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Unten links

Litauen hat ein Parfüm mit Landesduft entwickelt. 1000 Flacons mit dem Geruch von Sandel- und Zedernholz, Wiesenblumen und dem Hauch einstiger heidnischer Holzfeuer wurden an Botschaften in Vilnius verschenkt. Eine betörende Werbeidee! Und es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis auch spanische Olivenhaine und texanische Ölquellen aus kleinen Glasflaschen müffeln. Außenminister brauchen bald ein...

Keine Partner für den Frieden

Keine Partner für den Frieden

Wolfgang Ischinger ist beleidigt: Ein »Kriegstreiber« sei er nicht, sondern wolle dieses Wochenende den 350 TeilnehmerInnen der Münchner Sicherheitskonferenz »ein Forum zur intensiven Diskussion der aktuellen und zukünftigen sicherheitspolitischen Herausforderungen« bieten. Allerdings geht es dort nicht um gerechtere Strukturen in der globalisierten Welt, die Unterstützung von Basisbewegungen gege...

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Berlin stoppte Waffenexporte an Kairo

Berlin (ND). In Anbetracht des brutalen Vorgehens des Mubarak-Regimes gegenüber der Demokratiebewegung hat die Friedensorganisation IPPNW von der deutschen Bundesregierung einen sofortigen Stopp der Waffenlieferungen an Ägypten gefordert. »Appelle der Bundeskanzlerin bleiben unglaubwürdig, solange sie nicht von konkreten Maßnahmen für ein Ende des Blutvergießens und der Unterdrückung in dem nordaf...

Martin Lejeune

Syrer haben »noch nicht so viel Mut«

Auch Syriens Opposition würde gerne an die Protestbewegungen in Tunesien und Ägypten anknüpfen. Ein Aufruf zum »Tag des Zorns« fand am Freitag jedoch wenig Resonanz.

ndPlusRené Heilig

Eleganter Aussagen-Beschaffer

Laut »New York Times« arbeitet die USA-Regierung mit ägyptischen Regierungsvertretern an einem Plan, Präsident Husni Mubarak nun doch rasch abzulösen. Vizepräsident Omar Suleiman (75) soll eine Übergangsregierung unter Beteiligung der Opposition führen. Vom Folterer zum Demokraten – in nur wenigen Tagen? Der ehemalige USA-Botschafter in Kairo, Edward S. Walker, hält General Suleiman für »int...

Die USA haben auch den Schah zu lange unterstützt

Die USA haben auch den Schah zu lange unterstützt

ND: Seit Donnerstagabend gibt es Berichte, wonach die USA-Regierung mit ägyptischen Offiziellen, die nicht näher genannt werden, über die Absetzung Mubaraks spricht. Was ist davon zu halten? Abrahamian: Da die »New York Times« darüber berichtet, muss es ihr vom Weißen Haus gesteckt worden sein. Was das Ziel dieses »Leaks« ist, darüber kann man nur spekulieren. Falls Mubarak aber tatsächlich auf Dr...

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Das Militär hat sich aus der Drecksarbeit herausgehalten

Das Militär hat sich aus der Drecksarbeit herausgehalten

Nach eigenen Angaben stehen in den Streitkräften Ägyptens derzeit 450 000 Soldaten unter Waffen. Im Machtkampf zwischen Präsident Husni Mubarak und den ihm ergebenen Teilen des Machtapparates auf der einen und den Demonstranten auf der anderen Seite gilt die Armee als der entscheidende Faktor. Darüber sprach mit Prof. Dr. Eckehard Schulz vom Orientalischen Institut der Universität Leipzig Roland Etzel.

Karin Leukefeld, Kairo

Vom Golfclub in Zamalek zum umkämpften Tahrir-Platz

Während sich auf Kairos zentralen Plätzen auch gestern wieder Menschen zum Protest versammelten, scheint das Leben in nur wenige Kilometer entfernten Clubs der Begüterten davon unbeeindruckt zu bleiben.

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Theologen fordern Reform

Bonn (AFP/ND).Katholische Theologen haben die Kirche in einem am Freitag veröffentlichten Memorandum zu tiefgreifenden Reformen aufgefordert. »Wir sehen uns in der Verantwortung, zu einem echten Neuanfang beizutragen: 2011 muss ein Jahr des Aufbruchs für die Kirche werden«, heißt es in dem Memorandum, das bereits von mehr als 150 Professoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unterzeichne...

ndPlusFabian Lambeck

Kompromisse dringend gesucht

Die Hartz-IV-Reform sorgt weiterhin für Chaos. Während Bundesarbeitsministerin von der Leyen am Sonntag ein Kompromiss-Modell für die Zeitarbeit präsentieren will, gibt es beim Bildungspaket neuen Ärger. Und auch die Regelsätze bleiben umstritten.

Barbara Martin, Stuttgart

Die LINKE darf nicht auf die Schulbank

Die Landtagswahlumfragen sehen im Moment gut aus für die Südwest-Linkspartei: Schwarz-Gelb und Grün-Rot mit 45 Prozent gleichauf, die LINKE mit fünf Prozent Zünglein an der Waage. Der Wahlkampfwind bläst der Partei allerdings ins Gesicht: Bei Podiumsdiskussionen in Schulen soll sie ausgesperrt bleiben. Dagegen will die LINKE nun klagen.

ndPlusRené Heilig

Mitgliederbeiträge verlieren an Bedeutung

Die Gesamteinnahmen der im Bundestag vertretenen Parteien sind 2008 im Vergleich zum Vorjahr teilweise deutlich gestiegen. Dies geht aus den »Kurzübersichten über die Einnahmen, Ausgaben und Vermögensverhältnisse der Parteien in den Rechnungsjahren 1999 bis 2008« hervor, die Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) veröffentlicht hat.

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Flüchtlinge: 87 000 werden »geduldet«

Berlin (epd/ND). Ende 2010 lebten in Deutschland rund 87 000 Menschen mit einer Duldung. Mehr als 53 000 von ihnen befanden sich bereits seit mindestens sechs Jahren im Land, so die Bundesregierung am Freitag auf eine Anfrage der Linksfraktion – bei den sechs- bis 16-jährigen über 75 Prozent. Die Innenexpertin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, kritisierte jegliche Abschiebungen solcher Kinder ...

