Ausgabe vom 19.11.2009

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Unten links

Die Lufthansa will der Krise in der Luftfahrt mit mehr Plätzen in ihren Flugzeugen trotzen. Dies soll zunächst durch einen geringeren Abstand der Sitze erreicht werden. Die Lehnen werden schmaler. Neue Materialien werden eingesetzt; wahrscheinlich vor allem Gummi. Zudem kommt bislang unverzichtbares Inventar in den Maschinen auf den Prüfstand. So könnten die Küchen ausgebaut werden, wenn die Flugz...

Stimmen Sie ab!

Stimmen Sie ab!

Noch ein letztes Mal in diesem Jahr ist Ihre Stimme gefragt: Wählen Sie ND-Sportlerin, ND–Sportler, ND-Mannschaft und ND-Trainer des Jahres! Welche sportliche Leistung hat Sie 2009 besonders beeindruckt, wem soll die Sportredaktion die ND-Pokale überreichen? Auf den folgenden Seiten versuchen wir, Ihnen die Entscheidung nach diesem spannenden Sportjahr zu erleichtern, indem wir Ihnen jede Me...

ndPlusUwe Kalbe

Unversöhnlich

Die Entscheidung über Erika Steinbach ist verschoben, der Streit kann weitergehen. Der Bund der Vertriebenen hat eine Bauchlandung hingelegt beim Versuch, der Regierung in Meseberg die Pistole auf die Brust zu setzen. Das unglückliche Bild, das die Kanzlerin zwischen Westerwelle und Steinbach, FDP und CSU bietet, verbessert das allerdings nicht. Man hätte auch ein deutliches Zeichen setzen können ...

ndPlusJürgen Amendt

Schavan gibt sich lernfähig

Einen Tag nach den bundesweiten Demonstrationen gegen die Bildungsmisere an Schulen und Hochschulen zeigen die Proteste Wirkung. Einhellig begrüßt wurde dabei die Ankündigung von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), entgegen bisherigen Plänen das Bafög doch zu erhöhen.

Jan Keetman, Istanbul

Teheran antwortet mit Todesstrafen

Wegen der Proteste gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad sind in Iran bisher fünf Personen zum Tode verurteilt worden. Wie das iranische Fernsehen unter Berufung auf eine Erklärung der Staatsanwaltschaft in Teheran berichtete, wurden sie für schuldig befunden, mit »Terroristen oder der Opposition« in Verbindung gestanden zu haben. Die Todesstrafe wurde auch gegen zwölf Kurden verhängt, die bewaffneten Untergrundgruppen angehören sollen.

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Der Pokal gefällt mir noch immer

Der Pokal gefällt mir noch immer

ND: Frau Brockhaus, 2003 haben Sie den Pokal entworfen, der seitdem an die ND-Sportler des Jahres verliehen wird. Kunst und Sport, wie passt das zusammen? Brockhaus: Eigentlich ziemlich gut, denn Kunst reflektiert das Leben. Für viele Menschen gehört Sport zum Leben, für einige sogar auch zum Alltag. Der Pokal ist sozusagen ein künstlerischer Beitrag, der das greifbar macht. Treiben Sie selbst Spo...

Kandidaten für den Ratsvorsitz

Jean-Claude Juncker, christdemokratischer Premier Luxemburgs, gilt als Vorzeigeeuropäer und hat mehrfach in Konflikten in der EU vermittelt. Allerdings wird ihm wegen Differenzen insbesondere in der Steuer- und Finanzpolitik ein gespanntes Verhältnis zu Nicolas Sarkozy und Angela Merkel nachgesagt. Tony Blair war von 1997 bis 2007 britischer Regierungschef. Während sich Frankreich und Deutschland ...

So eine Publikumswahl ist einfach schön

So eine Publikumswahl ist einfach schön

Vor zwei Jahren wählten die ND-Leser sie zum zweiten Mal zur Sportlerin des Jahres, nun ist sie die Schirmherrin der diesjährigen Umfrage: Diskuswerferin Franka Dietzsch aus Neubrandenburg. ND verriet die 41-Jährige dreifache Weltmeisterin, wie es beruflich weitergeht, wie sie abtrainiert und warum die Athleten solche Sportlerehrungen besonders schätzen.

ndPlusOlaf Standke

Die Suche nach dem Reset-Knopf

Kaum vier Stunden standen gestern in Stockholm dem EU-Russland-Gipfel zur Verfügung. Dabei im Mittelpunkt: Klima- und Handelsfragen.

