Steinmeiner nimmt politische Auszeit

Berlin (dpa/ND) - Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier will seiner schwer erkrankten Ehefrau eine Niere spenden und zieht sich deshalb "für einige Wochen" aus der Politik zurück. Über seine politische Auszeit aus privaten Gründen unterrichtete Steinmeier die Öffentlichkeit am Montag in Berlin. Der 54-jährige SPD-Politiker und seine Frau, die Verwaltungsrichterin Elke Büdenbender, ...

Seite 1

Unten links

Seit sich Wirtschaft und Vereine die Bälle zuwerfen, verlor der Sport seine Unschuld: Viele Stadien tragen Namen zahlungskräftiger Firmen – Bandenwerbung allein war der Werbe-Bande nicht genug. In Nürnberg gibt es bereits auch einen Uni-Hörsaal namens EasyCredit-Hörsaal – die Bank bietet Renovierungshilfe. Die Logik solcher Logos: Es stirbt der Eigensinn. Die Methode hat freilich Zukun...

ndPlusJörg Meyer

Verdacht

Die Konzerne schreiben schwarze Zahlen, die Tische bei Vorständen und Geschäftsführungen brechen unter der Last prall gefüllter Auftragsbücher zusammen. Sowohl regierungs- als auch unternehmer- und sogar gewerkschaftsnahe Wirtschaftsweise korrigieren ihre Prognosen nach oben und sehen eine Drei vor dem Komma.Die Kurzarbeit und andere Instrumente der Krisenbewältigung haben funktioniert, die Beschäftigten haben Verzicht geübt und damit ihre Jobs gesichert. Alle zusammen haben die Krise überwunde...

Kernkraftwerk Buschehr angelaufen

Iran hat sein erstes Kernkraftwerk feierlich in Betrieb genommen. In der Hafenstadt Buschehr brachten Nuklearexperten aus Moskau am Samstag die ersten der mehr als 160 Brennstäbe in die Reaktoranlage, mit deren Bau BRD-Ingenieure vor mehr als 30 Jahren unter der Herrschaft von Schah Reza Pahlevi begonnen hatten.

Konjunktur rauf – Einkommen nicht

Trotz des starken Wirtschaftswachstums sieht der DIHK wenig Spielraum für Lohnerhöhungen. Er korrigierte zugleich seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich von 2,3 auf 3,4 Prozent nach oben.

Seite 2
Das ist doch keine politische Haltung!

Das ist doch keine politische Haltung!

Wir haben die Pflicht – dafür werden wir übrigens auch nicht schlecht bezahlt –, uns Gedanken über eine bestimmte Zeit hinaus zu machen (...) Es ist doch im Augenblick so: Wir haben den Einigungsvertrag noch nicht. Mit anderen Worten: Die Ergebnisse der Bodenreform sind noch nicht gesichert; die Eigentums- und Nutzungsrechte der DDR-Bürgerinnen und -Bürger sind noch nicht gesichert; das Gleiche gilt für Mietrecht, das Gleiche gilt für bestimmte Sonderregelungen in der DDR. Ich erinnere an die s...

Selbstaufgabe nach Mitternacht
ndPlusWolfgang Hübner

Selbstaufgabe nach Mitternacht

Den Sommer 1990 verbrachte die Politik in der DDR und der Bundesrepublik mit immer hektischer werdenden Debatten und Verhandlungen über die deutsche Einheit. Einer der neuralgischen Punkte: Wann und zu welchen Bedingungen tritt die DDR bei? Von einer gleichberechtigten Vereinigung war nur ganz am Anfang die Rede.

Seite 3
ndPlusUwe Kalbe

Steine auf dem Pfad der Tugend

Gut besucht sind in diesen Wochen die Pressekonferenzen im Berliner Karl-Liebknecht-Haus. Normalerweise würde sich Gesine Lötzsch über das Interesse so vieler Medienleute an der LINKEN freuen. Doch sie weiß, was sie an diesem Montag erwartet. Sechs Punkte hat sie auf ihrem Zettel. Fünf Botschaften der Partei. Zur Rente mit 67, zu Regierungsplänen einer Steuervereinfachung, zu Hartz IV, zu den Folgen der Duisburger Loveparade, zur Laufzeit von Atomkraftwerken und, letzter Punkt, keine Botschaft, sondern Stellungnahme zu »Diskussionen im Landesverband Bayern«.

