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Unten links

Der Berliner »Tagesspiegel« schrieb kürzlich, man solle nicht mehr drumherum reden, die Nato habe den Krieg in Afghanistan verloren. Aber es bestehe »kein Grund zur Resignation«. Den »internen Kampf« gegen Terroristen, die in unser Land eindringen, werde die Bundesrepublik Deutschland gewinnen – »schon weil sie im Inland im Vorteil ist«. Offenbar bereitet man sich in der Hauptstadtpresse auf...

ndPlusMarian Krüger

Bundesrat stimmt Brennelementesteuer zu

In nächtlichen Verhandlungen mit den Unions-Ministerpräsidenten konnte Kanzlerin Merkel eine Pleite bei der Atomsteuer im Bundesrat abgewendet. Dieser stimmte am Freitag der umstrittenen Brennelementesteuer zu.

ndPlusFranz Alt

Wir sind das Volk

Als im Herbst 1989 in Ostberlin eine Million Menschen gegen ihre Regierung auf die Straße gingen, war das Regime am Ende. Die Hauptursachen für den Untergang der DDR waren die Ignoranz und Arroganz der Regierenden und der verletzte Stolz der Regierten. In Stuttgart gingen zuletzt 100 000 Bürgerinnen und Bürger und im Wendland 50 000 gegen die Politik der Regierenden auf die Straße. Hauptursachen s...

Sparbeschluss im Sperrbezirk
Ines Wallrodt

Sparbeschluss im Sperrbezirk

Der Bundestag verabschiedete am Freitag mit seiner schwarz-gelben Mehrheit den Bundeshaushalt 2011, der die zweithöchste Neuverschuldung in der Geschichte der Bundesrepublik aufweist. Die Opposition kritisierte den Etat als sozial unausgewogen.

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Aufstiegschancen in Rios Elendsvierteln
Lutz Taufer, Rio de Janeiro

Aufstiegschancen in Rios Elendsvierteln

Der Partner des Weltfriedensdienstes CAMPO bietet in den Armutsvierteln von Rio Ausbildungsmöglichkeiten und damit Auftstiegschancen.

ndPlusDetlef D. Pries

Ring frei zur nächsten Runde

Schon wieder sind die Bürger der Republik Moldova aufgerufen, über die Zusammensetzung ihres Parlaments zu entscheiden. Allerdings ist durchaus nicht sicher, dass aus dieser dritten Abstimmung innerhalb von 19 Monaten eine stabile Regierung und ein ordentlich gewähltes Staatsoberhaupt hervorgehen.

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Velten Schäfer

Die Renaissance der Rübe

Gut zwei Jahre ist es her, dass die Zuckerfabrik in Güstrow geschlossen wurde. Es sah aus wie das Ende des Zuckerrübenanbaus im Nordosten – nun aber wollen die Bauern Energie statt Zucker aus den Rüben machen.

ndPlusRoland Heine

Versuchter Bauernfang

Zehn Zeilen ist sie dem letzten DDR-Regierungschef Lothar de Maizière gerade noch wert. Fünf Sätze in seinem 320-Seiten-Buch mit dem Untertitel »Meine Geschichte der deutschen Einheit«, das dieser Tage erschien. Man spürt den Unwillen, die Übernahme der DDR-Bauernpartei DBD im Herbst 1990 durch die Ost-CDU, deren Chef de Maizière damals war, überhaupt erwähnen zu müssen. Verständlich, denn was der Autor »Zusammenführung« nennt, war das Verhökern der Partei durch DBD-Spitzenpolitiker – entgegen Statuten und Gesetzen.

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Trotz Kritik Extremismusprogramm

Erfurt (dpa/ND). Nach monatelangen Diskussionen ist für ein Landesprogramm gegen Extremismus ein Kompromiss gefunden worden. In einer Anhörung im Landtag signalisierten am Freitag Vertreter von Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und Verbänden ihre Unterstützung für das Papier von Sozialministerin Heike Taubert (SPD) – auch wenn es teilweise Kompromisse bis über die Schmerzgrenze gegeben habe,...

ndPlusStefan Otto

Als No-Name in die erste Runde

Bestens qualifiziert, 180 Bewerbungen geschrieben, immer Absagen bekommen, weil der Name arabisch ist. Das soll anders werden – mit dem anonymisierten Bewerbungsverfahren wurde ein Pilotprojekt gestartet.

Marian Krüger

Schlagabtausch zu Atomgesetzen und Hartz IV

Wie erwartet, hat die Bundesregierung heute ihr Atom-Gesetzespaket in den Bundesrat eingebracht, ohne damit zugleich dessen Zustimmung dafür einzuholen. Denn als sogenanntes Zustimmungsgesetz wäre die Laufzeitverlängerung für die 17 deutschen Atomkraftwerke bis zum Jahr 2040 nicht durchsetzbar. Schwarz-Gelb hat nur 31 von 69 Stimmen. So wurden die Gesetze kurzerhand für nicht zustimmungspflichtig erklärt.

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Putin beklagt »Sackgasse«

Berlin (dpa/ND). Das wirtschaftspolitische Verhältnis zwischen Russland und Deutschland bleibt trotz des Vorstoßes von Ministerpräsident Wladimir Putin zu mehr Freihandel mit der EU angespannt. Bei seinem Besuch am Freitag in Berlin beklagte Putin die gegenwärtige Wirtschaftskooperation mit der EU als Sackgasse für sein Land und forderte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mehr Verständnis für...

Gestiegene Gewaltbereitschaft bei Muslimen nicht belegt

Berlin (epd/ND). Für eine gestiegene Gewaltbereitschaft junger Muslime gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Das ergibt sich aus Studien im Auftrag des Bundesfamilienministeriums, die am Freitag in Berlin vorgestellt wurden. Das Klischee des jungen, bildungsfernen und gewaltbereiten Muslims treffe nur auf eine sehr geringe Zahl zu, sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). Zuvor h...

Hans-Gerd Öfinger

Polizisten gegen Polizisten

Im vorweihnachtlichen Wiesbaden kursieren Meldungen über Mobbing, Druck und Repressalien gegen unliebsame Polizeibeamte. Ein Betroffener berichtet, sein Vorgesetzter habe ihm mit der Überweisung zum Psychiater gedroht. Zu jener Zeit war der jetzige Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) Innenminister.

ndPlusBarbara Martin, Stuttgart

DM gemeint, Euro geschrieben

In der 7. Runde der Stuttgart-21-Schlichtung standen die Kosten zur Debatte. Drei extra beauftragte Wirtschaftsprüfgesellschaften gaben einvernehmlich und extrem vorsichtig an, dass die Einsparerwartungen der Deutschen Bahn eher optimistisch seien, sie im Moment keine Anzeichen dafür sehen, dass der Kostenrahmen überschritten werden würde.

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Duma verurteilt Katyn-Massaker

70 Jahre nach dem Massaker an Tausenden Polen in dem westrussischen Ort Katyn hat erstmals auch die Staatsduma in Moskau den Massenmord offiziell verurteilt.

Slum in Rio erobert

Die brasilianische Polizei hat mit Unterstützung von Panzern der Marine und Hubschraubern das Elendsviertel Vila Cruzeiro in der Millionenmetropole Rio de Janeiro erobert.

Pjöngjang warnt vor Krieg

Nordkorea sieht die Koreanische Halbinsel am Abgrund eines Krieges. Nach dem Schusswechsel mit dem Süden warnte das Land wegen eines neuen Manövers der USA mit Südkorea vor einer weiteren Eskalation der Lage.

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USA wollen Vorlauf bei Wikileaks-Enthüllungen

Die US-Regierung will den möglichen diplomatischen Flurschaden durch eine Veröffentlichung von geheimen Papieren aus dem US-Außenministerium auf der Enthüllungsplattform Wikileaks begrenzen.

ndPlusUwe Kerkow

Laurent Gbagbo bangt um die Macht

In Côte d'Ivoire findet am Sonntag die Stichwahl um das Präsidentenamt statt. Das Land erhält einen neuen Präsidenten – wenn auch mit fünf Jahren »Verspätung«. Dafür sorgten ein Militärputsch und ein Bürgerkrieg.

Im Armenhaus auf Stimmenfang
Hans-Ulrich Dillmann, Santo Domingo

Im Armenhaus auf Stimmenfang

Mitten im Chaos sollen die Menschen auf Haiti am Sonntag einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament wählen. Die inzwischen von vielen Haitianern angefeindeten UN-Blauhelme wollen für Sicherheit sorgen.

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ndPlusRené Heilig

Rekord des Schreckens

Seitdem es Kalender gibt, lässt sich vieles besser bestimmen und bewerten. Ein Beispiel: Am 27. Dezember 1979 drang die Sowjetarmee nach Afghanistan ein. Am 15. Februar 1989 flohen die letzten Rotarmisten mit wehender Fahne und eingezogenen Häuptern. Neun Jahre und fünfzig Tage dauerte das Morden. Am 7. Oktober 2001 fielen die USA über Afghanistan her. Gestern waren die US-Truppen neun Jahre und f...

ndPlusFabian Lambeck

Schlechtes Geschäft

Die Brennelementesteuer soll bis 2016 etwa 14 Milliarden Euro in die öffentlichen Kassen spülen. Sie ist so etwas wie der Ausgleich für die Laufzeitverlängerungen deutscher Atomkraftwerke, die der Bundesrat gestern billigte. Die Idee dahinter ist denkbar einfach: Von den zusätzlichen Gewinnen der Konzerne durch die längeren Laufzeiten sollte auch der Fiskus etwas abschöpfen. Nun wird klar, dass di...

