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Unten links

Jedes Kind kennt das: Die Augen zusammengekniffen, den Kopf schief gelegt, sieht die Welt anders aus, offenbart sie ihre Geheimnisse. Dass aus dieser Perspektive ein paar Details verloren gehen, die Schwester auf dem Dreirad greint, weil man sie umgestoßen hat, ist Nebensache ... Große Denker haben sich die Fähigkeit bewahrt: Albert Einstein, Helmut Schmidt, Peer Steinbrück. Die unerwartete Perspe...

Kalte Krieger

Abgeordnete von Union und FDP griffen gestern im Bundestag gegen »den Sozialismus« auf eine antikommunistische Rhetorik zurück, die an die Zeiten des Kalten Krieges erinnert. Die Parlamentarier hatten Begriffe wie Mauertote, Putschisten und Massenvernichtung von Menschen schnell zur Hand, als es darum ging, im Plenum über das Parteiprogramm der LINKEN und deren Ziel eines demokratischen Sozialismu...

NATO-Einsatz in Libyen soll am Montag enden

New York/Tripolis (Agenturen/nd). Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat einstimmig für das Ende des NATO-Einsatzes in Libyen gestimmt. Nach dem Votum des Gremiums vom Donnerstag endet das Mandat am 31. Oktober um 23.59 Uhr Ortszeit (22.59 Uhr MEZ). Zugleich wird die Flugverbotszone über Libyen aufgehoben. Der Nordatlantikrat der NATO will an diesem Freitag über das Ende der Mission abstimm...

Kurt Stenger

Artisten beim EURO-Gipfel

Ein Teilerlass griechischer Schulden und ein stärkerer Rettungsfonds sollen nach dem Willen der EU-Staats- und Regierungschefs nun aber wirklich den Euro absichern.

ndPlusAert van Riel

Ein Gespenst geht um ...

Die LINKE will laut Grundsatzprogramm Unternehmen verstaatlichen und einen demokratischen Sozialismus aufbauen. Ein Skandal, meinen Union und FDP. Sie setzten das Thema auf die Tagesordnung des Bundestages.

Max Böhnel

Von Oakland zurück zur Wall Street?

Was sich am Dienstagabend im kalifornischen Oakland ereignete, ist für den Fortgang er Occupy-Wall-Street-Bewegung nicht zu unterschätzen. Möglicherweise bedeuteten die massiven nächtlichen Polizeiübergriffe, die von Demonstranten live ins Internet gestellt wurden, sogar einen vorübergehenden Wendepunkt. Denn der 24-jährige Thomas Olsen wurde von einem Polizei-„Projektil“, wie es offiziell heisst,...

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Höheres Risiko für den EFSF

Wie soll der beschlossene Hebel funktionieren?Der EU-Rettungsfonds EFSF verfügt effektiv über Mittel von 440 Milliarden Euro, wovon nach den Kreditpaketen für Portugal, Irland und Griechenland noch 250 Milliarden verfügbar sind. Der Hebel soll andere Geldgeber ködern, damit diese und nicht der EFSF neue Kredite an einen Krisenstaat vergeben. Den Gläubigern wird zugesichert, dass sie bei einem Zahl...

ndPlusRalf Streck, Madrid

Blitz-Stresstest

Nach Beschluss des EU-Gipfels soll die Kernkapitalquote der europäischen Banken auf neun Prozent steigen. Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat auf dieser Grundlage den zusätzlichen Kapitalbedarf errechnet.

ndPlusKay Wagner, Brüssel

Warten bis zum Morgengrauen

Es war eine der berühmten Nächte von Brüssel, bis zum frühen Morgen wurde gestritten und gefeilscht. Doch im Gegensatz zu den vorangegangenen Krisengipfeln hat sich das Warten der Journalisten diesmal gelohnt.

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Allah wahduhu ya'rif - Gott allein weiß es

Allah wahduhu ya'rif - Gott allein weiß es

Er ist der Doyen unter den Orient- und Islamkennern. Seine Analysen und Prognosen haben sich fast alle bewahrheit. Umso gespannter darf man auf das neue Buch von Peter Scholl-Latour sein, das heute erscheint: »Arabiens Stunde der Wahrheit. Aufruhr an der Schwelle Europas« (Propyläen, 400 S., geb., 24,99 €). Der langjährige ARD-Korrespondent verknüpft 60-jährige Erfahrung als Chronist des Weltgeschehens mit aktuellen Reiseeindrücken aus Nordafrika und Nahost. Mit Peter Scholl-Latour sprach Karlen Vesper.

