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Volkes Stimme

Wolfgang Schäuble will das Volk abstimmen lassen - über ein neues Grundgesetz, das den Erfordernissen der EU gerecht wird. Sahra Wagenknecht will ebenfalls das Volk abstimmen lassen - über den Fiskalpakt, der demnächst auf EU-Ebene gelten soll. Was sich ähnlich anhört, ist doch grundverschieden. Die Entdeckung der Volksdemokratie durch den konservativen Finanzminister Schäuble folgt einem schl...

Deutsche Elf im Halbfinale gegen Italien

Berlin (nd-Händler). »Wir haben uns entschieden, Fußball zu spielen.« Was bei einer Europameisterschaft in eben jener Sportart ganz selbstverständlich erscheint, klingt aus dem Mund eines italienischen Nationaltrainers dann doch etwas merkwürdig. Und doch hat Cesare Prandelli mit diesem Satz auf den Punkt gebracht, warum der letztlich glückliche 4:2-Viertelfinalsieg seiner Mannschaft im Elfmetersc...

Jörg Meyer

Wer streikt, fliegt raus

Der Klinikkonzern Helios setzt in Norddeutschland auf Zuspitzung im Tarifkampf. 1000 Beschäftigten wurde »vorsorglich« gekündigt, nachdem in einer Urabstimmung für unbefristete Streiks gestimmt wurde.

ndPlusMarkus Drescher

Ein Herz für Europa-Abstimmungen

Der Fiskalpakt kommt - und wird ziemlich teuer. Die Zustimmung der Länder im Bundesrat erkauft sich der Bund mit Milliarden Euro. Die Bevölkerung hat bei dem Ganzen nichts mitzubestimmen. Noch nicht, denn mittlerweile sind Volksentscheide Thema in allen Parteien - allerdings mit sehr unterschiedlichem Fokus.

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Die Gewalt und das Lachen

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622-76) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Erzähler des 17. Jahrhunderts. Der einstige Soldat hat den »Simplicius Simplicissimus« geschrieben. Der angebliche Schelmenroman gibt uns eine Vorstellung der Gräuel des Dreißigjährigen Krieges. Da lachte der kleine Simplex, nur so zur Gesellschaft, als sein Vater lacht. Dem hatte man die Fußsohlen mit S...

Man gibt ihnen Glaubwürdigkeit

Schläge, Elektroschocks, simuliertes Ertränken ... Am heutigen Tag zur Unterstützung der Folteropfer wird an das Inkrafttreten der Antifolterkonvention am 26. Juni 1987 erinnert. Doch noch immer wird das Folterverbot nicht eingehalten, auch nicht von sogenannten Rechtsstaaten. Christine Probst ist stellvertretende Sprecherin der »Themenkoordinationsgruppe gegen die Folter« bei Amnesty International Deutschland. Mit ihr sprach für »nd« Katja Herzberg.

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ndPlusKarlen Vesper

Was denn nun: verordnete oder verpasste Freundschaft?

Ab 6. Oktober wird auf der Berliner Museumsinsel die Ausstellung »Russen & Deutsche - 1000 Jahre Kunst, Geschichte und Kultur« präsentiert, die derzeit noch in Moskau zu sehen ist. Einen Vorgeschmack gab eine Pressekonferenz in der russischen Botschaft in Berlin.

Ronny Blaschke, Kiew

Mit dem Ruf der Sport-Ikone

In der Ukraine nutzt so mancher Spitzensportler seine Prominenz für den schnellen politischen Aufstieg. Profiboxweltmeister Witali Klitschko bringt sich und seine UDAR-Partei am Rande der Fußball-EM vor den internationalen Journalisten in Stellung für die Parlamentswahlen. Wie ein Turm überragt Witali Klitschko die Journalistentraube unter dem Bogen der Völkerfreundschaft in Kiew. Fotoapparate...

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Schlamassel

Die Freude einiger Ärztefunktionäre und Politiker über das Urteil des Bundesgerichtshofes, nach dem Pharmafirmen oder Gerätehersteller ungerührt Mediziner bestechen dürfen, macht sehr deutlich, wie tief dieser Gesundheitsbetrieb bereits im Schlamassel steckt. Kein Mensch, der dieses System kennt, kann doch im Ernst behaupten, dass Zuwendungen von Arzneimittelherstellern im Sinne der Patienten seie...

