Ausgabe vom 06.11.2009

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Unten links

Ostdeutsche machen Urlaub in Ostdeutschland, Westdeutsche im Westen. Mauerfall hin oder her. Eine Studie zeigt, dass der Ossi lieber an die Ostsee fährt als nach Bayern – 45 Prozent planen in den nächsten drei Jahren einen Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern, aber nur ein Fünftel der Westdeutschen tut das. Für das Vergnügen so weniger Leute hätte man die Mauer nicht einreißen müssen. Dann wäre ...

Dieter Janke

Liberale Alchemie

Wirklichkeitsverweigerung war noch nie eine gute Basis erfolgreicher Politik. Bitter ist mitunter der jähe Aufschlag in der Realität. Das gilt auch für das Thema der öffentlichen Finanzen, bei denen es sich die FDP zum Ziel gesetzt hat, sie im Interesse ihrer Glaubwürdigkeit zu schlachten. »Mehr Netto vom Brutto« hatte sie vor der Wahl plakatiert und damit suggeriert, es gäbe Spielraum für populär...

Bei Opel blitzt und donnert es

Nach dem Scheitern des Verkaufs von Opel an Magna demonstrierten bundesweit an den Opel-Standorten insgesamt 15 000 Beschäftigte für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Klaus Franz forderte mehr Eigenständigkeit für Opel unter dem GM-Dach.

Dieter Janke

Weiter viel zu tun für Spar-Schäuble

Sparen, sparen, sparen, wird es beim Bund wohl auch in den nächsten Jahren heißen. Die diesjährige Steuerschätzung ergab am Donnerstag noch einmal drei Milliarden mehr an fehlenden Einnahmen. Für 2010 wird ein weiterer Rückgang erwartet.

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Der Gegner ist Fan
ndPlusMark Wolter

Der Gegner ist Fan

Schalke gegen Dortmund, Frankfurt gegen Offenbach, Bayern München gegen Nürnberg, Erfurt gegen Jena: Traditionell brisante Fußballderbys werden regelmäßig von Hooligans für Gewaltorgien genutzt. Für sie ist die aufgeheizte Stimmung der Duelle immer wieder Gelegenheit, ihre Lust auf Prügel zu befriedigen.Waren Hooligans, für die das Fußballspiel nur Nebensache und Mittel zum Zweck ist, früher oft a...

Der Gegner ist Polizist
ndPlusOliver Händler

Der Gegner ist Polizist

Menschen, die sich in der Szene nicht auskennen, können mit der Abkürzung »ACAB« (Foto: dpa) nichts anfangen. Dabei ist sie Ausdruck dessen, was die Polizei als »neue Dimension der Gewalt« rund um Fußballstadien bezeichnet. Sie steht für »All cops are bastards« – frei übersetzt: »Alle Bullen sind Arschlöcher.« Waren sie früher für Hooligans lästige Störenfriede, wenn es darum ging, eine Schl...

Der Gegner ist anders
Markus Drescher

Der Gegner ist anders

»Jude« und »Zigeuner« sind für sie Schimpfworte (Foto: dpa), schwarze Spieler wünschen sie zurück »in den Busch«. Migranten- und jüdische Vereine wie Türkiyemspor oder Makkabi Berlin haben für sie nichts im deutschen Fußball verloren. Fangruppen und -initiativen, die sich unter anderem explizit als antirassistisch verstehen wie die Anhänger vom FC St. Pauli, von TeBe Berlin, Babelsberg 03 oder Rot...

Matthias Koch

Vorsicht mit Vertrauensvorschuss

Zum brisanten Fußballduell zwischen Jena und Dresden werden morgen 11 000 Zuschauer erwartet. Nach den jüngsten Krawallen bei Spielen in Halle, Zwickau, Leipzig und Rostock bemüht man sich in Jena verstärkt um einen sicheren Ablauf des Spiels.

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»Wir brauchen die 50:50-Lösung«
Roland Etzel

»Wir brauchen die 50:50-Lösung«

Mit dem Amtsantritt der Regierung Netanjahu-Lieberman in Israel sind die Hoffnungen auf eine friedliche Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts spürbar gesunken. Dennoch engagieren sich nach wie vor viele Menschen für einen gerechten Frieden.

