Ausgabe vom 22.01.2011

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Unten links

In der Basilika St. Anna in Altötting (Bayern) können Kirchenbesucher seit Jahresanfang den Obolus für den Opferstock nicht nur in Scheinen und Münzen, sondern auch per EC-Karte entrichten. Allerdings gibt es, wie ein katholischer Prälat meinte, »noch Berührungsängste«. Was verwunderlich ist. Schließlich äußerte sich bereits der Apostel Paulus im 1. Brief an Timotheus über jene, »die da haben den ...

Obamas erste zwei Jahre
ndPlusVictor Grossman

Obamas erste zwei Jahre

Barack Obamas zweites Amtsjahr endete mit der Tragödie von Tucson. Kugelfeuer und Tod zeigten grell, wie geladen die Situation in den USA geworden ist. Im heißen, wüstenreichen Bundesstaat Arizona konzentriert sich wie unter einer Lupe der Hass gegen Einwanderer, gegen Fortschritt, gegen Obama. Es ist traurige Ironie, dass die bewegte Trauerrede des Präsidenten zum Tod bzw. zur Verletzung von 19 Menschen ihm eine merkliche Steigerung der Sympathie einbrachte und zugleich die Rechten, die ihren ...

Elf gegen Einen

Elf gegen Einen

Das Ganze hat etwas Skurriles: Der derzeit mächtigste Kommunist, Hu Jintao, Staatschef und Generalsekretär der KP Chinas, wird in Washington mit einem pompösen Bankett empfangen, Konzernchefs applaudieren ihm. In Deutschland mühen sich Konservative, Liberale, Grüne und Sozialdemokraten zeitgleich, ein Gespenst zu vertreiben, das niemanden bedroht.

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»Niemals ist eine Bewegung derart verleumdet worden«

»Niemals ist eine Bewegung derart verleumdet worden«

Anfang Dezember 1878 gab Karl Marx dem Londoner Korrespondenten der Chicagoer »Tribune« ein Interview. Es erschien im Januar 1879 in mehreren US-Zeitungen. Das von unserem Autor Heinz Niemann »wiederentdeckte« Interview umfasste 19 Fragen (MEGA2 I/25, S. 429-437), es wird hier gekürzt wiedergegeben. Vorab schilderte der Journalist Eindrücke von seinen Besuchen bei Marx: »Seine Überzeugungen haben ihm von Anfang an Schwierigkeiten bereitet. Nach seinem Heim zu urteilen, haben sie ihm keinen groß...

Ist der Kommunismus noch zu retten?
ndPlusJürgen Reents

Ist der Kommunismus noch zu retten?

Stéphane Hessel schreibt in einer Publikation, die in Frankreich gerade eine ebensolche Millionenauflage erlebt wie das Sarrazin-Buch in Deutschland, dass sein langes Leben ihm immer wieder Gründe beschert hat, sich zu empören. Dazu gehörte auch der Stalinsche Totalitarismus. Aber, so Hessel, man müsse »ein offenes Ohr für den Kommunismus als Gegengewicht gegen den Kapitalismus behalten«. Hessel ist 93 Jahre alt, der letzte lebende Mitautor der UN-Menschenrechtscharta, er kämpfte in der Résista...

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LINKE-Chef will Mindestlohn bis Anfang Mai

Berlin (ND). Linksparteichef Klaus Ernst hat am Freitag in Berlin vor einer Welle des Lohndumpings in Deutschland gewarnt, wenn der Arbeitsmarkt am 1. Mai für sämtliche Arbeitnehmer aus allen Mitgliedstaaten der EU geöffnet wird. Nach Erwartungen der Bundesagentur für Arbeit und der Bundesregierung würden dann jährlich rund 100 000 Arbeitnehmer aus Osteuropa versuchen, in Deutschland Arbeit zu fin...

Studie: 16 000 Professoren einstellen

Berlin (dpa/ND). Wegen steigender Studentenzahlen und des Generationenwechsels bei den Hochschul-Dozenten müssen in den nächsten 15 Jahren rund 30 000 Nachwuchswissenschaftler neu eingestellt werden – darunter gut 16 000 Professoren. Dies geht aus einer Studie der Politologin Silke Gülker vom Wissenschaftszentrum Berlin für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hervor. Den Genera...

René Heilig

Schwarz-weiß hilft Taliban

»Vieles ist besser geworden!« Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) malte gestern im Bundestag den zivilen Wiederaufbau in Afghanistan in leuchtenden Farben. Zugleich verteidigte er die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Auch über deren neues Mandat für Afghanistan wurde gestern im Parlament gestritten.

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Machtwechsel bei Saar-CDU deutet sich an

Saarbrücken (dpa/ND). Der Fahrplan für einen möglichen Machtwechsel an der Saar nimmt Gestalt an. Die Landes-CDU will bei einer Klausurtagung an diesem Samstag in Eppelborn über das weitere Vorgehen bei einem als wahrscheinlich geltenden Rückzug von Ministerpräsident Peter Müller entscheiden. Das bestätigte CDU-Generalsekretär Roland Theis am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.Als wahrscheinlichst...

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Vorstöße gegen Blockade

Drei Wochen vor dem 13. Februar eskaliert in Dresden der Streit um friedliche Blockaden eines großen Naziaufmarschs. Ein Gericht rügt frühere polizeiliche Milde gegen Blockierer, die CDU geht weiter auf Distanz.

ndPlusBarbara Martin, Stuttgart

Weit unter Standard

Das AKW Neckarwestheim genüge nicht aktuellen Sicherheitsstandards, mahnen Umweltschützer. »Panikmache«, sagt das Umweltministerium im Ländle, »sonst wäre es ja verboten«, sagt die Betreiberin EnBW.

Ines Wallrodt

Das Amtsgeheimnis ist zäh

Informationsfreiheitsgesetze sind kaum bekannt und haben den Geruch von staubigen Aktendeckeln. Zu Unrecht. Sie könnten Grundlage für mehr Transparenz von Regierungs- und Verwaltungshandeln sein.

