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Unten links

Ein neuer Trend reißt dieser Tage die Kunden US-amerikanischer Fitness-Studios mit: Schlagzeug spielen ohne Schlagzeug. Viel Lärm um nichts? Im Gegenteil. Das »extrem anstrengende Workout« (15 000 Schläge in 50 Minuten) ist nahezu geräuschlos. Wer die unglaubliche Erfolgsgeschichte des Gitarrenspiels ohne Gitarre kennt, sollte nicht voreilig über des Kaisers neue Kleider oder des Sportlers neue Ha...

Medico: KiK will sich freikaufen

Berlin (nd). Die Menschenrechtsorganisation Medico hat den Textildiscounter KiK für den Versuch kritisiert, sich durch Einrichtung eines Hilfsfonds »von der Verantwortung für die Katastrophe im pakistanischen Karachi freizukaufen«. Einem Brand beim Zulieferer Ali Enterprises waren unlängst 289 Menschen zum Opfer gefallen. In der Fabrik gab es keine Notausgänge, Fenster waren vergittert. Die Opfer ...

Stefan Otto und Martin Ling

Protestwelle erreicht Freiburg

Die Demonstrationswelle gegen das islamfeindliche Video aus den USA ist nun auch in Deutschland angekommen. Gestern fanden unter anderem in Freiburg, Münster und Hannover die bundesweit ersten Proteste statt. Sie verliefen bis Redaktionsschluss friedlich - was sich weltweit nicht für alle Freitagsdemonstrationen sagen lässt.

ndPlusInes Wallrodt

Klartext gegen NPD-Postille

Rechtlich ist erst einmal alles ausgereizt, die Deutsche Post muss die NPD-Zeitung »Klartext« befördern, hat der Bundesgerichtshof entschieden. Nun formiert sich in der Zivilgesellschaft Widerstand.

Petra Pau

Unerkannt oder unbehelligt?

Die Geschichte wird Ihnen vertraut vorkommen. Ein Nazi-Trio namens »Nationalsozialistischer Untergrund« - NSU - zog über ein Jahrzehnt durch Deutschland, raubend und mordend, unerkannt und unbehelligt. Sie richteten neun Männer mit türkischen beziehungsweise griechischen Wurzeln hin und erschossen eine Polizistin. Die Sicherheitsbehörden versagten komplett. So klingt die offiziell eingestandene Er...

ndPlusKatharina Dockhorn

Es wäre schrecklich, alles über sich zu wissen

Die Filmfestspiele von Cannes sind für den jetzt 70jährigen österreichischen Regisseur Michael Hanekeein gutes Pflaster. „Funny Games“ feierte dort Premiere, an „Die Klavierspielerin“,2001, „Caché“,2005, „Das weiße Band“, 2009 und in diesem Jahr an „L´Amour“ kam die Jury bei der Preisvergabe nicht vorbei. Haneke erzählt in „Liebe“ die intime Geschichte eines älteren Pariser Paares.

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»Einreise unerwünscht«

»Diese Personen gehören zu den ausländischen Staatsangehörigen, deren Einreise in die Republik Belarus nicht erwünscht ist. Unsere Entscheidung steht aber in keinem Zusammenhang mit der Wahlbeobachtung. Wir sind auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit der OSZE-Mission orientiert«, ließ das Minsker Außenministerium durch seinen Pressesprecher Andrej Savinych erklären. Bei »diesen Personen« handelt...

ndPlusSimon Poelchau

Abschalten verboten

Schwarz-Gelb will die Betreiber systemrelevanter Kraftwerke zwingen, ihre Anlagen am Netz zu halten. Zuspruch gibt es dafür von Verbraucherschützern und der LINKEN.

Irina Wolkowa, Moskau

Lukaschenko gibt Zügel nicht aus der Hand

Das Urteil im Westen steht längst fest: Wenn in Belarus am Sonntag eine neue Repräsentantenkammer gewählt wird, sind das erstens gar keine Wahlen und ein Parlament im westlichen Sinne geht daraus zweitens auch nicht hervor. Und dennoch verfolgt man die Abstimmung mit Argusaugen.

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Punk ist nicht mehr gefährlich

Armin Siebert, 39, war Promotion-Manager und Osteuropa-Koordinator bei EMI Music Germany, bevor er 2004 gemeinsam mit Alexander Kasparow in Berlin das Independent-Label »Eastblok Music« gründete. Osteuropäische Musik im Westen bekannt zu machen ist Sieberts Mission – auch als Club-DJ, Übersetzer und Journalist. Im RBB-Radio »Fritz« und auf YouFM Frankfurt (Main) gestaltet und moderiert er entsprechende Sendungen. Das Gespräch mit Armin Siebert führte Martin Hatzius.

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Scheinheilig

Es half alles nichts. Washingtons Botschafter in Islamabad versicherte im dortigen Außenministerium hoch und heilig, dass seine Regierung nichts mit der Entstehung und Verbreitung des islamfeindliche Schmähvideos zu tun habe. Das sei eine »zutiefst taktlose Entscheidung eines Einzelnen, um Hass zu schüren«. Die USA kauften sogar Sendezeit auf diversen pakistanischen Fernsehsendern für einen eigene...

Bankpolitik

Bei Großkonzernen läuft die Personalpolitik etwa auf die gleiche Weise ab wie bei Fußballvereinen die nach mehreren verlorenen Spielen obligatorisch stattfindenden Trainerdiskussionen: Zuerst werden etwaige Trennungsgerüchte eifrig dementiert und als Medienspekulation abgetan, am Ende muss der Coach aber üblicherweise doch seine Bank räumen. Nur dass bei Unternehmen – wie aktuell bei der Deutschen...

Fliehkräfte

Guter Rat ist teuer. Zumindest für Anhänger der schwarz-gelben Koalition. Was zwischen Union und FDP in der Bundesregierung umstritten ist, hat allemal die Chance, zwischen CDU und SPD auf Länderebene geklärt zu werden. Die Frauenquote und der gesetzliche Mindestlohn sind nur zwei Beispiele. Unter dem Eindruck der vielen Streitthemen – vom Betreuungsgeld über die Rente bis zu jüngsten Differenzen ...

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Der Rächer

Mit der neuen Zentrumspartei »Union der Demokraten und Unabhängigen« (UDI), die der mehrfache frühere Minister Jean-Louis Borloo dieser Tage in Paris aus der Taufe gehoben hat, entsprach er offenbar einem echten Bedürfnis vieler Politiker ähnlicher Herkunft und Positionierung. Mehr als 200 Abgeordnete und Spitzenfunktionäre von fast einem Dutzend Splitterparteien oder politischen Klubs, die alle d...