Seite 4
ndPlusMartin Ling

Offenbarungseid

Es ist ein Offenbarungseid und es ist ehrlich. Christopher Ross, UN-Sonderbeauftragter für die Westsahara, wirft faktisch die Flinte ins Korn. Er sieht kaum noch Chancen für eine erfolgreiche Vermittlung im Konflikt zwischen der sahrauischen Befreiungsbewegung Polisario und Marokko. 1991 wurde die UN-Mission MINURSO in die Westsahara entsandt, um neben der Überwachung des Waffenstillstandes sechs ...

ndPlusUwe Kalbe

Kalkulierte Gemeinheit

Was treibt einen Mann wie Thilo Sarrazin, die Öffentlichkeit immer wieder mit seinen Gemeinheiten zu behelligen? Es muss ein tief sitzendes Motiv sein, das den ehemaligen Senator der Berliner SPD umtreibt. Er habe Angst, sagt er selbst. Freilich, das wäre ein Motiv. Doch Sarrazins Angst um Deutschland ist nicht glaubwürdig. Angst und bange kann einem eher werden, wenn man zu jenem Kreis von Mensch...

Hans-Gerd Öfinger

Da passt er hin

Wenig überraschend kommt die Meldung, wonach Hessens scheidender Ministerpräsident Roland Koch als neuer Chef bei Bilfinger Berger (BB) im Gespräch ist. Koch, der nächste Woche mit einem Zapfenstreich von der politischen Bühne abtritt und noch über sechs Monate vom Land Dienstwagen, Chauffeur und Zuarbeiter gestellt bekommt, war, ist und bleibt eines: ein Anwalt der Wirtschaft. Ein Wechsel von der...

Verbannt
ndPlusInes Wallrodt

Verbannt

Die für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko verantwortlichen BP-Manager bleiben ohne Anklage. Die texanische Umweltaktivistin Diane Wilson blieb es nicht. Für ihren Protest gegen den Konzern in zwei Sitzungen des US-Senats verurteilte sie das Kammergericht von Washington DC am Freitag zu einer Art Verbannung – acht Monate lang darf sie Washington nicht betreten. Vor allem aber sind ihr fast...

Duale Moderatoren
Heiko Hilker

Duale Moderatoren

Vor drei Jahren wollte der WDR-Rundfunkrat Günther Jauch ganz oder gar nicht bei der ARD haben. Vor einigen Wochen fragte Ruth Hieronymi, die Vorsitzende des WDR-Rundfunkrates, grundsätzlich, ob »ein prägendes Gesicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk für Information« und »im kommerziellen Fernsehen für die Unterhaltung« stehen kann. Bisher sei »ein Gesicht stets mit einem bestimmten Sender in Verbindung gebracht« worden.Doch stimmt das? Ist es etwa Günther Jauch, für den die ARD die Mauer zu ...

Seite 5

Roland Koch demnächst bei Baukonzern?

Wiesbaden (dpa/ND). Hessens scheidender Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat Spekulationen über seinen Wechsel an die Spitze des Baukonzerns Bilfinger Berger zurückgewiesen. Zuvor hatte die »Bild«-Zeitung berichtet, Koch werde künftig den Baukonzern führen. Der 52 Jahre alte Koch will Ende August sein Amt als Ministerpräsident abgeben. Die »Bild«-Zeitung schrieb, Koch solle Bilfinger-Chef Herbe...

Ramelow kritisiert Neiddebatte

Erfurt (dpa/ND). Der Neid prägt für den Thüringer LINKE-Fraktionschef Bodo Ramelow den innerparteilichen Streit um den Bundesvorsitzenden Klaus Ernst. Viele Parteimitglieder hätten noch immer kein Verhältnis zum Geld gefunden. »Das ist die Lebenslüge der PDS«, so Ramelow. »Man muss nicht arm sein, um die Armut zu bekämpfen.« Der Lebensstil von Ernst sei vor seiner Wahl bekannt gewesen. »Die Debatt...

Merkel besteht auf Brennelementesteuer

Berlin (Agenturen/ND). Die umstrittene Belastung der Atomwirtschaft von jährlich 2,3 Milliarden Euro wird nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf jeden Fall kommen. Der Beitrag der Energiekonzerne werde »selbstverständlich« erhoben, sagte Merkel am Sonntag dem ZDF. Sie gehe davon aus, dass dies in Form einer Brennelementesteuer geschehen werde. Merkel betonte zugleich, sie sei ...

»Militärpropaganda in der Fläche«

»Militärpropaganda in der Fläche«

ND: Die Bundesregierung hat auf Ihre Anfrage zu Patenschaften von Gemeinden oder Städten mit Einheiten der Bundeswehr geantwortet. Sind Sie jetzt schlauer?Vogler: Mich hat vor allem überrascht, dass es so viele Patenschaften sind. 700 gibt es derzeit, fast 200 weitere wurden nach einer Zeit wieder aufgehoben. Außerdem fällt auf, dass vor allem kleinere Städte und Gemeinden beteiligt sind. Für die Bundeswehr sind die Patenschaften offensichtlich ein Mittel, um Militärpropaganda in der Fläche sic...