Kurt Stenger

Inflation beim Sparen

Der inflationäre Gebrauch des Wörtchens »Sparen« kennzeichnete die mehrtägige Debatte im Bundestag über den Haushalt 2011. Was in Athen, Lissabon, Madrid oder Dublin durchgezogen wird, hat nun – weniger massiv – seine Fortsetzung in Berlin gefunden. Die Kürzungen treffen aber Hartz-IV-Bezieher richtig hart, während Banken, die Wirtschaft insgesamt und Vermögende weitgehend geschont wer...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Erkundungen

»Erkundungen« – so nannte sich zu DDR-Zeiten eine Buchreihe von Volk und Welt. In weit über 60 Sammelbänden wurden Literaturen der Welt vogestellt, wobei Texte aus Österreich damals nicht weniger der »Erkundung« bedurften als solche aus Polen (dorthin durfte man immerhin frei reisen). Polen war Freundesland. Von Österreich her gesehen, war das natürlich anders. Da gab es – bedingt durc...

Geißler Schlichter in Schönefeld?

ND: Sie haben vorgeschlagen, im Streit um die Flugrouten vom Großflughafen Schönefeld einen Schlichter einzusetzen. Warum? Heller: Ich höre von Politikern, die hinter den Kulissen etwas drehen möchten. Aber genau das wollen die Bürger nicht, dass Entscheidungen in Hinterzimmergesprächen und Behördenstuben gefällt werden. Die Flugrouten müssen in einem für die Betroffenen transparenten Verfahren fe...

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Piloten bestreiken Lufthansa-Tochter

Frankfurt am Main (dpa/ND). Rund 300 Piloten der Lufthansa-Tochter Eurowings sind am Freitag in den Ausstand getreten. Aufgerufen hatte die Vereinigung Cockpit (VC). Nach ihren Angaben blieben 72 Flugzeuge am Boden. Ein Eurowings-Sprecher bezifferte die ausgefallenen Flüge auf 46. Betroffen waren vor allem Verbindungen ab Düsseldorf, dem größten deutschen Eurowings-Standort. Auch in Berlin-Tegel, ...

ACS verkauft Geschäft mit Erneuerbaren

Madrid (AFP/ND). Der spanische Konzern ACS, der den deutschen Baukonzern Hochtief übernehmen will, verkauft sein Geschäft mit erneuerbaren Energien. ACS biete seine Windenergiesparte in Spanien und im Ausland und seine Solarthermiesparte in Spanien zum Verkauf, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Presseberichten zufolge will ACS damit zwischen vier und fünf Milliarden Euro einnehmen. Vo...

Jörg Meyer, Berlin

Unsicherheit im Diskurs

Am Freitag endete das diesjährige Herbstforum des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Wissenschaftler und Gewerkschafter diskutierten zwei Tage lang unter dem Titel »Prekarität im Lebenszusammenhang«. Einig waren sie sich darin, dass der Begriff Prekarisierung nicht allein im Zusammenhang mit Erwerbsarbeit verwendet werden darf.

ndPlusJohn Dyer, Boston

Doping für Börsenhändler

US-Ermittler stehen kurz vor dem Abschluss von Untersuchungen gegen einen Ring von Insiderhändlern. Banker, Händler, Investoren, Berater und Analysten sollen mit Insiderinformationen Millionen verdient haben. Eine erste Festnahme gab es bereits.

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Stimmen Sie ab!

ND sucht wieder die Sportler, Sportlerin, Mannschaft und Trainer des Jahres. Schon über 1500 Tipps wurden abgegeben. Es winken tolle Preise. Schicken Sie Ihren Tipp per Post an Neues Deutschland, Sportressort, Kennwort: Sportlerwahl, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, als Fax an 030/29 78 16 00, E-Mail: sportlerwahl@nd-online.de, oder unter www.nd-online.de. Und schlagen Sie auch vor, wer den ND...

Frenzel auf Platz zwei

Eric Frenzel hat für den ersten Podestplatz der nordischen Skisportler in dieser Saison gesorgt. Platz zwei beim Weltcupauftakt der Kombinierer war Lohn für einen starken Wettkampf, bei dem der Oberwiesenthaler mit 148,5 Metern den Schanzenrekord pulverisierte. Im Lauf war Frankreichs Olympiasieger Jason Lamy Chappuis aber 6,6 Sekunden schneller.»Absoluter Wahnsinn«, war Frenzels erste Reaktion au...

Jana Lange, SID

Suche nach besseren Gegnern

Ärgern konnte sich Silvia Neid nach dem Kantersieg gegen Nigeria nur über den Gegner. Nach dem 8:0 (5:0) der deutschen Fußballerinnen im vermeintlichen Härtetest gegen den Afrikameister störte die DFB-Trainerin bei der Pressekonferenz das simultane Übersetzen zu ihrer Linken. »Geht das leiser? Das bringt mich durcheinander«, bat die 46-Jährige den nigerianischen Dolmetscher.Aber auch die desolate ...

ndPlusJirka Grahl

Ein neuer Knüller

Fast auf den Tag genau zwanzig Jahre, nachdem der Deutsche Fußball-Bund dereinst analog zur politischen Vereinigung den Deutschen Fußball-Verband der DDR schluckte, kommt es am Sonntag zum Spitzenspiel Ost. Dass dieses Spitzenspiel ausgerechnet Cottbus gegen Aue heißen würde, hätte sich im Einheitsjahr 1990 wohl niemand träumen lassen: Nichts da Dynamo gegen Dynamo, nichts da Carl Zeiss gegen Lok,...

Marc Zeilhofer, dpa

Deibler-Brüder tauchen auf

Vom Glanz der Goldmedaillen fiel einiges auf den Bundestrainer ab. Dirk Langes Brust schien noch ein wenig breiter, als er nach dem historisch erfolgreichen Auftakttag der Kurzbahn-EM mit sechs von acht möglichen Titeln über das deutsche Schwimmteam sprach. »So ein erster Tag ist Gold wert. Darauf können wir vieles aufbauen. Vor zwei Jahren waren wir mit fast der gleichen Mannschaft weit hinten«, ...

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Nissrine Messaoudi

Tapetenwechsel

Tagein tagaus ins gleiche Büro. Bekannte Gesichter, gewohnte Aussicht. Da ist es doch schön, wenn man im Rahmen seines Berufes auch mal die alltägliche Umgebung verlassen kann. Brandenburgs Politiker Dieter Dombrowski (CDU) und Axel Vogel (Grüne) freuten sich allerdings nicht nur über den Tapetenwechsel. Beim Rindfleischessen, zu dem der Bauernbund in ein Gasthaus geladen hatte, merkten sie nach g...

ndPlusBernd Kammer

Neues Alex-»Entree« im Untergrund

So dicht können Licht und Schatten beisammen liegen: Gerade ist das Parkhaus des Hotels Park Inn am Alex beim ADAC-Test glatt durchgefallen, da wird nebenan schon eine »Tiefgarage der Superlative« – so jedenfalls die Betreiber – eröffnet. Zwar hat die Buddelei unter der Alexanderstraße drei Jahre und damit eines länger als geplant gedauert, doch dafür ist die 32 Millionen Euro teure Bl...

ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Polizisten nicht länger anonym

Schilder an der Uniform mit dem Namen oder einer Nummer machen ab 1. Januar 2011 Berliner Polizisten individuell kenntlich. Welche Form die Beamten wählen, ist dabei ihre Entscheidung. Für diesen Kompromiss entschied sich gestern die »Einigungsstelle für Personalvertretungssachen«. Damit ist der Weg frei für eine entsprechende Geschäftsanweisung, die vorerst bis zum Jahre 2015 gültig sein soll. Er...

Peter Kirschey

Von Luxus keine Spur

Rechtsanwalt Hubert Dreyling ist ein Mann voller Temperament und für das Gericht ein recht unbequemer Strafverteidiger. Und das zeigt er auch, wenn er es für angemessen hält. Den Prozess gegen seinen Mandanten hält er für einen Skandal erster Güte. »Die Kleinen werden an den Pranger gestellt, die Großen bleiben ungeschoren«, schimpft er. Dreyling vertritt den Vorsitzenden des Frauenhilfevereins Ha...

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ndPlusTobias Riegel

Pressestelle

Die Linkspartei wird von den Berliner Zeitungen seit jeher mit einer Mischung aus Ignoranz und Häme bedacht. Vor dem Landesparteitag sah sich nun der »Tagesspiegel« – auch auf die Gefahr der Wiederholung hin – erneut gefordert, auch die lauwärmsten Sozialisten-Klischees noch einmal aufzutischen. Die LINKE wäre demnach gerne die Partei des »Odeuhi«, des Menschen mit ostdeutschem Hinterg...

Schau zum Kudamm-Karree

(dpa). Voraussichtlich in einem Jahr soll das Kudamm-Karree in Teilen abgerissen und entkernt werden. Eine Ausstellung zeigt jetzt vor Ort, wie der Anfang der 70er Jahre errichtete Vorzeigebau der Berliner City entstand und das Areal zwischen Kudamm und Lietzenburger Straße auch ein Motiv für Künstler wurde. »35 Jahre Kudamm-Karree« – unter diesem Titel stellt die Galerie Carlos Hulsch bis z...

