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Unten links

Jeder dritte Deutsche empfindet laut einer Umfrage Schweißausbrüche vor anderen Menschen als »sehr peinlich«. Das sollte eigentlich die derzeit besonders schweißtreibende Regierungsbildung beschleunigen. Allerdings ist den meisten Politikern ohnehin nichts peinlich, selbst die Quadratur des Schweißes nicht. Schließlich heißt es nicht zufällig: Im Schweiße deines Angesichts sollst du deinen Koal...

Letzte Ausfahrt

Sigmar Gabriel hat nur eine Wahl, die man sozialdemokratisch nennen könnte: der SPD eine Rosskur der Erneuerung zu verordnen und dabei das Spitzenpersonal nicht zu verschonen. Nur so kann die Partei wieder Teil eines gesellschaftlichen Blocks der Veränderung werden.

Heute hier, morgen wo?

»Heute hier, morgen dort« - ein alter Hannes-Wader-Song ist Programm. An diesem Freitag trifft sich die Partei zu einem Konvent in Berlin, auf dem es um die Frage geht, ob es zu Koalitionsverhandlungen mit der Union kommt. Heute im Wahlkampf gegen Merkel, morgen an ihrer Seite?

Martin Ling

Flammende Proteste in Sudan

Nach blutigen Protesten gegen Benzinpreiserhöhungen hat Sudans Regierung angekündigt, weiter mit militärischer Härte gegen die Demonstranten in der Hauptstadt Khartum vorzugehen. Es gan Zusammenstöße zwischen Soldaten und Demonstranten mit Todesfolge.

Für eine Welt ohne Chemiewaffen

Inmitten der Syrien-Krise trifft der Alternative Nobelpreis den Nerv der Zeit: Er ehrt einen Mann, dessen Ziel es ist, kommenden Generationen eine Welt ohne Chemiewaffen zu hinterlassen. Optimistisch und vor allem mutig gehen auch die anderen Preisträger ihrer Arbeit nach.

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Hannes Hofbauer, Wien

Bleibt die Große Koalition im Amt?

Der Zieleinlauf bei der Nationalratswahl steht, nimmt man die Vorhersagen der Meinungsforscher ernst, fest. Unsicher bleibt die Anzahl der Parteien, die ins Parlament am Wiener Ring einziehen werden.

Europa braucht andere Perspektiven

Eine Woche nach der Bundestagswahl werden 6,3 Millionen Wahlberechtigte in Österreich an die Urnen gerufen, um ein neues Parlament zu bestimmen. Die Große Koalition droht geschwächt aus einem Wahlkampf hervorzugehen, den gleich mehrere Populisten für sich nutzen konnten.

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Klaus Joachim Herrmann, Minsk

Bei den alten Kindern des Krieges

Als mit der deutschen Wehrmacht Tod und Vernichtung über Belarus kamen, waren sie Kinder. Sie wurden Waisen, Gefangene, Zwangsarbeiter. Die jüngsten Überlebenden sind heute um die 70 Jahre. Die Bundesstiftung »Erinnerung, Verantwortung, Zukunft« (EVZ) hilft im Lande und präsentierte Journalisten einige Projekte.

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Kicken im Krieg

Vor der syrischen Küste fliegt und schwimmt viel Bedrohliches, jederzeit bereit, Raketen abzufeuern. Das würde das Bluten innerhalb des Landes nur noch grausamer gestalten. In all dem Irrwitz läuft ein Kriegsschiff, die russische »Nikolai Filtschenkow«, seelenruhig in Latakia ein. Zum Freundschaftsbesuch, wie es unsensibel heißt. Sogar ein Fußballspiel sei zwischen russischen und syrischen Matrosen geplant.

