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Chancen geben

Chancen geben

Das »nd« startet vgemeinsam mit SODI, INKOTA und Weltfriedensdienst die nunmehr elfte Auflage der Spendenaktion. Die diesjährige Solidaritätsaktion »Chancen geben« soll Menschen in Mosambik, Vietnam und Südafrika helfen, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Wer keine Bildung und kein Einkommen hat, dem bleibt die Teilhabe an Gesellschaft weitgehend verwehrt.

Unten links

Die Welt ist wieder mal um eine Insel ärmer: Sandy Island, auf geografischen Karten bislang zwischen Australien und Neukaledonien gelegen, existiert nicht. Davon überzeugte sich ein Forscherteam der Universität Sidney vor Ort. Da der Ozean an der bezeichneten Stelle rund 1400 Meter tief ist, wird ausgeschlossen, dass es Sandy Island überhaupt jemals gegeben hat. Wann und von wem die Phantominsel z...

Fragile Waffenruhe um Gaza

Gaza/Tel Aviv (Agenturen/nd). Erstmals seit Beginn der Waffenruhe hat es im Gaza-Streifen an der Grenze zu Israel am Freitag wieder einen tödlichen Vorfall gegeben. Nach palästinensischen Angaben wurde ein Mann von israelischen Grenzsoldaten erschossen, 19 weitere Palästinenser wurden verletzt. Palästinensischen Rettungsdiensten zufolge eröffneten Grenzsoldaten das Feuer auf eine Gruppe von Bauern...

Katja Herzberg

EU-Sondergipfel geplatzt

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder konnten sich nicht auf ein EU-Budget für die Jahre 2014 bis 2020 einigen und brachen die Verhandlungen am Freitagnachmittag ergebnislos ab.

Willy und Peer
Tom Strohschneider

Willy und Peer

Die SPD brauche sich für ihre Geschichte nicht zu schämen, hat Sigmar Gabriel Anfang der Woche mit Blick auf nunmehr 150 Jahre Sozialdemokratie gesagt. Wer wollte der ältesten Partei Deutschlands schon Verdienste bestreiten? Solange dabei auch ihre Fehler ehrlich und mit Aussicht auf selbstkritische Konsequenz auf den Tisch kommen. Doch wer wie Gabriel behauptet, als einzige Partei bei den zentral...

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Solidarität ist machbar!

Liebe Leserinnen und Leser, alle Jahre wieder ruft das »nd« gemeinsam mit SODI, INKOTA und Weltfriedensdienst zur Weihnachtsspendenaktion auf. Die diesjährige Solidaritätsaktion »Chancen geben« soll Menschen in Mosambik, Vietnam und Südafrika helfen, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Die Teilhabe an Gesellschaft ist überall auf der Welt an den Zugang zu Bildung und Einkommen geknüpft. Die von der ...

Aufklärung tut Not

Von den 32 Millionen SüdafrikanerInnen zwischen 15 und 49 Jahren ist jede(r) Fünfte HIV-positiv. Das ist die Gruppe, die die unmittelbare Zukunft und Gegenwart des Landes in den Händen hält. Jahr für Jahr sterben 350 000 von ihnen an Aids. Aufklärung über HIV/Aids ist nach wie vor dringend nötig. Nicht selten begegnet man bei Erwachsenen Unwissenheit, Vorurteilen und heftiger Abwehr. Aids-Aufkl...

Bessere Lebenschancen mit einer Ausbildung
Susanne Wienke, SODI

Bessere Lebenschancen mit einer Ausbildung

Nghe An gehört zu den ärmsten Provinzen in Vietnam. Frauen, die einer ethnischen Minderheit angehören, in entlegeneren Bergregionen leben oder eine Behinderung haben, sind besonders von Armut betroffen. Sie müssen von weniger als 13 Euro im Monat leben. Erst eine berufliche Ausbildung, begleitende Berufsberatung und gegebenenfalls ein Kleinkredit ermöglichen vielen Frauen in Vietnam ein Einko...

ndPlusChristine Wiid, INKOTA

Landraub ist ein Verbrechen

In Mosambik lebt ein Großteil der Bevölkerung von kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Land ist die wichtigste Ressource, die den Bauern zur Verfügung steht. Das mosambikanische Landrecht unterstreicht dies - zumindest in der Theorie: Das Land ist in Staatsbesitz und der Staat vergibt die Nutzungsrechte. Die Kleinbauern werden geschützt, indem die Gewohnheitsrechte der Gemeinden mit registrierten ...

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Spendenaktion wirkt!

Bisher wurden die nd-Spendenaktionen immer im Januar mit der Veröffentlichung des Spendenergebnisses abgeschlossen. Doch welche Wirkungen werden in den Projekten mit den Spendengeldern danach erzielt? Diese Frage soll künftig beantwortet werden und der Rückblick auf die zehnte nd-Spendenaktion macht damit den Anfang. Mit der letztjährigen Kampagne »Lebensträume fördern« wurde Menschen in Argentini...

ndPlusMartin Zint, Weltfriedensdienst

Der Kampf um Land geht weiter

In der Andenprovinz Jujuy leben die Menschen seit Jahrhunderten von Ackerbau und Viehzucht. Aber nach modernem Landrecht gelten sie nicht als Eigentümer des Landes, das sie bestellen. Jetzt müssen sie um die offizielle Zuerkennung kollektiver Landrechte kämpfen. Dafür schlossen sie sich 1989 zum Rat der Indigenen Organisationen von Jujuy (COAJ) zusammen. Zugunsten von COAJ, Partner des Weltfrieden...

ndPlusDörte Lüneberg, SODI

Wasser mitten im Dorf

Seit Ende 2009 befreit SODI im laotischen Distrikt Khamkeut systematisch Dörfer und Felder von explosiven Blindgängern und führt Entwicklungsprojekte zur Überwindung der Armut durch. In der vergangenen nd-Spendenaktion baten wir um Ihre Unterstützung für den Bau eines Wasserversorgungssystems in Nadeua und einer Grundschule in Khouan Chanh. Seitdem ist in den beiden Dörfern viel passiert: Sowohl d...

Willi Volks, INKOTA

»Wir konnten unsere Arbeit ausweiten«

»Wir konnten unsere Arbeit ausweiten«, sagt Fernando Martínez, Projektkoordinator der INKOTA-Partnerorganisation COPAE (Kommission Frieden und Ökologie) der Diözese in San Marcos in Guatemala. »Aber nur durch die Solidarität der LeserInnen des Nueva Alemania (Neues Deutschland)! Das war dringend notwendig: Die indigene Bevölkerung ist durch immer mehr Goldminen und Wasserkraftwerke in der Region i...

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Denk mal, Krieger

Gemeinsame Erinnerungen seien manchmal die besten Friedensstifter, meinte Marcel Proust. Auf die Erinnerung an den 23. November 2010 trifft das gewiss nicht zu. Gestern jährte sich zum zweiten Mal der Tag, an dem die nordkoreanische Armee mehr als 200 Granaten auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong abfeuerte. Vier Menschen starben, viele wurden verletzt, über 50 Häuser beschädigt. Südkorea gedach...

Europaweg verlassen

Griechenland-Hilfen zusammenkratzen, Rettungsfonds für pleitebedrohte Banken und Mitgliedsländer auflegen - alle bisherigen vermeintlichen Krisenhöhepunkte werden vom derzeitigen Gipfelklatsch in Brüssel in den Schatten gestellt. Das Scheitern des Sondergipfels zur Beratung des EU-Budgets offenbart die wahre Krise der EU. Trotz der ergebnislosen Beendigung des Ratstreffens bleibt die EU handlun...

Probelauf Raketenabwehr

Die demnächst in der Türkei aufzustellenden deutschen »Patriot«-Raketen mögen zwar das Eiserne Kreuz tragen - doch das Kommando übernimmt die NATO, genauer das 6. Combined Air Operations Center im türkischen Eski Sehir. Wenn also jemals ein Feuerbefehl an die entlang der Grenze zu Syrien stationierten Staffeln erteilt werden sollte, so käme er von hier. Und niemand wird zuerst Minister de Maizière...

Jürgen Amendt

Ein Kerl

Das Kapital des Schauspielers ist gemeinhin seine Mimik. Es gibt Ausnahmen: Schauspieler, die von ihrer Erscheinung leben, deren Gesichtsmuskel auf Stillstand trainiert sind. Ottfried Fischer gehört zu dieser Kategorie. Eine Erscheinung als TV-Verbrecherjäger (»Der Pfundskerl«, »Der Bulle von Tölz«) und als TV-Geistlicher (»Pfarrer Braun«) gleichermaßen. Besonderes Kennzeichen: Aus der Mitte des G...

Chaotische Piraten?

nd: Sie haben ein Buch über die Piraten geschrieben und sich lange mit ihnen beschäftigt. Ist die Partei wirklich der Chaotenhaufen, als der sie in letzter Zeit erscheint?Seibert: Es gibt sicherlich in mancherlei Hinsicht ein paar chaotische Zustände. Das ist eine logische Erscheinung, wenn mehrere politische Strömungen in einem Sammelbecken zusammenkommen. Doch es kristallisiert sich etwa bei Par...

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Öko-Kühlschränke für alle im Gespräch

Abwrackprämie - das Wort elektrisiert die Deutschen. Daher ist Bundesumweltminister Altmaier bemüht, einen Bericht über ein Abwrackprogramm für Kühlschränke wieder einzufangen. Es gehe lediglich um Überlegungen, Arbeitslosen Gutscheine für neue Kühlschränke zu geben.

Neonazis hochgradig kriminell

Nordrhein-Westfalen will den Kampf gegen Rechts aufnehmen. Nach Vorlage einer Kriminalstatistik sieht Innenminister Ralf Jäger (SPD) bei Neonazis ein enormes Bedrohungspotenzial. Jäger verspricht, dagegen »schlagkräftig« vorzugehen.

