Ausgabe vom 16.11.2009

Seite 1

Unten links

Flott ist er, der Guido Westerwelle. Seit seinem Amtsantritt als Außenminister besuchte er Polen, die Niederlande, Frankreich, Luxemburg, Belgien, die USA, Dänemark, Großbritannien, die Schweiz und Spanien. Das sind zehn Länder in 19 Tagen, und wer weiß, was uns das Auswärtige Amt heute über die nächste Station seines neuen Chefs mitteilt. Wenn er diese Reisefrequenz durchhält, hat er die UNO mit ...

Uwe Kalbe

Sehr viel Zeit

Ist es der SPD gelungen, den Vertrauensverlust bei ihren Wählern zu stoppen? Zuversichtlich mögen sich viele Delegierte in Dresden auf den Heimweg gemacht haben. Doch natürlich kommt der nächste Test erst mit der nächsten Wahl. Und da gibt es gute Gründe für Sozialdemokraten, skeptisch zu sein. Die SPD hat es vermieden, die Ursachen für den Vertrauensverlust beim Namen zu nennen. Auch weiterhin sc...

Verhageltes »Heldengedenken« für NPD und Neonazis

Zum »Volkstrauertag«, der im Dritten Reich als »Heldengedenktag« instrumentalisiert wurde, haben Rechtsextreme am Wochenende zu zahlreichen Märschen aufgerufen. Ihnen begegnete antifaschistischer Protest.

Die SPD will wieder schärfer werden

Die SPD will wieder schärfer werden

Nach dem desaströsen 23-Prozent-Ergebnis zur Bundestagswahl und siebenwöchigen quälenden Diskussionen hat die SPD wieder Hoffnung geschöpft. Beim Parteitag am Wochenende in Dresden, auf dem erneut der Vorsitzende der Partei ausgewechselt wurde, kündigten die Genossen mehr Demokratie innen und ein schärferes Profil nach außen an.

Seite 2
Wir haben souverän gehandelt

Wir haben souverän gehandelt

Der 13. November 1989 war für Hans Modrow ein besonderer Tag. Wo zuvor 43 Mitglieder des DDR-Ministerrates ihren Platz hatten, saß er einsam auf der Regierungsbank. Turbulente Zeiten warteten auf den Ministerpräsidenten – in der großen Koalition und am runden Tisch. Vier Monate war Hans Modrow zwischen November 1989 und März 1990 Ministerpräsident der DDR. Monate, in denen er zunächst versuchte, die DDR zu erneuern und zu bewahren – und als der Weg ins einig Vaterland absehbar war, wenigstens ihre Bürger halbwegs rechtlich abgesichert und mit einigen Garantien für ihr Eigentum auf den Weg in die Einheit zu schicken. Ein Arbeitstag von 18 Stunden war die Norm, für Visionen keine Zeit – dafür zahlreiche Enttäuschungen. Gabriele Oertel sprach mit dem heute 81-Jährigen.

Seite 4
Kurt Stenger

Kilometersteuer

Länder ohne eine eigene Autoindustrie samt dazu gehöriger Konzernlobby haben es leichter, innovative Wege in der Verkehrspolitik zu beschreiten. Dies legt das Beispiel der Niederlande nahe, deren Regierung künftig nicht mehr vor allem den Besitz eines Fahrzeugs, sondern dessen Gebrauch besteuern will. Die Idee hat wichtige Vorzüge: Vielfahrer, die auch noch mit Spritschluckern unterwegs sind, würd...

René Heilig

Deckung hinter Polen

Mal ehrlich, so fulminant wie er sich das gedacht hatte, war Vizekanzler Westerwelles Start wohl nicht. Jedenfalls nicht als Außenminister. Gut, die »Spiegel«-Leute gaben ihm Platz für ein Interview, in dem es um mehr als die angeblichen FDP-Steuergeschenke ging. Doch was hilft es, wenn Westerwelle darin mitteilt, dass er nun mal so richtig ran will, weil wir schon genug »mutlose Politik« hatten? ...

ndPlusOlaf Standke

Wolken über Singapur

Die APEC-Länder stellen 40 Prozent der Weltbevölkerung und sorgen für über die Hälfte der globalen Warenproduktion und Dienstleistungen. Gemessen daran waren die Ergebnisse ihres Gipfels am Wochenende in Singapur mit dem formelhaften Bekenntnis zum Freihandel und Obamas Versprechen verstärkten US-amerikanischen Engagements im pazifischen Raum bescheiden. Vor allem weil die 21 Mitgliedstaaten auch ...

