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Unten links

In der Namensgebung ihrer Sprösslinge sind deutsche Eltern höchst innovativ - und wagemutig. Neugeborene werden ohne Rücksicht auf deren spätere Seelennöte Albesa, Bellaphina, Chelo, Demeo, Jasra, Limar, Vander und Xanio getauft. Beliebt sind in Zeiten der globalen Orientierungslosigkeit auch nostalgische Rückgriffe in goldene Zeitalter, als Gut und Böse noch klar definiert waren: Rapunzel, Tarzan...

ndPlusOliver Händler, Ruhpolding

Mit Eierlikör zum Sieg

Riesenjubel in der Chiemgau-Arena. Die deutschen Biathletinnen haben die Staffel-Entscheidung bei den Heim-Weltmeisterschaften in Ruhpolding gewonnen. Tina Bachmann, Magdalena Neuner, Miriam Gössner und Andrea Henkel verwiesen Frankreich und Norwegen auf die anderen Medaillenplätze.

Pleitegeier müssen warten
ndPlusMartin Ling

Pleitegeier müssen warten

Die Politiker in Brüssel, Berlin, Paris, Washington und Athen atmen auf, die Normalbevölkerung stöhnt - vor allem in Griechenland. Die Streichung der Schulden wird den Abwärtstrend der Realwirtschaft so wenig stoppen wie das von der EU bewilligte Hilfspaket. Schon jetzt ist jeder zweite Grieche unter 24 Jahren ohne Job.

ndPlusFabian Lambeck

Kein Hartz IV für EU-Ausländer

Aus Angst vor einem Strom arbeitssuchender Südeuropäer hat die Bundesregierung das seit 1953 bestehende Europäische Fürsorgesystem (EFA) teilweise aufgekündigt. Nun gibt es für EU-Bürger auf Jobsuche kein Hartz IV mehr.

Ein Jahr nach Fukushima bleibt viel zu tun
ndPlusJochen Stay

Ein Jahr nach Fukushima bleibt viel zu tun

Vor gut einem Jahr sorgten 54 Atomkraftwerke in Japan für etwa 30 Prozent der Stromversorgung. Heute sind davon nur noch zwei am Netz und auch diese beiden werden in den nächsten Wochen heruntergefahren. Damit ist in Japan quasi der Sofortausstieg gelungen. Die Wirtschaft ist unter der Vierfachbelastung Erdbeben, Tsunami, Fukushima und Atomausstieg nicht zusammengebrochen. Ganz im Gegenteil: Mit v...

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Wie weiter nach dem Schuldenschnitt?

Den Griechen und der gesamten Eurozone stehen auch in Zukunft entscheidende Tage bevor. ● 09. März: Nach dem Schuldenschnitt geben die EU-Finanzminister das zweite Hilfspaket zum Teil frei. 30 Milliarden Euro zur Unterstützung des Schuldenschnitts plus 5,5 Milliarden Euro für die Begleichung aufgelaufener Zinsen stehen nun bereit. Eine endgültige Entscheidung über das Gesamtpaket soll An...

Anke Stefan, Athen

Operation gelungen, Patient tot

In Griechenland halten sich Erleichterung und Zukunftsangst die Waage. Mit dem Schuldenschnitt und der ersten Tranche des Rettungspaketes hat das gebeutelte Euroland zwar finanziell etwas Luft gewonnen, die immensen Probleme bleiben jedoch bestehen.

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ndPlusDaniel Kestenholz

Erschütterte Gewissheiten

In Japan ist seit dem 11. März 2011 nichts mehr so, wie es war. Der Mythos der Sicherheit der Atomenergie ist nach der Katastrophe von Fukushima auch in Nippon ad acta gelegt. Fukushima ist derweil noch längst nicht Geschichte.

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Arbeitsplätze in Gefahr

Linksfraktionschef Gregor Gysi wies in der Debatte zu den Kürzungsplänen bei der Einspeisevergütung von Solarstrom auf einen wichtigen Aspekt hin. Insbesondere Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hätte dies interessiert, wenn er die Debatte im Bundestag nicht zugunsten eines Cebit-Besuches geschwänzt hätte. Gysi warnte davor, dass der Osten keine zweite Deindustrialisierung vertragen würde. ...

Keine zwei Herzen

Es schlagen offenbar zwei Herzen in der Brust von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen. Zum einen wird die Ressortleiterin nicht müde zu betonen, dass Deutschland dringend ausländische Fachkräfte brauche. Der demografische Wandel und das miese Bildungssystem hinterlassen hierzulande eine Lücke auf dem Arbeitsmarkt, die Menschen aus anderen Ländern füllen sollen. Angesichts dieser Vorze...

Taxi zur Hölle

Dilawar ist in seinem Taxi in Afghanistan unterwegs, als er willkürlich von den Söldnern eines Warlords aufgegriffen und gegen ein Kopfgeld an das US-Militär verkauft wird. Fünf Tage später stirbt der junge Mann in einer Gefängniszelle von Bagram, erliegt den schweren Verletzungen, die ihm US-amerikanische Soldaten während seiner Haft zugefügt haben. »Taxi zur Hölle« heißt der mit einem Oscar prei...

Botschaft
Heidi Diehl

Botschaft

»Die Welt wird an unsere Tür klopfen, auch wenn die derzeit noch ein wenig klemmt«, sagte Tourismus-Vizeminister H. E. U Htay Aung, der seit Ende vergangenen Jahres im Amt ist, vor Journalisten auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin. Auch wenn Myanmar bislang noch zu den großen unentdeckten Zielen der Welt gehört, sei man sich sicher, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird. Die...

Dürfen Nazis Gäste sein?

Dürfen Nazis Gäste sein?

nd: Einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs zufolge dürfen Hotelbetreiber künftig Rechtsradikale als Gäste ablehnen. Wie finden Sie das?Lücke: Das finden wir als Verband gut. Es stärkt die Position unserer Unternehmer, entscheiden zu können, wen sie in ihrem Hause beherbergen wollen und wen nicht. Es erlaubt ihnen, Gäste mit rechtsradikalem Gedankengut des Hauses zu verweisen. Es gibt bestimmte ...