Marlene Göring

Der Kunde als Zombie

Ein Gruselbild: Am »Kauf-Nix-Tag« halten Menschen dem System Kommerz den Spiegel vor.

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Sorge vor Terror zum Aschura-Fest

Islamabad/Kabul (dpa/nd). Vor dem schiitischen Trauerfest Aschura sind in Pakistan und Afghanistan die Sicherheitsvorkehrungen gegen Anschläge sunnitischer Extremisten verschärft worden. Pakistans Innenminister Rehman Malik sagte am Freitag, in bestimmten Gegenden werde der Mobilfunk abgeschaltet. Entlang von Prozessionszügen würden Fahrzeuge mit Störsendern gegen ferngezündete Bomben stationiert....

Russland besorgt über »Patriots«

Moskau/Ankara (AFP/dpa/nd). Russland hat angesichts der geplanten Stationierung des NATO-Abwehrsystems »Patriot« an der türkisch-syrischen Grenze vor einem »ernsten bewaffneten Konflikt« in der Region gewarnt. Niemand könne ein Interesse daran haben, dass die NATO in den Syrien-Konflikt hineingezogen werde, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag. »Je mehr Waffen man anhäuft, desto größer ist...

ndPlusKarin Leukefeld

Der Pharao lässt grüßen

Durch die internationalen Lobeshymnen über seine Vermittlerrolle im jüngsten Konflikt zwischen Israel und Gaza scheint der ägyptische Präsidenten Mursi die Bodenhaftung im eigenen Land verloren zu haben.

Aert van Riel

Schäuble tritt auf die Schuldenbremse

Der Bundestag hat den Bundeshaushalt für das Jahr 2013 mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen verabschiedet. 312 Abgeordnete stimmten für den Etat von Schwarz-Gelb, 258 dagegen. Es gab keine Enthaltungen.

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Konservative erleichtert

Paris (AFP/nd). Mit Erleichterung haben Frankreichs Konservative die Nachricht aufgenommen, dass ein Ermittlungsverfahren gegen Ex-Präsident Nicolas Sarkozy in der Affäre Bettencourt abgewendet ist. Für Sarkozy sei der Fall »abgeschlossen«, sagte Ex-Premierminister François Fillon, der im Moment in einen erbitterten Machtkampf um die Nachfolge Sarkozys als Parteichef der konservativen UMP verstric...

Kongo in der Kriegsfalle

In Kongo droht eine weitere Verschärfung der Krise: Internationalen Hilfsorganisationen zufolge setzte die Rebellenbewegung M23 ihre Offensive im Osten des Landes weiter fort.

Ralf Streck, San Sebastián

Unabhängigkeit als Wählerauftrag

Bei der vorgezogenen Wahl in Katalonien geht es potenziell auch um die Einheit Spaniens. Kataloniens Regierungschef Artur Mas hat angekündigt, bei einem Wahlsieg eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit abhalten zu lassen.

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Die Sieger heißen Hamas und Mursi

Aus den Rauchschwaden tritt nun ein großer Sieger hervor: die Hamas. Bis zu dieser Runde hatte die Hamas zwar stets eine starke Präsenz im Gazastreifen, international aber keinerlei Einfluss. Das weltweite Gesicht des palästinensischen Volkes gehörte Mahmoud Abbas und seiner Palästinensischen Autonomiebehörde. Das war einmal.

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Einigung über Rettungspaket für Zypern

Nikosia (dpa/nd). Zypern sieht eine grundsätzliche Einigung über das benötigte Rettungspaket erreicht. Regierungssprecher Stefanos Stefanou sagte, er erhoffe sich eine offizielle Ankündigung darüber noch im Laufe des Freitags aus Brüssel. Nach letzten Informationen geht es um 17,5 Milliarden Euro. Lediglich die Summe für die Rekapitalisierung des Bankensektors soll noch offen sein. Hier wird vor d...

Sharp buhlt um Foxconn

Tokio (dpa/nd). Der angeschlagene japanische Elektronikkonzern Sharp ist zu Zugeständnissen bereit, um den lebenswichtigen Einstieg des Apple-Auftragsfertigers Foxconn zu retten. Sharp würde Foxconn nun auch einen Anteil von mehr als zehn Prozent verkaufen, sagte ein ranghoher Manager dem »Wall Street Journal«. Ursprünglich sollte die Beteiligung unter zehn Prozent bleiben, weil Aktionäre beim Übe...

Marian Krüger

Virtuelles und echtes Geld

Nach dem Scheitern des deutsch-schweizerischen Steuerabkommens am Freitag im Bundesrat will die Bundesregierung den Vermittlungsausschuss anrufen.

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Sandra Degenhardt und Eric Dobias, dpa

Bammel am Abzug

Am Sonntag starten die Biathleten im Weltcup in der Mixed-Staffel. Auf einen prominenten Neuzugang verzichtet Uwe Müßiggang dabei noch.

ndPlusAlexander Ludewig

Reiten auf der Gewaltwelle

Vor dem anstehenden Fußballwochende rüttelte diesmal die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) heftigst die Alarmglocken. Die Polizeibehörde aus dem nordrhein-westfälischen Innenministerium veröffentlichte ihren Jahresbericht zur Saison 2011/12. Es funktionierte. Dem Läuten folgte reflexartiges Echo.

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Gedenkort für NS-Opfer

(epd). Der Gestaltungswettbewerb für den Gedenkort für die Opfer der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde ist entschieden. Den Zuschlag der Jury erhielt am Freitag der Entwurf der Architektin Ursula Wilms und der Landschaftsgestalter Nikolaus Koliusis und Heinz W. Hallmann. Der mit dem 1. Preis bedachte Entwurf sieht für den Gedenkort an der Philharmonie eine blaue, drei Meter hohe Glaswand ...

Proteste gegen Nazis

(nd). Gegen einen Aufmarsch der rechtsextremen NPD in Rudow am heutigen Sonnabend gibt es Proteste. Die Neonazis wollen mit der Aktion gegen eine im Neuköllner Ortsteil Rudow geplante Unterkunft für Flüchtlinge hetzen. Antifaschistische Gruppen rufen deshalb aus Solidarität mit den Flüchtlingen ab 12 Uhr zu insgesamt vier Gegenkundgebungen auf, die rund um den U-Bahnhof Rudow und die Rudower Spinn...

Demo kontra Fluglärm

(dpa). Rund 10 000 Menschen werden an diesem Samstag (14 Uhr) in Berlin zu einer Demonstration gegen Fluglärm erwartet. Diese Teilnehmerzahl meldeten die Veranstalter bei der Polizei an. Der Protest richtet sich gegen die Auswahl der Flugrouten des künftigen Hauptstadtflughafens in Schönefeld. Außerdem wird ein längeres Nachtflugverbot gefordert. Die Demonstranten ziehen vom Potsdamer Platz bis zu...

Aufklären und schnell handeln

Es ist knapp zwei Wochen her, da präsentierte die Charité gemeinsam mit Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) und dem Max-Delbrück-Centrum das Zukunftsprojekt für ein gemeinsames »Berliner Institut für Gesundheitsforschung«. Hunderte Millionen Euro sollen dafür in den kommenden Jahren verwandt werden, besonders viel war bei diesem PR-Termin vom Wohle der Patienten die Rede. Im Licht des...

ndPlusRobert D. Meyer

Hungerstreik dauert an

Der Platz ist ein anderer, die Probleme der Flüchtlinge bleiben dieselben. Am Freitag kündigten die 15 Hungerstreikenden am Brandenburger Tor an, ihre seit acht Tagen andauernde Nahrungsverweigerung auf unbestimmte Zeit fortzusetzen zu wollen.

ndPlusUlrike Henning

Charité-Leitung stark unter Druck

Bis zum Montag muss die Charité gegenüber dem Senat erklären, warum der Vorfall um den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch einer jugendlichen Patientin durch einen Pfleger zunächst nicht bekannt wurde und wann die Klinikleitung informiert war. Diese Vereinbarung trafen Charité-Chef Karl-Max Einhäupl und Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) laut rbb.

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Neue Chefin am Kolbe-Museum

(dpa). Die 38-jährige Kunsthistorikerin Julia Wallner wird neue Direktorin des Georg-Kolbe-Museums. Die Stiftung des Skulpturenmuseums wählte sie zur Nachfolgerin der langjährigen Chefin Ursel Berger, wie Vorstand Jens Ziegler am Donnerstag mitteilte. Wallner soll ihr Amt am 1. März antreten. 1974 in Stuttgart geboren und mit einer Arbeit über die US-Künstlerin Jenny Holzer promoviert, war sie sei...

Diskussion um »Ernst Busch«

(dpa). Nach langem Hickhack um die Zukunft der Schauspielschule »Ernst Busch« hält der Senat die Chausseestraße nach wie vor für den besten Standort für den geplanten Neubau. Die ehemaligen Bühnenwerkstätten an der Chausseestraße in Mitte seien »die am schnellsten zu realisierende und die wirtschaftlichste Lösung«, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. ...

ndPlusLucía Tirado

Gehörnte Kissenschüttlerin

Ausdrucksstarke Bewegungen zeigt Iduna Hegen beim Erzähltheater mit Objekten und Musik. Stark und zart kann sie sein. In »Frau Holle« für Kinder ab fünf Jahren ist sie die Erzählerin mit einem wundersamen Topf auf dem Kopf, aus dem sie Geschichten holt. Sie verkörpert in der Koproduktion des Theaters O.N. mit der Schaubude jedoch auch die Titelfigur und alle anderen Figuren bis auf den Hahn. Den ü...

