Ausgabe vom 14.08.2009

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Unten links

Nach der Berliner Busenoffensive hat die CDU ein weiteres zukunftsträchtiges Sachthema besetzt: den Mond. Das ist echt ausgebufft, weil SPD-Kandidat Steinmeier gerade erst für ein Brusthaartoupet Maß nehmen lässt, mit dessen Hilfe er auf Lengsfeld und Merkel adäquat antworten will. Peter Hintze, einst Erfinder der Rote-Socken-Kampagne und als »Luft- und Raumfahrtkoordinator« zwischengelagert, schw...

Einigung über Kosten der Impfung

Berlin (dpa/ND). Die Finanzierung der Schweinegrippe-Massenimpfung steht. Die Krankenkassen zahlen für die Hälfte der rund 70 Millionen Versicherten die Kosten der Impfung. Das vereinbarten Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Vertreter der Kassen am Donnerstag bei einem Treffen in Berlin. Wenn sich noch mehr Bundesbürger impfen lassen wollen, soll dies von Bund und Ländern aus Steuergelde...

ndPlusFabian Lambeck

Anachronismus

Die Hartz IV-Reformen bedeuteten einen scharfen Paradigmenwechsel in der Arbeitsmarktpolitik. Wurde Erwerbslosigkeit bis dahin als gesellschaftliches Problem gesehen, machte man es fortan zu einem individuellen: Wer keine Arbeit findet, ist irgendwie auch selbst daran Schuld. Arbeitslose sind nun Leistungsempfänger und Bittsteller. Wer sich dem strengen Regime nicht unterwirft, muss mit Sanktionen...

Bündnis gegen Hartz-Unrecht
ndPlusFabian Lambeck

Bündnis gegen Hartz-Unrecht

Was haben der Schriftsteller Günter Grass, der CDU-Politiker Heiner Geißler und der Kabarettist Dieter Hildebrandt gemeinsam? Sie alle unterstützen das Bündnis für ein Sanktionsmoratorium. Künstler, Gewerkschafter, Akademiker und Politiker haben sich in dem Bündnis zusammengefunden, um gegen die Sanktionspraxis der Jobcenter zu protestieren. Erwerbslosen wird schon bei kleinsten Regelverstößen das Existenzminimum gekürzt oder ganz gestrichen.

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ndPlusJürgen Holz

Zwei Dutzend Doper fehlen

Der Weltverband IAAF steht wiederholt in massiver Kritik, weil er im Anti-Doping-Kampf nur halbherzig zu Werke geht. Diesen Vorwurf versucht Lamine Diack (Senegal), seit 1999 IAAF-Präsident, mit dem Hinweis zu entkräften: »Wir sind der Verband mit den härtesten Strafen. Wir sind konsequent für eine Sperre von zwei Jahren. Für die WM in Berlin ist das größte Dopingkontrollprogramm der WM-Geschichte...

Ernst Podeswa

Signale des Fortschritts

Bei mehr als 100 Aktiven aus 37 Ländern hat Deutschland schon vor dem ersten WM-Startschuss Pluspunkte und viel Sympathien geerntet. Das Auswärtige Amt und das WM-Organisationskomitee (BOC) hatten ein dreiwöchiges WM-Vorbereitungcamp in 13 Vereinen in ganz Deutschland kostenlos 87 ärmeren Ländern angeboten. 37 von ihnen nahmen das Angebot an. Die Kosten übernahmen das Auswärtige Amt (585 000 Euro)...

Jürgen Holz

Das Null-Summen-Spiel der IAAF

»Sommermärchen« – dieses Zauberwort, das an das berauschende Fest der Fußball-WM 2006 in Deutschland erinnert, macht die Runde auch bei den Leichtathleten und ihren Fans 2009. Die neuntägigen 12. Leichtathletik-Weltmeisterschaften im Berliner Olympiastadion – die zweiten nach Stuttgart 1993 auf deutschem Boden – sind unter dem Slogan »Have a good time« mit vielen Hoffnungen verkn...

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Januskopf mit Mythos
ndPlusVolker Kluge

Januskopf mit Mythos

Eine Sportstätte als Hauptdarsteller: Neun Tage lang wird das Berliner Olympiastadion zum Schauplatz der 12. Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Das ehemalige Reichssportfeld ist jedoch nicht irgendeine Arena, in der die Titelkämpfe ausgetragen werden, sondern die einzige realisierte Großanlage des »Dritten Reiches«, die ihre Entstehung den Olympischen Spielen von 1936 verdankt. Zugleich steckt in ihrer 100-jährigen Geschichte mehr als nur »Hitlers Stadion«.

