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Unten links

Aus Protest gegen die Klimaerwärmung haben Umweltaktivisten auf dem Berliner Schlossplatz überdimensionierte Schneemänner errichtet. Wie bitte? Man reibt sich die Augen und liest die anachronistische dpa-Meldung nochmal. Handelt es sich hier um das von Engels im »Anti-Dühring« formulierte dritte dialektische Grundgesetz, das Gesetz von der Negation der Negation? Egal, man friert und wünscht sich e...

Jürgen Reents

Unverzichtbar

Über die Rolle von Personen in der Geschichte, namentlich der eigenen, ist in der internationalen Linken schon viel gestritten worden. Häufig diente die These, dass es nicht Einzelne, sondern die Massen seien, die das politische Rad drehen, nur dazu, diese als Individuen gering zu schätzen – um ihnen in der Summe die bloße Gefolgschaft von einem oder doch wenigen großen Chefs zuzuweisen. Mit...

Afghanen wählen erst im September

Die Parlamentswahl in Afghanistan wird um vier Monate verschoben. Wie die Wahlkommission am Sonntag mitteilte, soll die Wahl wegen Finanzierungs- und Sicherheitsproblemen nicht wie geplant am 22. Mai, sondern erst am 18. September stattfinden.

Uwe Kalbe

Die LINKE muss sich neu finden

Nun soll es möglichst schnell gehen. Zwei Tage nach der offiziellen Erklärung, dass Oskar Lafontaine sich aus der Bundespolitik zurückzieht, beginnen die Gremien heute mit der Suche nach Kandidaten für die künftige Führung der LINKEN.

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Debatte über Rot-Rot-Grün

Vielleicht zufällig zeitgleich mit der Rückzugsentscheidung von Oskar Lafontaine, auf jeden Fall passend zur strategischen Debatte der LINKEN, wurde jetzt ein Aufruf junger Politiker aus SPD, Grünen und Linkspartei veröffentlicht. Unter dem Titel »Das Leben ist bunter!« plädieren die Unterzeichner für einen Dialog über die Frage, wie gesellschaftliche und letztlich parlamentarische Mehrheiten jens...

Suche nach neuem Team

Die Stellungnahmen aus der LINKEN zur Entscheidung Oskar Lafontaines bekunden durchweg Verständnis und Bedauern. Gewürdigt wird seine Rolle für die bisherigen Erfolge der Partei. Ohne ihn, so heißt es zumeist, hätte es die neue LINKE nicht gegeben. Darüber hinaus werden erste Konsequenzen refelektiert.

»Was vorher war, können die Historiker bearbeiten«

»Was vorher war, können die Historiker bearbeiten«

Klaus Ernst ist Vizevorsitzender des Vorstandes der Linkspartei und Vizefraktionschef im Bundestag. Der Gewerkschafter war einer der Mitbegründer der WASG. Sein Name ist einer derjenigen, die für den künftigen Parteivorsitz gehandelt werden. Im Streit um Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch hatte er diesen der Illoyalität bezichtigt, Oskar Lafontaine hat sich in seiner eigenen knappen Stellungnahme zum Thema ausdrücklich auf Ernst berufen. Mit ihm sprach für Neues Deutschland Uwe Kalbe.

Hans-Gerd Öfinger, Stuttgart

Leitlinien fürs Ländle

Gut ein Jahr vor der Wahl in Baden-Württemberg hat die LINKE den erhofften Einzug in den Stuttgarter Landtag fest im Blick. Ein Landesparteitag in der Schwabenmetropole verabschiedete hierzu am Wochenende erste Leitlinien. Daneben spielte die aktuelle Lage der Bundespartei eine wichtige Rolle.

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ndPlusJürgen Reents

Hoffnung auf baldigen Minderheitenschutz

Zum Schluss gab die Sängerin und Schauspielerin Gina Pietsch den versammelten Vorständen Brechts »Lob des Zweifels« mit auf den Weg: »Du, der du ein Führer bist, vergiß nicht, / Dass du es bist, weil Du an Führern gezweifelt hast. / So gestatte den Geführten / Zu zweifeln!«

Uwe Kalbe

Die LINKE erhält ein Orakel an der Saar

Sicher war ihm nicht nach Kräftemessen zumute an diesem Sonnabend. Aber ab und an blitzte die gewohnte Schlagfertigkeit bei Lafontaine auf. Es ist nicht anzunehmen, dass sich seine Angriffslust legt.

