Ausgabe vom 12.10.2009

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Unten links

Die größte Überraschungsveranstaltung vor der Weihnachtsbescherung ist wieder einmal vorbei: die Vergabe des Friedensnobelpreises. Und diesmal standen die Juroren in Oslo vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Denn der einzige Mensch weltweit, der in den verflossenen zwölf Monaten wirklich Frieden gemacht hat, ist Marcel Reich-Ranicki. Nämlich seinen Frieden mit dem deutschen Fernsehen – eine ...

ndPlusChristian Klemm

Neue deutsche Farbenlehren

Parteipolitik ist eine zu ernste Sache, als dass man sie dem politischen Gegner überlässt. Nicht immer muss man dabei von einer Position der Stärke aus Handeln, wie die aktuellen Farbenspiele zeigen: Schwarz-Gelb gilt im Bund als abgemacht. In Thüringen denkt ein Teil der Sozialdemokratie in rot-schwarzen Dimensionen, trotz mächtigen Gegenwindes der Parteibasis. Und gestern haben die »kleinen« Grü...

Ulrich in Jamaika – Matschie im Machtkampf

Saarbrücken bekommt das bundesweit erste Jamaika-Bündnis, in Thüringen führt der schwarz-rote Plan des Landeschefs zum Aufruhr – und in Brandenburg entscheidet die SPD heute über ihren künftigen Koalitionspartner: Es kommt viel Bewegung in das politische Farbenspiel.

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»Wir sind hochmütig geworden«

»Wir sind hochmütig geworden«

Am 18. Oktober 1989 trat Egon Krenz die Nachfolge Erich Honeckers als Generalsekretär der SED an, sechs Tage später auch die als Staatsratsvorsitzender der DDR. Er blieb nur etwas mehr als sechs Wochen in beiden Ämtern. Es wurden die entscheidenden der Wende in der DDR. Mit Krenz sprachen in Dierhagen Karlen Vesper und Jürgen Reents.

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ndPlusRené Heilig

In eins nun die Hände?

Heute soll Brandenburgs Regierungschef nun entscheiden, mit wem er weiter regieren will. Mit der CDU, die in sich zerstritten ist, oder mit der LINKEN, der zweitstärksten Kraft im Land, mit deren Spitzenfrau Kerstin Kaiser Matthias Platzeck gut kann", weil beide sich in vielen Sachfragen nah ist. Das wäre, so tönt es jetzt aus vielen Ecken, der Dammbruch. Altbekannte Ko-Argumente, die in den bishe...

ndPlusOlaf Standke

Neues Kapitel

Nicht zuletzt mit dem Roman »Die vierzig Tage des Musa Dagh« über die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich hat Franz Werfel seinen Platz in der Weltliteratur gefunden. Nun haben beide Seiten nach einem Jahrhundert der Feindschaft mit den in Zürich signierten Protokollen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und eine Öffnung der 1993 wegen des Streits um Berg-Karabach geschlossenen...

Peter Kirschey

Na klar, linke Chaoten

Brennt ein Auto in Berlin, fliegen Steine gegen Polizisten oder gibt es Attacken auf die rechte Szene – die Schuldigen sind im Großbuchstabendeutsch immer ganz schnell gefunden: linke Chaoten, gewaltbereite Extremisten, rote Terroristen. So auch bei dem jüngsten Anschlag auf eine von Stiefelnazis und strammen NPD-Kameraden frequentierte Berliner Kneipe, bei dem drei Rechte erheblich verletzt...

Unter Druck
Ralf Klingsieck, Paris

Unter Druck

Der 62-jährige Neffe des ehemaligen sozialistischen Präsidenten François Mitterrand ist seit Langem als Dokumentarfilmer, Autor von Biografien und gelegentlicher Opernregisseur bekannt. Im Juni 2008 machte ihn Präsident Nicolas Sarkozy zum Leiter der Künstlerkolonie Villa Medici in Rom, und im vergangenen Juni gar zum Kulturminister. Das erregte vor allem bei den Sozialisten Unmut, die darin einen...

Politisches Ränkespiel
Jürgen Amendt

Politisches Ränkespiel

Wäre es falsch, das ZDF als Staatsfernsehen zu bezeichnen? Beim ZDF wird man diese Frage sicherlich empört bejahen; der Begriff »Staatsfernsehen« suggeriert immerhin eine gewisse Steuerung der Medien durch die Politik. Wo Politik ist, sind aber auch Parteien und kein Fernsehsender lässt sich gern nachsagen, parteipolitisch nicht unabhängig zu sein. Der Mainzer Medienrechtler Dieter Dörr beantworte...

