Frankreich stolpert in das Turnier
ndPlusHeinz Büse, dpa

Frankreich stolpert in das Turnier

Tristesse statt Raffinesse – die einst für ihren Champagnerfußball gerühmten Franzosen sind mit einer dürftigen Vorstellung in die WM gestartet. Der Finalist von 2006 lieferte zum Auftakt beim 0:0 gegen Uruguay im zweiten Spiel der Gruppe A am Freitag eine enttäuschende Vorstellung. Vor 64 100 Zuschauern im Greenpoint-Stadion von Kapstadt fand das Team um Bayern-Star Franck Ribéry kein...

Südafrika verpasst den Traumstart
Martin Ling, Johannesburg

Südafrika verpasst den Traumstart

In Soccer City gibt es nur zwei Geräuschpegel: laut oder sehr laut. In der 55.Minute explodierte das Stadion in Soweto. 1:0 für Südafrika durch ein Traumtor von Siphiwe Tshabalala, ein Name, der vor der WM in der Hitliste der Zungenbrecher oben stand und nun in die Geschichtsbücher des Fußballs eingegangen ist: Als Schütze des ersten WM-Tores auf afrikanischem Boden. Tshabalala, der in Soccer Cit...

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Afrika empfängt die Welt zum Fußballspiel

Afrika empfängt die Welt zum Fußballspiel

Johannesburg (dpa/ND). Mit einer farbenfrohen Eröffnungsfeier und dem infernalischen Krach von Zehntausenden Vuvuzelas hat die erste Fußball-WM auf dem afrikanischen Kontinent begonnen. Südafrikas Staatspräsident Jacob Zuma gab am Freitag um 15.56 Uhr im Soccer-City-Stadion von Johannesburg den Startschuss zu den 64 Spielen der 19. Weltmeisterschaft. »Dies ist eine afrikanische WM, Afrikas Zeit is...

Unten links

Seit gestern Abend ist im Kanzleramt Aufatmen angesagt. Das 2010er Sommermärchen hat begonnen – die deutsche Öffentlichkeit zieht an ihrem Opel die schwarz-rot-goldene Flagge auf und interessiert sich fortan nur noch, ob Jogi Löws Mannschaft in vier Wochen im Schloss Bellevue als Weltmeister empfangen wird. Wer bis dahin dort als Hausherr einzieht, ob der Opel danach noch zu kaufen sein wird...

ndPlusBradley Carnell

Die WM kann Südafrika nachhaltig einen

Die Fußball-WM in meiner Heimat Südafrika hat gestern erst begonnen, aber für mich steht schon jetzt fest, dass sie ein Erfolg wird. Das Fieber hat mich sofort angesteckt, als ich vorige Woche in Johannesburg gelandet bin. Schon am Flughafen ist alles geschmückt und auch in der Stadt ist das Turnier allgegenwärtig. Für die Menschen hier ist die erste WM auf afrikanischem Boden etwas ganz Besondere...

Der Unmut geht auf die Straße
ndPlusRegina Stötzel

Der Unmut geht auf die Straße

Heute Mittag werden Tausende Linke, Linksradikale, sozial Bewegte und Gewerkschafter zu Demonstrationen in Berlin und Stuttgart erwartet. Sie alle vereint, dass sie nicht für die Rettung von Banken aufkommen wollen.

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Thomas Trares

Hedgefonds bewegen Billionen

Am 26. und 27. Juni treffen sich die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer zum nächsten G20-Gipfel im kanadischen Toronto. Kommt die Regulierung der Finanzmärkte nun endlich entscheidend voran? ND beleuchtet in einer Serie wichtige Mosaiksteine bei dieser Mammutaufgabe.

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Eine Gratwanderung mit glücklichem Ende
ndPlusJürgen Holz

Eine Gratwanderung mit glücklichem Ende

ND schrieb am 8. Juni 1990: »Seit gestern gibt es de jure keinen Betriebssport mehr in unserem Land.« »Nein«, sagt Achim Kosubek im Rückblick, »das konnte doch keinen überraschen, was in der Wendephase im Sport an der Basis über uns hereingebrochen ist. Wo massenhaft volkseigene Betriebe unter den Hammer gerieten und abgewickelt wurden, hieß die Rettung: Hilf dir selbst!«

Achim Kosubek ist 69 Jahre und damals wie heute Vereinsvorsitzender der BSG Empor Brandenburger T...

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Bildungsgipfel bleibt erneut ergebnislos

Berlin (dpa/ND). Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat das Verhalten der Bundesländer beim Bildungsgipfel kritisiert. Es sei bedauerlich, dass die Länder das Treffen für eine »heimliche Steuerdebatte« genutzt hätten, sagte Schavan dem rbb-Inforadio. Dieser Streit dürfe nicht auf dem Rücken von Schülern und Studenten ausgetragen werden.Die Regierungschefs von Bund und Ländern hatten am...

»Bombodrom« wartet auf Zivilisierung

»Bombodrom« wartet auf Zivilisierung

Berlin/Wittstock (epd/ND). Nach dem Verzicht der Bundeswehr auf den ehemaligen Luftbodenschießplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide hat der Bundestag am späten Donnerstagabend mehrere Anträge zur zivilen Nutzung des Areals in die zuständigen Ausschüsse verwiesen. Die Federführung liegt in allen Fällen beim Verteidigungsausschuss.Die SPD fordert in ihrem Antrag die Bundesregierung auf, zusammen mit de...

ndPlusChristian Klemm

Zukunft der Wehrpflicht offen

Schwarz-Gelb peitscht die Verkürzung von Wehr- und Zivildienst im Eiltempo durch das Parlament. Dabei verdichten sich Anzeichen, dass diese nur einige Monate bestehen wird.

