Ausgabe vom 20.08.2012

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Unten links

Die russische Justiz ist offenbar einem Irrtum aufgesessen. In der Annahme, es handele sich bei ihnen um die Mitglieder der kriminellen Punkrockband Pussy Riot, waren am Freitag drei junge Frauen zu Haftstrafen verurteilt worden. Die tatsächlichen Musikerinnen aber, darunter auch etliche Männer, bekannten vor dem Gerichtsgebäude und an anderen Orten der Welt: »Wir alle sind Pussy Riot«. Sollte die...

Schweden ist am Zug

Der Fall Assange steckt fest. Entgegen Vorabmeldungen hat der Wikileaks-Mitgründer bei seiner Rede vom »sicheren« Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London keine Fingerzeige geliefert, wie er sich einen Ausweg aus der vertrackten Kiste vorstellen kann. Indes hat er früher schon mehrfach betont, dass er sich durchaus den Fragen der schwedischen Staatsanwälte zu stellen bereit ist, in London o...

Assange fordert Ende der »Hexenjagd«

Es war sein erster öffentlicher Auftritt, seit er vor zwei Monaten in die ecuadorianische Botschaft in London geflohen ist: In Hemd und Krawatte hielt Wikileaks-Mitgründer Julian Assange am Sonntag eine Rede vom Balkon der Botschaft. Damit verließ er nicht das Hoheitsgebiet Ecuadors. Wäre er vor das Gebäude getreten, hätten britische Polizisten ihn verhaftet. Der 41-Jährige soll nach Schweden ausg...

ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Nazis raus - jalla!

Lautstark, aber besonnen und friedlich wurde den Rechtspopulisten von »Pro Deutschland« am Wochenende die Tour vermasselt.

Nachbarländer leiden unter Syrien-Krieg

Im Kampf gegen die Aufständischen nimmt die syrische Führung auch Ärger mit den Nachbarstaaten in Kauf. Am Sonntagabend schlugen in Jordanien nahe der Grenze vier Granaten der syrischen Armee ein. Ein fünf Jahre altes Mädchen wurde nach Angaben der Behörden verletzt.

Harald Neuber

Lektion in Völkerrecht für London

Ecuador bekommt im diplomatischen Streit mit Großbritannien um die mögliche Ausreise von Julian Assange Unterstützung aus Lateinamerika.

ndPlusKarin Leukefeld, Beirut

BND spioniert vor Syrien

Die Unterstützung der Assad-Gegner durch den US-amerikanischen und den britischen Geheimdienst wurde in den vergangenen Wochen von Washington und London eingestanden. Nun musste auch die Bundesregierung Farbe bekennen und den Einsatz eines Schiffs der deutschen Marine »in internationalen Gewässern im östlichen Mittelmeer« zugeben. Ein Schiff mit modernster Geheimdiensttechnik, vermeldete die »Bild am Sonntag«.

Fall Assange: Ganz Südamerika steht hinter Ecuador

Ecuador erweitert seine Rückendeckung im Streit mit London: Nach den linksgerichteten ALBA-Staaten um Venezuela hat jetzt ganz Südamerika seine Unterstützung zugesichert. Wikileaks-Gründer Julian Assange selbst fordert das Ende der «Hexenjagd».

Klaus Teßmann

Räume für Obdachlose gesucht

Ein wichtiges Angebot für obdachlose, wohnungslose und von Armut betroffene Menschen ist jetzt selbst bedroht. Zum Jahresende wurde der Schöneberger Tagesstätte für Wohnungslose der Mitvertrag in einem privaten Wohnhaus in der Hohenstaufenstraße 22 gekündigt. Das Haus soll modernisiert werden und die angekündigte Mieterhöhung kann die Tagesstätte nicht mehr bezahlen.