Manuela Lintl

Schonungsloser Blick

Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) zeigt die Gruppenausstellung »Über Grenzen« mit Reportagen von achtzehn Fotografen der Ostkreuz Agentur. Ostkreuz wurde 1990 von sieben DDR-Fotografen (darunter Sibylle Bergemann, Harald Hauswald und Werner und Ute Mahler) als Kollektiv nach dem Vorbild der berühmten Agentur Magnum gegründet. Der Name ist der Berliner S-Bahn-Station entlehnt und symbolisiert de...

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ndPlusHans-Gerd Öfinger, Wiesbaden

Gefährlicher Balanceakt

In Hessen will die CDU/FDP-Landesregierung ein neues ÖPNV-Gesetz durchdrücken - zulasten der Beschäftigten. Kritiker schlagen Krach.

ndPlusHeidrun Böger

Überstunden im Sommer, arbeitslos im Winter

Auf der Ostseeinsel Rügen lebt man hauptsächlich von der Tourismusbranche. Viele Einwohner finden im Sommer in Hotels und Gaststätten Arbeit, im Winter jedoch landen diese Arbeitnehmer oft auf der Straße und müssen zum Arbeitsamt. Ein im Mai 2011 gegründeter Arbeitgeberzusammenschluss will neue Wege gehen.

Ina Krauß

In den Fängen von Peinigern

Bereits seit Juni vergangenen Jahres besucht Evrim Sommer, frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Frauenprojekte, um mehr über deren Arbeit zu erfahren. Lange verabredet war ein Termin neulich bei IN VIA, der Beratungsstelle für Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind. Dem Abgeordnetenhaus liegt auf Initiative der Linksfraktion ein Entschließungsantrag...

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Steinwerke liefern wieder

Potsdam (dpa). Der Streit zwischen der Projektleitung des Landtagsneubaus in Potsdam und der zahlungsunfähigen Sächsischen Sandsteinwerke GmbH ist beigelegt. Die GmbH aus Pirna liefert drei Wappenkartuschen und mehrere Charakterköpfe aus. Zuvor habe der Generalunternehmer, die BAM Deutschland AG, einen höheren sechsstelligen Betrag auf ein Treuhandkonto überwiesen, sagte der Technische Leiter der ...

Bildungshaus »Amadeu Antonio«

Eberswalde (dpa). Nach langem Hin und Her haben sich die Stadtverordneten von Eberswalde am Donnerstagabend auf das Gedenken an den ermordeten Angolaner Amadeu Antonio geeinigt. Eine Mehrheit stimmte einem fraktionsübergreifenden Konzept zu, sagte ein Sprecher der Stadt. Danach soll das Bürgerbildungshaus nach Antonio benannt und eine Gedenktafel umgestaltet werden. Zudem werde ein Preis für bürge...

ndPlusRobert Luchs, Mainz

Mainzer streiten über Fuchsbau

Das Mainzer Rathaus muss dringend saniert werden, doch es steht unter Denkmalschutz. In der Stadt wird debattiert, wie es weitergehen soll.

ndPlusAndreas Fritsche

Sind Neonazis eine Drecksbande?

Ein Neonazi bedrohte Lothar Eberhardt mit einer ungeheuerlichen Bemerkung, ist aber dafür nicht etwa wegen Volksverhetzung verurteilt worden, sondern nur wegen Beleidigung. Das Amtsgericht Oranienburg verhängte eine Geldstrafe von 1750 Euro. Lothar Eberhardt sagte als Zeuge aus. In höchster Erregung entfuhr ihm in einer Verhandlungspause: »Ein Faschist bleibt ein Faschist, die hauen uns wieder auf...

Leticia Witte, dpa

Die Sache mit dem Käse-Fach

Landbewohner kennen das: Entweder ist die nächste Haltestelle im Nachbardorf oder der Bus fährt gar nicht mehr. Die brandenburgische Uckermark ist eine der am dünnsten besiedelten Regionen bundesweit - und hat eine Lösung für das Problem mit dem Verkehr gefunden.

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ndPlusChristina Matte

Wa 'alaikum salam, Schwester

Manchmal kommt der erste Anruf gleich morgens um acht. Ab acht ist das Telefon besetzt, und dann scheint es, als habe der Anrufer keine Sekunde länger warten können. An anderen Tagen wird es zehn oder elf, bis das Telefon zum ersten Mal schrillt - was nicht heißen muss, dass nicht auch dieser Anrufer in höchster Bedrängnis ist. Die Momente, in denen Menschen verzweifeln, in denen sie Rat und...

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Von lernen und belehren

Die Linke in Deutschland tut sich nicht leicht mit der Bewertung der Entwicklung der Volksrepublik China. Anlässlich des jüngsten Parteitags der KP und der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Liao Yiwu im Oktober haben Stefan Liebich und Michael Brie ihre Sicht auf das Reich der Mitte in der Wochenendbeilage des „nd“ dargelegt.

Thomas Guthmann (Bolivien) und Jutta Blume (Honduras)

Die eigene Stimme erheben

Freie Radios in Bewegung: In Lateinamerika sind freie, kommunale Radios ein wichtiges Instrument für Gemeinden und soziale Bewegungen zur Übermittlung von Informationen und politischen Meinungsbildung. Auch in vielen bundesdeutschen Städten existieren Freie Radios als Teil der Gegenöffentlichkeit. Das Internet hat die Möglichkeiten erweitert. nd-Autoren berichten über Radios aus Bolivien und Honduras.

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Marc Amann

Selbstverwaltet und breit etabliert

Als 1992 das Landesmediengesetz in Baden-Württemberg geändert wurde, ergriffen ein paar Leute, die noch die Piratenradiozeit der 1980er Jahre miterlebt hatten und die Kämpfe des ältesten Freien Radio namens Dreyeckland in Freiburg, die Gelegenheit, nicht-kommerzielles lokales Radio auch im Tübinger Raum zu realisieren. Im Mai 1995 ging die »Wüste Welle - freies Radio Tübingen/ Reutlingen« nach zwe...

ndPlusBettina Hoyer

Vernetzte Töne

Zum Radiohören brauchen wir heutzutage keinen klobigen Radiokasten mehr. Radio kommt aus dem Handy. Aus dem Computer. Es kommt via Internet. Dort kann man nachhören, was verpasst wurde oder live mit hören, was über den UKW-Äther auch empfangbar wäre. Auch politische Projekte nutzen die Verbreitungswege über das Internet. Ein Beispiel hierfür ist »Radio onda« vom Nachrichtenpool Lateinamerik...

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Martin Mollnitz

Neue Lyrik, neues Säuseln

»Reglose Jagd« ist ein starkes Gedicht. Es verfügt über Bild und Klang, sogar über Aussage, was längst nicht mehr Kriterium des Künstlerischen ist; vor allem aber erliest sich eine berückende Metaphorik: … Nur die Seeadler auf den Pfosten / lassen mich nicht aus dem Blick, ich fühle / ihre gefeilten Augen mir in den Nacken starren … - Man ist getroffen vom scharfen Blick der Adler. Erlebnisse mit ...

Seite 21
ndPlusPeter Ullrich

Die Wissenschaft vom Protest

Wir leben in einer »Bewegungsgesellschaft«. Was die US-amerikanischen Protestforscher David Meyer und Sidney Tarrow bereits in den 1990er Jahren feststellten, trifft wohl spätestens seit 2010 auch für die Bundesrepublik zu - zumindest, wenn man die mediale Präsenz von Protest als Gradmesser nimmt. Mit dem »Wutbürger« schien hierzulande ein gänzlich neues Phänomen entdeckt. Das Institut für Protest- und Bewegungsforschung erforscht diese Phänomene.

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Michael Brie und Stefan Liebich

Kein Beifall für den Hass auf ein geeintes China

Am 14. Oktober wurde der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2012 an Liao Yiwu verliehen, einen chinesischen Dissidenten und Menschenrechtsaktivisten, der sich vor allem für die Aufarbeitung der Geschichte der Opfer der politischen Proteste des Frühjahrs 1989 eingesetzt hat. In seiner Rede forderte der Preisträger unter dem Beifall der Anwesenden das Auseinanderbrechen des »menschenverachtende...

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WOCHEN-CHRONIK

22. November 1497: Der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama umsegelt die Südspitze Afrikas. 23. November 1923: Aus Protest gegen die willkürliche Absetzung der SPD/KPD-Regierungen in Thüringen scheiden die Sozialdemokraten aus der von Reichskanzler Gustav Stresemann geführten Großen Koalition aus, worauf dieser zum Rücktritt gezwungen ist. 26. November 1812: Beim Übergang über die Beresina...

Karlen Vesper

Karl Stenzel

Er hat bis zuletzt gekämpft, auch gegen eine Bürokratie, die ihm als über 90-Jährigem nach einem Herzinfarkt keine Reha genehmigen wollte. Die Nazis haben ihm seine Jugend geraubt. Von den zwölf Jahren Hitlerdiktatur war er elf Jahre hinter Gittern und Stacheldraht - der Leipziger Arbeiterjunge und gelernte Schlosser Karl Stenzel (Foto: K.V.), geboren am 23. April 1915. Im Juni 1933 wurde er d...

ndPlusRosemarie Schuder

Das Rätsel der Persönlichkeit

Hoffentlich wird es nun endlich gelingen, die Treitschkestraße im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf umzubenennen. Heinrich von Treitschke, Sohn eines sächsischen Generalleutnants, am 15. September 1834 in Dresden geboren, lebte seit 1874 bis zu seinem Lebensende am 28. April 1896 in Berlin. An der hiesigen Universität hielt er u. a. Vorlesungen für Geschichtswissenschaft. Im Jahr seines Einzu...

