Ausgabe vom 14.01.2012

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Obama warnt Iran vor roter Linie

Washington (nd-Bossenz). Während Irans Präsident auf einer Lateinamerika-Tour Rückendeckung für sein Atomprogramm sucht, lässt US-Präsident Barack Obama seine islamisch-schiitischen Widersacher schon mal die Instrumente ahnen. Sollte Teheran - wie angedroht - tatsächlich die Öltransporte im Persischen Golf unterbrechen, wäre damit eine »rote Linie« überschritten, so die Warnung Obamas. Laut »New Y...

Unten links

Sage keiner, dieser Präsident habe uns nichts gegeben. Nicht nur Unterhaltung. Er bereicherte auch unseren Wortschatz. »Wulffen« meint das Vollquasseln eines Anrufbeantworters, was den Stressfaktor gewaltig erhöhen kann. So hört man im politischen wie unpolitischen Berlin: »Wat wulffst du mich zu?!« Das neue Verb ist doppeldeutig, signalisiert zudem, dass man die Wahrheit und doch nicht die Wahrhe...

Es ist ungerecht! Ist es?
André Brie

Es ist ungerecht! Ist es?

Schon vor fast zwei Jahrzehnten hat sich die damalige PDS einsam gegen die Geburtsfehler des Maastrichter Vertrages gewehrt: »Euro: so nicht!« hieß unsere Losung. Wir waren nicht gegen den Euro, sondern gegen den sozialfeindlichen Monetarismus, der ihm zugrunde gelegt wurde. Wir kritisierten den undemokratischen und intransparenten Charakter der Europäischen Zentralbank und das Fehlen einer gemein...

ndPlusUwe Kalbe

LINKE verzichtet auf »Urwahl«

Der Antrag auf Mitgliederbefragung zur Parteispitze der LINKEN ist vorerst gescheitert. Das hat der Geschäftsführende Parteivorstand entschieden.

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Winterstarre

Erst im Wochentakt, dann im Monatsrhythmus und inzwischen nur noch quartalsweise werden die immer nächsten Aktionstage von Empörten und Occupy-Aktivisten ausgerufen. Es wurde still um jene Bewegung, der es noch vor drei Monaten gelang, in Europa und den USA Hunderttausende auf die Straßen zu bringen, um gegen die Macht der Banken zu demonstrieren. Offiziell mobilisiert für diesen 15. Januar nur...

Lebt die Bewegung noch?

Lebt die Bewegung noch?

nd: Es ist still geworden um die Empörten in Europa. Die internationalen Aktivisten des »Marsches nach Athen« sind nun zu Besuch in Rom. Für Sonntag ist drei Monate nach dem erfolgreichen 15. Oktober wieder ein internationaler Aktionstag angekündigt. Zeigt die Bewegung ein Lebenszeichen?Wegen des Wetters sind zur Zeit weniger Menschen auf den Straßen und Plätzen. Hier in Rom schwankt die Zahl zwis...

Direkte Begegnung

Direkte Begegnung

Die Bilder der Zeltstädte gingen um die Welt. Jetzt, im Winter, sind die Aktivisten eines der zentralen Elemente der Occupy-Bewegung beraubt: des öffentlichen Raums. Die Plätze wurden nach den polizeilichen Räumungen nicht wieder besetzt. »nd« fragt anlässlich des für Sonntag ausgerufenen globalen Aktionstages: Wie geht es weiter?

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S-Bahn privat

Die Berliner müssen sich darauf einstellen, dass es die S-Bahn bald nicht mehr geben wird, sondern mehrere Betreiber von S-Bahn-Linien. Der Senat bereitet die Ausschreibung von Strecken vor. Durch Wettbewerb soll das einst glorreiche Verkehrssystem, das durch die Profitsucht der Bahn ins Chaos gestürzt wurde, wieder flottgemacht werden. Ob diese Privatisierungs-Rechnung aufgeht, daran hatten b...

Eine Richtungsfrage

Es geht nicht anders, liebe Freundinnen und Freunde, der Mitgliederentscheid ist die letzte Instanz, noch nicht mal der Parteitag.« Es war kein anderer als Oskar Lafontaine, der auf einem Parteitag Richtungsentscheidungen der Partei mit dem hohen Kriterium einer Befragung der Parteibasis verband. Dass es sich bei der Wahl von Vorsitzenden um eine politische Frage handelt, wie in der Satzung als Vo...

Teheran besucht Freunde

Die USA und die EU stehen weitgehend allein. Ihr Ansinnen, die Sanktionen gegen Iran zu verschärfen, stößt in anderen Weltregionen auf wenig Anklang. Weder China noch Russland oder Japan können sich dafür erwärmen, den Konflikt mit Teheran weiter anzuheizen - und Lateinamerika schon gar nicht. Überall auf seinem Vier-Länder-Trip erhielt Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad Rückendeckung für sein ...

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Ziehsohn

Es war über Jahrzehnte in Industriekonzernen üblich, dass die Betriebsratsvorsitzenden die Firma von der Pike auf kennengelernt und sich von der Lehrwerkstatt über Werkbank und Fließband nach oben gedient hatten. So vermittelten sie auch in schlechten Zeiten das Gefühl, »einer von uns« zu sein, der sich den »hohen Herren« gegenüber redlich um die Belange der Kumpels einsetzt. Diese Rolle spielte a...

Besuch der Heuchler
Roland Etzel

Besuch der Heuchler

In Tunis wird man am heutigen 14. Januar ausgelassen feiern. Genau ein Jahr ist vorbei, seit Präsident Ben Ali und sein Clan das Weite suchten, leider unter Mitnahme eines Großteils des in 24 Jahren Herrschaftszeit zusammengerafften Milliardenvermögens. Weil der tunesische Umsturz die Volksmassen auch in anderen arabischen Staaten ermutigte, die Standfestigkeit ihrer lebenden Denkmäler abzuklopfen...

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Freiwild für die Konzerne
ndPlusWilli Volks, INKOTA

Freiwild für die Konzerne

In Guatemala werden die Menschenrechte der armen, vorwiegend indigenen Bevölkerung häufig verletzt - ob beim Bergbau oder bei Infrastrukturprojekten. Doch es regt sich auch Widerstand, und der zeitigt zuweilen Erfolge. Die COPAE (Kommission für Frieden und Ökologie) hilft dabei.