Netzausbau ohne Bürger?

nd: Der BUND hat die Planung für neue Stromnetze scharf kritisiert. Was erhofften Sie sich vom Start der Bürgerbeteiligung 2011?Weiger: Grundsätzlich ist unsere Forderung, dass wir endlich zu einer transparenten Netzplanung kommen, das heißt, dass Daten auch in einer anderen Qualität öffentlich werden - einschließlich einer Begründung, warum neue Leitungen konkret nötig sind. Zweitens wollten wir,...

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Material reicht für NPD-Verbot

Ein erster Anlauf für ein Verbot der NPD scheiterte vor neun Jahren. MANFRED MURCK sieht gute Chancen für einen zweiten, diesmal erfolgreichen Versuch. Mit ihm sprach SUSANN WITT-STAHL.

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Union einigt sich bei Herdprämie

Berlin (Agenturen/nd). Die Union hat sich weitgehend auf einen Kompromiss zum Betreuungsgeld verständigt. Fest vereinbart ist nun zum einen, die Zahlung des Betreuungsgelds an Vorsorgeuntersuchungen zu knüpfen, wie Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« bestätigte. Bei einem Treffen zwischen Kauder, CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt, Bundesfami...

Marian Krüger

Ohrfeige für Kristina Schröder

Der Vorstoß der Großen Koalition in Thüringen zu einem einheitlichen Mindestlohn stößt im Bundesrat auf den Widerstand der hessischen CDU.

ndPlusHans-Gerd Öfinger, Frankfurt am Main

Politisches Exempel nach fast 40 Jahren

Der Prozess gegen zwei mutmaßliche Mitglieder der »Revolutionären Zellen« dürfte das letzte deutsche Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit bewaffneten Aktionen in den 1970er Jahren sein.

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Drei Angreifer an ägyptischer Grenze tot

Tel Aviv (dpa/nd). Israelische Soldaten haben am Freitag drei unbekannte Angreifer an der Grenze zu Ägypten erschossen. Das teilte Armee-Sprecherin Avital Leibovich mit. Dabei sei auch ein israelischer Soldat getötet worden. Am Ort des Angriffs auf der Höhe des Berges Harif auf dem Sinai, etwa auf halbem Wege vom Mittelmeer zum Roten Meer, existiere noch kein Grenzzaun. Die Schießerei habe sich au...

Warnung an Iran im Atomstreit

New York/Berlin (AFP/nd). Die USA, Frankreich und Großbritannien haben Iran während einer Debatte im UN-Sicherheitsrat gewarnt, dass die Zeit für eine Einigung im Zusammenhang mit seinem Atomprogramm ablaufe. Frankreichs Außenminister Gerard Araud drohte Teheran eine Verschärfung der verhängten Strafmaßnahmen an. Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte in Berlin, dass Deutschland im Atomstreit I...

Rücktritt in Georgien nach Folterskandal

Tbilissi (AFP/nd). Nach der Veröffentlichung von Videoaufnahmen mutmaßlicher Misshandlungen in georgischen Gefängnissen ist Innenminister Batscho Achalaja zurückgetreten. Er fühle sich »moralisch und politisch verantwortlich, dass wir versagt haben, die schreckliche Praxis (der Folter) abzuschaffen«, hieß es in einer Erklärung. Laut georgischer Staatsanwaltschaft wurden bislang elf Gefängnisangest...

Assad bietet Dialog an und lässt verhaften

Damaskus (dpa/nd). Der syrische Präsident Baschar al-Assad will den blutigen Bürgerkrieg in seinem Land durch Dialog beenden. Gleichzeitig aber lässt er Mitglieder der letzten Oppositionsgruppen, die mit seinem Regime noch reden wollen, verhaften. Assad sagte in einem Interview mit dem ägyptischen Magazin »Al-Ahram Al-Ahrabi«, das am Freitag erschien: »Der Dialog mit der Opposition ist der einzige...

UNO verurteilt Anschlag in Somalia

Die Vereinten Nationen haben den doppelten Selbstmordanschlag in Somalia verurteilt. »Terroristische Akte können die jüngsten Fortschritte in Somalia nicht rückgängig machen«, sagte der UN-Beauftragte für Somalia, Augustine P. Mahiga, am Donnerstag (Ortszeit) in New York.

Steffen Klatt, Zürich

Schlechte Zeiten für Schweizer Raucher

In der Schweiz soll künftig am Arbeitsplatz und an öffentlichen Orten nicht mehr geraucht werden dürfen. Das verlangt eine Allianz aus Ärzten, Verbänden und linken Parteien. Am Sonntag wird abgestimmt. Doch die anfängliche Zustimmung zu der Verschärfung scheint inzwischen zu verfliegen.

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Hilmar König

Delhi unter Druck

Indiens Regierung steht unter Druck: Nachdem weite Teile des Landes am Donnerstag durch einen Generalstreik lahmgelegt waren, machte die Regionalpartei Trinamool Congress am Freitag ihre Ankündigung wahr und zog ihre Minister aus der Koalitionsregierung in Delhi zurück.

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Atomtransport nach Grohnde

Nordenham (dpa/nd). Ein Schiff mit Atombrennstäben aus dem britischen Sellafield wird am Wochenende in Nordenham bei Bremerhaven eintreffen. Von dort sollen die plutoniumhaltigen Brennelemente zum Atomkraftwerk Grohnde bei Hameln transportiert werden. Die genaue Ankunftszeit im Hafen Nordenham konnte eine Sprecherin der Polizeidirektion in Oldenburg am Freitag noch nicht nennen. Nach einem Bericht...

Gehen bei Neckermann die Lichter aus?

Beim insolventen Versandhändler Neckermann werden die Beschäftigten auf die drohende Arbeitslosigkeit vorbereitet. »Unsere Berater sind im Betrieb und geben den Leuten Informationen«, berichtete eine Sprecherin der hessischen Arbeitsagentur am Freitag in Frankfurt. Wegen der laufenden Investorensuche sei aber noch niemand gekündigt worden.

Zuckerberg nicht mehr ganz so reich

er Börsenflop von Facebook hat Gründer und Chef Mark Zuckerberg in der Riege der Milliardäre weit zurückgeworfen. In der Rangliste der reichsten US-Amerikaner, die das Magazin »Forbes« erstellt, sackte der 28-Jährige im Vergleich zum Vorjahr von Rang 14 auf 36 ab. Sein Vermögen schmolz demnach von 17,5 auf 9,4 Milliarden Dollar zusammen (7,2 Milliarden Euro).

Medien: Deutsche Bank plant Stellenabbau

Sparkurs und »Kulturwandel« - mit diesem Zweiklang tritt die Doppelspitze der Deutschen Bank an. Das Duo stimmt die Mitarbeiter auf härtere Zeiten ein. Der Betriebsrat will Klarheit über Personalspekulationen.

ndPlusRainer Balcerowiak

Hybridloks statt Rußschleudern

Die Bahn bleibt umweltfreundlichster Verkehrsträger und baut ihren Vorsprung sogar aus. Branchenvertreter fordern weitere Investitionen in Infrastruktur und Fuhrpark.