Marcus Meier, Köln

NRW ist nicht koalitionsfähig

Sie waren wohl zu groß – die Differenzen innerhalb der FDP und zwischen FDP und Grünen. Am späten Mittwoch Abend scheiterten die Sondierungen über eine Ampelkoalition für Nordrhein-Westfalen. Ausgerechnet via »Bild« erneuerte die CDU ihr Angebot zu Verhandlungen über eine Große Koalition.

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Schäuble verteidigt Sparpaket

Berlin (AFP/ND). Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat das Sparpaket der Bundesregierung gegen Kritik aus den eigenen Reihen verteidigt. »Jede einzelne Kürzung ist gerechtfertigt«, sagte Schäuble der »Bild«-Zeitung vom Freitag. Bei den Arbeitsmarktprogrammen gebe es noch viel Unsinniges, das nichts bringe. »Manche andere Ausgaben setzen keine Anreize, wieder regulär arbeiten zu gehen. D...

Sarrazin hetzt ungestört

Nach einer erneuten Provokation des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD) fordert ihn die AG Migration der Berliner SPD zum Parteiaustritt auf.

Kein Neuanfang für Hessen mit Bouffier

Frankfurt am Main (AFP/ND). Ein klassischer Neuanfang sieht sicher anders aus: Wenn Roland Koch am Samstag als Vorsitzender der hessischen CDU abtritt, rückt für ihn sein sechs Jahre älterer langjähriger Weggefährte Volker Bouffier an die Spitze des Landesverbandes. Ein radikaler Umbruch ist von dem 58-jährigen Landesinnenminister nicht zu erwarten, der Ende August Koch auch als Ministerpräsident ...

Dieter Hanisch, Kiel

Parlamentssitzung unter freiem Himmel

Blättert man in der Chronik der Stadt Lübeck, stellt man fest, dass es so etwas noch nicht gegeben hat: Aus Protest über die Pläne der Kieler Landesregierung, die medizinische Fakultät in Lübeck aus sparpolitischen Gründen zu schließen, versammelte sich gestern die Bürgerschaft zu einer außerordentlichen Sitzung vor dem Kieler Landtagsgebäude. Eigentlich wollte man innerhalb des Landeshauses tagen...

Hendrik Lasch, Dessau

Ein Urteil ohne Wirkung

Obwohl der Mord an Alberto Adriano in Dessau das Bewusstsein für Rassismus im Alltag schärfte, sehen sich Schwarzafrikaner auch zehn Jahre danach mit Ressentiments und Ablehnung konfrontiert.

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Berlin streitet um Haltung zu NATO-Schild

Brüssel (AFP/ND). Die Bundesregierung hat erstmals ihre Zustimmung zum Aufbau einer NATO-eigenen Raketenabwehr signalisiert. »Die Bundesregierung unterstützt diese Initiative«, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU), am Freitag beim NATO-Rat in Brüssel. Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen dringt auf einen entsprechenden Beschluss beim...

Pflicht zur Reinigung

Papst Benedikt XVI. hat erstmals eindeutig um Vergebung für die »Misshandlung der Kleinen« durch Geistliche seiner Kirche gebeten.

Dauerarbeitslosigkeit durch Gaza-Blockade

Die israelische Blockade des Gaza-Streifens drängt nach Einschätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zunehmend junge Menschen in die Dauerarbeitslosigkeit.

Tote bei Unruhen in Kirgistan

Bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Bevölkerungsgruppen im zentralasiatischen Kirgistan sind mindestens 37 Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt worden.

ndPlusJindra Kolar, Prag

Populismus bestimmt Wahlen in der Slowakei

In der Slowakei wird an diesem Sonnabend ein neues Parlament gewählt. Umfragen zufolge könnte der lange Zeit als Favorit gehandelte jetzige Regierungschef Robert Fico von der sozialdemokratischen Partei Smer eine Wahlniederlage erleiden.

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Die Linke spekuliert auf dritten Platz
Julian Bartosz, Wroclaw

Die Linke spekuliert auf dritten Platz

Mit der zweiten Hochwasserwelle, gewaltigen Wolkenbrüchen, geborstenen Deichen und zahlreichen unter Wasser stehenden Städten und Dörfern entlang der Weichsel und deren Zuflüssen im Südosten des Landes sowie tausenden Evakuierten im Hintergrund geht Polen auf die Präsidentschaftswahl zu.

Tobias Müller, Amsterdam

Schicksalswahl in Belgien

Vor den Parlamentswahlen am Sonntag stehen die Zeichen auf Sturm: Der Streit zwischen den Sprachgruppen stellt die Zukunft Belgiens in Frage. Zudem drohen massive Auswirkungen der Schuldenkrise.

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Roland Etzel

Dolce vita in Gaza?

