Seite 1

Unten links

Behindern ist heilbar. Eine neue Kampagne der Bundesregierung heißt so. Sie klingt nach Ursula von der Leyen und einem Schwung kreativer Worttüftler. Sie klingt nach Antüfteln gegen Behinderungen, die, wenn schon nicht heilbar, wenigstens unbehinderbar sein sollen. Ein Hochglanzjob. 1,8 Millionen kostet die Kampagne in jedem der nächsten Jahre, um einer entsprechenden UNO-Konvention zu genügen. Bi...

Oliver Eberhardt

Nahöstlicher Menschentausch

Die erste Phase des zwischen Israel und der Palästinenser-Organisation Hamas vereinbarten Austausches des israelischen Soldaten Gilad Schalit gegen mehr als 1000 Palästinenser soll am Montag beginnen.

ndPlusRené Heilig

»Chevrolet« aus Teheran?

Die US-Regierung wirft Iran vor, ein Attentat auf den saudi-arabischen Botschafter in den USA geplant zu haben. Teheran dementiert vehement, Washington setzte eine weltweite Terrorwarnung ab. Alte Spannungen werden aktiviert, neue Konfrontationen drohen.

Seite 2
Hermannus Pfeiffer

Ein Plan B fehlt

Nach dem ersten Nein könnte schon an diesem Donnerstag erneut in Bratislava über den Euro-Krisenfonds EFSF abgestimmt werden. Sollte auch diese Abstimmung mit einem Nein enden, wäre allerdings ein Plan B gefragt. Doch zu möglichen Alternativen gibt es unter Politikern nur vage Vorstellungen.

ndPlusJindra Kolar, Prag

Eurozone schaut nach Bratislava

Für die Erweiterung des sogenannten Euro-Rettungsschirms bedarf es der Zustimmung aller 17 Staaten der Eurozone. Bis auf das slowakische hatten alle Parlamente ihr Ja bereits gesagt, als aus Bratislava am Dienstagabend ein Nein kam.

Seite 3
Olaf Standke

Die Erben der »Adlerkralle«

Den bilateralen Beziehungen zwischen den USA und Iran droht nach den jüngsten Attentatsvorwürfen ein neuer Tiefpunkt.

Ein Keil im Feldherrenhügel
ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Ein Keil im Feldherrenhügel

Nach fast zehnjährigem Umbau wird morgen in Dresden das Militärmuseum wiedereröffnet. Der von Daniel Libeskind radikal veränderte Bau präsentiert keine Technikschau, sondern eine differenzierte Sicht auf die Geschichte von Krieg und Gewalt.

Seite 4

Charts der Schande?

Scandalum. Das ist Kirchenlatein: Fallstrick, Ärgernis. Wir nennen?s: Skandal. Tief am letzten Grunde aller Erkenntnisse angelangt, sind aber nur zwei Dinge ein Skandal: dass der Mensch sterben muss und auf dem Weg dahin unweigerlich schuldig wird. Geht man derart konzentriert an den Skandal heran, wird sofort alles lächerlich, was wir inzwischen inflationär mit diesem Begriff bestempeln. Wieso si...

Kühle Hysterie

Die versuchten Brandstiftungen auf das Berliner Schienennetz sind dumm, fahrlässig und kontraproduktiv. Sie nützen nichts, denn sie treffen die Falschen, nämlich die, die angeblich zum entschiedeneren Eintreten für Frieden in Afghanistan ermuntert werden sollten. Denen, die ihn führen, liefern sie dagegen neue Munition. Mit Terrorismus haben die versuchten Anschläge jedoch nichts zu tun. Wer immer...

Richterlicher Virus

Es mag jetzt für Umfang und Konsequenz der Gesetzesdebatten von Belang sein, ob es FDP-Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger ist, die federführend am Strafgesetzbuch oder ob es CDU-Innenminister Friedrich ist, der federführend am BKA-Gesetz bastelt. Die offenbar noch ungeklärte und nun womöglich nachgeholte Sanktionierung von Gesetzesverstößen durch die Exekutive bei der Computerüberwachung wird ...

ndPlusGesa von Leesen

Parteisoldat

In vier Tagen feiert Willi Stächele seinen 60. Geburtstag. Dass er an diesem großen Tag nicht mehr der oberste Herr des baden-württembergischen Landtags sein wird, dürfte ihn schmerzen. Stächele war gerne Landtagspräsident, Repräsentation liegt ihm, dem stets eine »badische Frohnatur« bescheinigt wurde. Vielleicht hilft die ihm, seinen Abgang zu verarbeiten. Der Rücktritt falle ihm »sehr schwer«, ...