Roland Etzel

Fragwürdige Abschiedstour

Guido Westerwelle hat die neue Führung in Ägypten am Rande des UN-Plenums zur Wiedereinbindung der verbotenen Muslimbruderschaft ermahnt. Das ist sicher sehr vernünftig. Allerdings muss man sich wohl nicht nur fragen, wie der ägyptische Amtskollege das aufgenommen hat, sondern ob überhaupt. Denn weshalb sollte er?

ndPlusSimon Poelchau

Ein bisschen Verschuldung

Ist es nun eine gute oder eine schlechte Nachricht, dass die Schulden von Bund, Ländern und Gemeinden um 34,1 Milliarden Euro gesunken sind? Schließlich hätte wegen der sprudelnden Steuereinnahmen vielleicht noch mehr drin sein können.

ndPlusOliver Händler

Dollar-Patriot

Bei der am Mittwoch in San Francisco zu Ende gegangenen 34. Auflage des America's Cup, des wichtigsten Segelrennens der Welt hat der Vorsitzende des Software-Giganten Oracle etwa 200 Millionen US-Dollar in das US-Boot investiere. Was macht man nicht alles für sein Land!

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ndPlusHans-Gerd Öfinger

Gegenwind aus den Ländern

Dass die Abneigung gegenüber einer Regierung mit der Union und das Misstrauen gegenüber der Parteispitze an der SPD-Basis weit verbreitet sind, zeigen Reaktionen von Untergliederungen aus dem gesamten Bundesgebiet. So hat etwa der SPD-Ortsverein Pforzheim Nord-West (Baden-Württemberg) dem Berliner Parteivorstand schriftlich mitgeteilt: »Wir wollen keine Große Koalition - und ehe Koalitionsverha...

Geboren aus Ratlosigkeit

Das Element direkter demokratischer Einflussnahme der SPD-Mitgliedschaft auf die Politik der Partei ist in Paragraf 13 des Organisationsstatuts festgehalten. Demnach findet ein Mitgliederentscheid aufgrund eines Mitgliederbegehrens statt, das »einen konkreten Entscheidungsvorschlag enthalten und mit Gründen versehen sein« muss. Ein Mitgliederbegehren gilt als erfolgreich, wenn es innerhalb von ...

ndPlusVelten Schäfer

Fordern und Ärgern

Am heutigen Freitag beraten rund 250 SPD-Vertreter, wie mit den Avancen der Union umzugehen sei. Aus Landesverbänden kommt Widerstand gegen eine Große Koalition. Die Parteilinke will eine »Möglichkeitserklärung« in Richtung Rot-Rot-Grün.

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Polizei auf Aufkleberjagd

Berlin (nd). Mal wieder Ärger steht der Deutschen Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG/VK) ins Haus: Die Stuttgarter Polizei hat deren Geschäftsführer Monty Schädel im Visier, weil er laut Vorladung »als Veranstalter oder Auftraggeber (oder Verantwortlicher) keine Vorkehrungen getroffen« habe, das Verkleben kleiner Sticker mit der Aufschrift »Truppen raus aus Afghanistan« in ...

Nicht an den Bürgern vorbei planen

Dessau-Roßlau/Leipzig (dpa/nd). Das Umweltbundesamt (UBA) hat an die Städte und Gemeinden in Deutschland appelliert, die Argumente von Bürgern bei Verkehrsplanungen nicht vom Tisch zu wischen. »Es ist ganz wichtig, frühzeitig mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Damit lässt sich auch oftmals viel leichter eine gemeinsam Akzeptanz von Vorhaben herstellen«, sagte Katrin Dziekan, Verkehrsexper...

ndPlusAert van Riel

Machtkampf um Fraktionsvorsitz

Kampfabstimmung bei den Grünen: Die Wirtschaftsexpertin Kerstin Andreae hat ihre Bewerbung um den Fraktionsvorsitz der Grünen angekündigt. Auch Katrin Göring-Eckardt, bisherige Spitzenkandidatin, will kandidieren. Beide gehören dem Realo-Flügel der Partei an.

Fabian Lambeck

Anwalt musste draußen bleiben

Gleich in drei Städten durchsuchten Polizeibeamte am Dienstagmorgen die Wohnungen vermeintlicher Linksextremisten. Dabei ging es nicht immer korrekt zu. So verweigerten die Beamten in Rostock einem Anwalt gar den Zutritt zur Wohnung seines Mandanten.

