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UNTEN LINKS

Für all jene, die sich mit einem Handy inklusive Ausspähfunktion nicht so recht anfreunden können, weil sie ohnehin am liebsten in der überfüllten U-Bahn telefonieren - immer in der Hoffnung, es schreibt jemand mit - und für die ein Seniorenhandy altersmäßig noch nicht infrage kommt, haben findige Japaner ein Dufthandy marktreif gemacht. Wer morgens oft verpennt, der könnte schon am Abend eine ...

Verdammter Freund - Danke!

Das Credo der US-Supermacht lässt sich mit zwei knappen Worten umfassend schildern: First me! Man nimmt sich, was man brauchen kann, setzt sich dabei wie selbstverständlich über alle diplomatischen Regeln und internationale Konventionen hinweg.

Hessische Sondierer machen es spannend

Bei der Suche nach einer Koalition in Hessen bleibt es spannend. Nach einer weiteren Sondierungsrunde zwischen SPD, Grüne und LINKE ließen die Gesprächspartner die Möglichkeit einer Zusammenarbeit offen.

Für eine Koalition der Belauschten

Seit bekannt wurde, dass ihr Handy offenbar vom US-amerikanischen Geheimdienst NSA abgehört wurde, ist auch Angela Merkels Interesse an den Vorgängen geweckt.

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Energiewende für alle

Noch immer hält sich hartnäckig die Ansicht, umweltbewusst leben könne nur derjenige, der genug Geld dafür habe. Ganz aus der Luft gegriffen ist das freilich nicht. Zumindest erschweren es die vorhandenen sozialen Ungleichgewichte in diesem Land vielen einkommensschwachen Haushalten, das Jahrhundertprojekt Energiewende zu begrüßen oder gar aktiv zu unterstützen. Diesen Zustand zu ändern, sind n...

Kein Bruderbund mit dem Kreml

Mit seinen Nachfolgebündnissen als Ersatz für die zerfallene Sowjetunion hatte der Kreml bislang recht wenig Glück. Die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) kam nie in Schwung. Nun knirscht es weithin hörbar in der Eurasischen Wirtschaftsunion. Dabei sollen gerade mit ihrer Hilfe alte Bindungen mit Russland wenigstens erhalten, wieder angeknüpft und bestenfalls sogar neue hergestellt werden....

Fiktive Hochkonjunktur

Seit Wochen kommen die Frankfurter Börsianer nicht mehr aus dem Feiern heraus. Denn der deutsche Aktienleitindex DAX kennt zurzeit nur noch eine Richtung: nach oben. Nun knackte er am Freitag erstmals die 9000er-Marke. Händler fantasieren schon, dass er nächstes Jahr fünfstellig werden könnte. Zugegeben: Die deutsche Wirtschaft ist bis jetzt relativ glimpflich durch die Krise geschlittert...

ndPlusUlf Buschmann

Ab in den Süden

Die Bremer SPD muss sich einen neuen Vorsitzenden suchen. Nicht etwa wegen eines Zerwürfnisses, vielmehr hat sich der jetzige Landeschef der Sozialdemokraten Andreas Bovenschulte dazu entschlossen, für die SPD als Bürgermeisterkandidat der Gemeinde Weyhe im Bremer Süden anzutreten. Bovenschulte ist dort seit gut sechs Jahren Erster Gemeinderat und damit Stellvertreter des derzeitigen Amtsinhabe...

Kathrin Zinkant

Wissen und wissen wollen

Es wird zu oft behauptet, dass Glaube und Wissenschaft gegensätzliche Phänomene seien. Dabei gibt es unheimlich viele Ähnlichkeiten. Mit der katholischen Kirche etwa verhält es sich wie mit dem menschlichen Gehirn.

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Entlassen

Das Verhältnis zwischen Helmut Kohl und Angela Merkel wird gern als »Anatomie einer Feindschaft« seziert. Sie war lange Zeit als sein »Mädchen« geschmäht worden, der Pfälzer klagte nach seinem von Merkel orchestrierten Sturz über die CDU-Spendenaffäre intern über »diese Ostdeutsche«. Eines haben beide gemeinsam: Sie wurden schon einmal entlassen. An diesem Samstag jährt sich die Entlassung Kohl...

