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Aert van Riel

Mehr Schutz für Whistleblower

Whistleblower machen auf Missstände in ihren Unternehmen aufmerksam – und müssen deswegen mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Unten links

Es ist ein Befreiungsschlag. Nachdem uns über Monate Geschichten um sich ungebührlich verhaltende Politiker oder Lobbyisten beschäftigt haben, soll endlich das Menschliche in den Seelen der gesellschaftlichen Elite in den Vordergrund gerückt werden. Putins Träne nach der Wahl, die freilich nur dem Wind geschuldet war. Merkels Wochenendeinkauf in einem Berliner Supermarkt, den sie gewiss lieber une...

Moskauer Sisyphos

Es ist bei der russischen Präsidentenwahl alles gekommen wie vorhergesagt. Hier ein ungefährdeter Sieger, da eine Handvoll misslauniger Unterlegener, von denen keiner je den Status eines Herausforderers für Putin erreichte. Zwar meldeten die Beobachter Tausende von Unkorrektheiten, doch bestreitet nicht einmal Putin, dass in den Weiten des Landes nicht alles mit rechten Dingen zuging. Es wird ...

Koalition gibt Geld für Finanzcheck

Berlin (Agenturen/nd). Die Bundesregierung will die Information von Verbrauchern in Finanzfragen und bei Geldanlagen stärken. Der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und FDP beschloss am Sonntagabend, der Stiftung Warentest ab kommendem Jahr zusätzlich 1,5 Millionen Euro jährlich zuzuschießen, wie Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) am Montag erklärte. Durch mehr Information zu Finanz- und ...

ndPlusSteffen Schmidt

Ein Jahr nach dem Super-GAU von Fukushima

Im Vorfeld des ersten Jahrestags der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi widerspricht die deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) der offiziellen Erklärung des Super-GAU.

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Putin demonstriert Stärke

Mit dem zweitbesten Wahlergebnis seiner Karriere tritt Premier Putin seine Rückkehr in den Kreml an. Doch dieser von Betrugsvorwürfen überschattete Sieg mit knapp 64 Prozent der Stimmen bedeutet kein einfaches Regieren.

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Bernhard Clasen

Ein Militärkarussell und vier blinde Kamerastunden

Die russische Präsidentenwahl hatte zahlreiche internationale Beobachter angezogen. Aber auch aus Russland hatten es sich so viele Personen wie noch nie zur Aufgabe gemacht, die Rechtsgültigkeit des Wahlablaufs zu überprüfen. Eine von ihnen ist Natalja Mironowa.

ndPlusOlaf Standke

Partnerschaft mit »geschwächtem Zar«

Während einheimische wie internationale Beobachter und Medien die Wiederwahl von Wladimir Putin in Russland am Tag danach als ungerecht und unfair kritisierten, wollen Regierungen zwischen Berlin und Brüssel mit dem russischen Präsidenten künftig durchaus eng zusammenarbeiten.

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ndPlusFabian Lambeck

Babyklappe zu?

Eine Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums heizt die Debatte über anonyme Geburten an. In Vorbereitung ist ein Gesetz, dass betroffenen Kindern einen Informationsanspruch über ihre Herkunft geben will.

»Ich wollte kein Komplize sein«
Karlen Vesper

»Ich wollte kein Komplize sein«

Er lebt in einer kleinen, aber feinen Anderthalb-Zimmer-Wohnung und hat einen fantastischen Blick auf den Main. Hans Heisel in Frankfurt ist einer der letzten noch lebenden deutschen Résistancekämpfer. Heute vollendet er sein neuntes Lebensjahrzehnt.

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Kassenmaries Geldregen

Seit Tagen so ein Kikeriki! Die gesetzlichen Krankenkassen haben im letzten Jahr in der Tat vier Milliarden Euro erwirtschaftet und nun gibt es Ratschläge von allen Seiten, was mit dem Geld zu tun sei. Zurückzahlen ist noch der am wenigsten zu kritisierende Vorschlag; dem Finanzminister etwas davon abzugeben, wäre vermutlich der allerschlechteste. Der packt das dann doch nur wieder in irgendwelche...

Brüder, zur Sonne ...

Sieht man sich die breite Front an, die sich inzwischen gegen den faulen Solarkompromiss des Bundeswirtschaftsministers und seines Kollegen im Umweltressort gebildet hat, dann können die Tausenden Demonstranten am Montag in Berlin kaum verwundern. Denn die beiden Herren von FDP und CDU haben mit ihren radikalen Plänen zur Kürzung der Solarförderung nicht nur Grüne und Sozialdemokraten gegen sich a...

