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Unten links

Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie mal war, nämlich: unberechenbar. An Warenterminbörsen haben deutsche Bauern schon jetzt einen Gutteil ihrer Weizenernte verkauft, die im kommenden Spätsommer eingefahren werden soll. »Future-Handel« wird solcherlei Geschäft von Eingeweihten genannt. Die ökonomische Fakultät der Hogwarts-Schule für Zauberei und Hexerei (Rektor: die unsichtbare Hand) hat ...

Bundesrat bestellt neue Karten im Hartz-IV-Poker

Die Hartz-IV-Reform, die seit Wochen im Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag stecken geblieben ist, soll nun einen neuen Anstoß erhalten. Die Ablehnung in der Länderkammer blieb ihr damit erspart.

Mubarak geht endgültig baden

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak ist am Freitag unter dem Druck der Massenproteste zurückgetreten. Das teilte Vizepräsident Omar Suleiman in Kairo mit. Mubarak war am Nachmittag mit seiner Familie in den Badeort Scharm el Scheich am Roten Meer geflogen, wo er eine Villa besitzt.

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Der Langzeitpräsident

Kairo (dpa/ND). Fast drei Jahrzehnte war Husni Mubarak der unantastbare Herrscher vom Nil. Knapp drei Wochen dauerte es, bis seine Macht zerfiel. Unter den Führern der arabischen Welt hatte Mubarak eine Sonderstellung. Fast 30 Jahre führte er das bevölkerungsreichste Land im Nahen Osten und pflegte bis zu Beginn der Unruhen gleichzeitig gute Beziehungen zu den USA und Israel. Nun fordern die USA wie Hunderttausende seiner Landsleute rasche und tiefgreifende politische Reformen.Der Beamtensohn M...

Protest der Mütter in Sudan

Khartum (dpa/ND). Sudanesische Sicherheitskräfte haben am Freitag eine Demonstration von Müttern und anderen weiblichen Familienmitgliedern inhaftierter Oppositioneller in Khartum gewaltsam aufgelöst. Die Frauen hatten angekündigt, sie wollten eine Sitzblockade vor dem Hauptquartier der Sicherheitsbehörden so lange fortsetzen, bis ihre vor gut zehn Tagen festgenommenen Angehörigen entweder freigel...

Volkszorn mit Ausdauer

Die ägyptische Bevölkerung bietet dem langjährigen Präsidenten Husni Mubarak seit zweieinhalb Wochen die Stirn. Während sie den sofortigen Rücktritt Mubaraks fordert, klammert sich der Staatschef an seine Macht. Im Folgenden eine Dokumentation des Verlaufs der Proteste, bei denen nach UN-Angaben bislang rund 300 Menschen ums Leben kamen:

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Zur Sache

Merkwürdige Ratschläge aus Berlin»Habt doch ein wenig Geduld!« – Der Rat von CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder an die Revolutionäre am Nil kam wahrscheinlich zu spät. Seit Tagen schon sah es so aus, als müsste Mubarak wie sein tunesischer Amtsbruder hastig das Weite suchen.Das sei aber nicht der richtige Weg, erklärte Kauder den Ägyptern und verwies auf seine Erfahrungen mit der DDR. Beim ...

Karin Leukefeld, Kairo

30 Jahre dauerte es, bis der Geduldsfaden riss

Enttäuschung und Wut machten sich auf dem Kairoer Tahrir-Platz in der Nacht zum Freitag breit, nachdem Husni Mubarak nicht wie erhofft seinen Rücktritt verkündet hatte. Doch schon am Morgen danach hatten die Demonstranten neue Kräfte gesammelt.

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Blockade für die Blockierer
Hendrik Lasch, Dresden

Blockade für die Blockierer

Morgen jährt sich der Jahrestag der Zerstörung Dresdens. Rechtsextreme versuchen, das Gedenken erneut zu missbrauchen. Nachdem sie 2010 von Zehntausenden erfolgreich blockiert wurden, versuchen Stadt und Polizei, die Nazis diesmal laufen zu lassen.

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Kritik an Rekrutierung

Berlin (epd/ND). Kinderschutzorganisationen haben die Bundeswehr aufgefordert, künftig nur noch volljährige Soldaten zu verpflichten. Jedes Jahr seien Minderjährige rekrutiert worden, kritisierten terre des hommes, UNICEF Deutschland, die Kindernothilfe, Missio und das Deutsche Bündnis Kindersoldaten. Anlass war die Vorstellung des »Schattenberichts Kindersoldaten 2011«, den die Organisationen zum...

Union geht in Islamdebatte auf Distanz zur FDP

Frankfurt am Main (epd/ND). In der Koalition gibt es Differenzen über den Umgang mit dem Islam in Deutschland. CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder widersprach laut einem Zeitungsbericht Darstellungen von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), die Islamdebatte weise Parallelen zum Kulturkampf des 19. Jahrhunderts auf. Der Bau von Gotteshäusern wie Moscheen unterliege nur d...

Bundesbank: Axel Weber tritt Ende April zurück

Berlin (Agenturen/ND). Bundesbank-Präsident Axel Weber tritt Ende April und damit ein Jahr vor Ablauf seiner Amtszeit zurück. Dies habe Weber in einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in Berlin mitgeteilt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Sein Nachfolger solle nächste Woche bekanntgegeben werden.Der 53-jährige Weber ist seit 2004 Chef der Bundesbank. Weber habe erklär...

Jalloh war Polizei wohl bekannt

Magdeburg (dpa/ND). Der in einer Polizeizelle ums Leben gekommene Asylbewerber Oury Jalloh könnte den Beamten des Polizeireviers schon Monate vorher bekannt gewesen sein. In einem Buch über freiheitsentziehende Maßnahmen finde sich vom 16. November 2004 ein Vermerk über eine Ingewahrsamnahme eines Menschen mit denselben Personalien, sagte die Vorsitzende Richterin Claudia Methling am Freitag im La...

