Seite 1

Unten links

Heute haben wir so einen Tag, der im Grunde eigentlich gar keiner ist. Kein Jahrestag, kein wichtiges Gedenken, niemand zu schützen. Kein Lehrertag, nur ein leerer Tag. Vergessen der Europäische Datenschutztag von gestern, der Weltknuddeltag aus der vorigen Woche oder der Tag des Deutschen Apfels vom Monatsanfang. Für meinen Geschmack gehört letzterer ja eigentlich in den Spätsommer, aber da wa...

Grit Gernhardt

Generation chancenlos

Jegliche Verantwortung möglichst weit von sich fernzuhalten - darin ist Bundeskanzlerin Angela Merkel Meisterin. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos war es unter anderem die in Teilen Europas bereits endemisch auftretende Jugendarbeitslosigkeit, gegen die sie allein mit großen Worten anzukämpfen gedenkt.

Europa im Familienstreit

Frankreich steckt in der Krise. Doch wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Fragen stehen dieser Tage hinten an. Der Streit über die Gleichberechtigung Homosexueller bei Heirat und Familiengründung überschattet alle finanziellen Probleme.

Wettlauf um Gerechtigkeit

Der einstige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler nennt die schwarz-gelbe Koalition in Berlin ein totgerittenes Pferd und rät seiner Partei die Abkehr von einseitiger Orientierung auf die Liberalen. Die SPD lädt zur Klausur ihrer Bundesspitze den US-Milliardär und Microsoft-Gründer Bill Gates nach Potsdam ein.

ndPlusMarkus Drescher

Deutschland lockt Jugendliche

Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa nimmt erschreckende Ausmaße an. Schuld daran ist die Austeritätspolitik, die den Krisenländern aufgezwungen wird. Auch und gerade von Deutschland, das nun mit einer Internetseite Jugendliche in der EU über Arbeitsmöglichkeiten informieren will.

ndPlusRené Heilig

Die wuchernde Zelle

Der Maler Thomas Beurich polarisiert. Sein Bild »Die Zelle«, mit dem er sich in die Debatte um die Hintergründe rechtsextremistischen Terrors einzubringen versucht, ist derzeit im Plauener »Forum K« zu sehen. Als Geschenk wollte es die Stadt allerdings nicht haben.

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Frankfurter Zeitungsdeal

Im Tauziehen um die Zukunft der insolventen »Frankfurter Rundschau« verdichten sich Hinweise auf eine Übernahme durch die »Frankfurter Allgemeine Zeitung«.

Seite 2
ndPlusHolger Politt, Warschau

Steiniger Weg in Polen

Laut Umfragen ist nach wie vor eine knappe Mehrheit der Polen gegen die rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften. In Großstädten und unter Jüngeren sieht es anders aus. Wie steinig das Terrain in Polen ist, zeigte jüngst der Sejm, das Parlament.

»Es gibt kein perfektes Land«

»Es gibt kein perfektes Land«

Joël Le Déroff ist bei der europäischen Sektion des Internationalen Verbandes für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans und Intersexuelle (ILGA-Europe) zuständig für die Beobachtung europäischer und nationaler Gesetzgebungsprozesse. Mit ihm sprach für »nd« Katja Herzberg.

Ralf Klingsieck, Paris

Frankreich gespalten bei Adoptionsfrage

Das von François Hollande im Wahlkampf versprochene Gesetz über die Ehe für homosexuelle Paare wird ab heute im Parlament diskutiert. Bei der Debatte dürfte es hoch hergehen. Es gibt nicht nur Gegensätze zwischen der Linken und der Rechten, sondern auch innerhalb der Lager.

Seite 3

Requiem für Atomstrom aus Belene?

Zum ersten Mal seit 1989 waren die Bulgaren am Sonntag zu einem Referendum eingeladen. Doch die Mehrheit blieb zu Hause. Waren es die Schneestürme, die sie an der Abstimmung hinderten? Hatten sie die Frage nicht verstanden? Oder interessierte sie das Thema einfach nicht?

Rudolf Stumberger, München

Störfall vorm »Sonnenkäfer«

Der Forschungsreaktor FRM II, der zur Technischen Universität München (TUM) gehört, produziert mit Hilfe hoch angereicherten Urans Neutronen. Sicherheitsbedenken gibt es schon lange, ein Störfall untermauert diese jetzt noch.

Seite 4
Olaf Standke

Clinton for President?