Was haben der israelische UN-Delegierte Manuel Carmon und sein US-amerikanischer Kollege Alejandro Wolff gemeinsam? Auf jeden Fall das: Sie erklärten beide, dass der Versuch von Gaza-Unterstützern, übers Meer Hilfsgüter in den Streifen bringen zu wollen, eine ebenso unnötige wie überflüssige Aktion gewesen sei. »Eine humanitäre Krise« gebe es dort nicht. Wahrscheinlich haben sie auch aus diesem Gr...

ndPlusChristian Klemm

Wehrpflicht hin oder her

Die Koalition hat es eilig: Die Verkürzung der Wehrpflicht kommt zum 1. Juli. Wahrscheinlich wird diese nicht lange Bestand haben, und Schwarz-Gelb beschließt die Aussetzung des Zwangsdienstes. Schließlich hält auch Angela Merkel eine Aussetzung inzwischen für möglich. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, ein klares Bekenntnis zur Abschaffung der Wehrpflicht wäre aber konsequenter. Denn die Wehrpfli...

ndPlusRené Heilig

Bombenidee

Gestern öffnete die ILA für Neugierige. Da zeigt die Bundeswehr, was sie hat, was sie kann, was sie könnte, wenn sie dürfte. Auf der Luftfahrtshow steht einer der Tornados, die über Afghanistan für ISAF Aufklärung fliegen. Dafür hat die Luftwaffe ein Parlamentsmandat. Was aber Brigadegeneral Leidenberger, ISAF-Regionalkommandeur Nord, nicht daran hindert, die eingesetzten Maschinen demnächst auch ...

Velten Schäfer

Der Protestant

Opel? Dichtmachen. Kündigungsschutz? Aufweichen. Das sind so die Töne, die man von Kurt Joachim Lauk kennt. Für den Chef des CDU-Wirtschaftsrates, der Großfirmen-Lobby in der Partei, gehören sie zum Job. Und den versieht der Stuttgarter Pfarrerssohn, Jahrgang 1946, üblicherweise schwäbisch gewissenhaft.Um so größer ist nun das Erstaunen: Um zwei Punkte will Lauk den Spitzensteuersatz erhöhen, auf dass »auch die Reichen« beim Sparen einen »Obulos« entrichteten. Dass solche Töne gerade vom Chef d...

Solidarität ja – Sanktionen nein!
Niema Movassat

Solidarität ja – Sanktionen nein!

Vor einem Jahr, am 12. Juni 2009, fanden im Iran die Präsidentschaftswahlen statt, aus denen der Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad laut offiziellen Angaben als Sieger hervorging. Zahlreiche sehr berechtigte Vorwürfe des Wahlbetrugs führten zu Protesten Hunderttausender Menschen. Seit der Revolution 1979 hat es solche Massendemonstrationen im Land nicht mehr gegeben. Die Unzufriedenheit über die sozialen Probleme, insbesondere die massive Arbeitslosigkeit, die Perspektivlosigkeit der Jugendliche...

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Fußball vorm Balkon

Fußball vorm Balkon

(ND/dpa). Die Berliner sind zur WM gerüstet mit Fan- und allen möglichen anderen Meilen. Wer den Flug nach Südafrika verpasst hat, der macht Fußball vorm Balkon. Hier dürfen auch die Nationalflaggen gehisst werden, wie der Deutsche Mieterbund in Berlin bestätigte. Nur wenn eine Halterung montiert werden müsse, müssen Mieter vorher den Vermieter um Erlaubnis fragen. Denn dann könne es um einen »Ein...

Flashmob gegen Daimler

(ND). Mit einem Fußball Flashmob am Sonntagabend, dem Tag des ersten Spiels der deutschen Elf, wollen Aktivisten auf die Rolle des Hauptsponsors Mercedes Benz aufmerksam machen. »Der Auftritt der deutschen Fußball Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika steht unter keinem guten Stern«, heißt es in der Ankündigung. Das Problem sei nicht das DFB-Team, sondern dessen Hauptsponsor Mercedes Benz. »D...

Klaus Joachim Herrmann

Einstecken

Ein Parlamentarischer Geschäftsführer muss nicht nur ausgleichen, sondern auch austeilen und einstecken. Christian Gaebler von der SPD-Fraktion kann wohl alles. Zum Ausgleich spielt er Fußball. Da muss man solches genauso können. Gaebler bewies aber besonders Nehmerqualitäten. Über eine Platzwunde am Kopf zieht er nun das Basecap oder kämmt die Haare drüber. Neben anderen Blessuren, erinnern sich ...

Rot-rotes Berlin gegen Sparpaket

(ND-Herrmann). Widerstand Berlins gegen das unsoziale Sparpaket der Bundesregierung kündigten gestern die Fraktionschefs von SPD und Linkspartei im Abgeordnetenhaus, Michael Müller und Udo Wolf, vor Journalisten an. Dazu können Initiativen im Bundesrat gehören, den Spitzensteuersatz anzuheben und eine Vermögenssteuer einzuführen.Das durch seine soziale Lage ohnehin bereits »schwer belastete« Berli...

Jenny Becker

Keine neuen Betten für Berlin

Die Berliner Krankenhäuser bekommen vorerst keine neuen Betten. Das erklärte Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (LINKE) gestern in einem Gespräch zum Krankenhausplan 2010 bis 2015, der zur Zeit diskutiert wird. Sie dementierte damit anderslautende Berichte darüber, dass die Zahl der Krankenhausbetten um 700 aufgestockt werden solle. Es handele sich dabei nur um eine Planzahl, so Lompscher, ein Zuwachs zum realen Bettenbestand sei aber derzeit nicht vorgesehen.