Reinhard Schwarz, Hamburg

Grüne fremdeln nicht lange

Vor einer schwierigen Entscheidung stand am Sonntag in Hamburg die Basis der Grün-Alternativen Liste (GAL): Entweder die Koalition mit der CDU für weitere anderthalb Jahre fortsetzen oder Neuwahlen mit der Möglichkeit des Machtverlusts riskieren. Die Grünen entschieden sich für die CDU.

Seite 6

Auch China evakuiert Zehntausende Personen

Peking/Seoul (AFP/ND). Im Nordosten Chinas sind mehr als 120 000 Menschen vor schweren Überschwemmungen in Sicherheit gebracht worden. Wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete, starben am Wochenende mindestens vier Menschen, nachdem der Fluss Yalu an der Grenze zu Nordkorea am Freitag über die Ufer getreten war. Allein in der Millionenstadt Dandong an der Grenze zu Nordkorea mussten mehr als 94 0...

Neue Gespräche über IWF-Kredite

Angesichts der verheerenden Überschwemmungen in Pakistan will der Internationale Währungsfonds in dieser Woche Gespräche über die Folgen der Fluten für die pakistanische Wirtschaft und mögliche Maßnahmen führen. Die internationale Gemeinschaft spendete nach Angaben der UNO seit Beginn der Katastrophe knapp 500 Millionen Dollar.

Markus Bernhardt

Ungehorsam gegen braune Kriegshetzer

Die Empörung über die Dortmunder Polizei schlägt Wellen. Entgegen allen Ankündigungen der von Polizeipräsident Hans Schulze (SPD) geleiteten Behörde haben die Beamten den neofaschistischen »Autonomen Nationalisten« die nördliche Innenstadt für ihren Großaufmarsch am 4. September zur Verfügung gestellt.

Seite 7

Wyclef Jean darf in Haiti nicht antreten

Port-au-Prince (dpa/ND). Der Versuch des US-Sängers Wyclef Jean, Präsident seines Heimatlandes Haiti zu werden, ist gescheitert. Der Rapper wurde nicht in die Kandidatenliste aufgenommen, die am Freitagabend (Ortszeit) in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince veröffentlicht wurde. Eine Begründung wurde zunächst nicht gegeben. Eine der Voraussetzungen für die Zulassung zur Wahl ist allerdings...

Netanjahu verlangt ein Palästina ohne Militär

Israels Regierungschef Netanjahu sieht in den vereinbarten direkten Gesprächen mit den Palästinensern nach eigenen Worten eine Chance für ein Ende des Konflikts.Jerusalem (AFP/ND). »Ein Friedensschluss mit den Palästinensern ist schwierig, aber möglich.« Dies erklärte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag in Jerusalem. Er könne die Zweifler verstehen, die nicht an ein Erg...

Partizipative Demokratie als Modell für Afrika?
ndPlusArmin Osmanovic, Johannesburg

Partizipative Demokratie als Modell für Afrika?

Mit der Unterstützung der schwedischen Stiftung VIF wird in Afrika an der Vernetzung linker Kräfte gearbeitet. Zu diesem Zweck richtete die südafrikanische kommunistische Partei SACP in Johannesburg vom 19. bis 21. August die zweite afrikanische Konferenz der Linksparteien zur »Partizipativen Demokratie« aus. Das Vorbild ist Lateinamerika. Lennart Kjorling von der schwedischen Stiftung VIF (Vänste...

Seite 8
ndPlusSteffen Schmidt

Vom Sprit benebelt

Ausgerechnet am Ende einer Presseexkursion des Umweltbundesamtes stand ich im freitäglichen Feierabendstau. Mildernder Umstand: Wir saßen nicht vereinzelt in einer Blechkiste, sondern zusammen in einem Bus. Doch zeigt die Unmenge der Autos, meist mit nur einer oder zwei Personen besetzt, die Größe des Problems. Denn noch verfahren die im Schnitt acht Liter Treibstoff auf hundert Kilometer. Allein in Deutschland sind es mehr als 40 Millionen Pkw!