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ndPlusNikolaj Stobbe, SID

»She's the Boss«

Papa Bruce schickte Grüße aus New Jersey, Mutter und Sängerin Patti Scialfa wird Samstag in Wien erwartet: Springreiterin Jessica Springsteen (Foto: dpa/Gentsch) konnte sich in Wien auf die Familie verlassen. Die Tochter von Rock-Ikone Bruce Springsteen gewann am Donnerstag in Österreich die Qualifikation zur Global Champions Tour der Springreiter und stellte Stars wie Ludger Beerbaum (6.) in den ...

ndPlusAlexander Ludewig

Almosen für das ungeliebte Kind

Alle vier deutschen Starter kamen am Donnerstagabend zum Auftakt der Europa League nicht über ein Remis hinaus. Am Sonntag treffen sich Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga wieder.

Andreas Zellmer, dpa

Keine Amnestie für Dopinggeständnisse

Die angedachte Doping-Amnestie für geständige Radprofis ist vom Tisch. Die UCI-Delegierten sprachen sich zwei Tage vor Ende der Straßen-WM in Valkenburg dagegen aus. Der Radsport will sich nicht mit der Vergangenheit beschäftigen - Amnestie-Überlegungen sind vom Tisch. Die Delegierten des Weltverbandes UCI haben die von Präsident Pat McQuaid ins Spiel gebrachte mögliche Straffreiheit für Radpro...

ndPlusAlexander Ludewig

Der Wille siegt

Alle haben mitgeholfen am Freitagabend in der Alten Försterei. »Wir haben zusammen gekämpft, Mannschaft und Zuschauer«, sagte Mittelfeldspieler Markus Karl erleichtert nach dem ersten Sieg für den 1. FC Union Berlin in dieser Saison. Vor 16.750 Zuschauern gewannen die Köpenicker ihr Heimspiel vor ausverkauftem Haus mit 2:1 (1:1) gegen den 1. FC Köln. Die frühe Führung der Gäste durch Thomas Bröker...

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In die Tonne

»Thor Steinar fachgerecht entsorgen« steht groß auf dem Altkleidercontainer. Zwei dieser Container stehen nun am Antonplatz im Stadttteil Weißensee. Unweit des »Tønsberg«-Ladens, der die bei Rechten beliebte Marke Thor Steinar verkauft und zur Schau stellt. Und dessen Fassade immer noch verziert ist von den letzten »Verschönerungen«. Organisiert wurden die Container vom Bezirksamt und der Initiative »Weißensee gegen rechts«.

Protest gegen »Marsch für das Leben«

(nd-Messaoudi). Das Bündnis »what the fuck - gegen christlichen Fundamentalismus und Abtreibungsverbote« ruft am Samstag zu einer Protestkundgebung gegen den »Marsch für das Leben« auf. Am Bundeskanzlerinnenamt will die Initiative aus feministischen und antifaschistischen Gruppen um 12.30 Uhr den Schweigemarsch »kritisch und bunt begleiten«, hieß es in einer Mitteilung. »Es ist ungeheuerlich, dass...

Grüne halten Henkel für nicht tragbar

Die Grünen haben die Berliner SPD für ihren Umgang mit Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) kritisiert, der aufgrund der NSU-V-Mann-Affäre stark in Bedrängnis geraten ist. »Wer bewusst Informationen gegenüber Parlamenten zurückhält, ist schwer tragbar«, erklärte gestern der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünenfraktion, Benedikt Lux.

Siegertyp darf nicht verlieren

Jeder hat seine ganz eigene Art, bei der Bevölkerung gut anzukommen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bezaubert die Hauptstädter mit schnodderigem Witz und Glamour, während Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bei seinen Märkern als Kumpel vom Stammtisch punktet. Das Ergebnis hatten sie bislang gemeinsam: Die Menschen mochten sie einfach. Doch diese Zeit...

Martin Kröger

Opposition über Heilmann empört

Neuer Zoff um die Senatskoalition. Erneut steht ein CDU-Senator in der Kritik. Diesmal geht es um Justiz- und Verbrauchersenator Thomas Heilmann. Laut »Berliner Zeitung« hat dieser Gespräche mit dem privaten Investor Veolia über die Zukunft der Berliner Wasserbetriebe (BWB) geführt, ohne die zuständigen Senatsverwaltungen für Wirtschaft und Finanzen einzubeziehen. Die Ergebnisse seiner Unterredung...

Jérôme Lombard

Alt-Besetzer machen weiter

Die Nerven liegen blank: Eine große Mehrheit der Bezirksverordneten von SPD, Grünen, CDU und Piraten sprach sich im Finanzausschuss gegen Verhandlungen mit der Berliner Volkssolidarität aus. Neben anderen Verbänden hatte sich die Volksolidarität als Freier Träger um das Seniorenzentrum Stille Straße beworben.

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Mauer wieder da?

Am Checkpoint Charlie ersteht die Mauer wieder auf: Ab Samstag ist dort ein 900 Quadratmeter großes Rundum-Panorama des Künstlers Yadegar Asisi über das Leben in der geteilten Stadt im Schatten der Grenze zu sehen.

Barrierefrei ins Kino

(dpa). Guildo Horn kämpft für ein besseres Kinoerlebnis für Menschen mit Behinderungen. Als Schirmherr des Filmfestivals »überall dabei« der Aktion Mensch wirbt der Schlagersänger für problemlos zugängliche Kinosäle. Bei der Vorstellung des Festivals in Berlin sagte der 49-Jährige, er wolle Menschen mit Behinderung Gehör verschaffen. Das Filmfestival tourt durch 40 deutsche Städte. Die ersten ...

Russen und Deutsche

(epd). Der Kulturaustausch zwischen Deutschen und Russen in den vergangenen 1000 Jahren wird ab 6. Oktober in einer Ausstellung auf der Berliner Museumsinsel beleuchtet. Die Dokumentation lade dazu ein, »russische Spuren in der deutschen und deutsche Spuren in der russischen Geschichte zu entdecken«, teilte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz am Freitag in Berlin mit. Gezeigt werden im Neuen Mus...

»Yaam« am Ende?

(nd). Das Jugendkulturprojekt »Yaam« ist laut dem Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), in seiner Existenz bedroht. Hintergrund ist laut Schulz ein Kaufinteresse des Baukonzerns Hochtief an dem Gelände am Stralauer Platz. Den Angaben zufolge sollen dort drei große Bürotürme entstehen. »Der Ausverkauf der Stadt geht weiter«, sagte Schulz zu diesen Plänen. Mit dem ...

ndPlusAnouk Meyer

Stadtspaziergang der kulturellen Art

Gut zu Fuß sein sollte man schon für den Stadtspaziergang rund um den Innsbrucker Platz: Drei Stunden lang schlendert die Gruppe durch kleine Straßen, über Autobahnbrücken, durch Parks, macht ab und zu Pause und guckt bei Performances oder Musikeinlagen zu. Unter dem Titel »urbanscapes - die hütte, die stadt und der toteissee« haben Regisseur Jörg Lukas Matthaei und Choreograph Ingo Reulecke ihren...

