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Unten links

Deutschland steht am Pranger. Wegen Unfähigkeit im Kampf gegen Korruption und Bestechung. So jedenfalls der Vorwurf gestern aus Straßburg, erhoben von einer Institution, die sich GRECO nennt. El Greco? Dahinter verbirgt sich doch der Grieche! Undank ist der deutschen Politiker Lohn. Da schlagen sie sich Nächte um die Ohren (weshalb ihnen im Bundestag die Äuglein zufallen), jetten um den Globus auf...

Auf dem Weg nach Palästina

Es ist ein Stück des Weges zur UN-Vollmitgliedschaft und damit auch zur Eigenstaatlichkeit: Palästinenserpräsident Mahmud Abbas will heute einen Antrag im UN-Plenum stellen, der den bisherigen Status der Vertretung seines Volkes aufwertet. Ähnlich wie im Vorjahr gibt es darüber heftige und kontroverse Debatten, allerdings wenig Zweifel, dass der Antrag von einer überwältigenden Mehrheit der Staaten befürwortet wird.

Wahrheitstest

»Israel ist unser Freund, die friedlichen Palästinenser sind es ebenfalls«, sagte Außenminister Guido Westerwelle letzte Woche im Bundestag, als die Waffen zwischen Tel Aviv und Gaza noch nicht schwiegen. Der Satz – merkwürdig genug: bei Israel hat die Freundschaft keinen Friedlichkeitsvorbehalt – steht heute vor der UNO im Wahrheitstest. Die Bundesregierung wird ihn nicht bestehen.

Ungleichheit ist gestrichen

Die Bundesregierung hat den Entwurf des Armuts- und Reichtumsberichts in entscheidenden Passagen verändert. Das bestätigte ein Sprecher des CDU-geführten Arbeitsministeriums am Mittwoch nach entsprechenden Medienberichten. Treibende Kräfte hinter der Überarbeitung sollen die FDP und das Bundeskanzleramt gewesen sein.

Karin Leukefeld

Ägypten kommt nicht zur Ruhe

Auch am Tag nach dem größten Oppositionsprotest seit dem Sturz des früheren ägyptischen Machthabers Husni Mubarak hat sich die Lage in Ägypten nicht beruhigt.

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Die Zwei-Staaten-Lösung

Die Zwei-Staaten-Lösung gilt international als der von der UNO vorgegebene Königsweg zur Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts: In einer Vielzahl von Friedensinitiativen und Verhandlungsrunden haben über die Jahre hinweg einzelne Staaten und Staatengruppen immer wieder versucht, die Umsetzung des Konzeptes »Zwei Staaten für zwei Völker« auszuhandeln - stets ohne Ergebnis. Und das, obwo...

ndPlusOliver Eberhardt

Ein Schritt zum Staat

Heute wird die Vollversammlung der Vereinten Nationen über die Aufwertung Palästinas zum Staat mit Beobachterstatus abstimmen. Die Zustimmung gilt trotz des Widerstands Israels als sicher - und damit auch der Zugang zu einer Vielzahl von internationalen Organisationen. Deutschland wird dagegen stimmen und steht damit in Europa recht allein da.

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Vom Kämpfer zum Theaterdirektor

Vom Kämpfer zum Theaterdirektor

Zakaria Sbeidi ist eine Art lebender Prototyp. Im Flüchtlingslager Jenin galt er als Ikone des Widerstandes. Einst war er Israels meistgesuchter Terrorist. Immer wieder versuchte die israelische Armee, ihn zu töten. Statt seiner starben Freunde.

Von einem, der überlebte
ndPlusFabian Köhler

Von einem, der überlebte

Im Flüchtlingslager Jenin galt er als Ikone des Widerstandes. Immer wieder versuchte die israelische Armee, ihn zu töten. Statt seiner starben Freunde. Seine Mutter sah er verbluten. Jahre später und ausgezehrt von Haft und Folter führt Zakaria Sbeidi nun den Kampf weiter – an einem Theater.

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Geierfonds über Argentinien

Fitch dürfte Argentiniens Präsidentin kalt lassen. Zwar stufte die Ratingagentur das südamerikanischen Land um fünf Stufen ab, doch das muss Cristina Kirchner nicht kümmern. Schließlich ist Argentinien seit dem Staatsbankrott 2002 ohnehin vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten und die nun drohenden höheren Risikoaufschläge somit nur von theoretischer Natur. Weit weniger kalt lassen dürfte ...