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ndPlusWolfgang Hübner

Griff in die Tasche

Am heutigen Montag werden die ersten Krankenkassen bekannt geben, dass sie Zusatzbeiträge erheben. Diese Möglichkeit hatte die Merkel-Steinmeier-Regierung den Kassen ausdrücklich angeboten, wenn nicht sogar aufgedrängt: Der Moloch Gesundheitsfonds, eine Erfindung der Großen Koalition, ist bürokratisch und teuer und muss zudem nicht vollständig die Gesundheitskosten decken. Das heißt: Die Krankenka...

ndPlusMartin Ling

Boliviens große Vision

Evo Morales nimmt die neue Verfassung ernst. Sie sieht eine Gleichstellung der Geschlechter vor und Boliviens Präsident hat sich bei der Ernennung der Regierung zum Start der zweiten Amtszeit daran gehalten: 10 der 20 Kabinettsmitglieder sind künftig Frauen, im scheidenden Regierungsteam waren es gerade mal vier. Es ist nicht das einzige Zeichen, das Morales bei der Zusammenstellung seines neuen K...

Grit Gernhardt

Zweitklassig

Wer in dieser Gesellschaft auf Sozialleistungen angewiesen ist, gilt der Boulevardpresse als faul und der schwarz-gelben Politik als arbeitsscheu. Auch die Kinder von Erwerbslosen sollen sich anscheinend gleich daran gewöhnen, dass man, einmal in den Hartz-IV-Mühlen gefangen, für den Staat einen geringeren »Wert« besitzt. Kurz vor Jahresbeginn hatten sich FDP und Union nämlich noch auf ein kleines...

Hans-Dieter Schütt

Schräg

Ihre »Hedda Gabler« an der Berliner Schaubühne 2007, Regie: Thomas Ostermeier, war erregendes Theater. Und es war ein Musterbeispiel für den Auf- und Durchbruch einer jungen Schauspielergeneration, die etwas Raues, Ruppiges, bewusst Antikulinarisches hat (Fritzi Haberlandt, Milan Peschel, Peter Kurth). Die Schüttler als Ibsens Hedda Gabler: Bild einer Jugend, die nicht mal mehr eine Idee braucht, ...

Die Medienmaschine
Jürgen Amendt

Die Medienmaschine

Manchmal tut das »Bild«-kritische Watchblog »bildblog« der »Bild«-Zeitung ja unrecht. Zum Beispiel kürzlich, als die Macher der Internetseite meinten, das Springer-Blatt habe den Tod der Moderatorin Petra Schürmann mit einer falschen Altersangabe vermeldet. Während alle anderen Medien das Alter der Gestorbenen mit 74 angaben, beharrte »Bild« darauf, dass die frühere »Miss World« im Alter von 76 Ja...

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Das Unwahrscheinlichste ...

Zu seinen Freunden gehörte Eugen Kogon, er hat Eleanor Roosevelt in den Mantel geholfen, philosophierte mit Nelson Mandela über Schuld, und Sühne, führte geistreiche Gespräche mit dem Dalai Lama. Er war Soldat, Mitglied der Resistance, Diplomat, er ist der letzte noch lebender Mitautor der UNO-Menschenrechtscharta: STEPHANE HESSEL. 1917 in Berlin geboren,Umzug nach Paris. Er wächst in einer künstlerisch-intellektuellen Familie auf. Die Eltern führen eine offene Ehe. Sie sind das Vorbild für Truffauts Film »Jules et Jim«. Der heute 93-jährige Hessel reist als »Ambassadeur de France« durch die Welt, mischt sich in Menschenrechtsfragen ein, fliegt schnell mal von Paris zu einer Pressekonferenz nach Berlin, kurz vorm Rückflug hat er 45 Minuten Zeit – mit Stephane Hessel sprach BURGA KALINOWSKI.

