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Occupy versteht jeder

Mit dem Slogan »Wir sind die 99 Prozent« ist Occupy in den USA erfolgreich gewesen, sagt der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz im nd-Interview: Weil jeder versteht, was damit gemeint ist. Selbst den US-Wahlkampf hat die Bewegung damit geprägt, meint der Top-Ökonom. Die Hauptkritik am republikanischen Kandidaten Mitt Romney sei, »dass die Reichsten nicht ihren gerechten Anteil an den Steu...

Unten links

Das Korsakow-System - nicht zu verwechseln mit dem Korsakow-Syndrom, einer Form der Gedächtnisstörung - ist ein Modell zur basisdemokratischen Steuerung von Podiumsgesprächen. Wie das funktioniert, war jüngst bei einer sogenannten Kontroverse zum Urheberrecht zu beobachten: Das Publikum entschied mittels Laserpointern, über welche Aspekte gesprochen wurde - und von wem. Mögliche Fragen und die Nam...

Simon Poelchau

EU-Bankenaufsicht kommt

Bis zum 1. Januar soll der rechtliche Rahmen für eine europaweite Bankenaufsicht feststehen.

ndPlusAlexis Tsipras

Merkels Sparkurs ist die Krise

Europa braucht einen neuen Impuls. Einen Impuls der Solidarität und der Demokratie. Das ist unsere gemeinsame Pflicht, schreibt der Vorsitzende des linken griechischen Parteienbündnis SYRIZA

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Ralf Streck, San Sebastián

Rajoy fürchtet Quittung

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy fürchtet bei den Regionalwahlen in seiner Heimatprovinz Galicien einen Denkzettel für seine Austeritätspolitik. Seine Volkspartei stellt bisher dort eine knappe Mehrheit.

Ralf Streck, San Sebastián

Basken mit regionaler Präferenz

In den Autonomen Gemeinschaften Baskenland und Galicien werden am Sonntag neue Parlamente gewählt. Der Ausgang beider Wahlen ist für ganz Spanien von Bedeutung: In Galicien im Nordwesten des Landes stimmen die Wähler nicht zuletzt über die drastische Sparpolitik von Premier Mariano Rajoy ab, der selbst Galicier ist. Im Baskenland dagegen steht die Frage im Mittelpunkt, wie stark die Separatisten aus der ersten Wahl nach dem Ende der Untergrundbewegung ETA hervorgehen werden.

Die Schotten zeigen den Weg

Die Schotten zeigen den Weg

Der 40-jährige Anwalt und Menschenrechtsaktivist Julen Arzuaga ist unabhängiger Kandidat für die baskische Linksformation »Euskal Herria Bildu« (Baskenland Vereinigen). Er stammt aus Laudio in der Provinz Araba und ist im Schattenkabinett Minister für »Bürgerliche Freiheiten«. Darin sollen Justiz- und Innenressort weitgehend zusammengelegt werden, um der Normalisierung im Friedensprozess mit Spanien Rechnung zu tragen. Ralf Streck sprach mit ihm.

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Gut ist, was den Armen hilft

Gut ist, was den Armen hilft

Der 1943 geborene Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft und ist Autor. In seinem neuen Buch »Der Preis der Ungleichheit. Wie die Spaltung der Gesellschaft unsere Zukunft bedroht« (Siedler Verlag, 24,99 Euro) widmet sich der Ökonom der größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich. Im Berliner Hotel de Rome stellte er sein Buch dieser Tage vor. Mit ihm sprachen für »nd« Martin Ling und Simon Poelchau.

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Ines Wallrodt

Zelt, Zentrum, Frankfurt

Ein Tag Alternativen zur Krisenpolitik, ein Tag Protestplanung - Blockupy ist am Wochenende erneut in Frankfurt.

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Koalitionäre Abrissbirne

Berlin (nd-Oertel). Obwohl Union und FDP in ihrem Koalitionsvertrag 2009 vereinbart hatten, dass der Stadtumbau Ost nicht durch ungelöste Altschuldenprobleme gefährdet werden dürfe, soll es nun doch nicht die damit angekündigte Anschlusslösung für die bis Ende 2013 laufende Altschuldenhilferegelung für ostdeutsche Wohnungsunternehmen geben. Darauf verwies die wohnungspolitische Sprecherin der Link...

Abitur soll vergleichbar werden

Berlin (nd-Amendt). Die Abitur-Prüfungen in Deutschland sollen vereinheitlicht werden. Künftig wird es in den Fächern Deutsch, Mathematik sowie in den Fremdsprachen Englisch und Französisch bundesweit verbindliche Bildungsstandards geben. Das beschloss die Kultusministerkonferenz (KMK) am Donnerstagabend zum Abschluss ihrer zweitägigen Sitzung in Hamburg. Die Standards sollen ab dem Schuljahr 2014...

Fabian Lambeck

Gefährlicher als der NSU

Der vor wenigen Tagen veröffentlichte Verfassungsschutzbericht 2011 für Mecklenburg-Vorpommern geht nur sehr oberflächlich auf des Wirken der NSU-Terrorzelle ein. Deutlich mehr Platz räumt die Behörde einer linken Musikgruppe ein. Dabei offenbaren die Beamten erschreckende Wissenslücken.

ndPlusRené Heilig

Raucher bevorzugt

Der »Düringer Dödel-Dienst« (DDD) (amtlich: Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz) versucht offenbar, bei der Linkspartei Spitzel anzuwerben. Der Geheimdienst schickte einen Mitarbeiter ausgerechnet ins Umfeld der Landtagsabgeordneten Katharina König, die Mitglied im NSU-Untersuchungsausschuss ist.

