Ausgabe vom 10.11.2009

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Unten links

Diese Woche findet in London die Gedächtnisweltmeisterschaft statt. Die Teilnehmer trainieren volle Pulle, und offenbar will auch Günter Schabowski antreten. Er erinnert sich, was das Zeug hält. Beispielsweise, wie er am 9. November 1989 abends dieses Dings aufgemacht hat, dieses, na, was vorher Antifaschistischer Schutzwall hieß. Glaubt er. Ist lange her alles, aber es gebe Menschen, die seinen V...

Studenten besetzten Hochschulen

Berlin (dpa/ND). Aus Protest gegen die Bildungspolitik und aus Solidarität mit ihren österreichischen Kommilitonen haben hunderte Studenten an deutschen Universitäten Räume besetzt. In Tübingen, Heidelberg, Darmstadt, Potsdam und an der Akademie der bildenden Künste in München gingen die vergangene Woche begonnenen Aktionen am Montag weiter. An der Kieler Uni starteten Studenten einen Konvoi mit C...

ndPlusKurt Stenger

Keynes vulgär

»Das ist die Lehre von Keynes: Wenn Nachfrage fehlt, gibt man was zusätzlich hinzu.« Der britische Ökonom ist seit dem Ausbruch der Finanzkrise wieder in aller Munde. Doch dass sich selbst der neue FDP-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle auf den Kritiker der Laisser-Faire-Wirtschaftspolitik bezieht, ist schon bemerkenswert. Sicher wäre es im Sinne von Keynes, in dieser tiefen Krise mittels höherer...

Gedenken an Mauerfall und Pogromopfer

Mit Staatsgästen aus aller Welt ist am Montag in Berlin der 20. Jahrestag des Mauerfalls gefeiert worden. Bundespräsident Horst Köhler würdigte das Ereignis als Zeichen für eine »Epochenwende zu Freiheit und Demokratie«. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete den Tag des Mauerfalls nicht nur als Feiertag für die Deutschen, sondern für ganz Europa.

Steuersegen für Großerben

Die Opposition und Sozialverbände üben scharfe Kritik an den von der Koalition beschlossenen Steuersenkungen. Gleichzeitig streiten Union und FDP weiter über eine massive Steuerreform ab 2011.

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ndPlusKarin Leukefeld, Amman

Endlich Gesetz für Wahl in Irak

Nach wochenlangem Streit hat das irakische Parlament am Sonntag das Wahlgesetz für die Parlamentswahl im Januar beschlossen. 141 von 195 anwesenden Abgeordneten votierten in Gegenwart des US-Botschafters Hill für das Gesetz. »Dauerhaften Frieden und Einheit« werde die Einigung über ein neues Wahlgesetz für die Iraker bringen, sagte ein offensichtlich erleichterter US-Präsident Barack Obama nach de...

Heute beginnt die erste Sitzungswoche des 17. Bundestages / Der Regierung die Debatten aufzwingen

Heute beginnt die erste Sitzungswoche des 17. Bundestages / Der Regierung die Debatten aufzwingen

Mit ihrer ersten Regierungserklärung seit der Bundestagswahl im September eröffnet Bundeskanzlerin Angela Merkel am heutigen Dienstag die Arbeit des 17. Parlaments der Bundesrepublik. Die schwarz-gelbe Koalition verfügt mit 332 der 612 Abgeordneten über eine deutliche Mehrheit, das Gewicht der Opposition als Korrektiv ist noch offen – auch weil die SPD nach elf Jahren Regierung ihre Rolle erst finden muss und das Verhältnis zur LINKEN derzeit konfliktreicher erscheint als zum bisherigen Koalitionspartner CDU. Eine neue Herausforderung auch für Dagmar Enkelmann, Bundestagsabgeordnete aus Bernau in Brandenburg und Parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion seit 2005. Mit ihr sprach ND-Mitarbeiter Günter Frech.