Die Macht des Wortes

Dass Worte eine große Wirkung haben können, ist eine Binsenweisheit. Ob die Regierung aber im Falle des Armuts- und Reichtumsberichts die Macht des eigenen Wortes nicht doch etwas überschätzt? »Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt und bei der Beschäftigung darf nicht gefährdet werden«, hieß es am Mittwoch aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Damit begründete das FDP-geführte Ressort die haupt...

Geordneter Abzug

Der Abzug aus Afghanistan ist ohne Zweifel eine gigantische militärische und logistische Herausforderung. Und zugleich ist er eine politische Zukunftsangelegenheit. Kaum ein anderes Thema hat in den vergangenen zehn Jahren zu so kontroversen Debatten geführt wie der Kriegseinsatz deutscher Soldaten am Hindukusch. Folglich wird am Ende Rechenschaft über das Erreichte gefordert. Was dazu bislang vor...

ndPlusSilvia Ottow

Laut und leise

Als 2008 ein junger CDU-Bundestagsabgeordneter die Rentenerhöhung der Großen Koalition als Wahlgeschenk kritisiert, das die junge Generation mittel- und langfristig viel Geld kosten werde, kennt die Empörung keine Grenzen. Hosenscheißer und Rotzlöffel nennen ihn wütende Rentner, und der junge Mann hat etwas zu erzählen in den Talkshows, in die er sich gern einladen lässt. Jens Spahn, 32, gebore...

Stephan Fischer

Fans gegen Homophobie?

Als erster Profiklub enthüllt der SV Babelsberg 03 am Samstag eine Werbebande gegen Homophobie im Stadion. Stephan Fischer sprach mit dem Präsidenten Thomas Bastian.

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René Heilig

Und weiter blühen Mohn und Korruption

Im Februar 2014, wenn das nun neu beantragte Afghanistan-Mandat ausläuft, sollen am Hindukusch maximal noch 3300 deutsche Soldaten eingesetzt sein. Derzeit sind es 4600. Zugleich bekräftigte das Kabinett gestern, bis Ende 2014 alle Bundeswehr-kampftruppen abzuziehen. Dann bleiben nur Ausbilder und Berater.

ndPlusAert van Riel

Vertrauen in die NATO

Grüne Friedenspolitiker rufen die Bundestagsabgeordneten ihrer Partei dazu auf, gegen den Patriot-Einsatz in der Türkei zu stimmen.

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ndPlusHendrik Lasch

Kürzung per Aufstockung

Im Kampf gegen Rechts ist die Zivilgesellschaft gefordert - der Satz war auch beim Aktionsforum gestern in Hoyerswerda wieder zu hören. Allerdings empfinden viele Vereine, die Sachsens Kommunen beraten und örtliche Initiativen unterstützen, solche Äußerungen derzeit als wohlfeil. Schließlich ist die schwarz-gelbe Koalition in Dresden gerade dabei, ihnen die Mittel zu kürzen. Zwar wurde vergang...

ndPlusSilvia Ottow

Im Zweifel gegen den Patienten

Begleitet von kritischen Forderungen der LINKEN, Grünen und Sozialdemokraten wird am heutigen Donnerstag der Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten im Bundestag beraten.

Hendrik Lasch, Hoyerswerda

Umzugshilfe als Opferschutz

Bei einem Naziübergriff im Oktober in Hoyerswerda riet die Polizei den Opfern zur Flucht. Der Vorfall schlug hohe Wellen. Ein »Lokales Aktionsforum« sollte diese jetzt glätten.

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Pilotprojekt Serbien-Kosovo

Belgrad (dpa/nd). Serbien und Kosovo wollen ihre Grenzen erstmals gemeinsam verwalten. Ein Pilotprojekt werde ab Montag am Übergang Jarinje erprobt, berichteten die Zeitungen »Politika« und »Blic« am Mittwoch in Belgrad. Grenzpolizisten und Zöllner aus Serbien und Kosovo sollen dort unter Aufsicht der EU-Rechtsstaatsmission (EULEX) gemeinsam Dienst verrichten. Bewährt sich das Verfahren, wird es a...

Massaker in Irak

Bagdad (dpa/AFP/nd). Extremisten haben in Irak eine siebenköpfige Familie massakriert. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen drangen mehrere Unbekannte am Mittwoch in das Haus der Familie in Al-Tarmija im Norden der Hauptstadt Bagdad ein. Sie töteten den Familienvater, seine Frau und ihre fünf zum Teil schon erwachsenen Kinder. Anschließend konnten die Täter unerkannt fliehen. Zum Hintergrund der Ta...