Wolfgang Ewert

Korridore für wilde Tiere

Das deutsche Straßennetz ist mit mehr als 600 000 Kilometer eines der weltweit dichtesten. Für wandernde Tierarten eine tägliche Herausforderung und Bedrohung. Querungshilfen, wie beispielsweise Grünbrücken, sollen dazu beitragen, Wanderhindernisse durchlässiger zu machen. Drei dieser Bauwerke werden in den nächsten Monaten den wandernden Tieren in der Mark zugute kommen.

Peter Nowak

Streit um Filterstäube

Der Streit um die Verfüllung von hochgiftigen Filterstäuben in die Grube Teutschenthal im Saalekreis spitzt sich zu. Der Grubenbetreiber GTS will 2011 jährlich 80 000 Tonnen Filterstäube als Stützmaterial in der Grube einlagern.

ndPlusGabriel Rath, London

Butanol in den Tank

Schottland findet Ersatz für seine versiegenden Ölquellen und setzt auf Whisky. Aus den Abfällen der Whiskyherstellung wird Butanol erzeugt, was als Treibstoff gängige Automotoren zum Laufen bringen kann. Regierung und Umweltverbände jubeln.

Seite 9

Schäuble will schnellen Ausstieg

Düsseldorf (dpa). Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat einen baldigen Ausstieg des Bundes aus der Commerzbank angekündigt. »Wir haben überhaupt nicht die Absicht, zu lange Anteilseigner der Commerzbank zu sein«, sagte Schäuble der »Rheinischen Post«. »Die Bank zeigt ja eine erfreuliche Entwicklung. Also je schneller wir wieder raus sind, desto besser«, sagte Schäuble. Der Bund hält an ...

Lokführer: Geduld ist nicht endlos

Frankfurt am Main (dpa). Die Tarifverhandlungen für rund 20 000 Lokführer in Deutschland kommen nur langsam voran. Im Mittelpunkt der vierten Runde in Frankfurt stand am Wochenende vor allem die Frage, unter welchen Bedingungen Lokführer weiterbeschäftigt werden, wenn eine Strecke nach einer Ausschreibung den Betreiber wechselt, wie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Deutsche...

ndPlusGuido Sprügel

Zu viel Leistungsdruck für die junge Seele

Aktuelle Studien belegen, dass immer mehr Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren an Hyperaktivität, Aggressivität, Depressionen oder psychosomatischen Beschwerden leiden. Professor Michael Schulte-Markwort vom Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg hält zunehmenden Leistungsdruck für eine Hauptursache.

John Dyer, Boston

USA: Lust auf Shopping war gestern

Die Zahl der Pleiten ist in den USA auf den höchsten Stand seit fünf Jahren geklettert. Im zweiten Quartal dieses Jahres wurden mehr als 420 000 Insolvenzanträge gestellt, im Jahreszeitraum zwischen Ende Juni 2009 und 2010 waren es knapp 1,6 Millionen.

Seite 10
Gegen die Militarisierung der deutschen Politik
Christine Buchholz

Gegen die Militarisierung der deutschen Politik

Die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik hat seit 1990/1991 einen deutlichen Paradigmenwechsel durchgemacht. Will DIE LINKE. ihre Aufgabe als Anti-Kriegs-Partei erfüllen, muss sie sich mit dieser Entwicklung auseinandersetzen – auch im friedenspolitischen Teil des Parteiprogramms. Denn nur dann werden wir angemessen auf die Vorstöße der Bundesregierung wie den sechsmonatigen Wehrdienst, die Rüstungsprojekte oder die immer häufigeren Einsätze im Rahmen von EU- oder UN-Missionen in aller Welt r...

Seite 11

Kein Protest wegen Google

(dpa). Unter großen Berliner Wohnungsbaugesellschaften zeichnet sich keine geballte Protestwelle gegen den Straßenansichts-Dienst Google Street View ab. Bei der Degewo mit 71 000 Wohnungen und der Gesobau mit 37 000 Wohnungen hieß es auf Anfrage, sie seien als juristische Personen nicht einspruchsberechtigt. Wenn Mieter möchten, dass ihre Wohnung unkenntlich gemacht wird, könnten sie sich selbst a...

Nazi-Symbole geschmiert

(epd). Unbekannte haben in zwei Berliner Stadtteilen am Wochenende rechtsextreme Symbole und Parolen geschmiert und volksverhetzende Texte verteilt. Wie die Polizei mitteilte, haben Passanten am Sonnabend Schriftzüge mit rechtem Inhalt in einem Fußgängertunnel und weiteren Straßen in Biesdorf entdeckt. In Lichtenrade habe in der Nacht zum Sonnabend ein 60-jähriger Mann Schriftstücke mit volksverhe...