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Cuban Five: Berlin spart an Kritik

Berlin (ND-Neuber). Trotz zunehmenden internationalen Widerspruchs im Fall der »Cuban Five« behält die deutsche Bundesregierung ihre unkritische Haltung gegenüber den US-amerikanischen Justizbehörden bei.Man sehe »aufgrund der öffentlich zugänglichen Informationen« weiterhin keine Veranlassung, am rechtmäßigen Vorgehen zu zweifeln, so die Antwort von Cornelia Pieper, Staatsministerin im Auswärtige...

Gaza: Alliot-Marie attackiert

Während ihres ersten Besuchs im Gaza-Streifen ist Frankreichs Außenministerin Michèle Alliot-Marie von aufgebrachten Palästinensern mit Eiern und Schuhen beworfen worden.

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Neue Runde im Skandal um Siemens

Athen (dpa/ND). In den Siemens-Schmiergeldskandal in Griechenland sollen zahlreiche ranghohe Politiker verwickelt sein. Zu diesem Ergebnis kam ein Untersuchungsausschuss des Parlaments. Unter den politisch Verantwortlichen werden der frühere Ministerpräsident Kostas Simitis und Minister seiner Partei sowie mehrere ehemalige Minister der oppositionellen konservativen Partei Nea Dimokratia genannt. Sie trügen politische Verantwortung für die Schmiergeldzahlungen, erklärte der Ausschuss nach Angab...

ndPlusKarin Leukefeld

Arabiens Führer fürchten Revolten

Handel und Entwicklung standen auf der Tagesordnung des Arabischen Wirtschaftsgipfels, der am Freitag im ägyptischen Badeort Scharm el-Scheich zu Ende ging. Doch eigentlich war es der Versuch einer informellen Verständigung, wie man sich vor »tunesischen Entwicklungen« schützen könne.

Andrang vor verbotenen Büchern im »El Kitab«
Claudia Altmann, Tunis

Andrang vor verbotenen Büchern im »El Kitab«

Mit einer dreitägigen Staatstrauer für die zahlreichen Opfer des Volksaufstands will Tunesien einen Schlussstrich unter die blutigen Unruhen ziehen. In Kürze sollen Schulen und Universitäten wieder öffnen. Die Bevölkerung wartet auf die Erfüllung weiterer Forderungen.

Seite 8
ndPlusMarkus Drescher

Konjunktive vs. Fakten

Sie hätten laut Gericht marschieren dürfen müssen, die Nazis in Dresden am 13. Februar 2010 – haben aber keinen Schritt aus ihrem Käfig am Neustädter Bahnhof getan. Die Polizei hätte ihnen den Aufmarsch ermöglichen und die Blockaden räumen müssen. Hat sie aber nicht. Aus formaljuristischer und CDU-Politiker-Sicht hätte es die Blockaden, die den sogenannten Trauermarsch verhinderten, nicht ge...

ndPlusFabian Lambeck

Demotivierend

Die Kritik an angeblich faulen Hartz-IV-Beziehern hat Konjunktur. Insbesondere Vertreter der schwarz-gelben Koalition machten in jüngster Zeit immer wieder mit Ausfällen und Verdächtigungen gegen Deutschlands Ärmste von sich reden. Irgendwie passt es da ideologisch wohl nicht ins Bild, wenn Arbeitslose ehrenamtliches Engagement zeigen, anstatt in spätrömische Dekadenz zu verfallen. Vor allem in Os...

Uwe Sattler

Kratzer am System

Straßburg hat geurteilt: Griechenland und Belgien haben gegen das Verbot unmenschlicher Behandlung verstoßen, so der Menschenrechtsgerichtshof. Die belgischen Behörden hatten einen Asylbewerber in sein Ersteinreiseland Griechenland zurück geschickt, obwohl sie von den katastrophalen Verhältnissen in den dortigen Auffanglagern wussten. Als »Sternstunde für den Menschenrechtsschutz« sieht die Organi...

ndPlusIna Beyer

Suchkönig

Schon einmal stand Larry Page an der Google-Spitze. Zusammen mit seinem Studienkollegen Sergey Brin entwickelte der heute 37-Jährige Ende der 1990er Jahre an der Stanford Universität den Prototyp der Internet-Suchmaschine. Weil beide zwar geniale Entwickler, in geschäftlichen Dingen aber Neulinge waren, holten sie sich 2001 den erfahrenen IT-Manager Eric Schmidt ins Haus, der das Start Up Google 2...

Gegen Krieg und Kürzungen?

Gegen Krieg und Kürzungen?

ND: Am Freitag wurde im Bundestag in erster Lesung die Verlängerung des Afghanistanmandats behandelt. Bis zur endgültigen Abstimmung soll gegen diese Kriegsverlängerung demonstriert werden. Höger: Ende Januar wird über die Verlängerung des Bundestagsmandats in Afghanistan abgestimmt. Dort wird eine Mehrheit dafür stimmen, obwohl sich in allen Umfragen eine Mehrheit der Bevölkerung gegen den Afghan...

Seite 9

Lokführer drohen mit Streik

Hamburg (dpa/ND). Nach erfolglosen Verhandlungen zwischen den Privatbahnen und den Lokomotivführern über einen Branchentarifvertrag im Nahverkehr droht die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit Streiks. Die Unternehmen hätten bei den Gesprächen »die Chance auf eine Verhandlungslösung zunichte gemacht«, sagte GDL-Chef Claus Weselsky gestern. Die Arbeitgeber bemängelten, die GDL habe kein...