Gesetze gegen die Ärmsten

Nach der Entmachtung des Verfassungsgerichts im März brachte die ungarische Regierung unlängst im zweiten Anlauf ein umstrittenes Gesetz durch. Obdachlosen verbietet es, im Freien zu übernachten. Die Ausweisung von Verbotszonen liegt im Ermessen der Gemeinden. Orte des ungarischen Weltkulturerbes sind kategorisch mit diesem Raumverbot belegt. In Budapest gibt es nur sechstausend Obdachlosenunte...

Spionage der USA

Huanqiu Shibao, China Man stelle sich vor Nach Frankreich, Italien, Brasilien und Mexiko ist Deutschland nur das jüngste Glied in einer Kette ähnlicher Vorfälle. Dennoch klingt die Empörung bei den Betroffenen erstaunlicherweise jedes Mal sehr schnell wieder ab. Man stelle sich nur vor, welchen Entrüstungssturm westliche Medien entfachen würden, wenn der Übeltäter nicht in Washingto...

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ndPlusOlaf Standke

Handy-Gipfel in Brüssel

Das routinemäßige EU-Herbsttreffen wurde in Brüssel am ersten Tag zum NSA-Gipfel. Die Europäer wollen sich die Spionagemachenschaften Washingtons nicht länger bieten lassen. Es gab nach einer langen nächtlichen Debatte sogar eine gesonderte Gipfelerklärung: Erörtert hätten die Staats- und Regierungschefs der Union die jüngsten Entwicklungen in Bezug auf mögliche Fragen im Zusammenhang mit der N...

ndPlusRené Heilig

Es folgt nur ein »Dudu!«

»Ausspähen unter Freunden - das geht gar nicht.« Auch wenn das Zitat von der Kanzlerin stammt, klingt es naiv. Denn es geht ja doch - auch weil deutsche Dienste unfähig sind gegenüber befreundeter Spionage.

Johanna Treblin

Manche Verräter verdienen Schutz

Als Helden gefeiert und als Verräter gehasst - Wistleblower riskieren einiges, wenn sie Behörden- oder Betriebsgeheimnisse öffentlich machen. Sie gehören geschützt, meint das EU-Parlament.

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Initiative will Behinderte fördern

Berlin. Raus aus der Werkstatt, rein in den ersten Arbeitsmarkt: Ein breites Bündnis aus Politik und Verbänden hat eine Offensive gestartet, um mehr Menschen mit Behinderung die Chance auf eine normale Ausbildung oder einen regulären Job zu geben. Wie der Deutsche Behindertenrat am Freitag in Berlin mitteilte, wurde dazu die »Inklusionsinitiative für Ausbildung und Beschäftigung« unter anderem ...

Grit Gernhardt

Hand in Hand Richtung Energiewende

Umweltschutz und Energiewende haben nur dann eine Chance, wenn sie sozial gerecht vonstatten gehen. Das bekräftigte ein neues Bündnis aus Verbänden in Berlin.

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Gegen Wahlbetrug

Phnom Penh. Aus Protest gegen das offizielle Ergebnis der Parlamentswahlen im August sind zum Abschluss einer dreitägigen Kampagne am Freitag rund 20 000 Kambodschaner auf die Straße gegangen. Die Oppositionsführer Sam Rainsy und Kem Sokha führten den Demonstrationszug in der Hauptstadt Phnom Penh zu mehreren Botschaften. Sie überreichten eine Petition mit zwei Millionen Unterschriften und der ...

ndPlusJürgen Vogt, Buenos Aires

Kirchners Abgang scheint besiegelt

In Argentinien wird am Sonntag ein Teil des Parlaments neu gewählt. 30,5 Millionen Stimmberechtigte sind aufgerufen, ein Drittel der Senatoren und die Hälfte der Abgeordneten zu wählen.

Anne-Beatrice Clasmann, Riad

Saudis rüsten gegen Frauen am Steuer

»Das ist ein Werk des Teufels und der Amerikaner«, schimpfen konservative Religionsgelehrte. Das Innenministerium wittert sogar eine Gefahr für die »Sicherheit und Stabilität« des Landes. In Saudi-Arabien.

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Eurasische Union unter Druck

Kasachstans Präsident fordert umfassende Reformen der Euroasiatischen Wirtschaftsunion und kritisiert den russischen Protektionismus.