Berlin macht Schule

Zum Schluss wurden nochmals alle Register zur Diskreditierung des Berliner Schulwesens gezogen. Die Zahl der für das nächste Schuljahr fehlenden Lehrer schraubte sich mit jeder Meldung in höhere Sphären. Der konservative Thinktank »Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft« platzierte Berlin in einer wissenschaftlich fragwürdigen Schulvergleichs-Studie vor einigen Tagen wieder einmal auf dem letzten Platz. Doch auch dieses finale Aufbäumen wird es nicht verhindern: Heute wird endlich die neue Sek...

Offene Türen im Kanzleramt

(dpa). Bei strahlendem Sonnenschein haben am Wochenende in Berlin zehntausende Bürger den Tag der offenen Tür genutzt, um hinter die Kulissen des Kanzleramts und der Ministerien zu blicken.Auch Vizekanzler und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte sich gestern den Besuchern des Auswärtigen Amtes gezeigt. Allerdings ließ er sie etwa anderthalb Stunden warten, ehe er ein paar Hände schüttelte,...

Fairness im Einkaufswagen
Nissrine Messaoudi

Fairness im Einkaufswagen

Bunte Tassen aus Ecuador, Puppen von den Philippinen, handgefertigter Schmuck aus Kenia. Daneben füllen Kaffee, Nüsse, Tee, Schokolade und Säfte die Regale des Weltladens A Janela in Berlin-Wilmersdorf. A Janela ist einer von 16 Weltläden in Berlin, die fair gehandelte Produkte verkaufen, um den Menschen aus den Ländern des Südens einen würdigen Lebensstandard zu ermöglichen. Besonders in den letz...

Seite 12

Berlin bewirbt sich für Song Contest

(dpa). Berlin ist einer von vier offiziellen Kandidaten für die Ausrichtung des Eurovision Song Contests im kommenden Jahr. Die Bundeshauptstadt tritt mit dem ehemaligen Flughafen Tempelhof als Schauplatz an. Außerdem hätten Hamburg, Hannover und Düsseldorf innerhalb der Bewerbungsfrist ihre Unterlagen für das Grand-Prix-Finale beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) eingereicht, teilte der verantwortli...

Kultureller Kraftakt
ndPlusTom Mustroph

Kultureller Kraftakt

Ganz im Zeichen des »Bicentenario«, des 200. Jahrestages der antispanischen Aufstände in Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, El Salvador, Kolumbien, Mexiko, Paraguay, Uruguay und Venezuela steht die 27. Lange Nacht der Museen am 28. August. Die Revolten in den Jahren 1809-11 führten zur Gründung der meisten lateinamerikanischen Republiken. Weil zahlreiche Berliner Museen dieses Thema aufgegriffen haben und Ausstellungen und Begleitprogramme organisieren, bildet der Aufbruch um Simon Bolivar ...

Andreas Fritsche

Normales Leben an der Sperrzone

Das allenthalben vermittelte Bild vom übermächtigen Minister für Staatssicherheit Erich Mielke, der nur mit den Fingern zu schnipsen braucht, es scheint falsch zu sein. Komisch, dass ausgerechnet ein Beschäftigter der Stasi-Unterlagenbehörde zu dieser Sicht die Fakten beisteuert, aber es ist nun einmal so. Christian Halbrock schrieb das Buch »Mielkes Revier«.In den Jahren 2004 und 2005 war Halbrock Vorsitzender des Komitees »15. Januar« in der Gedenkstätte Normannenstraße in Berlin-Lichtenberg....

Seite 13

Abschied von Daxenberger

Waging (dpa/ND). Trauriger Abschied von Sepp Daxenberger: Etwa 1000 Trauergäste haben dem an Krebs gestorbenen Grünen-Politiker bei der Totenmesse in Waging die letzte Ehre erwiesen. Die Waginger Pfarrkirche St. Martin war bei der Trauerfeier am Samstag bis auf den letzten ihrer 600 Plätze besetzt, weitere 400 Menschen hörten dem mit Lautsprechern übertragenen Requiem draußen zu.Landtagspräsidenti...

Erste Parade in Magdeburg

Magdeburg/Erfurt (dpa/ND). Lesben und Schwule in Sachsen-Anhalt haben am Samstag erstmals den Christopher-Street-Day mit einer Parade gefeiert. Zwar war der bunte Zug in Magdeburg nicht so opulent wie ähnliche Paraden in großen Metropolen, laut Polizei zogen aber rund 200 teils farbenfroh verkleidete Homosexuelle mit fantasievoll geschmückten Wagen durch die Stadt. Die »Pride Parade« war Höhepunkt einer Aktionswoche, mit der der Lesben- und Schwulenverband von Sachsen-Anhalt für Toleranz und gl...