Michael Saager

Der Himmel über der Wüste

Manchmal, aber nur manchmal, wünscht man Joey Burns eine weniger zärtliche, eine dunklere, vor allem deutlich voluminösere Stimme. Eine Waldstimme, geschlagen aus felsigem Grund. Etwas in dieser Art. Dann könnten sogar die muskulöseren Songs von Calexico halten, was sie versprechen, so selten sie auch sein mögen. »Sinner in the Sea« vom neuen Album »Algiers«, ein durch dominante Orgelsounds und...

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Erfolgreiche Selbstversorger

Berlin (dpa/nd). Schlöben im Thüringer Holzland ist vom Bundesagrarministerium als »Bioenergiedorf 2012« ausgezeichnet worden. Weitere Preisträger sind Oberrosphe (Hessen) und Großbardorf (Bayern). »Unsere Bioenergiedörfer sind allesamt Vorreiter der Energiewende in Deutschland und damit ein Aushängeschild für eine klimafreundliche Energieversorgung im ländlichen Raum«, gratulierte Bundeslandwirts...

Nachtlicht

(nd). Spinnennetz oder gerissenes Glas? Was auf den ersten Blick wie ein fein gesponnenes Netz aussieht, ist ein Mosaik: Aus mehr als 2600 Einzelaufnahmen sei ein 878 Megapixel großes Luftbild von Berlin bei Nacht angefertigt worden, teilte die Freie Universität Berlin (FU) mit. Die einzigartige Karte habe die höchste Auflösung, die jemals von einer Stadt in der Nacht veröffentlicht worden sei. Si...

ndPlusAndreas Jacob

40 Jahre Drogenhilfe

Die Berliner Drogenbeauftragte Christine Köhler-Azara musste nicht lange nach passenden Worten zum Jubiläum der Königsberger 11 suchen: »Die Wiege der Berliner Suchtberatung ist hier. Offensichtlich haben Sie alles richtig gemacht.« Rund 200 Gäste lauschten dem Grußwort der Drogenbeauftragten am Freitag in der Steglitzer Drogenberatungsstelle. Die Einrichtung der Caritas war 1972 als erste Beratun...

ndPlusAndreas Fritsche

Lafontaine soll eine »Rote Sahra« trinken

Die Klosterbrauerei Neuzelle im Osten Brandenburgs ist bekannt für ungewöhnliche Ideen. Vor einem Monat kam sie mit zwei Varianten roter Fassbrause auf den Markt, die besonders Anhänger der LINKEN ansprechen sollen.

Frank Pfaff, dpa

Energiewende von unten

Für Bauern ist die Energiegewinnung aus Biomasse und Gülle längst mehr als ein einträgliches Nebengeschäft. Fast 7500 Biogasanlagen produzieren in Deutschland Strom, die wenigsten aber nutzen auch die anfallende Wärme. Das soll sich ändern - auch in Mecklenburg-Vorpommern.

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Solarpark bedroht Fledermäuse

Neuhardenberg (dpa). Der Naturschutzbund (NABU) hat Einspruch gegen die Baugenehmigung des Solarparks in Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) eingelegt. Das bestätigte NABU-Landesgeschäftsführerin Katharina Weinberg am Freitag. Nach Ansicht des NABU sind Naturschutzinteressen im Genehmigungsverfahren nicht ausreichend berücksichtigt worden. Besonders besorgt zeigt sich der NABU über den Verbleib von ...

Lutz Gallinat, Lübeck

Fliegen auf Slevogts Obstbäumen

Das Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus steht unter anderem für den deutschen Impressionismus. Derzeit präsentiert es aus seinem Fundus eine Ausstellung der besonderen Art.

Andreas Fritsche

SPD erleidet keine Bruchlandung

Die rot-rote Koalition muss sich wegen ihrer Zustimmungswerte keine Sorgen machen. Für die LINKE geht es zwar immer noch keinen Schritt vorwärts, aber wenigstens auch nicht mehr zwei Schritte zurück. Wenn am Sonntag Landtagswahl wäre, käme die LINKE auf 22 Prozent, die SPD auf 39 Prozent. Das sind Ergebnisse einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap im Auftrag der »Märkischen A...

ndPlusChristine Cornelius, dpa

Hexenwahn im Stadtarchiv

Teufelsglaube, Daumenschrauben, falsche Geständnisse: Im schwäbischen Nördlingen wacht der Stadtarchivar über Verhörprotokolle von Hexenprozessen aus dem 16. Jahrhundert. Es sind Zeugnisse einer gesellschaftlichen Tragödie.

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ndPlusUlrike Gramann

Wagners Inselkonzert

Schwül ist es in der Oberrheinebene; im Westen, überm Hafen ballen sich gelbe Wolken. Neue Musik sollte schon mögen, wer an diesem Sommerabend der »Insel« zustrebt, denn die kleine Spielstätte des Badischen Staatstheaters Karlsruhe ist nicht klimatisiert. Das Gebäude könnte einen Anstrich vertragen und steht ganz hinten auf dem Schulhof der Garten-Grundschule. Auf einer der Schulhofbänke wartet...

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Sprung aus dem Hamsterrad
ndPlusHans-Gerd Öfinger

Sprung aus dem Hamsterrad

Die einen sehnen nichts mehr herbei, als einen festen Arbeitsplatz - die anderen werden krank davon. Manche sind zur Selbstständigkeit gezwungen, andere sehen darin die Erfüllung ihrer Träume - und beide suchen dennoch den Austausch mit Gleichgesinnten. Die Arbeitswelt insgesamt ist im Umbruch. Die experimend-Seiten beschäftigen sich diesmal mit den positiven wie negativen Folgen dieses Wandels.nd-Mitarbeiter waren ihnen auf der Spur.

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Tim Zülch

Kooperation hat Zukunft

Coworking-Spaces sind eine Antwort auf zunehmende Prekarisierung der Menschen, die im grafischen, publizistischen oder journalistischen Bereich arbeiten. Eine Antwort auf Outsourcing und die Umstellung von festen Angestelltenverhältnissen auf freie Mitarbeit und Honorarbasis. Eine Entwicklung, die sich durch die neoliberale deutsche Republik zieht und immer neue Bereiche einschließt, mit Berlin al...

Tim Zülch

Die digitale Bohème

Eine dicke Elster begrüßt mich auf der Startseite und bittet um die Eingabe der Benutzerdaten. »Coworker-985« gebe ich ein und frage mich, was die Zahl zu bedeuten hat. Das Tagesticket kostet zwölf Euro. Bezahlt habe ich an der Theke. Man kann auch ein Monatsticket erwerben. Das kostet dann 180 Euro. Happige Preise, denke ich. Durch die offene Tür des Raums im ersten Stock dringt Soulmusik aus dem...

