Ausgabe vom 17.11.2009

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Ernährungsgipfel ohne konkrete Ziele

Die Hoffnung dieser Demonstrantin vor dem Kolosseum in Rom richtet sich auf den Welternährungsgipfel, der seit Montag bis Mittwoch in der italienischen Hauptstadt tagt. Zwar einigten sich die Teilnehmer bereits zu Beginn, ihre Bemühungen zur Bekämpfung des Hungers zu verstärken. Die Zahl von über einer Milliarde Unterernährten sei inakzeptabel, erklärten sie. Es bedürfe rascher Schritte, das Recht...

Folter in Irak systematisch und brutal

London (Agenturen/ND). Britische Soldaten sollen nach Aussagen eines ehemaligen Militärangehörigen in Irak systematisch gefoltert haben. Der einzige Verurteilte im Prozess um einen getöteten Iraker sagte am Montag in einer öffentlichen Anhörung aus, er habe das Ausmaß der Folter wegen »fehlgeleiteter Loyalität« bislang verschwiegen. An der Leiche des getöteten Irakers waren 93 Verletzungen festges...

Martin Ling

Muster mit wenig Wert

Das Recht auf Nahrung ist seit geraumer Zeit verbrieft, doch angekommen ist die Botschaft bei den Adressaten noch längst nicht. Seit 1976 ist der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (ICESR) offiziell in Kraft. Dort ist das Menschenrecht auf Nahrung verankert und es spricht auch den Kleinbauern das Recht auf produktive Ressourcen und eine günstige Umwelt zu, die ...

Grit Gernhardt

Riestern schwächt die Konjunktur

An die Sicherheit der gesetzlichen Rente glauben viele Deutsche schon lange nicht mehr. Dass aber die kapitalgedeckte Riester-Rente eine riskante und für die Gesamtwirtschaft zudem noch schädliche Alternative ist, hat das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung (IMK) jetzt in einer Modellstudie herausgefunden.

ndPlusJörg Meyer und Aert van Riel

Studierende wollen mehr als Reformen

Die Studierenden streiken wieder. Bundesweit sind Universitäten besetzt. Für heute sind im ganzen Land Demonstrationen und Aktionen angekündigt. Das Verständnis aus der Politik sei »geheuchelt«, sagen Vertreter der Studierenden.

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Susanne Götze

Ein Klima der Unterernährung

Klima- und Hungerkrise sind für die Welternährungsorganisation FAO immer noch zwei Paar Schuhe. Dabei liegt seit 2008 der Weltagrarbericht mit Vorschlägen für eine nachhaltige Landwirtschaft vor. Dadurch sollen Regionalität und ökologische Produktion gestärkt sowie Treibhausgase einspart werden. Doch die FAO-Verantwortlichen setzen in der Mehrheit auf Effizienzsteigerungen.

Wenn das Einkommen nicht reicht, entsteht Hunger

Wenn das Einkommen nicht reicht, entsteht Hunger

n dem dreitägigen Weltgipfel für Ernährungssicherheit der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom, der noch bis Mittwoch dauert, nehmen rund 60 Staats- und Regierungschefs der 192 FAO-Mitgliedsstaaten teil. Mit dem Politikwissenschaftler Michael Windfuhr, der bei »Brot für die Welt« das Menschenrechtsreferat leitet und zuvor Generalsekretär der Menschenrechtsorganisation für das Recht auf Nahrung FIAN war, sprach für ND Martin Ling über Konzepte der Hungerbekämpfung und Gipfelerwartungen.

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Andreas Förster, Paris

Die »Unsichtbaren« spielen nicht mehr mit

Seit nunmehr einem Monat erlebt die französische Hauptstadt einen so zähen Streik wie lange nicht mehr: Mehr als 5000 Beschäftigte haben in nicht weniger als 1500 Unternehmen die Arbeit niedergelegt. Um Löhne oder Sozialpläne geht es den Streikenden nicht in erster Linie – sie fordern Aufenthaltspapiere.

Rechte Randale im Rotkäppchenland
ndPlusJulian Nestor

Rechte Randale im Rotkäppchenland

Die Region südlich von Kassel, durchflossen von Schwalm und Eder, wirbt mit dem Rotkäppchen. Der Bezug ist ein doppelter. In dieser nordhessischen Gegend haben die Brüder Grimm viele ihrer Märchen gesammelt und aufgeschrieben. Eines davon ist die Geschichte »Rotkäppchen und der Wolf«. In der Kulturlandschaft Schwalm trugen junge Mädchen und Frauen Trachtenkleidung mit eben jener roten Kopfbedeckun...