In Not

Es ist der letzte Jahresbericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, den der langjährige IKRK-Präsident Jakob Kellenberger jetzt in Genf präsentierte. Noch vor zwei Dekaden waren es lediglich einige Hundert Mitarbeiter, die die humanitäre Organisation in die Welt entsandte; heute arbeiten über 12 000 in 80 Ländern für das IKRK. 6,8 Millionen Menschen waren im Vorjahr in Krisenregionen auf...

Schwarzer Peter

Der fürs Bauen und Wohnen zuständige CSU-Minister Ramsauer hat den Ländern im wörtlichen wie übertragenen Sinne den schwarzen Peter zugeschoben. Wohnen dürfe nicht zum Luxus werden, rief er den Bundesländern via »Bild«-Zeitung zu und forderte sie auf, ausreichend Wohnungen für Menschen mit niedrigem Einkommen zu bauen. Gut, wenn endlich auch beim Minister die längst von Fachleuten konstatierte Woh...

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ndPlusSilvia Ottow

Marketing mit Beigeschmack

Größere Zuwendungen von Arzneimittelherstellern an niedergelassene Ärzte sind nach geltendem Recht zulässig, urteilten vor einigen Tagen die Richter. Jetzt mehren sich Stimmen, die dieser Bestechung ein Ende machen und das Gesetz ändern wollen.

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»Pflege-Bahr« stößt auf breite Ablehnung

Berlin (epd/nd). Der geplante »Pflege-Bahr« ist am Montag in einer Bundestagsanhörung auf breite Ablehnung gestoßen. Wissenschaftler, Sozialverbände, Arbeitgeber, Gewerkschaften und die Krankenkassen kritisierten die geplante staatliche Bezuschussung privater Pflegevorsorge als falsche Weichenstellung. Die Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Pflegeversicherung würden damit nicht gelöst, hieß es...

ndPlusPeter Sonntag

»Krafft« nun ohne Freunde

Pflegestationsleiter in der Psychiatrie, Deeskalationstrainer und Ansprechpartner bei Verstößen gegen die »humanistischen Werte«. Wenn es danach geht, hat Marian Rohde eine zivilgesellschaftliche Musterkarriere vorzuweisen - wenn bloß dieses kleine, aber wichtige Detail nicht wäre: Nach Angaben der Autonomen Antifa Freiburg war Rohde einer der drei Chef-Moderatoren des Nazi-Onlineforums »Thiazi«. ...

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Krisenhilfe in 80 Ländern

Krisen und bewaffnete Konflikte in Nahost und Afrika haben Millionen Menschen seit 2011 unermessliches Leid zugefügt und sie abhängig von Nothilfe gemacht. Das beklagte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Montag in Genf.

Franco hat wenig Freunde

Nach dem umstrittenen Wechsel an der Spitze Paraguays ist das südamerikanische Land zunehmend isoliert.

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Irina Wolkowa, Moskau

Trubel im russischen Menschenrechtsrat

Offiziell heißt er »Rat für die Entwicklung der Zivilgesellschaft und die Menschenrechte beim Präsidenten der Russischen Föderation«. In jüngster Zeit leidet dieser »kollektive Präsidentenberater« jedoch an Auszehrung. Was nicht zuletzt daran liegt, dass etliche Mitglieder sich als offene Putin-Kritiker profiliert haben.

ndPlusArmin Osmanovic, Johannesburg

Ein erster ernster Test für Zuma

Jacob Zuma, Südafrikas Präsident seit 2009, muss sich im Dezember der Wiederwahl zum Parteichef des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) stellen. Nur die sichert ihm auch das Amt des Staatschefs. Ab heute bereiten ANC-Delegierte den Wahlparteitag Ende des Jahres in Mangaung vor.

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Aus für die Force de frappe?

Auf der Suche nach Möglichkeiten, die öffentlichen Ausgaben zu kürzen, hat der ehemalige sozialistische Premier Michel Rocard vorgeschlagen, die »völlig überflüssigen« französischen Nuklearstreitkräfte - die Force de frappe (wörtlich: Schlagkraft) - abzuschaffen. So könnten in einer fünfjährigen Legislaturperiode 16 Milliarden Euro gespart werden.

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Andreas Knudsen, Kopenhagen

Per Anreiz auf den Arbeitsmarkt

Arbeitslose sollen sich in Dänemark mehr um Jobs bemühen - dafür gibt es Abstriche bei der Sozialhilfe.