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Doch keine Leichensäcke in Leipzig?

Berlin (dpa/ND). Das Bundespräsidialamt prüft Hinweise, nach denen Bundespräsident Horst Köhler in seiner Rede zum 20. Jahrestag der Leipziger Montagsdemonstration teils falsche historische Angaben gemacht haben soll. Stein des Anstoßes sind Formulierungen Köhlers, wonach bei der Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 von der Staatsmacht »Blutplasma und Leichensäcke bereitgelegt« worden seien. »...

Peter Liebers, Erfurt

Offener Machtkampf in der Thüringer SPD

Die Entscheidung des SPD-Landesvorstandes, in Thüringen eine Koalition mit den Christdemokraten einzugehen, hat den tiefen Riss wieder sichtbar gemacht, der seit Jahren durch die Partei geht. Auf einer Basiskonferenz am Sonnabend in Erfurt sollte eine Gegenstrategie gegen Schwarz-Rot entwickelt werden.

Fabian Lambeck

Linkspartei hält SPD auf Distanz

Der Rückzug Oskar Lafontaines vom Fraktionsvorsitz ließ beinahe vergessen, dass sich die 76 Bundestagsabgeordneten der Linkspartei am Wochenende auf ein Sofortprogramm einigten. Mit den Forderungen nach einem Rückzug aus Afghanistan, der Abschaffung von Hartz IV und der Rücknahme der Rente mit 67 will man die SPD zu einem Kurswechsel zwingen.Das am Sonnabend im brandenburgischen Rheinsberg beschlo...

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Druck auf Sarrazin nimmt zu

Sarrazin droht nach seiner Migranten-Schelte Entmachtung in der Bundesbank. Zudem werden in der SPD erste Rufe nach einem Ausschluss des Mitglieds Sarrazin laut.

Grüne machen Müller zum König an der Saar

Schon im Vorfeld des Parteitags der Grünen im Saarland bahnte es sich an: Die Parteispitze um Hubert Ulrich sprach die Empfehlung aus, Koalitionsverhandlungen mit Liberalen und Christdemokraten zu führen. Die erste Jamaica-Koalition auf Landesebene ist somit wahrscheinlich.

Union und FDP streiten um Innere Sicherheit

Die Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP über die Innen- und Rechtspolitik kommen nur langsam voran. Bei den besonders strittigen Themen Vorratsdatenspeicherung und Online-Durchsuchung von Computern ist noch kein tragfähiger

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Mediengesetz in Argentinien beschlossen

Buenos Aires (dpa/ND). Das argentinische Parlament hat ein umstrittenes neues Radio- und Fernsehgesetz gebilligt. Nach dem Abgeordnetenhaus stimmten nach einer Marathonsitzung von fast 20 Stunden 44 Senatoren mit Ja bei 24 Nein-Stimmen. Die Regierung von Präsidentin Cristina Kirchner begrüßte das Gesetz als Instrument im Kampf gegen Medienmonopole und für mehr Medienvielfalt. Große Mediengruppen u...

ndPlusJindra Kolar, Prag

Nach Irland und Polen fehlt jetzt nur noch Tschechien

Der EU-Vertrag von Lissabon hat die beiden vorletzten Hürden genommen. Die irische Bevölkerung stimmte im Referendum für Lissabon, Polens Präsident Lech Kaczynski unterzeichnete am Sonnabend das Vertragswerk und schloss somit die Ratifizierung für sein Land ab. Tschechien bleibt das einzige Land, in dem das Abkommen noch nicht ratifiziert worden ist.

Jan Keetman, Istanbul

Neuanfang von Türkei und Armenien

Bereits einen Tag nach Unterzeichnung des Abkommens, das die Beziehungen zwischen Türkei und Armenien normalisieren soll, stellte der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan neue Bedingungen. Eine Öffnung der Grenze zu Armenien, die im Vertrag vorgesehen ist, sei an Fortschritte bei einer Lösung des Konflikts um die Kaukasusenklave Berg-Karabach geknüpft, sagte Erdogan am Sonntag.

ndPlusHilmar König, Delhi

Überfall auf Armeezentrale

Nach 22 Stunden endete auf dem Gelände des Hauptquartiers der pakistanischen Armee in Rawalpindi am Sonntag kurz vor Sonnenaufgang eine spektakuläre Geiselnahme. Taliban-Kämpfer hatten die Militärzentrale am Sonnabendmorgen attackiert.