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ndPlusInge Lammel

Mit viel Glück überlebt

»Der 9. November – ein deutscher Gedenktag der Ambivalenz« war die Veranstaltung am vergangenen Sonntag im ehemaligen Jüdischen Waisenhaus in Berlin-Pankow überschrieben. Die britische Künstlerin Franny Swann, Enkelin eines von den Nazis ermordeten Berliner Juden, übergab zum dauerhaften Verbleib im hiesigen Betsaal ein Tryptichon mit dem Titel »Kaddish«. Ebenfalls aus England kam Professor Leslie Baruch Brent, der aus seiner Autobiografie las.

Schmerzhafte Spuren

Schmerzhafte Spuren

Rechtzeitig zum Jahrestag der »Reichskristallnacht« vom 9./10. November 1938 hat die Berliner Historikerin ERIKA SCHWARZ im Verlag Hentrich & Hentrich ihr neues Buch »Juden im Zeugenstand. Die Spur des Hans Globke im Gedächtnis von Überlebenden der Schoa« (260 S., 32 €) herausgegeben. Mit der bis Mitte der 90er Jahre an der Berliner Humboldt-Universität tätigen Autorin mehrerer Bücher zur Judenverfolgung in der Nazizeit sprach KURT PÄTZOLD.

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Velten Schäfer

Volkszorn und Rechtsstaat

Ein junger Mann soll zwei kleinen Mädchen, die in seiner Obhut waren, zu Hause Pornofilme gezeigt und dabei mindestens eines der Kinder in einer sexualisierten Art angefasst haben. Ein Verdacht, dem nachzugehen und eine Tat, die zu bestrafen ist, wenn sich der Vorwurf erhärten lässt. Verdient der Mann aber den Tod? Auge um Auge, Zahn um Zahn, Leben um Leben – so funktioniert die archaische L...

Olaf Standke

Kapitaler Kurssturz

Die Mauer fällt, der Markt gewinnt, Marx ist tot und Jesus lebt. So stellte sich mancher das Ende der Geschichte vor. Zwei Dekaden später ist der Kurswert des Kapitalismus stark gesunken, dem Freiheitsrausch folgte der Krisenkater, so jüngste Umfragen. In Bulgarien etwa sank die Zustimmung zur Demokratie um ein Viertel. In Ungarn, der einst »lustigsten Baracke« des realen Sozialismus, schrumpfte d...

ndPlusFabian Lambeck

Sinnloser Vorschlag

Hans Werner Sinn, das ökonomische Orakel von Köln, hat wieder zu uns gesprochen. Nun fordert der streitbare Institutsleiter, die Hartz- IV-Sätze in Deutschland regional zu staffeln. Nach dem Motto: Wer in Hoyerswerda wohnt und arbeitslos ist, braucht weniger zum Leben als ein Leidensgenosse in Köln. Sinn schaut aus seinem Elfenbeinturm und ignoriert dabei, dass die sich verfestigende Unterschicht ...

An der Spitze
Ralf Streck

An der Spitze

Fast einstimmig wurde José Luis Centella am Sonntag beim 28. Parteitag der Kommunistischen Partei Spaniens (PCE) zum Generalsekretär gewählt. Der 51-jährige Lehrer aus dem andalusischen Cordoba löst Francisco Frutos an der Spitze der Partei ab. Nachdem der Kommunist Cayo Lara im vergangenen Dezember bereits zum Chef der Vereinten Linken (IU) gewählt wurde, rückt nun auch in der PCE als stärkster K...

Der Ostler, das rätselhafte Wesen
ndPlusErnst Röhl

Der Ostler, das rätselhafte Wesen

Bis gestern war der revolutionäre Ostler Chefsache und der Superstar in allen Medien. Geräuschvoll fiel gestern zum 20. Mal die Mauer – eine schöne Tradition, die damals Günter »Schabo« Schabowski mittels präseniler Schusseligkeit begründet hatte. Gestern war der Ostler noch in aller Munde, heute ist er wieder in der Versenkung verschwunden. Bis gestern waren die Medien randvoll mit Schnurre...