Hansdieter Grünfeld

Groove-Fusion

Das A Trane ist und bleibt Berlins intimste, aber auch vielgesichtigste Spielstätte. Zwei Gastspiele am 27. und 28. November können diese Aussage belegen. Die Instrumentierung des Trios of OZ – Kontrabass, Klavier und Schlagzeug – könnte im ersten Augenblick auf ein herkömmliches Modern-Jazz-Programm schließen lassen, säße nicht Omar Hakim am Schlagwerk, wäre nicht Rachel Z die Pianist...

Caroline M. Buck

Auf der Leinwand um die Welt

»Around the World in 14 Films« ist das wahrscheinlich einzige Filmfest der Welt, das seine Bedeutung schon im Titel unter Wert verkauft. Denn eigentlich sind es nicht 14, sondern 17 abendfüllende Spiel- und Dokumentarfilme, die hier ihre Berlin- und oft auch ihre Deutschland-Premiere erleben. Von den begleitenden Kurzfilmen ganz zu schweigen. Die meisten der Filme haben es auf den führenden Filmfe...

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Neue Kritik an Minister Machnig

Erfurt (dpa/ND). Das Thüringer Wirtschaftsministerium hat Vorwürfe des Steuerzahlerbundes zu einer Dienstwagenaffäre von Minister Matthias Machnig (SPD) zurückgewiesen. »Der Steuerzahlerbund weiß nicht, wovon er redet«, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag als Reaktion auf einen Bericht der »Thüringer Allgemeinen«. Machnig steht in der Kritik, weil er Mitte Oktober dienstlich nach Brüssel flo...

Hiddenseer Hotelschiff gesunken

Vitte/Waldeck (dpa/ND). Im Hafen von Vitte auf der Insel Hiddensee (Mecklenburg-Vorpommern) ist das Hotelschiff »Caprivi« aus unbekannter Ursache gesunken. Bis Donnerstagabend sackte das Schiff nach Angaben der Wasserschutzpolizei in Waldeck bis auf den Grund. Menschen befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht auf dem Hotelschiff.Am Freitag war zunächst noch unklar, was mit dem Schiff weiter gescheh...

Ein begehbares Rezeptbuch
Steffi Bey

Ein begehbares Rezeptbuch

Ort der Inspiration, Lebensmittelgeschäft und Showküche: Doch vor allem ist das Kochhaus an der Schöneberger Akazienstraße ein begehbares Rezeptbuch. Fünf junge Berliner hatten die Idee und bieten seit kurzem alle Zutaten unter einem Dach.

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Streikerfolg bei Atlas

Hamburg (ND-Knoche). Die IG Metall hat sich mit einem fünfwöchigen Streik bei den niedersächsischen Atlas-Maschinenbauwerken durchgesetzt. Am gestrigen Freitag verpflichtete sich der Eigentümer Fil Filipov, die Tarifverträge der Metallindustrie anzuwenden. Betriebsrat und Atlas-Chef schlossen dafür eine Gesamtzusage ab. Seit Ende Oktober hatten die Beschäftigten die Arbeit unbefristet niedergelegt...

Andreas Fritsche

Nun regierten Rheinländer und Westfalen

Geradezu überschwänglich hat sich Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) für Aufbauhilfe aus Nordrhein-Westfalen bedankt. »Mit Nordrhein-Westfalen hatten wir einen engagierten, kompetenten und hilfsbereiten Partner, um Brandenburg demokratische und rechtsstaatliche Strukturen in Verwaltung und Justiz zu geben«, schrieb der Ministerpräsident in einem Brief an seine Düsseldorfer Amtskollegin Hann...

Ex-Minister gibt Vaterschaft zu

Potsdam (dpa/ND). Der frühere Innenminister Rainer Speer (SPD) hat nach langem Schweigen zugegeben, Vater eines unehelichen Kindes zu sein. Er habe sich im Oktober einem Vaterschaftstest unterzogen und danach die Unterhaltszahlungen nachgeholt, sagte er der »Märkischen Allgemeinen«. Auch künftig will der 51-Jährige für das inzwischen 14 Jahre alte Kind Unterhalt zahlen.Speer war am 23. September u...

Irena Güttel, dpa

Fahrtraining am Mondkrater

Zerklüftete Hänge und scharfkantiges Geröll – ein Einsatz auf dem Mond ist kein Spaziergang für Roboter. Ob diese fit dafür sind, können Wissenschaftler jetzt in einer nachgebauten Kraterlandschaft in Bremen testen.

ndPlusJoachim Greiner, dpa

»Und? Wia werds mim Winterer?«

Viele reden vom bevorstehenden Jahrhundert-Winter. Doch Josef Jägerhuber winkt ab: »Es wird ein ganz normaler Durchschnittswinter.« Die beachtliche Treffsicherheit seiner Prognosen hat den 84-Jährigen bayernweit bekannt gemacht.

Hendrik Lasch, Dresden

Manchmal wird es auch Kunst

In Dresden wird heute das Museum für Volkskunst nach einem Umbau wiedereröffnet. Die neue Schau will erklären, warum Volkskunst im Osten besonders anerkannt ist – und will die Besucher zum Nachmachen ermutigen.

ndPlusKatharina Dockhorn

Filmstars verbreiten seltener Glanz

Shah Rhuk Khan sorgte in den vergangenen Wochen mit dem Dreh von spektakulären Action-Sequenzen in den Straßen von Berlin und Brandenburg für Schlagzeilen. Die Gewässer waren dem Star des Bollywood-Kinos dann doch zu kalt. Für die Unterwasseraufnahmen seines Spektakels »Don 2« buchte er für zwei Tage das wärmere Becken in den Babelsberger Filmstudios.Dass sich Stars und Sternchen aus aller Welt au...

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Alte und neue Helden
Christina Matte

Alte und neue Helden

Ich meine, der Oberbürgermeister unserer Stadt sollte im Namen der Bürger Berlins, da wir alle mal hier zusammenstehen, dem Staatsrat und der DDR Volkskammer vorschlagen, die Stadt Leipzig zur »Heldenstadt der DDR« zu ernennen. Christoph Hein Aus seiner Rede am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz Leipzig, Heldenstadt, November 2010. Reinhard Bernhof weiß nicht, ob er ein Held war. Bi...

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ndPlusKnut Henkel

Fairness als staatliche Herausforderung

Immer mehr Bundesländer gehen dazu über, ihre Einkäufe nach sozialen und ökologischen Standards zu tätigen. Da das Volumen des öffentlichen Einkaufs immens ist, entsteht dadurch ein beachtlicher Druck auf die Lieferanten. Für die Männer und Frauen in den Ländern, wo Baumwollkittel, Granitplatten oder Computer produziert werden, wäre das ein echter Hoffnungsschimmer. Vorreiter ist das Bundesland Bremen, welches sich vor einem Jahr zur fairen Beschaffung bekannt hat.

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Die Kümmerer aus der Uckermark

Die Kümmerer aus der Uckermark

Zugegeben, begeistert war Pia Wehner nicht, als sie vom Vorhaben hörte, über ihr Sozialprojekt in Prenzlau im ND zu berichten. Das Gespräch mit der 54-Jährigen erwies sich dennoch als äußerst interessant und anregend. Gabriele Oertel hat die Erfahrungen der Designerin aufgeschrieben – und auch das, was der womöglich vor dem Termin durch den Kopf gegangen ist.

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Terror
Bernd Zeller

Terror

Nach bisherigem Kenntnisstand hat der erwartete Anschlag noch nicht stattgefunden, was zu Betrachtungen über Terror Anlass gibt und darüber, was man dagegen alles nicht tun kann. Einer Verlautbarung von Al Qaida zufolge haben sich die Aktionen mit Bombenpaketen in den letzten Wochen rentiert, da sie nur 4200 Dollar gekostet, aber Millionenausgaben für Sicherheitsmaßnahmen und Überwachungen hervorg...

ndPlusWalter Schmidt

Zweifellos sinnvoll

Der 65-jährige Jurist Rolf Cebin war bis Mai 2010 Polizeipräsident in Duisburg. Wegen seiner schon Anfang 2009 geäußerten Zweifel an einem geeigneten Veranstaltungsort für die Love Parade in Duisburg (»eklatante Sicherheitsmängel«) wurde er scharf attackiert – vor allem vom lokalen CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Mahlberg. Dieser forderte beim damaligen CDU-Innenminister Ingo Wolf (FDP) so...

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Kein Sozialismus ohne Macht
Martin Hatzius

Kein Sozialismus ohne Macht

Natürlich ist es ein gewagtes Unterfangen, die Ergebnisse einer literaturwissenschaftlichen Untersuchung von ihrem Gegenstand zu lösen. Im Falle von Felix Bartels' Abhandlung »Leistung und Demokratie« deckt sich die der Literaturanalyse zugrundeliegende gesellschaftliche Problematik indes derart frappant mit gegenwärtig stattfindenden politischen Kämpfen um das bisschen Sozialstaat, das zwanzig Ja...

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Dilemmata an allen Ecken

Deutsche Außenpolitik soll Friedenspolitik sein. Soweit die allgemeine Zielvorstellung, die allerdings rhetorisch nicht nur von der LINKEN vertreten wird. Es ist deshalb wichtiger, die darunter liegenden Ziele und Instrumentarien anzusehen, die politische Akteure mit dem allgemeinen Postulat verbinden. Aber auch wenn dabei Nuancen und gravierende Differenzen zwischen den Parteien erkennbarer werde...