René Heilig

Detlev 007-a

Detlev Mehlis ist Leitender Oberstaatsanwalt beim Berliner Kammergericht. Und mal wieder abgestellt. Was nicht bedeutet, dass man ihn zur Aufsicht über die Reinigungsbrigade des Gerichts verdonnerte. Im Gegenteil! Er soll oberster Saubermann auf den Philippinen werden. Dafür hat ihn das Auswärtige Amt angefordert. Der inzwischen 60-jährige Jurist wird im asiatischen Land – so der Auftrag der...

Robert Enke und Therapie-Tipps
ndPlusHans-Dieter Schütt

Robert Enke und Therapie-Tipps

Wo etwas uns die Sprache raubt, meldet sich die Stimme am eifrigsten. Wo der Tod, wie bei Robert Enke, das Leben auf eine Weise zerreißt, dass nur Schweigen möglich ist, da einverleiben wir uns die Situation mit Wörtern eines präzisen Kategorienapparates, der die sofortige Beherrschbarkeit der Lage signalisiert. Es darf noch im Erschütterlichsten keinen »Riss im üblichen, gewöhnlichen Bemerken« ge...

Seite 5

Neuer Vorstand mit altbekannten Namen

Neben dem neuen Parteichef Sigmar Gabriel wurden auf dem SPD-Parteitag in Dresden vier statt der bisher drei Stellvertreter, eine Generalsekretärin und eine Schatzmeisterin sowie – neu hinzugekommen – ein EU-Beauftragter gewählt. Sie bilden zusammen mit 37 Beisitzern den 45 Mitglieder zählenden Parteivorstand.

Nicht nur reden ...

Hanjo Lucassen ist DGB-Chef in Sachsen. Der heute 65-jährige Westfale kam 1990 in den Osten. Zwischen 1999 und 2004 saß er für die SPD im sächsischen Landtag. Mit dem Gewerkschafter sprach Gabriele Oertel auf dem SPD-Parteitag in Dresden.

Ein Heureka! für die SPD
ndPlusUwe Kalbe

Ein Heureka! für die SPD

»Mit uns zieht die neue Zeit« – der Gesang des alten Arbeiterliedes besiegelte am Sonntag die Verabredung der Sozialdemokraten zu einem Leben nach dem Wahldesaster 2009. Kein Zeichen folkloristischen Verhältnisses zur eigenen Vergangenheit sei dies, so Parteichef Sigmar Gabriel. Sondern Zeichen des Aufbruchs.

Seite 6

Zusatzbeiträge immer wahrscheinlicher

Berlin (dpa/ND). Gesetzlich Krankenversicherte müssen trotz des geplanten zusätzlichen Steuerzuschusses für die Kassen weiter mit Zusatzbeiträgen rechnen. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wies am Samstag darauf hin, dass ein Fehlbetrag bleibe. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hatten sich darauf geeinigt, den Steuerzusc...

Merkel bremst Steinbachs Provokateure

Der Streit um die Besetzung des Beirats der Stiftung »Flucht, Vertreibung, Versöhnung« ist angeblich mal wieder vertagt. Der Bund der Vertriebenen, der seine umstrittene Präsidentin Erika Steinbach für das Gremium nominiert hat, ist offenbar noch einmal zurückgepfiffen worden – bevor es in der schwarz-gelben Koalition zum Knall kommen konnte.

Hendrik Lasch, Magdeburg

Ost-LINKE drängt auf Einwechslung

Die LINKE streitet weiter über Bedingungen für Regierungsbeteiligungen. Versuche, im Bundesvorstand Restriktionen festzuschreiben, werden etwa in Sachsen-Anhalt abgelehnt, wo man 2011 eine Koalition führen will.