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Zelte verteilen!

Der heutige Weltspartag ist von trauriger Aktualität. Entstand er doch in einer Zeit, in der das Vertrauen in die Banken mühsam zurückerobert werden musste. 1924, kurz nach der Hyperinflation in Deutschland, versuchten die Sparkassen, mit der Erfindung des Spartages die Menschen zu überzeugen, dass ihr Geld auf den Konten sicher sei. Das ist auch jetzt wieder nötig. Mitten in der Krise wirkt das T...

Keine zügige Freiheit

Mal eben von Berlin nach Hamburg, München, sonst wohin fahren: kein Problem - wenn man es sich leisten kann und Deutscher ist. Schließlich gibt es Artikel 11 Absatz 1 des Grundgesetzes. Alle Deutschen genießen Freizügigkeit im ganzen Bundesgebiet. Mal eben vom Saalekreis in irgendeine Richtung fahren: ein großes Problem für Asylbewerber. Ein doppeltes. Denn sie unterliegen nicht nur der Residenzpf...

Todeshändler

Mag das Wirtschaftswachstum in den USA in den vergangenen Jahren geschrumpft sein, mag sich die Arbeitslosigkeit auf fast zehn Prozent verdoppelt haben, die Armutsquote auf 15 Prozent und die Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung auf 49,9 Millionen gestiegen sein - mit der Produktion von Kriegsgütern lassen sich auch in Krisenzeiten Bombengeschäfte machen, wie die gestern vorgelegten aktuelle...

Seelenhüter
ndPlusMartin Kröger

Seelenhüter

So mancher dürfte sich ihn noch zurückwünschen, sollte demnächst die CDU in seinem Amt das Zepter schwingen. Nach über zehn Jahren bestätigte Ehrhart Körting gestern, dass er in einer künftigen Großen Koalition in Berlin nicht mehr als Innensenator zur Verfügung stehen wird. Damit verlässt der »Vorzeigepolitiker der Sozialdemokraten für den Bereich Inneres« (Sigmar Gabriel) die politische Bühne. D...

Ist Irak befriedet?

Ist Irak befriedet?

ND: Sie werden am Samstag mit dem MacBride Friedenspreis des International Peace Bureau geehrt. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?Edwar: Ich bin stolz, diesen Preis hier in Berlin zu bekommen. Zehn Jahre habe ich hier gelebt, die Stadt war meine zweite Heimat. Für mich ist dies ein Zeichen der Solidarität mit der irakischen Bevölkerung mit unserem Kampf um ein stabiles, würdiges und freies Leb...

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ndPlusKarin Leukefeld, Damaskus

Mühsamer Dialog in Damaskus

Der Arabischen Liga ist es bislang nicht gelungen, zwischen Opposition und Regierung in Syrien zu vermitteln. Am gestrigen Donnerstag, einen Tag nach dem Treffen zwischen Präsident Assad und einer Außenministerdelegation der Liga in Damaskus, sollen Regierungstruppen bei einer Demonstration erneut sieben Zivilisten erschossen haben.

Christiane Sternberg, Nikosia

Zypern grollt mit seinem Präsidenten

Zyperns Präsident Dimitris Christófias und der Präsident der nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern, Dervis Eroglu, werden UN-Generalsekretär Ban Ki Moon an diesem Wochenende über den Fortgang der Verhandlungen in Sachen Wiedervereinigung der Insel berichten. Fortschritte können sie allerdings nicht vermelden.