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Lafontaine hofft an der Saar weiter auf Rot-Rot

Saarbrücken (dpa/nd). Der Fraktionschef der Linkspartei an der Saar, Oskar Lafontaine, hofft nach eigenem Bekunden weiter auf eine rot-rote Koalition im Land. Seine Partei müsse bei der Wahl so stark werden, dass die SPD endlich »zur Vernunft« komme und ein Bündnis mit der LINKEN eingehe, sagte Lafontaine am Freitag in Saarbrücken bei der Vorstellung des Parteiprogramms zur Landtagswahl am 25 März...

ndPlusHendrik Lasch

Moral und 2000 Mark

Eigentlich ist die Neue Synagoge in Dresden freitags geschlossen: Am Abend beginnt der Sabbat, für Juden ein Tag der Ruhe. Gestern wurde eine Ausnahme gemacht - für Beate Klarsfeld, Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin und eine Frau, die sich ihr Leben lang für Aufklärung von und über NS-Verbrechen einsetzte. Sie sei eine »Deutsche, die versucht, ihren Verpflichtungen nachzukommen«, sagt K...

Robert D. Meyer

Erfolgsgeschichte in Gefahr

Trotz massiver Kritik hält die Bundesregierung an ihren Plänen zur Kürzung bei der Solarförderung fest. Die Opposition warnte gestern vor einem energiepolitischen Rückschritt.

Aert van Riel

Claudia Roth eröffnet Machtkampf

Bei den Grünen ist ein Machtkampf um die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl 2013 ausgebrochen. Als Erste meldet nun Parteichefin Claudia Roth Ansprüche an.

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Ein X für die CDU
Marcus Meier

Ein X für die CDU

Manche PR-Aktion erzeugt unfreiwillige Komik: 20 NRW-Grüne protestierten gestern vor der Landeszentrale der CDU. Ihre Forderung: Bundesumweltminister Röttgen soll Dutzende Atommülltransporte durch NRW verhindern. Die könnte Rot-Grün auf Landesebene doch selbst stoppen, argumentieren Atomkraftgegner.

ndPlusHagen Jung

Niedersachsen fordert Abschiebestopp

Mit einem sechsmonatigen Abschiebestopp soll endlich einheitliche Rechtssicherheit gelten. Flüchtlingsrat und LINKE drängen auf eine zügigere landesweite Umsetzung.

ndPlusRené Heilig

Perspektive der Opfer als Spiegelbild

Verglichen mit öffentlichen Auftaktveranstaltungen anderer Untersuchungsausschüsse war der Medienandrang zum NSU-Gremium am Donnerstagnachmittag eher bescheiden.

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Libyen bittet um US-Hilfe

Washington (AFP/nd). Libyen hat Washington um Hilfe im Kampf gegen die »Überreste« der Ära von Muammar al-Gaddafi gebeten. »Libyens Befreiungskrieg ist fast beendet, aber er wird es erst richtig sein, wenn wir mit diesen Köpfen fertig sind«, sagte der Chef der Übergangsregierung, Abdel Rahim al-Kib, am Donnerstag an der Seite von US-Außenministerin Hillary Clinton in Washington. Er habe Clinton di...

Einigung im Streit um Bagram

Kabul (dpa/nd). Nach monatelangem Streit haben sich Afghanistan und die USA auf die Übergabe des umstrittenen US-Militärgefängnisses Bagram in afghanische Verantwortung verständigt. Wie die Internationale Schutztruppe (ISAF) am Freitag mitteilte, soll die afghanische Regierung innerhalb der nächsten sechs Monate die volle Kontrolle über die Einrichtung nördlich von Kabul erhalten. Der ISAF-Kommand...

USA wollen Iran selbst angreifen

Washington (AFP/nd). Ein Militärschlag der USA gegen Iran hätte nach Einschätzung von Pentagonchef Leon Panetta weit zerstörerischere Folgen als ein Angriff Israels auf die Atomanlagen des Landes. Sollten sich die Israelis zu einem Angriff entscheiden, werde das »zweifellos Auswirkungen haben«, sagte der US-Verteidigungsminister am Donnerstag dem »National Journal«. Diese wären aber um ein Vielfac...

Russland lehnt US-Papier zu Syrien ab

Russland lehnt einen von den USA ins Spiel gebrachten Entwurf für eine Resolution des UN-Sicherheitsrats zu Syrien als unausgewogen ab. Die syrische Armee stürmte am Freitag vier Dörfer in der Provinz Idlib im Nordwesten des Landes.

ndPlusHarald Neuber

Amerika streitet mit den USA um Kuba

Kuba hat seinen Ausschluss vom Amerikagipfel im April in Kolumbien als »unakzeptabel« kritisiert. Das sei Teil der Blockadepolitik der USA, sagte Außenminister Bruno Rodríguez am Donnerstag (Ortszeit) in einer von den kubanischen Medien übertragenen Erklärung.

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Ralf Streck, Vitoria

Zaghafte Schritte im baskischen Friedensprozess

Fünf Monate mussten die Basken warten, bis ihr »Lehendakari« sich zum Friedensprozess äußerte. Am Donnerstag machte der Präsident der Regionalregierung Vorschläge, wie mit dem Ende eines »Zyklus der terroristischen Gewalt« umgangen werden soll, nachdem die Untergrundorganisation ETA vergangenen Oktober erklärte, ihre Aktionen einzustellen.

ndPlusMichael Krämer

Gegenwind aus dem eigenen Haus

Am 11. März werden in El Salvador die Bürgermeister und die Abgeordneten zum Parlament gewählt. Die Partei der ehemaligen Guerilla FMLN ist bisher stärkste Kraft im Parlament, steht aber einer rechten Mehrheit gegenüber.