Es war mehr oder weniger eine Zwangsehe, die da vor viereinhalb Jahren geschlossen wurde, um die zerrissenen Demokraten zu einen. Schließlich sollte einer der Ihren Nachfolger von Bush im Weißen Haus werden, und dafür brauchte Barack Obama die Anhänger seiner parteiinternen Rivalin. Und Hillary Clinton hatte den riesigen Spendentopf Obamas im Auge, um die gewaltigen eigenen Wahlkampfschulden ti...

Steffen Schmidt

Energisch daneben

Spätestens seit die Preise an der Leipziger Strombörse und auf der heimischen Stromrechnung immer weiter auseinanderdriften, macht sich der Verdacht breit, dass die Veränderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) unter den beiden Merkel-Regierungen aus einem Erfolgsmodell eine Krücke gemacht haben. Denn die geschaffenen Preisbildungsmechanismen sorgten dafür, dass nur die Förderkosten der...

ndPlusSilvia Ottow

Schubladenunrat

Einen stinkenden Kübel an Unrat hätten die »Stern«-Journalisten in ihren Schubladen, schimpft der baden-württembergische FDP-Fraktionschef, dessen Namen kaum einer kennt. Wer allerdings die Maße der Dinge derart falsch einschätzt, hat seine Chancen auf Bekanntheit vergeigt. Merke: Ein Kübel passt in keine Schublade, es sei denn, Gulliver hätte den Schrank dazu auf seiner Reise im Land der Riese...

ndPlusJindra Kolar, Prag

Burgherr

Auf der Wahlparty gab er sich ganz moderat und versprach, der Präsident aller Tschechen zu sein. Wobei der Zweimetermann, der auch heftig poltern kann, seine Rührung zu unterdrücken versuchte. Milos Zeman wird auf die Prager Burg ziehen, nicht nur in die Amtsstuben, sondern dort auch seinen Wohnsitz nehmen. Das sei praktischer, erklärte der neue Staatschef. Zeman wohnt in einem kleinen Dorf bei...

Seite 5

Geißler: Schwarz-Gelb »tot geritten«

Passau/Berlin (AFP/nd). Führende Unionspolitiker haben Zweifel an einem schwarz-gelben Wahlkampf auf Bundesebene. Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler forderte seine Partei auf, sich nicht länger an die FDP zu ketten. »Die schwarz-gelbe Koalition ist ein tot gerittenes Pferd«, sagte er der »Passauer Neuen Presse«. Die Wahlschlappe in Niedersachsen habe gezeigt, dass es »eine politisch...

Kommission überprüft Terrorgesetze

Berlin (nd-Wallrodt). Die Überprüfung der umstrittenen Sicherheitsgesetze hat noch gar nicht begonnen, doch für Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) steht das Ergebnis bereits fest: Zum Start der Regierungskommission, die bis zum Sommer die fast 30 neuen Gesetze seit dem 11. September 2001 evaluieren soll, sprach sich der Minister am Montag dafür aus, Polizei und Geheimdiensten mehr B...

Altmaier bremst Energiewende

Steigende Strompreise haben die Energiewende-Euphorie der Deutschen gedämpft. Jetzt will der Bundesumweltminister die Preistreiberei per Gesetz stoppen. Die Politik müsse dafür sorgen, dass Bürger und Unternehmen nicht unzumutbar belastet werden, sagte Altmaier am Montag.

Seite 6

OB-Wahl bleibt Mehrkampf

Leipzig (nd-Lasch). Nach dem dritten Platz ihrer Bewerberin Barbara Höll bei der Wahl eines neuen Oberbürgermeisters in Leipzig nimmt die LINKE Kurs auf die zweite Runde. »Die Kandidatin und die Partei sind kämpferisch«, sagte Stadtchef Volker Külow. Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtvorstand heute Abend auf einer Sondersitzung. Külow äußerte sich zufrieden mit Hölls Ergebnis. S...

ndPlusAert van Riel, Potsdam

SPD sorgt sich um die Mittelschicht

Die SPD hat bei ihrer zweitägigen Klausurtagung in Potsdam den Fahrplan bis zur Bundestagswahl im Herbst abgesteckt. In den nächsten Monaten will die Partei bei den Wählern mit Gerechtigkeitsthemen punkten. Verbesserungen für Erwerbslose sind jedoch nicht vorgesehen.

Uwe Kalbe

Programm mit Sofortanspruch

Gregor Gysi verteidigt in Interviews das achtköpfige Wahlkampf-Spitzenteam der LINKEN - als »Ausdruck breiter Kompetenz«. Nach der Personalfrage geht die Partei nun das Wahlprogramm an, auch ein Ausweis für die Kompetenz von Parteien. Ein erster Entwurf liegt vor.

