Leipzig liest

Leipzig liest

An dieser Stelle bloggt ab morgen Charlotte Noblet für Sie von der Leipziger Buchmesse. Freuen Sie sich auf spannende Video-Reportagen, Bilder, Interviews und Hintergrundberichte von einem der größten Lesefeste Europas. In der Zwischenzeit können Sie gern in unserer Beilage zur Leipziger Buchmesse stöbern....

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Unten links

In der heute vor 20 Jahren gewählten letzten Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik saßen 400 Abgeordnete, davon 318 männlich. Von diesen wiederum waren ausweislich der überlieferten Fotogalerie 129 Bartträger – also gut 40 Prozent aller männlichen Abgeordneten und knapp ein Drittel des gesamten Parlaments. Abgesehen vom komplett bartlosen Demokratischen Frauenbund hatte die PDS m...

ndPlusGrit Gernhardt

Frist oder stirb

Das ganze Leben des modernen Menschen ist von Fristen durchzogen: Abgabefristen für Steuererklärungen, Kündigungsfristen für Versicherungsverträge, Anmeldefristen fürs Studium ... All das mag manchen zwar unter Stress setzen, im Arbeitsleben jedoch bekommt das Wort Frist für viele Arbeitnehmer, die eine neue Stelle antreten, existenzielle Bedeutung: Wenn fast 50 Prozent aller Arbeitsverträge mit e...

Immer mehr Jobs mit Verfallsdatum

Nach Kritik von Gewerkschaften und Verbänden hat die Regierung Darstellungen zurückgewiesen, in Deutschland sei ein hoher Anstieg befristeter Beschäftigungen festzustellen. Im Übrigen sei eine Zunahme im Sinne der Flexibilität durchaus gewollt.

René Heilig

Bundeswehr brach Merkels Versprechen

Heute tagt der Kundus-Untersuchungsausschuss des Bundestages zum ersten Mal öffentlich. Vorgeladen sind der ehemalige Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und der Ex-Verteidigungsstaatssekretär Peter Wichert.

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Hermannus Pfeiffer

Lobby gegen liberales Stoppzeichen

Vor dem heutigen Krisengipfel in Berlin zur maritimen Wirtschaft schließt der Bund weitere Hilfen für die angeschlagene Branche aus. Der frischgebackene Maritime Koordinator der Bundesregierung, Hans-Joachim Otto (FDP), sagte, dass es bei dem Treffen mit Vertretern von Verbänden, Banken und Landespolitikern um »privatwirtschaftliche Lösungen« gehen solle. So will Otto Reedern und Werften wieder me...

ndPlusVelten Schäfer

Bangen um Aufträge im Nordosten

Für die um ihre Zukunft bangenden Werftarbeiter in Mecklenburg-Vorpommern steht der kurzfristig entscheidende »Gipfel« erst kommende Woche an. Dann klärt sich, ob schon Ende März die Lichter bei den Nordic-Werften ganz ausgehen.

ndPlusHermannus Pfeiffer, Hamburg

Eine Hochtechnologie-Industrie funkt SOS

Der Maritime Gipfel in Berlin findet vor dem Hintergrund der tiefen Krise des deutschen Schiffbaus statt. Die Teilbranche sucht krampfhaft nach neuen Geschäftsmöglichkeiten.

Reiner Oschmann

Obama fordert Entscheidung

Eigentlich wollte Barack Obama heute zu einer Asien-Reise aufbrechen. Doch der USA-Präsident hat die Visite um drei Tage verschoben, um zunächst zu Hause die Gesundheitsreform unter Dach und Fach zu bringen. Das Repräsentantenhaus hat unterdessen eine abschließende Abstimmung in die Wege geleitet. Die Demokraten wollen das Gesetz möglichst bis Ende der Woche verabschieden.

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ndPlusEdelbert Richter

18. März '90: Wahlsieger D-Mark

Zu DDR-Zeiten war uns immer erklärt worden, nicht der Wahlakt selbst sei entscheidend, sondern seine gründliche Vorbereitung. Paradoxerweise galt das – freilich abgewandelt – auch für die erste »freie« Volkskammerwahl. Ich sehe dabei ab von der massiven Einflussnahme der westdeutschen Parteien, zu der Jens Reich ganz richtig festgestellt hat: »Das Bonner Nilpferd ist in einer Massivitä...