Hochtief-Übernahme läuft für ACS nach Plan

Essen/Madrid (dpa/ND). Die Übernahme des deutschen Bauriesen Hochtief läuft für den spanischen ACS-Konzern nach Plan. Nach Ende der letzten Umtauschfrist haben Hochtief-Aktionäre ACS 4,34 Prozent ihrer Aktien angeboten. Sie erhalten für fünf Hochtief-Papiere neun Aktien am spanischen Konkurrenten. Damit könne ACS seinen Anteil an Hochtief auf 31,59 Prozent steigern, teilte der Konzern am Freitag s...

ndPlusAnke Stefan, Athen

Protest der Zeitarbeiter

Etwa 70 000 staatliche Angestellte Griechenlands arbeiten seit Jahren in weitgehend rechtlosen Zeitarbeitsverhältnissen. Während der Staat sie loswerden will, fordern die Betroffenen eine Übernahme in unbefristete Arbeitsverhältnisse.

Irina Wolkowa, Moskau

Ölriesen verbinden sich

Der britische Mineralölmulti BP und der russische Staatskonzern Rosneft haben einen Aktientausch verkündet. Dabei wechselten Pakete im Wert von je acht Milliarden US-Dollar den Besitzer. Gleichzeitig wurde die Gründung eines Joint Ventures bekannt gegeben, das Öl- und Gasvorkommen in der russischen Arktis erschließen und ausbeuten soll.

Susanne Götze

Don Quichotte schlägt zurück

Der Gentechnikgegner Jörg Berg-stedt hat ein Buch über die Machenschaften der Gentechnik-Lobby in Deutschland geschrieben und gnadenlos mit den internen Verflechtungen zwischen Politik, Forschung und Wirtschaft abgerechnet.

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Robert Semmler, dpa

Mit weniger Training zur Medaille

Nach dem Ring noch eine Medaille: Mit Edelmetall will sich Eisschnellläuferin Jenny Wolf bei der Sprint-WM ein nachträgliches Hochzeitsgeschenk machen. Zwei Wochen nach ihrer Trauung zählt die Berlinerin an diesem Wochenende zumindest zu den chancenreichen Außenseiterinnen im niederländischen Heerenveen, wo sie 2008 den Titel holte. »Ich bin noch nicht in der Top-Frische für die WM, aber eine Meda...

Mark Wolter, Jönköping

Selbstvertrauen im Gepäck

Viel Abwechslung bietet die Fahrt von Kristianstad nach Jönköping nicht: schneebedeckte flache Steppe, unzählige Bäume und hin und wieder mal ein weinrotes oder gelbes Holzhäuschen. Den deutschen Handballern blieb so auf ihrer gestrigen etwas mehr als dreistündigen Bustour zum nächsten WM-Spielort Zeit genug, einiges Revue passieren zu lassen und über die nächsten Aufgaben in der Hauptrunde nachzu...

ndPlusAlexander Ludewig

Revolution von oben

Ein Blick in die Zukunft: 22. Januar 2018: Genau sieben Jahre ist es her, als Borussia Dortmund nicht nur die eigenen Fans mit schönem Fußball entzückte und die Bundesliga dominierte. Nun bestimmt die Nationalmannschaft die Schlagzeilen. Irgendwo zwischen Kaliningrad und Jekaterinburg spielt die DFB-Elf bei Temperaturen um minus 20 Grad im russischen Winter um den WM-Titel. So wollen es Michel Pla...

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Linksradikale Aktionswochen

(ND). »Gegen Krieg, staatliche Repression und für die Liebig14« wollen linke Gruppen ab diesem Samstag mobilisieren. Bis zum 2. Februar, dem Tag der angekündigten Räumung des Wohnprojektes in Berlin-Friedrichshain, sollen insgesamt vier Demonstrationen und diverse Aktionen stattfinden. Für den Auftakt nutzen die Aktivisten die Demo »Bundeswehr und NATO raus aus Afghanistan«, die im Rahmen bundeswe...

Martin Kröger

Over Marx

»WG-Zimmer zu vermieten«. Für ein 20-Quadratmeterzimmer – Richtung Sonnenaufgang! – in einer Wohngemeinschaft auf der beschaulichen Halbinsel Stralau hingen jüngst Gesucht-Zettel in Friedrichshainer Kneipen aus. Zusätzlicher Werbespruch für das möblierte Zimmer: »Karl Marx wohnte als Student im Vorderhaus, Freke Over hinten.« Über die Ikone der Arbeiterbewegung wird kolportiert, dass e...

S-Bahn auf Nummer sicher

(ND-Kammer). Am Montag beginnt bei der S-Bahn der »Winter«. Wem ob dieser Kombination nichts Gutes schwant, hat recht: Die S-Bahn schränkt ihren Betrieb noch einmal ein. Laut »Winterfahrplan«, der mindestens bis zum 27. Februar gelten soll, fahren die Züge langsamer und seltener. Besonders die Außenbezirke sind betroffen. Zwischen Charlottenburg und Potsdam, Springpfuhl und Wartenberg sowie Charlo...

ndPlusSonja Vogel

Nicht gemeldet, aber nicht illegal

»Das Problem ist gewaltig, die Not groß und die Handlungsmöglichkeiten sind stark begrenzt«, beschreibt Heinz Nopper vom Präventionsrat Berlin Mitte die Situation zugewanderter Roma in Berlin. Als Zuständiger für die 2009 eingerichtete Arbeitsgruppe Roma stellte er gestern im Bezirksamt Mitte gemeinsam mit Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) deren Arbeit vor. Im Mittelpunkt stünde zunächst ...

Eckpunkte mit Zündstoff
ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Eckpunkte mit Zündstoff

Manche Themen setzen gerne die Parteien, manche bringt gleich das Leben auf die Tagesordnung. Über ihre Prioritäten zur Wahl 2011 gibt seit Freitag die LINKE mit »Eckpunkten« für ein Wahlprogramm Auskunft. Bei diesem Diskussionsangebot steht die Beschäftigung und damit die Schaffung von 150 000 neuen Arbeitsplätzen auf Platz eins. Es folgen die Bildung von Kita bis Hochschule und an dritter Stelle...