Neue Proteste und alte Verfahren

Greifswald (ND-Schäfer). Am heutigen Samstagnachmuttag wird in Greifswald ab 14 Uhr erneut gegen Castortransporte und Atomkraft demonstriert. Die diesmal erwarteten Castorbehälter beinhalten die in Karlsruhe zu Glaskügelchen verfestigte »Atomsuppe« aus der Wiederaufbereitung von Brennelementen – mit Plutonium und Cäsium angereicherte Salpetersäure, eine der giftigsten Hinterlassenschaften de...

René Heilig

Ja und? Zuhören!

Der Bombenangriff vom 4. September 2009 war »ein schwerwiegender Vorfall«. Wenn unsere Regierungschefin so etwas sagt, sollte man genau hinhören. Das wurde am Donnerstagabend bei der Vernehmung vor dem sogenannten Kundus-Untersuchungsausschuss immer schwerer. Was weniger an der Zeugin Dr. Angela Merkel als vielmehr an der über weite Strecken ziemlich hilflosen Fragerei von Oppositionsabgeordneten ...

»Der Atomdeal hat Investoren verjagt«

»Der Atomdeal hat Investoren verjagt«

ND: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen wird im Zwischenlager Lubmin ein Atommülltransport erwartet, erneut soll es auch Proteste geben. Sind sie auch dabei?Holter: Meine Partei und Fraktion werden die Proteste gegen den Atomtransport geschlossen unterstützen – wie im Dezember vergangenen Jahres. Denn wie der damalige Transport wird auch die jetzt anstehende Fuhre aus Karlsruhe den alten Konsens darüber verletzen, was in Lubmin gelagert werden soll und was nicht: Nämlich nur der Abfall aus...

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Komplizenschaft mit den Despoten

Komplizenschaft mit den Despoten

ND: Die Frage der Migration und der Diaspora spielte eine zentrale Rolle beim WSF. Wieso? Cissé: Das ist das zweite große Forum in Afrika, nach Nairobi 2007. Afrika kann nicht ohne seine Diaspora sprechen. Denn sie ist an dem, was auf dem Kontinent passiert, mitbeteiligt. Deswegen haben wir den Ausschuss Migration und Diaspora gegründet. Wenn wir von Diaspora sprechen, meinen wir zum einen die his...

Dakar war ein offener Ort
ndPlusOdile Jolys, Dakar

Dakar war ein offener Ort

Jeder der 60 000 Teilnehmer am Weltsozialforum (WSF) ist mit seinem Anliegen angereist, so dass jeder seine eigene Bilanz zieht. Einig sind sich die Teilnehmer über die schlechte Organisation und darüber, dass Migration und Landraub die Diskussionen beherrschten.

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US-»Maulwurf« im Stab des NATO-Chefs

Oslo (dpa/ND). Die US-Regierung lässt sich nach Angaben aus der Dokumentensammlung des Enthüllungsportals Wikileaks von einem »Maulwurf« im Stab des NATO-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen informieren. Wie die norwegische Zeitung »Aftenposten« am Freitag berichtete, soll Washington auf diesem Weg interne Schriftstücke und andere Informationen aus der Brüsseler Zentrale erhalten. Als Quelle nan...

Iran feierte den Tag der Revolution

Teheran (dpa/AFP/ND). Iran hat am Freitag den 32. Jahrestag der Islamischen Revolution gefeiert. »Die Islamische Revolution war ein Anfang mit einem offenen Ende und sollte nicht mehr als nationale, sondern als globale Bewegung betrachtet werden«, erklärte Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad in Teheran auf der zentralen Kundgebung. Der Aufstand 1979 hatte zum Zusammenbruch der Monarchie geführt ...

Barak für neue Friedensgespräche

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hat sich für eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit den Palästinensern ausgesprochen.

Vatikan: »Multikulti« ist gescheitert

Der Vatikan hat das als »Multikulti« bezeichnete Zusammenleben verschiedener Kulturen in westlichen Ländern für gescheitert erklärt. Damit liegt er auf einer Linie mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy.

ndPlusAnke Stefan, Athen

Griechen geben Regierung keine Ruhe

In Griechenland prägen Streiks und Proteste weiter das öffentliche Leben des Landes. Die Aktionen richten sich gegen die Pläne der Regierung, mit dem vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU verordneten Sparprogramm die Haushaltsmisere in den Griff zu bekommen.

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Fabian Lambeck

Fauler Kompromiss

Wunder geschehen, möchte man meinen. Schneller als allgemein erwartet rief der Bundesrat am Freitag den Vermittlungsausschuss an, um die Blockade bei den Hartz-IV-Verhandlungen zu überwinden. Und das auch noch mit einer Programmergänzung. Offenbar wollen beide Seiten nun auch über die Wiedereinführung von Sonderbedarfen für Hartz-IV-Bezieher reden. Diese Extrazahlungen der Ämter für teure, aber no...

Empiriker
Kurt Stenger

Empiriker

Nun ist es amtlich: Gert G. Wagner wird neuer Vorstandsvorsitzender des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Der 58-Jährige folgt auf Klaus Zimmermann, der aufgrund eines Finanzskandals Ende Juni den Hut nimmt. Wagners Aufgabe ist es vor allem, das Berliner Institut durch die 2012 anstehende Evaluierung zu führen. Dabei stehen die existenzwichtigen Fördermittel durch Bund und Land a...

ndPlusRoland Etzel

Wo bleibt die Opposition?

Mubaraks Zeit ist abgelaufen. Das wussten alle schon vor zwei Wochen, auch ihm selbst hätte das klar sein müssen. Jahre gottgleicher Herrschaft waren aber auch in Ägypten der Sensibilität eines Staatsoberhauptes für das Leben außerhalb der Paläste nicht zuträglich, und dann gar Jahrzehnte wie im Falle Mubaraks... Als sehr gemäßigte Oppositionelle ihm vor einem Jahr nahelegten, für die Präsiden...

Hartz-IV-Sätze selbst berechnen?

Hartz-IV-Sätze selbst berechnen?

