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Unten links

Die Schriftstellerin Monika Maron fühlt sich vom Islam behelligt. Warum denn? Stand er mit dem Fuß in der Tür, um ihr einen neuen Stromanbieter aufzuschwatzen? Hat er vor ihren Augen in der Einkaufspassage uriniert? Oder ihr gar im Dunkeln nachgestellt? Nein, das wohl nicht. Es ist schlimmer. Maron im »Spiegel«: Wir alle »sind gezwungen, fast täglich über den Islam zu sprechen und nachzudenken, wi...

Die Mutigen

Unter den über 2100 Menschen, die beim Terroranschlag auf das World Trade Center starben, waren rund 350 Feuerwehrleute. Unter den vermutlich mehr als 25 000 Opfern des Tschernobyl-Unfalls eine unbekannte Zahl von aufräumenden Soldaten. Sie opferten ihr Leben, um andere zu retten. Die Rettungskräfte nehmen bereits unermessliche physische und psychische Belastungen auf sich, wenn sie – wie in der v...

Was Radfahrer vorher erledigen sollten

Der Frühling naht – und damit beginnt auch die Fahrradsaison. Wer sein Rad nach vielen Wochen im Keller oder in der Garage wieder nutzen will, sollte vorher einen Sicherheits- und Technikcheck machen.

Fukushima verstrahlt die Region

Nach weiteren Explosionen und einem Brand im japanischen Atomkraftwerk Fukushima ist die Strahlung laut Regierungschef Kan beträchtlich gestiegen. In den Notunterkünften herrscht noch stoische Ruhe.

ndPlusMarkus Drescher

Tapferes Abschalterlein: Sieben auf einen Streich

Alles was bisher für CDU und FDP in Sachen Atomkraft galt, scheint mit der Katastrophe in Japan plötzlich nicht mehr sicher. Die Laufzeitverlängerer überbieten sich mit Ankündigungen alte Atomkraftwerke endgültig abzuschalten und neue Sicherheitsbewertungen vorzunehmen.

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Abschläge sind rechtens

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass Rentenkürzungen bei Versicherten rechtmäßig sind, die noch vor ihrem 60. Lebensjahr eine Erwerbsminderungsrente beziehen.

»Die Leute sind stinksauer«

Japans Bevölkerung kann die vielen Hiobsbotschaften kaum noch verkraften, die über die Medien im Minutentakt verbreitet werden. Die Geduld hat bei vielen ein Ende, die Verzweiflung nimmt zu – und auch die Kritik an der Informationspolitik der Regierung und am Betreiber des havarierten Atomkraftwerks (AKW). »Die Menschen sind stinksauer«, sagte der Japanologe Reinhard Zöllner am Dienstag in Tokio. ...

Japans Wirtschaft wankt

Der Nikkei an Tokios Börse befindet sich seit Tagen im Sinkflug, die Wirtschaft ist in einigen Landesteilen zum Erliegen gekommen, die Energieversorger verhängen Stromsperren. Die Erdbeben- und atomare Katastrophe droht für Japan auch zu einer wirtschaftlichen Katastrophe zu werden.

Senioren: Aus dem Krankenhaus entlassen – und dann?

Besonders Senioren sind bei der ambulanten Nachsorge vielfach auf sich allein gestellt. Am Morgen noch bei der Visite, nachmittags plötzlich schon wieder zu Hause. Besonders für ältere Patienten kommt die Entlassung aus dem Krankenhaus häufig zu früh.

Steffen Schmidt

Explosion beschädigt Reaktor

Nach den Explosionen in den beim Herunterfahren havarierten Reaktoren des japanischen Atomkraftwerks Fukushima 1 kam es inzwischen auch noch zu einem Brand im Bereich des Abklingbeckens mit abgebrannten Brennelementen des Blocks 4. Entweichende Radioaktivität wurde zeitweilig durch drehenden Wind in Richtung Tokio getragen.

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Dicke zum Sport zwingen?

Eine Firma in Südkorea darf zu dicke Angestellte nicht zum Abnehmen zwingen. Die nationale Menschenrechtskommission verurteilte das Unternehmen dazu, einen früheren Angestellten mit umgerechnet 3200 Euro zu entschädigen. Der Mann wurde direkt nach seiner Einstellung gezwungen, zusammen mit fünf weiteren fettleibigen Angestellten an einem Trainingsprogramm teilzunehmen, das von Vorgesetzten überwac...

Pjöngjang bereit zu Gesprächen

Nordkorea ist zu Gesprächen über sein Programm zur Urananreicherung bereit. Das sei dem russischen Vizeaußenminister Alexej Borodawkin bei einem Besuch in Pjöngjang mitgeteilt worden, berichteten die staatlichen nordkoreanischen Medien am Dienstag. Demnach hat Nordkorea nichts dagegen einzuwenden, dass die Anreicherungsaktivitäten im Rahmen der sogenannten Sechs-Länder-Gespräche über sein Atomprog...

Rechtsstreit eines Muslims geht weiter

Die Kündigung eines Muslims, der aus Glaubensgründen die Arbeit verweigerte, beschäftigt weiter die Richter. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt verwies am 24. Februar 2011 die Klage des Mannes wegen unzureichender Faktenlage zurück an das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein (Az. 2 AZR 636/09).

Europäischer Gerichtshof billigt religiös motivierte Kündigung einer Erzieherin

Die evangelische Kirche hat mit der Kündigung einer Kindergärtnerin, die einer anderen Religionsgemeinschaft angehörte und für diese warb, nicht gegen Grundrechte verstoßen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) wies am 3. Februar 2011 die Grundrechtsbeschwerde der entlassenen Erzieherin aus Pforzheim ab.

Zeitarbeitsverträge rückwirkend ungültig

Zehntausende Zeitarbeiter können nach einem aktuellen Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) in Erfurt gleiche Entlohnung wie die Stammbelegschaft im Unternehmen einfordern. Alle seit 2003 von der Tarifgemeinschaft Christlicher Zeitarbeitsgewerkschaften (CGZP) abgeschlossenen Tarifverträge sind unwirksam. Das geht aus der seit dem 28. Februar 2011 vorliegenden schriftlichen Urteilsbegründung des BAG hervor.

ndPlusSebastian Maslow, Tokio

»Wohin?« »Egal, Hauptsache weg!«

Die Angst vor den Folgen von Erdbeben und Tsunami sowie die Atom-Katastrophe veranlassen viele Ausländer, Japan zu verlassen. Auch die deutsche Regierung hat es eilig, ihre Bürger zurückzuholen. Unterdessen versuchen viele Japaner, in den sicheren Süden des Landes zu gehen.

Georg Ackermann, Singapur

Umdenken in Ostasien

Die Finanzmärkte stimmten schon einmal den Abgesang auf die Atomenergie an. In Sydney etwa fielen vor allem die Uranminen-Werte wie Paladin Energy und Energy Resources of Australia inzwischen dramatisch. Die viel beschworene »Renaissance der Nuklearenergie« endet angesichts der Ereignisse in Japan offenbar schon wieder.

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Verschuldensunabhängige Haftung nicht zulässig

Nachdem ein Hamburger Mieter von Einbrechern heimgesucht wurde, bekam er auch noch Ärger mit seinem Vermieter. Die Diebe hatten einen Schlüssel für die zentrale Schließanlage des Hauses mitgehen lassen. Daraufhin ließ der Vermieter für hohe Kosten die Anlage auswechseln und forderte von dem bestohlenen Mieter die Kosten zurück, weil es im Mietvertrag eine entsprechende Klausel für solchen Schlü...

Vertragstexte vor der Unterschrift genau prüfen!

Etwa 90 Prozent aller Mietverträge sollen nach Einschätzung des Mietervereins Dresden und Umgebung e. V. unwirksame Vertragsklauseln enthalten. Das bedeutet, in hunderttausenden Mietverträgen sind Regelungen und Vereinbarungen enthalten, die gegen das Gesetz verstoßen oder die nach der Rechtsprechung der Gerichte Mieter übermäßig benachteiligen und deshalb unwirksam sind.

Kaltes Treppenhaus bewirkt schwarze Flecken im Bad

Wir sind Mieter in einem Mehrfamilienhaus. Die Wohnung befindet sich im Hochparterre neben einem jetzt im Winter ständig kalten und zugigen Treppenhaus, weil die alte Haustür undicht ist. An die Treppenhauswand grenzt unser Bad. Dort bilden sich im Winter schwarze Flecken und Kondenswasser. Die Verwaltung erklärte, das sei normal. Ist das nicht eher ein Mangel an der Mietsache?Gisela B., Leipzig ...

Schimmel und Ungeziefer

Egal, ob die Wohnung plötzlich schwarze Flecken an den Wänden aufweist oder ob sie von Ameisen bevölkert wird, für die Mieter ist das ein erheblicher Mangel, der dem Vermieter unverzüglich gemeldet werden muss (§ 536c BGB). Wenn der Mieter den Mangel nicht verursacht hat, kann er die Miete mindern (§ 536 BGB).

Robert D. Meyer und Ines Wallrodt

Die Republik der Atomkraftgegner

Bei Mahnwachen in ganz Deutschland haben mehr als 100 000 Atomkraftgegner am Montagabend ein Ende der Kernenergie gefordert. In 450 Städten fanden Demonstrationen statt. Und so soll es auch in den nächsten Tagen und Wochen weitergehen. Eine vorübergehende Stilllegung reicht den Kritikern nicht.

ndPlusReimar Paul

Moratorium – geht das denn?

Nach einem am Dienstag von der Bundesregierung und den betroffenen Ländern gefassten Beschluss werden alle Meiler vorübergehend stillgelegt, die vor Ende 1980 ans Netz gegangen sind. Unklar ist, ob für das Atom-Moratorium Gesetze geändert werden müssen.