Einkaufen zu Preisen von 2004
ndPlusPaul Alexander

Einkaufen zu Preisen von 2004

Auf 370 Millionen Euro will der Bund zugusten der Alteigentümer verzichten, damit diese Boden zu Preisen von 2004 kaufen dürfen. Das Gesetz ist diese Woche im Bundesrat.

»Agnes« wird jetzt zur Fallmanagerin

»Agnes« wird jetzt zur Fallmanagerin

Nach ersten Berufsjahren bei den AOK in Ennepe-Ruhr und Brandenburg wurde der Krankenkassenfachwirt Frank Michalak (Jahrgang 1956) 2006 AOK-Vorstandsvorsitzender in Brandenburg, 2010 in Berlin-Brandenburg und 2011 in der mit Mecklenburg-Vorpommern fusionierten AOK Nordost. Frank Michalak arbeitet als eherenamtlicher Richter am Bundessozialgericht. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und immer noch Zeit, als Übungsleiter mit Jugendlichen auf dem Fußballplatz zu stehen. Mit dem leidenschaftlichem Sportfan sprach Silvia Ottow über die Situation der Krankenkassen, Zusatzbeiträge und die Visionen der AOK Nordost.

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Von Porto Alegre nach Dakar

Die Brasilianer und ihre Visionen. So richtig ernst nahm im Mai 2000 im Berliner Mehringhof keiner der deutschen Internationalisten die Ankündigung von Antonio Martins: »Wir planen zum Beispiel für Ende Januar 2001 ein großes, globales Treffen in Porto Alegre, sozusagen ein Alternativ-Treffen zum Weltwirtschaftsforum in Davos«, ließ der brasilianische Attac-Mitbegründer im ND-Interview verlauten. ...

Die »Latinos« prägen die Szenerie
ndPlusGerhard Dilger, Porto Alegre

Die »Latinos« prägen die Szenerie

Vor zehn Jahren war es soweit: Gut 15 000 Teilnehmer aus 120 Ländern kamen Ende Januar 2001 zum ersten Weltsozialforum (WSF) ins sommerliche Südbrasilien.

Afrika freut sich auf das Weltsozialforum
Odile Jolys, Dakar

Afrika freut sich auf das Weltsozialforum

Ab Sonntag wollen die Teilnehmer am Weltsozialforum in Dakar fünf Tage lang über Kritik am Kapitalismus, ein gerechteres Weltwirtschaftssystem, kriegerische Konflikte, Migration und die Rolle der Religionen diskutieren. Dabei wird es auch um die Situation in Tunesien und Ägypten gehen.

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Attentäter identifiziert?

Moskau (dpa/ND). Der Anschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo ist nach Angaben russischer Medien von einem Studenten aus der Teilrepublik Inguschetien im Nordkaukasus verübt worden. Vor dem Attentat am 24. Januar mit 37 Toten habe sich der 20-Jährige mit Drogen geradezu »vollgepumpt«, berichtete die Moskauer Presse am Freitag. Gerichtsmediziner hätten den Selbstmordattentäter anhand einer DN...

Islamist muss neun Jahre in Haft

Aarhus (dpa/ND). Für den mit Axt und Messer verübten Angriff auf den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard muss der verurteilte Täter aus Somalia für neun Jahre ins Gefängnis. Neben der Haftstrafe für den 29-Jährigen verfügte das zuständige Gericht in Aarhus am Freitag auch seine anschließende Ausweisung aus Dänemark.Der radikale Islamist war am Neujahrstag 2010 in Westergaards Haus a...

Warnung vor Revolten wegen Hunger

Rom (AFP/ND). Die UNO und Frankreich haben vor Gewalt infolge von Hungersnöten durch hohe Lebensmittelpreise gewarnt. »Es existiert ein reales Risiko von Hungerrevolten«, erklärte Frankreichs Landwirtschaftsminister Bruno LeMaire am Freitag auf einer Pressekonferenz mit der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom. Es sei notwendig, »Notmaßnahmen« und »strukturelle Maßnahmen« ...

Tunesien entschädigt Opfer der Unruhen

Drei Wochen nach dem Sturz des tunesischen Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali hat die Übergangsregierung damit begonnen, die Opfer der vorangegangenen Unruhen und ihre Angehörigen zu entschädigen.

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ndPlusRegina Stötzel

Jobs und Ostereier

Die Logik ist bestechend: Wer nichts mehr findet, der sucht auch nicht mehr. So ist das bei Kindern, wenn sie gegen Ende der Ostereiersuche ein wenig die Lust verlieren. Offiziell ist das so bei Menschen ab 58 Jahren, die Hartz IV beziehen und länger als ein Jahr kein Jobangebot von der Arbeitsagentur erhalten haben. Sie gelten seit 2008 per Gesetz nicht mehr als jobsuchend. Was diese »vorruhestan...

ndPlusMartin Ling

Hungerrevolten

In Ägypten werden die Lebensmittel knapp. Das ist im Augenblick primär der chaotischen Lage im Land geschuldet und nicht den steigenden Lebensmittelpreisen, die 2008 in Ägypten wie in vielen anderen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerika für Hungeraufstände sorgten. Vor einer neuen Welle im gerade begonnenen Jahr warnten nun die Welternährungsorganisation (FAO) und Frankreich gleichermaßen.Pari...

Ina Beyer

Zähe Runde zu erwarten

Bei Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst – egal, ob auf kommunaler oder auf Länderebene – kommt es selten zu schnellen Einigungen. Die öffentlichen Kassen sind offiziell immer knapp, auch wenn in magischen Momenten die Bundeskanzlerin plötzlich mehrstellige Milliardenbeiträge zur Rettung angeschlagener Banken herauszuziehen vermag. Andererseits wird die Krise noch immer gern als T...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Schön fremd

»Wut und Ruhe.« Es sind die beiden Grundsubstanzen jeder Existenz, wenn sie sich denn ausgesetzt weiß in den tosenden Raum, in die jagende Zeit. Das Zerrfeld des Lebens, und: der Stoff im neuen Roman von Ralph Hammerthaler. Was von dieser Prosa bereits vorliegt, überzeugte die Jury des Wettbewerbes um den neuen Stadtschreiber der Stadt Dresden. 90 Bewerbungen. Hammerthaler siegte. Obwohl es gar ni...