Seite 7

Zelaya verzichtet auf sein Amt in Honduras

Tegucigalpa (dpa/ND). Wenige Tage vor den Wahlen eines neuen Präsidenten in Honduras hat der gestürzte Präsident des Landes, Manuel Zelaya, am Samstag seinen Verzicht auf eine Rückkehr ins Präsidentenamt erklärt. »Ich akzeptiere kein Abkommen über eine Rückkehr ins Präsidentenamt, das den Staatsstreich vertuschen würde«, schrieb Zelaya in einem in Tegucigalpa veröffentlichten Brief an US-Präsident...

ndPlusIan King, London

Labour hält Glasgower Hochburg

Endlich kann Premier Gordon Brown frohlocken: Labour-Kandidat Willie Bain gewann die Nachwahl im Wahlkreis Glasgow Nordost mit fast 60 Prozent, dreimal mehr Stimmen als sein Herausforderer von den Schottischen Nationalisten. Im traditionellen Arbeiterwahlkreis blieben die Konservativen mit fünf Prozent hoffnungslos abgeschlagen.

ndPlusMax Böhnel, New York

Terror-Drahtzieher sollen in New York vor Gericht

»New York erneut im Visier«, »größte Herausforderung in der USA-Justizgeschichte«, »Jahrhundertprozess« – so lauteten Kommentare auf die Ankündigung des Justizministers Eric Holder am Freitag: Fünf mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom 11. September, darunter der angebliche »Chefplaner« Khalid Scheich Mohammed, sollen in den kommenden Monaten aus dem Lager Guantanamo nach New York verfrachtet und im Manhattaner US-Bundesgericht angeklagt werden.

Seite 8
ndPlusJan Keetman, Istanbul

Muslime, die keine Moscheen wollen

Dieser Tage fand im asiatischen Teil Istanbuls eine der größten Demonstrationen in der Geschichte der Türkei statt. Schätzungsweise 250 000 Menschen drängten sich auf dem riesigen Platz im Stadtteil Kadiköy und in den angrenzenden Straßen. Doch blieb die von der Föderation der Alewiten und Bektaschi organisierte Demonstration fast unbeachtet.

Anna Maldini, Rom

Berlusconi macht seine eigenen Gesetze

Über 100 000 Menschen haben am Samstag in Rom gegen die italienische Regierung protestiert. Silvio Berlusconi unternehme in der Krise nichts, um die Arbeiter und Rentner zu unterstützen, sagte der Chef des größten Gewerkschaftsverbands CGIL, Gugliemo Epifani. Der Ministerpräsident hat derzeit auch alle Hände voll zu tun, um nicht im Gerichtssaal verurteilt zu werden.

Die Suche nach Jonas B.
Rainer Werning

Die Suche nach Jonas B.

»Wenn er tot ist, wird er sicherlich im Himmel sein«, sagt Edita Burgos, eine resolute Frau in den frühen Sechzigern, »sollte er allerdings noch leben, soll er wissen, dass wir in all den Jahren nichts unversucht gelassen haben, ihn zu suchen« .Die Person, die Edita Burgos nach zweieinhalb Jahren noch immer nicht wiedergefunden hat, ist ihr Sohn Jonas.

Seite 9
GM verlegt Europa-Zentrale nach Rüsselsheim

GM verlegt Europa-Zentrale nach Rüsselsheim

Zürich/Rüsselsheim (dpa/ND). Opel wird aufgewertet: Der Mutterkonzern General Motors (GM) verlegt seine Europa-Zentrale von Zürich nach Rüsselsheim. »Wir wollen damit die Marke Opel und den Standort stärken«, sagte ein Unternehmenssprecher am Samstag. Nach dem Verkauf von Saab wolle sich der US-Konzern in Europa nun auf seine Tochter Opel, die ihren Stammsitz in Rüsselsheim hat, sowie die Marke Ch...

Radikale Reform für Pkw

Amsterdam (dpa/ND). Die Autofahrer in Holland sollen künftig keine Kfz-Steuer mehr zahlen, sondern eine Fahrgebühr von durchschnittlich drei Cent pro Kilometer. Überwacht wird das als »revolutionär« für den Umweltschutz gepriesene Modell durch ein Satellitensystem. Darauf einigte sich nach jahrelangen Debatten die Regierungskoalition aus Christ- und Sozialdemokraten am Freitag. Die aufkommensneutr...

Marian Krüger

Steuern für die EU-Kommission?