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ndPlusRoland Etzel

Verzweiflungsschritt

Verzweiflung und Ratlosigkeit müssen groß sein im Lager von Mahmud Abbas. Was verspricht sich der Palästinenser-Präsident davon, wie schon einmal Ende August, die Ausrufung eines Staates anzukündigen? Da er sich damit – in welcher Form auch immer – an den UNO-Sicherheitsrat wenden will, in dem bei jeder gegen Israel gerichteten Aktivität wie selbstverständlich ein US-Veto folgt, ist ei...

ndPlusUwe Kalbe

Fass ohne Boden

Warum sollte Rainer Brüderle plötzlich soziale Anwandlungen verspüren? Jetzt, da er sich durch die Verleihung nicht irgendeines, sondern des Wirtschaftsministeramtes geadelt sieht, dürfte es wohl keinen Grund für ihn geben, die sozialdarwinistischen Ansichten der Liberalen über Bord zu werfen. Es ist also folgerichtig, wenn Brüderle gegen Staatshilfen für GM bei der Sanierung von Opel ist. Schließ...

Jürgen Amendt

Gipfelritual

Es ist schon zu einem Ritual geworden: Kaum hat das Wintersemester begonnen, rumort es an den deutschen Hochschulen (Phase eins). Das Ritual bleibt aber keinesfalls auf die Studierenden beschränkt, es kennt noch andere Akteure: Zum einen die Bildungspolitiker, die gebetsmühlenartig erklären, die Studentinnen und Studenten hätten ja recht mit ihrer Kritik an den schlechten Studienbedingungen, zum a...

ndPlusAndreas Knudsen

Staatsmanager

Da sich der schwedische Energieriese Vattenfall in Staatsbesitz befindet, gibt es politische Grenzen für Entscheidungen des Managements. Das bekam nun Konzernchef Lars G. Josefsson zu spüren. Seine Verpflichtung gegenüber den deutschen Behörden, Vattenfall hafte unbegrenzt für Unfälle in seinen norddeutschen Uralt-AKW, war zuviel. Zumal er kurz zuvor eigenmächtig angekündigt hatte, das schwedische...

Viren als Popstars
Brigitte Zimmermann

Viren als Popstars

Fachwissen ist derzeit auch nicht mehr das, was es früher mal war. Nicht wenige, die heute zum Arzt gehen, treten das Gespräch im Besitz einer fertigen Diagnose an. Im Internet unter Eingabe sämtlicher Symptome erstellt. Und die medizinischen Abteilungen aller Ebenen begegnen Patienten oft kaum noch mit Diskretion, sondern mit dem Gegenteil davon. Ob es um Schweine- und Vogelgrippe, um Depressione...

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Für Bosse kein absolutes Auskunftsrecht

Berlin (dpa/ND). Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger (FDP) hält ein Arbeitnehmer-Datenschutzgesetz für dringend erforderlich. »Wir brauchen eine sicherere Rechtsgrundlage. Wir sollten alles dafür tun, um die Grauzonen zurückzuführen«, sagte sie am Montag im Deutschlandradio Kultur mit Blick auf die Debatte über Bluttests bei Neueinstellungen. Die Arbeitgeber hätten »kein abs...

Abstimmung gegen Afghanistan-Krieg

Kassel (ND). Mit einer bundesweiten Abstimmungsaktion will die Friedensbewegung den Druck auf den Bundestag erhöhen, einer weiteren Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan nicht zuzustimmen. Bei den Abstimmungen soll der Bevölkerung die Frage vorgelegt werden: »Sind Sie für die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan?« »Der Afghanistan-Krieg geht inzwischen in sein neuntes ...