Peter Liebers, Eisenach, und Hans-Gerd Öfinger, Rüsselsheim

Erster Aufschlag beim Protest der Opelaner

Mit Demonstrationen und Kundgebungen reagierten mehr als 10 000 Opelaner auf die Ankündigung von General Motors, den europäischen Autobauer doch zu behalten.

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Roland Etzel

Abbas im Test

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas will im Januar nicht wieder kandidieren. Das lässt er zwar schon seit Tagen von seinen engsten Mitarbeitern verbreiten, z. B. seinem Chef-Verhandler Erakat. Aber nun hat er selbst es verkündet. Gibt er auf als Eingeständnis politischen Scheiterns? An Ereignissen im Nahostgeschehen, die ihm Anlässe dafür lieferten, wäre kein Mangel. Beim Parteitag seiner Fatah-O...

ndPlusAndreas Fritsche

Rot-Rot kein Kinderspiel

Das hat es schon gegeben – in Brandenburg allerdings noch nicht. Die Sozialisten wechseln heute auf die Regierungsbänke. 20 Jahre saßen sie im Potsdamer Landtag in der Opposition. Rot-Rot genießt bei den Koalitionspartnern Zustimmung, in der Bevölkerung sowieso. Die Gewerkschaften begrüßen den Regierungswechsel und hoffen auf einen neuen Kurs. Den wird es geben, doch er fällt ganz gewiss bes...

ndPlusKurt Stenger

Unfug aus dem Süden

An verkehrspolitisch inkompetente Bundesverkehrsminister, die sich immer nur als (Straßen-)Bauminister verstanden, hat man sich hierzulande schon seit Jahren gewöhnt. Der Neue im Amt, Peter Ramsauer von der CSU, hat jetzt aber noch eins draufgesetzt: In einem Interview kündigte er die rasche Umsetzung eines schwarz-gelben Vorhabens an, das es aber im Koalitionsvertrag gar nicht gibt. Der Aufschrei...

Karlen Vesper

Marxistin?

Sie ist sich nicht zu schade, bei einem Kinderbuch ratend zur Seite zu stehen. Manch Professor würde die Nase rümpfen, erreichte ihn eine solche Anfrage. Beatrice Bouvier nicht. »Ohne Schein kein Sein – Maria rettet Karl Marx« heißt der Band, der Kindern erklärt, warum Geld alles und nichts sein kann, Arbeiter nicht das bekommen, was sie verdienten, und wieso in einer Tafel Schokolade viel U...

Finanzpolitik am Abgrund
ndPlusRudolf Hickel

Finanzpolitik am Abgrund

Die schwarz-gelbe Regierung startet mit der höchsten Neuverschuldung des Bundes, die sie aber noch weiter nach oben treiben wird. Die Ursachen sind eindeutig: Der Absturz der Wirtschaft hat riesige Haushaltslöcher gerissen. Einnahmen aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen sind gesunken, die Ausgaben (etwa für das Kurzarbeitergeld) gestiegen. Ein Rückblick auf die in den 1930er Jahren durchge...

Seite 5

Wunsiedel statt Halbe

Berlin (ND-Drescher). Der für den 14. November geplante Naziaufzug im brandenburgischen Halbe dürfte zugunsten des »Gedenkmarsches« für den jüngst an den Folgen eines Schlaganfalls gestorbenen NPD-Vize Jürgen Rieger im fränkischen Wunsiedel verschoben werden. Dies kündigte der Hamburger Neonazi Christian Worch, dem enge Verbindungen zum Anmelder von Halbe, Lars Jacobs, nachgesagt werden, auf der r...

ndPlusCarsten Hübner

Burschenschaften hofieren Rechtsextreme

Die Stuttgarter Initiative, ein Zusammenschluss mehrerer schlagender Verbindungen, hat für das Wochenende zwei Abgeordnete der österreichischen Rechtspartei FPÖ geladen. Einer von ihnen ist Andreas Mölzer, eine der zentralen Figuren der europäischen Rechten.

Marian Krüger

Testfall für Schwarz-Gelb

Die Pläne der Bundesregierung, die Hartz-IV-Zuschüsse an die Kommunen zu reduzieren, stoßen im Bundesrat auf Widerstand. Wie wird sich die schwarz-gelbe Mehrheit in der Länderkammer verhalten?