Die Demokratie ist nicht der Himmel

Die Demokratie ist nicht der Himmel

Als die Stimmen der Volkskammerwahl vom 18. März 1990 ausgezählt waren, stand es fest: Einer der neuen Abgeordneten ist Hans-Jochen Tschiche. Der Theologe gehört zu den Gründern des Neuen Forums. Bis 1998 war er Grünen-Fraktionschef im Landtag von Sachsen-Anhalt und hatte maßgeblichen Anteil an der Tolerierung der rot-grünen Minderheitsregierung durch die PDS ab 1994. Heute lebt Tschiche, Jahrgang 1929, in einem Dorf am Rande der Colbitz-Letzlinger Heide. Er geht zu Friedenswegen gegen den dortigen Truppenübungsplatz, ist Vorsitzender eines Vereins für Demokratie und Weltoffenheit. Dieser Tage startete er eine Massenpetition für den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Hans-Jochen Tschiche im Gespräch – das ist eine Begegnung mit politischer Wachheit, mit linker Weltsicht, mit Lust am Erzählen, mit Scheu vor einfachen Urteilen. Wenn er über Vergangenes redet, spürt man: Der Mann ist neugierig geblieben aufs Leben. Mit ihm sprach Wolfgang Hübner.

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ndPlusUwe Kalbe

Schluss mit zimperlich

Angeblich suchte die Bundesregierung einen »Macher« als künftigen Afghanistan-Beauftragten. Ein Wunder wäre es nicht – in dem Maße, wie die deutsche Aufbaumission am Hindukusch im Sande verrieselt, ist zunehmend eine harte Hand gefragt. Weil diese nur in Einheit mit einer unmissverständlichen Sprache Wirkung verspricht, mag mit Michael Steiner, Botschafter in Rom, nun tatsächlich der Richtig...

ndPlusRené Heilig

Guttenbergs W 6-Kalkül

Jetzt wird's bunt beim Bund. Altgediente Schleifer schütteln den Kopf, weil sie nicht wissen, wie sie in nur sechs statt bisher neun Monaten Menschen zu Rekruten veredeln sollen. Vorgesetzte mit mehr Hirn fragen sich, warum die Politik nicht auf wichtigeren Baustellen buddelt. Klar, dass die Absenkung der Wehrdienstzeit von W 9 auf W 6 kommen wird, schließlich ist die Union der FDP im Koalitionsve...

Olaf Standke

Hühnerkrieg

Wie seltsam die russisch-amerikanischen Beziehungen auch zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Ost-West-Konflikts und ein Jahr nach dem von Präsident Barack Obama verkündeten »Neustart« laufen, zeigt seit Anfang des Jahres der »Hühnerkrieg« zwischen beiden Seiten. Da geht es um das Importverbot für Geflügelfleisch aus den USA, weil das nach verschärften Moskauer Hygienebestimmungen bei der Verarbeitun...

ndPlusIna Beyer

Ehrengast

Erst Ackermann-Sause, jetzt Huber-Party. Im Kanzleramt knallten am Mittwochabend wieder die Sektkorken! Diesmal war IG-Metall-Chef Berthold Huber der Glückliche. Nachträglich zu seinem 60. Geburtstag, der schon am 15. Februar war, richtete Angela Merkel für ihn ein Abendessen aus. Die Gäste hätten beide gemeinsam handverlesen, schreibt die »Süddeutsche«. Die Einladungsliste strotzte auch diesmal v...

Kein rotes Licht für Dickmacher?

Kein rotes Licht für Dickmacher?

ND: Am Dienstag hat der EU-Ausschuss entschieden, die Ampelkennzeichnung für Inhaltsstoffe in Lebensmitteln nicht zur Pflicht zu machen. Die LINKE hat sich immer für die Ampel ausgesprochen. Wie groß ist die Enttäuschung? Binder: Ich sehe es eher optimistisch, weil ich befürchtet hatte, dass die Entscheidung viel schlechter ausfällt. Das knappe Ergebnis ist Motivation, am Thema dranzubleiben. Ich ...

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Greifswalder Uni: Arndt bleibt Namenspatron

Greifswald (ND-Schäfer). Je weiter man sich vom Bodden entfernt, desto sicherer schien in den letzten Tagen das Aus für den umstrittenen Namenspatron der Greifswalder Universität. Im fernen Köln etwa glaubte der »Stadtanzeiger«, das Resultat schon vorab zu kennen: »Die Greifswalder Universität wird nicht länger den Namen des deutschen Freiheitskämpfers Ernst Moritz Arndt tragen«, schrieb das Blatt...