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S21: Neues Gutachten gibt Fragen auf

Hamburg (nd). Ein neues Gutachten versetzt die Befürworter von Stuttgart 21 in Erklärungsnöte. Laut Expertise des Münchner Verkehrsbüros Vieregg-Rössler, das dem Magazin stern.de vorliegt, ist der alte Stuttgarter Kopfbahnhof mit geringen Investitionen deutlich leistungsfähiger als das Mega-Projekt. In der Spitzenstunde könnten im Kopfbahnhof danach 56 Züge abgefertigt werden. Bei Stuttgart 21 seh...

ndPlusInes Wallrodt

Initiativen fordern mehr Demokratie

Außerparlamentarische Organisationen haben der Bundesregierung Versagen bei Demokratiereformen vorgeworfen. Die schwarz-gelben Koalition habe etliche Möglichkeiten zu mehr Mitbestimmung der Bürger, zur Begrenzung der Lobbyeinflüsse auf die Politik und zur Kontrolle der Finanzmärkte nicht genutzt, kritisierten sie zur Halbzeit der Koalition.

Strukturfragen von Occupy
Hans-Gerd Öfinger, Frankfurt am Main

Strukturfragen von Occupy

Rechte Unterwanderung, das Winterwetter oder programmatische Beliebigkeit? Was könnte die bundesdeutsche Occupy-Bewegung ausbremsen?

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Fabian Lambeck

Internet-Pranger mit ersten Erfolgen

Das Portal »lebensmittelklarheit.de« ist seit mehr als drei Monaten online. Zwar gab es erste Erfolge im Kampf gegen Trickser und Panscher, doch Verbraucherschützer fordern strengere Vorschriften für die Hersteller.

Kundus-Ausschuss beendet Arbeit im Streit

41 Zeugen hat der Kundus-Untersuchungsausschuss 115 Stunden lang vernommen und 339 Aktenordner ausgewertet. Das Ergebnis nach zwei Jahren Arbeit: heilloser Streit in den zentralen Fragen.

ndPlusJürgen Vogt, Buenos Aires

Lebenslänglich für den »Todesengel«

Argentiniens Justiz schreibt weiter Geschichte. Wegen Menschenrechtsverbrechen während der letzten Militärdiktatur (1976-1983) verhängte das 5. Bundesgericht in der Hauptstadt Buenos Aires zwölf lebenslange Haftstrafen.

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Ehrung für »Arabischen Frühling«

Straßburg (epd/nd). Ehrung für eine der bekanntesten Persönlichkeiten des »Arabischen Frühlings«: Posthum erhält der Tunesier Mohamed Bouazizi den Sacha-row-Menschenrechtspreis. Das EU-Parlament in Straßburg wählte Bouazizi und vier andere arabische Bürgerrechtler am Donnerstag für die Auszeichnung aus. Bouazizi hatte sich Ende 2010 selbst in Brand gesetzt. Sein Tod war Mitauslöser für die Protest...

Einseitiger Transfer
Birgit Daiber

Einseitiger Transfer

Der Theaterdonner verraucht über dem Rond Point Schuman in Brüssel, die Ergebnisse des großen Gipfeltreffens liegen vor. Die 17 Euro-Staaten beschlossen den Schuldenschnitt für Griechenland in Höhe von 50 Prozent, weitere 100 Milliarden für das Land, damit der Schuldendienst - an die Banken - bedient werden kann. Der große Rettungsschirm wird als eine Art Rückversicherungsfonds noch weiter aufgebl...

Kay Wagner, Brüssel

Wie giftig darf es sein?

Die Verbraucher in Europa müssen auf Nachfrage von Herstellern über gefährliche Stoffe in Produkten informiert werden, theoretisch. Die Praxis sieht anders aus. Die EU-Kommission will handeln - in knapp zehn Jahren.

ndPlusMartin Ling, Straßburg

Keine Steuerschlupflöcher für die Multis

Die Globalisierung und der Binnenmarkt haben den Steuersenkungswettlauf innerhalb der EU seit den 80er Jahren erheblich beschleunigt. Multinationale Unternehmen nutzen dies, indem sie mit ihren verschachtelten Konstruktionen von Mutter- und Tochtergesellschaften geschickt Steuern vermeiden.

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Warteschleifenmelodien zum Nulltarif

Berlin (AFP/nd). Ein Sternchen wie auf dem Bild, das auf eine kostenpflichtigen Service verweist, entfällt bei den Telefon-Hotlines künftig zwar nicht. Aber das minutenlange Hinhalten in Warteschleifen, das einen Anruf zum unberechenbaren Kostenfaktor macht, soll nunmehr gratis sein. Der Bundestag beschloss am Donnerstag, dass Unternehmen für die Wartezeit vor Beginn eines Gesprächs keine Gebühren...

ndPlusSteffen Schmidt

Wachstum mit bösem Ende?