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Tabubruch in Köln

Köln (nd-Meier). Tabubruch in der Seniorenvertretung des Kölner Stadtbezirkes Ehrenfeld: Die CDU-Politikerin Amalie Klein wurde auf Vorschlag und mit den Stimmen zweier Mitglieder der rechtspopulistischen »Bürgerbewegung Pro Köln« zur Sprecherin des Gremiums gewählt, als dieses sich am Dienstag zu seiner konstituierenden Sitzung traf. Im Gegenzug wurde die »Pro Köln«-Kandidatin Rita Krause zu Klei...

Regionalisierung des Nazi-Terrors

Regionalisierung des Nazi-Terrors

nd: Getreu der Ansicht des sächsischen Innenministers, dass Antifaschismus keine Antwort auf Rechtsextremismus sein könne, unternimmt Markus Ulbig alles, um neue Anti-Nazi-Blockaden zu diskreditieren. Zugleich hat man nicht den Eindruck, dass die Regierung alles unternimmt, um die Verbrechen des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrundes aufzuklären. Selbst bei einfachen Fragen reagiert der ...

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Deutsche sollen Syrien verlassen

Berlin (dpa/nd). Angesichts der verschärften Sicherheitslage in Syrien hat das Auswärtige Amt erneut alle dort verbliebenen Deutschen eindringlich aufgefordert, das Land sofort zu verlassen. Ministeriumssprecher Andreas Peschke wies am Freitag darauf hin, dass die konsularische Betreuung durch die deutsche Botschaft in Damaskus künftig noch schwerer möglich sein werde. »Man muss ganz klar davon au...

EZB: »Fiskalpakt« nicht aufweichen

Berlin (dpa/nd). Die Europäische Zentralbank (EZB) warnt vor einer Aufweichung des von Deutschland angestoßenen »Fiskalpakts« für mehr Haushaltsdisziplin in Eurozone und EU. Die jüngste Vertragsversion sei eine »substanzielle Verwässerung gegenüber früheren Entwürfen«, schrieb EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen an die Unterhändler. Kritisiert werden etwa erweiterte Ausnahmeregeln beim angestre...

Demo für Christa Eckes

Berlin (nd-Klemm). Christa Eckes war Aktivistin der Roten Armee Fraktion (RAF). Sie könnte eine wichtige Zeugin für den Mord am ehemaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback 1977 sein. Das jedenfalls meint das Oberlandesgericht Stuttgart. Eckes will nicht vor Gericht aussagen und beruft sich auf ihr Recht zur Auskunftsverweigerung. Die Richter aber wollen eine Aussage erzwingen - und hatten im v...

Causa Wulff: Vorwürfe über Vorwürfe

Berlin (AFP/epd/nd). Dem seit Wochen wegen eines Hauskredits und Urlauben bei reichen Unternehmerfreunden unter Druck stehenden Bundespräsidenten Christian Wulff droht neuer Ärger: Nach einem Bericht der »Bild«-Zeitung vom Freitag fordert die SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag Aufklärung zu einer Urlaubsreise in die USA im April 2007. Dabei geht es um ein Upgrade in die Business-Class, das ...

ndPlusAert van Riel

Griff nach der Macht

SPD und Grüne haben gestern ihre Fraktionsklausuren beendet. Beide Oppositionsparteien betonten, sich nun aufs Regieren vorzubereiten. Ob es für ein gemeinsames Bündnis reichen wird, ist allerdings fraglich.

Seite 8

Gericht: Kriegsrecht war illegal

Warschau (dpa/nd). 30 Jahre nach Verhängung des Kriegsrechts in Polen ist der damalige Innenminister Czeslaw Kiszczak zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Eine Strafkammer des Bezirksgerichts Warschau sprach den 86-Jährigen wegen »Bildung einer illegalen bewaffneten Gruppe« und Menschenrechtsverbrechen schuldig. Zwei weitere Mitglieder des Staatsrats wurden freigesproc...

Gutachten Nummer zwei

Oslo (AFP/nd). Ein norwegisches Gericht hat am Freitag eine neue psychiatrische Begutachtung des Attentäters Anders Behring Breivik angeordnet. Noch vor Prozessbeginn am 16. April sollen demnach zwei weitere Experten den Geisteszustand des 32-jährigen Rechtsextremisten untersuchen, der vergangenen Juli bei zwei Anschlägen 77 Menschen getötet hatte. Ein Gutachten, das Behring Breivik für unzurechnu...

Myanmar: Hunderte frei

Yangon (dpa/nd). In Myanmar sind am Freitag auf einen Schlag Hunderte politische Gefangene freigekommen, darunter die prominentesten Dissidenten, um deren Leben Menschenrechtler gefürchtet hatten. Viele waren zu teils mehr als 60 Jahren Haft verurteilt worden. Präsident Thein Sein erfüllte damit innerhalb von 48 Stunden die zweite große Forderung westlicher Regierungen. Am Donnerstag hatte er eine...

»Schönen Tag noch, Kumpel«

Das Leichenschändungs-Video aus Afghanistan sorgt weiter für Empörung. Inzwischen sollen zwei der »Akteure« bekannt sein.

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Washingtons neuer Mann in Moskau

Diese Woche vom US-amerikanischen Kongress als neuer Botschafter Washingtons in Russland vereidigt, soll Michael McFaul seinen Posten in Moskau schon am Sonntag antreten.

Seite 9

Opiumpreise explodiert

Kabul (dpa/nd). Nach einer Pflanzenkrankheit sind die Einnahmen aus dem illegalen Opiumanbau in Afghanistan im vergangenen Jahr auf mehr als das Doppelte in die Höhe geschnellt. Verglichen mit 2010 habe der Gesamtwert der Opiumproduktion 2011 um 133 Prozent auf 1,4 Milliarden US-Dollar (1,1 Milliarden Euro) zugelegt, teilte das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung mit. Das durch die Pflan...

US-Airlines: Großfusion in Sicht

New York (dpa/nd). Unter den US-Fluggesellschaften könnte es zu einer neuen Großfusion kommen. Die drittgrößte US-Fluggesellschaft American Airlines wird in US-Medien als Übernahmekandidat gehandelt. Denn nach dem geplanten Neustart stünde die insolvente American Airlines befreit von Schulden und hohen Kosten viel schlanker da. Es kursieren gleich mehrere Namen möglicher Käufer: Die Finanznach...

