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Unten links

Glück für Rüdiger Grube: Direkt an der ICE-Neubaustrecke Stuttgart-Ulm haben Archäologen eine Ziegelbrennerei aus römischer Zeit entdeckt. Die Experten stießen auf drei gut erhaltene Brennöfen. Angeblich überlegt der Konzern nun, dort künftig die neuen ICE-Züge selbst herzustellen; der bisherige Zulieferer hatte sich dieser Tage als Scheinfirma erwiesen, die offenbar gar keine Waggons produzieren ...

ndPlusGrit Gernhardt

Tödlich billig

Wieder hat der anscheinend unstillbare Hunger westlicher Konsumenten auf möglichst billige T-Shirts, Jeans und Schuhe Todesopfer in den Herstellerländern gefordert. Und wie bei der Brandkatastrophe bei einem pakistanischen Textilhersteller im September werden sicher auch diesmal wieder kurzzeitig Forderungen laut werden, die Arbeits- und Sicherheitsbedingungen in Bangladesch, Indien oder Pakistan zu verbessern.

Wieder viele Tote bei Brand in Textilfabrik

Bei einem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch sind mindestens 109 Menschen getötet und weitere rund 200 verletzt worden. Laut den Rettungskräften war das Feuer am Samstagabend im Erdgeschoss eines Werkes der Firma Tazreen Fashion nahe der Hauptstadt Dhaka ausgebrochen. Für die Arbeiter – in der Mehrzahl junge Frauen – erwies sich das neunstöckige Gebäude als tödliche Falle: Über tausend Menschen sollen eingeschlossen gewesen sein, viele sprangen in Panik aus den Fenstern.

Trauer um die Toten in Bangladesch

Wut und Trauer in Bangladesch: Nach dem verheerenden Großbrand in einer Textilfabrik gedenkt das Land der mehr als 100 Toten. Die Regierung erklärte den Dienstag zum offiziellen Trauertag, wie ein Sprecher in Dhaka sagte.

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Geld und CO2-Ausstoß

Die internationale Klima-Diplomatie brachte in den letzten Jahren bei den UN-Gipfeln kaum Fortschritte. Zwar vereinbarte man, die globale Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit auf zwei Grad Celsius begrenzen zu wollen. Doch völlig offen ist, wie dies gelingen soll. Im Prinzip drehen sich die Verhandlungen in Doha wie bei den Konferenzen davor um die beiden ungeklärten Kernpunkte: Emiss...

Zwei-Grad-Ziel kaum noch zu schaffen

nd: Die Wissenschaft ist in Doha nicht mit am Verhandlungstisch vertreten. Ist da schon alles gesagt, fehlt nur noch eine politische Lösung?Latif: Wissenschaftlich sind die Dinge ziemlich eindeutig. Wenn wir nicht bald handeln, werden wir eine für die Menschheit einmalige Klimaänderung bekommen, in Ausmaß und Geschwindigkeit. Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Ihre...

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ndPlusRudolf Stumberger

»Fluglärm ist Terror«

Mehr als tausend Bürger haben in deutschen Städten am Wochenende gegen Fluglärm demonstriert. In München stand auch der Ausbau des Flughafens in der Kritik.

Karin Leukefeld, Damaskus

Leben mit Gewalt und Zerstörung

In vielen Teilen der Hauptstadt Syriens leben die Menschen in der Angst, zwischen die Fronten der »Freien Syrischen Armee« und der Luftangriffe der Regierungstruppen zu geraten.

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ndPlusHans-Dieter Schütt

»Lob« der Flucht

Der Polizeipräsident im kongolesischen Kinshasa meinte angesichts des Kampfes gegen die vorrückenden M23-Rebellen und einer dadurch möglichen Fluchtbewegung: Das sei nichts Besorgniserregendes, »Flucht gehört fast schon zur afrikanischen Kultur«. Jüngst wurde aus Hoyerswerda berichtet: Die Polizei empfahl einem von Neonazis bedrohten jungen Paar, das sich aktiv antifaschistisch engagiert hatte, zum Ortswechsel - man könne sie leider nicht schützen. Und: Geh doch rüber, riet man einst jenen, die in der alten Bundesrepublik zu laut die sozialistische Alternative aufriefen.