Pokerspiel um Spitzenjobs
ndPlusUwe Sattler

Pokerspiel um Spitzenjobs

Ratspräsident und »Außenminister« – über die Besetzung dieser mit dem Lissabon-Vertrag eingeführten Posten entscheiden heute die Staats- und Regierungschefs. Dabei prallen unterschiedliche Interessen aufeinander.

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René Heilig

Eine neue Schweinerei hat nicht stattgefunden

Die schwarz-gelbe Regierung hat bei ihrer Klausur auf Schloss Meseberg Leitlinien für das erste Jahr der Gemeinsamkeit festgelegt. Union und FDP wollen bei Steuern und Haushalt rasch Nägel mit Köpfen machen, vorbereitet wird ein Energie-Konzept mit der Kraft des Atoms und auch die Gesundheitsreform soll angegangen werden. Für den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan soll eine neue Strategie kommen – so Obama will.

Auf den Spuren von einstigen Umfragesiegern
ndPlusJürgen Holz

Auf den Spuren von einstigen Umfragesiegern

Seit 1998 hat Neues Deutschland im Auftrag seiner Leserinnen und Leser insgesamt 33 Sportlerinnen, Sportler und Mannschaften des Jahres sowie neun Trainer geehrt und zehn ND-Sonderpreise verliehen. Etliche der Besten der Besten von einst sind mittlerweile als Aktive abgetreten. ND begab sich dieser Tage auf die Spuren früherer Umfragesieger.

Blick zurück ohne Zorn
Hendrik Lasch

Blick zurück ohne Zorn

Als junger Zwangsarbeiter kam Jakow Nepotschatow ins KZ Dora-Mittelbau. Er überlebte die Hölle und beschloss, nie mehr nach Deutschland zurückzukehren – bis ihn ein Dresdner Verein doch zu später Aussöhnung bewog.

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Gysi weist Ramelow zurecht

Berlin (AFP/ND). In der Linkspartei ist Streit über die Frage entbrannt, ob über eine Nachfolge für den an Krebs erkrankten Parteichef Oskar Lafontaine diskutiert werden sollte. Linksfraktionschef Gregor Gysi wies am Mittwoch vor Journalisten in Berlin Überlegungen des Thüringer LINKEN-Fraktionsvorsitzenden Bodo Ramelow zurück, die Partei müsse sich auf einen Wechsel an der Spitze vorbereiten. »He...

Bis Anfang 2010 keine Extrabeiträge

Köln (epd/ND). Trotz eines für 2010 erwarteten Fehlbetrags von 3,6 Milliarden Euro im Gesundheitsfonds wollen die großen Krankenkassen und die meisten Betriebskrankenkassen zunächst keine Zusatzbeiträge von den Versicherten verlangen. Die DAK, die fusionierte Barmer/Gmünder Ersatzkasse, die Techniker Krankenkasse sowie die AOK Rheinland/Hamburg und die AOK Sachen-Anhalt schlossen laut einer Umfrag...

Hans-Gerd Öfinger

Streik ist Grundrecht auch für Lehrer

Die neu aufgeflammten Bildungsproteste der letzten Tage werden am heutigen Donnerstag ein parlamentarisches Nachspiel haben und Gegenstand einer Aktuellen Stunde im hessischen Landtag in Wiesbaden sein. Dies geschieht auf Antrag der Linksfraktion.

Fabian Lambeck

Deutschland – das Land der Hochbetagten

Erstmals wagte das Statistische Bundesamt (Destatis) einen Blick ins Jahr 2060. Die am Mittwoch vorgestellten Ergebnisse sind alles andere als ermutigend: Deutschlands Bevölkerung wird dramatisch schrumpfen. Zudem vergreist die Republik: Jeder siebte Bundesbürger wird dann älter als 80 Jahre sein.

Oliver Hilt, Saarbrücken

Lafontaine las Müller die Leviten

Mit Spannung erwartete die Öffentlichkeit die Sitzung des saarländischen Landtags am Mittwoch. Tags zuvor war die Erkrankung von Linksparteichef Oskar Lafontaine bekannt geworden, dessen Auftritt in Saarbrücken angekündigt war.Einen Tag vor seiner geplanten Krebsoperation hat der Vorsitzende der LINKEN und Fraktionschef im saarländischen Landtag, Oskar Lafontaine, die schwarz-gelb-grüne Landesregi...

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Prozess gegen Kosovo-Agenten des BND

München (ND). Vor dem Oberlandesgericht München begann am Mittwoch ein Prozess gegen einen BND-Agenten und seinen in Kosovo angeworbenen Dolmetscher. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 42-jährigen Anton Robert K. den Verrat von Staatsgeheimnissen in besonders schwerem Fall vor.Doch den zu beweisen, wird schwer fallen. Hintergrund ist eine Liebesgeschichte. Der BND-Mann hat sich bei seinem Einsatz in...