Bernd Kammer

Viele Endspiele für Wowereit

Am Fußball kommt seit gestern auch in der Stadtpolitik niemand vorbei. Da war in der Industrie- und Handelskammer (IHK) nicht der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zu einem Vortrag angetreten, sondern der »Berliner Mannschaftskapitän«, der in den verbleibenden Monaten bis zur Abgeordnetenhauswahl noch viele »Endspiele« zu bestreiten habe, wie der IHK-»Spielfüh- rer« Eric Schweitzer lau...

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Tobias Riegel

Pressestelle

Ob ihrer plötzlichen Beliebtheit bei der konservativen Journaille wird sich Renate Künast von den Grünen wahrscheinlich nicht mehr die Augen reiben – überraschend ist die Parteinahme für die potenzielle Wowereit-Herausforderin für das Amt des Regierenden Bürgermeisters angesichts der Entwicklung der ehemaligen »Bürgerschrecks-Partei« nicht wirklich. Auch dass ausgerechnet die »Morgenpost« hi...

ndPlusKarin Schmidt-Feister

9100 tanzende Schüler

Der fünfte Geburtstag der Initiative »TanzZeit« wird an diesem Wochenende im Radialsystem gefeiert. Die Schirmherrschaft von Sasha Waltz und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) unterstreicht die Wertschätzung für diese auf Nachhaltigkeit angelegten künstlerischen Arbeit. 88 Berliner Schulen aller Bezirke mit über 9100 Kindern aller sozialen Schichten tanzten bisher unter Anleitung v...

Bangen mit Kohlhaas
ndPlusTom Mustroph

Bangen mit Kohlhaas

Das Gefangenentheater Aufbruch zettelt mal wieder eine Rebellion an. Dieses Mal greift die Truppe um den Regisseur Peter Atanassow dabei auf den bürgerlichen Trotzkopf Michael Kohlhaas zurück. Der geriet in Zorn über seine adlige Obrigkeit, weil einer ihrer Protagonisten ihm eine ungebührliche Extrasteuer abverlangte, dabei sein Eigentum – ein paar Rosse – zuschanden machte und auch die darüberliegende Hierarchieebene dieses Unrecht nicht aus der Welt schaffte. Kohlhaas ist kein Revolutionär. E...

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Insel mit Weltruf

Insel mit Weltruf

Reichenau (dpa/ND). Besucherandrang auf Reichenau: Der im Jahr 2000 verliehene Titel UNESCO-Weltkulturerbe hat der Bodenseeinsel einen deutlichen Anstieg der Touristenzahlen gebracht. »Die Zahl der Führungen hat sich in den vergangenen zehn Jahren ungefähr verdreifacht«, erklärte Karl Wehrle, Chef des Fremdenverkehrsamts, dieser Tage in einem dpa-Gespräch. Die Insel sei, so die UNESCO seinerzeit i...

Im Luftschutzkeller bei Tommy Spree
ndPlusOliver Matz

Im Luftschutzkeller bei Tommy Spree

Durch die gläserne Tür betritt der Besucher das Anti-Kriegs-Museum in der Brüsseler Straße. Hier sieht er Fotografien von Kriegsversehrten und Kriegsreliquien wie Stahlhelme und Gasmasken. Eines der an den Wänden platzierten Fotos präsentiert den Gefreiten F., einen Soldaten des Ersten Weltkrieges, dem eine Artilleriegranate Unterkiefer und Zähne weggerissen hat.Eine Treppe führt in einen Luftschu...

Mirko Knoche, Hamburg

Selbstmord in der Haftanstalt

Drei Menschen haben sich innerhalb weniger Wochen in Hamburger Haftanstalten umgebracht. Till Steffen, der grüne Justizsenator der Hansestadt, berichtete am Donnerstagabend im Rechtsausschuss der Bürgerschaft über den jüngsten Fall.

ndPlusJens Albes, dpa

U-Ausschuss als Wahlkampfarena

Nun also doch: In Rheinland-Pfalz wird es auf Betreiben der SPD bald einen zweiten Untersuchungsausschuss des Landtags geben. Dieser soll die CDU-Affäre um früher mutmaßlich falsch verbuchtes Fraktionsgeld beleuchten.

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Lkw-Maut auf bayerischen Bundesstraßen

München (dpa/ND). Auf der Romantischen Straße und anderen viel befahrenen vierspurigen Bundesstraßen Bayerns müssen Lastwagenfahrer aller Voraussicht nach künftig Lkw-Maut zahlen. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) begrüßte am Freitag die Pläne zur Ausweitung der Lkw-Maut – »unter der Voraussetzung, dass die Einnahmen ausschließlich dem Straßenbau zu Gute kommen«. Der Bund müsse jetzt das ...

Beleidigt bei der Bundeswehr

Schwerin (dpa/ND). Eine geplante Vereinbarung zwischen der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern und der Bundeswehr über Informationsveranstaltungen an Schulen sorgt weiter für Streit. Erst am Dienstag hatte sich das Kabinett auf einen neuen Text verständigt. Die neue Formulierung stieß jedoch bei der Bundeswehr auf Vorbehalte, wie NDR 1 Radio MV am Freitag berichtete. Dabei gehe es um »übert...

ndPlusSascha Sefferin, Nürnberg

Presserecht in Nürnberg

In Nürnberg wurde gestern das Verfahren gegen eine Antifaschistin wegen deren angeblichen Verstoßes gegen Bayerns Pressegesetz eingestellt. Im Anschluss folgte eine Verhandlung gegen den rechtsextremen Aktivisten Jürgen Schwab – auch wegen Verstoßes gegen das Pressegesetz.