Seite 14
Caroline Bock, dpa

Foer / Duve

Es gibt eine neue Generation von Vegetariern. Wer noch daran zweifelt: Bei der Lesung der beiden Bestsellerautoren Jonathan Safran Foer und Karen Duve – den Klassensprechern der neuen Bewegung – in Berlin herrscht Andrang wie bei einem Popkonzert. In einem Nebensaal ist eine Videoleinwand aufgebaut. Im Publikum sitzen viele Schüler und Studenten.Es ist ein nachdenklich stimmender und u...

ndPlusTobias Riegel

Pressestelle

»Weniger Mailand als Moabit, Prenzlauer Berg statt Paris« und »Trendy wie ein Tupperabend« – mit seiner Meinung über die aktuelle Berliner Fashion Week hält das Magazin der »Spiegel« nicht hinter dem Berg. Die lokalen Designer seien nur »in Deutschland weltbekannt«, der Versuch der Hauptstadt, sich mit Mode-Metropolen zu messen, dürfe demnach »als gescheitert betrachtet werden«. Schließlich ...

Die wollen nur spielen
ndPlusStephanie Höppner, epd

Die wollen nur spielen

Kulturrevolution, unterhaltsame Freizeitbeschäftigung oder gefährlicher Ersatz für mitmenschliche Kontakte? Wenn es um Computerspiele geht, driften die Meinungen weit auseinander. Das neue Computerspielemuseum in Berlin soll einen Raum für alle bieten – Spielefanatikern, Kritikern, aber auch denjenigen, die mit dem Medium noch wenig vertraut sind. Seit gestern steht das Museum, nachdem es ze...

Geschmetterter Jungfernkranz
Lucía Tirado

Geschmetterter Jungfernkranz

Jan Müller-Wielands Musik nach Webers »Freischütz« ist mit ihren harten Schnitten und schrillen Momenten so gut wie originell. Ebenso gelungen ist die Umsetzung des Fünf-Instrumente-Orchesters durch Hans-Peter Kirchberg. Insofern geht die Hoffnung an der Neuköllner Oper auf, mit der neuen Inszenierung von Gustav Rueb »Der Freischuss. Ein Stück Gegenwart« ins Schwarze zu treffen. Auch die gesanglic...

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Tod nach Abschiebung

Mainz (epd/ND). Das Land Rheinland-Pfalz will dem Ehemann und dem Sohn einer nach der Abschiebung verstorbenen Frau aus Kosovo die Rückkehr nach Deutschland gestatten. Das Mainzer Innenministerium setze sich dafür ein, der Familie aus humanitären Gründen ein Visum zur Wiedereinreise auszustellen, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag: »Der Minister will, dass diese Familie wieder zurückkommen ...

Zeit für Schnäppchenjäger

(dpa). Schnäppchenjäger können sich den kommenden Montag rot im Kalender markieren. Auch wenn es ihn offiziell gar nicht mehr gibt, startet zum Wochenbeginn der Winterschlussverkauf in Berlin.»Der Restbestand muss raus«, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen. Kunden könnten mit Rabatten von bis zu 50 Prozent rechnen. Jacken, Mäntel oder Pullover wür...

Hendrik Lasch, Dresden

Über Kreuz mit der Gastfreundschaft

Anfang Juni findet in Dresden der 33. Evangelische Kirchentag statt. Die Teilnehmer wollen auch über Demokratie debattieren – unter anderem im Landtag. Der aber öffnet nur für ausgewählte Themen seine Türen.

Abkoppeln nach Plan

Ginge es nach dem Zukunftsrat, so soll sich die Wirtschaftspolitik in Bayern auf die städtischen Ballungsräume konzentrieren. Diese Vorschläge stoßen auf massiven Widerstand.    

Katja Herzberg

Lichtenberg hat viel zu tun

Das Lichtenberger Bezirksamt blickt positiv in das neue Jahr. 2011 werde nicht nur als Wahljahr spannend, sondern auch in stadtentwicklungs- und familienpolitischen Fragen. Mehrere Bauprojekte werden abgeschlossen, andere können endlich beginnen. Weitere Kitaplätze sollen geschaffen und die Schulen für den Ansturm aus anderen Bezirken fit gemacht werden. Diese und weitere Vorhaben stellte die Bezi...

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Schleichfahrt an der Loreley

St. Goarshausen (dpa/ND). Weitere fünf Schiffe sind am Freitag am Wrack des bei St. Goarshausen im Rhein gekenterten Säuretankers vorbeigeleitet worden. Nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bingen sind 30 andere Schiffe informiert und warten darauf, die Unglücksstelle nahe des Loreleyfelsens zu passieren. Der Sprecher der Einsatzleitung betonte: »Die Schifffahrt ist nicht freigegeben, es...

Justiz prüft Dienstwagen-Affäre

Neuruppin (dpa). In der Dienstwagen-Affäre von Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) will die Staatsanwaltschaft Neuruppin schon bald entscheiden, ob Ermittlungen eingeleitet werden. Die Prüfung werde voraussichtlich in der kommenden Woche abgeschlossen sein, sagte Oberstaatsanwalt Frank Winter am Freitag. Seine Behörde untersucht, ob ein Anfangsverdacht für eine Vorteilsannahme vorliegt.Der Bil...

6100 Helfer für Volkszählung gesucht

Berlin (dpa). Das Amt für Statistik will für den Zensus 2011 rund 6100 freiwillige Helfer anwerben. »Für Berlin benötigen wir 1800 so genannte Interviewer, für Brandenburg 4300«, sagte Ulrike Rockmann vom Amt für Statistik am Freitag in Berlin. Die wichtigste Aufgabe der Interviewer sei es, direkt in den Haushalten die Gespräche mit den Auskunftspflichtigen zu führen.Wer kann Interviewer werden? »...

