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Unten links

Zahlreiche Phänomene der menschlichen Kulturgeschichte sind in ihrer Existenz bedroht - aber keines davon so sehr wie das Geheimnis. Man muss es nur lüften, und schon ist es weg. Schmerzhaft erfahren mussten das nun diverse Geheimdienste westlicher Länder. Ihr Geheimnis, das darin bestand, die Geheimnisse anderer Menschen einzuheimsen, ist dank Edward Snowden kein Geheimnis mehr. Der Liedpoet W...

Speicherwahn mit neuem Etikett

Die Union hat einen Kurswechsel bei der Datenspeicherung bestritten. Durch den Verzicht auf den Begriff »Vorratsdatenspeicherung« im Wahlprogramm entstandene entsprechende Berichte seien »eine Ente und völlige Fehlinterpretation«, erklärte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe am Freitag.

Solardämmerung im Osten

Für die Solarbranche wird es auch im lang erwarteten Sommer 2013 nicht heller: Allerorten schließen Standorte und fallen Arbeitsplätze weg. Die am Freitag angekündigte Insolvenz des Anlagenbauers Conergy stellt damit keine Ausnahme dar, sondern die traurige Regel.

Annette Sawatzki

Snowdens Mut, Merkels Heuchelei

Edward Snowden hat sich um unsere Freiheit und unsere Bürgerrechte verdient gemacht. Ohne ihn wüssten wir nicht, in welch gigantischem Ausmaß wir von Geheimdiensten auspioniert werden. Das Abgreifen von Kommunikationsdaten durch Geheimdienste verstößt gegen zahlreiche Gesetze.

»Tag der Ablehnung« mit Schüssen

Eine blutige Eskalation des Machtkampfes in Ägypten musste für die Nacht zum Sonnabend befürchtet werden. Bereits tagsüber gab es am Freitag Schüsse und Tote.

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Wolfgang Hübner

»Reformelan« und andere Floskeln

Guido Westerwelle hat diese Woche den mitfühlenden Freund gespielt. Der Außenminister war in Athen, um bei der griechischen Regierung und bei den Griechen überhaupt gute Stimmung für die Sparkommissare zu machen. Ungerührt von den schweren Verwerfungen in dem Krisenland.

ndPlusVincent Körner

Griechenlands Kredite stören Merkels Wahlkampf

Auch Angela Merkel weiß, dass das von Spardiktaten gebeutelte Griechenland nicht allein seine Schulden los wird. Doch im Wahlkampf will die Kanzlerin das Thema umgehen - und stößt damit auf Kritik.

Dominic Heilig, Porto

Portugal rutscht weiter ab

In Portugal haben die Folgen der Spardiktate in eine Regierungskrise geführt; von Griechenland werden weitere »Reformen« verlangt. Eine Diskussion über einen neuen Schuldenschnitt für Athen versucht die Bundesregierung gar nicht erst aufkommen zu lassen.

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Wortakrobaten

Ein Kurswechsel von CDU/CSU in Sachen Datenschutz wäre zu schön gewesen, allein die gestrige Meldung über einen Abschied vom Dauerärgernis Vorratsdatenspeicherung erwies sich als Ente. Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass dem sprachlichen Wandel hin zur Mindestspeicherfrist ein längerer Prozess vorausging. Die Wortakrobatik erfüllt zwei Zwecke: Einerseits passt sich die Union dem verharmlosen...

ndPlusRobert D. Meyer

Börsenguru

Kennen Sie die Firmen Letsbuyit, Autev und Venatus Interactive? Vermutlich nicht - es sei denn, Sie gehörten zu den rund 3000 Empfängern des Börsenbriefs »Deutscher Aktiendienst«. Laut »Wirtschaftswoche« soll der gelernte Bäcker und Börsenberater Markus Frick zusammen mit zwei weiteren Personen die Aktien der besagten an der Börse gelisteten Unternehmen als angeblich unterbewertet angepriesen u...

Transparenz bei Rohstoffen?

nd: Wie lautet die Bilanz nach rund zehn Jahren Rohstofftransparenzinitiative EITI? Moberg: Zuerst war die Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) nur eine Idee. Es hat lange gedauert, um aus ihr das zu machen, wofür sie heute steht. Heute sind 39 Länder dabei, unsere Transparenzstandards einzuführen, sie umzusetzen und ihren Umgang mit den Bergbauunternehmen zu ändern. So wurden...