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Kluft bei Löhnen wird größer

Gütersloh (dpa/ND). Geringverdiener, Ältere und Jugendliche sowie Zeitarbeiter sind die Hauptleidtragenden der Wirtschaftskrise. Zugleich werde auf dem deutschen Arbeitsmarkt die Kluft zwischen niedrigen und mittleren Löhnen in Vollzeitjobs immer größer, heißt es in einer am Montag in Gütersloh veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung. Geringverdiener erzielten demnach Ende der 90er Jahre ...

Rudolf Stumberger

»Es war nicht alles schlecht«

Bis zum Parteitag am Wochenende reist das künftige Spitzenduo der SPD noch durch die Landesverbände der Partei. Am Sonntag waren Sigmar Gabriel und Andrea Nahles in München.

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Wie Müntefering die LINKE begründete

Als Treffen linker Aufrührer firmierte das Treffen von rund 300 SPD-Funktionären am Wochenende in Kassel. Ob der Aufbruchstimmung auch konsequente Taten zur Erneuerung der Partei folgen, ist noch nicht abzusehen.

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NDR: Akten Über Riegers Stiftung verschwunden

Berlin (dpa/ND). Nach dem Tod des Rechtsextremisten Jürgen Rieger (NPD) sind laut NDR Akten über eine Stiftung Riegers verschwunden, die Informationen über dessen Immobiliengeflecht enthalten. Nach Angaben von NDR Info holten Rechtsextremisten in Riegers Hamburger Villa unmittelbar nach Feststellung seines Hirntods Akten der sogenannten Wilhelm-Tietjen-Stiftung ab, einer in London registrierten Fi...

Lebenslang für Alex W. gefordert

Dresden (epd/ND). Im Dresdner Prozess um den tödlichen Messerangriff auf die Ägypterin Marwa El-Sherbini fordert die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Freiheitsstrafe. Zudem liege eine besonders schwere Schuld vor, sagte Oberstaatsanwalt Frank Heinrich am Montag in seinem Plädoyer am Landgericht. Alex W. habe seine Tat »kaltblütig« aus »Hass auf Moslems und Nichteuropäer« geplant und dann in »Ki...

Velten Schäfer, Schwerin

Lufthoheit per Kurzmitteilung

In Gadebusch forderte NPD-Fraktionschef Udo Pastörs am Freitagabend die »Todesstrafe für Kinderschänder«, zugleich stürmten »Nationale Sozialisten« eine Michael-Jackson-Filmaufführung in Güstrow. Schon lange gerieren sich die Neonazis im Nordosten als Kinderschützer.

ndPlusMarina Mai

Freie Fahrt für Asylbewerber

Die Residenzpflicht begrenzt die Bewegungsfreiheit von Asylbewerbern auf einen engen Radius. In Berlin und Brandenburg erhält das System Risse.

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Walesa lobt seine Rolle beim Mauerfall

Der ehemalige polnische Präsident Lech Walesa hat bestritten, dass der Mauerfall vor 20 Jahren vor allem dem damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow zu verdanken sei. Anderen gebühre dieser Ruhm, maßgeblich auch Walesa selbst.

Russland erleichtert Militäreinsatz

Moskau (dpa/ND). Russland hat den Weg für internationale Einsätze seiner Streitkräfte freigemacht. Präsident Dmitri Medwedjew unterzeichnete eine entsprechende Änderung des Verteidigungsgesetzes. Damit kann das Militär künftig etwa weltweit gegen Piraterie vorgehen. Darin enthalten ist aber auch eine Klausel, nach der die Soldaten außerdem zum Schutz russischer Bürger im Ausland eingesetzt werden ...

»Heiliges Heimatland« verteidigen

Als Reaktion auf ein Militärabkommen zwischen den USA und Kolumbien hat Venezuelas Präsident Hugo Chávez seine Landsleute zur Vorbereitung auf einen möglichen Krieg aufgerufen.

Jan Keetman, Istanbul

Druck half – Baschir drehte ab

Kurz bevor sein Flugzeug in Istanbul landen sollte, wurde der Besuch des wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen gesuchten sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir in der Türkei abgesagt.