Oliver Hilt

»Saarmaika« auf der Zielgeraden

CDU, FDP und Grüne haben gestern im Saarland ihren gemeinsamen Koalitionsvertrag vorgestellt. Auch die Ministerposten sind verteilt. Am Wochenende müssen nur noch drei Parteitage dem Vertrag zustimmen, dann ist das Projekt »Jamaika< perfekt.

Seite 6

Kritik an Datentransfer in die USA

Berlin (ND-Wallrodt). Die im Rahmen der Terrorismusbekämpfung geplante Datenübermittlung an die USA bereitet den Justizministern der Länder »erhebliche Kopfschmerzen«. »Die Daten werden in den USA nicht ausreichend geschützt«, warnte der sächsische Justizminister Jürgen Martens (FDP) am Donnerstag in Berlin. Zum Abschluss ihrer Herbstkonferenz forderten die Länderminister die Bundesregierung auf, ...

ndPlusAert van Riel

»Keine Geschichtsaufarbeitung in der DDR«

Die Amadeu Antonio Stiftung organisiert zum sechsten Mal die »Aktionswochen gegen Antisemitismus«. Dieses Jahr soll auch der Antisemitismus in der ehemaligen DDR in den Fokus rücken.

ndPlusReimar Paul

Erinnerung auf dem Abstellgleis

Der »Zug der Erinnerung«, der als rollende Ausstellung über die Deportationen vor allem von Kindern und Jugendlichen in der Nazi-Diktatur informiert, ist ein Streitfall ohne Ende.

ndPlusRené Heilig

Italienische Momente: CIA-Entführer verurteilt

Ein Mailänder Gericht hat am Mittwochabend 22 Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA und einen weiteren US-Bürger für schuldig befunden, am 17. Februar 2003 in Mailand Abu Omar, einen angeblichen Islamisten, gekidnappt und in ein geheimes ägyptisches Foltergefängnis befördert zu haben. Richter Oscar Magi verhängte Haftstrafen zwischen fünf und acht Jahren.

Seite 7

Karadzic bekommt Pflichtanwalt

Den Haag (dpa/ND). Der wegen Völkermordes angeklagte einstige Präsident der bosnischen Serbenrepublik Radovan Karadzic bekommt wegen seines andauernden Prozessboykotts einen Pflichtanwalt zugeteilt. Diese Entscheidung fällte der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien am Donnerstag in Den Haag. Der Angeklagte hatte sich seit Eröffnung des Prozesses am 26. Oktober geweigert, z...

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Warschau ruft nach NATO-Truppen

Warschau fühle sich von Russland akut bedroht und sähe es daher gern, wenn in Polen NATO-Kontingente zwecks Abwehr einer Aggression aus dem Osten stationiert würden. So Außenminister Radoslaw Sikorski bei seinem Besuch in Washington.

Erika Harzer, Tegucigalpa

Honduras unter Spannung

Die Rückkehr des gewählten honduranischen Präsidenten Manuel Zelaya in sein Amt steht immer noch aus. Seine Anhänger fürchten die Fallstricke des vergangene Woche vereinbarten Abkommens mit der Putschregierung.

Seite 8
Unter drei: Ein Gespräch mit Dr. W.
ndPlusStefan Tolza, Brüssel

Unter drei: Ein Gespräch mit Dr. W.

Er war zwar schon einmal da, doch gleich soll er noch einmal zu einem »ersten Kennenlernen« kommen: Guido Westerwelle (Foto: dpa), Deutschlands neuer Außenminister. Seine ersten Gehversuche auf Brüsseler EU-Parkett hatte er in der vergangenen Woche gemacht – als Mitläufer von Kanzlerin Angela Merkel beim EU-Gipfel. Ganz der brave Lehrling, der sich von der erfahrenen Pfarrerstochter die Welt...

Kulturkampf mit Kürbissen
ndPlusIngolf Bossenz

Kulturkampf mit Kürbissen

Silvio Berlusconi ist bestürzt. Man müsse am »gesunden Menschenverstand Europas zweifeln«, entrüstete sich der italienische Regierungschef. Für die in Mailand erscheinende katholische Zeitung »Avvenire« »wird Europa zum Niemandsland« und »verrät so sich selbst und die eigenen Wurzeln«. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone sieht bereits den drohenden Kahlschlag: »Dieses Europa des 3. Jahrtausend...