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Das Protokoll der Wünsche

Einen von den drei Wünschen, die man jedes Jahr haben sollte, hatte Paul einer Karte für Salzburg gewidmet. Einer bestimmten. Ursprünglich waren es Karten. Warum die Festspiele unter die drei gekommen waren, war Paul nicht ganz klar. Das heißt, es gab mehr als einen Grund. Durfte man aber in einen Wunsch die Erfüllung von gleich mehreren Begehren unterbringen? Darüber sagte das Protokoll der Wünsc...

Ein Fall von Zensur

Warum Ida so rund war, konnte Ida nicht sagen. Und wollte auch nicht danach gefragt werden. Paul fügte sich Ida. In einem Tatsachenroman gebührt den Tatsachen der erste Platz. Aber danach darf vermutet werden. Es könnte beispielsweise der Antidiskrimminierungsparagraph gewesen sein, der seine Wirkung entfaltete und Paul schweigen ließ. Es könnte auch gewesen sein, dass Paul im Herzen Femin...

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»Wohlstand für alle« - ist das neoliberal?
ndPlusSahra Wagenknecht

»Wohlstand für alle« - ist das neoliberal?

Im »nd« gab es eine mehrteilige kritische Debatte zu meinen wirtschafts- und finanzpolitischen Thesen, die von einem Beitrag der Wirtschaftskorrespondentin der »taz«, Ulrike Herrmann, eröffnet wurde. Da Diskussion und Kritik zu einer Klärung von Positionen beitragen können, ist das auf jeden Fall erfreulich. Auf einige der Kritikpunkte möchte ich am Beispiel der Wortmeldung von Frau Herrmann nä...

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Dr. Kohl und die Wende
Stefan Bollinger

Dr. Kohl und die Wende

Im bürgerlichen Lager ist dieser Tage Feierlaune angesagt. Alt-Kanzler Helmut Kohl wird aus seinem Altenteil geholt, um ihm für den grandiosen konservativen Neuanfang vor 30 Jahren zu danken. Es bleibt in diesem Herbst nicht bei der Herausgabe einer Briefmarke für den »Kanzler der Einheit«. Ein Staatsakt wird für den Oggersheimer ausgerichtet. Und sein »Mädchen«, Bundeskanzlerin Angela Merkel, wir...

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WOCHEN-CHRONIK

20. September 622: Mohammed zieht mit seinen Anhängern von Medina nach Mekka; Beginn der islamischen Zeitrechnung. 21. September 1957: Das westdeutsche Segelschulschiff »Pamir« sinkt 600 Kilometer südwestlich der Azoren; sechs von 86 Besatzungsmitgliedern werden gerettet. 22. September 1862: US-Präsident Abraham Lincoln verkündet das Ende der Sklaverei in den Südstaaten. 23. September 192...

ndPlusRolf Höller

Kanonade von Valmy

Vor 220 Jahren schlug für die Französische Revolution die Stunde der Bewährung. König Ludwig XVI. war verhaftet, Frankreich schickte sich an, Republik zu werden. Die Regenten der Nachbarstaaten registrierten die Entwicklung mit Besorgnis. Sie warteten nur auf einen Vorwand, »die Pest der Rebellion, ehe sie für die Nachbarstaaten bedrohlich werden konnte, im Keime zu ersticken«, wie der die Preußen...

Gerd Fesser

Die Wandlung eines Junkers

Im September 1862 sah sich der König von Preußen, Wilhelm I., in einer ausweglosen Situation. Ihm ging es vorrangig darum, seine Armee zu verstärken. Er hatte sie modernisieren und von 151 000 Mann auf 212 000 aufstocken lassen. In Preußen galt eine dreijährige Militärdienstpflicht. Seit den 1830er Jahren dienten die Soldaten aber nur zwei bzw. zweieinhalb Jahre. Wilhelm führte die dreijährige Die...

ndPlusKarl-Heinz Gräfe

Unter der Regie des Genossen »Filipow«

Im Auftrag Stalins lud Wladislaw Gomulka, Generalsekretär der Polnischen Arbeiterpartei, im Juli 1947 die Führer der kommunistischen Parteien Frankreichs, Italiens und Osteuropas (außer aus Albanien und der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands) zu einem Geheimtreffen für den 22. September nach Szklarska Poręba ein. Am 5. Oktober informierte die »Prawda«, das Zentralorgan der KPdSU, über d...

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ndPlusMartin Hatzius

Reim auf die Woche

Die Welt: geteilt ins Finstere und in das Lichte?Von Mittellosigkeit und Überflussbesitz,die enge Nachbarn sind, erzählen die Berichte.Im Miteinander klafft ein klitzegroßer Ritz.Und wehe,wenn der Muslim, Christ und auch der Judenicht je dem wahren Gotte je sein Opfer bringt.Die fremde Bude brennt, es brennt die eigne Bude.Man fragt sich, ob mit Öl der Löschvorgang gelingt.Ach. Manchmal möchte ...

Ein Vielseitiger

Der Schriftsteller, Maler und pensionierte Richter Herbert Rosendorfer ist tot. Der aus Südtirol stammende Rosendorfer starb am Donnerstag nach langem Leiden im Alter von 78 Jahren im Krankenhaus von Bozen, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa und Südtirol-Online übereinstimmend berichteten. Rosendorfer, der lange in Bayern lebte, schrieb Romane, Erzählungen, Theaterstücke sowie Abhandlung...

Preisregen

CHRISTOPH HEIN. Der Schriftsteller wurde am Freitag in Burg Stargard bei Neubrandenburg mit dem Uwe-Johnson-Preis geehrt. Der 68-Jährige erhielt die Ehrung für seinen Roman »Weiskerns Nachlass« und sein Lebenswerk.Erst am Dienstag war bekannt geworden, dass Hein 2013 auch den Internationalen Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz erhält. dpa KURT FLASCH. Der Philosophiehistoriker (82) erhielt am ...

Harald Loch

Vergangenes vergeht nicht

Das Land versorgt diese Wunde erst seit kurzem. Das gelingt nicht ohne neuen Schmerz, er ist Bestandteil der Heilung. Unter dem Schorf schwärt es noch. Die Wunde Algerien blieb in Frankreich lange Zeit unbehandelt. Erst eine neue Generation von Autoren entdeckt diesen Teil der französischen Geschichte als literarischen Topos. Laurent Mauvignier wurde 1967 in Tours geboren, fünf Jahre nach dem Ende...

ndPlusStefan Amzoll

Welch’ Musik in die Kälte gerufen

Es ist ein wahnwitziges Gebilde, mit dem die Deutsche Oper Berlin mit ihrem neuen Intendanten Dietmar Schwarz mutig die Saison angeht. Eins, kompliziert, negationsbeflissen, den Sinnen schwer zugänglich, und seien sie noch so entwickelt. Der Verstand schlägt Kapriolen, ehe er sich zurechtfindet. Helmut Lachenmanns »Das Mädchen mit den Schwefelhölzern widerstrebt allem, was an Oper erinnert, ohne d...