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50 Jahre Haft für Taylor

Den Haag (AFP/nd). Das Sondertribunal für Sierra Leone hat die 50-jährige Haftstrafe für den früheren liberianischen Präsidenten Charles Taylor wegen Kriegsverbrechen bestätigt. Die Berufungskammer des Tribunals wies am Donnerstag in Leidschendam bei Den Haag die Einwände der Verteidigung zurück, die einen Freispruch gefordert hatte. Dem 65-jährigen Taylor wird seine Rolle im Bürgerkrieg in Sie...

Shabaab-Miliz mordet weiter

Bei zwei Anschlägen im nordöstlichen Grenzgebiet wurden Mittwochabend und Donnerstag drei Menschen getötet und neun weitere Personen verletzt. Beim Überfall auf das Einkaufszentrum Westgate in Nairobi, der am Samstag begonnen hatte, kamen mindestens 72 Menschen um, Dutzende werden vermisst.

Ruhani strebt rasche Einigung im Atomstreit an

Vor dem mit Spannung erwarteten Treffen der Außenminister Irans und der USA hat sich der iranische Präsident Ruhani für eine rasche Einigung im Atomstreit ausgesprochen. Er strebe eine Vereinbarung innerhalb von drei Monaten an, sagte Hassan Ruhani am Mittwoch in der »Washington Post«.

Knackpunkt Sanktionen bei Syrien-Resolution

Im UN-Sicherheitsrat wurde in den vergangenen zwei Tagen intensiv an einer neuen Syrien-Resolution gearbeitet. Wie weit man dabei schon ist, wird von den Akteuren aber unterschiedlich beantwortet.

ndPlusDavid Graaff, Bogotá

Streiter für veränderte Spielregeln

Ein Arzt, ein Politikwissenschaftler, ein Rechtsanwalt und ein Insektenforscher sind die Träger des diesjährigen Right Livelihood Awards, bekannt als »Alternativer Nobelpreis«.

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Eva Krafczyk und Christoph Thanei, dpa

Proteste gegen Roma in Osteuropa

Es war nur ein relativ kleiner Zwischenfall: Ein 16-Jähriger, der einem 13-Jährigen Prügel androhte, wenn der ihm nicht sein Fahrrad überlasse. Doch der ältere Junge war ein Rom. Der Angriff auf den 13-Jährigen in der südpolnischen Kleinstadt Andrychow hatte ungeahnte Konsequenzen.

ndPlusKatharina Strobel, Brüssel

Ein neues Gesicht für Beschwerden bei der EU

Wer sich von Europas öffentlichen Verwaltungen unfair behandelt fühlt, kann sich ab dem 1. Oktober an Emily O’Reilly wenden. Die parteilose Irin übernimmt als erste Frau das Amt der Europäischen Bürgerbeauftragten.

ndPlusGabi Zimmer

Merkel in der EU gestärkt

Leider ist es nicht gelungen, über die Bundestagswahl Angela Merkels Europapolitik zu stoppen. Das verwundert nicht, da so gut wie alle Parteien den eigentlichen Fragen zur Zukunft der EU auswichen. Dies war auch bei vorhergehenden Bundestagswahlen nicht anders.

Anina Valle Thiele, Luxemburg

Die Hälfte darf nicht wählen

In Luxemburg finden am 20. Oktober vorgezogene Parlamentswahlen statt. Laut Verfassung dürfen rund 45 Prozent der in dem Großherzogtum lebenden Bevölkerung nicht wählen, denn sie sind »Ausländer«.

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Öffentliche Schulden gesunken

Dank üppig fließender Steuereinnahmen hat die öffentliche Hand zum Ende des ersten Halbjahres 2013 ihre Schuldenlast leicht reduzieren können. Bund, Länder und Gemeinden waren zum 30. Juni dieses Jahres mit gut 2,048 Billionen Euro verschuldet und lagen damit 1,6 Prozent unter dem Vorjahresstand.

ndPlusUlrike Henning

Wem gehört der Acker?

2014 wurde von den Vereinten Nationen zum »Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe« gekürt. Gleichzeitig führt die Nachfrage nach Ackerflächen weltweit zu steigenden Preisen. Um den Konflikt um das Bodeneigentum drehte sich auch eine Diskussion auf einer Berliner Tagung.

Simon Poelchau

Der Bau boomt

In Deutschland wird so viel gebaut wie seit langem nicht mehr. Der Grund dafür sind auch niedrige Zinsen für Wohnungsbaukredite.