Bis zu 25 000 Tote bei Angriffen auf Dresden

Dresden (ND-Lasch). Bei der Zerstörung Dresdens im Februar 1945 gab es bis zu 25 000 Tote. Das geht aus dem gestern vorgestellten Abschlussbericht einer 2004 eingesetzten Historikerkommission hervor. Das 90-seitige Papier enthalte »keine großen Überraschungen«, sagte deren Chef, der Militärhistoriker Rolf-Dieter Müller. Das Gremium hatte Studien in 800 Archiven betrieben, 1600 Zeitzeugen befragt u...

Acht Minister für die Gesundheit

Berlin (Agenturen/ND). Die Regierungskommission zur Gesundheitsreform ist gestern in Berlin zusammengetreten. Das Gremium hat die Aufgabe, sich mit einem neuen Finanzierungssystem für die klammen gesetzlichen Krankenkassen zu befassen. Ihm gehören neben Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) sieben weitere Mitglieder der Bundesregierung an: Thomas de Maizière, Wolfgang Schäuble, Ursula von der L...

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Datenschützer beraten auch über »Elena«

Stuttgart (dpa/ND). Die Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern beraten seit Mittwoch in Stuttgart über Konsequenzen aus dem Bundesverfassungsgerichtsurteil zur Vorratsdatenspeicherung. Einen generellen Verzicht auf eine Massenspeicherung von Internet- und Telefondaten forderte der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar. Da detaillierte Verbindungsdaten gespeichert würden, handel...

Erneut blutiger Protest der Opposition in Thailand

Auch riesige Blutlachen vor der Residenz des thailändischen Ministerpräsidenten haben nichts bewegt. Am vierten Tag der Proteste gegen die Regierung in Bangkok zogen Tausende Demonstranten zum Haus von Premier Abhisit Vejjajiva in einem Nobelviertel der Hauptstadt und verschütteten dort ihr eigenes Blut.

Internationaler bewaffneter Konflikt
Normen Paech

Internationaler bewaffneter Konflikt

Im Krieg stirbt bekanntlich die Wahrheit zuerst. Um wie viel schwerer hat sie es, danach wieder aufzuerstehen – wenn es ihr überhaupt gelingt. Gut acht Jahre brauchte die Regierung, um den »Krieg gegen den Terror« auf seinem tödlichsten Kriegsschauplatz in Afghanistan zumindest als »kriegsähnlich« zu bezeichnen. Ein Minister musste darüber ausgewechselt werden. Der »Stabilisierungseinsatz« w...

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Calderon: Auch USA in Verantwortung

Ciudad Juárez (AFP/ND). Angesichts des eskalierenden Drogenkriegs hat Mexikos Staatschef Felipe Calderón die USA an ihre Mitverantwortung im Kampf gegen die Mafiabanden erinnert. Es sei unerlässlich, den Kampf gegen das organisierte Verbrechen »als eine geteilte Verantwortung« beider Länder anzusehen, sagte Calderón am Dienstag (Ortszeit) in Ciudad Juárez. Dort waren am Sonnabend zwei tödliche Übe...

Hans-Ulrich Dillmann

»Baby Doc« lässt Haiti hängen

Nach dem schweren Erdbeben Mitte Januar in Haiti hatte der im Pariser Exil lebende ehemalige Diktator Jean-Claude Duvalier Geldspenden und Hilfe beim Wiederaufbau angeboten. Diese »selbstlose« Offerte konterkariert er durch sein Verhalten.

ndPlusHenri Rudolph, Delhi

Selbstverwaltung für Tamilen?

Die größte politische Vertretung der tamilischen Minderheit in Sri Lanka hat sich in ihrem Manifest zu den Parlamentswahlen am 8. April für »regionale Selbstverwaltung« in der Nord- und der Ostprovinz ausgesprochen.

»Es geht um die politische Macht«

»Es geht um die politische Macht«

Enrique Ubieta ist Chefredakteur der kubanischen Monatszeitung »La Calle del Medio«. Harald Neuber befragte ihn für ND in Havanna darüber, in welchem Maße kubanische Medien für Kritik und Debatte offen stehen und welche Rolle Blogs spielen.