Zurück zu ARN und RU

Mehr als nur Buchstaben und Zahlen: Viele Autofahrer hängen an ihrem Nummernschild. Die Regionen sehen in eigenständigen Autokennzeichen einen Werbefaktor, auf den sie nicht verzichten wollen.Erfurt (dpa/ND). Thüringer Städte sollen nach dem Willen von Verkehrsminister Christian Carius (CDU) ihre alten Autokennzeichen zurückbekommen. Die Kommunen Mühlhausen, Rudolstadt, Artern, Stadtroda, Bad Lang...

Wilfried Neiße

Polizisten aus der DDR in Namibia

Die brandenburgische Rosa-Luxemburg-Stiftung hat es mit einer Publikation auf die Internetseite der namibischen Botschaft geschafft. Dabei handelt es sich um die Magisterarbeit von Daniel Lange »Auf deutsch-deutscher UN-Patrouille«, die sich mit der polizeiliche Beobachtereinheit der DDR in Namibia 1989 und 1990 befasst. Die Arbeit wurde jetzt bei einem Empfang der Luxemburg-Stiftung mit einem För...

Unterelbe steigt und steigt

Das Hochwasser an der Elbe steigt bedrohlich. Am Samstag soll es in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern seinen Höchststand erreichen. Bis sich die Lage danach entspannt, wird es nach Ansicht von Experten dauern.

Rainer Kreuzer, Hamburg

Öko-Asphalt auf Hamburgs Straßen

In Hamburg hat die Ökologie nun auch Einzug in den Straßenbau gefunden. Wenn nach wochenlangem Schnee und Frost die zahlreichen Schlaglöcher in den Straßen ausgebessert werden müssen, könnten Erdölverbrauch und Kosten künftig drastisch gesenkt werden: Die Stadt Hamburg hat bundesweit erstmals eine öffentliche Straße nahezu vollständig mit Recycling-Asphalt saniert.

Seite 17
Wessen Straße ist die Straße?
ndPlusIngrid Pietrzynski

Wessen Straße ist die Straße?

Straßennamen nach Personen sind Teil der dominierenden Erinnerungskultur. In deutschen Landen besitzen sie eine gewisse Halbwertzeit. Das Ansehen solcher Personen wechselte oft mit den politischen Systemen. Dabei waren und sind die Deutschen Meister in der Ideologisierung des Erinnerns, gerade bei Orten im öffentlichen Raum. Eine Neu-Benennung nach Ernst Busch ist momentan wohl eine Einmaligkeit im gesamten Bundesgebiet. Gibt es eigentlich noch Busch-Erinnerungsorte auf dem Gebiet der ehemalige...

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Neue Wohnhäuser aus alten Trümmern
ndPlusHans-Gerd Öfinger

Neue Wohnhäuser aus alten Trümmern

Eigentlich ist er jetzt in einem Alter, in dem sich die meisten Menschen allmählich zur Ruhe setzen oder zumindest einen niedrigeren Gang einlegen und sich aus der Alltagshektik ausklinken. Doch der 67-jährige Schwabe Franz Groll aus dem rund 40 Kilometer westlich von Stuttgart gelegenen Gechingen hat es sich in seinem Leben noch nie bequem gemacht. Seit Oktober ist Groll wieder als Entwicklungshelfer in der Stadt Léogâne, 35 Kilometer westlich von Haitis Hauptstadt Port-au-Prince, tätig. Dort ...

Seite 19
Für die nötige Infrastruktur selbst gesorgt
Gabriel Kuhn

Für die nötige Infrastruktur selbst gesorgt

In Ninth Ward, einem traditionell von Afroamerikanern bewohnten Stadtviertel von New Orleans, steht inmitten von Brachland ein doppelstöckiges, blau gestrichenes Haus, welches das Büro einer der unkonventionellsten Hilfsorganisationen der USA beherbergt: Common Ground Relief, das heißt in etwa »Hilfe auf gemeinsamer Grundlage«. Wenige Tage nach den vom Hurrikan Katrina im August 2005 verursachten Überschwemmungen wurde die Selbsthilfeinitiative gegründet. Heute liegt der Fokus der Organisation ...

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Wege
ndPlusBernd Zeller

Wege

In den Talks gewinnt das Thema Raum, welche Wege zum Kommunismus führen und wann sie beschritten werden. Grund für die Sende- und Druckplätze ist das Interesse der Öffentlichkeit, auf das diese Angelegenheit stößt. Da sich die dialektischen Gesetze nicht abwählen lassen, kann man davon ausgehen, dass die Menschheit den größten Teil ihrer Restlaufzeit in einer klassenlosen Gesellschaft verbringen w...

Die Erlösung der Welt

Die Erlösung der Welt

Unsere Psyche ist konstruiert wie eine mehrstufige Rakete. In der Kindheit zünden wir die erste Stufe, welche uns hilft, der Trägheit der Erdanziehung zu entrinnen. In wenigen Jahren verwandelt sich ein hilflos zappelnder Winzling in ein ausdrucksstarkes, bewegliches Wesen, das voller Leidenschaft um seine Macht in der Familie ringt, gegen Geschwister und Eltern kämpft, das spricht und schreit und...

Seite 21
Gesellschaft und Gemeinschaft
ndPlusErhard Crome

Gesellschaft und Gemeinschaft

Eines der sozialtheoretischen Probleme, die bei Marx und Engels nicht hinreichend ausgearbeitet wurden, ist die Unterscheidung von Gemeinschaft und Gesellschaft. In den Sozialwissenschaften geht diese auf Ferdinand Tönnies zurück. Tönnies ging davon aus, dass die bisherige wissenschaftliche Terminologie beide Begriffe nach Belieben zu verwechseln pflegt. Unter Verweis zunächst auf den umgangssprac...

