller auch. Arash T. Riahi kam mit neun Jahren mit seinen Eltern aus dem postrevolutionären Iran über die Türkei nach Österreich, seine beiden Geschwister folgten ein Jahr später in Begleitung von Verwandten. »Ein Augenblick Freiheit« ist die Geschichte ihrer Flucht und die der Flucht vieler anderer, die ähnliche Gründe...

Caroline M. Buck

Flink, frech

Die Anfänge des Modehauses Chanel hingen im Schrank eines Pferdezüchters. Ein französischer Industriellensohn und ein britischer Bergwerksbesitzer waren seine Taufpaten, und der Refrain eines Liedchens, mit dünner Stimme vor bezechten Offizieren in einem halbseidenen französischen Provinzkabarett gesungen, verhalf der Modehaus-Gründerin zu dem Spitznamen, der ein Markenzeichen wurde: Coco. Eigentl...

Alexandra Exter

Suchtfaktor Krieg

Diese Männer riskieren ihr Leben, und auch der Zuschauer ist von Anfang an mittendrin: »Tödliches Kommando« ist der härteste und unmittelbarste aller Spielfilme, den Hollywoods Auseinandersetzung mit dem US-Einsatz in Irak bisher hervorbrachte. Gut zwei Stunden dauert er, fast zwei Stunden davon spielen in der Hitze in und um Bagdad, unter den Männern einer Eliteeinheit, deren Sterblichkeitsrate d...

Seite 12
ndPlusIrmtraud Gutschke

Alles erlaubt

Wenn Detektive Ferien machen, passiert garantiert ein Mord. So jedenfalls wollen's viele Krimiautoren, und den Lesern ist's recht. Mit Aufregung, die ihnen in Wirklichkeit abscheulich wäre, würzen sie nur allzu gern ihre Urlaubsruhe. Bequem im Strandkorb liegen und bei einem gefährlichen Zweikampf dabei sein – welche Behaglichkeit. Verbeugung vor den beiden Herausgebern, Carolin Bunk und Han...

Benjamin Jakob

Sonderbares Land

Seit 1999 gehört das Haus Nagel & Kimche – inzwischen 25 Jahre alt – zum Münchner Carl Hanser Verlag, doch die eidgenössischen Wurzeln will man betonen. Vor ein paar Jahren hat Verlagsleiter Dirk Vaihinger deshalb »Die schönsten Gedichte der Schweiz« herausgegeben. Nun publizierte er Geschichten, Reiseberichte besonderer Art: 25 Prosatexte aus den rund 25 Kantonen, entstanden in de...

Sabine Neubert

Seide und Öl

Im Humboldt-Jahr werden uns wieder mal die Verdienste der großen Reisenden deutlich. Nicht nur, dass sie von fernen Erdteilen Schmetterlinge oder Alligatoren mitbringen, sie fügen unsere kleinen, fragmentierten Welten zu einer größeren zusammen. In Räumen lesen sie Zeit(en), und Zeiten lesend, vermessen sie unendlich ferne Räume. Ein solcher Reisender ist der Schweizer Fotoreporter Daniel Schwartz...

Seite 13
ndPlusChristian Beyer

Hinter den Kulissen

Fast drei Jahrzehnte arbeitete Horst Joachimi, Jahrgang 1929, in der Hauptverwaltung Aufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Von 1977 bis 1981 leitete er mit dem legalen Status eines 1. Sekretärs der DDR-Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York die Residentur der HV A in den USA. Offiziell war er also Diplomat. Horst Joachimi war ein Späher in der Park Avenue. Seine hoch...

André Brie

Kompetenz und Ignoranz

Das Interesse an internationaler und gesellschaftlicher Politik und politischen Veröffentlichungen war in der DDR ungleich größer als heutzutage. Die Gründe dafür waren vielfältig. Sie reichten vom hohen Stellenwert politischer Bildung, Information und Erziehung in den Schulen und praktisch allen gesellschaftlichen Bereichen bis zur heute weithin fehlenden Überzeugung und immer stärker werdenden H...

ndPlusUwe Stolzmann

Apokalypse in Operettenversion

Ungeheuerliches geschah vor 20 Jahren im kommunistischen Ungarn. Mitte Januar wurde die Opposition zugelassen, Anfang Mai begann der Abbau der Sperranlagen Richtung Westen, im September öffnete sich die Grenze für Flüchtlinge aus der DDR. Ungeheuerlich? Ungarn 1989, das war ein Land im Umbruch, die »lustigste Baracke im Lager«. Die Bürger besaßen einen »Weltpass«, konnten reisen, da war der Abriss...