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Tom Strohschneider

Im Bewerberfeld

Urwahl? Doppelspitze? Teamlösung? Anfang September wollen die Grünen auf einem Länderrat das Verfahren zur Findung ihrer Spitzenkandidaten für die kommende Bundestagswahl beschließen. Nun haben auch die Realos zwei Bewerberinnen ins Rennen geschickt - dessen Ausgang ist offen.

ndPlusTom Strohschneider

Grüne Spitzenkandidaten

Die Bundestagswahl im kommenden Jahr wirft auch bei den Grünen ihren Schatten voraus. Sechs Bewerber gibt es bisher für die voraussichtlich zwei Spitzenkandidatenplätze. So offen wie die Personalfrage, so unklar ist derzeit auch das Profil der Partei. Keine guten Voraussetzungen für gute Umfragewerte.

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Sebastian Moll, New York

Mit Musik auf Seelenfang

In den USA wird die rechte Szene immer größer. Die Rekrutierung neuer Anhänger erfolgt häufig über Musik. Auch der Todesschütze von Wisconsin gehörte einer rechten Musikgruppe an. Neo-Nazi-Organisationen verbreiten somit gezielt ihre fremdenfeindliche Botschaft.

ndPlusSusann Witt-Stahl

Balsam auf die Wunden

Der Staatsvertrag zwischen der Hansestadt Hamburg und den islamischen und alevitischen Religionsgemeinschaften ist eigentlich etwas Selbstverständliches. Er bestätigt, dass der Islam zu Deutschland gehört.

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Sinnloses Bußgeld

Wer hat sie noch nicht gesehen: Jugendliche, die während der Schulzeit im Einkaufzentrum herumlungern und sich die Zeit vertreiben? Wenn es nach Ursula von der Leyen ginge, dann sollen die Eltern von Schulschwänzern weiter mit Geldstrafen belangt werden. Schwänzen sei der Anfang von Langzeitarbeitslosigkeit, so die CDU-Bundesarbeitsministerin. Klein-Ursula kommt aus einem wohl behüteten Elternhaus...

Urwahl von Plakaten

Die Neigung, Politik als bloße Symbolpolitik zu betreiben, hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Ein Beispiel dafür sind innerparteiliche Rangeleien um Spitzenkandidaturen bei Bundestagswahlen. Im föderal gestalteten deutschen Wahlrecht gibt es solche nämlich nicht, da Kandidatenlisten nur als Landeslisten, also für die jeweiligen Bundesländer aufgestellt werden. Lediglich bei den Parteien, die mit einer möglichen Aussicht auf Regierungsführung in eine Wahl gehen, hat auch eine bundesw...

Alles im Griff

Im November vergangenen Jahres flog die Terrorzelle des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) auf. Das Entsetzen war groß, gerade weil die deutschen Sicherheitsbehörden allesamt nicht in der Lage waren, die schrecklichen Morde zu verhindern. Nicht einmal aufklären können sie die ordentlich. Doch - so befindet man höheren Orts offenbar - die Sache muss nun aus der Welt. Und um ...

ndPlusJenny Becker

Hoffnungsvoll

Der neue Sondervermittler für Syrien ist gefunden. Der algerische Ex-Außenminister Lakhdar Brahimi wird ab September Nachfolger von Kofi Annan, der seinen Friedensplan für gescheitert erklärte und sein Amt niederlegte. Der heute 78-jährige Brahimi gehörte einst zu Annans engsten Mitarbeitern und ist die Vermittlung in Krisengebieten gewohnt. Für die Vereinten Nationen war er seit 1994 tätig, unter...

Lehren aus Lichtenhagen

In dieser Woche jährt sich zum 20. Mal das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen. Dort griffen rassistisch motivierte Jugendliche und teils zugereiste Rechtsextremisten im August 1992 die Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber in Mecklenburg-Vorpommern und benachbarte Unterkünfte vietnamesischer Vertragsarbeiter mit Molotowcocktails an.