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Andreas Landwehr (dpa), Peking

Chinas Währung bald frei konvertierbar?

China plant das größte Experiment seit der Öffnung durch Sonderwirtschaftszonen vor mehr als drei Jahrzehnten. Der Staatsrat will am Sonnabend in Shanghai eine Freihandelszone eröffnen, die erstmals mit der freien Konvertierbarkeit des Yuan experimentieren und die Hafenmetropole zum neuen Finanzzentrum machen soll.

ndPlusGrit Gernhardt

Zug zu spät, Geld zurück

Wer mit der Bahn fährt, kann nicht immer sicher sein, pünktlich am Zielort einzutreffen. Ob technische Störung, Unwetter... Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes müssen Bahnunternehmen künftig auch bei Verspätungen wegen Unwettern oder Streiks zahlen.

Hermannus Pfeiffer, Hamburg

Auftrieb für den Albtraum

Kreuzfahrten boomen. Auf der »Seatrade Europe« in Hamburg feierte die Branche hauptsächlich sich selbst. »Die Vorzeichen könnten kaum besser sein«, freut sich Messe-Chef Bernd Aufderheide. Urlaub auf dem Wasser ist das am schnellsten wachsende Reisesegment.

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Polizisten angegriffen

(dpa/nd). Zwei Polizisten sind am Donnerstag in Berlin niedergestochen worden. Zu dem Angriff kam es am Heinrich-Heine-Platz, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich der dpa. Wie die Polizei weiter mitteilte, seien Beamte gegen 16 Uhr wegen häuslicher Gewalt alarmiert worden. Als die Polizisten eintrafen, seien sie von einem Mann mit einer Schere angegriffen worden. Über die Schwere der Verletzung...

Stadtwerk kommt wie geplant

(dpa/nd). Das umstrittene Berliner Stadtwerk soll nun doch wie geplant gegründet werden. Darauf einigten sich die Spitzen von SPD und CDU am Donnerstag in einer Sitzung des Koalitionsausschusses. »Wir haben uns darauf verständigt, dass das Stadtwerk kommt«, sagten die Landeschefs der Parteien, Jan Stöß und Frank Henkel. Die Entscheidung solle am 24. Oktober im Abgeordnetenhaus fallen. Der rot-s...

Journalisten nicht bespitzelt

(dpa/nd). Innensenator Frank Henkel (CDU) hat indirekt ausgeschlossen, dass der Berliner Verfassungsschutz Journalisten bespitzelt, die zum Thema Rechtsextremismus recherchieren. Der Senator verwies am Donnerstag im Abgeordnetenhaus zwar darauf, dass »der Senat schon aus Datenschutzgründen in öffentlicher Sitzung nichts über Überwachungsaktionen des Verfassungsschutzes« sagen könne. »Daraus kan...

Aufgeladen

Seit fast zwei Jahren gibt es den Berliner Energietisch. Was die vergleichsweise kleine Basisinitiative in dieser kurzen Zeit in Berlin geleistet hat, ist absolut bemerkenswert. Denn selbst wenn am 3. November der Volksentscheid nicht gewonnen werden sollte, hat sich der Energietisch schon jetzt den Verdienst erworben.

ndPlusPeter Nowak

»Touristen« im Jobcenter

Kommen Touristen jetzt auch zur Sightseeing-Tour ins Jobcenter? Dieser Eindruck musste sich zunächst aufdrängen, als am Donnerstagvormittag eine kleine Gruppe im Jobcenter Storkower Straße auftauchte. Eine Frau hatte einen Berlin-Guide in der Hand, ein Mann hielt eine Kamera in die Luft, die sich erst beim zweiten Blick als Attrappe erkennen ließ.

ndPlusStephan Fischer

Kein Anspruch auf Normalverteilung

Das Leonardo-da-Vinci-Gymnasium in Buckow im Süden des Bezirks Neukölln hat Stärken und Schwächen wie jede Schule. Ein lernförderliches Schulklima, engagierte Lehrerinnen und Lehrer und eine gute »Kooperationen mit Grundschulen zur Begleitung des Übergangs der Schülerinnen und Schüler« bescheinigt die Schulinspektion einem mit über eintausend Schülern größten Gymnasien Berlins 2011. Auch hier k...