Marga Voigt

»Weil wir Frauen, weil wir Mütter sind ...«

Am 24. November 1912 läuteten die Glocken des Baseler Münsters zu einer machtvollen Friedensdemonstration. Sozialisten aller Länder hatten angesichts der von Tag zu Tag wachsenden Gefahr eines Weltkrieges im November 1912 kurz entschlossen zum Außerordentlichen Sozialistenkongress der II. Internationale »Gegen den Krieg« aufgerufen. Über 555 Delegierte aus 23 Ländern folgten dem dringenden Ruf nac...

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T. und H. Mann: Glücksfall
Klaus Bellin

T. und H. Mann: Glücksfall

Auf die Kranzschleife hatte er schreiben lassen: »Meinem großen Bruder in Liebe«. Etwas später schilderte Thomas Mann in seinem Nachruf für eine amerikanische Zeitschrift die letzten Tage seines Bruders Heinrich. Er nannte ihn »einen der größten Schriftsteller deutscher Sprache«. Er fand wieder schöne und würdige Worte. Sie löschten die Rivalitäten und Feindseligkeiten, allen Neid, Zwist und Hass, der ihr Verhältnis getrübt hatte.

ndPlusJürgen Amendt

Krisenrundschau: Gescrollt

Eine Woche voller schlechter Meldungen liegt hinter der Medienzunft. »Frankfurter Rundschau« - am Ende, »Financial Times Deutschland« (FTD) - macht nicht mehr lange, »Berliner Zeitung« - da schwant Unheil. Die Krise hat die Medien erfasst. Allerorten wird über das Ende des Printjournalismus orakelt. Das Internet als Sieger der Geschichte? Jein, findet Sascha Lobo, der Godfather der deutschen Blogg...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Immer trifft's die netten Leute

Was wir voreinander verschweigen, das kann höchste Kultur sein: Friedensstiftung. Verschwiegenes hält nämlich aufrecht: Wir wollen ja nicht ständig vor der Wahrheit in Ohnmacht fallen. Verschwiegenheit macht die Welt erträglicher, als es die Wahrheit vermag. Denn Wahrheit mordet. Mörder neigen daher zur Verschwiegenheit - so schließen sich Kreise, so bilden sich Halbkreise: vorm Fernseher, und...

Gunnar Decker

Märchen vom bösen Mädchen

Was könnte heute noch an Gerhart Hauptmanns »Bahnwärter Thiel« so interessant sein, dass man ihn für die Bühne adaptiert? Die Handlung der Novelle von 1887 scheint eher gestrig. Aber der sachlich-distanzierte Ton lässt immer noch aufmerken. Die erste Frau des Bahnwärters ist gestorben. Er hat einen kleinen Sohn, Tobias, also nimmt er sich ein andere Frau. Das Kind braucht eine Mutter. Eine »br...

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Hans-Dieter Schütt

Liao Yiwu, Li Bifeng: Zwölf Jahre Gefängnis

In China ist der Dichter Li Bifeng, wie die FAZ vermeldet, zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Der 48-Jährige war seit 1990 schon wegen politischer Opposition fünf und wegen »Wirtschaftskriminalität« sieben Jahre im Gefängnis. Li Bifeng, ein Kaufmann, soll 63 Eigentumswohnungen gekauft, aber nicht alle bezahlt haben. Kein Delikt auf den Unterstufen der Armut. Gehobene Gehaltsklasse. Immobilien...

PLATTENBAU
Michael Saager

PLATTENBAU

Über - harten - Rock reden? Albern, überflüssig, unmöglich. Weil er überall ist, ist er gewissermaßen nirgends, und das schon ewig. Dummerweise kommt man so nicht weiter - nicht vorwärts beim Schreiben, und mit den Bands nicht zurück in ihre oder in eine andere, herbeizitierte Vergangenheit. Wie gegenwärtig, hip oder cool das je beliehene Erbe für den Hörer klingt, ist, na klar, eine Frage der Mod...

ndPlusRalf Schenk

Das Kino ein Rausch

Lieber Günter, am vergangenen Samstag, eine Woche vor Deinem 85., begann im Berliner Zeughauskino eine Reihe mit Deinen schönsten Filmen, und als Eröffnung war der muntere Erstling »Junges Gemüse« (1956) zu sehen. Du warst damals noch keine dreißig, forsch und frech und auf wunderbare Weise besessen vom Kino. Am Anfang knattert eine junge Frau auf dem Moped durchs Dorf, die Bauern winken ihr zu, a...

ndPlusVolkmar Draeger

Leb schnell, stirb jung

Leben und Sterben der Mitglieder des »Clubs 27« - kein geringeres Thema hat sich Silvana Schröder, neue Chefin des Thüringen Balletts, für ihre Uraufführung in Gera ausgesucht. Gemeint sind jene Musiker zumeist der Rockszene, die sich im zarten Alter von 27 Jahren aus dieser Welt verabschiedet haben, vornehmlich durch eine Überdosis an Drogen - von Brian Jones (Rolling Stones), der 1969 tot im Poo...

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DOKfilm: Fiktion und Wirklichkeit

30 Kilometer vor Wien arbeitet eine Hand voll Menschen an ihrem Traum von einem selbstbestimmten Leben. Gemeinsam versuchen sie, den Erlebnispark »No Name City« am Leben zu erhalten. Eine schillernde Gemeinschaft zwischen Fiktion und Wirklichkeit, porträtiert in »No Name City« (2006) von Florian Flicker. Zum Weiterschauen: www.onlinefilm.org/de_DE/film/ 35070...

OUT of SPACE: Hoffnung für »Old Media«

Für »Old Media« gibt es doch noch Hoffnung - jedenfalls, wenn man den Marktforschern Glauben schenkt. Für 82,4 Prozent der Zuschauer in Deutschland ist das Fernsehen nach wie vor das Leitmedium, erst danach folgen andere Medien wie das Internet. Das vermeldete dieser Tage ein Münchner Institut. Kleiner Wermutstropfen: Die Zahlen gelten nur für sportinteressierte Zuschauer. Und noch größerer Wermut...

Firewall des Schweigens

Seit 13 Jahren stellt dieser TV-Moderator die immergleiche Frage: »Wer wird Millionär?« Die Antwort scheint noch niemand gefunden zu haben, denn die Sendung läuft und läuft und läuft, ohne dass sie ein befriedigendes Ende fände. Die Frage ist zugegebenermaßen auch schwer zu beantworten. Ein leichtes ist es, im Internet die Zahl jener zu eruieren, die über ein anlagefähiges Vermögen von mehr als...

ndPlusPeter Nowak

Was darf Satire?

»AStA beleidigt RAF-Opfer in Taschenkalender«. titelte unlängst das »Hamburger Abendblatt«. Der stellvertretende Gruppenvorsitzende des Hamburger RCDS, Ramon Weilinger, sprach im »Deutschlandfunk« von »Menschenverachtung«. In einen Brief an die Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung monierte der Hamburger RCDS über »die latent verfassungsfeindliche Gesinnung einzelner Mitglieder des AStA«. Der CDU-Bürgers...

ndPlusRoberto De Lapuente

BLOGwoche: Doch nur ein neuer Sloterdijk

Asche auf mein Haupt. Mea culpa - dreifaches Repetitio, ohne maxima, man soll es nicht übertreiben. Was habe ich mich in diesem Precht getäuscht! Als er Anfang September in seiner neuen nächtlichen Sendung mit Hüther sprach, war bei allem Leerlauf dazwischen, beim Bildungsfetisch beider Herren, doch wenigstens etwas entstanden, was man im Fernsehen sonst eher selten sieht: Niveau. So ein bisschen ...

Harald Kretzschmar

Gipfel oder Anstalt, das ist die Frage

Kabarett medial, das heißt heute immer digital. Das passiert öffentlich-rechtlich in ARD und ZDF. Die beiden handzahm gehaltenen gewaltigen Medientiere im Zoo einer breiten Öffentlichkeit beargwöhnen sich gegenseitig. Gelegentlich liebäugeln sie auch miteinander. Scheu leben sie mit dem Schielblick auf die Einschaltquote, das für sie magische Phänomen. Die mit der Politik verkungelte Werbewirtscha...

Seite 27

Streitfrage: Elbvertiefung - Jobgarantie oder ökologischer Sündenfall?

Die Elbe bei Hamburg soll ausgebaggert werden. Containerschiffen mit einem Tiefgang von bis zu 14,50 Meter soll es ermöglicht werden, den Hafen der Hansestadt anzulaufen. Umweltverbände - darunter der Naturschutzbund Deutschland (NABU) - hatten gegen die Anpassung der Fahrrinne geklagt. Das Bundesverwaltungsgericht hatte vergangenen Monat alle Arbeiten zur Elbvertiefung in einem Eilve...

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Dürrerisiko für Bäume

Nicht nur Bäume in trockenen Gebieten der Welt erkranken oder sterben bei extremer Trockenheit. Auch jene in klimatisch feuchteren Regionen sind betroffen, wie ein internationales Forscherteam herausfand. Die Forscher hatten 226 Baumarten in 81 Regionen der Welt untersucht. Die Risiken träfen Bäume an mitteleuropäischen Flüssen genauso wie solche in trockenen Gebieten am Mittelmeer. »Alle Wald...

Jacqueline Myrrhe

Vergesst den Mond

Alle drei bis vier Jahre trifft sich das höchste Entscheidungsgremium der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA), die Ministerratskonferenz, um Budgets und Programme zu beschließen - ein Parteitag der Raumfahrt sozusagen. Beim Treffen diese Woche in Neapel war man auf alles gefasst. Angesichts der Krise rechnete mancher mit der Zahlungsunfähigkeit von ESA-Mitgliedsländern. Am Ende blieb es bei e...