Alles redet über die Eurokrise. Doch das Mitte Oktober im Umfeld von SPD- und gewerkschaftsnahen Stiftungen gegründete »Fortschrittsforum« blickt weiter in die Zukunft. Bei einem Streitgespräch am Dienstag ging es um die Frage, ob und wie »Fortschritt ohne Wachstum« möglich wäre.

Die Bewegung prägt eine ganze Generation

Die Bewegung prägt eine ganze Generation

Kalle Lasn rief über das von ihm herausgegebene Magazin Adbusters dazu auf, die Wall Street zu besetzen. Am 17. September folgten Aktivisten aus der ganzen Welt diesem Ruf. Seither hat sich die Occupy Wall Street Bewegung zu einem globalen Phänomen ausgeweitet. Mit dem 69-Jährigen sprach Sebastian Moll.

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Benjamin Beutler

Müllkrieg mit faulem Kompromiss

Die von Schwarz-Gelb geplante Privatisierung der Abfall-Wirtschaft ist ins Stocken geraten. Nach heftigen Kontroversen zwischen Regierung und Opposition, aber auch in der Koalition, entscheidet der Bundestag heute über die Verabschiedung der Novelle.

ndPlusHermannus Pfeiffer

Morgen und der Tag nach morgen

Am kommenden Montag endet die Ära Trichet bei der Europäischen Zentralbank nach acht Jahren. »Monsieur Euro« hatte mit Widerständen auch im eigenen Haus zu kämpfen.

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Wowereit wollte Rot-Grün

(dpa). Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat nach dem Scheitern von Rot-Grün Vermutungen zurückgewiesen, dass er diese Koalition nie gewollt hätte. »Rot-Grün wäre in Berlin sehr wohl eine Variante gewesen, aus Sicht der SPD sogar die Vorzugsvariante«, sagte er in einem Interview mit dem »Tagesspiegel«; und: »Auf der anderen Seite nutzt es weder der SPD noch den Grünen und der ...

Vergiftetes Geschmeide

Auch auf die Gefahr hin, zu fair zu sein, kann man die Wahl des Standorts für einen neuen »Thor-Steinar«-Laden in unmittelbarer Nähe eines jüdischen Friedhofs wahrscheinlich als zufällig einordnen. Doch selbst wenn man dies den Verkäufern der politisch wie modisch unmöglichen Klamottenmarke zugesteht - die Tatsache, dass sich ausgerechnet an diesem Ort ein potenzieller Tummelplatz kurzrasierter, a...

Körting bestätigt Rückzug

(dpa). Nach rund zehn Jahren bekommt Berlin einen neuen Innensenator. Amtsinhaber Ehrhart Körting (SPD) gab am Donnerstag seinen Rückzug bekannt. »So ist das Leben. Ich bin 69 Jahre alt und da will man mit seinem Leben noch etwas anderes machen«, sagte Körting vor der ersten Sitzung des Berliner Abgeordnetenhauses. Zu seinen Zukunftsplänen wollte sich der SPD-Politiker nicht äußern. »Ich habe zehn...

Neue Nazi-Kleiderkammer in Weißensee
ndPlusMartin Kröger

Neue Nazi-Kleiderkammer in Weißensee

Gegen die Eröffnung einer Filiale der bei Rechten beliebten Klamottenmarke »Thor Steinar« in Weißensee regt sich Widerstand. Ein breites Bündnis aus SPD, Grünen und Linkspartei sowie antifaschistische Gruppen rufen heute für neun Uhr zu einer Kundgebung vor den Laden in der Berliner Allee 11 in Weißensee auf. »Die Marke ›Thor Steinar‹ trägt rechtes Gedankengut in den öffentlichen Raum. Das können ...

Sarah Liebigt

Seitenhiebe und Gelächter

Freundliches und spöttisches Gelächter, Seitenhiebe, Kritik und über allem das Wort »auf gute Zusammenarbeit«, zigfach wiederholt: Am Donnerstag traf sich das 17. Berliner Abgeordnetenhaus zu seiner ersten Sitzung. Alterspräsident Uwe Lehmann-Brauns (CDU) eröffnete die konstituierende Sitzung mit einer launigen Rede übers Alter. »Das Alter ist auch nicht mehr das, was es mal war. Es ist jünger und...