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Schlecker: Hoffen auf KfW-Darlehen

Ulm (dpa/nd). Der Insolvenzverwalter der Drogeriemarktkette Schlecker will nach Informationen der Ulmer »Südwest Presse« bei der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein Darlehen über 70 bis 75 Millionen Euro beantragen. Damit soll eine Transfergesellschaft zur Abfederung der angekündigten Entlassungen bei Schlecker zwischenfinanziert werden. Das habe Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz b...

Ungarn unter Druck gesetzt

Brüssel (dpa/nd). Als erstes EU-Land droht Ungarn wegen eines Haushaltsdefizits Konsequenzen. Dem Land könnte knapp eine halbe Milliarde Euro EU-Fördergelder verloren gehen. Die EU-Finanzminister wollen bei ihrem Treffen am kommenden Dienstag die Aussetzung der Gelder aus dem Kohäsionsfonds beschließen, sagten EU-Diplomaten am Freitag. Dazu hatte die EU-Kommission geraten. Grund für diese Maßna...

Deutsche Bank mischt bei Facebook-Börsengang mit

New York (Agenturen/nd). Nun ist auch die Deutsche Bank beim milliardenschweren Facebook-Börsengang an Bord. Als eine von insgesamt elf Emissionsbanken werden die Frankfurter die Aktien des Sozialen Netzwerks unter die Anleger bringen. Facebook gab dies am Mittwoch in seinem überarbeiteten Börsenprospekt bekannt. Ursprünglich hatte Facebook sechs Finanzinstitute angeheuert, unter Führung der US...

Europa ringt um Klimapolitik

Brüssel (dpa/nd). Die EU-Umweltminister haben bei ihrem Treffen in Brüssel um die europäische Klimapolitik der nächsten Jahrzehnte gerungen. Das Kohlestromland Polen ging mit einer weitgehend unversöhnlichen Position in die Verhandlungen. Ein Großteil der EU-Staaten, darunter Deutschland, dringt auf zusätzliche Einsparziele für das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2). Ein EU-Diplomat beschrie...

Ulrike Henning

Zu arm, um krank zu sein

Die systemische Benachteiligung armer Menschen im deutschen Gesundheitssystem ist eines der Themen, das auf dem diesjährigen Kongress »Armut und Gesundheit« in Berlin diskutiert werden.

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Alexander Ludewig

Ein einziger Pfiff

Vor dem Heimspiel am Sonntag gegen den Hamburger SV legte ein einziger Pfiff die Stimmungslage beim FC Schalke 04 offen. Das 0:1 in der Europa League bei Twente Enschede war die vierte Auswärtspleite in Folge.

ndPlusOliver Händler, Ruhpolding

Bronze für deutsche Männerstaffel

Der Knoten ist geplatzt. Nach über einer Woche Biathlon haben nun auch die deutschen Männer ihre erste eigene WM-Medaille. Nach dem dritten Platz im Mixed für Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer gewannen die beiden am Freitag erneut Bronze mit der reinen Männerstaffel. Ein weiteres Rennen, das an Spannung kaum zu überbieten war. In der Mixedstaffel und im Einzel hatte Peiffer im letzten Stehend...

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Festnahmen bei Zapfenstreich

(dpa). Die Polizei hat am Rande des Großen Zapfenstreichs für Ex-Bundespräsident Christian Wulff fünf Demonstranten vorübergehend festgenommen. Sie hatten sich am Donnerstagabend geweigert, ihre Vuvuzela-Tröten und Trillerpfeifen abzugeben, wie die Polizei gestern mitteilte. Gegen die Störer werde nun unter anderem wegen Körperverletzung ermittelt. Nach Polizeiangaben hatten am Donnerstagabend zei...

Flughäfen: Keine Streiks bis Montag

(dpa). Der Tarifkonflikt an den Berliner Flughäfen ist vorerst entschärft. Als Reaktion auf ein neues Arbeitgeberangebot kündigte die Gewerkschaft ver.di gestern an, mindestens bis Montag auf Warnstreiks zu verzichten. Damit können auch die Besucher der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) am Sonntag störungsfrei ihren Rückflug von Tegel oder Schönefeld antreten. In der Auseinandersetzung geht...

ndPlusMartin Kröger

Gender-Stress

Frank Henkel (CDU) bezeichnete sich selbst im Wahlkampf als »Stress-Esser«. Inzwischen ist Henkel in Senatorenwürden, der Stress scheint aber auch in diesem Amt nicht weniger geworden zu sein. Im Gegenteil. Zumindest war es vor allem der Innensenator, der am Donnerstag im Abgeordnetenhaus herzhaft zugriff, als er die Frauentags-Torte der Grünenfraktion vorfand. Besonders hatten es Henkel die statt...

Müller: Kein Machtkampf in der SPD

(dpa). Die SPD will ihren Streit über die Höhe des Mindestlohns in öffentlich geförderten Jobs schnell lösen. Sowohl der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit als auch Parteichef Michael Müller kündigten eine zügige Klärung an, ohne sich auf einen Zeitpunkt festzulegen. Landesschatzmeister Harald Christ sieht in dem Streit einen Machtkampf. Er kritisierte Fraktionschef Raed Saleh, ohne ihn namen...

Das »neue deutschland« im Wald
Andreas Fritsche

Das »neue deutschland« im Wald

Das brandenburgische Hennigsdorf ist ein altes slawisches Fischerdorf, dass 1962 Stadtrecht erhielt. Zu den Symbolen im Wappen gehören eine Wellenlinie, die für die Lage an der Havel steht, und ein Amboss als Sinnbild für die Industriegeschichte mit Stahlwerk und Lokomotivbau. Von diesen beiden Seiten Hennigsdorfs begegnet uns etwas bei der nd-Leserwanderung am 22. April. Wir starten dann von acht...

Tausende bei Beisetzung
ndPlusKai Schubert und Martin Kröger

Tausende bei Beisetzung

Die Anteilnahme ist riesig. Tausende Trauergäste, unter ihnen auch viele Jugendliche, sind zur Trauerfeier von Jussef El-A. in die Dar-Assalam-Moschee in die Neuköllner Flughafenstraße gekommen. Die Zahl der Trauergäste ist so groß, dass nicht alle in die Moschee und nicht einmal in den Hof der Dar-Assalam-Moschee passen. Dorthin wird das Totengebet für Jussef ebenfalls nach draußen übertragen. ...