Winzer in Schwarz-Gelb
ndPlusReinhard Renneberg, Hongkong, und JoJo Tricolor, Cherville

Winzer in Schwarz-Gelb

Die Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae produziert seit mindestens 9000 Jahren unser aller Brot, aber auch Wein und Bier. Und Alkohol war bekanntlich die »Muttermilch der Zivilisation«: nahrhaft, berauschend und (oft lebensrettend) desinfizierend. Domestizierte Hefe-Stämme der Weinbauern und Winzer »entwichen« dabei nicht selten in die freie Natur. Doch wie überlebten die hochorganisierten Hefe...

Martin Koch

Biochemie im Wandel der Systeme

Sein Leben war wie ein Spiegel der Triumphe und Tragödien des 20. Jahrhunderts, die für ihn, den Wissenschaftler, Juden und Kommunisten, Erfolg und Ruhm, aber auch Bedrohung und Verfolgung bedeuteten. Schon in jungen Jahren musste Samuel Mitja Rapoport, der am 27. November 1912 als Sohn eines Kaufmanns im galizischen Woloczysk geboren wurde, die Erfahrung des Exils machen. Zunächst siedelte er mit...

Seite 29
Monika Salz

Erst simpel, dann knifflig

Holzstäbchen stapeln, so dass nichts umkippt und sich keine Klötzchen einer Ebene berühren - klingt simpel, ist aber nicht einfach. Bei »Lakota« versuchen zwei bis sechs Spieler, ihre Holzstäbchen durch Legen und Stapeln auf dem Spielbrett loszuwerden. Die Stäbchen müssen immer flach abgelegt werden, hochkant oder schräg abgelegte Klötzchen gelten nicht. Hat man die Möglichkeit, zwei Stäbchen ...

Höchst elegant
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Höchst elegant

Am vergangenen Wochenende verlor an dieser Stelle Wassyl Iwantschuk (Ukraine; 43) gegen den 61-jährigen russischen Ex-Weltmeister Anatoli Karpow. (»Wie alter Wein«, ND 17.11.12). Heute kommt der Ukrainer als Sieger daher, nämlich beim »6. King’s Tournament« in Bukarest. Bei diesem Turnier waren neben ihm noch dabei Liviu-Dieter Nisipeanu (Rumänien; 36), Wesselin Topalow (Bulgarien; 37) sowie Fabia...

Wissen, punkten, gewinnen

An vier Wochenenden stellen wir jeweils drei Fragen. Sie beziehen sich auf historische Daten der Folgewoche. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im »nd« gesammelt. Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird unter Ausschluss des Rechtsweges gelost. Die drei Gewin...

ndPlusBrigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin

Wundersam blüht es im Schutz der Buchenhecke

Nicht selten scheinen Pflanzen klüger als wir Gartenfreunde zu sein. Ich jedenfalls wäre nicht auf die Idee gekommen, den Samen von Alcea rosea in Steinfugen direkt am Haus oder am Mauersockel des Zaunes zu senken. Aber ich beobachte gern, was diese Stockrosen entgegen üblichen Hinweisen in der Fachliteratur aus ihrem von wem wohl gewählten Standort machen, der weder humosen noch nährstoffreichen ...

Hans-Ulrich Keller, dpa

Mit dem Fernglas mal Europa gucken

Dominierendes Gestirn am Nachthimmel ist zum Jahresausklang Jupiter. Mit seinem Glanz beherrscht er unübersehbar das winterliche Firmament. In der Nacht vom 2. auf 3. Dezember steht der Riesenplanet in Opposition zur Sonne. Damit ist Jupiter die gesamte Nacht über zu sehen. Wenn die Sonne untergeht, erscheint er im Nordosten. Um Mitternacht sieht man ihn hoch im Süden und morgens geht er im Nordwe...

Seite 30
Heidi Diehl

Fasten mit Stollen!

Wissen Sie, wo der Stollen erstmals urkundlich erwähnt wurde? Heißt es eigentlich der Stollen oder die Stolle? Und wussten Sie, dass um das bekannteste Weihnachtsgebäck sogar Kriege geführt wurden? Oder dass es ursprünglich eine Fastenspeise war und vor gut einem Jahrzehnt sogar mal ins Visier der CIA geriet? Nein? Dann haben Sie wohl auch noch nie von Schrei- oder Flüsterstollen gehört oder davon...

ndPlusEkkehart Eichler

Ton in tausend Tönen

1762 gründete Prinz Heinrich von Preußen, der jüngere Bruder Friedrich II., in dem brandenburgischen Ackerbürgerstädtchen Rheinsberg eine fortan prosperierende Fayence-Manufaktur - der Auftakt für inzwischen 250 Jahre Keramik- und Steingutproduktion. Wie kaum ein anderer kennt sich Hendrik Schink in diesem Metier aus. Zum einen, weil er selbst ein Könner ist und in eigener Porzellanwerkstatt ne...

Seite 31
Michael Müller

»Wir kommen wieder!« - »Wir machen weiter!«

Zum 15. Mal kamen die reiselustigsten unter den nd-Leserinnen und -lesern zum Leserreisetreffen des »neuen deutschland« zusammen. Diesmal vom 16. bis 19. November im niedersächsischen Königslutter. Man wohnte im Avalon-Hotelpark, und man erlebte - dies ist nun wahrlich schon traditionell zu nennen - ein ebenso umfang- wie abwechslungsreiches Dreitageprogramm: Gesprächsrunden mit Gästen aus Politik...

Seite 32

Verwunschen, lebendig

Es ist Totensonntag. Ein Tag, der die Verstorbenen aufruft. Aber der betont feierlichen Erinnerung an sie ist die Frage eingeschrieben, die sich Lebende aus gegebenem Anlass vielleicht ehrlicher, auch furchtsamer denn je stellen: Beim Gedenken an jene, die gestorben sind, bedenke ich da auch, ob ICH wirklich - LEBE? Möge niemand so tun, als sei die Frage selbstverständlich. In Anbetracht dessen, ...

Seite 33
Friedrich Albrecht

Rettung im Gedicht

Jahre lang hat Marion Tauschwitz mit Hilde Domin in engem Kontakt gestanden, war ihr zur Freundin geworden und hat nach dem Tode der berühmten Lyrikerin in langwieriger Arbeit die ganze Fülle der hinterlassenen Dokumente ausgewertet. Erstes Ergebnis war die 580 Seiten starke Biografie »Hilde Domin. Dass ich sein kann, wie ich bin«, die von der Kritik als Standardwerk gewürdigt wurde. Das neue Buch...

ndPlusMonika Melchert

Seiltänzerin ohne Netz

Zuweilen hört man einfache, schöne Liebeslieder, summt sie mit - und weiß vielleicht gar nicht, dass Mascha Kaléko sie vor vielen Jahrzehnten geschrieben hat. Ihre Gedichte mit dem charakteristischen leisen Humor, mal eher hintergründig, mal ganz offen und frontal, sind auch heute außerordentlich populär. Darin ist der Alltag auf selbstverständliche und doch sehr poetische Weise anwesend. Das war ...

Seite 34
ndPlusLilian-Astrid Geese

Eine Sinfonie gegen den Tod

Leningrad 1941. Beginn der dreijährigen Belagerung durch die deutsche Wehrmacht. Die Kulturelite der Stadt wird evakuiert. Darunter das Philharmonische Orchester und sein berühmter Dirigent Jewgeni Mrawinski. Auch Dmitri Schostakowitschs bester Freund, der Musikkritiker Igor Sollertinski reist ab, um die kommenden Jahre in sibirischer Sicherheit zu überwintern. Doch der große Komponist selbst will...

Sabine Neubert

Der Herr der Ziegen-Songs

Dies ist ein Rätselbuch, gedacht für alle, die bereit sind, sich ins Dickicht moderner Klänge und Irritationen locken zu lassen, wozu nicht unwesentlich der Klappentext beiträgt. Aber lassen wir zunächst den großen italienischen Komponisten Tancredo Pavone sprechen: »Ein Komponist, sagte er, der die Zeit hat, das zu tun, was er am besten kann, nämlich komponieren, ist der glücklichste Mensch überh...

Seite 35
ndPlusWalter Kaufmann

Reisen, Ankommen, Leben

Dieses Buch hat Witz, hat Humor, bleibt durchweg höchst aufschlussreich und ist am eindringlichsten, wo die Autorin Selbsterlebtes einbringt - was meist der Fall ist. Wirklich, es ist schon ein Wunder, wie sich in der Steinwüste Manhattans jüdisches Brauchtum, jüdisches Leben erhalten hat. Sie bringt es uns nah. Man glaubt bei all den rund ums Jahr wiederkehrenden Festlichkeiten dabei zu sein: Cha...

Irmtraud Gutschke

Glück - dennoch

Von einem Jungen ist die Rede, der schon in Christa Wolfs großem autobiografischen Buch »Kindheitsmuster« vorkam. Also mag der Leser vermuten, hier ein paar damals gestrichene Seiten vorgesetzt zu bekommen. Aber der Text ist von 2011. Sie hat ihn am 28. Juli ihrem Mann, Gerhard Wolf, geschenkt. »Ein paar beschriebene Blätter« - er wird die Botschaft verstanden haben, wie alles, was von seiner Chri...

Seite 36

Himmelsspeck & Brunsli

In Frankreich wird die Asche eines in der Weihnachtszeit verbrannten Holzklotzes nach den Feiertagen auf die Felder gestreut. das soll gute Ernte bringen. In Mexiko gibt es am 24. Dezember eine Mitternachtsmesse mit Freudenfeuern, Feuerwerk und Blumentanz. In Norwegen heißt der Weihnachtsmann Julenissen. Er bekommt eine Schüssel mit Haferbrei auf die Fensterbank gestellt, derweil die Familie »Weih...