Die anstehende Grundsatzdebatte über den Finanzrahmen der Europäischen Union ab 2013 wirft ihre Schatten voraus.

ndPlusBarbara Martin, Stuttgart

Regional agieren, global agitieren

Vor rund einem halben Jahr gab es linke Anti-Krisen-Großdemonstrationen mit zehntausenden Teilnehmern. Daran soll im kommenden Jahr angeknüpft werden.

Seite 10
Norbert Suchanek, Rio de Janeiro

Grüner Stahl aus Brasilien?

Zur bevorstehenden Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen hat Brasiliens Regierung angekündigt, bis zum Jahr 2020 den Ausstoß des Landes an Treibhausgasen um 36 bis 39 Prozent zu verringern. Greenpeace lobte den lateinamerikanischen Riesen deshalb kräftig. Der brasilianische Staatschef Lula da Silva zeige mit seinem Angebot, was engagierter Klimaschutz ist, so der Klimaexperte der Umweltorganisation, ...

ndPlusHilmar König, Delhi

Rote Karte für »Giftpott«

Die indische Regierung hat das Abwracken des vor der Küste des westindischen Unionsstaates Gujarat ankernden Ozeanriesen »Platinum II« im Land verboten. Eine Sonderkommission des Umweltministeriums in Delhi hatte festgestellt, dass das Schiff mit toxischem Material belastet ist.

ndPlusMartin Koch

Verkehr contra Umweltschutz

Im November 1984 startete im Westen Deutschlands der Siegeszug des Katalysator-Autos. Denn die Mineralölwirtschaft hatte kurz zuvor erklärt, fortan genügend bleifreies Benzin auf den Markt zu bringen. Ziel der Aktion war es, die Verschmutzung der Luft zu reduzieren.

Nicht hinterm Deich verstecken
Susann Witt-Stahl, Hamburg

Nicht hinterm Deich verstecken

Der Klimawandel hat weitreichende Konsequenzen – nicht zuletzt sind praktische Schutzmaßnahmen gegen alle nur erdenklichen Katastrophen nötiger denn je. Darüber wurde auf einem dreitägigen Kongress mit Fachmesse für Klimafolgen und Hochwasserschutz in Hamburg beraten.

Seite 11

Da liegt Musik drin

Die BVG hat ihre musische Ader entdeckt: Auf Berlins U-Bahnhöfen soll künftig nach Herzenslust musiziert werden. Dabei dürfte es aber nicht nur darum gehen, den Fahrgästen ein besonderes Kunsterlebnis zu verschaffen. Die BVG-Chefmusiker spekulieren darauf, mit der akustischen Dauerberieselung unerwünschte Dauergäste loszuwerden. Denn was vielleicht bei einem kurzen Warten auf den Zug als angenehm ...

Klassik im Untergrund

(ND-Kammer). Die BVG hat nun eines ihrer Lieblingsprojekte gestartet: Die Beschallung von Bahnhofsgästen mit klassischer Musik. Im U-Bahnhof Adenauerplatz an der U 7 kann man seit Freitag Mozart, Haydn oder das ein oder andere Weihnachtsliedchen hören.Bereits vor zwei Jahren wollte die BVG musikalisch auf zwei U-Bahnhöfen der U 8 starten, wurde jedoch von der technischen Aufsichtsbehörde zurückgep...

Mauerpark-Retter machen mobil
ndPlusStefan Otto

Mauerpark-Retter machen mobil

Josef und seine Leute schieben einen Bus und haben die Lautsprecher aufs Dach geschnürt. Das Mikrofon stellen sie zwischen der Musik zur freien Verfügung, und wer will, kann ein paar Worte an die Demonstranten richten, oder auch an die Passanten. Ein Junge mit Bierflasche in der Hand schnappt sich das Mikro und ruft: »Der Mauerpark ist der chilligste Park; Sonnenuntergang gucken ist so jut.« Josef...

Seite 12

Minus im Museum

(dpa). Das Pergamonmuseum bleibt stärkster Besuchermagnet unter Berlins Museen. Mit 1,13 Millionen Besuchern konnte das Haus auf der Museumsinsel mit Schätzen aus Babylon, dem Pergamonaltar und dem Ischtar-Tor 2008 den Publikumszuspruch gegenüber dem Vorjahr weiter steigern, teilte die Kulturverwaltung am Freitag mit. An zweiter Stelle steht die Ägyptische Sammlung mit der Büste von Königin Nofret...