Finanz-Placebo

Der TÜV ist ein Kind der Industrialisierung. Unternehmer wollten die Sicherheit von Dampfkesseln überprüfen lassen, da diese allzu oft explodierten. Bis heute überprüft der TÜV nur technische Geräte auf ihre Sicherheit, obwohl sich die Wirtschaftswelt längst weitergedreht hat und der Finanzbereich zentrale Bedeutung erlangt hat. Umso erstaunlicher, dass der Wildwuchs an immer neuen Finanzprodukten...

Sündenbock

Island garantiert seinen Touristen jede Menge überraschende Einsichten. Aber seit einigen Jahren trifft dies mehr noch auf die Politik des Landes zu. Als erstes schlitterte es in die Finanzkrise, es entschied sich anders als andere dafür, seine Krisenbanken zu verstaatlichen - was zahllose Bürger um ihre Ersparnisse brachte. In Island steht nun mit dem ehemaligen Premierminister Geir Haarde erstma...

Viel Schein, wenig Sein

Die Teilnahme an der Herstellung des Bruttosozialprodukts in diesem Lande verlangt leider Eigenschaften, die charakterschädigend sind. Fortwährend geht es darum, etwas darzustellen, sich selbst oder ein Produkt, also Schwächen zu verbergen und Stärken zu betonen. Und vor allem nichts preiszugeben, was nachteilig ausgelegt werden könnte. Viel Schein, erst recht bei wenig Sein. Den lieben langen Tag...

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Zustimmung für Fiskalpakt erwartet

Berlin (Agenturen/nd). Die Bundesregierung ist zuversichtlich, dass sie bei der Abstimmung über den EU-Fiskalpakt im Bundestag eine Zweidrittelmehrheit bekommen wird. Es zeige sich, dass die schwarz-gelbe Politik bei der Bewältigung der Krise im Euroraum von einer parteiübergreifenden Mehrheit mitgetragen werde, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. SPD-Chef Sigmar Gabriel ford...

Kassen mit vier Milliarden Überschuss

Frankfurt am Main (epd/nd). Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr einen Rekordüberschuss von mehr als vier Milliarden Euro erwirtschaftet. Das berichtet die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« unter Berufung auf Angaben der Krankenkassen an das Bundesgesundheitsministerium. Im Vorjahr hatten die Kassen noch ein Defizit von 390 Millionen Euro ausgewiesen. Die Jahresbilanz soll in di...

Christin Odoj

Protest gegen den »Solardeckel«

Im April sollen die angekündigten Kürzungen bei der Solarförderung umgesetzt werden. Die Branche sieht das Projekt Energiewende dadurch insgesamt in Gefahr.

»Diese Zahlen waren erwartbar«

»Diese Zahlen waren erwartbar«

Die Integrationsstudie »Lebenswelten junger Muslime« sorgt seit vergangener Woche für Aufregung. Der Soziologe Klaus Boehnke von der »Bremen International Graduate School of Social Sciences « ist einer der Mitautoren der 2009 vom Bundesinnenministerium in Auftrag gegeben Untersuchung. Gesa von Leesen sprach mit dem Wissenschaftler über die Studie.

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Marcus Meier

»Ernsthafte Verletzungen provoziert«

300 Neonazis, 7000 Gegendemonstranten, ein Schwerverletzter und ein grüner Polizeipräsident in Erklärungsnot: In Münster herrscht Entsetzen nach brutalen Polizeiübergriffen gegen Antifaschisten.

Querdenker, Gewerkschafter, Sozialist
Heiner Halberstadt und Hans-Gerd Öfinger

Querdenker, Gewerkschafter, Sozialist

Im Alter von 97 Jahren verstarb am Wochenende in Frankfurt am Main der demokratische Sozialist und Gewerkschafter Jakob Moneta.

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Islands Ex-Premier vor Gericht

Islands Ex-Premier vor Gericht

Reykjavik (dpa/AFP/nd). Der frühere Regierungschef von Island, Geir Haarde, muss sich seit Montag vor einem Sondergericht für seine Rolle in der Finanzkrise verantworten. Ihm wird Mitverantwortung am Kollaps des isländischen Bankensystems vorgeworfen. Der 60-jährige Haarde wies zu Prozessbeginn die Anschuldigung zurück, er habe Interessen des Staates verletzt, weil er die Krise nicht verhindert ha...