Seite 22
Johnny Norden

»In der Welt regieren die Reichen oder regieren die Armen«

Am Sonntag, dem 22. Januar 2006, legte Evo Morales vor dem Parla-mentsgebäude in La Paz den Amtseid auf die Verfassung ab. Einen Monat vorher hatte er mit der absoluten Mehrheit von 54 Prozent der Stimmen die Präsidentenwahl gewonnen. Nun hielt er vor den geladenen Staatschefs der Welt eine kurze Ansprache. Morales sprach stockend, verhaspelte sich zweimal. Man merkte dem 46-Jährigen an, dass er derartige protokollarische Verpflichtungen nicht gewohnt ist, und auch nicht mag. Wenig später gab d...

Seite 23

WOCHEN-CHRONIK

22. Januar 1946: Mit der Eröffnung des Information Centers in Stuttgart beginnt die Entnazifizierung in der US-Besatzungszone Deutschlands. 25. Januar 1906: In Kiel läuft das erste deutsche Unterseeboot »U 1« vom Stapel. 25. Januar 1981: In China werden gegen die »Viererbande« um Mao-Witwe Jiang Quing die Todesurteile verkündet; 1983 werden Jiang Quing und der ehemalige Premier Zhang Chunqiao zu F...

K-Fragen

Viel zu sehr auf den Kommunismus eingeengt, findet Heinz Vietze die derzeit heiß umstrittene K-Frage. Der Vorsitzende des Vorstandes der Rosa Luxemburg Stiftung Berlin möchte sie ausgedehnt wissen: ad eins auf den Kapitalismus; zu reden sei über dessen »progressiven Ergebnisse wie Rechtstaatlichkeit und Innovationskraft«, aber auch dessen »kritische Seiten wie Kapitalmacht und Entfremdung«. Ad zwe...

Harald Neuber

Ein Schlächter unter Schlapphüten

Der Weg zur Wahrheit über Klaus Barbies Verbindungen zu westlichen Geheimdiensten nach 1945 war lang, steinig und führte über die höchsten deutschen Gerichte. Über Monate hinweg versuchten die deutsch-argentinische Journalistin Gaby Weber und der Mainzer Historiker Peter Hammerschmidt an die Akten des BND über Barbie zu gelangen. Doch die Bundesregierung stellte sich quer. Das Bundeskanzleramt ver...

Fußabdrücke einer Nation
ndPlusMartin Meier

Fußabdrücke einer Nation

Ich laufe über das Pflaster einer unbefahrenen Straße, stelle mir vor, ihre Oberfläche verkörpere die Zeit. Es gibt keine Gegenwart, nur Vergangenheit und Zukunft. Während mein Schritt ausholt, lasse ich die Vergangenheit hinter mir. Dass mein Fuß jene Stellen berührt, die er berührt, ist dem Zufall geschuldet. Er hätte auch zehn Zentimeter nach rechts versetzt erfolgen können. Die Fläche hinter m...

Seite 24

Fusion in Berlin

Der Berliner Aufbau Verlag und der Frankfurter Eichborn Verlag wollen fusionieren. Aufbau-Eigentümer Matthias Koch und Eichborn-Hauptaktionär Ludwig Fresenius unterzeichneten am Freitag in Berlin eine entsprechende Absichtserklärung. Eichborn soll nach Berlin in die künftige Aufbau-Zentrale ziehen. Damit ginge nach Suhrkamp ein weiterer Verlag von Frankfurt in die Hauptstadt. Ziel sei es, ein Unte...

PLATTENBAU
Franz X.A. Zipperer

PLATTENBAU

Island ist als Heimat musikalischer Geheimtipps durchaus kein weißer Fleck auf der Landkarte. Man denke nur an Björk und ihre »Enkel«, etwa Sigur Rós, Òlafur Arnalds oder Gus Gus. Jetzt macht sich das Label Kimi Records auf, das Eiland zu verlassen und mit den »Urenkeln« international für Aufsehen zu sorgen. Das Flagschiff, das dabei in See sticht, ist unzweifelhaft Hjaltalín mit ihrer Veröffentli...

Gert Voss, Harald Schmidt: Lust und Leben und die Liste
Hans-Dieter Schütt

Gert Voss, Harald Schmidt: Lust und Leben und die Liste

In wenigen Wochen, zum 80. Geburtstag des 1989 verstorbenen österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard, wird der Schauspieler Gert Voss in Wien auf der Bühne stehen, im Stück: »Einfach kompliziert«, Regie: Claus Peymann. Dann wird die Aufführung ans Berliner Ensemble kommen. Dort hatte am Donnerstag ein neunzigminütiger Gesprächsfilm Premiere. »Scheitern, scheitern, besser scheitern«, Voss im Erzählrausch mit Harald Schmidt – eine Idee von André Heller, in dessen Haus, am Küchentisch, das...

Seite 25
Biest in uns

Biest in uns

Der Tod einer Idee macht melancholisch. Zehn Jahre rang Filmregisseur Ridley Scott um den fünften Teil des »Alien«-Zyklus. Nun ist es unweigerlich: keine Fortsetzung.Im Jahre 1979 tauchte die kühle, sehnige, kantige Frau, Comander Ripley, erstmalig auf. Und jagte vier Filme lang jenes unheimliche Wesen aus einer anderen Welt, welches das Raumschiff »Nostromo« (Hommage an Joseph Conrad) in eine Höl...

Roberto Becker

Gaffer vor dem Fenster

Anscheinend darf Puccinis »Tosca« auf dem Opernspielplan nicht fehlen. Seit ihrer Uraufführung am Beginn des vorigen Jahrhunderts herrscht in dieser Frage ein übergreifendes Einverständnis zwischen Intendanten, Künstlern und Publikum. Leidenschaftliche Liebe (auch zur Freiheit), ein veritabler Erzschurke (hauptberuflich Unterdrücker und aus Neigung auch noch potenzieller Vergewaltiger), eine Porti...

Erik Baron

Die Brücke der Töne

Rita Kuczynski, Jahrgang 1944, wuchs im geteilten Nachkriegs-Berlin auf. Der Riss ging quer durch die Familie, ein Riß, der 1961 durch die Mauer manifestiert wurde. Einen Großteil der Zeit verbrachte sie bei der Großmutter in Westberlin, ging dort zur Musikschule, wurde westsozialisiert, während ihre Eltern im Osten Berlin lebten. Sie pendelte zwischen den Welten, bis sie an einem Wochenende im Au...