Wo ist die weibliche Expertise?

Wo ist die weibliche Expertise?

ND: Der Bundestag hat kürzlich die Enquete-Kommission »Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität« einberufen, die eine Bestandsaufnahme liefern und nachhaltige Perspektiven im Kontext einer sozialen Marktwirtschaft entwickeln soll. Sie haben öffentlich die durchweg männliche Besetzung bei den Experten der Kommision kritisiert. Was sind die Kernpunkte ihrer Kritik? von Egan-Krieger: Es ist es untragbar, ...

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Panne im Atommeiler

Brunsbüttel (dpa/ND). Im wegen Pannen seit 2007 stillgelegten Atomkraftwerk Brunsbüttel in Schleswig-Holstein hat es erneut einen Defekt gegeben. Bei einer Inspektion des Zwischenkühlers sei ein beschädigtes Rohr entdeckt worden, teilte der Betreiberkonzern Vattenfall am Freitag mit. Nach Angaben der Kieler Atomaufsicht hatte die Leckage keine Auswirkungen auf die Reaktoranlage und keine sicherhei...

HRE unter der Lupe

München/Berlin (dpa/ND). Die EU und der Bund ringen weiter um die Zukunft der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE). Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sieht dem »Handelsblatt« (Freitag) zufolge in einem Teil der Auslagerung von giftigen Wertpapieren in eine »Bad Bank« eine unzulässige Beihilfe. Nach Informationen der Zeitung soll es sich dabei um mehr als zehn Milliarden Euro ha...

Ruanda beginnt Börsenhandel mit Bier

Kigali (AFP/ND). In Ruanda ist erstmals ein Unternehmen an die Börse gegangen – die damit ihren Betrieb in der Hauptstadt Kigali aufgenommen hat. Der Verkauf von 25 Prozent der Anteile an der Brauereigruppe Bralirwa sei erfolgreich abgeschlossen, erklärte die Investmentbank Renaissance Capital am Donnerstagabend. »Die Transaktion markiert die formale Eröffnung der Rwanda Stock Exchange (RSE)...

Bewegung bei Lehman Brothers

In das komplexe Insolvenzverfahren der US-Pleitebank Lehman Brothers kommt Bewegung. In Deutschland verhandelt bald der Bundesgerichtshof (BGH) über Entschädigungen.

ndPlusThomas Trares

Ungleichheit in der EU begrenzen

Um künftigen Währungskrisen vorzubeugen, will die Europäische Kommission offenbar die Leistungsbilanzsalden und die Lohnstückkosten der einzelnen Euro-Länder regulieren. Medien berufen sich auf ein Positionspapier der EU-Kommission.

ndPlusKay Wagner, Brüssel

Der Euro soll Europa einen

Keine Überraschungen, aber richtungsweisende Beschlüsse und Vorschläge hat das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs gestern in Brüssel gebracht, bei dem neben dem ursprünglichen Hauptthema Energieversorgung auch über die Zukunft des Euro, die aktuelle Lage in Tunesien und Ägypten sowie Innovation gesprochen wurde.

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Mit Helmut Recknagel in die Spur
Michael Müller

Mit Helmut Recknagel in die Spur

Zum Start des 39. GutsMuths-Rennsteiglaufs am 21. Mai wird »Neues Deutschland« zum achten Mal mit eigener Mannschaft dabei sein. Ehrenkapitän ist diesmal Dr. Helmut Recknagel (73) – Skisprung-Olympiasieger, dreimaliger Gewinner der Vierschanzentournee und DDR-Sportidol.Zum einen sei diese Berufung auch für ihn selbst eine Ehre, da er damit im ND-Team die Reihe von Täve Schur und Gunhild Hoff...

Mitmachen im ND-Team

Was ist das ND-Team? Die ND-Mannschaft ist ein Lauffreundeskreis, der zum Rennsteiglauf Flagge zeigt. Teammitglied wird man, indem man dem ND Name, Adresse, Telefonnummer und Trikotgröße schickt. Die 2011er Trikots werden wieder um die 20 Euro kosten. Für Aktive ist der Kauf keine Pflicht. Man kann sowohl aktives Mitglied werden (egal, auf welcher Lauf- oder Wanderstrecke man startet) als auch för...

Alexander Ludewig

Zweitliga-Derby vor großer Kulisse

Wenn sich heute viele Berliner einen Schal umbinden, hat das weniger mit der Jahreszeit zu tun. Vorhergesagt sind relativ milde Temperaturen um zehn Grad. Vielmehr ist der Griff in den Kleiderschrank eine Glaubensfrage. Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister im rot-roten Senat, wird sich für blau-weiß entscheiden – er ist Mitglied bei Hertha BSC. »Berlin ist rot-weiß«, lautet das andere F...

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457 000 Ausländer aus 190 Staaten

(dpa). Mehr als 457 000 Ausländer aus 190 Staaten sind in Berlin gemeldet. Knapp jeder siebte der offiziell 3,45 Millionen Einwohner der Hauptstadt hat somit einen ausländischen Pass. Die meisten der am Stichtag 31. Dezember 2010 gemeldeten Ausländer kamen aus der Türkei, Polen, Serbien und Italien, teilte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Freitag mit. 104 556 Berliner haben einen türkis...

In den Kulissen
ndPlusBernd Kammer

In den Kulissen

Der Wahlkampf zum Abgeordnetenhaus kann lustig werden. Der der CDU ist es jetzt schon, zumindest in Pankow. Dort kämpft ihr Direktkandidat Conrad Felgner auf Plakaten mit einem Weihnachtsbaum und verspricht, aufzuräumen (Foto: Pachali). Fast zwei Monate nach dem Fest ...? Der CDU ist der zeitliche Nachtrab inzwischen auch aufgefallen, weshalb sie das Plakat dem Volksbegehren für die Offenlegung de...

Fahrgastverband fordert Verzicht auf S-Bahn-Streik

(dpa). Der Berliner Fahrgastverband IGEB hat an Bahnunternehmen und Gewerkschaften appelliert, ihren Tarifkonflikt am Verhandlungstisch zu lösen und es nicht auf einen Arbeitskampf ankommen zu lassen. Hintergrund sind Streikankündigungen der Lokführergewerkschaft GDL, die auch für die krisengeplagte Berliner S-Bahn gelten. »Gewerkschaften haben natürlich das Recht, Forderungen mit Streiks durchzus...