Seite 7

Kommission untersucht Terrorattentat

Buenos Aires (AFP/nd). Argentinien hat sich mit Iran auf eine unabhängige Kommission zur Untersuchung des Anschlags auf ein jüdisches Zentrum in Buenos Aires 1994 geeinigt. Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner erklärte, es solle eine »Wahrheitskommission« aus fünf Richtern gebildet werden, die weder aus Iran noch aus Argentinien kommen. Am 18. Juli 1994 war vor dem Sitz einer jüdisc...

»Alle sollen hängen«

Nach der tödlichen Vergewaltigung einer jungen Inderin drohen einem der Beschuldigten einer Gerichtsentscheidung zufolge maximal drei Jahre Freiheitsentzug.

Verhaftungen in Iran

In Iran sind elf Journalisten überwiegend reformorientierter Medien festgenommen worden.

Julian Bartosz, Wroclaw

Gefahren aus allen Himmelsrichtungen

Sobald die auf einzelne Teilnehmer der »Schulungsmission« in Mali entfallenden Kosten feststehen, will Polens Regierung die Entscheidung treffen, wie stark das Kontingent an polnischen »Ausbildern« im westafrikanischen Land sein wird.

Frankreichs Vormarsch erreichte Timbuktu

Nach ihrem Vormarsch in Richtung der malischen Stadt Timbuktu kon᠆trollieren die französischen und malischen Truppen mittlerweile den Zugang zu der historisch bedeutenden Oasenstadt. Auch der Flughafen sei unter Kontrolle, teilte der Führungsstab der Streitkräfte in Paris mit.

Wahlhelfer Mussolini

Diktator Benito Mussolini hat nach Ansicht von Silvio Berlusconi viele Dinge gut gemacht. Ausnahme seien nur die Rassengesetze gewesen, wofür aber Deutschland Verantwortung trage. Das erklärte der ehemalige italienische Premier am Gedenktag für die Opfer der Schoah.

Seite 8

Clinton-Lob über den grünen Klee?

Bei einem seltenen Doppelinterview im Fernsehen hat US-Präsident Barack Obama seine scheidende Ministerin Hillary Clinton überschwänglich für ihre Verdienste gelobt. Sie sei eine der »besten Außenminister« gewesen, die die USA je gehabt hätten.

Opposition will Waffen und Geld

Die syrische Opposition hat von der »internationalen Gemeinschaft« erneut Waffen und mehr Geld für den Kampf gegen das Regime von Präsident Baschar Al-Assad gefordert. Die Führungsvertreter der Nationalen Syrischen Koalition sprachen in Paris mit rund 50 Unterstützerstaaten.

Seite 9

Manipulierte Deutsche Bank den Euribor?

Wegen des Verdachts der Zins-Manipulation hat die Bundesfinanzaufsicht BaFin einem Zeitungsbericht zufolge Sonderprüfungen bei vier Banken eingeleitet. Gegen die Deutsche Bank und den WestLB-Nachfolger Portigon sei ein Prüfverfahren wegen der Manipulation des Referenzwerts Euribor eröffnet worden.

Hermannus Pfeiffer

Hilfen für Versicherer

Wie hoch muss der Anteil an den Gewinnen sein, den Lebensversicherungsunternehmen an ihre Kunden auszahlen? Bei dieser Frage geht es um das Geld von Millionen. Die Bundesregierung will die Finanzbranche entlasten. Ein Geschenk für die Konzerne trotz sprudelnder Überschüsse, warnen Kritiker.

ndPlusRainer Balcerowiak

Eisenbahnpaket nicht durchsetzbar

Eigentlich wollte Brüssel mit einem Gesetzespaket den Kurs der Liberalisierung im Schienenverkehrsbereich weiter vorantreiben. Doch die Gegner der Pläne sind öffenbar zu mächtig. Die Präsentation des Entwurfs, zuletzt für den 30. Januar angekündigt, ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Simon Poelchau

Zahlenspiel mit Diskobeleuchtung

Die Enquete-Kommission »Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität« des Bundestags beschloss gestern einen neuen Wohlstandsindex. Grüne und LINKE brachten eigene Alternativen ein. LINKE kritisieren, dass die Schieflage in der Einkommensverteilung »verharmlosend« dargestellt sei.