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Seefestspiele zeigen »Carmen«

(dpa). Freiluftoper in Picknickatmosphäre: Die Berliner Seefestspiele sollen nach ihrem erfolgreichen Start mit der »Zauberflöte« im kommenden Jahr mit »Carmen« fortgesetzt werden. Veranstalter Peter Schwenkow sagte in Berlin: »Das positive Echo der Zuschauer und der Medien im Premierenjahr haben uns bestärkt, dieses kulturelle Highlight in und für Berlin zu etablieren.« Mit der Inszenierung d...

Schau zu Eva Besnyö

(epd). Die Berlinische Galerie eröffnet am heutigen Freitag eine Retrospektive der 2003 verstorbenen ungarisch-niederländischen Fotografin Eva Besnyö. Gezeigt werden 120 Originalabzüge (Vintage Prints) Besnyös, die einen umfassenden Überblick über ihr Schaffen vermitteln sollen, teilte die Berlinische Galerie am Donnerstag mit. Mit ihrem fotografischen Stil habe die in Deutschland nahezu unbekannt...

ndPlusLucía Tirado

Bis zum letzten Tanz

Es gibt Tage, da sind alle hässlich. Nur die Hässlichen nicht. Die strahlen eine gewisse Ehrlichkeit aus. Derartige Lebensgefühle werden in dem Stück »Drei Frauen« reichlich benannt. Geschrieben hat es die Schweizer Autorin Martina Clavadetscher. In jenem Land praktiziert man den schwarzen Humor nicht so, wie wir ihn kennen. Wenn der Humor dort dunkel wird, dann wird er abgründig. So wirkt all...

Volkmar Draeger

Schichtung und Zäsur

Kasimir Malewitsch hatte sein berühmtes »Schwarzes Quadrat auf weißem Grund« - erstmals 1915 gezeigt und rasch zur Ikone der Moderne geworden - noch exakt in die Mitte des Bildes gerückt. Über Farbwerte und ihren Zusammenklang mit der Form, ja sogar der Musik hat sich rund ein Dezennium später Wassili Kandinski, ebenfalls Russe und späterer Bauhaus-Lehrer, ausgiebig Gedanken gemacht. Beides, Geome...

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Freispruch für Gutachter

Traunstein (dpa/nd). Im Revisionsprozess um den verheerenden Einsturz der Eislaufhalle von Bad Reichenhall ist der Angeklagte am Donnerstag erneut freigesprochen worden. Nach Überzeugung des Landgerichts Traunstein ist der Bauingenieur nicht für den Tod von 15 Menschen mitverantwortlich. Der 58-Jährige hatte sich seit September erneut wegen fahrlässiger Tötung verantworten müssen. Sein Freispruch ...

ndPlusRochus Görgen, dpa

Die Entdeckung des Wasser-Cents

Hat die Politik nur eine neue Einnahmequelle entdeckt? Oder macht die Abgabe auf das Wasser wirklich Sinn? Die Fraktionen im Landtag von Sachsen-Anhalt zumindest sind einhellig für den neuen Wasser-Cent.

ndPlusThomas Schubert

Ende eines Asyls für Arbeitslose

Nach vier Jahren mit beachtlichem Absatz und zufriedenen Mitarbeitern steht das Charlottenburger Projekt Goldnetz-Sozialmarkt vor dem Aus. Damit kehren 72 Beschäftigte der Werkstatt in die Arbeitslosigkeit zurück. Trotz hoher Qualifikation bleibt den meisten wohl nur noch eine Perspektive: Frührente. Geschäftigkeit, als gäbe es ein sattes Gehalt. Und ein Eifer, als wäre nicht schon in wenigen...

Rudolf Stumberger, München

Ferndiagnose aus Brüssel

Wegen des Streits um den Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen wurde eine Monitoringgruppe installiert, in ihr sind unter anderen auch Umweltschützer vertreten. Doch der Bund Naturschutz betrachtet das Gremium mittlerweile als »Farce«.