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Anne Frank als Wachsfigur

(dpa/nd). Besucher des Berliner Wachsfigurenkabinetts Madame Tussauds können sich jetzt ein Bild von Anne Frank machen. Das Mädchen sitzt dort als Figur vor ihrem Tagebuch am Schreibtisch, in einem Umfeld, das seinem Zimmer in Amsterdam nachempfunden ist. Das Porträt sei bereits als Leihgabe aus den Niederlanden zu sehen gewesen, ob der positiven Resonanz gebe es nun eine eigene Figur für die Haup...

Ausnahme im Radialsystem

(nd). »Dieser junge Mann hat nicht nur das Zeug, einer der großen Pianisten dieses Jahrhunderts zu werden. Er ist es schon.«, so zitiert das Radialsystem einen Zeitungsbericht zu Igor Levit. Als Ausnahmetalent begeistere der junge Pianist derzeit die Feuilletons und erobert die großen Konzerthäuser weltweit. Im Radialsystem V setzt er an diesem Samstag die von ihm konzipierte Konzertreihe »Verände...

Internationaler Markt des Oster-Dekors

Internationaler Markt des Oster-Dekors

(nd). Gemaltes, Gesticktes, Gewebtes, Gedrechseltes, Gestricktes, Keramik und Collagen: Mehr als 40 Künstler und Kunsthandwerker aus, Ungarn, Estland, Polen, Finnland, der Ukraine und Deutschland präsentieren sich mit verschiedenen kunsthandwerklichen Techniken. Am 17. und 18. März findet im Museum Europäischer Kulturen der 19. Europäische Oster- und Kunsthandwerksmarkt statt. Wie das Museum w...

BKK schreibt Ateliers aus

(nd). Das Atelierbüro des Kulturwerks des Berufsverbandes Bildender Künstler Berlin e.V. (bbk) hat mit Datum vom 8. März sieben öffentlich geförderte Ateliers, darunter vier Atelierwohnungen, ausgeschrieben. Das Angebot richtet sich laut bbk an alle in Berlin lebenden professionellen Bildenden Künstlerinnen und Künstler. Die Besichtigungstermine der Ateliers finden demnach vom 20. bis 22. März sta...

Kinder und Medien

(nd). Fernsehen, CDs, Computerspiele, Sammelbilder, Internet: Medien sind für Kinder zentraler Bestandteil ihrer Lebenswelt. »Mit ihnen tauchen sie in Phantasieräume ein und erschließen und gestalten zugleich ihre Umgebung - und das bereits seit über einhundert Jahren«: Einen anschaulichen Einblick in die Geschichte von Kindermedien will das Museum für Kommunikation mit der Ausstellung »KinderMedi...

Kapitulation vorm Labelzwang
Katja Kollmann

Kapitulation vorm Labelzwang

»Kati Witt!« schreit Nina Tecklenburg, geboren 1977 in Hannover, und schiebt sich mit ihrem Bürostuhl zur Bühnenrampe. Gemeinsam mit Wenke Seemann, geboren 1978 in Rostock, schwärmt sie von deren Kür bei der Olympiade 1988. Als Tschaikowskis »Schwanensee« ertönt, sind beide nicht zu bändigen: Ekstatisch wiederholen sie die Choreographie von Eiskunstläuferin Katarina Witt. Der Bürostuhl ersetzt die...

Es war einmal, was ich will
ndPlusLucía Tirado

Es war einmal, was ich will

Solch eine Prinzessin gab es noch nie in der Märchenhütte. Ina Gercke spielt sie als freche Berlinerin in »König Drosselbart«. Also keineswegs auf den Mund gefallen spottet sie Grimm getreu über den Mann an sich und speziell über einen König aus dem Norden, der sich als Bräutigam um sie bemüht. Torsten Schnier verkörpert alle Männer dieser kleinen Märchenwelt und wirft sich dafür von einem Mantel ...

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Mappus bleibt stur

Stuttgart (dpa/nd). Baden-Württembergs Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) hat vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags den heftig umstrittenen Kauf der EnBW-Anteile verteidigt und die grün-rote Regierung hart kritisiert. Er halte den Wiedereinstieg des Landes in den Energieversorger Ende 2010 »in ökonomischer und politischer Hinsicht nach wie vor für richtig«, sagte Mappus am Freitag als ...

»Es sollte ins Fernsehen kommen«

(dpa). Mit einem umfassenden Geständnis hat gestern der Prozess gegen einen 28 Jahre alten mutmaßlichen Serienbrandstifter begonnen. Vom 7. Juni bis zum 29. August 2011 soll der gelernte Maler und Lackierer laut Anklage 102 Autos in Brand gesteckt haben - fast ausschließlich teure Modelle der Marken BMW, Mercedes und Audi. Es entstand ein Millionenschaden. Der Berliner war am 21. Oktober festgenom...

Stimmungstest in Bayern

Der Job ist begehrt. Sogar Landtagsabgeordnete bewerben sich bei der kleinen Kommunalwahl in Bayern am Sonntag um Bürgermeisterposten. Es gibt jeweils bis zu sieben Kandidaten für den Chefsessel im Rathaus. Im Landkreis Ansbach wird der Landrat gewählt.

ndPlusAnja Sokolow, dpa

Vom Tischler zum Physiker

Studieren ohne Abitur - das ist seit dem Wintersemester 2011/12 an vielen Berliner Hochschulen noch leichter möglich. »Jetzt kann ein Tischlermeister Physik studieren«, sagt der Leiter der Studienabteilung in der Humboldt-Universität (HU), Steffan Baron. An einigen Hochschulen ist die Nachfrage von Bewerbern ohne Abitur deutlich gestiegen. Laut Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist Berl...

Seite 16
ndPlusMartina Scheffler, dpa

Notstand auf der Reichen-Insel

Wohnraum auf Sylt - ein teures, weil knappes Gut. Leisten können sich das oft nur reiche Festländer. Wo bleiben die Insulaner, fragen Demonstranten in Westerland. Was getan werden kann, wird getan, sagt die Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt. Manchem reicht das nicht.