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Israel plant Ausbau der Siedlungen

Washington/Jerusalem (dpa/ND) Neue jüdische Bauvorhaben in Jerusalem sind auf massive Kritik sowohl der USA als auch der Vereinten Nationen gestoßen. In ungewohnt scharfer Form reagierte das Weiße Haus, das sich »bestürzt« über den Plan zeigte, der die Bemühungen um Friedensverhandlungen erschwere. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon betonte, der Bau auf besetztem Palästinensergebiet sei illegal. »Der ...

Dänische Parteien weiter Kopf an Kopf
Andreas Knudsen, Kopenhagen

Dänische Parteien weiter Kopf an Kopf

Die dänische Sonntagsfrage deutet seit zwei Jahren auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen bürgerlichem und Mitte-Links-Lager. Das Folketing wird aber erst 2011 wieder gewählt. Deshalb wurde den Kommunalwahlen am vergangenen Dienstag landespolitisch höheres Gewicht beigemessen.

ndPlusJan Keetman, Istanbul

Kurden in der Türkei müssen Geduld haben

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte der Türkei sechs Monate lang vorenthalten, auf welche Weise er das Kurdenproblem lösen will. Am vergangenen Freitag wollte die Regierung in einer Parlamentsdebatte die Karten endlich auf den Tisch legen.

Zwei-Staaten-Lösung ist die einzige Option

Zwei-Staaten-Lösung ist die einzige Option

Die palästinensische Autonomiebehörde sucht derzeit nach internationaler Unterstützung für einen künftigen palästinensischen Staat in den Grenzen von 1967. Da Israelis und Palästinenser nicht in einem Staat zusammenleben könnten, gebe es keine Alternative zur Zwei-Staaten-Lösung, sagte der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat. Mit ihm sprachen kurz vor den gestern verkündeten Plänen Israels zu weiteren illegalen Siedlungsbauten Jerrold Kessel und Pierre Klochendler (IPS).

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Gebäude sollen Energie einsparen

Brüssel (AFP/ND). In der EU gelten ab Ende 2020 neue Energieregeln für Gebäude. Neubauten müssten dann sehr hohe Energieeffizienz aufweisen und ihre Energie in hohem Maß aus erneuerbaren Quellen decken. Vertreter des Europaparlaments und der Mitgliedstaaten hatten sich am Dienstagabend darauf geeinigt, die offizielle Verabschiedung steht aber noch aus. Ab Ende 2020 soll es nur noch solche Neubaute...

ndPlusAndreas Knudsen, Kopenhagen

Gastgeber mit geringen Ambitionen

Knapp drei Wochen vor Beginn der Weltklimakonferenz in Kopenhagen trafen sich Umweltminister aus 40 Industrie- und Schwellenländern in der dänischen Hauptstadt. Themen der zweitägigen Beratungen, die am Dienstag zu Ende gingen, waren die Reduzierung des CO2-Ausstoßes der Industrieländer sowie Soforthilfen für arme Staaten. Hier gibt es aber noch immer keine verbindlichen Zusagen. »Der Geist der Vo...

Klimawandel bedroht Kampf gegen Armut

Genf (epd/ND). Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) hat vor den katastrophalen Folgen der Erderwärmung für die Armen gewarnt. »Der Klimawandel könnte die hart errungenen Entwicklungsgewinne der letzten Jahrzehnte umkehren«, heißt es im neuen Weltbevölkerungsbericht, den die Organisation am Mittwoch in Genf vorstellte.Durch Wassermangel, verursacht durch die Erwärmung, drohten der L...

ndPlusWolfgang Ewert

Wege aus der Mehrwegkrise

Trotz der seinerzeit eingeführten Pfandpflicht für Einwegbehältnisse für Getränke nimmt der Marktanteil umweltschädlicher Getränkeverpackungen unverändert zu. Mit jährlich rund 400 000 Tonnen Plastikmüll und anderthalb Millionen Tonnen Treibhausgasen sind die Auswirkungen auf die Umwelt gravierend. Eine zusätzliche Materialsteuer wäre ein Ausweg aus dieser Mehrwegkrise, so das Ergebnis einer Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Naturschutzbund Deutschland (NABU), die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Ulrike Henning

Bei Pflegekosten fehlt Transparenz

Die Deutschen altern gesünder – das war die gute Nachricht bei der Vorstellung des jährlichen Pflegereports der Gmünder Ersatzkasse (GEK) am Mittwoch in Berlin. Aufgedeckt wurden aber auch auffällige regionale Unterschiede bei den Kosten sowie in der fachärztlichen Versorgung in Pflegeheimen.