Bilder aus Kairo und Zorn im Herzen
Stefan Otto

Bilder aus Kairo und Zorn im Herzen

Ein Jugendlicher kommt zur Demonstration auf den Adenauerplatz. Er läuft von einer Gruppe zur anderen. Seine braunen Augen sind weit aufgerissen, und er ruft wütend: »Ägypten will Demokratie!« Die Versammelten wiederholen im Chor. »Wir holen sie uns, heute oder nie.« Die blutigen Bilder aus Kairo tragen die Demonstranten auf Plakaten mit sich, sie haben die Toten nicht ausgespart. Der Aufstand ist...

Neun Haftbefehle nach Liebig 14-Ausschreitungen

(dpa/ND-Kröger). Blumensträuße, ein Papiersarg und ein Kreuz liegen in der Nähe des ehemaligen alternativen Wohnprojekts Liebigstraße 14 in Berlin-Friedrichshain in einem Eingang. Rund 60 Menschen kamen am Donnerstagabend erneut zu einer Kundgebung vor das geräumte alternative Wohnprojekt Liebig 14, um ihrer Trauer über die Räumung Ausdruck zu verleihen. Nach zwei Stunden gingen die Protestler nac...

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Jungfernzeugung

Jungfernzeugung

(ND). Nach Vorlage des polnischen Science-Fiction-Films Sexmission (Juliusz Machulski) von 1983 präsentiert das Ballhaus Ost am 11. und 13. Februar eine Zukunftsvision. Was geschieht, wenn Männer als aggressive Fehlleistung der Natur angesehen werden und die Fortpflanzung durch Jungfernzeugung erfolgt? Nach 50 Jahren Dauerfrostung wachen zwei Männer im Morgen in einer Welt auf, in deres nur noch F...

Christa Wolf- Archiv an AdK

(ND). Der Luchterhand Literaturverlag überlässt sein umfangreiches Christa Wolf-Rezensionsarchiv der Akademie der Künste. Die Schenkung beinhalte insgesamt 36 Ordner mit den nahezu vollständigen Original-Rezensionen zu den bei Luchterhand zwischen 1969 und 2004 erschienenen Büchern der Schriftstellerin, teilte AdK am Freitag mit. »Immer mehr Anfragen von Studenten und Wissenschaftlern, die über da...

Zurück zur Traumfabrik

(ND). Überlange Arbeitszeiten, stark verkürzte Produktionszeiten, niedrigere Honorare bis hin zu unvergüteter Arbeit. Um kontinuierlich in ihren Jobs arbeiten zu können, nehmen selbst erfahrene Film- und Fernsehschaffende zunehmend Projekte an, die sie vor harte Bedingungen stellen, urteilt ver.di Berlin-Brandenburg. Diese Arbeitsbedingungen grenzen an Selbstausbeutung. Dagegen sieht der Einzelne ...

»Gute Geschäfte« im Centrum Judaicum

(epd). Unter dem Titel »Gute Geschäfte« beleuchtet ab 10. April eine Ausstellung im Berliner Centrum Judaicum den Kunsthandel in der »Reichshauptstadt« zwischen 1933 und 1945. Anhand der Geschichte von 14 Berliner Kunsthandlungen werde beispielhaft gezeigt, wie die NS-Politik auf eine bis dahin weitgehend unabhängige Branche Einfluss nahm, kündigten die Veranstalter »Aktives Museum« und Stiftung N...

2071 – dicht am Meer wenig Wasser
Lucía Tirado

2071 – dicht am Meer wenig Wasser

Im Jahr 2071 sind Kinder von heute ältere Leute. Was könnte sie erwarten? Ist das Rentensystem bis dahin so »reformiert«, dass die Alten dann bei Wasser und Brot sitzen? Oder nur bei Brot, weil sie nicht flüssig genug sind, sich teures Trinkwasser zu kaufen? Der Satz: »Kindern gehört die Zukunft«, bekommt einen merkwürdigen Beigeschmack. Und die Betroffenen werden nicht gefragt.Auch klimatisch dür...

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Ost- und Westplakate auf Augenhöhe

(ND). Um die bewegten Bilder des Filmes wird traditionell in festen Bildern von Plakaten geworben. Wie dies höchst unterschiedlich geschehen kann, offenbart die Ausstellung »Kampf um Köpfe, Treffer ins Herz«. In DDR und BRD gezeigt, nicht aber in der gleichen Weise beworben wurden Filmklassiker wie »Manche mögen´s heiß«, »West Side Story« oder »Spiel mir das Lied vom Tod«. Im Ratespiel Ost oder We...

Mediziner aus 87 Nationen

Dresden (dpa/ND). Immer mehr Ärzte aus dem Ausland praktizieren in Sachsen. Im vergangenen Jahr waren 1402 Mediziner aus 87 Nationen im Freistaat gemeldet, wie die Landesärztekammer am Freitag in Dresden mitteilte.Im Vergleich zum Jahr 2009 waren das 153 Ärzte mehr. Damit kommen 8,2 Prozent der im Bundesland Sachsen berufstätigen Mediziner aus dem Ausland. Allerdings haben nicht alle eine feste An...

»Eure Sorge fesselt mich«

Ingolstadt (dpa/ND). Feststellen der Bremse am Rollstuhl oder Anlegen von Gurten im Bett – freiheitsentziehende Maßnahmen in der Altenpflege sind traurige Realität. Laut Untersuchungen werden deutschlandweit bis zu zehn Prozent aller Pflegeheimbewohner im Stuhl oder Bett angegurtet. Mit der Kampagne »Eure Sorge fesselt mich« will das bayerische Sozialministerium Alternativen aufzeigen. »Frei...

ndPlusWolfgang Weiß

Ausblicke auf den Frühling

Im Winter verbreiten die Gärten der Welt in Marzahn-Hellersdorf einen ganz besonderen Zauber. Davon konnten sich die Teilnehmer eines Spazierganges überzeugen, zu dem der Verein Freunde der Gärten der Welt eingeladen hatte. Park-Leiterin Beate Reuber informierte kompetent und interessant darüber, was in ihrem Reich in der kalten Jahreszeit geschieht.Die durch Frost und Austrocknen besonders gefähr...