Westerwelle bleibt im Fall Steinbach hart

Berlin (epd/ND). Im Streit um die Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach will Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hart bleiben. Er sagte am Montag in Berlin, als Außenminister könne er keine Entscheidung treffen, die der Versöhnung mit Polen entgegenstehe, und er werde sie auch nicht treffen. Der Bund der Vertriebenen (BdV) wollte unterdessen nicht bestätigen, dass er die Nominierung seiner Pr...

ndPlusFabian Lambeck

Wohlfahrt auf Ein-Euro-Basis

Wer glaubt, dass Wohlfahrtsverbände oder Sportvereine ihre Angestellten besser bezahlen als gewinnorientierte Unternehmen, der irrt gewaltig. Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) zeigt, dass vor allem in Ostdeutschland viele Vereinsmitarbeiter nur Ein-Euro-Jobber sind. Zudem sind Teilzeitjobs und befristete Beschäftigungen auf dem Vormarsch.

Marcus Meier

Stimmensuche macht erfinderisch

Auch in den Stadträten Nordrhein-Westfalens wird die Mehrheitsbildung immer schwieriger. Das bringt die LINKE zunehmend ins Spiel, wie die Beispiele Köln, Duisburg, Solingen und Essen zeigen.

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Auch CSU will sich reformieren

München (AFP/ND). Die CSU plant als Konsequenz aus dem Debakel bei der Bundestagswahl eine Parteireform. In den kommenden zwölf Monaten solle offen über die nötigen Veränderungen in der Parteistruktur diskutiert werden, sagte CSU-Chef Horst Seehofer am Montag nach einer Vorstandssitzung in München. »Wir werden mit voller Kraft jetzt die Parteireform durchführen.« Um schneller als die bereits beste...

ndPlusRené Heilig

»P-Schüler« als Jubel-Füller

Nichts ist so peinlich, als dass nicht irgendein Depp dieselbe Peinlichkeit noch einmal erfinden möchte. Da hat sich doch tatsächlich die Berliner Staatskanzlei-Chefin an den Innenstaatssekretär gewandt, um sich alle nur verfügbaren Berliner Polizeischüler auszuborgen. Als »Stabilisatoren« sollten sie sich bei der Jubelfeier zum 20. Jahrestag des Mauerfalls zwischen Volk und Potentaten stellen. In...

Harsche Kritik an Klimagipfel-Zielen

Berlin (dpa/ND). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will weitere Rückschläge bei den internationalen Verhandlungen um den Klimaschutz verhindern und deshalb am UN-Klimagipfel in Kopenhagen teilnehmen. »Wir dürfen die Messlatte jetzt nicht zu niedrig hängen, sondern müssen Kopenhagen zu einem wichtigen Meilenstein machen hin zu einem entscheidenden Abkommen im nächsten Jahr«, sagte Vize-Regierungs...

SPD sortiert sich nach Parteitag neu

Die SPD will in vier Jahren die Regierungsmacht im Bund zurückerobern und dafür erst einmal die Partei neu organisieren. Glaubwürdigkeitsprobleme nach dem Dresdner Parteitag der Sozialdemokraten am Wochenende sieht die LINKE.

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Hamas kontra Fatah-Vorstoß

Gaza (dpa/ND). Die radikal-islamische Hamas hat den Vorstoß der rivalisierenden Fatah zurückgewiesen, einseitig einen unabhängigen Palästinenserstaat auszurufen. Ein Hamas-Führer teilte am Montag in Gaza mit, eine solche Erklärung sei bedeutungslos. Es handele sich lediglich um einen Versuch der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, den Misserfolg der Friedensbemühungen zu ve...

Entschuldigung bei den »Vergessenen«

Mit einer bewegenden Rede hat sich der australische Regierungschef Kevin Rudd am Montag für die jahrzehntelange Misshandlung und Vernachlässigung von einer halben Million Kindern in Heimen entschuldigt.

Iran reagiert positiv auf Vorschlag

Teheran/Istanbul (dpa/ND). Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat im Atomstreit positiv auf ein Kompromissangebot reagiert, bei dem iranisches Uran in der Türkei zwischengelagert werden soll. Als befreundetes Land könne die Türkei eine »positive und konstruktive Rolle spielen«, wurde Ahmadinedschad am Montag in Teheran zitiert. Der Präsident bekräftigte demnach aber auch, dass sein Land...

ndPlusManola Romalo

Ehre für Honduras' Regimechef

Honduras' Putschistenchef Roberto Micheletti ist zum Vizepräsidenten der Weltorganisation der Liberalen gekürt worden. Ein Schlag ins Gesicht der demokratischen Kultur.

»Majestätisches Land«

US-Präsident Barack Obama hat zu Beginn seines ersten Besuchs in China die Einhaltung der »universellen« Menschenrechte eingefordert.