Inszenierter politischer Kälteeinbruch
Volkmar Draeger

Inszenierter politischer Kälteeinbruch

Gespenstisch irreal sind die Gestalten auf den Fotografien der Margret Kohler-Heilingsetzer, wie sie die Inselgalerie nun erstmals in Deutschland zeigt. Beflügelt sah sich die 1949 in Wien geborene Künstlerin zu ihrem Projekt, als in Österreich die rechte Partei des Jörg Heider 2000 beim Wahlvolk salonfähig für eine Regierungsbeteiligung geworden war. Donnerstagsdemos, nicht unähnlich den Leipzige...

Seite 13

Hessen: Grüne blicken auch zur CDU

Marburg (dpa/ND). Die hessischen Grünen haben ihr Führungsduo Tarek Al-Wazir und Kordula Schulz-Asche mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt. Der 38 Jahre alte Al-Wazir erhielt auf einem Landesparteitag am Samstag in Marburg 86 Prozent, die 52-jährige Schulz-Asche 89 Prozent der Stimmen. Al-Wazir, der auch Landtagsfraktionschef ist, rief seine Partei auf, sich als »führende Kraft der linken Mitte« ...

Immer weniger Minister sind Abgeordnete

Jena (dpa/ND). Immer mehr Minister sind nach Ergebnissen einer Studie nicht gleichzeitig Abgeordnete. Das gelte vor allem in den Bundesländern, weil die Landtage an Bedeutung verlören, teilte die Friedrich-Schiller-Universität Jena am Freitag mit. Damit würden Ministerpräsidenten unabhängiger und könnten zunehmend Minister von außerhalb des Parlaments ernennen. Gleichzeitig zeige die Studie des Po...

Riesenschlappe für die NPD
Jörg Meyer, Wunsiedel

Riesenschlappe für die NPD

Weniger Nazis als erwartet marschierten am Samstag für den verstorbenen NPD-Vize Jürgen Rieger. Wunsiedeler Bürger gedachten der Opfer des Todesmarsches im April 1945. Die Aufhebung des Marschverbotes durch den Bayrischen Verwaltungsgerichtshof wurde scharf kritisiert.

Steffi Bey

Zeitreise durch ein Akustik-Denkmal

Eine große Menschentraube hat sich vor dem Eingang des 13 Hektar großen Geländes an der Nalepastraße versammelt. Die meisten Besucher sind in der DDR aufgewachsen und können sich noch an viele Radiosendungen vor der Wende erinnern. »›Sieben bis zehn‹, ›Familie Findig‹ und ›Die Schlagerrevue‹ gehörten zu meinen Favoriten«, sagt ein älterer Herr. Schon damal...

Seite 14

Trotz Pleite bleibt NPD Gefahr

Potsdam (dpa). Trotz leerer Kassen bleibt die rechtsextreme NPD nach Einschätzung des brandenburgischen Verfassungsschutzes eine Gefahr. »Die NPD ist auch ohne viel Geld sehr handlungsfähig«, sagte die Abteilungsleiterin im Potsdamer Innenministerium, Winfriede Schreiber. »Parteisoldaten« ohne Bezahlung seien rund um die Uhr aktiv, indem sie beispielsweise Propagandamaterial verteilten.Um die Fina...

Birgit von Criegern

Wohnungen statt Lagerdasein

Nach Protesten gegen die isolierte Unterbringung von Flüchtlingen erwägt der Kreis Wittenberg nun eine dezentrale Unterbringung in Wohnungen – eine Forderung, die Flüchtlingsgruppen bundesweit schon lange erheben. Auch das Gutschein-System soll im Landkreis überprüft werden.

ndPlusAndreas Fritsche

Nun will er ein Rathaus besetzen

Während der gewalttätigen Räumung der Mainzer Straße in Berlin-Friedrichshain stand Freke Over als einer der Sprecher auf der Seite der Hausbesetzer. Jetzt, wo der Sozialist sich um das Amt des Rheinsberger Bürgermeisters bewirbt, holt ihn die Vergangenheit wieder ein. In der brandenburgischen Provinz sorgt derartiges noch für Aufregung. Dabei meint Over in Anspielung auf den Grünen-Politiker Josc...