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Piratenpartei sticht in See

Berlin (ND-Drescher). In einer Strandbar am Ufer der Spree startete am Donnerstag die Piratenpartei ihren Bundestagswahlkampf. Vom Ort der Präsentation, über das Outfit der anwesenden »Piraten«, die vorgestellten Wahlkampfspots und -plakate bis hin zum abschließenden Ausschank von Rum: Die Partei, obwohl kaum mit finanziellen Mitteln ausgestattet, versteht es, das Image der unkonventionellen, inte...

Hendrik Lasch, Dresden

Ist das Wasser weg, sind die Sorgen weg

Sieben Jahre nach der Flut von 2002 warnt die Internationale Elbkommission vor Sorglosigkeit am Flussufer. Bürger müssten vorsorgen, auch wenn bis zum Jahr 2015 Millionenbeträge in weitere Schutzmaßnahmen fließen.

René Heilig

Sachsen-Anhalts Sonne geht unter

Überkapazitäten und daraus resultierende aggressive Preispolitik vor allem durch asiatische Wettbewerber und die nach wie vor spürbaren Auswirkungen der Finanzkrise – das lässt einen Leuchtturm Sachsen-Anhalts wanken. Q.Cells baut 500 Arbeitsplätze ab und setzt auf Kurzarbeit.

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Stiftung: NPD setzt auf Eskalation

Erfurt/Berlin (epd/dpa/ND). Der fremdenfeindliche Angriff der NPD auf den dunkelhäutigen CDU-Wahlhelfer Zeca Schall in Thüringen ist nach Ansicht der Amadeu-Antonio-Stiftung Teil einer gezielten Eskalationsstrategie. Ziel der rechtsextremen Partei sei es, im Landtags- und Bundestagswahlkampf auf sich aufmerksam zu machen, erklärte die Stiftung am Donnerstag in Berlin. Begonnen habe diese Strategie...

VW-Deal mit Porsche fast perfekt

VW-Deal mit Porsche fast perfekt

Wolfsburg (dpa/ND). Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat einer Grundlagenvereinbarung über einen integrierten Automobilkonzern mit Porsche zugestimmt. Das erfuhr die dpa am Donnerstag aus Aufsichtsratskreisen. Im Laufe des Jahres 2011 soll es eine Verschmelzung der Unternehmen geben. Nach dem VW-Aufsichtsrat kam auch das Kontrollgremium von Porsche in Wolfsburg zusammen. Hier wurde bis Redaktionssc...

ndPlusPeter Liebers

Thüringer SPD setzt auf Prinzip Hoffnung

Thüringens SPD-Landeschef Christoph Matschie möchte trotz miserabler Umfragewerte nach der Landtagswahl am 30. August als Regierungschef in die Staatskanzlei am Erfurter Hirschgarten einziehen und bastelt sich dafür schon ein Schattenkabinett.

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Fotoausstellung über Fidel Castro

Havanna (dpa/ND). In Kuba ist anlässlich des 83. Geburtstages von Fidel Castro, den er am Donnerstag beging, ein aktuelles Foto des Revolutionsführers veröffentlicht worden, das ihn in unerwartet guter Verfassung zeigt. Die Aufnahme ist Teil einer Ausstellung in der kubanischen Hauptstadt und stammt von Fidels Sohn Alex Castro, einem professionellen Fotografen. Bei der Eröffnung der Ausstellung mi...

Weißes Haus rügt Nazi-Vergleiche

In dem immer heftiger geführten Streit um die von US-Präsident Barack Obama geplante Gesundheitsreform hat das Weiße Haus Hakenkreuz-Schmierereien und Nazi-Vergleiche scharf verurteilt.

NATO wird »so lange bleiben wie nötig«

Eine Woche vor der Präsidentenwahl in Afghanistan hat NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen das langfristige Engagement des Militärbündnisses am Hindukusch bekräftigt.

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Déjà-vu-Erlebnis in Sotschi?

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr trafen sich Angela Merkel und Russlands Präsident Dmitri Medwedjew in dessen Residenz in der Nähe des Schwarzmeerkurortes Sotschi, wo die Bundeskanzlerin heute zu einem weiteren Kurzbesuch eintrifft.