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STARporträt

STARporträt

Die »Dame Commander of the British Empire« und »Disney Legend«, mit Sternen auf dem Walk of Fame in Hollywood und der Avenue of Stars in London, hat mit Stil, Charme und schöner Stimme 1964 als »Marry Poppins«, ihrem Filmdebüt (Oscar als Beste Hauptdarstellerin), die Leinwand erobert. Im Musical-Genre feierte sie auch weiterhin ihre größten Erfolge, u.a. »The Sound of Music« (1965), »10 – Di...

ndPlusCaroline M. Buck

Karrieren

Das Ende vom Studium sah aus wie ein hoffnungsvoller Anfang. Summa cum laude, mit höchstem Lob, der Abschluss sollte sich sehen lassen. Auch wenn das Studienfach Philosophie war und damit nicht eben marktgängig, auch wenn das Durchschnittsalter der weißhaarigen Prüfer wenig Hoffnung macht auf eine rege Nachfrage nach akademischen Nachwuchskräften an Roms philosophischen Fakultäten. Für Marta (Isab...

Für den Inbegriff von Hoffnung
Wolfgang Brauer

Für den Inbegriff von Hoffnung

Ein neuer Band der Schriftenreihe der DEFA-Stiftung, der es verdient, aus der Lektüreecke des interessierten Fachpublikums herausgeholt zu werden: »Deutsche Kinderfilme aus Babelsberg. Werkstattgespräche – Rezeptionsräume«. Der Titel ist ungenau und führt ein wenig in die Irre. Der diesbezügliche Aufsatz Klaus-Dieter Felsmanns untersucht genau genommen nur einen der zwei großen »Rezeptionsrä...

Angelika Nguyen

Brücken schlagen

Wegen guter Führung wird Jan Hansen nach acht Jahren vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, wo er wegen eines schweren Verbrechens, das er als Jugendlicher begangen hat, einsaß. Fortan lebt er unter seinem zweiten Vornamen Thomas, bekommt eine Stelle als Organist und eine Wohnung, verliebt sich in die alleinerziehende Pastorin Anna, kümmert sich um ihren Sohn. Das sieht erst einmal wie eine erfolg...

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Telekom erfindet sich neu

Bonn (dpa/ND). Milliarden-Erlöse aus neuen Geschäftsfeldern rund um das Internet sollen die Telekom bald auf den Wachstumspfad zurückführen. Die Umsätze unter anderem aus dem mobilen Internet, Unterhaltung und IT-Produkten würden die Einbußen aus dem klassischen Kerngeschäft mehr als wettmachen, sagte Vorstandschef René Obermann bei der Vorstellung des künftigen Kurses am Mittwoch in Bonn. Bis 201...

ndPlusJohn Dyer, Boston

Neuer Währungsstreit in Sicht

Der internationale Druck auf China, seine Währung aufzuwerten, nimmt zu. US-Senatoren möchten Strafzölle gegen chinesische Importe einführen.

Dresden greift zu
Hendrik Lasch, Dresden

Dresden greift zu

Die Stadt Dresden will ihren vor zwölf Jahren teilweise privatisierten Energieversorger zurückkaufen. Für das 835 Millionen Euro teure Geschäft soll der Stadtrat heute den Weg ebnen.

Seite 11

Schamlos

Illegale, so werden Menschen in Deutschland genannt, die ohne Papiere in der Bundesrepublik leben. Die Bezeichnung »illegal«, die jedwede Handlung dieser Menschen, ja sogar das reine »Dasein« als kriminell einstuft, ist mehr als unangebracht. Eine Flucht aus Kriegsgebieten oder aus einer finanziellen Notlage – die Gründe sind vielfältig – sollte nicht kriminalisiert werden. Besonders n...