Abenteuer, Romantik, Pyrotechnik
Martina Rathke, dpa

Abenteuer, Romantik, Pyrotechnik

Auf Rügen beginnen in einer Woche die 18. Störtebeker-Festpiele. Im neuen Stück geht es um den Schatz der Templer. Für die Insel bedeuten die Festspiele ein Finanzvolumen von etwa 100 Millionen Euro.

Wilfried Neiße

Abtrünniges Patenkind von Pieck

Die konstituierende Sitzung einer Landtagskommission bringt selten etwas Spektakuläres. Aber als sich gestern die Enquetekommission zur »Aufarbeitung der Geschichte und Bewältigung von Folgen der SED-Diktatur und des Übergangs in einen demokratischen Rechtsstaat im Land Brandenburg« zu ihrer ersten Sitzung zusammenfand, ereignete sich doch etwas Bemerkenswertes.Zu Beginn machten sich die Beteiligt...

Seite 13

UN-Staaten vertagen Klimaschutz

Bonn (dpa/ND). Bei der UN-Klimakonferenz in Bonn hat es keine wesentlichen Fortschritte in den Kernfragen für ein neues Weltklima- Abkommen gegeben. Rund 4500 Teilnehmer aus aller Welt verhandelten fast zwei Wochen lang – ohne feste inhaltliche Vereinbarungen für den weiteren Weg zu treffen. Ein neuer Entwurf für die nächsten Verhandlungsrunden lag zum Abschluss der Konferenz am Freitag vor,...

Irina Wolkowa, Moskau

Ist BP von Russland zu helfen?

Beim Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko könnte vielleicht russische Weltraumtechnik helfen.

ndPlusJohn Dyer, Boston

Differenzen zur Geldpolitik

In der US-Zentralbank Fed gibt es Meinungsverschiedenheiten über den Sinn von Zinserhöhungen. Derweil drängt Fed-Chef Bernanke weiter auf Drosselung der Staatsdefizite.

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Boomende Importe beim Müll

Dessau-Roßlau (dpa/ND). Die Menge des nach Deutschland gebrachten Abfalls ist im Jahr 2009 erneut gestiegen. 7,6 Millionen Tonnen zustimmungspflichtigen Mülls wurden eingeführt, darunter behandeltes Altholz und belasteter Boden, wie das Bundesumweltamt am Freitag in Dessau-Roßlau mitteilte. Damit stieg die Abfall-Einfuhr auf einen neuen Höchstwert. Im Jahr 2008 waren es 6,9 Millionen Tonnen gewese...

ndPlusSusann Witt-Stahl, Hamburg

Bundespolizisten bald als Piratenjäger?

Ginge es nach den Reedern, könnten schon bald bewaffnete Polizisten an der Reling deutscher Handelsschiffe Ausschau nach Piraten halten und diese in die Flucht schlagen.

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Wo der Teufel oft die Hand im Spiel hatte
ndPlusGabi Kotlenko

Wo der Teufel oft die Hand im Spiel hatte

Wenn das nicht mit dem Teufel zugeht. Schließlich hat der hier im Schweizer Kanton Uri zwischen Andermatt und Göschenen um 1220 über die Schöllenenschlucht schon einmal eine Brücke gebaut, die inzwischen zwei modernere Schwestern bekam. Einer Sage zufolge scheiterten die Urner immer wieder an der Errichtung einer Brücke. Schließlich rief einer ganz verzweifelt aus: »Do sell der Tyfel e Brigg bue!« (Da soll der Teufel eine Brücke bauen!). Kaum ausgesprochen, stand dieser da und schlug einen Pakt...

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Anschmiegsame Löwen, eifersüchtige Elefanten
Rainer Heubeck

Anschmiegsame Löwen, eifersüchtige Elefanten

Fernab der Städte, im südafrikanischen Busch, funkeln die Sterne klarer als anderswo. Nach einem Abendessen, das in einer sogenannten Boma, einem windgeschützten Speise- und Grillplatz, serviert wird, führt Pascale von Heysten die Gäste des Nkomazi Game Reserves, eines privaten Safariparks in der Provinz Mpumalanga, ein Stück weg vom Feuer, so dass das Firmament noch deutlicher zu erkennen ist. Beim Blick nach oben erklärt sie die Gestirnskonstellationen der Südhemisphäre und schildert mit leis...

Seite 17
Heiko Hilker

Rettung für die ARD?

Dass es Veränderungen in der Abendschiene des Ersten geben könne, zeichnete sich schon zur ARD-Intendantensitzung im April in Leipzig ab. Während man groß mit je eigener Pressemitteilung die Verpflichtung von Mehmet Scholl als ARD-WM-Fußballexperten sowie die Vertragsverlängerung von Ingo Zamperoni für das »nachtmagazin« verkündete, schwiegen sich die Intendanten über die Verträge mit Anne Will un...