Ruf nach radikalen Eingriffen

Die Unterzeichner dieser Erklärung (...) haben sich im historischen Umbruch dieser beispiellosen Krise in Brüssel versammelt. Die nationalen Regierungen sind bemüht, den Kapitalismus zu retten und die Restauration des Neoliberalismus durchzusetzen, dennoch ist es für radikale Eingriffe nicht zu spät. Wir wollen neue Paradigmen für soziale Beziehungen sowie für die Beziehung zur Natur erwecken, wir...

»Es ist Zeit zu handeln«
Uwe Sattler, Brüssel

»Es ist Zeit zu handeln«

Während der EU-Gipfel in der vergangenen Woche die ebenso bekannten wie untauglichen Rezepte gegen Krise und Klimawandel beriet, ging es um diese Fragen auch in einem Forum. Nur aus ganz anderem Blickwinkel.

Seite 9

HRE kriegt weitere Milliarden

München (dpa/ND). Der Staat pumpt als jetziger Alleineigentümer der Hypo Real Estate (HRE) wie erwartet weitere Milliarden in die krisengeschüttelte Immobilienbank. Wie der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) am Mittwochabend mitteilte, wird der Bank eine zusätzliche Tranche von drei Milliarden Euro gewährt. Außerdem beschloss der Ausschuss, bis zum 18. November befristete Liquiditätsga...

USA verstecken sich hinter China

Washington/Berlin (Agenturen/ ND). Der US-Sondergesandte für den Klimaschutz, Todd Stern, hat ein Engagement seines Landes für einen Abbau der Treibhausgase an ähnliche Schritte der großen Schwellenländer geknüpft. Sein Land werde sich beim bevorstehenden Klimagipfel in Kopenhagen nur dann für neue Klimaschutzziele einsetzen, wenn die wichtigsten Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien mi...

Reimar Paul

In einigen Häfen unerwünscht

Plutonium an Bord? Von Großbritannien aus ist eine hochgefährliche Fracht in Richtung Deutschland auf dem Weg.

ndPlusAxel Eichholz, Moskau

Moskau ist angeopelt

Die Opel-Übernahme durch Magna/Sberbank sollte Teil einer Erneuerungsstrategie für die angeschlagene russische Automobilindustrie sein. Jetzt richtet sich das Interesse auf die Zusammenarbeit von Renault und Lada-AvtoVAZ.

Seite 10

Was gute Bildung kostet

Bund und Länder wollen bis 2015 sieben Prozent der Wirtschaftskraft für Bildung ausgeben. Selbst wenn dies gelänge – für ein gutes Bildungswesen wäre es nach Sicht der Hans-Böckler-Stiftung immer noch zu wenig. In einer Studie wird der zusätzliche Bedarf in allen Etappen der Bildungslaufbahn beziffert – für den Ausbau von Kitas und Ganztagsschulen, eine bessere Ausstattung der Hochschu...

Peter Nowak

Mehr Protest nach der Wahl?

Im Stuttgarter Gewerkschaftshaus werden sich vom 13. bis 15. November Aktivisten aus sozialen Bewegungen, Erwerbslosengruppen und Gewerkschaften zu einer bundesweiten Arbeitskonferenz treffen, auf der sozialer Widerstand geplant werden soll. Ein großer Teil der Aktivisten hat schon im März die Antikrisendemonstrationen und im September einen dezentralen Aktionstag organisiert. Doch von bundesweite...

Joel Vogel

Datenbank Atypische Beschäftigung

Leiharbeit ist ein immer wieder heiß diskutiertes Thema. Gleichzeitig bleibt das Phänomen schwammig. Wer sind die, die als Leiharbeiter mal hier, mal dort arbeiten? Wie viele sind es und wo arbeiten sie? Eine neue Online-Datenbank macht die Materie etwas greifbarer. Die »Datenbank Atypische Beschäftigung« des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung ermöglicht ...

ndPlusBettina Erdmann

Netzwerkspinner in fremden Gefilden

Geplant waren drei, dann sechs Jahre. Inzwischen fungiert connexx.av seit einem Jahrzehnt als Modell für moderne Gewerkschaftsarbeit. Unkonventionell und kreativ infiltriert das Innovationsprojekt der Großgewerkschaft ver.di Branchen, die gewerkschaftlichem Einfluss eher abhold sind: privater Rundfunk, audio-visuelle Medien, Film- und Fernsehproduktionen und Internetwirtschaft.