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Karin Leukefeld

Assad bei Sarkozy: »Syrien hat Rechte«

Bei einem Besuch in Paris bezeichnete der syrische Präsident Bashar al-Assad Israels Aufruf zur Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen als »Wortspielerei«.

ndPlusErhard Crome

Debatte über Alternativen zur NATO

»Perspektiven für eine sichere Welt. Alternativen zur NATO«, so lautete der Titel der internationalen außenpolitischen Konferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung am Wochenende in Berlin.

ndPlusRalf Streck, San Sebastian

Verzicht auf jede Gewalt gefordert

Genau fünf Jahre nach dem Friedensvorschlag der damals bereits verbotenen baskischen Partei Batasuna (Einheit) legte die baskische Linke am 14. November erneut eine Initiative vor, die der friedlichen Lösung des Konflikts um das Baskenland dienen soll.

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Länder streiten mit Brüderle

München/Erfurt (Agenturen/ND). Die Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Opel-Standorten haben Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) wegen seiner Absage an staatliche Hilfen für General Motors kritisiert. Es sei »nicht akzeptabel, wenn die Bundesregierung aus Absprachen ausschert, die wir erst vor zehn Tagen getroffen haben«, sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck ...

Offshore-Windpark ist komplett

Borkum/Oldenburg (dpa/ND). Deutschlands erster Offshore-Windpark in der Nordsee ist komplett: Die zwölfte und letzte Anlage für den Test-Windpark »alpha ventus« vor der Küste stehe nach sieben Monaten Bauzeit, teilten die Betreiber am Montag mit. Für das 250 Millionen Euro teure Pilotprojekt hatten sich die Energieversorger EWE, E.on und Vattenfall verbündet. »Alpha ventus« soll jährlich eine Stro...

Pannen-Show bei EADS geht weiter

Amsterdam/München (dpa/ND). Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS leidet unter Pannen bei seinen Airbus-Großprojekten, der schlechten Nachfrage und dem schwachen US-Dollar. Besonders der um Jahre in Verzug geratene Militärtransporter A400M könne noch deutliche Ergebnisbelastungen verursachen, teilte das Unternehmen am Montag in Amsterdam mit. Eine Gewinnprognose für 2009 sei daher schlicht nicht mög...

ndPlusHermannus Pfeiffer

Jagd auf Versicherte

Auch in diesem Herbst kämpfen die Autoversicherer mit großem Werbeaufwand um neue Kunden. Dies ist Ausdruck eines seit Jahren tobenden Preiskampfs in der Branche. Doch nicht jeder Anbieter macht mit.

Hans-Gerd Öfinger

IG Metall sucht Wege aus der Krise

Die IG Metall beriet zusammen mit Betriebsräten, wie der bevorstehenden Entlassungswelle in der Branche begegnet werden könne.

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Nord-Süd - Tipps

HEUTE IN OSNABRÜCK – »Neosandinismus im Jahr 20 nach der Niederlage«. Nach der Niederlage der Sandinisten 1990 wurde Nicaragua nach 17 neoliberalen Jahren ein ganz normales Land in einer globalisierten Welt. Wie Erfolg versprechend sind die Handlungsansätze der 2007 neu gewählten neosandinistischen Regierung? Referent: Klaus Heß, Informationsbüro Nicaragua, 19.30 Uhr, Haus der Volkshochschul...

ndPlusJim Lobe, Washington (IPS)

Bestnote für norwegische Hilfseinsätze

Norwegen, Schweden, Irland und Dänemark haben bei einer Qualitätsprüfung ihrer humanitären Einsätze in Krisenregionen im vergangenen Jahr die ersten vier Plätze errungen. Deutschland hingegen, das sich als einer der wenigen westlichen Geberstaaten ein eigenständiges Entwicklungsministerium leistet, rangiert auf dem 16. von insgesamt 23 Plätzen und somit im unteren Mittelfeld. Die EU errang immerhi...

Gerhard Dilger

Klima-Achse der zarten Hoffnung

Der Klimavorstoß von Luiz Inácio »Lula« da Silva und Nicolas Sarkozy kommt zur rechten Zeit. Die Präsidenten Brasiliens und Frankreichs haben begriffen, dass man mit dem Weltklimagipfel in Kopenhagen auch punkten kann. Geschickt verbinden sie dabei das Umweltthema mit der Nord-Süd-Frage. Damit heben sie sich erfreulich von der Funkstille aus Berlin oder Brüssel ab und von dem fatalen Signal, das d...