Seite 15
Wolfgang Hübner

MOSEKUNDS MONTAG

IN DER WIRTSCHAFT Manchmal ging Herr Mosekund in eine nahe gelegene Gastwirtschaft, setzte sich in eine Ecke, trank Rotwein und gab von Zeit zu Zeit tiefsinnige Sentenzen von sich, über die die anderen Gäste lange nachdenken konnten. Beispielsweise: Geht der Gast schon früh nach Haus, fällt die Zeche niedrig aus. Die anderen Gäste bewunderten ihn für seine Klugheit und Belesenheit. Einmal saß ein ...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Man könnte England zu uns sagen

Zwölf Jahre auf knapp tausend Seiten. Nicht: Tagebuch. Werktage I. Gelebtes Schreiben; das Leben schreibend. Und es bleibt bei der Wahrheit des Satzes von Martin Walser: Geschrieben haben hilft nicht, es hilft nur: schreiben. Der siebzigjährige Dichter Volker Braun lässt uns nachlesen, wovon die Mitte seiner Jahre, 1977 bis 1989, ins Beben und Brennen, ins Bedrückt- und Beseeltsein kam. Lesungen u...

Seite 16
Ekkehart Krippendorff

Ein Zirkus

Wer seinen »Hamlet« gut kennt, der mag für eine Weile ein gewisses harmloses Vergnügen an dieser, wie Regisseur Kriegenburg erklärt, »von der Existenzlast und der Rezeptionsgeschichte befreiten« Clownerie finden. Neben mir saßen zwei junge Frauen, die die meiste Zeit quietschten vor Vergnügen und auch sonst gab es viele Lacher im Publikum der Kammerspiele des Deutschen Theaters, einmal sogar Szene...

ndPlusGunnar Decker

Der Geisterseher

Lust zumindest ist etwas, das Andreas Kriegenburg, nicht gerade zimperlich im Zerlegen von Klassikern, noch nicht abhanden gekommen ist. Er inszenierte an den Kammerspielen »Hamlet« mit Schauspielschülern der Ernst-Busch-Schule und drei Ensemblemitgliedern als Stützkorsett. Langweilig ist das keinen Moment lang. Mit abgründigem ebenso wie faulem Witz reichlich gespickt, zieht die Hamlet-Horror-Sho...

ndPlusHeinz Kersten

Im Zeichen des Granatapfels

Bei Lausitz denkt man an Gurken. Cottbus aber war in den vergangenen Tagen voller Granatäpfel. Allerdings gab es das exotische Obst nur auf den Plakaten für das 19. Festival des osteuropäischen Films, und hier standen sie für die besondere Reihe »Neues Kino vom Schwarzen Meer«. In dieser Region gelten die roten Früchte als Symbol für Gesundheit und Fruchtbarkeit. In der Universitäts-Mensa konnte m...

Seite 18

Portugal - Bosnien-H. 1:0

Als nach drei Aluminiumtreffern der Gäste endlich der erlösende Schlusspfiff ertönte, sprang auf der Tribüne Portugals 94-Millionen-Mann Cristiano Ronaldo erleichtert auf: 1:0 gegen Bosnien-Herzegowina. »Wir hatten am Ende mächtig Dusel«, gestand Portugals Mittelfeldass Deco. Während der Außenseiter mit den Bundesliga-Profis Edin Dzeko, Vedad Ibisevic, Zvjezdan Misimovic und Sejad Salihovic mit se...

Russland - Slowenien 2:1

EM-Halbfinalist Russland muss zittern, Außenseiter Slowenien wittert Morgenluft: Ein Gegentreffer in der 87. Minute lässt die russische Mannschaft um die zehnte WM-Teilnahme bangen. Der deutsche Gruppengegner kam im Play-off-Hinspiel gegen die Slowenen in Moskau über ein 2:1 (1:0) nicht hinaus. Dabei gelang den Gästen durch Einwechselspieler Nejc Pecnik von Nacional Funchal/Portugal drei Minuten v...

Krawalle in Kairo

Nigeria und Kamerun haben in Afrika ihre WM-Tickets gelöst, Ägypten und Algerien müssen dagegen nachsitzen und sorgten durch Krawalle nach dem direkten Aufeinandertreffer für Negativschlagzeilen. Nigeria qualifizierte sich in Gruppe B dank zweier Treffer des Wolfsburgers Obafemi Martins beim 3:2 (0:1)-Sieg gegen Kenia in Nairobi. Kamerun glückte durch ein 2:0 (1:0) in Marokko die sechste WM-Teilna...