Klaus Joachim Herrmann

Wasserpreise sollen runter

Für den seit 2003 zu verzeichnenden starken Anstieg der Berliner Wasserpreise machte die Linkspartei in einer Erklärung zur Anrufung des Bundeskartellamtes durch Wirtschaftssenator Harald Wolf (LINKE) gestern noch einmal »maßgeblich« die Verträge zur Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe im Jahre 1999 verantwortlich. Landesvorsitzender Klaus Lederer sprach von einer Belastung für die Berl...

ndPlusNissrine Messaoudi

Auch Illegalisierte haben Rechte

Sie arbeiten in Haushalten, in der Altenpflege oder in der Gastronomie. Schätzungen zufolge gibt es in der Hauptstadt rund 1000 undokumentierte Arbeitskräfte. Nicht selten wird ihre Situation von Arbeitgebern ausgenutzt, die sie zu einem Hungerlohn beschäftigen oder ihre Rechte auf Urlaub oder Mutterschutz völlig ignorieren. Nur wenige der Betroffenen wissen, dass sie auch als Illegalisierte Recht...

Erinnerung an 1848 in der Zukunft
ndPlusSarah Liebigt

Erinnerung an 1848 in der Zukunft

Noch steht der Stein mit der großformatigen Inschrift zwischen kahlen Bäumen. Der zentrale Gedenkstein auf dem Friedhof der Märzgefallenen soll jedoch in einigen Monaten Mittelpunkt einer Ausstellung sein – und dazu hinter einer gut mannshohen Plakatwand verschwinden. Um aus dem eher kleinen Friedhof eine Nationale Gedenkstätte zu machen, hat der Paul Singer Verein in Berlin eine Ausstellung...

Seite 12

Chöre für Musikunterricht

(ND). Der Rundfunkchor Berlin und der RIAS Kammerchor sowie ihre Chefdirigenten Simon Halsey und Hans-Christoph Rademann schließen sich dem Protest der führenden Berliner Kulturschaffenden gegen den geplanten Abbau des Musikunterrichts an Berliner Schulen an. Das teilte die Rundfunk Orchester und Chöre GmbH Berlin (ROC) am Mittwoch mit.Insbesondere das Singen sei die Grundlage für jegliche Formen ...

Literaturpreis ausgeschrieben

(ND). Den Literaturpreis open mike haben die Literaturwerkstatt Berlin und die Crespo Foundation zum 18. Mal ausgeschrieben, wie die Veranstalter mitteilten. Laut Literaturwerkstatt werden drei Auszeichnungen vergeben: ein Preis für Lyrik und zwei für Prosa. Der open mike ist mit insgesamt 7 500 Euro dotiert, so die Initiatoren. Teilnehmen können den Angaben zufolge deutschsprachige Autorinnen und...

Gegen die Apostel der Effizienz
ndPlusTom Mustroph

Gegen die Apostel der Effizienz

Geld regiert die Welt. Das meinten resigniert schon die Altvorderen. Wenn das Maxim Gorki Theater sich als aktuelles Spielzeitmotto »Die Ökonomie des Lebens« auf die Fahnen geschrieben hat und unter dieser Devise am 20. März ein großes Theaterfest ausrichtet, dann bedeutet dies aber nicht, dass nun auch die Insassen dieses Theaterbaus ins Lager der Kontenzähler und Effizienzapostel übergewechselt ...

Volkmar Draeger

Faster-Than-Light

Eigentlich, sagt Volker Eisenach, hätte er gern die Musik von Sergej Prokofjew verwendet. Aber die wäre zu teuer gewesen. So läuft sein Tanztheater »Romeo und Julia« zum originalen Soundtrack des Films mit Leonardo DiCaprio. An rasante Szenen und Schnitte in Video-Ästhetik erinnert man sich da, an Kämpfe hitziger Gangs, und all das in Kontrast zum Shakespeare-Text. Wie qualitätvoll die Filmmusik i...

Seite 13

Gegen Residenzpflicht

Erfurt (epd/ND). Der Thüringer Flüchtlingsrat hat die Ausweitung der sogenannten Residenzpflicht für Asylbewerber und geduldete Flüchtlinge auf den gesamten Freistaat gefordert.Eine entsprechende Petition von Vertretern der Kirchen sowie von Vereinen und Organisationen solle am Montag an den Petitionsausschuss des Landtages übergeben werden, teilte die Initiative am Mittwoch mit. Die Bewegungsfrei...