Weniger Wachstum

China rechnet in diesem Jahr mit einem geringeren Wachstum als noch 2011, wurde auf dem Volkskongress in Peking verkündet.

Obama droht - Israel lobt

Israelische Politiker haben vor einem amerikanisch-israelischen Spitzentreffen die Haltung von US-Präsident Barack Obama im Konflikt um Irans Atomprogramm gelobt. Obama wollte am Montag (Ortszeit) den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Washington treffen.

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Gábor Kerényi, Budapest

Gebeugte Anwälte

Der Ausbau des totalen Staates nach Zuschnitt von Viktor Orbán geht mit unverändertem Elan weiter. Der jüngste Schritt zielt auf die weitere Unterordnung der Rechtsprechung.

Hilmar König

Warten auf Gerechtigkeit in Gujarat

Ein Teil der Bevölkerung des indischen Unionsstaates Gujarat gedachte in der vorigen Woche schlimmer Ereignisse, die vor zehn Jahren das dortige religiös-soziale Gefüge aus den Angeln hoben und bis auf den heutigen Tag nachwirken.

ndPlusMax Böhnel, New York

Weichenstellung am »Super-Dienstag«?

Die zehn Vorwahlen der Republikanerpartei am »Super Tuesday« in den USA werden entgegen der Erfahrung dieses Mal wohl keinen eindeutigen Präsidentschaftskandidaten ergeben.

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Strompreise im Großhandel gesunken

Münster (AFP/nd). Trotz Atomausstieg sind die Großhandelspreise für Strom in diesem Jahr deutlich niedriger als Anfang 2011. Die Kosten für Grundlaststrom hätten im Januar und Februar um 6,1 Prozent unter Vorjahresniveau gelegen, teilte das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) am Montag unter Berufung auf Daten der Strombörse EEX mit. Habe eine Kilowattstunde vor einem Jahr ...

Belastung von Fahrern im Nahverkehr gestiegen

Düsseldorf (epd/nd). Die Arbeitsbelastung für Bus- und Straßenbahnfahrer ist einer Studie zufolge in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen. Grund sei der Rationalisierungs- und Wettbewerbsdruck in öffentlichen Nahverkehrsunternehmen durch EU-Vorgaben, heißt in einer am Montag vorgestellten Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Die Verkehrsbetriebe hätten ihre Kosten v...

Ländle stellt Staatshilfe in Aussicht

Düsseldorf (AFP/nd). Das Land Baden-Württemberg hat der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker Staatshilfen in Aussicht gestellt. Das Land könne das Unternehmen mit Sitz im schwäbischen Ehingen mit Kreditausfallbürgschaften helfen, »wenn ein tragfähiges Konzept da ist«, sagte Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) dem »Handelsblatt« vom Montag. Ein solches Konzept müsse ein möglicher Investor vor...

Oliver Hilt, Schengen

Stresstest »nicht bestanden«

Die französische Regierung hält das störfallgeplagte AKW Cattenom für sicher. In der unmittelbaren Nachbarschaft sieht man dies ganz anders.

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Stephen Leahy, Uxbridge (IPS)

Rohstoffdurst gefährdet Ökosysteme

Ein weltweites Gerangel um Land und Rohstoffe, angetrieben durch Investitionen in Milliardenhöhe, gefährdet die letzten intakten Ökosysteme, zerstört Gemeinschaften und verseucht die globalen Frischwasserreserven. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung der Gaia-Stiftung in London. Kein Nationalpark, kein noch so fragiles Ökosystem und keine Gemeinschaft wird von der Jagd nach den heiß beg...

Norden bringt Süden an den Bettelstab

Brasiliens Wirtschaftsmacht wächst und damit das Selbstbewusstsein seiner Politiker. Präsidentin Dilma Rousseff, die gestern zusammen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel die Technologiemesse Cebit eröffnete, ist dafür ein beredtes Beispiel. Sie spart nicht an offener Kritik an der »falschen« und gefährlichen Politik des Nordens in der Krise. Schon während des Weltsozialforums Ende Januar...

Antje Stiebitz

Frauenpower in Bengalen

Frauenförderung über Quoten ist ein nach wie vor umstrittenes Thema. In Bengalen ist ein Drittel der Dorfrats-posten für Frauen reserviert. Diese Aufwertung hat laut einer Studie die Geschlechterkluft zwischen Jungen und Mädchen erfolgreich reduziert.