Seite 8
Wolfgang Ewert

Schlechter als beim Jagdrecht

Greifvögel sind in Deutschland seit Langem geschützte Arten, Kormorane auch. Doch der Umgang der Politik mit den Vögeln könnte unterschiedlicher kaum sein. Es ist nicht überliefert, ob der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter mit seinen rund 60 000 Mitgliedern jemals die Jagd auf Wanderfalken oder Habichte gefordert hat, um seine wertvollen Zuchttiere zu schützen. Ganz anders bei den Kormoranen. D...

Benjamin Beutler

Andengletscher schwinden

70 Prozent aller tropischen Gletscher finden sich in Südamerika, in den Anden. Doch die ohnehin durch die Klimaerwärmung schrumpfenden Eismassen geraten durch Bergbauprojekte zusätzlich unter Druck.

ndPlusSusann Witt-Stahl

Bedrohte Flussmündungsgebiete

Vor dem Hintergrund des Klimawandels verschärft sich der Konflikt zwischen der wirtschaftlichen Nutzung der Flüsse und dem Naturschutz. Das gilt vor allem in den Ästuargebieten: jenen Regionen um Flussmündungen an Flach- und Gezeitenküsten – die größten in Deutschland finden sich an Elbe, Weser und Ems.

ndPlusWalter Schmidt

Auenwälder mit Seltenheitswert

An Deutschlands meist begradigten oder zwischen Deichen eingezwängten Flüssen gibt es kaum noch intakte Auenwälder. Das ist nicht nur ein gravierender ökologischer Mangel; es fördert auch Hochwasserkatastrophen. Der erste deutsche Auenzustandsbericht fordert deshalb mehr Raum für freiere Flüsse.

Seite 9

Optimismus bei Opel

Berlin/Frankfurt am Main (dpa/ND). Der Staatsgarantie für die Übernahme Opels durch den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna steht nach Ansicht der Bundesregierung nichts mehr im Weg. Das Geschäft sei grundsätzlich genehmigungsfähig, entschied der Interministerielle Ausschuss der Regierung für die Vergabe von Bürgschaften am Donnerstag. An der Sitzung nahmen Vertreter des Kanzleramts, d...

Peter Nowak

Emmely ist überall

In mehreren Städten protestierten am Sonnabend sozialpolitische Bündnisse gegen Willkür, Schikanen und Repression im Arbeitsleben. So gab es Kundgebungen in Augsburg, Kassel, München und Ravensburg.

China versucht umzusteuern

China versucht umzusteuern

Bei den Asien-Pazifik-Wochen in Berlin war die globale Mobilität Thema einer Fachkonferenz. Mit Wulf-Holger Arndt von der TU Berlin sprach Steffen Schmidt.

Hans-Gerd Öfinger

Post droht »heißer Herbst«

Vor dem Hintergrund schwer überbrückbarer Differenzen zwischen dem Vorstand der Deutschen Post und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bereiten sich Gewerkschafter auf einen »heißen Herbst« bei der Post vor.

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Mit Sextant und Sauerkraut
Stefanie Stadel

Mit Sextant und Sauerkraut

Die Luft leicht diesig, das Meer sanft bewegt. Im Vordergrund lagern ein paar gut gebaute Ureinwohner. Weiter draußen in der Bucht von Matavai Bay sind James Cooks stolze Schiffe vor Anker gegangen. Der Entdecker macht Halt vor Tahiti – friedlicher als in William Hodges’ Gemälde von 1776 ist das Ereignis kaum vorstellbar. Als Bildberichterstatter an Bord hatte der Maler alles miterlebt...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Wo sogar das Brot blutet

Theater träumt den Aufschrei. Das ersehnte Feld seiner Forschung ist die Wunde, die offene. Wenn Theater gut sein soll, muss es furchtbar sein, für alle Beteiligten – weggerissen der Schutzverband der Moral, sichtbar die schwärenden Tabus. Rainer Werner Fassbinder schrieb vor fast fünfunddreißig Jahren »Der Müll, die Stadt und der Tod«, einen eruptiven Hinwurf gegen das große Verwahrlosen in...