Peter Nowak

Räumung trotz juristischer Unklarheiten

Mit einem großen Polizeiaufgebot wurde am 16. März die Erdgeschosswohnung des ersten Hinterhauses der Bödikerstraße 9 in Friedrichshain geräumt. Damit wurde ein Urteil des Amtsgerichts Lichtenberg vollstreckt, das die Kündigung für die als Versammlungsraum genutzten Räume für zulässig erklärt hatte (ND berichtete). Die Platinum Consult s.r.o., die das Haus 2007 gekauft hatte und dort Eigentumswohn...

ndPlusOliver Hilt, Saarbrücken

Jamaikas Schulden

Der saarländische Landtag hat am Mittwoch mit den Stimmen der Koalitionsparteien CDU, FDP und Grünen den ersten Jamaika-Haushalt in erster Lesung gebilligt. Er sieht bei Ausgaben von rund 3,5 Milliarden Euro eine Nettoneuverschuldung von knapp 1,1 Milliarden Euro vor. Für die Regierung sind die Rekordschulden »ohne Alternative«, SPD und Linke sprechen dagegen von Versagen.

Jens Bayer-Grimm, epd

»Ausgerechnet Deutschland!«

Der Titel der Ausstellung, die seit voriger Woche im Jüdischen Museum Frankfurt am Main zu sehen ist, bringt ein Paradox auf den Punkt: Warum sind 220 000 Juden nach dem Fall der Berliner Mauer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion gerade in das Land der NS-Täter ausgewandert? Einige Zitate von Einwanderern geben Auskunft: »Israel ist ständig im Kriegszustand. Ich wollte, dass meine Kinder in anhaltendem Frieden leben.« Oder: »In Israel könnte ich nicht lange bleiben. Diese Hitze. Deutschland liegt mir näher – klimatisch und überhaupt.«

ndPlusBernd Kammer

So fahren die Bahnen zum BBI

Wenn am 30. Oktober 2011 die ersten Flugzeuge am neuen Airport BBI starten und landen, wird der 636 Millionen Euro teure Flughafenbahnhof unter dem Terminal nur schwach von Zügen frequentiert sein. Denn wichtige Bahntrassen werden noch nicht fertig sein.Dennoch werde der Flughafen schnell und zuverlässig mit Bussen und Bahnen erreichbar sein, so Hans-Werner Franz, Chef des Verkehrsverbundes Berlin...

Seite 14

Bündnis gegen »pro NRW«

Duisburg (epd/ND). Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und Bürgern hat Gegendemonstrationen zu dem geplanten Sternmarsch der rechtspopulistischen Gruppierung »pro NRW« in Duisburg-Marxloh angekündigt. An den zehn Ortseingängen seien symbolische Blockaden geplant, sagte eine Sprecherin des Marxloher Bündnisses am Mittwoch. Auf dem Vorplatz der deutschlandweit größten Moschee in dem Du...

Angriffe auf Besucher des »Pölchow«-Prozesses

Rostock (epd/ND). Die Rostocker Polizei hat in Verbindung mit dem am Dienstag vor dem Landesgericht der Hansestadt beendeten Pölchow-Prozess mehrere Anzeigen aufgenommen. Ermittelt werde wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung, teilte die Polizeidirektion am Mittwoch in Rostock mit. Bereits vor Öffnung des Verhandlungssaales sei es auf dem Gerichtsflur zu Gewalttätigkeiten gekommen. Zwei Männe...

Handysymbole statt Buchstaben

Jena (dpa/ND). Trotz Hilfsangeboten und Kursen nimmt die Zahl der Analphabeten nicht ab. In Deutschland gebe es seit Jahren konstant etwa vier Millionen Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können, sagte die Geschäftsführerin des Volkshochschulverbandes Thüringen, Sylvia Kränke. Im Freistaat seien es rund 117 000. Ihnen droht das soziale und berufliche Abseits. »Besonders gefährdet sind...

Harald Lachmann

Provinz im Größenrausch

Die Gemeindestrukturreformen sorgen immer wieder für Überraschungen: Durch die Zusammenschlüsse von Kommunen sind etliche Provinzstädte inzwischen flächenmäßig deutlich größer als manche Großstadt.

Winfried Wagner, dpa

Kinderanimation in Honeckers Jagdsitz

Wo einst Erich Honecker auf Hirsche schoss, hat jetzt ein Holländer das Sagen. Die mit weltweit 88 Häusern größte Hotelkette der Niederlande – die Gruppe Van der Valk – vermarktet den Jagdsitz in Drewitz (Müritzkreis).