In Brüssel außer Beileid nichts gewesen

Trotz der jüngsten Bootsunglücke mit hunderten Toten im Mittelmeer haben die Staats- und Regierungschefs der EU nicht vor, die europäische Abschreckungs- und Abschottungspolitik zu beenden.

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Rolf Geffken

Der Fall Bo Xilai und seine Folgen

Das Volksgericht im ostchinesischen Jinan hat am Freitag die Berufung des gestürzten chinesischen Spitzenpolitikers Bo Xilai gegen seine Verurteilung zu lebenslanger Haft zurückgewiesen.

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Mitarbeiter von Karstadt im Warnstreik

Berlin. Mit Warnstreiks haben die Beschäftigten zahlreicher Karstadt-Filialen am Freitag den Druck auf die Geschäftsführung verstärkt. Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di beteiligten sie sich an Kundgebungen und Betriebsversammlungen, auf denen sie eine Rückkehr zur Tarifbindung sowie eine Standort- und Beschäftigungssicherheit forderten. Der Betrieb in den Warenhäusern wurde nach Unternehmens...

ndPlusAndreas Knudsen, Kopenhagen

Uran spaltet Grönland

Das grönländische Parlament hat die seit 1988 verbotene Urangewinnung zugelassen. nun setzt die Regierung Grönlands in großem Stil auf Bergbau und riskiert damit Konflikte mit Dänemark und Teilen der Bevölkerung.

ndPlusSteffen Schmidt

Verharmloste Strahlenfolgen

Die Ärzteorganisation IPPNW kritisiert den am Freitag vorgelegten Fukushima-Bericht des UN-Komitees für die Folgen von Strahlung. Er gehe von veralteten Annahmen und ungenügenden Daten aus.

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My Joburg

Eine Sonderschau der Staatlichen Kunstsammlungen Dres- den (SKD) wirft ab Samstag ein Schlaglicht auf die junge Kunstszene in Johannesburg. »My Joburg« ist eine Übernahme aus der Pariser Stiftung Maison Rouge, wie Generaldirektor Hartwig Fischer am Freitag sagte. »Es ist der Auftakt für weitere Ausstellungen zur afrikanischen Kunst«, kündigte er an. Die Schau zeigt bis 5. Januar 2014 die ...

Songs fürs Radio

Das 22. Dessauer Kurt-Weill-Fest widmet sich im kommenden Jahr dem Verhältnis des Komponisten zu Rundfunk und Presse. Auf dem Programm stehen zwischen 21. Februar und 9. März rund 50 Konzerte, Ausstellungen, Diskussionen und Filmvorführungen, wie die Kurt-Weill-Gesellschaft am Freitag in Dessau-Roßlau mitteilte. Erwartet wird unter anderem der Jazzmusiker Klaus Doldinger mit seiner Band Passpor...

ndPlusWerner Jung

Lustig, aber wahr

Nachdem es um den Hochkomiker Ingomar von Kieseritzky lange still gewesen ist - sein letztes Buch liegt dreizehn Jahre zurück -, gibt es einen neuen Roman. Wieder brennt er ein erzählerisches Feuerwerk ab, zaubert eine Unzahl an komischen, grotesken, absurden und aberwitzigen Geschichten aus seinem Phantasiekoffer, die einen nachgerade süchtig werden lassen. Max Singram heißt der Protagon...

Hubert Thielicke

Barocke Pracht und Krieges Schrecken

Fanfaren ertönen, Kanonen rollen, die preußische Armee marschiert, an ihrer Spitze Friedrich II.. Der Siebenjährige Krieg hat begonnen. Sachsen ist das erste Opfer. Eine Szene aus einem DDR-Film stimmt aus eine Ausstellung ein.

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ndPlusRoland Mischke

»Arbeitsfrei« – und Spaß dabei?

Arbeitsfrei« betiteln Constanze Kurz und Frank Rieger ihr Buch. In der sehr eingängigen Studie wird zuerst aufgelistet, was es in der Arbeitswelt bald alles nicht mehr geben wird oder schon nicht mehr gibt.

ndPlusVolkmar Draeger

Von allem etwas mehr

Er gehört zu den beliebtesten Ballettklassikern und bleibt doch ein heikler Patient: »Der Nussknacker« mit Peter Tschaikowskys unvergleichlich plastischer Musik. Weil kaum echte Charaktere auftreten, haben sich Choreografen an teils psychologisierenden Lesarten versucht, oft mit geringer Fortune wie 1999 Patrice Bart. Die Neuinszenierung beim Staatsballett bezieht sich auf die historische...