Commerzbank braucht keine neue Staatsknete

Düsseldorf (dpa/nd). Die teilverstaatlichte Commerzbank kommt beim Stopfen ihrer Kapitallücke offenbar ohne Staatshilfe aus. Commerzbank-Chef Martin Blessing wolle die entsprechenden Pläne Anfang kommender Woche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vorstellen, berichtete das »Handelsblatt« (Freitag) unter Berufung auf Finanz- und Regierungskreise. Das Konzept beruhe allein auf »Marktlösung...

Kurt Stenger

Flutung der Banken

Die Situation auf den Märkten für europäische Staatsanleihen hat sich seit Jahresbeginn etwas beruhigt. Die Banken müssen mit ihrem vielen Geld irgendwohin.

Regina Stötzel

Ungeborene Mütter ohne Kinder

Weniger Geburten, mehr alte Menschen: Das »Berliner Demografieforum 2012« will den großen Herausforderungen der sich verändernden Gesellschaft »nachhaltig begegnen«. Die Referenten warben jedoch mehrheitlich für sich selbst.

Seite 12

Quartett der Favoriten

Frankreich: Der Titelverteidiger, Weltmeister und Olympiasieger ist nach wie vor das Maß der Dinge. Auf allen Positionen ist das athletisch und technisch starke Team von Trainer Claude Onesta mit Weltklassespielern besetzt - angeführt vom Superstar im Rückraum, Nikola Karabatic, Torwart Thierry Omeyer und Rechtsaußen Luc Abalo. Dänemark: Das große Plus des Vizeweltmeisters ist der ausgeprägte S...

Rießle auf dem Podest

Fabian Rießle belegte am Freitag im französischen Chaux-Neuve erstmals einen Weltcup-Podestplatz in der Nordischen Kombination. Hinter dem Italiener Alessandro Pittin und Weltcup-Spitzenreiter Jason Lamy Chappuis (Frankreich) kam der Schwarzwälder auf Platz drei. Pittins Sieg war der erste Erfolg eines italienischen Kombinierers in der Weltcup-Geschichte. Nach dem Springen deutete sich der spa...

ndPlusAlexander Ludewig

Hoffnung »auf Augenhöhe im Dialog«

Johannes Mäling drosselte die Erwartungshaltung bewusst. Er ist einer von drei Pressesprechern von »ProFans«. Die bundesweite Fanvereinigung hat den ersten Fankongress organisiert, der heute und morgen in Berlin, im Friedrichshainer Kino Kosmos, stattfindet. Es wäre wünschenswert, wenn diese beiden Tage rückblickend mal als »Wendepunkt« bezeichnet werden können, so Mäling gegenüber »nd«. Damit ...

ndPlusErik Eggers, Nis

Nur nicht zweifeln

Vor dem Start der EM in Serbien klingen die deutschen Handball-Nationalspieler so, als hätten sie mangelndes Selbstbewusstsein im Schnelldurchlauf therapiert. Die desaströsen Resultate bei der EM 2010 (10.) oder bei der WM 2011 (11.) scheinen aus den Gedanken vertrieben. Auf die Frage, ob der Trip auf den Balkan angesichts der Ausgangslage eine Reise ins Ungewisse darstelle, sagte Regisseur Michae...

Seite 13

Erklärungsnot beim Vorstand

(dpa). Der Verdacht einer Selbstbedienungsmentalität bei der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin (KV) wächst weiter. So hat die KV ihrer Aufsichtsbehörde, der Senatsverwaltung für Gesundheit, wichtige Unterlagen wie geänderte Dienstverträge erst mit mehrmonatiger Verspätung weitergeleitet, sagte Regina Kneiding, Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung, am Freitag und bestätigte damit Recherchen...

Braun erhält Übergangsgeld

(dpa). Berlins Ex-Justizsenator Michael Braun (CDU) wird nach zwölf Tagen im Amt Übergangsgeld erhalten. Die Linksfraktion scheiterte am Donnerstag im Abgeordnetenhaus mit ihrem Antrag, diese Zahlung zu verhindern. In einer namentlichen Abstimmung lehnten die rot-schwarzen Regierungsfraktionen den Antrag mit ihrer großen Mehrheit von 82 Nein- zu 59 Ja-Stimmen von LINKEN, Grünen und Piraten ab. Es ...

Von Marx zu Hegel
Klaus Joachim Herrmann

Von Marx zu Hegel

Aus dem Vorabprotokoll der Aussprache zur Regierungserklärung am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Es spricht der CDU-Fraktionsvorsitzende Graf: Herr Kollege Wolf - und jetzt meine ich mal den großen an der Stelle -, [Heiterkeit] wir sind ganz froh, dass unsere Wirtschaftssenatorin das Gemälde oder Bild von Karl Marx aus dem Büro des Wirtschaftssenators abgehängt hat. [Uwe Doering (LINKE...

Regelung für Kosten der Unterkunft

(nd). Die Fraktion DIE LINKE forderte gestern in einem Antrag vom Berliner Senat umgehend eine Rechtsverordnung zu den Kosten der Unterkunft für Berlinerinnen und Berliner, die von Hartz IV oder Grundsicherung im Alter leben müssen, zu erlassen. Danach müsse die Rechtsverordnung an den Berliner Mietspiegel gebunden werden, die Kosten angehoben und so gestaltet sein, dass Transferleistungsbezie...

ndPlusPeter Kirschey

Das Ei im Gerichtssaal

Bei der Ermordung eines Staatsanwalts im Amtsgericht Dachau in dieser Woche hatte der Täter die Pistole offensichtlich unkontrolliert mit in den Gerichtssaal bringen können. In Berlin dürfte das kaum möglich sein. Die Gerichte - vom Verfassungsgerichtshof als höchster hauptstädtischer Gerichtsinstanz bis zu den Amtsgerichten - werden die Besucher einer gründlichen Kontrolle unterzogen, die nicht w...

Bernd Kammer

Signale stehen auf Ausschreibung

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat den Senat vor einer Teilausschreibung der S-Bahn gewarnt. »Die S-Bahn ist ein Verkehrsmittel und keine Spielmasse für einen Wettbewerbspoker«, sagte EVG-Vorstandsmitglied Reiner Bieck. Eine Teilausschreibung würde im Endeffekt »die Zerschlagung eines Verkehrssystems bedeuten« und brächte keine Verbesserung für Kunden oder Beschäftigte. Der Regi...

Seite 14

Klänge aus dem Gully

Am Berliner Martin-Gropius-Bau ist am Donnerstag eine neue Installation vorgestellt worden. Das unterirdische Klangkunstwerk »Unterton« an der Südseite des Museums reagiert auf Bewegung. Menschen, die über den Platz gehen, lösen verschiedene Klangbilder aus.