Wilfried Neiße

Nun steckt die FDP selbst in der Stasi-Falle

Aufgrund von Stasi-Vorwürfen ist der Schatzmeister der märkischen FDP, Rainer Siebert, von seinem Amt zurückgetreten. Sein Fall zieht auch die beiden FDP-Minister der ersten Stunde, Hinrich Enderlein und Walter Hirche, in die Stasi-Querelen hinein. Und dann noch dies: Der kürzlich verstorbene Otto Graf Lambsdorff ist gerade unter die Erde gebracht, da greift die Vergangenheit auch nach ihm. Seit e...

Ein Bunker wie eine Tiefgarage
ndPlusRainer Funke

Ein Bunker wie eine Tiefgarage

Bunker selbiger Zweckbestimmung ähneln einander und unterscheiden sich doch deutlich – im technischen Detail, der räumlichen Ausdehnung, der Ausstattung und der angestrebten Sicherheitsklasse. Von alldem scheint der Führungsbunker des DDR-Innenministeriums etwas wenig abbekommen zu haben. Beim »Objekt 7001« an einer kleinen Anhöhe des Ortes Freudenberg, reichlich 40 Kilometer nordöstlich von...

Seite 15
Das Bett, eine Folterbank
Roberto Becker

Das Bett, eine Folterbank

In Baden-Baden hat sich Christian Thielemann an Richard Strauss' Rachethriller »Elektra« gerade durch die Hintertür herangepirscht, nämlich von dessen chronologischem Nachfolger aus, dem vergleichsweise luftig leichten »Rosenkavalier«. Er hatte die Musik des Einakters aus dem Jahre 1909 auf eine überraschend betörende Weise aufgehellt und so zum letzten Tanz gebeten.In Weimar bleibt Martin Hoff mi...

ndPlusAnke Engelmann

Die Reifeprüfung

Sexuelle oder physische Gewalt an Schulen und Internaten – in der DDR war das kaum ein Thema, beim geringsten Verdacht wurden Jugend- und Schulämter aktiv. Doch auch ein permanentes Klima von Angst und Abwertung schadet jungen Menschen, weiß die Autorin aus eigener Erfahrung.Wir standen im Kreis im Flur der Schule. Ein großer Kreis, gebildet von 25 etwa 13- und 14-Jährigen – der später...

Seite 16
ndPlusHans-Dieter Schütt

Der Schmerz und der Traum

Die Freiheit ist der Dämon. Das Reisen ist der Aufbruch dorthin, wo die Hoffnungen zerscherbt werden; wahrscheinlich flaschengrüne Scherben, im kalten Licht das Leuchten der scharfen Ränder: eine Einladung zur Wunde. So darf Lutz Seiler gelesen werden, Erzählungen auf hartem Grund, der staucht, wenn man geht, aber im Stauchen wird Nähe spürbar zu den Wurzeln, zum Boden, der doch zugleich die siche...

Martin Hatzius

Sein in der Welt des Spiels und Scheins

V on einem Tag auf den anderen war Helene Hegemann aus den Zeitungen verschwunden, genauso plötzlich, wie sie dort hineingesaugt worden war. Vier Wochen lang war die Erregungsmaschinerie über die blutjunge Autorin und ihr überaus originelles Romandebüt gewalzt, aufgeheizt von Hegemanns vermeintlichem Vergehen: Plagiat. Die jetzt neu eröffnete Debatte über jene paar Halbsätze, die die Autorin ander...

Seite 17
ndPlusFokke Joel

Liebesdruck

Wenn auch viele der Strategien meiner Nächsten sonderbar waren, man brachte sich bei uns wenigstens nicht um.« Ein Satz, der die familiäre Situation des Helden und Erzählers in Jan Faktors Roman »Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag« beschreibt. Die »Nächsten«, das waren im Roman zunächst einmal Georgs Mutter Anna, einige seiner Tanten sowie sein...

ndPlusMichael Saager

Ausgebüxter Wellensittich

Menschliches Fleisch erzählt eine abgründige, beklemmende Wahrheit. Im wirklichen Leben wie in der Kunst, in den Bildern des irischen Malers Francis Bacon zum Beispiel. Menschliches Fleisch hat es auch Georg Klein angetan: das rohe Fleisch und die Verletzungen, die ihm zugefügt wurden, wodurch das Fleisch überhaupt erst sichtbar wird; oder das ehemals rohe Fleisch und die Mullverbände, mit deren H...