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Plant Schwarz-Gelb »Gesundheits-Soli«?

Hamburg (epd/ND). Zur Finanzierung der Gesundheitsreform denkt das Bundesfinanzministerium nach einem Bericht des »Spiegel« über einen »Gesundheits-Soli« nach. Das Ministerium halte die von der FDP geforderte einheitliche Gesundheitsprämie nur dann für umsetzbar, wenn die dann fällig werdenden staatlichen Zahlungen für den Sozialausgleich über gesetzliche Steuereinnahmen finanziert würden, bericht...

Auch uralte Atommeiler weiter in Betrieb

Berlin (dpa/ND). Alle 17 Atomkraftwerke in Deutschland sollen mindestens bis zum Herbst Strom liefern. Dann will die Bundesregierung über eine Verlängerung der Laufzeiten entscheiden. Auch die unmittelbar vor der Abschaltung stehenden Uraltmeiler Neckarwestheim I in Baden-Württemberg und Biblis A in Hessen sollen nach den Vorstellungen von Schwarz-Gelb und der vier großen Energiekonzerne am Netz b...

Für Hartz-Bezieher mit Kind keine Milde

Hartz-IV-Betroffene mit Kindern sollen nach dem Willen von Schwarz-Gelb in keinem Fall von der Kindergelderhöhung profitieren, auch wenn die 20 Euro pro Kind im Januar schon ausgezahlt wurden.

Steffen Twardowski

Mehrheit der Bevölkerung lehnt Parteispenden ab

Eine bekannte Forderung der LINKEN erhielt jüngst erneut Auftrieb: Spenden von Unternehmen an Parteien sollen verboten werden. Gregor Gysi betonte im Bundestag, dass solche Zuwendungen und ihre Annahme die parlamentarische Demokratie gefährden, weil die Politik immer stärker in den Ruf gerate, korrupt zu sein. Denn August Baron von Finck, Miteigentümer der Mövenpick-Hotels, hatte der FDP 1,1 Millionen Euro und der CSU 820 000 Euro gespendet. Beide Regierungsparteien beschlossen danach, die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen von 19 auf 7 Prozent zu senken.

ndPlusJörg Meyer, Chemnitz

DGB zeigt sich kampfbereit

Hanjo Lucassen wurde nach 19 Jahren an der Spitze des DGB Sachsen in den Ruhestand verabschiedet. Seine Nachfolgerin kündigt ein kampfreiches Jahr 2010 an.

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Manuel Zelaya willigt in Ausreise ein

Tegucigalpa (dpa/ND). Der gestürzte honduranische Präsident Manuel Zelaya hat am Sonnabend eingewilligt, in die Dominikanische Republik auszureisen. Damit nahm der seit vier Monaten in der brasilianischen Botschaft in der Hauptstadt Tegucigalpa festsitzende Politiker ein Angebot an, das sein gewählter Nachfolger Porfirio Lobo und der dominikanische Präsident Leonel Fernández am Mittwoch ausgehande...

Medwedjew für mehr Parteienvielfalt

Moskau (dpa) Russlands Präsident Dmitri Medwedjew will mehr Parteien in den Regionalparlamenten sehen und deshalb die bisherige Sieben-Prozent-Hürde senken. Einen entsprechenden Antrag brachte Medwedjew in die Staatsduma ein, berichtete die Agentur Ria Nowosti. Erreicht nun eine Partei in Regionalwahlen mehr als fünf Prozent, so soll sie mindestens einen Parlamentssitz erhalten. Außerdem müssen be...

Obama kritisiert Obersten Gerichtshof

Washington (AFP/ND). USA-Präsident Barack Obama hat den Obersten Gerichtshof wegen seines Grundsatzurteils zur Wahlkampffinanzierung heftig kritisiert. »Dieses Urteil greift unsere Demokratie direkt an«, sagte er am Sonnabend in seiner wöchentlichen Radio-Ansprache. Die höchstrichterliche Entscheidung habe »die Schleusen geöffnet«, über die »unbegrenzte Mengen an Lobbyisten-Geldern« in das politis...