Seite 11

Aschermittwoch für SA-Fasching

Noch hat die fünfte Jahreszeit gar nicht begonnen, da hat Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) den Aschermittwoch für eine Faschingsgruppe der besonderen Art zeitlich vorgezogen: Seit gestern ist nämlich die neonazistische Kameradschaft »Frontbann 24« verboten. Sicher, der Vergleich mit rheinischen Frohnaturen hinkt bei den Straßennazis des »Frontbann« gewaltig. Sind ihre Mitglieder doch als...

Mauerfall mit Domino-Effekt

Mauerfall mit Domino-Effekt

(ND). Am Brandenburger Tor wird die Mauer wieder aufgebaut, und niemand wird sie überwinden können. Jedenfalls nicht an den nächsten drei Tagen. Die Aktion ist Teil des »Festes der Freiheit«, mit dem hier am 9. November der Mauerfall vor 20 Jahren gefeiert werden soll. Seit gestern werden zwischen Reichstag, Brandenburger Tor und Potsdamer Platz rund 1000 zweieinhalb Meter hohe Dominosteine aufgeb...

Andrang auf Schweinegrippe-Hotline

(ND/dpa). Nach dem ersten Berliner Todesfall im Zusammenhang mit der Schweinegrippe werden die Info-Telefone der Gesundheitsämter mit Anfragen überrannt. Am Donnerstagvormittag waren die meisten Telefone überlastet, Anrufer bekamen kaum eine freie Leitung. Die Gesundheitsämter der Bezirke hatten vor kurzem telefonische Beratungsstellen eingerichtet, bei denen sich Bürger über die so genannte Schwe...

Jörg Meyer

Schwarzhemden haben ausgestürmt

Der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat die braune Kameradschaft »Frontbann 24« verboten. Um 6 Uhr klingelten Polizisten bei den beiden mutmaßlichen Führungsmitgliedern Gesine Hennrich und Uwe Dreisch und durchsuchten deren Wohnungen. Dreisch gilt als Chef der Nazi-Organisation, ihm wurde die Verbotsverfügung zugestellt. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Inneres hatte der »Frontban...

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Bei Nacht und Nebel

Bei Nacht und Nebel

(ND). Das Duo Syntron will mit der Performance »Body / Building« nach eigenen Angaben verzaubern und verstören. Die Inszenierung »für Performerin, Toningenieur und Badewanne« (Foto: Katja Kruckow) ist Teil des Neukölln-Festivals »Nachtundnebel«, während dem am 7.11. mehr als 90 Galerien, Wohnungen, Ateliers oder Szenebars ihre Türen öffnen. »Hautnah« kann hier laut Veranstaltern multidisziplinäre ...

Barocke Fantasie voller Rätsel
ndPlusVolkmar Draeger

Barocke Fantasie voller Rätsel

Nach einem roten Faden sollte man in »Anaesthesia« nicht suchen. Auch wenn ihn die Sopranistin einem der Darsteller zu Ende gegenständlich aus dem Mund zieht. Das ist Spaß wie alles bei Nico and the Navigators. Nach Schubert nahm sich das Team um Regisseurin Nicola Hümpel diesmal Händel zur Brust. Zusammen mit der österreichischen Musicbanda Franui, benannt nach der Almwiese eines Osttiroler Dorfe...

Kilian Klenze

MachMit!-Museum

Jeder braucht es allnächtlich, wenige nur machen sich tiefere Gedanken darüber: Schlafen gehört einfach zu unserem festen Lebensrhythmus. Während dieser Ruhephase entgiftet sich der Körper, reguliert seine Funktionen, läuft der Energiebedarf auf Sparflamme. Manchmal träumen wir und fragen uns am nächsten Morgen, was der Traum bedeuten könnte. Schlaf und Traum sind noch immer Objekt schlafmedizinis...

Tom Mustroph

Montagsdemo strahlt auf Leinwand

Der Rosa-Luxemburg-Platz ist nicht der Alexanderplatz. Und 2009 ist wahrlich nicht 1989. Nur ein paar vom Regen besprühte Menschen standen am Mittwochabend vor der zwischen Volksbühne und Kino Babylon aufgebauten Großleinwand, um sich die Fernsehdokumentation der berühmten Kundgebung vom 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz anzuschauen. Die Massen auf der Leinwand und die spärlichen Gestalten i...