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André Anwar, Stockholm

Geisterschiff vor Europa

Ein in schwedischen Gewässern von Piraten gekapertes finnisches Schiff soll es durch den schwerbewachten Ärmelkanal geschafft haben.

Carsten Hübner

Rechte streiten um »Lissabon«

Eineinhalb Monate nach Gründung stehen die rechtskonservativen »European Conservatives and Reformists« (ECR) vor einer Zerreißprobe.

Verpackungen als Klimaretter?
ndPlusKay Wagner, Brüssel

Verpackungen als Klimaretter?

Das schwedische Getränkeverpackungsunternehmen Tetra Pak unterhält ein kleines Büro im Schatten der Brüsseler EU-Institutionen. Kompetenz vermitteln wolle man hier, keine wirkliche Lobby-Arbeit betreiben.

Radschläge für die Bahn
Michael Cramer

Radschläge für die Bahn

Wer wochenlang das Chaos mit der Berliner S-Bahn erleben durfte, will sich am liebsten auf die eigene Muskelkraft und das selbst gewartete Zweirad verlassen. Mobilität klappt mit dem Fahrrad häufig besser, gerade auch im Vergleich zum Auto: 90 Prozent aller Pkw-Fahrten in den Städten sind kürzer als sechs Kilometer, Strecken also, die mit dem Rad meist viel schneller bewältigt werden. Wer radelt, ...

Europas Osten im freien Fall
ndPlusDenis Meraru, Bukarest

Europas Osten im freien Fall

Bis vor einem Jahr galt der Osten Europas als Wachstumsmaschine. Die Aufholjagd gegenüber dem Westteil des Kontinents schien in vollem Gang. Doch die Krise hat die »Tigerstaaten« erwischt – heftiger, als erwartet worden ist.

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Roland Etzel

Solange sie wollen

Afghanistans Präsident Hamid Karsai wird gestern aufgeatmet haben. Die NATO wird, so erfuhr er von deren neuem Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen aus Brüssel, noch »so lange bleiben, wie es nötig ist« für Frieden und Stabilität. Das ist für Karsai eine echte Jobgarantie, denn wenn auch nicht für Frieden und Stabilität, aber für ihn selbst wird es wohl sehr lange nötig sein. Mit den 100 000 Mann...

Kurt Stenger

Fromme Wünsche

Der Wunsch ist bekanntlich bisweilen der Vater des Gedankens. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden – es sei denn, dadurch wird der Blick auf die Notwendigkeiten verstellt. Und so ist es der Fall mit den erleichterten Reaktionen auf das leichte Konjunkturplus. Es ist sicherlich zu begrüßen, dass die Weltuntergangsphantasien, die im vergangenen Herbst von Wunden leckenden Börsianern au...

ndPlusInes Wallrodt

Übersetzung erlaubt

Das Urteil des Bundesgerichtshofes klingt irgendwie spitzfindig. Eine Parole ist auf Deutsch verboten, weil sie das Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organistaion ist. Übersetzt man sie ins Englische, ist es plötzlich was anderes und nicht mehr strafbar. »Blut und Ehre« oder »Blood and Honour« – ist doch gleich, werden Nicht-Juristen sagen. Weiß doch jeder, was gemeint ist. Und doch ist ...

ndPlusWolfgang Hübner

Ein Thüringer

Am Mittwoch standen sie vor seinem Wohnhaus: Eine Gruppe Nazis von der NPD, angeführt vom eigens aus Berlin angereisten Parteichef Udo Voigt, versammelte sich ein paar Meter von Zeca Schalls Wohnung entfernt, um ihm deutlich zu machen, dass vermeintliche Ausländer nach ihrer Meinung in Deutschland nichts zu suchen haben. Mitten in der thüringischen Stadt Hildburghausen entfalteten die Rechtsextrem...

Ökonomisches Paralleluniversum
ndPlusRobert Kurz

Ökonomisches Paralleluniversum

Die ideologisch und kulturell als »postmodern« sowie ökonomisch als »neoliberal« bezeichnete Epoche der Simulation geht ihrem schmählichen Ende entgegen. Ein spielerisches Verhalten zur Welt bricht sich an den harten materiellen Tatsachen. Auf der Ebene des fiktiven Kapitals hat der globale Finanzcrash bereits die verdrängte Wirklichkeit der substanziellen Kapitalverwertung unangenehm in Erinnerun...