Entwicklung im falschen Rhythmus

Entwicklung im falschen Rhythmus

Am 16. Februar 1996 unterzeichneten die mexikanische Regierung und die Zapatistische efreiungsarmee EZLN die Abkommen von San Andrés über indigene Rechte. Umgesetzt hat die Regierung die Verträge nie. Bis heute setzen sich die EZLN und andere für die Selbstbestimmung der indigenen Bevölkerung ein. Darüber sprach mit Antoine Libert Amico, Anthropologe und Agrarwissenschaftler der Universität Chapingo in Chiapas, für »nd« Luz Kerkeling.

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Kritik an Jugendarrest

(dpa). Die Pläne für den Ausbau des Jugendarrests in Berlin stoßen bei Strafverteidigern auf Zustimmung - ihre Details aber nicht. Dass der Arrest künftig zügiger umgesetzt werden könne, sei zu begrüßen, betonte die Vereinigung Berliner Strafverteidiger am Montag. Der Standort Kieferngrund, wo auch Untersuchungshäftlinge einsitzen, sei aber bedenklich. Die Sicherheitsvorkehrungen dort entsprächen ...

Schluss mit Ausbaugesetz

(dpa). Das Berliner Straßenausbaubeitragsgesetz wird laut einem Medienbericht wieder aufgehoben. Das schreibt die »Berliner Morgenpost« (Montag). Das Gesetz beteiligt die Anwohner am Ausbau von Straßen und war seit seinem Erlass 2006 heftig umstritten. Nach Angaben der Zeitung erhalten diejenigen Immobilienbesitzer, die aufgrund des Gesetzes an das Land gezahlt haben, ihr Geld zurück. Dabei soll e...

100 Tage Anlauf

Die ersten 100 Tage von Rot-Schwarz in Berlin werden dieser Tage bilanziert. Das vollzieht sich ohne erkennbare Leidenschaft. Nicht einmal eine einheitliche Zählweise hat sich durchgesetzt. Medien und Politiker kleckern das Jubiläum über die erste Märzwoche. Sicher bleibt, dass Klaus Wowereit am 24. November 2011 vereidigt wurde. Die Senatoren folgten am 1. Dezember 2011. Rund drei Monate später w...

Martin Kröger

Senat findet Flughafenverfahren in Ordnung

Es hätte ein starkes, ein politisches Signal sein können. Alle Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses sprechen sich gemeinsam gegen die am Großflughafen »Willy Brandt« geplante Unterbringung von Flüchtlingen aus, deren Asylbegehren nach dem sogenannten Flughafenverfahren im Eiltempo beschieden werden sollen.

Warten auf neue S-Bahnen
ndPlusBernd Kammer

Warten auf neue S-Bahnen

Sie sollen bei eisiger Kälte ebenso zuverlässig fahren wie bei großer Hitze und ausreichend Sitze sowie Platz für Kinderwagen und Rollstühlehaben. Das sind einige der Anforderungen des Senats an die neue Generation der S-Bahnen, die in fünf bis sechs Jahren den Berliner Nahverkehr stabilisieren soll.

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Jüdisches Leben der 20er

(epd). Das Jüdische Museum Berlin zeigt vom 23. März an eine Ausstellung über das Leben osteuropäischer Juden im Berlin der 1920er Jahre. Nach dem Ersten Weltkrieg sei Berlin Zufluchtsort und Zwischenstation für Zehntausende von Juden aus Osteuropa gewesen, teilte das Museum mit. Mit einer Fülle bislang unbekannten Materials, darunter Fotos, Zeichnungen und ein Film aus dem Jahr 1919, folge die Au...

Preis an Berliner Autoren

(epd). Der Berliner Romanautor Jan Peter Bremer erhält den Mörike-Preis 2012 der Stadt Fellbach. Der Förderpreis geht an den ebenfalls in Berlin lebenden Lyriker Konstantin Ames. Die mit 12 000 Euro beziehungsweise und 3000 Euro dotierten Auszeichnungen werden im Rahmen der Fellbacher Literaturtage am 7. März überreicht, wie die Stadt am Montag mitteilte. Bremer ist der bisher jüngste Mörikepreist...

Altenpflege vor den Augen Jesu

(dpa/nd). Der Intendant des Berliner Theaters Hebbel am Ufer, Matthias Lilienthal, hat das Stück »Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn« gegen Kritik aus der Kirche verteidigt. Es gehe nicht darum, Heiliges in den Dreck zu ziehen, sagte Lilienthal der dpa vor der Aufführung am Montagabend. Kritiker werfen dem Stück Gotteslästerung vor. »Romeo Castellucci macht das aus einem großen Bek...