Olaf Standke

Vertagte Zone

An Moskau soll es nicht liegen. Das russische Außenministerium machte sich gestern umgehend für eine möglichst schnelle Durchführung der Internationalen Konferenz über eine atomwaffenfreie Zone im Nahen Osten stark. Zuvor hatte sich UN-Generalsekretär Ban Ki Moon optimistisch gezeigt, mit Unterstützung Russlands, der USA und Großbritanniens im nächsten Jahr ein solches Forum einberufen zu können. ...

ndPlusAert van Riel

Leere Worthülsen

Die SPD befindet sich rund zehn Monate vor der Bundestagswahl mitten im Wahlkampf. Große Versprechungen, wie die wirksame Bekämpfung der Altersarmut, gehören in dieser Zeit des Parteienwettbewerbs einfach dazu. Tatsächlich versuchen die Sozialdemokraten aber mit ihrem neuen Rentenkonzept nun einen Balanceakt. Sie wollen Gewerkschafter und Geringverdiener als Unterstützer wiedergewinnen, ohne aller...

Dolchstoß

Es war keine wirkliche Wahlkampfhilfe, was der Regener Landrat Michael Adam da per Facebook über seine Partei äußerte: Die bayerische SPD-Führung dulde nur »Ja-Sager und Speichellecker« um sich, um die »traurigen Realitäten möglichst nicht an sich heranlassen zu müssen«. Der bayerische SPD-Spitzenkandidat Cristian Ude tue ihm leid, denn »mit diesem Ballast gewinnt er die Wahl nie«. Mit Ballast war...

Merkel grillt Frankreich
Dierk Hirschel

Merkel grillt Frankreich

Im Mai wählten die Franzosen den Politikwechsel. Der Sozialist François Hollande hielt zunächst Wort: Die Rente mit 60 ist wieder da. Der Mindestlohn wurde erhöht. Jungen Arbeitslosen wird geholfen. Manager werden mit einer 75-prozentigen Reichensteuer geschröpft.

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LINKE wird weiterhin beobachtet

Berlin (AFP/nd). Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) lässt rund ein Drittel der Mitglieder der 76-köpfigen Linksfraktion im Bundestag vom Verfassungsschutz beobachten. Nach Informationen der »Welt am Sonntag« sind davon derzeit 25 der 76 Bundestagsabgeordneten der Linken betroffen, zwei weniger als bisher. Im Visier der Verfassungsschützer stehen demnach inzwischen auch vier Europa-Abge...

»Patriots«: Trittin stellt Bedingungen

Hamburg (AFP/nd). Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat Bedingungen für die Zustimmung zum Einsatz deutscher »Patriot«-Abwehrsysteme an der türkisch-syrischen Grenze gestellt. »In einem solchen Mandat müsste unzweifelhaft klargestellt werden, dass es über und auf dem Gebiet Syriens keinerlei militärische Operationen gibt«, sagte Trittin dem »Spiegel«. »Wir wollen auf keinen Fall, dass Deutschlan...

Marcus Meier, Bochum

Ein Kessel Buntes

Bisher hatten die Piraten kein Parteiprogramm. Am Wochenende trafen sich 2000 ihrer Mitglieder in Bochum, um gleich zwei Programme zu debattieren. Elf Tagesordnungs-Entwürfe, 800 Programm- und noch mehr Geschäftsordnungs-Anträge galt es abzuarbeiten.

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Neuer Poker um das Steuerabkommen

Das Steuerabkommen mit der Schweiz ist im Bundesrat gescheitert. Die SPD-Länder sind für neue Verhandlungen offen, stellen aber Bedingungen. So soll die Schweiz mit am Tisch sitzen.

Jörg Kronauer

Burschenschaften rechtsaußen

Mit einem Sieg des extrem rechten Verbandsflügels ist der »Außerordentliche Burschentag« der Deutschen Burschenschaft (DB) am Samstag in Stuttgart zu Ende gegangen.

ndPlusAert van Riel

SPD-Rebellion ist verstummt

Nach langem Streit hat sich die SPD auf ein Rentenkonzept geeinigt. Auf dem Parteikonvent der Sozialdemokraten wurde es bei vier Enthaltungen und ohne Gegenstimme angenommen.