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Verwirrende DIN-Normen

Private Bauherren, die ein schlüsselfertiges Haus kaufen, sollten sich von Fachbegriffen im Bauvertrag nicht verwirren lassen. Die Erwähnung diverser DIN-Normen bedeutet nicht immer, dass das neue Haus auch wirklich dem aktuellen Stand der Technik entspricht, betont die ARGE Baurecht. DIN-Normen sind keine rechtsverbindlichen Vorschriften, sondern technische Regeln, die allenfalls Empfehlungschara...

Buback als Mitglied der NSDAP geoutet

Stuttgart (dpa/ND). Der ehemalige Generalbundesanwalt Siegfried Buback war im Dritten Reich Mitglied der NSDAP. Dem Südwestrundfunk (SWR) liegt die Karteikarte über die Mitgliedschaft Bubacks aus dem Bundesarchiv vor, erfuhr die dpa am Dienstag. Der Hinweis auf die Mitgliedschaft kam von einem ehemaligen Aktivisten der »Roten Armee Fraktion«. Die RAF hatte Buback 1977 ermordet. Das Ex-Mitglied Ver...

Prüfung jeder Änderung

»Ratenzahlung nach Baufortschritt gemäß Zahlungsplan« – so lautet eine übliche Klausel im Vertrag für ein schlüsselfertiges Einfamilienhaus. Steht sie im Kleingedruckten des Unternehmers, muss der Hauskäufer grundsätzlich zahlen, wenn die Ratenhöhe dem Wert des tatsächlichen Baufortschritts entspricht. Das ist aber nur selten der Fall. Häufig hinkt der Baufortschritt hinter den Ratenzahlungen hint...

Architekt darf nichts verschweigen

Ein Architekt muss es dem Auftraggeber bei der Abnahme seines Werkes offenbaren, wenn er Teile der Ausführung des Bauwerks bewusst vertragswidrig nicht überwacht hat. Unterlässt er dies, so hat er nach Information der LBS einen Mangel seines Werks arglistig verschwiegen (Urteil des Bundesgerichtshofs, Az. VII ZR 46/09). Es ging um die Sanierung eines Doppelhauses, dessen Überwachung ein Archite...

Sturz über den Trittrost

Über einen wackligen Metallrost vor der Haustreppe war ein Paketzusteller gestolpert und hatte sich verletzt. Seine Krankenversicherung übernahm die Behandlungskosten und forderte dafür Ersatz von der Eigentümerin der Wohnanlage. Die Immobilienfirma müsse den Betrag ersetzen, weil sie für die Gefahrenquelle Trittrost verantwortlich sei, die dem Postler zum Verhängnis geworden ist. Die Firma ver...

SPD kritisiert Antrittsrede von Jahn

Halle/Berlin (epd/ND). Die Antrittsrede des neuen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, ist bei der SPD-Fraktion auf Kritik gestoßen. Bei allem Respekt vor der Biografie des DDR-Bürgerrechtlers sei ihm »zu viel Eifer« in Bezug auf die ehemaligen Stasi-Leute in der heutigen Behörde dabei gewesen, sagte der innenpolitische Sprecher Dieter Wiefelspütz am Dienstag der »Mitteldeutsc...

Katja Herzberg

Direkte Demokratie immer öfter erfolgreich

Im vergangenen Jahr waren überdurchschnittlich viele Volksbegehren und Volksentscheide erfolgreich. Doch der »Volksbegehrensbericht 2010« zeigt, dass sie nur in wenigen Bundesländern stattfinden.

Wochenendgrundstück: Kurtaxe und gleichzeitig Zweitwohnungssteuer zahlen?

Ist es statthaft, dass eine Gemeinde vom Darß eine beträchtliche Summe Zweitwohnungssteuer für eine nur wenige Wochen jährlich bewohnte Finnhütte verlangt, dazu auch noch Kurtaxe, die kein Einheimischer zu zahlen hat?Walter K., Berlin Zahlreiche Gemeinden, vor allem in touristisch erschlossenen Gebieten – also auch in Mecklenburg-Vorpommern –, erheben Zweitwohnungssteuer und gleichzeitig Kurtax...

ndPlusMarcus Meier, Köln

Voller Erfolg für die schwarz-gelben Kläger

Voller Erfolg für die schwarz-gelben Kläger, schwere Schlappe für die rot-grüne Minderheitsregierung: Das NRW-Verfassungsgericht hat gestern Vormittag den Nachtragshaushalt 2010 für verfassungswidrig erklärt. Darin enthaltene Regelungen verstießen gegen die Landesverfassung; er sei nichtig, so der Vorsitzende Richter Michael Bertrams.

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Streik bei saudischer Telekom

Riad (dpa/ND). Arbeitskämpfe in Saudi-Arabien sind äußerst selten – jetzt aber streiken Service-Mitarbeiter des saudischen Telekom-Konzerns STC. Der Aufstand begann bereits vor zwei Tagen, berichtete die saudische Tageszeitung »Arab News« am Dienstag. An Versammlungen beteiligten sich Dutzende Mitarbeiter vor dem STC-Firmensitz in Riad. Die Mitarbeiter laufen Sturm dagegen, dass nur noch das Manag...

Urteil gegen spanischen König

Straßburg (dpa/ND). Unter bestimmten Voraussetzungen muss sich der spanische König Beleidigungen gefallen lassen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg sprach am Dienstag einem baskischen Separatistenführer 23 000 Euro Schmerzensgeld zu, weil dieser wegen Beleidigung von König Juan Carlos 2005 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war.Die Haftstrafe für den Führer der ill...

Gewaltschutz

Nach dem Gewaltschutzgesetz ist ein Opfer von Gewaltstraftaten berechtigt, einen Antrag zu stellen, nach welchem dem Täter untersagt werden soll, Kontakt jeglicher Art mit dem Opfer aufzunehmen, die gegebenenfalls existente gemeinsame Wohnung zu betreten oder zu nutzen etc. Durch das Gericht werden dann entsprechende Schutzanordnungen erlassen. Diese ersetzen jedoch in keinem Fall die strafrechtli...

Protestaktionen gegen saudische Besetzung

Einen Tag nach der Landung ausländischer Truppen in Bahrain hat sich die Lage in dem arabischen Königreich dramatisch zugespitzt. König Hamad bin Issa al-Chalifa verhängte am Dienstag für drei Monate den Ausnahmezustand. Nach Angaben aus Oppositionskreisen kam es in der Hauptstadt Manama und in der Ortschaft Sitra zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Angehörigen der Sicherheitskräfte.

Großeltern können nicht auf Schutz der Familie bestehen

Großeltern können sich nach einem Beschluss des Bundesgerichtshofs bei der Sorge für ihr Enkelkind nicht auf den grundsätzlichen Schutz von Ehe und Familie berufen, selbst wenn sie das Enkelkind faktisch allein betreuen. Großeltern seien »grundsätzlich nicht Träger des Elternrechts«, heißt es in dem Urteil vom 28. Februar 2011 (Az. XII ZB 241/09).

Karin Leukefeld

Bürgerrechtler prüfen Militärrats-Vorschläge

US-Außenministerin Hillary Clinton ist am Dienstag in Kairo eingetroffen. Auf ihrem Programm stehen Treffen mit dem Chef des regierenden Militärrates, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, mit Ministerpräsident Essam Scharaf, und Vertretern der Demokratie- und Jugendbewegung. In Ägypten stehen wichtige politische Weichenstellungen an.

Keine Einigung auf Flugverbotszone in Libyen

Die internationale Gemeinschaft kann sich weiter nicht auf eine Flugverbotszone über Libyen einigen. Die Truppen Gaddafis drängen die Aufständischen mit Luftangriffen zurück. Der Diktator gibt sich siegessicher.

Strengere Nachweispflicht bei Steuerbelegen

Das Finanzamt stellt höhere Ansprüche beim Werbungskostenabzug für die anstehende Steuererklärung 2010. Wegen zunehmenden Missbrauchs drohen jetzt sogar Bußgelder. Insbesondere bei Fachbüchern sollten die Quittungen genau überprüft werden, da eine Anerkennung als Werbungskosten nicht mehr problemlos – wie in vielen Fällen der Vergangenheit – in der Praxis durchgeführt wird. Die Originalrechnung...

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Ombudsmann schlichtet

Bei Streitigkeiten mit seiner Versicherung kann ein Privatpatient den zuständigen Ombudsmann als Vermittler einschalten. Diese Funktion hat seit Januar 2011 Klaus Theo Schröder, ehemaliger Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, inne. Die Institution Ombudsmann ist eine vom Bundesjustizministerium anerkannte, außergerichtliche neutrale Schlichtungsstelle. Differenzen entstehen z. B. bei...

Filmstars unterstützen Nahostfilm

New York (AFP/ND). Zahlreiche Hollywood-Stars, darunter Robert de Niro und Sean Penn, haben am Montag (Ortszeit) am Sitz der Vereinten Nationen in New York die US-Premiere des Films »Miral« über den Nahostkonflikt besucht. Sie unterstützten damit den US-jüdischen Regisseur Julian Schnabel gegen die israelische UN-Vertretung, die eine Ausstrahlung des Films über das Schicksal einer Palästinenserin ...

Zinsen nicht nach Belieben festsetzen

Frau X und ihre Geschwister hatten in den 80er Jahren 24 langfristige Sparverträge mit verschiedenen Banken abgeschlossen. Die Laufzeit betrug jeweils 15 Jahre, an deren Ende gab es eine Bonuszahlung von bis zu 15 Prozent der Sparsumme. Zu den Zinsen hieß es im Vertrag, sie würden jeweils dem Durchschnitt angepasst und durch »Aushang im Kassenraum der kontoführenden Stelle bekannt gegeben«. Die...

