Ausgabe vom 28.11.2009

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ndPlus

Unten links

Selten hat eine ND-Meldung zu solch schnellen Reaktionen geführt wie das gestrige »unten links«. Die Anregung, mit Hilfe der Urknallmaschine nicht nur die Entstehung des Universums, sondern auch die der Sozialdemokratie zu simulieren, wurde sowohl am Genfer CERN als auch im Berliner Willy-Brandt-Haus begeistert diskutiert. Noch im Laufe des gestrigen Tages bauten CERN-Techniker im Innenhof der SPD...

ndPlus

Bundesrat kritisiert SWIFT-Abkommen

Der Bundesrat hat erhebliche Bedenken gegen das Abkommen der EU mit den USA zur Übermittlung von Bankdaten. Die Länderkammer forderte die Bundesregierung am Freitag auf, dem SWIFT-Abkommen nur zuzustimmen, wenn Zweck und Voraussetzungen des Datentransfers klar geregelt werden.

Ein denkwürdiger Donnerstag
Otfried Nassauer

Ein denkwürdiger Donnerstag

Eigentlich wollte der Bundestag am Donnerstag nur über die Verlängerung der Auslandseinsätze der Bundeswehr debattieren. Über UNIFIL, OEF und ISAF. Über die richtige Afghanistan-Strategie für die Zukunft. Doch dann kam alles ganz anders. Die Debatte begann mit einem Paukenschlag: Verteidigungsminister zu Guttenberg teilte mit, Generalinspekteur Schneiderhan trete auf eigenen Wunsch zurück. Auch St...

René Heilig

Was wusste Merkel über das Massaker von Kundus?

Das – wie man sagt – politische Berlin bereitete sich gestern auf den Bundespresseball vor. Die Kanzlerin erschien nicht. Sie hatte in dieser Woche auch genügend »Tanz«. Ihr »Partner« war da vor allem Parteifreund Franz Josef Jung, bis gestern um 13.30 Uhr noch Bundesarbeitsminister.

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ndPlus

»Diese Wahlen werden den Putsch konsolidieren«

Manuel Torres Calderón ist Gründer des honduranischen »El Inventario«, einer politischen Zeitung, geschrieben von Jugendlichen für Jugendliche. Mit ihm sprach in Tegucigalpa Kathrin Zeiske.

»Wir lehnen Wahlen unter einer Diktatur entschieden ab«

»Wir lehnen Wahlen unter einer Diktatur entschieden ab«

ND: Herr Pavón, Sie haben im Zusammenhang mit den Wahlen am Sonntag wiederholt vor drohenden massiven Übergriffen durch Armee und Polizei gewarnt. Worauf stützen Sie Ihre Befürchtungen? Pavón:Vor einigen Tagen haben uns Offiziere vertrauliche Informationen zugespielt. Die Putschregierung Michelettis plant demnach ein Massaker gegen die Widerstandsbewegung. Diese Gewaltaktionen könnten über 1000 Me...

Harald Neuber

Obamas Haltung verärgert Lateinamerika

Die Wahlen in Honduras sind Teil des Staatsstreichs und verlaufen unter Kontrolle der Putschisten. Trotzdem werden Proteste erwartet. Die USA akzeptieren den Urnengang, in Lateinamerika stößt er auf Ablehnung.

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Erfolg ist, wenn nichts passiert
Ines Wallrodt

Erfolg ist, wenn nichts passiert

Besser konnte das Missverhältnis zwischen Militärischem und Zivilem in der deutschen Politik kaum illustriert werden. Weil der Bundesregierung die in Afghanistan zerbombten Tanklastwagen nun doch noch selbst um die Ohren fliegen, konnte Entwicklungsminister Dirk Niebel nicht zum Festakt zehn Jahre Ziviler Friedensdienst (ZFD) kommen. Die Verabschiedung der Fachkräfte, die im Ausland gewaltfrei unt...

Neue Chancen in den Bergen von Nghe An
ndPlusIlona Schleicher

Neue Chancen in den Bergen von Nghe An

Berufliche Ausbildung und Beratung für Frauen sind die Ziele eines Projektes des Solidaritätsdienst-international e.V. (SODI) und der Vietnamesischen Frauenunion, das die ganze Provinz Nghe An erfasst. Es eröffnet besonders in armen, schwer erreichbaren Bergdörfern ethnischer Minderheiten Zukunftschancen. Mehr als 100 Frauen haben im Rahmen des vom deutschen Entwicklungsministerium geförderten Pro...

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ndPlusKurt Stenger

Kein Opa für Europa

Klischees sind selten ein taugliches Mittel für die Beurteilung politischer Entwicklungen. Das gilt auch für die Personalie Günther Oettinger. Wer meinte, mit dem bisherigen baden-württembergischen Ministerpräsidenten werde ein aus Sicht seiner CDU abgehalfterter »Opa« nach Europa geschickt, sieht sich eines Besseren belehrt. Angela Merkel, Bundeskanzlerin und Oettingers Parteichefin, hatte einen ...

ndPlusUwe Sattler

Ausgebremst

Es gibt kaum Zweifel: Am Montag werden die EU-Innenminister dem SWIFT-Vertrag zustimmen. Das Abkommen ermöglicht US-Behörden, Einblick in Bankdaten europäischer Bürger zu nehmen. Einen Tag später tritt der Lissabon-Vertrag in Kraft, der wichtige Änderungen am EU-System vornimmt. Was auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun hat, passt doch zusammen. »Lissabon« hätte es den Europaabgeordneten ...

Ingolf Bossenz

Hirten des Horrors

Sogar im Falle, dass ein Priester eine Missetat begangen hat, untersteht er keinem öffentlichen Gericht.« Zumindest dieser Aspekt in der vor knapp 500 Jahren von Thomas Morus verfassten Schrift »Utopia« wurde über Jahrzehnte in Irland mit viel Einfallsreichtum umgesetzt. Katholische Priester hatten Hunderte Kinder, die sich in ihrer »Obhut« befanden, sexuell missbraucht. Die Kirchenleitung vertusc...

Respekt
ndPlusRené Gralla

Respekt

Eigentlich hat er Kung Fu trainiert. Für den Kampfsport bleibt ihm keine Zeit mehr, aber ganz verloren ist das Gelernte nicht. Statt physisch auf der Matte teilt er jetzt seine Schläge lieber auf dem Schachbrett aus. Der 11-jährige Leon Hertzfeldt vom Prenzlauer Berg ist eines der großen Schachtalente des SV Empor Berlin, und sein bisher größter Erfolg ist ihm während der ND-Schachgala gelungen: G...

Kein Schwarzbuch Teil zwei?

ND: Herr Kirschey, Sie gehörten zu den Machern des »Schwarzbuches Umweltpolitik in Brandenburg«, das wenige Wochen vor der Landtagswahl erschienen ist. Sie steuerten »Die Deichgraflegende« bei, in der Sie den SPD-Ministerpräsidenten Matthias Platzeck scharf kritisierten. Verübelt er das noch? Kirschey: Ich habe ihm am Tag seiner neuerlichen Wahl zum Regierungschef gratuliert und gesagt, es wäre nu...

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ndPlusIna Beyer

Sexuelle Identität kommt nicht ins Grundgesetz

Vorerst wird es im Grundgesetz (GG) keinen Diskriminierungsschutz für Schwule, Lesben und Transgender geben. Ein Antrag im Bundesrat, den Schutz der sexuellen Identität in den Artikel 3 des GG aufzunehmen, scheiterte am Freitag. Die Länderkammer lehnte es ab, einen entsprechenden Gesetzesentwurf in den Bundestag einzubringen.

ndPlus

Armes Deutschland

Die Bundesrepublik Deutschland ist eine der produktivsten Volkswirtschaften in der Welt. Dennoch, so das Statistische Bundesamt, ist etwa jeder siebte Deutsche von Armut bedroht.