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Opferfest soll Ende der Opfer bringen

Damaskus (AFP/nd). Der internationale Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi hat seine Bemühungen um eine Waffenruhe am Freitag mit einem Besuch in Damaskus fortgesetzt. Dort will er mit Regierungsmitgliedern und mit Präsident Baschar al-Assad über eine Feuerpause verhandeln. Brahimi will am heutigen Sonnabend mit Außenminister Walid al-Muallim zusammentreffen, für die Begegnung mit Assad stand...

Oliver Eberhardt

Demokratie der knappen Alternativen

In den Palästinensischen Autonomiegebieten wird heute zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder gewählt. Insgesamt 4969 Kandidaten bewerben sich um Sitze in den Kommunal- und Regionalparlamenten. Die meisten davon gehören der regierenden Fatah an; die Hamas boykottiert die mehrmals verschobene Wahl.

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»Pussy Riot« werden Fall für Straßburg

Moskau (epd/nd). Die auf Bewährung freigelassene Moskauer Punkmusikerin Jekaterina Samuzewitsch klagt am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Wie die russische Zeitung »Kommersant« berichtete, hält Samuzewitschs Anwältin auch die Bewährungsstrafe ihrer Mandantin für eine Verletzung des Rechts auf Meinungsfreiheit. Die beiden zu Haftstrafen verurteilten Musikerinnen bereiten de...

Irina Wolkowa, Moskau

Russlands Protestführer in Nöten

Es sollten ganz andere Wahlen werden, als sie Russland bisher erlebt hat: Die Protestbewegung, die sich eben an Wahlverfahren und Wahlmanipulationen entzündet hat, will an diesem Wochenende einen Koordinationsrat bestimmen, eine einheitliche Führung.

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Ozeandampfer KMK

Mit der Kultusministerkonferenz (KMK) ist es wie mit einem großen Ozeandampfer - wenn man die Richtung ändern will, ist der Weg weit und die Zeit lang. Mit den neuen Regelungen für die Abiturprüfung, die jetzt von der KMK beschlossen wurden, versucht der große Dampfer KMK zwar eine Kurskorrektur, der Weg zu bundeseinheitlichen Bildungsstandards ist aber noch ein weiter, und es ist fraglich, ob die...

Gemischte Gefühle

Die Bankenaufsicht, sie kommt. Ob das der große Durchbruch in der Krise ist, bleibt fraglich. Sie hinterlässt auf allen Seiten gemischte Gefühle. Bundeskanzlerin Merkel konnte bremsen und setzte sich damit bei der Zeitfrage durch. Dafür dürften Hollande und Co. gewonnen haben, weil mit der kommenden Finanzaufsicht strauchelnde Banken wahrscheinlich bald direkt Geld vom Rettungsschirm ESM bekommen ...

Alte Schuld

Das Thema Altschulden beschäftigt Wohnungsunternehmen, Kommunal- und Landespolitiker und mit ihnen nicht zuletzt Millionen Mieter in den inzwischen gar nicht mehr so neuen Ländern. Und das jetzt schon mehr als zwei Jahrzehnte. Und es mag auch sein, dass der »Wessi« es inzwischen nicht mehr hören kann, wenn im Osten im Jahr 23 der Einheit immer noch nach Anschlussregelungen für einheitsbedingte Son...

ndPlusAndreas Jacob

Feuertaufe

»Politik ist, was du draus machst«, twittert ein Pirat, der Plenarsitzungen im Berliner Abgeordnetenhaus »ganz großes Theater« nennt. Der glaubt, dass seine Partei dieses »Theater« noch lernen müsse. Vielleicht hat Martin Delius lange vor dem Spiegel geübt. Vielleicht aber ist er tatsächlich in der Sache so konzentriert. Sein erster Auftritt als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses zum Flugha...

Wie gefährlich ist Indect?

nd: Herr Hammerschmidt, was wird bei Indect erforscht?Hammerschmidt: Indect steht für »Intelligentes Informationssystem zur Unterstützung von Überwachung, Suche und Erfassung für die Sicherheit von Bürgern in städtischer Umgebung«. Die reale Welt soll dabei mit dem Internet verknüpft werden. Videokameras auf der Straße liefern Bilder an ein Rechenzentrum. Dann wird versucht, einen Menschen, der si...

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Peinliche Panne bei Google-Quartalsbericht

New York (dpa/nd). Selbst ein Weltkonzern ist nicht vor peinlichen Pannen gefeit: Googles neue Geschäftszahlen wurden am Donnerstag mehrere Stunden zu früh veröffentlicht, noch während des laufenden US-Börsenhandels. Zuerst herrschte Verwirrung, dann drückten die Aktienhändler auf den Verkaufsknopf. Denn massiv gestiegene Kosten etwa durch den Kauf des Handyherstellers Motorola ließen den Gewinn s...

Interessenten für die Peene-Werft

Am 1. November wird das Insolvenzverfahren für die P+S-Werften eröffnet. Der Großteil der Mitarbeiter wechselt in eine Transfergesellschaft. Der Insolvenzverwalter will die beiden Standorte erhalten.

Harald Neuber

Gesundheit und Geschäfte

Beim bevorstehenden »Weltgesundheitsgipfel« stehen dem philanthropischen Anspruch Geschäftsinteressen entgegen.

ndPlusElke Windisch, Moskau

Ölmarkt wird aufgemischt

Der Ölmarkt steht vor einem spektakulären Milliarden-Deal: Mit Rückendeckung von Präsident Wladimir Putin soll der russische Staatskonzern Rosneft zum größten börsennotierten Ölförderer der Welt aufsteigen.