»Brüder, versöhnt euch!«
Indra Kley, Ramallah

»Brüder, versöhnt euch!«

Zehntausende Palästinenser haben erstmals im Gazastreifen und Westjordanland gleichzeitig für eine nationale Versöhnung der zerstrittenen Palästinensergruppen demonstriert. Allein in Ramallah im Westjordanland versammelten sich am Dienstag Tausende von Menschen und schwenkten die Palästinenserflagge als Symbol der Einheit.

Hilmar König

»Roter Bastion« droht Debakel

Im indischen Unionsstaat Westbengalen finden vom 18. April bis zum 10. Mai in sechs Phasen Wahlen zur Volksvertretung (Assembly) statt. Das politische Ereignis steht schon jetzt im Blickpunkt der Öffentlichkeit, weil die seit 1977 regierende Linksfront vor der größten Herausforderung in diesen 34 Jahren steht.

Überziehungskredit vom Girokonto kostspielig und oft unnötig

Banken wollen Geld verdienen, möglichst viel Geld. Das wohl lukrativste Produkt aus Sicht der Banken ist der Dispo. Jeder achte Kontoinhaber in Deutschland hat laut Studien sein Konto überzogen. Ein Riesengeschäft, denn der Dispositions- oder Überziehungskredit vom Girokonto bringt der Kreditwirtschaft zweistellige Zinssätze ein – mindestens doppelt so viel wie ein normales Darlehen.

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Wer Unfallstelle verlässt, verliert Versicherungsschutz

Wer Unfallstelle verlässt, verliert Versicherungsschutz

Um den Versicherungsschutz nicht zu verlieren, muss ein Autofahrer auf jeden Fall vorerst am Unfallort bleiben. Ein Autofahrer, der nach einem Unfall eigenmächtig den Unfallort verlässt, verliert seinen Versicherungsschutz auch dann, wenn keine strafrechtlich relevante Unfallflucht vorliegt. Das geht aus einem am 15. Februar 2011 veröffentlichten Urteil des Landgerichts Saarbrücken hervor.

Unbestellte Münzen

Gegenwärtig erhalten zahlreiche Verbraucher in Sachsen-Anhalt Post vom BTN Versandhandel GmbH - Deutsche Ausgabestelle für offizielle Münzen, Banknoten und Medaillen mit Sitz in Meine. Der Angeschriebene soll sich freuen, die neueste Ausgabe der Gedenkprägung zur Kollektion »US-Präsident Barack Obama« vorgestellt zu bekommen. Inklusive Versandspesen sind 7,45 Euro fällig, der bereits ausgefüllte Ü...

Roland Etzel

Entzweit über Libyen

Selten haben die westlichen Staaten bei den jüngsten Konflikten in der arabischen Welt so viel Uneinigkeit an den Tag gelegt wie im Falle Libyens. Das – bisher – konsequente Nein von Kanzlerin Merkel wie auch Außenministers Westerwelle dürfte zumindest die Franzosen etwas düpiert haben. Sarkozy, der nach all seinen innenpolitischen Schlappen und Skandalen auf ein Schulterklopfen wenigstens der Ver...

Marcus Meier

Politisches Urteil

Ein durch und durch politisches Urteil – das ist es, was das NRW-Verfassungsgericht gestern verkündete. Die bordeauxroten Roben sprachen erstens ein faktisches Politikverbot für Rot-Grün aus. Sie nutzen dabei zweitens ihren Ermessens-Spielraum voll aus. Und zwar, drittens, ganz im Sinne der schwarz-gelben Kläger: Der Nachtragshaushalt 2010, so das Urteil, ist verfassungswidrig und nichtig. Dabe...

ndPlusKurt Stenger

Weiter-so nach dem GAU

Die Atomenergie ist am Ende«, kommentiert der DGB-Bundesvorstand die dramatischen Ereignisse in Japan. »Jeder weiß es.« Guckt man sich die Reaktionen in den anderen fünf Staaten an, die die Atomenergie im großen Stil und in meist alten Meilern nutzen, kann davon aber keine Rede sein. Die deutsche Regierung hat als einzige Abstriche von ihren Atomplänen angekündigt. Und die sind dem Wahlkampf g...

Regina Stötzel

Frauenposten

Die CSU ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Kaum hat sich die Partei eine Frauenquote von 40 Prozent für die höheren Gremien verordnet, fällt auch noch der höchste Posten im Bundestag erstmalig an eine Frau. Gerda Hasselfeldt, bisher Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, folgt dem ins Innenministerium berufenen Hans-Peter Friedrich als Landesgruppenchefin. Sie wird damit auch Vizevor...

Streit um die Frist der Reklamation: Beim Kauf in Polen über Rechte informieren

Der Kauf von Küche oder Zaun in Polen ist bei deutschen Verbrauchern wegen der guten Qualität und günstiger Preise beliebt, doch im Reklamationsfall sind die Käufer oft unsicher. Dr. Katarzyna Guzenda vom Deutsch-Polnischen Verbraucherinformationszentrum unterstreicht: »Wirbt ein polnisches Unternehmen in Deutschland, dann kann sich ein deutscher Verbraucher beim Kauf auf deutsches Recht berufen.«...

Werbegeschenke von einem Euro erlaubt

Apotheken dürfen ihren Kunden billige Geschenke von einem Euro machen. Höhere Rabatte bleiben jedoch verboten. Wo die Grenze verläuft, bleibt nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe (Az. I ZR 193/07) offen. Das Gericht verwies bei der Urteilsbegründung auf das Gesetz zur Preisbindung für Arzneimittel.

Bündnis kontra Papstbesuch?

ND: Joseph Aloisius Ratzinger, besser als Papst Benedikt XVI. bekannt, will im September im Rahmen seines Deutschlandbesuches auch nach Berlin kommen. Es soll offenbar sogar eine öffentliche Veranstaltung vor dem Schloss Charlottenburg geben. Wie bewerten Sie den Besuch des Oberhaupts der katholischen Kirche?Steinert: Unser Bündnis wird den Papstbesuch kritisch begleiten. Wir wenden uns nicht gegen den Papstbesuch, nehmen ihn aber zum Anlass, die Probleme der katholischen Kirche mit dem Thema »...

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Senat beschließt Aktionsplan gegen Rassismus

(ND). Mit einem Landesaktionsplan will Berlin die Anstrengungen im Kampf gegen Rassismus und ethnische Diskriminierung verstärken. Der Senat hat den von der Integrationssenatorin Carola Bluhm (LINKE) vorgelegten Aktionsplan am Dienstag beschlossen. Der Aktionsplan sei in enger Zusammenarbeit mit den Senatsverwaltungen und einer Vielzahl zivilgesellschaftlicher Akteurinnen und Akteure entstanden...

Opposition: Rot-Rot begeht Rechtsverstoß

(ND). »Die von SPD und Linke gegen die Opposition beschlossene Empfehlung des Unterausschusses Beteiligungsmanagement und -controlling an den Hauptausschuss verstößt eindeutig gegen geltendes Recht.« Dies habe eine erste rechtliche Überprüfung ergeben, die die Opposition nach dem »skandalösen« Vorgehen der Regierungskoalition vorgenommen hat, teilten die Fraktionen von FDP, Grüne und CDU am Dienst...

Wohlfeil

Baustopps empfehlen die Chefs der deutschen Bundesländer Berlin und Brandenburg dem Nachbarn Polen. Er solle von Atomkraftwerken absehen, die seien schließlich keine Lösung. Trotz des Eintretens der Länderchefs Wowereit und Platzeck für einen Atomausstieg bietet freilich auch deren Heimatland Deutschland nicht gerade das Musterbeispiel für Verzicht auf Atomstrom. Ihnen selbst mögen solche wohlfeil...

200 Millionen Euro für sieben Kieze

(dpa/ND). In sieben Berliner Kiezen soll es in den nächsten 15 Jahren städtebaulich, sozial und kulturell aufwärts gehen. Dazu beschloss der Berliner Senat am Dienstag die Einrichtung von sieben neuen Stadtsanierungsgebieten. Dort will der Senat bis 2026 insgesamt rund 200 Millionen Euro investieren, um die öffentliche Infrastruktur aufzuwerten und so die Lebensqualität von etwa 74 000 dort lebend...

Schwester Sonnenschein streikt
ndPlusStefan Otto

Schwester Sonnenschein streikt

Zuletzt staunte Maria Ilyazova kurz vor Weihnachten über ihren Unternehmer. »Da haben wir drei Kilo Waschpulver bekommen und einen Christstollen.« Die Kroatin arbeitet als Reinigungskraft bei der Charité Facility Management (CFM). Ab Januar zahlt die Tochterfirma der Charité immerhin den Mindestlohn, doch es gibt weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld, geschweige denn einen Tarifvertrag.

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Popmusik made in Berlin

(dpa). Berlin inspiriert Rockmusiker. In der Hauptstadt haben schon David Bowie, Lou Reed, U2 oder Depeche Mode klassische Alben eingespielt. Auch die US-Band R.E.M. holte sich jetzt in der deutschen Metropole neuen Schwung.Im Hansa-Tonstudio nahe der Mauer entstand Mitte der 70er Jahre mit David Bowies »Heroes/Helden« die wohl berühmteste Berlin-Hymne der Rockmusik. Die vier Iren von U2 ließen si...

Neuer Chef für Historisches Museum

(dpa). Entscheidung in letzter Minute: Neuer Präsident des Deutschen Historischen Museums in Berlin wird der 44 Jahre alte Historiker Alexander Koch. Das Stiftungskuratorium wählte den bisherigen Direktor des Historischen Museums der Pfalz am Dienstag einstimmig zum Nachfolger von Hans Ottomeyer. Dieser sollte noch am Abend in den Ruhestand verabschiedet werden. Die Debatte um die Nachfolge an Deu...