Haft ohne Urteil für 50 Guantanamo-Gefangene

Rund ein Viertel der knapp 200 verbliebenen Guantanamo-Insassen sollten aus Sicht einer staatlichen Sonderkommission der USA auch nach Schließung des Lagers ohne Prozess in Haft bleiben.

112 000 Tote, aber auch noch Wunder in Haiti

Obwohl Haitis Regierung nicht mehr nach Überlebenden suchen will, ereignen sich im Erdbebengebiet noch kleine Wunder: Ein französisches Team rettete am Sonnabend, elf Tage nach der Katastrophe, einen 25-Jährigen aus den Trümmern eines Hotels.

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Jan Keetman, Istanbul

Die Generäle und der Vorschlaghammer

Die Veröffentlichung eines angeblichen Putschplanes des Militärs aus dem Jahre 2003 sorgt in der Türkei für Aufsehen. Er sah Bombenanschläge auf Moscheen in Istanbul und die Provozierung einer militärischen Krise mit Griechenland vor. Das Militär wiegelt ab, das Papier sei lediglich eine Montage aus Kriegsszenarien.

ndPlusKarin Leukefeld

Irak sondert mehr als 500 Kandidaten aus

Der Ausschluss hunderter Kandidaten und einer Reihe von Parteien von den Parlamentswahlen am 7. März sorgt in Irak für heftigen Streit. Den Ausgeschlossenen wird Nähe zur verbotenen Baath-Partei vorgeworfen. Die von Ministerpräsident Nuri al-Maliki angestrebte nationale Versöhnung scheint gescheitert.

Manfred Schünemann

Endrunde im ukrainischen Wahlkampf

Kaum waren vor einer Woche die Stimmen des ersten Wahlgangs der Präsidentenwahlen in der Ukraine ausgezählt, rüsteten sich die Lager der beiden Erstplatzierten – Viktor Janukowitsch und Julia Timoschenko – für die Stichwahl am 7. Februar.

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»Die Energiewende ist möglich«

»Die Energiewende ist möglich«

Ein ökologischer Energiekonzern, der in der Branche konkurrenzfähig ist – davon träumt die Freiburger Genossenschaft »Energie in Bürgerhand« (EiB): Sie will mit 100 Millionen Euro bei der einstigen E.on-Tochter Thüga einsteigen, dem fünftgrößten Energieversorger, der jetzt einem Konsortium aus rund 50 Kommunalunternehmen gehört. Mit Burghard Flieger, EiB-Vorstand, sprach Patrick Kunkel über das in Deutschland einmalige Projekt.

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Andrang in der Pariser Pfandleihe

Auch in Frankreich leiden die Bürger unter der Krise. Auffällig wird das durch den großen Andrang in den Pfandleihen des Landes. Zudem sind wieder mehr Familien überschuldet.

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Der Ruf ist ruiniert

Schlecker machte in den vergangenen Tagen stets negative Schlagzeilen. Schlecht bezahlte Leiharbeit und angekündigte Filialschließungen treiben nun ver.di die Mitglieder zu.

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ndPlusGünter Queißer

Heizen mit dem Apfellager

Zum zehnten Mal wurde auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin zum Tag des Ökologischen Landbaus eingeladen und der Förderpreis Ökologischer Landbau vergeben. In seinem Vortrag plädierte der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler für eine ökologische und soziale Agrarpolitik. Lebensmittelproduktion dürfe nicht auf Kosten der Umwelt gehen. Die Gesellschaft dürfe aber auch nicht den Landwirten ...

Bernhard Clasen

Neuer Dreck für den Baikalsee

Das Papier- und Zellulose-Kombinat am Baikalsee wird seinen Betrieb wieder aufnehmen. Am 13. Januar hatte Russlands Premierminister Wladimir Putin das zweijährige Verbot der Einleitung von Industrieabwässern in den Baikalsee aufgehoben.

Susanne Götze

Wie weiter nach Kopenhagen?