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Iran gegen Stationierung von »Patriots«

Teheran/Damaskus (dpa/nd). Nach Russland und Syrien hat auch Iran die geplante Stationierung von »Patriot«-Luftabwehrraketen an der türkisch-syrischen Grenze kritisiert. »Diese Mission ist für die Syrien-Krise nicht hilfreich, im Gegenteil, sie macht die ganze Angelegenheit nur noch komplizierter«, sagte Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast am Sonntag nach Angeben der Nachrichtenagentur ISNA. An d...

Ban will keine Atomwaffen in Nahost

New York (dpa/nd). UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ist nach eigenen Worten »fest entschlossen«, im Nahen Osten die Schaffung einer atomwaffenfreien Zone voranzutreiben. In einer Erklärung, die am Samstag von den Vereinten Nationen in New York verbreitet wurde, gab sich Ban optimistisch, mit Unterstützung Russlands, der USA und Großbritanniens 2013 eine entsprechende Konferenz einberufen zu können. ...

ETA-Angebot: Auflösung und Abgabe der Waffen

Madrid (dpa/AFP/nd). Die baskische Untergrundbewegung ETA ist unter Bedingungen bereit, ihre Waffen abzugeben und sich aufzulösen. In einer Erklärung, die am Sonntag in der baskischen Zeitung »Gara« veröffentlicht werden sollte und von der Auszüge bereits am Samstag im Internet verbreitet wurden, nennt die Gruppe eine Übereinkunft mit den Regierungen Spaniens und Frankreichs über das Schicksal ihr...

M23 treffen sich mit Kabila

Der Gipfel der Internationalen Konferenz der Großen Seen Afrikas (ICGLR) zeigt erste Wirkung: Am Samstag trafen sich die kongolesischen Rebellen der M23-Bewegung zu einem ersten Gespräch mit dem Präsidenten der Demokratischen Republik, Joseph Kabila - ohne konkrete Ergebnisse. Die M23 hatte nach der Einnahme der Millionenstadt Goma im Landesosten am vergangenen Dienstag noch angekündigt, von dort aus mit einem langen Marsch auf das 1600 Kilometer entfernte Kinshasa der Regierung Kabila ein Ende zu bereiten.

Karin Leukefeld

Misstrauen gegen Mursi wächst

Die Machtpolitik von Präsident Mursi stößt in Ägypten auf starken Widerstand. Am Sonntag traten viele Richter und Staatsanwälte in den Streik. In Kairo und andernorts gab es Straßenschlachten mit der Polizei. Für Sonntagabend hatten Mursis Muslimbrüder zu Solidaritätsbekundungen für den Präsidenten aufgerufen.

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ndPlusLeo Burghardt, Havanna

Kuba atmet auf

Die Hurrikan-Saison über den Nordwestatlantik und die Karibik geht zu Ende, sie war eine der aktivsten seit 1965.

Filippos Sacharis, Athen

Athen rüstet selbst in der Krise auf

Trotz der Finanzkrise, des strikten Sparkurses und der von der Troika auferlegten Maßnahmen setzt Griechenland seine umstrittenen Rüstungsprogramme fort.

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22 Regionalzüge fehlen zum Fahrplanwechsel

Berlin (AFP/nd). Nach den Lieferverzögerungen bei den ICE-3-Zügen von Siemens wegen Softwarefehlern gibt es nun offenbar auch Probleme bei den Regionalzügen Talent 2. Der Hersteller Bombardier habe die Bahn über Schwierigkeiten bei der geplanten Zulassung von 22 neuen Zügen beim Eisenbahnbundesamt informiert, berichtete die »Bild am Sonntag« unter Berufung auf Industriekreise. Eigentlich hätten de...