Fritz Rudolf Fries

Die Rückkehr der Eisheiligen

In den sechziger Jahren, wenn ich mich recht erinnere, kam Helga Novak nach Berlin, Hauptstadt der DDR. Wie kam sie durch die Mauer? Die Legenden um ihre Person glichen Sturm und Wind, der einen über jede Mauer trägt.

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Jirka Grahl, Chemnitz

K wie Kraftklub

In der 3. Liga empfängt der Chemnitzer FC am Samstag RB Leipzig. Im Sommer noch träumte der CFC von Liga zwei. Nun ist der Klub 16. und würde notfalls auch bis 2015 mit dem Aufstieg warten.

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Nikolaj Stobbe

Gold und Geld außer Reichweite

Nach drei Medaillen bei der EM haben die deutschen Amateurboxer auch bei der WM in Almaty mit zweimal Bronze die Erwartungen erfüllt. Dennoch schauen sie sorgenvoll in die Zukunft.

Alexander Ludewig

Kleinkrieg zwischen Berliner AK und Lok Leipzig

Sportlich ist der Berliner Athletik Klub als Zweiter der Regionalliga Nordost sorgenfrei. Rassistische Beleidigungen und tätliche Angriffe beim Spiel in Leipzig gegen den 1. FC Lok belasten ihn immer noch.

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Albtraum Flughafen

Erinnert sich noch jemand, was am Sonntag für ein heiß ersehnter Tag anbricht, anbrechen sollte? Gut, wir können länger schlafen, der Winterzeit sei dank. Aber am 27. Oktober 2013 sollte viel mehr passieren, ein Megaprojekt sollte an den Start gehen, der Hauptstadtflughafen BER.

Amann allein in der Firma

Der abgesetzte Technikchef am Hauptstadtflughafen, Horst Amann, führt ein Unternehmen ohne eigenes Personal. Die Flughafen Energie und Wasser GmbH, deren Geschäftsführer Amann seit Dezember 2012 sei, habe noch keine Mitarbeiter, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Amann hatte nach monatelangem Führungsstreit seinen Posten als Flughafen-Geschäftsführer verloren. Er ist - bei vollen Bezügen - je...

ndPlusRobert D. Meyer

LINKE prüft Klage gegen Stadtwerk

Seit Donnerstag ist klar: Berlin bekommt ein eigenes Stadtwerk. Dem Beschluss droht von Seiten der Opposition allerdings ein juristisches Nachspiel. Die LINKE prüft eine Klage gegen das Stadtwerk.

Stephan Fischer

Nicht genug Gleise für rote Züge

Die Fraktionen von SPD und CDU im Abgeordnetenhaus wollen den Wiederaufbau der S-Bahn nach Falkensee forcieren. Falls Brandenburg nicht mitzieht, notfalls den S-Bahn-Verkehr bis zur Stadtgrenze wiederherstellen.

Malene Gürgen

Gedenken auf dem Bürgersteig

Im Rahmen der Aktion »Ihr letzter Weg« machen Schüler die Strecke sichtbar, auf der Juden zu den Zügen in die Konzentrationslager gebracht wurden. Zuvor haben die Schüler das »Tagebuch der Anne Frank« gelesen.

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Wladek Flakin

Gysi im Mensa-Exil

Wolfgang Schäuble wurde empfangen, Peer Steinbrück durfte sprechen. Linksfraktionschef Gregor Gysi aber musste für eine Veranstaltung an der Freien Universität (FU) in die Mensa umziehen.

ndPlusRobert D. Meyer

Unverschuldet zwangsgeräumt

In Spandau wurde gestern wieder eine Familie zwangsgeräumt. Die Mieter selbst ließen sich nichts zuschulden kommen. Grund für die Räumung sind Straftaten des volljährigen Sohnes.

ndPlusAndreas Fritsche

Die Bürokratie des Massenmords

Vom T-Gebäude in Oranienburg aus lenkte die SS den Terror in 32 Konzentrationslagern und mehr als 1000 Außenlagern. Eine neue Dauerausstellung dazu wird am 26. Oktober um 11 Uhr eröffnet.