ND braucht neue Abonnenten

Liebe Leserinnen und Leser, in den letzten vier Wochen sind wir recht erfolgreich in die Nachbearbeitung der 1400 Wahlaktionsabos gestartet. Von ca. 200 Leserinnen und Lesern, deren befristetes Abo inzwischen abgelaufen war, hat sich nahezu die Hälfte für ein längerfristiges Abo entschieden. Danke, eine Umwandlungsquote von 50 Prozent ist ein sehr gutes Ergebnis. Dies hat dazu beigetragen, dass wi...

Peter Nowak

Von der Kiezposse zum internationalen Skandal

Im Hamburger Schanzenviertel haben sich die Geister an einer Filmaufführung geschieden. Statt zu diskutieren, haben sich israel-kritische und israel-solidarische Gruppen befehdet, bis die Leinwand dunkel blieb. Die Aufführung soll nun nachgeholt werden.Der Name B 5 steht für Brigitten-straße 5 im Hamburger Schanzenviertel. Es ist die Bezeichnung eines Treffpunkts von linken Gruppen, viele mit migr...

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ndPlus

Energiereich: EU-Kommissar Oettinger

Brüssel (epd/ND). Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) wird neuer EU-Energiekommissar. Das gab EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bei der Vorstellung seines Teams am Freitag in Brüssel bekannt. Die Kommission unter dem im September wiedergewählten Portugiesen Barroso wird von 2010 bis 2014 amtieren. Bevor es seine Arbeit aufnimmt, muss das Kollegium noch vo...

ndPlus

Kirche vertuschte Missbrauch

Die katholische Kirche in Irland soll Jahrzehnte Kindesmissbrauchsvorwürfe gegen Priester vertuscht haben.

Resolution erhöht Druck auf Iran

Der Druck auf Iran wächst: Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA hat am Freitag in Wien eine Resolution gegen das islamische Land verabschiedet.Wien (dpa/ND). 25 der 35 Länder des Aufsichtsgremiums stimmten für das Dokument, teilten Diplomaten mit. Die fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder und Deutschland hatten die Resolution erarbeitet. Sie wird als starkes politische...

Fabian Lambeck

Politik in der Grauzone

Eine prominent besetzte Diskussionsrunde im Berliner Internationalen Handelzentrum diskutierte am Freitag, wie weit der Einfluss von Lobbyisten gehen darf. Dabei zeigte sich, dass fehlende gesetzliche Regelungen vor allem den großen Wirtschaftskanzleien und PR-Firmen nutzen. In Deutschland werden viele Gesetze bereits von privaten Rechtsanwälten und nicht von Beamten verfasst.

Seite 7
Hilmar König, Delhi

Nepal vor heißem Dezember

Nepals Maoisten haben beschlossen, im Zuge ihrer Protestkampagne zur Wiederherstellung der »zivilen Oberhoheit« 13 autonome Bundesstaaten auszurufen.

ndPlusMichael Lenz, Phnom Penh

Duchs »begrenzte Reue«

Am Freitag wurden die letzten Plädoyers im ersten Prozess vor dem UN-gestützten Kambodscha-Tribunal gehalten. Das Urteil gegen Kaing Guek Eav alias Duch, Chef des Foltergefängnisses S-21 (Tuol Sleng) in Phnom Penh, soll Anfang 2010 verkündet werden.

Ralf Klingsieck, Paris

Sarkozy zur Halbzeit im Popularitätstief

Zum Feiern gab es dieser Tage anlässlich der Halbzeit von Präsident Nicolas Sarkozys fünfjähriger Amtszeit wenig Grund. Nur noch 36 Prozent der Franzosen sind mit ihm zufrieden, 63 Prozent dagegen unzufrieden, ergaben Umfragen.

Seite 8

KfW-Programm kommt Osten kaum zugute

Berlin (ND). Die Mittel aus dem KfW-Sonderprogramme im Rahmen des staatlichen Konjunkturpaketes II gehen an den neuen Bundesländern nahezu vorbei. Dies geht aus einer Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, welche von Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann nun beantwortet wurde. Demnach sind nur 216 von insgesamt 1766 zugesagten Projekten in den neuen Bundesländern einschließlich Berlins a...

ndPlus

Ein scheinbar sicherer Hort verliert sein Image

Düsseldorf (AFP/ND). Die Finanzprobleme Dubais bleiben auch für Privatanleger in Deutschland nicht ohne Folgen. Die Zahlungsschwierigkeiten des Emirats würden das Klima an den Finanzmärkten weltweit »deutlich belasten« und die Aktien von Unternehmen aus arabischen Ländern, aber auch die deutscher Konzerne mit arabischer Beteiligung – wie Daimler – unter Druck setzen, sagte ein Sprecher...

20 000 Stellen weg

Essen (AFP/ND). Der Stahlgigant ThyssenKrupp streicht in der Krise tausende Stellen. Der Konzern wolle bis zum Herbst 2010 die Zahl seiner Mitarbeiter um 20 000 reduzieren, bestätigte ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz am Freitag. Der Konzern fuhr im abgelaufenen Geschäftsjahr bis September einen Verlust von knapp 1,9 Milliarden Euro ein, dennoch will er 139 Millionen Euro an seine Aktionäre aussch...

ndPlusGerhard Dilger, Porto Alegre

Lulas Botschaft verhallte

Eine »ehrgeizige Botschaft« für den Klimagipfel in Kopenhagen sollte von dem Präsidententreffen der Amazonasanrainer in Manaus ausgehen, hatte sich Brasiliens Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva gewünscht. Doch statt der geplanten neun unterschrieben nur drei Staatschefs am Donnerstag die »Erklärung von Manaus«.

ndPlusHermannus Pfeiffer

Dubai schockt die Finanzwelt

Eine Bitte um Zahlungsaufschub schockt die Finanzwelt. Das Emirat Dubai kündigte am Donnerstag an, bis Ende Mai die Bedienung der Schulden seiner staatlichen Holdinggesellschaft Dubai World auszusetzen. Ein Warnsignal für alle Marktteilnehmer weltweit, denn viele weit ärmere Länder sind ebenfalls hoch verschuldet.

Seite 9
Vom Strauch bis in die Tasse
ndPlusKnut Henkel, Bogotá

Vom Strauch bis in die Tasse

Kolumbiens Kaffeebauern bringen ihre Bohnen seit einigen Jahren selbst an den Kunden. Möglich macht es die eigene Kaffeehauskette, die mit ihren gut 150 Filialen auch im Ausland aktiv ist. Starbucks & Co. sehen sich einem potenten Konkurrenten gegenüber.

Grit Gernhardt

Knackpunkt Internetsperre

Jahrelang wurde gerungen und gestritten, nun konnte die Telekommunikationsrichtlinie der EU endlich verabschiedet werden. Kundenfreundlicher soll der Telefon- und Internetmarkt in Europa dadurch werden – Daten- und Verbraucherschützer sehen aber einigen der ab 2011 in Kraft tretenden Neuregelungen dennoch mit gemischten Gefühlen entgegen.Ohne elektronische Kommunikation funktioniert heutzuta...

Seite 10
ndPlus

Der Beton

Jetzt kommt der Winter, das ist ja die Zeit der besorgten Metaphysiker, die jede Piste und jede Seilbahn unter den Generalverdacht der Naturschändung stellen und in allem nur das Unglück, den Sündenfall sehen. Wir sind in Europa, um von den alpinen Architekten zu lernen, wie man unzähligen Menschen Freude macht. (JOHN C. PERCY, Schweizer Fernsehen)

Klaus Bellin

Fleiß, Arbeit, Eigensinn

Im November 1959 fuhr er noch einmal nach Weimar. Die DDR feierte im Nationaltheater den 200-jährigen Schiller, und er war eingeladen. Man schätzte ihn. Er war der Präsident der von ihm gegründeten Freien Akademie der Künste in Hamburg, und er hatte fürs Berliner Funkhaus in der Nalepastraße die Orgel gebaut. Hinterher, beim Empfang, stand er unter all den Ehrengästen und Funktionären, aß, trank u...