Putsch, Revolution oder?

Den Militärputsch nicht hinnehmen! Ägyptens Muslimbrüder trugen ihre Wut gestern auf die Straße. Sie treibt der Zorn der Gerechten, denn Mohammed Mursi war nicht nur ihr politischer Exponent, sondern sogar zuerst der vom Volke mit zweifelsfreier Mehrheit gewählte Präsiden; der oberste Militär dagegen ist ein Putschist. Doch warum sind dann die, die seit Tagen Mursis Absetzung feiern, offensicht...

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Robert D. Meyer

Union will weiter Daten speichern

Rücken CDU/CSU von der Vorratsdatenspeicherung ab? Medienberichte vermeldeten dies, die Union dementierte die Gerüchte umgehend. Stattdessen gab es längst eine sprachliche Anpassung des umstrittenen Begriffs. Nun ist von Mindestspeicherfristen die Rede.

ndPlusMarian Krüger

Konsensakkord im Bundesrat

Die Länderkammer hat am Freitag in der letzten Sitzung vor der Sommerpause Tagesordnungspunkte im Akkord abgearbeitet und dabei das umstrittene Gesetz zur Endlagersuche für Atommüll passieren lassen. Grünes Licht auch für den Beitragserlass in der Krankenversicherung.

ndPlusFabian Lambeck

Die große Siebung

Die deutsche Parteienlandschaft ist bunter als man denkt. Dies zeigte sich eindrucksvoll bei den Anhörungen des Bundeswahlausschusses am Donnerstag und Freitag. Anders als im Jahre 2009 blieb der große Eklat aber diesmal aus.

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Ulrike Henning

DGB legt Modell für Bürgerversicherung vor

Krankenkassen erwarten mehrere Milliarden Mindereinnahmen im Jahr 2014. Der Deutsche Gewerkschaftsbund präsentierte am Freitag ein Modell zur schrittweisen Einführung einer Bürgerversicherung. Damit könne das Defizit ausgeglichen werden.

ndPlusMarcus Meier

Mehr Kohle für NRW

Das gerichtlich gestoppte Steinkohlekraftwerk Datteln IV bekommt eine zweite planungsrechtliche Chance. In Niederaußem nahm zeitgleich ein neues Braunkohlekraftwerk die erste große Hürde. Und das Klima? Und die Energiewende?

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EU droht mit Datenstopp

Vor Beginn von Handelsgesprächen am Montag drohte die EU Washington, den Datenstrom aus Europa in die USA zu stoppen - falls es Zweifel an gesetzmäßiger Verwendung gibt.

Kritisch oder Wachkoma

Weiterhin in einem lebensbedrohlichen Zustand befindet sich der am 8. Juni in ein Krankenhaus in Pretoria eingelieferte Nelson Mandela. Zum Ernst seines Zustandes gibt es widersprüchliche Angaben.

Benjamin Beutler

Evo Morales warnt die USA

Die Verstimmung war nicht zu überhören: Beim Sondergipfel der Union Südamerikanischer Staaten (UNASUR) in Cochabamba haben Boliviens Verbündete mehrere EU-Staaten wegen der erzwungenen Zwischenlandung von Staatschef Evo Morales in Wien scharf kritisiert.

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ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Nawalny drohen sechs Jahre Haft

Sechs Jahre Haft und eine Geldstrafe von einer Million Rubel forderte der Staatsanwalt am Freitag für den Oppositionellen Alexej Nawalny. Als Berater eines Gouverneurs soll er den staatlichen Forstbetrieb Kirowles 2009 zum Abschluss eines unvorteilhaften Vertrags gedrängt haben.

Großer Erfolg für die Demokratiebewegung

Andrej Hunko, Bundestagsabgeordneter der LINKEN, war in den vergangenen Tagen in verschiedenen Regionen der Türkei auf Reisen. Über die Situation nach den Protesten um den Gezi-Park in Istanbul befragte ihn für »nd« Roland Etzel.

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Insolvenzverschleppung bei Windanlagenbauer?

