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Garten im Schutz der Mauer
ndPlusMartin Kröger

Garten im Schutz der Mauer

20 Jahre deutsche Einheit haben Spuren hinterlassen. Für viele brachte sie elementare Veränderungen, mancher erlebt sie eher aus der Ferne. In der heutigen Printausgabe stellen wir Menschen vor, die auf ganz unterschiedliche Weise mit der Einheit zu tun bekamen. Eine der Geschichten können Sie hier lesen.

... und noch zweigeteilt

... und noch zweigeteilt

Unvorstellbar! Man stelle sich vor, es gäbe 2010 immer noch die DDR mit SED, M/L-Ideologie, Mauer und Fünfjahrplan. Aber aus dem stickigen Warteraum der Geschichte – eingesperrt durch so machtvolle wie geistlose Gerontokraten mit ihrem angeblich historische Gesetzmäßigkeiten vollstreckenden Anspruch – waren wir plötzlich in den D-Zug mit viel Zugluft geraten. Erfrischend, erregend. Wer...

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Lobbyistin für Arbeitslose
ndPlusGabriele Oertel

Lobbyistin für Arbeitslose

Um es vorweg zu nehmen: Die letzten 20 Jahre sind für Marion Drögsler alles andere als optimal verlaufen. Wer aber glaubt, dass die beinahe 50-Jährige als wandelnder Vorwurf durch die Gegend läuft oder sich inzwischen gebeugten Hauptes ihrem Schicksal ergab, irrt gewaltig. Im Gegenteil – sie ist das, was man neudeutsch taff zu nennen pflegt. Witzig, manchmal vorwitzig, selbstbewusst, schlagf...

Frieden, Gerechtigkeit, Schöpfung
Edelbert Richter

Frieden, Gerechtigkeit, Schöpfung

Anfang der 80er Jahre wurde dem ökumenischen Rat der Kirchen vorgeschlagen, ein Weltkonzil des Friedens einzuberufen. Da es Schwierigkeiten gab, das Konzil zustande zu bringen, trat an die Stelle des Ziels der Weg: der Konziliare Prozess.

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Hendrik Lasch

Ganz nah am Wasser gebaut

Am Montag wird auf der Mainau-Insel im Bodensee der EuroNatur-Preis verliehen. Die gleichnamige Stiftung ehrt damit jährlich Menschen für besonderen Einsatz beim Umweltschutz. 20 Jahre nach der deutschen Vereinigung geht die Auszeichung an Ernst Paul Dörfler. Es ist, so kann man sagen, eine naheliegende und gute Wahl. Die Natur, genauer: Flüsse und Seen, lagen Dörfler schon am Herzen, als er, stud...

Die Miss und die Macher
Roland Heine

Die Miss und die Macher

Gegenüber der Wand, an der die Bühne stand, ist die Feuerwehr vorgefahren. Ein großes gelb-rotes Springpolster steht bereit, es sieht so aus, als würden die zwei Kindergestalten im Fenster darüber gleich hinunterspringen. Große Feuerwehrautos überall, und dort, wo es im Herbst 1990 zu den Garderoben ging, fällt der Blick auf ein gespenstisches Arsenal an Atemschutzmasken aus aller Welt. Selbst für Pferde ist etwas dabei.»Feuerwehrmuseum« steht heute an der alten DDR-Mehrzweckhalle am Schweriner...

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Bauer auf eigenem Hof

Bauer auf eigenem Hof

Am 1. Juli 1990 bekamen die DDR-Bürger, was viele von ihnen sich am meisten wünschten: die D-Mark. An diesem Tag verabschiedete sich der Agraringenieur Uwe Schenk aus der LPG Wallstawe, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Mit dem Hof übernahm er auch das Land seiner Eltern, das diese vor der Kollektivierung bewirtschaftet hatten: 40 Hektar. Zum einen glaubte Uwe Schenk, wenn überhaup...

ndPlusBarbara Martin, Stuttgart

Pure Demonstration der Staatsmacht

Mehrere hundert Verletzte, 25 gefällte und geschredderte Bäume und eine Gefühlsmischung aus Wut und Resignation bei Stuttgart-21-Gegnern – so das Fazit gestern im Stuttgarter Schlosspark.

ndPlusRené Heilig

Breite Schneise in die Demokratie geschlagen

Im Stuttgarter Schlossgarten sind am Freitag kurz nach Mitternacht die ersten Bäume für das Bahnprojekt Stuttgart 21 gefällt worden. Polizeihundertschaften schirmten die Arbeiten ab. Tags zuvor hatte die Polizei eine angemeldete und friedliche Demonstration auseinandergetrieben und dabei wahllos auch Jugendliche und ältere Bürger verletzt. Der politische Streit hat inzwischen Berlin erreicht und führt zu mannigfacher Solidarität.

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Immunität Ramelows aufgehoben

Erfurt (dpa/ND). Der Thüringer Landtags-Justizausschuss hat die Immunität des Linkenfraktionschefs Bodo Ramelow aufgehoben. Hintergrund ist ein Antrag der Staatsanwaltschaft Dresden. Sie wirft dem Politiker vor, die Blockade eines Neonazi-Aufmarschs in Dresden am 13. Februar zum Jahrestag der alliierten Bombenangriffe mitorganisiert zu haben. Ramelow hatte dort zu einer »Fraktionssitzung unter fre...

Leiharbeiter sollen mehr verdienen

Berlin (dpa/ND-Meyer). Die Gewerkschaften wollen nach der Stahltarifeinigung ihren Kampf gegen Dumpinglöhne für Leiharbeiter auch in anderen Branchen verstärken. Sie wollen das Problem in diesem Herbst zu einem ihrer zentralen Themen machen. »Das Geschäftsmodell der billigen Leiharbeit neigt sich dem Ende zu«, sagte IG Metall-Vize Detlef Wetzel am Freitag in Frankfurt am Main. Arbeitgeber und IG M...

Gedichte, Stasi-Haft, Politik

Gedichte, Stasi-Haft, Politik

An die Nacht des Mauerfalls kann sich der Potsdamer Lutz Boede noch lebhaft erinnern. Er arbeitete damals als Werkzeugmacher in einem Betrieb in Teltow, hörte die Nachricht in der Nachtschicht im Radio. Mit dem Auto eines Chefs sind die Kollegen einfach losgefahren und bis früh um 8 Uhr am Westberliner Kudamm gewesen. Das Bier in einer Disko schmeckte schal. Mit der Volkskammerwahl im März 1990 ve...