Seite 14

Versorger zurück in kommunale Hand

Düsseldorf (dpa/ND). Das größte Netzwerk von Stadtwerken in Deutschland kommt in kommunale Hände: Der Energieriese E.on will seine Stadtwerke-Holding Thüga in etwas verkleinerter Form für rund 2,9 Milliarden Euro an ein kommunales Konsortium verkaufen. Auf diese Grundzüge habe man sich mit dem Interessenten Integra/KOM9 geeinigt, teilte die E.on AG am Mittwoch in Düsseldorf mit. In der Thüga sind ...

Escada steuert auf Insolvenz zu

München (dpa/ND). Glanzloses Ende einer Weltmarke: Escada muss nach dem Scheitern eines Rettungsplans noch in dieser Woche Insolvenz beantragen. Am Mittwoch informierte der Vorstand den Aufsichtsrat und die rund 2300 Beschäftigten über die Notlage des Unternehmens. Die Aktie brach an der Börse um mehr als 50 Prozent auf 0,72 Euro ein. Escada war in den 1980er Jahren die weltweit bekannteste Damenm...

Rolf-Henning Hintze, München

Ein Krankheitstag – 500 Euro weniger

Ein arbeitnehmerfreundliches Gerichtsurteil sorgt für Aufsehen. Die Gewerkschaft ver.di spricht von »bundesweiter Bedeutung«.

Johann Martens

Klimaschutz mit eckigen Klammern

In Bonn sind diese Woche rund 2400 Delegierte aus 192 Ländern zusammengekommen, um in informellen Gesprächen den Klimagipfel in Kopenhagen vorzubereiten. Dort soll im Dezember der Nachfolgevertrag des Kyoto-Protokolls unterschrieben werden.

ndPlusHendrik Lasch

Getriebeschaden in Roitzsch

Der Autozulieferer Magna möchte Opel übernehmen und damit viele Stellen retten. Derweil baut das österreichisch-kanadische Unternehmen intern um. In einem Werk in Sachsen-Anhalt droht daher Jobverlust.

Seite 15

Fehlstartregel und Spielraum für Ex-Doper

Null Toleranz bei Fehlstarts. Zu dieser Entscheidung kam der 47. Kongress des Weltverbandes IAAF gestern in Berlin. Sprinter, die zu früh aus den Blöcken gehen, werden ab 1. Januar 2010 sofort disqualifiziert. Die Regel wurde mit 97:55 Stimmen beschlossen. 2005 wurde ein solcher Vorschlag noch vertagt.»Das ist ein Beschluss gegen den Willen der Mehrheit der Athleten«, meinte Frankie Fredericks, eh...

Rennkanuten gehen wieder auf Goldjagd

Trotz der Aufregung um die Änderungspläne im Olympiaprogramm schon 2012 wollen sich die deutschen Rennkanuten bei den Weltmeisterschaften in Kanada voll und ganz auf die übliche Goldjagd konzentrieren. Auf dem idyllisch gelegenen Lake Banook in Dartmouth nahe des Atlantischen Ozeans stehen ab Donnerstag insgesamt 27 Wettbewerbe einschließlich der Staffel-Premieren im Sprint auf dem Programm.»Drei ...

ndPlusOliver Händler

Zeit zum Sammeln von Erfahrung

Es war ohnehin schwierig, sich Ziele zu setzen in dieser Sportart Moderner Fünfkampf. Nun ist es ausgerechnet für die Olympiasiegerin noch schwieriger geworden. Lena Schöneborn würde bei den Weltmeisterschaften, die heute in London beginnen, gern unter die besten Zehn kommen, aber rechnen kann sie damit nicht mehr. Zu viel ist geschehen seit ihrem Erfolg von Peking im letzten Jahr. Neue Regeln, ne...

ndPlusJürgen Holz

Revanche für Olympiaschlappe

Die USA-Mannschaft brennt auf Revanche. Sie gab zwar auch bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking in der Leichtathletik den Ton an und lag mit 23 Medaillengewinnen (7/9/7) klar vor Russland (6/5/5 – 18), Jamaika (6/3/2 – 9) und Kenia (5/5/4 – 14) an der Spitze. Doch unterm Strich hatte sie mit nur sieben Olympiasiegen enttäuscht. Schließlich war man bei den WM 2007 in Osaka mi...

Seite 17

Heul nich' rum

»Und wenn er mal etwas brummig ist, liegt das wohl an seiner Natur«, heißt es in der launigen Gebrauchsanweisung für das WM-Maskottchen »Berlino«. Aber das komme bei ihm nur ganz selten vor, beruhigen dessen Vertreter, »und ist spätestens dann vorbei, wenn er freundliche Menschen um sich herum hat«. So sind Bären nun mal – Berliner auch? Schon dass sie einer Kampagne für Freundlichkeit bedür...