ND: Sozialverbände raten Hartz-IV-Beziehern, Anträge auf höhere Leistungen zu stellen und bei Ablehnung zu klagen. Richten Sie sich schon darauf ein?Jung: Wir raten selbst nicht dazu, Klage zu erheben, aber wir rechnen damit, dass es noch mehr Klagen als bisher geben wird. Wie werden die Sozialgerichte entscheiden?Die Frage ist umstritten. Einige Sozialrichter werden dem wohl folgen und zum Beispiel 5 Euro mehr auszahlen, weil das der kleinste gemeinsame Nenner ist. Andere werden die Klagen ab...

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GDL soll zurück an den Tisch

Berlin (ND-Meyer/dpa). Die großen Bahnunternehmen haben die Lokführergewerkschaft GDL aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. »Wir sind bereit, einen Rahmen-Tarifvertrag abzuschließen«, sagte Ulrike Riedel, Verhandlungsführerin der sechs großen Privatbahnen (»G 6«). Die GDL müsse aber kompromissbereit sein. Ein branchenweit gültiger Rahmen-Tarifvertrag für die Lokführer müsse »neben...

Anlegerschutz-Gesetz verabschiedet

Berlin (AFP/ND). Der Bundestag hat am Freitag ein Gesetz zum besseren Schutz von Bankkunden verabschiedet. Mit den Stimmen der Regierungskoalition beschloss das Parlament in Berlin Regelungen, die Verbraucher besser vor Falschberatung schützen und ihre Anlagen sicherer gestalten sollen. SPD und Grüne lehnten das Gesetz ab, die LINKE enthielt sich. Der Opposition gehen die neuen Regelungen nicht we...

Strategische Partnerschaft soll Nokia retten

Helsinki (Agenturen/ND). Die Smartphones des weltgrößten Handyherstellers Nokia sollen künftig überwiegend mit dem Betriebssystem Windows Phone von Microsoft laufen. Nokia-Chef Stephen Elop kündigte am Freitag eine »weitreichende strategische Partnerschaft« mit dem US-Softwarekonzern an, um den Abwärtstrend zu stoppen. Das Unternehmen befinde sich in einem »kritischen Augenblick«. Gemeinsam mit Mi...

Marcus Meier, Düsseldorf

Aufstieg und Fall eines Imperiums

In diesen Tagen entscheidet sich das Schicksal der einst mächtigen WestLB. Wird sie zerschlagen, werden nur ihre Filetstücke verkauft? Wird eine »RestLB« zu den Wurzeln des Geldhauses zurückkehren?

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Ulf Zimmermann, SID

Ballacks langer Weg zurück

Das Wetter war trostlos, als Michael Ballack am Freitagmittag mit den Kollegen von Bayer Leverkusen auf den Trainingsplatz trottete. Das graue Szenario passte zu der Schlagzeile der »Bild-Zeitung«, die feststellte: »Die Nationalelf braucht Michael Ballack nicht mehr!«Der Nationalmannschaftskapitän zeigte sich von diesem Frontalangriff aber völlig unbeeindruckt. Er ging im dunklen Trainingsanzug se...

ndPlusFrank Thomas, dpa

Nur die Zeiten zählen

In nur gut vier Minuten entscheidet sich für Claudia Pechstein heute das Wohl oder Wehe ihres Comebacks. Erstmals nach Monaten mit endlosen juristischen Streitereien und medialen Inszenierungen tritt die Eisschnellläuferin erstmals wieder sportlich ins Rampenlicht.»Es wäre das Größte, wenn ich mich wieder mit den schnellsten Läuferinnen bei der WM in Inzell messen könnte«, meinte die Berlinerin ku...

ndPlusThomas Häberlein und Marco Mader, SID

Zweites Gold für Österreich

Das Publikum am Gudiberg tobte und versuchte Maria Riesch zu einer Medaille zu schreien, doch für eine Fahrt auf das Siegertreppchen fehlte der Lokalmatadorin nach ihrer zweitägigen Virusgrippe die Energie. Mit großem Kampfgeist war sie in der Super-Kombination angetreten, am Ende dieses kräftezehrenden alpinen Zweikampfs wurde der Einsatz der geschwächten Doppelolympiasiegerin allerdings nicht be...

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»Scharni 29« vor Räumung

(dpa). Nach der Räumung des besetzen Hauses Liebigstraße 14 in Friedrichshain soll Anfang März ein weiteres Haus in dem Stadtteil voraussichtlich teilweise geräumt werden. In der Scharnweberstraße 29 sollen die Mieter das Erdgeschoss verlassen. Der zuständige Gerichtsvollzieher habe bei der Polizei Amtshilfe beantragt, bestätigte eine Sprecherin des Kammergerichts. Ein Räumungsbescheid für den 3. ...

Sonja Vogel

Frommer Wunsch

Hoch hinaus brachte es in der letzten Woche Christian Gaebler, SPD-Fraktionsgeschäftsführer. Kein Wunder, ist er doch auch Sprecher für Kirchenpolitik. Kraft dieses Amtes nahm er als einziger Berliner Landespolitiker am »Nationalen Gebetsfrühstück« in Washington teil. Ansonsten gab es aber noch 3000 weitere Gäste aus aller Welt. Trotzdem. Er wird selig gewesen sein, trennten ihn doch nur vier Tisc...

SPD setzt auf soziale Teilhabe

(dpa). Für den Weiterbau der umstrittenen Stadtautobahn A 100, für einen Neubau der Landesbibliothek auf dem Tempelhofer Feld und gegen eine Kunsthalle für die Gegenwartskunst – dafür tritt die Berliner SPD in ihrem Entwurf für ein Wahlprogramm ein. Damit stützt die Partei ihren Spitzenkandidaten und Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) in zwei wichtigen Punkten, erteilt ihm aber b...

ndPlusSarah Liebigt

Leistung geht vor Wohnort

Seit Montag läuft die Anmeldefrist für den Wechsel von der Grundschule auf das Gymnasium oder die Integrierte Sekundarschule (ISS). Die Schulreform läuft bereits im zweiten Jahr, doch erstmalig gelten andere Kriterien für den Erfolg einer Anmeldung für die gewünschte Schule – wenn es an einer Schule mehr Anmeldungen gibt, als Plätze vorhanden sind.Demnach können die Schulen nun 60 Prozent ih...

ndPlusMarina Mai

Nazis agieren zusehends nervös

Im Vorfeld des von Nazis geplanten Aufmarsches in Dresden am 19. Februar häufen sich in Berlin rechte Störungen. Dem Verfassungsschutz liegen keine eindeutigen Erkenntnisse vor, ob die Sachbeschädigungen der vergangenen Wochen den jeweiligen Mobilisierungsaktionen galten. »Aufgrund der zeitlichen Nähe zum ›Trauermarsch‹ in Dresden und auch aufgrund der in den Vorjahren rund um diesen T...