Kapitalismus punktet nicht mehr

20 Jahre nach dem Mauerfall und dem Ende des Sozialismus herrscht weltweit große Unzufriedenheit mit dem kapitalistischen Wirtschaftssystem. Darauf verweisen neueste Umfragen.

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Ian King, London

Gordon Browns afghanischer Albtraum

Am Sonnabend starb ein britischer Soldat in der afghanischen Provinz Helmand, der 94. in diesem Jahr. Am Sonntag legte Premier Brown am Londoner »Cenotaph«-Denkmal einen Kranz zur Erinnerung an alle in britischen Kriegen Gefallenen nieder. Kurz danach gab es den 95. Toten. Fast zwei Drittel der Briten glauben laut einer BBC-Umfrage nicht mehr, dass der Krieg zu gewinnen sei und wünschen sich einen schnellstmöglichen Rückzug ihrer Truppen

Anke Stefan, Athen

Manövriermasse Migranten

In Athen beschäftigte sich vergangene Woche eine Konferenz der Vereinten Nationen mit den wirtschaftlichen Folgen von Migration und Einwanderung. Griechische Verbände und Migrantenorganisationen kritisierten, die Regierungen sollten sich stärker der Frage des Umgangs mit Migranten widmen als der Frage eines wirtschaftlich Gelingens der Integration.

ndPlusHannes Hofbauer, Wien

Österreichs Junge für ein altes Ideal

Bereits die dritte Woche harren österreichische Studierende im größten Hörsaal des Landes aus, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen: »Bildung statt Ausbildung« und »Nein zu Bologna« lauten die Kurzformeln einer Bewegung, die Österreichs Innenpolitik in die Pflicht nimmt.

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Rekord bei Versorgung mit Windenergie

Madrid (AFP/ND). Spanien hat am Wochenende nach Medienberichten einen neuen Rekord bei der Versorgung mit Windenergie verzeichnet. Wegen starker Windböen wurde am Sonntag zeitweise mehr als die Hälfte der Elektrizität landesweit von Windkraftwerken geliefert, wie die Zeitung »El País« am Montag berichtete. Zwischen 3.20 und 8.40 Uhr Ortszeit erreichte der Anteil der erneuerbaren Energie an der ges...

Opel-Blitzvisite von GM-Chef Henderson

Rüsselsheim (Agenturen/ND). Der Chef des US-Autokonzerns General Motors (GM), Fritz Henderson, ist am Montag bei Opel am Stammsitz Rüsselsheim zu Gesprächen über die Zukunft der deutschen Tochter eingetroffen. Henderson habe »interne Gesprächen« aufgenommen, sagte ein Opel-Sprecher, ohne Einzelheiten zu nennen. Nach dpa-Informationen hatte der Konzernchef die erste Vorlage eines Zukunftskonzepts f...

Gläubigerversammlung bei Arcandor begann

Essen (dpa/ND). Mit der Gläubigerversammlung der Dachgesellschaft Arcandor AG ist am Montag in Essen das größte Insolvenzverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik in eine neue Runde gegangen. Mit angemeldeten Forderungen von insgesamt bis zu 19 Milliarden Euro und bis zu 50 000 Gläubigern stellten Arcandor sowie die zahlreichen Tochtergesellschaften alle bisherigen Verfahren in den Schatten, ...

Fabian Lambeck

Im Auftrag der Banken

Die notwendige Regulierung der Finanzmärkte kommt nicht voran. Auch weil die EU-Kommission jeden Elan vermissen lässt, den Verursachern der Krise strengere Vorgaben zu machen. Eine nun veröffentlichte Studie zeigt, warum die Kommission so passiv bleibt: Die meisten ihrer Berater kommen von jenen Banken und Konzernen, die für die Finanzkrise mitverantwortlich sind.

John Dyer, Boston

Klimaschutz spaltet US-Wirtschaft

Die USA werden grün. Nur der mächtigste Wirtschaftsverband des Landes, die Handelskammer, macht Stimmung gegen eine wirksame Klimaschutzgesetzgebung. Viele Unternehmen treten deshalb aus dem Verband aus.