Reimar Paul

VIP-Logen oder Krippenplätze

Das gab es wohl noch nie im deutschen Fußball: Eine Bürgerbefragung entscheidet über den Ausbau eines Stadions.

ndPlusDirk Baas, epd

Gelbe Hand gegen Fremdenhass

Bei der Bekämpfung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland leistet der in Düsseldorf ansässige Verein »Mach' meinen Kumpel nicht an!« einen wichtigen Beitrag. Seit einem Vierteljahrhundert richtet er sich präventiv vor allem an Jugendliche in Ausbildung und Schule.

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Böhmers letzter Landtag

Magdeburg (dpa/ND). Mit viel Applaus wurde Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) am Freitag vom Landtag in den Ruhestand verabschiedet. Der 75-Jährige, der sich wie gewohnt bescheiden gab, war 1990 ins Landesparlament eingezogen. 2002 wurde er Regierungschef.»Auch dann, wenn wir nicht einer Meinung waren, bin ich immer davon ausgegangen, dass jeder für dieses Land das Beste wollt...

Guido Sprügel

Dschihad in der Provinz

Hamburg. Im schleswig-holsteinischen Pinneberg wurde der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde über das Internet mit dem Tode bedroht. Absender sind vermutlich radikale Muslime der Pinneberger Al-Sunnah-Moschee.Pinneberg, eine Kleinstadt vor den Toren Hamburgs, gilt als beschaulicher Ort. Für Wolfgang Seibert, den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, hat dieser Ruf in den letzten Wochen stark gelitte...

ndPlusBernd Kammer

»Zum Glück sind keine Wahlen«

Die Rücktrittsforderung aus den eigenen Reihen gegen den Brandenburger LINKEN-Wirtschaftsminister Ralf Christoffers sind vom Tisch. Am Donnerstagabend zog der Ortsverband Beeskow den Antrag zurück.

ndPlusMartina Rathke, dpa

Peenemünder Haken

Für Industrieansiedlungen wie Offshore-Windparks oder Gaskraftwerke werden an der Küste ökologische Ausgleichsflächen dringend benötigt. Die sind Mangelware. Mit dem Deichrückbau an der Nordspitze der Ostseeinsel Usedom (Mecklenburg-Vorpommern) – dem sogenannten Peenemünder Haken – könnten solche Flächen entstehen. Doch dort gibt es Gegenwehr.

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Eine verdiente Bürgerin
Christina Matte

Eine verdiente Bürgerin

Es kommt nicht oft vor, dass ein Bundespräsident beim traditionellen Neujahresempfang, den er für »verdiente Bürger« ausrichtet, einer 26-Jährigen die Hand schüttelt. In aller Regel stehen auf seiner Gästeliste doch etwas reifere Damen und Herren, die bereits auf ein Lebenswerk im Ehrenamt zurückblicken, für das sie auf Vorschlag ihrer Vereine abschließend gewürdigt werden. Und das ist gut so, das...

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In Bewegung bleiben
Diana Engel

In Bewegung bleiben

Jean-Marce Banoho holt einen Brief aus seiner Jackentasche, Absender: »Familiengericht Berlin-Kreuzberg, Kosteneinziehungsstelle der Justiz«. Er setzt sich an einen der Tische vor der großen Schaufensterscheibe im Infocafé »Der Winkel« und wählt die Nummer der Kosteneinziehungsstelle. Ein Asylbewerber aus Kamerun habe ihn um Hilfe gebeten, weil er Schulden beim Gericht habe, erklärt er. »Ja, guten...

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Zeit des Trommelns und des Zuhörens
Tim Zülch

Zeit des Trommelns und des Zuhörens

Die Dämmerung ist eingebrochen, der Sand auf den Straßen dämpft die Geräusche, kleine Lehmbauten verstecken sich am Straßenrand, als vier Reisebusse in die Kleinstadt Nioro im Norden Malis einfahren. Menschen mit orangefarbenen T-Shirts steigen aus den Bussen. Sie trommeln und tanzen. »Für offene Grenzen« ruft eine auf Französisch, »Für Bewegungsfreiheit« ein anderer. Dann stimmen sie ihr Lied an....

Seite 20
Rituale

Rituale

Der Minister für Verteidigung, Bundeswehr, Marine und kriegsähnliche Einsätze, zu Guttenberg, will alle Streitkräfte auf menschenunwürdige Bräuche und Aufnahmerituale durchleuchten. Dazu will er sich selbst in den Truppen allen Riten unterziehen und persönlich feststellen, welche davon der Menschenwürde zuwiderlaufen und welche als Ausdruck paralleler Kultur zu respektieren sind. Bei den Besuchen ...

Die verruchte Seite des Menschlichen

Die verruchte Seite des Menschlichen

Er war der Sohn eines Ingenieurs, der in seiner Familie eisern auf Disziplin achtete und sich darin gefiel, andere Leute zu kontrollieren. Einmal schickte der Vater seinen Filius los, um Zigaretten zu holen, nur um danach den Ladenbesitzer anzuzeigen, weil dieser Zigaretten an einen Minderjährigen verkauft hatte. Früh erkrankte der von uns Gesuchte an Rachitis und behielt davon eine Wirbelsäulenve...

Unheilvolle Gedächtnisspuren
Walter Schmidt

Unheilvolle Gedächtnisspuren

Schockierende, seelisch schmerzhafte Erlebnisse können Menschen tief verletzen und nachhaltig beeinträchtigen. »Das war echt traumatisch« – wie leicht redet man so, wenn einem Übles widerfahren ist. Doch meist irrt der Volksmund. »Nicht alles Schlimme im Leben führt zu einem seelischen Trauma«, sagt der Mediziner und Psychoanalytiker Günter Seidler, der als Professor für Psychosomatische Med...

Seite 21
Thomas Wagner

Etwas bewegt sich

Einem weit verbreiteten Vorurteil nach melden sich Schriftsteller heute kaum noch zu Wort, wenn es um politische Fragen geht. Aber stimmt das überhaupt? Wer genau hinsieht, statt den kurzlebigen Literaturmoden zu folgen, die im Rhythmus der Buchmessen und Literaturpreis-Verleihungen alljährlich ausgerufen werden, kann die Diagnose nicht bestätigen. 20 Jahre nach dem Mauerfall engagieren sich gerad...