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Wochen-Chronik

27. November 1095: Papst Urban II. ruft in Clermont zum Kreuzzug gegen die Seldschuken auf, die Jerusalem besetzt haben; an diesem ersten Kreuzzug beteiligen sich 330 000 Ritter. 29. November 1830: Ein Aufstand polnischer Patrioten in Warschau zwingt den vom russischen Zar eingesetzten Großfürsten Konstantin zur Flucht. 29. November 1945: In Belgrad wird die Abschaffung der Monarchie und die Föder...

»Dr. Crippen on board«
Martin Stolzenau

»Dr. Crippen on board«

Am 23. November 1910 beförderte der Henker von London den Arzt Dr. Hawley Harvey (Foto: Archiv)Crippen wegen Mordes an seiner Frau vom Leben zum Tode. Die Nachricht ging um die Welt und wurde schon damals international von Zweifeln an der Rechtmäßigkeit des Urteils begleitet. Sie lieferte in der Folge Stoff für mehrere Verfilmungen (u. a. durch Hitchcock). Im Londoner Wachsfigurenkabinett der Mada...

ndPlusErnst Reuß

Der mysteriöse Bürolehrling Peters

Ende Oktober wurde in Berlin die Studie über die NS-Vergangenheit des Auswärtigen Amtes präsentiert, mit dem Fazit, dass die Behörde tief in den Holocaust verstrickt gewesen war. Joschka Fischer, der die Studie initiiert hatte und mit einigen Millionen Euro finanzieren ließ, durfte danach wieder einmal auf allen Kanälen präsent sein. Überall, außer möglicherweise von so manchem altgedienten Mitarb...

Peer Kösling

Er war wahrlich nicht nur die zweite Violine

Während Karl Marx dank der Turbulenzen, die den Kapitalismus in den letzten Jahren erfasst haben, wieder in vieler Munde ist, gilt das für Friedrich Engels, der vor 190 Jahren, am 28. November 1820 in einer Barmener pietistischen Fabrikantenfamilie geboren worden ist, nicht im gleichen Maße. Das ist nachvollziehbar, da es Marx war, der versucht hat, die kapitalistische Ökonomie und Gesellschaft vo...

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Gesinnung vor Gericht

Die Berliner Akademie der Künste protestiert gegen die Inhaftierung des Schriftstellers und Menschenrechtlers Dogan Akhanli, der ab dem 8. Dezember in Istanbul vor Gericht stehen soll. Die Künstlervereinigung schloss sich damit dem »immer massiver werdenden internationalen Protest gegen ein offensichtlich geplantes Gesinnungsverfahren an«, wie Akademiepräsident Klaus Staeck mitteilte. Gemeinsam mi...

PLATTENBAU
Birgit Gärtner

PLATTENBAU

Da sind sie aber immer noch – oder besser: Sie sind wieder da. Die Rede ist von der niederländischen Kultband bots. Das waren die mit dem charmanten Akzent, die in den Achtzigern immerzu trinken wollten, »7 Tage lang«. Jetzt starten sie mit »was sollen wir denken …« ihr Comeback – 14 Songs, brandneu und doch altbekannt. Wegen »het lied van de werktätige jeugd« und anderen galten...

Schaukeln im Stehen
ndPlusHans-Dieter Schütt

Schaukeln im Stehen

Der entscheidende Satz lautet: »Wenn einer eine Reise tut, so kann er nichts erzählen.« Ilse Aichinger (Archivfoto von 1991, dpa/Hellmann) ist keine Umherirrende in jenen flüchtigen Aufenthalten, wo bunte Wirklichkeitspartikel gegen unsere Netzhaut schießen – auf dass wir glauben mögen, es handle sich um Wahrnehmung. Die österreichische Dichterin, 1921 geboren, hält Ortsveränderung zum Zweck...

Anita Wünschmann

Licht! Räume! Bewegung!

Seit 1922 experimentiert László Moholy-Nagy mit den gestalterischen Möglichkeiten von Licht. Ein Jahr nachdem Albert Einstein der Nobelpreis verliehen wurde. Der Ungar erfand das Schreiben mit Licht – das Fotogramm – und untersuchte multimedial raumbildende, konstruktive Gestaltungsweisen. Es ging ihm darum, Empfinden und Intellekt des Menschen ganzheitlich weiterzuentwickeln. Das »Lic...

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Niemand fragt

Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, beklagt, dass in zeitgenössischen Operninszenierungen regelmäßig religiöse Tabus gebrochen werden. Die Verhöhnung dessen, was anderen heilig ist, sei zur Normalität geworden, schreibt der Altbischof in einem Beitrag für die Wochenzeitung »Die Zeit«. In Berlin gehöre jedenfalls die »Banalisierung des Heiligen zum...

Nicht dienlich

Der Rechtsexperte der Grünen, Hans-Christian Ströbele, lehnt den Vorschlag ab, künftig Fernsehübertragungen aus Gerichtssälen zuzulassen. Dies wäre »der Wahrheitsfindung nicht zuträglich«, sagte er dem »Kölner Stadt-Anzeiger«. Er sei generell dagegen, Strafprozesse zu übertragen. Für völlig ausgeschlossen halte er dies aber bei Familien- oder Kinderrechtsprozessen.Aus seinen Erfahrungen im Untersu...

Hans-Dieter Schütt

Wege übers Land

Die Kulturgeschichte des Fernseh-Bildes darf man inzwischen ein tragisches Schicksal nennen. Die Raserei des Betriebes hat diesem Bild zugesetzt. Hat es in eine heraushängende Zunge verwandelt. Das Fernsehen avancierte zum Zentralorgan der Mediengesellschaft, und das im Grunde unangreifbare Selbstbewusstsein dieser Position ist auf seltsame Weise gekoppelt mit der Furcht jedes Senders, das Auditor...

Die Gespenster sind los
ndPlusChristoph Funke

Die Gespenster sind los

Eine Geschichte? Nicht bei Sibylle Berg. Wenn in ihrer Komödie »Nur Nachts« mal ein paar Sätze vorkommen, die so etwas wie ein Geschehnis berichten, wird dieser wirklichkeitsgeile Ansatz glich wieder in Fetzen gerissen. Nein, was mit Peter und Petra geschieht oder eben auch nicht, muss sich der geneigte Zuschauer schon selbst zusammenbasteln. Auf der Bühne tummeln sich weißverhangene Geister mit f...

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DOKfilm: Brüsewitzs Freitod

18. August 1976: In Halle an der Saale beendet die spektakuläre Selbstverbrennung des Pastors Oskar Brüsewitz eine jahrelange Kraftprobe zwischen dem evangelischen Geistlichen und der Staatsmacht. Was letztlich auslösender Faktor für den Suizid war, ist schwer zu sagen. Eines aber hat neben einer stasi-gelenkten Zersetzungskampagne sicher eine Rolle gespielt: dass ihm seine Gemeinde auf seinem kom...

OUT of SPACE: Steinzeit bei der Telekom

In der prähistorischen Welt vor dem Internet, also vor etwas mehr als 20 Jahren, war der sogenannte BTX-Dienst der letzte Schrei damaliger Kommunikationstechnik. Mit Hilfe eines Gerätes, das aus einem kleinen Schwarz-Weiß-Bildschirm, einer Tastatur und einem Telefonhörer bestand, konnte man Verbindung mit dem interaktiven Bildschirm-Text-Service (BTX) der Bundespost aufnehmen. Mitte der 1990er wur...

Heiko Hilker

Politik als Werbegeschäft

Mit einer großangelegten Werbekampagne versucht derzeit die Bundesregierung, ihr ramponiertes Image in der Bevölkerung aufzupolieren. 2,8 Millionen Euro gibt sie dafür aus. Mit Steuermitteln wird so der Umsatz der privaten Werbeagenturen angekurbelt. Die Öffentlichkeitsarbeit der Regierung wird gewissermaßen ausgelagert. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen braucht neben 37 Mitarbeitern gleich d...

ndPlusEnno Park

BLOGwoche: Recht auf Privatheit

Also nun ist Streetview endlich online. Mein Haus ist nicht verpixelt, trotz der Kita im Erdgeschoss – das Haus, das ich demnächst besichtigen werde, hingegen schon. Die Verpixelung ist wirklich hässlich. Seit Tagen, nein mittlerweile Wochen quäle ich mich zu einer Meinung. Ich verstehe das Kopfschütteln eines Jeff Jarvis sehr gut, ich verstehe den Zorn von Michael Seemann und die Aktion von...

ndPlusMarcus Meier

Ewig Prinz zu sein in Köln am Rhein

Was ist da wieder in Köln los? Nach dem Einsturz des Stadtarchivs wird nun die vielleicht wichtigste Machzentrale der Domstadt von einem Erdbeben erschüttert: Das Neven DuMont Haus in der Amsterdamer Straße, Sitz des Verlages M. DuMont Schauberg. Ausgerechnet via »Bild«-Zeitung attackiert Verlegersohn Konstantin Neven DuMont (KND) seinen Vater Alfred. Der Vater-Sohn-Konflikt erheitert die Republik...

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Streitfrage: Schottern – ein geeignetes Mittel für Atomkraftgegner?

Streitfrage: Schottern – ein geeignetes Mittel für Atomkraftgegner?

Anfang dieses Monats demonstrierten Atomkraftgegner gegen den Castor-Transport vom französischen La Hague ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben. Der Protest wird von der Bewegung als ein großer Erfolg bewertet: Erst nach 92 Stunden Fahrt erreichte der Atommüllkonvoi sein Ziel. Tausende Aktivisten sorgten mit Schienenblockaden dafür, dass der Transport gestoppt wurde und für Stunden nicht weiterfahren konnte.