Wilfried Neiße

Wo Verwaltung war, wird Verwaltung bleiben

Nur noch sieben bis zehn Landkreise soll es künftig in Brandenburg geben. Bisher sind es 14. Eine Enquetekommission legte ihre Vorschläge für die Zukunft der Verwaltung vor.

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Hendrik Lasch, Leipzig

Gedenken im Denkmal-Park

Der Park, in dem 2010 der junge Iraker Kamal K. von zwei Neonazis erstochen wurde, ist als Denkmal geschützt; der Stein wurde als unpassend erachtet. Fast hätte die Ästhetik der Politik einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Einladung ins Zusammenland

Was tun, wenn die Rheinland-Pfälzer immer älter werden? Damit beschäftigt sich die erste landesweite Demografiewoche. Eine Rolle spielen dabei auch ein Riesenschwungtuch und Handmassage.

ndPlusFolke Havekost, Hamburg

Hamburgs größte kleine Bühne schließt

Der Hamburger foolsgarden war die Talentschmiede für etliche Künstler, die heute weithin bekannt sind. Ende Oktober schließt er nach 36 Jahren - die Chefin zieht sich aus Altersgründen zurück.

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Zapfhahn mit Kükengriff

Einen Einblick in das Alltagsleben im mittelalterlichen Berlin gibt eine Ausstellung im Neuen Museum auf der Museumsinsel. Bis zum 15. Februar werden rund 80 Funde von den Ausgrabungen des 2010/2011 entdeckten Alten Rathauses und umliegender Grundstücke vor dem heutigen Roten Rathaus gezeigt. Zu den besonderen Schätzen gehört etwa ein reich verzierter, zweizeiliger Kamm aus dem 14. Jahrhundert,...

Fest der alternativen Leselust

An diesem Wochenende wird in Kreuzberg wieder das »Zinefest« gefeiert. Ab zwölf Uhr geht es am Samstag und Sonntag in der Gneisenaustraße 2a um die Kunst der Zine-Produktion. Die Bandbreite von Zines reicht von zusammengetackerten, schwarz-weiß-kopierten Minimagazinen mit der Anmutung von Schülerzeitungen bis hin zu aufwendig hergestellten Kunstbuchpublikationen. Gemeinsam haben sie einen schrä...

Wo Fernbusse einfach mal durchfahren

Magdeburg. Auf Autobahnen und an Busbahnhöfen gehören sie bereits zum Alltag: Fernbusse ergänzen seit diesem Jahr verstärkt das Angebot von Bahngesellschaften oder Mitfahrzentralen. Doch noch machen viele Linien einen großen Bogen um Sachsen-Anhalt - oder durchfahren es ohne Zwischenstopp, wie eine dpa-Umfrage ergab. Das Warten könnte für die Sachsen-Anhalter aber bald ein Ende haben. Immer meh...

Velten Schäfer

Klein-Klein statt »Masterplan«

Nach fast anderthalb Jahren liegt ein erster Bericht zu einem »Masterplan« für den Nordost-Agrarsektor vor. Ob es aber je zu einer gemeinsamen Plattform aller Interessengruppen kommen wird, ist offen.

Hans John

Ein »Jimi Hendrix der Tuba«?

Das Jazzfest Berlin wirft seine Schatten voraus. Denn seit Bert Nogelik die künstlerische Leitung übernommen hat, gibt es dem Festival vorgelagerte Veranstaltungen. So spielte etwa das Trio Ivoire.

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ndPlusPascal Beucker und Anja Krüger

Richter in Spendierlaune

Das war zu dreist. Nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung legte der Entsorgungsunternehmer Hellmut Trienekens dem Landgericht Köln eine Liste mit vierzehn gemeinnützigen Einrichtungen in und um Viersen vor, seinem Wohnsitz. Vom örtlichen Reitverein bis zu einem Familienheim: Sie alle sollten von der gegen den »Müllpaten vom Niederrhein« verhängten Geldbuße profitieren. Es ging ...