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PLATTENBAU
ndPlusThomas Grossman

PLATTENBAU

Ry Cooder hat sein Album »Election Special« veröffentlicht, mit dem er in den heißen USA-Wahlkampf eingreifen will. Cooder, einer der besten Gitarristen überhaupt, brilliert vor allem an der Slide-Gitarre. Er war Session-Musiker bei Taj Mahal und bei den Rolling Stones, feierte Erfolge mit Solo-Platten, aber auch mit Filmmusiken wie für »Paris, Texas«. Er bereiste in fast vier Jahrzehnten die Welt...

ndPlusHans-Dieter Schütt

LIEBE

Polizei und Feuerwehr brechen eine Pariser Wohnung auf. Die Leiche der Frau, den Kopf auf schon vertrocknete Blumenköpfe gebettet, wirkt schön, trotz Spuren der Verwesung. Der Zuschauer stürmt nicht mit den vielen fremden Menschen in die Behausung, die Kamera steht innen. Wir sind Mitbewohner. Wir sind drin, sofort und immerdar. Wir werden diese Wohnung nicht mehr verlassen, ausgenommen in jen...

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DOKfilm: Hairufer und Feuerläufer

Neuirland liegt nicht, wie man meinen könnte, irgendwo im Atlantik, sondern im Pazifik. Die Insel gehört zu Papua-Neuguinea. Die Menschen dieser Insel leben vom Fischfang. Doch sie fangen nicht irgendwelche Fische; ihre Spezialität ist die Jagd nach Haien. In kleinen Kanus fahren sie weit auf das Meer hinaus, um die Raubfische mit bloßer Hand zu fangen. Sogenannte Hairufer locken die Haie an. G...

OUT of SPACE: Piratin gegen Raubkopien

Eigentlich findet die prominente Piraten-Politikerin Julia Schramm den Schutz geistigen Eigentums »ekelhaft«. Als Vorstandsmitglied der Piraten setzt sie sich aktiv dafür ein, das nichtkommerzielle Kopieren, Speichern und Nutzen von Werken im Internet für die Allgemeinheit verfügbar zu machen. Was für ihr digitales Ich gilt, hat aber längst keine Gültigkeit für ihr analoges Ich. Julia Schramm ...

ndPlusPeter Richter

BLOGwoche: Systematische Demütigung

In schlechter Einmütigkeit haben Politik und Medien, einschließlich der sogenannten Qualitätspresse, sehr schnell ihr Urteil über die teils friedlichen, teils gewaltsamen Proteste in der islamischen Welt gegen einen antiislamischen, in den USA produzierten Hetzfilm gesprochen und damit das Opfer reflexartig und beinahe uneingeschränkt zum Täter gemacht. Von einer »Hassmaschine« ist da die Rede, vo...

Christoph Nitz

Journalismus im »Raumschiff Brüssel«

»Haben die Medien in der Euro-Krise versagt?«. Diese provozierende Frage harrte auf dem jüngsten »MainzerMedienDisput« in Berlin einer Antwort - und diese fielen sehr unterschiedlich aus. Im Europäischen Parlament herrsche eine große Koalition, Konflikte würden sich weniger zwischen Parteien sondern zwischen Ländern oder Ländergruppen zeigen, so ARD-Korrespondent Rolf-Dieter Krause. Mehrfach wies ...

ndPlusGuido Sprügel

Das unterstellte Leid

»Tapfer meistert sie ihr Schicksal«, »Leidet an Muskelschwund«, »Führt ein Leben in absoluter Dunkelheit«. Die Liste der Bilder, mit denen Journalisten Behinderung umschreiben, ließe sich beliebig fortsetzen. Ihnen allen ist zu eigen, dass sie beim Leser sofort als bekannt vorausgesetzt werden können. Wie jedem Leser sofort klar ist, was unter einer Regierung »mit der eisernen Hand« zu verstehen i...

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Streitfrage: Sollte das Mohammed-Video verboten werden?

Ein Film erregt derzeit die Muslime weltweit. In »Die Unschuld der Muslime« wird der Prophet Mohammed verunglimpft. Mehrere Botschaftsgebäude westlicher Staaten in der arabischen Welt wurden bereits angegriffen. Es gab Tote: Unter anderem fiel der Botschafter der Vereinigten Staaten in Libyen dem gewaltsamen Protest zum Opfer. Eine rechtspopulistische Splitterpartei will den umstrittenen Strei...

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Blick durch die Wolken

Der europäische Wettersatellit Metop-B umkreist seit Anfang der Woche die Erde. Eine »Sojus«-Trägerrakete hatte den Satelliten vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan auf die Umlaufbahn gebracht. Der über vier Tonnen schwere Messapparat soll in einer Umlaufbahn in 817 Kilometern Höhe mindestens fünf Jahre lang die Pole überfliegen. Pro Tag soll er 14 Mal von Pol zu Pol unterwegs sein. Erst ...

Grünes Arabien lockte

Cambridge (dpa/nd). Der moderne Mensch konnte Afrika erst vor 70 000 bis 55 000 Jahren verlassen. Voraussetzung dafür seien Klimaveränderungen gewesen, berichten britische Anthropologen in den »Proceedings« der Nationalen Akademie der Wissenschaften in den USA (»PNAS«). Damals sei im Nordosten Afrikas und auf der Arabischen Halbinsel das Klima günstiger geworden und der Meeresspiegel ausreichend g...

Martin Koch

Die verwechselte Dreizehn

Fragt man nach dem Schöpfer der Relativitätstheorie, fällt die Antwort nicht schwer: Albert Einstein. Zwar haben auch andere Wissenschaftler hierzu wichtige Vorarbeiten geleistet, Hendrik Antoon Lorenz zum Beispiel und Henri Poincaré. Dennoch hat erst Einstein jenes imposante physikalische Gedankengebäude errichtet, das heute zurecht seinen Namen trägt. Das gilt nicht für alle Entdeckungen. Neh...

ndPlusReimar Paul

Gibbons und Mausmakis im Labor

Vor exakt zwei Jahren vermeldete das Deutsche Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen eine »kleine Sensation«. Wissenschaftler des Zentrums hatten im Dschungel Südostasiens eine neue Menschenaffenart entdeckt. Die nördlichen Gelbwangen-Schopfgibbons (Nomascus annamensis) leben in Baumwipfeln des schwer zugänglichen Berglandes zwischen Vietnam, Laos und Kambodscha. Untersuchungen des Erbmaterials und ei...