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Wurm mit Tentakeln

Überraschung in der Tiefsee: Im Ozean zwischen den Philippinen und Indonesien sind Forscher auf einen schillernden Wurm gestoßen, der mit seinen langen Ausläufern einem Tintenfisch ähnelt. Das ungewöhnliche Tier hat Fühler, die länger sind als sein Körper, und weitere lange, filigrane Anhänge im Nacken. Die US-Forscher nannten den Tintenfischwurm Teuthiodrillus samae. Sie präsentieren ihn im Fachb...

Walter Willems

Säugetiere mit Dino-Maßen

Der eine geht, der nächste kommt: Das Aussterben der Dinosaurier hat den Weg frei gemacht für den Aufstieg der Säugetiere. Nachdem die Riesenechsen vor etwa 65 Millionen Jahren von der Erde verschwunden waren, entwickelten die bis dahin recht kleinen Säuger weltweit enorme Körperdimensionen. Die legten im Lauf der folgenden 25 Millionen Jahre um etwa das Tausendfache zu, wie ein nordamerikanisches...

ndPlusAndreas Knudsen, Kopenhagen

Nordmänner und Indianerfrauen

Einige isländische Sagas berichten ausführlich über die Fahrten von Leif des Glücklichen und anderer Wikinger, die sich in Grönland niedergelassen hatten, an Küsten, die wir heute als Baffinland, Labrador und Neufundland kennen. Die Sagas berichten über Handel und Kämpfe mit den »Skrællingern«, den Schrecklichen, wie Indianer oder möglicherweise auch Inuit von den Wikingern genannt wurden, 500 Jah...

ndPlusMartin Koch

Zwischen Erkenntnis und Intrige

In seinem utopischen Werk »Nova Atlantis« (1627) schilderte der englische Philosoph Francis Bacon einen Inselstaat, in dem eine Vereinigung von Gelehrten die Menschheit zu einem glücklichen Leben führt. Von dieser Idee inspiriert, trafen sich ab 1644 mehrere britische Forscher regelmäßig in London und gründeten das »Invisible College«, das »Unsichtbare Kollegium«. Aus dieser privaten Vereinigung g...

Seite 29
Schnee inklusive, Internet wichtig, Lexika sicher

Schnee inklusive, Internet wichtig, Lexika sicher

Die Gewinner unseres November-Gewinnspiels stehen fest. Den 1. Platz belegt Reinhard Stamm, 14974 Ludwigsfelde (40 Punkte). Er gewinnt das lange Wochenende im Hotel Lugsteinhof in Zinnwald für zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder – Schnee vorm Hotel inklusive (Foto: Lugsteinhof).Auf Platz 2 kommt Michael Miel, 12683 Berlin (36), der nun mit einem Asia Fondue Set in die Feiertage geht, und ...

Am Roten Platz hat's »geblitzt«
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Am Roten Platz hat's »geblitzt«

Die 6. Blitzschach-Weltmeisterschaft versammelte zwischen dem 16. und 18. November 20 Schachstars am Moskauer Roten Platz. Die Zuschauer strömten zum GUM, um den Großmeistern aus nächster Nähe auf Finger und Bretter zu schauen. Während der drei Spieltage wurden 38 Runden gespielt – 760 Blitzpartien, also eine regelrechte Schachorgie. Als Zeitformat waren drei Minuten pro Spieler plus zwei zu...

Wissen, punkten, gewinnen!

An vier Wochenenden hintereinander stellen wir jeweils drei Fragen. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im ND gesammelt. Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird gelost. Lösungen der jeweiligen Wochenendrunde bis Donnerstag an: zeitgenuss@nd-online.de oder Fax: (0...

Winter-Schattenspiel
Hans-Ulrich Keller, dpa

Winter-Schattenspiel

Zum astronomischen Winterbeginn bietet der Himmel ein kosmisches Schattenspiel: Am 21. Dezember taucht der Mond in den Kernschatten der Erde ein. Der Beginn dieser totalen Mondfinsternis morgens um 7.32 Uhr ist bei klarem Wetter noch von ganz Deutschland aus zu beobachten. Der Erdtrabant steht dabei allerdings schon recht tief im Nordwesten. Die totale Verfinsterung beginnt um 8.40 Uhr. An den mei...

Neugieriges lautloses Glockengeläut
ndPlusBrigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin

Neugieriges lautloses Glockengeläut

Campanulas Glocken können vom späten Frühling bis weit in den Herbst in unseren Gärten läuten. Aber Ende November? Eine weiße Campanula medium war bei mir offensichtlich neugierig, wie es zu dieser Jahreszeit in der Welt aussieht; Marienglockenblumenzeit ist erst im Frühling bis Frühsommer. Solche Überraschungen liebe ich. Auch einen ganzen Tuff Märzveilchen entdeckte ich blühend im November. Zusa...

Seite 30
Burgen stolz und kühn
ndPlusHeidi Diehl

Burgen stolz und kühn

Wussten Sie, dass es zwischen 800 und 1500 n. Chr. etwa zehn- bis dreizehntausend Burgen im deutschsprachigen Raum gegeben hat? Oder interessiert es Sie, ob die Ritter auch Tischsitten hatten? Diese und andere Randfragen der Geschichte beantwortet recht kurzweilig der gerade erschienene Reiseführer »Burgen in Sachsen-Anhalt. Rund 80 der mehr oder weniger monumentalen wie erhaltenen Zeitzeugen eine...

Fehde sei mit euch!
Stephan Brünjes

Fehde sei mit euch!

Moment mal, das ist doch...? Knöchellanges, schwarzes Gewand, schwarzes Käppi auf dem Kopf und gefaltete Hände. Weihevoll schreitet dieser Mann mit verschmitztem Lächeln unter den Arkaden entlang und bleibt dann mitten auf der Piazza Matteotti stehen, dem Marktplatz von Brescello. Ist dieser Mann Don Camillo? Nein, wie sollte er? Zwar wurden genau hier sechs Filme der »Don Camillo und Peppone«-Reihe rund um einen kommunistischen Bürgermeister und seinen Widersacher, den schlitzohrigen Gottesman...

Seite 31
Nudelsuppe à la Mama

Nudelsuppe à la Mama

Pho gà ist erste Wahl, wenn sich irgendwo zwischen Hanoi und Saigon der Hunger einstellt. Die Hühnersuppe mit Nudeln gibt es in mindestens so vielen Varianten, wie es vietnamesische Hausfrauen gibt. Eines aber ist allen gemeinsam: Sie schmecken köstlich! Man sollte sie unbedingt einmal in einer der unzähligen Garküchen probieren. Grundlage ist eine frisch zubereitete kräftige Hühnerbrühe mit ein w...

Die Stadt, die niemals schläft
Heidi Diehl

Die Stadt, die niemals schläft

Wer stehenbleibt, hat schon verloren. Wenn auch das Herz rast und der Angstschweiß in Strömen den Rücken runterläuft: Nur, wer furchtlos weiterläuft, wird sicher das rettende Ufer oder besser die andere Straßenseite erreichen. Anfangs nehmen wir noch dankbar die Hilfe der Polizisten an, die überall an den Straßen von Saigon – das seit der Wiedervereinigung 1976 offiziell Ho-Chi-Minh-Stadt heißt – stehen und ängstliche Touristen über den Damm führen.Der Straßenverkehr ist die erste Attraktion de...

Seite 33
ndPlusIrmtraud Gutschke

Glück? Zufriedenheit?

Ich fing an, über Glück nachzudenken, als mir gekündigt wurde und ich entsprechend unglücklich war« – mit diesem Bekenntnis nimmt die Autorin sofort für sich ein. Sie wird uns nicht auf die Nerven gehen mit wohlfeilen Ratschlägen, wird uns nicht einreden wollen, dass Glücklichsein spielend gelänge, wenn man es nur will. Am Schluss ist sie – sind wir – vielleicht um ein Winziges k...

Hans-Dieter Schütt

»Kalter Sinn löst den Knoten nicht«

Das Wort von der Lebenskunst ist zum Kernbegriff für eine ausgefeilte Bewegungstechnik geworden: wie man möglichst mühelos über die Runden kommt, wie man sprungkraftsparend Hürden nimmt und wie man ohne Fliehkraftgefahren jede Kurve kriegt. Als Lebenskünstler gilt oft genug, wer galant zu begradigen oder geschickt zu umgehen weiß, vor allem: Verbindlichkeiten, Vertrauensfelder, Verantwortungsmühen...

Seite 34
ndPlusRalf Schenk

Die Welt ist noch nicht fertig

Nein, eine Biografie wollte er nicht schreiben. Zu viele Zeitgenossen, so meinte Horst Drinda, nähmen sich zu wichtig und brächten Memoiren zu Papier, die übers Anekdotische kaum hinaus reichten. Doch Sohn und Tochter drängten, und auch seine Frau Inge, die Kindheitsfreundin, die zur großen, langen Liebe seines Lebens wurde. Und so tippte er nun häufig am neuen PC, verfasste 21 Briefe an seine Lie...

Gunnar Decker

Süßes Bübchen, schwerer Brocken

Als er Otto Mellies als Ferdinand in »Kabale und Liebe« (Regie: Martin Hellberg, 1959) durch den Nebel gehen sah, Montag nachmittags im DDR-Fernsehen für die Schule, da habe er beschlossen, auch Schauspieler zu werden. So erzählte es mir Ulrich Mühe, und ich habe das auch – mehr als einmal – so hingeschrieben. Dann endlich sah ich »Kabale und Liebe« wieder und wartete auf jene Stelle, ...