Wonach soll man streben?
Tom Mustroph

Wonach soll man streben?

Theater und Wissenschaft sind hierzulande weitgehend getrennte Bereiche. Während bildende Künstler sich seit einigen Jahren auch für natur- und vor allem biowissenschaftliche Forschungen interessieren - erinnert sei nur an Eduardo Kac' genetisch verändertes Kaninchen - hält sich die Hinwendung von Dramatikern, Schauspielern und Regisseuren zu den sogenannten harten Wissenschaften in engen Grenzen....

Volkmar Draeger

Opfer der Gesellschaft

Klaustrophobisch eng wie das Loch, über das Gus schimpft, ist auch der Spielort, die Alte Wäscherei im Stadtbad Steglitz. Nur zwei Feldbetten stehen dort übereck, wohin sich Ben und Gus zu verfügen haben. Alles Weitere enträtselt sich in dem spärlichen Dialog, den beide 70 Minuten lang führen. Eigentlich handelt es sich mehr um Gus‘ permanentes Fragen, auf das Ben eher genervt antwortet. Dies ist ...

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Gespräche nach gewalttätigen Protesten

Leck (dpa/nd). Erst protestieren Anwohner gegen einen Verurteilten Sexualstraftäter, nun versucht die Gemeinde in Schleswig-Holstein die Wogen zu glätten. Nachdem am Wochenende bis zu 50 Menschen gegen die Anwesenheit des 18-Jährigen in Leck im Kreis Nordfriesland demonstriert hatten, plant die Polizei Gespräche mit dem jungen Mann. Das sagte die erste stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Marcu...

Mitnetz investiert Millionen

Halle (dpa/nd). Die Firma Mitnetz Strom will in diesem Jahr angesichts der geplanten Energiewende rund 344 Millionen Euro in ihrem Gebiet investieren. »Wir müssen noch schneller erneuerbare Energien aufnehmen«, sagte der Technische Geschäftsführer der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom mbH (Mitnetz Strom), Adolf Schweer, am Montag. Die Energiewende beginne somit vor der Haustür. Dazu sei es nö...

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Schadensbilanz mit Eierschecke

Zur Hälfte der Regierungszeit ist die CDU / FDP-Regierung in Sachsen voll des Selbstlobs. Die Opposition sieht einen Fachkräftemangel im Kabinett.

Klaus Teßmann

Bäume fallen - Mieten steigen

Mehr bezahlbaren Wohnraum braucht die Stadt Berlin. 30 000 Wohnungen sollen die Wohnungsbaugesellschaften dazu erwerben oder neu bauen - so ein Versprechen der rot-schwarzen Koalitionsregierung. Doch die Realität sieht anders aus. Im Schöneberger Barbarossa-Kiez werden über 100 Wohnungen dem Profitstreben geopfert. Das Mietshaus Barbarossastraße 59/60 bietet vor allem für Studenten und Singles ...

ndPlusUlrike von Leszczynski, dpa

Berlin is(s)t Bio

Bio und Berlin - das scheint ein unschlagbares Erfolgsrezept zu sein. In den vergangenen Jahren haben 53 Bio-Supermärkte in der Hauptstadt eröffnet. 2012 sollen weitere zehn dazukommen, sagt Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL). Er geht davon aus, dass Berlin sogar noch mehr Bio verträgt. Noch gibt es jedoch ein spürbares Ost-West-Gef...

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ndPlusAndreas Fritsche

Abseits bekannter Wanderwege

Aus beliebten Wanderwege einfach neue Touren schneidern, das war nicht die Absicht von Martin Mosch. Der Dozent für Typographie wandert in seiner Freizeit leidenschaftlich. An den Wochenenden tut er es gewöhnlich im Berliner Umland. In seinem Buch »Brandenburg landeinwärts« gibt Mosch echte Geheimtipps. So empfiehlt er auch mal Ausflüge, wo es ein paar hundert Meter durch eine Ackerfurche geht,...

Simon Wagner, dpa

Zauberhafter Weltrekord

Magie im Minutentakt: 106 Magier bringen in Tübingen die größte Zaubershow aller Zeiten auf die Bühne. Ihr Lohn: Der Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Selbst Verkehrsminister und Olympiasieger gingen bei so viel Magie in die Luft.