Jürgen Vogt, Buenos Aires

Mammutprozess in Argentinien

In Argentinien hat der bisher größte Prozess gegen Militärangehörige wegen Menschenrechtsverbrechen während der letzten Diktatur begonnen.

Irina Wolkowa, Moskau

Moskau plant Sondereinheiten für Auslandseinsätze

Mit vorbeugenden Auslandseinsätzen von Armee und Geheimdiensten gegen den Terror überall auf dem Globus drohte Wladimir Putin bereits 2004. Jetzt nimmt das Vorhaben konkrete Gestalt an.

Anschläge erschüttern Damaskus

Bei Bombenanschlägen in einem vorwiegend von Christen und Drusen bewohnten Viertel der syrischen Hauptstadt Damaskus sind am Mittwoch 44 Menschen getötet worden.

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Hannes Hofbauer, Wien

Die Krisenwelle schwappt gen Osten

Kasachstan plus 5 Prozent - Slowenien minus 2 Prozent. So weit liegen die Wachstumsraten der Volkswirtschaften im ehemaligen »Ostblock« auseinander. Gleich für acht Staaten im Osten bilanzieren die Ökonomen des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) im Jahre 2012 eine Rezession.

ndPlusMarkus Schönherr, Kapstadt

Côte d'Ivoires langer Weg zum Frieden

Zwei Jahre sind vergangen, seit mit dem Stichwahlsieg Alassane Ouattaras gegen Amtsinhaber Laurent Gbagbo der Führungswechsel in Côte d'Ivoire eingeleitet wurde. Das Land schlitterte damals monatelang am Rande eines neuen Bürgerkrieges. Die Lage hat sich beruhigt, doch die Probleme bleiben.

Ralf Klingsieck, Paris

Widerstand gegen den »Ayraultport«

Der Widerstand gegen den geplanten Bau eines Großflughafens in Notre-Dame-des-Landes bei Nantes geht ungebrochen weiter, obwohl die Regierung ihre Pläne mit Polizeigewalt durchzusetzen versucht.

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Opel plant Entlassungen

Bochum/Düsseldorf (dpa/nd). Der Autohersteller Opel treibt den Stellenabbau voran. Am Standort Bochum soll das Getriebewerk mit derzeit rund 300 Beschäftigten bis Ende 2013 geschlossen werden, wie der Betriebsrat in einer Information an die Opel-Beschäftigten ankündigte. Mit den Betriebsräten wolle die Geschäftsleitung über einen Interessenausgleich und Sozialplan sprechen, sagte ein Sprecher der ...

Libor-Skandal: Fehlverhalten Einzelner

Berlin (dpa/nd). Die Deutsche Bank hat in einer Anhörung durch den Finanzausschuss des Deutschen Bundestags ihre Linie im Skandal um die Libor-Manipulationen bekräftigt. »Wir haben ein Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter festgestellt«, sagte Stephan Leithner, Rechtsvorstand des Instituts, am Mittwoch in Berlin. Den internen Untersuchungen zufolge könne die Bank ausschließen, dass das höhere Manage...

ndPlusFabian Lambeck

Zu viel Antibiotika im Stall

Der Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft beschäftigte sich gestern mit einer Novelle des Arzneimittelgesetzes. Es soll den umstrittenen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung besser regeln. Auf konkrete Vorgaben verzichtet der Entwurf, dabei wird selbst den Bauern die Sache langsam unheimlich.

ndPlusSimon Poelchau

Schärfere Regeln für Moody's & Co.

Staatsanleihen sollen nur noch zu bestimmten Terminen benotetet werden können. Bis zum Jahresende soll dies europaweit in Gesetzesform gegossen werden.

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R.B.