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svo

Nachrufe

Jovanka Broz / 7. 12. 1924 - 20. 10. 2013 Wer kann sich nicht an die beeindruckende Frau an der Seite des jugoslawischen Staatspräsidenten Josip Broz Tito erinnern: Lächelnd, das Haar zum altmodischen Dutt hochgesteckt, der nicht zu ihren Designerkleidern passte, schüttelte sie die Hände von Kaisern, Präsidenten und Hollywoodstars. In den 1960ern und 1970ern, der Blütezeit des Staates. U...

ndPlusGabriele Oertel

Ein Präsident für Höfe aller Art

Er konnte sich noch einmal steigern - und hat es sichtlich genossen. Der protokollarisch zweite Mann im Staate wurde in dieser Woche von 94,6 Prozent der Bundestagsabgeordneten für eine dritte Amtsperiode wiedergewählt.

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ndPlusReiner Oschmann

»Eine Zahnbürste ohne Borsten«

2014 jährt sich der Erste Weltkrieg zum hundertsten Mal. In vier Teilen berichtet unser Autor aus Flandern, dem Schlachtfeld Europas. Der heutige dritte Teil gilt dem faktisch letzten verbliebenen Zeugen - der Erde.

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Gunnar Decker

Der Schönheit dunkle Seite

Die »Musik des Untergangs« nimmt Luchino Visconti 1971 in seiner Verfilmung von »Der Tod in Venedig« beim Wort. Ein Geniestreich, der nur dadurch gelingen konnte, dass er den Schriftsteller Aschenbach zu einem Musiker macht (Gustav Mahler war für Mann tatsächlich eine Inspiration für die Figur Aschenbachs gewesen). So sehen und hören wir hier eine Symphonie aus Bildern und Klängen komponiert, der Mahlers Adagietto aus der 5. Symphonie den schwebenden Grundton vorgibt. Der alternde Künstler erkennt sich im schönen Knaben wieder, der ihn auf dionysische Weise in einen Rausch geraten lässt. Doch Tadzio ist nicht nur das Sinnbild des Lebens, auch das des Todes. Viscontis Meisterwerk traf auf verhaltene Kritik, um so mehr freute den Regisseur, dass ihm Golo Mann bescheinigte, dass es »trotz aller Manipulationen«, das erste Mal sei, dass er die Essenz des Werkes seines Vaters in einem Film wiedergefunden habe.

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ndPlusTom Mustroph

Propheten statt Produkte

Eine Vortragsreihe des Hamburger Instituts für Sozialforschung an der Berliner Schaubühne konstatiert eine Wiederkehr des Spirituellen jenseits der Kircheninstitutionen. Initiator Heinz Bude weiß nur nicht genau, ob man sich vor dieser neuen Religiosität eher fürchten oder sie feiern sollte. »Sie hat Potenziale für beides in sich«, sagt er. »Sie kann gefährlich sein. Man kann aber auch etwas da...

ndPlusZhou Chun , Shanghai

Stolz, ein Chinese zu sein?

Mein erster Eindruck von dir war dein Stolz, Chinese zu sein», wiederholt Marianne, meine deutsche Frau, immer noch gerne, besonders wenn wir unseren Hochzeitstag feiern. Sie ist nicht die einzige Person mit diesem Eindruck. Ein renommierter deutscher Sinologe erzählte mir einmal: «Ich kenne viele Chinesen, aber keinen einzigen, der sein Heimatland nicht liebt.» Ich kenne die Empfindlichk...

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Kein Bier mit Schülern

Keine Frage: Facebook ist aus der zwischenmenschlichen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Mein 14-jähriger Sohn schickt mir schon lange keine E-Mails mehr.

Lena Tietgen

Helmpflicht in der Universität

Am Mittwoch begannen die Koalitionsverhandlungen von SPD und Union. Ein Streitpunkt wird die Finanzierung von Bildung sein. Während des Wahlkampfs schwebte der SPD als Finanzierungsmöglichkeit Steuererhöhung für Reiche vor.

ndPlusJens Wernicke

Studenten mit 70-Stunden-Woche

Aus welchen sozialen Schichten kommen die rund 2,4 Millionen Studierenden, wie sieht ihre wirtschaftliche und soziale Lage aus? Wie finanzieren sie ihr Studium? Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten? Wie viel Zeit wenden sie für das Bachelor- oder Master-Studium auf, wie viel Zeit geht drauf für den Nebenjob? Auf diese und andere Fragen gab die unlängst veröffentlichte 20. Sozialerhebung des D...