Die Klimakonferenz in Kopenhagen war ein Desaster – darüber ist sich die Klimabewegung einig. Doch auch dem Protest fehlte es an Schlagkraft, räumen Aktivisten ein. Auf einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung wurde Ende der Woche diskutiert, wie es weitergehen soll.

ndPlusDieter Hanisch, Kiel

Eulenschützer schlagen Alarm

Eulenschützer sind beunruhigt: Der Bestand der Tiere nimmt ab. Im vergangenen Jahr sind in vielen Populationen weniger Jungtiere gezählt worden. Kernproblem ist ein rückläufiges Nahrungsangebot. Ferner reduzieren sich vielerorts die Brutgelegenheiten.

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Dies ist nicht Mogadischu

Dass mit Politikern die Pferde durchgehen, ist an sich nichts besonderes. Thilo Sarrazin etwa war in der Vergangenheit ein Garant für unausgegorene, pauschale Urteile, die Wissenschaftler nach seinem letzten Interview gar als rassistische Äußerungen einstuften. Von diesem Niveau ist der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Jürgen Trittin, weit entfernt. Was ihn jedoch ritt, für Berlin kurzerhand »St...

Fragwürdige Überwachung bei der BVG

(ND-Kröger). Exakt 6404 Videokameras sind bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) im Einsatz. Die Zahl ergibt sich aus einer Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Benedikt Lux. Während bereits 100 Prozent der U-Bahnhöfe mit Kameras ausgestattet sind, bewegt sich die durchschnittliche Ausstattung mit Überwachungsinstrumenten bei U-Bahnwagen und Trams bei rund 30 Prozen...

SPD will solidarische Modellstadt entwickeln

(dpa/ND). Mit einem Mix aus Stärkung der Wirtschaftskraft, sozialer Integration und Klimaschutz will die Berliner SPD-Fraktion die Abgeordnetenhauswahl 2011 erneut gewinnen. Bei ihrer dreitägigen Klausurtagung im thüringischen Eisenach legte sie zusammen mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und ihren Senatoren ihre Schwerpunkte bis zur kommenden Wahl fest. »Wir gehen in guter Stimmung ...

Der lange Weg zur Ambulanz
Stefan Otto

Der lange Weg zur Ambulanz

Pierre lehnt auf einer Krücke vor einem Schnellimbiss in der Schönhauser Allee und bittet die Passanten um etwas Geld. Mit leiser, aber fester Stimme. Am Bein hat er schon seit Wochen eine Wunde, die eitert. Das riecht übel. Er braucht dringend einen Arzt – aber da fangen seine Probleme an. Denn Pierre, ein Mann um die 30, ist nicht krankenversichert, und als Wohnungsloser bekommt er auch ke...

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Belle Vue auf die Welt

(epd). Ob sich der »Große Kurfürst« Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg (1620-1688) über das Geschenk wirklich gefreut hat, ist nicht bekannt. Angeben konnte er damit auf jeden Fall: 125 Kilogramm wiegt der einzigartige Prunkatlas, und aufgeschlagen misst er 2,20 Meter mal 1,70 Meter.Für den Transport sind noch heute sechs Personen nötig, zum Umblättern bis zu vier. Das in Leder gebundene barocke...

Bad im Taler-Segen ist nur ein kurzer Rausch
Ulrike von Leszczynski, dpa

Bad im Taler-Segen ist nur ein kurzer Rausch

Einmal fühlen wie Dagobert Duck? Im Berliner Museum für Kommunikation ist das zur Zeit kein Problem. Dort lädt eine große Schatzkiste die Besucher dazu ein, mit beiden Händen in einem Meer aus glänzenden Münzen zu wühlen. Wer beim leisen Klirren der Geldstücke ein prickelndes Gefühl verspürt, ist in der neuen Sonderausstellung »Die Sprache des Geldes« richtig. Auf ungewöhnliche Weise nähert sich d...

Anästhesie der Gefühle
Volkmar Draeger

Anästhesie der Gefühle

Nicht genug, dass viel Unheil auf dieser Welt passiert, vom Amoklauf bis zu Naturkatastrophen biblischen Ausmaßes, heizen die Medien durch Ausstellen krimineller Energien zusätzlich noch tüchtig ein. Ein Blick auf die Krimi-Toten und auf perfide Cinema-Mord-Mechanismen, wie sie an einem beliebigen Tag Fernsehjournale unterm Deckmäntelchen der Psychologisierung offerieren, macht das klar. Selbstmor...