Anouk Meyer

Tyranneien im Vergleich

Am Ende steht Krabat mit nur einem halben Stock da. Ausgerechnet beim Endkampf, als der junge Held und der böse Müllermeister um Leben und Tod fechten, macht es »knack«: Krabats Stock ist nur noch ein Stöckchen, alle lachen – bis der Regisseur brüllt »Zieht durch! Spielt weiter!« Das tun sie und sind nach dem Finale stolz, die zehn jungen Männer aus der Jugendstrafanstalt (JSA) Plötzensee. Haben s...

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Gleichstellung verlangt

Stuttgart (dpa/ND). Die umstrittene Glaubensgemeinschaft Zeugen Jehovas klagt gegen das Land Baden-Württemberg. Sie wehrt sich vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart dagegen, dass die CDU/FDP-Landesregierung sie rechtlich nicht den großen Kirchen gleichstellen will. Nach Ansicht des Landes verstoßen die Zeugen Jehovas gegen das Grundgesetz und könnten nicht als Körperschaft des öffentlichen Rechts a...

Arztsuche per Handzettel

»Arzt gesucht« heißt es auf Handzetteln und im Internet. Das kleine Gartow in Ostniedersachsen geht eigene Wege auf der Suche nach einem Allgemeinmediziner. Auf dem Land herrscht vielerorts Ärztemangel.

Hendrik Lasch, Dresden

Ein Schreck für die Heuschrecke

Die Stadt Dresden will das Unternehmen verklagen, das 2006 alle kommunalen Wohnungen erwarb. Die Firma soll Regelungen zum Mieterschutz verletzt haben. Der Betrag, um den es geht, ist höher als der Kaufpreis.

Tony Sanders

Skandal-Force Okerstraße

Der im Norden des Bezirks Neukölln gelegene Schillerkiez gilt als Problemquartier. Die Erwerbslosigkeit ist hoch, der Ausländeranteil ebenso. Hier entstand vor zwei Jahren die »Task Force Okerstraße« (TFO), gemeint war eine behördenübergreifende Zusammenarbeit von Polizei, Jobcenter, Jugendbehörden, Sozialarbeitern und des Quartiersmanagements (QM). Die Leitung übernahm Arnold Mengelkoch, Migratio...

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Zahl der Berufsschüler sinkt

Wiesbaden/Gera (dpa/ND). An den Thüringer Berufsschulen ist die Zahl der Schüler stark gesunken. Im laufenden Schuljahr sei sie um zehn Prozent eingebrochen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Dagegen lernen wieder mehr Kinder und Jugendliche an den allgemeinbildenden Schulen im Freistaat. Anders als in den West-Bundesländern stieg dort die Schülerzahl um 1,1 Prozent. ...

Feuer in Recyclinganlage

Finsterwalde (dpa). Eine Recyclinganlage in Massen bei Finsterwalde ist gestern bei einem Brand beschädigt worden. Das Feuer sei aus bisher unbekannter Ursache in einer Lagerhalle für Hausmüll entstanden, teilte die Polizei mit. Etwa 600 Kubikmeter brennender Abfall seien mit schwerer Technik nach draußen gezogen und gelöscht worden. Drei Mitarbeiter des Betriebes, die bei den Löscharbeiten geholf...

Sebastian Stoll, epd

Streit um »Stolpersteine«

Gunter Demnig verlegt seit über zehn Jahren Gedenksteine. Die Messingplatten enthalten Lebensdaten und Namen von NS-Opfern und werden am letzten selbst gewählten Wohnort der Ermordeten in den Boden eingelassen. Doch manche jüdische Gemeinden lehnen diese »Stolpersteine« ab.

Dolmetscher Gottes
ndPlusJoelle Verreet, dpa

Dolmetscher Gottes

Kaum ein Buch ist in so vielen Auflagen erschienen, wie die Bibel. Besonders in afrikanischen Ländern steigt die Nachfrage. Der Münchner Fritz Goerling schreibt Bibeln in exotischen Sprachen, für die es keine Schrift gibt.

ndPlusWilfried Neiße

Weder Kernspaltung noch Kohle

Während sich im japanischen Atomkraftwerk Fukushima die Lage ungeheuer zuspitzte, wurde im Landtag gestern eine lange geplante Ausstellung zu der Reaktorkatastrophe von 1986 eröffnet: »Tschernobyl – 25 Jahre danach«. Gleichzeitig debattierten alle Fraktionen, welche Schlussfolgerungen aus dem GAU in Japan für die heimische Energiestrategie zu ziehen sei.SPD, LINKE und Grüne sprachen sich mit...

Hamburger Nestkälte
Barbara Kaiser

Hamburger Nestkälte

Das Hamburger Obdachlosentheater Obdach-Fertig-Los wurde 1994 gegründet. Mit »Nestkälte« kommt in diesem Jahr bereits das fünfte Stück des früheren Exportmanagers Gerhard Arland zur Aufführung.

ndPlusAndreas Fritsche

Heute fahren wir mal in die Barnimer Feldmark

Spreewald, Märkische Schweiz und Schorfheide – diese Landschaften sind in Berlin und Brandenburg ein Begriff. Aber niemals würde ein Einwohner von Werneuchen sagen, dass er in der Barnimer Feldmark lebe, weiß Bürgermeister Burkhard Horn (LINKE). Seit mittlerweile 15 Jahren bemüht sich der Regionalpark Barnim e.V., die touristische Infrastruktur im Nordosten Berlins zu entwickeln. Zum Gebiet ...

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ndPlusIrmtraud Gutschke

Ab morgen: Leipzig!

Bücher über Bücher – wenn morgen die Messehallen in Leipzig öffnen, ist spätestens bis Mittag das übliche Gedränge zu erwarten. Die schleusen wieder ganze Schulklassen durch, wird mancher Aussteller stöhnen. Man ahnt schon: Zum Messe-Abschluss werden höhere Besucherzahlen zu vermelden sein als im Vorjahr. So viele leidenschaftliche Leser! Autoren, Verlage und Buchhändler kann's freuen.Der Bö...

GÜNTHER BLÖCKER: Das Torgewölbe

Gewiss strebt auch Kleist einer Harmonie zu. Aber es ist nicht die Zweckharmonie eines idealisierenden Arrangements, und sie stellt sich nicht in der Weise her, dass sich dem Bösen das Gute, dem Irrtum die Wahrheit, dem Widervernünftigen das Vernünftige dialektisch entringt und die disparaten Elemente des Daseins sich am Ende auf ein schließlich doch sinnvolles, vernunftgesegnetes Ganzes hin ordne...

ndPlusLilian-Astrid Geese

Drogen

Manche Bücher, Bilder, Menschen sind untrennbar mit entscheidenden Momenten im eigenen Leben verbunden. Verschwinden sie, sterben sie, ist es, als verliere man einen Teil des eigenen Selbst. Auch wenn man sie vielleicht nie wirklich gekannt hat. So geht es mir mit Günter Amendt (Foto: Reents).Die Nachricht am vergangenen Wochenende, er sei gestorben, weil ein unter Drogen stehender Autofahrer in H...

Geknackt vom Stumpfsinn
Hans-Dieter Schütt

Geknackt vom Stumpfsinn

Hinten der Horizont ist hoch. Er färbt sich mit der Zeit in alle möglichen schönen Farben und Dämmerungstöne. Vom Horizont hinten geht es nach vorn sehr unvermittelt hinein in eine triste Stuhl-Tisch-Wohngegend rund um ein rundes fettes Turm-Ungetüm. Ein Horizont-Vernichtungsblock. Wohnsilo-Ambiente. Endstation Sehnsucht? Nur Endstation für Blanche Du Bois, die ihre Schwester Stella besucht, schwa...

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Rotstift bedroht Cinecittà
Anna Maldini, Rom

Rotstift bedroht Cinecittà

Dem finanziellen Kahlschlag in der italienischen Kultur droht jetzt ein weiteres historisches Erbe zum Opfer zu fallen: Cinecittà, die »Filmstadt« in Rom, das Filmarchiv »Luce« und die Filmhochschule müssen schließen, wenn der italienische Staat seine Drohungen wahr macht und die Gelder noch weiter kürzt. Anfang dieses Jahrtausends erhielt Cinecittà jährlich noch 20 Millionen Euro, im vergangenen ...

Eberhard Reimann

Hanseatischer Demokrat

Vor sechzig Jahren erschien sein erstes Buch. Redakteur war er damals und hatte die Bücher auszuwählen, die als Fortsetzungsromane gedruckt werden sollten. Während dieser Arbeit kam ihm der Gedanke, dass er auch selbst schreiben könnte, Eigenes. Und er tat es. Sein Chef war von dem Ergebnis begeistert. Vor der gedruckten Ausgabe erschien »Es waren Habichte in der Luft« als Vorabdruck in seiner Zei...

Insel ade, Erde ade?

Insel ade, Erde ade?

Von Katastrophenfilmen »geschädigte« Menschen mögen derzeit in Endzeitstimmung verfallen. Darum befragte KARLEN VESPER den ehemaligen Direktor des Zentralinstituts für Physik der Erde an der Akademie der Wissenschaften der DDR, HEINZ KAUTZLEBEN, seit 1992 Privatgelehrter und Mitglied der Leibniz-Societät.

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Bewegungsmelder

Tag des politischen Gefangenen (ND-Nowak). Mit Veranstaltungen, Kundgebungen und Demonstrationen setzen sich Solidaritätsgruppen in der ganzen Republik rund um den 18. März für die Freiheit von politischen Gefangenen ein. In den 90er Jahren hatte die Gefangenenhilfsorganisation Rote Hilfe eine Tradition aus der Arbeiterbewegung der 1920er Jahre wiederbelebt und den 18. März als Kampftag für die ...

Bernd Hüttner

Stuttgart 21 auf DVD

282 Bäume sollen für den neuen unterirdischen Bahnhof in Stuttgart gefällt, etliche Milliarden Euro für den Umbau der Innenstadt ausgegeben werden. Dagegen leisten viele Bürger Widerstand, wie auch gegen eine Politik, die über 60 000 Unterschriften für einen Bürgerentscheid einfach ignoriert. Zahlreiche Bücher sind mittlerweile rund um Stuttgart 21 erschienen, darunter sogar Krimis und Kinderbüche...