PLATTENBAU
ndPlusMichael Saager

PLATTENBAU

Da ist nicht dran zu rütteln: Von allen Dance-Punk-Projekten ist James Murphys LCD Soundsystem das mit Abstand tollste. Auch »This Is Happening«, die dritte Platte des New Yorker DJs, DFA-Labelbetreibers, Musikers und Sängers, ist so umwerfend kickend, schlüssig schlau und lässig schön geraten, wie nur was. Nach dem fulminanten, deutlich von The Fall inspirierten Debüt »LCD Soundsystem« (2005) und...

ndPlusKlaus Bellin

Mit Augen fürs Elend

Mit seinen Erinnerungen wollte er warten, bis er sehr alt sein würde. Er dachte, er hätte noch viel Zeit. Also lehnte er 1801 die Anregung des Dichters Christian Felix Weiße, doch seine Geschichte aufzuschreiben, rundheraus ab. Erst wolle er leben und dann schreiben. Da war Johann Gottfried Seume noch keine vierzig, aber er hatte schon mehr hinter sich als andere im hohen Alter. Geboren 1763 als S...

Seite 18

Sensation

Ein Zufallsfund bei Bauarbeiten sorgt für Begeisterung bei Archäologen. In Barbing (Landkreis Regensburg) wurden die äußerst gut erhaltenen Überreste eines Kriegers aus der Glockenbecherzeit gefunden. Der Mann trug einen Dolch aus Kupfer bei sich sowie eine ganze Reihe von Werkzeugen. Krönung der Funde ist ein kleiner Goldring, den der Tote entweder im Ohr oder im Haar trug. »as ist eine archäolog...

Reflektion

IM stand da, ich habe es nicht glauben wollen.« Mit diesen Worten berichtet die Schriftstellerin Christa Wolf (81) erstmals ausführlich über ihre Erlebnisse in der Stasi-Unterlagenbehörde. Dort war sie nach dem Zusammenbruch der DDR vor 20 Jahren nach der vorhergehenden, tagelangen Lektüre der 42 Stasi-Akten über ihre eigene Bespitzelung in der DDR (»Ich fühlte mich besudelt«) auch auf eine dünne ...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Der Indianer und der Schmerz

Der Körper ist nur befristet das Kapital eines Menschen. Muskeln bilden nur auf Zeit das, was man Männlichkeit nennt. Das Abenteuer-Kino öffnet den kräftigen Helden nur für eine gewisse biologische Dauer die Breitwand. Als Gojko Mitic die Sommerfilmtage der DDR in Indianerfestspiele verwandelte und Osceoloa, Ulzana, Tecumseh, Chingachgook, Tokaitho und andere zu Sympathieträgern einer ganzen natio...

Seite 19

Albert Ostermaier: Das wilde Herz schlägt Pässe in die Laufwege des Glücks

Zeit lässt nicht mit sich handeln. Aber wir können sie verwandeln in ein Gewebe aus betonten Momenten. Jetzt ist den Fußball-Verfallenen, im Absolutismus einer WM, ein sehr langer betonter Moment gegeben. Seit Langem ist der Dichter Albert Ostermaier – geb. 1967, einer der prägenden Lyriker und Dramatiker des Landes – auch ein Poet des Fußballs. Ostermaier, in seinem Leben ein Münchner, in seiner Leidenschaft ein Bayern-Münchner, stellte uns anlässlich der WM Gedichte zur Verfügung, die im Spiel den Kern der Existenz entdecken. Das Spiel als Da-Sein, auf dem man freilich nicht so eingängig zum Ziel kommt, wie Ex-Trainer Jürgen Klinsmann vor vier Jahren den Weg zum Weltmeistertitel beschrieb: »Kopf immer oben halten, Ball annehmen, passen, bum, bum.«

Seite 20

Radar liefert 3D-Bild der Erde

»Wissen für morgen«, lautet das Motto des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf der diesjährigen ILA. Vor allem auf dem Gebiet der Erdbeobachtung will man eigene Erfahrungen nutzen. Für diesen Bereich zählt Astronaut und Brigadegeneral Thomas Reiter verantwortlich. Er informierte unter anderem über den Fortgang des Projekts »Erde in 3D«. Am 21. Juni um 04:14:02 Uhr MESZ soll mit ein...

Walter Willems

Schule im Tierreich

Die Fähigkeit, Bräuche von einer Generation an die nächste weiterzugeben, wurde lange Zeit lediglich dem Menschen zugesprochen. Erst im Vorjahr entdeckten Verhaltensbiologen, dass auch wilde Schimpansen Verhaltensweisen an ihre Nachkommen weitergeben. Dass diese soziale Tradierung im Tierreich noch sehr viel weiter verbreitet ist, zeigen nun Zoologen der englischen Universität Exeter am Beispiel v...

ndPlusJohannes Wagemann, dpa

Bohren unter Wasser

Aus tausenden Metern Tiefe wird weltweit Öl gefördert – doch wann ist für die »Bohrstangen« das Ende erreicht? Mehr als zehn Kilometer tief sind sie bereits in die Erde vorgestoßen. Die Ölpest am Golf von Mexiko lässt Fragen nach dem Risiko der weltweiten »Exploration«, wie die Fachwelt die Suche nach Vorkommen nennt, laut werden.Im Golf von Mexiko gab es nach ersten Erkenntnissen nicht nur ...

ndPlusMartin Koch

Die Mathematik des Fußballs

»Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel.« Dieser legendäre Spruch wird gern dem Kölner Nationalspieler Lukas Podolski zugeschrieben, wenn auch niemand dafür eine Quelle anzugeben weiß. Dass Fußball und Schach gleichwohl vieles gemein haben, ist für den früheren Bremer Bundesliga-Profi und begeisterten Schachspieler Marco Bode schlicht eine Tatsache: »Man muss in beiden Spielen jede Sekunde hochko...