Sieger und Platzierte seit 1998
ndPlusJürgen Holz

Sieger und Platzierte seit 1998

Vor elf Jahren hatte die ND-Sportlerwahl unter den Leserinnen und Lesern des ND Premiere. Dabei hat es bis heute drei Dreifach-Gewinner gegeben: die Rennkanutin Birgit Fischer aus Brandenburg, erfolgreichste deutsche Olympionikin aller Zeiten, der Nordisch-Kombinierer Ronny Ackermann aus Oberhof und die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen. Zur traditionellen ND-Wahl der Sportlerin, des Sportlers und der Mannschaft des Jahres kam 2000 die Wahl des Trainers des Jahres hinzu. Und seit 2000 kennzeichnet eine Besonderheit die jährliche ND-Umfrage: die Verleihung des ND-Sonderpreises. Hier ehrten wir zum Auftakt eine erfolgreiche Nachwuchsmannschaft, suchten danach einen erfolgreichen Nachwuchssportler, fragten nach Männern und Frauen, die sich im Ehrenamt auszeichnen, und nach dem Sportlehrer oder der Sportlehrerin des Jahres. 2004 rückten wir die Freizeit- und Breitensportler »Aktive 50 plus« ins Blickfeld. 2005 vergaben wir den Sonderpreis für eine ungewöhnliche Leistung an den querschnittsgelähmten Cottbuser Turner Ronny Ziesmer. Danach ehrten wir den »Sponsor mit Herz«, das Nachwuchs-Ass bis 16 Jahre und kürten schließlich im vergangenen Jahr die aktive Laufgruppe. Ein Novum hat es bei der Wahl 2006 gegeben, als alle vier ND-Pokale ausschließlich an den Biathlonsport vergeben wurden. Umfragesieger waren damals Kati Wilhelm (Zella-Mehlis), Sven Fischer (Oberhof), die Männerstaffel mit Fischer, Ricco Groß (Ruhpolding), Michael Rösch (Altenberg) und Michael Greis (Nesselwang) sowie Männer-Bundestrainer Frank Ullrich aus Suhl.

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Kurt Stenger

Schicksal der Realpolitik

Die Frage ›Energiemix im Lande Brandenburg‹ wird die Braunkohleverstromung über einen längeren Zeitraum beinhalten«, sagt der neue linke Wirtschaftsminister Ralf Christoffers. »Und dazu werden wir die notwendigen Voraussetzungen selbstverständlich schaffen.« Vor den Landtagswahlen hatten die bisherigen Koalitionäre aus SPD und CDU solche Aussagen gepachtet. Nun aber stößt der neue Ko...

ndPlusIngolf Bossenz

Der dritte Reiter

Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd. Und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte eine Stimme unter den vier Tieren sagen: Ein Maß Weizen um einen Groschen und drei Maß Gerste um einen Groschen ...« Die Gestalt auf dem Rappen ist der dritte der vier apokalyptischen Reiter aus der Offenbarung des Johannes. Er symbolisiert den Hunger und das, was diesen maßgeblich verur...

Roland Etzel

Jerusalem-Amnesie

Die Bestürzung über die israelischen Landnahmebeschlüsse im arabischen Teil Jerusalems, die das Weiße Haus gestern den Medien mitteilen ließ, klingt reichlich bemüht. Es mag wohl sein, dass Obama alles andere als glücklich darüber ist, von seinem Nahostpartner Israel zum wiederholten Male am Nasenring durch die Nahostarena geführt zu werden. Doch hat Netanjahu jetzt lediglich ausgesprochen, was er...

ndPlusMartin Ling

Terrorpate

Für viele in Afrika und vor allem im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist es die beste Nachricht seit langem: Ignace Murwanashyaka sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft – wie auch sein Stellvertreter Straton Musoni. Es sei unfassbar, dass die FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas) unbehelligt aus Deutschland gesteuert werde, so Liberata Mulamula Ende August gegenüber ND....

Eine Steuer gegen Armut?

ND: Eine von Attac mit initiierte Online-Petition fordert von der Bundesregierung die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Geht das überhaupt in einem Land? von Larcher: Ja, als Börsenumsatzsteuer. So etwas gibt es auf dem Finanzplatz London und auch in New York. Aber es wird natürlich erst richtig sinnvoll, wenn man eine Transaktionssteuer international bzw. in der Euro-Zone einführt. Ist m...