Michael Scheuermann, Freiburg

Freiburger Samba-Kampf

Sie sind das Sinnbild für kreativen und friedlichen Protest: Sambatrommeln und Clowns. Nur nicht im Baden-Württembergischen Freiburg, wo Oberbürgermeister und Ordnungsamt ein Trommelkonzert als Körperverletzung verfolgen.

ndPlusOlaf Sundermeyer

Von netten Neonazis und hysterischen Redaktionen

Rechtsextremismus ist kein rein ostdeutsches Phänomen. Das stellen die beiden Journalisten Astrid Geisler und Christoph Schultheis in ihrem Buch ebenso klar, wie sie das Demokratiedefizit ausleuchten, das sich in manchen Gegenden Ostdeutschlands hartnäckig hält. In Vorpommern etwa oder in Sachsen. Hier arbeiten die freien Neonazikameradschaften vom »Heimatbund Vorpommern« daran, im zivilgesellscha...

Seite 16

Kurzschlüsse und fehlerhafte Dübel

Januar/Juni 2010: Laut Kernkraftgegnern haben AKW-Betreiber EnBW und die baden-württembergische Atomaufsicht mehrere Störfälle im AKW Philippsburg 2 verheimlicht. Am 19. Juni 2010 verklemmt sich ein Stopfen in einer Abflussleitung des Brennelementebeckens. Über eine offenstehende Armatur fließen 270 000 Liter Reaktorwasser in das Reaktorgebäude, weitere 10 000 Liter durch Entwässerungsleitungen au...

Felix Werdermann

Sicher ist nur das Risiko

Bundesregierung und Atomkraftwerksbetreiber bemühen sich, Ängste aus der Bevölkerung kleinzureden. Tenor: Eine Katastrophe wie in Japan könne hierzulande nicht passieren. In Wirklichkeit gibt es zahlreiche Sicherheitsrisiken – drei von ihnen werden im Folgenden vorgestellt.

Seite 17

EU-Minister für höhere Recyclingquote

Brüssel (AFP/ND). Die EU-Staaten wollen künftig mehr Elektroschrott entsorgen und wiederverwerten. Die Umweltminister einigten sich darauf, dass in vier Jahren 45 Prozent aller Altgeräte wie Fernseher, Handys und Küchengeräte europaweit zurückgenommen und recycelt werden müssen, wie der Ministerrat am Montagabend mitteilte. In acht Jahren soll die Quote auf 65 Prozent erhöht werden. Bislang wird n...

Rund neun Millionen für Ackermann

Frankfurt am Main (dpa/ND). Rund neun Millionen Euro soll Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für das Jahr 2010 kassieren. Das ist etwas weniger als ein Jahr zuvor, dennoch dürfte der Schweizer einmal mehr zu den Spitzenverdienern unter den DAX-Vorstandsvorsitzenden zählen. Im eigenen Haus wird Ackermann allerdings von Top-Investmentbanker Anshu Jain in den Schatten gestellt, der auf knapp 12 Milli...

ndPlusUlrike Henning

Ein Netz mit vielen Lücken

Der Patient sollte im Mittelpunkt stehen – auch, wenn Ärzte, Krankenkassen und Gesundheitspolitiker dies immer wieder betonen, sind Kranke den Behandelnden oft hilflos ausgeliefert. Anlässlich des Weltverbrauchertages stellte der Sozialverband Deutschland e. V. (SoVD) einen ganzen Forderungskatalog zur Stärkung der Patientenrechte vor.

Aert van Riel

Mit Öko-Landwirtschaft gegen Hunger

Obwohl weltweit niemals mehr Nahrungsmittel produziert wurden, leiden heute rund eine Milliarde Menschen an Hunger und chronischer Unterernährung. Dies geht aus dem »Bericht zur Lage der Welt 2011« hervor, dessen deutsche Ausgabe gestern von Germanwatch und der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin vorgestellt wurde.

Seite 19
Oliver Händler

Löblich, aber ...

Der Deutsche Fußball-Bund ist in Lernstimmung. Vor wenigen Jahren ließ er untersuchen, wie sich der DFB und der Fußball in Deutschland allgemein in die Dienste der Nationalsozialisten hatte einspannen lassen. »Fußball unterm Hakenkreuz«, hieß das daraus entstandene Werk. Ein bemerkenswerter Versuch, mit eigener Geschichte kritisch umzugehen. Sehr spät, aber immerhin. Nun ist die DDR dran. »Analog ...

Turbine Potsdam hat das Triple im Blick

Für Fatmire Bajramaj, die eines der Aushängeschilder des deutschen Frauenfußballs ist, gehen die entscheidenden Wochen gerade erst los. »Ja, ich beschäftige mich damit. Ich denke, es ist realistisch, diese vier Titel zu holen«, platzte die Potsdamer Stürmerin nach dem Gewinn des Meistertitels geradezu vor Selbstbewusstsein. Nach der Titelverteidigung mit Turbine möchte Bajramaj mit ihrem Verein no...

ndPlusJürgen Holz

Unheilvolles Szenario

Das Desaster im Hinterkopf, den Angstgegner vor Augen – ein Szenario für die Eisbären Berlin, das nicht eben Mut für die am 23. März beginnenden Viertelfinal-Play-offs in der deutschen Eishockeymeisterschaft macht.

ndPlusMatthias Koch, Fürth

Kleiner Schritt – großes Ziel

Die Anhänger von Hertha BSC protestierten am Montagabend mit einem riesigen Transparent gegen Montagsspiele in der 2. Bundesliga – wegen der fanunfreundlichen Anstoßzeiten. Rund 2000 mitgereiste Hertha-Sympathisanten dürften die Fahrt zur Spitzenbegegnung bei der Spielvereinigung Greuther Fürth dennoch nicht bereut haben. Nach dem 2:0 (1:0)-Erfolg feierten sie ausgelassen mit den vor dem Gästebloc...

Seite 20
ndPlusAnna Maldini

Capri will zum schweigenden Eiland werden

In Capri ist Schweigen wohl tatsächlich Gold. Um die Ruhe der Touristen in keiner Weise zu stören, hat die Inselverwaltung jetzt beschlossen, in den Sommermonaten jegliche Arbeit in Landwirtschaft und auf dem Bau zu verbieten: vorausgesetzt sie erfordern Maschinen und machen deshalb unweigerlich Lärm. Capri, die Insel im Golf von Neapel, lebt vom Tourismus. Die wunderschöne Natur, das Meer, die...

Seite 21
Irmtraud Gutschke

Einssein

Es geht um das Glück. Eigentlich, worum sonst soll es gehen? Aus dem Geschehen, über dem das Buch schwebt, hätte eine andere Autorin, ein anderer Autor eine herzzerreißende Liebesgeschichte gemacht, immer vom Gedanken bedroht: Ach, wie banal! Aber banal kann es in der Prosa von Angela Krauß niemals werden, was immer sie auch erzählen mag. Da schließt sich dieses Buch an frühere an. Vielleicht s...

ndPlusHarald Kretzschmar

»... aber gebt mir den Text nicht vor«

Wer diesen Dichter kennt, weiß um das eher Tiefschürfende als Hochfliegende seiner Verse. Ein Worte wendender Sprachtüftler, der den Reim für den Zeilenrhythmus nicht braucht, weil er das klassische Maß verinnerlichte. Durchgehende Kleinschreibung schafft lineares Satzbild. Sich überstürzende Wortfolgen münden dennoch in lapidare Strenge. Die flexible Denkfähigkeit des Autors und sein enormer Form...

Seite 22
ndPlusChristel Berger

Zuhause bei Benny Goodman

Söhne oder Töchter berühmter Väter oder Mütter haben es nicht leicht, aus dem Schatten der Eltern zu kommen. Es gab schon große Zerwürfnisse, wütende Proteste, Beschuldigungen ... Nun hat der 46-jährige Andrej Hermlin – Sohn von Stephan und Irina Hermlin und erfolgreicher Bandleader des Swing Dance Orchestra – über sich und seinen Weg geschrieben. Die Sprache der Mutter ist Russisch, Deutsch ko...

Ralf Schenk

Alfons, Ottokar und andere

Sein Buch über die Filmkinder der DEFA widmet Knut Elstermann dem »großen Menschenfreund« Thomas Schmidt. Der spätere Professor und Präventivmediziner am Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung in Hannover war 1953, im Alter von elf Jahren, als Darsteller für die Figur des kleinen Muck ausgewählt worden. Inmitten von Wolfgang Staudtes farbenprächtigem orientalische...

Seite 23
Uli Gellermann

Der Traum von Europa

Als Cevdet, der Patriarch und Gründer jener Sippe, deren Entwicklung im Roman Pamuks ein buddenbrooksches Format erlangt, mit seiner Lampenfabrikation beginnt, ist das Osmanische Reich fast am Ende: Serbien gehörte mal dazu, auch Bulgarien auf der einen, Ägypten und Jemen auf der anderen Seite. Doch die Kraft, die dieses Großreich zusammenhielt, erlischt. Auch, weil die europäischen Imperien – Eng...

ndPlusFritz Rudolf Fries

Luka im Wunderland

Nach wenigen Seiten Lektüre in Salman Rushdies neuem Roman »Luka und das Lebensfeuer«, rief ich meine Kinder und Kindeskinder herbei, um ihnen daraus vorzulesen. Ihr müsst, sagte ich, die Vorgeschichte kennen. Dieser Luka ist der achtjährige Sohn des Geschichtenerzählers Raschid Khalifa, dem eines Tages die Frau wegläuft, und über Nacht gehen ihm die Worte aus. Das Meer unendlicher Geschichten, di...