Edith Zöllner gestorben

(dpa). Die langjährige Intendantin der Berliner Kammerspiele, Edith Zöllner, ist am Donnerstag im Alter von 82 Jahren in Berlin gestorben. Das teilte die frühere Regisseurin Anna Vaughan des 1999 aufgelösten Kinder- und Jugendtheaters der dpa mit. Zöllner hatte 1980 die Direktion des Ensembles übernommen und das Theater bis zu dessen Auflösung geleitet. Mit Klassikern des Kindertheaters und Inszen...

Jebsen und rbb wollen sich einigen

(epd). Der nach Antisemitismus-Vorwürfen gekündigte Radiomoderator Ken Jebsen will den Streit mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) nun doch außergerichtlich beilegen. Der Antrag des Klägers auf Aufhebung des für kommenden Montag vorgesehenen Gütetermins sei am Freitag von der zuständigen Richterin unterzeichnet worden, sagte die Direktorin des Arbeitsgerichts Potsdam, Hilde Fuhrmann, am Freit...

Sinnestäuschungen
ndPlusTom Mustroph

Sinnestäuschungen

Türken leben nicht nur in Deutschland oder in der Türkei. Auf diese bei allfälligen Migrationsdebatten hierzulande etwas unterbelichtete Tatsache macht die Gruppenausstellung »Zwölf im Zwölften« in der von einem türkischen Kulturgroßinvestor finanzierten und dem Berliner Großkurator René Block geleiteten Galerie Tanas in der Heidestraße aufmerksam. Unter dem etwas kabbalistisch anmutenden Titel we...

Seite 15

»Meile für Demokratie« in Magdeburg

Magdeburg (dpa/nd). Mit der vierten »Meile der Demokratie« wollen die Stadt Magdeburg und 150 Initiativen an diesem Samstag gegen Rechtsextremismus protestieren. Auf drei Bühnen in der Innenstadt und mit zahlreichen Aktionen entlang des Breiten Weges wolle das demokratische und tolerante Magdeburg ein kraftvolles Zeichen setzen, kündigten das Bündnis gegen Rechts und die Landeshauptstadt an. Sie e...

Brand in der Hafenstraße

Lübeck (nd-Hanisch). In ein paar Tagen wird in Lübeck wieder an den Brandanschlag auf die frühere Asylbewerberunterkunft in der Hafenstraße erinnert. Bei dem Brand in der Nacht zum 18. Januar 1996 starben dort zehn Menschen, 38 wurden verletzt. Der mittlerweile 16. Jahrestag wird begleitet von einer Diskussionsveranstaltung am Dienstag, 19 Uhr, im Rathaus, zu der unter anderem die Humanistisch...

Protestaktion am Nürburgring

Nürburg/Mainz (dpa/nd). Die Privatbetreiber des Nürburgrings in Rheinland-Pfalz wollen weniger Stellen streichen als bisher geplant. Statt 141 sollten nun 92 Stellen von insgesamt 338 Arbeitsplätzen abgebaut werden, teilte die Nürburgring Automotive GmbH (NAG) am Freitag mit. Darunter seien 55 Kündigungen, bisher waren 59 vorgesehen. Der geringere Stellenabbau werde möglich durch Änderungen am Zuk...

Peter Nowak

Ist Zeitungsverkauf Terrorismus?

Für diesen Sonntag planen Antirassismusgruppen eine Kundgebung vor der Justizvollzugsanstalt für Frauen in Berlin-Lichtenberg. Dort sitzt seit Ende Oktober 2011 Gülaferit Ünsal in Untersuchungshaft. Die Justizbehörde beschuldigt die Frau, »Rädelsführerin« der in der Türkei und in Deutschland verbotenen marxistischen »Revolutionäre Volksbefreiungspartei/-front« (DHKP-C) zu sein. Diese in den 70er J...

200 Wachen für 18 Insassen
ndPlusTim Zülch

200 Wachen für 18 Insassen

Rund 220 Plätze hat das Berliner Abschiebegefängnis in Köpenick in seinen zwei drei- bzw. vierstöckigen länglichen Blöcken, umgeben von meterhohen Mauern. Das Äußere ist alles andere als einladend. Dass man auch im Inneren ein beklemmendes Gefühl bekommt, bestätigte der Leiter der Einrichtung, Stephan Lengowski, bei einer Veranstaltung der Initiative Demokratie und Toleranz im Bürgerhaus Grünau. »...

ndPlusUwe Kraus, Hordorf

Das Trauma von Hordorf

Ein Gedenkstein soll künftig an die Opfer des Zugunglücks von Hordorf in Sachsen Anhalt erinnern. Bei dem Zusammenstoß eines Personenzuges mit einem Güterzug waren am 29. Januar 2011 zehn Menschen ums Leben gekommen, 23 weitere wurden verletzt. Die Justiz hat vor einigen Tagen Anklage gegen den Lokführer des Güterzuges erhoben.

Seite 16

25 Dörfer weniger

Schwerin (dpa/nd). Zu Jahresbeginn gaben 25 Dörfer in Mecklenburg-Vorpommern ihre Selbstständigkeit auf und schlossen sich anderen an. Im gesamten Vorjahr waren es nur zehn, wie aus Daten des Statistikamtes hervorgeht. Thomas Deiters vom Städte- und Gemeindetag Mecklenburg-Vorpommern bestätigte den Trend. »Wir erfahren, dass zunehmend kleine Gemeinden Gespräche führen und sich zusammenfinden, weil...

Ausstellung über Kirche des Militärs

Potsdam (dpa/nd). Die Potsdamer Garnisonkirche war ein Symbol des preußischen Militarismus und zugleich ein Kleinod barocker Baukunst. Sie wurde mit Trophäen aus siegreichen Schlachten geschmückt. Die Nazis nutzen den Charakter dieser Kirche gezielt aus. Am 21. März 1933 schüttelte Reichspräsident Paul von Hindenburg zur Konstituierung des Reichstages in der Garnisonkirche dem neuen Reichskanzler ...

Wilfried Neiße

Arm trotz Arbeit

Die sozialen Probleme in Berlin und Brandenburg haben trotz Rückgangs der Arbeitslosigkeit nicht an Schärfe verloren. Das ist das Ergebnis eines regionalen Sozialberichts.