Seite 9

Teures, klares Wasser

Alles so schön bunt hier – hält man die neue Broschüre der Unternehmen RWE Aqua und Veolia Wasser zur Geschichte der zehnjährigen Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe in den Händen, blendet der Hochglanzdruck förmlich. Aber nicht nur das teure Papier und das Layout versuchen zu beeindrucken, ähnlich hochtrabend kommt auch die Sprache der Unternehmensschrift daher: »Know-how-Transfe...

Jörg Meyer

Verbrauch hoch = Preise runter

Zehn Jahre Teilprivatisierung des Berliner Wassers: Grund genug für die Konzerne RWE Aqua und Veolia, die zusammen 49,9 Prozent an den Berliner Wasserbetrieben (BWB) halten (50,1 Prozent hält das Land Berlin), Bilanz zu ziehen. Sie beauftragten das Wissenschaftliche Institut für Forschung und Kommunikationsdienste (WIK) damit, eine Studie zu den Ergebnissen zu erstellen. Viele der gängigen Vorurte...

Nicolas Šustr

Einmal Tempelhofsee mit Grillplatz

»Das Tempelhofer Feld bewegt die Bürgerinnen und Bürger«, sagt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Damit meint sie weder den frühsommerlichen Besetzungsversuch linker Aktivisten noch jene unverdrossenen Schließungsgegner, die die Hoffnung noch nicht sterben lassen wollen. Es geht vielmehr um die seit Monaten laufende Bürgerbefragung zur künftigen Gestaltung der Parkanlagen auf dem ehemaligen Flugf...

Seite 10

Hamlet im Widerstand

(dpa). Ernst Lubitschs Anti-Hitler-Filmgroteske »Sein oder Nichtsein« von 1942 gilt längst als Klassiker der Filmgeschichte mit Kultstatus. Jetzt kommt die Geschichte wieder einmal in einer Theaterversion auf die Bühne. Im Deutschen Theater in der Berliner Schumannstraße hat an diesem Freitag die Inszenierung von Rafael Sanchez, der gemeinsam mit Barbara Weber das Theater Neumarkt in Zürich leitet...

ndPlusVolkmar Draeger

Wilhelm Groener

Ins Mystische driften mit ihrer neuen Produktion im Ballhaus Ost Wilhelm Groener ab. Viel Dunkelheit gilt es zu durchschauen und sich auf die kontemplative Stimmung einzulassen. Der Titel »Am Anfang war das Ende« klingt paradox und assoziiert den ersten und den letzten Buchstaben des griechischen Alphabets, das Alpha und das Omega, die in der christlichen Lehre für Anfang und Ende der Welt stehen....

Brodelnde Kraft der Zerstörung
Karin Schmidt-Feister

Brodelnde Kraft der Zerstörung

Zwei Wochen nach ihrer dritten Brasilien-Tournee kehrte die renommierte Compagnie um die griechische Choreografin Tuola Limnaios und den Berliner Komponisten Ralf R. Ollertz in ihr Domizil, die Halle Tanzbühne in Prenzlauer Berg, zurück und präsentierte am vergangenen Freitag die stark akklamierte Uraufführung von »wound«. Die neue Arbeit bestätigt wie im besten Sinne eingespielt dieses internatio...

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Ein Dschungel aus Eis

Rövershagen (dpa/ND). An Palmen aus Eis arbeitet Eckhard Labs im Tiefkühlhaus in »Karl's Erlebnis-Dorf« in Rövershagen bei Rostock. Die Installation soll Teil der Eisskulpturenausstellung zum Thema Dschungel werden, deren Eröffnung am 25. Dezember 2009 geplant ist. Zu der von 15 Künstlern gestalteten Eislandschaft gehören zehn Großprojekte. Eisskulpturen werden in der Regel auf der Basis von Vorla...

ndPlusReimar Paul

Atomendlager als Privatsache

Steht ein Betreiberwechsel im Gorlebener Erkundungsbergwerk bevor? Atomgegner befürchten, dass die Suche nach einem atomaren Endlager faktisch privatisiert werden könnte.

ndPlusGeorg Ismar, dpa

Streit um Druckraum rüttelt an Überzeugungen

Begeistert war Cem Özdemir nicht. Im Haus des Grünen-Vorsitzenden am Kottbuser Tor in Berlin-Kreuzberg sollte eine Fixerstube für Heroinabhängige eingerichtet werden. »Die Mehrheit meiner Nachbarn sagt: Hinter dem Haus ist ein Spielplatz und ein Kindergarten. Das ist nicht die beste Adresse für einen Druckraum«, meinte Özdemir, der darauf achtete, sich nicht persönlich die Finger zu verbrennen. Fü...