Seite 24
ndPlusUrsula Rütten

So weit das Auge reicht

Das frühere Land war klein geworden. Es lag im Licht des Andenkens, eine Insel in der Ferne. Es war ein Land ohne Grenzen gewesen, von einem unruhigen Meer umgeben und dem Grenzland, in dem ich jetzt lebte, fremd.« Ihr Leben in England ruft die Ich-Erzählerin in Erinnerung. Nun lebt sie in Ungarn. Nach London und einem Zwischenjahr in Budapest verschlägt der Zufall die Autorin Esther Kinsky in das...

Lilian-Astrid Geese

Noch eine Geschichte, bitte!

Kirchblüt, eine Kleinstadt bei Heidelberg. Provinzalltag in den 1960er Jahren. Terese, genannt Seri, lebt dort. Mit ihrer Mutter Maria, die jung verwitwet die Spedition ihres Mannes Hannes Bartfink in Kirchblüt weiterführt. In Kirchblüt geht alles bedächtig seinen Gang. Die Dinge ändern sich nicht, auch wenn das Schicksal eingreift. Zwanzig Jahre fährt Maria den Koffer ihres verstorbenen Gatten un...

ndPlusEberhard Reimann

Wenn Lesen süchtig macht

Eine gute Ausdauerläuferin sei sie früher einmal gewesen, sagte Kathrin Schmidt, als sie 2009 zur Überraschung vieler an der gerade gekürten Nobelpreisträgerin Herta Müller vorbei zur Entgegennahme des Deutschen Buchpreises auf das Podest gerufen wurde. Auch wenn die Autorin mit dieser Charakterisierung wohl eher das auf persönlichem Erleben basierende Buch meinte. Nein, mir scheint, dass damit au...

Seite 25
ndPlusManfred Jendryschik

Auf der Suche nach nichts

UND DIE GESCHICHTE IST DIESE – der letzte Satz dieses Textes könnte ebenso gut, besser, der erste sein. Denn so hört man ja eigentlich nicht auf, so wird, gewöhnlich, ein Erzählstrom eröffnet bzw. bestärkt. Dem steht das Einfache der berichteten Handlung entgegen: Ein Mann entsteigt einem Flugzeug und treibt sich, offenbar auf einen Stunden später vorgesehenen Weiterflug wartend, im Airport-Geländ...

Hans-Dieter Schütt

Stare und Nahtstellen

Das Zivilisatorische ist »einer durchsichtigen Eisdecke vergleichbar, unter der sich der grausame Zug der Realitäten bewegt«. Die Berufspolitik schlittert über dieses Eis, wie alle darüberschlittern – aber: Sie wähnt sich wohl als Befestiger jener Grundfläche, auf der sich der Status quo, den sie verwaltet, zum Dauerzustand entwickeln soll. Alexander Kluge beleuchtet in seinen Geschichten das G...

Seite 26
ndPlusSabine Neubert

Gefährliche Liebschaften

Verwicklungen, Verwechslungen, Verkleidungen. Eine Komödie der Irrungen, ein bisschen »Romeo und Julia«, ein bisschen »Zähmung der Widerspenstigen«, ja, sogar ein bisschen »Vergebliche Liebesmüh«. Da gibt es gefährliche Intrigen und düstere Machenschaften, vor allem aber Liebesspiele in schönster und deftigster Art. Keine Autorin weiß das so köstlich zusammenzurühren wie Charlotte Thomas. Wieder b...

Jürgen Engler

Scharf beobachtete Züge

Ein herausragendes Buch! Herausragend aus der Unmenge historischer Romane mit ihrer breit ausmalenden Vergegenwärtigung von Geschichte. Erzählt wird von Johann Friedrich Meckel dem Jüngeren in Halle, Anatom, Entwicklungsbiologe und Begründer der Missgeburtenlehre. Seine Messerzüge galten der Erforschung des Lebens. Seine Begeisterung für Monstren hatte durchaus Züge einer Déformation professionell...

Seite 27
ndPlusUwe Stolzmann

Säulen und Stuck

Woran denkt man, wenn das Wort »Belgrad« fällt? An ein Kraftfeld mit erschreckender Sogwirkung. An die Buntheit Jugoslawiens. Oder an ein langes blutiges Jahrhundert: Balkankriege, Weltkriege, Bruderkriege. Ein Königsmord (1903) und der Mord an einem Premier (2003). Größenwahn und Genozid, Miloševic und die Mafia. Man weiß von den Bomben, die auf die Stadt gefallen sind, immer wieder, zuletzt ware...

Uwe Stolzmann

Tyrannen von seltener Menschlichkeit

Immer heller leuchtet sein Bild in Ex-Jugoslawien, immer unscheinbarer werden die Flecken auf dem Porträt. In den Augen seiner Bewunderer war Josip Broz, genannt Tito, das wahre Gesicht des Sozialismus. Dieser Ritter in weißer Rüstung. Der Befreier und gütig-strenge Verwalter eines Vielvölkerreichs, Führer einer Weltbewegung, umworben von den Großen der Welt. Woran seine Bewunderer nicht gern erin...

Seite 28
Irmtraud Gutschke

Eine Riesin besteigen

Er wurde 1930 als Sohn eines Jägers auf der Tschuktschenhalbinsel im äußersten Nordosten Sibiriens geboren, er starb 2008 in St. Petersburg. Der erste Schriftsteller seines 12 000-Seelen-Volkes – ein Vorzeigeliterat für die sowjetische Nationalitätenpolitik. Juri Rytchëu hat uns mit zahlreichen Büchern das Leben in der Tundra nahegebracht – realistisch und poetisch zugleich, denn das erwartet man ...

Ina Beyer

»Babys« auf Zonentour

Fast ein Vierteljahrhundert nach der Katastrophe von Tschernobyl begibt sich die Journalistin Merle Hilbk in die Region, in der sich im April 1986 die Reaktorhavarie zugetragen hatte. Mehrere Monate lebt sie in Gomel, dem am stärksten betroffenen Bezirk in Weißrussland. Von da aus reist sie durch das Sperrgebiet, fährt sogar bis an den berüchtigten Reaktor Nummer 4 in Pripjat heran. Ihr Buch er...

ndPlusRegina General

Zwei Leben in jeder Brust

Von solchen, die sich selber nicht nur das Wissen beibringen, sondern auch das Geschick schmieden, wird im Folgenden die Rede sein«, verkündet der Autor in seinem Begleitbrief an den Verleger. Seine Geschichte beginnt allerdings weniger selbstbestimmt. In Moskau 1977 trifft ein Student aus der Mongolei eine junge Frau aus Ungarn. Es folgen zehn wundervolle Tage der »reinen« Liebe. Dann hat der Stu...

Seite 29
Lilian-Astrid Geese

Stoff für Fiktionen

Es wird ein langer Roman«, sagte Paul Murray mir, als ich ihn vor drei Jahren in Frankfurt fragte, woran er aktuell arbeite. Es könnte ein Weilchen dauern, bis man nach »An Evening of Long Goodbyes« wieder von ihm hören würde. Nun ist die Wartezeit vorbei. Und der junge irische Erzähler (Jahrgang 1975) hat nicht übertrieben: »Skippy stirbt« ist über 700 Seiten schwer. Eine pralle Geschichte über L...

ndPlusPeter L. Zweig

Kunst – nur Echo?

Meilensteine dienen der Positionsbestimmung. Sie markieren einen Weg, man kann immer wieder zu ihnen zurückkehren, um sich neu zu orientieren. Das gelingt um so besser, wenn man die Stelle selbst markiert hat. Klas Östergren hatte mit »Gentlemen« (1980) einen solchen Meilenstein gesetzt. Dem 1955 geborenen Autor war ein unterhaltsam-melancholisches Buch über eine Generation gelungen, die sich dem ...

ndPlusReiner Oschmann

Macht des Zufalls oder böser Gott?

Nach zwei eher enttäuschenden Büchern (2010: »Die Demütigung«, 2009: »Empörung«) ist Philip Roths jüngster Roman »Nemesis« wieder das Werk eines Meisters. Wieder ein eher kleines Buch und anders als »Der menschliche Makel«, »Sabbaths Theater« oder »Amerikanisches Idyll« keine Geschichte, die verschlungen der Gleichung von Leben und Kunst nachspürt, ist »Nemesis« bis zur Schmucklosigkeit »geradezu«...

Seite 30
H. P. Gansner

Albträume

Am Morgen nach der Ermordung von Patrice Lumumba am 17. Januar 1961 bricht die Apokalypse über Kongo herein. An den Hängen der Vulkane, an den Ufern der großen Seen, in den Savannen, Dschungeln und Sümpfen erheben sich die Völker, attackieren die von den weißen Söldnern Oberst Cermiers unterstützte Obrigkeit und bedrohen die Minen von Maniema, wo die fantastischsten Gold-, Diamanten- und Uranschät...

Uli Gellermann

Die Tochter des Patriarchen

Mimoun wird von seiner Mutter vergöttert und von seinen Schwestern gehätschelt, denn Mimoun ist das Kleinod seiner Familie: Ein Sohn. Er hat immer wieder wohlinszenierte Wutanfälle, er schlägt gern, mit Vorliebe Frauen, und eigentlich ist er ein Blender, und die Blendung seiner Umgebung gelingt ihm vorzüglich. Für ihn, der in der marokkanischen Kabylei aufwächst, »waren Frauen ..., die ihre Ehre n...

ndPlusLilian-Astrid Geese

Willkür und das nackte Überleben

Zufällig wird man erwachsen oder ein Fremder.« Und das binnen kürzester Zeit. Im März 1991 wird Mahdi Hamama – »die Taube« – nach zwei Jahren Folterhaft aus dem Gefängnis befreit. Doch im gleichen Monat noch wird klar, dass Saddam Hussein das Land weiter regieren wird. Vorbei der kurze Moment der Hoffnung. Vorbei jegliche optimistische Spekulation auf die Zukunft: Werden die Kommunisten die Macht ...