Seite 29
Udo Bartsch

Taktik und Bluff

Ein Segelschiff ankert vor der Vulkaninsel Santa Cruz. Die Ankömmlinge erkunden das Eiland per Kanu und zu Fuß. Sie entdecken reiche Fischvorkommen, Zuckerrohr oder gar Gold, errichten Häuser, Kirchen und Leuchttürme. Dies alles folgt einem Plan, denn jeder besitzt Wertungskarten, die nur er selber kennt. Sie bestimmen beispielsweise, dass alle Bauten am Fluss Punkte zählen oder alle Häuser an Gol...

Nicht Augustus, sondern Alfred
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Nicht Augustus, sondern Alfred

Die heutige Kolumne ist dem nd-Leser und Schachexperten Rainer Staudte aus Chemnitz gewidmet. Er schickte mir jüngst eine E-Mail mit der er mich schachhistorisch korrigierte: Am 26. Mai 2012 war mir unter der Überschrift »Sensationell« ein Fehler unterlaufen. In jenem Artikel veröffentlichten wir ein Problem in drei Zügen, und ich schrieb die Autorenschaft jener Komposition Augustus Mongredien...

Wissen, punkten, gewinnen

● An vier Wochenenden stellen wir jeweils drei Fragen. Sie beziehen sich auf historische Daten der Folgewoche. ● Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. ● Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im »nd« gesammelt. ● Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird unter Ausschluss de...

Prof. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe

Blattläuse machen vielen Appetit

Blattlausfeinde nennt man sie, obwohl von Feindschaft eigentlich keine Rede sein kann. Aber Blattlausfresser wäre auch nur die halbe Wahrheit. Bleiben wir zunächst bei den populären Vertretern. Sicher fallen jedem zunächst die allbekannten Marienkäfer ein, die sowohl als Larven wie als Imagines, also eigentliche Käfer, Blattläuse fressen. An zweiter Stelle wäre an Schwebfliegen zu denken, die ...

Erkunden, ausprobieren, schlau machen

Vom 5. bis 7. Oktober findet in Leipzig wieder die Messe modell-hobby-spiel statt. Erneut mit erweiterter Beteiligung, denn Spielen und Spiele liegen voll im Trend. Was aber genau begeistert uns an ihnen? Spannung, Zeitvertreib? Lernen wir dabei sogar etwas? Warum ist gerade Spielen für Kinder so wichtig? Wir fragten die Entwicklungspsychologin Daniela Kobelt Neuhaus.

Seite 31
ndPlusHeidi Diehl

Schau mir auf die Waden, Kleine!

»Das geht gar nicht«, meint Franz Grasegger, und meint damit die extrem offenherzigen Dirndl, die man derzeit wieder auf dem Münchner Oktoberfest sehen kann. Dabei hat der 26-Jährige weiß Gott nichts gegen tiefe Einblicke. Beim Dirndl aber ist er Traditionalist, und traditionelle Dirndl zeigen weder Schulter noch Knie. Grasegger muss es wissen, ist er doch gewissermaßen mit einer Tracht zur Wel...

Seite 32
Hans-Dieter Schütt

Acht mal: !!!!!!!!

Das auf dieser Seite abgedruckte Gedicht von Theodor Storm hat 8 (acht!) Ausrufezeichen. Dies ist doch eher ein Erkennungs-Sprachzeichen der Warner, der Lehrer, der theoriefesten Beschwörer, der politischen Befeuerer. Selten dagegen, dass zur Lust am Leben derart ungehemmt und leidenschaftlich fordernd gebeten, nein: aufgerufen wird! Und das auch noch anlässlich des Herbstes, der Dunkelzeit also, ...

Seite 34
Jürgen Reents

Editorial

Was ist los in der Eurozone? 32-seitige Beilage ? heute für nd-Abonnenten, ab Dienstag als Magazin am Kiosk

Seite 35
ndPlusOskar Lafontaine

Warum sinkt das Schiff?

Wer will, dass die EU so bleibt wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt. Denn in der heutigen Verfassung hat Europa keine Zukunft. Die europäische Linke, die gegen den Vertrag von Maastricht und den Vertrag von Lissabon protestierte, hat dies schon früh erkannt. Inzwischen zweifeln auch Banken, Hedgefonds und Besitzer großer Vermögen an der Zukunft des Euro und ziehen ihr Geld aus europäischen...

Seite 36
Tom Strohschneider

Steigende Preise - schwindende Hoffnung?

»Die Welt verliert das Vertrauen in den Kapitalismus«, titelte unlängst eine große Tageszeitung. »Deutsche wünschen sich eine neue Wirtschaftsordnung«, hieß es nur ein paar Tage später in einem anderen Blatt. Die Krise hinterlässt im Bewusstsein der Menschen, in ihren Ansichten über ökonomische Regeln und politische Strukturen ihre Spuren - und sie tut dies von Land zu Land in unterschiedlicher We...

Seite 38
ndPlusDieter Janke

Die Krise zeigt die Mängel der europäischen Einigung auf

Die Schaffung einer gemeinsamen Währung war die Konsequenz der (west-)europäischen Integrationsbestrebungen seit den 1950er Jahren. Mit dem sogenannten Werner-Plan von 1970 wurde die stufenweise Realisierung einer Wirtschafts- und Währungsunion auf dem Kontinent bereits bis 1980 avisiert. Mit dem Ausbruch der Ölkrise von 1973 legte man dies aber zunächst wieder ad acta. Mit dem Europäischen Währun...

Seite 39
Kurt Stenger

Schuldenkrise? Systemkrise!

Angela Merkel sieht die Schuld an der Krise bei einigen Ländern mit schludriger Haushaltspolitik. Dabei sind die Finanzmärkte außer Rand und Band geraten und verweigern einigen Staaten die übliche Schuldenrefinanzierung zu normalen Konditionen.

Seite 40
Solidarität in der Krise für die Zeit nach der Krise
ndPlusAnke Stefan, Athen

Solidarität in der Krise für die Zeit nach der Krise

»Metropolitanes soziales Gesundheitszentrum von Elliniko« steht auf dem Schild über der Eingangstür. Die Straße hat keinen Namen, der Flachbau liegt auf dem Gelände der ehemaligen US-amerikanischen Militärbasis südöstlich Athens. Etwa 120 Freiwillige, die Hälfte davon Ärzte, Pharmazeuten und Angehörige anderer Pflegeberufe, betreiben hier seit Ende 2011 ein selbstverwaltetes Gesundheitszentrum. Hi...

Seite 42
Anna Maldini

Arbeiter aller Regionen vereint - auch ohne die Gewerkschaften

»Mir fällt es schwer, optimistisch zu sein. Ich habe das Gefühl, dass sich die Beschäftigungs- und Industriekrise im kommenden Herbst noch verschärfen werden. Leider müssen wir sagen, dass überhaupt keine Fortschritte gemacht wurden«. Diesen negativen Ausblick bietet Susanna Camusso, Generalsekretärin der größten italienischen Gewerkschaft, der CGIL. Anders gesagt: Italien steht ein heißer Herbst ...