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Steuerstreit: Kompromiss in Sicht

München (AFP/nd). Im Streit um das Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz ist ein Kompromiss in Sicht. Das Magazin »Focus« berichtete am Samstag, die Schweiz wolle zeitgleich mit dem Inkrafttreten des Abkommens sogenannte Gruppenanfragen deutscher Finanzbehörden zulassen. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums begrüßte »alle Maßnahmen, die die Umsetzung der Ziele des Abkommens in d...

Steffen Twardowski

Umfrage: Kauf von Steuerdaten geht in Ordnung

Beim Geld hört bekanntlich oft die Freundschaft auf. Weil die Bundesregierung das mit der Schweiz ausgehandelte Steuerabkommen erst im Herbst im Bundesrat den Ländern vorlegen will, nutzt das Finanzministerium von Nordrhein-Westfalen diese Zeit, um Steuer-CDs zu kaufen. Wie bewerten das die Wähler?

Marcus Meier

Piraten proben Demokratie

Die Piratenpartei debattiert über Rassismus und Antisemitismus in den eigenen Reihen - und darüber, wie sie mehr Beteiligung in ihrem Beteiligungstool »Liquid Feedback« generieren können. Beide Debatten haben eine unschöne Schnittmenge.

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Isaf-Truppen müssen scharf sein

Washington/Kabul/Islamabad (dpa/AFP/nd). Nach zahlreichen tödlichen Überfällen müssen ausländische Soldaten in Afghanistan jetzt immer geladene Waffen tragen. Das ordnete der Kommandeur der Isaf-Truppe, US-General John Allen, nach Angaben von US-Medien an. Die Nato reagiert damit den Angaben zufolge auf Überfälle von Afghanen in Armee- oder Polizeiuniformen. Die Isaf registrierte bereits 31 solche...

Jenny Becker

Pussy Riot ruft Revolution aus

Pussy Riot meldet sich mit einem neuen Lied zurück, in dem das »Feuer der Revolution« beschworen wird. Nach der heftigen internationalen Kritik an dem Urteil über drei Aktivistinnen der Punkband sehen Beobachter die Chance auf eine Abmilderung der Strafe. Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow droht unterdessen ebenfalls eine Anklage.

ndPlusRené Heilig

»Penner« geloben Besserung

Fünf der zehn Hinrichtungen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) ereigneten sich in Bayern. Es gibt sogar einen Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Fehler bei der Aufklärung der Verbrechen. Doch neun Monate nach dem Auffliegen der Terroristen hat der noch nichts getan. Dafür will der Verfassungsschutz nun genauer hinsehen.

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»Schließlich müssen wir auch Zivilisten schützen«

Die afrikanische Friedenstruppe African Union Mission to Somalia (AMISOM) versucht im Auftrag der UNO seit dem 1. März 2007 zur Stabilisierung der Lage in Somalia beizutragen. Mit ihrem kenianischen Sprecher Eloi Yao sprach für »nd« Markus Schönherr.

»Wir sehen das Licht am Ende des Tunnels«

Die Somalische Übergangsregierung (TFG) versucht seit 2004, einen Staat zu regieren, dem es an seinen Grundlagen mangelt: einem Machtzentrum, einem funktionierenden Sicherheitssektor oder einer Gesundheitsversorgung. Mit Regierungssprecher Abdirahman Omar Osman sprach für »nd« Markus Schönherr.

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Thomas Nitz

Liberias Präsidentin macht sich unbeliebt

Für ihren Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen hat Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf im vergangenen Jahr den Friedensnobelpreis erhalten. Jetzt aber werden schwere Vorwürfe gegen sie erhoben.

ndPlusJan Tölva

Linke Gegenkultur im Visier

In Oregon ist die anarchistische Szene verankert wie nirgends sonst in den USA. Doch jetzt werden Aktivisten durch Razzien und Befragungen eingeschüchtert. Die Betroffenen sehen darin eine Kampagne gegen soziale Bewegungen.

ndPlusOliver Eberhardt

Autonomiebehörde steht auf dem Schlauch

Die Arbeitslosigkeit ist höher, die Kassen sind leerer als je zuvor: Die Palästinensischen Autonomiegebiete sind auf den Weg in die schwerste Wirtschaftskrise ihrer Geschichte. Der geplante Antrag auf Aufwertung des palästinensischen Status' in den Vereinten Nationen wird damit Wagnis und Chance gleichermaßen.