Seite 26

Grüne Männchen, rote Beulen

»Ein Männlein steht im Walde, ganz grün und dumm. Es hat vor lauter Protest eine Steinschleuder um.« So beginnt nach der Melodie eines bekannten Kinderliedes ein Video auf der Homepage der CSU. Vor giftgrünem Hintergrund ist ein Strichmännchen mit einer Steinschleuder zu sehen. »Wir zeigen, wie es hinter der Fassade der Grünen ausschaut«, bewirbt die CSU den 30-Sekunden-Clip. Im Superwahljahr 2011...

Patent auf Leben

Es ist ein Vorgang, wie er täglich auf der Welt geschieht: Der Wind weht Pflanzensamen auf ein Feld, der Samen geht auf, eine Pflanze wächst. Doch in der modernen Landwirtschaft ist Samen nicht gleich Samen. Für die Großindustrie ist das in erster Linie ein Geschäft. Das bekam auch der kanadische Getreidefarmer Percy Schmeiser zu spüren, der von dem Chemieriesen Monsanto für die angeblich widerrec...

Heiko Hilker

Kerners teure Guttenbergshow

Kerners Sat.1-Talkshow mit Verteidigungsminister Karl-Theodor von Guttenberg in Afghanistan war keine spontane Aktion – und sie kostet den Steuerzahler Geld. Dies geht aus der Antwort auf Anfragen des grünen Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele sowie seines Kollegen Ulrich Maurer (Linkspartei) hervor.Das Verteidigungsministerium teilte laut Deutschlandradio auf Ströbeles Anfrage mi...

ndPlusAnne Roth

Aktuelle Netzkritik

Die deutsche Blogosphäre vermittelt gelegentlich den Eindruck, sie habe das Netz erfunden und sei überhaupt das Zentrum der Welt. Wer sich eines Besseren belehren lassen möchte und die Theorie nicht scheut, kann jetzt bei Geert Lovink und Pit Schultz nachlesen, was vorher war. Das Institute of Network Cultures hat in der Reine »Theory on Demand« das Print-on-Demand-Heft »Jugendjahre der Netzkritik...

ndPlusMichael Schulze von Glaßer

Splitternde Schädelknochen

Als Anfang November letzten Jahres mit dem Videospiel »Black Ops« der siebte Teil der beliebten First-Person-Shooter-Serie »Call of Duty« erschien, versetzte das die Wächter des deutschen Jugendmedienschutzs in höchste Alarmbereitschaft. Doch ein Blick auf die Entwicklung in diesem Spielebereich lässt bezweifeln, dass dieser überhaupt noch zeitgemäß ist. US-Spielehersteller Activision verspricht, ...

Seite 27
Streitfrage: Braucht Euro-Land eine Wirtschaftsregierung?

Streitfrage: Braucht Euro-Land eine Wirtschaftsregierung?

2010 war für die Europäische Union ein Krisen-Jahr: Griechenland und Irland steckten tief in der Rezension. Das Staatsdefizit in Irland war so gewaltig, dass das Land unter den 750-Milliarden-Rettungsschirm der EU kriechen musste. Der Schirm soll nach Vorstellungen der EU-Kommission und einiger Staaten noch aufgestockt werden. Auch die Gemeinschaftswährung der Union, der Euro, war im vergangenen Jahr mächtig auf Talfahrt.

Seite 28
»Stardust« nähert sich Kometen

»Stardust« nähert sich Kometen

Die NASA-Sonde »Stardust« soll sich in der Nacht vom 14. auf den 15. Februar dem Kometen »Tempel 1« bis auf rund 200 Kilometer nähern. Klappt alles, wird sie beim Vorbeiflug nach Angaben der US-Weltraumbehörde 72 hochauflösende Fotos schießen und es so erstmals möglich machen, Veränderungen auf einer Kometenoberfläche zu dokumentieren. »Stardust« knüpft damit an eine frühere Mission der Sonde »Dee...

Amöben mit Ackerbau

London (dpa/ND). Bestimmte Amöben betreiben eine primitive Form von Ackerbau: Die Schleimpilze der Art Dictyostelium discoideum sammeln Bakterien und bewahren sie auf, um sie dann an einem anderen Ort wieder »auszusäen«. So bringen sie ihre Lieblingsnahrung vermutlich in einen neuen Lebensraum mit, schreiben US-Forscher im Fachjournal »Nature« (Bd. 469, S. 393). Von einigen Insekten wie Ameisen un...

»Gelman eggs« – die Rache
Reinhard Renneberg, Hongkong

»Gelman eggs« – die Rache

Jeden Samstag gehe ich auf meinen Markt in Hongkong und decke den wöchentlichen Bedarf an Gemüse, Obst, Fisch und Fleisch. Dort begegne ich regelmäßig Mr. Wong, dem Eiermann. Auch Sie kennen ihn schon seit einer Biolumne im Dezember 2006. Mr. Wong hat Sorgen, große Sorgen. Seine Spezialität waren bisher teure »Gelman eggs«. Er hatte dazu extra ein Schild gemalt. (Zur Erklärung: Der Cartoon spielt ...

ndPlusMartin Koch

Biologie am Scheideweg

Im Jahr 1880 schrieb der englische Physiker Henry Faulds einen Brief an Charles Darwin. Darin äußerte er die Vermutung, dass die winzigen Rillenmuster auf den Fingerkuppen von Mensch zu Mensch verschieden seien und sich ein Leben lang nicht veränderten. Darwin erzählte davon sogleich seinem Vetter Francis Galton, der daraufhin das erste brauchbare Klassifizierungssystem für Fingerabdrücke entwicke...