München/Frankfurt am Main (dpa/nd). Im Fall des Windparkentwicklers Windreich haben Anleihenanleger vor dem Landgericht Regensburg eine erste Klage gegen die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin eingereicht. Die Bank habe ihre Aufklärungspflichten verletzt, so der Vorwurf. Die Kläger fordern nun die Rückabwicklung des Anleihenkaufs. Weder Safra Sarasin noch Windreich-Chef Willi Balz wollten da...

ndPlusJohn Dyer, Boston

Apple setzt auf die Sonne

Apple tut etwas für sein »grünes« Image. Der Technologiekonzern kündigte den Bau eines großen Solarkraftwerks in Nevada an. Das Projekt soll die größte Apple-Investition im Bereich erneuerbarer Energien werden. Auch andere US-Unternehmen entdecken den Solarstrom.

Für Conergy sieht es düster aus

Schon wieder eine Pleite in der krisengeschüttelten Solarbranche: Der einstige Börsenstar Conergy ist überschuldet und hat beim Hamburger Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Die Krise der Solarbranche dauert an.

Hermannus Pfeiffer

Versicherer auf dem Holzweg

Versicherungskonzerne und andere Investoren haben den Wald als Anlagemodell entdeckt. In diesem Szenario werden für die Assekuranz nachhaltige Investitionen immer attraktiver: in Infrastruktur, in Immobilien - und in Bäume. Investoren sind sehr zufrieden.

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ndPlusVolker Stahl

Von Stadionhymnen und Fußballfriedhöfen

Sommerferien, fußballlose Zeit - zumindest, was den Ligaspielbetrieb betrifft. Wer im Urlaub oder auf Balkonien trotzdem nicht vom Fußball lassen kann, dem sei ein gutes Buch empfohlen. Wir stellen vier aktuelle Publikationen vor.

Tom Mustroph

Tour: Es geht steil bergauf

Die wahre Tour de France beginnt an diesem Wochenende. Dann geben die ersten beiden Pyrenäenetappen Aufschluss darüber, wer wirklich um die Tour de France kämpft. »Die allgemeine Ansicht ist, dass es in der Gesamtwertung nur einen Kampf zwischen zwei Fahrern gibt, zwischen Alberto Contador und Chris Froome. Aber ich glaube, dass fünf, sechs Fahrer in Frage kommen«, sagte Katushas neuer Teamchef...

Jirka Grahl

Frisch verliebt

Wimbledon ist ein heiliger Ort: Was hier an Beachtenswertem passiert, kann man fast immer historisch nennen - welche Sportveranstaltung kann schon auf das Jahr 1877 verweisen? Vor 14 Jahren stand hier letztmals eine Deutsche im Endspiel. Am Sonnabend kommt Sabine Lisicki.

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Energietisch: Erfolg amtlich

Gestern wurde das Ergebnis des Volksbegehrens »Neue Energie für Berlin« im Berliner Amtsblatt veröffentlicht. Damit ist der Weg nun frei für die Festlegung des Abstimmungstermins für den Volksentscheid, die voraussichtlich in der Senatssitzung am 16.7. vollzogen wird.

Miete höher als Richtwerte

Rund 70 000 Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften zahlten im Januar 2013 mehr Miete als das Jobcenter übernommen hat, da die Kosten für ihre Wohnung oberhalb der Richtwerte der Wohnaufwendungenverordnung (WAV) lagen. Dies ergab eine Kleine Anfrage der Piratenfraktion, zu der die Antwort des Senats gestern veröffentlicht wurde. Alexander Spies, sozialpolitischer Sprecher der Piratenfraktion im Berliner...

Berlin gibt Gummi

Berlin, du unerschöpflicher Quell lustiger Freizeitmöglichkeiten: Die Schotten der Hauptstadt werfen Baumstämme und die Amerikaner eiförmige Bälle, die Berliner selbst beschmeißen sich mit Obst und Gemüse, die Franzosen am Paul-Lincke-Ufer werfen mit schweren Metallkugeln auf eine kleine Holzkugel, die Schweden werfen - nagut, »schieben« - konkav geschliffene Granitblöcke mit Griff übers Eis un...

ndPlusHaiko Prengel

Querstadtein den Blick schärfen

In Berlin gibt es ein Dutzend Wotas. Eine Wota ist eine Wohnungslosen-Tagesstätte. Dort können Bedürftige gratis frühstücken, duschen oder sich im Winter einfach nur aufwärmen. Wotas sind ganz wichtig im Leben eines Obdachlosen, weiß Carsten Voss, kein gewöhnlicher Stadtführer.