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Nord-Süd-Termine

HEUTE IN BERLIN »Der nigerianische Schriftsteller und Künstler Richard Agbaje im Gespräch über sein satirisches Theaterstück ›Zerstreut im Wind‹«, 19 Uhr, Afrika-Haus, Bochumer Straße 25, 10555 Berlin, Eintritt frei. VENEZUELA »Hugo Chávez Hoffnungsträger für wen?« Mit: Christoph Twickel (Journalist, Chávez-Biograf) und Knut Henkel (Journalist, Politikwissenschaftler) Kaum ein Politi...

Thalif Deen, New York (IPS)

Süden kooperiert in Krisenzeiten

Angesichts der verheerenden Auswirkungen der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise haben die Vereinten Nationen für Anfang Dezember eine Konferenz anberaumt, die der Süd-Süd-Zusammenarbeit neuen Auftrieb verleihen soll. Indien, das zu einem wichtigen Investor und Handelspartner armer Länder geworden ist, misst dem Treffen in der kenianischen Hauptstadt Nairobi vom 1. bis 3. Dezember große B...

ndPlusMartin Ling

Chinas Griff nach Afrikas Quellen

Konkurrenz belebt das Geschäft, so könnte ein optimistisches Szenario für Afrika aussehen. Das gewachsene Interesse seitens Chinas, das dem bisherigen Handelspartner Nummer 1, den USA, 2010 den Rang abzulaufen droht, hat sich auf dem schwarzen Kontinent in den letzten Jahren in relativ hohen Wachstumsraten niedergeschlagen. Und dass das so weitergehen soll, wurde beim China-Afrika-Forum im ägyptis...

Afrika und Deutschland – Partnerschaft auf Augenhöhe?
Reinhard Schwarz

Afrika und Deutschland – Partnerschaft auf Augenhöhe?

Wie soll eine »Partnerschaft auf Augenhöhe« zwischen Deutschland und Afrika aussehen? Darüber debattierten dieser Tage in Hamburg Afrika-Experten. Dabei kam auch die von Gewalt geprägte Kolonialherrschaft Deutschlands zur Sprache.

Bildung für die Landreform
ndPlusGerhard Dilger, Porto Alegre

Bildung für die Landreform

Mit ihren »Wanderschulen« orientiert sich Brasiliens Landlosenbewegung MST an der Lehre von Paulo Freires »Pädagogik der Unterdrückten«. Ein Besuch bei der Wanderschule »Che Guevara« liefert Einblicke.

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Gedenken in der Bernauer Straße

Gedenken in der Bernauer Straße

(dpa). Die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße hat ein neues Besucherzentrum. »Wir müssen jüngere Generationen daran erinnern, dass Diktatur in Deutschland keinen Platz hat«, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Montag zur Eröffnung am 20. Jahrestag des Mauerfalls. Das Gebäude an der Ecke Gartenstraße kostete 2,5 Millionen Euro und wurde innerhalb eines Ja...

Farbe drauf

Die Berliner Mauer wurde zu allen ihren Zeiten und von beiden Seiten stets mit vielerlei argumentativem und propagandistischem Beiwerk geschmückt. Dass sie deshalb ein ansehnliches oder gar ein buntes Bauwerk geworden wäre, mochten selbst ihre treuesten Parteigänger nicht behaupten. Erst mit dem Fall des Baus und dem damit höchst anschaulichen Ende des Kalten Krieges kam hie und da richtig Farbe d...

Martin Kröger

Auf dem Weg zum freundlichen Dienstleister

Die Liste der Aufgaben ist lang. Für Falschparker, Fahrradfahrer auf Gehwegen, illegales Ablagern von Müll oder wildes Grillen sind die rund 1200 Beschäftigten im Innen- und Außendienst der zwölf bezirklichen Ordnungsämter in der Stadt zuständig. Seit fünf Jahren gibt es die Behörden, ihre Akzeptanz ist in den letzten Jahren stark gestiegen, nachdem zu Beginn die Mitarbeiter in den blauen Uniforme...

ndPlusBernd Kammer

Mauerpark als »Vorgarten für Townhäuser«?