Andreas Heinz

Raus aus dem Schuldturm

Die Schulden türmen sich, die finanzielle Situation erscheint aussichtslos, die Schuldenspirale dreht sich, wegen der Sorgen darum können psychische und physische Probleme auftreten und auf Dauer krank machen. Seit zehn Jahren wird Privatleuten Hilfe angeboten, um einen Weg aus dem Schuldturm zu finden: das Verbraucherinsolvenzverfahren. Gestern zog die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Schuldner- u...

Kein VEB und keine Alu-Chips
ndPlusWilfried Neiße, Potsdam

Kein VEB und keine Alu-Chips

Mit dem Amtsantritt der rot-roten Koalition in Brandenburg ist aus Sicht von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ein neues Kapitel der Landesgeschichte aufgeschlagen worden. Was sich bewährt habe, werde bewahrt, was erneuert und verbessert werden müsse, werde geändert, sagte Platzeck in seiner Regierungserklärung am Mittwoch in Potsdam.

Seite 12

Wahlskandal à la Hiddensee

Greifswald (dpa/ND). Weil der Bürgermeister von Hiddensee den Bewohnern der mecklenburgischen Ostseeinsel eine Gratisfahrt zum Wahllokal versprochen hatte, muss die Kommunalwahl dort wiederholt werden. Das Verwaltungsgericht in Greifswald gab am Dienstag einer entsprechenden Klage statt. Wie das Gericht mitteilte, hatte Bürgermeister Manfred Gau (Wählergemeinschaft) in amtlicher Funktion vor der W...

Kameras für jeden Bahnhof

Der bayerische CSU-Innenminister Joachim Herrmann hat einen Plan: Er will sämtliche Bahnhöfe Deutschland mit Videokameras überwachen lassen. Seine Kollegen in den anderen Bundesländern ruft er auf, bei der Umsetzung mitzuwirken.

ndPlusMirko Knoche, Hamburg

Mäklige Makler

In der weltmännischen Hansestadt Hamburg spielte sich in der letzten Woche eine wahrhaft kleingeistige Provinzposse ab. Die Schiffsmaklervereinigung lud den Vizepräsidenten der Bürgerschaft zum Eisbeinessen ein – und gleich wieder aus.

ndPlusMaximilian Jäger, dpa

Scanner statt Archäologen-Zollstock

In der Archäologie gibt es bislang nichts Vergleichbares: Mit modernster Technik rekonstruieren Mainzer Experten Grabkammern, Statuen oder auch Paläste im virtuellen Raum.

ndPlusPeter Jähnel, dpa

Wenn ein Blinder eine Zugreise tut

Joachim Haar steht hilflos vor dem Fahrscheinautomaten. Er will eine Zugfahrkarte kaufen und fährt mit dem Finger über die glatte Bildschirmfläche. Doch der Finger rutscht ab, weil es keine Bedienfelder für Blinde gibt. »Jetzt habe ich bestimmt drei verschiedene Befehle gleichzeitig ausgelöst«, mutmaßt Haar resigniert. Dann tastet er sich mit dem Blindenstock zum Fahrscheinschalter. So wie dem Ges...

Seite 13
Schillers Schädel

Schillers Schädel

Die Suche nach dem echten Schädel von Friedrich Schiller (1759-1805) ist endgültig eingestellt. Der Aufwand stehe in keinem Verhältnis mehr zu einem möglichen Ergebnis, teilte die Universität Freiburg mit. Die Spur des vermutlich spektakulärsten Schädelraubs des 19. Jahrhunderts führe ins Nichts. Bei ihren Untersuchungen standen die Forscher immer wieder vor dem Rätsel, dass der Totenschädel im Sc...

Aus der Wagalaweia-Show ins Nichts
Roberto Becker

Aus der Wagalaweia-Show ins Nichts

Der Rhein als perfekte Revuegirl-Nummer mit dem Rheingold als nackter Schönheit mittendrin, die von einem Alberich in Show-Neger-Aufmachung entführt wird. Ein lässiger Wotan nur in Badehose beim Familienurlaub. Die prolligen Nibelungen Alberich und Mime mit den Insignien der Juden auf dem Kopf und an den Schläfen. Der ringelnde Riesenwurm als eine Männertruppe, die das Wort vom Riesenwurm mit eine...