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Was eine Wanderzelle alles erlebt
Andreas Heinz

Was eine Wanderzelle alles erlebt

Als Chirurg an der Berliner Charité hatte er tiefe Einblicke in den Menschen. Er verglich ihn mit einer Fabrik, einem der in den 1920er Jahren hochmodernen Industriepalästen. Seine Vorstellungen ließ er in Buchillustrationen umsetzen. Damit wollte Fritz Kahn (1888- 1968) dem Laien das Zusammenspiel der Organe auf populärwissenschaftliche Weise verständlich machen: Das Herz als Kolbenpumpe, das Geh...

ndPlusVelten Schäfer, Schwerin

Das Ärgernis am Burgsee

Der Schweriner IHK-Präsident Hans Thon bezieht den 14-Millionen-Neubau seiner Kammer. Doch es ist eine Niederlage für den Unternehmer Thon, der 2008 als Gegner eben dieses Baus in sein Amt kam.

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Eis stoppt Schifffahrt

Magdeburg/Hannover (dpa/ND). Die klirrende Kälte und große Eisschollen haben die Schifffahrt auf Teilen des Mittellandkanals zum Erliegen gebracht. Zwischen der Schleuse Sülfeld bei Wolfsburg und der Schleuse Rothensee in Magdeburg fahren seit Samstagabend keine Schiffe mehr, teilte die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Mitte in Hannover mit.Zwei Schiffe wurden von Eisbrechern am Samstag noch durc...

Immer größere Lücken im Etat

Potsdam (dpa). Die Lücken in Brandenburgs Haushalt werden nach Angaben des Finanzministeriums zunehmend größer. So werden sich allein die Einnahmen aus dem Solidarpakt pro Jahr um 100 Millionen Euro reduzieren, erklärte Sprecherin Ingrid Mattern. »Die demografische Entwicklung, die Sicherung der Versorgungsleistungen im öffentlichen Dienst, die Veränderungen der Förderpolitik der EU, das Wachstums...

Huber sieht sich von BayernLB getäuscht

München (dpa/ND). Im Milliardendesaster der BayernLB wegen des Aufkaufs der maroden Hypo Alpe Adria sieht sich der frühere bayerische Finanzminister Erwin Huber (CSU) von der Landesbank getäuscht.»Ich fühle mich vor allem deshalb getäuscht, weil sich private Investoren offenbar am Verkauf der Hypo Alpe Adria eine goldene Nase verdient haben. Diese Zusammenhänge waren nicht erkennbar«, sagt Huber d...

Alte Stasi-Vorwürfe neu verpackt
ndPlusAndreas Fritsche

Alte Stasi-Vorwürfe neu verpackt

Er habe keine Berichte für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verfasst, diese Berichte seien für ihn geschrieben worden, sagte Heinz Vietze. Mit diesem Bonmot beschrieb der letzte Potsdamer SED-Bezirkssekretär das Abhängigkeitsverhältnis. Die normale Beziehung zwischen einem hohen SED-Funktionär und dem Ministerium war damit treffend charakterisiert. Doch der Vorwurf, Zuträgerdienste gelei...

ndPlusWilfried Neiße

Im Gefängnis sind noch Plätze frei

In Brandenburg stehen Gefängnisse halb leer, in Berlin quellen sie über. Doch will Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) nicht auf das Angebot eingehen, ein Gefängnis einfach zu übernehmen: Dies wäre rechtswidrig.Die Verhältnisse im brandenburgischen Justizwesen haben sich in den vergangenen Jahren offenbar und auch erfreulicherweise deutlich entspannt. Seit langem wird die in den 90er ...

Michael Schulze von Glaßer

Rollender Protest

Im Münsterland formiert sich Widerstand gegen die geplante Verlagerung des Atommülls von Jülich nach Ahaus. Am Wochenende fuhr ein mit Anti-Atom-Fahnen geschmückter Autokorso durch die Region. Bis zum Ablauf der Betriebsgenehmigung im Juni 2013 will das Forschungszentrum Jülich seinen Atommüll aus dem stillgelegten Versuchsreaktor nach Ahaus bringen. Das stark strahlende Material lagert in 152 Castoren in Jülich.