Ursina Lardi

In Cate Shortlands »Lore« ist sie als Frau eines hochrangigen Nazi-Offiziers, die ihre Kinder gegen Kriegsende allein lässt, noch im Kino zu sehen, jetzt präsentiert sie sich in »Festung« als Frau eines gewalttätigen Mannes. Die Schweizer Charakterdarstellerin, geboren am 19. Dezember 1970 in Samedan / Graubünden, hat an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin studiert und danac...

ndPlusCaroline M. Buck

Stillgeburt

Wie eine beinahe fertig ausgebildete Architektin auf dem Weg in ein wirtschaftlich schwieriges Arbeitsumfeld wirkt Lara (Aylin Tezel) eher nicht - das Studium war ein Wunsch der Eltern, wie es scheint. Unkonzentriert, leicht abzulenken, albern, jung, nachts gern mit der sogenannten besten Freundin (Henrike von Kuick) in Clubs unterwegs und einem spendierten Drink nie abgeneigt - das ist sie eher. ...

ndPlusAlexandra Exter

Ein besonders guter Schulaufsatz

Mit der leicht gegen den Strich gebürsteten Verfilmung schon etwas angestaubter Theaterstücke ist François Ozon immer besonders erfolgreich gewesen. »8 Frauen« war so ein Stück, »Das Schmuckstück« ein weiteres, nun folgt mit »In ihrem Haus« eine dritte, diesmal noch etwas frischere, aus dem Spanischen adaptierte Theatervorlage. Und wieder ist es ein Hit. Wenn auch, ohne Catherine Deneuve, ein etwa...

Caroline M. Buck

Das Geschäftsmodell USA

Der US-Wahlkampf, dessen Slogans im Hintergrund aus Radios und Fernsehern schallen, ist der vorletzte: nicht Obama gegen Romney, sondern Obama gegen McCain beharken sich da mit politischen Reden zu Wirtschaft und Visionen. Orte der Handlung: siffige Kneipen, im Niemandsland von Überführungen und Industriebrachen parkende Autos, Kettenhotels und die unappetitlichen Hinterzimmer schlechtgehender Geschäfte.

Alexandra Exter

Kein Ankommen

Vom Leben hatte sie genug, da war sie noch keine fünfzig. Ihr bekanntestes Lied aber feiert ausgerechnet das Leben: »Gracias a la vida«, Dank an das Leben, nach ihr gesungen von einer ganzen Garde internationaler Stars von Mercedes Sosa bis Joan Baez (und in eingedeutschen Versionen von Gerhard Schöne und Manfred Maurenbrecher). Es gehört wie ihre Teppiche und Bilder zum Vermächtnis von Violeta Pa...

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Freie Fahrt auf der Avus

Freie Fahrt auf der Avus

(nd-Kammer). Seit gestern können die Autos wieder ohne Einschränkungen über die Avus rollen, ein Jahr früher als geplant. Am Nachmittag gegen 15 Uhr allerdings mussten sich Autofahrer stadteinwärts noch einmal im Stau einreihen, damit der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) das Bändchen durchschneiden konnten. Rund eineinhalb Jahre daue...

Ruhe auf BER-Baustelle

(nd-Kammer). Der Vorsitzende des BER-Untersuchungsausschusses, Martin Delius, hat den Regierenden Bürgermeister und BER-Aufsichtratschef Klaus Wowereit (SPD) scharf kritisiert. Sein Krisenmanagement habe »die Verhandlungsposition der Flughafenplaner nachhaltig geschwächt«. Hintergrund der Vorwürfe sind Berichte, wonach die Wiederaufnahme der Bauarbeiten noch nicht wieder in vollem Umfang erfolgt s...

Der andere Buschkowsky

Die Rütli-Schule ist mittlerweile ein Vorzeigeprojekt - und das in vielfacher Hinsicht. Heinz Buschkowsky wurde gestern nicht müde zu betonen, wie wichtig es ist, den Zusammenhalt verschiedenster Menschen im Kiez zu fördern. Und ihnen einen Ort zu bieten, wo sie sich begegnen können. Daran ist zunächst nichts auszusetzen. Im Gegenteil, hier muss man dem Neuköllner Bürgermeister Recht geben. E...

Martin Kröger

Charité will Mitarbeiter überprüfen

Die Leitung der Charité zieht Konsequenzen aus dem Missbrauchsverdacht gegen einen Pfleger, der vor zwei Wochen eine 16-Jährige auf der Rettungsstation in Wedding sexuell missbraucht haben soll. »Wir haben die Überprüfung aller Beschäftigten beschlossen, die in sensiblen Bereichen arbeiten«, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Universitätsklinik, Karl Max Einhäupl, gegenüber der »Berliner Morgen...