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Wochen-Chronik

27. Oktober 1553 Auf Befehl des protestantischen Reformators Johan Calvin wird der spanische Arzt, Jurist, Humanist und Freidenker Miguel Serveto (s. Abb.), der in seinem Hauptwerk »Christianismi restitutio« Kritik an Katholizismus wie auch Protestantismus geübt hat, in Genf auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der vorangegangene Prozess war begleitet von einem theologischen Disput zwischen ...

ndPlusRalf Höller

Weg mit dem weißen Fleck

Zwei Jahrhunderte nach seiner Entdeckung 1642 durch den Niederländer Abel Janzon Tasman war Australien noch immer ein weißer Fleck auf den Landkarten. Der Fünfte Kontinent wurde erst 1770 von James Cook betreten, und es dauerte bis 1803, ehe diesen mit Matthew Flinders ein Schiffsführer erstmals umsegelte. Da hatten die Briten bereits einen Stützpunkt eingerichtet, zu dem sie ihre Sträflinge de...

Gerd Fesser

»Immer feste druff!«, forderte der Kronprinz

In keiner anderen Region des Deutschen Reiches war vor dem Ersten Weltkrieg soviel Militär konzentriert wie in Elsass-Lothringen. Hier standen starke preußische, bayerische, württembergische und sächsische Truppen.

ndPlusKarl-Heinz Gräfe

Judenhass unterm doppelköpfigen Adler

Zwei Jahre und zwei Monate saß der Arbeiter einer Ziegelfabrik Menachem Mendel Bejlis in Untersuchungshaft, ehe der Prozess gegen ihn eröffnet wurde. Er wurde beschuldigt, den dreizehnjährigen Schüler der Geistlichen Sophienschule in Kiew Andrej Schuschtschinski mit 47 Messerstichen ermordet zu haben, um dessen Blut für die Zubereitung der Pessach-Matzen (Osterbrote) zu verwenden. Zu jener Zeit...

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Galaxie aus der Anfangszeit des Alls

Astronomen haben die bislang fernste Galaxie am irdischen Himmel aufgespürt. Das Sternsystem ist so weit entfernt, dass sein Licht 13,1 Milliarden Jahre zu uns unterwegs war und damit fast das gesamte Alter des Universums. Die Galaxie leuchtet aus einer Ära kurz nach dem Urknall zu uns, wie die Entdecker um Steven Finkelstein von der Universität von Texas in Austin im britischen Fachjournal »Na...

Kein Happen ohne Gift
Iris Rapoport

Kein Happen ohne Gift

Jede Kost nährt nicht nur, sie ist auch Quelle natürlicher Schadstoffe. Dabei waren für unsere Urahnen gesättigte Fette oder Cholesterin im Fleisch noch kein Problem. Die machte erst das Übermaß schädlich!

ndPlusWalter Schmidt

Verräterisches Grünzeug

Wenn wir ein Buch oder eine Zeitung lesen, setzen sich Buchstaben zu dem zusammen, was der Autor uns sagen möchte. Auch in Landschaften kann man lesen, falls man ihre Botschaften entschlüsseln kann.

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Kai Althoetmar

Durstige Jäger der Nacht

Seen, Bäche und Tümpel sind für heimische Fledermausarten viel wichtiger als bislang angenommen. Wissenschaftler des Nationalparks Bayerischer Wald fanden heraus, dass die Fledertiere Gewässer in Bergregionen auch dann zuhauf aufsuchen, wenn sie ihnen wenig Insekten als Nahrung bieten. Ein Grund ist der extrem hohe Trinkwasserbedarf von Fledermausweibchen mit Jungen. Im Fachblatt »Journal...