Irmtraud Gutschke

Rüder Ritter

Armer Ritter« – so sollte der Roman ursprünglich heißen; das fertige Manuskript hat sie dann aber in den Papierkorb geworfen. Armer Ritter – nennt sich so nicht ein Rezept mit altbackenem Brot? Nun gut, der Chevalier im Buch ist auch nicht mehr so ganz jugendfrisch. Arm ist er auch, aber nicht im Sinne von bemitleidenswert. Sein Charme – nur Fassade für rüde-berechnendes Wesen. D...

Seite 19

Turbine ohne Mühe weiter

Die Fußballerinnen von Turbine Potsdam haben wie erwartet den Sprung ins Halbfinale der Champions League geschafft. Nach dem 5:0 im Viertelfinal-Hinspiel gewann der deutsche Meister am Mittwoch auch das Rückspiel beim norwegischen Vertreter Røa IL Oslo mit 5:0 (1:0). Vor nur 285 Zuschauern erzielten Anja Mittag (30. und 63.), Fatmire Bajramaj (56.), Yuki Nagasato (73.) sowie Jessica Wich (82.) die...

ndPlusOliver Händler

Respektlos

Die Athleten bei den Paralympics fordern vor allem eines: Respekt. Sie wollen behandelt werden wie »Nichtbehinderte«, menschlich und sportlich. Die Organisatoren der Spiele von Vancouver sollten die Forderung endlich ernst nehmen, denn was am Dienstag am alpinen Hang in Whistler geschah, hätte es bei Olympia nie gegeben. Eine vom Regen gebrochene Piste ließ die Monoskiartisten eher von Tor zu Tor ...

Ronny Blaschke, Vancouver

»Jeder Sportler war schon mal verletzt«

Wieder verkeilen sich zwei Leiber ineinander. Sie überschlagen sich, prallen krachend gegen die Bande. Ein lautes Raunen hallt durch die Thunderbird Arena, ein Zeichen von Besorgnis. Alles gut gegangen? Alle gesund? Keine zwei Sekunden später rappeln sich die Spieler auf und treiben den Puck nach vorn. Ein Pass nach rechts, ein Schuss, wuchtig, platziert, und 7000 Zuschauer springen auf. 1:0 für K...

Hamburgs letzte Chance

Drei Bundesligisten spielen heute in der Europa League um den Einzug ins Viertelfinale und wollen Italien den vierten Champions-League-Platz streitig machen: Mit dem Einzug in die Runde der letzten Acht könnten der Hamburger SV, Werder Bremen und der VfL Wolfsburg in der Fünfjahreswertung der UEFA zum Überholvorgang der Bundesliga auf die italienische Serie A ansetzen. Spieler und Verantwortliche ...

Reiner Oschmann

Rote Ritter gegen rote Zahlen

In England bahnt sich derzeit eine ungewöhnliche Partnerschaft an. Im Zentrum steht einer der teuersten Fußballvereine der Welt, und den wollen sich mehrere Millionäre sowie 130 000 nicht ganz so flüssige Fans von Manchester United unter den Nagel reißen. Der Klub war vor fünf Jahren von der US-Millionärsfamilie Glazer mit Darlehen gekauft worden, die sofort auf den Verein zurück übertragen worden...

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Beatles-Museum Halle zeigt Geschichte zum Anfassen

Wer es als Jugendlicher in der DDR in die »Rowdytumkartei« der Volkspolizei geschafft hat, wäre in der Bundesrepublik einfach nur hipp gewesen. Jeans, Ringelsocken, das DDR-Markenprodukt Lederoljacke, ein frisiertes Moped: Das soll ausgereicht haben, um in dieser Kartei als Rowdy oder Gammler geführt zu werden. Die Beatles brachten das Fass zum Überlaufen. Das älteste und umfangreichste Beatles-Mu...

ndPlusMartin Koch

Bertolt Brecht und die Physik

Im Jahr 1930 hielt Albert Einstein an der Marxistischen Arbeiterschule (MASCH) in Berlin einen Vortrag über Kausalität. Unter seinen Zuhörern war auch Bertolt Brecht, der den Schöpfer der Relativitätstheorie damals vorbehaltlos bewunderte und sich New Yorker Theaterleuten 1935 mit den Worten vorstellte: »Ich bin der Einstein der neuen Bühnenform.« 1941 siedelte Brecht nach Kalifornien über. Doch s...