Seite 31
Kai Agthe

Omi, wie sie ist

Ein großes Thema im Bilderbuchformat: Wovor sich Erwachsene fürchten, vielleicht kommen Kinder ja sogar leichter damit zurecht. Sehr einfühlsam wird hier aus der Sicht des Mädchens Fini von der Demenz ihrer Oma berichtet. Das Wort fällt nicht, es wäre hier viel zu abstrakt. Dafür teilt Fini mit dem Leser und Betrachter ihre Erfahrungen, wie aus der alten Omi in kurzer Zeit eine neue wurde. Die ...

ndPlusRalph Grüneberger

»Bulumba Meno ...«

Stellen Sie sich vor, Sie wüssten einen Zauberspruch, und wenn Sie diesen aussprechen, bekommen Sie eine Geschichte vorgelesen. In dem Kinderbuch von Doris Hölzel, im Hauptberuf Gymnasiallehrerin und im Nebenberuf Heilpraktikerin, heißt der Spruch: »Bulumba Meno, schumba sombrenot!« Das klingt nach Esperanto, jener gutgemeinten Plansprache zur Verbesserung der Kommunikation. Aber auch Literatur is...

Seite 32
Irmtraud Gutschke

Wahre Größe

Gab's das Buch nicht schon mal? Richtig, 1986 ist es erstmals erschienen, im Kinderbuchverlag Berlin, weshalb es Eulenspiegel nicht explizit als Nachauflage auszuweisen braucht. Denn das würde den Wert auf einem Buchmarkt schmälern, der inzwischen so schnell rotiert, dass fast schon wieder herunterfällt, was vor einem halben Jahr erschien. Neu, neu, neu – und wie schnell ist es wieder vergessen! G...

ndPlusAntje Stiebitz

»Abrakadabra!«

Eine Zauberformel, ein Knall – Robert ist nicht mehr zu sehen. »Hier bin ich doch«, klingt Roberts Stimme aus dem Nichts. Seit 35 Jahren wirkt die Zauberkraft der Geschichte um den unsichtbar gewordenen Robert. Und sie hat nichts von ihrem Charme verloren. Text und Bild stammen von der verstorbenen irischen Illustratorin und Kinderbuchautorin Elizabeth Shaw. Roberts Eltern verstehen die Welt...

ndPlusEva Peter

Die Augen der Van-Katze

Die Autorin, Elisabeth Etz, mag es bedauert haben, dass ihr nur 32 Seiten zur Verfügung standen, um ein Land zu erklären, von dem sie noch viel mehr zu erzählen weiß. Andererseits hat sie auf diesen 32 Seiten weit mehr untergebracht als das, was viele Türkei-Urlauber von den Gegenden wissen, wo man sie inzwischen schon auf Deutsch begrüßt. Und noch viele andere Sprachen beherrschen die Händler, wä...

Kai Agthe

Auf Suche nach dem Gestern

Wo ist es denn nur hin? Loretta Koschke wacht wie gewohnt um sieben Uhr auf und fragt erst sich und dann ihre Mama beim Frühstück, wo es wohl geblieben sein mag: das Gestern. Ihre Mutter ist um eine Antwort verlegen. Und weil das Gestern noch nicht so lange weg ist, sucht das Mädchen zuerst in der Wohnung. Aber weder im Kühlschrank noch unterm Teppich wird sie fündig. Ihr Haushering Bodo, der gera...

Seite 33
Dirk Farke

Existenziell

Zwanzig Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges ist die akute Gefahr der Nuklearwaffen nur noch marginal im öffentlichen Bewusstsein, verdrängt von anderen, die Menschheit und den Planeten bedrohenden Problemen wie Klimawandel, Artensterben und Überbevölkerung. Nur 23 Prozent der Europäer und 24 Prozent der Deutschen halten die Verbreitung von Atomwaffen für eine der größten Bedrohungen der Zivilis...

ndPlusHarald Loch

Empörung

Ein sozialdemokratischer Amerikaner – das klingt in unseren Ohren wie eine Contradictio in Adjecto. Wenn man aber Tony Judt zuhört, wird schnell klar, dass eine solche Philippika gegen den Markt und ein derartiges Plädoyer für das Ideal der Gleichheit wie »Dem Land geht es schlecht« nur vor der Kontrastkulisse der Wall Street und einer dem Staat zutiefst skeptisch gegenüberstehenden Gesellschaft g...

Seite 34
Franziska Klein

Sympathischer Appell

Lange hat man nichts mehr gehört vom Institut Solidarische Moderne. Dieses ist im Januar 2010 als Programmwerkstatt für neue linke Politikkonzepte über Parteigrenzen hinweg gegründet worden: ein Crossover. Nun ist eine Publikation erschienen, deren Autor als Mitglied dieses Instituts ausgewiesen wird. Manuel Rabek ist ein Pseudonym, informiert der Verlag. Der Leser rätselt, wer oder wieviele au...

ndPlusMaria Montero

Venceremos

MIR? Das heißt auf Russisch Frieden. Darum geht es im elften Band der verdienstvollen »Bibliothek des Widerstands« zwar auch – im Sinne von: Friede den Hütten, Krieg den Palästen! Doch ist dies hier nicht gemeint. MIR steht für Movimiento de Izquierda Revolucionaria (Bewegung der revolutionären Linken), 1965 in Chile gegründet und »Teil der neuen Linken in Lateinamerika, deren politische Theorie u...

Peter Nowak

Kritische Solidarität

Eine Vereinigung von Rentnern besetzt das lokale Büro einer ehemaligen Regierungspartei und richtet dort ein Zentrum ein, in dem sie Tanzkurse, Kulturveranstaltungen und Geburtstagsfeiern abhält. Der besetzte Seniorenclub befindet sich in einem Armenstadtteil von Caracas und ist Teil einer Rätestruktur in Venezuela. In der öffentlichen Diskus-sion hierzulande steht der telegene Präsident Hugo C...

Seite 36
ndPlusWolfgang Gehrcke

Der Tod ist steuerfrei

Embedded – eingebaut, verankert. Das ist offensichtlich der moderne Begriff für das, was früher »Kriegsberichterstatter« hieß. Dies ist gewöhnungsbedürftig. Nick McDonell schildert seinen Alltag als »embedded journalist« in Irak. Er tut dies in nüchternen, teilweise dürftigen Worten. Eigentlich erinnert sein Buch mehr an ein Kriegstagebuch. Der Irak-Krieg zieht seine Fäden bis in alle Lebensber...

Jörg Roesler

Investoren aus der Wüste

Wer aufmerksam die Wirtschaftsnachrichten verfolgt, dem ist es längst bekannt: Das ökonomische Schwergewicht der Welt ist dabei, sich nach Osten zu verlagern. China ist zum großen ökonomischen Herausforderer des Westens geworden und Indien hat sich zu einer Wirtschaftsmacht von Gewicht gemausert. Michael Backfisch ist der Meinung, dass zu den im Weltmaßstab zu beachtenden aufstrebenden Ökonomien u...

ndPlusMartin Hardt

Ein Spiegelbild

In einem Interview für youtube.com beschreibt Ian Johnson, wie er dazu kam, sein Buch »A mosque in Munich« zu schreiben. Den Anstoß verdanke er dem Besuch einer muslimischen Buchhandlung. Auf einer Landkarte, auf der herausragende Zentren und Moscheen des politischen Islam vermerkt waren, habe er auch die Münchener Moschee in Schwabing-Freimann entdeckt. Dies machte ihn neugierig. Der deutsche Tit...

Seite 37
Niels Seibert

»Das kennt ihr nicht ...«

Wie das Buch zu seinem Titel kommt, wird gleich auf den ersten Seiten verraten. »Wir sehen nicht alle gleich aus. Wir sind alle anders. So wie ihr«, erwidert der Chef etwas vorwurfsvoll, als Maria Tekülve 1988, damals 30 Jahre alt, zum ersten Mal in Afrika war und ihre Arbeitskollegen nicht ausein-anderhalten konnte. Sie hatte gegenüber ihrem Vorgesetzten bemerkt, alle Afrikaner schauten gleich au...

ndPlusAntje Stiebitz

Vereinnahmt und zerstört

Der indische Fluss Narmada fließt 1312 Kilometer von Ost nach West bis ins Arabische Meer. Für die Elite des indischen Staates ist der Fluss eine profitable Ressource der Marktwirtschaft: Das Narmada-Projekt – dreißig Großstaudämme, 135 mittlere und etwa 3000 kleinere Dämme entlang des Flusses und seinen 41 Nebenflüssen – soll das Flusswasser nutzbar machen. Die Idee ist Jahrzehnte alt, bereits de...

Reiner Oschmann

Er hat einen Traum

Dder schottische Priestersohn, gerade 60 geworden und einer der belesensten und erfolglosesten britischen Premiers seit 1940, hat als heutiger Hinterbänkler im Parlament von Westminster ein Buch veröffentlicht, das zehn Prozent Memoiren und 90 Prozent Bericht über einen bescheidenen Weltenretter namens Gordon Brown ist. Der Autor, der vor seiner glücklosen Premierszeit (2007 - 2010) zehn Jahre Fin...

Seite 38
ndPlusHeinz Niemann

Weichenstellungen

Nie mehr eine Politik über Polen hinweg – unter diesem trefflichen Titel haben deutsche und polnische Autoren sowie ein Norweger in der Schriftenreihe »Willy-Brandt-Studien« einen Band vorgelegt, der sich mit der besonderen Rolle des ersten sozialdemokratischen Bundeskanzlers für die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Polen von den 60er bis Anfang der 90er Jahre des vergangene...

ndPlusJürgen Reents

Eine Partei wie jede andere

Erst 31 Jahre Parteigeschichte haben die Grünen auf dem Buckel, doch bereits 59 Jahre in Regierungen verbracht. Diese Rechnung macht Jutta Ditfurth in ihrem neuen Buch auf, das Abrechnung ist: mit einer Partei, der das Regierungsgelüst über den Kopf wuchs und die ihre Gründungsziele dabei zertrampelte. Die Autorin handelt mit erlebtem Stoff: Sie war Mitgründerin dieser Partei und stand von 1984 bi...