Ralf Streck, San Sebastian

Spanien stellt Rettungsantrag

Mit dem offiziellen Hilfsantrag der spanischen Regierung sind nun auch die Kontrolleure der Troika am Zug.

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Niebel fraternisiert mit Franco
ndPlusMartin Ling

Niebel fraternisiert mit Franco

Er hebt die Dreistigkeit auf ein neues Niveau: Entwicklungsminister Dirk Niebel. Versorgungsposten für Parteifreunde, privater Teppichtransport per BND-Flieger und nun die De-facto-Anerkennung des paraguayischen Präsidenten Federico Franco. »Mein erster Eindruck ist, dass der Amtswechsel nach den Regeln der Verfassung abgelaufen ist«, sagte Niebel. Mit dieser Einschätzung steht der Liberale allein...

Tobias Lambert

Ein Blick hinter die Schreckensmeldungen

Mexiko gehört als Schwellenland zum exklusiven Club der G20-Staaten. Über Mexikos dunkle Seite, den unzählige Menschenleben kostenden »Drogenkrieg«, wird dabei hinweggesehen. Der Sammelband NarcoZones setzt mit informativen Artikeln einen gelungenen Kontrapunkt.

»Wir unterstützen den gesellschaftlichen Wandel«

Nicht-kommerzielle Lokalsender sind aus dem lateinamerikanischen Äther nicht mehr wegzudenken. Zu diesen »Radios von unten« gehören auch La Tribu FM im argentinischen Buenos Aires, Radio Wayna Tambo im bolivianischen El Alto und der Sender Libre Negro Primero in Venezuelas Hauptstadt Caracas. Im Interview mit ND erzählen drei ihrer Macherinnen von den Herausforderungen dieser täglichen Medienarbeit. Mit v.l.n.r. laria Arienta (Venezuela), Maria Davalos (Bolivien) und Sabina Mina (Argentinien) sprachen für »nd« Nils Brock und Jessica Zeller.

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Beim BND ist's die Lüftung

(dpa). Der Umzug des Bundesnachrichtendienstes (BND) vom bayerischen Pullach nach Berlin verzögert sich um ein weiteres Jahr. Grund dafür seien »unzureichende Lüftungsleitungen«, wie ein Regierungssprecher bestätigte. Nach Presseberichten nehmen im Jahr 2013 zunächst nur 170 Mitarbeiter der Logistikzentrale in einem Teil des Gebäudes ihre Arbeit auf. Von Ende 2015 an folgen demnach weitere Mita...

Tegel scheint überfordert

(dpa). Der Flughafen Tegel hat dem Passagieransturm am ersten Ferienwochenende aus Sicht von Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn nicht standgehalten. Die Kapazitätsgrenze des Flughafens sei zwischen Freitag und Sonntag überschritten worden, kritisierte Mehdorn am Montag. Air Berlin sei »mit einem blauen Auge davongekommen«. Trotz einer deutlichen Aufstockung des Personals sei das Ergebnis für die Kund...

Halb so viel

Im Jahr 2006 erfolgte nicht nur der erste Spatenstich für den Großflughafen BER. Es startete auch der Neubau des Bundesnachrichtendienstes in der Chausseestraße - das zweite Großprojekt der Region. »Abschluss aller baulichen Maßnahmen« werde laut damaligem Flyer des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung sowie der BND-Pressestelle im Jahre 2011 sein. Nun schreiben wir 2012 und längst hieß e...

ndPlusBernd Kammer

Laufen statt fahren

Die Vorbereitungen an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße sind schon seit geraumer Zeit spürbar: Die Fahrspuren sind verengt, die Mittelpromenade dank Bretterwänden unpassierbar. Doch nun geht es richtig los - ab 30. Juni gegen 21 Uhr wird die U-Bahn-Linie 6 zwischen den Bahnhöfen Friedrich- und Französische Straße für 16 Monate unterbrochen, ab Mitte Juli wird auch der Fahrzeugverkehr w...

Nissrine Messaoudi

Hausbesuche zum Wohl des Kindes

Da ist man gerade erst zwei Monate alt und wird schon gepiekst. Impfungen wie Tetanus oder Diphtherie gehören unter anderem zu den wichtigen Vorsorgeuntersuchungen, die ein Kind von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr begleiten. In der Regel kommen Eltern den Untersuchungen U 1 bis U 9 nach, denn ihr Kind kann von den Tests zur geistigen- und körperlichen Entwicklung profitieren. Für dieje...