Seite 22
Wer bäckt im Kommunismus das Brot?

Wer bäckt im Kommunismus das Brot?

G.M. TAMAS war in der Ungarischen Volksrepublik über 14 Jahre mit Berufsverbot belegt. Er schrieb für diverse Samisdat-Publikationen und engagierte sich für eine Umgestaltung der Gesellschaft. »Ich schlief nicht viel in jenen Jahren«, sagt der Philosoph, der bis 1994 Abgeordneter im ungarischen Parlament war. Mit dem heutigen Vorsitzenden der Sozialistischen Grünen Ungarns sprach KARLEN VESPER.

Seite 23
ndPlusPeter Porsch

Werner Bramke verstorben

Ein schmerzlicher Verlust an origineller linker Intellektualität und linker praktischer politischer Erfahrung ist hier anzuzeigen. Am 24. Januar ist Werner Bramke verstorben.Der 1938 in Cottbus geborene Historiker war von 1979 bis 1992 Professor für Neueste Geschichte und Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und von 1992 bis 2003 Professor für Neue und Neueste Geschichte an der Leipziger Univ...

»Es war mir in Deutschland zu stille«
ndPlusPeter Nowak

»Es war mir in Deutschland zu stille«

Die weißhaarige Frau hat die Augen geschlossen. Man hat den Eindruck, sie würde schlafen und die Musik gar nicht hören. Doch plötzlich ist sie hellwach, bewegt ihren Kopf im Rhythmus und summt den Text mit. »Roter Wedding« und das »Solidaritätslied« – das sind die Lieder die Dora Dick mit ihren Freunden und Genossen Ende der 20er Jahre gesungen hat.In jungen Jahren hat sie oft ihren Bruder b...

Horst Diere

Der unheilvolle Mythos um Gorch Fock

»Seefahrt ist not« – Das ist der Titel eines Buches, das 1913 erstmalig erschien, in der Folgezeit immer wieder aufgelegt wurde und als das Hauptwerk des niederdeutschen Heimatdichters Johann Kinau gilt, dessen Pseudonym dem wohl bekanntesten deutschen Großsegler und Schulschiff der Marine den Namen gab: Gorch Fock. Die ganze Liebe des auf der Elbinsel Finkenwärder unterhalb Hamburgs als Soh...

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Das Grauen spukt
ndPlusWalter Kaufmann

Das Grauen spukt

Knapp sieben Jahre nachdem George Bush vom Flugzeugträger Abraham Lincoln »das Ende aller Kampfhandlungen im Irak« verkündete, begleitet Nick McDonell, Autor des CIA-Romans »Ein hoher Preis«, als embedded journalist US-Soldaten in Bagdad und Mosul. Sie sollen mit einflussreichen Irakern Kontakt aufnehmen – was ihnen zuwider ist. Kämpfen wollen sie, nicht palavern. Verächtlich nennen sie solc...

Krise, Krug, Krieg

Zum Kleist-Jahr fördert die Kulturstiftung des Bundes eine Reihe von Aufführungen und Ausstellungen über Leben und Werk des Dramatikers mit 2,13 Millionen Euro. Dazu gehören Theaterproduktionen, Ausstellungen und Diskussionsrunden, wie Stiftungs-Direktorin Hortensia Völckers am Freitag in Berlin ankündigte.Am 21. November jährt sich der Todestag von Heinrich von Kleist (1777-1811) zum 200. Mal. Zu...

ndPlusJan Freitag

Feuer und Flamme

Eigentlich ist die teuerste RTL-Produktion aller Zeiten der übliche Katastrophenkrawall über den Absturz der »Hindenburg« (Sendung am 6. und 7. Februar). Es fliegen gleich zu Beginn die Fetzen. Ein Zeppelin in freien Fall, die Insassen in Panik, das erste Großunglück der zivilen Luftfahrt in Zeitlupe.Trotzdem täte man dem Zweiteiler Unrecht, ihn aufs Flammenmeer zu reduzieren. »Hindenburg« hat auc...

Hans-Dieter Schütt

Lob des Sisyphos

Wer Sisyphos lobt, ist dem Glück sehr nahe: der wunderbaren Erkenntnis, dass es dieses Glück als feste Burg nicht gibt, nicht das endgültig erreichbare Ziel, nicht die bestmögliche Welt, die gesichert sanftmütige Gesellschaft.Zu DDR-Zeiten las sich Heinz Kahlau anders, die gleichen Verse, und doch der ganz andere Konsens, den man mitbrachte und in die Lektüre hineinwirkte. »Lob des Sisyphos« hieß ...

Plattenbau

Er verkörperte den Feingeist Thomas Mann ebenso überzeugend wie einen derben russischen Mafia-Boss. Die Wandlungsfähigkeit Armin Mueller-Stahls liegt wohl auch ein bisschen an seiner eigenen bewegten, geradezu filmreifen Lebensgeschichte. Ein Stück davon gibt der Schauspieler, der vor kurzem seinen 80. Geburtstag feierte, nun auf einer Plattenaufnahme preis. Das Album »Es gibt Tage ...« enthält Li...

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Und, und, und, und, und ...

Ein Berliner Sammler und Galerist hat dem Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt am Main den Nachlass des Pop-Art-Vorläufers Peter Roehr geschenkt. Der Frankfurter Künstler hinterließ 1968, als er mit nur 23 Jahren starb, ein umfangreiches Werk, auf das sich später viele Künstler der 1960er und 1970er Jahre bezogen. »Seine rund 600 Arbeiten verfolgen ausnahmslos die Idee der seriellen Wiederh...

Helena, Polly, Medea

Die schwedische Schauspielerin Lena Nyman ist im Alter von 66 Jahren nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Nyman trat am Stockholmer Nationaltheater Dramaten auf, unter anderem als Polly in der »Dreigroschenoper« und als Medea. 1978 spielte sie unter der Regie von Ingmar Bergman an der Seite von Ingrid Bergman und Liv Ullmann die Helena in der Herbstsonate«. Nyman wurde 1967 bekannt durch ihr...