Georg-Stefan Russew, dpa

Millionenschaden durch Holzdiebe

Holzdiebe treiben es immer dreister. Mächtige Holzstapel verschwinden inzwischen eins, zwei, drei aus den Wäldern. »Je höher die Energiepreise steigen, desto mehr Holz geht aus unseren Wäldern flöten«, erklärt Enno Rosenthal vom Waldbauernverband Brandenburg. Ob private oder staatliche Forstleute - alle haben mit dem Phänomen zu kämpfen. »Nach vorsichtiger Schätzung werden pro Jahr zehn Prozent de...

Es gibt keine roten Schlaglöcher
ndPlusRainer Funke

Es gibt keine roten Schlaglöcher

Reichlich 26 Prozent der Stimmen bei der Kommunalwahl vor knapp vier Jahren und damit erstmals stärkste politische Kraft in Schöneiche - für die LINKE gehört dies zu den guten Gründen, bei der Bürgermeisterwahl am 22. April einen eigenen Kandidaten zu benennen: Dr. Erich Lorenzen, 54 Jahre alt und Vorsitzender der Gemeindevertretung. Als Replik auf den derzeitigen Bürgermeister Heinrich Jüttne...

Goggomobil und »Glaserati«
ndPlusRudolf Stumberger, Dingolfing

Goggomobil und »Glaserati«

In der Hans-Glas-Straße in Dingolfing wurden in großen Hallen ab den 1950er Jahren Modelle der Automarke »Glas« produziert. Auch heute werden dort Autos gefertigt - von BMW. Denn vor rund 45 Jahren wurde die Firma Glas von den Bayerischen Motorenwerken aufgekauft. Eine Spurensuche in Niederbayern.

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Teure Risse

Die Behebung der Risse in der Eingangshalle der Pinakothek der Moderne wird Bayern rund 750 000 Euro kosten. Das teilte Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) am Montag mit. Laut einem Gutachten sind unterschiedliche Materialbewegungen der Grund für die Risse, die im Herbst 2011 entdeckt wurden. Es sei noch nicht klar, ob das Haus für die Zeit der Sanierung geschlossen werden müsse und etwa der Sta...

Designer von Darth Vader

Der Filmillustrator Ralph McQuarrie ist tot. Der Designer, der Figuren wie Darth Vader, Chewbacca und R2-D2 schuf, starb am Samstag im Alter von 82 Jahren, wie auf seiner Internetseite mitgeteilt wurde. McQuarrie arbeitete in den 1970er Jahren mit George Lucas an den ersten drei »Star Wars«-Filmen. Später war er an Kinoerfolgen wie »ET« von Steven Spielberg oder »Cocoon« von Ron Howard beteiligt. ...

Der Künstler Beltracchi

Der verurteilte Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi sieht sich nicht als Verbrecher. In einem Interview mit dem »Spiegel« sieht er seine Strafe aber als gerechtfertigt. Er male nun wieder. »Auf eine gewisse Weise ist das auch eine Erleichterung: Jetzt kann ich all die Dinge öffentlich tun, die ich schon immer gerne gemacht habe. Schreiben, filmen, bildhauern, eigene Sujets malen.« Beltracchi hat ...

Herbst des Großmeisters
Gerhard Dilger

Herbst des Großmeisters

Als Vulkan, der Träume ausspeit, hat ihn Pablo Neruda einmal gefeiert. Sein Romane sind Klassiker der Weltliteratur. Auch als engagierter Intellektueller hat er Geschichte geschrieben: Heute wird der Kolumbianer Gabriel García Márquez (Foto: AFP /Ivan Garcia) 85 Jahre alt. Geboren wurde er im Karibikdorf Aracataca, dem erklärten Vorbild für den mythischen Ort Macondo aus »Hundert Jahre Einsamk...

Drei Kreuze am Samstag
ndPlusRalf Schenk

Drei Kreuze am Samstag

Thomas Heises Dokumentarfilm »Die Lage« hatte in der Berlinale-Sektion Forum Weltpremiere. Es ist die risikofreudigste Programmschiene, in der Avantgarde, Experiment, Essay, Langzeitbeobachtungen, politische Reportagen und noch unbekannte Kinematografien gleichberechtigt ihren Platz haben. Heise war mit »Die Lage« hier bereits zum fünften Mal zu Gast. Lange, geduldige, schwarz-weiße Einstellun...

Antje Rößler

Aus tiefer Not

In Eisenach besuchte Martin Luther die Lateinschule und sang im Chor der Georgenkirche; später übersetzte er auf der Wartburg das Neue Testament ins Deutsche. Rund zweihundert Jahre später wurde Johann Sebastian Bach in derselben Georgenkirche getauft; er sang dort ebenfalls im Gottesdienst und besuchte dieselbe Lateinschule wie zuvor Luther. Das Eisenacher Bachhaus beleuchtet nun die Beziehun...