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Subel Bhandari, dpa

Anfang mit kleinen Pannen

Zuschauer, die das Spiel in der Halbzeit für beendet halten. Reporter, die Spieler während des Matches interviewen wollen. An die neue Fußball-Liga müssen sich die Afghanen noch gewöhnen. Begeistert sind sie schon jetzt, wie nicht nur das Finale bewies.

ndPlusJirka Grahl

Immer weiter bergab

Ist es konsequent oder verlogen? Die niederländische »Rabobank« will künftig kein Profiradteam mehr sponsern. Die Großbank, deren orange-blaue Trikots seit 1995 zum Peloton gehören, begründete den Rückzug mit den aktuellen Enthüllungen im Fall Lance Armstrong. Allerdings war auch bei Rabobank im Jahr 2012 das Thema Doping ziemlich aktuell.

Gewaltdiskussion wird nur vorgeschoben

Der 1. FC Union Berlin hat das DFL-Konzeptpapier »Sicheres Stadionerlebnis« als erster Klub abgelehnt. Über die Positionierung des Vereins sprach »nd« mit JACOB RÖSLER (33), Lehrer und Leitungsmitglied der Fan- und Mitgliederabteilung (FuMA) des Zweitligisten.

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Wärmster 18. Oktober

(dpa). Neue Temperaturrekorde für einen 18. Oktober sind am Donnerstag in der Region aufgestellt worden. Am wärmsten war es in Manschnow (Märkisch-Oderland) mit 21,7 Grad, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Bisher gab es bei Messungen niemals Temperaturen über 20 Grad. ...

Mehrsprachige Kinder-Hotline

(epd). Die Berliner Kinderschutz-Hotline wird künftig auch auf Türkisch und Arabisch beraten. Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) und Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) geben am Montag beim Berliner Jugendnotdienst im Stadtteil Charlottenburg den offiziellen Startschuss für das neue Beratungsangebot. Die Hotline wurde Anfang Mai 2007 freigeschaltet und ist rund um die Uhr unter der Nummer 030 ...

WLAN wird öffentlich

(dpa). Im Zentrum von Berlin kann seit Freitag zeitweise kostenlos im Internet gesurft werden. Der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland und die Medienanstalt Berlin-Brandenburg starteten ein öffentliches WLAN-Netz zunächst als Pilotprojekt. Zum Start wurden 44 WLAN-Hotspots für den drahtlosen Netzzugang in Berlin-Mitte und dem Bezirk Prenzlauer Berg freigeschaltet, sagte Kabel-Deutschland-Chef ...

Strafe nach Kleinkind-Sturz

(dpa). Nach dem Sturz eines kleinen Jungen aus dem fünften Stock eines Mietshauses muss ein Rentner 2700 Euro Strafe zahlen. Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte den 61-Jährigen am Freitag wegen fahrlässiger Körperverletzung. Das Kind kam mit Kratzern davon, es war weich auf ein Gebüsch und Erde gefallen. Am 19. Februar 2012 hatte der Informatiker seine Wohnung in Marzahn für eine halbe Stunde v...

Weiter so

Hartnäckiger Widerstand zahlt sich eben doch aus. Der Bezirk wollte sie wegsparen, doch mit ihrer mutigen Aktion und ihrem beharrlichen Engagement haben die Pankower Senioren ihr Ziel schließlich erreicht. Ihre Ende Juni offiziell bereits abgemeldete Begegnungsstätte bleibt erhalten. Natürlich ist der Ausgang der Verhandlungen zwischen Bezirk und Volkssolidarität abzuwarten, könnte doch der B...

ndPlusBernd Kammer

Zeit der Aufklärung

Seit gestern wird wird das Flughafendesaster aufgeklärt: Der BER-Untersuchungsausschuss tagte zum ersten Mal. Seine neun Mitglieder - drei von der SPD, je zwei von CDU und Grünen sowie je eines von LINKE und Piraten - haben sich viel vorgenommen. Er will herausfinden, was bei dem größten ostdeutschen Verkehrsprojekt schief gelaufen ist und warum seine Kosten mit bisher 4,4 Milliarden Euro so aus d...

Jérôme Lombard

Alt-Besetzer feiern in der Stillen Straße

Zu einer Siegesfeier haben die Alt-Besetzer der Pankower Stillen Straße für den Samstag ihre Sympathisanten und Unterstützern eingeladen. Sie wollen für ihre Mithilfe und Solidarität danken. Die Zukunft der Seniorenbegegnungsstätte in der Stillen Straße 10 in Pankow ist gesichert. Am späten Donnerstagnachmittag nahm der Finanzausschuss der Bezirksverordnetenversammlung nahezu einstimmig einen ...

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Kirche lädt zu Kunstauktion

(epd/nd). Etwa 100 Gemälde, Grafiken und Skulpturen kommen am Sonntag bei einer Versteigerung in der Berliner Heilig-Kreuz-Kirche unter den Hammer. Für die zum 17. Mal stattfindende traditionelle Kunstauktion der evangelischen Landeskirche zugunsten von Migranten und Flüchtlingen wurden in diesem Jahr rund 650 Werke gespendet. Die Arbeiten stammen den Angaben zufolge unter anderem von Johannes Grü...

DHM feiert 25-jähriges Bestehen

(epd/nd). Eine der meistbesuchten Kultureinrichtungen in der Bundesrepublik feiert am Dienstag sein 25_Jähriges. Das Deutsche Historische Museum (DHM) lockt jährlich mehrere hunderttausend Menschen in seine Ausstellungen. Gegründet wurde es am 28. Oktober 1987 anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins. Auf den ursprünglich geplanten Neubau am Ort des heutigen Kanzleramtes wurde nach der deutschen Vere...

ndPlusLucía Tirado

Tierisch gute Punk-Band

Welch ein imposantes russisches Dörflein. Kein Brett sitzt bei den Häuschen gerade auf dem anderen. So von außen betrachtet urgemütlich. Wenn man nicht länger darin leben muss, dachten sich wohl die Bewohner und machten sich davon in einen Neubaublock ein paar Kilometer weiter. Die übrig gebliebene Bürgerin Prostokwaschno kann gut und gern der frisch eingetroffenen Gruppe anbieten, sich eines der ...