Seite 11
Plattenbau
Stefan Gebhardt

Plattenbau

Nein, den Begriff Cover-Projekt mögen Suse Jank und ihr musikalischer Partner Clemens Süssenbach überhaupt nicht. Und das zu Recht, denn in ihrem Programm »Ostpoesie« steckt zu viel Eigenes und Persönliches, als dass man es als bloßes Nachspielen von Songs bezeichnen könnte. Was aber veranlasste die Ostberlinerin Suse Jank dazu, sich mit altem DDR-Liedgut zu beschäftigen, wo sie doch beim Fall der...

ndPlusJürgen Amendt

Brutalstmögliche Entlassung

Nikolaus Brender kann bald seinen verdienten Vorruhestand genießen – wenn er denn möchte. Seine Tage als ZDF-Chefredakteur sind jedenfalls seit gestern gezählt. ZDF-Intendant Markus Schächter scheiterte mit dem Vorschlag, den im März 2010 endenden Arbeitsvertrag mit dem 60-Jährigen Brender um weitere fünf Jahre zu verlängern. Für Brender votierten sieben der 14 Verwaltungsratsmitglieder, nöt...

Erst angebetet, dann verstoßen
ndPlusVolkmar Draeger

Erst angebetet, dann verstoßen

Wer Nazareth und die Verkündigungskirche besucht, findet sich in Israels größter, streng bewachter arabischer Stadt. Will man Bethlehem und die Geburtskirche besichtigen, gelegen im palästinensischen Autonomiegebiet, sind israelische Kontrollen zu überstehen. Fast ärger noch geht es im Kircheninneren her, wo rivalisierende Gruppierungen, Griechisch-Orthodoxe, Armenier, Christen, Kopten, Syrer, Äth...

Seite 14
ndPlusEric Dobias, dpa

Letzte Goldmission

Unbeeindruckt von seinem doppelten Sturzpech geht Ronny Ackermann in seinen letzten Olympia-Winter. Doch anders als in den Vorjahren gilt der 32-Jährige in seiner 13. Weltcupsaison der Nordischen Kombinierer nicht als Topfavorit auf Podestplätze. »Die Vorbereitung war ganz auf Olympia ausgerichtet, aber für Vancouver muss ich mich erstmal qualifizieren. Es gibt keinen Bonus für Leistungen aus der ...

Seite 15

2000 gegen Räumung

(dpa/ND). Rund 2000 Mitglieder der linksradikalen Szene haben am Donnerstag in Berlin gegen die Räumung eines besetzten Hauses demonstriert. Sie zogen am Abend von Kreuzberg nach Mitte zum Rosenthaler Platz, wo in der benachbarten Brunnenstraße 183 das vor vier Tagen geräumte Haus steht.Die Demonstration verlief weitgehend friedlich. Nur am Rande gab es Rangeleien mit der Polizei und vereinzelte F...

Heizpilze werden erstmal nicht verboten

(dpa). Auch in diesem Winter wird es in Berlin kein einheitliches Verbot von Heizpilzen auf Straßen geben. Es liege bislang lediglich ein erster Entwurf des Klimaschutzgesetzes vor, das die Nutzung der wärmenden Standöfen stadtweit einheitlich regeln soll, teilte die Senatsverwaltung für Umwelt mit. Mit einer Verabschiedung des Verbotes sei in diesem Winter nicht mehr zu rechnen. Heizpilze sind in...

ndPlusBurkhard Fraune, dpa

Keine Tariflösung im öffentlichen Dienst

Weihnachtssterne blühten schon auf dem Tisch, als sich Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und die Gewerkschaften am Freitag zur Tarifverhandlung trafen – aber ob es für den öffentlichen Dienst Berlins noch vor dem Fest eine Einigung gibt, bleibt weiter offen. Beide Seiten zeigten sich nach eigenem Bekunden bemüht, doch zueinander fanden sie nicht. Am nächsten Dienstag wollen Senat und Gewerk...

Ein abschreckendes Beispiel
ndPlus

Ein abschreckendes Beispiel

Der 53-jährige Linkspolitiker ist seit 2002 Berliner Wirtschaftssenator. Er war einer der erbittertsten Gegner der Teilprivatisierung der Wasserbetriebe 1999. Zusammen mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum fordert Wolf die Offenlegung der Geheimverträge. Mit ihm sprach Jörg Meyer.

Seite 16
ndPlusStefan Otto

Demo trotz abgesagten Sizzla-Konzerts

Das Sizzla-Konzert in Berlin am Donnerstag hat nicht stattgefunden. Das Kesselhaus ließ den Auftritt des jamaikanischen Dancehall-Stars platzen und reagierte damit auf den Unmut über das geplante Gastspiel des schwulenfeindlichen Musikers. Sizzla ruft in vielen seiner Lieder zu Mord und Gewalt an Homosexuellen auf. Eine geplante Demonstration des Bündnisses »Smash Homophobia« fand am Donnerstagabe...

Jazzgrößen im Fotoporträt
Volkmar Draeger

Jazzgrößen im Fotoporträt

Viel ist nicht bekannt über Alfred Lion, kaum mehr über Francis Wolff. Dabei gilt ihr 1939 in New York gegründetes Jazzlabel Blue Note Records als legendär, hatte in den 1950er, 1960ern seine Glanzzeit als renommiertestes Hardbop-Label weltweit. Sie arbeiteten mit noch unbekannten farbigen Musikern, ließen sie eigene Ideen gestalten, bezahlten außer den Aufnahmen auch die Proben. Dieser soziale As...

Seite 17
A 100 erörtert
Antje Stiebitz

A 100 erörtert

Neun Tage lang dauerte die Erörterung zur Planfeststellung der A 100; gestern wurde sie beendet. Einige Aktivisten haben sich auf dem Alexanderplatz unter der Weltzeituhr eingefunden, um die Ergebnisse zu bilanzieren. Immerhin zwei Dinge seien erreicht worden, erläutert Grüne-Landesvorsitzender Stefan Gelbhaar: »Die Aufmerksamkeit für das Bauvorhaben ist gestiegen, viele Bürger haben jetzt erkannt...

Annette Scheld, epd

Alternative zum Altenheim

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche WGs für Demenzkranke gegründet. Der Vorteil gegenüber Heimen: Die Bewohner bleiben so selbstständig wie möglich.

ndPlusWilfried Neiße, Potsdam

Vorruhestand in der Prüfung

In Potsdam wird die Altersteilzeit kritisiert. Sollte die Landesregierung diese Regelung im öffentlichen Dienst bei gleichzeitigem Stellenabbau nicht mehr gewähren, wäre Jüngeren der Weg in den Landesdienst verbaut.

Seite 18
ndPlus

Studis am Runden Tisch

Potsdam (dpa). Die Potsdamer Universitätspräsidentin Sabine Kunst hat am Freitag ihr Angebot eines Runden Tisches an die protestierenden Studenten konkretisiert. In einem offenen Brief an den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) sprach sie sich dafür aus, dass Lernende und Lehrende gemeinsam tragfähige Strategien entwickeln. Als ersten Termin für eine Zusammenkunft von je vier Vertretern beide...