Der Mauerpark zwischen Prenzlauer Berg und Wedding harrt seit Jahren seiner Vollendung. Vor genau 15 Jahren wurde der erste Bauabschnitt eingeweiht, mittlerweile ist der Park auf acht Hektar Fläche angewachsen, rund sechs Hektar auf Weddinger Seite, wo sich derzeit ein Gewerbegebiet erstreckt, fehlen noch an der ursprünglichen Planung. »20 Jahre nach dem Mauerfall sollte endlich der Weg zur Fertig...

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Enkelmann kritisiert RBB

(ND). Pläne des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB), das Umweltmagazin »Ozon« rund 20 Jahre nach der Erstausstrahlung abzusetzen, hat die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion im Bundestag, Dagmar Enkelmann, kritisiert. Die Programmpläne des RBB würden zeigen, dass »kritischer Journalismus, der nicht vordergründig die Wünsche von Wirtschaft und Regierungen bedient, immer weniger gewo...

Niederländischer Film gewinnt Kurzfilmfestival

(dpa). Der niederländische Regisseur Jochem de Vries hat den mit 6000 Euro dotierten Hauptpreis des 25. Internationalen Kurzfilmfestivals »interfilm Berlin« gewonnen. Sein Film »Missen« (Vermisst) setzte sich gegen 77 Konkurrenten aus aller Welt durch, wie die Veranstalter zum Ende des sechstägigen Festivals (3. bis 8.11.) am Montag mitteilten. Die Produktion behandelt Alltagsprobleme einer Mutter...

Tom Mustroph

Kannibalisch

Wenn das Leben keine Freude mehr bereit hält, kann zumindest das verächtliche Verlachen des selben die Kraft produzieren, die es braucht, um sich wenigstens einmal als handelndes Subjekt aus dem Elend der Verhältnisse herauszubefördern. Diese rabiate Negativdynamik hat Werner Schwab in seinen Fäkaliendramen sprachgewaltig beschrieben. Schwab, der Bauernhofbewohner aus Österreich, der von den Augur...

Betörendes Theater der lebenden Bilder
ndPlusAndreas Heinz

Betörendes Theater der lebenden Bilder

Kaum ist man drin, schon ist man dran. Wer den Zaubergarten des Traumtheaters Salome durchschritten hat, bekommt einen golden glitzernden Stern auf Stirn oder Wange gedrückt und kann sich dann rund zwei Stunden verzaubern lassen. Seit mittlerweile 30 Jahren verhilft Chef Harry Owens seinem Publikum zu verträumten Abenden. Ende Oktober öffnete sich am Hauptbahnhof der Vorhang zur Premiere. »Stairwa...

Kitsch und Katastrophen
Stefan Amzoll

Kitsch und Katastrophen

Dagmar Manzel, Schauspielerin und Chansonnette, ist die Königin des Abends. Bewundert, beklatscht, bejubelt. Um sie herum perlt es. Eine kleine Schar Musiker sitzt im Halbkreis. Flügel und Harmonium komplettieren das instrumentale Bild. Im Ganzkreis befindet sich das Publikum – unter sechzig ist aber am Sonntag kaum jemand zu sehen, im prall gefüllten Kammermusiksaal der Philharmonie. In den...

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Thomas Morell, epd

Der Glanz ist verblasst

Noch kurz vor dem Mauerfall vor 20 Jahren galt die Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Dresden als Glanzstück deutsch-deutscher Verständigung. Doch das ist vorbei. Die Reisezuschüsse hat Hamburg inzwischen gestrichen, die Festprogramme sind schmaler und offizielle Begegnungen selten geworden.

ndPlusRudolf Stumberger, München

Ohrfeige auf die richtige Backe

Für ihr Engagement bei der Verfolgung von Nazi-Verbrechern erhielt Beate Klarsfeld am Wochenende in München den Georg-Elser-Preis. Die Stadt Konstanz am Bodensee erinnert seit Sonntag mit einer Skulptur an den Hitler-Attentäter Elser. Anlässlich des 70. Jahrestags des gescheiterten Anschlags auf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller wurde an der Grenze zur Schweiz eine Bronze-Büste des Bildhauers Markus Daum enthüllt.