Anja Sokolow, dpa

Bienen bei jungen Berlinern im Trend

Imker Marc-Wilhelm Kohfink erinnert sich noch gut an seine Anfänge: »Vor zehn Jahren war ich Mitte 30. Da wurde ich von älteren Imkern süßlich angelächelt und gefragt, ob ich die Babyklasse eröffnen wolle.« Inzwischen ist er im Vorstand des Berliner Imkerverbands und bietet selbst Kurse für den Nachwuchs an. Die seien immer gefragter und zwar von jungen Leuten. »Vor drei Jahren hatte ich sieben un...

ndPlusSteffi Bey

Sprechstunde auf Augenhöhe

Selbst bei den schrecklichsten Geschichten strahlen ihre Augen. So als wenn die wunderbar hellgrünen Tupfer in dem freundlichen Gesicht nichts Negatives zulassen wollen. Vielleicht ist es nur ein Schutzschild, doch wer länger mit Helke Müller spricht, merkt schnell, das ist nicht gespielt. Das kommt von innen und trägt ihre leidenschaftliche Lebensfreude nach außen.Wahrscheinlich hat ihr diese pos...

ndPlusVelten Schäfer

Albino-Störe, Finanzhaie und 50 Millionen Euro

Heute beginnt in Düsseldorf der Prozess gegen den Chef der Störzucht »Caviar Creator« in Demmin. Nach Ansicht der Staatsanwälte ist, was einst als Hoffnung des Landkreises galt, nichts weiter als ein Anlagebetrug gewesen.

Seite 14

Nazi-Aktionen zum Heß-Todestag

Stendal/Stralsund//Neumünster/Demmin (dpa/ND). Neonazis haben im sachsen-anhaltischen Stendal anlässlich des Todestags von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß Bettlaken mit rechten Parolen an Straßenbrücken gehängt. Die Transparente wurden am Sonntagmorgen an vier Brücken über der Bundesstraße 189 gefunden, teilte die Polizei mit. In den vergangenen Tagen hatte die Polizei auch in anderen Städten Sac...

Hessen-FDP fordert neuen Kurs der Bundespartei

Oberaula (dpa/ND). Die Hessen-FDP kritisiert den Kurs der Bundespartei um ihren Vorsitzenden Guido Westerwelle. »Wir sind nicht länger bereit zu erdulden, dass das Image unserer Partei so schlecht ist«, sagte der FDP-Landesvorsitzende Jörg-Uwe Hahn am Samstag nach einer Klausurtagung der Liberalen im nordhessischen Oberaula.»An der Basis führen viele den Imageverlust auf den Imageverlust des Bunde...

Boot »Charlotte« sauber und sicher
ndPlusAndreas Fritsche

Boot »Charlotte« sauber und sicher

Nach einer halben Stunde standen mehrere volle Laubsäcke neben dem Boot »Charlotte«. Genossen der LINKEN machten das denkmalgeschützte Boot am Sonntag sauber. Etliche Freiwillige halfen mit. Die »Charlotte« gehört zur abgerissenen Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals. Im vergangenen Jahr hatte der private Eigentümer des Gedenkstättenareals das Boot und anderes Inventar der Stadt Königs Wusterhau...

Wilfried Neiße

Trinkworkshop mit Lehreraufsicht

Wenn es der Abschreckung dient, kann ein Jugendlicher in Brandenburg auch in Maßen Alkohol zu sich nehmen. Das Land beharrt auf dem von Berlin abgelehnten Präventionsprogramm »Lieber schlau statt blau«. Der Film »Die Feuerzangenbowle« hat das Problem schon vor Jahrzehnten ins Bild gesetzt. Jugendliche torkeln durch den Klassenraum, obwohl sie nach Annahme ihres Chemielehrers »nur einen wönzigen Sc...

Seite 15
Wolfgang Hübner

MOSEKUNDS MONTAG

Als Herr Mosekund einen Artikel über Archäologie gelesen hatte, dachte er darüber nach, was aus seiner Zeit in ein paar tausend Jahren ausgegraben würde. Weil er es nicht dem Zufall überlassen wollte, verbuddelte er in seinem Garten neben sorgfältig ausgewähltem Hausmüll auch regionaltypische Lebensmittel. Einiges davon versenkte er einfach so in der Erde, anderes hatte er in einer Vakuumverpackun...

ndPlusChristel Berger

Leonie und die »drei goldenen Zeichen«

Leonie Lasker ist 1923 siebzehn Jahre alt. Die Tochter eines arbeitslosen, deutsch-national denkenden Kochs, die früh die Mutter verloren hat, liebt Theater über alles, auch wenn sie sich nur ganz billige Plätze leisten kann. Das wird sich ändern dank einer Einladung unbekannter Verwandter aus Frankreich. Nun beginnt eine spannende, ganz andere Geschichte. Das Mädchen erfährt, dass sie einer alten jüdischen Familie entstammt und ihre französische Großtante Isabell sie mit einer gefährlichen Mis...