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Soli mit Panahi

Soli mit Panahi

(ND/dpa). Solidarität mit dem inhaftierten iranischen Filmemacher und Berlinale-Jurymitglied Jafar Panahi demonstrierte gestern die Jury des Friedensfilmpreises der Filmfestspiele. Ein großes auf einen Laster montiertes Plakat mit dem Konterfei des Regisseurs und dem Slogan »Wo bleibt Jafar Panahi?« wird die nächsten Tage in Berlin unterwegs sein.Bereits bei der Eröffnung der Berlinale am Donnerst...

Tobias Riegel

Pressestelle

Berlinale-Zeit ist Beilagenzeit. Alljährlich im Februar schwellen Umfang und Gewicht der Berliner Presseerzeugnisse um ein gehöriges Maß an. Leider nicht nur dann. Die Verlage von »Tagesspiegel«, »Berliner Morgenpost« und »Berliner Zeitung« haben sich bereits vor einigen Jahren entschieden, ihre Leser fortan bei angemessenen und vor allem bei unangemessenen Ereignissen mit Werbe-Extraseiten zu beg...

Kira Taszman

Von Dukes und Dudes

Jedes Jahr das selbe Bild. Im Pressekonferenzen-Saal des Hyatt-Hotels stauen sich die Journalisten. Man vertreibt sich die Wartezeit mit mehr oder minder fachkundigen Kommentaren über das soeben gesichtete Werk (»Also ich musste fast weinen, als das Pferd getötet wurde.«). und Festival-Klatsch. Neu im Saal ist eine kleine Wand mit Weltzeituhren, die anzeigen, wie spät es in Los Angeles, Buenos Air...

Lucía Tirado

Schaubude

Nein, die Frau Dr. Belzig ist nicht der Kuscheltyp. Eher praktiziert sie nach dem Prinzip: der fantasiereiche kleine Patient, mein größter Feind. Und wenn sie sich mit den Worten zurückzieht, sie hätte »was Kleines zu erledigen«, kann man sicher sein, dass wieder jemand dran glauben muss. Gerade hat sie es auf Pegasus abgesehen. Oder auf Rosinante? Sie möchte doch nur helfen. Eine starke Persönlic...

Defilee des deutschen Films
ndPlusManuela Lintl

Defilee des deutschen Films

Erstaunlich, dass eine neue Initiative, die das Wort Kunsthalle im Namen trägt, im Berliner Kunst- und Ausstellungsbetrieb fast drei Jahre lang relativ unbemerkt bleiben konnte. Die Rede ist von der privat betriebenen »Kunsthalle Koidl« in Charlottenburg, die seit Sommer 2008 in einem nach Auflagen des Denkmalschutzes behutsam sanierten Industriegebäude aus dem Jahr 1929 beheimatet ist. Der schmal...

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12 Parteien zur Wahl in Rheinland-Pfalz

Mainz (dpa/ND). Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 27. März kandidieren zwölf Parteien. Das teilte Landeswahlleiter Jörg Berres am Freitag in Mainz mit. Neben SPD, CDU, FDP, Grünen und LINKEN wurden auch die Listen der Republikaner, NPD, ödp sowie der Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo) zugelassen. Auf den hinteren drei Plätzen folgen die Deutsche Demokratische Partei (ddp), die Freien...

Winter lässt Unfallzahlen steigen

(dpa). Das raue Winterwetter Anfang und Ende des vergangenen Jahres schlägt sich in der Verkehrsunfallbilanz nieder: 2010 krachte es auf Berlins Straßen deutlich häufiger. Die Polizei zählte rund 130 500 Unfälle, das sind gut 5000 (4,4 Prozent) mehr als im Vorjahr. »Diese Zunahme ist auf eine Vielzahl witterungsbedingter leichter Unfälle zurückzuführen«, sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch gest...

Bald Durchstich zur Leipziger
Peter Kirschey

Bald Durchstich zur Leipziger

Streitpunkt sind etwa 300 Meter Straße, die in Mitte neu entstehen sollen. Eigentlich könnte nach dem Willen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit dem Bau sofort begonnen werden. Da der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND und ein Anwohner der Leipziger Straße 49 gegen das Vorhaben geklagt haben, muss zunächst die juristische Hürde überwunden werden. Es geht um das kleine Stüc...

ndPlusBirgit Reichert, dpa

Oskar für Obdachlose

Künstler beschäftigten sich seit jeher mit Armut. Wie sich der Blick auf Arme in Europa verändert hat, zeigt eine große Kunstausstellung in Trier. Die einmalige Sonderschau stellt in zwei Museen 250 Exponate zusammen.

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Die Möpse und die Schuldenbremse

Am 27. März entscheiden die Hessen in einer Volksabstimmung über die Aufnahme einer Schuldenbremse in die Verfassung. Zugleich stehen in dem schwarz-gelb regierten Land Kommunalwahlen an. Mit Blick auf diesen Termin wird der politische Ton in Hessen schärfer.

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»Völlig überzogen«

Erfurt (dpa/ND). Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD) hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) in einem Brief aufgefordert, die umstrittene Extremismusklausel aus der Förderpraxis für Initiativen gegen Rechtsextremismus zu streichen. »Für eine Korrektur ist es höchste Zeit«, erklärte Taubert am Freitag. Um Fördermittel des Bundes zu erhalten, müssen sich Initiativen gegen Ra...