Zu viele Kormorane fressen zu viele Fische auf

Potsdam (dpa). Der Landesfischereiverband Brandenburg-Berlin hat die Naturschützer zu einem Umdenken beim Schutz der Kormorane aufgefordert. Nur bei einer deutlichen Verringerung des Bestandes der Fisch fressenden Vögel hätten Fischerei und Teichwirtschaft noch eine Zukunft in Brandenburg, sagte Verbandsgeschäftsführer Lars Dettmann am Freitag in Potsdam. Die gegenwärtig zu große Kormoran-Populati...

ndPlus

Ämter ruhen nach IM-Vorwurf

Potsdam (dpa/ND). Nach den jüngsten Stasi-Vorwürfen ist die brandenburgische Linkspartei um Schadensbegrenzung bemüht. Um das Ansehen der rot-roten Landesregierung nicht weiter zu beschädigen, lässt die Landtagsabgeordnete und Landtags-Vize-Präsidentin Gerlinde Stobrawa alle Funktionen ruhen. Das teilte der Parteivorsitzende Thomas Nord am Freitag mit. In Dokumenten der Stasi- Unterlagenbehörde, d...

ndPlusVelten Schäfer, Schwerin

Lohndumping, Arge, Stralsund

Beim Kampf gegen Lohndumping ist von der neuen Bundesregierung wenig zu erwarten. Im Nordosten zieht mit der Stralsunder Arge nun eine Behörde in die Schlacht, die Hungerlöhne bisher subventionierte. Es gibt mehr als 50 »Fälle« – allein im Einzugsbereich Stralsund.

Aert van Riel, Erfurt

Blütezeiten und Pogrome

Während der Sanierung der Erfurter Altstadt wurden sensationelle Funde gemacht: Ein zugebautes Gebäude entpuppte sich als älteste vollständig erhaltene Synagoge in Mitteleuropa. Seit wenigen Wochen wird hier der, vor wenigen Jahren entdeckte, »Erfurter Schatz« ausgestellt. Jüdische Kultur ist in Erfurt jedoch nicht nur museal und historisch. Die jüdische Gemeinde konnte in den vergangenen Jahren Zuwächse verzeichnen.

Seite 19
Uwe Kraus

Sommerfrische nahe beim Rathaus

Er ist Kabarettist, aber kein Spaßvogel. Doch fragt man Rainer Schulze, warum er etwas tut, dann antwortet er oft: »Aus Spaß. Es muss mir und anderen Menschen Vergnügen bereiten.« Manchmal denkt man, der Mann arbeitet gar nicht, sondern pflegt intensiv seine Vorlieben, ob für Bücher oder das Kabarett. Zum 60. Geburtstag hat er sich ein Glockenspiel geschenkt. Das erstreckt sich über zwei Fachwerk-...

Seite 20
Vom Blühen und Welken der Bilder
Gunnar Decker

Vom Blühen und Welken der Bilder

Die Kunst ist der letzte Hort gegen das Unheil. Da hört die Malerei auf, Mittel zu sein. Da werden Bilder zu Schreien, die man mit letzter Kraft melodisch machen möchte. (Julius Meier-Graefe)

Seite 21
Martin Hatzius

Ein Mensch ohne Mehrwert ist nichts mehr wert

Am Ende seines lesenswerten Essays »Die Revolution der gebenden Hand« (FAZ vom 10.6.2009) entwirft Peter Sloterdijk nicht weniger als eine Utopie. In einer zukünftigen Gesellschaft, deren Skizze der Karlsruher Philosoph hier zeichnet, wären die »Zwangssteuern« abgeschafft. An die Stelle steuerfinanzierter sozialer Staatsausgaben träten Geschenke der Wohlhabenden an die Allgemeinheit. »Diese thymot...

Seite 22
ndPlusMartin Stolzenau

Franz Ehrlich

In einem aktuellen Nachschlagewerk wird er als »Stararchitekt der SBZ« bezeichnet: Franz Ehrlich, an den jüngst eine Sonderausstellung in Dessau erinnerte. 1907 in Leipzig geboren, zeigte er früh technische sowie künstlerische Begabung. Nach Ausbildung zum Maschinenschlosser und Ingenieurstudium zog es ihn 1927 an das Bauhaus in Dessau. Er fühlte sich alsbald in der Malerei, Plastik, Design sowie ...

Das alte Lied – seit Homers »Ilias«
ndPlusArmin Jähne

Das alte Lied – seit Homers »Ilias«

Einen etwas irreführenden Titel trägt das Buch des renommierten, an der Hebräischen Universität in Jerusalem lehrenden Militärhistorikers. Klarheit schafft der Untertitel. Was also Martin van Creveld vorlegt, ist eine kompakte und komplexe Geschichte nicht einfach nur der Kriege im 20. Jahrhundert, sondern der Entwicklung des Militärwesens vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zu den noch immer nicht ...

Jouko Jokisalo, Joensuu

Was dann geschah, brach alle Rekorde

Über den Winterkrieg 1939/40 ist viel in Finnland publiziert worden, vorwiegend im nationalistischen Geist und abgekoppelt von der Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Wider besseres Wissen wird behaupt, Finnland sei zu keiner Zeit ein verbündeter Deutschlands gewesen. Im kollektiven Geschichtsbewusstsein der Finnen erhielt dieser Krieg fast mythische Dimension. Den Jugendlichen wird er als Bewähru...

Seite 23

Explosives Pärchen

München (ND). Am Ende eines Sternenlebens kann es ziemlich explosiv werden, wenn das Rohmaterial für die normale Kernfusion aufgebraucht ist. Bei massereichen Sternen werden dabei alle Atomkerne die leichter als Eisen sind, verschmolzen, danach kollabiert der Stern unter seiner eigenen Gravitation zu einem Schwarzen Loch oder einem Pulsar. Bei leichteren Sternen kommt es nach der herrschenden Theo...

DNA-Archiv als Arche Noah
ndPlusReinhard Renneberg, Hongkong

DNA-Archiv als Arche Noah

Hongkongs neueste Touristenattraktion ist die »lebensgroße« Arche Noah samt vor der biblischen Sintflut geretteten Tierwelt. Wenn man vom Flughafen kommend die Tsing-Ma-Brücke passiert hat, sieht man die hölzerne Arche auf der Ma-Wan-Insel. Giraffen, Elefanten, Antilopen und Affen strömen aus dem Bauch des Schiffs (www.noahsark.com.hk). Das moderne wissenschaftliche Pendant zur Arche Noah befindet...

Martin Koch

Warum gibt es Sexualität?

Charles Darwin war nicht nur ein genialer, sondern auch ein bescheidener Forscher. Gelang es ihm nicht, ein Problem im Rahmen seiner Evolutionstheorie zu lösen, gestand er dies freimütig ein. Ein solches Problem stellte sich ihm 1862 in Gestalt der sexuellen Fortpflanzung. Als er bei der Suche nach den letzten Ursachen für deren Vorherrschaft in der Natur nicht so recht vorankam, notierte er: »Die...

Seite 24

Sind wirklich alle Iraner so grün?

ND: Frau Parsa, war Ihre Reise nach Iran, in das Land Ihrer Geburt, ausschließlich durch Ihre journalistische Neugier motiviert? Parsa: Die westlichen Länder haben die »Grüne Welle« (so nennt Parsa die häufig in ihre Symbolfarbe gekleideten Demonstranten gegen die Regierung – d.R.) massiv unterstützt; so stark, dass ich mich fragte: »Wer sind die?« Tatsächlich wurden im Westen, darunter in D...

Seite 25
Ein Schachfest mit Überraschungen
René Gralla

Ein Schachfest mit Überraschungen

Zum vierten Mal hatte ND am Donnerstag zur Internationalen ND-Damenschachgala geladen, erstmals gab es bei diesem Ereignis eine Sensationssiegerin.: Anna Scharewitsch (23) aus Belarus triumphierte im Tie-Break vor mehr als 100 Besuchern gegen die Magdeburgerin Maria Schöne im Finale des Vierer-Turniers. Die Vorjahressiegerin und Sechste der Weltrangliste, die gebürtige Ukrainerin Anna Musitschuk (...

Seite 26
Gabi Kotlenko

Das steinerne Buch

Steinreich sind die Bewohner von Kapikiri. Steine in allen möglichen Formen, kleine, große, ganz riesige – so weit das Auge schauen kann. Das 350-Seelen-Dorf Kapikiri liegt am Bafa-See, zu Füßen des 1400 Meter hohen Latmosgebirges im Westen der Türkei. Wegen seiner gezackten Silhouette nennt man es auf Türkisch auch Besparmak – das Fünffingergebirge. Am Latmos befand sich einst das ant...