Maulheld vs. Verfassungsbrecher

Lebhafter Schlagabtausch im Bundestag: Während Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Freitag sein Energiekonzept als »Meilenstein« lobte, warf ihm die Opposition vor, die Interessen der Atomlobby zu bedienen. Unterdessen wurde bekannt, dass im hessischen AKW Biblis zahlreiche Sicherheitsauflagen missachtet wurden.

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ISAF-Nachschub stockt

Karachi/Peshawar (AFP/dpa/ND) Im Süden Pakistans sind 27 Lastwagen mit Nachschub für die NATO-Truppen in Afghanistan in Brand gesetzt worden. Etwa 20 bewaffnete Angreifer hätten die Lastwagen mit Raketenwerfern und Sturmgewehren angegriffen, teilte die Polizei in der Provinz Sindh mit. Angriffe auf NATO-Konvois sind keine Seltenheit, diese Attacke erfolgte jedoch einen Tag nach einem Angriff des B...

Kein Deal mit Israel

Washington/Jerusalem (dpa/ND). US-Präsident Barack Obama soll nach Informationen eines US-Forschungsinstituts Israel weitreichende Sicherheitsgarantien angeboten haben, falls der Baustopp im Westjordanland um weitere 60 Tage verlängert wird. Die Regierung in WAshington bestritt die Offerte. »Einen solchen Brief an den Premierminister gibt es nicht«, sagte Außenamtssprecher Philip Crowley. Dagegen ...

Roter Faden Europa

Roter Faden Europa

Er hat viel zu tun zurzeit. Lehrmaterial zusammensuchen, Koffer packen, Geschenke besorgen. Schließlich ist er auf dem Sprung nach Schottland. Zu einer Familie, die ihn in den Wochen seines Sprachkurses beherbergen wird. »Es wird Zeit, dass ich richtig Englisch lerne«, sagt der Schüler. Dass er über 80 ist, hat er seinen Gastgebern sicherheitshalber mitgeteilt. Etwas Neues anzufangen – das i...

»Hier herrscht Klassenkrieg«

»Hier herrscht Klassenkrieg«

ND: Welchen Einfluss hat die »Tea Party«-Bewegung? Welche Gefahr stellt sie für die Demokratie in den USA dar? Trumka: Hinter der »Tea Party«-Bewegung stehen die Superreichen. Sie wird von ihnen finanziert. Da diese Eliten wohl kaum auf breite Unterstützung in der Bevölkerung hoffen können, wenn sie ihre Ziele offen proklamieren, manipulieren sie einige Leute, die dann in ihrem Interesse handeln. ...

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»Furchtbar weit weg«

»Furchtbar weit weg«

Ein besessener Reisemensch war Beate Gruschinski nie. Wenn die zahnmedizinische Fachkraft aus dem südbadischen Villingen doch mal die Koffer packt, dann fliegt sie pauschal auf die Kanaren, die Balearen. Einmal war sie sogar an den Niagarafällen. »In den neuen Bundesländern war ich noch nie«, muss sie passen. Jedenfalls nicht in den letzten 20 Jahren. Was nicht heißt, dass ihr der deutsche Osten v...

ndPlusAnna Maldini, Rom

Heißer lila Herbst für den Cavaliere

Heute gibt es in Rom nur eine Farbe: Lila. Denn lila ist die Farbe der Bewegung, die den zweiten »No Berlusconi Day« einberufen hat. Den Protestzug führt ein großes Spruchband an, auf dem »Licenziamolo« steht, was man mit »Wir müssen ihn rausschmeißen« übersetzen kann.

ndPlusMiriam Lang, Quito

Putschversuch in Ecuador vereitelt

Ecuador hat am Donnerstag die schwerste politische Krise seit dem Amtsantritt von Präsident Rafael Correa 2007 erlebt. Der Präsident wurde nach 12 Stunden in der Hand meuternder Polizisten durch loyale Militärs befreit.

Bosniens »überflüssige« Wahlen
ndPlusMichael Müller, Sarajevo

Bosniens »überflüssige« Wahlen

»Was gibt es da für uns schon viel zu wählen«, fragt Jasmila Sinanovic, eine 47-jährige Lehrerin in Sarajevo. »Was hier im Land passiert, ist doch sowieso alles von außen gesteuert.« Mit diesem Land meint sie ihr, wie sie es warmherzig und etwas verbittert nennt, »Heimatland Bosnien«.

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ndPlusKurt Stenger

Gewünschtes Ergebnis

Als ein »Zeichen der Vernunft und der Verantwortung« bezeichnet die Lobbyvereinigung Deutsches Atomforum das Ende des Moratoriums über die Erkundungsbohrungen in Gorleben. Die Atomwirtschaft hat hier schon 1,5 Milliarden Euro ausgegeben und macht heftigen Druck, dass das fehlende Atommüllendlager hier entstehen soll, auch wenn fachlich vieles dagegen spricht. Schwarz-Gelb erfüllt den Konzernen off...

René Heilig

Da fehlt mehr als ein »F«

Baden-Württembergs Innenminister heißt Heribert Rech. Name und Auftreten des CDU-Mannes sind bis auf einen Buchstaben deckungsgleich. Frech log Rech, die Polizisten am Stuttgarter Hauptbahnhof seien aufs Schwerste provoziert worden, sie hätten sich vor Pflasterstein-Würfen schützen müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass er und seine bundesweit herangekarrte Knüppelarmee massiv gegen das Landespoliz...

Martin Ling

Correas zweite Chance

Wenn ihr mich töten wollt, tötet mich!« Der Satz, der ihn um ein Haar das Leben gekostet hätte, zeigt, dass Ecuadors Präsident Rafael Correa kein Mann der Kompromisse ist. Die Polizisten, denen er diesen Satz entgegenschleuderte, illustrierten mit ihrem landesweiten Aufstand, wie zerbrechlich Ecuadors politische und gesellschaftliche Stabilität nach wie vor ist. Und das, obwohl Correa bei seiner W...