Irmtraud Gutschke

»Klagend sind wir Opfer«

»Man muß ins Gelingen verliebt sein, nicht ins Scheitern«, sagt Ernst Bloch. Wenn aber jemand traurig ist, resigniert, hat er dafür doch Gründe oder glaubt zumindest, solche zu haben? Kann man wirklich »Zuversicht« verschenken mit diesem Buch? Man könnte es versuchen. Auch wenn die, der Beschenkte es zunächst als billigen Trost beiseite legt. Irgendwann wird es doch zur Hand genommen. Und es begin...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Von Bögli zu Bögli

Wie, vor allem wann soll man ein Buch lesen? Zeitkonform? Antipodisch? Den Südseeroman mit in die Sommerferien nehmen? Oder ihn als wohlig-wärmenden Kontrast zum Frost genießen? Da der Winter längst wetterwendischer wurde, als es Vladislav Vancura in seiner berühmten Novelle dem »Launischen Sommer« zumaß, darf ein Skibüchlein problemlos für die kommenden Monate empfohlen werden. Denn auch dieser b...

Seite 37
Klaus Bellin

Ritter Kauz

Noch ein Balladenbuch. Das reißt wahrscheinlich keinen vom Hocker. Kennt man ja alles: Goethe, Schiller, Heine, Uhland, Fontane und der ganze Rest, quer durch Beet und Geschichte. Irgendwie sind sich die Anthologien ja alle sehr ähnlich. Glaubt man. Aber alle denn doch nicht. Bei Hanser gibt es jetzt eine, die ist anders. Vorn, auf dem Umschlag, das schwebende Liebespaar von Mattheuer und drinn...

ndPlusFritz Rudolf Fries

Abschiedssymphonie

Die fast hundertjährige Sulamita in ihrem römischen Palast - erinnert sie nicht an jene Hundertjährige aus einem Roman von García Marquez, die in Macondo ihre Einsamkeit im magischen Zauber der Erinnerung überwindet? Befragt und bedrängt wird sie in Gilles Roziers Roman »Im Palast der Erinnerung« von dem jungen Franzosen Pierre, der in Paris zum Bankkaufmann ausgebildet wird und sich vor einem von...

Seite 38
ndPlusThomas Bruhn

Zwischen Bayern und Ukraine

Eine der Schwierigkeiten, einen Krimi zu besprechen: Appetit zu machen, ohne zu viel vom Rezept zu verraten. Mit dem Appetit ist es in diesem Fall einfach, der Titel hat eine lukullische Anmutung: »Hirschgulasch«. Nicht zu viel zu verraten ist schwierig, weil der Krimi vorzüglich angerichtet ist, sich vergnüglich gelesen hat. So muss ich mich nun zurückhalten, um nichts hinauszuposaunen, was die S...

ndPlusFokke Joel

Große Fragen nach Liebe, Glück, Tod

»Von allen meinen Erinnerungen, von all den unzähligen Empfindungen meines Lebens war die bedrückendste die Erinnerung an den einzigen Mord, den ich begangen habe.« Der erste Satz des Romans »Das Phantom des Alexander Wolf« von Gaito Gasdanow enthält bereits die ganze Geschichte. Aus ihm entspringt nach und nach die Erzählung zu den großen Fragen nach Liebe, Glück und Tod. Ein Buch, federleicht, k...

Sabine Neubert

Wie ein Kind gerettet wird

In Russland erschien der Roman der Petersburger Schriftstellerin Elena Chizhova unter dem Titel »Zeit der Frauen«. In »Mütterchen Russland« ist eigentlich immer Zeit der Frauen. Aber in manchen Zeiten ist die Macht der Frauen besonders gefordert gewesen. Davon erzählt die Autorin. Auch die Frauen in diesem Roman sind mutig und trotzig. Sie nehmen den Kampf mit der Tyrannei auf, und sie haben Erfol...

Seite 39
Schöne Grüße aus der DDR

Schöne Grüße aus der DDR

»Ostberlin, etwa 1978«, so die lapidare Unterschrift unter dem Foto von Dietmar Riemann. Die Farbe des Fensterrahmens abgeblättert, die Gardine womöglich vergilbt, aber die Frau blickt freundlich, gelassen und heiter. Wie war das Leben in der DDR? Da tun sich vielfältige Erinnerungslandschaften auf, immer persönlich gefärbt und natürlich immer auch mit dem Heute verbunden. Es kann nicht anders sei...

ndPlusIngolf Bossenz

Federführend

Für Greenhorns: Swallow hieß das erste Pferd von Old Shatterhand, das ihm Winnetou geschenkt hatte. Als Erich Loests Roman über seinen sächsischen Landsmann Karl May 1980 in der DDR erschien, soll die erste Auflage an einem einzigen Nachmittag vergriffen gewesen sein. »Bückware« nannte man solche Artikel, die meist nur »unter dem Ladentisch« zu bekommen waren. Zwar machte die Schwalbe (Swallow)...

Michael Sollorz

Deftiges Lese-Vergnügen

Von einem der Urväter Hollywoods, dem Regisseur und Produzenten Cecil B. DeMille, stammt sinngemäß der dramaturgische Rat, mit einem Erdbeben zu beginnen, anschließend langsam zu steigern. Das Filmgeschäft ist auch dem Autor Gert Billing nicht fremd. Sein Roman »Paradies auf Sand« beginnt mit einer Republikflucht in den 80ern; sie gelingt. Nach dem Mauerfall landet der Flüchtige aber doch im Knast...

Klaus Funke

Rauch-Zeichen

Seit 35 Jahren bin ich Nichtraucher. Ist das nichts? Und nun dieses Brevier zur »Havanna«! Der Klis weiß wirklich alles, rund um die Zigarre und das Zigarre-Rauchen. Die Welt des getrockneten und gedrehten Tabakblattes! Ich kannte sie bisher nicht. Eine fremdländische, eine genussvolle, eine behagliche Welt. Es scheint, als säße man mit dem Autor gemütlich beisammen, und er erzählt seine Anekdoten...

Seite 40
Eberhard Reimann

Mit Leidenschaft und freier Hand

Ach ja, da sind sie wieder, die Jahre, als große Kultur in beengten und überfüllten Literaturhäusern und Clubs stattfand. Als Zahnärzte und Brauereibesitzer sich dafür flüssig machten oder Flüssiges spendeten, selbst Kommunen noch Mittel hatten und vor allem: gaben, um den Aus- oder Umbau von Lokalitäten zu fördern. Wo Kulturamtsleiter oder führende Vertreter der Räte zu den Besuchern zählten. Den...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Verborgenes, Verschwiegenes

Die fleißige Goldmarie wird belohnt, Aschenputtel bekommt den Prinzen, und Schneewittchen entrinnt mehr-fach dem Tod. - Wenn Kindern Märchen vorgelesen werden, wird unwillkürlich die erbauliche Seite betont. Hänsel und Gretel stecken die Hexe in den Backofen? So werden sie frei. Schnell ein »Ende gut, alles gut« und gar nicht drüber nachgedacht, dass die Hexe drauf und dran war, erst den Jungen, d...

Carmen Bossenz

Anna und das Böse an der Weichsel

Koniec wienczy dzielo - Das Ende krönt das Werk. Ein polnisches Sprichwort, das gerade auch zu Krimis passt. »Ein stiller Mörder« von Izabela Szolc erfüllt diese Erwartung auch bestens. Am Schluss geht es noch einmal so richtig spannend zur Sache. Dabei ist nicht nur der Mörder, sondern auch der Roman ein eher stiller. An dessen Anfang kein spektakuläres Verbrechen, sondern der Besuch der allein e...

Seite 41
Reiner Oschmann

Östliches, Westliches

Ein neuer, großartiger Roman des 43-jährigen Engländers David Mitchell: Er spielt auf dem winzigen niederländischen Insel-Handelsposten Dejima, an der Küste des japanischen Nagasaki zur Zeit Napoleons, am Beginn des 19. Jahrhunderts. Die industrielle Revolution musste sich erst entfalten, und Nagasaki blieben noch anderthalb Jahrhunderte bis zur Apokalypse von US-Amerikas Gnaden. Japan ist zu ...

ndPlusAntje Stiebitz

»Drama-Queen« im Lotussitz

Das Dasgupta-Institut verlangt asketische Disziplin: Keine Gespräche, kein Blickkontakt, keine Genussmittel, geschweige denn Sex. Beth Marriot passt auf den ersten Blick nicht hierher: Sie singt in einer Band, ist jung, sexy, liebt Männer und Frauen. Und doch hilft sie seit Monaten unentgeltlich als Service-Kraft im Institut. Sie kocht, putzt und schätzt das tägliche Gleichmaß. Warum sie ihren Auf...

ndPlusSabine Neubert

Wer kennt schon die Wahrheit?

Freundschaft und Enttäuschung, Treue und Verrat, Wahrheit und Lüge. Das sind Begriffe, die viele Menschen mit der biblischen Gestalt des Judas Iskariot verbinden. Judas war, wie wir wissen, einer der zwölf Jünger Jesu, der der Überlieferung nach seinen Meister für dreißig Silberlinge an die Häscher verriet und sich später an einem Feigenbaum erhängt haben soll. Ja, der Name Judas und das Wort J...

Seite 42
Mona Grosche

Ausweg: Schönheit

»In der Nacht, in der ich meine Frau geschwängert habe, wurde Barack Obama zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Der Vorfall ereignete sich kurz nach Mitternacht, weit bevor die Nachricht verlässlich war, und die Verbindung zwischen den beiden Ereignissen ist nicht nur natürlich, sondern auch mit absoluter Sicherheit ohne jegliche Bedeutung.« So lässt Maurizio Maggiani d...

ndPlusMonika Melchert

Picassos Musen

Die erste war gleichaltrig mit ihm, Fernande, geboren 1881. Die letzte, Jacqueline, war 46 Jahre jünger. Sie kamen aus ganz Europa - Französin, Russin, Spanierin, Kroatin ... Der geniale Maler Pablo Picasso betete die Frauen an und brauchte sie im ganz praktischen Sinne. Kunst und Erotik gehörten für ihn zusammen. In ihrem kleinen, feinen Büchlein stellt Gertraude Clemenz-Kirsch in sieben Portr...

ndPlusUte Evers

Wie der Elefant verschwand

Elefanten faszinieren seit eh und je. Vielleicht, weil in ihnen der Widerspruch zwischen imposanter Erscheinung und sensiblem Innen so deutlich wird. Die ersten Assoziationen, die man zu dem sympathischen Rüsseltier entwickelt, sind genauso realistisch wie fabelhaft. Elefanten in der Literatur sucht man traditionell in Märchen oder Legenden aus Afrika südlich der Sahara und Asien. Der Elefant ...