Problemschule wird Vorbild
Nissrine Messaoudi

Problemschule wird Vorbild

Im Beisein von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) und der Schirmherrin Christina Rau wurde die Quartiershalle der Rütli-Schule in Neukölln gestern eingeweiht. Sie steht nicht nur den Schülern zur Verfügung, sondern dem ganzen Quartier. Der Campus Rütli zeige, so Christina Rau, dass in Neukölln viel bewegt werden könne.

Sarah Liebigt

Kühlschrank warm, Zimmer kalt

Wie sehr man in einer durchschnittlichen Stadtwohnung davon abhängig ist, dass der Strom fließt, merkt man immer erst dann, wenn er das plötzlich nicht mehr tut. »Man sieht ja heute den Winterhimmel so schön zwischen den kahlen Ästen«, denkt man auf dem Heimweg noch. Alle Laternen sind aus, es wäre stockfinster, würden nicht ständig Autos vorbei fahren. Im Treppenhaus stehen Teelichter, auch auf d...

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Lesung für Pussy Riot

(dpa). Das Internationale Literaturfestival Berlin ruft am 12. Dezember zu einer weltweiten Lesung für die russische Punkband Pussy Riot und die Demokratie in Russland auf. Der Appell richtet sich an Kultureinrichtungen, Schulen, Radiosender und andere Interessierte. Das Literaturfestival richtet gemeinsam mit dem PEN-Zentrum Deutschland eine Solidaritätslesung im Martin-Gropius-Bau aus. Zu de...

Russisches Kulturfestival

(dpa). Als Beitrag zum Russisch-Deutschen Kulturjahr geben die Berliner Festspiele in einem zwölftägigen Festival (29. November bis 9. Dezember) einen Einblick in die Kunst- und Kulturszene Russlands. Den Auftakt macht am Donnerstag die vielgelobte Inszenierung »Drei Schwestern« des kürzlich verstorbenen Regie-Altmeister Pjotr Fomenko. Weitere Theateraufführungen kommen von dem Künstler und Reg...

»Der Amerikanische Traum ist Bullshit«

»Der Amerikanische Traum ist Bullshit«

Sie ist der Darling der Indie-Szene. Doch in diesem Sommer hat Marina Diamandis, die sich als Künstlerin »Marina and The Diamonds« nennt, sogar einen veritablen Pop-Hit gelandet: die Ohrwurm-taugliche Nummer »Primadonna«. Mit der Singer-Songwriterin sprach RENÉ GRALLA.

Kira Taszman

Killerwal und Körperwandel

»Ziemlich beste Freunde« haben für die ziemlich beste Überraschung des Filmjahres 2012 gesorgt. Nicht nur, dass die französische Filmkomödie über einen gelähmten Adligen und seinen kleinkriminellen Pfleger heutzutage mit ihrem (deutschen) Titel gefühlt jede dritte Zeitungsschlagzeile inspiriert. Nein, der gallische Kassenschlager schickt sich in Deutschland auch an, mit fast 9 Millionen Zuschauern...

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Gebühr an Unis war rechtswidrig

(dpa). Die von 1996 bis 2004 geltende Rückmeldegebühr von 100 Mark pro Semester an Berliner Hochschulen ist verfassungswidrig. Die Höhe der Gebühr stehe »in grobem Missverhältnis zu dem Zweck, die Kosten für die Bearbeitung der Rückmeldung zu decken«, entschied das Bundesverfassungsgericht in einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss. Inwieweit ehemalige Studenten die Rückzahlung der Gebühren f...

ndPlusRobert D. Meyer

Rettung für das YAAM

Große Erleichterung gestern Nachmittag bei Anhängern und Besuchern des multikulturellen Projekts YAAM am Ostbahnhof. Der Club darf vorerst bis zum 
10. Januar 2013 an seinem bisherigen Standort am Ostbahnhof bleiben, erklärte YAAM-Chef Ortwin Rau auf »nd« Nachfrage.

Hans-Gerd Öfinger

Vergiftete Hilfe

Klammen Kommunen in Hessen bietet die schwarz-gelbe Landesregierung finanzielle Hilfe an. Im Gegenzug verpflichten sich die Gemeinden zu Kürzungen.

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Jugendtheater gegen Rechts

Potsdam (dpa/nd). Für sein Engagement gegen Rechtsextremismus und Jugendgewalt ist das Theater Scheselong mit dem Brandenburger Landespräventionspreis ausgezeichnet worden. Das Jugendtheater aus Berlin-Charlottenburg gastiert bundesweit in Schulen und verknüpft die Vorstellungen mit Workshops und Diskussionen zu politischen Themen. Allein das Theaterstück »Anne Frank« ging seit 2005 über 300 Mal i...