Keine Lust auf Frührente

Keine Lust auf Frührente

Marion Schaer aus Eppertshausen bei Darmstadt war bis 1990 Sekretärin beim VEB Plastverarbeitung in Ruhla bei Eisenach. Ihr Mann arbeitete als Elektriker beim VEB Uhrenwerke Ruhla. Als Kandidatin der SED im Kreis Eisenach wurde sie Delegierte für den Berliner Sonderparteitag im Dezember 1989, der die Umbenennung in SED-PDS beschloss und Gregor Gysi zum neuen Vorsitzenden wählte. Sie erinnert sich ...

Schlagzeilen und Schlaglichter
ndPlusGabriele Oertel

Schlagzeilen und Schlaglichter

Genau heute vor zwanzig Jahren erschien das ND mit einer roten Überkopf-Zeile und dem Brecht-Zitat »Und nicht über und nicht unter andern Völkern woll›n wir sein«. Dieser Wunsch blieb – neben vielen anderen Erwartungen der Deutschen an die Einheit – unerfüllt. Seit dem Tabu-Bruch 1999, als sich die Bundesrepublik am völkerrechtswidrigen NATO-Krieg in Jugoslawien beteiligte, sind deutsche...

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Griechenland prüft Geschäfte mit Goldman

Athen (dpa/ND). Schuldensünder Griechenland will die Geschäfte unter die Lupe nehmen, die in der Vergangenheit griechische Regierungen mit der US-Großbank Goldman Sachs gemacht hatten. Dies teilte der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Rande eines Treffens mit Journalisten mit. Wie die Athener Zeitung »Eleftherotypia« am Freitag weiter berichtete, soll nach dem Willen Papandreous ...

Karstadt-Übergabe endlich perfekt

Essen (Agenturen/ND). Die letzte Hürde für den Verkauf von Karstadt ist aus dem Weg geräumt. Das Amtsgericht Essen hob das Insolvenzverfahren gegen die Kaufhauskette am Donnerstagabend auf, nachdem der letzte Gläubiger seinen Einspruch zurückgezogen hatte. Damit kann Karstadt vom US-deutschen Investor Nicolas Berggruen übernommen werden.Karstadt war vor über einem Jahr Pleite gegangen. Im Sommer w...

Paul Alexander

Bund auf Distanz zu IWF-Studie

Auf Anfrage des linken Bundestagabgeordneten Thomas Nord hat die Bundesregierung erstmals zu einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) Stellung genommen, in der eine Ablösung des US-Dollar als Leitwährung vorgeschlagen wird (ND berichtete). Darin wird die Notwendigkeit einer globalen Währung, ausgegeben von einer Weltzentralbank, begründet. Die Bundesregierung ist nun sichtlich bemüht, ...

Hermannus Pfeiffer

Eigennutz vor Anlegerschutz?

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Anlegerschützer, die im Verdacht stehen, auf eigene Rechnung Kurse manipuliert zu haben.

Stiller Chef für Marke mit Mumm

20 Jahre nach dem Ende der DDR war nicht nur eine gehörige Zahl von Bürgern aus den »gebrauchten« Ländern noch nicht im Osten; viele wissen auch nicht, was in dortigen Betrieben in die Tüte, Flasche oder Kiste kommt. Nur zwei Ost-Marken, ergab eine Umfrage dieser Tage, sind im Westen bekannt. Es handelt sich nicht um Hasseröder Bier oder Bautzner Senf, Zettis Knusperflocken oder die Schlager-Süßta...

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Stuttgarter obenauf

Ungeduscht, in kurzen Hosen und mit Sportschuhen in der Hand verschwanden die Profis des VfB Stuttgart kurz nach dem Abpfiff aus dem Tre-Four Park, allerdings ins Fitnessstudio, statt in die Hotelbar. »Das ist jetzt eine Trainingseinheit, kein Auslaufen wie sonst«, erklärte Trainer Christian Gross. Der 2:1 (0:0)-Sieg in der Europa League bei Odense BK war für das Bundesliga-Schlusslicht am Donners...

Christian Heinig

Wechsel von West nach Ost

Zum BFC Dynamo Berlin hat er seit Langem keinen Kontakt mehr. Dirk Rehbein meidet den Klub, bei dem er einst Geschichte schrieb. »Das politisch rechte Fanlager dort ist mir nichts«, sagt er. Da schaut er lieber beim 1. FC Union vorbei. Der spielt im Berliner Stadtteil Köpenick, den der gebürtige Rheinländer inzwischen »mein Zuhause« nennt, überdies kickt sein Filius in der A-Jugend der Eisernen. D...

Hilmar König, Delhi

Indiens Prestige steht auf dem Spiel

Delhi fiebert dem größten Sportereignis in der Geschichte Indiens entgegen: Am Sonntag werden die XIX. Commonwealth Games eröffnet. Sie dauern bis zum 14. Oktober. Über 7000 Athleten aus 71 Ländern des ehemaligen britischen Kolonialreiches nehmen an den Sportspielen teil. Die Inder gaben sich selbstsicher, diese Mammutveranstaltung perfekt organisieren zu können. Immerhin hatten sie 1982 die Asien...

Mark Wolter

Taktik-Training à la Tuchel

Thomas Tuchel hat keine Zeit. Zumindest nicht genug, um allen die Erfolgsgeschichte zu erklären. Journalisten aus ganz Europa standen in dieser Woche auf dem Trainingsgelände des FSV Mainz 05 Schlange, um den Trainer des Spitzenreiters der Fußball-Bundesliga zu befragen, vom unzähligen Klingeln des Telefons mal ganz abgesehen. Mit jedem kann der gefragte Coach nicht reden – und er will auch ...

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Holocaust-Leugner verurteilt

(dpa). Ein Holocaust-Leugner ist gestern vom Berliner Landgericht wegen Volksverhetzung und Titelmissbrauchs zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. In Hetzschriften an Behörden, Politiker und Privathaushalte hatte der heute 63-Jährige den Massenmord an den Juden während der Zeit des Nationalsozialismus als Geschichtsfälschung bezeichnet. Er hatte sich dabei zudem zu Unrecht mit einem Doktor...

ndPlusBernd Kammer

In den Kulissen

Auch Grünen ist nichts Menschliches fremd, wie zum Beispiel Auto fahren, gegen die Verkehrsregeln verstoßen und dann zu versuchen, sich vor den Konsequenzen zu drücken. Im Hauptausschuss wurde dies deutlich, als sich Grünen-Abgeordneter Oliver Schruoffeneger über ein Ordnungsgeld von fünf Euro wegen Falschparkens und eine Verwaltungsgebühr von über 20 Euro beschwerte. Das deute doch auf ein schlec...