Seite 35
ndPlusHans-Dieter Schütt

Gleichzeitigkeit: Wunde und Wunder

Erscheinungsdatum dieser Literaturbeilage: der 27. November. Natürlich: 2010. Natürlich? Die Lektüre des »Buches der Tagebücher« dämpft den Bedeutungsklang des Wortes »Zeit«. An diesem 27. November stellt ein Mann in München fest, unser Leben sei »zu innerlich« geworden: »Dieses stete Bespiegeln und Auskundschaften unserer selbst: wohin führt es?« Ein anderer, in Russland, hat einen Untergebenen b...

Seite 36
ndPlusChristian Dorn

»Grell und Grass«

Mit dem schlimmsten wurde schon gerechnet«, zumindest bei Lutz Rathenow, wenn man dessen vor zwanzig Jahren in West-Berlin erschienenes, gleichnamiges Prosa-Debüt zum Maßstab nimmt. Denn für dieses »wanderte« Rathenow seinerzeit in die Untersuchungshaft des MfS – allerdings nur für zehn Tage, nachdem prominente Proteste, unter anderem von Günter Grass, für seine Freilassung sorgten. Dass die...

Matthias Biskupek

Lachen, das befreit

Wo der Spaß aufhört, fängt Peter Ensikat an, denn dessen ganze Halbwahrheiten beweisen: Ihr könnt ja nichts dafür! Damit gelang es dem Rezensenten, die Titel von gleich drei soeben erschienenen Büchern mit durchweg lesens- und vorlesenswerten Texten in einen einzigen Satz zu pressen. Was schreibt ein Kindertheaterdichter über seine eigene Kindheit? Peter Ensikat, den viele als Kabarettautor und la...

Seite 37
ndPlusGina Pietsch

Wolkenschweber, Kummerteiler

Ein neuer Band des Liedermachers, Sängerpoeten, Dichters Frank Viehweg – sein Freund, der Dichter Henry Martin Klemt, hat schöne Worte gefunden für die Auswahl von 50 seiner schönen Lieder. Hintergrund war, wie sich denken lässt, Viehwegs 50. Geburtstag, was nur deshalb von Interesse ist, weil es reife Lieder sind, von »Hier, wo ich lebe«, wie er singt, von Deutschland also und Berlin, einsc...

Ralph Grüneberger

Damals im »Leseland«

Diese Stunde gehört den Autoren«, Standardsatz des Germanisten Walfried Hartinger (1938-2003), Initiator und Organisator der Poetik-Vorlesungen, die von Oktober 1989 bis Januar 1990 an der Leipziger Karl-Marx-Universität stattfanden. Konzeptioneller »Anlass« für ein derartiges Unternehmen war der 40. Jahrestag der Gründung der DDR. Geplant waren Vorlesungen mit Autorinnen und Autoren, die zu den h...

Seite 38
Alice Werner

Eine ozeanische Geschichte

Der rätselhafte Titel »Das Lächeln des Leguans« hätte Warnung genug sein müssen: Achtung, hier kommt ein Buch, dessen Sog man sich nicht entziehen kann. Auch das Cover-Foto – ein Junge, umgeben von einem leuchtenden Strahlenkranz, bis zu den Knien im Wasser, das seegrün und smaragdfarben schimmert, wie der Schuppenpanzer eines Reptils – hätte man als freundlichen Hinweis auf die sugges...

ndPlusRalph Grüneberger

Das Gelbe vom Himmel

Die Nobelpreisträger, die Ian McEwan vor einiger Zeit empfangen hat, mögen nicht eben begeistert gewesen sein zu erfahren, dass sie dem Schriftsteller quasi den Anstoß gaben, von einem Nobelpreisträger zu erzählen. Aber schnell werden sich die Belesenen unter diesen Herren beruhigt haben, weil ein Typ wie Michael Beard auch in die Personage anderer Autoren (wie z.B. Leon de Winter) gepasst hätte u...

Sabine Neubert

Schlüssel des Glücks

Manche Menschen erzählen Geschichten, andere, wie Ibrahim, hüten sie«, sagt Scheherazade zu Fatima und: »Wenn du dein Leben so lebst, dass es von Geschichten erfüllt ist, verbringst du das Warten auf den Tod auf die bestmögliche Weise ...« 991 Tage und Nächte hat Scheherazade Zeit gehabt, der 85-jährigen Fatima Geschichten aus deren libanesischer Heimat zu entlocken – von dem Großvater, dem ...

Seite 39
Klaus Bellin

Eine der besten Welten

Er stammte aus Neuruppin, kam 1833 als Vierzehnjähriger nach Berlin und verbrachte dort, von längeren Aufenthalten in Sachsen und England abgesehen, zwei Drittel seines Lebens. Die Stadt, anfangs noch im tiefsten Biedermeier, später Regierungszentrum des Kaiserreichs und moderne Metropole, hat ihn immer wieder beeindruckt, manchmal auch geärgert und abgestoßen, aber das Faktum, schrieb er 1860 an ...

ndPlusEberhard Reimann

Panorama und Panoptikum

Der Schlüssel dieses unterhaltsamen, belehrenden und abgrundtiefen Romans liegt vermutlich in einem Satz, den eine Nebenfigur scheinbar beiläufig in den Raum stellt: »Auch wenn du keinen Zusammenhang erkennst, behandle jeden Fleck Erde, aber auch jeden Flecken auf der Weste so, als wäre er das Ganze.« Und in der Widmung des Buches für Albrecht Schöne, einen Außenseiter der Literaturwissenschaft, d...

Seite 40
Irmtraud Gutschke

Vom Wohlsein

Essen – das ist doch nicht nur etwas Körperliches. Schon in der Zubereitung steckt ein Stück Lebenskunst: Vorgeschmack auf den Genuss, den man auskosten kann. Man müsste sich mehr Zeit nehmen. Sehnsuchtsvoll blättere ich im Band von Regina Röhner. Ja, irgendwann werde ich selbst Sauerteig ansetzen und Brot backen, das garantiert besser schmeckt als das gekaufte. Ich werde die Kräuter in mein...

ndPlusLilian-Astrid Geese

Heimatkunde

Überbordendes Faktenwissen – streckenweise wie ein angenehm geschriebenes Geschichtsbuch liest sich dieser Roman. Dabei denkt man bei der Lektüre auch an Fontanes »Effi Briest« oder ähnliche Geschichten von Weiblichkeit, Tragik, Lust und Last. Zu ihrem Roman, der vor Jahren schon mal im Verlag Marion von Schröder erschien, ließ sich Jutta Ditfurth vom Leben ihrer Urgroßmutter, Freiin Gertrud...

Monika Melchert

Frauen gegen bergehohe Wellen

Abschiednehmen und Aufbrechen zu neuen Ufern – leicht ist das nicht: Man muss über Hürden zu springen bereit sein, ins Offene, Ungewisse gehen. Das beginnt schon beim »Dorf der Dienstmädchen«, die aus einem abgelegenen italienischen Nest nach Rom oder Florenz ziehen, und sei es als Dienerinnen der Reichen. Alles setzen sie daran, herauszukommen aus dem grauen Alltag, aus dem Einerlei eines v...

ndPlusSabine Neubert

Weide im Wind

Es gibt eine Art von Schmerz, die man einfach nicht laut ausdrücken kann«, heißt es an einer Stelle im Buch. Die Autorin versucht es trotzdem, und es gelingt ihr – einfach in der formalen Gestaltung, schlicht in der Umgangssprache, rar in der Thematik und ein bisschen zu einfach in der Lösung am Ende – vielleicht gerade deshalb ist das Buch nachdenkenswert. Wer oder was ist schon perfe...

Seite 41
ndPlusMona Grosche

Krimi Noir aus Ungarn

Budapest, 1936. Zsigmond Gordon arbeitet als Polizeireporter bei einer großen Tageszeitung und kennt die dunklen Seiten der Stadt nur zu genau. Aktuell hat er jedoch einen anderen Auftrag: Er soll über internationale Reaktionen auf den Tod des ungarischen Ministerpräsidenten Gyula Gömbös berichten, der während eines Aufenthaltes in München gestorben ist. Gömbös hatte sich dort nicht nur wegen eine...

Eleni Pavlidou

Die Freiheit im Balkangebirge

In seiner Heimat Bulgarien ist Dimitar Atanassow kein Unbekannter. Als Romancier und Dramatiker hat er sich bereits Anfang der 1990er Jahre einen Namen gemacht und viele Preise gewonnen. Nach etlichen Kurzgeschichten in deutschen Zeitschriften und Anthologien wurde nun sein erster Roman auf Deutsch veröffentlicht. »Die unerträgliche Freiheit«: Im Mittelpunkt steht eine Herde Wildpferde. Doch muss ...

ndPlusKarlheinz Kasper

Russland im Jahre 2028

Nach »Tag des Opritschniks« wieder ein Text im Stil des russischen Lubok, des im 17. Jahrhundert aufgekommenen derb-volkstümlichen Bilderbogens. »Der Zuckerkreml« von Vladimir Sorokin besteht aus fünfzehn erbaulichen, witzigen oder dreisten Episoden, die durch das Motiv des staatlich verordneten Naschwerks verbunden sind, das der Gossudar den Kindern zu Weihnachten schenkt und jeder Russe mit dem ...