Delfine als Vorbild für neues Radar

Von Delfinen haben sich britische Wissenschaftler bei der Entwicklung eines neuen Radargeräts zur Suche nach Opfern von Gruben- oder Lawinenunglücken inspirieren lassen. Das neue Radar sendet wie die Meeressäuger in schneller Folge zwei unterschiedliche Signale aus, wie die Forscher im Fachjournal »Proceedings of the Royal Society A« berichten. Damit lässt sich sehr schnell ein kleines Halbleit...

ndPlusMartin Koch

Gestutzter Stammbaum

Schon Charles Darwin war erstaunt, »wie gänzlich schwankend und willkürlich der Unterscheidung zwischen Art und Varietät ist«. Es komme daher häufig vor, dass ein Naturforscher unterschiedlich gestaltete Organismen sogleich verschiedenen Arten zuordne, während ein anderer nur von verschiedenen Varietäten einer einzigen Art ausgehe. Und solange man nicht wisse, wie groß die Abänderungsfähigkeit ...

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Anneliese Neitzel

Ganz gern mal in Rage

Na das ist ja mal eine Spielplatz-Idee! Mein Lieblingsspiel - und das schon seit Jahren - heißt »Wizard« (vom Verlag Amigo). Dieses Spiel ist seit dem Jahre 2001 in meinem Besitz, und es gibt einige Familienmitglieder, die es mit der gleichen Begeisterung mit mir spielen wie ich mit ihnen. Dieses Spiel erinnert ein wenig an Skat. In der Anleitung wird es für drei bis sechs Spieler empfohlen, ab...

800 mit 800

Noch bis zum morgigen Sonntag ist die Stadt Essen das internationale Mekka für Spielbegeisterte. Seit Donnerstag stellen Verlage und Spieleerfinder aus aller Welt auf den Internationalen Spieltagen mehr als 800 Neuheiten vor: rund 800 Aussteller aus 39 Ländern auf rund 48 000 Quadratmeter Fläche. Zu dem Angebot, das Spielefans dort ausprobieren können, gehören opulente Strategie- und Rollenspie...

Ein Txapela, ein baskisches Barett,
Carlos García Hernández, Schachlehrer

Ein Txapela, ein baskisches Barett,

... hat Lewon Aronjan (Armenien; 31) als Sieger des »Bilbao Chess Masters Final« bei der Siegerehrung aufgesetzt bekommen. Das Turnier gilt als eines der wichtigsten jedes Schachjahres. Mit diesem Triumph hat Aronjan erneut die 2800 ELO-Punktmarke erreicht, und er wird damit die Nummer 2 der FIDE-Weltrangliste hinter Magnus Carlsen (Norwegen: 22). Entscheidend für seinen Erfolg war, wie wir heu...

Udo Bartsch

Klingelbeutel im Internet

Rund 7000 Euro benötigte Daniel Danzer, und 19 275 Euro kamen zusammen. Der Stuttgarter Autor hatte ein Revolutionsspiel entwickelt, inspiriert durch die politischen Ereignisse des Jahres 2011: also Stuttgart 21, Fukushima-Demos, Proteste in Nordafrika. Ein aktuelles Thema sollte sein Werk dennoch nicht bekommen: »Die Situation kann sich ändern und dann passt das Spiel nicht mehr«, erklärt der ...

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ndPlusDanuta Schmidt

Die Wunder-Gärten des Donegal

Donegal inspiriert mich, wann immer ich dorthin nach Hause komme» sagte die Sängerin Enya einmal in einem Radiointerview über die sphärischen Klänge auf ihrem Album «Orinoco Flow». Wuchtige Berge dominieren im rauen Nordwesten Irlands die Landschaft aus dunklen Erdtönen und dem Blau des Atlantiks. Der Sleave League, der Errigal und der Ben Bulben erscheinen wie weise Eminenzen, die von Mythen u...

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ndPlusRoland Mischke

»Da kommst du unter die Räder«

Im Film »Eat, Pray, Love« mit Julia Roberts fährt die Aussteigerin auf einem schicken Rad durchs Inselparadies Bali. Darüber haben viele Zuschauer - der Film spielte weltweit 200 Millionen Euro an Kinokassen ein -, bei der Verfilmung der Autobiografie der US-Schriftstellerin Elizabeth Gilbert gelächelt. Mit dem Fahrrad über rumplige Straßen und Wege, durch verkehrsbrausende Städte und zusammeng...

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Wenn Garten Schule macht

Reifere Jahrgänge dürften den Kopf schütteln. Das Fach Schulgarten, einst weit verbreitet, ist auf Stundenplänen kaum noch zu finden, und die »grünen Klassenzimmer« werden bundesweit seltener. Ein Verlust?