»Testament« für Banken geplant

Deutsche Großbanken sollen nach dem Willen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in einem sogenannten Testament ihre Sanierungspläne für den Fall einer möglichen Pleite darlegen. Ziel ist es, dass die Kreditinstitute im Notfall ohne Kosten für den Steuerzahler zügig saniert oder geschlossen werden können, wie die »Süddeutsche Zeitung« am Samstag berichtete. Ein Ministeriumssprecher bestätigte den Bericht.

Hendrik Lasch, Dresden

Ein Anker im Treibsand

Dresden will seine Anteile am ostdeutschen Gasversorger VNG verkaufen. Damit droht Leipzig dessen Firmensitz zu verlieren - falls nicht andere Städte in die Bresche springen.

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Steffen Schmidt

Gar nicht so rein

Dank einer Vielzahl in den vergangenen 20 Jahren neu gebauter Kläranlagen, nicht zuletzt bei den verbliebenen Chemieunternehmen, hat sich der Zustand ostdeutscher Flüsse erheblich verbessert. In zuvor nahezu toten Gewässern leben heute wieder Fische. Die Sache hat allerdings einige Haken: Zum einen sind die Anlagen im Osten Deutschlands vielerorts so überdimensioniert, dass die laufenden Kosten je...

Hilmar König

Hoffnung für Indiens Geier

Unter Indiens Ornithologen keimt das zarte Pflänzchen Hoffnung, dass die drei verbreitetsten Geierarten des Landes doch nicht aussterben. Eine gerade veröffentlichte Studie spricht erstmals wieder von einer Stabilisierung, ja leichten Erholung der Population - allerdings auf immer noch erschreckend niedrigem Niveau.

ndPlusAndreas Knudsen

EU will intelligente Stromnetze

Die Umstellung auf die teilweise stark schwankenden erneuerbaren Energiequellen macht es notwendig, den Stromverbrauch dem Angebot anzupassen. Stromnetze mit sogenannten intelligenten Stromzählern und Großgeräten sollen da helfen.

ndPlusJohn Dyer, Boston

Kalifornien folgt der EU

Der US-amerikanische Bundesstaat Kalifornien hat erfolgreich CO2-Emissionszertifikate verkauft. Damit folgt er dem Beispiel der Europäischen Union. Das kalifornische Emissionshandelssystem ist weniger ehrgeizig als dasjenige der EU, aber immerhin das zweitgrößte der Welt.

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Wieder Gewalt auf dem Alex

(dpa). Sechs Wochen nach der brutalen Gewaltattacke ist am Alexanderplatz erneut ein Jugendlicher zusammengeschlagen worden. Ein Passant konnte Schlimmeres verhindern. Nach Polizeiangaben waren drei bis vier Unbekannte am späten Freitagabend nach einem Streit auf den stark betrunkenen 18-Jährigen losgegangen. Sie sollen auch gegen seinen Kopf getreten haben. Das Opfer kam mit leichten Prellungen i...

Debatte nach Charité-Skandal

(dpa). Versäumnisse von Kollegen haben nach Darstellung des Berliner Charité-Chefs Karl Max Einhäupl zu den Informationspannen nach dem Missbrauchsverdacht an Deutschlands größtem Uni-Klinikum beigetragen. Einhäupl verteidigte sich in der »Welt am Sonntag« und der »Berliner Morgenpost« gegen Vorwürfe, er habe auf erste Hinweise zu dem Missbrauchsverdacht nicht rasch genug reagiert. Ein 58 Jahre al...

Martin Kröger zum gefährlichen Spiel mit der Angst

Mit jeder Zeile unsicherer

Schon wieder wurde am Alexanderplatz zugeschlagen. Nicht einmal sechs Wochen nach der tödlichen Attacke auf Jonny K. fliegen am S-Bahnhof im Herzen der Stadt erneut die Fäuste, und es soll wieder auf ein Opfer eingetreten worden sein. Doch diesmal schreitet ein Passant ein und verhindert Schlimmeres. Gerade dieses couragierte Eingreifen sollte den Medien eine Schlagzeile wert sein, möchte man meinen. Stattdessen werden im Boulevard einmal mehr in den Schlagzeilen die Täter herausgehoben: Von »Alex-Prüglern« ist die Rede oder der »Bande, die Teenager in Klinik prügelte«.