Seite 10

Nord-Süd - Termine

HEUTE IN NÜRNBERG - »Über Bodenschätze, ein Leben in Würde und die Neugründung Boliviens«, Referentin Elizabeth Salguero Carrillo (Botschafterin von Bolivien). 18 Uhr, Bürgerzentrum »Villa Leon«, Schlachthofstraße/Philipp-Koerber-Weg 1. LATEINAMERIKA - »Kampf um Land und Macht«, Referent: Thilo F. Papacek (Historiker und Journalist/Lateinamerika Nachrichten), 30. Januar, 20 Uhr, Bürgerzen...

Hilmar König

Mehr Schutz für Jarawa

Sie gehören fraglos zu den bedrohten Völkern: die Jarawa. Laut Zensus von 2001 zählt der Stamm auf den indischen Andaman-Inseln nur noch 240 Angehörige. Die Jarawa gehören möglicherweise zu den ersten Siedlern, die vor tausenden Jahren von Afrika nach Asien migrierten. Das zog und zieht Touristen an. Dem gebot das Höchste Gericht in Indien nun partiell Einhalt: Seit dem 17. Januar ist die durch...

Die AU und die afrikanische Renaissance
ndPlusMartin Ling

Die AU und die afrikanische Renaissance

Mali, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo: Dass diese Länder beim quasi »Jubiläumsgipfel« der Afrikanischen Union (AU) die Tagesordnung bestimmten, war nicht von langer Hand geplant. Das zeigte das offizielle Motto »Panafrikanismus und afrikanische Renaissance«, mit dem 50 Jahre nach der Gründung der Organisation der Afrikanischen Einheit der Gipfel der 2002 aus der Taufe...

Neue Arbeitsplätze und neue Energien

Wilfried Telkämper, Direktor des Zentrums für Internationale Zusammenarbeit und Dialog der Rosa Luxemburg Stiftung (RLS), besuchte kürzlich das Regionalbüro in Johannesburg.Über die Auslandsarbeit der RLS in Südafrika und darüber hinaus sprach mit ihm für »nd« Odile Jolys.

Sara Charlotte König

»Kreuzzug gegen den Hunger«

Vor einer Woche startete in Chiapas das nationale Regierungsprogramm gegen Armut. Es ist kein Zufall, dass sich die mexikanische Staatsmacht ausgerechnet den Einflussbereich der Zapatisten für ihre medienträchtige Inszenierung aussuchte.

Seite 11

NPD-Aufmarsch am 1. Mai

(nd-Kröger). Die rechtsextremistische NPD will am 1. Mai in Berlin-Schöneweide zwischen 12 und 24 Uhr aufmarschieren. Eine Anmeldung für »mehrere Straßenzüge« in Treptow-Köpenick liege der Polizei vor, erklärte gestern Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Gegen die Nazis haben bereits das Bündnis für Demokratie und Toleranz Treptow-Köpenicks sowie die G...

CDU gegen Direktvergabe der S-Bahn

(dpa). Soll die BVG auch Teile der S-Bahn betreiben? Gegen dieses Gedankenspiel in der SPD-Fraktion stemmt sich der Koalitionspartner CDU. Das laufende Ausschreibungsverfahren müsse rechtssicher weitergehen, forderte Fraktionschef Florian Graf am Montag. »Das jahrelange Hin-und-Her zur möglichen Direktvergabe hat hier bereits viel zu viel Zeit gekostet.« Ausgeschrieben ist der Betrieb der Ringb...

Wowereit begrüßt neuen Polizeichef

(dpa). Schon einen Tag vor der feierlichen Amtseinführung des neuen Polizeipräsidenten Klaus Kandt hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ihn offiziell begrüßt. »Ich wünsche Klaus Kandt alles Gute für seine vielfältigen Aufgaben, die in unserer Stadt auf ihn warten«, hieß es am Montag. »Ich freue mich, dass mit der Ernennung Kandts die Polizeiführung nun wieder komplett ist«, so ...

Erfahren, was war

Das Bild des mit einem Hakenkreuzbanner geschändeten Roten Rathauses in Mitte lässt schaudern. Dieses und viele weitere Exponate im Deutschen Historischen Museum helfen jedoch zu erfahren, was war. Vor allem den Nachgeborenen kann das Themenjahr zu den Jahren 1933 bis 1938 Antworten darauf geben, wie die Nazis in dem bunten und lange auch ziemlich roten Berlin mit Lüge, Betrug und brachialer Ge...