Volksentscheid kommt auf Touren
ndPlusMartin Kröger

Volksentscheid kommt auf Touren

Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf. Ab kommenden Montag beginnt in Berlin die heiße Phase zum Volksentscheid »Neue Energie für Berlin«, der am 3. November stattfindet. »nd« beleuchtet zu Beginn des Wahlkampfes die zentralen Aspekte des Volksentscheides.

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Männchen haben Ampel satt

(dpa). Die Ost-Ampelmännchen bekommen nach ihrem Siegeszug in den Souvenirläden eine eigene Theatershow. Die Inszenierung »Green Boys - die Ampel ist nicht genug« feiert am 12. Oktober ihre Premiere im Berliner Admiralspalast. Danach tourt die Show mit Musik, Tanz, Akrobatik und Magie durch Städte wie Bielefeld, Hockenheim und Gera. Im Mittelpunkt stehen Ampelmännchen, die ihr Leben an der Ampe...

Freie Szene muckt auf

(dpa). Mit einem Protestfest wollen die freien Künstler in Berlin um eine bessere Förderung kämpfen. Die sogenannte Koalition der Freien Szene rief für Samstag, 16 Uhr, zu einem Demonstrationszug zum Roten Rathaus auf. Die Künstler wehren sich dagegen, dass im Doppelhaushalt 2014/2015 die zehn Millionen Euro jährlich für freie Projekte nicht aufgestockt wurden. Zudem verlangen sie einen Anteil ...

Die Kunden werden unruhig

(nd). Drei Spieler treffen in diesem Stück an einem ungewöhnlichen Ort aufeinander: ein inzwischen unsicheres Gelände, das Dach ist undicht, draußen scheint der Bürgerkrieg zu toben, drinnen auch. Niemand weiß mehr, wo es lang geht, eine Welt der Unsicherheiten, eine Welt des grenzenlosen Kapitalismus, in der es abseits von Kontoständen wenig Gewissheiten gibt. Wie in einer Halluzination blickt...

John Zacharia

Sonnenglanz aus Mumienbäuchen

Es glänzt, es wallt, es bordet über. Maiskolben, Weinflaschen, Skeletthände, Goldgeschirr, Perlenketten - eine barocke Flut von Gegenständen quillt aus Mumienbäuchen. Masken, Federschmuck und Stofffetzen treiben ihr frivoles Spiel zwischen Leben und Tod. »Mumienglanz. Künstlerische Autopsien einer südamerikanischen Indianerkultur«. So der Titel einer üppigen Objektkunstausstellung im Mari...

ndPlusMarlene Göring

Plötzlich eine Aufgabe

Studium abgebrochen, keine Lehrstelle, kein Job – und jetzt? In Berlin-Wedding vermittelt das Jobcenter junge Arbeitslose in eine ungewöhnliche Maßnahme: Sie lernen Kunst. Und warten darauf, dass sie endlich losgeht, die Karriere. Von Zukunftsangst und mutigen Köchen.

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Pässe abgenommen

Berlin/Cottbus (dpa/nd). Bei der Gurkenernte im Spreewald sollen nach Gewerkschaftsangaben vor zwei Jahren rumänische Helfer ausgebeutet worden sein. Die etwa 200 Saisonkräfte hätten für die Vermittlung nach Deutschland hohe Provisionen gezahlt, teilte der DGB-Bezirk Berlin-Brandenburg am Donnerstag mit. Der Arbeitgeber habe ihnen im Jahr 2011 die Pässe entzogen und für Armutslöhne schuften las...

ndPlusRobert D. Meyer

Wohnen auf der Baustelle

Noch sind viele Teile des ehemaligen Vermessungsamtes in Alt-Moabit eine Baustelle. Doch Zeit, bis zum Ende aller Bauarbeiten zu warten, blieb der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales nach eigenen Angaben nicht. Aufgrund der angespannten Unterbringungssituation neu ankommender Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen sah sich das Land Berlin dazu veranlasst, innerhalb kürzester Zeit...