Seite 42
Hannah Klein

Die Schrift beim Wort genommen

Salomo war ein König, dessen Weisheiten und Reichtum die Bibel nicht rühmen kann. Seine wirtschaftlichen Erfolge, so erzählt uns Andreas Gerl, verdankte er der Einsicht, dass es vorteilhafter war, mit den Nachbarn Handel zu treiben statt Kriege zu führen. Die gutnachbarlichen Beziehungen untermauerte Salomo zudem bei jeder Gelegenheit durch Heirat mit den Herrschertöchtern. »Dank solcher privilegi...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Stein der Weisen, Stein der Narren

Antonio Magliabechi war weder gutaussehend noch gesellig, hatte weder handwerkliches noch kaufmännisches Geschick, nicht mal eine ausgeprägte Fantasie. Aber er verfügte über eine seltene Gabe: Nicht nur, dass er von früh bis spät las, er konnte das Gelesene auch Wort für Wort im Gedächtnis behalten. Zunächst Buchhändlerlehrling, wurde ihm 1673 die Verantwortung für die Palastbibliothek in Florenz ...

Martin Hatzius

Das gemeinsame Gedächtnis

Ist es eine Schande, Umberto Ecos Roman »Der Name der Rose« nicht gelesen zu haben? Und ist es unaufrichtig, dieses Buch trotzdem als großes, wichtiges Buch zu loben? Beide Fragen hätte ich bis vor Kurzem wahrscheinlich mit ja beantwortet. Dann las ich diesen Band mit Gesprächen zweier alter, weiser Männer über ihre Liebe zu den Büchern. Und finde darin eben jenen Umberto Eco sagen, er habe »eine ...

Seite 43
ndPlusErnst Schneider

Waffen und Wünsche

Gleich drei Bilderbüchern aus dem Projekte Verlag gab Juliane Fret, die 2001 ihr Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst abgeschlossen hat, in jüngster Zeit ihr Gepräge. Und Bilderbuch meint bewusst nicht in jedem Falle Kinderbuch. Eines der drei soll hier hervorgehoben werden, sehen-, lesenswert sind die anderen freilich auch. Das Besondere an dem Buch »Die Amme im Froschteic...

Klaus Joachim Herrmann

Schmuck in der Fassung

So etwas wie eine Zuneigung auf den ersten Blick gibt es natürlich auch bei Büchern. Doch hier ist die äußere Erscheinung eher unauffällig. Ein Holzschnitt von Burg Giebichenstein (Ulrich Bewersdorff) schmückt als Relief zurückhaltend den Einband. Die Schrift sticht in Form und Größe nicht hervor. Der Titel »Das Felseneiland« und die Zeile »Großvater Buchholtz und sein Märchenbuch« sind freilich i...

Seite 44
Kai Agthe

Tierisches Vergnügen

Wilhelm Busch sagt es so: »Miezel, eine schlaue Katze, / Molly, ein begabter Hund, / Wohnhaft an demselben Platze, / Hassten sich aus Herzensgrund.« Von Menschen, die sich nicht leiden können oder gar hassen, heißt es, dass sie ein Verhältnis wie Hund und Katze hätten. Man weiß aber, dass beide Tierarten sehr wohl miteinander harmonieren können. »Hund und Katze«, diesen lakonischen Titel trägt auc...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Die gläserne Kugel

Hochzeit machen, das ist wunderschön« – war das nicht so ein alter Schlager? Und aus DDR-Zeiten ist noch ein Lied im Ohr, das von den Schwierigkeiten des Alltags handelt. Gaby Rückert hat es gesungen: »Hochzeit machen ist wunderschön, wenn es beide nur recht verstehn ...« Auch auf dem Buchmarkt sind der Schriftsteller Gunter Preuß und sein Illustrator Karl-Heinz Appelmann mit ihrem Titel nic...

ndPlusEva Peter

Löwenzahn schmeckt

Wo veröffentlicht das Sandmännchen? Natürlich im Zabert Sandmann Verlag – und da soll es natürlich ein Kochbuch sein, das sich Eltern und Kinder gemeinsam anschauen können. Gemüseeintopf, Wurstsalat oder ein »Fleischpflanzerl« – so wie die Gerichte fotografiert sind, werden die tollsten Delikatessen daraus. Sandmännchen kennt den Geschmack von Kindern. Das will ich essen, wird das Kind...

Seite 45
ndPlusSilvia Ottow

Es war einmal ...

Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann steht momentan nicht gerade sehr weit oben auf der politischen Agenda. Verdrängt von der Rente mit 67, Hartz IV, Integration oder Atomstrom, taucht das Thema wellenförmig auf, aber auch gleich wieder ab. Es verliert sich in unintereressanten Quotendiskussionen konservativer Parteien, bei denen die ausgetauschten Argumente genau die gleichen sind wie vor dr...

Jürgen Reents

Vitamine für die Demokratie

Der Brutreaktor in Kalkar ist eine der großen Investitionsruinen in Deutschland. Sieben Milliarden DM wurden in ein AKW investiert, das nie in Betrieb ging und heute als Kletterwand in einem Vergnügungspark dient. Nie in Betrieb ging auch eine in Wackersdorf geplante atomare Wiederaufarbeitungsanlage. Rund zehn Milliarden DM waren verpulvert, als das Bauen daran abgebrochen wurde. Heute beheimatet...

Seite 46
Anita Bär

Warnkes Zettel

Wie passen Kreuzfahrtschiffe mit ihrer Aura des Luxus zu einem Land, in dem die Menschen froh waren, nach über zehn Jahren Wartezeit einen dürftig ausgestatteten Kleinwagen namens Trabant kaufen zu können? Wie passen Weltmeere befahrende Luxusliner zu »Grenzregime« und »Mangelwirtschaft«? Dies wollte Andreas Stirn erkunden. Er begab sich in die Archive und sprach mit Zeitzeugen, zu denen auch der ...

ndPlusNorbert Podewin

Die Sekretäre

Den Autoren, langjährig ausgewiesen und geschätzt als biografische »Gräber« in Sachen Zeitgeschichte, ist bereits vorab ein dankbares Publikum sicher. Gesprächsweise geweckte Erinnerungen persönlicher Lebenswege gipfeln allenthalben zumeist in grübelnden Fragen nach Akteuren: »Wie hieß doch damals der ...?« Hier nun geben Andreas Herbst und Mario Niemann detailliert Auskunft. Ihr Lexikon enthält K...

Karlen Vesper

Die Friedenskämpfer hatten Vorfahrt

Bei aller Eindeutigkeit über das undemokratische Regime der DDR, über Unfreiheit, Angst vor der Wahrheit, über Bespitzelung und Misstrauen, verzichtet er auf Polemik, Anklagen und Schwarzweißmalerei«, würdigt Richard von Weizsäcker die Erinnerungen von Reinhard Höppner. In der Tat, dem studierten Mathematiker, Friedensaktivisten und Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt (1994-2002), der den Mut z...

Seite 48
ndPlusKarl-Heinz Gräfe

Die Angst vor einem Untoten

Der herausragende russische Revolutionär, Internationalist, Theoretiker und Schriftsteller Leo Trotzki (1878-1940) ist auch noch 70 Jahre nach seiner Ermordung durch Stalins Agenten in Mexiko Hassobjekt rechtskonservativer wie stalinistischer Ideologen und Historiker. Birgt doch sein Lebenswerk revolutionäres Potenzial auch gegen den nunmehr wieder global herrschenden Kapitalismus. Wohl wissend, w...

Helmut Bock

Die Legende von der politischen Freiheit

Er scheint einem Meteoriten vergleichbar: Napoleon Bonaparte. Sein gleißender Anflug, sein irritierendes Strahlen über ganz Europa, selbst sein Verglühen hat Zeitgenossen und Nachgeborene fasziniert. Der Revolutionsgeneral und postrevolutionäre Franzosenkaiser, der die Literaten und das freie Denken und Schreiben verfolgte, hat gleichwohl eine Unmasse von Literatur als Kometenschweif nach sich gez...

Seite 49
Heinz Niemann

Der Mann auf dem Familienfoto

Wer – ohne langatmige Zitate, Dokumente und Quellenverweise – in angenehm lockerem Plauderton über den meist schwierigen und zähen, manchmal kurios anmutenden Entwicklungsprozess der Europäischen Union sich ein Bild machen möchte, der dürfte mit dieser, sicher nicht uneitlen Lebensbilanz eines Insiders durchaus gut bedient sein. Der Autor, fast 35 Jahre als sozialdemokratischer Parlame...

ndPlusKarlen Vesper

Das war schon viel Anfang

Er erklärt zwar vorab, nach 30 Jahren Forschungen zur DDR nunmehr das Thema mit diesem Buch abschließen zu wollen, indes, so recht glauben kann man es nicht. Die DDR wird ganz gewiss Jörn Schütrumpf nicht loslassen. Von Berufs wegen allein schon wird sich der Historiker und Verleger weiterhin mit dem untergegangenen Staat beschäftigen. Und das ist auch gut so. Denn dieses originelle Essay weckt Ne...