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ndPlusMechthild Henneke, AFP

Kalter Krieg in der Koalition

Wer nach Berlin kommt, lässt diesen Ort meist nicht aus: Tausende Touristen strömen jeden Tag zum Checkpoint Charlie. Zwischen einem privat geführten Mauermuseum, Andenkenläden und Coffeeshops suchen sie nach Spuren der Geschichte. Doch diese sind an dem ehemaligen Grenzkontrollpunkt der Alliierten schwer zu finden. Fähnchengeschmückte Buden und fliegende Händler mit Mauerstücken und Pelzmützen di...

Tom Mustroph

Späte Elfmeter

Der Ball ist nicht immer rund. Wie das einstmalige Ministerium für Staatssicherheit das Fußballgeschehen in der DDR-Oberliga beeinflusste und dazu neben den üblichen Repressionsmethoden gegen echte und vermeintliche Oppositionelle auch Funktionäre, Schiedsrichter und Spieler instrumentalisierte, zeigt die Ausstellung »Fußball für die Stasi« im Bildungszentrum des Bundesbeauftragten für die MfS-Unt...

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Dieter Hanisch

Protest aus der Spraydose

Ein Gewerkschafter hat vor einem Infostand der NPD eine Parole gegen Nazis auf die Straße gesprüht. Die schleswig-holsteinische Gemeinde Boostedt hält das für Sachbeschädigung und stellt ihm rund 500 Euro in Rechnung. Das Vorgehen sorgt für Empörung. Die Gemeinde solle Rechtsextremismus bekämpfen und nicht Antifaschisten, meint der DGB.

Jérôme Lombard

Anwohner gegen Hochhäuser

»Gegen die Bebauung des Spreeufers!« Unter diesem Motto luden gestern der Initiativkreis »Mediaspree versenken« und die »Anwohnerinitiative Fanny-Zobel-Straße« zur gemeinsamen Pressekonferenz vor die Niederlassung der Agromex GmbH in der Chausseestraße nach Berlin-Mitte. Anlass war die geplante Neubebauung der Freifläche zwischen dem Allianzgebäude und den Twin-Towers in Alt-Treptow durch Agrom...

Wilfried Neiße

Brandenburg kauft ehemals volkseigene Seen

Brandenburg will eine Reihe von Seen vom Bund übernehmen. Noch ist der Kauf nicht in trockenen Tüchern, eine endgültige Entscheidung könnte jedoch in den nächsten Wochen fallen.

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Wandern mit Erfolg

Bad Belzig/Kassel (dpa). Der 112. Deutsche Wandertag ist am Montag in Brandenburg zu Ende gegangen - mit einer erfolgreichen Bilanz, wie die Veranstalter betonten. Das »größte Wanderfest der Welt« habe rund 30 000 Gäste angelockt und werde den Tourismus im Land nachhaltig beleben, teilte der Deutsche Wanderverband (DWV) mit. Auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) rechnet hier mit einem Sch...

ndPlusHendrik Lasch, Bautzen

Opus 665 wird am Polarkreis gespielt

Vor 140 Jahren gründete Hermann Eule in Bautzen eine Orgelbaufirma. Weil heute in Deutschland nicht mehr genug Orgeln in Auftrag gegeben werden, drängt seine Nachfolgerin nun verstärkt ins Ausland.

ndPlusWilfried Neiße

Nicht pleite - und doch fehlt Geld

In einem unterscheiden sich - zumindest vorläufig - brandenburgische Kommunen von Griechenland: Sie können nicht pleite gehen. Ausdrücklich hat das Bundesland solche »juristischen Personen des öffentlichen Rechts« vom Insolvenzverfahren ausgeschlossen. Für viele Gemeinden indessen ist die Grenze der Belastbarkeit erreicht. Die Finanzlage märkischer Kreise und kreisfreier Städte hat sich 2005 b...

»In der Politik gibt es viele Unwissende«

Erck Rickmers (Jg. 1964) gilt als einer der illustersten Persönlichkeiten in der Hamburger Politik. Der Schifffahrtsunternehmer baute eine Firmengruppe mit 3000 Mitarbeitern auf, zu der eine Reederei mit 100 Schiffen gehört. 2011 trat Rickmers in die SPD ein, für die er kurz darauf in die Hamburgische Bürgerschaft einzog. Gerade erst war er als Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein im Gespräch. Mit dem Hamburger Wirtschaftspolitiker sprach für »nd« Volker Stahl.