Seite 11

Zu den Wurzeln

Nicht leicht machten es sich die Sozialdemokraten am Samstag. Es ging ja nicht darum, Wunden zu lecken, Schuld zuzuweisen und dann einfach weiterzumachen. Vielmehr erinnert sich die SPD offenbar ihrer ursprünglichen Stärke und Aufgabe – Kenntnis und Vertretung von Interessen der »kleinen Leute«, der arbeitenden Menschen. Nicht zufällig prangten im Saal als Losung die traditionellen Grundwert...

ndPlusFlorian Osuch

800 Nazis marschierten

Bis zu 800 Neonazis marschierten am Samstag durch die Berliner City vom Alexanderplatz zum S-Bahnhof Landsberger Allee in Prenzlauer Berg. Mehrere Hundert Menschen beteiligten sich an vier Kundgebungen gegen Rechts. Die Neonazis marschierten auf wegen eines – nach bisherigen Ermittlungen nicht politisch motivierten – Anschlags auf die rechte Szenekneipe »Zum Henker« im Köpenicker Ortst...

Berliner SPD will links bleiben
ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Berliner SPD will links bleiben

Bereits nach zwei Stunden schien die sozialdemokratische Welt in Berlin wieder einigermaßen in Ordnung gebracht zu sein. Einträchtig und mit einem demonstrativen Händedruck stellten sich der Landes- und Fraktionsvorsitzende, Michael Müller, und Berlins Regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit, gemeinsam einem anhaltenden rhythmischen Beifall der Delegierten. Sie tagten in einem Hotel unweit der E...

Seite 12
Unbewältigte Geschichte
ndPlusTom de Meller

Unbewältigte Geschichte

Ballhaus-Königin Shermin Langhoff hat Mut. Sie siedelt ihr interkulturelles Projekt nicht nur in der bequemen post-migrantischen Kuschelnische an, sondern sorgt auch für Zündstoff in den eigenen Reihen. Unter dem poetischen Titel »Das Märchen vom letzten Gedanken« schmuggelt sie provokantes Material ins türkisch und kurdisch bewohnte Kreuzberg. Regisseur Miraz Bezar widmet sich auf der Grundlage e...

Volkmar Draeger

Figürlich gegen Moden

Auf dem Sockel des zerstörten Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I. wölbt sich ein Bogen aus Backstein, dem typischen Berliner Baumaterial. Nach oben hin verjüngt er sich; dort, wo der Stein aus dem Boden wächst, stehen zwei bronzene Szenarien als figürlicher Bildschmuck.Das linke erinnert an den Anfang der friedlichen Revolution in Leipzig: Unter den Pfeilern der Nikolaikirche reden Menschen mit...

Tom Mustroph

Melancholische Erinnerungen

Die Akademie der Künste erinnert an eine Revolte – und ein formvollendeter, in schwarze Kellnertracht gekleideter Jüngling räumt aufmerksam den schlanken, gerade leer getrunkenen Sektkelch vom blütenweißen Tisch. Nicht 20 Jahre, sondern ganze Welten lagen zwischen dem Aufbegehren auch und gerade der DDR-Künstler im Herbst des Jahres 1989 und der Künstlernacht, mit der die Akademie am Pariser...

Seite 13
Patrick Kunkel, Freiburg

Schwarz setzt voll auf Grün

Vor sieben Jahren bekam Freiburg i. Breisgau als erste deutsche Großstadt einen grünen Oberbürgermeister. Nun strebt Dieter Salomon eine weitere Amtszeit an – und kann dabei voll auf die Unterstützung der CDU setzen.

Das Hesco-Verfahren und die CDU-Frau
ndPlusWilfried Neiße

Das Hesco-Verfahren und die CDU-Frau

Gegen die Eltern der CDU-Politikerin Katherina Reiche ist ein Verfahren wegen Untreue und Insolvenzverschleppung eingeleitet worden. Vor den fragwürdigen Operationen ihrer Eltern hatte Reiche ihre Firmenanteile abgegeben. Fraglich ist, ob rechtzeitig.

Seite 14
ndPlusWilfried Neiße

Kaiser verzichtet auf Ministeramt

Einen Tag vor den abschließenden Sondierungsgesprächen in Potsdam verzichtete die Linkspartei-Verhandlungsführerin auf einen Ministerposten. Der Grund ist ihre Verstrickung mit dem MfS in der Studentinnenzeit.Kerstin Kaiser, derzeit Verhandlungsführerin der brandenburgischen Linkspartei in den Sondierungsgesprächen mit der SPD, strebt kein Ministeramt in einer eventuellen rot-roten Koalition an. S...

ndPlusMirko Knoche, Hamburg

Kein Hauch von Hafenstraße

Auf zwölf benachbarte Häuser verteilt soll im besetzten Hamburger Gängeviertel ein alternatives Kulturzentrum und mehrere Künstlerateliers entstehen. Dies sieht ein Konzept vor, das die Nutzer der Gebäude am Freitagabend präsentierten.