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Auf Werbetour für Rostocks Seehafen

Vertreter des Rostocker Hafens sind in dieser Woche auf Werbetour in den USA. In Seattle, Los Angeles und Miami soll Kreuzfahrtreedereien die aktuelle Entwicklung des Kreuzfahrtgeschäfts in Rostock vorgestellt werden.

ndPlusPanja Schollbach, dpa

Ein Wunschbaum für Kinderträume

9000 Kinder und Jugendliche leben in Mannheim, zweitgrößte Stadt Baden-Württembergs, von Hartz IV. Ihnen will die Evangelische Kirche mit dem Projekt »KinderVesperkirche« helfen.

Andreas Fritsche, Oranienburg

Die Urne aus dem KZ Sachsenhausen

70 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs im Herbst 1939 erinnern die brandenburgischen KZ-Gedenkstätten mit Sonderausstellungen an die Verfolgung der polnischen und tschechischen Eliten im Nationalsozialismus. Sie trägt den Titel »Vergessene Vernichtung?«.

Seite 15
ndPlusKlaus Bellin

Geldnöte

Berlin stellt alles in den Schatten. Jubel und Begeisterung, wohin er auch kommt. Ovationen in Ifflands National-Theater am Gendarmenmarkt, wo man ihm zu Ehren die »Braut von Messina« spielt. Auch am dritten Abend seines Aufenthalts sitzt er in der Loge und erlebt gerührt, wie das Publikum, hingerissen von seiner Gegenwart, ihn stürmisch feiert. Ein paar Tage später, nach der Vorstellung von »Wall...

Innerer Zwang, Ehrgeiz

Friedrich Schiller, geboren am 10. November 1759. Sein Werk ist Klassik, also: auf Dauer unabgegolten, gültig, fordernd, lebendig. Wir haben aus aktuellem Anlass seinen innigsten Freund, seinen ihm hochwertesten Kollegen »befragt« – Johann Wolfgang Goethe.

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Ins Licht der Ungewissheit
Volkmar Draeger

Ins Licht der Ungewissheit

Direktorin Ann-Elisabeth Wolff freut sich über Planungssicherheit bis einschließlich 2012. Die Partnerschaft des Festivals euro-scene mit BMW Leipzig zieht den Zuschuss von Stadt und Landes-Kulturministerium nach sich. Das Budget von 654 000 Euro speist sich zu 58 Prozent aus öffentlicher Förderung, die restlichen 42 Prozent erbringen Eigeneinnahmen. Rund 7800 Zuschauer sahen die 13 Gastspiele aus...

Apokalyptische Gesellschaft
ndPlusSebastian Hennig

Apokalyptische Gesellschaft

Gottfried Benn pries die »Ausdruckswelten«, das Reich des Kunstwerkes als Alternative zum »Leben – niederer Wahn«. Die Kunst bedeutet Gegenwelt an sich. In ihrem Bereich wird das Unstillbare gemäßigt, das Ungesonderte gerinnt zu reiner Form. In diesem Sinne ist die Kunst immer Alternative und eine alternative Kunst wäre eine Tautologie, wie ein vitales Leben. Es gibt freilich auch ein Leben,...

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Gefahr riechen

Riechen Menschen Angstschweiß, so führt dies zum Beispiel dazu, dass sie selbst Furcht empfinden und sich vorsichtiger verhalten. Dies zeigen Forschungsergebnisse, die auf der 44. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) im Oktober in Köln vorgestellt wurden.

Nicht auf Kassenkosten

Augenärzte raten zu Glaukom-Risikochecks – doch die Verfahren bringen unklare Ergebnisse. Kassen übernehmen diese Kosten daher nicht. Wer zum Augenarzt geht, kann damit rechnen, dass ihm eine Untersuchung zur Glaukom-Vorsorge angeboten wird, die aus eigener Tasche bezahlt werden muss. Dabei kann die Entstehung des Glaukoms leider nicht sicher vorausgesagt werden. Die Untersuchungen haben wen...