Auf der Jagd nach dem Biber

Letschin (dpa). Schätzungsweise 300 Biber leben im Oderbruch. Nach Angaben des Landesumweltamtes hält sich der Bestand seit längerem konstant. Die Tiere fällen Bäume, stauen Gewässer an und graben Röhren in die Deiche. Plakate in der Gemeinde Letschin mahnen jetzt, Hochwasserschutz gehe vor Artenschutz. Auf den Plakaten an etwa 60 Punkten ist der possierliche Nager rot durchkreuzt.Für den Verein »...

Andreas Fritsche

Stundenzahl der Lehrer wird nicht erhöht

An brandenburgischen Schulen macht das Gerücht die Runde, dass die Pflichtstundenzahl der Lehrer erhöht werden soll. Demnach müssten die Pädagogen zwei Stunden mehr unterrichten, ohne einen Cent mehr Geld dafür zu bekommen. Manchmal ist sogar von vier Stunden die Rede und davon, dies sei schon beschlossen. Dagegen solle am 8. März in Potsdam demonstriert werden.Das Bildungsministerium dementiert. ...

Führerschein mit fünf
ndPlusUwe Kraus, Ilsenburg

Führerschein mit fünf

Zwei bis acht Kilometer lang sind die Eselwanderungen entlang des Flüsschens Ilse, die im Ostharz möglich sind. Das Angebot gilt nicht nur für Kinder, und vor dem Ritt kommen die Pflege der Tiere und die Stallarbeit. Wer will, kann auch die Prüfung für einen Eselführerschein ablegen.

Robert D. Meyer, Chemnitz

Stimmungsmache in Kamenz

In der sächsischen Kleinstadt Kamenz sorgt derzeit eine Bürgerinitiative für Aufsehen, welche mit einem Bürgerbegehren die Errichtung des zentralen Asylbewerberheims für den Landkreis Bautzen verhindern will. Doch im Hintergrund ziehen NPD-Mitglieder die Fäden.

Grit Büttner, dpa

Kerosin – direkt aus der Erde

Die Pumpen in Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) laufen seit zwölf Jahren. Am Rande des früheren sowjetischen Militärflugplatzes leeren sie unterirdische Kerosinseen. Über eine Million Liter Flugbenzin waren über Jahrzehnte hinweg im Boden versickert. Nicht mal die Hälfte davon wurde bisher gefördert.

Andreas Fritsche

Wieder Vorwahlen bei der Linkspartei

Bis zur Landtagswahl 2014 bleibt noch viel Zeit. Trotzdem beschäftigt sich die Linkspartei jetzt schon damit, wie sie ihre Landesliste aufstellt. Es geht darum, ob die Kreisverbände wieder bei einer Art Vorwahlen jeweils einen Kandidaten bestimmen, den sie auf einem vorderen Listenplatz sehen wollen. So lief es bereits vor der Landtagswahl 2009. Damals gab es Streit darum – und so ist es nun...

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Was wir wollen, ist relevant
ndPlusUlrike Gramann

Was wir wollen, ist relevant

Schaufenster winken den Augen: Gleich nebenan liegt ein Beate-Uhse-Laden, und gegenüber hat sich die frauenfreundliche Alternative etabliert, »Inside her« heißt der Sexshop. Wo jetzt hin- oder besser gleich wieder wegschauen? Keinen Steinwurf entfernt tobt ein Großeinkauf über die Zeil, Frankfurt am Mains größte Einkaufsstraße. Der Blick findet den schmalen Eingang des Geschäftshauses Stiftsgasse ...

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Gebraucht werden auf Zeit
Hendrik Lasch

Gebraucht werden auf Zeit

Die Kinder von Bad Schmiedeberg scheinen gern zu lesen. Der Schulflur hängt voller Gedichte, einmal im Jahr findet ein Tag des Buches statt, einen Lesewettbewerb gibt es auch. »Und viele Schüler schreiben sogar selbst Gedichte«, sagt Stefan Dammhayn. Als ehemaliger Lehrer freut sich der Bürgermeister der Kurstadt über solche literarischen Ambitionen, die, wie er meint, einen Auslöser haben: »Ohne die Wiederbelebung unserer Schulbibliothek wäre das nicht passiert.«Mitverantwortlich für das Lesew...

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Es wagen, neue Wege zu beschreiten
ndPlusGuido Viale

Es wagen, neue Wege zu beschreiten

Globalisierung, Wirtschaftskrise, Klimawandel: drei voneinander abhängige Prozesse, die möglicherweise das Überleben des gesamten Planeten gefährden, ganz bestimmt aber das Zusammenleben der Menschen. Wir stehen an der Schwelle zu einer Epoche, die von enormen Umwälzungen in Umwelt, Wirtschaft und Geopolitik geprägt sein wird. Das kann die Dämme öffnen für entsetzliche Katastrophen, wie immer mehr...

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Der Abgeschiedene oder die Ehrung eines Sohnes der Stadt

Theodor Weißenborn, geboren 1933 in Düsseldorf, studierte zunächst Kunstpädagogik (sein Vater war der Maler Karl Weißenborn), dann Philosophie, Germanistik und Romanistik. Später folgten Studien der medizinischen Psychologie und Psychiatrie. Als Schriftsteller hat er sich seit Anfang der 60er Jahre vor allem durch zahlreiche Prosawerke und Hörspiele einen Namen gmacht. »Empörung angesichts der unw...

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Streitfrage: Was versprechen sich Linke von der ägyptischen Protestbewegung?

Streitfrage: Was versprechen sich Linke von der ägyptischen Protestbewegung?

Seit Wochen protestieren Menschen in Ägypten gegen die Regierung von Husni Mubarak. Angespornt von dem Volksaufstand in Tunesien fordern hunderttausende Ägypter den sofortigen Rücktritt des Präsidenten. Doch Mubarak, der seit 30 Jahren am Nil herrscht, hat offenbar die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Er hatte angekündigt, im September bei der Präsidentschaftswahl nicht wieder zu kandidieren. Das reicht den Demonstranten nicht.