Neue Ausstellung in Ravensbrück

Fürstenberg/Havel (nd/dpa). Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück erhält im Frühjahr 2013 ein neues Ausstellungszentrum. Wie die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten gestern mitteilte, wird derzeit mit Hochdruck an einer Hauptausstellung gearbeitet. Diese werde die Geschichte des KZ-Komplexes Ravensbrück »in allen Facetten« darstellen. Parallel wird das ehemalige Kommandanturgebäude denkmalger...

ndPlusAndreas Fritsche

Preußen vor dem Plenarsaal

Preußen kommt wieder und Schlesien gehört dazu. Militaristen werden jedoch nichts erobern, Revanchisten keinen Quadratmeter Erde einkassieren und Faschisten werden glücklicherweise auch keinen Grund zur Freude haben. Denn Schlesien wird nur symbolisch wieder zu Preußen gehören. Es ist ein vergleichsweise kleines Schlesien: 4,33 Meter breit und 4,75 Meter hoch. Preußen ist kaum größer. Am Montag...

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Norm und Ordnung

Vorzeigen! Erlaubnis abwarten! Regelung einhalten! So, mit Programmkontrolle nämlich, verlaufen internationale Popkonzerte in Peking: abgesprochene Titel, vereinbarte Ansagen. Am vergangenen Sonntag trat Elton John in China auf - und widmete sein Konzert dem Regime-enfant-terrible Ai Weiwei. Vor 12 000 Zuschauern dann der nicht abgesegnete Satz: »Ich singe für diesen Großartigen! Wo einer die Norm...

Kultur kurz

Berlin. Ein gemeinsames Internetportal der Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland ist gestern in einer ersten Version freigeschaltet worden. Unter der Adresse www.deutsche-digitale-bibliothek.de kann man nach Büchern, Bildern, Filmen, Noten und Musikstücken suchen. +++ Wellington. Die Weltpremiere des ersten Teils der »Hobbit«-Verfilmung hat Neuseelands Hauptstadt in ein Fantasy-Fie...

ndPlusJürgen Amendt

Scheingefechte der Lobbyisten

Wo bekomme ich das Eurostarterkit?«, »Wie hoch ist die Abwrackprämie?«, »Wo kann ich für die Opfer des Tsunamis in Thailand spenden?«, »Was stand auf Lehmanns Elfmeterzettel?« - egal, was der Mensch in den letzten zehn Jahren wissen wollte, über die Internetsuchmaschine Google konnte er es finden. Damit könnte künftig Schluss sein. »Willst Du das?« Nein, das will ich natürlich nicht, sagt sich...

Wer liebt wen ... und kriegt ihn nicht?
Stefan Amzoll

Wer liebt wen ... und kriegt ihn nicht?

Mozart war neunzehn, als er diese Opera buffa schuf. Ein frühreifes Meisterstück, wie es - in der Dichtung - später wohl nur Büchner zu schaffen vermochte. Auf ein taufrisches Libretto von Giuseppe Petrosellini, das zuvor schon ein Italiener komponiert hatte, wahrscheinlich so ungenügend, dass Gönner meinten, es dürfte von dem jungen Talent ungleich gescheiter vertont werden. Und so geschah es. Di...

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ndPlusIrmtraud Gutschke

»Für die Amerikaner bin ich ein Rätsel«

Berühmt wurden diese Frauen in ihrer Wahlheimat. Russland hat die Emigrantinnen oft mit Nichtachtung gestraft. Also kannte man sie auch im sowjetischen Imperium kaum. Beziehungsweise wusste von ihrer Herkunft wenig. Tatjana Kuschtewskaja hat in diesem Band 18 biografische Essays versammelt. Der letzte handelt von ihr selbst, denn sie ist auch ins Ausland gegangen. »Als ich 1991, der Liebe wegen, a...

Gunnar Decker

Der Wanderer

Wer wandert, lässt etwas zurück. Er geht mit leichtem Gepäck, die schweren Lasten lässt er zuhaus. Er ist immer zur Hälfte ein Pilger, ausschauend nach etwas, das er nur gehend findet und ein Flüchtling, der eiligen Schrittes voran stürzend nicht zurückblicken will. So auch Tolstoi, der 1857 in die Schweiz flüchtet, um durch die Alpen zu gehen. Er hatte in Paris die öffentliche Hinrichtung ein...