Der »Böse« von der Treuhand

Der »Böse« von der Treuhand

Wolf Schöde – allein die Nennung dieses Namens stellt bei vielen die Nackenhaare auf. Das ist doch dieser Kerl von der Treuhand, der die DDR abgewickelt hat ... Manch einer wähnt gar, der habe einen ganz und gar bösen Charakter. Bisweilen tut es gut, wenn man sich irrt.Schöde, heute 68 Jahre alt, lebt in einem »ständigen Lern- und Umerziehungsprozess«. Bevor er bei der Treuhand anfing, war d...

ndPlusMartin Kröger

Prophet der Angst im Anmarsch

»Nicht willkommen!« Die Botschaft des Bündnisses »Rechtspopulismus stoppen« zum Besuch des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders an diesem Sonnabend ist eindeutig. Mit zivilem Ungehorsam wollen die Bündnispartner, zu denen Gewerkschaften, Parteien, Jugendorganisationen und Migrantenverbände zählen, den Auftritt des in Holland als »Propheten der Angst« verschrienen Islamfeinds verhindern....

Flugrouten Fall für den Staatsanwalt
ndPlusAndreas Fritsche

Flugrouten Fall für den Staatsanwalt

Sie kenne die 15-Grad-Regelung seit dem 6. September, ungefähr 17 Uhr, hatte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gesagt. Man sei an dem Tag überrascht worden, erklärte auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Eckehart Beleites, Vizepräsident des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN), zeigte sich am Freitag jedoch überzeugt: »Ich habe den Eindruck, sie haben ...

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Womackas Erbe vor Bergung

(ND). Am Montag wird das Wandbild »Der Mensch, das Maß aller Dinge« von Walter Womacka geborgen. Es prangt seit seiner Fertigstellung 1968 am Gebäude des einstigen Ministeriums für Bauwesen der DDR. Im Zuge der Auseinandersetzung um den Abriss des Gebäudes erwarb die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte GmbH das Wandbild. Sie lässt es nun von dem Gebäude abmontieren, wie der Freundeskreis Walter W...

Zurück an Bord

Zurück an Bord

Dietmar Piller ist ein Mann der See. Das haben ihm auch 20 Jahre Binnenland nicht austreiben können, denn jetzt geht er wieder zurück an Bord. Von 1976 bis 1990 war Piller Soldat der Volksmarine der DDR, hatte sich zum Korvettenkapitän hochgearbeitet und selbst Offiziere ausgebildet. Der damals 34-Jährige absolvierte gerade ein Zusatzstudium in Leningrad, da kam die Wende in Deutschland. »98 Proze...

Kira Taszman

Mama Partei, Papa Stasi

Eine Spurensuche kann eine heikle Angelegenheit sein. Wenn der eigene, vor 40 Jahren gestorbene, Bruder zum Gegenstand eines Dokumentarfilms wird, jagt man einem Phantom hinterher. So verhält es sich jedenfalls mit Angela Zumpes sehr persönlichem Dokumentarfilm »Transit«.Die Filmemacherin spürt darin ihrem älteren Bruder Reinhard nach, der Ende der 60er Jahre Selbstmord beging. Vom Geist der Stude...

Gulliver in Metropolis
Tobias Riegel

Gulliver in Metropolis

Es ist ein Ort, an dem die Proportionen durcheinander geraten. Der Besucher schrumpft beim Betreten augenblicklich auf ein demütiges Maß. Denn das ehemalige Kraftwerk Mitte hat die Dimension einer Kathedrale und den rostigen, größenwahnsinnigen Charme eines »Alien«- oder »Metropolis«-Sets. Dem zeitgleich mit der Mauer hochgezogenen ehemaligen Antrieb Ostberlins konnte kaum Besseres passieren, als ...

Seite 15

Kein U-Ausschuss zu Loveparade

Düsseldorf (ND-Meier). Der NRW-Landtag setzt bis auf Weiteres keinen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) zum Duisburger Loveparade-Unglück ein. Ein entsprechender Antrag der Linksfraktion wurde gestern mit den Stimmen von CDU, SPD und Grünen abgelehnt. Die FDP-Parlamentarier enthielten sich der Stimme.Weder die Sitzungen des Landtagsplenums noch des Innenausschusses hätten bisher zu ein...

Peter Kirschey

Falsche Unterschrift und die Folgen

»In der Strafsache gegen Dirk P. die Prozessbeteiligten bitte in den Saal 3115«. Es erscheinen ein paar Interessierte, eine Zeugin vom Amt und Pressevertreter. Es fehlt die Hauptperson, der 42-jährige Angeklagte. 15 Minuten Zeit gibt die Richterin dem Beschuldigten, erscheint er dann immer noch nicht, wird sie ein Urteil verkünden. Dirk P. ist des versuchten Betruges und der Urkundenfälschung ange...

Lehrer, Hilfsgärtner, Redakteur
Susann Witt-Stahl

Lehrer, Hilfsgärtner, Redakteur

Er wollte nicht an die Urne gehen. Dafür wurde er zur Arbeit auf einem Friedhof verdonnert. Burkhard Baltzer, heute verantwortlicher Redakteur des ver.di-Magazins »Kunst+Kultur«, erduldete in der DDR fünf Jahre Repressionsgeschichte. Die Wende, die er bereits im Westen erlebte, bedeutete für den 57-jährigen Autor »ein unfassbares Wunder, dass erstarrte, hochgerüstete Unvernunft friedlich die Waffe...

ndPlusHermannus Pfeiffer

27 000 Schlachtungen pro Stunde

Massenschlachtbetriebe wie Emsland Frischgeflügel sorgen bundesweit für preiswerten Nachschub für Discounter und Supermärkte. Im Celler Land soll im Frühjahr 2011 eine neue Riesenanlage die Produktion aufnehmen.

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FDP fordert Fahrverbote auf Bundesstraße 5

Schwerin (dpa). Die FDP will mit einem Nacht- und Sonntagsfahrverbot für Lastwagen auf der Bundesstraße 5 die Verkehrsbelästigungen für Anwohner durch Mautflüchtlinge mindern. Sie fordert die Regierungen der betroffenen Bundesländer zum Handeln auf. »Die Bundesstraße 5 muss unverzüglich verkehrsberuhigt werden. Da bin ich mir mit dem FDP-Fraktionsvorsitzenden im Brandenburger Landtag, Andreas Bütt...