FDP verliert alle Mitglieder in ihrer Hochburg

Schluss, aus, fertig: Einer der erfolgreichsten FDP-Ortsverbände in Brandenburg kehrt der Partei in der Krise den Rücken. Geschlossen wollen die acht FDP-Mitglieder aus Treuenbrietzen und Niemegk austreten und eine eigene liberale Bürgervereinigung gründen. Dabei galt die Flämingstadt mit knapp 7500 Einwohnern als Hochburg der Liberalen. Aber die Krise der FDP, die zuletzt d...

Simone Rothe, dpa

Unverbrauchte Drehorte

Thüringen gilt bisher als Kindermedienland. Das soll sich ändern: Das Land stellt sich dem Wettbewerb mit den großen deutschen TV-Produktionsstandorten.

Asbest im Landtag
ndPlusWilfried Neiße

Asbest im Landtag

So lange ist es nun schon her, aber noch gut in Erinnerung: Mit dem Alarmruf »Asbest« wurde die letzte DDR-Volkskammer aus dem Palast der Republik geworfen, weil angeblich die Vergiftung der frei gewählten Abgeordneten durch das heimtückische DDR-Regime drohte. Wie heute jedes Kind weiß, war das maßlos übertrieben. Eine wirkliche Gefahr für die Besucher und Mitarbeiter des Palastes bestand niemals...

Carsten Hoefer, dpa

Auf dem Drahtseil

Freie-Wähler-Chef Aiwanger schaut hoffnungsfroh in die Zukunft: Nach der Landtagswahl 2013 werden entweder CSU oder SPD und Grüne auf ihn angewiesen sein, um eine Regierung bilden zu können, glaubt Aiwanger. Doch das ist ein schwieriger Balanceakt mit ungewissem Ausgang.

Seite 17
Döntjes eines roten Bildhauers
Hendrik Lasch

Döntjes eines roten Bildhauers

Darf ein sozialistischer Arbeiter die Hände in den Hosentaschen haben? Auf keinen Fall, meinte Hans Kies. Dem renommierten DDR-Bild- hauer war auf einer Berliner Kunstausstellung im Jahr 1960 eine Plastik ins Auge gefallen, die sein Kollege Walter Stats Howard eingereicht hatte. Sie zeigt einen gedrungenen Mann mit Quadratschädel, Schiebermütze, einem über die Hose quellenden Bäuchlein - sowie läs...

Seite 18
Im Bienenhaus
ndPlusCharlotte Noblet

Im Bienenhaus

Selbstständig sein und doch ein Büro zusammen mit Kollegen nutzen: Coworking macht es möglich. Durch das Anmieten eines Arbeitsplatzes im »Coworking-Space« lassen sich scheinbar Privat- und Berufsleben trennen. Keine Ablenkung mehr durch den häuslichen Alltag, Büroatmosphäre und eine aussagekräftige Postadresse wirken anziehend. Vor allem die digitale Bohème nutzt diese Möglichkeit.

Seite 19
Der Inbegriff der Freiheit?
Mag Wompel

Der Inbegriff der Freiheit?

Bedeutet freiberufliche Arbeit mehr Autonomie, weil man sich seine Jobs selbst aussuchen und seine Zeit eigenständig einteilen kann? Oder ist freischaffende Tätigkeit vor allem Selbstausbeutung ohne soziale Absicherung?

Vorteile für alle

Vorteile für alle

Die Arbeitswelt ist im ständigen Wandel. Aber es wird immer Arbeit geben, die nicht durch Coworking von einem gemieteten Arbeitsplatz oder durch Telearbeit von zu Hause erledigt werden kann. Die Wege zur Arbeit sind teils sehr lang und zeitfressend. Menschen fahren von ihrem Wohnort A zum entfernten Arbeitsplatz in B, andere von ihrem Wohnort B zum Arbeitsplatz in A. Muss das so bleiben? Einen utopischen Blick in die Zukunft wirft das folgende fiktive Interview mit dem Leiter einer Agentur für Arbeit in Schleswig-Holstein, kurz vor dem nicht stattgefundenen Start des Pilotprojektes »Verkürzung der Arbeitswege durch Tausch der Arbeitsplätze«.

Seite 20
2012
Bernd Zeller

2012

In der Zeitrechnung, die wir einseitig als unsere ausgeben, haben wir den Anbruch des Jahres 2012 zu verzeichnen, was schon mal ein Erfolg ist, weil wir es so weit gebracht haben. Der Kalender der Maya endet mit diesem Jahr, was allerdings nichts anderes bedeutet, als dass die Maya gedacht haben, sie würden es so lange schaffen zu bestehen. Die wichtigsten Ziele für das neue Jahr sind die Rett...

Besessen von der Kraft des Wortes

Besessen von der Kraft des Wortes

Der Sohn eines Juristen verbrachte nach eigenem Bekunden eine unglückliche Kindheit. Kurz nach seiner Geburt gab ihn seine Mutter in die Obhut einer Amme. Als er sieben war, schickten ihn seine Eltern auf eine strenge Klosterschule und dann auf ein Internat. Später nahm er auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium auf und war, um nebenher etwas Geld zu verdienen, als Schreibgehilfe in einem Anwalts...

ndPlusMartin Koch

Vierzehn gewinnt, Sieben verliert

»Das Wesen aller Dinge ist die Zahl«, erklärte einst der griechische Philosoph Pythagoras, nach dem der wohl bekannteste Satz der euklidischen Geometrie benannt ist. Zugleich legte Pythagoras den Grundstein für eine Lehre, die unter der Bezeichnung »Numerologie« heute der Esoterik zugerechnet wird. Denn sie beruht auf der Voraussetzung, dass in den Zahlen weit über deren mathematische Bedeutung hi...

Seite 21
Kai Köhler

Die Seele und der Staat

Die Romantik gehörte und gehört unter Linken zu den umstrittenen Epochen. Erweiterte sie die künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten oder zerstörte sie die von der Klassik erreichten Standards? War sie Befreiung von moralisierenden Zwängen oder katholische Reaktion? War sie die kulturelle Variante der Französischen Revolution auf deutschem Boden oder muss man in ihrer nationalistischen Aggressivität...