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Düstere Aussichten für Brotpreise

Berlin (dpa/nd). Die Deutschen müssen sich nach Branchenangaben auf höhere Brotpreise einstellen. Grund seien die steigenden Rohstoffkosten durch die Dürre in den USA und weiten Teilen Russlands, wie Vertreter des Verbandes Deutscher Mühlen (VDM) und des Bäckerhandwerks der Zeitung »Welt am Sonntag« sagten. Der Preis für eine Tonne Brotweizen hat sich nach VDM-Angaben seit Dezember um rund 70 Euro...

Endrunde für Griechenland

Athen (dpa/nd). Für Griechenland geht der Kampf um die Abwendung der Staatspleite und den Verbleib in der Euro-Zone in die Endrunde. Am Sonntag reiste der griechische Außenminister Dimitris Avramopoulos nach Berlin ab. Er wollte das in Athen als außerordentlich wichtig eingestufte Treffen von Regierungschef Antonis Samaras mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 24. August vorbereiten. In der g...

Hans-Gerd Öfinger

Chance für die Kleinen

In Thüringen ist die Rekommunalisierung des größten Thüringer Energieversorgers E.on zum Greifen nahe gerückt. Der Konzern ist bereit, seine Anteile an die Thüringer Kommunen zu veräußern, die bis zum Jahresende ein Vorkaufsrecht haben.

ndPlusBernward Janzing

Viel Wind, wenig Kabel

Dem niederländischen Staatskonzern Tennet könnten Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe wegen erheblicher Verzögerungen bei der Anbindung von Offshore-Windparks an das Stromnetz drohen.

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Peter Nowak

Murks? Nein, danke!

Wer hat sich nicht schon geärgert, wenn ein Gerät kurz nach dem Ende der Garantie kaputt gegangen ist? In der Regel ist dann die Reparatur so teuer, dass eine Neuanschaffung fällig ist. Mittlerweile gibt es dafür sogar ein Fachwort: geplante Obsoleszenz. Das bedeutet, Produkte werden so konstruiert, dass sie nur eine bestimmte Zeit halten (bis kurz nach Ende der Garantie) und schwer zu reparieren ...

ndPlusCaroline M. Buck

Das Ding muss weg

In ihrem Dokumentarfilm »Das Ding am Deich« zeigt Antje Hubert, dass auch der konservativste Bauer zum Wutbürger werden kann, wenn man ihm ein Atomkraftwerk vor die Tür setzt.

Benjamin Beutler

Gen-Goldmine am Rio Madidi

Der Madidi-Nationalpark im Nordwesten Boliviens reicht vom Hochgebirge bis in den Tropenwald am Amazonas. Perfekt für Forschungen zu Auswirkungen des Klimawandels. Manche Forscher allerdings suchen noch mehr dort.

ndPlusMichael Lenz

Schutz statt Ignoranz

Nach mehreren Hai-Attacken auf Surfer flammt in Australien die Debatte um den Artenschutz für Haie neuerlich auf. Politiker und Medien blasen zur Jagd auf den Weißen Hai.

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Von Sündenböcken und sozialen Kämpfen
Jérôme Lombard

Von Sündenböcken und sozialen Kämpfen

Die äußeren Bedingungen hätten für das von einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis organisierte »Festival gegen Rassismus« am Wochenende nicht besser sein können. Auf dem Kreuzberger Blücherplatz wurden in über 20 Workshops, Lesungen und Podiumsgesprächen die verschiedenen Facetten von Rassismus und Stigmatisierung thematisiert. Eine Diskussionsrunde mit der Gruppe »Soziale Kämpfe« bele...

ndPlusNicolas Šustr

Den Rechtspopulisten die Tour vermasselt

Die Kreuzung der Landsberger Allee mit der Rhinstraße an der Grenze von Marzahn und Lichtenberg ist trostlos. Ein guter Ort also für die Zentrale der Rechtspopulisten von »Pro Deutschland«. Hier soll es also an diesem Samstagvormittag losgehen mit der das ganze Wochenende andauernden Provokationstour zu Moscheen und linken Orten. Das perfide Kalkül der »Pro Deutschländer« möchten die politisch...