Wilfried Neiße

Die »Judenlücke« von Friedland

»Mittenwalde wünscht keine Juden.« Bis es zu einer halbwegs gleichberechtigten Lage der Juden in Preußen kam, dauerte es Jahrhunderte. Zwei Ausstellungen im Potsdamer Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte zeichnen den Weg nach. Es wird auch informiert, was von den einst rund 50 Synagogen in Brandenburg heute noch übrig ist. Die nimmermüden Beteuerungen, wie tolerant Königs Friedrich I...

Ermutigung vom BGH

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Hausrecht von Hotelbetreibern gestärkt. Wie der Bundesgerichtshof am Freitag in Karlsruhe im Fall des früheren NPD-Vorsitzenden Udo Voigt entschied, haben unliebsame Gäste grundsätzlich keinen Anspruch auf Beherbergung. Im konkreten Fall war das Verbot jedoch rechtswidrig.

Schöne neue Gartenwelt
ndPlusFolke Havekost, Hamburg

Schöne neue Gartenwelt

Über 5000 Bäume sind in Hamburg bereits für die Internationale Gartenschau 2013 gefällt worden, weitere sollen folgen. Nicht nur Umweltschützer sind empört.

Hotels müssen Nazis nicht beherbergen

Karlsruhe (epd/dpa). Hotels sind nicht verpflichtet, rechtsextremen Gästen eine Unterkunft zu bieten. Grundsätzlich könnten nicht nur Privatleute, sondern auch Unternehmen auf ihr Hausrecht pochen, urteilte am Freitag der Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Hat der Hotelbetreiber jedoch einmal eine Buchung bestätigt, sei er an die Erfüllung des Vertrages in der Regel gebunden, so die Richter. Der f...

Seite 17
Preußen to go
Christina Matte

Preußen to go

Stellen wir uns eine Stadt vor. Stellen wir uns vor, seit ihr erster Stein gesetzt war, sei sie nie dem Krieg begegnet, nie gebrandschatzt, zerbombt, zerstört worden. Stellen wir uns vor, dass ihre Bürger, mit den Mitteln und dem Geschmack ihrer Zeit, Hütten, Häuser, Paläste errichteten, von denen nur einige altersschwache irgendwann zusammenfielen, während andere Zuwendung, Schutz erfuhren. Stell...

Seite 18
Die konservative Utopie
ndPlusRudolf Stumberger

Die konservative Utopie

Soziale oder sozialistische Experimente und utopische Gemeinschaften gab es viele in der bisherigen Geschichte - meist war die Dauer dieser Projekte aber begrenzt. In Oneida, im US-Bundesstaat New York, existierte zum Beispiel von 1848 bis 1880 eine »bibelkommunistische« Kommune, deren Mitglieder die freie Liebe und Gütergemeinschaft praktizierten und erfolgreiche Unternehmen gründeten. 1500 Kilom...

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Unser Dorf soll besser werden
Hendrik Lasch

Unser Dorf soll besser werden

In Sieben Linden gibt es keine Kirche. Ein Kindergarten ist zu finden, ein kleiner Laden, sogar eine Telefonzelle. Eine Kirche aber, wie sie in den Dörfern rundum in der Altmark oft seit Jahrhunderten das Ortsbild prägt, sucht man vergebens. Allerdings ist Sieben Linden auch noch nicht Jahrhunderte alt. Erst vor 15 Jahren wurde der Ort gegründet, wo zuvor nur Kiefern, Getreide und Kartoffeln wuchs...

Seite 20
Ötzi
Bernd Zeller

Ötzi

Wie neueste Untersuchungen ergeben haben, litt der bekannte Gletschermann Ötzi bereits vor viertausend Jahren an Beschwerden, die wir als Zivilisationskrankheiten ansehen. Wir haben also keinen Grund, uns über Menschen zu erheben, die wir als viertausend Jahre oder weniger zurückstehend betrachten. Man kann indes annehmen, dass der Ötzi nicht wusste, dass es sich bei seinen Beschwerden um Zivi...

Späte Einsicht im Schatten der Bombe

Späte Einsicht im Schatten der Bombe

Er war der Sohn eines Marineoffiziers, der nach seiner militärischen Laufbahn zum Konsul in der Schweiz und später zum Gesandtschaftsrat in Dänemark ernannt wurde. Einen Teil seiner Jugend verbrachte der von uns Gesuchte deshalb in Kopenhagen. Hier lernte er mit 15 Jahren den Physiker Werner Heisenberg kennen, der bei einem Musikabend zur Überraschung aller Gäste hervorragend Klavier spielte. »Was...

ndPlusWalter Schmidt

Dringender Appell an die Reichen: Organisiert den Umbau der Welt!

Auch wenn Bill Gates, der zweitreichste Mensch der Welt, den deutschen Dichter Erich Kästner (1899-1974) kaum kennen dürfte - er verhält sich zumindest so, als ob. Seine »Bill & Melinda Gates Foundation« ist die größte wohltätige Stiftung der Welt und war Ende 2010 gut 37 Milliarden Dollar schwer. Jedes Jahr muss die vom Vater des Microsoft-Gründers geleitete Organisation wenigstens fünf Proze...

Seite 21
Projekte des Übergangs
Axel Berger

Projekte des Übergangs

An Philipp Rösler hätte Karl Marx seine Freude gehabt. Bei der Auftaktveranstaltung seines Ministeriums zum Internationalen Jahr der Genossenschaften verkündete der Bundeswirtschaftsminister, Genossenschaften erinnerten ihn stets daran, »dass Wirtschaftlichkeit und soziale Verantwortung vereinbare Ziele« seien. »Es sind zwei Seiten einer Medaille. Die Genossenschaft ist Vorbild der sozialen Marktw...