Antje Lauschner, dpa

In der Bach-Stadt jazzt es

Mit Raritäten des europäischen und US-amerikanischen Jazz und Blues bildet das Eisenacher Archiv einen Gegenpol zur alten Bach-Musik.Allein der Blick durch die Glastüren des Internationalen Jazz-Archivs in Eisenach ist atemberaubend. Hohe Regalwände voller Bücher, Schallplatten, CDs und Filme, eine Musikbox in Rot und Chrom aus den 1960er Jahren, Porträts von weltbekannten Musikern und Sängern. Na...

Seite 15
ndPlusIrmtraud Gutschke

Warum nicht die oder der?

Zur Bekanntgabe der sechs Finalisten für den Deutschen Buchpreis 2009 schickte dpa zwei Fotos: von Herta Müller und von Kathrin Schmidt. Votum vorab gegen die anderen vier? Wahrscheinlich war es einfach so, dass von Rainer Merkel, Norbert Scheuer, Clemens J. Setz und Stephan Thome nicht gleich Bilder zur Hand waren. Wer hätte auch damit rechnen können, dass die Jury solch ein Überraschungspaket sc...

Lilian-Astrid Geese

Von Swingerclub und Spielmannszügen

Nur das Kleid steht dir wirklich, das du auch barfuß tragen kannst, sagt Anita immer.« Diese Frauenweisheit ist gewiss nicht der einzige Grund, warum Stephan Thomes für den Deutschen Buchpreis nominierter Roman »Grenzgang« mit ziemlicher Sicherheit auch von »Brigitte« empfohlen werden wird. Man möge das nicht missverstehen. Es ist keinesfalls eine Schande, von einer Frauenzeitschrift gelobt zu wer...

ndPlusSabine Neubert

Risse, nur Risse

Der Riss taucht das erste Mal auf Seite 102 im sechsten Lebensjahr des Jungen Alexander Kerfuchs auf, und – wir ahnen es – es ist weit mehr als ein Riss in der Kellerwand eines unschönen Beton-Einfamilien-Hauses aus den sechziger Jahren, das die Familie, bestehend aus drei Personen, Vater, Mutter, Kind, seit einigen Jahren bewohnt. Der Riss, für den Jungen »eine seltsame Fieberkurve«, ...

Hans-Dieter Schütt

Zwei Leben?

Der aberwitzige Traum vom zweiten Leben verlässt uns nicht. Er ist unser heimlichster, gegen alle Erfahrung gehüteter Beweis, dass es Größeres gibt als die Wahrheit. Der Traum geistert herum im Reich der verfehlten Zwecke, das unser erstes Leben ausfüllt. Wir nennen es nicht so, dieses Reich, wir nennen es Sinn, sagen aber nicht, dass er sich abschleift; oder Gewohnheit, sagen aber nicht, wie sie ...

Seite 16
Katrin Greiner

Erinnerungsräume oder Freud lässt grüßen

Schauplatz New York. Träge Ventilatoren, schmutzige Wohnung, muffige U-Bahn-Stationen, Starbucks. Reine Staffage, bekannte Requisiten, durch die der Familientherapeut Thomas Kaszinski eilt, um doch noch seinen Flug zu erreichen. Er hat gerade ein missglücktes Wochenende mit seiner langjährigen Freundin hinter sich – ohne Gespräche, ohne harmonische Momente, ohne Sex. Nach und nach, beim Aufr...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Angehaltende Zeit

Sollte, fast wider Erwarten, Norbert Scheuer den Deutschen Buchpreis bekommen, wäre das ein Votum fürs Unspektakulär-Zauberhafte, fürs Still-Vergehende – eine Entscheidung dermaßen gegen den Mainstream, dass die Jury für lange gegen den Vorwurf von Marktorientiertheit gefeiht wäre. Aber der Autor muss einflussreiche Liebhaber seines Werks gefunden haben, sonst wäre sein Buch nicht in der FAZ...

ndPlusAlfons Huckebrink

Hungerblind

In einem Viehwaggon schrumpft jede Eigenart. Man ist mehr zwischen anderen vorhanden als bei sich selbst.« Wahrscheinlich ist der Viehwaggon zum signifikanten Transportmittel des 20. Jahrhunderts geworden. Symbol seiner grauenhaften Entartungen. Dass Transporte an vielen Schreibtischen zusammengestellt wurden, ist wohl bekannt. Weniger bekannt, selbst in Rumänien, dürften allerdings die Schicksale...