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ndPlusWolfgang Hübner

MOSEKUNDS MONTAG

Herr Mosekund, angesteckt vom Weltrettungsfieber, war auf der Suche nach alternativen Energiequellen. Da las er einen Artikel über Glühwein. Als besonders gemütlich wurde es darin beschrieben, an einem kalten Winterabend bei einem Glas Glühwein ein gutes Buch zu lesen. Sehr gut, dachte Herr Mosekund und kaufte eine Flasche. Zu Hause erhitzte er den Glühwein, füllte ihn in ein Glas, setzte sich in ...

Walter Kaufmann

Unter Brücken und in der Anwaltskanzlei

Günter Wallraffs »Expeditionen ins Landesinnere«, so der Untertitel seines jüngsten Buches, erweisen sich als gewagte Einsätze eines Einzelkämpfers. Sie erinnerten mich an jenen weißen Amerikaner, der sich in den siebziger Jahren als Schwarzer dem US-amerikanischen Alltag in den Südstaaten stellte und danach das erschütternde Buch »Black like me« verfasste. Die Erfahrungen, die Wallraff zeit seine...

Kopplung von Glück und langem Leben
Martina Jammers

Kopplung von Glück und langem Leben

Seit einigen Jahren genießen sie auch hierzulande Kultstatus: die Mangas. In Japan begann der Boom mit Comics bereits nach dem Zweiten Weltkrieg, er macht heute gar 40 Prozent aller Drucksachen dort aus. Jeder Japaner kauft durchschnittlich 20 Mangas pro Jahr. Die Popularität ist darauf zurückzuführen, dass es für jede Altersgruppe und zu jedem erdenklichen Thema den passenden Comic gibt: So stehe...

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Bald eine Universität?

Eine Entscheidung über die Umwandlung der Hochschule für Film und Fernsehen »Konrad Wolf« Postdam-Babelsberg (HFF) in Deutschlands erste Filmuniversität ist derzeit noch nicht absehbar. »Es geht nicht um eine bloße Ernennung, es geht um einen qualitativen Sprung«, sagte Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. »Um diesen Sprung mache...

Jan Freitag

Touristen

An sperrigen Gedenktagen wie dem zur Befreiung von Auschwitz vor 65 Jahren zeigt sich, wer im deutschen Fernsehen Verantwortung trägt und wer nicht. Man könnte meinen, politisch bedeutsame Gedenktage seien das tägliche Brot von Nachrichtensendern. Da müssten n-tv und N24 am Mittwoch voll sein von Filmen zum Thema Holocaust, Nazi-Deutschland, Auschwitz. Schließlich wurde das bekannteste aller Konze...

Schwarz-Grün auf dem Nachttisch
Wolfgang Hübner

Schwarz-Grün auf dem Nachttisch

Sie werden es nicht tun, so viel steht fest. Jedenfalls die meisten von ihnen nicht. Sie werden nicht rausziehen aufs Land. Sie reden nur darüber, sie träumen sich die Sache schön, und je länger sie darüber reden, desto größer die Gewissheit, dass sie bleiben werden. Denn sehen und gesehen werden, große Pläne machen und damit sich selbst und anderen die Taschen vollhauen, das funktioniert nur auf ...

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Lange mit historischem Sieg

Historischer EM-Erfolg für einen zu Tränen gerührten Bobpiloten André Lange (Foto: dpa). Beim 152. und letzten Weltcuprennen seiner 17-jährigen Karriere gewann der 36-jährige Oberhofer mit dem Vierer seinen insgesamt achten EM-Titel und überholte damit den nicht mehr aktiven Unterhachinger Christoph Langen (sieben Titel). Beim Weltcup-Finale in Innsbruck-Igls verwies Lange am Sonntag den Schweizer...