Caroline M. Buck

Der dokumentarische Herzog

Wenn von Werner Herzog die Rede ist, werden die meisten an die legendären Spielfilme mit Herzogs »liebstem Feind« und häufigem Star Klaus Kinski denken, an »Fitzcarraldo« oder »Aguirre, der Zorn Gottes«, an den Flussdampfer, der über amazonische Bergrücken gezogen wird, oder an Kinskis wahnsinnigen Conquistador, allein auf einem Floß dem Untergang entgegensehend, belagert von Totenkopfaffen. Aber ...

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Negativpreis nach Sachsen

Nürnberg/Leipzig (epd/nd). Die Evangelische Obdachlosenhilfe in Deutschland (EvO) hat am Freitag in Nürnberg ihren Negativpreis, den »Verbogenen Paragrafen«, an den Kommunalen Sozialverband Sachsen verliehen. Der Sozialhilfeträger verlange für die persönliche Hilfe eines Obdachlosen durch einen Sozialarbeiter eine aufwendige Prüfung des Vermögens und des Einkommens des Betroffenen, wie der Vorsitz...

ndPlusPeter Nowak

Hausprojekt Linienstraße 206 unter Druck

Das bunte Gebäude in der Linienstraße 206 in Mitte fällt in der sterilen Umgebung der Lofts und Bungalows auf. Das Haus war 1990 besetzt worden. Anfang 2009 wurde es legalisiert. Die Mietverträge garantieren den Bewohnern das Leben in einem alternativen Wohnprojekt, in dem die Küchen gemeinsam benutzt werden und nicht alle Türen verschlossen werden. Doch jetzt geraten die Bewohner unter Druck. Mit...

ndPlusFabian Köhler

Jena und die Dynamik des Vorläufigen

Ein Wohnprojekt und alternatives Kulturzentrum soll im thüringischen Jena abgerissen werden. Verwundert ist darüber kaum jemand, denn die Schließung selbstorganisierter Kultureinrichtungen hat in Jena Tradition - nicht erst seit der rot-schwarz-grünen Koalition im Stadtrat.

Marina Mai

»Bruderland ist abgebrannt«

Es war einer ihrer ersten Schultage. Die kleine Angelika wurde von Mitschülern in eine Ecke gedrängt und dann sangen sie mit den Fingern in ihre Richtung abfällig ein Chinesenlied. Das dauerte nur wenige Minuten. »Dann war alles wieder vorbei und ich war eine ganz normale Mitschülerin«, erzählt Angelika Nguyen im Zentrum für Demokratie in Schöneweide. Nguyen, Jahrgang 1961, wuchs innerhalb ih...

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Andreas Fritsche

Bundesinstitut für Neuruppin abgesagt

Der Umzug der Abteilung Produktsicherheit nach Neuruppin werde »derzeit konkret geplant«. So stand es auch am Freitag noch auf der Internetseite des Berliner Bundesinstituts für Risikobewertung. Doch der Haushaltsausschuss des Bundestags hat die bereits seit zehn Jahren gehegten Pläne am Donnerstag gestoppt. SPD und LINKE stimmten dagegen. Die Grünen haben sich enthalten. Der Entschluss sei ein...

ndPlusRobert D. Meyer

Braunkohle macht krank

Der Marburger Bund (MB) und die uropäische Energieagentur (EEA) warnen vor den gesundheitlichen Folgen der Luftverschmutzung durch die Industrie. Laut den Ergebnissen einer am Freitag vorgestellten Untersuchung gehören Berlin und Brandenburg zu den Gegenden in Europa, »wo die Luftverschmutzungen der Industrie die höchsten Gesundheitskosten verursachen«. Grund dafür ist laut EEA die Häufung vo...

Volker Stahl, Hamburg

Vom Gründen einer Genossenschaft

Baugenossenschaften kommen wieder in Mode, besonders in Großstädten wie Hamburg. In Zeiten steigender Wohnungsnot, ausgelöst durch skrupellose Bodenspekulanten und verfehlte Stadtentwicklungspolitik, gewinnt das Prinzip des genossenschaftlichen Wohnens an Attraktivität. Die Vereinten Nationen haben 2012 zum »Internationalen Jahr der Genossenschaften« ausgerufen. Aus diesem Anlass ist in Hamburg ei...

ndPlusChristian Ebner, dpa

Die Bahn muss weg!

Selten hat ein Stück Beton eine Region so geteilt wie die vor einem Jahr eröffnete neue Landebahn am Flughafen Frankfurt am Main. Dessen Ausbau geht ungebremst weiter, der Protest lärmgeplagter Bürger auch.

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Linke Tasche, rechte Tasche
ndPlusChristina Matte

Linke Tasche, rechte Tasche

Axel und Jörg Heinrich Siemke sind Brüder. Sehr unterschiedliche Brüder: Axel ist Bauer, Jörg Heinrich Unternehmer. Man sieht ihnen das an. Besonders deutlich auf den Fotos, die anlässlich einer Auszeichnungsveranstaltung im niedersächsischen Landwirtschaftministerium entstanden: Axel, der Bauer, wirkt in seinem Anzug ein bisschen wie ein großer, verkleideter Junge. Jörg Heinrich dagegen: Geschäft...