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Hüte dich vor dem Volk
ndPlusDirk Farke

Hüte dich vor dem Volk

Das System der rein repräsentativen Demokratie, wie es in Deutschland auf Bundesebene, als einzigem Land in Europa, noch immer praktiziert wird, hat ein Akzeptanzproblem. Die aufgeklärten und gut ausgebildeten StaatsbürgerInnen fühlen sich zunehmend nur noch als Objekte der parlamentarischen Demokratie denn als Subjekte demokratischer Willensbildung. Politik-, Politiker- und Parteienverdrossenheit...

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WOCHEN-CHRONIK

10. März 1952: Mit Unterstützung der Armee ergreift General Fulgenico Batista die Macht in Kuba und errichtet eine Diktatur, die 1959 unter Führung des Rechtsanwalts Fidel Castro gestürzt wird. 11. März 1872: In Preußen werden alle Schulen unter staatliche Kontrolle gestellt; damit will Reichskanzler Otto von Bismarck den Kirchen Einfluss entziehen. 12. März 1947: US-Präsident Harry S. Trum...

Lorenz Zimmermann

Fenstersturz

In Prag steht am Fuß des Wenzelsplatzes die Kirche der unbefleckten Jungfrau Maria. Auf Tschechisch heißt sie Panny Marie Sněžky und symbolisiert die Reinheit frisch gefallenen Schnees. Dort predigte der hussitische Geistliche Jan Želivský die Reinheit des Wortes Gottes. Die sah er von der katholischen Kirche beschmutzt. Dem Herrn allein wollte Želivský dienen, nicht kirchlichen Instanzen, di...

Christliches Vorurteil und Handelsneid
Gerd Fesser

Christliches Vorurteil und Handelsneid

Im Jahre 1806 erlitt Preußen die katastrophale Niederlage von Jena und Auerstedt, 1807 zwang Napoleon ihm den räuberischen Friedensvertrag von Tilsit auf. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. war ein Mann von langsamem Entschluss. Doch er begriff: ohne tiefgreifende Veränderungen war sein gebeutelter Staat nicht zu retten. Für einige Jahre übertrug er tatkräftigen Reformern um den Freiherrn...

Nicht auf Kosten der anderen
ndPlusRolf Höller

Nicht auf Kosten der anderen

Krankt unser System am Verhältnis der Menschen zum Geld? Ursprünglich als bequemer, nicht verderblicher Tauschersatz geschaffen, um Werte zu messen, entwickelte sich »das Geld als Wert der Werte« zum Wert an sich. Dieser Vergleich stammt zwar vom Autor der Philosophie des Geldes, Georg Simmel. Zugestimmt hätte ihm sein Zeitgenosse Silvio Gesell. Der am 17. März 1862 im Eifelstädtchen Sankt Vit...

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Wulffs letzter Streich

Wulffs letzter Streich

Christian Wulff ist nicht mehr - Bundespräsident. Zum Abschied gab es Donnerstagabend Vergangenheit und Zukunft. Das sich Überlebende war durch Marschmusik und Tambourmajor vertreten, das Zukünftige durch Vuvuzelageheul. Multikulti also auch in der Musik. Was in Afrika begann, wird vorm Schloss Belevue in Berlin zum deutschen Brauchtum. Apropos Brauchtum: Einen Tag nach dem Weltfrauentag verkündet...

Giftschrank

Hitlers »Mein Kampf« bleibt vorerst im Giftschrank. Die historische Wochenzeitung »Zeitungszeugen« darf selbst Auszüge aus der Hetzschrift nicht veröffentlichen. Das Zitierrecht decke den Abdruck in diesem Fall nicht, entschied das Landgericht München am Donnerstag (Az: 7 O 1533/12). Der Streit ist damit nicht zu Ende: Der Verleger Peter McGee kündigte Berufung an. Er respektiere das Urteil und we...

Julie, wie sie träumt

Die erste Frau in der Gruppe der Impressionisten musste lange auf ihre Retrospektive warten: Nach mehr als 70 Jahren widmet Paris Berthe Morisot (1841-1895) wieder eine große Ausstellung. Bis zum 1. Juli zeigt das Musée Marmottan Monet 150 Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle, darunter auch ihr von Edouard Manet gemaltes berühmte Porträt, das sie mit einem schwarzen Gesichtsschleier zeigt. Morisot w...

Hans-Dieter Schütt

Schöner schräger Vogel Mensch

Wie ein tolles Huhn kann sie ihren Kopf in die leichte Schräge versetzen, von wo aus sie ruckartig Worte in die Welt hackt. Sie hackt oder sie huscht. Sie spitzt Blicke zu wie Schnäbel. Ein großartiger schräger Vogel Mensch. Die Sanftheit röhrt, und handelte die Schauspielerin Sophie Rois mit Stacheldraht, sie würde jedes Stück verkaufen, als sei es eine Federboa. Sie kann beim Reden gleichsam...

PLATTENBAU
Michael Saager

PLATTENBAU

Prinzhorn Dance School. Seltsamer Bandname. Benannt hat sich das Duo aus dem englischen Seebad Brighton nach dem deutschen Psychiater und Kunsthistoriker Dr. Hans Prinzhorn. Prinzhorns Anfang des 20. Jahrhunderts angelegte Sammlung mit Bildern aus den Händen Geisteskranker hatte es den Musikern angetan. Eine nette Namensgebungslegende, mehr freilich nicht, denn wie die Musik Geisteskranker klin...

Die Strafe, die auf Liebe steht
ndPlusStefan Amzoll

Die Strafe, die auf Liebe steht

Leere Bühne, Dunkelheit. In der Nische Pianist Frank Schulte, er klimpert etwas. Der Suchscheinwerfer, fast in den Stand einer Figur erhoben, blinkt auf, projiziert ein scharf umrissenes Loch, eine Schlinge, auf den Vorhang. Welcher Kopf passt hinein? Noch ist niemand da. Suchprozess im Ritardando. Wer wird verdächtigt, verfolgt? Der Vorhang öffnet sich einen Spalt. Zum Glück, die Nasenspitze d...