Irmtraud Gutschke

Das Abenteuer Leben

Jetzt, nachdem er zu atmen aufgehört hat, mag es scheinen, als sei er sein ganzes Leben lang vor diesem Moment auf der Flucht gewesen. Schon lange bevor er von seiner Krebserkrankung wusste, so stellt man sich vor, habe er alles gefürchtet, was wie Stillstand aussah, und dem eine Aktivität entgegengesetzt, die von den einen mit Bewunderung, von den anderen mit Kopfschütteln betrachtet wurde.Jetzt, da Christoph Schlingensief gestorben ist, steht sein Leben allen Mutmaßungen offen. Aber mit diese...

Seite 16

Auf Ölspur

Dass sich aus dem Kreis der Historiker, die ihre Ausbildung in den frühen Jahren der DDR erfuhren, einige herausragende Köpfe auf die deutsche Wirtschaftsgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spezialisierten und sich dabei früh Meriten erwarben, hat mehrere Gründe. Zum einen in der Bedeutung, die eine materialistisch geprägte Sicht dem ökonomischen Geschehen für den Gesamtverlauf der G...

Wenn alles »Kultur« ist

Auch seit – oder vielleicht weil? – es die noch verhältnismäßig junge akademische Disziplin der Kulturwissenschaften gibt, ist eine präzise Definition des Begriffs »Kultur« nicht einfacher geworden. Seit vor gut dreißig Jahren Hilmar Hoffmann, damals Kulturdezernent in Frankfurt (Main), seine Forderung nach einer »Kultur für alle« propagierte, die den Besuch eines Häkel- oder Töpferkur...

Von wegen Himmelsmacht
Roberto Becker

Von wegen Himmelsmacht

V on wegen Himmelsmacht! In Jean Racines (1639–1699) »Phädra« ist die Liebe eher ein Fluch. Alles, was passiert, ist hier im Grunde nur das menschliche Ende einer halb- und vollgöttlichen Dauerfehde. Kein Wunder, dass sie alle mit ihren Göttern (gut griechisch gibt’s für jeden Fluch den passenden) hadern. Die attische Königin und Minostochter Phädra schiebt ihr ganzes Verhängnis auf di...

Diese verrückte Stadt
ndPlusMartina Jammers

Diese verrückte Stadt

Die Festgesellschaft erinnert an Loriot: Wie sie sich da mit ihren teigigen Physiognomien lümmeln auf ihren eleganten Freischwingern und teilnahmslos einer theatralisch vortragenden Dame mehr beiwohnen als lauschen. In kuriosem Kontrast zum stilvollen Mobiliar steht ein Kerzenengel aus dem Erzgebirge. Mit spitzer Feder hat Karl Arnold 1930 in seinem Blatt »Festrede« die Neigung vieler Zeitgenossen, in der Adventszeit sentimentale Texte unters Volk zu bringen, aufgespießt. Seine in den 20er Jahr...

Seite 18

Eisbären und Adler siegen

Die deutschen Eishockeyklubs haben in der European Trophy gesiegt und ihre Chancen auf den Endrundeneinzug gewahrt. Die Eisbären Berlin gewannen am Sonnabend gegen den schwedischen Vizemeister Djurgardens IF Stockholm 4:2 (1:1, 0:1, 3:0), die Adler Mannheim gegen den achtmaligen schwedischen Champion Färjestads BK 6:4 (2:0, 3:1, 1:3).Nach dem sechsten Vorrundenspieltag liegen die Berliner mit vier...

»Goldmedaille liegt in meiner Tasche im Auto«

»Goldmedaille liegt in meiner Tasche im Auto«

Mit 75,35 m im letzten Versuch holte sich Hammerwurf-Europameisterin BETTY HEIDLER (Foto: dpa) beim 69. ISTAF den Sieg vor ihrer polnischen Dauerkonkurrentin, Weltmeisterin Anita Wlodarczyk (74,43 m), und der russischen Ex-Weltrekordlerin und Vizeeuropameisterin Tatjana Lysenko (72,52 m). JÜRGEN HOLZ sprach mit der 27-jährigen Siegerin.