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Mumble Meetings weltweit

Hunderte politische Aktivisten aus verschiedenen Kontinenten diskutieren zusammen über die Koordination anstehender Proteste und Aktionen. Reisekosten sind dafür keine entstanden. Das internationale Treffen findet in einem virtuellen Raum statt. Möglich macht die neue Form der Kommunikation die Sprachkonferenzsoftware »Mumble«. Das kostenlose, aus dem Internet herunterzuladende Programm beinhaltet...

ndPlusSilke Meyer

In den Händen der Nutzer

In virtuellen Räumen des Internets entwickeln sich - ebenso wie in der realen Welt - politische Initiativen, die sich für freie und basisdemokratische Verhältnisse einsetzen. Dazu gehört die Open-Source-Bewegung. Eine große Community mit meist ehrenamtlich Engagierten entwickelt und verbessert quelloffene Software, von der alle Computernutzer profitieren. Andererseits eroberten längst auch die außerparlamentarischen Bewegungen das Netz, nutzen die sozialen Netzwerke und Kommunikationsmittel.

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ndPlusRalf Hutter

Alle sind Community

Verglichen mit dem Raum sind die drei runden Uhren, die nebeneinander an der Wand hängen, extrem groß. Neben der Berliner Zeit zeigen sie die in San Francisco und Toronto an. Wer hier, in dem mit einem Dutzend Computern, einer Küchenzeile und einer Sitzecke ausgestatteten Büroraum in Berlin-Mitte arbeitet, muss nämlich ständig mit Leuten am anderen Ende der Welt kommunizieren. Es handelt sich ...

Kultur der Freiheit

Kultur der Freiheit

Hinter dem Internetbrowser Firefox steht nicht nur eine Firma und nicht nur eine große Schar ehrenamtlicher Mitarbeiter, sondern auch eine Stiftung. Sie kümmert sich um die kulturelle Dimension der Freie-Software-Bewegung. Mit Michelle Thorne von der Mozilla-Stiftung sprach Ralf Hutter.

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Nobelpreis
ndPlusBernd Zeller

Nobelpreis

Kritiker wenden ein, die EU wäre allenfalls Folge des Friedens auf ihrem Territorium und nicht Verursacher. Wie dem auch sei, der Friedensnobelpreis ist redlich verdient, denn die Mitgliedsstaaten führen unbestreitbar keinen Krieg mehr gegenei- nander. Das können nicht einmal die Bundesstaaten der USA von sich behaupten nach ihrem Bürgerkrieg. Ein Staatenbund ist also allein noch kein Garant fü...

Atheist oder normal?

Atheist oder normal?

In Goethes West-Östlichem Diwan wird der Eingang zum Paradies von einer schönen Jungfrau bewacht. Der Dichter begehrt Einlass. Sie stellt ihn auf die Probe: Ist er wirklich ein Kämpfer für den Glauben? Ob du unsern MosleminenAuch recht eigentlich verwandt?Ob dein Kämpfen, dein VerdienenDich ans Paradies gesandt?Der Dichter darauf:Nicht so vieles Federlesen!Lass mich immer nur herein:Denn ich b...

Walter Schmidt

Seelchen im Gesicht

Der Mensch ist zwar ein Augentier und sammelt die meisten Sinneseindrücke optisch. Doch auch rund um unser Riechorgan hat die Umgangsprache nicht umsonst erstaunlich viele, oft seelisch relevante Redensarten gebildet. So stinkt uns zum Beispiel ganz gewaltig, wer uns schon oft geärgert hat. Andere Menschen können sogar meist nett zu uns sein, und trotzdem können wir sie nicht gut riechen. Und dann...

Seite 21
ndPlusGabriele Winker

Care Revolution

Care Revolution ist ein politisches Konzept, das die grundlegende Bedeutung der sorgenden und pflegenden Tätigkeiten, auch Care Work genannt, für alle Menschen hervorhebt. Es knüpft an die Erkenntnisse feministischer Ökonomie an, wonach die lebensnotwendigen Arbeiten sozialer Reproduktion im hegemonialen Diskurs kaum Bedeutung erlangen. Care Work bleibt als typische Frauenarbeit, unbezahlt in Fami...

Seite 22
Wolfgang Weiß

Kein Naturereignis

Mit großem Pomp zelebrierte die Bundesregierung vor zwei Wochen ihren ersten Demografiegipfel. Der Bundesinnenminister hatte geladen, die Kanzlerin und acht Bundesministerien sowie Verbände, Gewerkschaften, Kirchen, Vereine und Kommunen waren dem Ruf gefolgt. Schon in der Eröffnungsrede verriet Innenminister Friedrich, worum es der Bundesregierung vor allem geht: um die Veränderungsbereitschaft der Bürger. Der demografische Wandel sei ein Konglomerat vielfältiger Probleme, deren Bewältigung nur ein finanzielles Thema ist, was unweigerlich sozialen Verzicht zur Folge hat, ohne Frage, wer die Opfer zu bringen hat. In sechs definierten Handlungsfeldern und neun Arbeitsgruppen blieb die Debatte bei der Suche nach der Verantwortung des Einzelnen und der Familie stecken. Unser Autor verweist darauf, dass alle jetzt alarmistisch interpretierten Probleme in der Wissenschaft seit Jahrzehnten bekannt sind, doch die Politik habe das bisher zumeist ignoriert. Und jetzt zöge sie die falschen Schlussfolgerungen.