Verfahren gegen »Waldjunge Ray« eingestellt

Verfahren gegen »Waldjunge Ray« eingestellt

Die Geschichte könnte glatt von mir sein. Als frühjugendlicher Knabe träumte ich vom Leben im Wald, unter wilden Tieren, einer, der kämpft wie Robin Hood für die Armen und Entrechteten. Daraus wurde nichts. Dieser Robin, um den es hier geht, hatte auch sehr viel Fantasie und landete dafür gestern vor Gericht. Das Urteil folgte nach nur einer knappen Stunde Verhandlung. Für sein abenteuerl...

Hagen Jung

Schwere Geschütze gegen Agrarminister

CDU und FDP in Niedersachsens Landtag wollen Agrarminister Christian Meyer (Grüne) aus der Regierung hebeln und damit die rot-grüne Koalition ins Wanken bringen. Bei diesem Versuch greift die Opposition am Donnerstag nicht nur auf die Dienstwagen-Affäre zurück.

Marina Mai

»Nazis und die Kälte - das sind die Probleme«

Im Flüchtlingsheim in der Carola-Neher-Straße in Hellersdorf ist es eiskalt. Die Heizungen sind kaputt. Eine Vietnamesin schiebt gerade den Kinderwagen ins Haus und klagt über die Kälte. »Ich wohne im dritten Stock. Mein Baby ist krank«, sagt sie. Eine Bosnierin, die als Kind in Berlin gelebt hatte und nun mit ihren Kindern nach Berlin zurückgekommen ist, schimpft ebenfalls über die Kälte. Und ...

ndPlusChristoph Trost, dpa

»Horstopoly« in München

Horst Seehofer ist in einer vermeintlich komfortablen Lage: Er kann sich sein neues Kabinett in Bayern nach Belieben zusammenstellen. Wird Ilse Aigner nun doch nicht Fraktionschefin, sondern Superministerin? Das sagen sie in der CSU. Doch Seehofer sagt: Nichts ist entschieden.

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Wohnung von Studenten besetzt

Potsdam (nd). Von der offensichtlichen Besetzung einer Wohnung in Potsdam berichtet der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Potsdam. In den vergangenen Tagen sei man darauf aufmerksam geworden, hieß es am Donnerstag. Es handele sich um eine ungewöhnliche Initiative von Studenten. Als Grund werde angegeben, dass in Potsdam Wohnungen leer stehen, die nicht auf dem Wohnungsmark...

Ausbeutung bei der Gurkenernte

Berlin (nd). Rumänische Helfer für die Gurkenernte im Spreewald zahlten für die Vermittlung nach Deutschland hohe Provisionen. Ihnen wurden die Pässe entzogen und sie schufteten für Hungerlöhne. »Wer auf seine Rechte pochte, wurde fristlos gekündigt«, meldete der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) jetzt. Der Menschenhandel zum Zwecke der Ausbeutung der Arbeitskraft, wie es im Amtsdeutsch heiße, h...

ndPlusSusanne Kupke, dpa

Wenn Brücken trennen

Neues im badisch-pfälzischen Brückenstreit: Das Stuttgarter Verkehrsministerium bringt jetzt einen Ersatzbau für die Karlsruher Rheinbrücke ins Spiel - zum Ärger der anderen Seite.

Abgrund hinterm Gartenzaun

Die Ostsee nagt weiter an den bebauten Steilküsten auf der Insel Rügen (Mecklenburg-Vorpommern). Jetzt hat der Kreis Häuser von zwei Sassnitzern und Grundstücke der Stadt wegen Abbruchgefahr gesperrt. Anwohner sprechen von Enteignung und sehen das Land in der Pflicht.

ndPlusAndreas Fritsche

22,4 Prozent, aber 100 Prozent sozial

»Ich will nicht drumrum reden, wir haben sechs Prozent unserer Wählerinnen und Wähler der letzten Bundestagswahl verloren«, bilanziert LINKE-Landesvorsitzender Stefan Ludwig vorläufig. Sonnabend trifft man sich in der Landesgeschäftsstelle zur Analyse der Wahlergebnisse.