Sabine Neubert

Sie redete mit Vögeln und Pferden

Eine Frau von »von arroganter Einzigartigkeit« und englischer Höflichkeit: Leonora Carrington, bewundert von Männern wie Frauen. Viele haben sie geliebt. Ihre Erzählungen tragen Titel wie »Das Haus der Angst«, »Das siebente Pferd«, »Alle Vögel fliegen hoch«, »Die ovale Dame« oder »Das Hörrohr«. Ihre Gemälde sind von fantastischen Fabelwesen bevölkert; eines der bekanntesten ist das für Max Ernst i...

Seite 43
Ralf Hutter

Ich kann ja nur krächzen!

Dass Möwen eine Seele haben, was auch immer das sein mag, ist dann vielleicht doch ein bisschen zu menschlich ausgedrückt. Ansonsten sind die autobiografischen Erzählungen der Silbermöwe Oskar (geschlüpft auf einer »Kaufhalle« in Kühlungsborn an der Ostsee), die Ekkehard Kunze für uns aufgezeichnet hat, angenehm realistisch. Oskar schildert alle bisherigen Stationen seines Lebens, das »völlig ...

Kai Agthe

Himmlisch

Es ist erstaunlich, wie wenig Worte man in einem Bilderbuch auch dann braucht, wenn ein überaus verzwicktes Thema behandelt wird. Eva König hat sich für uns Gedanken über Engel gemacht. Auf jeder Doppelseite ihres großformatigen Buches steht eine kurze Frage, die mittels einer Illustration beantwortet wird. Natürlich wird vorausgesetzt, dass die himmlischen Heerscharen fliegen können. Also hakt...

ndPlusSilvia Ottow

Lommelchen im Glück

Ach, dieses Lommelchen! Warum konnte es nur nicht den Großeltern vertrauen, die ihm ausdrücklich verboten hatten, während ihrer Abwesenheit die Haustür zu öffnen? Jetzt sitzt es im Fuchsbau, entführt und eingeschlossen, weinend und schreiend. Ein Glück, dass die couragierten Großeltern eine List zu seiner Befreiung finden, den Fuchs verhauen und den kleinen Jungen wieder mit nach Hause nehmen. Das...

Seite 44
ndPlusKai Agthe

Verrücktes Haus

Nachts sind alle Katzen grau und alle Menschen im Bett. Eigentlich. Nicht so in dem alten Haus, von dem hier die Rede ist. Denn da beginnt sich das Leben mitten in der Nacht gar mächtig zu regen. Erst schnuppert und lacht die Maus Marlene, dann raucht Hausherr Mugelmann am Fenster seine Pfeife. Der Gärtner schaut nach dem Gemüse, Fritz, der Fiedler, spielt auf seiner Geige und, als merkwürdigster ...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Mütter, Kinder und das Unsichtbare

Die meisten Mütter hätten gesagt: »Kannst du nicht endlich aufhören zu spinnen? Wenigstens jetzt! Du weißt doch, wir wollen verreisen!« Aber Florians Mama war beim Kofferpacken so beschäftigt, dass sie sich nicht mal umgedreht hat. Dass ihr kleiner Junge nicht mit ans Meer fahren kann, weil er daheim seine kranken Drachen hüten muss -, sie hat es nicht mal mitbekommen. Und in der Nacht schlief sie...

Martin Hatzius

Ein Feuerdrache wie ich und du

Kinder sind Energieräuber und Nervensägen. Jeder, der es tagtäglich mit ihnen zu tun bekommt, weiß das. Wenn du eilig zur Arbeit musst, verstecken sie ihre Straßenschuhe oder verkriechen sich unterm Bett. Wenn du ihnen liebevoll gedünstetes Bio-Gemüse servierst, spucken sie es dir um die Ohren und stechen mit der Gabel nach deiner Nase. Und in der Kaufhalle wälzen sie sich vor aller Augen schreien...

Seite 45
Helge Buttkereit

Lehrreicher Parforceritt

Wenn sich der vielfach preisgekrönte Regisseur Oliver Stone und der streitbare Autor Tariq Ali über Geschichte unterhalten, kann das nur interessant sein. Und das Gespräch der beiden über die Geschichte der USA im 20. Jahrhundert hat es wirklich in sich. Anlass war das Dokumentarfilm-Projekt »The Untold History of the United States«, das dieser Tage in den USA ausgestahlt wird. Der Bogen spannt si...

ndPlusMichael Brie

Der Marxismus überlebt seine Anhänger

Über mehr als 50 Jahre erstrecken sich die Artikel und Aufsätze des Briten Eric Hobsbawm, die in diesem kurz vor seinem Tode in Deutschland erschienenen Buch versammelt sind. Manche haben erst für diese Ausgabe ihre letzte Gestalt angenommen. Nun füllen die Bücher über Karl Marx und den Marxismus mittlerweile Bibliotheken, und vieles ist des Vergessens wert. Hobsbawms Blick auf Marx aber gehört zw...

Seite 46
Marlene Mann

Ein buntes Panorama

»Das einheitliche sozialistische Bildungssystem war durchaus ein Erfolg. Bis heute hat die polytechnische, praxisnahe Ausbildung in der Wahrnehmung der Zeitgenossen eine große Bedeutung und wird positiv bewertet.« Nanu, wer behauptet denn so etwas? Elke Kimmel. Und sie hat recht. Das wissen auch Pädagogen und Erziehungswissenschaftler der Bundesrepublik. Was war schlecht an Fachausbildung mit Abit...

ndPlusPhilipp Martin

Typisch Mutti

»Mutti« umgibt sich gern mit jungen Leuten. Doch um die Zukunft der Jugendlichen ist es nicht gut bestellt in diesem Lande. Und daran ist auch Angela Merkel schuld. Es klingt wie Hohn, wenn sie - so Ende Februar 2012 in Dresden zu Studenten - verkündet, »wir alle müssen damit leben, was wir einnehmen, also nicht immer über unsere Verhältnisse leben«. Dazu merkt Paul B. Kleiser an: »Ein typischer M...

Eine mörderische Welt

Was ist das St. Johannes Stift gegen Auschwitz? - »Ich habe Glück gehabt«, meint Fritz Blum. Doch wenn man seine Geschichte liest, fragt man sich: Was soll das denn für ein Glück gewesen sein? Eines der ersten Gesetze der Nazis betraf die »Verhütung erbkranken Nachwuchses«. Mehr als 400 000 Menschen wurden zwangssterilisiert, 200 000 vergast, »abgespritzt«, durch Hunger oder Arbeit »ausgemerzt«...

Seite 47
ndPlusDetlef Kannapin

Ein unvollendetes Projekt

Dass im gegenwärtigen Zustand die Demokratie das ursprüngliche Versprechen dieser Staatsform als soziale Volksherrschaft nicht einzulösen in der Lage ist, liegt auf der Hand. Dass sich das System der repräsentativen Demokratie trotzdem immer wieder und erneut als die einzig wahre und beste Form der Demokratie stilisiert, hängt damit zusammen, dass Freiheit und Demokratie die bestmöglichen Bedingun...

Karl-Heinz Gräfe

Die Bolschewiki

Die gegenwärtig vorherrschende Meinung versucht eines der epochalsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts, die russische Revolution von 1917, zu einem der größten Schrecken der Menschheitsgeschichte zu degradieren und seinen tatsächlichen welthistorischen Rang zu negieren. In Deutschland ist sie bereits im öffentlichen Bewusstsein in den Schatten des Thesenanschlags von Martin Luther von 1517 getreten...

Seite 48
ndPlusGerd Kaiser

Großzügige Einladung

Es sind nicht die ersten - und hoffentlich nicht die letzten publizierten Erinnerungen an ein Studium in Moskau. Edgar Günther-Schellheimer absolvierte es im ersten Nachkriegsjahrzehnt von 1951 bis 1955. Er gehörte zu den ersten jungen Deutschen, die in die Sowjetunion fuhren, das Land, das exakt zehn Jahre vor ihrer Anreise heimtückisch und vertragsbrüchig von ihrer Heimat, besser: eroberungsgier...

Gerd Kaiser

Enttäuschte Hoffnung aufs Paradies

Ein sympathischer Mann mittleren Alters blickt einen von der Titelseite des Büchleins an. Drei Wochen vor seinem Tod hatte Franz Itting (1875-1967), Industrieller und Sozialist, notiert: »Ich hatte die Überzeugung, daß sich die Menschheit ein Paradies schaffen könnte.« Dem ungewöhnlichen Lebensweg und dem Verständnis des in Thüringen einst weithin bekannten »Roten Itting« vom Paradies, für den...

ndPlusFrank-Rainer Schurich

Ein lauteres Leben

»Er war ein Quereinsteiger beim Ministerium des Innern der DDR und ein Shooting-Star unter den Volkspolizisten«, bemerkt der Verlag in seiner Ankündigung des Buches. Und: »Ein lakonischer Bericht über sein ›erstes‹ Leben, das er als Diplomjurist begann und als Oberst der VP beendete.« Der lakonische Bericht hat es in sich. Gerhard Lauter hat ein bemerkenswertes Buch geschrieben. Mit 24 Jahren w...