Seite 27
ndPlusHeidi Diehl

Die Urlaubsreise ist den Deutschen heilig

»Die Welt ist ein Buch, von dem man nur die erste Seite gelesen hat, wenn man nur sein Land gesehen hat.« So gesehen sind die Deutschen besonders eifrige Leser, denn ganz im Sinne der Weisheit des französischen Schriftstellers und Weltenbummlers Fougeret de Moubron (1706-1760) gelten sie seit jeher als Reiseweltmeister. Kein Weg scheint ihnen zu weit, wenn es darum geht, eine neue Seite im Buch de...

Seite 28

Von Recht und Unrecht

Das Recht ist kompliziert. Kaum ein Jugendlicher weiß um seine Rechte und deren Geschichte. Um den Ursprung der heutigen Petitionskultur geht es in dem Buch »Überfall auf Chûnanûp«, dessen Erzählung im Ägypten vor 4000 Jahren spielt. Der Bauer Chûnanûp wird Opfer eines Raubes. Das ihm widerfahrene Unrecht nimmt er jedoch nicht hin. Er kämpft für sein Recht. Einfach und unterhaltsam geschrieben. ND...

ndPlus

Testspielauflösung vom 21.11.

Preisrätsel: Am 23. November 1954. – Die drei Gewinner der ND-Überraschung, die unter allen richtigen Einsendungen ausgelost wurden, sind: Karl-Heinz Stüber, Luckenwalde; Wolfgang Repp, Offenbach; Edith Feldmann, Wusterwitz. Wer schrieb es? Quintus Horatius Flaccus, genannt Horaz (65 v.u.Z – 27. November 08 v. u. Z.), römischer Lyriker. Neben Vergil einer der bedeutendsten der »Auguste...

Heiko Frings

Logikspiel

Tetris wird als eines der erfolgreichsten Computerspiele aller Zeiten seit fast einem Vierteljahrhundert kopiert und variiert. Spätestens durch den Gameboy unsterblich geworden, kreuzt hin und wieder auch mal eine stromlose Version unsere Wege. Auch »Fits« – Englisch für »passt« – von Erfolgsautor Reiner Knizia kommt ganz ohne Strom aus. Als klassisches Gesellschaftsspiel greift es die...

ndPlusBrigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin

Immergrüner Viburnum

Caesar hat ihm diesen Platz zugewiesen, als er kalendarisch das Jahr nicht mehr mit dem März, sondern mit Januar anfangen ließ. Er erlaubte aber Herrn Dezember, dem Zehnten, seinen Namen zu behalten, auch wenn er ihn auf den zwölften Platz verwies. Dass das Jahr seitdem mit Januar, dem Türöffner, beginnt, ist dagegen logisch. Mutter Natur ist es egal, mit welchem Monat wir Menschen das Jahr auskli...

ndPlus

Testspiel: Wissen, lernen und gewinnen!

Wer schrieb es? Jede Revolution zieht Leute an, die mit den Ideen der Revolution nicht das Geringste zu tun haben, die aus Abenteuerlust, aus unklarer, nebuloser Stimmung, aus Freude an Bewegung, aus Sucht, sich zu berauschen, aus Haltlosigkeit und aus vielen Motiven, deren Schmutzigkeit ich hier nicht darstellen möchte, zur Revolution stoßen. Was war es? Am 29. November 1800 wurde in Frankreich e...

Carlos García Hernández, Schachlehrer

Schach

Nach dem Tal Memorial wurde in Moskau die Blitz-Weltmeisterschaft gespielt. Der große Favorit war Weltmeister Viswanathan Anand (Indien, 40), allerdings wurde er nur Zweiter. Als Sieger ging Magnus Carlsen hervor (Norwegen, 19), der nach seiner kurierten Halsentzündung nicht zu stoppen war. Am Ende der 42 Runden, die auf dem Roten Platz gespielt wurden, hatte Carlsen drei Punkte Vorsprung vor Anan...

Hans-Ulrich Keller, dpa

120 Meteore pro Stunde

Mit Einbruch der bald einsetzenden Dunkelheit macht sich Jupiter im Südwesten als heller Lichtpunkt bemerkbar. Der Riesenplanet hält sich im Sternbild Steinbock auf und verkürzt drastisch seine Sichtbarkeitsdauer. Geht Jupiter zu Monatsanfang noch um 22 Uhr unter, so sinkt er zum Jahresende bereits um 20.30 Uhr unter die Horizontlinie. Ein netter Himmelsanblick bietet sich am 21. Dezember gegen 18...

Seite 29
ndPlusIrmtraud Gutschke

Novemberabend im Nieselregen

Eine junge Frau, die in einer Kneipe ihr Kind stillt, kommt in dieser Geschichte tatsächlich vor. Aber ob sie Maria heißt? Jedenfalls ist es nicht die Maria van Dam, die ihre Adresse auf den Boden einer Zigarettenschachtel gekrakelt hat und die nun vielleicht (oder auch nicht) auf die drei Seeleute wartet, die sich in sie verliebt haben. »Schauen Sie mal, drei Reiskacker«, hatte eine alte Frau zu ...

Hans-Dieter Schütt

Schwebendes Flüstern, hochhelles Lied

Es ist eine Einladung zur Versenkung. Auf faszinierende Weise unheimlich und beglückend: so unwirklich, so real. Einhundertzweiundzwanzig deutschsprachige Dichterinnen und Dichter lesen vierhundertzwanzig eigene Gedichte. Ein großartiges Werk. »Die Dichter kehren nicht mehr zurück«, sagte der Lyriker und Verleger Michael Krüger (neben Christiane Collorio, Harald Hartung und Peter Hamm einer der He...

Seite 30
Walter Flegel

Wenn das Herz sagt: »Komm mit!«

Vor wenigen Tagen stand ich am Fenster eines freundlichen Raumes und wartete auf die 3. Klasse der Barnimer Grundschule, zu der ich für eine Lesung eingeladen war. Links von mir befand sich ein Bücherregal. Sobald draußen der Wind die Wolken auseinander trieb, fiel Licht auf die Buchrücken, und ich las Namen wie Benno Pludra, Peter Abraham, Christa Kozik, Brigitte Birnbaum, Alfred Wellm, Gerhard H...

ndPlusMartin Hatzius

Ostdeutsch sein: kein Defizit

Als vor sieben Jahren Jana Hensels Buch »Zonenkinder« erschien, hatte die Autorin die Hälfte ihres Lebens in der DDR, die andere im vereinten Deutschland verbracht. Hensel beschrieb das Bemühen ihrer Generation, sich von westdeutschen Altersgenossen nicht mehr zu unterscheiden. Äußerlich, so ihr Resümee, sei dies gelungen. Im Inneren aber bleibe ein Gefühl der Fremde. Die Orte der Kindheit waren »...

ndPlusRalf Schenk

Leben, Arbeit, Träume und Politik

Von der Geschichte des Vergessens in Sachen DDR schreibt Bärbel Dalichow, Direktorin des Potsdamer Filmmuseums, im Geleitwort. »Das abgewirtschaftete Land, so das durchgesetzte, öffentlich kommunizierte Urteil, war nichts, hat nichts und bringt nichts, außer Schulden und verängstigte Neubürger als Konsumenten.« Die Meinung mag, vor allem im westlichen Deutschland, überwiegen, aber niemand muss sie...