Bei der Einbahnstraße soll es nicht bleiben
ndPlusNicole Milkereit

Bei der Einbahnstraße soll es nicht bleiben

Knapp zwei Jahre nach dem Start des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) initiierten Freiwilligendienstes weltwärts – und genau zwanzig Jahre nach der friedlichen Revolution in Deutschland – trafen sich in Leipzig elf internationale Projektpartner von vier Kontinenten mit ostdeutschen Entsendeorganisationen.

»Der Rio Grande ist längst ein toter Fluss«

»Der Rio Grande ist längst ein toter Fluss«

Marco Antonio Arana Zegarra ist Perus derzeit wohl populärster Umweltschützer. Der Pater aus Cajamarca kämpft seit Jahren gegen die hemmungslose Ausplünderung der natürlichen Ressourcen seines Heimatlandes und die Zerstörung der Lebensgrundlage der kommenden Generationen. Derzeit ist er auf Einladung des kirchlichen Hilfswerks Misereor in Deutschland. Mit dem 47-jährigen Geistlichen, der jüngst vom Time-Magazin als »Held der Umwelt« tituliert wurde, sprach Knut Henkel

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Green Berlin

Selten kam eine Wirtschaftskonferenz derart im richtigen Augenblick wie jene 3. Berliner, die heute beginnt. »Green Berlin: Standort mit Zukunft« lautet ihr selbstbewusster Titel. Nicht minder optimistisch verkündet der Regierende Bürgermeister: »Berlin will seine Position als einer der führenden innovativen Standorte in Europa weiter ausbauen.« Das dürfte ein ganz hartes Stück Arbeit werden. Schi...

Peter Kirschey

Hassparolen über das Internet

Laut bellt »Heidi« noch ein »Heil Hitler« ins Mikrofon, um dann einen Titel des »Kommando Freisler« abzuspielen. »In Belsen, in Belsen, da hängen wir sie an den Hälsen; in Buchenwald, in Buchenwald, da machen wir die Juden kalt; in Meiderneck, in Meiderneck, da machen wir aus Juden Speck; aus Judenhaut aus Judenhaut, da wird der Lampenschirm gebaut; in Auschwitz, das weiß jedes Kind, dass Juden n...

ndPlusBernd Kammer

»Schlimmste Straße« vergessen

Den Planern der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung müssen die Ohren geklungen haben. »Verschleierungstaktik« und »Betonmentalität« wurde ihnen bei der gestrigen Anhörung zur Verlängerung der Stadtautobahn A 100 nach Treptow von betroffenen Bürgern vorgeworfen. »Sie lassen erst die Situation eskalieren, um dann mit einem Betonmahnmal die Lösung anzubieten«, so einer der Einwender. Gemeint war di...

ndPlusAndreas Heinz

Sorge über »Drehtür-Versorgung«

Zum Jubiläum präsentierte Berlins Patientenbeauftragte einen neuen Auftritt: Die vor fünf Jahren ins Amt berufene Karin Stötzner stellte gestern gemeinsam mit Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (LINKE) das Internetportal »Gesundheit in Berlin« vor. Das Neue daran: Arztpraxen, Kliniken, Hebammen oder Pflegeeinrichtungen sind nun alle miteinander verknüpft. Zuvor konnten die Adressen bei diversen...

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Zwitter zweier Kulturen
ndPlusVolkmar Draeger

Zwitter zweier Kulturen

Es hätte eine Sternstunde werden können, reichte aber nur zum Erlebnis. Drei Stars der aktuellen Theaterszene taten sich in einem Stück zusammen und fanden das passende Sujet. Das hat es in sich. Chevalier d’Éon, mit drei weiblichen und männlichen Vornamen, lebte zu über einem Drittel als Frau, brillierte als Fechter, Spion, Diplomat, Schriftsteller, galt als geistreich, bleibt bis heute ein...

ndPlusAnouk Meyer

»open mike«

Das »Ausverkauft«-Schild verwehrte am Samstag Nachmittag bereits kurz nach Beginn jedem weiteren Besucher den Einlass. Auch wenn »Ausverkauft« der falsche Ausdruck ist, schließlich gilt freier Eintritt beim »open mike«, dem Literaturwettbewerb für junge Autoren – aber mehr als gut 300 Menschen passen nun einmal nicht hinein, in den Saal des Kulturzentrums WABE. Lektoren, Agenten, Verleger so...