Seite 25
Martin Hatzius

Reim auf die Woche

Der Zapfen, endlich, ist gestrichen, das Militär bläst Lebewohl. Der Herr ist seinem Schloss entwichen, nun steht es, so wie jener, hohl. Laut hört man Vuvuzelas tröten, viel leiser andernorts den Plan, Irans Atomprogramm zu töten, bevor es selber töten kann. Ein Friedenswort geht an die Frauen; die Krieger bringen Tulpen mit. Das Restgeld: auf den Kopf gehauen für Ehrensold und Schuldens...

Verdrängtes Eigenes

Es gibt Gewaltverbrechen, die durchrütteln die ganze Gesellschaft, die erzeugen in den Medien Sensibilität für die Gründe, die zu den Taten führten, Empathie mit den Opfern. Diese Taten werden als Angriff auf die Gesellschaft an sich empfunden (ja, empfunden, nicht nur rational als solche erklärt!). Die Amokläufe an Schulen sind solche Beispiele. Oder die Tat Anders Breiviks in Norwegen. Es gi...

Ein Pilot und viertausend Träume
ndPlusMarion Pietrzok

Ein Pilot und viertausend Träume

Die junge Frau Ric im DEFA-Film »Die Schlüssel«, Arbeiterin am Automaten, die ihre Arbeit gern tut und gut, sich aber nicht fremden Erwartungen beugen will, sie spricht aus, was sich in der DDR Anfang der 70er Jahre so niemand traut: In einem langen Monolog - dem längsten wohl in der Filmgeschichte - besteht sie auf ihr Recht des Einsseins mit sich selbst. Jutta Hoffmann spielt diese Ric, am Na...

Klaus Hammer

Optisches Fest

Er hatte in Asgardstrand, einem kleinen Fischerdorf an einem Fjord außerhalb von Oslo, ein Sommeratelier. Eine trostlose Gegend. Er machte sie zu einer der symbolhaften Landschaften des modernen Geistes und zum Sinnbild für Entfremdung, Verlorenheit und Sehnsucht. Die Personen, die in einem schrankenlos ich-bezogenem Trancezustand auf das Meer hinausblicken, sind vielleicht die letzten Nachfahren ...

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DOKfilm: Hamlet in Zürich

Vor gut zehn Jahren inszenierte Christoph Schlingensief in Zürich Shakespeares »Hamlet« auf ungewöhnliche Weise. In seinem Film »Hamlet - This Is Your Family« zeigt Peter Kern wie Schlingensief dabei Neonazis resozialisiert. Er geht auf die Straße und propagiert ein Verbot von Nazi-Parteien in einem Land, das sich »nazifrei« wähnt. Ein Spiel mit dem Schrecken in einer Zeit, in der alles aus den Fu...

OUT of SPACE: Schäuble, Sudoku, Bilderwächter

Die Wahrheit soll niemand mehr erkennen dürfen. Es gibt TV-Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Finanzminister Wolfgang Schäuble während der Bundestagsdebatte über die Milliarden-Hilfe für Griechenland an seinem Tablet-Computer Sudoku spielt. Künftig, so das Bundestagspräsidium, dürfen diese Bilder nicht mehr gezeigt werden. Als Begründung verweisen die Bilderwächter auf die Hausordnung des Deutsch...

Roberto De Lapuente

BLOGwoche: In der ersten Reihe

Das Konzept der öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme ist Kopieren. Sie sind ein Verbund loser Sendekonzepte, deren Ideen von der privaten Konkurrenz aufgeklaubt sind. Ein Flickwerk an Konzeptionen, die schon im Privatfernsehen peinlich sind, aber bei ARD und ZDF, in der ersten Reihe, in unermessliche Peinlichkeit gesteigert werden. Das liegt unter anderem an der Diskrepanz zwischen dem eigenen ...

David zahlt für Goliath
ndPlusRobert Meyer

David zahlt für Goliath

Werden Blogger demnächst zur Kasse gebeten, wenn diese fremde Beitrage auf ihrer Webseite verlinken? Diese Befürchtung treibt derzeit viele Mitglieder in der Netzgemeinde um. Mit ihrem Vorschlag eines umfassenden Leistungsschutzgesetzes beweist die schwarz-gelbe Bundesregierung wieder einmal, dass sie die Funktionsweise des Internets nicht verstanden hat. Details über das seit Jahren gerade vo...

Gerhard Klas

Links von der Mitte und wertkonservativ

Provokation, Herausforderung und Stein des Anstosses - das will die Zeitschrift »Publik Forum« sein. Und das war sie auch schon oft: Sie bot dem katholischen Theologen Hans Küng ein Forum, als ihm die Amtskirche die Lehrerlaubnis entzog, ebenso dem vom Priesteramt suspendierten Eugen Drewermann. »Publik Forum« veröffentlichte die Thesenpapiere des lateinamerikanischen Befreiungstheologen Leonardo ...

Seite 27

Steigende Spritpreise - ein Grund, die Pendlerpauschale zu erhöhen?

Die Erhöhung der Benzinpreise sorgt nicht nur in der Bevölkerung für ständige Debatten. Auch die Regierungskoalition erkennt die Sprengkraft des Themas und hat sich darüber gleich selbst erneut in einen Zwist verstrickt. Die FDP brachte eine Erhöhung der Pendlerpauschale ins Gespräch, während ihr Koalitionspartner, die CDU, zumindest offiziell keinen Handlungsbedarf sieht. Mit Debatten über die Hö...

Seite 28
Virus sichtbar gemacht

Virus sichtbar gemacht

Das für Ziegen, Schafe und Rinder gefährliche Schmallenberg-Virus hat erstmals ein Gesicht: Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems haben den Erreger durch hochauflösende elektronenmikroskopische Analysen aus infizierten Zellen sichtbar machen können. Damit sei ein weiterer wichtiger Schritt zum Verständnis des Schmallenberg- Virus getan, sagte der FLI-Präsident Thomas ...