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Unklare Fahrtenbücher

Potsdam (dpa/nd). Wegen ungenau geführter Fahrtenbücher müssen Minister und Staatssekretäre in Brandenburg womöglich Steuern nachzahlen. Sein Ressort habe alle Bücher des laufenden Jahres geprüft und sei dabei auf Ungenauigkeiten bei den Angaben zum Zweck dienstlicher Fahrten gestoßen, sagte Finanzminister Helmuth Markov (LINKE) am Donnerstag in Potsdam. Nach einem Bericht der »Märkischen Oder...

ndPlusWilfried Neiße

Bäder verbrauchen zu viel Energie

Alle nach der Wende errichteten Hallenbäder müssen saniert werden. Wie Bildungsministerin Martina Münch (SPD) mitteilte, sei eine energetische Sanierung wegen der Umwelt und aus finanziellen Gründen »dringend geboten«. Zehn Prozent der einmaligen Investitionen fallen durch den hohen Wärme-, Strom- und Wasserbedarf jährlich an, fügte Münch hinzu. Ihrer Darstellung zufolge hat die öffentliche Hand i...

ndPlusAntje Lauschner, dpa

Aufpolierte Theatergeschichte

Um 1900 gingen vom Provinztheater Meiningen in Thüringen entscheidende Impulse für Europa aus. Der letzte klassizistische Theaterneubau auf dem Kontinent wurde seit 2010 saniert, heute ist Schlüsselübergabe.

Hendrik Lasch, Dresden

Sie wissen nicht, was sie tun

Sachsen plant eine große Verwaltungsreform. Die Voraussetzungen sind schlecht, sagt der Rechnungshof: Bei vielen Mitarbeitern weiß man gar nicht, was sie jetzt eigentlich tun.

Erlebte Altersarmut
ndPlusSebastian Stoll, epd

Erlebte Altersarmut

Immer mehr Menschen sind im Alter auf finanzielle Unterstützung des Staates angewiesen. Die wachsende Armut unter Senioren bekommen die Tafeln schon heute zu spüren - und richten Rollatorenparkplätze ein.

Andreas Fritsche

Luftschiffbauer Schütte schwebt unangetastet

Unermüdlich kämpft Frank Rauhut vom Bündnis gegen Rechts für die Umbenennung des Schütte-Lanz-Gewerbeparks in Königs Wusterhausen. Der Luftfahrtpionier Johann Heinrich Schütte sei »militanter Nationalist vom Scheitel bis zur Sohle« gewesen - »und das sein ganzes Leben lang«, erklärt Rauhut, warum der bereits im Jahr 2007 verliehene Name nicht geeignet sei. Es gebe von Schütte »klare Bekenntnisse z...

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Übernahme

Vieles deutet auf einen bevorstehenden Kauf des Eichborn-Verlags hin. Der Kölner Verlag Bastei Lübbe habe dem Gläubigerausschuss ein konkretes Übernahme-Angebot unterbreitet, sagte Insolvenzverwalter Holger Lessing am Mittwoch. Das Angebot sei noch nicht unterschriftsreif, aber akzeptabel. Ausgenommen von der Übernahme sind die Sparten »Die andere Bibliothek« und »Motomania«, die gesondert abgewic...

Viele Stimmen, gleicher Text

Viele Stimmen, gleicher Text

Weil es mit dem Willy-Brandt-Korps noch etwas dauert, hat sich am letzten Wochenende in Erfurt erst einmal ein Willy-Brandt-Chor gegründet. Er bringt friedliebendes und fortschrittliches Liedgut zu Gehör. Zum Programm gehören die Euro-Schunkelschnulze »Wer soll das bezahlen?«, das Sozialismus-Couplet »Ach, wie ist‘s möglich dann?« und die Parteihymne »Wann wir streiten Seit‘ an Seit‘«. In Vorberei...