Anja Bodtke

Stehen, fahren, gehen

Die zwölfte IAAF Leichtathletik WM steht an, und schon jetzt ist es kaum noch möglich, mit dem Auto in die Innenstadt zu gelangen. Während die Ebertstraße im Bereich des Pariser Platzes bereits seit dem 6. August gesperrt ist, wird die Straße Unter den Linden ab 15. August nicht mehr befahrbar sein. Grund dafür sind die Marathon- und Geher-Wettbewerbe. Diese finden am 15./16. August sowie vom 21. ...

ndPlusAndreas Heinz

Keine Neue Grippe zur WM

Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften werden nach Überzeugung des Senats ohne Komplikationen verlaufen. »Wir haben riesige Erfahrungen mit Riesenveranstaltungen«, so gestern Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Weder gebe es Hinweise auf Terroranschläge noch seien gewaltbereite Hooligans wie bei Fußballspielen zu erwarten. »Zum Virus sage ich nichts.«Zum Thema Schweinegrippe während der WM äußerte...

ndPlusJörg Soldwisch, SID

Enthusiasten mit Helfersyndrom

Sprint-König Usain Bolt oder Hochsprung-Hoffnung Ariane Friedrich sind vielleicht die Gesichter der Leichtathletik-WM in Berlin, doch erst Menschen wie Heinz Packert machen das weltweit größte Sportfest des Jahres möglich. »Wir Volunteers sorgen dafür, dass alles glatt läuft«, sagt der 73 Jahre alte Berliner und nennt die Hauptvoraussetzung für den Job: »Man muss schon ein kleines Helfersyndrom ha...

Seite 18
Kleene Geschichten in Plastetüten
Steffi Bey

Kleene Geschichten in Plastetüten

Eine überdimensionale Sprechblase klebt an der Fassade. Sie ist knallrot und eckig und nicht zu übersehen. Darunter steht eine wuchtige Bank: Auch die ist rot angemalt und 21 Meter lang. »the place to be« – der Ort an dem man sein muss – steht darauf zu lesen. In Mitte, nahe dem Hackeschen Markt, gibt es den »be Berlin«-Stadtladen. Doch der rund 100 Quadratmeter große Raum hat nichts m...

Schienen werden wieder voller

(dpa). Nach wochenlangen Einschränkungen hat die S-Bahn wieder etliche Züge mehr auf den Schienen, ist vom Normalbetrieb aber noch einige Monate entfernt. Seit Mittwoch rollen 540 Wagen in Berlin und im nahen Umland. Weitere 18 stehen als Betriebsreserve in Bereitschaft. Dies entspricht gut der Hälfte des normalen Bestands an Berliner S-Bahnzügen. Aus Sicht des Verkehrsverbundes Berlin- Brandenbur...

Seite 23
Der kleine Unterschied
ndPlusTom Mustroph

Der kleine Unterschied

Ist Obama der neue John F. Kennedy, genannt JFK? Viele Beobachter des politischen Geschäfts verweisen auf Parallelen zwischen dem 35. und dem 44. Präsidenten der USA. Beide waren bei Amtsantritt noch relativ jung (43 und 48 Jahre). Beide verkörperten die Hoffnung auf Aufbruch und Neuanfang. Und weil die Witwe von Robert Kennedy, Ethel Kennedy, den Obama-Wahlkampf tatkräftig unterstützte und JFK-To...

Frust in den Boden gestampft
Lucía Tirado

Frust in den Boden gestampft

Ihr Anliegen ist, zeitgenössischen Tanz aus dem Elitären herauszuholen und damit einem breiteren Publikum anzubieten. Sie tanzen nicht nur auf herkömmlichen Bühnen, sondern auch an anderen öffentlichen Orten, in Cafés, Kneipen, auf Events und bei Unternehmensveranstaltungen. Wer ihre Kunst sehen will, der bekommt sie. So schließt sich der Kreis. Die frei arbeitende Tanzkompanie Nightmare Before Va...

Seite 24

Protest gegen den Abriss von Ziegenhals

(ND). Gegen den bevorstehenden Abriss der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals will der Freundeskreis dort am 23. August mit einer Großkundgebung protestieren. Wie der Freundeskreis »Ernst-Thälmann-Gedenkstätte« Ziegenhals, e.V. weiter mitteilte, seien zu der Demonstration mehrere Redner geladen, Beginn ist um 11.30 Uhr. »Auf gesetzlicher Grundlage des Brandenburgischen Denkmalschutzgesetzes,...

ndPlusWinfried Wagner, dpa

Wolfsrefugium oder Wanderidyll

Die alte Pflasterstraße vom nordbrandenburgischen Gadow nach Neuruppin endet noch am Schlagbaum. »Halt! Lebensgefahr!« warnt ein weißes Schild. »Der Wachdienst für das Bombodrom ist nicht mehr da, sonst hat sich nichts geändert«, sagt Gadows Ortsvorsteher Wilfried Havemann. Nur ein paar Diebe seien mit Baumaterialien von dem Gelände durch den Ort gefahren. Vor gut einem Monat verkündete Bundesvert...