Man beißt sich so durch
Lucía Tirado

Man beißt sich so durch

Wie die Wölfe vom Felsen blicken sie auf ihr Revier hinunter. Die Pose gefällt ihnen. Was macht es da schon, dass die Rixdorfer Höhe nicht mehr als 69 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Sie lieben ihr Neukölln. Ein gemütliches Pflaster ist das nicht. Aber man beißt sich so durch. Die Neuköllner Oper zeigt als erste Musikbühne Berlins eine 75-minütige Hundeoper nicht nur für Jugendliche. Wenige Ta...

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Feuerlöscher aus Brausetabletten

Regensburg (dpa/ND). Es piepst, es blinkt, es sprudelt – und den vier- bis sechsjährigen Mädchen und Jungen macht es offensichtlich riesigen Spaß. Bei dem Projekt LITTLEtech wird den Kindern von fünf Kindergärten in Regensburg komplizierte Technik mit spielerischen Experimenten erklärt. Die Regensburger Fachhochschule (FH) will dadurch herausfinden, ob den Kleinen frühzeitig ein Interesse an...

Jan Thomas Otte, epd

Abendgebet per Mausklick

Seit einem Jahr gibt es die virtuelle St.-Georgs-Kirche. Die Betreiber bieten Seelsorge, Bibelarbeiten und Gebetsgemeinschaften an.

ndPlusMichael Schulze von Glaßer

Warmlaufen für den Tag X

Noch in diesem Jahr könnten die ersten Atommülltransporte ins atomare Zwischenlager Ahaus fahren. Anti-Atom-Initiativen aus dem Münsterland bereiten derzeit Protestaktionen vor.

Punker, Golfer und Angler
ndPlusAndreas Heinz

Punker, Golfer und Angler

Schon der österreichische Liedermacher Wolfgang Ambros textete: »Es lebe der Zentralfriedhof ...« Diese Worte haben in abgewandelter Form heute noch Gültigkeit. Die Friedhofsgärtner gruben die Textzeile aus dem Jahr 1975 für ihre Imagekampagne aus und überschrieben sie »Es lebe der Friedhof – Friedhofsgärtner können mehr!« Die im Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF) organisierten Pflanzerin...

Seite 14
ndPlusAndreas Fritsche

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

46,2 Prozent der Bundesbürger meinen, dass die SPD wegen der rot-roten Koalition in Brandenburg eher weniger glaubwürdig sei. 29,1 Prozent der 1002 Befragten glauben, dass die Glaubwürdigkeit der Bundes-SPD nichts mit Rot-Rot zu tun habe. Zwölf Prozent sehen einen Zuwachs an Glaubwürdigkeit und 12,6 Prozent geben keine Antwort. So lautet das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts U...

Andreas Fritsche

Die Nächste bei den Grünen

Die Frauen in der Doppelspitze der brandenburgischen Grünen hielten es zuletzt nie lange auf ihrem Posten aus. »Ich möchte beweisen, dass die Frau auch länger als zwei Jahre im Amt bleiben kann«, sagt deshalb Annalena Baerbock. Eine Delegiertenkonferenz in Angermünde wählte die 1980 in Hannover Geborene am Sonnabend zur Landesvorsitzenden. Ihre drei Vorgängerinnen harrten alle nicht länger als zwe...

Matthias Petry, dpa

Bierflucht nach Bayern

Salzburg/Freilassing. Für billigeres Bier kommen die Österreicher in Scharen nach Bayern. Besonders an österreichischen Feiertagen, die im Freistaat keine sind, wimmeln die Parkplätze von Einkaufsmärkten im Grenzgebiet nur so von Salzburger und Oberösterreicher Nummernschildern. »Meine Kundschaft besteht zu 70 bis 80 Prozent aus Österreichern«, schätzt Anton Hofreiter, der einen grenznahen Getränk...

ndPlusGrit Büttner, dpa

Dauerholz aus der Panzerhalle

Mit Paraffin getränkt, können einheimische Hölzer genauso hart wie Teak werden. In Mecklenburg stellt eine kleine Firma bereits 10 000 Kubikmeter Dauerholz pro Jahr her.

ndPlusDaniela Kühn, dpa

Rivalen im Spreewaldkahn

Der Spreewald will sein Image als beliebtes Tourismusziel weiter verbessern und die Gäste länger in der Region halten. Einen Beitrag dazu sollen Kahnfahrer leisten.