Seite 44
Besetzungen gegen faule Kredite und Bürgschaften
ndPlusStephan Lindner

Besetzungen gegen faule Kredite und Bürgschaften

Seit Ausbruch der Immobilienkrise steht bei Rafa Mayoral das Telefon nicht mehr still. Er ist Anwalt und lebt in Madrid. Im Februar 2009 gründete er zusammen mit Gleichgesinnten die »Plattform für die Opfer des Hypothekengeschäfts«. Mittlerweile ist die Organisation in ganz Spanien aktiv. Der Mittdreißiger ist für die Koordination der Aktivitäten in der spanischen Hauptstadt zuständig. Wie la...

Seite 46
Grit Gernhardt

Wer sind die Krisenmanager?

Die Europäische Kommission ist ein länderübergeordnetes (supranationales) Organ der EU. Sie arbeitet Gesetzesvorschläge aus und überwacht zudem, dass die EU-Mitglieder sich an europäisches Recht halten. Bei Verfehlungen kann die Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof klagen. Idealerweise sollen die Kommissionsmitglieder die Interessen der EU und nicht die ihrer jeweiligen Herkunftsstaaten ver...

Seite 50
Maya Kristin Schönfelder

Kreativ im Kampf gegen die Krise

Sonntagnachmittag am böigen Strand von Porto. Dicht an dicht stehen die Autos vor der Strandpromenade. Was wie ein wilder Parkplatz aussieht, ist Naherholung auf portugiesisch. In allen Autos sitzen Paare im mittleren Alter. Sie hören Radio, essen Butterbrote und schauen dabei aufs Meer. »Das ist die portugiesische Krisen-Version einer Villa mit Aussicht«, erklärt Filipa Miranda und lacht. Si...

Seite 52
ndPlusChristiane Sternberg, Nikosia

Das Zauberwort heißt Rusfeti

Herr Yang Qi lässt einen Multi-Millionen-Deal platzen. Dabei war das Geschäft beinahe perfekt. Seine Firma Far Eastern Phoenix wollte aus dem alten Flughafengelände in Larnaka auf Zypern einen Umschlagplatz für chinesische Güter machen. Doch Anfang August berichtete die zyprische Tageszeitung »Politis« von den Verstrickungen des Investors mit einem Ex-Botschafter in China und dessen Frau, die bis ...

Seite 54
Hermannus Pfeiffer

Der Gewinner ist ... Deutschland

Des Einen Freud, des Anderen Leid - ein Spruch, der auch für Krisen im Kapitalismus gilt. Und beim weltweiten Standortwettbewerb ist es sogar zwangsläufig so, dass die Überschüsse des einen Landes die Defizite von anderen ist. In der Eurozone kann vor allem Deutschland sehr gut mit dem Status Quo leben.

Seite 56
Anzeichen von Panik zeigen nur die Superreichen
ndPlusSusanne Götze

Anzeichen von Panik zeigen nur die Superreichen

An der Pariser Bastille ist alles beim Alten. Geschäftsmänner in blütenweißen Hemden sitzen an schwülen Spätsommerabenden bei einem Rendezvous auf den Terrassencafés vor der Oper, am nahen Hafen schenken die Ober Pastis und Rotwein an gackernde Mädchengruppen aus und Touristen schauen neidisch auf die fesche Mode der flanierenden Liebespärchen. Krise sieht anders aus. Im Mai hatten auf dem Pl...

Seite 58
Islands Wirtschaft wächst wieder - aber zu welchem Preis?
ndPlusAndré Anwar, Stockholm

Islands Wirtschaft wächst wieder - aber zu welchem Preis?

Während der Euroraum in der Krise steckt, hat sich Island nach seinem Zusammenbruch von 2008 wieder aufgerappelt. Die Wirtschaft wächst dank Fischfang, deutlich entwerteter Krone und einem beginnenden Massentourismus wieder. Der kleine Inselstaat hat vorgemacht, wie eine Banken- und Finanzkrise überwunden werden kann - ohne Massenarbeitslosigkeit und Verarmung großer Bevölkerungsteile. Den Euro wollen die Isländer nun nicht mehr.

Seite 60
Kurt Stenger

Merkel-Weg, Euro-Crash oder soziale Integration

Es gibt immer Alternativen - das kann nicht einmal die Kanzlerin mehr bestreiten. Ökonomisch denkbar und realistisch sind drei unterschiedliche Szenarien, wohin die Eurozone steuert.

Seite 61
Selbstermächtigung der Bürger - nicht der Politik
ndPlusDaniela Dahn

Selbstermächtigung der Bürger - nicht der Politik

Wenn führende Philosophen und Wissenschaftler des Landes von »Fassadendemokratie« oder »simulativer Demokratie« sprechen, findet sich kein Politiker mehr, der da noch widersprechen würde. Stattdessen wird eingeräumt, die Politik müsse sich wieder selbst ermächtigen. Jene Politik also, die seit Jahren eifrig an ihrer Selbstentmachtung gearbeitet hat. Die Politiker haben diese Macht nicht etwa unter...

Seite 62

Occupy musste nicht links sein

Die Interventionistische Linke (IL) ist ein bundesweiter Zusammenschluss linker Initiativen. Die Gruppe Theorie.Organisation.Praxis (TOP B3rlin) ist im bundesweiten umsGanze!-Bündnis organisiert. Beide Bündnisse haben im Frühling 2012 Krisenproteste wie die Blockupy-Aktionstage in Frankfurt initiiert. Mit Vertreterinnen der beiden Gruppen sprach nd-Redakteur Simon Poelchau.

Seite 63
Kleine Erfolge statt Revolution
ndPlusDominic Heilig

Kleine Erfolge statt Revolution

Die seit über fünf Jahren andauernde Wirtschafts- und Finanzkrise verschärft sich und ist längst zu einer sozialen Krise in Europa geworden. Das Modell des europäischen Sozialstaates steht wie der demokratische Rechtsstaat mehr denn je zur Disposition. Die radikale Linke kämpft und demonstriert - noch ohne die notwendige Stärke und einen durchsetzungsfähigen Plan. Immerhin zwei Wahlgänge be...

Seite 64
Absagen
Hans-Dieter Schütt

Absagen

Graffito ist »ein Orakel des Vakuums, das sich Gegenwart nennt« (Jean Baudrillard). Mit zynischen, also witzig wahren Absagen an jede falsche Hoffnung beschmutzt es jene Kulisse, die beteuert, es sei alles noch in Ordnung. Europa, das mit dem Euro einen ideenpolitischen Glanzpunkt setzen wollte, steht nur mehr für den Stress, den solche Einbildungskraft auslösen kann. Dem Kontinent, der sich in de...