Seite 22
Das Kapital geht dem Profit nach - egal, wo es ihn kriegt
ndPlusAnnelies Laschitza

Das Kapital geht dem Profit nach - egal, wo es ihn kriegt

Das neue Jahr, das vor einem Säculum für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht anbrach, sollte sich als ein besonders ereignisreiches Jahr erweisen. Rosa Luxemburg schrieb 1912 wie im Rausch an ihrem ersten großen Werk »Die Akkumulation des Kapitals. Ein Beitrag zur ökonomischen Erklärung des Imperialismus«, das dann im Januar 1913 im »Vorwärts«-Verlag Berlin erschien. In kritischer und kreativer Anl...

Seite 23

WOCHEN-CHRONIK

13. Januar 1902: Im Berliner Roten Rathaus wird die erste Volkshochschule im Deutschen Reich gegründet; die Idee der freien, modernen Volksbildung stammt von Nicolai Grundtvig, der schon 1844 in Dänemark Volkshochschulen ins Leben rief. 17. Januar 1867: Vor der Berliner Akademie der Wissenschaften wird die Arbeit von Werner Siemens »Über die Umwandlung von Arbeitskraft in elektrischen Strom ohn...

Otto Leonhard Heubner
Martin Stolzenau

Otto Leonhard Heubner

Von seinem Vater im Geiste des Liberalismus erzogen, hat der am 17. Januar 1812 in Plauen geborene Otto Leonhard Heubner (Foto: Archiv) auf vielfältige Weise sächsische Geschichte geschrieben. Er begann damit gleich nach seinem Studium der Rechtswissenschaften in Leipzig. Zurückgekehrt in seine Heimatstadt, arbeitete der junge Jurist nicht nur in der Anwaltskanzlei des Vaters mit. Auf dem Grundstü...

ndPlusGerd Fesser

Bei Philippi ...

Im Juli 1909 entließ Kaiser Wilhelm II. den Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow. Der Kaiser hatte sich im Vorjahr durch eine Veröffentlichung in der britischen Zeitschrift »Daily Telegraph« gründlich blamiert und in Deutschland wie in England einen Sturm der Empörung hervorgerufen. Er suchte nun einen Sündenbock und fand ihn in Bülow. Es kam Wilhelm gelegen, dass die beiden konservativen Partei...

Eine gefährliche Person?
ndPlusHeinrich Fink

Eine gefährliche Person?

Als Hitler im Januar 1934 zusammen mit dem neu ernannten Reichsbischof Ludwig Müller vor kirchenleitenden Persönlichkeiten erklärte, dass sie sich ausschließlich um die Kirche, nicht um Politik zu kümmern hätten, widersprach Martin Niemöller ihm öffentlich, »dass weder Sie noch sonst eine Macht in der Welt in der Lage sind, uns als Christen die uns von Gott auferlegte Verantwortung für unser Volk ...

Die seltsame Sucht nach Arbeit
ndPlusRonald Blaschke

Die seltsame Sucht nach Arbeit

Er war ein bemerkenswerter Politiker und Publizist der internationalen Arbeiterbewegung. Bemerkenswert, weil sich seine von Karl Marx und Friedrich Engels geprägten Auffassungen mit einer großen Eigenständigkeit und geistigen Freiheit im politischen sowie publizistischen Wirken verbanden. Der am 15. Januar 1842 in Santiago de Cuba geborene Paul Lafargue stammte aus einer multiethnischen und mu...

Seite 24

Reim auf die Woche

Es stehn sich gegenüberder Himmel und die Höll,Obama und Mitt Romney,der Frieden und das Öl. Das Gute und das Schlechte:der Westen und Iran;die syrischen Rebellen,Assad, der schlimme Mann. Es streiten um ihr Vorrechtdie Wirtschaft und der Staat,Frau Merkel und Herr Monti,die Brust, das Implantat. Das Morgen und das Gestern:Wer weiß, was heute gilt?Das Wahre und das Falsche:nd, der Spi...

Kershaw und Snyder

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an die Historiker Ian Kershaw und Timothy Snyder. Der Preis ist mit 15 000 Euro dotiert. Der Brite Kershaw (68) und der Amerikaner Snyder (42) hätten mit ihren Werken über Totalitarismus und deutsche Historie dazu beigetragen, ein tieferes Verständnis Europas für seine Schreckensgeschichte zu ermöglichen,...

Kunst nach Fukushima

Aus Solidarität mit Japan will der Louvre rund zwanzig Kunstwerke für eine Wanderausstellung in das Land schicken, darunter auch in das von der Atomkatastrophe direkt betroffene Fukushima. Weder die Kunstobjekte noch das Begleitpersonal seien »in Gefahr«, verstrahlt zu werden, versicherte das Museum angesichts der Kritik an der Aktion. Doch will das weltberühmte Pariser Museum eine Reihe von Vorsi...

Joachim Jahns: Beispiel Zauderer

nd: Sie nannten Ihr Buch »Erwin Strittmatter und die SS« und beschäftigen sich dann auch mit Günter Grass. War Strittmatter denn SS-Mitglied?Jahns: Nein. Mit einer freiwilligen Bewerbung zur Waffen-SS steht seine Musterung nicht in Verbindung. Sein höchster Dienstgrad war der eines Feldwebels, der bei der Schutzpolizei als Revier-Oberwachtmeister bezeichnet wurde. Die Schutzpolizei war als Teil de...

Spiel ohne Schau

Sie hat das Proletarische, das sich so oft und so ausdauernd in Härte auszubilden hat, in den Schmelz ihrer Güte getaucht. Das Mädchenhafte an ihr, in ihr neigte gern zum Schwesterlichen. Wenn sie verführte, dann weniger mit weiblicher Tollheit, denn mit dem nüchternen Realismus der Lebenspackenden. Helga Görings Filmrollen in »Das verurteilte Dorf«, »Stärker als die Nacht« oder »Jeder stirbt ...

»Willst du zur Schutzpolizei?«

»Willst du zur Schutzpolizei?«

Am 14. August 2012 jährt sich der Geburtstag Erwin Strittmatters zum 100. Mal. Die Wellen schlagen noch einmal hoch in der Debatte, die Werner Liersch mit seinem Artikel »Erwin Strittmatters unbekannter Krieg« am 8. Juni 2008 eröffnet hat. Im Juni soll im Aufbau Verlag eine Strittmatter-Biografie von Annette Leo erscheinen. In diesen Tagen kommt ein Buch von Joachim Jahns heraus, der insbesondere zu Strittmatters Militärbiografie forschte. Hier ein Ausschnitt in gekürzter Form.