Seite 31
Thomas Bruhn

Ein sorbischer Sansculotte

Die Wiederkehr als ein anderer, das ist es, was sich aus der Lektüre eines guten Buches ergibt, schrieb Johannes R. Becher. Nur Weniges aus der ungeheuren Warenansammlung erfüllt diesen Anspruch. Jurij Koch legte im Domowina-Verlag eine Erzählung auf Deutsch vor, die Anfang des Jahres schon auf Sorbisch erschien. Es ist die Geschichte eines Kuhhirten, eines armen Luders von 19 Jahren, namens Jurij...

ndPlusLilian-Astrid Geese

Die andere Vergangenheit

Wenn eine Geschichte zu Ende war, setzte sich Gregor wieder in seinen Borgward und fuhr über Land. Dies ist das Land, an dem ich Wohlgefallen habe.« Westdeutschland hieß das Land für die (West-)Berliner. BRD nannte man es in der DDR. 1989 verschwand es, verlor sich in einem neuen Deutschland. Viele Bücher wurden darüber geschrieben, fast alle mit Blick nach Osten. Das Ende der DDR hat mehr Mensche...

Seite 32
ndPlusSabine Neubert

Ein Roman wie Musik

Dieser Roman ist zutiefst verstörend, dieser Roman ist zutiefst beglückend. Er ist so real und so schwebend unwirklich wie Musik – wie Beethovens op. 110, wie Mahlers dritte Sinfonie oder wie Joni Mitchells »Bridge Over Troubled Water«. Die Musik und die Liebe sind ständig zugegen – und der Tod. Ja, der Roman gleicht einem feinen, aber unentwirrbaren Gewebe. So schrecklich der Tod ist,...

Simone Schmollack

»Wolfgang Mustermann« und sein »Requiem«

Das ist sicher jedem schon mal passiert: Man schlägt die Augen auf am Morgen und weiß nicht, wo man ist. Einem Prominenten geht es genauso: Wolfgang Amadeus Mozart – im Debütroman von Eva Baronsky »Herr Mozart wacht auf«. Nur dass sich Mozart nicht in einem fremden Bett wiederfindet, sondern in einem anderen Jahrhundert. Zeitreisen sind bei Autoren immer wieder beliebtes Stilmittel, Geschich...

Seite 34
ndPlusMichael Sollorz

Das verlorene Paradies

Abel ist dreizehn, als ihn seine Mutter, eine Schriftstellerin, auf einer Reise an die Mosel in das Geheimnis einweiht, dass es »zwei Formen der Rettung vor unbestimmter Furcht gibt: Kriminalromane und alle diejenigen Wirkstoffe, deren Namen das Wort Codein enthält. Schon ließ sie durchblicken, dass beides kombinierbar war.« Vierzig Jahre später, selber längst Schriftsteller geworden und allzu ver...

Katrin Greiner

Verschwunden in Brandenburg

Empfindet ein Vater, der seine mittlerweile 15-jährige Tochter 10 Jahre lang nicht gesehen hat, noch wie ein Vater? Wie fühlt man für sein eigen Fleisch und Blut, das man fast schon vergessen hatte? Fragen, denen sich Floyd stellen muss, als seine Tochter Josephine ihn zu Weihnachten in der brandenburgischen Einöde besuchen kommt. Eingeflogen aus London, wo sie mit ihrer Mutter lebt. Ursula Fricke...

Hans-Dieter Schütt

Von Kleingeist und Menschheit

In einer Art Nachwort, einem »Brief an einen jüngeren Weggenossen«, benennt Werner Makowski sein Credo: Schönheit sei herstellbar, die Welt verbesserungsfähig, das Leben gestaltbar. »Wenn der Inhalt bitter ist, die klassischen Formen sind heiter.« Und so strahlen diese Gedichte – viele kleine Meisterstücke elegantest gesetzter Genauigkeit und Stimmigkeit – einen verblüffend souveränen ...

ndPlusHenry-Martin Klemt

Lieder sind Schwalben

Ein Mann wie ein Ofen. Nicht nur, dass er wärmt – eine tschechische Berghütte, ein polnisches Theater, ein deutsches Kulturhaus. Als Jaromir Nohavica in einer alten Fabrikhalle seiner Heimatstadt Ostrava spielte, waren die 5000 Karten nach dreißig Minuten ausverkauft. Also gab er ein zweites Konzert ... Nicht nur, dass er eine Bühne füllt bis zum Rand, den das Scheinwerferlicht schon nicht m...

Seite 35
Karlen Vesper

Molodjez

Der Mann ist sympathisch, steht zu seiner Schwiegermutter, er schimpft nicht auf sie, schämt sich ihrer nicht. Jedes Jahr wollen »Tausende Menschen Neues über meine Schwiegermutter erfahren«. Unlängst ist Wladimir Kaminer sogar mit einem Filmteam, einem kriegserfahrenen, das schon in Tschetschenien und Afghanistan gedreht hat, zu ihr in den Kaukasus gefahren, damit alle Welt sie kennen und schätze...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Fliegender Holländer

»So sprechen wir miteinander, Menschen der untergegangenen sowjetischen Zivilisation – in Zitaten aus allerlei Gedichten und Liedchen, aus alten Filmen und alten Witzen. Was wollen wir uns damit sagen? Das ist die große Frage.« Oleg Jurjew Als auf Seite 65 von einem Zeiss-Fernglas die Rede ist mit einem geheimnisvollen Knopf unter dem Fokussierrad, von dem man die Finger lassen soll, da ist ...

ndPlusKarlheinz Kasper

Duell mit dem Diktator

Ossip Mandelstam (1891-1938), im »Silbernen Zeitalter« der russischen Literatur neben Anna Achmatowa und Nikolai Gumiljow einer der berühmten Dichter, war nach der Veröffentlichung des Prosatextes »Die Reise nach Armenien« (1933), einem Plädoyer für das Unterwegssein im Denken, in Ungnade gefallen, wurde nicht mehr gedruckt. Er begriff, wer hinter den politischen Schikanen stand, und entwarf im Ko...

Seite 36
Friedemann Kluge

Doppelagent wider Willen

Kaum ein geschichtliches Ereignis hat sowohl in historiografischer als auch in literarischer Hinsicht eine so umfangreiche Würdigung erfahren wie der amerikanische Bürgerkrieg. Die amerikanische Autorin Dara Horn hatte den Mut, sich dieses Themas wieder anzunehmen, und fand einen Zugang zu den Ereignissen, der als neu und originell bezeichnet werden kann. Aus einer staunenswerten Fülle von Quellen...

ndPlusAntje Stiebitz

Kein ich, kein du, nur wir

Auf eine Million Lebendgeburten kommt etwa ein Siamesisches Zwillingspaar. Leo und Ludwig sind ein solch seltenes Exemplar: Zwei Köpfe und Herzen teilen sich einen Körper. Eine verwirrende Sensation im Berlin Ende des 19. Jahrhunderts. Der Start der Brüder ist misslich, die Mutter verstirbt bei der Geburt, der Vater ist unbekannt. Die berufliche Neugier des berühmten Arztes Rudolf Virchow rettet d...

Walter Kaufmann

Ein Ire begreift New York

Dies ist ein Roman, den man gegen Ende zu langsamer liest, weil man ihn auskosten, sich nicht trennen will von den Wegen all der Menschen, die in ihm auftreten, nicht vom Schauplatz New York, dem Manhattan Island mit seinem Licht und Schatten oder dem Milieu der siebziger Jahre, das hier so plastisch geschildert wird. Colum McCann, der Ire, hat diese Zeit als Journalist, Farmarbeiter und Lehrer du...

Seite 37
ndPlusFriedrich Weissdorn

Durchs Leben wandern

Ein Baum, dessen knorriger Stamm für die Zimmermänner unbrauchbar ist, und da er auch kein Obst trägt, bleiben seine Äste zur Erntezeit unbeschädigt. Er kann sich selbst verwirklichen, wird riesengroß, bietet Vögeln Schutz und Menschen Schatten. Ein verkrüppelter Mensch, der nicht für öffentliche Arbeiten herangezogen werden kann und zwischen den zum Kriegsdienst verpflichteten Soldaten herumwatsc...