Glücksspiele in Dresden
ndPlusOliver Händler, Dresden

Glücksspiele in Dresden

Selbstvertrauen für Vancouver tanken, hieß die Devise des deutschen Shorttrack-Bundestrainers Éric Bédard. Und lange Zeit hatte es so ausgesehen, als ob dies bei den Europameisterschaften in Dresden nur den Männern gelingen sollte, denn Aika Klein, der einzigen Olympiastarterin Deutschlands, klebte drei Tage lang das Pech an den Kufen. Doch gestern Abend waren es Klein und ihre Staffelkolleginnen,...

ndPlusJürgen Holz

Für die eine Olympia das Ende, für die andere die Premiere

Anterselva in Südtirol war sechste der insgesamt neun Weltcupstationen in diesem Olympiawinter und zugleich der letzte Test vor den Winterspielen, die im Biathlon gleich am zweiten Olympiatag (13. Februar) mit dem 7,5-km-Sprint der Frauen beginnen. Es war ein verheißungsvoller Test aus deutscher Sicht mit vier Siegen – allerdings in Abwesenheit eines Großteils der Weltspitze und vor allem de...

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Deutsche Männer verhinderten EM-Aus

Bundestrainer Heiner Brand atmete nach einer dramatischen Schlussphase erleichtet auf, die deutschen Handballer lagen sich in den Armen, Tausende Fans feierten ausgelassen auf den Rängen: Die deutsche Auswahl hatte bei der EM in Österreich dank ihrer bislang besten Turnierleistung und einem überragenden Torwart Silvio Heinevetter (Berlin), der nach 20 Minuten den Hamburger Johannes Bitter ablöste,...

ndPlusAlexander Ludewig, Magdeburg

Turbine Potsdam gelang dritter Streich in Folge

Die Nacht zuvor war kurz, dennoch hatten die acht jungen Frauen am Sonnabendmorgen auf dem Magdeburger Hauptbahnhof beste Laune. Mit der Unterstützung einiger Energydrinks und in Vorfreude auf den DFB-Hallenpokal im Frauenfußball stimmten sie in der Straßenbahn zur Bördelandhalle so manches Fußballlied an. Sie waren aus Berlin gekommen, um ihre Freundinnen von Tennis Borussia anzufeuern. Auch wenn...

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Mark Wolter

Unstreitbar

Bundestrainer Joachim Löw ruft Deutschlands beste Fußballer zur Nationalmannschaft – und schon geht das Theater um Sinn und Unsinn, Dauer und Terminlage der Vorbereitungstreffen wieder los. Diesmal an vorderster Front der Kritiker: Louis van Gaal. Der Trainer des FC Bayern München echauffiert sich über den heute in Stuttgart beginnenden Kurzlehrgang der deutschen Fußball-Nationalmannschaft s...

Fußball-Splitter

Fußball-Splitter

PSV Eindhoven, Manchester United, Real Madrid und nun Hamburger SV: Nach der Niederlage in Dortmund verkündeten die Hanseaten die Verpflichtung des Niederländers Ruud van Nistelrooy (Foto oben: dpa). »Ich freue mich, nach Hamburg zu kommen«, sagte der Stürmer, der heute offiziell vorgestellt wird. »Der HSV ist ein toller Verein mit großen Ambitionen. Und die habe ich auch.« Beim spanischen Rekordm...

Matthias Koch

Union rutscht ins Mittelfeld ab

Torsten Mattuschka stand kleinlaut und gezeichnet in den Katakomben des Stadions von Fortuna Düsseldorf. Der Mittelfeldspieler des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union Berlin war bei der 0:1-Niederlage seiner Mannschaft an zwei aufregenden Situationen des Abends beteiligt – und zwar im negativen Sinne. In der ersten Hälfte wurde der 29-Jährige vor der Ausführung eines Eckstoßes Opfer eines feig...

ndPlusMark Wolter

Hertha lässt Euphorie verpuffen

Es gibt Fußballmomente, die den Spielverlauf drehen und Mannschaften neues Selbstbewusstsein einhauchen können – auch über ein einzelnes Spiel hinaus. Die 42. Minute im Berliner Olympiastadion beim Bundesligaspiel der Berliner Hertha gegen Borussia Mönchengladbach hätte ein solcher Wendepunkt sein können. Herthas Torwart Jaroslaw Drobny hatte erst den Strafstoß von Juan Arango vom Elfmeterpu...