Olaf Standke

Ausweg aus dem Desaster?

Lange vor Wikileaks war Bob Woodward für viele so etwas wie der Gottvater des investigativen Journalismus. Gemeinsam mit seinem Kollegen Carl Bernstein deckte die Reporter-Legende der »Washington Post« einst den Watergate-Skandal auf und läutete so den Sturz von Richard Nixon ein, dem bisher einzigen USA-Präsidenten, der zurückgetreten ist. Fünf Bücher hat er seit dem 11. September 2001 über die R...

Seite 39
Hans Rehfeldt

Prägungen

Dies ist ein Zeitdokument besonderer Art: Der heute 79-jährige Autor beschreibt mit erstaunlichem Erinnerungsvermögen an Namen und Ereignisse, die ihn dereinst, im Alter von 13 bis 17 Jahren, prägten und für seinen weiteren Lebensweg entscheidend waren. Und das war eine ganze Menge. Seine Kindheit verlebte er in einer Zeit, die nicht nur für ihn, sondern die gesamte deutsche Bevölkerung mit einer ...

ndPlusHorst Helas

Eine heiße Adresse

Der Geschichte eines ganz besonderen Hauses im Herzen Berlins hat sich Ronald Friedmann angenommen. Die Adresse ist weithin bekannt. Generationen von deutschen Kommunisten gingen hier ein und aus. Ronald Friedmann bettet die bewegte Historie des einstigen Domizils des ZK der Kommunistischen Partei Deutschlands – und heute des Parteivorstandes der LINKEN – in die politischen Auseinandersetzungen de...

Manfred Weißbecker

Wider retrospektive Fiktion

Vor Kurzem feierte Wolfgang Nossen, der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, seinen 80. Geburtstag. Er sei ein kritischer Geist und lasse sich nicht vom schönen Schein vereinnahmen, sagte er am 9. Februar in einem Interview. Mit der Bemerkung, alles sei »wischiwaschi«, nahm er das Programm der CDU/SPD-Landesregierung gegen Extremismus aufs Korn. Er sei zwar zu der Kommission, die da...

Seite 40
Armin Jähne

Da ist sie aber immer noch ...

Eigentlich hätte es die Universität mit dem Namen der Brüder Humboldt schon nicht mehr geben dürfen, wäre es nach dem Willen einiger Scharfmacher gegangen. Arnulf Baring beispielsweise hatte gehofft, mit dem Scheitern der DDR sei »auch das Ende jener elenden Einrichtung gekommen, die sich dreist … als Fortsetzung der alten Berliner Universität Unter den Linden ausgegeben und sich usurpatorisch den...

ndPlusMichael Eckardt

Undogmatisch und kühn

Einen unkonventionellen Beitrag zum 600. Geburtstag der Alma mater Lipsiensis liefern die »Drei Marginalien« des Leipziger Sozialhistorikers Matthias John. Der einstige Mitarbeiter der Sektion Marxismus-Leninismus gewährt Einblicke in die Forschungs- und Lehrtätigkeit in den 1970er/1980er Jahren, die so gar nicht zur landläufigen Erinnerung an ein einschläfernd und indoktrinierend empfundenes marx...

ndPlusKurt Fenske

Rauchvorhang

Ein wahrlich lesenswertes Buch. Erich Buchholz untersucht hier gründlichst, wie ein normaler Bundesbürger den heutigen Rechtsstaat erlebt, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen. Der Rechtswissenschaftler ist bekannt für seine sachliche und zugleich, so nötig, polemische Art. Er gilt als kenntnisreicher und erfahrener Jurist. Er hat das bürgerliche, auf das BGB gestützte Recht vo...

Seite 41
Karl-Heinz Gräfe

Weder Krieg noch Frieden

Nicht durch Putsch oder eine Verschwörung, sondern »aufgrund ihrer Sensibilität für die Lebensinteressen der Bevölkerungsmehrheit und ihrer engen Beziehungen zu Arbeitern, Soldaten und Matrosen«, betont Alexander Rabinowitch, konnten die Bolschewiki im November 1917 die Macht in Russland erobern. Der US-amerikanische Historiker mit russischem Familienhintergrund reflektiert in seiner bemerkenswert...

ndPlusWolfgang Weiß

Eine bewegende Zeit

Allein der Buchtitel weckt, fast 37 Jahre danach, lebhafte Erinnerungen an jene denkwürdige »Revolution der Nelken«, die das älteste faschistische Regime in Europa hinweggefegt hatte. Klaus Steiniger, der als erster DDR-Korrespondent (für das ND) unmittelbar nach dem 25. April 1974 die Ereignisse am Tejo hautnah miterlebte, kann sich mit Fug und Recht als »Chronist der Nelkenrevolution« bezeichnen...

Seite 42
Andreas Fritsche

Die Leugner widerlegt

Keine Löcher, kein Holocaust!« Durch Löcher in den Dächern wurde das Gift Zyklon B in die Gaskammern des Konzentrationslagers Auschwitz eingeworfen. Weil solche Öffnungen in den Ruinen der Krematorien nicht zu entdecken seien, habe es also dort keine Gaskammern gegeben, in denen Menschen ermordet wurden, behaupten Holocaustleugner. Abstrus. Historiker haben sich lange nicht die Mühe gemacht, da...

Peter Nowak

Kameradinnen

Lange Zeit wurden die Frauen in der extrem rechten Bewegung auch in der Literatur wenig beachtet. Das hat sich nicht zuletzt durch die Arbeiten von Andrea Röpke und Andreas Speit geändert. In ihrem neuesten Buch analysieren die beiden profilierten Experten der rechten Szene die aktuelle Frauenpolitik im Umfeld von NPD und Freien Nationalistinnen. Im Blickfeld steht der Ring Nationaler Frauen (RNF)...

ndPlusHans Canjé

Der Große Frieden

Über die Nachkriegskarrieren faschistischer Spitzendiplomaten gibt die jüngst erschienene Publikation »Das Amt« umfassende – wenn auch recht verspätete – Auskunft. Ähnliches wird von den angekündigten Untersuchungen über das Bundeskriminalamt und den Bundesnachrichtendienst erwartet. Und dann steht auch noch der Antrag der Linksfraktion vom 11. November 2010 auf der Tagesordnung des Bundestages: e...

ndPlusKarlen Vesper

Tiefe Trauer

Die erschütterndste Nachricht, die es gibt, muss ich Dir, wenn Du es nicht schon weißt, mitteilen«, schreibt Andreas Wössner am 19. Januar 1942 an seine Ehefrau, »denn ich wurde zum Tode verurteilt. Du kannst Dir denken, in welcher Verfassung ich mich befinde, daß ich mit zitternder Hand und blutendem Herzen schreibe ... Meine liebe gute Frida, besonders Du wirst mich sicher in Deinem Herzen bewah...

Seite 43
Wladislaw Hedeler

Der Vergessenheit entrissen

Im Alter von nur 38 Jahren verstarb Johann Knief, Führungsmitglied der Bremer Linksradikalen und der »Internationalen Kommunisten Deutschlands«. Er erlag am 6. April 1919 einer verschleppten Blinddarmentzündung. Was sein Biograf Gerhard Engel enthüllt, möchte man fast nicht glauben: Kniefs Urne stand jahrelang im Büro der Bremer KPD, bis die Witwe Käthe Knief sie 1926 abholte. Die Genossen hatten ...

Karlen Vesper

Ob nun Schwarze oder Weiße ...

Warum gibt es noch immer Rassismus in Deutschland? Das ist die Frage, die Heike Schneider umtrieb. Sie hat acht Interviews geführt, mit »durchweg sympathischen, wachen Menschen«, wie der Leser nach deren Lektüre bestätigen wird. Die hier vorgestellten Biografien zwischen Lenningen und Leipzig, Berlin, Heidelberg und Jena, Göttingen und Dresden, Hannover und Darß weisen eine Besonderheit auf: Es si...

ndPlusHorst Helas

Zu Hause?

Der letzte Satz sagt alles: »Die unmögliche Rückkehr? Sie ist in vollem Gange.« Der Journalist Olivier Guez beschreibt und bilanziert, wie und warum Juden nach dem Holocaust ins »Land der Täter« zurückkehrten und ob und inwieweit sie sich mit dem jeweiligen neuen deutschen Staat identifizierten. Guez geht historisch-chronologisch vor. Er setzt sich mit der Ideologie der Nazis ausein-ander, bene...

Seite 44
Karlen Vesper

108 Minuten

Der 12. April 1961 war ein sonniger, warmer Frühlingstag. Wir frühstückten gerade in der Küche, und wie gewöhnlich war das Radio eingeschaltet. Plötzlich erklang nach ein paar feierlichen Akkorden die unverkennbare Stimme Juri Lewitans ... »Achtung! Hier spricht Radio Moskau. Diese Meldung wird von allen Radiostationen in der Sowjetunion gesendet: Das erste Raumschiff der Welt, ›Wostock‹, ist heut...

ndPlusRolf Löther

Katastrophaler Impetus

Seit altersher haben die Menschen Katastrophen in Natur, Technik und Gesellschaft erlebt, unter ihnen gelitten, sie gedeutet und Erfahrungen im Umgang mit ihnen gesammelt. Das waren und sind Naturkatastrophen wie Erd- und Seebeben, Vulkanausbrüche, langanhaltende Dürren und großräumige Überschwemmungen, soziale Katastrophen wie Hungersnöte, Seuchen, Wirtschaftskrisen und Kriege und technische Kata...