Bäckerei schließt nach Wallraff-Text

Stromberg/Mainz (dpa/ND). Eine Großbäckerei im Hunsrück, die nach einer Recherche des Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff in die Kritik geraten war, stellt ihre Produktion ein. Entsprechende Medienberichte bestätigte der Geschäftsführer des Unternehmens aus Stromberg am Donnerstag. Betroffen seien 23 Mitarbeiter. Zur Frage nach den Gründen erklärte der Geschäftsführer, es handele sich um eine ...

Alle gegen einen vor der Stichwahl
Wilfried Neiße

Alle gegen einen vor der Stichwahl

»Es besteht die Chance, dass Potsdam nach Schwerin die zweite Landeshauptstadt im Osten mit einem linken Oberbürgermeister wird.« Diese Botschaft hatte am Donnerstagnachmittag Gregor Gysi. Er legte den Wählern in Potsdam ans Herz, am Sonntag bei der Stichwahl ihr Kreuz bei dem Kandidaten Hans-Jürgen Scharfenberg (LINKE) zu machen. Konkurrent ist Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD).»Die Bildzeitung...

ndPlusPeter Jähnel, dpa

Wasser schwappte über Deichkronen

Das Wasser schwappte schon über die Deichkronen, doch die Dämme hielten: Der tagelange Druck des Hochwassers im Süden Brandenburgs wird auch am Wochenende für bange Blicke der Anwohner sorgen. Die Schwarze Elster werde am Pegel Herzberg voraussichtlich erst in der Nacht zum Sonntag unter die höchste Alarmstufe vier fallen, sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, am Freitag. Die...

Vom Traumland bis Bayern
Marina Mai

Vom Traumland bis Bayern

Pham Thi Doan Thanh hatte Angst, als in Berlin die Mauer fiel und die deutsche Einheit angepeilt wurde. Die Vietnamesin war erst im Juni 1989 in das sächsische Zittau als Vertragsarbeiterin gekommen. Ein Leben in der DDR war ihr Traum gewesen. Die heute 60-jährige Kunstmalerin hatte in Hanoi eine Spezialschule für künstlerisch begabte Kinder besucht. Die Schulbildung wurde immer wieder unterbroche...

Singen mit den Händen
ndPlusHeidrun Böger, Leipzig

Singen mit den Händen

Seit mehr als zehn Jahren gibt es beim Berufsbildungswerk für Hör- und Sprachgeschädigte Leipzig einen Gebärdenchor – die Liedtexte werden auch für Gehörlose verständlich.

ndPlusJulia Mieth, dpa

Der Hüter des Hindenburgdamms

Knapp neun oder rund zwölf Kilometer lang ist der Damm, der die Insel Sylt mit dem Festland verbindet – je nach Sichtweise. Rainer Damschen kümmert sich um das Bauwerk im Watt. Nach einem Vierteljahrhundert ist daraus eine enge Bindung geworden.    

Seite 17
Unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte
Peter Kirschey

Unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte

Kaum ein Lichtstrahl dringt durch das urwaldähnliche Blätterdach. Es hält die Landschaft im Halbdunkel. Das Efeugeflecht auf dem Boden hat jeden Quadratzentimeter unter sich mit dunklem Grün verschlossen. Pilzen gleich zwängen sich vereinzelte Grabsteine aus dem Boden. Die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben, so sie einen Blick nach oben werfen könnten, würden ein nahezu unberührtes Stück Natur inmitten der Großstadt erleben.Ich suche das Grab von Werner Goldstein, 2006 verstorben. Ein Plan de...

Seite 18
Vorbereitet auf das Fenster der Möglichkeiten

Vorbereitet auf das Fenster der Möglichkeiten

ND: Ganze fünf Euro mehr hat die Bundesregierung für die Hartz-IV-Betroffenen übrig. Sie streiten seit Jahren für ein bedingungsloses und bedeutend höheres Grundeinkommen. Glauben Sie ernstlich, dass eine solche Diskussion in Deutschland je eine Chance hat?Kipping: Das Interessante ist doch der Hintergrund für diese Verhöhnungserhöhung – das Bundesverfassungsgerichtsurteil. Ich finde, dass dieses Urteil eine hervorragende Grundlage für die Debatte ums Grundeinkommen ist. Wie das?Das Bundesverf...

Seite 19
»Renda basica« statt »bolsa familia«?
Christoph Schlee, São Paulo

»Renda basica« statt »bolsa familia«?

Der Anfang begann mit A wie Allergie. Der heute 34-jährige Marcus Brancaglione dos Santos bekam in São Paulo einfach keine Luft mehr. Der rasante wirtschaftliche Aufschwung der 15-Millionen-Metropole hat seinen Preis: Umweltschutz ist großenteils ein Fremdwort: »Autos fahren hier relativ sauber. Auf Lkw allerdings gibt es noch keine Abgasbeschränkung«, moniert Marcus. Die Chemieindustrie ist ein weiterer Luftverpester. Für Marcus, der in São Paulo Philosophie studierte, war das Grund genug, die...

Seite 20
20 Jahre
ndPlusBernd Zeller

20 Jahre

Der 20. Jahrestag des 3. Oktober 1990 steht bevor, und der 3. Oktober ist der höchste Feiertag der Antigruppen. Zu den Feierlichkeiten dürfen die Antis Gewalt gegen Sachen verüben und gegen Polizisten ausdehnen, da die Polizisten hier nicht als Personen teilnehmen, sondern als repressive Macht des noch repressiveren Systems. Aus systemimmanenten Gründen haben diese Gruppen das Recht erstritten, al...

Martin Koch

Die Diktatur des Glücks

»Nichts auf der Welt wirkt so ansteckend wie Lachen und gute Laune.« Dieser Lebensregel des englischen Schriftstellers Charles Dickens wird sicherlich kaum jemand widersprechen. Denn für die meisten von uns sind fröhliche und freundliche Menschen im persönlichen Umgang angenehmer als solche, die alles bierernst nehmen oder nur rumnörgeln. Aber Vorsicht! Auch notorische Frohnaturen haben ihre schwe...