Welt des »Blauen Reiters«

Ein Fest der Farben bei Kandinsky, ein düsteres Albtraum-Kabinett bei Alfred Kubin: Die Ausstellung »Der Blaue Reiter« in der Albertina Wien präsentiert in bisher nie gezeigter Vollständigkeit Arbeiten der Künstlergruppe um Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Franz Marc. Das Lenbachhaus in München hat 150 Blätter nach Wien geschickt, die zusammen mit 100 Arbeiten aus dem Bestand der Albertina e...

Das bleibt der Riss in der Zeit

Das bleibt der Riss in der Zeit

Zürich, Spiegelgasse 1: Hier wurde am 5. Februar 1916 das Cabaret Voltaire eröffnet und der Dadaismus begründet. Von hier aus schwärmte Dada in die Welt. Über Gründung, Geschichte und Gegenwart der Anti-Kunst sprach BURGA KALINOWSKI mit dem Kunsthistoriker und Hüter des Dada-Hauses, ADRIAN NOTZ.

ndPlusSabine Neubert

»Antonäpfel« – welch duftendes Wort

Regen, nichts als Regen. In den Pfützen fault das Laub. Menschen eilen. Gesichter verbergen sich hinter Schirmen. Erste Flocken mischen sich ins Nass. »Es dunkelt, nachts wird es Sturm geben ... Der Himmel senkt sich immer tiefer herab.« Aber noch sind wir nicht bereit, die Schönheit des Herbstes der Vergangenheit anheim und verloren zu geben. Schöner als der Dichter können wir es nicht sagen: »De...

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Wodka und Karaoke

Jewgeni fotografiert Menschen am Strand. Damit und mit seinem Kabel schlägt er sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Jewgeni ist einer der Protagonisten des russischen Dokumentarfilms »Wild, wild Beach«. Alexander Rastorguev und Susanna Baranzhieva zeigen darin eigenwillige Porträts von Menschen am Meer, deren Leben von Wodka, Karaoke und Gewalt bestimmt ist. Der Film lässt tief in die Abgrün...

Altbacken und verstaubt

Das Fernsehprogramm der ARD ist für jüngere Zuschauer wenig attraktiv, altbacken und verstaubt. Jenseits einiger Info-Angebote wie dem Wissenschaftsmagazin »Quarks & Co.« und dem comedy-orientierten Münsteraner »Tatort« sendet das Erste kaum etwas, was den Sehgewohnheiten von Jüngeren entspricht. Auch die Ausstrahlung nach festen Zeiten steht den diesen Gewohnheiten entgegen, die von den digit...

Im Angesicht des Zyklopen

Im Angesicht des Zyklopen

Im Angesichtdes ZyklopenVom Prozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann, der sich derzeit vor Gericht wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung verantworten muss, gibt es keine fotografischen Aufnahmen. Für die Medien ist das Bilderverbot im Gerichtssaal ein Problem. Was wir an Bildmaterial zu sehen bekommen, ist daher immer wieder das gleiche Motiv: Kachelmann hinter der Windschutzscheibe eines...

Rückkehr in die 70er
ndPlusKatharina Dockhorn

Rückkehr in die 70er

»Und diese Biene die heißt Maja« machte Karel Gott 1974 zu einem Hit. Harpe Kerkeling, Bushido und andere Künstler nahmen den zeitlosen Song seitdem auf. Wer ihn für die Neuauflage der beliebten Serie singen wird, entscheidet Patrick Elmendorff, Chef von »Studio 100 Media« in den kommenden Monaten. 78 neue Folgen mit einer Länge von je 11 Minuten hat das ZDF für den KiKa bei der Firma bestellt. Di...

Daniel Leisegang

Verseuchtes Internet

In den klassischen Printmedien ist Werbung für den Verbraucher in der Regel klar als solche erkennbar. Das Label »Anzeige« trennt – bei funktionierender Selbstkontrolle unabhängiger Medien – den käuflichen vom unverkäuflichen Teil der Druckseiten. Daraus folgt auch, dass Schleichwerbung hierzulande grundsätzlich unzulässig ist. Wie aber sieht es im Internet aus? Hier hat sich der komme...

ndPlusJan Freitag

In der Hormonfalle

Wer sich die Medienlandschaft genauer betrachtet, kommt rasch zu dem Schluss: Frauen wollen es offenbar gar nicht anders. Frauen zieht es selten in Führungsetagen, obwohl sie dort messbar ertragreicher führen. Frauen kaufen sogar mit Germanistikdiplom in der Tasche Unmengen textarmer Boulevardblätter. Frauen kieksen, wann immer sie in Fernsehen, Film und Werbung rote Stöckelschuhe sehen, selbst we...

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Streitfrage: Studentenrekord – Wie gut sind die Hochschulen gerüstet?

Streitfrage: Studentenrekord – Wie gut sind die Hochschulen gerüstet?

Der Ansturm auf die Hochschulen ist größer als von Bund und Ländern gedacht. Mit 441 800 Studienanfängern oder 46 Prozent des Jahrgangs haben sich 2010 so viele junge Menschen wie nie für ein Studium entschieden. In den Jahren zuvor waren es stets nur um die 37 Prozent. Für Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist das ein Erfolg des Hochschulpakts, eines Sonderprogramms von Bund und Ländern zur Erhöhung der Studienquote. Für die nächsten fünf Jahre gehen sie von bis zu 275 000 zusätzlichen Studienanfängern im Vergleich zu 2005 aus. Ob das reicht, daran gibt es Zweifel. Schon jetzt ist klar, dass es nach dem überraschenden Aus für die Wehrpflicht weitere zehntausende Studienanfänger werden könnten, die in schon volle Hörsäle und Seminarräume drängen. Schavan sieht die Hochschulen auch für diesen Fall gut gewappnet und verspricht mehr Geld. Alles super also, dank Hochschulpakt?

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Anpassung durch Genvielfalt

Anpassung durch Genvielfalt

Aquarienfreunde schätzen ihn als Fischfutter: den Wasserfloh. Doch der Winzling hat's in sich: Das Genom des wenige Millimeter kleinen Süßwasserkrebses umfasst mindestens 31 000 Gene, wie ein Forscherteam im Fachblatt »Science« (Bd. 331, S. 555) berichtet. Zum Vergleich: Beim Menschen sind es höchstens 20 000. Der Gemeine Wasserfloh, Daphnia pulex, fasziniert Forscher schon lange. Zum einen sind K...