Seite 50
ndPlusMarion Mai

Tückischer Virus

Eine Demütigung ist schwerer zu ertragen als eine Verletzung.« Dieses Zitat von Peter Ustinov hat Brigitte Vallenthin ihrem Erlebnisreport vorangestellt. Es ist eine bittere Lektüre. Ein entlarvendes Buch, das kein gutes Licht auf dieses Land und vor allem diese Regierung wirft. Es verkündet die Wahrheit, nichts als die reine Wahrheit. »Hartz IV ist wie ein Virus, das uns unverschuldet befallen ka...

ndPlusDieter Janke

Kein Plan B für den Tag X

Die Gründe, sich mit der Historie zu beschäftigen, können ebenso mannigfaltig sein wie die Art und Weise, mit der man es tut. Die Autoren dieser Industriegeschichte – allesamt selbst nicht unwesentliche Akteure von einst – reiben sich an pauschalen Negativurteilen, mit denen derzeit die Wirtschaft im Osten Deutschlands 1945 bis 1990 stigmatisiert wird. Zu Recht! Sind jene doch meist vo...

Harald Loch

Von Sokrates bis Emmely

Was wäre Athen ohne den Schierlingsbecher, den Sokrates fast übermütig trank? Was Rom ohne sein Recht und seine Justitia? England ohne die Magna Charta, Frankreich ohne Napoleons Code Civil, Deutschland ohne sein Grundgesetz oder das Bundesverfassungsgericht? Das Recht ist zu allen Zeiten wesentlicher Bestandteil der Zivilisation gewesen. Immer ist es Ausdruck der herrschenden Verhältnisse, Maßsta...

Seite 51
Norbert Podewin

Im Gehege

Persönliche Eckdaten solcher Art sind rar: gebürtiger Vogtländer, als Mitvierziger in der Hauptstadt Berlin »eingebürgert« – und bald darauf schon von Rügen bis zum Erzgebirge ein Begriff. Auch nach dem Ableben am 6. Januar 1991 ist er unvergessen, verschmelzen doch allenthalben Name und Lebenswerk: Dathe = Tierpark! Klaus Huhn, als Publizist dem Zoologen über Jahrzehnte freundschaftlich nah...

Hans Rehfeldt

Über den Wolken ...

Einem seit 1943 in der Sowjetunion kriegsgefangenen deutschen Fliegeroberst soll das ihm verliehene Ritterkreuz von einem sowjetischen Oberst im Lager überreicht worden sein? So unwahrscheinlich es klingt – das gab es wirklich. Walter Lehweß-Litzmann war nach seinem Absturz als Stuka-Pilot, bis zum Kriegsende, der ranghöchste Luftwaffenoffizier in sowjetischer Gefangenschaft. Hier begann bei...

ndPlusGerd Kaiser

»Wir werden die ersten sein!«

Im Sommer 1946 wurde der damals weitgehend unbekannte, bald aber als Begründer der sowjetischen Raketenforschung gerühmte Sergej Koroljow in einem vertraulichen Gespräch von seinem Landsmann A. Kreisman – beide stammten aus Shitomir – gefragt, ob er daran glaube, dass es der Menschheit gelingen werde, »die sündhafte aber herrliche Erde zu verlassen«. Koroljows Antwort: »Selbstverständl...

Seite 52
Werner Jung

Weshalb wir uns erst finden müssen

Der Hoffnungsgedanke hat derzeit wenig Konjunktur – nicht in den gesellschaftlichen Diskursen, schon gar nicht in der Philosophie. Und das mag erklären, dass der Hoffnungsphilosoph des 20. Jahrhunderts schlechthin, Ernst Bloch, kaum verbreitet ist. Überschaubar der Buchmarkt mit Bloch-Titeln, abzählbar wenig Bücher auch, die sich mit Leben und Werk des 1885 in Ludwigshafen geborenen, nach Em...

ndPlusArmin Jähne

Götterklatsch und höchst Irdisches

Einer trage des anderen List« – eine Anspielung auf den bekannten, ähnlich lautenden Bibelspruch und Filmtitel – soll, so der Autor, kein wissenschaftliches Werk sein und auch keine korrekte Auslegung antiker Mythen beinhalten. Ihre Nacherzählungen seien freie Interpretationen – mit Absichtserklärungen. Eben das macht den Reiz dieses Büchleins aus. Schon in der Einführung über di...

ndPlusRegina Stötzel

Alles Lüge!

Seine Gesundheitsreform sei »der Einstieg in ein faires und besseres System«, behauptet Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). Alles Lüge, sagen die Politiker der Opposition einvernehmlich – bis sie selbst regieren und ihre eigenen grausamen Beschlüsse zu verkaufen haben. Dann werden die Rollen getauscht. So läuft es in der Politik, oder? Politikverdrossene dürften an dieser Stelle mit de...

Seite 53
Armin Jähne

»Reiß ihnen die Eingeweide heraus«

Als Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Afghanistan einen 70 Kilometer vom Bundeswehrfeldlager Kundus entfernten deutschen Vorposten besuchte, also an der »Front« weilte, gingen diese Nachricht ebenso wie seine Vorschläge zur Reform der Bundeswehr durch alle Medien. Keines dieser Medien aber hat bisher plausibel erklären können, warum sich deutsche Truppen am Hindukusch befinden, s...

ndPlusDaniela Fuchs-Frotscher

Der Befreier und Diktator Polens

Es gibt in der neueren polnischen Geschichte zwei Personen, die in unserem östlichen Nachbarland zu einem Mythos geworden sind und Kultstatus besitzen. Das ist zum einen der polnische Papst Johannes Paul II. und zum anderen Marschall Jozef Pilsudski, der sich Verdienste im Kampf um Polens Unabhängigkeit erworben hat, die 1918 – nach 123 Jahren Fremdherrschaft – verkündet werden konnte....

Seite 54
Frank-Rainer Schurich

Strumpfhose als Oberkleid

Der ehemalige Kripo-Chef in Augsburg und Nürnberg Karl Häusler hat ein neues Sachbuch vorgelegt, das merkwürdige, skurrile, makabre, ungewöhnliche, kuriose, aber auch spektakuläre und tragische Kriminalfälle aus seiner aktiven Zeit bei der Kriminalpolizei bietet. Sie geben Einblick in die Arbeit der Beamten, die Möglichkeiten und Grenzen, in dieser Republik überhaupt seriöse kriminalistische Arbei...

ndPlusKurt A. Richter

Ein kühner Geist oder Mystiker?

Echnaton oder ursprünglich Amenhotep (Amenophis) IV. gehört zu den bekanntesten und besonders umstrittenen ägyptischen Pharaonen. Er war der zehnte Pharao aus der berühmten 18. Dynastie, lebte und herrschte im 14. Jahrhundert v. u. Z., also in der Anfangszeit des so genannten Neuen Reiches. Noch bekannter als er dürfte heute seine Gattin sein, die schöne und viel bestaunte Nofretete, deren Porträt...

Kurt Wernicke

Schmutzige Hof-Geschichte

Der Lehrstuhlinhaber für Neuere Geschichte an der FU Berlin wird meist als Faschismus-Forscher bezeichnet. Wie die beträchtliche Liste seiner Publikationen zeigt, mischt er sich aber auch in tagesaktuelle Probleme ein, wie jüngst mit einem scharfsinnigen Essay »gegen den Denkmalwahn der Deutschen«, und wendet sich gern auch anderen Perioden deutscher Geschichte zu. Nun hat sich Wolfgang Wippermann...

Seite 55
ndPlusSilvia Ottow

Hör auf dein Ohrensausen ...

Pfeifen, Piepen, Zirpen, Rauschen, Klingeln, Quietschen, Ohrensausen – für den Tinnitus gibt es viele Synonyme. Sie richten sich jeweils nach der Art, in der Betroffene – immerhin ein Viertel aller Deutschen – die unwillkommenen Töne aus ihrem Hörorgan wahrnehmen. Richtig guter Rat, wie der Mensch das Geräusch wieder los wird, scheint indes teuer. Seit über 200 Jahren versuchen M...

Ingolf Bossenz

Warum Mitleid keine Grenzen haben darf

Man darf sich darüber wundern«, konstatierte der Wiener Schriftsteller und Religionswissenschaftler Adolf Holl, »dass die modernen Gesellschaftswissenschaften mit Vorliebe die Erforschung des Bösen betreiben. Das Gute scheint sie kaum zu interessieren.« Das Zitat stammt aus Holls Buch »Mitleid – Plädoyer für ein unzeitgemäßes Gefühl«. Dass sich an dieser Unzeitgemäßheit während der zweieinha...

ndPlusIngolf Bossenz

»Peanuts« für die Großkirchen

Kennen Sie das Böckenförde-Dilemma? Formuliert hat es der Verfassungsjurist Ernst-Wolfgang Böckenförde: »Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.« Dieser berühmte, seit 1967 in der Debatte um das Verhältnis von Staat und Religion wohl am häufigsten zitierte Satz verweist auf die Notwendigkeit von in der Gesellschaft verankerten Grundüb...

Seite 56
Günter Kröber

To be or not to be

Verblüffend sind die Geschichten allemal, die in diesem Büchlein dargeboten werden. Und vielversprechend schon der Titel. Bücher mit alltagsweltlichen Geschichten und Kuriositäten erfreuen sich von jeher des Interesses einer breiten Leserschaft aller Altersgruppen. So auch das vorliegende mit seinen 151 faszinierenden kurzen Geschichten, die – brillant erzählt – uns verstehen lassen, d...

ndPlusJan Korte

Der Hecht ist ein Angeber

Es in Worte zu fassen ist schwierig, es zu analysieren ist mittelschwierig und anderen die eigene Faszination zu vermitteln gelingt selten. Alles zusammen hinzukriegen verdient einige Anerkennung. Christoph Schwennicke ist es gelungen. Worum geht’s? Ums Angeln! – Ist das nicht voll langweilig? Wie kann man sich über einen Vogel namens Kormoran in Rage reden? Und wie kann man jede freie...