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Auf der Baustelle

(dpa). Abgeordnete des Berliner Parlaments wollen sich an diesem Montag auf der Baustelle der Staatsoper Unter den Linden über den Fortschritt der Renovierung und die Gründe für die einjährige Verzögerung der Arbeiten informieren. Dabei wird Senatsbaudirektorin Regula Lüscher die Vertreter des Kulturausschusses über den Stand der Dinge unterrichten, wie Ausschusschef Frank Jahnke (SPD) sagte. E...

ndPlusLucía Tirado

Nicht gewollt, doch verliebt

Jenny will momentan keine Männerbekanntschaften. Temporäre Abneigung. Gerade wurde sie geschieden. George ist seit einem Jahr Witwer. Seine Ehe war glücklich. Er trauert. Sein Bruder und Jennys Freundin wollen diese einsamen Zustände nicht tatenlos mit ansehen, wollen die Schauspielerin und den Schriftsteller verkuppeln. Um der ständigen verbalen Drängelei ein Ende zu machen, verabreden sich die b...

Tom Mustroph

Geschlitzter Rochen

Museumsbauten, Bahnhöfe und Stadien waren einmal. Der neue Tummelplatz postmoderner Architekten könnte in Neubauten für Moscheen liegen. Eine verblüffende Sammlung von Moscheeprojekten diversester Formen, die in der Ausstellung »Kubus oder Kuppel« in der ifa Galerie präsentiert werden, lässt diese Vermutung über die Zukunft des Bauens Gestalt annehmen.

Seite 13

Salafisten planten neue Moschee

Bochum (dpa/nd). Ein ehemaliger Leibwächter des inzwischen getöteten Al-Qaida-Chefs Osama Bin Laden hat scheinbar eine eigene Moschee in Bochum aufmachen wollen. Kurz nach Bekanntwerden dieser Pläne löste eine verdächtige Reisetasche am Samstag nahe dem Gebetsraum einen Bombenalarm aus. Die Tasche war aber harmlos. Wie weit die Moscheepläne inzwischen gediehen sind, war am Sonntag unklar. Der Chef...

ndPlusJérôme Lombard

Senioren wollen nicht aufgeben

Die rüstigen Hausbesetzer in Pankow erfahren weiterhin viel Solidarität. Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich am gestrigen Sonntagnachmittag rund 70 Unterstützer der Senioren in der besetzten Stillen Straße 10 in Niederschönhausen. In einem »Aufruf zum Miteinander« hatten die Ruheständler alle Interessierten eingeladen, sich mit ihnen zu vernetzen und sich über Perspektiven des gemeinsam...

Wer prügelt, fliegt raus

Wer zu Hause den Partner verprügelt, muss heutzutage damit rechnen, vor die eigene Tür gesetzt zu werden. In jedem zehnten Fall greifen Thüringer Polizisten zu diesem Mittel. Opferschützer halten es für sehr erfolgreich.

ndPlusDieter Hanisch, Kiel

Giftige Schönheit

Ein Pflanze beschäftigt zur Zeit die Politik im hohen Norden, weil sie eine Bedrohung für Menschen darstellt.

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Region Mittelrhein fordert Ruhe

St. Goar (dpa/nd). Mehr Ruhe im lärmgeplagten Mittelrheintal - das bleibt eine der großen Forderungen für die Zukunft der Welterbe-Region. Das sagte die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) am Samstag bei einer Konferenz zum Abschluss des Masterplan-Prozesses für das Obere Mittelrheintal. Die Lebensqualität im Tal hänge für Einheimische und Besucher stark davon ab, wie ...