Bücherland trotz Krise?

Bücherland trotz Krise?

ND: Was bedeutet der Auftritt Ihres Landes als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse?Jónasson : Gerade für viele unserer unbekannteren Autoren ist es eine Chance, Interesse zu wecken, damit ihre Bücher ins Deutsche übersetzt werden. Historisch betrachtet, ist das schon ein Ritterschlag für unsere Schriftsteller, die auch durch die kleine isländische Sprache isoliert sind. Der Austausch ist für ihre ...

Seite 5
Ulrich Sander

Achtung, Kleingedrucktes

Rund neun Millionen Wehrpflichtige wurden zwischen Juli 1956 und Juli 2011 ausgebildet. Auch die Aussetzung der Wehrpflicht führt uns nicht in antimilitaristische Vorzeiten der Republik zurück. Angesichts der Verkleinerung der Bundeswehr werden Reservisten immer wichtiger - was kaum jemand hat im Blick hat.

Gesa von Leesen, Stuttgart

Ein fast freiwilliger Abgang

Der baden-württembergische Landtagspräsident Willi Stächele (CDU) hat gestern sein Amt niedergelegt. Damit zog er die Konsequenz aus einem Urteil, wonach er im vorigen Jahr als Finanzminister der alten Mappus-Regierung die Verfassung gebrochen hat.

ndPlusUwe Kalbe

Einsame Trojaner

16 Mal haben Bundesbehörden, genauer die Zollbehörde, einen Trojaner eingesetzt, wie das Bundesfinanzministerium am Mittwoch einräumte. Die Spitze eines Eisbergs?

ndPlusMichael Bartsch, Dresden

Blockierer in Dresden vor Gericht

Während die juristische Aufarbeitung der Demonstrationen gegen den Dresdner Naziaufmarsch vom 19.Februar noch die Gerichte beschäftigt, planen die Nazigegner bereits Aktionen für 2012.

Nach Protesten gegen Nazi-Aufmarsch

Vier führenden Politikern der Linken droht ein Prozess, weil sie Blockaden gegen Neonazis in Dresden organisiert haben sollen. Die Beweislage ist dünn, doch die Staatsanwälte bleiben hart.

Seite 6
ndPlusAnnette Hauschild, Düsseldorf

Freiheitsstrafen für tamilische Separatisten

Vier Tamilen sind am Mittwoch vom Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichtes in Düsseldorf wegen Unterstützung der Rebellengruppe Tamil Tigers auf Sri Lanka (»Befreiungstiger«) verurteilt worden.

Peter Kirschey

Diplomaten - eine geschützte Spezies

Diplomaten aus aller Welt genießen Immunität, sie sind behördlich unantastbar - auch bei Straftaten. Dennoch wurde gestern ein Fall moderner Sklaverei vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg verhandelt.

Jörg Meyer, Karlsruhe

IG Metall will linken Reformismus

Der IG Metall-Vorsitzende Berthold Huber fordert in seinem Zukunftsreferat einen »Green New Deal« und kündigt an, die zunehmende Perspektivlosigkeit der Jugend auf die Agenda zu setzen.

Seite 7

Erste Freilassungen in Myanmar

Myanmars neue Regierung hat am Mittwoch im Rahmen einer Amnestie rund 120 der geschätzten 2100 politischen Gefangenen des südostasiatischen Landes freigelassen.

Problem Pressefreiheit

Fast überall wird die Arbeit von Journalisten immer schwerer und gefährlicher, warnt der Weltzeitungsverband. Auch der arabische Frühling hat in der Region bisher nicht zu garantiert freier Presse geführt.

Ägyptisches Militär bleibt hart
Juliane Schumacher, Kairo

Ägyptisches Militär bleibt hart

Während Papst Benedikt XVI. am Mittwoch den Opfern der gewaltsamen Auseinandersetzungen in Ägypten gedachte, wird in dem nordafrikanischen Land weiter über Schuldzuweisungen gestritten. Das Militär hat die Regierung in der Hand und lässt den stellvertretenden Premierminister nicht zurücktreten.