Parzelle der Belanglosigkeiten
Tom Mustroph

Parzelle der Belanglosigkeiten

Meg Stuart ist eine Spezialistin der verlangsamten und in den Raum gehauchten Bewegung. Dies beweist die Hauschoreografin der Volksbühne auch mit ihrer neuesten Produktion »Do Animals Cry«. Auf einer Bühne, die wegen der dort platzierten rosafarbenen Hundehütte und der aus Ruten geflochtenen Röhre an einen der Kleingärten erinnert, die Berlin-typisch sind, genauso aber auch eine Reminiszenz an die...

ndPlusWolfgang Schmidbauer

Ausschlachtung einer Tragödie

Es scheint doch etwas dran zu sein an der These, dass die Gegenwartskultur nicht mehr von Inhalten, sondern von Ereignissen geprägt wird. Diese entfalten dann eine Macht, welche wie ein Tsunami Bedenken hinwegspült und den aktuellen Event zum größten aller Zeiten macht – bis zum nächsten. Da auch diese Medienblase ohnehin bald platzen wird, kümmert sich auch niemand mehr darum, ob ihre Subst...

Seite 15
Der Knast
Walter Kaufmann

Der Knast

Miraculous!«, sagte zu mir der Dramatiker Kenneth H. Brown nach der Wiederaufführung von »The Brig« (»Der Knast«) in der Berliner Akademie der Künste im Jahr 2008. Denn seit der 1963er Uraufführung in New York sei das Stück nicht wieder von den Bühnen der Welt verschwunden. Erstaunlich, in der Tat, denn unterhaltsam ist es nicht. Eher überkommt es einen wie ein Albtraum, wenn junge Marinesoldaten ...

ndPlusMartin Hatzius

Wenn der Hass in die Fäuste kriecht

Um Fußball geht es schon lange nicht mehr. Nur ein Mal sieht man den Fanclub »66/67«, eine Handvoll Männer um die 30, beim gemeinsamen Stadionbesuch. Gekommen sind sie aber nicht, um ihren Verein Eintracht Braunschweig zu unterstüzten, sondern um Christian beizustehen, der in der Halbzeitpause seiner Freundin Mareille auf dem Rasen einen Heiratsantrag macht – vor 15.000 Zuschauern. Mareille,...

Kooperation oder Konkurrenz

Kooperation oder Konkurrenz

Wenn heute vom DEFA-Studio für Spielfilme die Rede ist, werden damit oft ausschließlich die dort hergestellten knapp 750 Kinospielfilme assoziiert. Doch die Babelsberger und Johannisthaler DEFA-Ateliers arbeiteten nicht nur für die Leinwand; zwischen 1959 und 1990 entstanden dort auch weit über vierhundert Einzelfilme, Mehrteiler und Serien fürs DDR-Fernsehen. Während die dramaturgische und politi...

Seite 16
ndPlusMarianne Gregor

Das Eigentliche

Mit 77 ist es Zeit für das Eigentliche«, sagt Beate Bölsche und meint damit: Nach zwei Wanderbüchern und einem Band Erzählungen wäre es Zeit für ihren Gedichtband. Wer sie kennt, weiß auch um ihre Liebe zur Natur. Ihr Leben in inniger Verbundenheit mit dieser – die meiste Zeit des Jahres verbringt sie in ihrer Gartenhütte – hat ihre Gefühlswelt stark beeinflusst. Das schlägt sich in ih...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Was Heimat sei

Das möchten viel mehr Leute, als man sich je hätte vorstellen können: Ihr Leben an sich vorüberziehen lassen und das auch noch öffentlich machen. Aber Manfred Hocke ist kein Laienschreiber. Er hat zahlreiche Stücke übersetzt, war Dramaturg an verschiedenen Theatern und von 1971 bis 1990 – dem Jahr seiner »Abwicklung« dort – Entwicklungsdramaturg im DEFA-Studio für Spielfilme. So fand e...

Christel Berger

Verpflichtendes Erbe

Vor 1990 hat Horst Haase vornehmlich – wie es hieß – »Autorenkollektive« geleitet, um mit ihnen dicke Bücher – »Standardwerke« – zur Literatur, Literaturgeschichte und zum »kulturellen Erbe« zu schreiben. Bestimmt hat es ihm nicht immer Spaß gemacht, die Literatur- und Kulturwissenschaftler unter einen Hut zu bringen und sie zu disziplinieren. Als die »Leit«-Institutionen g...

Seite 17

Postkommunismus

Im Bild vom Fall der Berliner Mauer, das für den Untergang des Kommunismus steht, ist schon die ganze Wahrheit des Postkommunismus enthalten. Man sieht euphorische Massen, die über die Mauer und durch deren geöffnete Türen herauslaufen wie Getreide aus einem aufgeplatzten Sack, doch man sieht nicht, was die Massen sehen. Der Blick der Menschen, die soeben die Mauer und den Kommunismus gestürzt hab...

ndPlusAndreas Diers

Deutsche Ignoranz

Der Titel des Bandes ist nicht ganz zutreffend. Denn die Autoren befassen sich nicht nur mit Marxens Staatsverständnis, sondern vielmehr darüber hinaus mit zahlreichen grundlegenden und aktuellen Themen der materialistischen Staatstheorie. Begonnen sei hier mit dem Schluss: Der Band endet mit kursorischen Reflexionen von Josef Esser über das Verhältnis zwischen materialistischer Staatstheorie und ...