Michael Sagorny

Souvenir von hier

Nach der neuesten Studie lässt Berlin mit diesem stetigen Besucheranstieg alle europäischen Touristenziele weit hinter sich. Die Stadt ist angesagt. Nicht wenige Touristen wollen ihr Stück Berlin mit nach Hause nehmen. Doch Andenken abseits des Üblichen muss man finden.

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Junge Wilde, Alte Meister

(epd). Die 33. Lange Nacht der Museen in Berlin lädt am 31. August zu zahlreichen Veranstaltungen unter dem Motto »Junge Wilde und Alte Meister« ein. Von 18 Uhr bis in die frühen Morgenstunden öffnen 95 Museen ihre Türen für Besucher, teilte die Landesgesellschaft Kulturprojekte Berlin mit. Im Mittelpunkt steht diesmal das Verhältnis zwischen den Generationen: Mit ihren Sammlungen wollen die Mu...

Tangonale

Vom 19. bis 21. Juli 2013 findet das Tangokulturfestival DieTangonale zum dritten Mal in der ufaFabrik statt. Das genreübergreifende Festival, das sich seit seiner Gründung wachsender Beliebheit erfreut, möchte erneut ein Forum für Künstler bieten.

ndPlusLucía Tirado

Ich bin ein Niemand, nehmt mich wahr!

Keine riesigen Kakerlaken, schleimigen Würmer oder wütend werdende Skorpione. So weit lässt sich Constanze Behrends als Autorin des GWSW-Sommerstücks »Lost im Dschungel« im Prime-Time-Theater nicht herab. Die Satire auf das TV-Dschungelcamp nimmt dessen Verlogenheit aufs Korn.

Klaus Hammer

Spannungsreiche Dialoge

Ein weniger bekanntes Kapitel in der Malerei Emil Noldes sind seine Figurenstillleben, denen er sich, selbst passionierter Sammler von kunstgewerblichen Gegenständen aus aller Welt, jahrzehntelang gewidmet hat. Das Nolde Museum widmet ihnen derzeit eine Ausstellung.

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Kalter Krieg auf dem T’Berg
ndPlusJérôme Lombard

Kalter Krieg auf dem T’Berg

Weithin sichtbar überragen die fünf weißen Kuppeln den mit dichtem Laubwald bedeckten Hügel. Zwischen dem vielen Grün wirken die großen Türme unwirklich. Wenn man der von Schlaglöchern durchzogenen alten Zufahrtsstraße an die Spitze des Teufelsberges im Charlottenburger Grunewald folgt, ist die einstige Funktion der Anlage auf dem Gipfel bereits zu erahnen. Die ehemalige amerikanisch-britische ...

Aus Crones Kummerkasten

Der Bürgerbeauftragte bleibt ein wichtiger Adressat für die Bürger Mecklenburg-Vorpommerns bei Problemen mit Behörden. Die Zahl der Eingaben ist unverändert hoch, Dauerbrenner sind Streit um Hartz IV-Zahlungen oder fragwürdige Gebührenbescheide.

Harald Lachmann

Tatort-Kommissare und das reale Leben

Jeder Fünfte hierzulande hat einen Migrationshintergrund, doch in den kommunalen Behörden ist diese wachsende Gruppe nur mit zwölf Prozent präsent. In Nürnberg, wo sogar das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sitzt, sind es noch deutlich weniger. Angeblich liegt es an fehlenden Qualifikationen.

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Räumung wegen Qualmens?

Düsseldorf (AFP/nd). Auch durch das Qualmen in der eigenen Wohnung kann sich ein Raucher unter bestimmten Voraussetzungen juristische Schwierigkeiten einhandeln. Das Amtsgericht Düsseldorf lehnte nach Angaben eines Sprechers vom Freitag den Antrag eines Mieters auf Prozesskostenhilfe ab, mit der sich der starke Raucher gegen eine Räumungsklage zur Wehr setzen will. Das juristische Vorgehen des ...