Seite 13

Ohne Kloß nichts los

Frankfurt (Oder) (dpa/ND). Frisch aus dem Dampfbad: Eine Charge Hefeklöße aus der Produktion der Feinschmecker Hefekloß GmbH in Frankfurt (Oder) passiert die Qualitätskontrolle. Seit 1960 werden an diesem brandenburgischen Standort Hefeklöße hergestellt, die Produktion hat auch die Wende überstanden. Aktuell verlassen täglich rund 200 000 Stück das Werk. Derzeit produzieren die 15 Mitarbeiter des ...

Berufung gegen Alexandra R.

(dpa/ND). Nach dem Freispruch vom Vorwurf der Autobrandstiftung für die 21-jährige Berlinerin Alexandra R. hat die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel eingelegt. Noch offen ist, ob die Anklagebehörde in Revision oder Berufung gehe, sagte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Seit Jahresbeginn wurden in der Hauptstadt mehr als 250 Fahrzeuge durch Brandstiftung zerstört oder beschä...

Sensoren für die Warnsignale

Als Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden soll eine neue Stiftung helfen, Gewalt an Schulen zu verhindern. In Berlin startete die Freie Universität dieser Tage ein bundesweites Projekt zur Verhinderung derartiger Taten.

ndPlusBirgit von Criegern

Von der East- zur West-Side-Gallery?

Die frisch sanierte East-Side-Gallery wird heute eingeweiht. Indessen betrachten die Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg das Mauerwerk auch von der anderen Seite. Laut Antrag an die Bezirksverordnetenversammlung wollen sie auch für die spreegewandte Seite des berühmten Mauerstreifens »temporäre, konzeptionelle und für den Ort passgenaue künstlerische Ausdrucksformen« wie Fotografie oder Street-Art ...

Zockerei um Hamburgs Gängeviertel
Mirko Knoche, Hamburg

Zockerei um Hamburgs Gängeviertel

Nach der Besetzung des Hamburger Gängeviertels durch rund 200 Künstler vor zwei Monaten hat sich nun die Bürgerschaft mit dem Problem beschäftigt. Alle Parteien im Landesparlament erklärten, sie wollten den ursprünglichen Plan für einen teuren Bürokomplex jetzt kippen.

Wenn's eng wird, hilft japanische Technik
Andreas Heinz

Wenn's eng wird, hilft japanische Technik

Der Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg schlägt Alarm: Marode Uferwände an den Berliner Wasserstraßen werden zu einer immer größeren Gefahr für Passanten und Schiffsverkehr. »Mehr als 40 Kilometer weisen nach Untersuchungen des Wasser- und Schifffahrtsamtes Berlin bereits die Schadensklasse 4 auf. Der Senat muss endlich etwas unternehmen«, warnt Axel Wunschel, Hauptgeschäftsführer des Verbandes...

Seite 14

Aus dem Koalitionsvertrag

»Eine Verklärung der SED-Diktatur wird es mit dieser Koalition nicht geben.« »Unser politischer Auftrag umfasst weit mehr als nur die Linderung vorhandener Nöte und Sorgen. Wir bekennen uns zu einer nachsorgenden Sozialpolitik, wo immer sie notwendig ist – aber unser Blick richtet sich darauf, diese durch eine vorsorgende Gesellschaftspolitik zunehmend überflüssig zu machen.« »Der ›L...

ndPlusAndreas Fritsche

Opposition war vorgestern

Schnee ist gefallen in Brandenburg; und die Entscheidung für Rot-Rot. Ein Parteitag der Linkspartei im Strausberger Klub am See segnete am Mittwochabend den Koalitionsvertrag ab. Partei- und Fraktionschefs unterschrieben den Vertrag gestern im Landtag auf dem Potsdamer Brauhausberg.