Paul Liszt

5000 bei Gedenken an Silvio Meier

Plötzlich fliegen Flaschen, Steine, Farbbeutel und pyrotechnische Erzeugnisse. Die Scheiben des von Neonazis genutzten Ladengeschäfts in der Lichtenberger Lückstraße halten der Attacke von Teilnehmern der linken Gedenkdemonstration für Silvio Meier an diesem Sonnabendabend jedoch stand. Während sich drinnen im Laden rund 30 Neonazis versteckt halten, ziehen nach Veranstalterangaben vor der Tür rund 5000 Menschen für Silvio Meier vorbei - jenen Hausbesetzer und Umweltbewegungs-Aktivisten, der vor 20 Jahren am U-Bahnhof Samariter Straße in Friedrichshain von Neonazis erstochen worden war.

ndPlusBernd Kammer

Matinee mit Kandidaten

Nicht alle Tage lädt die Linkspartei zu einer Matinee ein. Gestern war es so weit. Die Berliner LINKE hatte zu »(la) matinée« gebeten und freundlicherweise die Übersetzung für französisch Minderbegabte gleich mitgeliefert: »am Vormittag stattfindende oder beginnende künstlerische Veranstaltung«. Bei einer solchen präsentierte sie im Quadriga Forum am Werderschen Markt ihre schon nominierten Direktkandidaten für die kommende Bundestagswahl.

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Neue Adresse für Kennedys

(dpa). Das Berliner Museum The Kennedys hat eine neue Adresse: Es ist vom Brandenburger Tor in die ehemalige Jüdische Mädchenschule gezogen. Das 500 Quadratmeter große Museum über die berühmte amerikanische Politikerfamilie hat seine Ausstellung um weitere Fotos, Dokumente und persönliche Gegenstände vergrößert, darunter ein Koffer und eine Brille von »JFK«. Zur Eröffnung am Samstagabend kam neben...

Robert Meyer

Das Gefühl in der Ecke

Schon ein wenig depressiv: Dieser Eindruck drängt sich auf, betrachtet man die zehn kleinen Bilder des niederländischen Künstlers Erwin Olaf, die, platziert rundherum an den Außenwänden eines ovalen kleinen, in der Galerie aufgestellten Häuschens, Menschen zeigt, die nach innen gewandt sind. Bis auf eine Ausnahme schauen sie alle mit leicht gesenkten Köpfen auf die Wand vor ihnen. Mit »I am not in...

ndPlusKarin Schmidt-Feister

Fata Morgana Brüderlichkeit

Wut entspricht nicht dem genormten Sozialverhalten. Sie kann selbstzerstörerisch sein, gilt als Charakterschwäche. In einer grellen, auf cool getrimmten Alltäglichkeit, in der sich (scheinbar) niemand mehr über Missstände erregt, ist dieser Zustand ein wichtiger Impuls, um wahrgenommen und gehört zu werden. Auch die neue Tanzschöpfung der cie. toula limnaios »wut« ist ein Stück über Erschütterung und Protest.

ndPlusLucía Tirado

»Haut doch alle ab!«

Walter Plathe wird im Theater am Kurfürstendamm verdient umjubelt. Mit Herz gibt er die Figur des Droschenkutschers Gustav Hackendahl. Uraufgeführt wurde dort »Der eiserne Gustav« nach dem Roman von Hans Fallada in einer Theaterfassung von Peter Lund. Die Inszenierung wird bis Januar gezeigt. Sie hat jedoch das Zeug zum Dauerbrenner als Volkstheaterstück, das man nur hier an der Spree so zu sehen ...