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Ägypten wird schon lange umgebaut
ndPlusHartmut Kiehling

Ägypten wird schon lange umgebaut

Am Anfang war der Blog. Als die vom ägyptischen Google-Manager Wael Ghonim gegründete Facebook-Gruppe den 25. Januar zum »Tag der Wut« darüber ausrief, dass die Polizei im letzten Sommer einen Blogger zu Tode geprügelt hatte, kamen Zehntausende. Kein Wunder, die Gruppe »Wir sind alle Khaled Said« hatte bereits 480 000 Anhänger und mindestens 30 Prozent der Ägypter haben Zugang zum Internet. Das kl...

Die Geburt eines neuen Nahen Ostens
Gideon Spiro

Die Geburt eines neuen Nahen Ostens

Der politisch-soziale Vulkan, der in Ägypten ausgebrochen ist, hat alle Experten und vermeintlichen Experten überrascht. Am ersten Tag der Demonstrationen prophezeiten sie fast ausnahmslos, dass das Mubarak-Regime stark und stabil sei, dass die Armee ebenso wie die Polizei und die Geheimdienste zu ihm halte, und dass sie in der Lage sein würden, den Volksaufstand zu zerdrücken. Als der Aufstand an Schwung gewann und die Zahl der Demonstranten zunahm, sahen sich die Experten mit und ohne Anführu...

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WOCHEN-CHRONIK

11. Februar 1971: Die USA, Großbritannien und die UdSSR schließen ein Abkommen, das die Stationierung von Atom- und anderen Massenvernichtungswaffen auf dem Meeresboden verbietet. 12. Februar 1941: Deutsche Wehrmachtseinheiten unter dem Oberbefehl von Erwin Rommel (»Wüstenfuchs«) treffen zur Unterstützung der italienischen faschistischen Truppen in Nordafrika ein. 14. Februar 1876: Der schottische...

Erich Zeigner
ndPlusHorst Schneider

Erich Zeigner

Es ist Ehrenpflicht der Linken, das Vermächtnis ihrer Altvorderen zu hüten und ihr Erbe im heutigen Kampf für Frieden und Sozialismus zu nutzen. Einer jener ist Erich Zeigner (17. Februar 1886 - 5. April 1949). Zwei Mal wirkte er in besonderem Maße auf den Gang der deutschen Geschichte ein: 1923 als Ministerpräsident jener sächsischen Regierung, an der Kommunisten beteiligt waren, und nach 1945 al...

Axel Berger

Das große Rätsel Stalinismus

Es ist bezeichnend, dass anlässlich des Todes des ehemaligen ZK-Mitglieds der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, Verfolgten des Stalinismus und Verfasser eines der ersten größeren Berichte eines Überlebenden des Gulag, Anté Ciliga, im Jahr 1992 in Deutschland lediglich ein Nachruf erschien. Bei diesem handelte es sich zudem um eine Übersetzung eines Artikels des französischen marxistischen Histo...

Wie »Rommel« doch nach Kairo kam
ndPlusRené Heilig

Wie »Rommel« doch nach Kairo kam

Das Bundeswirtschaftsministerium hat Anfang dieser Woche angewiesen, die Bearbeitung der Ausfuhrgenehmigungen für Rüstungsgüter nach Ägypten bis auf Weiteres auszusetzen. Abgerundet wurde diese »rasche« Entscheidung mit dem Hinweis: Die Bundesregierung entscheidet über Rüstungsexporte jeweils im Einzelfall und im Lichte der aktuellen Situation. Wie schon unter Adenauer. Westdeutschland war mitschuldig daran, dass es Hitlers »Wüstenfüchse« doch noch bis Kairo geschafft haben.

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Ich hatte zunächst den Stecker gezogen

Ich hatte zunächst den Stecker gezogen

Seit Jahren wollte Wim Wenders einen Film über die Choreografin Pina Bausch und ihr Wuppertaler Tanztheater machen. Nur die Technik schien noch nicht reif für die Art von Unmittelbarkeit und direkter Teilhabe am Bühnengeschehen, die ihm für den gemeinsamen Film vorschwebte. Just als eine immer perfektere 3D-Technik die Lösung brachte, verstarb Pina Bausch – ganz kurz vor Drehbeginn. Den Film gibt es nun trotzdem, aber statt eines gemeinsamen Projekts ist »Pina« ein Nachruf geworden.

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Marlon Brando: Der Pate

Ein müder, alter Gehetzter Mann, beherrscht Von dem einen Gedanken: Zu erhalten Die Macht seines Clans, Stirbt in den Sielen, Zum Zeugen des Tods Seinen Enkel. Und während die Glocken Den Mittag einläuten – Sizilianische Vesper – Beginnt die Geschichte von vorn: Blut und Macht, Macht und Blut, Dieses uralte und immer neue Wechselspiel, das die Kinos belebt, Und nichts weiter ist, Als d...

Caroline M. Buck

Der Knoten

Untying the Knot, den Knoten lösen, so heißt der Kurzfilm, den Jafar Panahi, Berlinale-Juror hinter iranischen Gefängnismauern, vor vier Jahren zum Auftragsfilm »Perserteppich« (Farsh-e Irani) beisteuerte. »Untying the Knot«, das sind acht Minuten in einer einzigen, ungeschnittenen Einstellung. Die aber ist nicht etwa statisch, sondern die Chronik eines Weges: der Weg eines Teppichs ins staatliche...

PLATTENBAU
Michael Saager

PLATTENBAU

»Wenn man sich in einem Keller einschließt und völlig isoliert an einem Album arbeitet, kann man schon mal ein wenig den Verstand verlieren«, erzählt Anna Calvi. Drei Jahre schlug sie sich mit ihrem Debüt herum, das Sonnenlicht sah sie kaum. Sie fühlte sich beherrscht, war bisweilen verzweifelt, aber: Sie hat es überlebt. Und freut sich zu recht über das schmucke Resultat, das sie »ihr Monster« ne...

ndPlusCaroline M. Buck

Der »Vaterlandsverräter«

Die deutsche Vergangenheit holt die Berlinale-Filme ein – und das ausgerechnet in der Sektion »Perspektive deutsches Kino«, die filmästhetisch eher den Hoffnungsträgern, den Jungen gewidmet ist. Und es ist nicht die nationalsozialistische Vergangenheit, jene Gegenwart der Großväter, die diese Hoffnungsträger abhandeln. Sondern: die realsozialistische, die Vergangenheit ihrer Vätergeneration....