Holzmarkt droht das Aus

(dpa). Das Holzmarkt-Projekt auf dem Gelände der ehemaligen Bar 25 in Friedrichshain droht wegen Geldmangels zu scheitern. Von den bis April nötigen vier Millionen Euro Eigenkapital seien erst 1,5 Millionen akquiriert, heißt es in einem Schreiben der Holzmarkt-Genossenschaft an potenzielle Mitinvestoren, wie am Montag bekannt wurde. »Es wird kohletechnisch eng.« Die Holzmarkt-Genossenscha...

Bernd Kammer

Die Folgen der Nazi-Herrschaft

»Den letzten Schatten« der im November 1938 zertörten Synagoge wollen Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft auf der gegenüberliegende Häuserwand nachzeichnen -eines von 40 Projekten von Gedenkstätten, Museen, die ab Donnerstag im Deutschen Historischen Museum zu sehen sind.

Martin Kröger

Hells Angels gewinnen die Oberhand

Die Polizei hält ein spezielles Aussteigerprogramm bei der Bekämpfung von kriminellen Rockerbanden für nicht notwendig. »Es handelt sich um keine ideologische Strömung, sondern individuell verlaufende kriminelle Karrieren«, sagte der zuständige Dezernatsleiter beim Landeskriminalamt, Uwe Wilhelms, gestern im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Statt eines öffentlichen Programmes setze die Po...

Seite 12

Herr der Bären

(dpa/nd). Der Chinese Wong Kar Wai (54), Jury-Präsident der 63. Berlinale, ist ein Autorenfilmer der besonderen Art. Der Wechsel von Licht und Schatten, Musik und Stille sowie lange, intensive Bildeinstellungen sind die Spezialität seiner poetischen Dramen. Der in Schanghai geborene und in Hongkong aufgewachsene Regisseur gab sein Debüt als Spielfilmregisseur 1988 mit »As Tears Go By«. Au...

ndPlusTobias Riegel

Cineastische Kollateralschäden

»Das ist ja wie beim 22. Parteitag der KPdSU in Odessa: Hier oben sitzen immer dieselben« - gewohnt selbstironisch stellte Berlinale-Chef Dieter Kosslick sich und die anwesenden Sektions-Verantwortlichen des Berlinale-Festivals vor. »Immerhin haben wir aber dieses Jahr neue Filme dabei.«

Hans-Dieter Schütt

Früher weit weg, heute mitten drin

Gestern wurden nun die Mitglieder der vom chinesischen Regisseur Wong Kar Wai geleiteten Wettbewerbsjury für die Berlinale, eines der weltweit renommiertesten Filmfestivals, bekanntgegeben - zu ihnen gehört auch der deutsche Regisseur ANDREAS DRESEN.

Stefan Amzoll

Nacht-Räume

Leisheit, Stille, Dunkles walten. Ebenso das demonstrative Sich-Zurückziehen in Kammermusik, in die kleinste Einheit, ins rein Solistische. Die Räume, wo Musik - neue, ältere - auftritt, ändern sich. Abschied von den barocken Sälen, in denen die Feier dominiert, von den Musentempeln in und um Berlin. Die Fabrikhalle ist gerade recht. »Radialsystem V« heißt in Berlin eine Stelle. Sie ist längst ...

Seite 13

Fernbuslinien werden ausgebaut

(AFP). Der Fernbusanbieter MeinFernbus erweitert sein Streckennetz in den kommenden Wochen um eine Reihe von Verbindungen. Ab Mitte Februar kämen zwei neue Linien zwischen Berlin und Leipzig sowie Berlin und Frankfurt am Main hinzu, teilte das Unternehmen am Montag in Berlin mit. Bislang bedient MeinFernbus acht Strecken. Ab März sind weitere Linien geplant. Dabei werde dann auch Hamburg in das...

Vier Kinder aus verdreckten Wohnungen gerettet

(dpa/nd). Vernachlässigt, allein gelassen im Dreck. Immer wieder müssen in Berlin Jungen und Mädchen aus einem Zuhause voller Unrat geholt werden. Nun wurden gleich mehrere dieser traurigen Fälle bekannt. Eher durch Zufall sind die vier Kinder aus Wohnungen voller Unrat, Schimmel und Müll gerettet worden. Das jüngste Kind sei ein sechsmonatiges Baby gewesen, teilte die Polizei am Montag mit. Es...