Seite 23

Für die Socceroos beginnt der Spaß

Die deutsche Elf wird gegen Australien wohl auf ein Abwehrbollwerk treffen. »Zuerst müssen wir hinten gut stehen, bevor wir versuchen, auf Sieg zu spielen«, sagte Mittelfeldspieler Tim Cahill vom FC Everton. Bei all seinen Teamkollegen genießt die deutsche Elf größten Respekt. »Ich erwarte sie sehr stark, obwohl die ganz großen Namen fehlen. Wir sind der Underdog, hoffen aber trotzdem auf einen Si...

Kein Platz für Abwehr

Kein Platz für Abwehr

Von Tom Vaagt (SID), JohannesburgGanz Argentinien hofft auf Fußball-Zauberer Lionel Messi, doch WM-Auftaktgegner Nigeria schlottern auch vor dessen Gehilfen die Knie. »Natürlich ist Messi ein überragender Spieler, aber er ist nicht der Einzige, der ein Spiel allein entscheiden kann«, sagt Stürmer Obafemi Martins vom VfL Wolfsburg vor der heutigen Partie in Johannesburg: »Auch Carlos Tevez ist höll...

WM-News

Ankunft Der Topfavorit kam zum Schluss: Europameister Spanien ist am Freitag als letzter WM-Teilnehmer in Südafrika gelandet. Mit »Oberfan« Manolo an Bord erreichte die Seleccion nach zehnstündigem Flug Johannesburg und machte sich auf den Weg ins 135 Kilometer entfernte WM-Quartier in Potchefstroom. Vorm Abflug war das Team von Vicente Del Bosque am Madrider Flughafen von hunderten Fans verabschi...

ndPlusSebastian Stiekel, dpa

Unbeantwortete Systemfrage

Angriffslustig wie der FC Barcelona oder abgeklärt wie Inter Mailand? Welcher Spielstil die WM prägen wird, ist genauso offen wie die Frage nach dem neuen Weltmeister. »Ich hoffe, dass wir schnellen Offensivfußball sehen werden«, sagt Guus Hiddink. Sicher ist sich der niederländische Taktik-Papst da aber nicht, denn einen einheitlichen Modetrend gibt es im Fußball zurzeit nicht. In den vergangenen...

ndPlusJens Mende und Klaus Bergmann, dpa

Abnutzungskampf statt Spektakel

Die jüngste deutsche WM-Mannschaft seit 76 Jahren möchte gegen Australien sofort auf die Erfolgswelle. »Alle brennen, alle wollen zeigen, was sie können«, erklärte Joachim Löw kurz vor dem Start am Sonntagabend. »Es entscheiden wenige Situation über den Verbleib im Turnier, über Erfolg und Enttäuschung. Ein Erfolgserlebnis zum Start wäre wichtig für das Selbstbewusstsein«, betonte der Chefcoach. K...

Seite 24
ndPlusMarc Schmidt und

Das Mutterland hofft auf Wayne Rooney

Marco Mader, SID Das ganze Fußball-Mutterland träumt vom ersten Weltmeistertitel seit 1966 – und der Superstar Wayne Rooney will beim WM-Auftakt der englischen Nationalmannschaft gegen die USA deshalb gleich aus allen Rohren feuern: »Ich stehe in der Verantwortung und werde niemanden enttäuschen. Ich will in der Fußballwelt einen bleibenden Eindruck hinterlassen und den WM-Pokal nach England...

ndPlusRalf E. Krüger, dpa

Südafrika feiert den Startschuss

Trommler, Käfer-Attrappen, Zulu-Hüte und Imbongi-Lobredner: Mit einer ausgelassenen afrikanischen Party hat die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika begonnen.

Seite 25
Der Weg ist das Ziel
ndPlusJan Freitag

Der Weg ist das Ziel

Größer könnten Gegensätze kaum sein. Fünf Grad minus zeigte das Thermometer, als für Kay Amtenbrink und Bernd Volkens vor vier Monaten das Abenteuer ihres Lebens begann. Verwandte waren gekommen, Freunde, selbst ein paar Reporter, um sie auf ihre Reise von Hamburg nach Südafrika zu schicken – im uralten VW-Bus vom Kiez zum Kap. Beim Abschied aus der Winterpause Richtung WM herrschte bei den zwei St. Pauli-Fans beste Laune, Aufbruchstimmung, fast Euphorie am Stadion ihres Heimatclubs. Von Euphor...

Seite 26
ndPlusHans-Georg Schleicher

Vom Paria zum global geachteten Akteur

Gastgeber Südafrika und mit ihm viele afrikanische Staaten sehen die Fußballweltmeisterschaft als gesamtafrikanisches Ereignis. Das entspricht Südafrikas Politik im regionalen und globalen Kontext.

Zuma macht die WM zur Chefsache
Armin Osmanovic, Johannesburg

Zuma macht die WM zur Chefsache

Vor etwas mehr als einem Jahr, am 9. Mai 2009, leistete Jacob Zuma seinen Amtseid als südafrikanischer Staatspräsident. Eine erfolgreiche Fußballweltmeisterschaft und der Gewinn des Turniers durch Bafana-Bafana (Die Jungs), Südafrikas Fußballnationalmannschaft, soll sein erstes Jahr krönen.