Seite 25
PLATTENBAU
Sebastian Blottner

PLATTENBAU

Musiker, die ihr Debütalbum nicht ohne ein dazugehöriges Manifest veröffentlichen, sind selten. Wer so etwas tut, hat entweder wirklich etwas zu sagen - oder er versucht, Relevanz zu fingieren, um mediale Aufmerksamkeit zu schüren. Es lohnt also, hineinzulesen in das werbewirksam verbreitete »Jewrhythmics Manifest« der gleichnamigen dreiköpfigen Dance-Formation »aus den Tiefen des Tel-Aviv-Moscow ...

Martin Hatzius

Kultur schafft sich ab

Geredet wurde genug, jetzt wird vernichtet. Thilo Sarrazins Buch »Deutschland schafft sich ab«, vor Kurzem noch in atemberaubenden Argumentabschlägen debattiert, soll nun »recycelt« werden. So jedenfalls stellt sich das Martin Zet vor, ein tschechischer Künstler. 60 000 Exemplare des Buches möchte Zet einsammeln, um ihnen am Ende den Garaus zu machen. Die Bühne dafür stellt ihm ein u.a. durch ...

ndPlusWerner Jung

»Dürfen wir über die Leute so verfügen?«

Sie war gewiss die stärkste aller marxistisch-leninistischen Parteien in der alten BRD, jene KPD/AO, scherzhaft von den Spontis auch OA, ohne Arbeiter, genannt - mit ihren auf 700 geschätzten Mitgliedern im Jahre 1973. Richtig: 700. Gegründet im Februar 1970 in Westberlin, hat sich die Partei auf ihrem 3. Parteitag in Gelsenkirchen 1980 bereits wieder selbst abgeschafft. Fünf Ikonen - Marx, Engels...

Zwischenfälle
Hans-Dieter Schütt

Zwischenfälle

Ein Mann legt sich hin und steht nicht wieder auf und zwingt eine Frau somit, in höchst akrobatischer Rockraffung über ihn hinwegzusteigen. Einer redet und redet und fragt seinen alterszitternden Tischnachbarn, ob es ihm schmecke, und er merkt nicht, wie der tot in den Spaghettiteller sinkt. Einer tanzt den wildesten, tollsten Tanz, den man seit Jahren auf dem Theater sah (Markus Meyer!). Ehepaare...

Seite 26

DOKfilm: Fremde alte Heimat

Michael Würfel stammt aus Pfronten im Allgäu. 2008 machte sich der Filmemacher auf den Weg, kehrte nach vielen Jahren Leben in der Stadt dieser den Rücken und wieder in die alte Heimat zurück. In »Schnee von Gestern - mein Heimatfilm« dokumentiert Würfel die Begegnungen mit Land und Menschen. Was ist Heimat? Warum bleiben manche hier, obwohl sie anderswo bessere berufliche Aussichten hätten? Was i...

OUT of SPACE: »Bild«, Wulff und Kohl

Udo Röbel weiß, wie es ist, auf Deutschlands schmuddeligstem Chefsessel zu sitzen. Er leitete von 1998 bis 2000 die Chefredaktion der »Bild«. Zur Wulff-Affäre gab er kürzlich der »taz« ein Interview. Darin auch Bemerkenswertes über das Verhältnis zwischen der großen Politik und der »Bild«. 1998 interviewte Röbel Kanzler Kohl. Zum Abschluss wurde er vom Kanzler mit einem Portemonnaie beschenkt, »fü...

Jürgen Amendt

Alles ist relativ

Letzte Woche verbreiteten zahlreiche Medien eine Schreckensmeldung: Im vergangenen Jahr sei die Zahl der tödlich verunglückten Fußgängern deutlich gestiegen; fast 25 Prozent mehr Fußgänger als 2010 ließen im Straßenverkehr ihr Leben. Als Ursache benannte das Verkehrsministerium mit Verweis auf Experten, die Unvorsichtigkeit von Fußgängern, mit Kopfhörern und lauter Musik auf den Straßen zu wandeln...

ndPlusHeiko Hilker

BLOGwoche: Fragen nach den Fragen an Wulff

Warum mussten ARD und ZDF mit zwei Moderatoren antreten? Gibt es keinen, auf den man sich einigen kann? Warum stellten beide nur die Fragen, die seit Tagen diskutiert wurden? Es war doch klar, dass sich Wulff für die Gespräch die menschelnden Antworten antrainieren lässt. Warum schätzen beide Fragesteller auf ihren Sendern das Gespräch dann später ein und werten es aus? Es gibt doch bei den Sender...

ndPlusKarin Leukefeld

Handy-Fotos, Twitter, Facebook und Blogs

»Wir folgten syrischen Zivilisten, die uns Opfer des Terrors (...) zeigen wollten. Plötzlich traf eine Granate ein Gebäude, wir sahen Rauch aufsteigen. Die meisten von uns und auch die Syrer rannten in ein Wohnhaus. (…) Ich rannte dann wieder hinunter und da lag die Leiche von Gilles.« Der namentlich nicht genannte Augenzeuge, der in der britischen BBC berichtet, ist einer von zwölf arabischen und...

Seite 27

Wie kommt die FDP wieder aus dem Umfragetief?

Der Absturz der FDP in den vergangenen Monaten ist wohl beispiellos in der jüngsten Geschichte der Bundesrepublik: Bei der Bundestagswahl 2009 erhielten die Liberalen etwas mehr als 14 Prozent der Stimmen. Jetzt, nach mehr als zwei Jahren in der Regierung, ist die Partei in der Wählergunst rapide gefallen und liegt nur noch bei zwei bis drei Prozent. FDP - dieses Kürzel wird nicht mehr mit »Freie ...

Seite 28
Doppelter Sonnenaufgang

Doppelter Sonnenaufgang

Das Weltraumteleskop »Kepler« hat zwei ferne Planeten aufgespürt, an deren Himmel eine Doppelsonne strahlt. Die beiden sogenannten Exoplaneten umkreisen jeweils ein System aus zwei Sternen, wie Astronomen um William Welsh von der San Diego State University im britischen Fachblatt »Nature« (DOI: 10.1038/nature10768) berichten. Die Konstellation erinnere an den fiktiven Planeten Tatooine aus der Kin...

ndPlusAndreas Knudsen

Erbsenzähler für Zellen

Ein Team von Forschern des Karolinska-Instituts Stockholm und der Universität Helsinki scheint ein Problem der Genforschung gelöst zu haben, an dem auch die besten Hochdurchsatzsequenziergeräte scheiterten. Die Forscher fanden eine Methode, die Anzahl von Molekülen des Erbguts genau zu zählen, die nur in geringer Zahl vorkommen. Um genetische Eigenschaften von gesundem und krankem Gewebe vergleich...

ndPlusMartin Koch

Nanodraht leitet wie Kupfer

Es gibt physikalische Gesetze, von denen nahezu jeder schon mal gehört hat. Eines davon ist das Ohmsche Gesetz, welches in Kurzform lautet: In einem elektrischen Leiter ist die Stromstärke (I) direkt proportional zur Spannung (U) und umgekehrt proportional zum Widerstand (R). Oder als Formel geschrieben: I = U/R. Wie bei jedem Naturgesetz ist auch beim Ohmschen Gesetz dessen Gültigkeit an spezi...