Andreas Schirmer, dpa

Leichtathleten in der Goldspur

Die deutschen Leichtathletik-Talente haben bei den Olympischen Jugendspielen in Singapur die Goldmedaillen Nummer zwei und drei gewonnen. Im Diskuswerfen siegte am Sonnabend Shanice Craft aus Mannheim mit 55,49 Metern. Lena Malkus aus Münster entschied den Weitsprung mit 6,40 Meter für sich. Drei Tage zuvor hatte die Ruderin Judith Sievers (Kappeln) das erste Gold für das deutsche Team einfahren k...

800-m-Weltrekord von David Rudisha
ndPlusJürgen Holz

800-m-Weltrekord von David Rudisha

Die deutsche Leichtathletik hat sich nach dem Olympiadesaster 2008 in Athen wieder zurückgemeldet, spätestens seit den spekatulären 16 Medaillengewinnen bei den EM vor drei Wochen in Barcelona. Kein Wunder, dass beim 69. ISTAF im Berliner Olympiastadion die 75 deutschen Athleten – so viele wie noch nie bei einem ISTAF, das jetzt zur World-Challenge-Serie gehört – von den 47 000 Zuschau...

Seite 19
Bindungs-Poker sieht Polen vorn

Bindungs-Poker sieht Polen vorn

Im weltweiten Poker um die Entwicklung eines effektiven Bindungssystems im Skispringen scheint Polen die Nase vorn zu haben. Während sich die Top-Nationen an gelegentlichen positiven Ergebnissen erfreuen, eilen die polnischen Springer beim Sommer-Grand-Prix von Sieg zu Sieg. Auch bei ihrem Heimspiel in Wisla standen sie ganz oben. Am Freitag dominierte auf der nach ihm benannten Großschanze Lokalm...

Warnsignal für deutsche Kanuten
ndPlusChristian Kunz, dpa

Warnsignal für deutsche Kanuten

Tränen, Tadel – und zu wenig Titel: Zwei Jahre vor Olympia in London sind die deutschen Kanuten hinter den eigenen hohen Zielen zurückgeblieben. Für die erfolgsverwöhnten Frauen sollen die Weltmeisterschaften in Polen gar ein »Warnsignal« für die Spiele 2012 sein. In Poznan fuhr die Flotte des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) fünf Siege und insgesamt ordentliche elf Medaillen ein, aber nur fün...

Seite 20
Christian Heinig

Regenzeit

Regen in München – gab es nicht am Freitagabend zum Bundesligastart. Gut so, denn so bekam man auch Steve McClaren, den ersten Engländer, der einem deutschen Bundesligisten Beine machen soll (VfL Wolfsburg) zu Gesicht, wie er am Spielfeldrand mit den Armen fuchtelte, dabei viel umher tippelte, und »Zwetschi« brüllte, so nennt er Spielmacher Zvjezdan Misimovic. 2007 war das noch ganz anders. ...

Matthias Koch, Cottbus

Auftakt nach Maß

»Auf die Knie, auf die Knie«, riefen die Fans des Fußball-Zweitligisten FC Energie Cottbus nach dem ersten Saisonspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Das war aber keine Form der Kritik, sondern die Vorbereitung des kollektiven Jubels. Der fiel nach dem 2:0 (0:0)-Erfolg gegen die als Aufstiegskandidaten gehandelten Rheinländer riesig aus. »Entscheidend war unsere bessere Organisation in der zweiten Halb...

ndPlusMark Wolter

Erlösung nach 377 Tagen

Einer war besonders gefragt nach dem erfolgreichen Zweitligaauftakt von Hertha BSC. Beim lockeren Training am Samstag im Berliner Olympiapark wartete die lokale Journaille genauso auf Marco Djuricin wie am Vorabend nach dem 3:2-Sieg gegen Rot-Weiß Oberhausen vor dem Kabinenzugang. Mit der Vorarbeit zum ersten Tor von Valeri Domovchiyski und zwei eigenen Treffern hatte der erst 17-jährige Stürmer g...

ndPlusErik Eggers, Hamburg

25 Ballkontakte sind genug

Euphorisiert, mit Gebrüll, huldigten die Fans auf der Nordtribüne des Volksparkstadions Ruud van Nistelrooy mit »Ruud, Ruud, Ruud«-Rufen. Aber »Van the Man«, wie ihn die englische Presse einst taufte, nahm den Triumph ganz cool. Der HSV hatte sein Auftaktspiel zur 48. Bundesliga-Saison gewonnen, mit 2:1 gegen Vizemeister Schalke. Manch Stürmer wäre öffentlichkeitswirksam jubelnd auf die Knie gesun...