Gaston Kirsche, Hamburg

Sturmhauben auf dem Laufsteg

Das hatte man im feinen Hamburg-Pöseldorf noch nicht gesehen: Linke Aktivisten protestierten mit einer Modenschau gegen Pläne zur Schließung des Kulturzentrums Rote Flora. Entgegen der Stimmungsmache in bürgerlichen Medien blieb es ruhig.

Andreas Fritsche

Im Zweifelsfall die Zweitstimme

Das eigene Ergebnis war ihm nicht so wichtig. »So eitel bin ich nicht«, sagt der am Sonntag in Potsdam nicht unerwartet gescheiterte Bundestagskandidat Norbert Müller (LINKE). Im Wahlkampf sei es vorgekommen, dass Bürger an den Infostand traten und ihm und seinen Helfern erzählten, dass sie ihre Stimmen splitten und die LINKE nur mit einem Kreuz bedenken wollen. Die Genossen sollten aussuchen, ...

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Jenseits der Etablierten

Das »Motorschiff Stubnitz« in Rostock, die »Haldern Pop Bar« im niederrheinischen Rees und »Eine Welt Aus Hack Konzerte« in Berlin sind zu den »Spielstätten des Jahres« gekürt worden. Mit der neuen Auszeichnung, die am Mittwochabend am Rande des Reeperbahnfestivals in Hamburg verliehen wurde, will die Bundesregierung engagierte Clubbetreiber würdigen. »Es geht um die Wertschätzung von Clu...

Bedingungen des Erinnerns

Der israelische Historiker und Holocaust-Überlebende Otto Dov Kulka wird in diesem Jahr mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. Er erhält den Preis für sein Buch »Landschaften der Metropole des Todes«, wie der Landesverband Bayern im Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Donnerstag in München mitteilte. Kulka wurde 1933 in der Tschechoslowakei geboren und überlebte als Kind das Konz...

ndPlusVolker Trauth

Es fehlt die zweite Schicht

Der 1930 geschriebene Roman »Hiob« von Joseph Roth hat in den letzten Jahren das Interesse der Theaterleute in auffälliger Weise erregt, was Inszenierungen in München, Essen und Neuss beweisen. Koen Tachelet hat herausgefunden wo sein ungebrochener Reiz liegt: bei Roth, meint er, »wandern die Menschen durch die Welt, weil sie glauben, dass irgendwo eine Heimat zu finden ist, und immer wieder fe...

Sabine Neubert

Das Paradies ist weiß wie Milch

So viele haben Paris, »die Welthauptstadt der Malerei«, die Metropole des Expressionismus und des Surrealismus, beschrieben, die berühmten Ateliers und die noch berühmteren Cafés. Die Schriftstellernamen sind Legion, reichen von Louis Aragon bis Walter Benjamin...

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Reichensteuer für die Bildung
ndPlusPeter Nowak

Reichensteuer für die Bildung

Kaum jemand wird bestreiten, dass das Bildungssystem in Deutschland chronisch unterfinanziert ist. Eine Woche vor der Bundestagswahl hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ein Gegenkonzept vorgelegt und eine Reichensteuer für die Bildung vorgeschlagen. Rund 40 Milliarden Euro sollen nach ihrem Konzept in die Bildung fließen, um Reformen umzusetzen und die Arbeitsbedingungen der...

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit fordern die angestellten Lehrer in Berlin und legten diese Woche erneut einen Warnstreiktag ein. Dabei stoßen sie nicht nur auf Zuspruch. So schreibt stefano 1 auf www.tagesspiegel.de: »Auch die jüngeren Lehrer müssen beginnen zu verstehen, dass wir nicht weiter alle reich und Beamte sein können.

Kampfansage ans Bildungsbürgertum

Die Inklusionsexpertin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Ilka Hoffmann leitet seit Kurzem den Bereich Schule beim Vorstand der GEW. Sie sagt, Inklusion müsse sich auch um die Förderung von sozial benachteiligten Schülern kümmern. Mit ihr sprach Jürgen Amendt.