Seite 15

Hochkarätig

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern gewinnen im 20. Jahr ihres Bestehens 2010 deutlich an Internationalität. Mit Hilfe seines neuen künstlerischen Partners, des britischen Geigers Daniel Hope, bringt das drittgrößte deutsche Klassikfestival eine Kooperation mit US-Musikinstitutionen wie der Carnegie Hall und dem Lincoln Center in New York auf den Weg. Hochkarätige Künstler aus den USA, wie der C...

ndPlusBernd Heimberger

Unzensiert

Es war aufregend, so was zu machen. Aufregend, so was zu verbreiten. Aufregend, so was zu lesen. Die in den achtziger Jahren in der DDR vielerorts auftauchenden unlizensierten Zeitschriften gingen von Gruppe zu Gruppe, von Hand zu Hand. Im Schlussjahr der DDR erschienen drei Ausgaben der »Umfeldblätter« in Leipzig. Jetzt sind sie wieder da. Jetzt, da die alles-besser-wissenden Bücher zum Herbst 19...

Strauss und Ei
Roberto Becker

Strauss und Ei

Beim Schlussjubel in Stuttgart machte Stefan Herheim ein paar Luftsprünge, die gut zur Inszenierung passten. Denn der Norweger, Regisseur des Jahres und derzeit Darling von Feuilleton und Publikum, hat dem guten, alten »Rosenkavalier« derart Komödianten-Beine gemacht und den tieferen Bedeutungsmarsch geblasen, dass es eine Schau- und Amüsierlust ist. Kein Gag wird ausgelassen, keine Maskerade verm...

ndPlusStefan Amzoll

Ende der Vorstellung

Vereint im Gegensatz, so könnte die Serie der sechs Konzerte mit je einer Uraufführung auch lauten. Gegensätze ziehen sich bekanntlich nicht nur an, sie schlagen, wenn's hoch kommt, Keile in die Kultur. Sie unterminieren, wo das Allbekannte, Gewöhnliche regiert, oder jagen es gar in die Luft. Eine Freude, erlebt zu haben, wie sich in Teil zwei von »Vereinte Klassik«, einer Gemeinschaftsproduktion ...

Hans-Dieter Schütt

Ein »Ausländer« wird nicht Pionier

Das Wort mutet etwas an, inzwischen. Vielleicht ein wenig wie Schreibmaschinenfarbband oder Brigadetagebuch oder Gegenplan – alles Belege dafür, dass auch die Sprache dem Berufsstand der Archäologen zuarbeitet. Klassenfeind, dies ist das Wort. Das fast schon unbekannt gewordene Wesen. Peter Pragal war ein Klassenfeind. 1974 begann seine Korrespondentenzeit in der DDR, zunächst als Reporter u...

Seite 16

Immer mehr Studierende suchen psychiatrischen Rat

Berlin (dpa/ND). Die Reform der Studiengänge und der erhöhte Leistungsdruck im Bachelor-Studium treiben mehr Studenten zur psychologischen Beratung der Studentenwerke. Mit rund 80 000 Kontakten verzeichneten die Beratungsstellen 2008 einen Anstieg von mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, teilt das Deutsche Studentenwerk (DSW) mit. Die häufigsten Themen: Lern- und Arbeitsstörungen, Leistun...

Augen zu und durch
ndPlusJürgen Amendt

Augen zu und durch

Bundesbildungsministerin Annette Schavan ist optimistisch. Den Bologna-Prozess in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf, kommentierte die CDU-Ministerin Mitte Oktober die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz (KMK) zur Reform des Bachelor-Abschlusses. Nein, selbstverständlich hat sie das so nicht gesagt, aber sie dürfte es so gemeint haben. In ihrer Stellungnahme zu den in der Öffentlichkei...

ndPlusPeter Nowak

Uni-Protest reloaded

»Wir machen weiter. Für einen heißen Herbst«. So lauten die Parolen auf Plakaten, die zurzeit an vielen Hochschulen geklebt werden. Auf den Bildern sind Szenen vom ersten bundesweiten Bildungsstreik zu sehen, an dem sich im Sommer dieses Jahres tausende Schüler und Studierende beteiligten. In den nächsten Wochen sollen die Proteste fortgesetzt werden.

Jochen Mattern

Warnung vor dem Lehrer

Der Philosoph Peter Sloterdijk ist immer für eine kontroverse Debatte gut. Aktuell erhitzen sich die Gemüter über Sloterdijks Denunzierung des Steuerstaates als »institutionalisierte Kleptokratie«. Diese Kritik an einem als bevormundend empfundenen Staat ist nicht neu. Auch in der Bildungsdebatte hat Sloterdijk sich in der Vergangenheit diesbezüglich geäußert.