Martin Hundt

1989 – ein Dementi?

Die Sache liegt sehr einfach: Ein Verlag sieht eine plötzlich stark gestiegene Nachfrage nach Marx-Literatur, beauftragt also einen flink schreibenden Journalisten und Filmemacher, jüngst auch als Historiker aktiv, mal eben eine »essayistisch gehaltene Ideenbiografie von Marx« zu schreiben. Und da der Autor vor 30 Jahren »während meiner Studienzeit Marx’ Schriften ziemlich ausführlich gelese...

Historisch oder logisch?
ndPlusGert Lange

Historisch oder logisch?

Die Attraktivität mancher gemeinnütziger Vereine hat etwas Floristisches. Ihr Erscheinungsbild gleicht etwa dem des rätselhaften Rhododendron. Zwar bekannt, doch übers Jahr unauffälliges, üppiges, unspektakuläres Blattwerk. Dann aber treiben sie prächtige Dolden, und wenn man genau hinsieht, hat jede Einzelblüte etwas Orchideenhaftes. Dieses Gleichnis fiel mir ein, da die Zeit doch längst überfäll...

Seite 19
ndPlusOliver Händler

Einwurf

Seit Monaten übt Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth Kritik am deutschen Reit-Verband FN, der sie nicht genug unterstützt hätte, als herauskam, dass ihr Pferd verbotene Medikamente im Blut hatte. Stets erklärt sie, es sei ein Fehler des Arztes gewesen. Das hatte ich schon beim ersten Mal verstanden, trotzdem handelte die FN richtig, denn die Ausrede – ob wahr oder nicht – hat man sch...

U 21-Fußballer, Qualifikation, EM-Endrunde

Mit dem höchsten Sieg in der Geschichte haben die deutschen U 21-Fußballer einen versöhnlichen Jahresabschluss gefeiert, doch die Qualifikation für die EM-Endrunde ist noch in weiter Ferne. »Mein Team hat eine sehr engagierte Leistung gezeigt, aber an unserer Ausgangslage hat sich kaum etwas geändert«, befand Trainer Rainer Adrion nach dem 11:0-Erfolg in San Marino. Zumal der Gruppenerste Tschechi...

Peinliches Fallobst in Lemgo
ndPlusMarlen Haselhuhn, SID

Peinliches Fallobst in Lemgo

Pfeifende Fans, ein hilfloser Trainer und ein Ex-Weltmeister als Buhmann: Bei Handball-Bundesligist TBV Lemgo hängt der Haussegen schief. Beim peinlichen 22:38 (7:17) gegen die Rhein-Neckar Löwen machten die Fans ihrem Unmut am Dienstagabend schon zur Halbzeit mit einem Pfeifkonzert Luft und verschonten auch ihren Star Michael Kraus nicht. »Das Schlimme ist, dass ich diese Niederlage nicht einmal ...

Jürgen Calließ

Bis Weihnachten soll alles klar sein

Die Erinnerungen an die Vergangenheit lassen von einer goldenen Zukunft träumen. Vor fast vier Jahren landeten die deutschen Rodelasse bei den olympischen Rennen in Turin im Fraueneinsitzer gleich einen Dreifachtriumph und im Doppelsitzer wurde Silber gewonnen. Lediglich im Einsitzer gingen die Männer überraschend leer aus und mussten sich mit den Rängen fünf bis sieben begnügen. Nun sprießen neue...

Die Selbstbedienungsmentalität der Profiboxställe ist skrupellos

Der 64-jährige pensionierte Kriminalbeamte JÜRGEN KYAS aus Lengerich in Westfalen ist seit dem Sommer neuer Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV) und angetreten, den gleich in mehrfacher Hinsicht in einer tiefen Krise steckenden Verband zu retten. Darüber sprach JÜRGEN HOLZ mit ihm.

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Ralf Streck, Madrid und Grit Gernhardt

Risiko Kartenzahlung

In Spanien sollen tausende Kreditkartendaten von einem Dienstleistungsunternehmen »abgegriffen« worden sein. Über 100 000 Kreditkarten wurden bisher von deustchen Banken ausgetauscht, angeblich eine Vorsichtsmaßnahme. Unterdessen meldete die Postbank am Mittwoch »ein geringes Maß« an Schadensfällen.