Christina Matte

Zeit in Schleifen

Bilodo ist Briefträger und siebenundzwanzig Jahre alt. Oder sollte man sagen: siebenundzwanzig Jahre jung? Wer mit siebenundzwanzig Briefträger ist, wird es vermutlich sein Leben lang bleiben. Daraus entspinnt sich die Geschichte. Wenn Bilodo die Treppenstufen zählt, die er allmorgendlich in der Rue de Hêtres erklimmt, um die Post an den Mann zu bringen, kommt er auf eintausendvierhundertfünfundne...

ndPlusInes Wallrodt

Der fünfzehnte Juli

Emma und Dexter sind gute Freunde und stellen diese Regeln auf: Nummer 1: getrennte Zimmer, Nummer 2: keine Annäherungsversuche, Nummer 3 und 4: keine nackte Haut und niemals Scrabble. Ganz klar, wer sowas braucht, hat Angst, sich ohne diese Regeln zu nahe zu kommen. Und wie es sich gehört, brechen sie sie alle, manche schon nach wenigen Stunden, andere halten aber doch bald zwanzig Jahre. Vor all...

Seite 38
ndPlusEberhard Reimann

Im Auge des Taifuns

Wie fasst man das Unfassbare in Worte? Wie beschreibt man das Unbeschreibliche? Das, was mit zwei Menschen unweigerlich passiert, wenn sie den Terror aus nächster Nähe er- und überlebt haben? Wie beschreibt man die Terrorangriffe vom 11. September 2001 auf das World Trade Center von innen heraus? Wer hat »saubere« Hände? Verdienen Täter den Tod? Stig Dalager, einer der bedeutendsten dänischen Schr...

Uwe Stolzmann

Dämonen, Exzentriker, Fanatiker

Es geht gewaltsam zu in den Texten des Roberto Bolaño. Häufig ist der Tod präsent und häufig das Grauen. Das Werk des Chilenen zeigt eine Welt des Wahns, bewohnt von Monstern und Dämonen, Exzentrikern und Fanatikern. Da wird viel gequält und gelitten, und manche Taten, auch manche Täter haben den Dichter lange begleitet. El Gusano zum Beispiel, der Wurm. »Er taucht als erstes in einem meiner Gedic...

Seite 39
ndPlusEva Peter

Geheime Namen

Eine Katze habe »drei verschiedene Namen«, meint Literaturnobelpreisträger T. S. Eliot (1888-1965): einen alltäglichen für den Hausgebrauch – wie Max oder Peter –, einen Spitznamen – wie Katzastrophal oder Kratzeleise – und einen, den nur sie selber kennt. »Da nützt kein Scharfsinn, da hilft kein Bitten. Sie bleibt die einzige, die ihn weiß.« Denn dass Katzen von ganz beson...

Klaus-Joachim Herrmann

Brillant in der Fassung

Auch der reizvollste Edelstein bedarf einer angemessenen Fassung. Die ist fein oder grob, auffällig oder unauffällig. Sie sollte in jedem Falle den ihr anvertrauten Gegenstand wahrhaft zur Geltung bringen. Er funkelt dann ganz auf seine eigene Weise. Erkennen wir schon mal allein ihrer Titel wegen »Die schönsten Märchen« als glitzernden Brillanten, dann gebührt den Illustrationen von Aljoscha Blau...

Gisela Karau

Zeitreise in die Vergangenheit

Wenn ich nach langer Zeit die abenteuerliche Geschichte von C.U. Wiesner lese, tun sich vor meinem inneren Auge Bilder einer Republik auf, die so ganz andere Seiten hatte als sie jetzt aufgeschlagen werden. Hier wird ein Märchen erzählt von einem Land der guten Leute, in welchem selbst schwer erziehbare böse Geister zum Guten bekehrt werden konnten. Ein Märchen, klar. Aber was ist gegen Märchen zu...

Seite 40
ndPlusIrmtraud Gutschke

Zum Liebhaben

Keinohrhasen« hieß eine Liebeskomödie von Til Schweiger, die ein absoluter Kinorenner war. »Zweiohrküken« – die Fortsetzung (auch von Til Schweiger) – soll Anfang Dezember Filmstart haben. Beste Werbung für das Bändchen »Keinohrhase und Zweiohrküken«, das freilich keine Nacherzählung der Filmszenarien ist, sondern ein bezauberndes Bilderbuch. Ein Buch zum Liebhaben. Schon ganz Kleine k...

Heidi Diehl

Abenteuer für Genießer

Cocolino ist ein Meisterkoch. Er kennt sich aus in der Wunderwelt der Gewürze und Geschmäcker. Und er kann seine Freunde Pomo, Dora und Picki-Nicki immer wieder mit seinen Geschichten von abenteuerlichen Reisen in die große weite Genuss-Welt begeistern. Nur über sein linkes blindes Auge schweigt er sich aus, das er so auffällig wie möglich mit einer Spiegelei-Maske bedeckt. Dafür aber erzählt der ...

ndPlusSilvia Ottow

Schätzeheben durch Sätzelesen

Sollte Anna wirklich über Eulenblumen und Pustespiegel schreiben? Oder waren es Spiegeleulen und Blumenpuste? Oder Pusteeulen und Spiegelblumen? Im Kopf des Mädchens in der ersten Geschichte dieser Anthologie wirbeln die Teile der beiden zusammengesetzten Wörter wild durcheinander. Als sie am Ende auch das Deutschheft nicht findet, in das sie ihre Gedanken eintragen will, zeichnet sie schließlich ...

Seite 44
ndPlusMartin Koch

Im Schatten der Bombe

Sein Name steht gleichsam symbolhaft für den Triumph und das Versagen der Wissenschaft im 20. Jahrhundert: J. Robert Oppenheimer. Der amerikanische Physiker verfasste einerseits brillante Arbeiten zur Quantenmechanik und Astrophysik, für die er übrigens nie den Nobelpreis erhielt. Andererseits leitete er den Bau der ersten Atombombe und gab der US-Regierung eine der schlimmsten Massenvernichtungsw...

Hartmut Kegler

Der Geburtshelfer

Der Name des Verfassers dieses Buches ist schon mal ein Gütesiegel. Er garantiert anspruchsvolle Literatur. Und in der Tat, auch diese neue Publikation von Friedrich Schorlemmer, diesmal eine Biografie von Albert Schweitzer, bestätigt dies erneut. Vorangestellt ist ihr mit Bedacht das Zuversicht vermittelnde Wort des Weisen aus dem Tropenwald: »Weil ich auf die Kraft der Wahrheit und des Geistes v...

Seite 46
Reiner Tosstorff

Utopische Dimension

Kürzlich erinnerte Thomas Kuczynski in der Ökonomiezeitschrift »Lunapark 21« daran, dass Marx und Engels oft von ihrem Freund Wilhelm Wolff wegen ihrer nicht eingetroffenen Krisenvorhersagen aufgezogen worden sind. 1857 aber habe sich Marx dann »wohl gefühlt«, als sie sich mit der ersten Weltwirtschaftskrise des Kapitalismus endlich einmal bewahrheitet hatten. In ähnlicher Weise war das zentrale T...

Seite 47
Baldur Kaulisch

Der Weg in die Katastrophe

Das deutsche Reich von 1871 bis 1918 war im Gefolge eines Krieges entstanden, und es ist im Gefolge eines Krieges untergegangen. Gegenstand des Buches von ND-Autor Gerd Fesser ist die Geschichte der zweiten Hälfte des wilhelminischen Kaiserreiches – so benannt nach einer seiner prägenden Gestalten: Kaiser Wilhelm II. Dieser letzte Hohenzollernkaiser, der 1888 mit 29 Jahren den Thron bestieg,...

ndPlusGünter Vogler

Wahrnehmungen

Wer in Annaberg im Erzgebirge die St. Annenkirche besucht, kann an der Empore zwanzig im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts von Franz Maidburg gemalte Szenen bewundern, die Männer und Frauen in unterschiedlichen Lebensaltern – von 20 bis 100 Jahren – vorstellen. Was wird aber für die verschiedenen Lebensalter als charakteristisch herausgestellt? Damit sind wir beim Thema Kultur- und M...