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WOCHEN-CHRONIK

21. Oktober 1917: Inkognito kehrt W. I. Lenin aus seinem finnischen Exil nach Petrograd zurück, um die Revolution voranzutreiben. 22. Oktober 1797: In einem Park in Paris gelingt André-Jacques Garnerin der erste Sprung mit einem Fallschirm aus einem Ballon in 670 Meter Höhe. 24. Oktober 1857: Absolventen des Internats von Harrow gründen mit dem FC Sheffield den ersten Fußballklub der Welt....

ndPlusEnrico Hilbert

Erich Knorr

Mit der Ehrung »Held« konnte der gebürtige Claußnitzer auf sich bezogen nie etwas anfangen. Helden des antifaschistischen Widerstands waren für ihn jene, die ihr Leben gaben. Der vor 100 Jahren, am 24. Oktober 1912, geborene Erich Knorr musste als Angehöriger des Strafbataillons 999 mit ansehen, wenn die Nazi-Schergen ihre Opfer zur Hinrichtung auf den Heuberg brachten. Schon mit 15 Jahren war...

Suzanna Kupfermann

Ideale und Traumata

Endlich reden wir miteinander, war zu hören. Unter den über hundert Teilnehmern eines Kolloquiums vergangenes Wochenende in Berlin waren zahlreiche Nachfahren von Widerstandskämpfern in Deutschland und im Exil. Die Angehörigen der sogenannten Zweiten Generation, ein Begriff, der Differenzen nicht andeutungsweise abbildet, brachten ihre Familiengeschichten mit - die Geschichte ihrer Mütter und Väte...

ndPlusJohnny Norden

Als die Welt am Abgrund stand ...

Im Mai 1962 besuchte Nikita Chruschtschow, Generalsekretär der KPDSU und Vorsitzender des Ministerrats der Sowjetunion, Bulgarien. Für den dritten Tag seines Aufenthalts war ein Besuch in Burgas am Schwarzen Meer vorgesehen. Chruschtschow erinnerte sich später an seinen Spaziergang am Strand: ein sonniger Tag, das Meer windgepeitscht, und ein junger Mann aus seinem Beraterstab habe hinüber in Rich...

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Martin Hatzius

Reim auf die Woche

Fünf punkt drei der fiese Preisder Ökostrom-Umlage. Fünfundsiebzig Seiten starkdie Plagiatsanklage. Eins zu eins im Wahlduellder Weltmachtkandidaten.Vier zu null der Zwischenstandder DFB-Schwachmaten. Wird, des Sieges schwer gewiss,die Lust am Spiel vermieden,steht's am Ende vier zu vier,mithin: bloß unentschieden....

Einblicke in sein Werk

Die Berliner Akademie der Künste öffnet das Archiv des Theatermachers Christoph Schlingensief (1960-2010) für die Öffentlichkeit. Zur Sammlung gehören mehr als 40 Regalmeter Plakate, Briefe, Programmhefte, Fotos und Fan-Post, wie die Akademie mitteilte. Zur Öffnung des Archivs wird am 3. November die Schlingensief-Witwe Aino Laberenz die von ihr herausgegebenen Erinnerungen »Ich weiß, ich war's« v...

Enttäuschte Intendantin

Die Bayreuther Festspielleiterin Katharina Wagner hat die Arbeit an ihrer Kompaktversion von Richard Wagners »Ring des Nibelungen« in Buenos Aires vorerst abgebrochen. Unverrichteter Dinge reiste sie aus Argentinien ab, wo eigentlich am 27. November Premiere gefeiert werden soll. »Wir haben leider Bedingungen vorgefunden, unter denen man nicht arbeiten konnte - also überhaupt nicht«, sagte sie am ...

PLATTENBAU
Christian Klemm

PLATTENBAU

Fünf lange Jahre haben die Fans auf neues Material von Down gewartet. Die Band um den ehemaligen Pantera-Sänger Phil Anselmo hat sich tief in die Sümpfe Louisianas verkrochen, um mit einer Sechs-Song-EP zurückzukehren, die alles andere als leicht verdaulich ist. Die Südstaatler servieren auf »Down IV Part 1 - The Purple EP« richtig schwere Kost, die einem noch Stunden nach dem Hören quer im Magen ...

ndPlusWolfgang Bittner

Leichenfledderer

Wer ein literarisches oder wissenschaftliches Werk zu vertreten hat, wird es wissen: Zahllose Leichenfledderer sind unterwegs, um davon zu profitieren. Diese Leute, denen zumeist selber nichts Eigenständiges und erst recht nichts Originelles einfällt, bedienen sich. Hier stehlen sie schamlos Ideen oder Inhalte, dort verpassen sie dem Urheber und sich selbst eine neue Identität: dem Urheber, indem ...

Hans-Dieter Schütt

Mackie M. und Meister F.

Seltsam, dass wir mit Schauspielern unversöhnlicher aufwachsen als mit jedem Künstler anderer Gattungen (Musiker vielleicht ausgenommen). Unversöhnlich, das meint: Wir lassen uns die Erinnerung nicht antasten, wir bestehen auf fortdauernde Eindrücklichkeit - wir verweigern uns den Wertekorrekturen der Zeit. Die ersten Filme, die ersten Theatererlebnisse: Manifeste der Entschlossenheit, etwas nicht...

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Hans-Dieter Schütt

Der Tag ist ein Schutzmann

Vom Rückgrat sagt sie, es »glimme«. Leuchtfaden Charakter. Durchs Rückgrat jagen die Ströme, die das Leben anfachen, es ausmachen - in des Wortes doppelter Bedeutung. Elke Erb ist eine Meisterin in der geheimnisvollen sprachlichen Beschwörung von winzigen Wahrnehmungen; sie gibt den Realitäten des Alltags die Würde eines Rätsels zurück. Heimkehr in die Naivität, wo die Bedeutungen vor den Ahnungen...

ndPlusUwe Stolzmann

Die ewige Fremdheit in der Fremde

Sie wirkt recht grell: dunkle Rastalocken, der Lidschatten violett, die Lippen tiefrot. Sie ist ein Paradiesvogel, und sie schreibt aufregend gute Bücher - Sofi Oksanen, geboren 1977 als Tochter einer estnischen Mutter in Finnland. »Stalins Kühe« nennt sich ihr jüngster Roman. Die Ich-Erzählerin - der Vater ist Finne - heißt Anna, die doppelte Identität wird offenbar zum Problem, und just an ...