Folke Havekost, Hamburg

Lohndumping am Airport Hamburg

Die 170 Hamburger Beschäftigten des Flughafendienstleisters Acciona gehen gegen ihre drohende Arbeitslosigkeit vor. Gestern Vormittag demonstrierten 50 Beschäftigte vor der Hamburger Wirtschaftsbehörde und forderten sie zum Eingreifen auf.

Wilfried Neiße

Was wird aus der Polizeischule?

Die geplanten Personalreduzierungen im öffentlichen Dienst sollen vor der Polizei nicht Halt machen. Vor diesem Hintergrund taucht die Frage auf, ob die gerade vor drei Jahren eröffnete Polizeischule in Oranienburg als solche erhalten bleibt. Eine Zeitung hatte es bei einer Regionalkonferenz der Linkspartei in Germendorf aufgeschnappt: Linksfraktionschefin Kerstin Kaiser habe vor ihren Genossen er...

ndPlusImke Hendrich, dpa

Stapelweise Glückwünsche für den Sandmann

Vorn in der Lokomotive sitzt der kleine Traumbringer und winkt fröhlich. Seine Freunde belagern die Waggons, und auf dem Zug prangt in Kinderschrift »Sandmann-Express«. Im »Sandmann-Büro« des RBB schmücken so manche Werke der kleinen Fans die Wände, in der Ecke türmen sich Pakete und unter dem Tisch steht die prall gefüllte Postbox. Es stapeln sich die Glückwünsche und Basteleien für Deutschlands ...

Seite 15
Aus dem ewigen Frühling
Georg Leisten

Aus dem ewigen Frühling

Die Frisur sitzt: Mehrere zierlich geflochtene Zöpfe liegen über dem herunterwallenden Haar. Reiherfedern, eine Agraffe und Dutzende kleine Perlen schmücken das rötlichblonde Coiffeurkunstwerk auf dem Haupt der schönen Florentinerin. Zwei der geflochtenen Zöpfe laufen über die Schultern nach vorn, um sich über den Ausschnitt des Kleides zu legen und schließlich zusammenzutreffen – genau zwis...

ndPlusStefan Amzoll

Künstler und Hochstapler

Von Heitor Villa-Lobos (1887- 1959) sind etwa tausend Kompositionen überliefert, ein Werk, das nahezu alle Gattungen der Musik umfasst, vokale wie instrumentale, von der Popularmusik über Sinfonik bis zur Oper. Den brasilianischen Komponisten musikhistorisch einzuordnen, ist schwierig. Umso erfreulicher, dass nun eine Biografie über ihn erhältlich ist. Der Musikwissenschaftler und Romanist Manuel ...

Seite 16

Geschichte

Was passiert, wenn ein Viertel, ein Drittel der Menschen keine Chancen mehr hat? Ist die Demokratie die Wahrheit der Politik, oder ist es in Wirklichkeit der Ausnahmezustand der Gewalt, des brutalen Machtkampfes? FRANK CASTORF (Süddeutsche Zeitung)

Der Seemann und der Dandy

Seine Kunstfigur »Kuttel Daddeldu« ist legendär: Mit diesem einprägsamen Namen spielte Joachim Ringelnatz (1883-1934) seine humoristische Paraderolle eines Leichtmatrosen. Der kleine, etwas kurzsichtige Sachse war ein gefeierter Kabarettist, aber auch ein fleißiger Dichter, Schriftsteller und Maler. Privat sei er genau das Gegenteil des Matrosen Kuttel Daddeldu gewesen, sagte der Göttinger Philologie-Professor Frank Möbus in einem Interview mit der dpa. Der Literaturwissenschaftler forscht seit zehn Jahren über Ringelnatz.

Mit Beckett an die Geschichte
ndPlusThomas Irmer

Mit Beckett an die Geschichte

Was hatte man Samuel Beckett über Jahrzehnte nicht alles vorgeworfen? Pessimismus abseits der Realgeschichte und dergleichen galten als Standardurteile. Sein Klassiker »Warten auf Godot«, geschrieben 1948 – in Paris fünf Jahre später uraufgeführt, sei das große metaphysische Spiel von der Vergeblichkeit des Menschen, der auf seinen Erlöser wartet. Bis im Jahr 2002 der französische Theaterhis...