Seite 21

Es ging anders aus als gedacht

ND: Herr Schulze, würden Sie sich als ein »Kind der DDR« bezeichnen? Schulze: Ich bin ein Kind Dresdens, Sachsens, Ostdeutschlands. Natürlich ist man von diesem Umfeld auch politisch geprägt, wenngleich nicht im Sinne des offiziellen DDR-Staates. Ich hatte das Glück, in einer Familie aufzuwachsen, die Distanz zum Offiziellen hatte. Andererseits würde ich nicht sagen, dass wir oppositionell waren o...

Seite 22
Warum lassen Sie kein gutes Haar an der Wiedervereinigung?

Warum lassen Sie kein gutes Haar an der Wiedervereinigung?

Am 1. September 2010 berichtete ND auf Seite 1 über den aktuellen Sozialreport der Volkssolidarität. Die Schlagzeile: »20 Jahre Teilung ohne Mauer«. Der Standpunkt daneben beschäftigte sich mit dem Streit um die Äußerung des brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, die deutsche Einheit sei als Anschluss der DDR an die Bundesrepublik vollzogen worden – Überschrift: »Ja, Anschluss«. Genau diese Zeitung kaufte sich Kraft-Thomas Liebig aus dem südbadischen Lauchringen, der 1988 die DDR verlassen hatte und kürzlich einen Urlaub in der Nähe Berlins verbrachte. Er schrieb einen kritischen Brief an den Autor des Standpunkts, den stellvertretenden ND-Chefredakteur Wolfgang Hübner. Diesen Brief und die Antwort drucken wir hier leicht gekürzt.

Seite 23

Wochen-Chronik

28. September 1990: In der letzten Volkskammer-Sitzung wird die Stasi-Verstrickung von Abgeordneten debattiert. 2. Oktober 1990: Die Ständige Vertretung der Bundesrepublik bei der DDR stellt ihre Tätigkeit ein; die Alliierte Kommandantur in Berlin tritt zu ihrer letzten Sitzung zusammen. 3. Oktober 1990: Die DDR tritt nach Artikel 23 des Grundgesetzes der BRD bei. 4. Oktober 1990: Im Berliner Reic...

Kein Teilen nach Teilung

Die Führung ist verrückt geworden und das Volk hat den Verstand verloren. Bärbel Bohley zur Maueröffnung 1989 Wir sind jetzt in der Situation, wo wieder zusammenwächst, was zusammengehört. Willy Brandt im Herbst 1989 Wir bringen euch die härteste Währung der Welt. Helmut Kohl im Wahlkampf Anfang 1990 Das Parlament hat soeben nicht mehr und nicht weniger als den Untergang der Deutschen Demokratisch...

Günter Benser

Wahrlich nicht alternativlos

Von einem Buch mit dem Titel »Deutsche Einheit« darf erwartet werden, dass die Wurzeln der Problematik von Einheit und Spaltung ergründet werden. Das sind indes für den Autor keine Themen. Dass die Reichseinheit 1871 nicht durch eine Volksbewegung, sondern durch eine Revolution von oben geschaffen worden ist, wird nicht erwähnt. Der nach Weltherrschaft strebende Hitlerfaschismus samt seiner Hinterleute als ursächliche Zerstörer des unter Bismarck staatlich geeinten Deutschen Reiches fehlen. Die...

Stefan Bollinger

Die Lösch-Taste funktioniert nicht

Bevor über das Ende geredet wird, ist nach dem Anfang zu fragen. Also beispielsweise nach den Gründungsabsichten der beiden Staaten, ihrer Auseinandersetzung mit dem faschistischen Erbe und ihren unterschiedlichen Ansätzen, eine demokratische Gesellschaft zu errichten. Was heute als absolute Wahrheit über die beiden deutschen Staaten und Systeme, vor allem über die DDR, verkauft wird, steht in lan...

Seite 24

Schriftsteller protestieren

Die Schriftstellervereinigung PEN International hat die Inhaftierung von Intellektuellen in China und Iran als »ungeheuerlich« verurteilt und vor einer stärkeren Bedrohung der Meinungsfreiheit in beiden Ländern gewarnt. Im Anschluss an eine Tagung in Tokio richtete die Gruppe am Donnerstag einen offenen Protestbrief an die chinesische Botschaft in Japan. Zugleich prangerte sie die Verurteilung des...

Sebastian Hennig

Jane Gebert: Wirkliche Träume

Gerade das, was den malenden Laien am stärksten reizt, davon sollte er zuerst die Finger lassen, nämlich mit Aquarell- und Pastellfarben eine triumphierende Blumenpracht getreulich vom Gartenbeet auf das Feinpapier hinüberzulotsen. Denn das in diesen Farben hochkonzentrierte und dadurch leuchtkräftige Pigment überstrahlt nur auf den ersten Blick die bildnerische Einfallslosigkeit. Eben diese Farbe...

PLATTENBAU
ndPlusAntje Rößler

PLATTENBAU

Reich + schön + berühmt = erfolgreich. So lautet die allgegenwärtige Formel, der niemand sich entziehen kann. Aber ist die Gleichung wirklich so simpel? Und macht Erfolg überhaupt glücklich? Das fragt sich Sebastian Lohse auf seinem zweiten Solo-Album »Erfolg!«. Der ehemalige Leadsänger der Dresdener Rockband »Letzte Instanz« spielt hier aber nicht den abgeklärten Besserwisser, der das Streben nach Glück als unvernünftig entlarvt. Nein, er begibt sich selbst mitten hinein in ein Spiegelkabinett...

Liesel Markowski

Lebensmut trotzt der Verzweiflung

Nun können sie auf zwanzig erfolgreiche Jahre zurückblicken: die unermüdlich aktiven Mitglieder des Fördervereins »musica reanimata«, die sich für Wiederentdeckung von rassistisch und politisch durch das Naziregime verfolgten Komponisten und deren Werke einsetzen. Eine bemerkenswerte Bilanz kann heute daraus gezogen werden. Verschütteter Reichtum einer verdrängten Musik wurde ans Licht der Öffentl...

Seite 25
Hans-Jürgen Heise

Der Gaucho – Chimäre der Freiheit

Der berühmteste Argentinier ist wohl Che Guevara, der geistig bedeutendste Jorge Luis Borges. Der erste war ein Mann der Tat, der zum Mythos wurde, der zweite ein Mythomane, der zeitlebens den labyrinthischen Linien der Existenz ein kryptisches Deutungsraster überzustülpen versuchte. Der eine glaubte an die revolutionäre Dynamik des bewaffneten Kampfes. Der andere, wie er in einem der Essays seiner »Geschichte der Ewigkeit« postulierte, an die Kreisförmigkeit der Zeit, die keine Veränderung zul...