Volker Stahl, Hamburg

Der Pastor und die Schäferinnen

Der Bezirk Eimsbüttel ist einer der sieben Verwaltungsbezirke in Hamburg. Er beherbergt die Universität Hamburg, das Universitätsviertel und gilt als bedeutender Medienstandort. Und man kann dort interessante Spaziergänge machen, wie ein neues Buch zeigt.

ndPlusAndreas Fritsche

Geschlossenes Heim relativ offen

Viele meldeten sich bei dem Erziehungswissenschaftler Werner Thole, nachdem er in einem Gastbeitrag im »nd« dafür plädierte, geschlossene Heime zu schließen. Der Professor von der Universität Kassel erntete ausschließlich Zuspruch. Wahrscheinlich kenne er einfach keine Menschen, die Wegschließen für eine pädagogisch sinnvolle Maßnahme halten, vermutet er. An anderer Stelle gab es aber auc...

Das Ende der alten Schultafel

Moderne Hilfsmittel wie Notebooks oder digitale Whiteboards, also Schultafeln mit Computeranschluss, sind immer öfter in Thüringens Klassenzimmern zu finden. Ob Schüler damit besser lernen, ist aber unklar.

Sabine Fuchs, dpa

Kick durch Buchenrauch

Ein Traditionsunternehmen in Sachsen-Anhalt feiert. Halberstädter Würstchen sind bekannt - so sehr, dass auch andere Hersteller ihre Würste so nennen wollten. Nun wollen die Hersteller auch chinesischen Verbrauchern Appetit auf »Halberstädter« machen.

Andreas Fritsche

Haasenburg verstaatlichen oder schließen

Als am Donnerstag vier Staatsanwälte und 50 Polizisten die Heime der Haasenburg GmbH in Jessern, Müncheberg und Neuendorf am See durchsuchten, waren die drei Jugendlichen schon verschwunden. Seit Mittwochmorgen wurden in Neuendorf ein 15-Jähriger und zwei 16-Jährige vermisst.

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Hendrik Lasch

Die neuen Helden der Arbeit

Stine Birgite Harsem hat eine schwere Aufgabe erwischt. Der Patient, dem die norwegische Krankenschwester aus einem Rollstuhl ins Krankenbett verhelfen muss, wiegt geschätzte 100 Kilo. Unter den gestrengen Augen dreier Prüfer legt sich die blonde junge Frau die Arme des Mannes um den Hals, zählt bis drei und wuchtet ihn in die Höhe. Einen Moment verharren Harsem und der Patient in einer Art inn...

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ndPlusRudolf Stumberger

Marx im Museum

Alternativbetriebe und Genossenschaften sind praktische Modelle unserer Zeit, die zeigen, wie es bereits unter den derzeitigen Verhältnissen möglich ist, fair und selbstbestimmt zu arbeiten und zu produzieren. nd-Autoren begaben sich nach München, auf den Pfaden der 1970er.

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Der Saftladen brummt
Knut Henkel

Der Saftladen brummt

Alternativbetriebe und Genossenschaften sind praktische Modelle unserer Zeit, die zeigen, wie es bereits unter den derzeitigen Verhältnissen möglich ist, fair und selbstbestimmt zu arbeiten und zu produzieren. nd-Autoren begaben sich u.a. in die Metropolenregion Mexiko-Stadt.

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Daten
ndPlusBernd Zeller

Daten

Das Thema, das derzeit für die meiste Verunsicherung sorgt, ist die Ansammlung von Daten und die Überwachung des digitalen Datenverkehrs. Die meisten Menschen haben Angst, dass sie sich verdächtig machen, weil sie nicht genügend oder keine Internetdaten und Telefonverbindungen vorweisen können, was danach aussieht, als ob sie etwas zu verbergen hätten. Außerdem kommt es vielen unheimlich ...

Ein Leben für Gott und die Wissenschaft

Er war das dritte von vier Kindern eines Hufschmieds und einer Bauerntochter, die den bescheidenen Haushalt der Familie führte. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr besuchte er eine Schule, wo er nur notdürftig im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet wurde. Danach fand er eine Anstellung als Laufbursche bei einem Buchhändler. Seine wichtigste Aufgabe war es, morgens die Zeitung zu den Kunden ...