Macht. Wahrheit?

Crosby, Stills & Nash (CSN) ist die Folk-Supergruppe der Woodstock-Ära. Auch heute spielen die ergrauten Hippies noch überwältigende Konzerte. Nächstes Jahr wollen sie sich wieder mit Neil Young zu CSNY zusammentun. Zuvor veröffentlichen sie noch das aktuelle Live-Dokument »CSN 2012«. Olaf Neumann sprach mit Graham Nash (auf dem Foto: rechts, ansonsten: nach wie vor links) über alte und neue kämpferische Zeiten.

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DOKfilm: Lautlos sprechen

Oskar und Leo sind vierjährige Zwillinge. Oskar ist seit seiner Geburt gehörlos, Leo hörend. Die Kinder wachsen gemeinsam mit der Gebärdensprache auf. Martin Nguyen zeigt in seinem Film »Ich muss dir was sagen« (2006) wie selbstverständlich die beiden Kinder mit dem Handicap Oskars umgehen. Zum Weiterschauen: www.onlinefilm.org/de_DE/film/ 35085...

OUT of SPACE: Werbung rund um die Uhr

Die kommerziellen TV-Sender in Deutschland können hoffen. Die Medienaufsicht plant, die Werbezeitbeschränkungen für RTL und Co. zu lockern. Dass sie bislang lediglich maximal zwölf Minuten pro Stunde Werbung ausstrahlen dürften, sei ein Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Internet, sagte der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien, Siegfried Schneider, dieser Tage. Um die Privatsend...

ndPlusLorenz Matzat

BLOGwoche: Wider die Paywall!

Es gibt eine Branche, die im Netz überaus erfolgreich ist: Die Gamingindustrie. Und beim Verkauf von digitalen Produkten kann die Branche auf 40 Jahre Erfahrung blicken. Niemand macht es besser, wenn es um digitales Storytelling geht. Sicherlich sind Konzepte wie «Micropayment" nicht eins zu eins zu übertragen. Aber es gibt viel »best practice« dazu, was es zu beachten gilt, will man im Netz etwas...

Peter Nowak

»Volkes Stimme« ungefiltert

Der 60. Geburtstags von Deutschlands bekanntestem und berüchtigstem Boulevard-Blatt »Bild« ist schon eine Weile her, doch die Kritik am Springer-«Zentralorgan« ist nach wie vor aktuell. Zum Springer-Geburtstag haben die Soziologen Britta Steinwachs und Christian Baron unter dem Titel »Faul, frech, dreist« eine Untersuchung veröffentlicht, die sich anders als viele andere »Bild«-Kritiken nicht mit ...

ndPlusKatharina Dockhorn

Es gilt das gestrichene Wort

Lanz gegen Gottschalk, die Nachfolge des ungekrönten Königs der Samstagabend-Unterhaltung ist in aller Munde - allerdings ungewollt. Mit den Journalisten des »Focus« plauderte Lanz über Belanglosigkeiten, artig beantwortete der Schwiegermutter-Traum alle Fragen zu Erfolgs-Druck und der neuen Konkurrenz nach Gottschalks Wechsel zu RTL. Kein Aufreger, wäre da nicht dieses kleine Wörtchen »nicht« bei...

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Streitfrage: Sollten salafistische Vereine verboten werden?

Die Politik hat mit dem Salafismus eine neue Sicherheitsbedrohung in Deutschland ausgemacht. Salafisten sind Muslime, die sich an der Gründungszeit des Islam orientieren. Ihnen werden unter anderem Verbindungen zum islamistischen Terrorismus unterstellt. Ausgegangen wird von bis zu fünftausend Salafisten in Deutschland. Aufsehen erregten die radikalen Muslime zum einen mit Verteilungen des Kor...

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Nicht nur Rohstoff für Bier

Auch wenn das manchen erstaunen mag, das Erbgut (Genom) der meisten heute angebauten Getreidearten ist deutlich umfangreicher als das des Menschen und zudem ziemlich komplex. So besteht das Gerstengenom aus 5,1 Milliarden Basenpaaren, den »Buchstaben« des genetischen Codes. Beim Weizen sind es sogar 17 Milliarden. Dagegen nehmen sich die ca. 3,3 Milliarden Basenpaare des menschlichen Genoms recht ...

ndPlusSteffen Schmidt

Strafbare Entwarnung?

Fehlprognosen von Ökonomen kommen kaum je vor den Kadi, doch als Erdbebenforscher (Seismologe) lebt man offenbar gefährlich. In dem Beruf kann man sich, wie Beispiele aus den USA und jüngst Italien zeigen, leicht vor Gericht wiederfinden. War es in den USA vor Jahren die Ankündigung eines Erdbebens, das nicht stattfand, die zu einer Schadenersatzklage führte, so stehen seit einem Jahr im italienis...

Martin Koch

Wie aus Zufall Chaos wird

»Es ist unbestreitbar«, schreibt der bekannte niederländische Mathematikhistoriker Dirk J. Struik, »dass Moskau in den 1930er Jahren zu einem der größten mathematischen Zentren der Welt wurde.« Einer, der an dieser Entwicklung maßgeblichen Anteil hatte, war Andrej Nikolajewitsch Kolmogorow, als dessen größte Leistung die Axiomatisierung der Wahrscheinlichkeitsrechnung gilt. Geboren wurde Kolmog...