Peter Lessmann, dpa

Fünf-Finger-Rolf und das Chaos

»Fünf ist Trümpf«: Vor 20 Jahren hallte dieser Werbeslogan der damaligen Bundespost quer durch die Republik. Die Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen erregte damals in den Bundesländern die Gemüter - und ist heute fast vergessen.

ndPlusNicolas Šustr

Wildwest bei Kräcker

Arbeitsgerichtsprozesse, ein inzwischen wieder aufgehobenes Betretungsverbot der Firmenräume für gewählte Betriebsräte: Seit anderthalb Jahren tobt bei der Berliner Kräcker-Gruppe, die unter anderem Automobilelektronik und Kunststoffspritzteile herstellt, ein erbitterter Kampf zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat. »Das ist so kompliziert, ich habe das alles mal aufgeschrieben«, sagt Bet...

ndPlusRudolf Stumberger, München

Fahnder, die ins Netz gehen

Pro Jahr kommen in Bayern an die zehn Fälle von Kinderpornografie zur Anzeige. Seit Sommer 2012 sind im Bayerischen LKA fünf sogenannte »Cybercops« im Internet auf Verbrecherjagd.

Seite 14

Gedenkstätte wird ausgebaut

Schlieben-Berga (epd). Die KZ-Gedenkstätte Schlieben-Berga in Südbrandenburg wird weiter ausgebaut. Für das Informations- und Begegnungszentrum der Gedenkstätte bei Herzberg an der Elster und die sichere Präsentation von Leihgaben stellt das Land rund 5000 Euro Lottomittel zur Verfügung, teilte das Finanzministerium am Montag mit. Die Zuwendung soll am Donnerstag an den Verein Gedenkstätte KZ-A...

BNK gibt Erdgassuche in Thüringen auf

Das Energieunternehmen BNK will nun komplett auf die Suche nach Erdgas in Thüringen verzichten. Die deutsche Tochter der kanadischen BNK Petroleum Inc. ziehe entsprechende Anträge für seismische Messungen in Thüringen und Sachsen-Anhalt bei den jeweiligen Bergbehörden zurück.

Liebe zur Bahn enttäuscht

Jüterbog (dpa). Zu oft verspätet, Beziehung beendet: Der originelle Brief einer Brandenburgerin über eine enttäuschte Liebe an die Deutsche Bahn ist zum Renner im Internet geworden. Mittlerweile machen die poetischen Zeilen auf Facebook die Runde, am Montag hatte die Seite über 3100 Fans. Franzi aus Jüterbog, seit Jahren treue Bahnkundin, hatte ihrem Verkehrsmittel via Facebook die endgül...

ndPlusHeidrun Böger, Leipzig

Singen mit den Waldteufeln

In sächsischen Kindertagesstätten arbeiten immer mehr Erzieher. Aktuell sind es landesweit 1213 Männer, wie das Kultusministerium kürzlich in Dresden mitteilte. Der Männeranteil an den 28 200 Erziehern liegt damit bei 4,3 Prozent. Frank Raabe ist einer von ihnen.

ndPlusWilfried Neiße

1941 bis 1948 in sowjetischen Dokumenten

Nein, ein Eklat war es wohl noch nicht, was sich am Freitagabend in der Botschaft Russlands in Berlin abgespielt hatte. Aber wenn Professor Martin Sabrow vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam von unterschiedlichen Akzenten sprach, dann war das milde formuliert. Dabei stand rein äußerlich zunächst eine großartige Gemeinsamkeit im Mittelpunkt des Abends. Der vierte Band in der Serie »...

ndPlusAndreas Fritsche

Feilschen um drei Afghanen

Der afghanischen Familie A. drohte die Abschiebung: zunächst nach Bulgarien und von da möglicherweise nach Griechenland. Die krisengeschüttelten Griechen schicken Flüchtlinge in ihre Heimat zurück oder überlassen sie einfach sich selbst. Darum schiebt Deutschland nicht mehr nach Griechenland ab, und darum urteilte am Montag das Verwaltungsgericht Potsdam, dass Familie A. ein Asylverfahren in de...

ndPlusRalf Hübner, dpa

Die Kunden werden immer ärmer

Sozialkaufhäuser und Kleiderkammern gibt es in Thüringen inzwischen Dutzende, über fehlende Spenden können die Einrichtungen nicht klagen. Vor allem ältere Menschen greifen gern auf die Angebote zurück - aber nicht nur sie. Die Nachfrage steigt, auch von Jüngeren.