Seite 9
Die DDR als »Karikatur einer Diktatur«
Harald Kretzschmar

Die DDR als »Karikatur einer Diktatur«

Ein Nachruf auf Peter Dittrich muss sein wie eine seiner Zeichnungen. Prallvoll mit Details und hintergründig pointensicher. Von der kratzbürstigen Schärfe des Schwächenverächters, gemildert von der Nachsicht des Menschenkenners. Gar nicht so leicht, bei diesem Mann des Jahrgangs 1931. Dessen persönliches Leben von hermetischer Zurückgezogenheit geprägt war. Hellwach überdeutlich erlebte Vorkriegs...

ndPlusTobias Riegel

Deutschland wieder teilen!

Der Ehrenvorsitzende redet sich in Rage. »Wir sind eine Gruppierung mit eindeutig autoritären und verkrusteten Strukturen. Und wir bewegen uns absichtlich nur in eingefahrenen, überholten Denkmustern«, ruft der »Willy Brandt der Partei«, Oliver Maria Schmitt, unter Beifall. »Zudem hat die Partei immer Recht.« Kunstpause. »Auch da, wo sie irren mag!« Auf dem Wahlzettel wird man sie im September abe...

Seite 10

Bildungsnetze

Wer meint, der Kampf in Berlin um die Reform des gegliederten Schulsystems verlaufe besonders hart, der kennt die Verhältnisse in der Hansestadt Hamburg noch nicht. Dort führte die Ankündigung der schwarz-grünen Senatskoalition, die Grundschule auf sechs Jahre zu verlängern (in Berlin ist die sechsjährige Grundschule die Regel) zu einem regelrechten Aufstand eines Teils der Elternschaft, die um da...

Bildungssplitter

1000 Ranzen für bedürftige Kinder zum Schulanfang Berlin (dpa). Viele Berliner Familien und Alleinerziehende bekommen mit der Einschulung ihrer Kinder schmerzlich zu spüren, wie teuer Bildung sein kann. Für die Erstausstattung eines ABC-Schützen kämen in der Regel einige hundert Euro zusammen, sagte Bernd Siggelkow, Vorsitzender des Zentrums für bedürftige Kinder und Jugendliche, »Arche«. Oft müss...

Gymnasium ab der ersten Klasse?
ndPlusLena Tietgen

Gymnasium ab der ersten Klasse?

In einem Villenvorort in Hamburg an der Elbe steht das Christianeum – eines der fünf altsprachlichen Gymnasien, auf die die Hamburger Elite besonders stolz ist. Es ist nicht leicht auf eines dieser Gymnasien zu kommen; nur ist es um Längen schwerer, sich dort zu halten. Der Schulalltag am Christianeum ist auf die Bedürfnisse der bürgerlichen Elite zugeschnitten, entsprechend groß ist die Unt...

ndPlusThomas Berger

Genehmigungen gestoppt

Immer mehr private Institutionen in Indien erhalten die Anerkennung als Hochschule. Die Regierung in Delhi fürchtet nun eine Aushöhlung des höheren Bildungssystems und will gegensteuern.

Martin Koch

Triumph des Menschlichen

Es gehört zu den hervorstechenden Eigenschaften des Menschen, immer wieder Grenzen zu überschreiten. Auch solche, die man gemeinhin für unüberwindbar hält. Genau das ist jetzt in Spanien geschehen. Hier hat Pablo Pineda als erster Europäer mit Down-Syndrom ein Universitätsdiplom erworben. In Deutschland dagegen wäre ihm das aller Wahrscheinlichkeit nach nicht ermöglicht worden, denn hier werden Kinder mit Down-Syndrom nach wie vor im Schulsystem ausgegrenzt.

Seite 11

Streik beendet

Seoul (dpa/ND). Nach einem 77-tägigen Streik beim angeschlagenen südkoreanischen Geländewagenspezialisten Ssangyong hat die Produktion wieder begonnen. Der Streik hatte die Produktion gelähmt und den Sanierungsplan ausgehebelt. Rund 3500 Arbeiter des kleinsten der fünf südkoreanischen Autobauer jubelten, als der erste Wagen am Donnerstag die Fabrik in Pyeongtaek verließ. Dutzende von Menschen hatt...