Gunnar Decker

Die Bank gewinnt immer

Auch das Geld hatte einst seinen Zauber. Einen gefährlichen natürlich, wie ihn Mark Twain in seiner Erzählung von jener Eine-Million-Pfund-Note beschrieb, die eigentlich sehr unnütz ist, da sie ohnehin niemand wechseln kann. Aber man bekommt – ohne sie je ausgeben zu müssen! – überall Kredit. Das ist bei Twain höchst pointiert beschrieben, aber die Lust, über derartige Geschichten zu l...

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Alte Männer mit Hüten

Hetzeldorf ist ein kleines Dorf in Transsylvanien. Nach der rumänischen Revolution verließen die meisten der deutschen Bewohner die Ortschaft. Zurück blieben nur die Alten und einige der Jüngeren. Die, die ausharren, pflegen wie zum Trotz noch einen Lebensstil, der wenig an das 21. und mehr an das 19. Jahrhundert erinnert. Die Landwirtschaft ist veraltet, statt Traktoren fahren Pferdewagen über di...

Frauenquote bei Wikipedia

Die Einführung einer Frauenquote in der Wirtschaft treibt derzeit nicht nur die Politik um. Die Netzgemeinde macht sich ebenfalls Gedanken über die Gleichberechtigung in ihrem Medium. Auslöser ist eine Studie, die von der Wikimedia Stiftung in Auftrag gegeben wurde und zum Schluss kam, dass nur 13 Prozent derjenigen, die für Wikipedia schreiben, Frauen sind. Bemerkbar mache sich das darin, dass Fr...

Jürgen Amendt

Digitaler Katalysator

Wurden die Proteste in Ägypten durch Facebook und Twitter forciert? Die Blogger-Szene ist sich da nicht einig. Ja, sagt zum Beispiel der Berliner Netzaktivist Peter Glaser. Nein, meint dagegen der deutsch-ägyptische Blogger, Journalist und Filmemacher Philip Rizk. Die meisten jener, die in Kairo und anderen ägyptischen Städten protestieren, seien ärmere Leute, Menschen, die über keinen Internet-Zu...

ndPlusAntje Schrupp

BLOGwoche: Menschen, die Dinger anstarren

Johnny Haeusler beschäftigt sich in einem Beitrag seines Blogs www.spreeblick.de mit der Frage, wie sich unsere Kultur verändert, wenn wir nicht mehr analoge Medien nutzen (also zum Beispiel Bücher, auf deren Rücken draufsteht, was drinsteht), sondern digitale Medien, denen man nicht ansieht, was sie enthalten. Italienischkurs, Musik, Pornovideo oder Businessmails, das alles sieht für Danebenstehe...

ndPlusJürgen Amendt

The Medium is the Message

Der Journalist Tom Kummer steht für ein Medienphänomen, das gemeinhin als Borderline-Journalismus bezeichnet wird. Über Jahre hinweg hatte der Schweizer Autor in den 1990er Jahren Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen Interviews verkauft, die nie geführt worden waren. Die Antworten seiner Interviewpartner waren dabei nicht immer nur erfunden, Kummer bediente sich anderer Texte, setzte Inhalte neu...

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Fazit eines Lebens

Fazit eines Lebens

Nein, um Wut geht es ihm nicht. Stéphane Hessel ist kein Mann, der wüten würde oder dazu aufrufen. Analysieren, sich engagieren, teilnehmen, mitfühlen, aufregen und, ja, auch kämpfen – das wird ihm und seinem Leben gerecht.Sein Geburtsjahr 1917 wird als Epochejahr bezeichnet und stellt mit der Oktoberrevolution in Russland tatsächlich die Weichen in ein Jahrhundert der Hoffnungen und Katastr...

Rhetorik, Reformen, Revolution?

ND: Herr Hessel, in Ihrer Streitschrift sprechen Sie aus, was viele Menschen nicht nur in Frankreich empfinden: ein tiefes Unbehagen und Zorn über den Zustand der Welt. Was hat Sie so empört, dass Sie auch andere zur Empörung aufrufen?Hessel: Ich habe das Gefühl, dass die Werte, die für mich die wichtigen Werte meines Lebens sind, übergangen, vergessen, missachtet werden. Für diese Werte habe ich mit vielen tapferen Menschen gegen die Faschisten gekämpft, damals in der Résistance, und mich nach...

Seite 28

»Super-Sonn-Tag« bei der NASA

Erstmals in der Geschichte kann die Menschheit die gesamte Sonne beobachten. Möglich wird dies durch die beiden »Stereo«-Sonnensatelliten der US-Raumfahrtbehörde NASA, die jetzt auch die der Erde abgewandte Seite unseres Heimatsterns im Blick haben. Die 2006 gestarteten Zwillingssonden haben mittlerweile genau gegenüberliegende Seiten der Sonne erreicht, wie die NASA berichtete. Das 360-Grad-Panor...

ndPlusWolfgang Jung, dpa

Mars-Landung virtuell

Nach 250 Tagen im Container sieht die russisch-europäisch-chinesische Raumfahrt-WG in Moskau an diesem Samstag rot. Dann »landen« die seit mehr als acht Monaten von der Außenwelt isolierten Teilnehmer des Raumfahrt-Experiments virtuell auf dem Mars. Der Rote Planet, der seinen Beinamen wegen des rötlichen Eisenoxidstaubs trägt, wird in Moskau von einer dunklen Halle mit Sand und Steinen dargestell...