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»Bürgerkompass« überreicht

Rund 200 Sachsen haben bei einem Forum in Dresden Vorschläge für die künftige Regierungsarbeit erarbeitet. Die Forderungen nach kleineren Schulklassen, eine gerechtere Entlohnung der Lehrer, mehr Polizei in der Fläche und Mindestlöhne standen ganz oben auf dem Wunschzettel der Bürger, den sie am Samstag Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) überreichten. Der sicherte eine gründliche Prüfung zu.

ndPlusHarald Rohde, dpa

Weihnachtsmärkte ab heute geöffnet

Gebrannte Mandeln, Glühwein, Christbaumschmuck und Räuchermännchen warten schon - am heutigen Montag werden in Berlin die Weihnachtsmärkte eröffnet, traditionell einen Tag nach Totensonntag. Berliner und Touristen haben in den kommenden Wochen eine große Auswahl. Gleich mehrere Dutzend kleine und große Weihnachtsmärkte hoffen auf einen Besucheransturm. Einige Märkte sind bis Weihnachten geöffnet, ...

ndPlusVelten Schäfer

Spott und Ermittlungen in Stralsund

Nach dem spottbilligen Verkauf wertvoller Bücher aus den Beständen des Stadtarchivs steht Stralsund bundesweit weiter am Pranger. Nun gibt es sogar staatsanwaltliche Ermittlungen wegen möglicher Untreue.

Kathrin Zeilmann, dpa

Bayerisch Sibirien?

In München scheint die Sonne - und in Hof ist es kalt und neblig? In München warten hoch dotierte Jobs - und aus dem Nordosten Frankens wandern die Menschen ab? Firmenchefs aus Hochfranken sagen: Die Region ist besser als ihr Ruf.

Nicolas Šustr

Der Traum von der eigenen Brauerei

Wie ein ganz normales Wohnhaus wirkt der Altbau an der Petersburger Straße in Friedrichshain. »Flessa Bräu« steht auf einem kleinen Plakat neben der Hofeinfahrt, darüber ein stilisierter, knorriger Baum. Was zunächst aussieht wie ein Souvenir aus der Heimat eines süddeutschen Zugezogenen ist tatsächlich das Firmenschild einer echten kleinen Brauerei.

ndPlusMarina Mai

Henkel lässt Ex-Polizist im Stich

Innensenator Frank Henkel (CDU) verweigert einer im früheren Jugoslawien von Verfolgung bedrohten Familie ein Bleiberecht. Familie Nuhi gehört dem Volk der Goranen an, einer slawische Minderheit im Kosovo mit einem moderaten islamischen Glauben.

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Dieter Hanisch

Laizismus - nicht vor der Wahl

Die jungen Liberalen im hohen Norden wollten per Parteitagsantrag die Kirchenprivilegien angreifen. Der Antrag scheiterte nicht zuletzt am Widerstand der Altvorderen.

Hans-Gerd Öfinger

Quartett als »integrative Lösung«

Vierer-Rat statt Doppelspitze - so heißt das Rezept, mit dem die rheinland-pfälzische LINKE ihren Dauerstreit kitten will.

Anja Sokolow, dpa

Landeslabor kräftig in den Miesen

Das gemeinsame Landeslabor Berlin-Brandenburg hat in den vergangenen zwei Jahren ein Defizit von rund 1,3 Millionen Euro erwirtschaftet. 2011 lag das Minus bei rund 875 000 Euro, im Jahr zuvor bei rund 408 000 Euro, wie aus einer Antwort von Brandenburgs Gesundheitsministerin Anita Tack (LINKE) auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht. Ein neues Gesetz sowie gestiegene Personal- und Materialko...

ndPlusAndreas Fritsche

»Drei harte Jahre des Lernens«

Die Textfassung eines neuen Leitbilds der Brandenburger Linkspartei liegt vor. Der Entwurf klingt nach einem Regierungsprogramm für eine zweite rot-rote Legislatur.

ndPlusAndreas Fritsche

Vom Kapitalismus befreien

»Da der neoliberale Staat seinen Gestaltungsanspruch und die dazugehörigen rechtlichen wie finanziellen Instrumente ein gutes Stück weit aus der Hand gegeben hat, ist er von privater Wirtschaftsmacht erpressbar geworden. Unter solchen Verhältnissen laufen demokratische Verfahren Gefahr, zu formalen Riten umfunktioniert zu werden ... Die demokratische Idee muss sich vom Kapitalismus, von Konzernmac...