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Markt und Moral

»Nun sorge dafür, daß die Materialien, die Du gesammelt hast, bald in die Welt hinausgeschleudert werden«, schrieb der 23-jährige Friedrich Engels an seinen Mitrevolutionär Karl Marx. »Es ist verflucht hohe Zeit ... Also tüchtig gearbeitet und rasch gedruckt!« Im Oktober 1844 war der europäische Kontinent ein rauchender Vulkan, der jederzeit auszubrechen drohte. Marx, der Schwiegersohn eines pr...

Gregor Schirmer

Kooperation und Kampf

Er kennt die Europäische Union nicht nur durch profunde Studien, sondern aus eigener Praxis, ist er doch seit 1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke des EU-Parlaments. Nun legte Andreas Wehr in der Reihe »Basiswissen« des PapyRossa Verlags einen kritischen Abriss über die EU vor. Jeder Autor in dieser Reihe unterliegt dem - wohlt...

ndPlusJens Grandt

Die Täuschung des Marktes: Which is which?

Aufatmen unter den aktiven, den »kritischen« Marxisten aller Länder und im kleineren Kreis an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, wo die Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) ediert wird: Mit den letzten 15 Entwürfen, Skizzen und Quellenextrakten, die noch nicht von früheren Marx-Ausgaben bekannt waren, schließt der Teilband 4.3 die Abteilung Zwei - »Das Kapital« und Vorarbeiten - ab.

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ndPlusOliver Händler

Monokultur

Die Aktion der Fußballfans in den Bundesligen ist offensichtlich beeindruckend. Spielern macht der Kick so keinen Spaß, Trainer finden es grausam. Ob die Aktion jedoch ein Erfolg war, ist keineswegs so eindeutig, wie es die Fanvertreter schon postulieren. Die in England bereits vorherrschende »Tennisatmosphäre« soll als Schreckgespenst vorgeführt werden, doch ist sie genau das, was sich konserv...

Anne Kunze und Karsten Lehmann, dpa

Berliner Füchse cleverer als der SCM

Clevere Taktik und das Vertrauen in die eigene Stärke: Die Füchse Berlin haben in der Handball-Bundesliga das siebte Ostderby in Serie beim SC Magdeburg gewonnen. Wichtiger als der Erfolg ist den Berlinern aber die Erkenntnis, dass die zweite Reihe immer stabiler wird.

Bloß nicht verärgern!
ndPlusRené Gralla

Bloß nicht verärgern!

Wenn sie gar nicht gut drauf ist, wird sie erst richtig gut. Das hat Walentina Gunina bei der Russischen Meisterschaft vor einem Jahr demonstriert: Sie war ziemlich sauer, weil ihr die Bank einen Hypothekenkredit verweigerte, so dass der schon fest geplante Umzug in die Nähe von Moskau scheiterte. Andere hätten vielleicht das Turnier vermasselt, ganz anders jedoch Gunina: Mit dem mentalen Extra...

Jörg Soldwisch, SID

Unüberhörbar leise

Bei den Partien der ersten und zweiten Bundesliga in dieser englischen Woche schwiegen die Fans genau 12:12 Minuten lang, um gegen das Sicherheitspapier der DFL zu protestieren. Der Druck auf DFL und Vereine wächst. Stille als lauter Protest: Mit ihrem bedrückenden Stimmungsboykott von 12 Minuten und 12 Sekunden haben sich die Fußball-Fans in der ersten und zweiten Liga für alle »unüberhörbar« ...

Seite 20

Jetzt kommt die Kleinarbeit

Nach dem verheerenden Brand in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt im Schwarzwald setzen die Ermittler nun auf die Detailarbeit. Untersucht wird dabei vor allem ein Gasofen. Die Behörden hatten erklärt, dass der mit einer Gasflasche betriebene Ofen die Explosion in Titisee-Neustadt und das Feuer verursacht habe. Die Hintergründe der Tragödie sind noch nicht klar. »Die 60-köpfige Sonderk...

Fabian Köhler

Beten wie Gott in Frankreich

Der in Frankreich lebende Algerier Mohammed Ludovic Zahed will in einem Vorort von Paris eine Moschee für Homosexuelle eröffnen. Dabei kämpft er nicht nur gegen Anfeindungen seiner Glaubensbrüder, sondern auch mit den Gesetzen des französischen Staates.