Seite 8

Akhanli freigesprochen

Istanbul (AFP/nd). Der deutsch-türkische Autor Dogan Akhanli ist am Mittwoch von einem Istanbuler Gericht vom Vorwurf des Raubmordes freigesprochen worden. Das teilte Akhanlis Anwalt Haydar Erol mit. Akhanli selbst nahm an der Verhandlung nicht teil, da in der Türkei ein Einreiseverbot gegen ihn besteht. Der Fall Akhanli hatte im vergangenen Jahr für erhebliches Aufsehen gesorgt. Akhanli, ein ...

Kosovo bleibt der Knackpunkt

Spannungen mit Kosovo zum Trotz soll Serbien nach dem Willen der EU-Kommission einen weiteren Schritt in Richtung Beitritt machen. Auch Montenegro darf hoffen.

Besuch bei den Reichen

Jetzt wird es persönlich: Knapp vier Wochen nach Beginn der Proteste an der Wall Street sind die Demonstranten zu den Reichen New Yorks nach Hause gegangen. Vor den teuren Häusern in der ebenso teuren Upper East Side forderten sie höhere Steuern für Milliardäre.

Manfred Schünemann

Janukowitsch versucht Kritiker zu besänftigen

Die Verurteilung der ehemaligen ukrainischen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko hat heftige Kritik an Präsident Viktor Janukowitsch ausgelöst, der als eigentlicher Drahtzieher des Prozesses gegen seine Rivalin bezeichnet wird. Janukowitsch scheint zu begreifen, dass er einen taktischen Fehler begangen hat.

Seite 9

Weniger Risiko für Europas Banken

Die EU-Kommission schlägt für die Stärkung der europäischen Banken vorübergehend höhere Kernkapitalquoten vor. Die »Schutzwälle« müssten verstärkt werden, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Mittwoch im EU-Parlament.

René Heilig

»Freund« + »Freund« = Wirtschaftsmacht

Der Außenhandelsumsatz zwischen Russland und China steuert für dieses Jahr auf die Rekordmarke von 70 Milliarden US-Dollar zu. Ein guter Ausgangspunkt, um auf höchster Ebene Zukunft zu planen.

Marcus Meier

Systemwechsel

Auf der Jahrestagung des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU) übte dessen Präsident Stephan Weil massive Kritik an der Bundesregierung: Schlechte Rahmenbedingungen würden kommunale Investitionen im Energiebereich verhindern. Das gefährde den Atomausstieg.

ndPlusHaidy Damm

Grüne Landschaften

Es geht um nicht weniger als die Verteilung des größten Einzelpostens im EU-Haushalt: Rund 60 Milliarden Euro fließen jährlich in die Landwirtschaft. Gestern stellte die EU-Kommission in Brüssel ihre Reformpläne vor.

Seite 10
ndPlusCaroline M. Buck

Schwarz-weiß

Mit dem Scheren der Schafe beginnt und endet dieser Film, und wie die schon geschorenen Tiere auf der einen Seite des Zauns bibbernd zu den Herdengenossen drängen, die auf der anderen Seite noch wollbepackt der Schäferschere harren, das ist ein einprägsames Bild. Eine zeitlose Chronik will »Dem Himmel ganz nah« sein, Zeugnis ablegen von der untergehenden Lebensweise einer der letzten Berghirtenfam...

Caroline M. Buck

Reformfähig

Joseph ist Witwer. Er hat eine Nachbarin, die ihren Sohn vor die Tür schickt, wenn ihr Freund sie besucht. Das ist der tätowierte bierbäuchige Glatzkopf, der seinen Kampfhund als Waffe einsetzt - oder jedenfalls gern damit droht. (Als der Hund schließlich wirklich einem Menschen ins Gesicht beißt, kommt das für den Besitzer natürlich völlig überraschend.) Joseph hat einen langjährigen Freund, der ...

ndPlusAlexandra Exter

Durch den Spiegel

Ein britischer Schriftsteller, der Abhandlungen verfasst über die relative Wertigkeit von Original und Fälschung in der Kunst, eine französische Galeristin, die Kopien mittelalterlicher Plastiken verkauft – oder vielleicht auch mal ein Original –, ein vorlautes Kind mit Gameboy und Fast Food-Vorlieben, ein Kleinwagen, der Mobilität verschafft, dazu die reale Landschaft (und fiktive Sitten) der Tos...