Seite 26

Google Allmächtig

Eric Schmidt vom Vorstand der Internet-Suchmaschine Google machte laut »Wall Street Journal« den Vorschlag, Jugendlichen in Zukunft automatisch das Recht zu geben, ihren Namen zu ändern, sobald sie volljährig sind. So könnten sie ihrem jugendlichen Internet-Unsinn entfliehen. Daneben träumt er von einer Suchmaschine, in die man gar keinen Suchbegriff mehr eingeben muss, weil Google von selber weiß...

Im Reich der Schatten

Im Reich der Schatten

Vor Wochenfrist kam es zum Super-GAU für viele Internetnutzer: Facebook, das virtuelle soziale Netzwerk mit nach eigenen Angaben weltweit mehr als 500 Millionen Mitgliedern, fiel für einige Stunden aus. Eine Katastrophe, die merkwürdig folgenlos blieb. Keine Anrufe von Freunden in diesen Stunden, die sich sonst nur per Kurzmitteilung über Facebook mitteilten. Für einen kurzen Moment war es verstum...

Kehraus in Leipzig

»KEHRAUS, wieder« bildet den filmischen Abschluss einer Leipzig-Trilogie, die 1990 begann. »KEHRAUS« zeigte im Wendejahr der DDR Straßenkehrer, die wegräumen, was keiner mehr brauchte. Neben vielem anderen Müll auch abgenutzte Wahlplakate. Endzeitstimmung machte sich breit. Die drei Straßenkehrer Gabi, Henry und Stefan schwankten in ihren Lebensläufen schon immer zwischen den Polen: Kinderheim, Kn...

ndPlusDaniel Leisegang

Der tiefe Riss bei Wikileaks

Der überraschende Rückzug des ehemaligen Wikileaks-Sprechers Daniel Schmitt hat den tiefen Riss zu Tage treten lassen, der sich durch die Führungsriege der Organisation zieht. Mehr noch: Der Streit um die zukünftige Ausrichtung von Wikileaks offenbart, dass das Projekt am Scheideweg steht und (...) an seinen eigenen Wertmaßstäben zu scheitern droht. Wikileaks definiert sich als »Open-Source-Nachri...

Hohe Abmeldequote?

Die Meldung taucht in unregelmäßigen Abständen immer wieder in den Medien auf: Angeblich steigt seit Jahren die Zahl der Menschen, die ihr Radio oder ihren Fernseher bei der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) abmelden. Die Verbreitung der Meldung hat vor allem dann Konjunktur, wenn die Ministerpräsidenten der Länder sich wieder einmal auf eine Erhöhung der GEZ-Gebühr geeinigt haben. Auch in den Verwalt...

Jürgen Amendt

Durchquerung des Dschungels

Während meines Studiums lernte ich in der Lokalzeitung in der bayerischen Provinz, in der ich als Student meine ersten journalistischen Gehversuche unternahm, einen altgedienten Redakteur kennen. Eines Tages kam der Kollege von einem Termin in die Redaktion zurück. In der Stadt hatte sich die Landes-SPD zu ihrem Parteitag getroffen und darüber sollte er für die aktuelle Zeitungsausgabe berichten. ...

Seite 27
Streitfrage: Hat das kubanische System abgewirtschaftet?

Streitfrage: Hat das kubanische System abgewirtschaftet?

Vor wenigen Wochen sorgte ein Beitrag des US-amerikanischen Journalisten Jeffrey Goldberg in dem Magazin »The Atlantic« für Aufregung. Darin kommt der langjährige Präsident Kubas, Fidel Castro, ausführlich zu Wort. Auf die Frage, ob das kubanische System noch immer exportwürdig sei, soll Castro gesagt haben, dieses funktioniere »nicht einmal mehr bei uns«. Anschließend wies er Interpretationen zurück, er halte das kommunistische System in Kuba für nicht praktikabel. Der kubanische Revolutionsführer habe das Gegenteil gemeint, nämlich dass der Kapitalismus ausgedient habe. Es amüsiere ihn zu sehen, dass die Ironie offensichtlich nicht verstanden worden sei, so Castro.

Seite 28
Nano-Röntgen

Nano-Röntgen

Computertomografie (CT) ist in der Medizin längst ein alter Hut, dreidimensionale Bilder des Körpers ein gängiges Hilfsmittel. Dabei wird unter verschiedenen Winkeln gemessen, wie viel Röntgenstrahlung jeweils absorbiert wird. Aus der Vielzahl solcher Aufnahmen errechnet der Computer dann digitale 3D-Bilder des Körperinneren. Nun hat ein deutsch-schweizerisches Forscherteam um Franz Pfeiffer von d...

ndPlusSteffen Schmidt

»Verhexter Rauch«

Der 2004 verstorbene britische Physiker und Biochemiker Francis Crick stand immer etwas im Schatten seines überaus mediengewandten US-Kollegen James Watson. Beide hatten 1953 in Cambridge ein räumliches Modell des Moleküls der Desoxyribonukleinsäure (DNA) geschaffen, das auf den röntgenkristallographischen Mess- daten ihrer Londoner Kollegin Rosalind Franklin (1920-1958) beruhte. Der Rest ist ein ...

ndPlusMarco Mierke

Lebt da draußen jemand?

US-Astronomen haben nach eigenen Angaben den ersten lebensfreundlichen Planeten bei einem anderen Stern aufgespürt. Der ferne Planet ist vermutlich etwas größer und schwerer als unsere Erde und liegt mitten in der sogenannten bewohnbaren Zone seines Sonnensystems, wo vorhandenes Wasser flüssig wäre. Das berichtete die US-Raumfahrtbehörde NASA am Mittwoch in Washington. Flüssiges Wasser gilt als wi...

ndPlusMartin Koch

Der Physiker im Bombenschacht

An seinem Namen kommt heute kein Schüler im naturwissenschaftlichen Unterricht mehr vorbei: Niels Bohr. Denn der dänische Physiker entwickelte 1913 das letzte Atommodell, das der menschlichen Anschauung noch halbwegs zugänglich ist. Danach befindet sich im Zentrum des Atoms ein kompakter Kern, um den sich die Elektronen ähnlich bewegen wie die Planeten um die Sonne. Allerdings sind den Elektronen ...