Neben Rugby ins Rampenlicht

Neuseelands Fußballer haben zum zweiten Mal nach 1982 eine WM-Endrunde erreicht und den Volkssport Rugby vorerst von den Titelseiten verdrängt. Mit dem 1:0 (1:0)-Sieg am Samstag vor der Landesrekord-Kulisse von 35 000 Zuschauern im Westpac Stadium von Wellington gegen Bahrain machte die Mannschaft von Rick Herbert den Einzug perfekt. »Ich bin sprachlos«, meinte der Trainer, »es ist unglaublich. Wi...

Seite 19

Maria Riesch macht das Dutzend voll

Sieg von Weltmeisterin Maria Riesch, stärkstes Mannschaftsergebnis seit knapp elf Jahren und fast der erste »Sister Act« auf dem Weltcup-Podium – die deutschen Skiläuferinnen haben mit einer furiosen Slalomshow im finnischen Levi die Hoffnung auf einen erfolgreichen Olympiawinter genährt. »Das war schon fast zu gut«, sagte der Alpin-Direktor des Deutschen Skiverbands Wolfgang Maier äußerst zufrieden. Doch trotz des Bemühens um eine besonnene Bewertung überwog natürlich auch bei Maier die Freude über Maria Rieschs zwölften Weltcupsieg und das erste deutsche Top-10-Quartett seit Januar 1999.

Ende gut, fast alles gut
Oliver Händler, Leipzig

Ende gut, fast alles gut

»Vor zwei Wochen war das sehr entspannend, diesmal viel aufregender«, meinte Grit Jurack nach einem mitreißenden Gruppenspiel in der Champions League, bei dem in ihrer Brust sozusagen zwei Herzen schlugen. Der aktuelle Verein der wegen Schwangerschaft pausierenden deutschen Handball-Rekordnationalspielerin, der dänische Spitzenklub Viborg HK, war zum Rückspiel gegen ihren alten Klub HC Leipzig gek...

Seite 20

Die Angst spielte mit

Robert Enke litt nach Schilderungen seines Vaters Dirk Enke schon als Jugendlicher unter Versagensängsten. Nachdem der Torwart im Jugendalter oft in höhere Altersklassen eingestuft wurde, sei es »immer wieder zu Krisen« gekommen, sagte der promovierte Psychotherapeut aus Jena dem »Spiegel«, »weil er Angst hatte, nicht mit Älteren mithalten zu können«.Wenn die Depressionen besonders stark waren, wa...

Ein Stadion voller Tränen

Eine Stadion voller Tränen und Trauer – und im Mittelkreis der Sarg von Robert Enke: 40 000 Menschen gedachten des toten Fußball-Torwarts in einer Abschiedszeremonie. Bei der größten Trauerfeier, die es je für einen deutschen Sportler gegeben hat, herrschte am Sonntag in Hannovers Arena eine bisher ungekannte Stadionatmosphäre: Friedliche Andacht, viel Stille, Trauermusik, einfühlsame Reden....

ndPlusFrank Teich (SID), Park City

Doppelsieg für die deutschen Bob-Frauen

Die deutschen Bobfahrerinnen haben zu Beginn der Olympiasaison mit einem Doppelsieg direkt in die Erfolgsspur gefunden, während die Männer beim Weltcupauftakt auf der Olympiabahn von 2002 in Park City (USA) nur hinterherfuhren. Die WM-Dritte Cathleen Martini (Oberbärenburg) siegte vor Olympiasiegerin Sandra Kiriasis (Winterberg) und machte damit den sechsten Weltcuperfolg ihrer Karriere perfekt. D...

Phelps schwimmt im »Jammer« hinterher

Der Dominator hat seine Vormachtstellung verloren: Der Superstar Michael Phelps sah beim Kurzbahn-Weltcup in Berlin ungewohnt oft nur die Hacken seiner Konkurrenten. Zumindest äußerlich ließ sich der coole Amerikaner mit dem Fünf-Tage-Bart davon nichts anmerken, denn er selbst hatte das Debakel mit dem freiwilligen Verzicht auf einen der High-Tech-Anzüge in Kauf genommen.»Sollen die anderen in Hig...