Seite 49
Martin Hardt

Vom Waisen zum Religionsstifter

Es ist nicht leicht, über ereignisreiche, umwälzende, teils dramatische Geschichte lebendig und unterhaltsam zu schreiben. Tom Holland ist es mit seinem Buch über den Religionsstifter Mohammed und seine Zeit, die Spätantike, gelungen. Bei Wahrung wissenschaftlichen Anspruchs gibt er wertvolle Handreichung für den mit der Materie nicht so vertrauten Leser. Allein 96 Seiten umfassen Zeittafeln, Glos...

Harald Loch

Botschafter des Friedens

Wissen wir nicht bereits alles über Willy Brandt, der in dramatischer Zeit »Regierender« in Berlin war, als Bundeskanzler »mehr Demokratie wagen« wollte, mit seinem Kniefall in Warschau um Verzeihung bat und für seine Versöhnungs- und Entspannungspolitik mit dem Friedensnobelpreis geehrt worden ist? Er selbst hat etliche autobiografische Zeugnisse veröffentlicht. Mehr oder weniger Berufene haben i...

ndPlusGünter Vogler

Ein König vom Scheitel bis zur Sohle

Noch ein »Großer«, der in diesem Jahr gewürdigt wird. Das Kulturhistorische Museum in Magdeburg widmet ihm eine Ausstellung, die dritte nach den Jahren 2001 und 2006. Geboren ward er am 23. November 912 in Wallhausen bei Sangerhausen als Sohn König Heinrichs I. und Mathildes, gestorben ist er am 7. Mai 973 in Memleben an der Unstrut; beigesetzt hat man ihn im Dom zu Magdeburg. Die Rede ist von Ott...

Seite 50
ndPlusKarlen Vesper

Nonnengleiche Revolutionärin

In der Tat ist das ungewöhnlich: ein Buch über eine Fotografin, darin kein einziges Foto. Die Schriftstellerin Christiane Barckhausen bittet denn auch gleich eingangs ihrer eindrucksvollen, emotional berührenden Biografie um Nachsicht. Da im gleichen Verlag auch ein Fotoband erscheint (s. Kasten), ist jegliche Beanstandung anstandslos. Freundinnen (und Freunde) von Tina Modotti können sich als...

Klaus-Joachim Herrmann

Zwei Seiten des Roten Sterns

Wer mag die Sowjetunion verraten haben? Antworten finden sich bei Jegor Kusmitsch Ligatschow. Das war der einst mächtige Genosse neben Michail Sergejewitsch Gorbatschow, der sogar als dessen Stellvertreter galt. Vom Mitstreiter für die Perestroika, der Umgestaltung des Sowjetsystems als letztem Versuch seiner Rettung, wurde er zum Widersacher. Just den Chefreformer und »seine Streiter für Demokrat...

Seite 51
ndPlusTim Fiege

Als das Vergnügen begann ...

Im späten Mittelalter war der Fußball in England eine gewaltige Schlacht. Dorfchroniken ist zu entnehmen, dass Bauern auf einer riesigen Wiese gegeneinander antraten und sich ohne Einschränkungen an Teilnehmerzahl und Körpereinsatz rauften. König Edward II. sah sich 1315 aufgrund von Verletzungen und sogar Todesfällen zum Verbot des berüchtigten Fußball- »Spiels« veranlasst. Das schottische Parlam...

Jörg Roesler

Money, money, money ...

Bücher zur Geschichte des Geldes scheinen ein Renner zu sein, sie erscheinen im Jahrestakt: 2009 »Geld in der Geschichte« von Karl Walker, 2010 der »Aufstieg des Geldes« von Niall Ferguson, 2011 »Schulden. Die ersten 5000 Jahre« von David Graeber - und also nun von Christina von Braun eine Kulturgeschichte des Geldes. Diese Häufung ist kein Zufall, hat mit der Wirtschaftskrise zu tun, die auch - w...

ndPlusMarion Dammaschke

Die Entdeckung des apostolischen Sekretärs

Umberto Ecos Roman »Der Name der Rose« und seine Verfilmung machten vor Jahren Furore. In ihnen wird beschrieben, welche Rolle Klöster mit ihren Bücher- und Schriftsammlungen für die Überlieferung antiker Quellentexte spielten. Das Verdienst der Humanisten - Kleriker wie Laien - ist es, dieses Wissen wiederentdeckt und im geistigen und kulturellen Leben der Neuzeit reanimiert zu haben. Humanisten ...

Seite 52
Gerd Kaiser

Mutige Frauen und Männer

Über den antifaschistischen Widerstand gegen die Nazidiktatur in Schlesien ist wenig bekannt, die Literatur hierzu dürftig. Umso erfreulicher, dass die Berliner Historikerinnen Cornelia Domaschke und Daniela Fuchs-Frotscher nunmehr hierzu einen Band herausgegeben haben, der biografische und regionalgeschichtliche Studien vereint, zumeist von Autoren der ersten Nachkriegsgeneration verfasst, zu der...

Ulrike Schuster

Wagnis einer Spurensuche

Eine Tochter forscht ihrem Vater nach. Dessen Leben war durch zwei Weltkriege geprägt, 1945 zählte er zu den 1,3 Millionen Vermissten, deren Schicksal ungeklärt war. Jahrzehnte lang verschloss die Tochter, 1938 in Dresden geboren, das romantische Bild ihres »Papa Paul« still in sich, schien sich mit dem Verlust abgefunden zu haben. Bis sie 2005, als pensionierte Historikerin, aus einem Impuls hera...

ndPlusRoland Etzel

Gaddafis »Sandkasten«

Ein reichliches Jahr ist es her, seit Muammar al-Gaddafi in Libyen massakriert wurde. Kein internationales Thema bestimmte 2011 stärker die Schlagzeilen als der Bombenkrieg des Westens um die Herrschaft im ölreichsten Staat Afrikas - der Öffentlichkeit in einer beispiellosen Camouflage verkauft als Maßnahme zum Schutz der libyschen Zivilbevölkerung. Seit aber der exzentrische Oberst besiegt, sein ...

Seite 53
Suzanne Marlé

Denken heißt Überschreiten

»Im Rückblick erscheint die Berufung Ernst Blochs an die Universität Leipzig als ein glücklicher Zufall, seine Vertreibung aus der Universität hingegen als bittere Unvermeidlichkeit«, heißt es in der Einleitung der Herausgeber. Der von den Nazis ins Exil getriebene Philosoph wollte am Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft mitwirken, erregte jedoch mit seinem eigenständigen Denken, zu dem er au...

ndPlusStefan Bollinger

»Die DDR war okay«

Wer gemütliches Erinnern an eine etwas buntere DDR erwartet, wird enttäuscht. Die Buchmacher sind hin und her gerissen. So wie Anne Seeck, ein gebranntes Kind von DDR-Sozialisation und Ausreise, heute engagierte politische Bildnerin und in sozialen Bewegungen aktiv. Sie will ein differenziertes Bild dieser DDR zeichnen. Nur so könne man dem »Gezerre der unterschiedlichen Aufarbeitungsfraktionen« e...

Seite 54
ndPlusSteffen Schmidt

Für feine Nasen

Luxusartikel mögen in Krisenzeiten manchem ein wenig obszön vorkommen. Und höchstwahrscheinlich sind nd-Leser nicht die typischen Käufer von Dior-Kleidern oder Hermès-Handtaschen. Doch längst verdienen die Unternehmen der Luxusgüterbranche einen recht beachtlichen Teil ihres Geldes mit etwas massentauglicheren Produkten: mit Parfüms. Und die weitaus meisten werden nicht in duftgeschwängerten Labor...

Armin Jähne

Hellas sei Dank!

Hier wird Klartext geredet: Das alte Hellas war ein Geberland! Europa hat seine Wurzeln im antiken Griechenland. Doch gegenwärtig ist, wie Karl-Wilhelm Weeber kritisch vermerkt, »von europäischem Selbstbewusstsein und Stolz auf den gewaltigen Beitrag Europas zur Weltkultur« wenig zu hören und zu lesen. »Wer von der ›abendländischen Tradition‹ spricht, gerät, obwohl das ein präziser historischer Te...

Seite 55
ndPlusFrank-Rainer Schurich

Der liebe nette Nachbar ...

Der Autor war 42 Jahre Polizeibeamter, begann als Bereitschafts- und Schutzpolizist in Berlin-West seine Laufbahn. Als späterer Leiter des Referates »Delikte am Menschen« unterstanden ihm u.a. neun Mordkommissionen, drei Brandkommissariate und zwei Vermisstendienststellen. 1998 aus dem Polizeidienst ausgeschieden, hat er jetzt beim Militzke Verlag sein viertes Sachbuch veröffentlicht. Kriminalg...

Seite 56
ndPlusHarald Loch

Wundersames Universum

Die einen sagen: »Science Fiction ist langweilig dagegen«, andere sprechen von einem neuen deutschen »Fräuleinwunder«. Die jüngste berühmte Astronomin, Anna Frebel, Jahrgang 1980, sucht nach den ältesten Sternen und wurde bereits mehrfach sensationell fündig. Als sie 25 war, entdeckte sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit in Canberra (Australien) mit HE 1327-2326 den bis dahin metallärmsten Stern. Zwei...

Linda Löwenstein

Ach, allzu menschlich

Was unterscheidet die Götter von den Menschen? Oder umgekehrt. Eigentlich nicht viel. Zu diesem Fazit kommt man nach der Lektüre der informativen, anschaulich und amüsant verfassten Geschichte der antiken Mythologie von Philip Matyszak. Giganten, Götter und Halbgötter sind eifersüchtig und ehrgeizig, strebsam und streitsüchtig, liebevoll und hasserfüllt, zänkisch und zaudernd, kreativ und kata...