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Testspielauflösung vom 25./26.09.

Mit welchem Ziel? In der Präambel des Vertrages heißt es völlig unverhüllt: Das »vornehmste Ziel« ist, »für den »großasiatischen Raum und die europäischen Gebiete eine neue Ordnung der Dinge zu schaffen und aufrechtzuhalten«. Die ND-Überraschungen gehen diesmal an: Wolfgang Kronschwitz, Radeberg;. Monika Camargo, Kiel; Lieselotte Flichtbeil; Berlin....

Wissen, punkten, gewinnen!

An vier Wochenenden hintereinander stellen wir jeweils drei Fragen, vor allem zu Zeithistorischen Ereignissen. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im ND gesammelt. Am Ende ist die Gesamtpunktezahl entscheidend für die Preisvergabe. Bei Gleichstand wird gelost. Auflösungen der jeweiligen...

Glück mit Rumtreiberkarte

Glück mit Rumtreiberkarte

Vor dem Spielen steht fast immer das Aufbauen – besonders aber, wenn es in die dritte Dimension geht. Die Montage der Burg auf dem Zimmertisch macht schon mal richtig Spaß. Steht alles, legt man die Bauanleitung zur Seite und nimmt sich das Regelheft vor. Los geht es nun für zwei bis vier Spieler die Würfelspielerei. Schüler werden quer durch Klassenzimmer nach irgendwelchen Sachen gejagt un...

Gegen die Welt
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Gegen die Welt

Magnus Carlsen (Norwegen; 20), Nummer 1 der Weltrangliste, saß allein vor einem Schachbrett in der obersten Etage des »Cooper Square« Hotels in New York City. Im Zimmer daneben waren drei Elite-Großmeistertitel versammelt: Judit Polgar (Ungarn; 34), Maxime Vachier-Lagrave (Frankreich, 20) und Hikaru Nakamura (USA; 23). Carlsen begann mit Weiß 1.d4 ein »Spiel gegen die Welt«. Das Trio nebenan schlug drei verschiedene Antworten vor, und die Internet-Zuschauer weltweit hatten eine Minute um abzust...

Rollen statt Pillen – (k)eine Münchhausengeschichte

Rollen statt Pillen – (k)eine Münchhausengeschichte

Fitnesstraining auch noch für 50 plus-Anfänger? Die »Inline-Skating Schule« in Hamburg macht's möglich. Von Geschäftsführerin und Sportlehrerin Katharina Burdorf haben sich KRISTINA VON MÜNCHHAUSEN (65) und ihr Mann MICHAEL (69) die neue Leichtigkeit auf flinken kleinen Rollen beibringen lassen. ND sprach mit dem Architektenehepaar aus Hollenbek bei Mölln (Foto: Bernd-Jürgen Fischer).

Sternenzeit im Staudenbeet
Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin

Sternenzeit im Staudenbeet

Seit der Vollmondnacht zum Herbstanfang gab es wegen dichter Wolkendecke kaum einen Blick auf den Sternenhimmel; Sternegucken ist trotzdem angesagt – man muss bloß nicht suchend nach oben schauen, sondern einfach nach unten, nämlich ins Staudenbeet. Hier werden es jeden Tag mehr Blütensterne, die Astern und Chrysanthemen aufgehen lassen. Astern haben ihr ursprüngliches Zuhause vor allem in N...

Seite 30
Tresor für Erinnerungen
ndPlusHeidi Diehl

Tresor für Erinnerungen

Eintritts- und Visitenkarten von neuen Bekannten, Fotos und vor allem die vielen Erinnerungen, die man aufschreibt, um auch später nicht ein Detail vom Traumurlaub zu vergessen – wohin mit all diesen Schätzen? Es wäre doch zu schade, sie als buntes Sammelsurium in eine profane Plastiktüte zu versenken. Dazu war der Urlaub einfach viel zu schön.Abhilfe schafft ein ganz besonderes Tagebuch aus dem moses.Verlag Kempen, das nicht nur attraktiv daherkommt sondern unter seiner bunten Kladde auch jede...

Dolce Vita an der Tauber
Axel Pinck

Dolce Vita an der Tauber

Prüfend geht der Blick zum Himmel. Treibt die Sonne noch ein paar Öchsle in den Wein oder verdirbt der Regen die gute Stimmung? Zum »Herbsten«, der Weinlese im Taubertal, sind alle auf den Beinen. Auf den kleineren Familienweingärten die Winzer mit Freunden und Bekannten, auf größeren Weingütern meist unterstützt von einer Schar Erntehelfer aus Nah und Fern.Im Weinberg ist Betrieb, richtig Betrieb. Zwischen den Rebzeilen rote Kopftücher, grellbunte T-Shirts, Männer in blauen Arbeitshosen mit gr...

Seite 31
Friluftsliv – ein Wort fürs Lebensgefühl
Heidi Diehl

Friluftsliv – ein Wort fürs Lebensgefühl

Nach drei Tagen bin ich mir ziemlich sicher: Das schlimmste, was man einem Norweger antun kann, ist, ihm einen halben Tag »Stubenarrest« zu verpassen. Was unweigerlich zu einer Art Innenraumkoller führen würde. Denn, solange die Füße nicht beim ersten Schritt vor die Tür festfrieren, zieht's ihn in jeder freien Minute hinaus. Die Norweger haben dafür sogar ein eigenes Wort: Friluftsliv. Ganz simpel übersetzt bedeutet es soviel wie »Leben unter freiem Himmel«. Das aber trifft es nur sehr ungenüg...

Seite 32
Die Augen weit öffnen, die Augen verschließen ...
ndPlusHans-Dieter Schütt

Die Augen weit öffnen, die Augen verschließen ...

Das Licht. Es liefert uns die morgendliche Illusion, die Welt würde heute erschaffen. Keine Lieferung frei Haus ist das. Wir müssen die Welt schon wollen. Genau diesen einen Tag, der jetzt ansteht. Oft schwer genug, wenn zum ersten Blick ins Licht gleich auch jene letzten Gedanken wiederkommen, die uns gestern am Schlaf hinderten. Das Licht ist still, die Gedanken aber singen ihre grässliche Hymne: »Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da?« Und schon kann geschehen, dass...