Seite 11

BVG: Nicht gefährdet

(dpa). Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sehen sich nicht im Visier linksextremistischer Gewalttäter und haben nach den Brandanschlägen auf Anlagen der Deutschen Bahn keine zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. BVG-Sprecher Klaus Wazlak verwies am Mittwoch auf eine Lageeinschätzung der Berliner Polizei, wonach für das größte kommunale Verkehrsunternehmen Deutschlands derzeit keine beso...

Muster fürs Schloss

(dpa). Lange lag das Gelände brach, jetzt gibt es bald etwas zu sehen: Auf der Schlossplatzwiese, gegenüber dem Berliner Dom, wird seit Anfang der Woche an der Musterfassade für das Humboldtforum im künftigen Berliner Schloss gebaut. Schon bald soll zu sehen sein, wie die historische Fassade des Schlosses aussehen wird. Das teilte die Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum mit. Die Musterfassad...

Streitpunkte

Innere Sicherheit: Die CDU fordert 250 zusätzliche Polizisten auf den Straßen. Die SPD hat 200 zusätzliche Stellen angekündigt, die aber erst 2013 wirksam würden. Die CDU ist für eine Verlängerung der Aufbewahrung von Videoüberwachungen von 24 auf 48 Stunden. Nach Ablehnung äußerte sich zuletzt auch Wowereit dazu positiv. Bildung: Die CDU hat den Wählern stärkere Gymnasien versprochen. Die SP...

ndPlusKlaus Joachim Herrmann über den Auftakt für Rot-Schwarz

Geld zählen

Am Anfang steht das Geld. Unmittelbar vor Beginn der Koalitionsverhandlungen rief der Finanzsenator das Thema Haushaltssanierung auf. Das Vorgehen hat gute Gründe. Der drängendste ist die Fristsetzung für die Vorlage eines Berliner Sanierungsprogramms für die Jahre 2012 bis 2016 beim Stabilitätsrat bis Samstag. Mit den Finanzministern von Bund und Ländern sowie dem Bundeswirtschaftsminister sind M...

Schon wieder Brandsatz entdeckt

Es hört nicht auf. Erneut wurde ein Brandsatz an Gleisen in Berlin gesichtet. Die Bahn beruhigt die Reisenden. Bundespolizisten kontrollieren die Gleise. Alles ist ungewiss.

ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Neun Runden bis zur Koalition

Etwas früher als erwartet kurvte gestern gegen 13.30 Uhr Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) wieder vor seinem Amtssitz in der Klosterstraße (Mitte) ein. Er kam aus dem nahe gelegenen Roten Rathaus, wo SPD und CDU um 11 Uhr ihre Verhandlungen für eine neue Berliner Regierungskoalition aufgenommen hatten. Der Vertrag solle bis 15. November fertig sein, informierten auf einer sogar etwas vorver...

Brandsatz an Brandsatz am Bahndamm

(dpa/nd). Zu der Serie von Brandanschlägen auf Bahnanlagen im Großraum Berlin ermittelt jetzt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Es bestehe der Verdacht der »verfassungsfeindlichen Sabotage«, sagte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch. Das Bundeskriminalamt (BKA) sei mit der weiteren Aufklärung beauftragt. Am dritten Tag in Folge wurden in Berlin Brandsätze an Gleisen der Bahn entdeckt. Damit wa...

Seite 12

Petras beendet Intendanz am Gorki-Theater

(nd/dpa). Theaterintendant Armin Petras (47) hat seinen geplanten Wechsel von Berlin nach Stuttgart mit mangelnder finanzieller Unterstützung in der Hauptstadt begründet. »Ich kann nicht auf der Bühne politisches und soziales Theater machen und mich dann als Intendant apolitisch verhalten. Deshalb musste ich dieses Zeichen setzen«, sagte der Intendant des Berliner Maxim Gorki Theaters am Mittwoch....