Sauber und »Vollprofi«

Nun ist es amtlich! Der Intendant der Berliner Volksbühne, Frank Castorf, soll den Jubiläums- »Ring« im Jahr 2013 in Bayreuth inszenieren. Das gab die Co-Leiterin der Wagner-Festspiele, Katharina Wagner, am Donnerstag bekannt. Der 60-jährige Theatermacher hat wenig Opernerfahrung, sei aber »sehr musikalisch« und verstehe, welche Bedeutung eine Inszenierung des vierteiligen »Ring des Nibelungen« im...

ndPlusRoberto Becker

Engel, schießwütig

Seit Beginn der Spielzeit hat die Oper wieder einen ordentlich bestellten Intendanten. Und Riccardo Chaillys Gewandhausorchester hat, für seine zweite Identität als Opernorchester, auch wieder einen GMD. Ulf Schirmer ist beides. Er versucht, dem Publikum mehr zu bieten als wiederaufgenommene Inszenierungen von Chefregisseur Peter Konwitschny. Dass man zur Spielzeiteröffnung mit einer neuen »To...

Nix Katharsis, nix Läuterung

Friedrich Christian Delius, geb. 1943 in Rom, studierte in Berlin Germanistik. Nach seiner Promotion 1970 war er Lektor bei Wagenbach und Rotbuch. Nachdem er bereits mit 19 Jahren seine ersten Gedichte veröffentlicht hatte, erschien 1965 unter dem Titel »Kerbholz« sein erster Versband. 1969 folgte »Wenn wir, bei Rot. 38 Gedichte«. Bekannt wurde Delius mit der 1972 veröffentlichten satirischen Festschrift »Unsere Siemens-Welt«. In seinen Romanen, Erzählungen, Essays setzt er sich mit der deutschen Zeitgeschichte auseinander. Weitere Veröffentlichungen u.a.: »Mogadischu Fensterplatz« (1987), »Die Frau, für die ich den Computer erfand« (2009).

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Bloßer Aktionismus
ndPlusPeter Nowak

Bloßer Aktionismus

Kaum hat das neue Semester begonnen, schon wird auch wieder über die Bildungsproteste gesprochen. Bundesweite Proteste sind für den 17. November geplant. Mit dem Motto »Occupy Education« soll an die neue Bewegung angeknüpft werden, die ausgehend von Spanien, Israel und den USA nun auch vor dem Reichstag in Berlin und der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main ihre Zelte aufgeschlagen ...

ndPlusLena Tietgen

Bildungsrauschen

Einst schlossen sich reformpädagogische Internate zur »Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime« (LEH) zusammen. Doch statt gemeinsamer Aufarbeitung der Vorfälle sexualisierter Gewalt an der Odenwaldschule kommt es nun zu Zerwürfnissen. Am 13. Oktober 2011 posteten Kathrin Fromm und Caterina Lobenstein auf www.zeit.de (bit.ly/mP5MB1) unter »Krach im Vereinsheim«, Schloss Salem sei aus dem LEH aus...

Hispanistik? Kann wegfallen!
Jochen Mattern

Hispanistik? Kann wegfallen!

Christoph Heins jüngster Roman »Weiskerns Nachlass« spielt im akademischen Milieu. Die Hauptfigur, Rüdiger Stolzenburg, ist ein typischer Vertreter des akademischen Prekariats. Am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig hat er eine Assistenzdozentur für Literatur und Kunsttheorie inne. Nach fünfzehn Jahren muss er die Hoffnung, seine halbe Stelle könne in eine volle Stelle umgewa...

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Kosten psychischer Erkrankungen

Psychische Störungen verursachten im Jahr 2008 Behandlungskosten von knapp 29 Milliarden Euro. Die indirekten Kosten betrugen sogar 45 Milliarden Euro. Das ergibt eine neue Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung. Psychische Probleme seien überdies eine wesentliche Ursache für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung. Die häufigsten gesundheitliche Einschränkungen entstammen der Kategorie »neurot...

Rechtsfrage

Um einen Arbeitsprozess zu finanzieren, muss ein Kläger notfalls auch sein selbst genutztes Wohnhaus verkaufen. Das geht aus einem am Mittwoch bekanntgewordenen Beschluss des Landesarbeitsgerichts (LAG) Rheinland-Pfalz in Mainz hervor. Voraussetzung ist jedoch, dass die Wohnfläche sehr groß ist. Dann zählt auch eine selbst genutzte Immobilie nicht mehr zum sogenannten Schonvermögen (Az.: 11 Ta 169...