Bernd Havenstein

Wartburg, Werra, Veritas

Es gab einmal eine kurze Zeitspanne, da wurde die durch einen Überhang an privater Kaufkraft und einen Mangel an erwerbbaren Produkten geprägte DDR-Gesellschaft eine »Wegwerf-Gesellschaft«. Jene Zeitspanne begann im Frühsommer 1990 und verebbte dann mit dem Hineingleiten in die Wegwerf-Gesellschaft des wirtschaftlich potenteren großen Bruders ab dem 3. Oktober 1990. Der Münchener Kulturhistorik...

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Staunen über Aristoteles

Wenn Adelbert Reif (1936-2013) uns in der Redaktion anrief, um von den jüngsten Gesprächen zu berichten, die er geführt hatte und uns nun zum Abdruck anbot, eröffnete er das Telefonat stets mir den ungeheuer freundlich artikulierten Worten »Ich grüße Sie!« - das »rrrr« gerollt, in die Länge gedehnt das »üüüü«. Leidenschaftlich erzählte er dann von seinen Begegnungen mit Künstlern oder Schriftst...

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ndPlusDieter Klein

Das Morgen tanzt schon im Heute

»100 Prozent sozial« - das ist der Kern des Programms der Linkspartei für die Bundestagswahl. Aber liefe seine Realisierung in einem Europa der Banken nicht schlicht auf eine Revolution hinaus? Nur: Wer glaubt an eine Revolution in absehbaren Zeiten? Wer an die Reformen?

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WOCHEN-CHRONIK

6. Juli 1608: Der römisch-deutsche Kaiser Rudolf II. sichert in einem »Majestätsbrief« in seinem Reich freie Religionsausübung zu; zehn Jahre später bricht mit dem Prager Fenstersturz dennoch der Dreißigjährige Krieg aus. 7. Juli 1438: In der Pragmatischen Sanktion von Bourges schränkt König Karl VII. den Einfluss des Papstes auf Frankreich ein. 10. Juli 1943: US-amerikanische und b...

ndPlusJohnny Norden

Che und die Guerilla

Nach den vielen Publikationen zu den revolutionären Kämpfen in Bolivien vor über 40 Jahren übt dieses Buch eine besondere Faszination aus: Es ist der beeindruckende Rückblick eines Insiders. Sein ganzes Leben widmete der 1940 geborene linke Intellektuelle Eduardo Machicado dem Kampf für die Befreiung seines Volkes. Machicado unterstützte die Guerillabewegung von Guevara. Sein Haus in La Paz war...

Oliver Matz

Brennende Tiger

Es ist der 12. Juli 1943. Hauptmann Skripins T-34 ist getroffen, er selbst schwer verwundet. Eine Granate hat soeben die Seitenwand seines Panzers durchschlagen. Seine Soldaten ziehen den Offizier aus dem Fahrzeug und bringen ihn in einen Erdtrichter in Deckung. Ein »Tiger« der Wehrmacht rollt direkt auf sie zu. Tankist Nikolajew springt in den rauchenden T-34, wirft den Motor an und rast dem F...

ndPlusKarl-Heinz Gräfe

»Wir alle sind verantwortlich«

Nicht nur die DDR, auch andere sozialistische Staaten gerieten 1953 in ihre erste ernsthafte Krise, die Massen auf die Straße trieb. Es begann in der westböhmischen Stadt Pilsen (Plzen). Am 1. Juni 1953 demonstrierten 15 000 Bürger, vor allem Arbeiter aus den Skoda-Werken.

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Traumschiff MS Reichtum

Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden wird zum Luxus-Ort: »Reichtum - mehr als genug« heißt die neue Sonderausstellung, die am Samstagabend eröffnet wird. Zentrales architektonisches und zugleich satirisches Gestaltungselement ist ein »Traumschiff«, die »MS Reichtum«, erklärte Kurator Daniel Tyradellis am Freitag in Dresden. Wegen der immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich s...

Über den Rubikon

Mit einem Konzert und einem Ausstellungsrundgang wurde am Freitag in Dresden die internationale Kunstschau »Ostrale ›013‹« eröffnet. Bis zum 15. September zeigen rund 90 Künstler aus 17 Ländern ihre Malereien, Fotografien, Plastiken oder Installationen. Das Motto lautet »wir überschreiten den rubikon«. Für den »Artwalk« werden zum ersten Mal Dresdner Galerien einbezogen, auch Auss...

ndPlusThomas Behlert

Hardrock auf der Höhe

Wer schon immer gerne durch die Natur stiefelte und sich an satten Wiesen und hohen Bergen erfreute, muss irgendwann auch die Kappeler Alp ansteuern. Und dort erwartet ihn ein blaues Wunder, ein nicht alltägliches Fest für die Zunge und vor allem für die Ohren.