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Wolfgang Hübner

Schlaflos

»Wie sehen Sie denn aus?« fragte Herr Mosekund einen Nachbarn, dessen mattes, durchfurchtes Gesicht von akuter Übermüdung zeugte. »Schrecklich, dieser Jetlag«, antwortete der Nachbar, »man wälzt sich hin und her, aber die Gedanken schießen kreuz und quer und der Schlaf will einfach nicht kommen.« - »Das kenne ich nur zu gut«, sagte Herr Mosekund anteilnehmend. »Sie fliegen?« fragte der Nachbar ers...

Öleganz

Die Kunst schützt vorm Bösen - aber nur, indem sie sich ihm vorbehaltlos hingibt. Man wird seine Albträume nicht dadurch los, dass man sie zensiert. So schuf Gott das hemmungslose »Dallas« und also J. R. Ewing. Nicht in sechs Tagen, in über 350 Folgen, bis 1991. Clan und Claims. Die Mustermesse texanischer Magnatenmoral. Larry Hagman als besagter Ewing. Ein Lächeln wie ein Lustmord. Unterm Cowboyh...

Aufgeklärt

Ein bewaffneter Raubüberfall auf ein Museum im antiken Olympia scheint teilweise aufgeklärt zu sein. Wie griechische Medien unter Berufung auf die Polizei berichteten, wurden drei Verdächtige verhaftet. Sie sollen einen Gegenstand, der im Februar aus dem Museum gestohlen wurde, zum Kauf angeboten haben. Wie es weiter hieß, führte einer der Verhafteten die Polizei zu einem Versteck, wo weitere Schä...

»Verehrte Fernsehfreunde!«

Es schien, als hätte das Fernsehen damals noch Scheu, als verfüge es noch über Respekt. Ja, es schien, als wisse das Fernsehen sehr früh um seine äußerst direkte Wesensart, in fremde Wohnzimmer einzudringen, und als wolle es daher diesem zwangsläufig derben Verhalten eine abmildernde Begleitform geben. Zur Neugier, die es befriedigte, musste also unbedingt etwas kommen, das dem abendlichen »Hausfr...

Gunnar Decker

Der König ist der König

Was wird hier gespielt? Wenn man das nur immer wüsste! Der Untertitel zu Dimiter Gotscheffs knallbuntem Shakespeare-Abend lautet: »Spiele für Mörder, Opfer und Sonstige«. Die Sonstigen sind wohl wir, die Zuschauer - denn ohne sie (uns) könnte man sich das Ganze hier sparen. Was also sehen wir? Best of Shakespeare, Shakespeare für Eilige

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Hendrik Lasch

Die unerträgliche Stille eines Tizian

Als der Mundwasserfabrikant Karl August Lingner 1912 das Hygienemuseum in Dresden gründete, entwarf er dieses als »Stätte der Belehrung«. 100 Jahre später, in Zeiten von Wikipedia, sind Museen nicht mehr die unangefochtenen Archive des Wissens. Ebenso wenig sind sie Kathedralen der Hochkultur oder Orte, die gesehen zu haben Pflicht eines Bildungsbürgers ist. Ein Museumsbesuch, sagt der Direktor de...

ndPlusStefan Amzoll

Völlig unterschätzt

Wie das Kapital, es verbaut die Zukunft aller, ist der Musikbetrieb, vom Kommerz zerfressen, richtig dämlich. Noch seine Besten ignoriert er. Da sitzt in Berlin einer, die Schubladen vollgepackt mit ungespielten Noten, und schlägt Achten durchs Zimmer, auf nichts mehr wartend als auf Frau und Tochter, und wird nicht beachtet. Selbst schuld, die Bagage, die seine Offerten ausschlägt. Er selber, nicht kleinzukriegen, hat sich daran gewöhnt und ist trotzdem guten Mutes. Er komponiert weiter und ist so verwegen, wie er immer war.

ndPlusHans-Dieter Schütt

unzufrieden, unglücklich, unruhig sein

Wenn die Natur, wie der französische Philosoph Pierre Bayle sagte, eine Art Krankheitszustand ist und der Mensch unvergleichlich mehr zum Bösen als zum Guten neigt; wenn es, wie der Misanthrop Molière meinte, eine Narrheit ohnegleichen wäre, dass man sich in die Verbesserung der Welt mischen wollte; wenn wir täglich an uns und anderen beobachten, dass wir nicht reden, wie wir denken, und nicht handeln, wie wir reden;