Sechs Prozent mehr Lohn gefordert

Die Industriegwerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) fordert für die rund 40 000 Beschäftigten der Papierindustrie eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um sechs Prozent. Das teilte die Gewerkschaft mit. Verhandlungsauftakt ist am 7. November in Darmstadt. Der neue Tarifvertrag soll eine Laufzeit von zwölf Monaten haben. Für die Auszubildenden fordert die IG BCE eine Erhöhung der Vergütungen ...

ndPlusGesa von Leesen

Zurück ins 19. Jahrhundert

Im Schwarzwald streiken Redakteure, Blattmacher, Grafiker. Seit Mitte September sind die Beschäftigten des Schwarzwälder Boten im unbefristeten Streik. Ihre Forderung an die andere Seite, die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH): Redet mit uns. Aber die will nicht. Ihr gehören die Stuttgarter Zeitung, die Stuttgarter Nachrichten und die Süddeutsche Zeitung. Ihr Mehrheitseigner ist die Medien Union...

ndPlusDieter Hanisch

Streik in der Sackgasse

Jubiläum im Norden: Heute begeht die Lokführergewerkschaft GDL den 100. Streiktag im Konflikt mit der Nord-Ostsee-Bahn. Ein Grund zu feiern ist das nicht: Die Streikfront bröckelt.

Die Lobby der Selbstständigen
Katja Eichholz

Die Lobby der Selbstständigen

Nicht nur Angestellte, auch frei und selbstständig Berufstätige haben mit Hilfe der Gewerkschaft die Möglichkeit, ihre Interessen nachhaltiger zu vertreten. Doch die Gewerkschaften taten sich lange schwer, Freie und Selbstständige nicht als Konkurrenz zu Angestellten zu sehen. Da hat sich nun geändert.

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Blutpass für alle Athleten

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) will 2012 den Blutpass für Athleten flächendeckend einführen. »Wir hoffen in einem halben Jahr damit anfangen zu können«, sagte die NADA-Vorsitzende Andrea Gotzmann am Donnerstag in Bonn. Die Anzahl der deutschen Sportler, die in das Programm aufgenommen werden sollen, ist noch unklar. Im Fokus sollen nicht nur sogenannte Risikosportarten stehen. »Zunächst ...

Baum als Zeuge in Kiel

Mit der Zeugenaussage des polnischen Ex-Schiedsrichters Miroslaw Baum wird heute der Handballprozess vor der Strafkammer des Landgerichtes Kiel fortgesetzt. Der 52-Jährige hatte mit Marek Goralczyk das Champions-League-Final-Rückspiel 2007 zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt geleitet. Goralczyk, der inzwischen als Generalsekretär des polnischen Handball-Verbandes arbeitet, wird am...

Coup der »Störche«

Nach dem zweiten Coup binnen weniger Wochen träumt Holstein Kiel vom großen Los im DFB-Pokal. »Das war großartig, jetzt wird unser Klub bundesweit wahrgenommen«, jubelte Vereinspräsident Roland Reime am Mittwochabend nach dem 2:0 des Außenseiters über den zwei Klassen höher spielenden Zweitligisten MSV Duisburg. »Jetzt kann gerne auch eine große Mannschaft nach Kiel kommen«, meinte Mittelfeldmann ...

Hansa ist gut genug für Liga zwei

Nach zwölf Spielen und nur einem Saisonsieg steht Zweitliga-Aufsteiger Hansa Rostock auf Platz 15 nur knapp vor den Abstiegsrängen. Manager und Sportdirektor STEFAN BEINLICH (39) ist dennoch optimistisch - Sorgen macht ihm nur die Torausbeute. Vor dem Heimspiel heute gegen Energie Cottbus sprach MARK WOLTER mit dem früheren Nationalspieler.

Klaus Weise

Fliegen mit Schallwellen

Der Wintersport steht kurz vor dem Start, ab Mitte November läuft das Weltcupgeschehen auf vollen Touren. Die Österreicher werden, vom Langlauf abgesehen, in allen Disziplinen vorne mitmischen - und in einer vermutlich der Konkurrenz wieder mal davonfliegen. Denn die Skispringer von Cheftrainer Alexander Pointner sind seit drei Wintern das Maß aller Dinge. In der Vorsaison gewannen sie bei der WM ...