Flirtschule vor der Kamera

Mahmut, der Tiger von Wedding, ist eher bekannt für seine schlecht organisierte Kleinkriminalität. Der Typ mit dem Gel im Haar scheint aber plötzlich den großen Coup gelandet zu haben. Er hat die Jacke voller kleiner Überwachungskameras, die er nun unter die Leute bringt. Der naive Onkel Ahmed in seiner Dönerbude beispielsweise muss dran glauben. Nein, zu Hause bei seiner Heidemarie brauche Ah...

Juliane Wienß, dpa

Ampelmann mit Kultstatus

Kultstatus hatte Karl Peglau nicht im Visier, als er den kleinen grünen »Geher« und den roten »Steher« entwarf. Peglau war Psychologe im Medizinischen Dienst des Verkehrswesens der DDR - und er sorgte sich um die Fußgänger. Der rasant anwachsende Verkehr Ende der 1950er Jahre überforderte die Menschen - vor allem zum Leidwesen der Passanten. »Mein Mann war sicher: Nur, wenn die Fußgänger das Verke...

Slapstick der lahmen Art
Volkmar Draeger

Slapstick der lahmen Art

Ziegen meckern, Kühe muhen. Mit Landlauten stimmt der Ton in der Komödie am Kurfürstendamm auf das Stück ein. Es spielt in einer deftigen Landküche mit Herd, Spüle, Kamin, Büfett voller Geschirr und einem Tisch in der Mitte des Raums. An ihm werkelt Lizzie, bügelt, mahlt Kaffee, holt den Kuchen aus der Röhre, raucht, löst Kreuzworträtsel, singt. Und singt und singt. Da ahnt man bereits Arges. Von ...

Seite 13

Klarstellung

Zu dem Artikel »Der Papst ist weg, die Probleme da« (»nd« vom 7. 10. 2011) weist uns das Bischöfliche Ordinariat Erfurt darauf hin, dass der Landwirt Frank Schneider aus Steinbach im Eichsfeld als Entschädigung für die Nutzung seiner Wiese bei einer Messe mit dem Papst bisher 52 695 Euro erhalten hat. Diese Summe sei ein Abschlag auf die gesamte Entschädigungsleistung. Die Redaktion...

150 Städte wollen alte Schilder

Dresden/Heilbronn (dpa/nd). Immer mehr Städte in Deutschland wollen ihre alten Autokennzeichen wieder haben. Nach Angaben der Hochschule Heilbronn verlangen inzwischen 150 deutsche Städte die Wiedereinführung oder den Erhalt ihrer traditionellen Buchstabenkombinationen auf den Nummernschildern. »Die Städte sehen in dem eigenen Symbol auf den Nummernschildern ein Marketinginstrument, das ohne zusät...

ndPlusEckart Roloff

Heimarzt dringend gesucht

1,2 Millionen Euro stellt die grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg zur Verfügung, um die fachärztliche Versorgung von Menschen in Pflegeheimen zu verbessern. Denn feste Heimärzte sind bislang - wie fast überall in der Bundesrepublik - die Ausnahme.

Thüringer für Länderfusion

Das Vertrauen der Thüringer in ihre Landesregierung bleibt gering, die Zuversicht in die wirtschaftliche Lage dagegen steigt. Allem Stolz auf ihr Land zum Trotz sind viele Thüringer einer Studie jedoch zufolge zu einer Länderfusion bereit. Auch eine Gebietsreform wird von einer deutlichen Mehrheit befürwortet.

Seite 14

Bus statt Flieger

Schwerin (dpa/nd). Die LINKE in Mecklenburg-Vorpommern hat sich für eine konsequente Abkehr von der bisherigen Flughafen-Förderung im Land ausgesprochen und mehr Geld für den Nahverkehr verlangt. »Die Fluglinienförderung muss ein Ende haben«, forderte der Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Helmut Holter, am Mittwoch. Er reagierte damit auf die am Vortag vorgestellten Pläne von SPD und CDU i...

ndPlusPetra Albers, dpa

Von der Schwierigkeit, Ersatzknöpfe zu finden

Knöpfe gibt es in jeder Farbe, Form und Größe. Doch einen passenden Ersatzknopf sucht man oft vergebens. Grund: Der Knopf-Markt ist geteilt, wie auch ein Besuch in einer Bielefelder Kopffabrik illustriert.