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Hertha in Aue souverän

Hertha BSC bleibt nach dem Blitz-K.o. in Aue im 13. Spiel in Serie ungeschlagen und hat den Abstand zu Tabellenführer Braunschweig auf zwei Punkte verkürzt. Erzgebirge Aue war den Berlinern am Sonntag in keiner Weise gewachsen. »Nun haben wir eine gute Ausgangsituation für das Spiel am Donnerstag gegen Köln«, sagte Hertha-Trainer Jos Luhukay. Das 1:0 vor 11 500 Zuschauern - darunter 2500 Herth...

ndPlusJens Mende, dpa

Sie wollen Spaß haben

Es war ein besonderer Sieg für Energie. Denn Braunschweig kassierte die erste Pleite in dieser Zweitligasaison. Mit höheren Zielen aber will sich in Cottbus keiner der Protagonisten beschäftigen.

Klaus Bergmann, dpa

Bayerns krachende Fünf-Tore-Ansage

»Aufwachen!« Auf den Befehl von Boss Rummenigge reagieren die Bayern-Stars umgehend mit einer Torgala gegen Hannover. Der Start in die große Dortmund-Woche ist geglückt. 40-Millionen-Mann Martínez schießt ein Traumtor - Gomez erlebt eine »Gefühlsexplosion«.

Stephan Fischer

Frustrierender Dauerbeschuss

»Werbung für den Frauenfußball« hatte sich Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann gewünscht. Diesen Wunsch löste nur seine Mannschaft ein, gewann am Freitagabend 2:1 vor 3000 Zuschauern gegen Potsdam und führt jetzt die Liga an.

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Schock für Nationalteam

Schock für die Handball-Nationalmannschaft und für den Bundesliga-Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen: Linksaußen Uwe Gensheimer fällt nach einer Verletzung für die WM im Januar in Spanien und für den Rest der Bundesligasaison aus.

Stets für Überraschungen gut

Stets für Überraschungen gut

Am Freitag steigt im nd-Verlagsgebäude die 7. Damenschachgala. Bis Donnerstag stellen wir täglich eine Spielerin vor. Heute: Anna Christina Kopinits (27). Zwar gilt die österreichische Staatsmeisterin (Foto: privat) mit 2247 ELO-Ratingpunkten als Außenseiterin neben Titelverteidigerin Elisabeth Pähtz (ELO 2482) aus Berlin und der zweiten Favoritin, der Europameisterin und Blitzschach-Weltmeisterin Walentina Gunina (ELO 2514) aus Russland. Doch in Abwandlung der Fußballweisheit liegt die Wahrheit auf'm Brett. Der Grazerin Anna Kopinits eilt der Ruf voraus, für Überraschungen gut zu sein.

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Loch krönt Männer-Gala

Beim Weltcup-Start in Innsbruck-Igls jubelten nur die deutschen Rodler um Felix Loch. Für die größte Überraschung sorgte ausgerechnet die älteste Frau im Rodel-Zirkus: Anke Wischnewski machte ihren zweiten Sieg perfekt. Dagegen ging Olympiasiegerin Tatjana Hüfner leer aus.

ndPlusThomas Wolfer, SID

Zwischenziel erreicht

Die frühere Skilangläuferin Evi Sachenbacher-Stehle hat sich für den Biathlon-Weltcup qualifiziert. Im IBU-Cup landete die Umsteigerin im ersten internationalen Rennen ihrer Karriere nach vier Schießfehlern auf dem 24. Rang. Am Sonntag wurde sie 18.

Gerald Fritsche, dpa

Severin Freund mal oben und mal unten

Nach einer Rückenoperation im Frühjahr fehlte Severin Freund viel Training. Doch der Skispringer aus Rastbüchl kämpfte sich wieder heran und belohnte sich für seinen Trainingsfleiß selbst mit seinem Sieg beim ersten Einzelweltcup der neuen Saison auf der Normalschanze in Lillehammer. Beim zweiten Springen auf der Großschanze wurde er nur 16.