Seite 18

Flensburg-Handewitt-Pleite in Lübbecke

Alibi-Handball, desaströse Leistung, fehlende Leidenschaft: Nach der überraschenden 28:31-Pleite am 6. Spieltag der Handball-Bundesliga der Männer beim TuS N-Lübbecke bekamen die Spieler der SG Flensburg-Handewitt die Wut ihres Managers zu spüren. »Das war eine desaströse Leistung«, empörte sich Holger Kaiser. »Die Abwehr muss stabiler stehen und im Angriff darf man keinen Alibi- Handball zeigen, ...

Lars Reinefeld und Heiko Oldörp, dpa

Andreas Raelert überrascht bei Hawaii-Premiere

Mit heißem Herzen hat Neuling Andreas Raelert (Foto: dpa) in den Lava-Feldern von Kona bei seiner Hawaii-Premiere Platz drei belegt und die Hierarchie im deutschen Triathlon auf den Kopf gestellt. Als der zweimalige Olympiateilnehmer über die Kurzdistanz beim Sieg des australischen Titelverteidigers Craig Alexander am Sonnabend (Ortszeit) nach 8:24:32 Stunden ins Ziel kam, hatte er sich bei 35 Gra...

Jürgen Holz

Heimpremiere ging daneben

Die Fröhlichkeit war wie weggeblasen. Stattdessen lange Gesichter bei den Volleyballern des einstigen deutschen Meisters SCC Berlin. Nur die Fans auf den Rängen ließen sich den Abend nicht verdrießen und munterten ihre frustrierten Lieblinge auf, die nach 118 Minuten dem TV Rottenburg mit 2:3 (18:25, 25:11, 22:25, 25:23, 9:15) unterlegen waren. Immerhin waren 3700 in die Max-Schmeling-Halle gekomm...

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Potsdam mit Kantersieg

Potsdam mit Kantersieg

Der deutsche Frauenfußball-Meister Turbine Potsdam hat mit einem 6:0 (3:0)-Heimsieg gegen den Hamburger SV den Anschluss an die Bundesligaspitze gehalten. Anja Mittag traf im Karl-Liebknecht-Stadion allein dreimal für die Gastgeberinnen. Fatmire Bajramaj (2) und Jennifer Zietz steuerten vor 1022 Zuschauern die weiteren Treffer für die drückend überlegene Turbine-Elf bei.»Das war heute ein Klassenu...

ndPlusHolger Schmidt und

Das Wunder verpasst

Johannes Schwarzer (SID), KairoMichael Ballack und Co. hüpften in Moskau gerade jubelnd über den Platz, da flossen bei den deutschen Talenten in Kairo bittere Tränen. Vier Minuten nachdem die A-Nationalelf das Ticket für Südafrika gelöst hatte, war der Titeltraum der deutschen U-20-Fußballer ausgeträumt. Kapitän Florian Jungwirth weinte nach dem Krimi ohne Happy End bitterlich auf dem Rasen, und T...

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Verdienter Sieger im Spiel des Jahres

Michael Ballack und Co. starteten nach dem wichtigen Sieg von Moskau eine ausgelassene WM-Sause – Joachim Löw dagegen dachte mit dem Südafrika-Ticket in der Tasche gleich an die kniffligen Aufgaben 2010. Für das Fußballabenteuer am Kap machte er sich schon am Sonntag auf dem Heimweg nach Hamburg Gedanken.Der durch das überzeugend erkämpfte 1:0 in Russland zum ersten WM-Test herabgestufte Qua...

Der Campione jubelt, Maradona darf hoffen, Fatih Terim geht

Diego Maradona steht trotz des »Wunders von Palermo« mit Argentinien vor dem alles entscheidenden Showdown. Seine Mannschaft gewann durch einen Treffer von Martin Palermo in der dritten Minute der Nachspielzeit in Buenos Aires mit 2:1 gegen Schlusslicht Peru. »Ich dachte schon, wir wären draußen«, meinte Maradona, der nach dem Spiel den »Taucher« auf dem nassen Rasen machte: »Das Wunder des heilig...