Hybrid am Himmel
René Heilig

Hybrid am Himmel

Mal ist es pfeilschnell, dann wieder steht es in der Luft, es wendet auf der Stelle, fährt »Fahrstuhl« nach oben wie unten. Das Ding, das jüngst auf der Luft- und Raumfahrmesse ILA bei Berlin die Blicke auf sich zog, um Bewunderung zu ernten, ist kein Hubschrauber und kein Flächenflugzeug. Es ist der X 3, ein neuer Coup der EADS-Tochter Eurocopter. Früher, in den 40er und 50er Jahren des verga...

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Brillant!
Carlos García Hernández, Schachlehrer

Brillant!

Nach der ersten Hälfte des »Chess Masters Final« in São Paulo (Brasilien) schien Fabiano Caruana (Italien; 20) der große Turnierfavorit zu sein. Er hatte Magnus Carlsen (Norwegen; 21) geschlagen und lag mit einem Punkt Vorsprung vor Lewon Aronjan (Armenien; 30), in Führung. Allerdings gestaltete sich die zweite Hälfte des Turniers, die in Bilbao (Spanien) gespielt wurde, ganz anders. Carlsen war n...

ndPlusUdo Bartsch

Klub der Hellseher

Baumeister oder Handelsherren sind die klassischen Rollen für Brettspieler und dementsprechend etwas »abgenudelt«. Dass sich die Teilnehmer in »Divinare« als Wahrsager versuchen sollen, ist endlich mal ein unverbrauchtes Spezialgebiet. Zum Erfolg führen passenderweise Intuition, aber auch Berechnung und etwas Taktik. Von insgesamt 36 Spielkarten werden zwei Drittel an die Hellseher verteilt. Di...

Wissen, punkten, gewinnen

● An vier Wochenenden stellen wir jeweils drei Fragen. Sie beziehen sich auf historische Daten der Folgewoche. ● Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. ● Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im »nd« gesammelt. ● Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird unter Ausschluss de...

Männchen locken mit elastischen Beinen
ndPlusProf. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe

Männchen locken mit elastischen Beinen

Mücken nun auch noch im Winter? Ja, aber es handelt sich nicht etwa um einen Neuzugang in unserer Fauna, wie etwa die Tigermücke, oder vielleicht eine einzelne andere aus ihrer Winterruhe aufgestörte Stechmücke. Vielmehr geht es um die sechs bis sieben Millimeter große, in mehreren Arten vorkommende Wintermücken - die im Übrigen keinem Menschen etwas antun. Vom Spätherbst bis zum zeitigen Früh...

Liegen spart Kraft und schafft Komfort

Vor 65 Jahren hat der Leipziger Ingenieur Paul Rinkowski in deutschen Landen seine Liegevelo-Revolution gestartet. Das war ein gutes halbes Jahrhundert nach der Präsentation des Urmodells aller Liegeräder, dem französischen Fauteuil-Velociped von 1893. Heute sind bis zu 50 000 Fans der skurrilen Zwei- und Dreiräder unterwegs auf den Straßen dieser Republik. CHRISTOPH HIPP aus Hamburg, von Beruf IT-Administrator, erläutert warum. Der 50-Jährige gehört zum Vorbereitungsteam der WM für »Human Powered Vehicles« Ende Juni 2013 in Leer, Ostfriesland.

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Heidi Diehl

Von Boßeln und Pinkel

Diesem Büchlein merkt man an, dass es von einem geschrieben wurde, der in der Landschaft tief verwurzelt ist. In 18 Geschichten macht der Reisejournalist Wolfgang Stelljes seiner Heimat, der Nordseeregion, eine Liebeserklärung, wie sie schöner nicht sein könnte. Nicht nur, dass er kurzweilig plaudernd Sehnsüchte nach Wind und Meer weckt, er erzählt auch mit viel Humor und in einem exzellenten Stil...

ndPlusStephan Brünjes

Blitzkrieg nach Baedeker

Peter Dickinson erinnert sich noch sehr genau: Wie die Luftalarmsirenen plötzlich losheulten, kurz nach 21 Uhr, als er gerade ins Bett wollte. Wie seine Heimatstadt Bath Sekunden später taghell wurde im Scheinwerferlicht herannahender Flugzeuge. Und wie nachfolgende Maschinen ihre Bomben abwarfen. Der damals 17-Jährige rannte in den Luftschutzbunker, sah noch die Explosionen im Combe Park und beim...

Seite 31
Kleine Balkanreise mit Tucholsky im Gepäck
Michael Müller

Kleine Balkanreise mit Tucholsky im Gepäck

Deutsche Touristen stünden im Ausland, so meinte jedenfalls Kurt Tucholsky, immer vor der Frage, ob sie sich benehmen müssten, oder ob vor ihnen ohnehin schon Deutsche da gewesen seien. Ein bissiges Wort, das allerdings seinerzeit, nämlich Ende der 20er des vergangenen Jahrhunderts, weithin eher als kabarettistischer Gag empfunden worden sein dürfte. So richtig bitter aufgeladen wurde die Poi...

Seite 32
ndPlusHans-Dieter Schütt

Nackte Tatsachen

Zwei, als schauten sie sich an. Beste Gesprächsmöglichkeit: Skelette sprechen überall die gleiche Sprache. Eine eigene Sprache ist es freilich nicht; denn das Haus und der Baum bieten doch nur den offenen Mund für den sirrenden Durchzug des Herbstwindes. Er hat das Sagen. Das Gewirr der Äste ist: Natur; die Ordnung des Gerüstes ist: Kultur. Rückbau hier, jahreszeitlich bedingt; dort Aufbau. Na...