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Genie für Hollywood

Rob Reiner lockt große Stars gekonnt aus der Reserve. In »Harry und Sally« brachte der amerikanische Regisseur Meg Ryan zum Stöhnen. »Misery«-Star Kathy Bates spielte sich für ihn in Rage. Jack Nicholson legte in »Das Beste kommt zum Schluss« seine Eitelkeit ab. Reiner zuliebe schlüpfte er in ein Krankenhaushemd und zeigte seinen blanken Po. Hollywoods Multitalent scheut vor keinem Stoff zurück - ...

Reue wegen »Vogelnest«

Der chinesische Künstler und Regierungskritiker Ai Weiwei hat seinen Beitrag zum Erfolg der Olympischen Sommerspiele vor vier Jahren in Peking bedauert. Schon während der Spiele sei ihm klargeworden, dass die kommunistische Führung das maßgeblich von ihm entworfene Stadion in Peking, das »Vogelnest«, nur zu Propagandazwecken gebaut habe, sagte Ai der Internetausgabe der japanischen Zeitung »Yomiur...

Barbara Reitter

Und immer wieder: das Ich

Hätte Franz von Stuck mit der Kamera experimentiert statt seine Gemälde in Ölfarben zu malen - sie hätten wahrscheinlich den Aufnahmen des US-Amerikaners Mark Morrisroe geähnelt. Statt seine Werke in üppigen Rahmen zu präsentieren, hätte er vielleicht wie der früh verstorbene Fotograf die Bilder mit Schriftzügen gerahmt. Die Motive jedenfalls ähneln sich immer wieder auf frappante Weise: man ahnt ...

Blick nach vorn
Sebastian Blottner

Blick nach vorn

Es ist uns zur Obsession geworden, schier in die Ewigkeit ausdehnbare Jugendlichkeit zu beschwören. Gerade im Rockmusikgeschäft natürlich. Aber wir alle wissen auch, dass das eine Lüge ist. Wenn Mick Jagger heute immer noch wie mit 18 auf der Bühne herumhüpft, dann beginnt ein unvoreingenommenes Publikum schnell einmal, sich fremdzuschämen. Und wenn eine Band es anlässlich ihres 40-jährigen Besteh...

Neue Schriftstellerlust
ndPlusKlaus Bellin

Neue Schriftstellerlust

Plötzlich ging es nicht mehr. Die Hand spielte nicht mehr mit. Er sprach von einer Zerrüttung, die sich zuerst in seiner Schrift bemerkbar machte. Immer hatte er mit der Feder geschrieben, die kleinen Prosadichtungen und auch seine drei Romane »Geschwister Tanner«, »Der Gehülfe« und »Jakob von Gunten«, doch nun wurde er der Feder überdrüssig. Er fing sogar an, wie er Jahre später, im Juni 1927, de...

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Darmkrebs im Frühstadium weniger schrecklich

Im Evangelischen Krankenhaus Lutherstift im brandenburgischen Seelow wird bei einer Patientin eine Darmspiegelung zur Krebsvorsorge durchgeführt. Darmkrebs bekommen jedes Jahr mehr als 73 000 Menschen, 27 000 sterben daran. Daher steht der Monat März seit über einem Jahrzehnt im Zeichen der Darmkrebsvorsorge. Gesundheitsexperten, Kliniken und Privatpersonen engagieren sich dafür. Wer regelmäßig Vo...

ndPlusElfi Schramm

Recht auf Dummheit

Warum sind wir so empfänglich für Seelenfänger, Wunderheiler und andere vermeintliche Heilsbringer? Orientierungslosigkeit, Angst vor sozialer Verantwortung, Selbstzweifel oder fehlendes Selbstbewusstsein sind einige der Gründe, die Sektenexpertin Ursula Caberta in ihrem Buch nennt. Allein die Medien bieten dafür einen breiten Nährboden, indem sie immer wieder einen Prominenten finden, der ein ...

Telefonjoker für den Notfall
ndPlusDieter Hanisch, Kiel

Telefonjoker für den Notfall

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel betritt bundesweit mit einer Hotline für Notfälle in der Geburtshilfe Neuland. Seit dem 1. März ist das Notfalltelefon freigeschaltet, wobei sich alle Verantwortlichen wünschen, dass es so wenig wie möglich klingelt.