Rudolf Stumberger, München

Draußen vor der Tür

Die Suche nach preisgünstigem Wohnraum, das war für Studierende in Bayern zumindest in den Ballungszentren schon immer ein eher schwieriges Unterfangen. Doch nichts ist vergleichbar mit der aktuellen Lage. Denn wenn Mitte Oktober die Studenten in die bayerischen Hörsäle strömen, wird es so viele Erstsemester wie noch nie in Bayern geben.

ndPlusSabine Ränsch, dpa

Totholz statt Wald

383 Fußballfelder groß ist die neue Landebahn des Frankfurter Flughafens. Vor drei Jahren stand dort noch Wald. Der musste weichen, und mit ihm einige seltene Tiere.

Seite 15
ndPlusJürgen Amendt

Kampf um Info-Elite

Heute kommt es zum großen Duell, zum Duell der Großen vor Gericht. Die Kontrahenten: Auf der einen Seite die deutschen Zeitschriftenverleger, auf der Gegenseite die »Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten«, besser bekannt als ARD. Der Gegenstand des Rechtsstreits vor dem Kölner Landgericht: Die sogenannten »Tagesschau«-App. Mit dieser Anwendung können Benutzer von Smartph...

ndPlusEckart Roloff

... + 3 (z2 + z4 + z6 + z8 + z10 + z12)

Mit den Jahren waren die Bücherstapel zu hoch geworden und zu unübersichtlich, nicht nur zu Zeiten der Frankfurter Buchmesse. Karl Marx' »Kapital« war zwar immer zu haben, auch Thomas Manns »Felix Krull« und Goethes »Faust«, der Brockhaus ohnehin, die Bibel und Millionen anderer Bände - aber welche Ausgabe, welche Auflage, in welcher Sprache? Zur klaren Identifikation wäre es doch gut und nöti...

»Wir glauben an Lebertran«

ND: Auf Frankfurts Buchmesse wird viel über Island geredet. Das Bild ist einfach: im Vordergrund wilde Landschaft, im Hintergrund Finanzkrise, zwischendrin ein paar Elfen. Was würden Sie dem Bild hinzufügen?Sigurdardóttir: Es wird immer von unberührter Natur gesprochen. Irrtum! In Island gibt es schlimme Umweltzerstörung. Etwa durch Wasserkraftwerke, die billigen Strom erzeugen für US-Aluminiumwer...

Seite 16

Schöne Akte

Wie mag Heide Marie Hagen dieses Foto von 1973 heute sehen? Eine Frau, die sich nicht in Pose setzt, die sich wohl fühlt in ihrer Haut. Ihre Nacktheit: einfach schön. Die Frau ist nicht schutzlos dadurch, sie bleibt selbstverständlich selbstbestimmt. »Schöne Akte«: Der Band enthält über 170 Arbeiten von namhaften Fotografen der DDR. Ein sinnliches Erlebnis. (Verlag Das Neue Berlin, 191 S., geb., 1...

Martin Hatzius

Frei wie ein Vogel sein

Wie es beginnt, wie es endet - niemand wüsste das mit Bestimmtheit zu sagen, am wenigsten Erik, der Ich-Erzähler in Antje Rávic Strubels abgründigem Roman »Sturz der Tage in die Nacht«, in dem es ganz am Anfang heißt: »Es beginnt noch immer.« Dieser Anfang freilich ist schon ein Ende: Erik, Mitte zwanzig, steht an der Reling der Fähre, die ihn fortbringt von der kleinen Vogelschutzinsel vor Gotlan...

Irmtraud Gutschke

»Fette dunkelblaue Wut«

Es beginnt mit einer Geburt - und endet mit einem Tod. Dazwischen: eine Geschichte, so spannend, dass man nicht davon lassen mag, so bewegend, dass sie einem lange im Kopf herumgeht und so fein gesponnen, mit so vielen Wendungen, so vielen Zufällen und Details, dass sie die 342 Seiten braucht, um sich so zu entwickeln. Gleichsam aus sich selbst heraus. Ich glaube nicht, dass Kathrin Gerlof vo...