Seite 15

Meister des Porträts

Der tschechische Grafiker Oldrich Kulhanek ist im Alter von 72 Jahren in Prag gestorben. Er entwarf die Banknoten für die Tschechische Krone, die seit 1993 im Umlauf sind. Von den Euro-Scheinen des Auslands hielt der Meister des ausdrucksstarken Porträts wenig: Sie entbehrten jeglichen gestalterischen Effekts. Kulhaneks Zeichnungen und Drucke sind in Sammlungen in Wien, Dresden, Amsterdam und P...

Jahre fehlen

Die Erforschung von Nazi-Raubkunst ist in Deutschland nach Einschätzung des Experten Uwe Hartmann jahrzehntelang viel zu kurz gekommen. »Uns fehlen einfach die Jahre«, sagte der Leiter der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche und -forschung in Berlin am Montag. In den 1970er, 80er und frühen 90er Jahren habe die Herkunftsforschung in den Museen keine Rolle gespielt. 99 Projekte unterstüt...

Scharf, optimistisch

Der deutsche Philosoph Jürgen Habermas wird mit dem niederländischen Erasmus-Preis ausgezeichnet. Das teilte die Stiftung des Kulturpreises am Montag in Amsterdam mit. Der 83 Jahre alte Habermas wird für seinen Beitrag für die Zukunft der Demokratie in Europa geehrt. »Jürgen Habermas ist seit gut 50 Jahren einer der wichtigsten Denker auf dem Grenzgebiet von Soziologie, Philosophie und Politik«...

Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem online

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ist jetzt auch mit einer deutschsprachigen Seite im Internet vertreten. Unter www1.yadvashem.org/yv/de gibt es nicht nur zahlreiche historische und wissenschaftliche Informationen zu der Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis. In persönlichen Geschichten, Bildern und Dokumenten werden auch Einzelschicksale beleuchtet. Die Int...

Anders verteilen

Der Piraten-Politiker und Musiker Bruno Kramm will gegen die Verteilung der Musik-Tantiemen durch die Verwertungsgesellschaft Gema klagen. Der bayerische Landesgeschäftsführer und Bundesbeauftragte für Urheberrecht der Piratenpartei wollte die Klage am Montag beim Landgericht Berlin einreichen, berichtete die »Süddeutsche Zeitung« in ihrer Montagsausgabe. Kramm habe die Klage gemeinsam mit Stef...

Kerle, Killer, Kameraden
Hans-Dieter Schütt

Kerle, Killer, Kameraden

Zu laut, zu deutlich, zu nackt! Der Theaterdirektor zetert, windet sich gequält in der Pose seiner Schmiere. Das ist doch keine Kunst!, was ihm Beckmann da an Gräuelgeschichten seines Kriegstraumas erzählt. Aber es ist die Wahrheit!, schreit Beckmann zurück. Der Direktor krümmt sich, kichert. Damit auf eine Bühne? Nein, zu laut, zu deutlich, zu nackt! Im bitteren Ablauf der Dinge fast ein...

Seite 16
ndPlusJan Freitag

Voyeurismus und Fallhöhe

Wer früher fernsah, fand einen entspannten Kapitalismus vor: Unternehmer waren verantwortungsvolle Patriarchen, denen Versorgung, Wettbewerb und das Wohl Ärmerer am Herzen lag. Das System war nicht der Fehler, es hatte zuweilen welche. In den 1970ern bekam der zuständige Heimatfilm zwar Konkurrenz vom kritischen Disaster Movie, doch eigentlich war das Verhältnis zur Marktwirtschaft gut. Böse Ka...

»Ich habe mich vom Fernsehen verabschiedet«

Er gilt als »Altmeister« des deutschen Kabaretts, und trotz seiner 85 Jahre ist Dieter Hildebrandt noch sehr aktiv. Er ist Zugpferd des geplanten Internetsenders »störsender.tv«. Dieses verspricht unabhängige Satire und Information. Mit Dieter Hildebrandt sprach Houssam Hamade.

Klaus Bellin

Rebellischer Kopf

Nach Italien wollte er, unbedingt. Aber nicht mit der Kutsche, sondern zu Fuß. »Der Gang ist lange Zeit eine meiner Lieblingsträumereyen gewesen«, schrieb er im Dezember 1801 in einem Brief. Da hatte Johann Gottfried Seume, beschäftigt als Lektor und Druckereiaufseher im Hause des Verlegers Göschen, gerade seine Arbeit an den Werken Wielands beendet. Zuletzt hatte er den großen Altersroman »Ari...