Mobil mit Karte
Manuela Kaeselau

Mobil mit Karte

Spontan zum Grillen in den Park oder günstig im Internet eine Last-Minute-Reise buchen? Das können sich Menschen, die einen Rollstuhl oder Gehwagen benutzen oder auch Familien mit Kinderwagen nur leisten, wenn sie vorher herausfinden, ob der anvisierte Ort für sie auch zugänglich ist. Hier hilft Wheelmap, eine interaktive Karte von rollstuhlgerechten Orten.

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ndPlusRuben Stark, SID

Mögliche Wunderdinge

Es ist eine »Mission Impossible« - doch Robin van Persie soll das Unmögliche möglich machen. Wenn der FC Arsenal heute mit einer 0:4-Hinspiel-Hypothek im Achtelfinale der Champions League gegen den AC Mailand antritt, setzt Teammanager Arsene Wenger alle Hoffnung auf den begehrten niederländischen Torjäger. Und nachdem van Persie für die Londoner Elf um den verletzten deutschen Nationalspieler Per...

Ulrike John, dpa

Noch zehn heiße Duelle für Köln

Ohne Lukas Podolski ist der 1. FC Köln nur die Hälfte wert - rein rechnerisch nicht einmal das: Von 31 Toren der abstiegsbedrohten Rheinländer in der Fußball-Bundesliga hat der Nationalstürmer nun 16 erzielt. Mit seinem Kopfballtreffer in der 81. Minute rettete der 26-Jährige dem FC ein 1:1 (0:1) am Sonntagabend bei 1899 Hoffenheim. Zu seinem möglichen Wechsel im Sommer zu Arsenal London wollte si...

Die Liebe stellte sie auf die Bretter
ndPlusOliver Händler, Ruhpolding

Die Liebe stellte sie auf die Bretter

Jaqueline Mourao lacht bei jeder Antwort, die sie gibt. Die 36-Jährige weiß, dass ihre Geschichte etwas Witziges an sich hat. Die Geschichte einer Frau, die in einem Land aufwuchs, in dem sie nie Schnee sah. Eine Geschichte, die sie trotzdem zu den Biathlon-Weltmeisterschaften nach Ruhpolding führte. Wie kommt eine Brasilianerin zum Biathlon? »Weil sie schwanger wurde«, antwortet Mourao - und lach...

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Panik nach Explosion in Brazzaville

Ein Kurzschluss hat die verheerende Explosion eines Munitionslagers in Brazzaville mit rund 150 Toten ausgelöst. Das sagte Regierungssprecher Bienvenue Okemi am Montag in der Hauptstadt der Republik Kongo. Der nationalen Nachrichtenagentur zufolge suchten Rettungskräfte auch 24 Stunden nach der Katastrophe in den Trümmern der zerstörten Häuser in den Stadtteilen Mpila and Talangai nach Vermissten....

Festnahmen nach Zugunglück in Polen

Nach dem tödlichen Zugunglück in Polen hat die Staatsanwaltschaft am Montag zwei Bahnmitarbeiter festgenommen. Die Männer müssten sich einer Befragung unterziehen, sagte der mit der Untersuchung des Unfalls beauftragte Staatsanwalt Tomasz Ozimek. Die Fahrdienstleiter waren zur Unglückszeit an den Bahnhöfen im Einsatz. Von dort aus sollten sie den Zugverkehr auf der betroffenen Strecke zwischen War...

Tornados wüten in den USA

Dutzende Tote, Hunderte Verletzte und kilometerweite Trümmerfelder: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage haben Tornados in den USA gigantische Schneisen der Verwüstung geschlagen. Eine Serie von rund 100 Wirbelstürmen suchte Bundesstaaten in der Mitte und im Süden des Landes heim - von Indiana bis Georgia. Nach Fernsehberichten kamen mindestens 40 Menschen ums Leben. Der nationale Wetterdien...

Es wird geheiratet, was das Zeug hält
ndPlusRobert Luchs

Es wird geheiratet, was das Zeug hält

Die Braut ist hübsch. Sie wäre noch hübscher, wenn ihr die Kosmetikerin das Gesicht nicht zentimeterdick mit Make-up zugekleistert hätte. Und von dem natürlichen Schimmer der glänzend schwarzen Haare ist bei der jungen Kambodschanerin ebenfalls nichts mehr zu sehen. Sie wurden für viel Geld gnadenlos hell gefärbt, um dem neuen Schönheitsideal zu entsprechen, das sich seit einigen Jahren auch in de...