Seite 48
ndPlusFranz-Karl Hitze

Die fünf Affären des G.K.

Viele waren ahnungslos, doch manche ahnten, was nach Wende und Mauerfall auf die Ostdeutschen zukommen würde. Klaus Huhn dürfte zu Letzteren gehören. Der erfahrene und namhafte Journalist, bekannt für deftige Buchtitel, hat nach seinem Bestseller im Frühjahr dieses jahres erneut einen Bestseller platziert. Wen wundert's? Leser sind dankbar, wenn Wahrheiten ausgesprochen werden. Die deutsche Verein...

Mark Matthes

Eine Ermunterung

Warum ist die friedliche Revolution vor 20 Jahren in der DDR mit solch offiziellem Pomp und Jubel gefeiert worden? Weil sie die einzige in der deutschen Geschichte mit glücklichem Ausgang war? Weil das Endergebnis stimmte? Jedenfalls nimmt man nun mit besonderer Neugier das Buch des Kölner Historikers Alain Felkel zur Hand. Er hat ein Erkenntnisgewinn für diese Frage versprechendes Unternehmen gew...

ndPlusMarlene Schielmann

»Flügel sind zum Fliegen da.«

Da hat er nun vor knapp einem Jahr eine Streitschrift herausgebracht, die im Titel (zwar rein rhetorisch) fragte: »Eine Partei für das zweite Jahrzehnt: die SPD?« Und die dann klar antwortete: Die deutsche Sozialdemokratie kann die Zukunft meistern, denn sie tritt seit 150 Jahren für soziale Gerechtigkeit ein und hat in dieser Zeit gelernt, ökonomische und ökologische Verantwortung zu verbinden. U...

Seite 49
Wolfgang Wünsche

»Besondere Pflicht«

Rote Spiegel? Die Angehörigen des Wachregiments des MfS trugen normale NVA-Uniformen, aber mit einem roten Kragen-Spiegel. Dieses Unterscheidungsmerkmal wählte Eberhard Rebohle zum Titel seines Erinnerungsbuches. Im November 1949 als Wachbataillon der Volkspolizei gegründet und 1951 der Staatssicherheit unterstellt, waren die Standorte dieser Einheit Berlin-Adlershof, Erkner, Biesenthal, Teupitz u...

Klaus Haupt

»Aber keinen Intimkontakt!«

Dies ist, so wird als Untertitel versichert, »Ein anderer Spionageroman«. Und in der Tat. Hier gibt es keine knallharten Szenen und nicht einen einzigen Toten, wie beim berühmten »Spion, der aus der Kälte kam« und der des Autors erster Weltbestseller geworden ist. In diesem Erstlingsroman eines bislang unbekannten Autors wird unter anderem erzählt, wie man einen Spion – den man zu seiner Zei...

ndPlusJohnny Norden

Die Spur des Condors

Wie sich die Bilder gleichen. Wie die USA Dschihadkämpfer in der arabischen Welt mit Waffen ausrüsteten und dann die Kontrolle über jene verloren haben, so hatten sie vor über 30 Jahren mit der Operation Condor ein internationales Terrornetzwerk unterstützt, das ihr selbst zum Schaden gereichen sollte. In den 70er Jahren hatten sich die Geheimdienste mehrerer lateinamerikanischer Staaten (Chile, A...

Seite 50
ndPlusHeinrich Fink

Spektakulärer Fund in Basel

Vor Kurzem, zum Jahrestag der Pogrome in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938, lasen Schüler der Anne-Frank-Schule aus einer szenischen Collage zum 80. Geburtstag von Anne Frank. Ergriffene Stille war im Raum des jüdischen Gemeindehauses in der Fasanenstraße in Berlin. Sie lasen aus dem Tagebuch der Anne Frank. Über das eingesperrte Leben im Hinterhaus, in dem sie sich mit ihren Eltern, ihrer Sc...

Reinhold Andert

Der Mörder von Landsberg

Eine witzige Bemerkung sorgte im Frühjahr im Brandenburger Landtag für Aufregung: Zur Eröffnung der Spargelsaison sagte ein SPD-Mann: »Das Beste von Kartoffeln, Spargel und Adelsfamilien ruht unter der Erde«. Die Adels- und Bankenpartei CDU protestierte sofort. Mit Recht. Denn das, was da auch unter Brandenburger Erde an hochwohlgeborenen Knochen vor sich hin fault, war nicht das Beste. Jedenfalls...

ndPlusWolfgang Sabath

Es ist nicht zu begreifen

Olga Adamowa-Sliosberg (1902 bis 1992) verbrachte 20 Jahre ihres Lebens in Gefängnissen und Lagern, verurteilt wegen Nichtanzeige des Ehemanns (Artikel 58 des sowjetischen Strafgesetzbuches). Ihre Geschichte ist die umfangreichste in diesem Buch. Selbst die größten »Relativierer« unter uns kommen inzwischen nicht mehr umhin, beschämt, traurig oder verbittert wenigstens zu schweigen, wenn von den T...

Seite 51
ndPlusHans Canjé

Ein Vermächtnis

In seinen 2008 erschienenen »Biographischen Notizen«, einer Bilanz seiner 50-jährigen Tätigkeit als Historiker in Rostock, nennt Karl-Heinz Jahnke unter den Büchern, »die ich noch schreiben wollte«: »Zeitzeuginnen. Zur Erinnerung an Frauen, die gegen Faschismus und Krieg, für Frieden und Menschenrechte eingetreten sind«. Seine Freunde wussten, dass der damals 74-Jährige schon mit einer bösartigen ...

Karlen Vesper

Verantwortung

Was ist ein Turmschreiber? Michaela Karl ist Mitglied der Münchner Turmschreiber. Auf die Autorin ist die Leserin in Berlin aufmerksam geworden. Denn sie beeindruckte mit einer Erzählung in Porträts über die Münchener Räterepublik. Einer Revolution, für die sich die etablierte Zunft nicht sonderlich interessiert und die in Bayern nach wie vor verhasst ist. Auch ihr Suffragetten-Buch setzte ein Aus...

Franka Klein

Die Verpflichtung

Anfangs beeindruckte mich nur das Neue: das gemeinsame Leben, die Gleichheit aller – die Arbeit wurde von allen abwechselnd verrichtet. Davon war ich sehr angetan. Ich fand es richtig, dass auch die privatesten Angelegenheiten, etwa das Kinderkriegen, gemeinsam diskutiert und entschieden wurden.« Alisa Fuss berichtet über ihre ersten Jahre in Palästina. »Es gab auch immer viele politische Di...

Seite 52
ndPlusGabi Kotlenko

Unvergessene Helden

Wer erinnert sich nicht an den legendären Ausruf Heinz Florian Oertels, gerichtet an alle werdenden Väter: »Nennen Sie Ihren Sohn Waldemar«? Es war der Moment, als der Hallenser Waldemar Cierpinski 1980 bei den Olympischen Spielen in Moskau sensationell zum zweiten Mal die Goldmedaille im Marathonlauf erkämpfte. Oder an das legendäre Tor Jürgen Sparwassers beim 1:0-Sieg der DDR über die BRD am 22....

Reiner Stach

Von Berlinchen nach Berlin

Menschen mit vielfachen Begabungen sind eine seltene, aber um so nachhaltigere Provokation des gebildeten Publikums. Künstler, die zugleich Erfinder sind (Leonardo da Vinci), Philosophen, die als Mathematiker hervortreten (Leibniz) oder Musik komponieren (Adorno), ganz zu schweigen von Politikern, die schreiben können (Churchill) – solche Multitalente machen es schwer, ihrer verzweigten Krea...