Peter Liebers, Jena

Jenoptik greift nach Steuergeldern

Jenoptik hat gestern in Jena eine durchwachsene Bilanz für das erste Halbjahr 2009 vorgelegt und einen verhaltenen Ausblick auf die kommenden Monate gegeben.

ndPlusHermannus Pfeiffer, Hamburg

Kriegsschiffe für die Beschäftigung

Die traditionsreiche maritime Rüstungsschmiede Blohm + Voss in Hamburg steht zum Verkauf. Der ThyssenKrupp-Konzern verhandelt mit ausländischen Investoren. Das geht aus einer Erklärung der Betriebsräte der Werft hervor. Danach führt der Thyssen-Vorstand zur Zeit »Sondierungsgespräche« mit Interessenten.

Stellenabbau bei Quelle

Mit drastischem Personalabbau soll das Versandhaus Quelle in die Zukunft geführt werden. Bis zum Januar 2010 sollten bei der Versandsparte Primondo des insolventen Handelsunternehmens Arcandor rund 3700 der 10 500 Stellen gestrichen werden, teilte der vorläufige Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Donnerstag in Nürnberg mit. Die durchweg defizitären 109 Quelle-Technik-Center sollen in Kürze geschlossen werden. Die Zahl der Quelle-Shops wird von 1450 auf rund 1000 reduziert. Die Beschäftigten reagierten geschockt.

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Streikstatistik - eine Frage der Zählweise

In Deutschland wird wieder mehr gestreikt. Die offizielle Streikstatistik der Bundesagentur für Arbeit bildet das aus Sicht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung wegen methodischer Schwächen jedoch nur eingeschränkt ab. So würden etwa nur solche Streiks einbezogen, an denen je erfasstem Betrieb mindestens zehn Beschäftigte beteiligt waren und die m...

Freie setzen sich durch

Freie setzen sich durch

Sie wollten durchsetzen, dass die Honorarkürzungen für freie Mitarbeiter zurückgenommen werden – und das ist ihnen jetzt auch gelungen. Freie Autoren, die auch für das Neue Deutschland schreiben, hatten am Donnerstagmorgen gemeinsam mit Vertretern von ver.di vorm Sitz von Neues Deutschland in der Nähe des Berliner Ostbahnhofs einen Stand aufgebaut. Dort verteilten sie Flugblätter, mit denen ...

Gabriele Giesecke, Ratsfrau DIE LINKE Essen

Gute Arbeit für Essen

In einer Stadt wie Essen mit mehr als zwölf Prozent Arbeitslosen und rund 80 000 Hartz-IV-Beziehern braucht es eine öffentliche Beschäftigungspolitik. Deshalb macht DIE LINKE Essen in ihrem Kommunalwahlprogramm Vorschläge für »gute Arbeit« und fordert ein Programm »Neue sozialversicherungspflichtige, tarifgebundene Arbeit für Essen«. Wir haben dabei die Stärkung des gemeinwirtschaftlichen Sektors ...

»Arbeitgeber sind auf Krawall gebürstet«

»Arbeitgeber sind auf Krawall gebürstet«

ND: Die Verhandlungen im Gebäudereinigerhandwerk sind gescheitert. Das letzte Arbeitgeberangebot lag bei 3 Prozent mehr Lohn im Westen beziehungsweise 3,6 Prozent im Osten. Sie dagegen kommen beim Nachrechnen auf gerade 1,8 beziehungsweise 2,1 Prozent. Können Sie das noch einmal vorrechnen? Wynands: Der Tarifvertrag läuft zum 30. September aus. Es geht also um mehr Lohn ab 1. Oktober. Die Arbeitge...

Seite 13
ndPlusPeter Nowak

Internationales Camp in Kurdistan

Die Zahl der linken Sommercamps ist groß. Doch das Internationale Camp in Nordkurdistan fällt nicht nur wegen des Termins aus dem Rahmen. Vom 25. bis 30. September werden Linke aus verschiedenen Ländern mitten im Zentrum von Diyarbakir, der heimlichen Hauptstadt Kurdistans, ihre Zelte aufschlagen. Das Camp ist in das Mesopotamische Sozialforum (MSF) integriert, das zeitgleich ebenfalls in Diyarbak...