Mehr Wind macht dickere Vögel
Lucian Haas

Mehr Wind macht dickere Vögel

Wenn von Klimawandel die Rede ist, dann stehen zumeist höhere Temperaturen oder wechselnde Niederschlagsmuster im Fokus. Doch es gibt noch weitere Klimafaktoren, die sich verändern, zum Beispiel der Wind. Über den Ozeanen weht er tendenziell stärker. Das hat Einfluss auf die dort lebenden Seevögel und zeigt überraschende Effekte im Südlichen Ozean, wie französische Forscher im Fachjournal »Science...

Seite 29
Kühler Kopf gefragt
ndPlusHeiko Frings

Kühler Kopf gefragt

Nach Joanne K. Rowling ist Terry Pratchett meistgelesener Autor in Großbritannien. Sein humorvoll-tiefsinniger Fantasyzyklus um die »Scheibenwelt« zählt bisher 37 Romane, die alle auch auf Deutsch und in drei Dutzend weitere Sprachen übersetzt worden sind. »Scheibenwelt - Ankh Morpork« entführt uns in die gleichnamige Metropole dieser Scheibenwelt. Wie nicht anders zu erwarten, geht es dort dru...

Nervenbündel
Carlos García Hernández, Schachlehrer

Nervenbündel

Seit den 90er Jahren gehört Wassyl Iwantschuk (Ukraine; 42) zur Schachelite, aber super Erfolge werden immer wieder von Spielkrisen abgelöst. Er ist einfach zu nervös. Die Partie von heute verlor er gegen Anish Giri (Niederlande; 17). Tags darauf dann gegen Nikita Witjugow (Russland; 24). Zwei Tage später quasi ein Zusammenbruch: Bei der Partie gegen Fabiano Caruana (Italien; 19) verlor Iwantschuk...

Wissen, punkten, gewinnen

An vier Wochenenden stellen wir jeweils drei Fragen. Sie beziehen sich auf historische Daten der Folgewoche. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im »nd« gesammelt. Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird unter Ausschluss des Rechtsweges gelost. Lösungen der ...

Pralles Leben in den Mumien
ndPlusProf. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe

Pralles Leben in den Mumien

Trotz ihrer geringen Größe dürften die Blattläuse des Gartens dank ihres ungewöhnlichen Vermehrungspotenzials bald das Eigengewicht jedes Gartenbesitzers übertreffen - würden das nicht ihre Gegenspieler verhindern. Manche davon, zumindest die Marienkäfer, kennt jeder. Aber zuverlässiger als sie sind die meist übersehenen Blattlausparasiten, die im Innern der Blattläuse heranwachsen. Im Frühjah...

Modernes Szenario für gutes altes Schlauspiel
René Gralla

Modernes Szenario für gutes altes Schlauspiel

Er schreibt Romane und produziert Dokumentationen. Er war ein Held im Befreiungskrieg, komponiert heute Popsongs und dreht Soap Operas. Nguyên Quí Hai ist ein Multitalent, seine Energie scheint unerschöpflich, und das ist um so erstaunlicher, als dieser Mann, der in Vietnams Hauptstadt Hanoi wohnt, immerhin schon seinen 80. Geburtstag gefeiert hat. Da würden es die meisten wahrscheinlich etwas ...

Seite 30
Heidi Diehl

Peru 2 for 1

Peru zum Schnäppchenpreis ohne unseriöses Hintertürchen bietet Intrepid Travel für Kurzentschlossene. Wer bis zum 31. März bucht und bis 30. September die Reise antritt, kann sich zu zweit zum Machu Picchu (Foto: picture alliance/dpa-tmn) aufmachen und muss nur für einen bezahlen. Mehrere Reisen zwischen sieben und 15 Tagen für 850 bis 2225 Euro für Zwei stehen zur Auswahl und führen in die schöns...

Familienbande - das Erbe der Gonzagas
ndPlusUlli Traub

Familienbande - das Erbe der Gonzagas

Das ist ein Bild von einer Stadt: Wer über die Brücke, die den Fluss Mincio überquert, der sich hier in Form mehrerer Seen richtig breitmacht, die Altstadt von Mantua ansteuert, wird vom ungetrübten historischen Panorama der Paläste und Türme beeindruckt sein. Und viele Italienfans werden sich fragen, warum sie hier, wenige Kilometer südlich vom Gardasee nicht schon früher Station gemacht haben. ...

Seite 31
Eisbein mit Sauerkraut unterm Vulkan
ndPlusKarsten-Thilo Raab

Eisbein mit Sauerkraut unterm Vulkan

Auf den ersten Blick gemahnt die Region Los Lagos an eine Mischung aus norwegischen Fjord-Landschaften und dem Sauerland. Hoch aufragende Berge, riesige Seen und ausgedehnte Mischwälder so weit das Auge reicht. Dazwischen grasen Kühe auf saftigen Weiden. Und ein Blick auf die Schilder an den Ladenlokalen von Puerto Varas lässt die Vermutung zu, das chilenische Seengebiet sei ein Teil von Deutschla...

Seite 32
Porträt einer Doppelspitze
ndPlusHans-Dieter Schütt

Porträt einer Doppelspitze

Johannes Bobrowski: Rosa Luxemburg Schmerzwie ein Vogel singt.Mauer. Lüfte, hörbarüber der Angst.Wer verschließt deinen Mund,Lerche? Du fliegstauf vom Wiesenstädtchen,in die Verwüstung, vorüberTürmen, atemlos, dort:Lerche, sing deinem Volk,sing der SchläfenGewalt. Ich hör einen Altenreden von finsteren Jahren.Zärtlichkeit, eine Tränesagt deinen Namen. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Es...