Seite 17
Streitfrage: Nach links, rechts oder in die Mitte. Welchen Kurs nehmen die Grünen?

Streitfrage: Nach links, rechts oder in die Mitte. Welchen Kurs nehmen die Grünen?

Es debattieren: Robert Zion, Jahrgang 1966, Vorstandssprecher der Gelsenkirchener Grünen und Verfasser des Manifestes »Links-libertär« und Volker Ratzmann, 1960 in Helmstedt geboren, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft »Demokratie und Recht«. ...

Volker Ratzmann

Nach allen Seiten offen

Am 27. September haben sich 4 643 272 Wählerinnen und Wähler für unser bündnisgrünes Programm und damit für eine grundlegende strukturelle Erneuerung der Bundesrepublik entschieden. Wir sind damit nicht nur aufgerufen, die Grundlagen für einen neuen Gesellschaftsvertrag zu legen und unseren Ansatz des »Green New Deal« weiterzuentwickeln, sondern jetzt auch alle Chancen zu nutzen und Veränderungen ...

ndPlusRobert Zion

Mit hohem Anspruch

Es muss ja nicht lange darüber gerätselt werden, wo wir Grünen nach dem Parteitag von Rostock stehen und welchen Kurs wir nehmen. Dort haben sich die Delegierten erneut als »werteorientierte, ökologische und emanzipative Partei, die links, freiheitlich und solidarisch ist«, definiert und einen Anspruch formuliert. Nämlich den »auf die Meinungsführerschaft in der Opposition und Alternative zu Schwa...

Seite 19
Oliver Händler

Bahnflucht

Dem Eisschnelllauf-Weltcup, der ab morgen in Berlin die heiße Olympiasaison einleiten sollte, gehen die Stars aus. Claudia Pechstein muss weiterhin auf das Urteil im Berufungsprozess gegen ihre Dopingsperre warten. Und nun haben auch noch Kanadas beste Sprinter um den 500-Meter-Weltrekordler Jeremy Wotherspoon ihren Boykott erklärt. Aus Sicherheitsgründen, heißt es. Die Berliner Organisatoren hätt...

Elmar Dreher (dpa), Sevilla

Erst Angsthasen, dann Dominatoren

Sie hatten zwar einen Punkt beim Favoriten geholt, aber das grottenschlechte Gekicke seiner Schützlinge trieb Markus Babbel zur Weißglut. »Die erste Halbzeit war eine Katastrophe«, wetterte der erboste Teamchef des VfB Stuttgart nach dem letztendlich noch verdienten 1:1 (0:1) beim FC Sevilla und der damit gewahrten Chance auf den Achtelfinaleinzug in der Champions League. »Die Mannschaft hat ohne ...

Lutz Debus

Auf Schalke wird nicht gespart

Am Mittwochabend wurde im Landtag von Nordrhein-Westfalen über Fußball geredet. Der kommunalpolitische Sprecher der Grünen, Horst Becker, wollte in einer parlamentarischen Anfrage von der Landesregierung wissen, ob diese die von einem kommunalen Unternehmen gewährten Geldleistungen an den Fußballverein Schalke 04 für »akzeptabel« hält. Der finanziell angeschlagene Klub will dem Gelsenkirchner Vers...

Ratlos nach dem Sieg
ndPlusMatthias Koch

Ratlos nach dem Sieg

Nach dem Abpfiff standen die Spielerinnen von Turbine Potsdam ein wenig ratlos auf vom Dauerregen aufgeweichten Rasen des Karl-Liebknecht-Stadions. Das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League der Frauen gegen Brøndby Kopenhagen hatten sie gewonnen. Aber nur mit 1:0. »Wir haben nicht das gezeigt, was wir drauf haben. Wir waren unkonzentriert, obwohl wir sonst vor dem Tor abgezockt sind«, sagte...

ndPlusJörg Mebus und Martin Haas, SID

Pechstein dreht nur Ehrenrunden

Im Lager von Claudia Pechstein herrscht Frust. Die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofes CAS, das Urteil im Dopingfall der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin erst »in etwa zwei Wochen« bekannt zu geben, rief Unverständnis und Empörung hervor. Pechsteins Trainer und väterlicher Freund Joachim Franke witterte sogar eine Verschwörung. »Es ist unfassbar, dass der CAS in so langer...