Anne Kirchberg

Hetze auf dem Platz verboten

Fußballfan Mischa Zöller ist der Vorfall noch gut in Erinnerung: Immer wieder war der für den FC Sachsen Leipzig spielende Nigerianer Adebowale Ogungbure von rassistischen Sprechchören beleidigt worden. Vor drei Jahren platzte ihm schließlich der Kragen und er antwortete dem gegnerischen Fanblock mit dem Hitlergruß. Wochenlang gab es darüber Diskussionen und Zöller beschloss mit einigen Frankfurte...

Bewegungsmelder

Israel-Palästina: Auf beiden Seiten der Mauer (ND). Zwischen dem 19. August und 9. September wird die 28-jährige israelische Kriegsdienstverweigerin Keren Assaf in acht deutschen Städten über die Situation in Israel-Palästina berichten. Assaf ist Mitbegründerin der Initiative »Breaking Barriers«, eine der wenigen, die auf beiden Seiten der Mauer arbeitet und auf eine gemeinsame soziale Bewegung au...

Mal was anderes als Wahlprüfsteine
Ines Wallrodt

Mal was anderes als Wahlprüfsteine

In Ländern und Kommunen erfreuen sich Bürgerbegehren immer größerer Beliebtheid. Auf Bundesebene gibt es diese Möglichkeit nicht. Der Verein Mehr Demokratie will das ändern und zwingt Direktkandidaten für den Bundestag zum Offenbarungseid.

Seite 14
Funktioniert Online-Wahlkampf auch in Deutschland?

Funktioniert Online-Wahlkampf auch in Deutschland?

Es debattieren: Thomas Lohmeier, Jahrgang 1971, Politikwissenschaftler und Redakteur des Magazins »prager frühling« und Markus Beckedahl, Jahrgang 1976, Netzaktivist und Betreiber der Internetplattform »netzpolitik.org«....

Auf Wahlfang in der virtuellen Fußgängerzone
Markus Beckedahl

Auf Wahlfang in der virtuellen Fußgängerzone

Spätestens seit Barack Obamas Wahlsieg 2008 besteht kein Zweifel mehr über die Bedeutsamkeit des Internets als Wahlkampfmedium. Im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf wurde in Sachen politischer Kommunikation mit dem Wähler per Internet viel gewagt – und viel gewonnen. Dementsprechend hoch ist die Erwartungshaltung an deutsche Parteien: Wie wird im Mega-Wahljahr 2009 das Internet im ...

Startschuss der digitalen Graswurzelbewegung
ndPlusThomas Lohmeier

Startschuss der digitalen Graswurzelbewegung

Als Roh Moo Hyun am 13. April 2000 den Einzug ins südkoreanische Parlament wieder knapp verfehlte, trafen sich seine Anhänger im Forum seiner Website. Die Antwort Rohs, »Lassen Sie uns ein weiteres Mal unsere Kräfte vereinen und weitermachen«, war der Startschuss der Graswurzelbewegung Nosamo, einer Art Online-Fan-Club des Politikers. Rund zweieinhalb Jahre später wurde der Menschenrechtsanwalt, d...

Seite 16
ndPlusJürgen Calließ

Jamaikas Theater auf IAAF-Druck beendet

Das Theater in Jamaikas WM-Mannschaft ist zu Ende. Nicht zuletzt auf Druck des Weltverbandes IAAF. Die zunächst von der jamaikanischen Teamleitung für die WM ausgeschlossenen sechs Athleten – darunter Ex-Weltrekordler Asafa Powell (9,74 s im September 2007) und 100-Meter-Olympiasiegerin Shelly-Ann Fraser – können in Berlin an den Start gehen. Hintergrund des spektakulären Ausschlusses ...

Klaus Bergmann und Christian Kunz, dpa

In Gedanken schon in Moskau

In ihren bequemen Business-Class-Sitzen konnten Michael Ballack & Co. nach einer kurzen Nacht noch etwas Schlaf nachholen – Joachim Löw träumte nach der erfüllten Pflicht in Aserbaidshan bereits von einer WM-Punktlandung in Moskau. Auch wenn der Bundestrainer nach dem 2:0 (1:0) gegen die Schützlinge von Berti Vogts »noch Verbesserungsmöglichkeiten in allen Bereichen« ausmachte und einige...