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Hans-Dieter Schütt

Locken im Kopf

Lange blonde Haare, die auf dem Weg in den Nacken sehr geradlinige, ja: strähnige Wege gehen. Im Gegensatz zu den Sprachbildern, die er unter der Kopfhaut türmt. Peter Sloterdijk, 1947 in Karlsruhe geboren, dort Professor, brennt und knäult die Locken seines sehr beweglichen Geistes; er tut es mit der Lust eines Mannes, der überall nur Glatzen sieht. Am 26. Juni wird der Autor der »Kritik der zynischen Vernunft« 65 Jahre alt.

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Anstoß

Weiß eigentlich jemand, was das Motto der Europameisterschaft ist? Vor Ort kriegt man ja nichts mit. Am wenigsten von den Spielen - so ganz ohne Zeitlupe und Wiederholungen. Bei Frankreich gegen Schweden habe ich bestimmt eine Minute ein Tor gefeiert, das gar keins war. Der Ball hatte die Grundlinie außerhalb der beiden Pfosten überrollt - schwer zu sehen, wenn die Linie durch Werbebanden verdeckt...

ndPlusMartin Hatzius

Hitlers Lupe

Stephen Fry ist ein populärer Schauspieler, ein begnadeter Entertainer, ein viel gelesener Schriftsteller. Fry ist Brite und Jude. Er hat Sinn für Humor. Und Stephen Fry hat ein ernstes Problem: Er teilt, seit frühester Kindheit, eine Leidenschaft ausgerechnet mit Hitler: die Liebe zur Musik Richard Wagners. Was tut ein Jude, der nicht von der Kunst eines Antisemiten lassen kann? Fry, der Leich...

»Ich möchte Spezialist werden«
Hans-Dieter Schütt

»Ich möchte Spezialist werden«

Auf den samtenen Sessellehnen liegen schwere, kräftige Arbeitshände. Das Gespräch hat Pausen, in denen der Befragte sehr genau, geradezu instinktiv darauf achtet, eher weniger als zu viel zu sagen. Es ist, als wolle dieser 75-Jährige mittels Bescheidenheit in die Unkenntlichkeit fliehen - und wird doch auf eine beeindruckende, anrührende Weise nur kenntlicher denn je. Immer wieder passt ihm da...

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ndPlusUlrike Henning

Sparsam mit der Seife

Zunächst die gute Nachricht: Hämorrhoiden sind nicht gefährlich - im gesunden Zustand. Jeder hat sie, und jeder braucht sie. Die ringförmig am After angeordneten Gefäßpolster sind vielmehr ein normales Element des Verschlussapparates des Darms. Sie sorgen für die Feinkontinenz, halten Feuchtigkeit und Gase zurück.

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Mundraub
ndPlusJirka Grahl

Mundraub

Nachts um zwei wird es still am Olympiastadion. Flutlicht erhellt noch die milde Kiewer Luft, hindurch wabern Wölkchen aus Staub, Schweißtröpfchen und verkipptem Bier. Auf einer Fußgängerbrücke bewegt sich ein Ameisenstrom von Reportern und Fotografen gen Pressezentrum. Fast könnte man glauben, diese schwer beladenen Männer liefen um die Wette, würden sie nicht telefonieren, scherzen, schwärmen: »...

Jirka Grahl, Kiew

Catenaccio? Nein, danke!

Ist Elfmeterschießen Fußball oder ist es ein anderer Sport? Wer wollte Roy Hodgson diese Frage verübeln, in der Nacht vom Sonntag zum Montag? Nach einem denkwürdigen 0:0, das zwar das erste torlose Spiel der EM war, aber dennoch eines der besten. In England stellt man sich die Frage ja seit - mehr oder weniger - Menschengedenken, und in Kiew hatten der englische Trainer und seine Mannschaft dem ew...

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ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Zöllner brachten Millionen-Koffer beiseite

Sieben Zöllner des Pariser Flughafens Roissy wurden Ende vergangener Woche verhaftet, weil sie Koffer mit Bargeld beiseite geschafft und sich daran bereichert haben. Inzwischen wurden sie wegen »schweren Diebstahls«, »Schwarzgeldwäsche« und »Bildung einer kriminellen Vereinigung« unter Anklage gestellt. Die Zöllner, die durchweg zwischen 40 und 50 Jahre als sind, haben im Gepäcksortierbereich des ...