Ein Thälmann für Ziegenhals
Rainer Funke

Ein Thälmann für Ziegenhals

Beinahe drei Meter breit, einen Meter hoch und ein Bekenntnis in großen Lettern »… mein ganzes Leben gekämpft zu haben, darauf bin ich stolz. Ernst Thälmann«. Dazu ein 50 Zentimeter hohes Relief des einstmaligen KPD-Vorsitzenden und einen Meter breit die Daten 1886-1944, die Jahre der Geburt und der Ermordung. Die Rudimente des Denkmals stammen aus einem Ehrenhain der Puschkin-Oberschule in Welzow...

ndPlusAngela Stoll

»Ich höre jetzt alles viel lauter«

Für zwei Abenteurer aus Bayern werden alltägliche Dinge zur Herausforderung, als sie während eines Experimentes versuchen, ohne ihr Augenlicht auszukommen.

Seite 15

Respektlos

Weil sie bei einem Konzert in St. Petersburg für die Rechte Homosexueller warb, haben russische Aktivisten die US-Sängerin Madonna und die Veranstalter des Konzerts vom 9. August verklagt. Sie fordern 330 000 Rubel (etwa 8400 Euro) Schadensersatz. Die Pop-Queen hatte die Zuschauer aufgefordert, »ihre Achtung und ihre Liebe« für Homosexuelle zu zeigen. Auf dem Rücken der Sängerin stand »Ohne Angst«...

»Idiotisch«

Die zweijährigen Haftstrafen gegen die drei Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot hat Udo Lindenberg heftig kritisiert. Das »idiotische Urteil« werde eine große Protestwelle nach sich ziehen, sagte er am Freitagabend in Augustusburg. Weltweit würden sich nun viele Künstler mit der Band solidarisieren. Mit einem Konzert vor 3000 Fans eröffnete der 66-Jährige in Sachsen eine Ausstellung ...

Zu zivil

Der Autor des Romans »Der Sturm«, Thomas Steinfeld, erkennt in der Figur des Mordopfers in seinem Krimi auch ein Selbstporträt. »Da stecke ich drin, in hohem Maß«, sagte er dem »Focus«. Das Buch ist vor seinem Erscheinen am 23. August in die Kritik geraten, weil darin ein deutscher Chefredakteur ermordet wird, der Züge des Mitherausgebers der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, Frank Schirrmacher, ...

Wolfgang Hübner

Fachhandel

Bei einem Theaterbesuch bemerkte Herr Mosekund, dass sein Nachbar permanent die Stirn runzelte und sich unentwegt Notizen machte. Bestimmt ist er ein Kritiker, dachte Herr Mosekund und erkundigte sich leise, wo man solch einen wunderbaren Stift mit dezenter Schriftfeldbeleuchtung kaufen könne. »Im Kritikerbedarf«, antwortete der Mann. »Bekommt man dort auch die spitze Feder der Ironie?« Der Mann n...

Klaus Hammer

Land der Augenblicke

Fern der Großstadt lebte Karl Hagemeister (1848-1933), Sohn eines Obstzüchters aus Werder, von frühen Studienreisen nach Belgien, Holland und Italien und später auch nach Paris abgesehen, in seiner havelländischen Heimatlandschaft - in Ferch, im Entenpfuhl und in Werder. Deren spezifische Stimmung suchte er zu erfassen. »Die Stimmung ist die Trägerin des seelischen Elements der Landschaft«, bekann...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Nächster Tanz!

Es muss im Falle der russischen Punkband »Pussy Riot« doch niemand darauf aufmerksam machen, wie sehr er über den Dingen steht. Also, da sei ein Geplärr in einer Kirche gewesen, das nur Geplärr in den Kirchen des Medialen nach sich gezogen hätte: Drei Punks hätten schrill an ungebührlichem Orte getönt, und nun töne im Westen schrill die Freiheitsglocke. Und überhaupt möge man vorsichtig sein mit U...