Seite 17

SA-Fetischisten

Es war ein wenig beunruhigend, wie lange Innensenator Ehrhart Körting (SPD) den schwarz-uniformierten Nazis vom »Frontbann 24« in den vergangenen Monaten bei ihrem Treiben in der Hauptstadt zusah. Zwar hieß es schnell, ein Verbot der kameradschaftlich organisierten Gruppe werde geprüft, eine Konsequenz aus dieser Ansage ließ jedoch lange auf sich warten. Nun also eine Razzia. Besser spät als nie, ...

ndPlusAnouk Meyer

Auf Dauer kommen Reiche

»Wer macht die Stadt für wen?«, lautet der Titel einer Ausstellung, in der es um die Veränderungen in Neukölln, insbesondere im Norden, geht. Seit zwei, drei Jahren mausert sich der einstige »Schmuddelbezirk« zum neuen In-Kiez, rund um Reuter- und Weserstraße eröffnen Galerien, Ateliers, Szenekneipen und Cafés. Doch schon machen sich Ängste breit: Droht eine Gentrifizierung, also eine Aufwertung d...

Gentrifiziertes Neukölln?

Gentrifiziertes Neukölln?

ND: Seit einiger Zeit wird im Zusammenhang mit dem Gebiet rund um den Reuterplatz in Nord-Neukölln immer wieder von Gentrifizierungsprozessen gesprochen. Wie schätzen Sie die Situation ein? Gude: Ich würde die Entwicklung in Nordneukölln nicht primär mit dem Begriff Gentrifizierung beschreiben. Der Begriff Gentrifizierung bezeichnet den Ersatz einer Bevölkerungsstruktur durch eine reichere, die ei...

Seite 18
Die Behörde zog ins Bettenhaus
ndPlusAndreas Heinz

Die Behörde zog ins Bettenhaus

Die Zeit der langen Wege ist vorbei. Wer ein Anliegen beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) hat, muss in Zukunft nicht mehr zwischen drei Dienstgebäuden pendeln. Die Standorte Friedrich-Krause-Ufer in Moabit, Sächsische Straße und Albrecht-Achilles-Straße (beide Wilmersdorf) wurden aufgegeben. Die neue Adresse heißt ab sofort: Turmstraße 21, Moabit. Unter dieser Anschrift war bis Okt...

Razzia gegen Uniformträger
Marina Mai

Razzia gegen Uniformträger

Die Polizei hat Donnerstagmorgen elf Wohnungen von mutmaßlich führenden Mitgliedern der rechtsextremen Organisation »Frontbann 24« durchsucht. Grund waren Durchsuchungsbeschlüsse der Staatsanwaltschaft gegen elf Männer und eine Frau wegen des öffentliche Tragens von Uniformen und Zeichen des »Frontbann 24« »als Ausdruck einer gemeinsamen den Nationalsozialismus glorifizierenden politischen Gesinnu...

Seite 19
ndPlusMarion Meyer-Radtke, AFP

Aber bitte mit Soße

Die Currywurst gehört zu Berlin wie Hertha BSC, Brandenburger Tor und Berliner Bär. An mehreren hundert Buden und Imbissständen wird in der Stadt die Wurst in der Würztunke verkauft – von Kreuzberg bis Charlottenburg, von Marzahn bis Mariendorf. Und auch die offizielle Erfinderin des genial einfachen Gerichts war eine Berlinerin. Grund genug für eine kleine Privatinitiative, Deutschlands Imb...

Lucía Tirado

Provokationen inbegriffen

Eigenwillige künstlerische Handschriften, Experimente und Diskussionen sollen die Spielzeit 2009/2010 in den Sophiensälen bestimmen. Es soll um erdachte Formen künftigen gesellschaftlichen Zusammenlebens gehen. Gegenwärtig geltende Werte werden in Gegenwelten zu überprüfen sein. Ein anderer Schwerpunkt liegt im Erinnern und seinen Formen. Hier geht es ebenso politisch zu, denn es wird u.a. eine Ro...

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Winfried Neiße

Geld fließt weiter ins Klärbecken

Zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit von Abwasserverbänden muss das Land auch in Zukunft Millionen bereitstellen. Wie Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) sagte, werden allein im laufenden Jahr dafür 7,4 Millionen Euro fällig. Der Abwasser-Zweckverband Luckau soll demnach drei Millionen Euro erhalten, der Verband Lebus 0,8 Millionen Euro und der Verband Crinitz 2,1 Millionen. Liquiditätshilfen und P...