Seite 29
Starke Nerven
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Starke Nerven

Armageddon (nach einer biblischen finalen Entscheidungsschlacht) nennt sich eine besonders spannende Turnierendspielform: Die Finalisten spielen drei Blitzpartien. Weiß hat sechs Minuten Bedenkzeit pro Partie, Schwarz nur fünf; der Spieler, der zwei Partien mit Weiß spielt, hat also einen zeitlichen Vorteil. Dafür jedoch reichen dem Spieler, der zwei Mal mit Schwarz zieht, bereits drei Remis, zum ...

Freund mit Fehlern
ndPlusUdo Bartsch

Freund mit Fehlern

Leider ist sie noch weitgehend unbekannt und ihr Werk schmal: Maria Parr, 29-jährige Norwegerin, legte mit ihrem Erstling »Waffelherzen an der Angel« (2008 in Deutsch) eines der besten Kinderbücher der Saison vor. Und mit »Sommersprossen auf den Knien« gelingt ihr nun noch eine Steigerung, obwohl auf den ersten Blick gar nicht so viel anders zu sein scheint: Auch dieser Roman spielt in abgelegener...

Wissen, punkten, gewinnen!

An vier Wochenenden hintereinander stellen wir jeweils drei Fragen. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im ND gesammelt. Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird gelost. Lösungen der jeweiligen Wochenendrunde bis Donnerstag an: zeitgenuss@nd-online.de oder Fax: (0...

Buchfink und Raupen machen sich rar
Prof. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe

Buchfink und Raupen machen sich rar

Die Tierwelt des Gartens verarmt. Manches dabei bleibt zwar unbeachtet, und es ist im Detail auch schwer nachweisbar. Doch zahlreiche Indizien sprechen dafür, dass der Eindruck der Verarmung nicht täuscht. Der Buchfink (Foto: Michael Maggs/CC-by-sa-2.5) ist längst aus unserem Siedlungsgebiet verschwunden. Ebenso der Girlitz, der regelmäßig auf der Fernsehantenne sang. Abschreiben muss man wohl auc...

»Raus aus dem Trott, und schön laut werden«

»Raus aus dem Trott, und schön laut werden«

Den Hamburger Friseurmeister Jan Helmers (60) konnten ob seines Bürgerengagements und seiner Couragiertheit bisher weder Sanierungsplan noch Heuschreckeninvestor aus dem historischen Gängeviertel vertreiben (ND berichtete). Nun hat der rebellische Coiffeur auch noch eine Rockband auf die Beine gestellt. Das Besondere an »LOUD.« ist die Generationsspannweite: Neben Helmers und dem Bassisten Jørn Haugen (55), im norwegischen Tromsø geboren, stehen in der bis zu sechsköpfigen Formation auch der 22-jährige Leadsänger Victor Leschinski sowie die Back-up-Vokalistin Julia Lüken, ebenfalls deutlich unter 30.

Seite 30
Heidi Diehl

Der mit den Hunden zieht

»Gebt mir Winter, gebt mir Hunde – den Rest könnt ihr behalten.« Diesen Ausspruch des grönländisch-dänischen Polarforschers und Ethnologen Knud Rasmussen stellte der Autor und Fotograf Markus Lanz seinem Buch »Grönland – meine Reisen ans Ende der Welt« voran. Man muss nicht mal intensiv darin lesen, um festzustellen: Genau das ist für einen Teil seines Lebens auch das Lebensmotto des A...

Wo Lola rennt und Lenin fliegt
ndPlusStephan Brünjes

Wo Lola rennt und Lenin fliegt

Lola rennt in Charlottenburg, kurz darauf schon Unter den Linden, sie sprintet über die Oberbaumbrücke in Kreuzberg, dann wetzt der Rotschopf durch Berlins Tiergarten. Alles in 20 Minuten. Denn nur so lange hat Lola alias Franka Potente im Film Zeit, 100 000 Mark für ihren Freund Manni zu besorgen, die dieser seinem Hehler schuldet. »Unmöglich, diese Rennstrecke zu schaffen«, sagt Arne Krasting, d...

Seite 31
Heidi Diehl

Geschafft!

Diesmal muss es sein! Bislang habe ich stets einen großen Bogen um sie gemacht. Doch wenn du schon im Herzen Bayerns bist und dann noch in einem urigen Brauhaus, mach ich mir Mut, dann probierst du endlich eine Weißwurst. Schon die Farbe, bei deren Anblick mir wenig Appettitliches einfällt, ließ mich bisher davor zurückschrecken. Und bei der Vorstellung, dass in Hörweite jemand so ein Teil geräusc...

Bayerische Tapas und Teatime im siebten Himmel
ndPlusHeidi Diehl

Bayerische Tapas und Teatime im siebten Himmel

Das ist nun wirklich nicht fair. Weder ein riesiges Plakat: »Grüß Gott im Genießerland« noch der winzigste Hinweis auf das nächstgelegene Brauhaus fällt uns als erstes am Tegernsee auf, sondern die Tafel am Kramer-Ladl von Rottach-Egern mit dem Spruch: »Das Schöne im Leben hat meistens einen Haken – ist entweder unmoralisch, illegal oder es macht dick.« Sei's drum, es wird ignoriert, zuminde...

Seite 32
... schreibe ich deinen Namen

... schreibe ich deinen Namen

Auf die Hefte meiner Schulzeit. Auf mein Pult und an die Bäume. In den Sand in den Schnee. Auf alle gelesenen Seiten. Auf alle leeren Seiten. Stein Blut Papier oder Asche. Auf die goldenen Bilder. Auf die Waffen der Krieger. Auf die Krone der Könige. In die Dschungel und die Wüste. Auf die Nester auf den Ginster. Auf das Echo meiner Kindheit. Auf die Herrlichkeit der Nächte. Auf das weiße Brot der Tage. Auf die verlobten Jahreszeiten. Auf alle meine Fetzen Himmelblau.SCHREIBE ICH DEINEN NAMENIn ...