Seite 16
ndPlusKarlen Vesper

Kommunist, Kardinal, Kollegen

Nach Budapest geschickt wurde ich von der Zeitung, um mich kundig zu machen, wie im Bruderland, der sozialistischen Volksrepublik Ungarn, der 140. Jahrestag der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49 begangen werde. Doch dem mich begleitenden Geschichtsredakteur der Bruderzeitung »Népszabadság« stand nicht der Sinn danach, mir zu berichten, wie die Magyaren, als sie noch zur österreichis...

ndPlusWolfgang Bittner

Unantastbar

In der Debatte um die Beschneidung von Jungen berufen sich die Befürworter, zumeist Männer, auf die Religionsfreiheit, auf die Tradition, religiös-rituelles Brauchtum und sogar auf Gott. Übersehen wird zumeist, dass in Deutschland Gesetze gelten, die einer Beschneidung von Jungen - wie übrigens auch von Mädchen - eindeutig entgegenstehen. Zum einen gewährleistet das Grundgesetz in Artikel 2, Ab...

Günter Agde

Perlenfänger

Knapp fünfhundert Seiten kompakte Filmgeschichte zum Lesen sind hier anzukündigen. Eine Auswahl (Ralf Schenk) aus dem reichen Gesamtwerk des Leipziger Filmpublizisten Fred Gehler legt die DEFA-Stiftung in ihrer Schriftenreihe (zum 75. Geburtsjahr des Autors) vor: Filmkritiken, eher noch mehr Reflexionen über Filme und Filmemacher aus fünf Jahrzehnten. Er hat - zusammen mit Ulrich Kasten - bemerken...

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Spiegel: Verfahren gegen Telekom-Ärzte eingestellt

Die Freiburger Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen die Sportmediziner Lothar Heinrich und Andreas Schmid nach mehr als fünf Jahren eingestellt. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin Spiegel.

Helen Scott-Smith und Heiko Oldörp, dpa

Nächster Coup von Angelique Kerber

Im Mittleren Westen der USA ist eine Norddeutsche nicht zu stoppen. Angelique Kerber aus Kiel steht beim Tennisturnier in Cincinnati im Endspiel. Für sie war es das vierte Finale des Jahres. Auf dem Weg dahin schaltete sie Serena Williams aus.

ndPlusRalf Jarkowski und Ulrike John, dpa

»Die Prämien müssen bleiben«

Die Debatte um die Förderung deutscher Olympioniken hält an. Nun könnten sogar die Medaillenprämien gestrichen werden. Diskus-Ass Robert Harting ist strikt dagegen. Sportrente statt Medaillenprämie - für Kanu-Olympiasieger Sebastian Brendel eine denkbare Alternative.

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ndPlusReno Penno, dpa

Bötticher schlägt zu

Wie zu erwarten, waren bei den deutschen Meisterschaften im Bahnradsport in Frankfurt (Oder) nicht alle Asse am Start. Das nutzte der Chemnitzer Sprinter Stefan Bötticher gleich zu drei Titelgewinnen.

Seite 20

Das Unheil nimmt seinen Lauf

Bundesliga-Absteiger Hertha BSC kommt nicht in Tritt. Nach zwei erfolglosen Spielen in der 2. Bundesliga setzte es nun sogar beim Viertligist Wormatia Worms das peinliche Pokal-Aus. Hertha war drückend überlegen, kam aber kaum zu zwingenden Möglichkeiten.

Glücksgefühle in Moabit

Metin Cakmak, Justin Gerlach, Kevin Kruschke heißen die neuen Berliner Fußballhelden: Mit ihren Treffern bescherten die Amateurfußballer aus Moabit ihrem Berliner Athletik Klub 07 einen historischen Pokalsieg