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Hans-Dieter Schütt

Kräftig und lebenslang Brecht

Wann sieht das Theater alt aus? Wenn es seinen Mut verliert, uralt zu sein. Das Uralte ist in jeder Gegenwart seine Zukunftschance. Und dies Uralte besteht auch in der Pflege einer schauspielerischen Aura, die sich in der Mäßigung und Zähmung durch einen hoch angesehenen Text erfüllt. Von solcher Aura war Stefan Lisewski, von 1957 an, über vierzig Jahre, Schauspieler am Berliner Ensemble. Mitar...

Ekkehart Krippendorff

Verborgen an der Oberfläche

Die Kunst des Essays gehört nicht so sehr zur deutschen Tradition - sie ist eher in der romanischen literarischen Kultur zu Hause. Nicht zufällig haben wir für diese Form geistreicher Diskurse keinen eigenen Namen: »Versuche«, das klingt nach Vorläufigkeit, Unfertigem...

ndPlusIrene Constantin

Flucht vor dem Imperium

Für den Comic wurden die Sprechblasen, Denkblasen, Geräuschblasen erfunden. Die »Musikblase« erfand sich gewissermaßen selbst, exklusiv für den Beginn von Andrea Moses’ Stuttgarter Inszenierung von »La Cenerentola«.

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»Faules Fundament«

Drei Wochen nachdem der griechische Staatssender ERT geschlossen wurde, hat die Regierung in Athen nun einen Gesetzentwurf zur Gründung eines neuen Senders vorgelegt. Der ERT sei ein »Herd der Verschwendung« und auf »faulem Fundament« gebaut, das werde anders.

Wenn Kreuzzügler kommentieren

Einblicke in die Leserströme, die vom Netz aus bei der Online-Ausgabe der »taz« landen, liefert Sebastian Heiser auf www.taz.de. Demnach kommt die Hälfte der Online-Leser über Links anderer Seiten zu »taz.de«. Davon stoßen 31 Prozent über eine Suchmaschine auf die Zeitung und 12 Prozent über andere Webseiten. Am meisten Traffic von diesen anderen Webseiten bringt der »taz« die Wikipedia. Am mei...

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Ölspur im Windkanal

Zwei Mal ist die europäische Trägerrakete Vega bereits ins All gestartet, um Satelliten zu ihrem Bestimmungsort zu befördern. Im Windkanal des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat sie solch einen Flug bereits über 50 Mal absolviert - allerdings nur als Miniaturausgabe. An dem Modell simulierten die DLR-Ingenieure im Hyperschallwindkanal Köln die Trennung von Unterstufe und Obers...

Mini-Leber aus der Retorte

Yokohama/London (AFP/nd). Japanischen Forschern ist es nach eigenen Angaben erstmals gelungen, aus künstlich erzeugten Stammzellen Gewebe einer menschlichen Leber zu züchten. An einer Labormaus sei bei einem Versuch eine »funktionsfähige menschliche Leber« gewachsen, schreibt ein Team um Takanori Takebe von der Yokohama City University im Fachblatt »Nature« (DOI: 10.1038/nature12271). Die...

Nimm ein Ei mehr!
ndPlusIris Rapoport, Berlin und Boston

Nimm ein Ei mehr!

… empfahl die Werbung in den 60er Jahren. Da wusste man noch nichts von der gesundheitsgefährdenden Wirkung eines zu hohen Cholesterinspiegels im Blut. Stattdessen lobte man das wertvolle Protein und das Eisen im Ei. Doch dann kam die große »Framingham«-Studie aus den USA, die das Wort Risikofaktor in unseren Wortschatz brachte und uns lehrte, hohe Cholesterinspiegel im Blut zu fürchten. Der, s...

ndPlusMartin Koch

Das Baugerüst des Lebens

Im 19. Jahrhundert hätten vor allem drei Entdeckungen die weitere Entwicklung der Naturwissenschaften maßgeblich beeinflusst, schrieb Friedrich Engels in seiner »Dialektik der Natur«: der Satz von der Erhaltung der Energie, die Darwinsche Abstammungslehre und »die Entdeckung der Zelle als der Einheit, aus deren Vervielfältigung und Differenzierung der ganze pflanzliche und tierische Körper sich...