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Aus HartzIV in die Rente

Das Risiko, unmittelbar vor der Rente Hartz IV beziehen zu müssen, ist in Berufen mit hohen physischen Belastungen besonders stark ausgeprägt. Zu diesem Ergebnis kommen Martin Brussig und Manuela Schwarzkopf vom Duisburger Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), nachgegangen. Stark betroffen sind beispielsweise Hilfsarbeiter mit rund 33 Prozent, landwirtschaftliche Arbeitskräfte, Lagerarbeiter...

Keine Versicherung bei privaten Telefonaten

Darmstadt (epd). Während privater Telefongespräche am Arbeitsplatz sind Arbeitnehmer nicht gesetzlich unfallversichert. Das hessische Landessozialgericht in Darmstadt wies in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil die Klage eines Lagerarbeiters zurück. (AZ: L 3 U 33/13) Der Mann wollte während der Arbeitszeit seine Frau anrufen und hatte wegen des Lärms und schlechter Verbindung die La...

Bundesarbeitsgericht gegen Missbrauch von Werkverträgen

Erfurt/München/Fürth (dpa/lby). Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt hat den wegen Missbrauchs in die Kritik geratenen Werkverträgen Grenzen gesetzt. In einem Fall aus Bayern entschieden die Bundesrichter am Mittwoch, dass Werkverträge nicht zur Ausübung einer bestimmten Tätigkeit abgeschlossen werden können (Az.: 10 AZR 282/12). Dabei ging es um die Frage, ob zwischen dem Freistaat Bayern und de...

ndPlusVelten Schäfer

Missklang im Orchestergraben

Anfang Oktober werden nach einem Arbeitsgerichtsverfahren die seit drei Jahren unterbrochenen Tarifverhandlungen für Orchestermusiker fortgesetzt. Deren Berufsverband kündigt für die Zukunft härtere Tarifausein-andersetzungen an. Der Arbeitgeberverband stellt dagegen sogar den Flächentarif infrage.

ndPlusHaidy Damm

Chance für Mindestlohn

Das Interview von Frank Bsirske in der »Rheinischen Post« wird den Spitzen der Sozialdemokraten keine Freude bereitet haben. Und auch die Grünen, die zwar gerade gar keine Parteispitze haben, werden nicht begeistert sein von den Äußerungen ihres Parteimitglieds. Der ver.di-Vorsitzende forderte am Mittwoch SPD, Grüne und LINKE auf, möglichst rasch einen gesetzlichen Mindestlohn auf den Weg zu br...

Nowak

Aktivisten unterstützen Arbeitskämpfe

Berlin (nd-Nowak). »Wenn die Pflegerinnen zur Toilette müssen, lassen sie die Tür offen, damit sie die Patienten im Auge behalten, weil alleine auf der Station sind.« Mit solch drastischen Worten schilderten Ulla Hedemann und Carsten Becker von der ver.di-Betriebsgruppe der Charité kürzlich auf einer Veranstaltung die Arbeitssituation in dem Berliner Klinikum. Die Beschäftigten sprechen von »gr...

Christian Bunke, Manchester

Moderne Tagelöhnerei

Ein Arbeitskampf gegen prekäre Arbeitsbedingungen bei einer Großbäckerei des Hovis-Konzerns im nordwestenglischen Wigan könnte Signalwirkung haben. Den Streik konnten die Belegschaft und ihre Gewerkschaft für sich entscheiden.

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Mythische Aufholjagd

Das Team Oracle hat eines der größten Comebacks der Sportgeschichte mit dem Triumph beim 34. America's Cup gekrönt. Skipper James Spithill und seine Crew erkämpften sich am Mittwoch den Sieg im entscheidenden 19. Rennen gegen das Team New Zealand.

EM-Titel war schon möglich

Vital Heynen spricht nach dem Viertelfinalaus der deutschen Volleyballer durch das 1:3 gegen Bulgarien bei der Europameisterschaft in Polen und Dänemark über die Bedeutung der Niederlage, die positiven Eindrücke des Turniers und den Weg zu den Olympischen Spielen 2016.

Tom Mustroph, Florenz

Aufklären oder vertuschen

Brian Cookson will als neuer Präsident beim Radsportweltverband UCI aufräumen und vor allem das Dopingvertuschungsproblem lösen. Amtsinhaber Pat McQuaid will so weitermachen wie bisher und verkauft seine achtjährige Bilanz als Erfolg.