Seite 17
Die Rezension

Die Rezension

Zwei Frauen – die eine Professorin mit jahrzehntelanger Erfahrung in schulmedizinischen und komplementären Heilmethoden und die andere Autorin – haben sich mit diesem Buch vorgenommen, Frauen in Gesundheitsfragen auf Augenhöhe mit Fachleuten zu bringen. Vielleicht etwas vermessen? Nein, halten sie dagegen. Sie haben das Wichtigste zusammengestellt, sowohl über Therapie- als auch über U...

Ulrike Henning

Genetik kontra Solidarsystem?

Individualisierte Medizin wird als Konzept der Zukunft gepriesen: Möglichst viele biologische, auch genetische Daten sollen pro Patient erfasst werden und sowohl die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten als auch deren Verlauf und das Ansprechen von bestimmten Therapien vorhersagbar machen.

ndPlusAnke Nußbücker

Ergänzung für die Hausapotheke

Der Spinat hat Saison. Besonders wenn seine Blätter roh in Form eines Salates zubereitet werden, vermag das enthaltene Sekretin der Bauchspeicheldrüse frischen Schwung zu verleihen. In so mancher Nährstoffmathematik hochgejubelt und wieder heruntergespielt, hat Spinat viel mehr zu bieten als das für die Blutbildung so wichtige Eisen.

Seite 19
Oliver Händler

Betrug bestraft

Österreich hat einen mutigen Schritt im Kampf gegen Doping unternommen und das unerlaubte Nachhelfen mit leistungssteigernden Mitteln als schweren Betrug im Strafgesetz festgeschrieben. Dopern drohen damit bis zu drei Jahre Gefängnis. Zu hart? Darf nicht jeder selbst entscheiden, was er in seinen Körper spritzt? Doch, aber darum geht es nicht. Man denke nur an diejenigen, die einen Titel, eine Med...

4. Internationale ND-Damenschachgala in Berlin

4. Internationale ND-Damenschachgala in Berlin

Die 4. ND-Damenschachgala findet am Donnerstag, 26. November, im Verlagssitz von Neues Deutschland statt: Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, Beginn 15.30 Uhr. Unser internationales Spitzenquartett besteht 2009 aus: Anna Musitschuk, 19, Slowenien Internationale Meisterin 2007 und Frauen-Großmeisterin 2004, Platz 6 in der Welt, ND-Schachgala-Siegerin 2008, ELO-Zahl: 2532). Anna Scharewitsch, 23, B...

Schachprofi als legitimer Berufswunsch

Schachprofi als legitimer Berufswunsch

Dreimal hat die Schachgroßmeisterin ANNA SCHAREWITSCH schon die Frauenmeisterschaft in ihrer Heimat Belarus gewonnen: Nun möchte die 23-Jährige auch bei der ND-Schachgala vorne mitmischen. Vor dem Turnier am kommenden Donnerstag sprach mit ihr ND-Autor RENÉ GRALLA.

Alba Berlin nähert sich der Ligaspitze

Alba Berlin bleibt in der Basketball-Bundesliga in der Erfolgsspur. Der achtmalige deutsche Meister gewann am Sonntag in eigener Halle gegen Aufsteiger Phoenix Hagen klar mit 90:64 (45:30) und feierte damit den dritten Sieg in Serie. »Wir haben 40 starke Minuten gespielt und deutlich gezeigt, dass wir das bessere Team sind«, sagte Albas zufriedener Trainer Luka Pavicevic. Hagens Coach Ingo Freyer ...

ndPlusErik Eggers

Teilerfolg für Handballklubs

Ein Fanal hatten Europas führende Handballklubs in der vergangenen Woche gesetzt, als sie es ablehnten, ihre Angestellten für ein Spiel der Weltauswahl kostenfrei abzustellen. Stars wie Michael Kraus (TBV Lemgo), Thierry Omeyer, Filip Jicha, Daniel Narcisse (THW Kiel), Johannes Bitter (HSV Hamburg) oder Nikola Karabatic (HB Montpellier) – ihnen allen wurde die Reise am 2. Dezember nach Zagre...