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Hoch motiviert
ndPlusCarlos García Hernández

Hoch motiviert

Die Partie von heute ist ein Beispiel für die Haltung, die es einzunehmen gilt, wann immer man am Schachbrett sitzt: motiviert und siegeshungrig. Mit dieser Partie gewann Humpy Koneru (Indien; 26) den FIDE Grand Prix der Frauen, der gerade in Dilidschan (Armenien) gespielt wurde. Konerus Gegnerin, die 37-jährige Mongolin Tuvshintugs Batchimeg, beging den Fehler, Koneru in der Eröffnung die Init...

Udo Bartsch

Im Höllenfeuer

Wer auf Teufel komm raus zockt, muss damit rechnen, dass der Unaussprechliche tatsächlich erscheint. Im gleichnamigen Wettspiel ereignet sich dieser Schicksalsschlag jedenfalls immer wieder. Reihum decken die Spieler Kohlen aus dem Höllenfeuer auf. Die meisten dieser pechschwarzen Spielsteine aus Holz zeigen auf ihrer Unterseite eine Zahl. Wer die wertvollsten und wer die meisten Kohlen aus der...

Wissen, punkten, gewinnen

An vier Wochenenden stellen wir jeweils drei Fragen. Sie beziehen sich auf historische Daten der Folgewoche. Für jede richtige Antwort gibt es drei Punkte, bei drei Richtigen einen Zusatzpunkt. Die Punkte der vier Spielwochenenden werden für Jede und Jeden im »nd« gesammelt. Am Monatsende gewinnen die meisten Punkte; bei Gleichstand wird unter Ausschluss des Rechtsweges ge...

Prof. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe

Larven als Baukünstler im Gartenteich

Als ich im Frühjahr nach dem Abschmelzen des Eises dabei war, einen Teil der im Gartenteich übermäßig wuchernden Wasserpest herauszufischen, fielen mir in einer besonnten Ecke am Boden vermeintlich dahingleitende, etwa 30 Millimeter lange »Halme« auf. Aber sie glitten nicht, sondern krochen vorwärts. Ihre Gehäuse waren auch keine Halme, sondern für Köcherfliegenlarven charakteristische Kunstbau...

Als ob man übers Wasser schwebt
ndPlusHeidi Diehl

Als ob man übers Wasser schwebt

Windsurfen hab ich mal versucht - lang, lang ist's her. Wenn ich es überhaupt bis in die Senkrechte schaffte, dann dauerte das Glück meist nur Sekunden. Schnell kam die Erkenntnis, dass ich ohne das hinderliche Brett viel besser schwimmen kann. Aber jetzt gibt es was Neues.

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ndPlusAxel Pinck

Auf den Spuren der Besiedler Nordamerikas

Immer im Mai geht es eine knappe Woche fern der zivilisierten Welt durch die Wildnis und spektakulären Berglandschaften des Okanogan National Forest im Bundesstaat Washington, auf den Spuren der weißen Pioniere, die Mitte des 19. Jahrhunderts den Kontinent besiedelten.

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Jirka Grahl

Eines jeden Weg beginnt gleich hier

Einsamkeit trägt zuweilen ein schönes Antlitz: lehmige Feldwege, rauschender Roggen, wehende Wolken - und keine Menschenseele weit und breit. In Idzby, einem Dorf am östlichen Rand der Woiwodschaft Wielkopolska (Großpolen), deutet ein Wegweiser an einer Birke nach rechts: »Duzno 3 km, Gniezno 40 km, Santiago de Compostela 3595 km«. Darunter prangt auf blauem Grund eine weiße Muschel mit einem r...

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Was guckst du?

Was guckst du?

Prism, Tempora - die Geheimdienste haben ihre Augen und Ohren überall. Auch dort, wo es eigentlich nicht erlaubt ist. Die Überraschung ist nun ebenso groß wie die Empörung. Aber was heißt hier geheim? In aller Öffentlichkeit und ganz ungeniert werden wir von unzähligen Augenpaaren beobachtet, angeglotzt, begafft, angestarrt. Wir haben mal genau hingeschaut....