Seite 27
Vuvuzela – die schrille Tröte aus dem Meer

Vuvuzela – die schrille Tröte aus dem Meer

Jeder WM-Besucher wird in Südafrika auf Vuvuzelas stoßen. Mit den länglichen Tröten aus Plastik in rot, grün, blau oder gelb feuern die südafrikanischen Fußballfans begeistert ihre Mannschaften an. In den WM-Stadien muss jeder Besucher mit einem atemberaubenden Getöse rechnen. Bundestrainer Joachim Löw war nicht der einzige, der die »Nervtröten« verbieten wollte. Die Weltfußballverband entschied s...

Armin Osmanovic, Mbombela

Schüsse in Mbombelas Townships

Die Erwartungen an die Fußballweltmeisterschaft in Mbombela waren und sind hoch. Manche wurden schon enttäuscht. Der Stadionbau ging mit Landvertreibungen einher. Über dem Bau liegen auch Korruptionsvorwürfe bis hin zu einem ungeklärten Mord.

Seite 28
Katrin Rohnstock

Grenzüberschreitung am Kap

»Die Karten verkaufen sich nicht!«, klagte ein deutscher Manager, der nach Kapstadt gekommen war, um für deutsche Betriebe und Institutionen Spezialreisen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft zu organisieren. »Die Leute haben zu viel Angst vor der Kriminalität hier!«Wer als Tourist Kapstadt besucht, empfindet diese Angst bald als übertrieben. Hält man sich an einige Vorsichtsmaßnahmen – beispielsweise bei Dunkelheit nicht allein auf die Straße zu gehen –, dann kann man ansonsten das Leben geni...

Seite 30
Damit nichts bleibt, wie es einst war
ndPlusCaroline M. Buck

Damit nichts bleibt, wie es einst war

Als 1994 die ersten freien Wahlen nach dem Ende der Apartheid stattfanden, trieb es Stefanie Sycholt wieder in ihr Heimatland zurück. In dem Dokumentarfilm »A Changing of the Seasons« feierte die Münchner Filmstudentin mit der Begeisterung des langjährigen Apartheid-Gegners den Anbruch einer neuen Zeit, ohne die sozialen Sollbruchstellen einer solch radikalen Umwälzung zu ignorieren. Sechs Jahre s...

Der Soundtrack zur WM
Franz X. A. Zipperer

Der Soundtrack zur WM

Bafana bafana – so wird das Fußball-Nationalteam der Regenbogen-Nation Südafrika genannt. Auch die lauthals gebrüllten Anfeuerungsrufe gehen so. Es heißt übersetzt nichts anderes, als »die Jungs«. Aber ist da nicht Musik drin, in diesem Ruf: »Bafana bafana«? Und ob. Mindestens genauso viel, wie Südafrika auch sonst an spannender Musik zu bieten hat. Die aber zu ergründen, ist gar nicht so ei...

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Ulrich van der Heyden

So viel war lange nicht

So viel Interesse an der deutschen Vergangenheit in Afrika hat es seit 1984/85 nicht mehr gegeben, als Historiker der DDR und der BRD den 100. Jahrestag Berliner Kongokonferenz zum Anlass für zahlreiche Publikationen und Konferenzen nahmen. Danach schwand das Interesse an der Geschichte des deutschen Kolonialismus, nicht zuletzt weil im Osten Deutschlands die einschlägigen wissenschaftlichen Kapaz...

ndPlusGerd Fesser

»Wir brauchen sie für die Wahlen.«

Von November 1884 bis Februar 1885 tagte in Berlin die Kongo-Konferenz mit Vertretern aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich-Ungarn, Portugal, Russland, Schweden, Spanien, den USA sowie dem Osmanischen und dem Deutschen Reich. Die Teilnehmer erkannten die Kolonie, die Leopold II. am Kongo errichtet hatte, als Privatbesitz des belgischen Königs an. ...

Ronald Sprafke

Das Kind von Taung

Lucy oder Ardi, Cinderella oder George, Adam oder Eva? Wie hießen unsere Ur-ur-ur-Ahnen, und wo wohnten sie? Den Garten Eden hatte schon Charles Darwin aus dem Adressbuch der Menschheit verbannt. In seiner »Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl« äußerte der britische Naturforscher 1871 die Meinung, der Mensch stamme aus Afrika. Bekanntlich wurden seine Evolutionstheorien nicht ...

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Jirka Grahl

Wiege des Fußballs in Afrika

Ist es Zufall? Vom aktuellen Fußballmeister Supersport United aus der Hauptstadt Pretoria hat es nur ein Spieler in den aktuellen WM-Kader der Bafana Bafana geschafft, selbst die legendären Kaizer Chiefs aus Soweto sind nur mit drei Spielern vertreten, ebenso die Erzrivalen Orlando Pirates, die in den letzten Jahrzehnten das nationale Fußballgeschehen prägten.Aus acht südafrikanischen Klubs kommen...

ndPlusJirka Grahl

»Der Sport, das war es, was sie wirklich traf«

Unzählige kleine und große Versöhnungsgesten gelangen dem ANC-Führer Nelson Mandela nach dem Ende der Apartheid: Als 1994 am ersten Tag seiner Amtszeit als Präsident kaum einer der weißen Regierungsangestellten zur Arbeit erschien, weil jeder erwartete, gekündigt zu werden, ließ er am nächsten Tag alle zusammentrommeln. Der Mann, der 27 Jahre lang in den Kerkern des Apartheidregimes eingesperrt ge...