Walter Willems

Der frühe Weg aus Afrika

Die ersten Menschen verließen Afrika offenbar schon vor etwa 125 000 Jahren – und damit rund 60 000 Jahre früher als bislang angenommen. Darauf deuten Steinwerkzeuge hin, die ein internationales Forscherteam auf der Arabischen Halbinsel nahe am Persischen Golf entdeckte.Der moderne Mensch entstand vor etwa 200 000 Jahren in Afrika. Bislang dachte man, dass erste Vertreter des Homo sapiens de...

Kommunismus im Darm
ndPlusReinhard Renneberg, Hongkong

Kommunismus im Darm

Bekommt man etwa einen roten Kopf, wenn man Tomaten isst? Von den Tomaten-Genen? Diese rhetorische Frage stelle ich in meinem Lehrbuch »Biotechnologie für Einsteiger« – um sie zu verneinen. Heute müsste ich wohl anders formulieren.Wir wissen schon lange: Die Mikroben im Darm helfen uns, unverdauliches Pflanzenmaterial (Polysaccharide) abzubauen. Neu ist, dass sie dabei aus der Nahrung Gene a...

Anja Laabs

Medizin nach Maß

»Es gibt kein Medikament ohne Nebenwirkungen. Insofern ist es für die Patientensicherheit sinnvoll, die Wirksamkeit von Medikamenten zur optimieren«, so Alexander Schwerin, Biologe und Wissenschaftshistoriker an der TU Braunschweig und Vorstandsmitglied des Vereins Gen-ethisches Netzwerk. »Die Frage ist, ob und wie die Wirksamkeit optimiert werden kann.« Personalisierte Medizin soll das leisten. K...

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Bisher bester Jahrgang
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Bisher bester Jahrgang

Die globale Ökonomie hat auch Einfluss auf die Schachwelt. Eines der weltstärksten Turniere, das »Corus Schachturnier« von Wijk aan Zee (Holland) heißt nun »Tata Steel Schachturnier«; der Hauptsponsor, die Firma Corus, war von der indischen Stahlgesellschaft »Tata Steel« gekauft worden. Das bereits 73. Turnier mit dem Sieger Hikaru Nakamura (USA; 23) gilt als das bisher stärkste von Wijk aan Zee. ...

Wissen, punkten, gewinnen!

Wissen, punkten, gewinnen!

An vier Wochenenden hintereinander stellen wir jeweils drei Fragen. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im ND gesammelt. Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird gelost. Lösungen der jeweiligen Wochenendrunde bis Donnerstag an: zeitgenuss@nd-online.de oder Fax: (03...

Ein echter Hundewinter

Ein echter Hundewinter

Dessa Dean lebt mit ihrem Vater allein in einem Haus in den Bergen. Die Winter sind hier so schneereich, dass das Mädchen nicht in die Schule gehen kann. Doch auch wenn der Schnee Welt und Wald nicht einhüllen würde, könnte Dessa nicht mit ihren Mitschülern lernen. Denn im letzten Winter musste sie miterleben, wie ihre zuckerkranke Mutter Josi im Wald einen Insulinschock bekam und erfror. Seither ...

Wespen fühlen sich bei Raupen wohl

Wespen fühlen sich bei Raupen wohl

Die meisten Tiere unseres Gartens haben so viele Nachkommen, dass es zur Massenvermehrung und Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen kommen würde – wären da nicht die Gegenspieler. Vögel, Spinnen, und ganze Herden hungriger räuberischer Insekten: Laufkäfer, Marienkäfer, Wanzen, Fliegenlarven ... Im vergangenen Jahr hatte ich an einer Rose vor meinem Fenster vier Gelege einer Blattwespe mit zusamm...

Diese Strategie wird Feministinnen erfreuen
René Gralla

Diese Strategie wird Feministinnen erfreuen

Seltsame Formationen wachsen aus der Ebene, sie erinnern an die Pyramiden von Gizeh. Dazwischen eine Struktur, die anmutet wie ein gigantisches Gesicht, das nach oben schaut: gelassen und mit einem leicht verächtlichen Zug um den Mund. Eine ferne Verwandte der Sphinx? Fantasiebegabte Zeitgenossen hatten sofort zu spekulieren begonnen, als die Raumsonde Viking I vor bald 35 Jahren verblüffende Bild...

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Do you speak Koreanisch?
Heidi Diehl

Do you speak Koreanisch?

So groß wie ein iPhone und eben so ein Wunderteil ist der sprechende Übersetzer EST-7014 von Franklin. Beliebig kann man in 14 Sprachen wechseln, in viele europäische aber auch ins Arabische, Mandarin-Chinesisch, Koreanisch oder Japanisch. Mit Hilfe der 2,5 Millionen Einträge mit 300 000 Stichwörtern und Redewendungen und 42 000 Sätzen dürfte es für niemanden ein Problem werden, sich zu verständig...

A bissle a Händle braucht's scho
ndPlusUlli Traub

A bissle a Händle braucht's scho

Am Ende eines dunklen Tals bei Triberg, wo der Schwarzwald seinen Namen zu Recht trägt, liegt der Hof von Simon Kammerer. Wanderwege führen direkt an den großen Fenstern seiner Werkstatt vorbei. An den Wänden feixende und grimassierende Gesichter sowie eine Vielzahl von Werkzeu-gen. Darf man mal hereinschauen? »Die Maske ist das wichtigste Accessoire unserer Fasnet«, erklärt Kammerer, »über die Zü...

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Übern Kinderhort ins »Paradiesli«
Gabi Kotlenko

Übern Kinderhort ins »Paradiesli«

Nichts ist typischer für den Schweizer Kanton Wallis als ein weithin sichtbarer vermeintlicher »Zwerg«, der scheinbar einsam und unbedrängt inmitten von Viertausendern steht. Das 4478 Meter hohe Matterhorn ist immer präsent, gleich, ob man den Blick von der Bettmeralp oder der Hannigalp schweifen lässt. Hier oben auf der Hannigalp, dem Skigebiet von Grächen, soll es wirklich noch das Paradies gebe...

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