Seite 17

Gelenke lieben's nass

Wer in der dunklen Jahreszeit eine Alternative zum Sport draußen sucht, könnte es mit Aquafitness versuchen. »Aquafitness ist der ideale Sport, wenn es darum geht, Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit zu verbessern und gleichzeitig die Gelenke zu schonen«, erklärt die Medizinerin Ursula Marschall von der BARMER GEK. »Wasser vermittelt uns durch seinen Auftrieb ein Gefühl von Leichtigkeit, denn das...

ndPlusSilvia Ottow

Hobbyarzt

Wer kennt sie nicht, die alten Hausmittel? Zwiebelsaft bei Husten, Wadenwickel bei Fieber oder heiße Kartoffeln gegen Halsschmerzen. Angewendet wurden sie allerdings im Laufe der vergangenen Jahre immer weniger, denn Konjunktur hatte vor allem der Arztbesuch. Seit die Menschen erfahren mussten, dass nicht jedes Zipperlein mit Tabletten oder Operationen geheilt werden kann, interessieren sie sic...

Enzym verhindert Exzesse

Menschen mit einer genetischen Veranlagung zu erhöhtem Alkoholkonsum neigen unter Stress zu exzessivem Missbrauch. Berliner und Leipziger Wissenschaftler schlagen auf der Basis ihrer Forschungsergebnisse nun vor, betroffenen Personen mit einem einfachen Eingriff in den Proteinstoffwechsel zu helfen.

ndPlusAngela Stoll

Gehirn an Nase: Hatschi!

Nicht nur ein Kribbeln in der Nase, sondern auch Licht, erotische Reize und ein voller Magen können Auslöser für das Niesen sein. Mit etwa 160 Stundenkilometern wird die Atemluft ausgestoßen. Unterdrücken ist ungesund.

Seite 19
Alexander Ludewig

Jubel auf den neun Inseln

Die Stippvisite in der spanischen Hauptstadt hat sich gelohnt. Lúcio Antunes hospitierte vor Beginn des Afrika-Cups bei Real Madrid und ließ sich bei den fünf Übungseinheiten im Dezember von Trainer José Mourinho inspirieren. Nachhilfe im großen Fußball hatte Antunes durchaus nötig. Seit August 2010 ist der 46-Jährige Trainer von Kap Verde, deren Auswahlmannschaften seit Gründung des nationalen...

ndPlusErik Eggers, Barcelona

Der Fiesta folgt der Kater

Alberto Entrerrios blieb sich treu. Auch in der Stunde des Triumphes. Nach dem fast surreal hoch anmutenden 35:19-Sieg im WM-Finale gegen Dänemark erschien der 36-jährige Baske keineswegs wie die Schlüsselfigur im spanischen Handballmärchen - eher wie ein Beobachter, der den Trubel im Palau Sant Jordi in Barcelona verwundert beäugte. Vokabeln wie »Ekstase« und »Herrlichkeit«, die am Montag die ...

ndPlusTom Mustroph

Der Arzt schweigt, ein Fahrer redet

Der erste Verhandlungstag im Prozess gegen den Dopingarzt Fuentes in Madrid brachte wieder nur Verzögerungen. Derweil gestand ein deutscher Ex-Radfahrer, gedopt zu haben - allerdings nur in einem Zeitraum, der nicht mehr justiziabel ist.

Seite 20

»Eine Verhöhnung der Opfer«

Im Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden hat die Verteidigung am Montag in Stuttgart darauf plädiert, den Angeklagten wegen der unverschlossen aufbewahrten Tatwaffe zu verurteilen, ihm aber Straffreiheit zu gewähren. Der Vorwurf der fahrlässigen Tötung von 15 Menschen und fahrlässigen Körperverletzung von 14 Menschen hat sich nach Ansicht der drei Verteidiger nicht erhärten lass...

Die Wucht des Wassers

Schwere Überflutungen haben an Australiens Ostküste am Montag heftige Verwüstungen angerichtet. In Todesangst konnten sich viele Einwohner der am schwersten betroffenen Stadt Bundaberg nur noch auf ihre Hausdächer retten. Die reißenden Wasserströme machten es den Rettern unmöglich, die Eingeschlossenen mit Booten zu erreichen. Polizei und Feuerwehr mussten sie mit Hubschraubern in Sicherheit br...

Ein Land in Trauer

Die Brandkatastrophe von Santa Maria schockt ganz Brasilien. Über 230 Menschen starben in der Diskothek. Es gab erste Festnahmen. Präsidentin Rousseff ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.