Walter Willems

Federnde Wölbung half gehen

Der Beginn des aufrechten Gangs ist ein Schlüsselmoment der Menschwerdung. Ein in Äthiopien entdeckter Fußknochen zeigt, dass schon vor mindestens 3,2 Millionen Jahren Vorfahren des Homo sapiens dauerhaft auf zwei Beinen liefen und nicht mehr auf Bäumen lebten. Dies berichten US-Forscher im Fachjournal »Science« (Bd. 331, S. 750). Mit der neuen Fortbewegungsweise konnte der Australopithecus afaren...

Martin Koch

Vom Genom zur Epigenetik

Nic Volker aus Madison (USA) war gerade zwei Jahre alt, als sich in seinem Darm so viele Fisteln bildeten, dass er kaum noch etwas essen konnte. Obwohl Ärzte den Jungen zigmal operierten, ging es ihm zusehends schlechter. Erst eine im Jahr 2010 durchgeführte Genomanalyse legte offen, dass in Nics Erbgut das Gen XIAP mutiert ist. Gewöhnlich resultiert daraus eine Blutkrankheit, die sich durch eine ...

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ndPlusUdo Bartsch

Die Mammuts kommen

Es gibt sie doch noch: Die gelungenen Familienspiele, die entgegen dem Trend zum Komplexen mit wenigen Regeln viel Spannung erzeugen. Solche wie »Jäger und Sammler«, wo die Spieler als Urmenschen ihren Clan versorgen müssen. Das Szenario beginnt im Sommer. Alle Spieler schwärmen aus, um Beeren und Knollen zu sammeln oder Waffen für die Jagd auf Mammuts zu fertigen. Noch sind von diesen riesigen Ur...

Blitz im Zug
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Blitz im Zug

Niemals zuvor wurde eine Partie zwischen zwei Weltmeistern mit so hoher Geschwindigkeit gespielt. Der aktuelle Weltmeister Viswanathan Anand (Indien, 41) und der ehemalige Weltmeister Anatoli Karpow (Russland, 59) spielten am 1. Februar 2011 im neuen Hochgeschwindigkeitszug zwischen den spanischen Städten Madrid und Valencia zwei Blitzpartien sowie ein Simultanspiel. Bei den Blitzpartien wurde ein...

Wissen, punkten, gewinnen!

An vier Wochenenden hintereinander stellen wir jeweils drei Fragen. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im ND gesammelt. Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird gelost. Lösungen der jeweiligen Wochenendrunde bis Donnerstag an: zeitgenuss@nd-online.de oder Fax: (0...

Wenn Frühblüher sprießen und Nachbarn streiten
Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin

Wenn Frühblüher sprießen und Nachbarn streiten

Wenn die Regenwürmer einen verlässlichen Wetterfrosch zur Seite haben und sich nach seinen Prognosen richten, dann hat sich der Winter wohl schon ziemlich verausgabt. Unterm Laub, unter Steinen, im Kompost – überall laufen sie mir schon über den Weg beim Werkeln im Garten. Will heißen, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest keinen strengen Frost mehr geben wird. Denn sonst wären die...

Südamerikanisches Feuer vor der Gefriertruhe
René Gralla

Südamerikanisches Feuer vor der Gefriertruhe

Eine Runde von Freunden, sie lachen, trinken, essen, und plötzlich steht jemand auf und rezitiert ein Gedicht. Danach greift sich ein anderer die Gitarre, spielt ein Lied, und alle singen mit. Das erste Paar beginnt zu tanzen, und dann gibt es kein Halten mehr – die Party endet erst, wenn die Sonne wieder aufgeht.Das ist eine südamerikanische Peña. Das Wort ist aus der indigenen Sprache der ...

Seite 30
Reise per Mouseklick
Heidi Diehl

Reise per Mouseklick

Kennen Sie das auch? Man will irgendwohin fahren, schön soll es dort natürlich sein, Neues möchte man entdecken – und dann fängt man an zu suchen, füttert google mit Stichworten und fühlt sich schon bald erschlagen von der Flut von Infos, die da über einen hereinbrechen. Schneller zum Gesuchten käme man, würde man gezielt suchen. Nur, welche Webadressen sind die Richtigen? Da kann Ihnen jetz...

Auf der Piste mit dem Lawinenkommissar
ndPlusMark Wolter

Auf der Piste mit dem Lawinenkommissar

Schnee ist nicht gleich Schnee. So weit, so einfach. Aber dann wird es schwieriger: Gerhard Pedrolini sticht seine Schaufel in die tiefe Schneedecke. »Er ist nicht einfach nur weiß. Es gibt ganz verschiedene Arten und Konsistenzen«, sagt er und buddelt sich in ein großes Loch. Mit den Fingern kratzt er die untereinander liegenden Schichten frei, sucht nach Bruchstellen und prüft die Reibungsfestigkeit. »Lose Schneeblättchen können als Gleitschicht für die folgende Periode gefährlich werden«, er...

Seite 31
ndPlusMirko Buggel

Bei den Glücklichen im Himalaja

Die markanten tiefen Töne des Dungchens, eines alphornähnlichen Blasinstrumentes, erfüllen alle Räume, als wir durch die Eingangstür die Küche von Tensings Haus in Ha betreten und sozusagen mitten in eine Zeremonie platzen. Unser »Kusuzanpo« (Guten Tag in Dzongkha, der Sprache des Landes) erwidern die Bewohner so freundlich, als kämen wir nicht unerwartet.Eigentlich bräuchte Bhutan Touristen nicht. Die Leute scheinen mit sich zufrieden und glücklich. Das Königreich im Himalaja ist wohl das einz...

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Das Unsere
Hans-Dieter Schütt

Das Unsere

Arbeit ist die große Selbstbegegnung des Menschen. Wüßte er sonst, wer er ist? Sammelt er das Wasser am Staudamm, so sammelt er sich. Läßt er sich gehen, so ist er nur Wasser, das verrinnt. Facht er das Feuer an im gemauerten Ofen, so ist er es, der wärmt. Wütet er, ist er nur Feuer, das Städte und Länder frißt. Geht er nicht die Bahnen der Sterne, bleibt er das grasende Vieh. Fühlt er nicht die S...