Andreas Knudsen, Kopenhagen

Vielfalt wird messbar

Die Bestimmung der Artenvielfalt von Fauna und Flora ist bisher höchst zeitaufwendig. Die Untersuchung des Erbmaterials in Bodenproben kann diese zeit- und kostenaufwendige Suche deutlich vereinfachen. Das dänische Institut für GeoGenetik unter Leitung von Eske Willerslev konnte beweisen, dass es möglich ist, DNA-Material aus Bodenproben Pflanzen- und Tierarten zuzuordnen. Dabei erfasst das Verfah...

ndPlusMartin Koch

Die Quadratur der Kugel

Wie kann man die Kugeloberfläche der Erde auf eine ebene Karte projizieren? Diese Frage war im 16. Jahrhundert, dem Jahrhundert der maritimen Entdeckungsreisen, für europäische Seefahrer von großer praktischer Bedeutung. Denn weder ein Globus noch die damals benutzten nicht winkeltreuen Karten erlaubten es einem Navigator auf hoher See, den Kurs sicher zu bestimmen. 1569 fand der flandrische Geleh...

ndPlusBoris Hänßler

Tarnmantel nur für Mikrowellen

Harry Potter hatte es leicht: Wenn er ungesehen etwas erledigen musste, legte er sich einen Tarnumhang um - er wurde unsichtbar. Die Idee war keineswegs neu: Tarnkappen sind fester Bestandteil alter Sagen wie auch von Fantasy und Science-Fiction. Griffin, der »Unsichtbare« aus Herbert George Wells gleichnamigem Roman, nutzte statt Magie sein Optik-Know-how. Er passte den Brechungsindex seines Körp...

Seite 29
Carlos García Hernández, Schachlehrer

Spitzenpassion

Für Friedrich Georg Wieck (Deutschland; 1800-1860) bestand das Leben aus Gestricken und Spitzen. Alles was verschlungen und dicht war, erregte seine Aufmerksamkeit. Er war als Sohn eines Modewaren-Kaufmanns geboren worden. 1815 begann er für die Modefirma »Eisenstuck & Co.« zu arbeiten. Dort entstand seine Faszination für filigrane Spitze. Er lernte alles über die manuelle Herstellung und beka...

Sorgen mit Sieben
ndPlusUdo Bartsch

Sorgen mit Sieben

Es ist ungerecht! Nur weil Hedvig das Spiel so aufregend findet und weil sie gewinnen will und weil sie ja noch ein Kind ist, legt sie die schrecklichen Ereigniskarten einfach unter den Stapel zurück und behauptet, es hätte nichts draufgestanden. Vierzehn Mal hintereinander. Hedvigs Eltern aber nennen es »Schummeln«. Sie pochen auf die Regeln und wollen nicht mit einer Betrügerin spielen. Typisch ...

Wissen, punkten, gewinnen

An vier Wochenenden stellen wir jeweils drei Fragen. Sie beziehen sich auf historische Daten der Folgewoche. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im »nd« gesammelt. Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird unter Ausschluss des Rechtsweges gelost. Lösungen der ...

Das Wetter allein erklärt nur wenig
ndPlusProf. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe

Das Wetter allein erklärt nur wenig

In der Tierwelt des Gartens gibt es mitunter Absonderlichkeiten. Und sie mahnen zur Vorsicht, will man sie allein durch das Witterungsgeschehen erklären, wie es u.a. bei der Beantwortung der alljährlichen Frage nach der Ursache eines (oft nur lokalen) starken Wespenauftretens üblich ist. Massenvermehrung oder Mangel sind meist von einer Reihe von Faktoren abhängig. Warum gab in meinen Wasserfäs...

Bischof Ansgar hätte auch Pech haben können
René Gralla

Bischof Ansgar hätte auch Pech haben können

Drachenschiffe sind den Fluss hinaufgefahren, ankern vor der mit Palisaden und Erdwall nur notdürftig befestigten Siedlung. Von einem Wehrturm schaut eine Gestalt in rotem Umhang, der Bischof, besorgt herab auf seine bedrohte Gemeinde. Mit viel Liebe zum Detail haben Patrik Krauß, ein 32-jähriger Webentwickler aus Heidelberg, sowie seine Projektpartner, der Schleswig-Holsteiner Frank Bauer und der...

Seite 30
Auf der Schatzalp gönnt sich die Zeit eine Pause
ndPlusHeidi Diehl

Auf der Schatzalp gönnt sich die Zeit eine Pause

Dieses Kaff eignete sich bestens als Fluchtort für einen, den die Polizei ganz oben auf der Fahndungsliste zu stehen hatte. In Davos in der Graubündener Bergwelt lag Mitte des 19. Jahrhunderts der berühmte Hund begraben, nicht einmal 1700 Menschen lebten hier. Eines aber zeichnete das Bergdorf aus, und das war wohl der Grund, weswegen der steckbrieflich gesuchte deutsche Student Alexander Spengler...

Seite 31
Ein Koch, ein Minister und ihre Revolution
ndPlusMichael Müller

Ein Koch, ein Minister und ihre Revolution

Rafik Tlatli (54), Tunesier von Geburt, Weltbürger im Geiste und fröhlich von Gemüt, macht, was er schon immer gemacht hat: Kochen in seinem Geburtsstädtchen Nabeul auf der nordöstlichen Halbinsel Cap Bon am Golf von Hammamet. Seit knapp 20 Jahren im eigenen Restaurant namens Slovenia, dessen Name eine Hommage an die Heimat seiner Frau ist, und gleich dahinter seit zwölf Jahren auch im eigenen kle...

Seite 32
Jutta Hoffmann. Die Besondere
Hans-Dieter Schütt

Jutta Hoffmann. Die Besondere

Die Frau im Badetuch ist Rosa Luxemburg. Im Zentrum eines heftigen Fahnenschwungs. Das Badetuch erzählt vom Gegenteil aller landläufigen Politik, die ja nichts Privates und Intimes hat. Diese junge Frau ist der lebendige Widerspruch zum Eingeschnürtsein durch eine Funktion. Hier findet ein Dirigat statt in Nähe zur unverstellten Natur: Eine Hand zeigt die Richtung, die andere schützt vor Nacktheit...