Die Rezension - Lebensgefahr
ndPlusDavid Dietrich

Die Rezension - Lebensgefahr

»Nur um der Klinik bei der Jahresabrechnung mehr Geld zu verschaffen und die Zahlen der eigenen Abteilung anzuheben, wurden Menschen, die sich den Chirurgen anvertraut haben, an zusätzlichen Organen operiert. Obwohl es dafür keinen medizinischen Grund gab. Obwohl sie nicht gefragt wurden und auch nicht wie gesetzlich erforderlich ihr Einverständnis erklärt haben.« Dieser Tatsache ist der österreic...

Elfi Schramm

Bypass wirkt bei Frauen weniger

Frauen gehen häufiger zum Arzt. Sie haben später Herzinfarkt und Schlaganfall, häufiger Depressionen und rheumatische Erkrankungen, leben länger und reagieren anders auf Arzneimittel als Männer. Das sind viele Unterschiede. Doch wie reagiert man auf sie in der Praxis?

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Jirka Grahl

Einwurf

Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall wird auch der Aderlass der Ost-Klubs im Fußball immer wieder beleuchtet. Der letzte Päsident des einstigen DFV der DDR, Hans Georg Moldenhauer, verhandelte damals den Beitritt zum DFB und steht heute dem Nordostdeutschen Fußballverband vor. Damals sei das Ziel gewesen, langfristig drei Ost-Klubs in Liga eins zu etablieren, sagte Moldenhauer dieser Tage. Wenn er übe...

Frank Thomas, dpa

Der Schweizer Stil

Die einen spotten, die anderen staunen: Der Schweizer Roger Schneider hat beim Weltcup in Berlin mit seinem unorthodoxen Laufstil für ein Novum im Eisschnelllaufen gesorgt. Ein wenig steif wirkend, setzte der 100-Kilo schwere Eidgenosse auf den Geraden zur Beschleunigung nicht wie gewöhnlich einen Fuß vor den anderen, sondern blieb relativ aufrecht auf beiden Schlittschuhen stehen und versuchte, d...

Alba spielt sich aus der Krise

Mit einem überzeugenden Auftritt hat Basketball-Bundesligist Alba Berlin seine Mini-Krise auf fremdem Parkett beendet. Nach zwei Auswärtsniederlagen hintereinander gewann der achtmalige Meister am Sonntag das Prestigeduell bei den Brose Baskets Bamberg klar mit 62:44 (33:16). »So einen Sieg haben wir nach den beiden bitteren Niederlagen in Tübingen und Bonn gebraucht«, sagte Albas Sportdirektor He...

Kult-Renaissance der Königsdistanz
ndPlusMichael Müller, Schmiedefeld

Kult-Renaissance der Königsdistanz

Der 38. Rennsteiglauf, der am 8. Mai 2010 über die ebenso schöne wie knochenharte Thüringer-Wald-Laufbühne gehen wird, wirft seine Schatten mit einem ersten Rekord voraus: Es gibt schon rund 2600 Anmeldungen, »und so viele waren es zu einem so frühen Zeitpunkt noch nie«, betont Jürgen Lange, Präsident des Rennsteiglaufvereins, im ND-Gespräch. Lange verweist da besonders auf das ganz offensichtlich...

ndPlusMark Wolter

Frustbewältigung in der Pause

Als Hertha-Coach Friedhelm Funkel gestern früh zum Training bat, waren die ersten Nationalspieler der Berliner bereits abgereist. Bis Mitte kommender Woche werden den Klubs wegen Länderspielen am Sonnabend und dem darauffolgenden Mittwoch die besten Spieler fehlen. Kein optimaler Zeitpunkt für Funkel. Gerne hätte der Trainer das Team nach der unglücklichen 0:1-Heimniederlage am Sonntagabend gegen ...