Seite 17
ndPlusHeinz-Dieter Winter

Fehlende Weitsicht

Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass hohe Hamas-Mitglieder künftig als palästinensische Botschafter in westlichen, darunter auch europäischen Städten fungieren werden.« Wegen der feindlichen Haltung westlicher Regierungen gegenüber der Hamas ist das eine erstaunliche Feststellung, die Khaled Hrub, Direktor des Arabischen Medienzentrums an der Universität von Cambridge, trifft. Doch angesichts de...

Kurt Pätzold

Viel Geschrei und wenig Wolle

Wenn man auf der ersten Seite der Einleitung zu einem Buch über europäische Geschichte liest, »die meisten Europäer des Jahres 1914 genossen für den Rest ihres Lebens keinen vergleichbaren Wohlstand mehr«, dann fragt man sich, was der Autor vom Leben beispielsweise eines französischen Bergarbeiters oder eines ostelbischen Landarbeiters und anderer Ausgebeuteter weiß, die 1964, siebzigjährig, sich ...

Seite 19

»Nicht nur wir und Spanien«

Joachim Löw, die deutsche Mannschaft hat durch das 3:1 gegen Belgien alle zehn EM-Qualifikationsspiele gewonnen und damit einen Rekord aufgestellt. Was bedeutet Ihnen als Trainer diese Marke?Zehn Spiele, zehn Siege - das ist eine tolle Leistung über 14 Monate nach einer schwierigen WM. Andere Länder sehen, wir lassen jetzt nicht nach. Wie die Mannschaft das konsequent durchgezogen hat, ist aller E...

Frank Thomas, dpa

Abgeworfen vom bockigen Gaul

Philipp Boy schüttelte nur ungläubig den Kopf, seine Teamkollegen schlichen mit langen Gesichtern vom Podium. Nach einer Sturzserie und dem fehlerhaftesten Auftritt der vergangenen Jahre haben die deutschen Turner ihr Ziel bei der WM in Tokio klar verpasst. Beim Sieg von Titelverteidiger China kam die deutsche Riege nur auf Platz sechs - das schlechteste WM-Ergebnis seit fünf Jahren. »Es ist sc...

Oliver Händler

Was hast Du bloß getan?

Die ergreifendste Umschreibung für das, was Waleri Alexanjan in der Dublin Arena in Minute 43 anstellte, fand ein russischer TV-Kommentator: »Uiuiui, schto tyi delal? Mama mia! Eta tragedija!« Der Armenier Alexanjan hatte gerade die irische Flanke, die Richtung Eckfahne kullerte, ins eigene Tor geschossen - aus einem Meter Entfernung, ohne einen Gegenspieler auch nur in der Nähe. Kein Wunder, dass...

Seite 20

Raubdinofund in Bayern

Das europaweit am besten erhaltene Saurier-Fossil (Foto: dpa/Helmut Tischlinger) ist in Bayern entdeckt worden. Der noch namenlose Raubdinosaurier (Theropode) sei zu 98 Prozent vollständig und damit auch weltweit eines der am besten erhaltenen Fundstücke, sagte Oliver Rauhut, Konservator an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, am Mittwoch in München. Das 72 Zentimeter lan...

David Barber und Jörg Vogelsänger

Ölflecken so groß wie Autoreifen

Eine Woche nach der Havarie der »Rena« an einem Riff vor Neuseeland hat sich der Kampf gegen die Ölpest dramatisch zugespitzt. Die Bergungsteams stellten am Mittwoch am Rumpf des 236 Meter langen Schiffes einen großen Riss fest. Der leckgeschlagene Frachter könne bei der schweren See jederzeit auseinanderbrechen und sinken, hieß es. Die restlichen 1300 Tonnen Schweröl aus seinen Tanks könnten ins ...

Eckart Roloff

Mrs. Cochrane machte alles klar

Wer das Auto erfunden hat, das Radio, die Glühbirne - das ist längst bekannt und oft erzählt. Über andere Selbstverständlichkeiten unseres Alltags weiß man viel weniger. Kaum jemand ahnt, dass zum Beispiel hinter den ersten Waschmaschinen zwei evangelische Pfarrer stecken, Friedrich Stender und Jacob Christian Schäffer, die vor knapp 250 Jahren daran tüftelten.